Der rekonstruierte globale Temperaturverlauf der letzten zweitausend Jahre liefert keine Belege für eine weltweit gleichzeitige, mehrere Jahrzehnte anhaltende mittelalterliche Warmzeit[1][2]
Die mittelalterliche Klimaanomalie (englisch Medieval Climate Anomaly, kurz MCA), speziell in Bezug auf Temperaturen auch die mittelalterliche Warmzeit (englisch Medieval Warm Period, kurz MWP) oder auch das mittelalterliche Klimaoptimum, war ein Intervall vergleichsweise warmen Klimas und anderer Klimaabweichungen, wie umfassender kontinentaler Dürren. Eine mittelalterliche Warmzeit lässt sich regional und zeitlich nur unscharf feststellen. Den meisten Rekonstruktionen zufolge dürfte sie nach 900 begonnen und vor 1400 geendet haben. Der wärmste Zeitraum auf der Nordhalbkugel lag demnach zwischen 950 und 1250.
Die Wärmeperioden des Mittelalters waren zeitlich und regional uneinheitlich, anders als die seit dem 20. Jahrhundert weltweit gleichzeitig voranschreitende Erwärmung. Die mittleren Temperaturen der letzten dreißig Jahre sind inzwischen wahrscheinlich höher als die aller gleich langen Zeiträume im Mittelalter.[3][1][2][4] Auch steigen sie wahrscheinlich schneller als in den letzten mindestens 2000 Jahren.[5][1][6]
Entwicklung des Forschungsgebietes
Hinweise und erste systematische Arbeiten für den Nordatlantikraum
Grænlendingar im Kampf mit Inuit: Seit dem 18. Jahrhundert wird die Bedeutung des Klimas für die skandinavischen Grönlandsiedlungen im Verhältnis zu anderen Einflüssen diskutiert.
Schon seit dem 18. Jahrhundert diskutierte man anhand anekdotischer Hinweise, ob im Mittelalter vorübergehend höhere Temperaturen in verschiedenen Regionen des Nordatlantikraums geherrscht haben könnten. Der dänische Missionar Hans Poulsen Egede, der 1721 in Grönland vergeblich nach bewohnten mittelalterlichen Wikingersiedlungen suchte, von denen man seit 200 Jahren nichts gehört hatte, zog das Klima als eine mögliche Ursache ihres Verschwindens in Betracht:
“Were they destroyed by an invasion of the natives … [or] perished by the inclemency of the climate, and the sterility of the soil?”
„Wurden sie durch einen Einfall der Eingeborenen vernichtet … [oder] gingen sie durch die Unbarmherzigkeit des Klimas und Unfruchtbarkeit des Bodens zugrunde?“
Der schwedische Diplomat Fredrik von Ehrenheim erklärte 1824 das Ende der Wikingersiedlungen mit einer Abkühlung von einem Höhepunkt im 11. Jahrhundert zu einem Tiefpunkt im 15. Jahrhundert.[8] Bernhard Studer, 1847, François Arago, 1858, und andere deuteten das Ende der grönländischen Siedlungen im 15. Jahrhundert als Beweis für ein Kälterwerden einer vorher wärmeren Region, während Conrad Maurer diese Ansicht verwarf und den Grund im Vordringen von Inuit sah.[9] Poul Nørlund, der in Herjólfsnes im Südwesten Grönlands Gräber der Grænlendingar untersuchte, fand in Totenhemden unter dem Permafrost reichlich Pflanzenwurzeln und schloss daraus, dass die Sommertemperaturen zeitweilig den Boden aufgetaut hatten und dort daher höher gewesen waren als um 1921.[10] Änderungen von Baumgrenzen wurden teils als Indiz für Klimaänderungen gedeutet, teils als durch menschliche Eingriffe verursacht. Eduard Brückner wies 1895 darauf hin, dass früherer Weinanbau in Gegenden wie in Norddeutschland, wo um 1900 herum keiner mehr erfolgte, nicht nur durch klimatische, sondern auch durch ökonomische Randbedingungen beeinflusst worden war: „Es war der teueren Fracht wegen vorteilhafter, Mißernten mit in Kauf zu nehmen, als von Süden her Wein zu importieren.“[11]
Die systematische Erforschung einer etwaigen mittelalterlichen Klimaanomalie – besonders im europäischen Raum – war zunächst vor allem Feld der Historischen Klimatologie. Denn für das Europa des Mittelalters, lange vor dem Beginn instrumenteller Messungen, ließen sich aus historischen Dokumenten und archäologischen Funden Rückschlüsse auf klimatische Verhältnisse und ihre Folgen ziehen, schon bevor seit den 1990er-Jahren die Paläoklimatologie vermehrt hochqualitative Rekonstruktionen aus natürlichen Klimaarchiven bereitstellte. So gibt es für den Zeitraum ab etwa 1300 einigermaßen vollständige historische Berichte über Sommer- und Winterwitterung. Es waren die Pionierarbeiten auf diesem Feld, etwa des englischen Klimatologen Hubert Lamb oder des französischen Historikers Emmanuel Le Roy Ladurie, die erste umfassende Übersichten über höhere Temperaturen und soziale Zusammenhänge für den Nordatlantikraum und hier besonders Europa lieferten.[12]
Nach aktuellem Forschungsstand gab es zu Beginn der mittelalterlichen Warmzeit weltweit weniger Gletschervorstöße als im 2. Jahrtausend, bis zum gegenwärtigen, ungewöhnlichen Rückgang.[13]
Der Begriff mittelalterliche Warmzeit wurde denn auch in erster Linie durch die Arbeiten Lambs in den 1960er-Jahren geprägt[14] und später von anderen Forschungsfeldern übernommen.[12] Lamb bezeichnete damit eine Klimaerwärmung, die er regional mit bis zu 1 bis 2 °C angab und deren Höhepunkt er zwischen den Jahren 1000 und 1300 vermutete. Lamb fand Hinweise auf eine solche Erwärmung vor allem um den Nordatlantik, während es annähernd zeitgleich für den Nordpazifik Hinweise auf relativ niedrige Temperaturen gab. Als Ursache nahm er Verlagerungen des arktischen Polarwirbels an.[15]
Gelegentlich wurde eine mittelalterliche Warmzeit auch anhand der Ausdehnung von Gletschern definiert. In dieser Sichtweise war die MWP durch einen damals vermuteten weiträumigen Gletscherrückgang zwischen ca. 900 und 1300 gekennzeichnet.[12]
Eine globale Wärmeanomalie?
Scott Stine veröffentlichte 1994 paläoklimatologische Analysen, denen zufolge es ab ca. 900 bis 1350 in der Sierra Nevada Kaliforniens und in Patagonien mehrere Jahrhunderte dauernde extreme Dürreperioden gegeben hatte. Stine vermutete, dass hydrologische Abweichungen im Mittelalter noch bedeutsamer als Temperaturabweichungen gewesen sein könnten. Um auch solche hydrologischen Anomalien einzuschließen, schlug er für das Zeitintervall den allgemeineren Begriff mittelalterliche Klimaanomalie vor.[16]
Etwa zur gleichen Zeit kamen Hughes and Diaz (1994) in einer Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass noch keine klaren Belege für eine einheitliche hemisphärische oder globale Wärmeanomalie existierten. Zu diesem Zeitpunkt waren hochauflösende Proxydaten, die großräumig Aufschluss über den Temperaturverlauf vor 1500 hätten geben können, nur spärlich vorhanden. Solche Proxydaten gab es vermehrt erst ab Mitte der 1990er-Jahre auch für weitere Regionen, so dass bis 2011 für die mittleren und hohen Breiten zahlreiche Rekonstruktionen möglich wurden, während die Tropen und die Südhemisphäre nach wie vor nur von relativ wenigen Datenreihen abgedeckt sind.[17] Der Weltklimarat kam in seiner Zusammenfassung des Forschungsstands im Jahr 2001 ebenfalls zu dem Ergebnis, dass es zu diesem Zeitpunkt keine klaren Belege für global gleichzeitige Perioden ungewöhnlicher Kälte oder Wärme gab.
Fragen nach Ursachen, Einzigartigkeit und potentiellen Folgen der gegenwärtigen globalen Erwärmung lenkten einige Aufmerksamkeit auf eine etwaige mittelalterliche Klimaanomalie als Vergleichsmaßstab.[12][17] Die gesellschaftlichen Indizien und Folgen einer mittelalterlichen Wärmeanomalie im Nordatlantikraum wurden in populärwissenschaftlichen Darstellungen aufgegriffen. Mit dem Aufkommen der medialen und politischen Kontroverse um die globale Erwärmung argumentierten Klimawandelleugner, vor allem anhand Lambs Darstellung der mittelalterlichen Warmzeit, dass die Temperaturen der letzten Dekaden noch innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite des Klimas lägen und daher nicht als Beleg dafür gelten könnten, dass die beobachtete Erwärmung ein Ergebnis erhöhter Treibhausgaskonzentrationen sei.[18] Die Existenz und das Ausmaß einer überregionalen mittelalterlichen Warmzeit wurden auch in der Wissenschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts kontrovers diskutiert.[18][19][20]
Begriff und Forschung seit 2010
Uneinheitliche Verwendung des Begriffs „mittelalterliche Warmzeit“ (rote Balken)
Weitere Rekonstruktionen, zum Beispiel aus dem Pages 2k-Projekt[21], mit einer zunehmend besseren regionalen Abdeckung erlauben mittlerweile eine klarere Einordnung zumindest der nordhemisphärischen Temperaturen. Im Jahr 2013 kam der fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats zu dem Schluss, dass es regional und zeitlich uneinheitliche mittelalterliche Klimaanomalien gab, die in einigen Regionen so warm gewesen sein könnten wie zu Zeiten des 20. Jahrhunderts. In den letzten dreißig Jahren aber waren die gemittelten Temperaturen wahrscheinlich höher als in allen gleich langen Zeiträumen im Mittelalter.[3][2]
Die Begriffsverwendung „mittelalterliche Warmzeit“ oder „mittelalterliche Klimaanomalie“ ist inkonsistent. Der amerikanische Klimaforscher Raymond S. Bradley sah hier eine Art Bestätigungseffekt am Werk.[22] Viele Arbeiten greifen auf den Begriff auch dann zurück, wenn „ihre“ untersuchte Klimaabweichung deutlich außerhalb des Zeitfensters der Jahre 950 bis 1250 liegt und Zeiträume in der gesamten Epoche des Mittelalters zwischen 500 und 1500 mit umfasst.[23] Solche als mittelalterliche Warmzeit bezeichnete Episoden umfassen dann gelegentlich auch Zeiträume, die in anderen Arbeiten schon zu der später folgenden Kleinen Eiszeit gerechnet werden oder zu vorhergehenden, oft als wechselhaftere oder kühler charakterisierten Episoden des frühen Mittelalters (→ Pessimum der Völkerwanderungszeit).
Rudolf Brázdil u. a. warnten 2005 vor der Verwendung des Begriffs Mittelalterliche Warmzeit in Vergleichen klimatischer Bedingungen mit geschichtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Bezeichnung sei nicht sehr hilfreich, weil sie Komplexität überdecke und zu voreiligen Schlüssen verleite.[24] Auch der Begriff mittelalterliches Optimum kann leicht fehlinterpretiert werden, denn es handelt sich dabei um eine wertfreie Konvention in der Systematik der Klimaschwankungen und nicht um ein positives Werturteil.[25] Der Begriff mittelalterliche Klimaanomalie für die verschiedenen Klimaabweichungen ist in der Wissenschaft mittlerweile der gebräuchlichste.[17]
Klimatische Verhältnisse
Temperaturen
Globaler und hemisphärischer Temperaturverlauf der letzten 2000 Jahre in verschiedenen Rekonstruktionen, im Vergleich dazu gemessene Temperaturen bis einschließlich 2004
Insgesamt zeigen die Auswertungen global einen langfristigen leichten Abkühlungstrend über die letzten etwa 5000 Jahre bis in das 19. Jahrhundert, der im Mittelalter regional unterschiedlich durch wärmere Intervalle unterbrochen wurde. Eine global gleichzeitige, klar abgrenzbare mittelalterliche Warmzeit ist nicht erkennbar. Erst in den letzten ca. zweihundert Jahren wurde der leichte Abkühlungstrend des späten Holozän durch eine mittlerweile global synchrone, ungewöhnlich starke Erwärmung beendet. Die gemittelten nordhemisphärischen Lufttemperaturen der letzten drei Dekaden sind wahrscheinlich höher als die gleich langer Zeiträume im Mittelalter.[21][3][26][6] Auch auf der Südhalbkugel liegt das wärmste Jahrzehnt mindestens der letzten 1000 Jahre wahrscheinlich im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert.[27]
Temperaturanomalien der letzten zweitausend Jahre, nach Kontinent[21]
Während der mittelalterlichen Klimaanomalie war es in weiten Teilen der mittleren und hohen Breiten der Nordhalbkugel wärmer als während der folgenden kleinen Eiszeit. Darauf deutet eine große Mehrheit der paläoklimatologischen Befunde hin. Einige Regionen könnten, betrachtet über Zeiträume von 100 Jahren, sogar so warm gewesen sein wie im vergangenen 20. Jahrhundert.[21]
Rekonstruktion der saisonalen Temperaturen in Mitteleuropa 1000 bis 1300 auf der Basis von Pfister-Indizes. Auffallend ist die lange sommerliche Warmperiode von 1170 bis um 1300 (drittes Panel).[28]
Für West- und Mitteleuropa deuten Rekonstruktionen von Christian Pfister und Heinz Wanner mit Methoden der Historischen Klimatologie darauf hin, dass die Winter seit CE 1000 durchwegs kälter waren als im 20. Jahrhundert. Die Sommer waren im 12. Jahrhundert eher kalt. Andererseits war diese Jahreszeit in der Periode 1170 bis 1300 so warm wie im 20. Jahrhundert, worauf auch die Verbreitung von mediterranen Kulturpflanzen wie Feigen und Oliven nördlich der Alpen hindeutet.[28][29]
Für die Südhalbkugel sind die Daten spärlicher. Eine Auswertung von 511 Zeitreihen aus Baumringen, Pollen, Korallen, See- und Meeressedimenten, Gletschereis, Speläothemen und historischen Dokumenten zeigt für den Zeitraum 830–1100 ein wärmeres Intervall in Europa, Nordamerika, Asien und der Arktis. In Südamerika und Australasien gab es später, von 1160 bis 1370, ein wärmeres Intervall.[21]
Teile der Tropen könnten vergleichsweise kühl gewesen sein, eine Datenreihe aus flachen Gewässern der Ostantarktis zeigt kein klares Signal einer mittelalterlichen Warmzeit.[17] Im südlichen Südamerika gab es einer Rekonstruktion zufolge über mehrere Jahrzehnte im 13. und frühen 14. Jahrhundert Sommertemperaturen, die an die im späten 20. Jahrhundert herangereicht haben könnten.[17] Datenreihen aus Afrika zeichnen ein uneinheitliches Bild. Insgesamt gab es um das Jahr 1000 ein stärkeres Wärmesignal in einigen Gegenden Südafrikas, während für Namibia, Äthiopien und Tansania erst später, ab 1100, eine deutlichere Erwärmung erkennbar ist.[30] Eine Synthese von 111 Zeitreihen bestätigte für die gesamte südliche Hemisphäre, ausgehend von durchschnittlichen Temperaturen zwischen 1000 und 1200, ein wärmeres Intervall zwischen 1200 und 1350, den anschließenden Abkühlungstrend und die gegenwärtige globale Erwärmung.[27]
Im Nordatlanktikraum waren die Meeresoberflächentemperaturen vergleichsweise hoch.[31] Eine Synthese von 57 Rekonstruktionen der Meeresoberflächentemperaturen über die letzten zweitausend Jahre fand jedoch keine globale mittelalterliche Klimaanomalie.[32]
Hydrosphäre
Änderungen des Meeresspiegels in den letzten 2000 Jahren
Neben regionalen Temperaturanomalien traten weiträumige hydrologische Anomalien auf.
Südeuropa war im Zeitraum 1000–1200 im Vergleich zu den mittleren Verhältnissen des 20. Jahrhunderts trocken, Südskandinavien und das nördliche Mitteleuropa deutlich trockener. Nordwesteuropa, der Balkan und die westliche Levante wiesen eher feuchte Verhältnisse auf. Es gibt Hinweise, dass im Vergleich zum Zeitraum der kleinen Eiszeit weniger Dürren im Einflussbereich des ostasiatischen Monsun auftraten.[33]
In Teilen Nordamerikas gab es heftige und lange Megadürren.[33]
In Afrika deuten historische Quellen für die Sahelzone auf feuchtere Bedingungen hin, südlich der Sahel scheint es hingegen relativ trocken gewesen zu sein. Im westlichen Kongobecken zeigen die verfügbaren Daten kein klares Signal. Im Osten, von Äthiopien bis Malawi war es trocken; der Nil wies ab 900 einen sehr starken Anstieg von Jahren mit Niedrigwasser auf, ab ca. 1150 kamen auch gehäuft Jahre mit Hochwasser hinzu. Im südlichen Afrika zeigen die meisten Rekonstruktionen insgesamt eher feuchte Bedingungen an.[34]
Der Meeresspiegel schwankte in den letzten zweitausend Jahren um etwa ± 8 cm. Er stieg bis etwa zum Jahr 700 an, von 1000 bis 1400 sank er etwas, einhergehend mit einer globalen Abkühlung von ca. 0,2 °C über diesen Zeitraum. Erst im 19. Jahrhundert begann der Meeresspiegel wieder zu steigen, wobei der Anstieg deutlich schneller verläuft als während des Mittelalters.[35]
Kryosphäre
Rekonstruierte arktische spätsommerliche Meereisausdehnung seit 560 (rote Linie) und beobachtete Werte seit 1870 (blaue Linie, geglättet); aktuelle ungeglättete Werte liegen bei 3,5 bis 5 Mio. km²
Die arktische Meereisausdehnung war, so legen es Rekonstruktionen nahe, vor 1200 geringer als während der kleinen Eiszeit. Das Minimum vor Beginn der Industrialisierung fiel jedoch in den Zeitraum um das Jahr 640, deutlich vor dem meist angenommenen Kernzeitraum einer mittelalterlichen Warmzeit.[36]
Betrachtet über Jahrtausende wiesen die meisten Gletscher eine Entwicklung auf, die im Einklang mit langfristigen, allmählichen Änderungen der Erdachse standen (Milanković-Zyklen); in weiten Teilen der Nordhemisphäre entsprach dies einem langsamen Vorrücken. Über den Zeitraum einzelner Jahrhunderte oder Jahrzehnte lassen sich nur für einzelne Regionen sichere Aussagen über vergangene, gleichzeitige Gletscheränderungen treffen. Ab ca. 900 kam beispielsweise das Vorrücken von Gletschern in Alaska vorübergehend zum Stillstand, auch einige Gletscher in den Westalpen wiesen ab ca. 760 bis in das 12. Jahrhundert hinein weniger Aktivität auf.[37] Ein einheitlicher Gletscherrückgang im Zeitraum einer mittelalterlichen Klimaanomalie ist jedoch nicht erkennbar. Im Untersuchungszeitraum zwischen 1050 und 1150 wuchsen in vielen Hochgebirgsregionen der Welt, wie den Alpengebieten, Kanada, Patagonien, Alaska u. a., die Gletscher[19] oder es ist, zum Beispiel für den Raum der Baffin-Bucht oder Südostgrönland, kein Unterschied zur kleinen Eiszeit zu erkennen.[38] Erst in den letzten Jahrzehnten ist ein globaler nahezu gleichzeitig stattfindender Gletscherrückgang zu verzeichnen, der für den Zeitraum des Holozän sehr ungewöhnlich ist und rapide voranschreitet.[37][13]
Ursachen
Änderungen ozeanisch-atmosphärischer Zirkulationssysteme haben wahrscheinlich eine wichtige Rolle im uneinheitlichen Auftreten mittelalterlicher Klimaanomalien gespielt. Menschliche Einflüsse durch Störungen der Atmosphäre oder Landnutzung waren – in globalem Maßstab – kaum von Bedeutung. Die Abwesenheit wesentlicher Änderungen der primären Klimafaktoren Treibhausgaskonzentration, Sonnenaktivität und vulkanische Aktivität im Zeitraum 725 bis 1025 veranlasste Bradley, Wanner und Diaz (2016) von einer mittelalterlichen Ruhezeit zu sprechen, während der sich das Klima nahezu in einem Gleichgewichtszustand befunden haben könnte.[23]
Interne Variabilität
Das regional und zeitlich uneinheitliche Auftreten der Klimaanomalien deutet auf eine wesentliche Rolle interner Variabilität des Klimasystems, also Änderungen der atmosphärischen Zirkulation oder Meeresströmungen.[21]
Zum Ausgang des 12. Jahrhunderts bis vor 1400 gab es häufiger positive Phasen der Nordatlantischen Oszillation.[39]
Einige Arbeiten stützen die These, dass Änderungen ozeanisch-atmosphärischer Zirkulationssysteme, etwa ein häufigeres oder intensiveres Auftreten von La-Niña-ähnlichen Ereignissen, eine Rolle spielten. Diese These deckt sich mit Rekonstruktionen eines relativ kühlen tropischen Pazifiks. Wärmere Temperaturen der Meeresoberfläche im Nordatlantik könnten, im Einklang mit positiven Phasen der Nordatlantischen Oszillation (NAO), das relativ warme Klima im Nord- und Westeuropa und Dürren in Teilen der Welt erklären.[17][40] Positive Phasen der NAO korrelieren in der Regel mit kälterem Klima in Grönland. Neuere Untersuchungen auf Basis von deutlich mehr Datenreihen deuten darauf hin, dass es erst ca. 1150–1400 zu deutlich häufigeren positiven Phasen der NAO kam.[39]
Die Hypothese vom „wackelnden ozeanischen Förderband“ (engl. wobbly ocean conveyor hypothesis) verweist auf periodische Schwankungen (ca. 1000 – 2000 Jahre) des Nordatlantikstroms als Ursache. Durch Verdunstung von 0,25 × 106 m³/s Wasser, welches in den Pazifik verfrachtet wird, steigt der Salzgehalt des Atlantiks an. Die Zirkulation des globalen Förderbandes soll ca. alle 1500 Jahre stark ansteigen, um den Salzgehalt auszugleichen. Dies sei mit Temperaturschwankungen des Meerwassers in der Größenordnung von 4 bis 5 K verbunden, wodurch sich auch die Temperaturen an Land ändern könnten.[20][41] Positive Phasen der Atlantische Multidekaden-Oszillation können zu den Dürren der Zeit beigetragen haben. Warum sich Zirkulationssysteme während einer mittelalterlichen Warmzeit anhaltend geändert haben könnten, ist ungeklärt.[17]
Vulkanismus
Caldera der Samalas-Eruption im Jahr 1257
Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert gab es ungewöhnlich wenig starke Vulkanausbrüche. Gelangen bei Vulkanausbrüchen Gase und Asche in die Stratosphäre, kann dies zur Bildung von Aerosolen, einer verminderten Sonneneinstrahlung und damit einhergehenden Abkühlung führen. Eruptionen in den Tropen können einen globalen Effekt haben, während bei Ausbrüchen in höheren Breiten die ausgeworfenen Partikel weniger weiträumig verteilt werden und der Effekt eher regional ist. Zwischen 682 und 1108 sind keine starken Eruptionen in den Tropen erkennbar und nur eine in höheren Breiten, um das Jahr 939 in Island, die nur einen begrenzten Effekt auf die globalen Temperaturen gehabt haben kann. Erst mit großen Ausbrüchen 1108, 1171, 1230 und 1257 (Ausbruch des Samalas) in Äquatornähe endete die Phase geringer vulkanischer Aktivität.[42] Der fehlende vulkanische Einfluss auf das Klima könnte zu relativ hohen Temperaturen im Zeitraum bis in das 12. Jahrhundert beigetragen haben.[23]
Sonnenaktivität
Rekonstruierte Sonnenaktivität der letzten 2000 Jahre
Die Strahlungsintensität der Sonne scheint zwischen ca. 725 und 1025 nur wenig geschwankt zu haben, sie entsprach in etwa dem langjährigen Durchschnitt. Nach einem Minimum der Sonnenaktivität im 11. Jahrhundert, dem Oortminimum, stieg sie wieder auf das vorige Niveau an.[23][43] Die solare Aktivität von etwa 1150 bis 1300 wurde gelegentlich als mittelalterliches Maximum bezeichnet.[44] Eine über längere Zeiträume unterdurchschnittliche solare Aktivität ist mit dem ausgehenden 13. Jahrhundert, beginnend mit dem Wolfminimum, zu beobachten. Auch wenn der direkte Einfluss der Sonne über die Intensität ihrer Strahlung im vergangenen Jahrtausend wahrscheinlich relativ gering war, könnte sie indirekt, zum Beispiel über ihren Einfluss auf die Ozonschicht, größere regionale Bedeutung gehabt haben.[45]
Gesellschaftliche Folgen
Seitdem mittelalterliche Klimaanomalien untersucht werden, stellte sich auch die Frage nach ihrem Einfluss auf Gesellschaften. Viele Arbeiten identifizierten zeitliche Parallelen zwischen klimatischen Anomalien und gesellschaftlichen Entwicklungen und versuchten, kausale Zusammenhänge herzuleiten, häufig über den Einfluss des Klimas auf die für die meisten mittelalterlichen Gesellschaften besonders wichtigen landwirtschaftlichen Erträge.
Bisweilen wurden die mittelalterlichen Klimaverhältnisse mit Blick auf ein als Blütezeit betrachtetes europäisches Hochmittelalter als „Klimagunst“ gewertet.[46] Der kanadische Umwelthistoriker Richard Hoffmann warnt vor einer allzu simplen Darstellung mittelalterlicher Zivilisation als eine, die durch harsche Umweltbedingungen in der Spätantike hervorgebracht, während günstiger Klimabedingungen aufgeblüht und mit Beginn der kleinen Eiszeit zusammengebrochen sei. Dies habe einen Beigeschmack von Umweltdeterminismus.[47] Eine eurozentrische Perspektive kann zu einer verzerrenden Wertung des mittelalterlichen Klimas führen.[48] Im tropischen Südchina[49] gab es eine ausgeprägte, in Nordamerika[50] sogar extreme Dürrezeit. Die Dürren jener Zeit gingen mit Agrarkrisen, Hungersnöten, Konflikten und gesellschaftlichen Krisen einher. Detaillierte Analysen, wie Klimaschwankungen in Abgrenzung von und im Zusammenspiel mit anderen Faktoren zu gesellschaftlichen Entwicklungen geführt haben könnten, sind – trotz zunehmend hoch aufgelöster Niederschlags- und Temperaturrekonstruktionen – nach wie vor schwierig und rar.[51]
Europa
In der Zeitspanne, in der die mittelalterliche Warmperiode verortet wurde, stieg die Bevölkerung in West- und Mitteleuropa längerfristig um etwa einen Drittel an. Das Wachstum beruhte auf drei Faktoren. Relativ hohen Temperaturen im Sommerhalbjahr (April bis September), einer Ausdehnung des Acker- und Wieslandes auf Kosten des Waldes sowie auf technischen und institutionellen Neuerungen. Das wärmere Sommerhalbjahr verlängerte die Weidezeit, vermehrte das Winterfutter und verringerte die Verluste durch Viehseuchen. Die Waldfläche wurde durch Rodungen um zwei Drittel reduziert. Der Löwenanteil der dadurch gewonnenen Anbauflächen diente wahrscheinlich der Vergrößerung der Wiesen und Weiden, um zusätzlichen Stallmist und Zugkraft zu erhalten. An technischen Verbesserungen ist die Einführung des Räderpfluges zu erwähnen, während sich durch den Übergang von der Zweizelgen zur Dreizelgenwirtschaft die Anbauflächen vergrößerten. Anhand eines Modells ist geschätzt worden, dass sich das Volumen der Getreideernten im dreizehnten Jahrhundert in etwa verdoppelte.[52]
Getreidewirtschaft wurde bis nach Norwegen und in den Bergen Schottlands nachgewiesen, die in der nachfolgenden Kleinen Eiszeit und der damit verbundenen Abkühlung des Klimas wieder eingestellt wurde.[53] Die Vorratsschädlinge Kornkäfer und Getreideplattkäfer und auch der Menschenfloh wurden zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert deutlich häufiger in West- und Nordeuropa nachgewiesen, wärmere und feuchte Witterung könnte ihr Vorkommen mit begünstigt haben.[54]
Die Klimabedingungen waren allerdings nicht die alleinigen Gründe für den rasanten Anstieg der Bevölkerung und der damit verbundenen Expansion mit ihrem Landesausbau. Wilhelm Abel nennt den agrikulturellen Fortschritt sowohl bei der Nutzung technischer Geräte, wie z. B. dem Kummet für Zugpferde, als auch bei der Bodennutzung sowie der Diversifizierung von Getreide.[55] Dieses Zusammenspiel machte es möglich, eine rasch wachsende Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. So wird angenommen, dass sich die Bevölkerung in Europa zwischen 1100 und 1400 fast verdreifachte. In der Folge kam es zu einer Wechselwirkung zwischen Bevölkerungswachstum und der Gewinnung von neuem Ackerland. Die Bevölkerung begann mit einem Ausbau des Siedlungsgebietes, bei dem riesige Waldflächen zu Ackerland verwandelt wurden (z. B. im Zug der Deutschen Ostsiedlung). Zahlreiche Städte entstanden als neue Zentren des Handels und des Gewerbes, die sich die Arbeit mit den agrarischen Gebieten teilten.
Trotz wechselhafteren Klimas kam es im 12. Jahrhundert zu einer Ausdehnung und einem Aufschwung des Byzantinischen Reiches.
Für den Südosten Europas und Kleinasien, die Entwicklung des landwirtschaftlich geprägten Byzantinischen Reich, kommt eine Übersichtsarbeit zu dem vorsichtigen Schluss, dass das Klima, neben vielen anderen Faktoren, eine Rolle gespielt haben könnte. Vom 9. bis zum 10. Jahrhundert begünstigte milde, feuchte Witterung Landwirtschaft und Bevölkerungswachstum. Die klimatischen Verhältnisse hielten auch im 11. Jahrhundert an, indessen geriet Byzanz in Anatolien unter Druck der Seldschuken und konnte seine Landwirtschaft dort nicht mehr ausweiten. Obwohl im 12. Jahrhundert das Klima wechselhafter wurde, teils wärmer, mit Trockenperioden im für die dortige Landwirtschaft besonders wichtigen Herbst- und Winterhalbjahr, kam es in Byzanz in der komnenischen Periode zu einer neuen Ausdehnung und gesellschaftlichen und ökonomischen Blüte, was von den Forschern als Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft gedeutet wurde. Kühlere Sommer und trockenere Winter zu Beginn des 13. Jahrhunderts wie auch der Ausbruch des Samalas 1257 (auf der indonesischen Insel Lombok) mit darauf folgenden kühlen Jahren könnten zur Instabilität und zum Ende des spätbyzantinischen Reiches beigetragen haben.[56]
Afrika
Von 930–1070 und 1180–1350 kam es infolge verminderter Niederschläge in Ostafrika zu einem starken Anstieg von Jahren, in denen der Nil deutlich weniger Wasser führte. Ab etwa 1150 traten auch gehäuft Jahre mit Hochwasser hinzu. Jahre mit Niedrigwasser führten zu Hungerkatastrophen von Ägypten bis zur Gegend um den Viktoriasee.[34] Laut dem arabischen Historiker al-Maqrīzī (1364–1442) kam es in den Jahren 962–967 zu einer extremen Hungersnot mit Kannibalismus. Der arabische Gelehrte Abd al-Latif al-Baghdadi berichtete von Niedrigwasser um 1200 und einer nachfolgenden Hungersnot der Jahre 1200–1202, deren Zeuge er war und der ihm zufolge allein in Kairo über 100.000 Menschen zum Opfer fielen.[57][58]
Der Hügel von Mapungubwe.
Am Lauf des Limpopo entwickelten sich um 1000 aus kleinen Häuptlingstümern erste komplexere Gesellschaften und urbane Zentren im südlichen Afrika. Feuchteres Klima in dieser semi-ariden Region könnte diese Entwicklung gefördert haben. Um 1220 verlagerte die Elite dieser Gesellschaft ihr politisches Zentrum in das nahe Mapungubwe. In diesem Umzug könnten sich veränderte Weltanschauungen offenbaren: Die Führung des Staates bezog ihre Legitimität wahrscheinlich auch aus ihrer spirituellen Rolle, vom Hügel herab den knapper werdenden Regen herbeizubeschwören. Der südafrikanische Archäologe Thomas Huffman vertrat die These, ausbleibender Regen habe die Macht der Anführer geschwächt, zur Fragmentierung des Staates beigetragen und so auch dazu, dass der Staat um Mapungubwe hinter Groß-Simbabwe, das sich ab dem 11. Jahrhundert zu einer weiteren regionalen Großmacht entwickelt hatte, zurückfiel.[59][60]
Amerika
Das Salmon Great House, nahe Bloomfield, New Mexico: Ab 1068, möglicherweise nach dürrebedingter Migration, errichtet; nach zwei späteren Dürren, wie auch fast alle anderen Siedlungen der Region, aufgegeben.
Für den Südwesten der heutigen USA haben mehrere Arbeiten einen möglichen Zusammenhang zwischen außergewöhnlicher Wärme, Dürren und der Entwicklung indianischer Stämme und Kulturen untersucht. So wurden zum Beispiel Parallelen zwischen dem Niedergang der Chacoan-, Fremont-, Lovelock-Kulturen und drei ausgeprägten mittelalterlichen Dürren identifiziert.[61]
Die Chacoan-Kultur auf dem Vierländereck der heutigen US-Bundesstaaten Utah, Colorado, New Mexico und Arizona war stark vom Maisanbau abhängig. Ausreichende Niederschläge hatten in den Jahren 700–900 und 1050–1130 einen sesshaften Lebensstil, kulturelle Entwicklung und ein starkes Bevölkerungswachstum erlaubt. Pueblos mit großen mehrstöckigen Gebäuden wurden errichtet, darunter die der Chaco-Canyon-Kultur und der Cliff palace im heutigen Mesa-Verde-Nationalpark, die auf Bewässerungsfeldbau angewiesen waren. Nach mittelalterlichen Dürreperioden Mitte des 12. Jahrhunderts und im späten 13. Jahrhundert wurden jedoch fast alle Siedlungen aufgegeben.[61] Man fand archäologische Hinweise auf einen starken Anstieg von Kannibalismus in der Mitte des 12. Jahrhunderts.[62]
In Mittelamerika waren Dürren vom 8. bis in das 11. Jahrhundert wahrscheinlich einer der Faktoren, die zum Ende der Maya-Zentren im zentralen Tiefland beitrugen.[63] Zurückgehende Niederschlagsmengen in den Zentralanden führten ab etwa 1000 zum Ende der vorinkaischen Tiwanaku- und Wari-Kulturen im heutigen Bolivien und Peru; trotz ausgeklügelter Bewässerungssysteme gelang es wahrscheinlich nicht mehr, die Bevölkerung in dem kargen Altiplano zu ernähren.[64] Ausschlaggebend für den Untergang des Tiwanaku-Staats war wohl, dass die Hochbeete der Tiwanakaner durch zurückweichen der Uferlinie des Titicacasees und der damit verbundenen Grundwasserabsenkung beeinträchtigt wurden. Archäologische Funde deuten auf einen zeitlich parallel verlaufenden Niedergang der Autoritäten.[65][66]
Grönland
Aus Walrosszahn geschnitzte mittelalterliche Schachfiguren. Vermehrter Eisgang und die dadurch erschwerte Walrossjagd, aber auch Konkurrenz aus Afrika und Russland, könnte den Elfenbeinhandel und so die Grönlandsiedlung unlukrativ gemacht haben.[7]
Inwieweit Klimaänderungen zum Ende der mittelalterlichen skandinavischen Grönlandsiedlung (Westsiedlung ca. 1350, Ostsiedlung im 15. Jahrhundert) beitrugen, ist nach wie vor nicht geklärt. Jüngere Arbeiten zu mittelalterlichen Klimaänderungen im Raum West- und Südgrönlands zeichnen ein komplexes Bild. Insgesamt deuten sie für den Zeitraum zwischen ca. 1140 und 1220 im Raum der Westsiedlung und der Walrossjagdgründe auf eine Periode kalten Klimas. Gebiets- und zeitweise kann es auch vorher, also schon während der Kernzeit der mittelalterlichen Klimaanomalie, kalte Zeitabschnitte gegeben haben. In der Baffin Bay und in der Diskobucht gab es schon für den Zeitraum 1000 bis 1250 durch niedrigere Sommertemperaturen verursachte Gletschervorstöße,[67] die möglicherweise sogar an das spätere Ausmaß ab 1400 heranreichten.[68][69] Analysen von Seesedimenten zeichnen ein teils widersprüchliches Bild: Eine Untersuchung von Sedimenten aus einem See nahe Kangerlussuaq deutet auf zunehmende Temperaturen zwischen 900 und 1150, dann – deutlich vor dem Ende der Siedlungen – eine rapide Abkühlung und anschließend wieder eine Erwärmung, die schon um 1300 wieder das Niveau von 900 erreichte und bis in das 17. Jahrhundert anhielt;[70] eine Analyse anhand von Zuckmücken aus Seesedimenten nahe dem südlicher gelegenen Narsaq weist auf relativ hohe Temperaturen zwischen 900 und 1400 hin, mit gegen Ende dieses Zeitraums wechselhafter werdendem Klima.[71]
Man hatte lange angenommen, dass die Wikinger hartnäckig an ihrer überkommenen Landwirtschaft festgehalten und durch Unflexibilität, auch gegenüber Klimaschwankungen, sowie durch Umweltzerstörung wesentlich ihren Niedergang mitverursacht hatten.[72][7] Neuere Ausgrabungen seit Mitte der 2000er-Jahre weisen jedoch darauf hin, dass ab etwa 1300 das Meer als Nahrungsquelle die vorher bedeutsamere Feldwirtschaft und Viehhaltung überwog. Forscher deuten dies als Anpassung an gesunkene Wintertemperaturen.[73]
Der Handel spielte wahrscheinlich eine entscheidende Rolle für die Grönlandsiedlung. Die Siedler mussten wichtige Güter wie das Eisen importieren. Der Export des begehrten Walrosselfenbeins, das sie auf regelmäßigen Jagdzügen zur Diskobucht erbeuteten, war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Häufigere und intensivere Stürme, sinkende Temperaturen und besonders ein verstärkter Eisgang entlang der Westküste – nicht nur eine regionale Abkühlung, sondern auch erhöhte Eisdrift von der Grönlandsee und Dänemarkstraße mag hierfür ursächlich gewesen sein – könnten die Jagd und die Handelsbeziehungen wesentlich beeinträchtigt haben.[74][75] Aber auch zunehmende Konkurrenz aus Russland (Walross) und Afrika (Elefanten), die auf den europäischen Markt drängte und zu sinkenden Elfenbeinpreisen führte, und eine im Zuge spätmittelalterlicher Krisen gesunkene Nachfrage nach Elfenbein könnte die wirtschaftliche Grundlage der Siedlung zunichtegemacht haben.[7][76] Eine Konfrontation mit den Inuit gilt ebenfalls immer noch als ein möglicher Faktor.[73]
Kontroverse um den Vergleich mit der gegenwärtigen Erwärmung
Mittelalterliche Warmzeiten werden von Klimawandelleugnern bisweilen als vermeintlicher Beleg angeführt, dass es keinesfalls sicher sei, dass die gegenwärtige Erwärmung durch vom Menschen emittierte Treibhausgase verursacht wird. Da die Treibhausgaskonzentrationen im Mittelalter nicht höher waren als davor oder danach, können damals nur andere Ursachen für Wärmeperioden verantwortlich gewesen sein. Sie argumentieren, dass diese Ursachen allein die Erwärmung des 20. Jahrhunderts erklären könnten.[23] Dabei lassen sie außen vor, dass mittelalterliche Wärmeperioden wahrscheinlich nur regionale Phänomene waren.[23] Auch die gut bekannten wissenschaftlichen Begründungen, dass die damals wirksamen Faktoren die heutige Erwärmung nicht erklären können, bleiben in dieser Argumentation außen vor.[77]
Dabei begehen sie einen logischen Fehlschluss, indem sie meinen, dass ein Faktor, der in der Vergangenheit für eine Veränderung allein verantwortlich gewesen war, es auch heute sein müsste. Ebenso, wie das Vorkommen natürlicher Waldbrände in der Vergangenheit nicht ausschließt, dass Waldbrände auch durch Brandstiftung ausgelöst werden können, sind natürliche mittelalterliche Wärmeperioden kein Beweis gegen eine anthropogene Erwärmung.[77][78] In der Klimaforschung nimmt neben der – gegenwärtig durch den Menschen verursachten – Änderung der Treibhausgaskonzentrationen auch die Untersuchung anderer, in der Klimageschichte wirksamer Faktoren breiten Raum ein. Von allen bekannten Faktoren, die eine globale Klimaerwärmung verursachen können, hat sich im 20. Jahrhundert lediglich die Konzentration der Treibhausgase so stark verändert, dass damit die beobachtete Erwärmung im Wesentlichen erklärt werden kann.[79]
Gelegentlich wird, auch unter eurozentrischem Rückgriff auf eine mittelalterliche Warmzeit, behauptet, dass Warmphasen generell günstige Zeiten seien.[48] Als die Diskussion um die mittelalterliche Warmzeit Mitte der 1960er-Jahre begann, war dies eine Phase der globalen Abkühlung, die sich bis Mitte der 1970er-Jahre erstreckte. Eine damalige Erwärmung auf das Niveau der mittelalterlichen Warmzeit wäre in dieser Zeit wohl tatsächlich in einigen Regionen vorteilhaft gewesen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass es gegen Ende des 20. Jahrhunderts auch in Europa bereits wärmer als während der mittelalterlichen Warmzeit war. Klimahistoriker weisen darauf hin, dass krisenhafte Folgen vergangener Klimaschwankungen, wie die mittelalterlicher Klimaanomalien, vielmehr als Parabeln für die Gefahren der globalen Erwärmung dienen können[51] oder dass es die Änderungsraten und Variabilität der letzten Millenien sind, die zum Klimaschutz mahnen.[80]
Sollten massive Reduktionen der Treibhausgasemissionen unterbleiben, wären die am Ende des 21. Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten globalen Durchschnittstemperaturen aber höher, als sie während der letzten mehreren hunderttausend Jahre global waren und womöglich sogar höher als sie je waren, seit es Homo sapiens gibt. Die am Ende der letzten Eiszeit beobachtete schnelle globale Erwärmung war eine Erwärmung um etwa ein Grad Celsius pro 1000 Jahre.[81][82] Selbst wenn das Zwei-Grad-Ziel erreicht würde (was für wenig wahrscheinlich gehalten wird), liefe die bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erwartete globale Erwärmung noch eine Größenordnung schneller ab.
Die Diskussion um Ausmaß und Folgen der laufenden und der wahrscheinlich zu erwartenden menschengemachten globalen Erwärmung bezieht sich somit sowohl was Geschwindigkeit wie auch was Ausmaß der Erwärmung betrifft auf einen historisch einzigartigen Vorgang, für den Erfahrungswerte weitgehend fehlen und für den – wie durch eine Vielzahl von Klimaproxys belegt wird – auch aus geologischer und paläoklimatologischer Sicht keine Entsprechung bekannt ist.[83][84][85]
Siehe auch
Klimageschichte
Liste von Wetterereignissen in Europa (sortierbar, z. B. für Kälteanomalien)
Literatur
Ronald D. Gerste: Wie das Wetter Geschichte macht: Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2015. ISBN 978-3-608-94922-3.
Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Darmstadt 2001, S. 21–27.
Hubert Lamb: Klima und Kulturgeschichte: der Einfluß des Wetters auf den Gang der Geschichte. Reinbek 1989, S. 189–206.
Henry F. Diaz, Ricardo Trigo, Malcolm K. Hughes, Michael E. Mann, Elena Xoplaki und David Barriopedro: Spatial and Temporal Characteristics of Climate in Medieval Times Revisited. In: Bulletin of the American Meteorological Society. November 2011, doi:10.1175/BAMS-D-10-05003.1 (PDF).
Auf klimafakten.de wird die Behauptung widerlegt, dass es während der Mittelalterlichen Warmzeit global wärmer war als heute.
Einzelnachweise
↑ abc
PAGES 2k Consortium: Consistent multidecadal variability in global temperature reconstructions and simulations over the Common Era. In: Nature Geoscience. 24. Juli 2019, doi:10.1038/s41561-019-0400-0.
↑ abc
Raphael Neukom, Nathan Steiger, Juan José Gómez-Navarro, Jianghao Wang, Johannes P. Werner: No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. In: Nature. 24. Juli 2019, doi:10.1038/s41586-019-1401-2.
↑ abc
Valérie Masson-Delmotte u. a.: Information from Paleoclimate Archives. In: IPCC (Hrsg.): Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. 2013, 5.3.5, S.409–414.
↑
Robert Tardif, Gregory J. Hakim, Walter A. Perkins, Kaleb A. Horlick, Michael P. Erb, Julien Emile-Geay, David M. Anderson, Eric J. Steig, David Noone: Last Millennium Reanalysis with an expanded proxy database and seasonal proxy modeling. In: Climate of the Past. Juli 2019, doi:10.5194/cp-15-1251-2019.
↑
Darrell S. Kaufman, Nicholas P. McKay: Technical Note: Past and future warming – direct comparison on multi-century timescales. In: Climate of the Past. April 2022, doi:10.5194/cp-18-911-2022.
↑ ab
Shaun A. Marcott: A Reconstruction of Regional and Global Temperature for the Past 11,300 Years. In: Science. Band339, 8. März 2013, doi:10.1126/science.1228026.
↑ abcd
Eli Kintisch: Why did Greenland’s Vikings disappear? In: Science. 10. November 2016, doi:10.1126/science.aal0363.
↑
Franz Mauelshagen: Klimageschichte der Neuzeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-21024-4, S.25.
↑
Eduard Brückner: Klimaschwankungen seit 1700 (1890). In: Nico Stehr und Hans von Storch (Hrsg.): Eduard Brückner: Die Geschichte unseres Klimas: Klimaschwankungen und Klimafolgen. 2008, S.95,96.
↑
Niels Lynnerup: The Human Skeletons from Herjólfsnes. In: Journal of the North Atlantic. 2009, S.23.
↑
Eduard Brückner: Der Einfluß der Klimaschwankungen auf die Ernteerträge und Getreidepreise in Europa (1895). In: Nico Stehr und Hans von Storch (Hrsg.): Eduard Brückner: Die Geschichte unseres Klimas: Klimaschwankungen und Klimafolgen. 2008, S.172.
↑ abcd
Rudolf Brázdil, Christian Pfister, Heinz Wanner, Hans von Storch und Juerg Luterbacher: Historical Climatology in Europe. In: Climatic Change. 2005, Kapitel 5.3 Defining the Medieval Warm Period and the Little Ice Age (144.122.146.136 [PDF]).
↑ ab
Olga N. Solomina u. a.: Glacier fluctuations during the past 2000 years. In: Quaternary Science Reviews. 2016, doi:10.1016/j.quascirev.2016.04.008.
↑
Hubert Lamb: The Medieval Warm Epoch and its Sequel. In: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology. Januar 1965, doi:10.1016/0031-0182(65)90004-0 (psu.edu [PDF]).
↑
Hubert Lamb: Klima und Kulturgeschichte: der Einfluß des Wetters auf den Gang der Geschichte. Reinbek 1989, S.189–206.
↑
Scott Stine: Extreme and persistent drought in California and Patagonia during mediaeval time. In: Nature. Band369, 16. Juni 1994, S.546–549, doi:10.1038/369546a0.
↑ ab
Thomas J. Crowley und Thomas S. Lowery: How Warm Was the Medieval Warm Period? In: AMBIO: A Journal of the Human Environment. Band29, Nr.1, Februar 2000, S.51–54, doi:10.1579/0044-7447-29.1.51.
↑ ab
Raymond S. Bradley: Climate of the Last Millennium. Presentation, Holocene Working Group Workshop, Bjerknes Centre for Climate Research. August 2003: „…numerous studies have used the term to frame whatever climatic anomaly might have occurred at some time within the more broadly define Medieval period (A.D. 500–1500) – even if the record is unrelated to temperature. This has led to a classic reinforcement syndrome, in which ill-defined evidence for adverse range of climatic anomalies – occurring over a wide range of time intervals has created the notion that the MWE [Medieval Warm Epoch] was a definitive global phenomenon. However, a careful examination of long-term paleoclimatic data shows that this is not the case.“
↑ abcdef
Pages 2k Network: Continental-scale temperature variability during the past two millennia. In: Nature Geoscience. Band6, Nr.5, Februar 2013, S.339–346, doi:10.1038/ngeo1797 (nature.com).
↑
Raymond S. Bradley, Malcolm K. Hughes und Henry F. Diaz: Climate in Medieval Time. In: Science. Band302, Nr.5644, 17. Oktober 2003, S.404–405, doi:10.1126/science.1090372 (umass.edu [PDF; 78kB]).
↑ abcdef
Raymond S Bradley, Heinz Wanner und Henry F. Diaz: The Medieval Quiet Period. In: The Holocene. Band26, Nr.6, 2016, doi:10.1177/0959683615622552.
↑
Rudolf Brázdil, Christian Pfister, Heinz Wanner, Hans von Storch und Jürg Luterbacher: Historical Climatology in Europe. In: Climatic Change. Band70, Nr.3, 2005, S.404 (144.122.146.136 [PDF]).
↑
F. C. Ljungqvist u. a.: Northern Hemisphere temperature patterns in the last 12 centuries. In: Climate of the Past. 2012, doi:10.5194/cp-8-227-2012.
↑ ab
Raphael Neukom u. a.: Inter-hemispheric temperature variability over the past millennium. In: Nature Climate Change. 2014, doi:10.1038/nclimate2174.
↑ abHeinz Wanner, Christian Pfister, Raphael Neukom: The variable European Little Ice Age. In: Quaternary Science Reviews. Band287, 1. Juli 2022, ISSN 0277-3791, S.107531, doi:10.1016/j.quascirev.2022.107531 (elsevier.com).
↑Christian Pfister, Heinz Wanner: Klima und Gesellschaft in Europa: die letzten tausend Jahre. 1. Auflage. Haupt Verlag, Bern 2021, ISBN 978-3-258-08182-3.
↑
Sharon E Nicholson u. a.: Temperature variability over Africa during the last 2000 years. In: The Holocene. Band23, Nr.8, 2013, doi:10.1177/0959683613483618.
↑
P. Moffa‐Sánchez, E. Moreno‐Chamarro, D. J. Reynolds, P. Ortega, L. Cunningham, D. Swingedouw, D. E. Amrhein, J. Halfar, L. Jonkers, J. H. Jungclaus, K. Perner, A. Wanamaker, S. Yeager: Variability in the Northern North Atlantic and Arctic Oceans Across the Last Two Millennia: A Review. In: Paleoceanography and Paleoclimatology. Juni 2019, doi:10.1029/2018PA003508.
↑
McGregor u. a.: Robust global ocean cooling trend for the pre-industrial Common Era. In: Nature Geoscience. 2015, doi:10.1038/ngeo2510 (Ocean2k SST synthesis).
↑ ab
Edward L. Cook u. a.: Old World megadroughts and pluvials during the Common Era. In: Science Advances. 2015, doi:10.1126/sciadv.1500561.
↑ ab
David J. Nash u. a.: African hydroclimatic variability during the last 2000 years. In: Quaternary Science Reviews. Band154, 15. November 2016, doi:10.1016/j.quascirev.2016.10.012.
↑
Robert E. Kopp u. a.: Temperature-driven global sea-level variability in the Common Era. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 2016 (HTML).
↑
Christophe Kinnard u. a.: Reconstructed changes in Arctic sea ice over the past 1,450 years. In: Nature. 2011, doi:10.1038/nature10581.
↑ ab
Olga N. Solomina u. a.: Holocene glacier fluctuations. In: Quaternary Science Reviews. 2015, S.11, 16, 26, 27, doi:10.1016/j.quascirev.2014.11.018.
↑
Jason P. Briner: Holocene climate change in Arctic Canada and Greenland. In: Quaternary Science Reviews. 2016, doi:10.1016/j.quascirev.2016.02.010.
↑ ab
Pablo Ortega u. a.: A model-tested North Atlantic Oscillation reconstruction for the past millennium. In: Nature. 2015, doi:10.1038/nature14518.
↑
V. Trouet u. a.: Persistent positive North Atlantic Oscillation mode dominated the medieval climate anomaly. In: Science. 2009, doi:10.1126/science.1166349.
↑
V. Trouet, J.D. Scourse und C.C. Raible: North Atlantic storminess and Atlantic Meridional Overturning Circulation during the last Millennium: Reconciling contradictory proxy records of NAO variability. In: Global and Planetary Change. 2011, doi:10.1016/j.gloplacha.2011.10.003.
↑
M. Sigl u. a.: Timing and climate forcing of volcanic eruptions for the past 2,500 years. In: Nature. 2015, doi:10.1038/nature14565.
↑
L. E. A. Vieira, S. K. Solanki, N. A. Krivova und I. Usoskin: Evolution of the solar irradiance during the Holocene. In: Astronomy & Astrophysics – The Sun. 2011, doi:10.1051/0004-6361/201015843.
↑
J. L. Jirikowic, P. E. Damon: The Medieval Solar Activity Maximum. In: Climatic Change. 1994, doi:10.1007/BF01092421.
↑
A. P. Schurer u. a.: Small influence of solar variability on climate over the past millennium. In: Nature Geoscience. 2015, doi:10.1038/NGEO2040.
↑
So etwa in Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas: von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. C. H. Beck, 2006, S.112. Oder: Wolf Dieter Blümel: Klimafluktuationen – Determinanten für die Kultur- und Siedlungsgeschichte? In: Novo Acta Leopoldina. Nr.346, 2006.
↑
Richard Hoffmann: An Environmental History of Medieval Europe. Cambridge University Press, 2014, ISBN 978-1-139-91571-7, S.343.
↑ ab
Rüdiger Haude: “Keep calm”? A critique of Wolfgang Behringer’s “A Cultural History of Climate”. In: Journal of Environmental Studies and Sciences. August 2019, doi:10.1007/s13412-019-00566-9.
↑
Guoqiang Chu: The ‘Mediaeval Warm Period’ drought recorded in Lake Huguangyan, tropical South China. In: The Holocene. Band12, Nr.1, Juli 2002, doi:10.1191/0959683602hl566ft (fgcu.edu [PDF; abgerufen am 12. Mai 2013]).
↑
Edward R. Cook u. a.: Long-Term Aridity Changes in the Western United States. In: Science. Band306, Nr.5698, November 2004, doi:10.1126/science.1102586 (sciencemag.org [abgerufen am 12. Mai 2013]).
↑ ab
Sam White, John Brooke, Christian Pfister: Climate, Weather, Agriculture, and Food. In: Sam White u. a. (Hrsg.): The Palgrave Handbook of Climate History. 2018, doi:10.1057/978-1-137-43020-5_27.
↑Christian Pfister, Heinz Wanner: Klima und Gesellschaft in Europa: die letzten tausend Jahre. 1. Auflage. Haupt Verlag, Bern 2021, ISBN 978-3-258-08182-3.Fehler in Vorlage:Literatur – *** Parameterproblem: Dateiformat/Größe/Abruf nur bei externem Link
↑Werner Rösener: Landwirtschaft und Klimawandel in historischer Perspektive. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Aus Politik und Zeitgeschichte (APUZ) 5-6, 2010, online. Abgerufen am 26. April 2012.
↑
Eva Panagiotakopulu und Paul C. Buckland: A thousand bites – Insect introductions and late Holocene environments. In: Quaternary Science Reviews. Band156, 2017, 4.3 Pest distribution and climate change, doi:10.1016/j.quascirev.2016.11.014.
↑Wilhelm Abel: Geschichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Stuttgart 1967, S. 43–44.
↑
Elena Xoplaki u. a.: The Medieval Climate Anomaly and Byzantium: A review of the evidence on climatic fluctuations, economic performance and societal change. In: Quaternary Science Reviews. 2015, doi:10.1016/j.quascirev.2015.10.004.
↑
Fekri A. Hassan: Extreme Nile floods and famines in Medieval Egypt (AD 930–1500) and their climatic implications. In: Quaternary International. Band173–174, Oktober 2007, doi:10.1016/j.quaint.2007.06.001.
↑
Fekri A. Hassan: Nile flood discharge during the Medieval Climate Anomaly. In: Pages News. Band19, Nr.1, März 2011 (web.archive.org [PDF; 2,2MB; abgerufen am 8. Oktober 2021]).
↑
Matthew J. Hannaford und David J. Nash: Climate, history, society over the last millennium in southeast Africa. In: WIREs Climate Change. 2016, doi:10.1002/wcc.389.
↑
Matthew J. Hannaford, Grant R. Bigg, Julie M. Jones, Ian Phimister und Martial Staub: Climate Variability and Societal Dynamics in Pre-Colonial Southern African History (ad 900–1840): A Synthesis and Critique. In: Environment and History. Band20, 2014, S.411–445, doi:10.3197/096734014X14031694156484.
↑ ab
Larry V. Benson u. a.: Possible impacts of early-11th-, middle-12th-, and late-13th-century droughts on western Native Americans and the Mississippian Cahokians. In: Quaternary Science Reviews. Februar 2007, doi:10.1016/j.quascirev.2006.08.001.
↑
Brian R. Billman, Patricia M. Lambert und Banks L. Leonard: Cannibalism, Warfare, and Drought in the Mesa Verde Region during the Twelfth Century A.D. In: American Antiquity. Band65, Nr.1, Januar 2000, doi:10.2307/2694812.
↑
Peter M.J. Douglas, Arthur A. Demarest, Mark Brenner und Marcello A. Canuto: Impacts of Climate Change on the Collapse of Lowland Maya Civilization. In: Annual Review of Earth and Planetary Sciences. 2016, doi:10.1146/annurev-earth-060115-012512.
↑
Michael W. B. Binford: Climate Variation and the Rise and Fall of an Andean Civilization. In: Quaternary Science Reviews. Band47, Nr.2, 1997, doi:10.1006/qres.1997.1882.
↑Gerhard Gerold: Klimawandel und der Untergang von Hochkulturen. Springer, Berlin/Heidelberg 2021, Zusammenbruch der Tiwanaku-Kultur im 11. Jh, S.210–218, 270.
↑Heinz Wanner: Klima und Mensch. Eine 12.000-jährige Geschichte. 2. Auflage. Haupt Verlag, 2020, ISBN 978-3-406-74376-4, S.209–212.
↑
Simon L. Pendleton u. a.: Episodic Neoglacial expansion and rapid 20th Century retreat of a small ice cap on Baffin Island, Arctic Canada and modeled temperature change. In: Climate of the Past. 20. März 2017, doi:10.5194/cp-2017-27 (Open Access).
↑
Nicolás E. Young, Avriel D. Schweinsberg, Jason P. Briner und Joerg M. Schaefer: Glacier maxima in Baffin Bay during the Medieval Warm Period coeval with Norse settlement. In: Science Advances. 4. Dezember 2015, doi:10.1126/sciadv.1500806.
↑
Vincent Jomelli u. a.: Paradoxical cold conditions during the medieval climate anomaly in the Western Arctic. In: Nature Scientific Reports. 2016, doi:10.1038/srep32984.
↑
William J. D’Andrea, Yongsong Huang, Sherilyn C. Fritz und N. John Anderson: Abrupt Holocene climate change as an important factor for human migration in West Greenland. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band108, Nr.24, 14. Juni 2011, doi:10.1073/pnas.1101708108.
↑
G. Everett Lasher, Yarrow Axford: Medieval warmth confirmed at the Norse Eastern Settlement in Greenland. In: Geology. Februar 2019, doi:10.1130/G45833.1.
↑
Die These wurde zum Beispiel popularisiert in Jared Diamond: Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen. 2005. Nach: Eli Kintisch: Why did Greenland’s Vikings disappear? 10. November 2016.
↑ ab
Andrew J. Dugmore u. a.: Cultural adaptation, compounding vulnerabilities and conjunctures in Norse Greenland. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band109, Nr.10, 6. März 2012, doi:10.1073/pnas.1115292109.
↑
Eduardo Moreno-Chamarro u. a.: Internally generated decadal cold events in the northern North Atlantic and their possible implications for the demise of the Norse settlements in Greenland. In: Geophysical Research Letters. 2015, doi:10.1002/2014GL062741.
↑
Antoon Kuijpers, Naja Mikkelsen, Sofia Ribeiro und Marit-Solveig Seidenkrantz: Impact of Medieval Fjord Hydrography and Climate on the Western and Eastern Settlements in Norse Greenland. In: Journal of the North Atlantic. Band6, 2014, doi:10.3721/037.002.sp603.
↑
Xénia Keighleya, Morten Tange Olsen, Peter Jordan: Integrating cultural and biological perspectives on long-term human-walrus (Odobenus rosmarus rosmarus) interactions across the North Atlantic. In: Quaternary Research. März 2019, doi:10.1017/qua.2018.150.
↑ abMichael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. 62f.
↑Franz Mauelshagen: Geschichte des Klimas (= C. H. Beck Wissen). C. H. Beck, 2023, ISBN 978-3-406-79148-2, Abschnitt „Mittelalterliche Klimaanomalie“, S.36–43.
↑
Ulf Büntgen, Willy Tegel, Kurt Nicolussi, Michael McCormick, David Frank, Valerie Trouet, Jed O. Kaplan, Franz Herzig, Karl-Uwe Heussner, Heinz Wanner, Jürg Luterbacher, Jan Esper: 2500 Years of European Climate Variability and Human Susceptibility. In: Science. Februar 2011, doi:10.1126/science.1197175.
↑Hans E. Suess: Absolute Chronology of the Last Glaciation. In: Science 123: 355-57, 1956.
↑Climate Change 2007: Working Group I: The Physical Science Basis; FAQ 6.2 Is the Current Climate Change Unusual Compared to Earlier Changes in Earth’s History? Online
↑Richard E. Zeebe, Andy Ridgwell, James C. Zachos: Anthropogenic carbon release rate unprecedented during the past 66 million years. In: Nature Geoscience. 9. Jahrgang, Nr.4, April 2016, S.325–329, doi:10.1038/ngeo2681 (englisch).
↑Gerta Keller, Paula Mateo, Jahnavi Punekar, Hassan Khozyem, Brian Gertsch, Jorge Spangenberg, Andre Mbabi Bitchong, Thierry Adatte: Environmental changes during the Cretaceous-Paleogene mass extinction and Paleocene-Eocene Thermal Maximum: Implications for the Anthropocene. In: Gondwana Research. 56. Jahrgang, April 2018, S.69–89, doi:10.1016/j.gr.2017.12.002 (englisch, researchgate.net [PDF]).
Als finsteres Mittelalter wird stark wertend der empfundene Rückschritt des europäischen Mittelalters gegenüber der europäischen Antike bezeichnet, welche wiederum als besonders fortschrittlich gewertet und empfunden wird. Die Vorstellung eines finsteren Mittelalters geht vor allem auf Abgrenzungstendenzen während der Zeit der Renaissance zurück.[1] Das Mittelalter wurde von der latein-dominierten Gelehrtenwelt des 16. und 17. Jahrhunderts häufig als „finstere Zwischenzeit“ charakterisiert, das es durch eine Rückbesinnung auf Ideale der Antike und der einsetzenden Entwicklung in der beginnenden Neuzeit zu überwinden galt. Dieses Bild des europäischen Mittelalters ist dem modernen Forschungsstand der Geschichtswissenschaften zufolge veraltet.[2]
Begriffsbeschreibung
In der Renaissance wurde die Epoche zwischen der Antike und der damaligen Gegenwart als ein („Übergangs“-)Zeitalter betrachtet, in dem das Wissen und die Werte der antiken Kulturen scheinbar in Vergessenheit geraten waren. Mit dem Begriff des „Mittelalters“ sollte eine klare Abgrenzung zur Antike stattfinden. Beispielsweise sollte der Wissensverlust im Übergang von der Spätantike ins Mittelalter betont werden sowie ein angeblicher Rückfall hinter den (auf antiken Kenntnissen basierenden) Wissensstand der arabischen Welt (siehe auch Blütezeit des Islam). Diese Bewertung wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der aufkommenden Romantik weitgehend kritiklos aufgegriffen und weiter ausgebaut, wobei die Rezeption vergangener Zeiten gemäß der Aufklärung, der Moral des Viktorianischen Zeitalters und durch „Fortschrittsgläubigkeit“ und Vernunftsorientierung beeinflusst wurde.
In der modernen Forschung wird das Mittelalter hingegen wesentlich differenzierter betrachtet, zumal Entwicklungen im Mittelalter für die westliche Welt bis heute prägend sind und viele verbreitete Vorstellungen sich nicht mit Quellen belegen lassen.[3] In diesem Sinne werden etwa die im Frühmittelalter – das lange als Paradebeispiel eines angeblich dunklen Zeitalters galt – gelegten Fundamente für die spätere Entwicklung im Kontext der damaligen historischen Entwicklung bewertet.[4] In diesem Zusammenhang erweist sich die Vorstellung eines angeblichen „finsteren Zeitalters“ als nachträgliche stark wertende Retrospektion durch die Gelehrten der Frühen Neuzeit.
Populäre Mythen, Missverständnisse und historische Streitpunkte
Auf der Grundlage der oben dargelegten Rezeption des historischen europäischen Mittelalters in der Frühen Neuzeit und der Epoche der Aufklärung entstand im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts eine bis heute populäre Wahrnehmung des historischen Mittelalters, die im Großen und Ganzen eher auf Vorstellungen und Projektionen einer modernen (und zunehmend globalisierten) Welt basiert, als auf belastbaren historischen Quellen.
Der Glaube an eine flache Erde
Illustration der kugelförmigen Erde in einem Manuskript des Image du monde (14. Jahrhundert)
→ Hauptartikel: Flache Erde
Die Behauptung, die Menschen des Mittelalters glaubten, und zwar unabhängig von ihrer sozialen Schicht, dass die Erde „flach“ sei, taucht zum ersten Mal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf.[5] Vor allem Washington Irving trug wesentlich zur Festigung des Mythos bei, denn in seiner Kolumbus-Biografie von 1828 unterstellte er den Gelehrten des 15. Jahrhunderts ihr Bild von der Gestalt der Erde basiere gänzlich auf biblischen Texten, die letztendlich eine Art „Erdenscheibe“ zu lehren scheinen.[6] Auch findet die Vorstellung, dass Kolumbus durch seine erste Fahrt die Kugelgestalt der Erde „beweisen“ wollte, hier ihren Ursprung.
Die im Mittelalter maßgeblichen Ideen des Aristoteles und das ptolemäische Weltbild beschreiben die Erde als eine Art Sphäroid, für die Gelehrten des Spätmittelalters war daher die Vorstellung einer „Erdenscheibe“ abwegig.[7] Strittige Einzelmeinungen einiger antiker Schriftsteller wie Kosmas Indikopleustes oder Kirchenväter wie Lactantius gehörten nachweislich nie zum offiziellen Konsens der Gelehrtenwelt des gesamten Mittelalters - im Gegensatz zur Darstellung von Irving, die Lactantius und seine Auffassungen über die Erde kurzerhand zur „offiziellen Lehrmeinung“ des präkolumbianischen Europa erhob.[8]
Als die wohl bekannteste praktische Darstellung der Erde in ihrer Kugelgestalt dürfte der Reichsapfel gelten, ein sakraler Gegenstand, welcher der breiten Öffentlichkeit des Hoch- und Spätmittelalters als Machtsymbol bekannt gewesen sein dürfte. Die bekannteste Abbildung, die im Gegenzug oft als symbolischer „Beleg“ für die mittelalterliche Flache-Erde-Vorstellung herangezogen und von einigen Autoren des 20. Jahrhunderts irrtümlich als „historisch“ deklariert wurde,[9] ist der sogenannte Holzstich von Flammarion, der nachweislich aus dem Jahr 1888 stammt und nicht wie oft behauptet aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.[10]
Harte Arbeit und unwürdige Wohnverhältnisse
Die populäre Vorstellung der Lebens- und Wohnverhältnisse der einfachen Stände der mittelalterlichen Gesellschaft wird oft wie folgt geschildert: Harte Arbeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, engste Wohn- und Schlafverhältnisse, katastrophale hygienische Zustände, schlechte Ernährung, Befall- und Infektionskrankheiten, nur notdürftige Kleidung und sehr schlechte Wasserversorgung. Kinder müssten wie die Erwachsenen arbeiten, Kindheit als Lebensabschnitt gab es gar nicht.
Dieses Bild ist aus den verfügbaren mittelalterlichen Quellen aber tatsächlich ohne Weiteres nicht erschließbar, sondern deckt sich bis auf einige wenige Details mit dem Bild des Arbeiterelends[11] in den Slums der europäischen Großstädte des 19. Jahrhunderts während der Industriellen Revolution. Ein bestimmtes Literatur-Genre, das als „slumland storytelling“ im 19. Jahrhundert sich breiter Beliebtheit erfreute, dürfte dem Narrativ ebenfalls Vorschub geleistet haben, denn fast alle typischen Elemente solcher Erzählungen finden sich heute im Bild des „finsteren“ mittelalterlichen Alltags wieder.[12][13]
Damit handelt es sich bei der vorgenannten Darstellung wahrscheinlich um eine moderne Projektion der Großstadt-Zustände des 19./20. Jahrhunderts und der gegenwärtigen Lage der ärmsten Schichten der Dritten Welt auf das europäische Mittelalter, was auch an Anachronismen wie der im Mittelalter nicht verbreiteten Cholera, ganzjähriger harter Arbeit in industrieller Monotonie und modernen Bildern von Staaten, Kriegen und Macht jenseits des Feudalismus zu erkennen ist.
Rogier van der Weyden: Johannesaltar (um 1440). Die Darstellung der biblischen Burg bzw. Festung des Herodes Antipas aus der Frühphase der altniederländischen Malerei.
Das Leben auf einer Burg
Die bis heute erhalten gebliebenen hoch- und spätmittelalterlichen Burgen sind oft Ruinen, haben den Status eines archäologischen Denkmals oder wurden frühneuzeitlichen, barocken und letztendlich auch modernen Anforderungen der Museen bzw. ihrer Privatbesitzer fortlaufend angepasst, was bedeutet, dass ihre mittelalterliche Originalausstattung (Putz, Dielenböden, Holzvertäfelungen, Wandbemalungen, Möbel usw.) nicht mehr vorhanden ist. Dadurch lassen sich Aussagen über die Lebensqualität auf einer mittelalterlichen Burg generell nicht pauschal treffen.
Es gibt schriftliche Zeugnisse aus der Neuzeit,[14] welche das Leben auf einer Burg als unkomfortabel und beschwerlich beschreiben, diese haben jedoch einen bestimmten kontextuellen Rahmen. Bereits in der Frühen Neuzeit verloren viele Burgen ihre militärische Bedeutung aufgrund ihrer veralteten Bauweise und wurden zu neuzeitlichen Festungen oder anderweitigen rein militärischen oder landwirtschaftlichen Anlagen ausgebaut bzw. umfunktioniert. Das Wohnen war in diesen Anlagen nicht mehr vorgesehen. Viele Burganlagen sind bis heute in derartig verändertem Zustand erhalten geblieben, welcher häufig als „original“ angenommen wird und zum Teil sehr weitreichende Spekulationen nach sich zieht.
Bei der Erforschung der originalen mittelalterlichen Ausstattung der Räume einer Burg spielen spätmittelalterliche Bildquellen und Kunstwerke eine wichtige Rolle. Diese zeigen z. B., dass die Wände generell verputzt und/oder mit Kalk getüncht und die Fußböden, im preiswertesten Falle, mit einfachen Dielen bedeckt gewesen sein dürften. Die Decken zwischen Stockwerken dürften ebenfalls aus Holz bestanden haben und zum Heizen der Räume waren Kamine üblich. Die Fenster konnten, ob verglast oder mit Pergament bespannt, mit Fensterläden verschlossen werden. Himmelbetten können ebenfalls als belegt gelten,[15] wobei die abgebildeten Dimensionen aller Bettarten im Großen und Ganzen denen der modernen Betten entsprechen,[16] entgegen dem sehr bekannten, aber quellenlosen Narrativ, dass die Betten im Spätmittelalter angeblich so klein gewesen seien, dass die Menschen quasi „im Sitzen“ hätten schlafen müssen.
Schmutz und Abfall auf den Straßen
Die Heiligen Katharina und Maria Magdalena (Konrad Witz, um 1440). Im Hintergrund ist eine realitätsnahe Alltagsdarstellung einer ungepflasterten spätmittelalterlichen Stadtstraße zu erkennen.
Es existieren zahlreiche Verordnungen, Beschwerden und Prozessakten aus dem historischen Mittelalter, die sich mit Müllentsorgung beschäftigen.[17] Jene Quellen belegen das Vorhandensein von Ehgräben und z. B. Haufen von Pferdemist und Geruchsbelästigung auf den regulären Straßen, jedoch auch die regelmäßige Räumung all jener durch bezahlte Arbeitskräfte.[18] Toiletten wurden generell an oder über den Ehgräben und Latrinen gebaut und der abgeräumte organische Abfall wurde regulär als Dünger verwendet.[19][20][21]
Abgesehen von den modernen Schätzungen bezüglich der historischen Bevölkerungsdichte des Mittelalters existieren auch bildliche Nachweise vom Zustand der Straßen der spätmittelalterlichen Städte Europas (z. B. das Mérode-Triptychon oder Werke von Konrad Witz), meist Teile größerer Abbildungen, die als kontextuelles Beiwerk die Aufgabe haben, einen den Alltag widerspiegelnden Hintergrund zu zeigen.[22] Ein dauerhafter Zustand der abfallbedingten Umweltkrise in den Dörfern und Städten des Spätmittelalters lässt sich anhand vorhandener Quellen demnach weder schriftlich noch archäologisch erfassen. Die in der älteren Literatur immer wieder anzutreffende Art und Weise ein dokumentiertes Einzelereignis zur alltäglichen Lebensstruktur umzudeuten sowie das Benutzen relativ vager Quellenangaben beim Beschreiben des Zustandes einer typischen mittelalterlichen Stadtstraße,[23] wird den heutigen wissenschaftlichen Standards nicht mehr gerecht.
Die typische Beschreibung einer „engen Gasse der mittelalterlichen Stadt voll mit knöcheltiefem Morast aus stinkendem Müll und Fäkalien, durch die man kaum durchkommt“ entspricht de facto einem Ehgraben: Diese waren oft gassenartig zwischen den Häusern angelegt, dienten jedoch nie als normale Durchgangsstraßen und wurden meist nur während ihrer Räumung begangen.
Angesichts der Quellenlage entlehnt sich die Vorstellung einer „dauernd stinkenden im Müll-Morast versinkenden Stadt“, wo sich „permanent Müllberge auf den Straßen türmen“, die Stadtmauer mit „Fäkalien zugepflastert“ und Flüsse „reine Kloaken sind“, höchstwahrscheinlich ebenfalls dem 19. Jahrhundert, als moderne Großstädte wie London jahrzehntelang mit derartigen Zuständen schwer zu kämpfen hatten. Als das am besten dokumentierte und diskutierte Problem der Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts gilt der sogenannte „Große Gestank“ in London, der auch immer wieder tödlichen Cholera-Epidemien die Grundlage bot. Das populäre Bild vom „dreckigen Mittelalter“ wäre damit eine Art moderne Sage, in welcher sich verschiedene Ereignisse bzw. Epochen im Verlaufe der Zeit vermischt haben und die sich mittlerweile zu einem kulturellen und massenmedialen Selbstläufer entwickelt hat.
Eine Abbildung aus Sebastian Brants "Das Narrenschiff" (um 1494).
Der Nachttopf
Es gibt ein mittelalterliches Bild einer einen Nachttopf auf die Straße kippenden Frau, welches oft als vermeintlicher Beweis angeführt wird, die Menschen im Mittelalter hätten ihren Abfall und Exkremente auf die Straße entsorgt.[24] Es handelt sich bei dieser Quelle dabei aber um einen Ausschnitt aus „Das Narrenschiff“, einem satirischen Stück grobianischer Dichtung, in welchem lärmende Narren absichtlich mit dem Inhalt des Topfes übergossen werden um diese loszuwerden. Diese Handlung wurde und wird falsch interpretiert, indem nur das aus dem Kontext gerissene Bild der Frau im Fenster gezeigt und als „Beleg“ für Müllentsorgung durchs Fenster auf die Straße dargestellt wird.[25]
Freilaufende Haustiere
Eine extrem verbreitete Darstellung einer mittelalterlichen Stadt, welche durch nahezu alle populären Medien bedient wird, zeigt Schweine (seltener auch Hühner), welche frei durch die Gassen einer Stadt laufen dürfen und sich vom Müll und Unrat ernähren. Für diese Darstellung gibt es insgesamt eine einzige Quelle; in Giovanni Boccaccios Decamerone gibt es eine Szene, in welcher zwei scheinbar herrenlose Schweine sich über die auf die Straße geworfenen Lumpen eines (Pest-)Toten hermachen und innerhalb einer Stunde verenden.[26] Obwohl diese Szene dazu diente, die Virulenz der Pest und den beispiellosen Verfall der öffentlichen Ordnung zu demonstrieren, wird sie seit jeher als „Normalzustand des Mittelalters“ präsentiert.
Besonders im Spätmittelalter gibt es jedoch zahlreiche Belege für ausgedehnte Regulierung der Viehzucht innerhalb einer Stadt, so dass frei herumlaufende Tiere eher ein Ereignis als alltägliche Struktur darstellten.[27]
Gesellschaftliches Leben
Der Eindruck vom historischen europäischen Mittelalter, der von den populären Medien immer wieder öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wird, ist der einer rauen und vom Fatalismus geprägten Gesellschaft, die scheinbar keinen Wert auf allgemeine Lebensqualität in Form von Freude, Kunst oder angenehme Wohnverhältnisse gelegt habe bzw. diese sogar als „sündhaft“ betrachtete.
Dieses Bild wird besonders effektiv in den medialen Darstellungen und Spielszenen durch geringe Farbsättigung der Aufnahmen und ihre künstliche Nachdunkelung erzeugt, was heute als besonders „mittelalterlich“ empfunden wird.
„Von wahrer Freundschaft“; eine Groteske aus S. Brants Das Narrenschiff (1494) - ein satirisches Werk, welches der Literaturgattung des Grobianismus angehört und heute (meist unwissentlich) als Beispiel für mittelalterliche Sitten aufgeführt wird.
Sozialverhalten und Benimmregeln
Der typische Mensch des historischen Mittelalters wird in den Medien bis heute relativ unreflektiert als laut, schamlos, unfreundlich, impulsiv und verbal ausfällig dargestellt. Auch Darmwind und Aufstoßen galt dieser Darstellung zufolge nicht als unhöflich, weiters wurde bei jedem falschen Wort gleich die Waffe gezückt, Liebesaffekte öffentlich ausgelebt und (angeblich tägliche) Hinrichtungen als „Unterhaltung“ empfunden.
Es gibt bekannte Autoren wie den Soziologen Norbert Elias und Historiker Philippe Ariès, welche die Menschen des Mittelalters in ihren einflussreichen wie kontroversen Werken wie Über den Prozeß der Zivilisation und Geschichte der Kindheit so darstellen, als wäre ihre Selbstkontrolle, Bindungsverhalten, Schamgefühl und die emotionale Reife im Vergleich zu späteren Jahrhunderten bedeutend niedriger ausgeprägt. Da Ariès’ Hypothesen in Bezug auf die Stellung des Kindes in der mittelalterlichen Gesellschaft fast ausschließlich auf zeitgenössischen Bildquellen bzw. Ariès’ persönlicher Interpretation dieser basieren und Elias’ Aussagen[28] über die angebliche „Unzivilisiertheit“ des mittelalterlichen Menschen größtenteils auf dem direkten Abgleich der Benimm-Bücher verschiedenster Epochen und populären Fehldeutungen fußen (z. B.: Fehdewesen = persönliche Lust auf Gewalt und Quälerei statt gesellschaftliche Institution), werden diese von der gegenwärtigen Forschung aus quellenkritischen Gründen zurückgewiesen.[29]
Eine Auffälligkeit besteht auch darin, dass solcherlei Annahmen fast ausschließlich durch überliefertes Verhalten bzw. Aussagen von Personen „belegt“ werden, welche nicht mehr im historischen Mittelalter lebten. Populärerweise gehören dazu Martin Luther,[30] Ludwig XIV.[31] und Heinrich VIII (Englands); besonders die Letzteren werden, durch ihr für den modernen Rezipienten oft skandalöses Verhalten, immer wieder als Paradebeispiel „mittelalterlicher Sitten“ aufgeführt. Das Duell als ein gesellschaftliches Phänomen des 17. Jahrhunderts[32] und das aus heutiger Sicht drastische Strafsystem des elisabethanischen Englands[33] werden bis heute, ähnlich der Hexenverfolgungen, dem Mittelalter zugeschrieben, wodurch das oben geschilderte populäre Bild des mittelalterlichen Menschen zustande zu kommen scheint.
Zahlreiche Schriften, sog. „Benimm-Bücher“, verbreiteten sich ab dem 12. Jahrhundert in ganz Europa[34] und erfreuten sich zunehmender Beliebtheit als didaktisches Mittel. Als ein typisches Beispiel kann „The Book of Courtesy“ (gedruckt 1477 von William Caxton)[35] gelten, welches an Kinder gerichtet ist und unter anderem folgende Benimm-Standards erwähnt:[36]
angenehmer Gesichtsausdruck
netter Sprechton
beim Sprechen soll Augenkontakt aufrechterhalten werden, denn das Schweifen des Blickes bzw. Augenverdrehen könnten als unaufmerksam bzw. unseriös wahrgenommen werden
man schweige, wenn man aber spricht, denke nach, was man sagt, wo man ist, zu wem spricht man und von wem/was ist die Rede
sei gesellig, verunglimpfe andere nicht
Jene Benimmkultur und die dazugehörige Literaturgattung richtete sich zwar explizit an Adlige und Bürger, muss jedoch quellenkritisch im Kontext der feudalen Gesellschaft und des Lehnswesens des mittelalterliche Europa betrachtet werden. Eine solche Gesellschaft, welche auf gegenseitigen Abhängigkeiten basierte, legte entsprechenden Wert auf Handlungen, welche den Status einer Person innerhalb dieser Gesellschaft als eine Art „Visitenkarte“ oder „Ausweis“ zur Schau stellten. Dieser Rahmen war für Bauern, Handwerker und Kaufleute genauso wie für den Adel maßgebend und bestimmte ihr Verhalten im Alltag - unsoziales gewalttätiges Verhalten könnte für Adlige wie für Bauern zum Statusverlust in der Gesellschaft und damit zum effektiven Ausschluss aus dieser führen (siehe Vogelfreiheit). Ein solches Rechts- und Gesellschaftssystem ist für Menschen, die in einem modernen Zentralstaat sozialisiert wurden, nur sehr eingeschränkt vorstellbar, was natürlicherweise den Nährboden für Missinterpretationen bereitet.
Tischsitten und Essgeschirr
Luttrell-Psalter
Populäre mediale Darstellungen eines mittelalterlichen Banketts stellen dieses sehr oft dar als wildes chaotisches Gelage, wo die Gäste alle Speisen gierig mit den Händen essen, das Fleisch direkt vom Knochen nagen und flüssige Nahrungsmittel oder Getränke ungehemmt herunterstürzen. Das Mahl selbst wird meistens nicht wie ein kultureller bzw. sozialer Akt und/oder gesellschaftliches Ereignis dargestellt, sondern wird als eine reine und formlose Nahrungsaufnahmeprozedur gezeigt die von reichhaltigem Alkoholkonsum begleitet wird und viele kulinarische Elemente aus dem modernen Fast Food - Bereich erkennen lässt.
Bildliche Darstellungen von grobem und derbem Benehmen bei Tisch sind zwar bekannt, diese sind aber in ihrer Mehrzahl grobianischen Werken entnommen worden und stellen somit spätmittelalterlich-neuzeitliche Satire dar. Im Gegensatz dazu sind zahlreiche Tischzuchten in schriftlicher Form erhalten, die ein deutlich differenzierteres Bild von der Tafelkultur des Hoch- und Spätmittelalters zeigen. Das bereits erwähnte „The Book of Courtesy“ (siehe ebd.) enthält auch ein Beispiel solcher Tischzucht: „Das [heiße] Essen nicht anpusten. Kopf und Gesicht während des Essens nicht berühren. Das Messer vom Gesicht fernhalten. Nicht den Gürtel am Tische lose machen. Keine Flatulenz oder Aufstoßen am Tisch. Man soll das Essen nicht einfach ins Salzfass tunken. Nagen am Knochen ist was Hunde tun, nicht Menschen. Kaue nicht mit geöffnetem Mund und stochere nicht in deinen Nägeln oder Zähnen. Am Ende des Essens müssen die Hände so gewaschen werden, dass sie keine Schmutzspuren am Handtuch beim Abtrocknen der Hände hinterlassen.“
Duccio di Buoninsegna „Das Letzte Abendmahl“ (Tempera auf Holz, ca. 1308 bis 1311)
Das individuelle Geschirr und Besteck des Spätmittelalters gilt durch verfügbare ikonografische Quellen und archäologisches Fundgut als insofern hinreichend erschlossen, dass eine generelle Darstellung der spätmittelalterlichen Tafel relativ klar umrissen werden kann.[37] Als zentrale persönliche Essunterlage wurden laut zahlreichen Abbildungen des Spätmittelalters[38][39][40][41] Essschalen bzw. -teller[42] für weiche bzw. flüssige Speisen und auch, jedoch viel seltener, Stücke geschnittenen Brotes verwendet. Das Schneiden von Brot und das Holen der bereits mundgerecht geschnittenen bzw. tranchierten Speise vom Servierteller wurden mit dem Essmesser oder direkt mit der Hand getätigt, wobei das Brotstück weniger als „Teller“ im modernen Sinne, sondern mehr als Universalbeilage diente. Daneben gehörten je nach Speise Servier-Schalen,[43] Trinkbecher bzw. Trinkglas[44] sowie Teller[45][46] und Löffel[47] aus Holz, Keramik und Metall dazu.[48] Die Gabel als persönliches Essbesteck war nicht üblich, stattdessen betrachtete man das Essmesser,[49] und den Löffel ähnlich den Essstäbchen der Fernen Ostens als eine Art Universalwerkzeug zur Nahrungsaufnahme.
Ab dem 15. Jahrhundert dürfte der sog. Trencher aus Holz,[50][51] Zinn,[52] und (seltener) aus speziell für diesen Zweck gebackenem Brot als typisches persönliches Geschirrstück gelten, wobei der Trencher üblicherweise sehr flach ausgeführt wurde, sowohl in runder als rechteckiger Form zu finden war und von den Abmessungen her eher den Dimensionen eines Untertellers einer typischen modernen Kaffeetasse entsprochen hat.[53] Diese waren dafür da um feste, bereits mundgerecht geschnittene Speisen, für den individuellen Verzehr zu platzieren, und das Schneiden von Brot und das Holen der Speise vom Servierteller waren bis ins 16. Jahrhundert hinein die üblichen Aufgaben des Essmessers. Da die Servierpraxis des Spätmittelalters eher dem entsprach, was man heute als service à la française bezeichnet, war es jeder Person vorbehalten, sich die verschiedenen Speisen selbst zu kombinieren, je nach persönlichen humoralpathologischen Bedürfnissen. Ein bereits vorgefertigtes „Tellergericht“ im Sinne des Service à la russe war in dieser Form noch nicht üblich.
Die Haltung des spätmittelalterlichen Essmessers und die Nutzung der Brotscheibe als „Teller“ (Dierick Bouts um 1460)
Messer und Gabel
Auch eine sehr oft rezipierte Vorstellung ist die von der Gabel als ein „Werkzeug des Teufels“, welche demnach angeblich von der katholischen Kirche an der mittelalterlichen Tafel verboten gewesen sein soll. Die heute bekannten Darstellungen des Teufels im historischen Mittelalter zeigen ihn vornehmlich als Tierwesen bzw. eine Art Chimäre ohne den charakteristischen Dreizack.[54][55] Eine Abbildung aus dem frühen 14. Jahrhundert, die oft als „Beleg“ angeführt wird,[56] zeigt eine Teufelsgestalt mit einem Schürhaken, welcher oft recht frei als „Gabel“ interpretiert wird.
Eine quellengestützte Verbindung bzw. Parallele zwischen Teufel mit Dreizack (der zur typischen Satansdarstellung erst im 19. Jahrhundert erhoben wird) und der Gabel als Besteckteil, oder gar ein verbrieftes Verbot seitens der Kirche, lässt sich für das historische Mittelalter nicht nachweisen.[57]
Der berühmte, oft zitierte Spruch: „God in his wisdom has provided man with natural forks—his fingers. Therefore it is an insult to him to substitute artificial metal forks for them when eating.“ (Gott, in Seiner Weisheit, verlieh dem Menschen eine natürliche Gabel – seine Finger. Deswegen ist es Gotteslästerung, diese beim Essen mit künstlichen Metall-Gabeln zu ersetzen.) stammt aus einem Werk des Kinderbuchautors James Cross Giblin.[58] In der entsprechenden Passage (S. 46) beruft sich der Autor auf kirchliche Würdenträger von Venedig des 11. Jahrhunderts, eine präzise zitierfähige Quellenangabe ist jedoch nicht vorhanden.
Moderne Repliken der antiken gälischen Messertypen
Ein von Thijs van de Manakker in den 1980er Jahren auf Basis einiger eisenzeitlichen Originale[59][60] entworfenes und von professionellen Schmieden wie Thomas Nørgård popularisiertes „Wikingermesser“ (auch „blacksmiths knife“, „Frauenmesser“, „keltisches Messer“ etc.)[61] ist im Bereich des Live Action Role Playing sowie in der Reenactment- und Mittelaltermarktszene unter anderem als „mittelalterliches Essmesser“ sehr oft anzutreffen. Da die bekannten archäologischen Vorlagen für dieses Messerdesign allesamt vor dem Frühmittelalter datiert werden, ist keine der o. g. Bezeichnungen für diese Messerart historisch haltbar.
Pfriem / Essdorn
Die Verwendung des Pfriems (engl. Pricker) als „Essdorn“ bzw. „Esspfriem“ in der heutigen Reenactment-, LARP- und Mittelalterszene - Szene ist grundsätzlich der belegten Tatsache geschuldet, dass sowohl Messer als auch Pfrieme des ausgehenden Spätmittelalters oft zusammen in der ein und derselben Messerscheide geführt wurden.[62] Da jedoch sonst keinerlei bildliche, schriftliche oder archäologische Quelle den Pfriem als Esswerkzeug belegen kann, muss seine Verwendung als „Essdorn“ als rein spekulativ bezeichnet werden.
Die mittlerweile weit verbreitete Kombination des o.e. Messertyps der vorrömischen Eisenzeit (oder ihrer keltisch-gälischen Varianten) mit einem Pfriem wird gemeinhin als „typisches mittelalterliches Essbesteck“ wahrgenommen, wobei der Pfriem aus ästhetischen Gründen mit denselben stilistischen Merkmalen wie das Messer ausgestattet ist. Diese Kombination ist gänzlich modern und hat keinerlei mittelalterliche Vorlagen, da sie im Prinzip auf archäologischen Artefakten basiert, welche zeitlich anderthalb Jahrtausende auseinander liegen.
Knochenwerfen
Eine mittelalterliche Tischsitte, jener nach das Werfen von abgenagten Knochen nach hinten oder unter dem Tisch nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten war, ist nicht nachweisbar. Die Idee einer solchen Sitte an sich stammt ursprünglich aus der frühestens im 14. Jahrhundert niedergeschriebenen „Hrólfs saga kraka“, einer isländischen Saga, wo in einigen Passagen ein ganzer Haufen aus abgenagten Knochen erwähnt und eine bestimmte Person immer wieder am Esstisch durch gezielte Knochenwürfe im modernen Sinne gemobbt wird.
Diese spätmittelalterliche literarisch-mythische Erzählung ist gegenwärtig die einzige greifbare Erwähnung des Knochenwerfens als „Tischsitte“ und ist hiermit weder für Germanen der Spätantike, noch Wikinger oder Ritter des Hoch- und Spätmittelalters ein Beleg für die Realität einer solchen Praxis.
Verwendung von Farben
Die breite und gezielte Verwendung von verschiedensten Farben für Kleidung, Wohnräume, sakrale und weltliche Einrichtungen ist quellentechnisch sehr gut gesichert.[63] Die Vorstellung eines „farblosen“ und „bleichen“ Hoch- und Spätmittelalters lässt sich im Wesentlichen auf eine zunehmende mediale Darstellungsgewohnheit ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen, denn selbst in den 1940er Jahren war die optische Darstellung des Mittelalters in Filmen wie Heinrich V. (1944) noch von aufwendigen und farbenfrohen Kostümen geprägt.
Pierpont Morgan Library, New York, Ms M. 638 (um 1250)
Kleidung
Die Kleidung des gesamten Mittelalters war zum Teil sehr von der zeitlichen und geografischen Verortung abhängig, dennoch gibt es gemeinsame Elemente, welche mehr oder weniger vom Früh- bis zum Spätmittelalter hindurch Bestand gehabt haben.
Die Tunika überdauerte als primäres Obergewand von der Spätantike (siehe Funde aus dem Thorsberger Moor) bis zum 16. Jahrhundert.
Verschiedene Modelle eines Wendeschuhs aus Leder stellten im denselben Zeitraum die dominierende Schuhart dar.
Die Hose (Frühmittelalter, in Kombination mit Beinwickeln) und die Beinlinge zusammen mit der Bruoch (ab dem 11. Jahrhundert) waren von allen Bevölkerungsschichten durchgehend im Gebrauch.
Jener historisch belegte Bekleidungsstil ist in den massenmedialen Darstellungen sehr selten anzutreffen. Zum Ersten ist die generelle Unkenntnis dieses Stils weit verbreitet, und zum Zweiten gibt es moderne dramaturgische Konventionen innerhalb der Unterhaltungs- und Filmindustrie, welche zur Verwendung moderner Stoffe und Kleidungsstücke wie Sicherheitsschuhe, Lederjacken mit Metallbeschlägen, Pelzgarnituren („Schulterfelle“) und Jute-Textilien tendierten.
Solche Darstellungen prägen das öffentliche Bild vom Kleidungsstil des Mittelalters bis heute; die Ausstattung dieser Art ist zum Ersten relativ preiswert und zum Zweiten bedient es die sich bereits verfestigte Erwartungshaltung des Publikums.
Musik
→ Hauptartikel: Musik des Mittelalters
In vielen musiktheoretischen und kunsthistorischen Publikationen sowie Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Inhalten wird bis heute die Ansicht vertreten, die Musik des Mittelalters bestünde bis hin zur Renaissance fast ausschließlich aus monophoner Kirchenmusik. Da oft nur die Kleriker lesen konnten, hatte die Kirche quasi ein Musik- und Kunstmonopol inne, welches die Weiterentwicklung der Musik ausbremste, nur einstimmige Gesänge zuließ und angeblich höchstens hochrangigen Adeligen und Königen weltliche Musikaufführungen an ihren Höfen erlaubte.
Die Vorstellung, dass es im Frühmittelalter nur Kirchenmusik gab, geht vor allem aus der Tatsache hervor, dass es die fast einzige Musikart ist, welche in dieser Epoche eindeutig nachgewiesen werden kann. Mit dem Aufkommen der Troubadour-Tradition im 11. und der Mensuralnotation im 13. Jahrhundert wird die weltliche Musik des Hoch- und Spätmittelalters quellentechnisch greifbar (siehe: Soziales und kulturelles Milleu der Trobadordichtung). Zahlreiche bis heute erhalten gebliebenen Manuskripte wie Carmina Burana, Cantigas de Santa Maria, Manuscrit du Roi, Roman de Fauvel, British Library Add MS 29987, Llibre Vermell de Montserrat, Poésies von Guillaume de Machaut sowie Werke von dutzenden namentlich bekannten Minnesängern und Trouvère sind ein klarer Beleg für die Blüte der weltlichen Musik und Dichtkunst während des gesamten Hoch- und Spätmittelalters, welche auch nachweislich weit jenseits eines königlichen Hofstaates anzutreffen war.[64]
Die ersten Hinweise auf Polyphonie innerhalb des Gregorianischen Chorals sind noch vor dem 10. Jahrhundert erfassbar (siehe: Gregorianischer Gesang und mittelalterliche Mehrstimmigkeit) und die vereinzelten Sanktionen gegen neuere Musikrichtungen wie z. B. das Verbot der Ars Nova in der Kirchenmusik um 1325 durch Johannes XXII. haben sich, historisch gesehen, kaum durchsetzen lassen.
Das populäre Bild vom mittelalterlichen Spielmann wurde seit den 1980er Jahren maßgeblich durch Bands wie Tippelklimper, Spilwut, Corvus Corax und In Extremo geprägt; rauer Gesang, große Lautstärke, Marktsprech und „finster-mittelalterliche“ Fantasie-Kostüme prägen gegenwärtig die Erwartungen der Allgemeinheit. Es handelt sich dabei jedoch um eine komplett moderne musikalische Darbietungsweise, die ursprünglich in der DDR ihren Anfang nahm (siehe Musik der Mittelalterszene) und welche im Grunde eine Spielart des Punk darstellt.[65]
Einseitige und ungesunde Ernährung
→ Hauptartikel: Esskultur im Mittelalter
Tatsächlich war die Ernährung der niederen Stände weniger entbehrungsreich, als heute oft angenommen wird.[66] Der durchschnittliche Fleischverbrauch pro Kopf war im Mittelalter ca. siebenmal so hoch wie im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts und immer noch höher als zu Beginn des 21. Jahrhunderts.[67] Während der mittelalterlichen Warmzeit waren Missernten viel seltener als später, was den sozialen und technischen Fortschritt sowie die Expansion der Siedlungsräume ermöglichte. So ist zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein rascher Bevölkerungszuwachs nachweisbar,[68] welcher nur bei ausreichender Ernährung stattfinden konnte.
Klimatisch und jahreszeitlich bedingte Schwankungen in der Erntemenge und Nahrungsverfügbarkeit gab es zu allen Zeiten (Hunger im späten Winter, Hungerkatastrophen als Einzelereignisse wie z. B. Hungersnot von 1315–1317), eine permanente Hungersnot lässt sich im Hoch- und Spätmittelalter aber nicht nachweisen (→ Wetteranomalien der 1430er Jahre).
Fader überwürzter Brei
Dieser Oxymoron stammt originär aus der deutschen Living-History-Szene und ist im Grunde eine ironisch-satirische Reaktion auf das extrem verbreitete Narrativ, wo die mittelalterliche Küche als fad, geschmacklos und kaum genießbar dargestellt wird, wo man aber gleichzeitig davon ausgeht, dass die Speisen stark überwürzt gewesen sein sollen. Ungesalzener Haferbrei und die generelle Abwesenheit von tierischen Nahrungsmitteln auf dem Tisch der einfachen Leute gehört dabei zu den häufigsten Vorstellungen, welche auch in seriösen akademischen Kreisen ihren Niederschlag finden.[69]
Der Gedanke, dass sich die mittelalterlichen Bauern tierische Produkte und Nahrungsmittel, die sie ja selbst produziert haben, angeblich nicht leisten konnten, ist zwar ein Widerspruch in sich, erfreut sich aber ungeachtet dessen einer breiten Bekanntheit.
Selbst wenn man von der Abwesenheit der konkreten zeitgenössischen Belege für eine strukturelle Alltäglichkeit und durchgehende Normalität einer solchen faden Ernährungsweise absieht, wäre diese schon aus rein ernährungsphysiologischen Gründen eine dauerhafte Mangelernährung, welche mittelfristig zu schwerer Krankheit und letztendlich zu Tode führen würde. Eine durchschnittliche Person braucht bis zu 6 Gramm Salz pro Tag, wobei Natrium und Chlorid als lebenswichtige Elektrolyte ständig mit dem Schweiß verloren gehen und zu 90 % über das der Nahrung zugesetzte Speisesalz zugeführt werden müssen.[70]
Ein adäquat gedeckter Kalorien-, Protein- und Vitaminbedarf sowie die angemessene Zufuhr der notwendigen Mineralstoffe und Spurenelemente waren und sind das Fundament für die nachhaltige Arbeitsfähigkeit und (das im Hoch- und Spätmittelalter sicher belegte) Wachstum der Bevölkerung, welches bei ständiger Mangelernährung und daraus resultierender sehr hoher Sterberate rein physiologisch nicht möglich gewesen wäre.
Das Muos
Das in den spätmittelalterlichen deutschsprachigen Quellen vielfach anzutreffende Wort muos wird heute gemeinhin als Püree oder Brei im modernen Sinne verstanden, seine tatsächliche sprachliche Bedeutung entspricht jedoch eher Begriffen wie „Essen“, „Mahlzeit“ oder „Speise“.[71] Die Auffassung vom muos als eine Art blanker Haferbrei und die damit verbundene Idee dass eben solcher Haferbrei die Hauptspeise des Mittelalters wäre, hat seinen Ursprung in der Feststellung dass der Hafer als Getreide während der letzten zwei Jahrtausende auf den Britischen Inseln und besonders in Schottland aufgrund der verfügbaren Ackerböden und des Klimas das wichtigste Grundnahrungsmittel darstellte.[72] Im Gegensatz zu den Britischen Inseln spielte im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mitteleuropa der Roggenanbau die zentrale Rolle, was sich durch pollenanalytische Untersuchungen belegen lässt[73][74][75] und was in der Verwendung von Mehl bzw. Grieß und zerkleinertem Brot zur Zubereitung von Gerichten in den Quellen wie z. B. Das Buch von guter Speise[76] dem Liber de Coquina[77] und Le Viandier[78] seinen möglichen Niederschlag findet. Der Hafer als Zutat ist in diesen Werken nicht anzutreffen.
Mehrere Rezepte aus dem „Buch von guter Speise“ (55:1-55:5, 64:1-64:5, 62:1-62:5, 75:1-75:5, uva.), welche die gehobene Küche der Mitte des 14. Jahrhunderts repräsentieren, zeigen die Grundstruktur eines muos, welcher seit dem Hochmittelalter neben Brot zu den Grundgerichten der mittelalterlichen Tafel gehörte. Angegeben ist eine Getreidebasis (hier Reismehl), Mandelmilch als Bindemittel bzw. Ersatz für Milchprodukte während der Fastenzeit, dazu kommt Protein (hier Fisch, Eier, Geflügel) und Obst oder Gemüse als Ergänzung (hier Lauch, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Nüsse). Butter und Schmalz dienten dabei als Geschmacksträger und rundeten das Gericht ab. Die moderne Vorstellung vom (spät)mittelalterlichen muos als reine ungesalzene Getreidegrütze auf Wasserbasis dürfte hiermit nur bei den niederen Bevölkerungsschichten im Rahmen einer gravierenden Hungersnot, bei extremster Verteuerung landwirtschaftlicher Produkte oder während andauernder stark destruktiver Kriegshandlungen als realitätsnah angenommen werden.
Verdorbenes Fleisch und Gewürze
Salzhändler aus dem 15. Jahrhundert in Paris
Eine immer wieder thematisierte Vorstellung besagt, dass die Menschen des Mittelalters sehr viele Gewürze verwendet haben, damit diese den Geruch und Geschmack des verdorbenen Fleisches überdecken und es damit wieder genießbar machen. Diese Vorstellung geht primär auf ein Werk des Journalisten J.C. Drummond zurück, der eine solche Behauptung aufstellte und mithilfe seines fragwürdigen Umganges mit den Quellen zu verteidigen versuchte.[79]
In Verbindung mit dieser Einzelmeinung steht auch die Vorstellung, dass sich nur vermögende Menschen des Mittelalters Gewürze leisten konnten, wobei immer von exotischen Gewürzen ausgegangen wird, die von weit her importiert werden müssen. Die einfache Bevölkerung musste sich laut dieser Vorstellung mit ungewürzten Speisen zufriedengeben.
Eine große Palette an einheimischen und preiswerten Gewürzen, die bis heute selbst in der Haute Cuisine Verwendung finden, wird jedoch fast immer ausgeblendet, genauso wie typische ovo-lacto-vegetarische Produkte der bäuerlichen Tierhaltung. „Das Buch von guter Speise“ (um 1350) nennt außer importierter Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Zimt und Safran unter anderem auch petersilie, salbey, zwiboln (Zwiebeln), kuemel (Kümmel), ezzig (Essig), minzzen (Minze), knobelauch (Knoblauch), luebstickel (Liebstöckel), anis, aschlauch (Lauch/Porree/Breitlauch), epfele (Äpfel), birn (Birne) - alles Nutzpflanzen, die in bäuerlichen und bürgerlichen Gärten preiswert angebaut werden konnten. Auch sind ständige Erwähnungen der eyer (Eier), smaltz (Schmalz) und spec (Speck) ein Hinweis auf die breite Verwendung dieser Lebensmittel.
Salz
Der Preis von Salz betrug, am Beispiel des Jahres 1390, 2 Gulden pro „Hut“ bzw. Scheibe.[80] In Anbetracht der zeitgenössischen Preise und des Gewichtes des besagten Hutes von um die 75 kg[81] waren kleinere Mengen Salz für den Hausgebrauch selbst für Bauern und Handwerker durchaus erschwinglich. Bei einem Salzhut von 75 kg zum obigen Preis und Umrechnungskurs von 1 Gulden = 216 Pfennig[82] konnte sich theoretisch selbst ein Handlanger der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit 10 Pfennig Tageslohn etwa 170 g Salz für einen Zehntel dieses Verdienstes leisten (siehe Preise im Mittelalter), was bei einem Verbrauch von 4 bis 6 Gramm pro Tag für einen ganzen Monat reichen würde.
Der „Ewige Eintopf“
Das Bild von mittelalterlichen Bauern bzw. Bürgern die einen Kessel im ständig brennendem Feuer über Tage, Wochen oder gar Monate unter kontinuierlicher Zugabe von verschiedensten Lebensmitteln stehen und köcheln ließen zum Zwecke einer ständig verfügbaren geschmacklich vielfältigen und warmen Mahlzeit, stammt aus dem Buch „Food in History“ von Reay Tannahill.[83]
Da dieses Werk bzw. seine Autorin jedoch keinerlei historische Quellen als Beleg für die Existenz einer solchen Praxis im europäischen Mittelalter angibt und Nachforschungen anderer Fachleute auch keine Belege ausfindig machen konnten,[84] muss das Konzept vom mittelalterlichen „ewigen Eintopf“ als reine Fiktion betrachtet werden, welche bestenfalls durch moderne Kochmethoden der asiatischen Küche inspiriert wurde.[85]
Grundsätzlich ist auch festzuhalten, dass der Eintopf in seiner heutigen Form ein Gericht der Moderne ist, welches höchstens auf vereinzelte historische Vorbilder verweisen kann.[86] Als Übergang vom getreidebasierten muos bzw. pottage des Spätmittelalters und der Neuzeit bis hin zu den Eintopf-Gerichten des Ersten Weltkrieges kann z. B. die Rumfordsuppe betrachtet werden, welche bereits rein auf Hülsenfrucht-Basis zubereitet wurde und als ausgesprochen preiswert galt. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verdrängten mit der Einführung des industriellen Massenanbaus verschiedene Hülsenfrüchte, die Kartoffel[87] und der Weißkohl aufgrund ihrer breiten Verfügbarkeit und des niedrigen Preises nach und nach das Getreide als Grundzutat, die sich dabei ergebenden Zutaten-Kombinationen haben im historischen europäischen Mittelalter nur sehr wenige nachweisbare Entsprechungen.
Verseuchtes Wasser
John Snow, der als einer der Pioniere der modernen Epidemiologie gilt, machte sich zur Aufgabe, den Ursprung der Cholera-Erkrankung zu ermitteln.[88] Bei einer erneuten Cholera-Epidemie in London fiel ihm auf, dass die Menschen, welche sich aus einem bestimmten Brunnen in der Broad Street versorgten, besonders stark betroffen waren. Er untersuchte die Gegend und befragte die Leute, wobei er entdeckte, dass die Angestellten der „Lion“-Brauerei, die sich ebenfalls auf der Broad Street befand, kaum oder gar keine Cholera-Fälle zu beklagen hatten. Laut dem Eigner der Brauerei bekamen die Arbeiter täglich eine bestimmte Menge „malt liquor“ (Dünnbier). Snow sah seine Hypothese dadurch bestätigt, dass sich Cholera über das Trinkwasser verbreite, öffnete die Pumpe, und es wurde festgestellt, dass das Wasser Eigenschaften aufwies, die für Kontamination mit Abwasser charakteristisch sind - ein Abwasserkanal verlief neben dem Brunnen in Entfernung von nur einigen Metern.
Dieser dokumentierte Fall diente offenbar seit jeher als Inspiration bzw. Vorlage für die Vorstellung, dass die Menschen im historischen Mittelalter kein Wasser tranken, da es angeblich regelmäßig durch Müll und Latrinen verseucht wurde, und Bier an der Stelle die gesündere Alternative gewesen wäre. Nichts davon ist für das historische Mittelalter in dieser Form belegbar.[89][90]
Die vorhandenen Quellen sprechen von Wasser als Alltagsgetränk aller Gesellschaftsschichten, wobei die Qualität und Herkunft des Wassers genauso wie heute berücksichtigt wurde.[91][92] Die aus denselben Quellen ersichtliche Bevorzugung von Wein, Dünnbier, Obstsäften, Hypocras etc. geht vor allem auf kulinarische Vorlieben und humoralpathologische Vorstellungen des Mittelalters zurück und nicht auf die generelle Ungenießbarkeit des Wassers, denn die absolute Mehrheit der Bevölkerung lebte damals außerhalb der Städte und hatte freien Zugang zu Regen- und Quellwasser direkt aus der Natur, z. T. weit entfernt von jeglicher gewerblicher Nutzung.
Brunnen, welche sich in relativer räumlicher Nähe zu Latrinen befinden, sind archäologisch nachgewiesen, die zeitliche Streuung dieser Anlagen ist jedoch oft sehr heterogen, was bedeutet, dass die aktive Nutzung jener nie gleichzeitig erfolgte.[93] Ebenfalls belegt sind mögliche Brunnenreste, welche, vermutlich nach ihrer aktiven Nutzung als Wasserquelle, als Abfallgrube verwendet und entsprechend verfüllt wurden.[94] Die Darstellung, dass Latrinen und Brunnen routinemäßig nebeneinander und zeitgleich betrieben wurden, und ein Brunnen bisweilen simultan als Wasserlieferant, Latrine und/oder Müllgrube diente, ist demzufolge eine fundamentale Missinterpretation.
Das Narrativ vom gesundheitsschädlichen Wasser des Mittelalters ist jedoch vor allem dadurch auffällig, da es sehr oft die Cholera-Vibrionen als Kontaminant des Wassers benennt, eine bakterielle Erkrankung mit sehr spezifischen Symptomen, welche in Europa vor den 1830er Jahren nicht belegt ist.[95]
Rauschmittel
Die den Germanen und Wikingern oft zugeschriebene Praxis des Fliegenpilz-Konsums als Rauschmittel für den bevorstehenden Kampf (siehe Berserker) wird zum ersten Mal vom schwedischen Naturforscher Samuel Lorentz Ödmann um 1784 behauptet.[96] Zeitgenössische mittelalterliche oder anderweitige archäologische oder forensische Quellen, die für diese Praxis sprechen würden, sind der Forschung nicht bekannt.
Alkoholismus
Aufgrund der Tatsache, dass die gesamtmittelalterliche Produktion von Wein und Met regional auf Weinbaugebiete und bestimmte Waldregionen (siehe Zeidlerei) beschränkt waren, mussten diese Getränke in vielen Ländern und Gegenden importiert werden, was sich in ihrem Preis niederschlug. Das im Haushalt selbst aus verschiedenen Getreidesorten für den Eigenbedarf gebraute obergärige Dünnbier war dagegen das am häufigsten erwähnte, in großen Mengen konsumierte und historisch sehr gut belegte alkoholische Getränk des Mittelalters,[97] welches sich durch einen tendenziell geringen Alkoholgehalt[98] und die Verwendung der Grut- statt Hopfenwürze sowie Anwendung der Spontangärung (vergl. Lambic, Geuze) auszeichnete.
Eine Gleichsetzung eines grut-gewürzen Ale bzw. Dünnbier mit um 1,5 % alc.[99] mit den heutzutage gebrauten untergärigen gehopften Bieren von 5 % alc. ist kaum bis gar nicht möglich, diese unzulässige Gleichsetzung ist jedoch auch die Hauptquelle für die verbreitete aber irrige Vorstellung, die Menschen des Mittelalters wären ständig betrunken angesichts der überlieferten täglich konsumierten Dünnbier-Mengen. Jene Dünnbiere wären in der Praxis eher mit den modernen Malz- und Leichtbieren vergleichbar und könnten auch unter Umständen, je nach Stammwürzgehalt, sogar in unserem modernen Sinne als alkoholfrei bezeichnet werden.
Abwesenheit der Hygiene- und Badekultur
Eine Abbildung (ca. 1450–75) zu Facta et dicta memorabilia vom antiken römischen Schriftsteller Valerius Maximus, welche den Lebensstil und Ausschweifungen der Antike aus spätmittelalterlicher Sicht darstellt.
Zahlreiche Badehäuser sind in mittelalterlichen Städten archäologisch belegt.[100] In zeitgenössischen Schriften wird zu ausgedehnter Körperpflege und Hygiene gemahnt (z. B. Passionibus Mulierum Curandorum von Trotula, Regimen Sanitatis Salernitanum aus dem Umfeld der Schule von Salerno, Compendium Medicinae von Gilbertus Anglicus). Wie auch zu anderen Zeiten und in anderen Ländern war Hygiene eine persönliche Angelegenheit.[101] Besonders im Nordeuropa finden sich seit dem Frühmittelalter hölzerne Badehäuser und Dampfbäder, wie sie bis heute in Skandinavien und Osteuropa verwendet werden.[102]
Es gibt mehrere frühmittelalterliche Texte von Autoren wie Ibn Fadlān[103] oder dem Gesandten des Al-Hakam II.,[104] die sich über die hygienischen Gepflogenheiten des Abendlandes negativ äußerten. Solche Quellen sind generell problematisch, da sie die hygienische und rituell-religiöse Reinheit besonders aus muslimischer Sicht nicht hinreichend unterscheiden. Auch ist oft nicht klar, von welchen Bevölkerungsschichten die Rede ist, was die Einordnung der Aussagen dieser Quellen zusätzlich erschwert. Die oft geäußerte Einschätzung, dass die abendländische Badekultur, nachdem sie in der Spätantike unterging, mit den Kreuzzügen aus dem Orient nach Europa wieder eingeführt wurde, muss wesentlich differenzierter betrachtet werden, denn außer der Nutzung der Therme nach spätrömischem Vorbild durch Karl den Großen existieren archäologische Belege für Badehäuser bereits kurz vor den Kreuzzügen (siehe Waldschlössel: Baubestand im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts).
Die Vorstellung, dass Baden eine ungesunde Tätigkeit ist und auch vermieden werden soll, lässt sich durchaus für das 16. und 17. Jahrhundert belegen; vor allem die Idee, dass Wasser die Poren der Haut öffnete und somit die Krankheiten hinein ließ, hatte im Zuge der barocken Syphilis- und Pockenepidemien ihre Befürworter.[105] Solche Auffassungen stehen zwar im Gegensatz zu medizinischen Vorstellungen des Mittelalters, werden jedoch offensichtlich auf dieses regelmäßig projiziert.
Badehäuser als Bordelle
Die Frage, ob die Badehäuser des Spätmittelalters Dienste von Prostituierten anboten, lässt sich durch Quellen nur schwer erfassen; während dies für einige Städte im Südenglands relativ klar belegt werden kann, gibt es im deutschsprachige Raum des Spätmittelalters für solcherlei Betrieb kaum dokumentierte Nachweise.[106]
Durch diesen Umstand sind bezüglich der generellen Häufigkeit von Prostitution in Badehäusern des Mittelalters nur mehr oder minder spekulative Schätzungen möglich, welche aber keineswegs als „historische Fakten“ aufgefasst werden dürfen. Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Illustrationen zu antiken Texten (siehe Bild rechts) oder zu biblischen Passagen welche Laster und Ausschweifungen darstellen, sind als „Belege“ für die grundsätzliche Funktion der Badehäuser als Bordelle zwar populär, jedoch aus fachlicher Sicht kaum belastbar.
Strenger Körpergeruch
Es existieren mittelalterliche Quellen,[107] welche für den Adel und die Stadtbürger des Hoch- und Spätmittelalters einen Vollbad-Turnus von einer bis zwei Wochen nahelegen. Dadurch ist der moderne Rezipient oft geneigt zu glauben, dass die Menschen des Mittelalters einen ständigen und typischen Schweißgeruch gehabt haben müssten.
Abgesehen von der täglichen Individualwäsche jenseits des Vollbades beruht diese Vorstellung jedoch auf einer Fehleinschätzung: die moderne Kleidung besteht fast ausschließlich aus einer Kombination von Baumwolle und Kunstfasern, welche optimales Milieu für Schweiß zersetzende Bakterien bieten.[108] Die Stoffwechselprodukte dieser Bakterien verursachen letztendlich das, was man als Schweißgeruch wahrnimmt. Die alltägliche Funktionskleidung des gesamten Mittelalters bestand insgesamt aus zwei Stoffarten, Leinen und Schafwolle, welche aufgrund ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften (Atmungsaktivität, Dichte der Fasern usw.) eine viel weniger geeignete Grundlage für die Bakterienvermehrung und entsprechende Geruchsentwicklung geboten haben.
Darstellung der Geißlerzüge in der Chronik von Gilles Li Muisis um 1350, Königliche Bibliothek Belgiens
Pest als typisch mittelalterliche Krankheit
Begräbnis von Opfern der Beulenpest in Tournai. Teil einer Miniatur aus den Chroniken des Abtes Gilles Li Muisis (1272–1352), Königliche Bibliothek BelgiensDer Doctor Schnabel von Rom, (ca. 1656), Kolorierter Kupferstich eines Pestdoktors von Paul Fürst, der früheste Nachweis einer sogenannten „Pestmaske“ welche fälschlicherweise mit dem Mittelalter assoziiert wird.
Abwegig ist die Einschätzung, das gesamte Mittelalter sei von der Pest dominiert gewesen. Zwischen der Justinianischen Pest und der spätmittelalterlichen Pandemie lagen vom 8. bis zum 14. Jahrhundert mehr als 500 „pestilenzfreie“ Jahre. Da es sich um eine für sie bislang unbekannte Seuche handelte, waren Gelehrte und Ärzte zunächst ratlos und mit der bis dahin nie erlebten Mortalitätsrate überfordert, als der Schwarze Tod in Europa ankam. Die mittelalterliche Gesellschaft erlebte die Pandemie von 1347 bis 1353 als ein beispielloses apokalyptisches Erlebnis, man glaubte, das Ende der Welt sei gekommen (siehe Flagellanten).
Die anfängliche Hilflosigkeit bei der Behandlung der Krankheit konnte nur mit der Zeit und Erfahrung ausgeglichen werden. Es zeigt sich auch, dass die nachfolgenden (eher lokalen) Epidemien wegen der immunologischen Anpassung der Bevölkerung und dank medizinischer Erkenntnisse bei Weitem nicht mehr so dramatisch verliefen.
Laut den Erkenntnissen der Genetik[109] war der Erreger, der für die spätmittelalterliche Pandemie 1347–1353 verantwortlich war, ein zu dieser Zeit neu entstandener Stamm von Yersinia pestis.
Da die modernen für Tier und Mensch gefährlichen Yersinia-Varianten von diesem Urtyp (oder eventuell seinen Varianten) abstammen und sich untereinander nur wenig unterscheiden, geht man davon aus, dass die extreme Virulenz des mittelalterlichen Yersinia-Typs mit mangelnder Immunität der Bevölkerung (was bei neuen und aggressiven Erregern oft der Fall ist) und den ungünstigen gesellschaftlichen Verhältnissen zusammenhängt.[110]
Infektions- und Übertragungswege
Neueste epidemiologische Modelle weisen darauf hin, dass eine Übertragung der Pest durch humane Ektoparasiten wie Kopf- und Kleiderläuse und den Menschenfloh mehr als wahrscheinlich erscheint, denn die Art und Geschwindigkeit der Ausbreitung der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts decke sich viel besser mit der Hypothese der direkten Ansteckung durch zwischenmenschlichen Kontakt ohne Umweg über den Rattenfloh.[111] Historische Augenzeugenberichte, wie z. B. jener von Giovanni Boccaccio, berichten übereinstimmend von der Übertragung der Pest durch Kontakt mit der Kleidung und dem Hausrat Infizierter, ganz ohne Beteiligung von Ratten.[112]
Mangelnde Hygiene und Fehlen medizinischer Kenntnisse, wie es oft in modernen Medien dargestellt wird, waren demzufolge bei Weitem nicht die alleinigen Ursachen der Pandemie. Ausgehend von der Ektoparasit-Hypothese der Übertragung der Pest ist anzumerken, dass nur moderne Insektizide den entscheidenden Behandlungsvorteil über die Ektoparasiten brachten, denn entgegen der landläufigen Meinung ist regelmäßiges Körper- und Haarewaschen relativ wirkungslos gegenüber Läusebefall.[113]
Die Ratten
Die mediale Gewohnheit einen Pestausbruch mit zahlreichen und überall herumlaufenden Ratten stilistisch zu hinterlegen, stellt im Großen und Ganzen eine Rezeption der revolutionären Entdeckung des Paul-Louis Simond dar, welcher 1898 den Übertragungsweg der Pest durch den Rattenfloh nachwies.[114]
Obwohl die neuere Forschung[115][116][117] die Relevanz dieses gesonderten Übertragungsweges durch den Xenopsylla cheopis für mittelalterlich-europäische Epidemien mittlerweile massiv in Frage stellt (siehe Übertragsweg der Pest) und eine sichtbare Rattenplage bzw. massives Rattensterben im Gegensatz zu Berichten aus Indien des späten 19. Jahrhunderts[118] für das europäische Mittelalter nicht nachgewiesen werden kann, enthalten viele Darstellungen mittelalterlicher Pestepidemien in den Medien bis heute zum Teil stark dramatisierende mit Ratten besetzte Szenen.
Die mittelalterliche Yersinia-Variante im 13. bis 14. Jahrhundert war wahrscheinlich in China entstanden und kann damit nicht für Epidemien der Spätantike und des Frühmittelalters verantwortlich sein.[119][120]
Die Rolle der Kirche
Idealtypische Darstellung der mittelalterlichen Ständegesellschaft aus dem 15. Jahrhundert mit Papst an der Spitze (Bibliothèque de l'Arsenal)
Der verbreitete Topos von der katholischen Kirche als eine Art totalitäre Rechts- und Moralinstanz des europäischen Mittelalters wurde vor allem von dem englischen Historiker John William Draper[121] (1811–1882) in Szene gesetzt. Der Topos lässt sich bis in das 17. und 18. Jahrhundert zurückverfolgen, wo Gelehrte wie Blaise Pascal, René Descartes, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, John Locke und andere an der ablehnenden Haltung der Kirche gegenüber sozialen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Neuerungen Kritik geübt haben. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts urteilte Arthur Schopenhauer in einem Aphorismus, dass das Mittelalter „jene Zeit [gewesen sei], wo die Fäuste geübter waren als die Köpfe und die Pfaffen die Vernunft in Ketten hielten.“[122]
Vor allem das Vorgehen der katholischen Kirche im Zuge der Rekatholisierung und die Aktivitäten sowie das öffentliche Bild des Jesuitenordens bildeten die Grundlage für die weitgehend konkrete zeitgenössische Kritik der o. g. Philosophen und Gelehrten, welche im 19. und 20. Jahrhundert politisch und literarisch ausgeschmückt wurde (vgl. Darstellung des Bernard Gui von Umberto Eco oder des Kardinals Richelieu bei Alexandre Dumas).
Entgegen dieser neuzeitlich-modernen Auffassung hatte die katholische Kirche im historischen Mittelalter nicht den Einfluss, den sie nach dem Mittelalter während der Gegenreformation (ab 1545) auf Politik und Gesellschaft ausübte. Ihre Handlungsoptionen waren im Hoch- und Spätmittelalter demnach deutlich eingeschränkter. Zahlreiche Laienbewegungen wie Beginen und Begarden, Spiritualen, Waldenser und Katharer existierten mitunter jahrhundertelang, ohne dass die Kirche etwas gegen ihre Existenz ausrichten konnte. Den Katharern gelang es, im Languedoc eine nahezu unabhängige Kirche mit ihrer eigenen Verwaltung und Machtstruktur aufzubauen. Sie konnte nur mithilfe einer massiven militärischen Intervention im Albigenserkreuzzug (1209–1229) zerschlagen werden. Das Abendländische Schisma spaltete zusätzlich das Papsttum, sodass der König und Kaiser Ludwig IV. in direkten Konflikt mit Papst Johannes XXII. treten konnte. Er wurde selbst der Häresie bezichtigt (siehe Konflikte mit dem Kaiser und Armutsstreit) und verteidigte seine Machtposition (siehe Der Armutsstreit und der kirchenpolitische Kampf Ludwigs des Bayern).
Inquisition
Die Schaffung der Inquisition ab dem 13. Jahrhundert war die Konsequenz. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Anhänger einer Häresie zum Widerruf zu bekehren, damit sie sich wieder freiwillig zur offiziellen kirchlichen Lehre bekennen und ihre häretischen Verfehlungen reumütig beichten. Aktive Hexenverfolgung gehörte, entgegen der verbreiteten Vorstellung, nicht dazu. Die Todesstrafe durch Verbrennen war nur denen vorbehalten, die als „verstockte“ und immer wieder rückfällige Häretiker in Erscheinung traten und jegliche Kooperation verweigerten (siehe Prozess und Hinrichtung von Marguerite Porete).
Doch selbst zu Zeiten der spätmittelalterlichen Inquisition lässt sich am Beispiel des Armutsstreits zeigen, dass päpstliche Bullen oder offizielle kirchliche Lehren und Stellungnahmen selbst von geistlichen Orden nicht so eifrig befolgt wurden, wie es heute oft vorgestellt wird, so dass diese immer wieder mit Nachdruck ermahnt werden mussten[123][124][125].
Die Idee einer mittelalterlichen Kirche, die in der Art und Weise eines totalitären Zentralstaates alle ständig in ihrem Denken und Handeln überwacht und bei Übertritten sofort und hart bestraft hat, ist als eine Projektion der Moderne zu erkennen.
Das in vielen Filmen und Spielszenen verbreitete Bild von den Inquisitoren des Spätmittelalters als eine Art Kläger, Richter und Henker in einer Person, welche die totalitäre Macht besitzen, einfach Menschen nach persönlichem Gutdünken zu ergreifen, beschuldigen, einsperren und hinzurichten, entspricht nicht der historischen Realität, denn die Trennung zwischen geistlicher[126] und für das Führen von Prozessen und das Vollstrecken von Urteilen zuständiger weltlicher Gerichtsbarkeit sowie das von den katholischen Geistlichen erhaltene Weihesakrament (welches z. B. körperlichen Kontakt mit Blut verbietet) schließen derartiges Auftreten von vornherein aus.
Das typische Bild des Inquisitors ist demnach ein Konstrukt der Moderne, welches besonders im Bereich des historischen Romans und der Filmkunst als Haupt-Antagonist gern verwendet wird.
Die Hexen
→ Hauptartikel: Hexenverfolgung
Die Entwicklung der Hexenvorstellung der Neuzeit lässt sich relativ klar im Verlauf des Spätmittelalters zurückverfolgen, denn die Idee einer mit dem Teufel im Bunde stehenden explizit weiblichen Person, welche durch Zauberei, geheimes Wissen oder bestimmte Zubereitungen wie der Hexensalbe Schaden zufügen oder Vorteil schaffen kann, formuliert sich erst im 15. Jahrhundert, wobei der Einfluss des „Hexenhammers“ von Heinrich Kramer als zentral betrachtet werden muss.[127]
Die Position der katholischen Kirche des Mittelalters gegenüber vermeintlichen Magiern und Zauberern war bis zum 13. Jahrhundert von der Vorstellung geprägt, dass diese im Grunde keinerlei wirkliche Macht besessen haben die Geschicke des Menschen, die Natur oder das Wetter zu beeinflussen, da diese Macht nur Gott allein zugesprochen werden konnte. Erst im ausgehenden Spätmittelalter fand eine langsame Veränderung dieser Position statt, welche schlussendlich im neuzeitlichen Hexenwahn gipfelte (vergl. Theologischer Diskurs des Mittelalters über Häsresie und Hexerei, Inquisition und Hexenverfolgung).
Die vom Papst Johannes XXII. im Jahre 1326 verfasste Bulle „Super Illius Specula“ markiert den Beginn der theologischen und juristischen Gleichstellung der „Zauberer“ mit Häretikern, wobei „Zauberei“ als Beschwörung und Anbetung von Geistern bzw. Dämonen, das Herstellen von Zaubergegenständen und Besitz von Zauberschriften definiert wird.[128] Exkommunikation und Beschlagnahmungen des Vermögens, Geldstrafen sowie weitere Strafen je nach Schwere des Vergehens werden dabei als rechtliche Konsequenzen solchen Handelns explizit festgelegt. Die sogenannten Hexenprozesse von Freiburg, welche ursprünglich als Verfolgung der Waldenser begannen, markierten ab 1428 den weiteren bedeutenden Schritt in Richtung „Hexerei“ als ein von klassischer Häresie weitgehend unabhängiger Tatbestand, welcher ab dem 16. Jahrhundert vorwiegend von den weltlichen Gerichten als ein solcher geahndet wurde.
Kräuterfrauen
Heilkundige Frauen sind historisch belegt, die bekanntesten des europäischen Hoch- und Spätmittelalters wären z. B. Trotula und Hildegard von Bingen. Die Umdeutung der „Hexen“ als weise gebildete Frauen, welche zum starken Missfallen der religiösen Autoritäten umfangreiches Wissen und praktisches medizinisches Können besaßen, geschah jedoch erst im 19. Jahrhundert und stammt ursprünglich von Matilda Joslyn Gage und ihrem Werk „Woman, Church and State“.[129]
Obwohl es sich bei diesem Werk um ein politisches Statement und keine geschichtswissenschaftliche Publikation mit entsprechenden Quellennachweisen handelt, erfuhren die o. g. persönlichen Ansichten von M. J. Gage eine weite Verbreitung und wurden im 20. Jahrhundert zusätzlich mit zahlreichen Behauptungen in Bezug auf vorchristliche heidnische Praktiken ergänzt. Damit wäre die Vorstellung von den „Hexen als weise Kräuterfrauen, die altes germanisches Wissen bewahrten“ eine moderne politische bzw. esoterische Vorstellung und kein belegter historischer Fakt.
Katzenverfolgung
Ein in populären Medien mittlerweile sehr beliebter Topos ist die angebliche Verfolgung und Massentötung von Katzen des Hoch- und Spätmittelalters, welche durch die Kirche legitimiert und von Glaubensfanatikern durchgeführt wurde. Dieses Narrativ wurde vor allem durch den Autor Donald W. Engels und sein Werk „Classical Cats: The rise and fall of the sacred cat.“ (2001) popularisiert, weist jedoch ein grundlegendes und methodisches Quellenproblem auf, da weder Innozenz VIII. in seiner Summis desiderantes affectibus[130] noch Gregor IX. in seiner Vox In Rama[131] - der zentralen Quelle des Autors - sich negativ über Katzen äußern bzw. diese gar nicht explizit erwähnen.
Anderweitige hoch- und spätmittelalterliche Quellen, welche zumindest eine singuläre Verfolgung, Massentötung oder gar Verbrennung der Katzen in Europa belegen könnten, sind der Forschung nicht bekannt,[132] genauso wie die zahlreichen fiktiven Zitate der o. g. Päpste, welche die Katze als ein „satanisches Tier“ verdammen. Eine entsprechende Verbindung zwischen schwindender Katzenpopulation, der daraus resultierender Vermehrung von Ratten und der damit zusammen hängender Verbreitung der Pest, ist ebenfalls nicht nachweisbar.
Wasserfolter, Miniatur, ca. 1475 (Nantes BM fr. 8)
Die Folter
Es gibt kaum eine andere Erscheinung, die so eng mit dem historischen Mittelalter assoziiert wird, wie die Folter. Zum Ersten wird sie landläufig als die Basis der gesamten mittelalterlichen Rechtsprechung angesehen, zum Zweiten wird häufig angenommen, dass sie für die Menschen des Mittelalters alltäglich und selbstverständlich war. Der zweite Punkt erscheint für den modernen Rezipienten auch dadurch logisch, da sehr viele Museen in historischen Burgen und Schlössern eine mit modernen Repliken ausgestattete „Folterkammer“ bzw. ein „Verlies“ besitzen und dadurch letztlich suggerieren, dass diese ein fester Bestandteil einer Burganlage bzw. Festung gewesen sind.
Der Beginn der institutionalisierten Folter wird von der Forschung gewöhnlich im Jahr 1252 angesetzt, als Papst Innozenz IV. die Bulle Ad extirpanda publik machte und somit die erste erfassbare Regelung für Verwendung von Folter an Häretikern in den Umlauf brachte. Die rechtlichen Hürden waren dabei recht hoch und an Bedingungen gebunden, wie z. B. das Ausbleiben dauerhafter körperlicher Schäden. Als zweiter wichtiger Meilenstein, zumindest für den deutschsprachigen Raum, gilt die Maximilianische Halsgerichtsordnung, welche um 1499 veröffentlicht wurde und als ein Vorläufer der Constitutio Criminalis Carolina von 1532 gelten kann. Dieses Werk wiederum ist maßgeblich für das moderne Wissen um die verschiedenen Folter- und Hinrichtungsarten der Frühen Neuzeit, die sich mit der belegten Folterpraxis des Hoch- und Spätmittelalters nur sehr bedingt decken. Dies lässt sich durch folgende Punkte veranschaulichen:
fast alle Folterinstrumente, die gemeinhin dem Mittelalter zugeschrieben werden, stammen entweder aus der Frühen Neuzeit oder sind als romantische Erfindungen des 19. Jahrhunderts zu erkennen (siehe Eiserne Jungfrau und Judaswiege)
nur sehr wenige der historischen Folter- und Hinrichtungsmethoden wie z. B. die Streckbank,[133][134] das Rad,[135] Wasserfolter,[136] das Pfählen und der Schwedentrunk sind für das europäische Mittelalter anhand originaler Quellen belegbar
es gibt keine bis heute erhaltene Original-„Folterkammer“ aus dem historischen Mittelalter und auch keine Belege für die Existenz spezieller von Anfang an als Verlies bzw. für Folter konzipierter Räume in Türmen und Kellern einer Burg
die Ausstattung der „Folterkammer“ in modernen Museen orientiert sich, aufgrund reichhaltigerer Quellenlage, am 16. und 17. Jahrhundert und benutzt dafür moderne Repliken der Folterinstrumente.
Eine Vermischung der belegten mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Folterpraxis ist zwar aus wissenschaftlichen Gründen inkorrekt und unzulässig, findet aber seit Jahrzehnten in den populären Medien und zahlreichen Museen statt. Auch die mittelalterlichen Darstellungen der christlichen Märtyrer der Spätantike[137] sind aus quellenkritischer Sicht mit Vorsicht als Quelle zu behandeln, da diese im Grunde künstlerische Interpretationen der spätantiken Überlieferungen darstellen und damit nicht unbedingt die tatsächliche Praxis des Mittelalters widerspiegeln.
Die Sekundärliteratur der Autoren des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie z. B. Frederick Howard Wines oder Carl William Heckethorn, welche selbst in der jüngeren Vergangenheit sehr populär blieb, hält aufgrund fehlender Primärnachweise in den meisten Fällen keiner Quellenkritik stand.
Rezeption
Bedingt durch die Tatsache, dass das historische europäische Mittelalter bereits ab dem 16. Jahrhundert zumeist negativ verklärt wurde (siehe oben), entstand selbst im Verlaufe mehrerer Jahrhunderte, im Gegensatz zur Urgeschichte, Antike, Neuzeit und der Moderne kein klar strukturiertes öffentlichkeitswirksames Bild der besagten Epoche.
Die Rezeption wurde auch dadurch erschwert, dass ein großer Teil des europäischen Mittelalters, im Vergleich zu anderen Epochen, deutlich weniger überlieferter schriftlicher Quellen aufweist, was den geisteswissenschaftlichen Zugang zu jener Epoche deutlich komplizierter gestaltet (siehe Dunkle Jahrhunderte (Mittelalter)).
Projektionsfläche
Das Fehlen eines klar umrissenen Bildes vom europäischen Mittelalter wird von Archäologen[138], Historikern[139] und sachkundigen Bloggern[140] als die Hauptursache der Mythenbildung und ihrer Persistenz angesehen.
Dadurch eröffnen sich beim Versuch das Mittelalter dar- und vorzustellen, viele Unschärfen, Unklarheiten und Lücken, die vor allem im 19. und 20. Jahrhundert mit jeweils zeitgenössischen Vorstellungen, Wünschen, Konflikten und politischen Überzeugungen gefüllt wurden und das europäische Mittelalter zu einer Art psychologischen Projektionsfläche des Zeitgeistes werden ließen.[141][142]
Dieser Prozess besteht bis in die Gegenwart und ist vor allem in der massenmedialen Darstellung des gesamten Mittelalters deutlich beobachtbar.[143] Die Konventionen solcher Darstellungen beinhalten meist extreme Vereinfachungen und das Bedienen der bereits vorhandenen aber historisch unhaltbaren Erwartungshaltung der Allgemeinheit, wobei man sich dadurch erhofft die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen, das Interesse für das Thema zu wecken und eine Botschaft zu vermitteln.[144]
Diese Vorgehensweise bildet grundsätzlich den Nährboden bzw. eine Plattform für viele überholte Vorstellungen vom historischen europäischen Mittelalter[145] und wird deswegen aus geschichtswissenschaftlicher und archäologischer Sicht kritisch hinterfragt.
Populärkultur
Das finstere Mittelalter ist ein beliebtes Motiv der Populärkultur.
In den Comics Hägar der Schreckliche wird das finstere Mittelalter humorvoll persifliert.
Der Film Paracelsus: „Suggestive Massenszenen mit Hysterien der Angst und des Aberglaubens beschwören ein ‚finsteres Mittelalter‘.“[146]
John Freely: Before Galileo: The Birth of Modern Science in Medieval Europe. Overlook Duckworth, New York City/London 2012, ISBN 978-1-59020-607-2. Deutsch: Aristoteles in Oxford: Wie das finstere Mittelalter die moderne Wissenschaft begründete. Klett-Cotta, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-608-94854-7.[147]
Literatur
Klaus Arnold: Das „finstere“ Mittelalter Zur Genese und Phänomenologie eines Fehlurteils. In: Saeculum 32.3 (1981), S. 287–300.
Marcel Beck: Finsteres oder romantisches Mittelalter?. Zürich 1950.
Norbert Brieskorn: Finsteres Mittelalter? Über das Lebensgefühl einer Epoche. M. Grünewald, Mainz 1991.
Matthias Meinhardt, Andreas Ranft, Stephan Selzer (Hrsg.): Mittelalter (Oldenbourg Geschichte Lehrbuch). 2. Auflage, München 2009.
Renovatio et Reformatio. Wider das Bild vom „finsteren“ Mittelalter, Hrsg. mit Godehard Ruppert, Aschendorff, Münster 1985.
Ferdinand Seibt: Glanz und Elend des Mittelalters. Eine endliche Geschichte. Siedler, Berlin 1987, ISBN 3-88680-279-5.
Georg Scheibelreiter: Die barbarische Gesellschaft. Mentalitätsgeschichte der europäischen Achsenzeit 5.–8. Jahrhundert. Primus, Darmstadt 1999, ISBN 978-3-89678-217-5.
Karin Schneider-Ferber: Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über das Mittelalter. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2009.
Laure Verdon: Le Moyen Âge. 10 siècles d'idées reçues. Le cavalier bleu, Paris 2019.
Weblinks
Eva-Maria Schnurr: Alles anders! bei Spiegel Online vom 27. Januar 2015
↑Johannes Fried: Das Mittelalter. München 2008; Régine Pernoud: Those Terrible Middle Ages! Debunking the Myths. Ignatus press, San Francisco 2000.
↑Vgl. unter den diversen neueren Darstellungen beispielsweise Johannes Fried: Das Mittelalter. München 2008; Matthias Meinhardt, Andreas Ranft, Stephan Selzer (Hrsg.): Mittelalter (Oldenbourg Geschichte Lehrbuch). 2. Auflage, München 2009.
↑Vgl. unter anderem Johannes Fried: Die Formierung Europas 840–1046 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 6). 3. Auflage. Oldenbourg, München 2008; Reinhold Kaiser: Die Mittelmeerwelt und Europa in Spätantike und Frühmittelalter (= Neue Fischer Weltgeschichte. Band 3). S. Fischer, Frankfurt am Main 2014.
↑W. J. Foerster, Die Erforschung des Weltalls. In: Weltall und Menschheit. Geschichte der Erforschung der Natur und der Verwertung der Naturkräfte im Dienste der Völker. Band V. (1903)
↑Digitales Archiv Marburg: Auszug aus dem Brief Ulrichs von Hutten (1488–1523) an den Nürnberger Patrizier Willibald Pirckheimer (1470–1530) über das Leben auf einer Burg, 25. Oktober 1518. (digam.net).
↑Bernd Schneidmüller: Städtische Umweltgesetzgebung im Spätmittelalter. Mensch und Umwelt in der Geschichte, hg. von Jörg Calließ/Jörn Rüsen/Meinfried Striegnitz (Geschichtsdidaktik NF 5), Pfaffenweiler: Centaurus 1989, S. 119–120.
↑Ulrich Müller: Holzfunde aus Freiburg, Augustinereremitenkloster und Konstanz: Herstellung und Funktion einer Materialgruppe aus dem späten Mittelalter (= Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg. Nr.21). Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 978-3-8062-1266-2.
↑James Cross Giblin: From Hand to Mouth: Or, How We Invented Knives, Forks, Spoons, and Chopsticks and the Table Manners to Go with Them. (Collins, November 12, 1987) S. 46
↑Olav Martinsen: Vestjyske jernknive Skjern-Egvad Museum (Abgerufen am 29. Oktober 2023)
↑Klemens Wilhelmi: Die vorrömische Eisenzeit zwischen Sieg und Mittelweser Kleine Schriften aus dem Vorgeschichtlichen Seminar Marburg, Heft 8, Hrsg. Otto-Herman Frey und Helmut Roth. Marburg 1981 (S. 21, Abb. 15, Zeichnung 2)
↑Norman F. Cantor: The Civilization of the Middle Ages: A Completely Revised and Expanded Edition of Medieval History. Harper Perennial 1994; Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. 4., unveränd. Aufl., C. H. Beck, München 1993.
↑Massimo Livi Bacci: Europa und seine Menschen: eine Bevölkerungsgeschichte. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-44700-7, S. 69. Hans Jürgen Teuteberg, Günter Wiegelmann: Nahrungsgewohnheiten in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. LIT Verlag Münster, 1995, ISBN 3-8258-2273-7, S. 99.
↑Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. 4., unveränd. Aufl., C. H. Beck, München 1993, S. 39.
↑Das Buch von guter Speise. Digitale Ausgabe erstellt von Thomas Gloning. Nach der Edition von Hans Hajek.
↑Thomas Gloning: Liber de coquina ubi diuersitates ciborum docentur. Text based upon: Mulon, Marianne: Deux traités inédits d'art culinaire médiéval. In: Bulletin philologique et historique (jusqu'à 1610) du Comité des Travaux historiques et scientifiques. Année 1968: Actes du 93e Congrès national des Sociétés savantes tenu à Tours. Volume I: Les problèmes de l'alimentation. Paris 1971, 369-435; the text of the Liber de coquina on p. 396-420. (Abgerufen am 19. September 2024)
↑Eike Pies, Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Abhängigkeit und Entwicklung über sieben Jahrhunderte. 2. Aufl. Wuppertal: Brockhaus, 2003. Schriftenreihe Quellen zur Familienforschung. 3. ISBN 3-930132-23-0. S. 12
↑Martin Teller: Währungen und Münzrelationen. Historische und geographische Forschungen zu Stadt und Land Oldenburg. (Abgerufen am 15. September 2024)
↑„Bread, water or ale, and a companaticum ('that which goes with the bread') from the cauldron, the original stockpot or pot-au-feu that provided an ever-changing broth enriched daily with whatever was available. The cauldron was rarely emptied out except in preparation for the meatless weeks of Lent, so that while a hare, hen or pigeon would give it a fine, meaty flavour, the taste of salted pork or cabbage would linger for days, even weeks.“ (Food in History, by Reay Tannahill. New York: Crown Publishers, 1989, ISBN 0-517-57186-2.)
↑Sidi Ibrahim ben Achmed at-Tartuschi, zitiert nach: Harry Kühnel: Mit Seife mißt man die Kultur, 1991, S. 61.: „Aber du siehst nichts Schmutzigeres als sie! Sie reinigen und waschen sich nur ein- oder zweimal im Jahr mit kaltem Wasser. Ihre Kleider aber waschen sie nicht, nachdem sie sie angezogen haben, bis das sie in Lumpen zerfallen.“
↑Vigarello, Georges. Wasser und Seife, Puder und Parfüm: Geschichte der Körperhygiene seit dem Mittelalter. Frankfurt/M.: Campus, 1992 S. 17ff
↑Ayyadurai, S., F. Sebbane, D. Raoult, and M. Drancourt. 2010. Body lice, yersinia pestis orientalis, and black death. Emerging infectious diseases 16:892–3.
↑Hufthammer, A. K., and L. Walløe. 2013. Rats cannot have been intermediate hosts for Yersinia pestis during medieval plague epidemics in Northern Europe. Journal of Archaeological Science 40:1752–1759.
↑Laudisoit, A., H. Leirs, R. H. Makundi, S. Van Dongen, S. Davis, S. Neerinckx, J. Deckers, and R. Libois. 2007. Plague and the human flea, Tanzania. Emerging infectious diseases 13:687–93.
↑Deutsche Medizinische Wochenschrift, 23, (1897) S. 503.
↑John William Draper: History of the Conflict Between Religion and Science. (1874)
↑Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena : kleine philosophische Schriften. Band1. A. W. Hayn, Berlin 1851, Aphorismen zur Lebensweisheit: IV. Von dem, was Einer vorstellt, S.360, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10927137-6.
↑Historisches Lexikon Bayerns: Geistliche Gerichtsbarkeit Christian Schwab, Geistliche Gerichtsbarkeit, publiziert am 30. September 2011 (abgerufen am 7. Juli 2023)
Huppelrath ist eine Wüstung auf dem Gebiet des Kerpener Stadtteils Buir in direkter Nähe zum Merzenicher Ortsteil Bürgewald (bis Juli 2024 Morschenich) im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Bei der Anlage handelte es sich um einen adeligen befestigten Hof oder eine kleine Wasserburg, die Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassen wurde.
Bild der zweiteiligen Anlage Huppelrath, die Gräben zwischen Haupt- und Vorburg sind farblich gekennzeichnet.
Namensherkunft
Die Namensendung auf -rath gehört zur Gruppe der Ortsnamen auf -rad, -rod, -roda, -rode oder -rath und bezieht sich auf eine frühmittelalterliche Rodung, bei der zur Anlage neuer Ackerflächen eine Lichtung in den Wald hineingesetzt wurde. Auch wenn Huppelrath zweifelsohne zu dieser Gruppe gehört, ist sein Gründungsdatum nicht bekannt. Solche Orte wurden im Rheinland im Zeitraum zwischen 1100 und 1300 gegründet, möglicherweise schon um 800, wie Untersuchungen an der Kirche in Richrath vermuten lassen.
Lage
Huppelrath lag etwa 2000 m nordwestlich von Buir. Im 20. Jhdt. wurden viele Ackerflächen im Rahmen der Flurbereinigung umgestaltet, sodass die einstige Wegführung heute nicht mehr zu erkennen ist. Etwa 500 m südwestlich der Ortslage befinden sich heute der Lambertshof und die Autobahn A4.
Den Großteil seiner Geschichte war die Anlage dicht von Wald umgeben, während dieser insbesondere in den letzten Jahren der Ortsgeschichte infolge von Rodungen stark zurückging. Die letzten Karten zeigen Huppelrath Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bereits mit heutigem Landschaftsbild auf offener Feldflur liegend.
Bauliche Gestaltung
Flurkarte von 1927 mit Huppelrath, erkennbar ist hier die als bewaldet dargestellte Vorburg.
Die genaue Gestalt sowie eventuelle bauliche Veränderungen der Burganlage Huppelrath sind nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass die Anlage aus zwei baulich getrennten Teilen bestand, die beide von einem Wassergraben umgeben waren. Das Gelände der Vorburg nahm bogenförmig den westlichen und südlichen Teil der Anlage ein. Die Hauptburg erstreckte sich auf etwa einem Viertel der Anlage und war nur über einen Zugang von Süden her zu erreichen. Weitere Annäherungshindernisse wie Palisaden sind denkbar, können jedoch nicht nachgewiesen werden. Auf der Preußischen Kartenaufnahme von 1891 wird nur noch das Gebäude auf der Hauptburginsel dargestellt, der Graben der Vorburg scheint hier ebenfalls nicht mehr zu existieren. Auf einer Flurkarte von Buir aus dem Jahr 1927 finden sich wieder je ein Gebäude in der Haupt- und Vorburg, allerdings wird letztere als bewaldet dargestellt. Über das Verschwinden der Vorburg gibt es keine Aufzeichnungen, jedoch ist sicher, dass diese weder durch Bautätigkeit noch durch Kiesabbau verschwunden ist.[1]
Huppelrath wird mal als Festes Haus und mal als Burg bezeichnet, ist jedoch aufgrund der Aufteilung in eine Hauptanlage und eine Vorburg als Rheinische Wasserburg anzusprechen.
Geschichte
Älteren Theorien zufolge wurde Burg Huppelrath in der frühen Neuzeit zwischen 1500 und 1600 errichtet.[2] Funde mittelalterlicher Keramikscherben, insbesondere blaugraue Kugeltopfscherben und bemalte Pingsdorfer Keramik in den 1950er Jahren belegen jedoch eine längere Siedlungstätigkeit. 1331 ist ein Ritter namens Ludwig von Huprechrode als Pächter des Altenberger Hofes Forst (bei Mahnheim) urkundlich belegt.[3] 1511 und 1530 wurde Huppelrath dann als Burglehen von Nideggen vergeben.[1]
Vermutlich hatte Huppelrath als Anlieger der Bürgewaldes ebenfalls ein Anrecht auf dessen Nutzung, welches die umliegenden Gemeinden Morschenich, Buir, Merzenich und Manheim ebenfalls besaßen. Diese hatten laut einer lokalen Legende das Nutzungsrecht vom heiligen Arnold von Arnoldsweiler erhalten, der in einer Wette mit Karl dem Großen den Wald als Geschenk erhalten hatte. Als Gegenleistung für die Nutzungsrechte mussten die bis zu 49 Bürgewaldgemeinden jedes Jahr am Pfingstdienstag eine Wachsspende nach Arnoldsweiler in die Kirche bringen. Im Zuge der Anti-Kohle-Bewegung wurde dieser Brauch teilweise wiederbelebt und fortgeführt.[4][5]
1860 wird die Anlage noch mit zwei Gebäuden und sechs Bewohnern verzeichnet, wenige Jahre später im Jahr 1871 leben nur noch drei Bewohner auf der Burg.[3] 1893 taucht sie dann nicht mehr auf. Laut mündlichen Überlieferungen soll sich dort am Ende des 19. Jahrhunderts ein zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits verfallenes Fachwerkgebäude befunden haben. In der Preußischen Kartenaufnahme von 1891 wird Huppelrath letztmalig verzeichnet. Die Überreste der Burg wurden am 28. Mai 2004 als Burg Huppelrath unter der Nummer BM 159 in die Liste der Bodendenkmäler in Kerpen aufgenommen.
Gegenwart
An der Ortslage Huppelrath gefundene Ziegelbruchstücke und Keramikscherben.
Die Fundstelle selbst liegt heute mitten auf einem Feld, es existieren vor Ort keine Hinweise auf die ehemalige Burganlage. Lediglich anhand einer Senke im Gelände ist ihre Position noch zu erahnen. In den 1950er Jahren soll sich hier zudem noch ein See oder Weiher befunden haben, der ursprünglich einen Teil des Grabens bildete.[6] Auf Satellitenbildern kann man durch die unterschiedliche Farbe des Pflanzenwuchses noch heute den Verlauf der Gräben gut erkennen. Vor Ort finden sich immer noch zahlreiche Keramikscherben und Bruchstücke von Ziegelsteinen. Zudem zeigen die Flurnamen „Huppelrath“, „Huppelrather Acker“ und „Am Huppelrather Pfädchen“ noch die Position der Anlage an. Der Weg in Richtung Buir führte über die heute als „Huppelrather Weg“ bezeichnete Ackerfläche.
Das Gebiet, auf dem Huppelrath stand, gehörte zum Tagebauvorland und sollte der geplanten Erweiterung des Tagebaus Hambach weichen. Laut Plan wäre die Fläche ab etwa 2025 abgebaggert worden. Aufgrund anhaltender Proteste, insbesondere in und um den Hambacher Forst wurde der Kohleausstieg im Rheinischen Revier vorgezogen. Dadurch konnten der Nachbarort Bürgewald, und somit auch die Ortslage Huppelrath erhalten bleiben.[7]
Trivia
Um 1840 soll der damalige Besitzer Huppelraths, ein Herr Strack, der Schule in Morschenich zwei Parzellen Land vermacht haben mit der Auflage, dass die Schulkinder täglich das „Vater Unser“ beten sollen. Nach dieser Begebenheit soll das Grundstück, auf dem sich heute das Feuerwehrgerätehaus befindet, lange Zeit als „Vater-unser-Grundstück“ bezeichnet worden sein. Genutzt wurde es lange Zeit vom Schulleiter Beyenburg als Gartenland.[3]
Etwa zwanzig Kilometer nördlich der ehemaligen Ortslage existiert ein weiterer Ort Namens Huppelrath, der aus zwei Höfen besteht und etwa zweihundert Meter westlich des Ortes Jackerath in der Nähe des Tagebaus Garzweiler liegt. Beide Orte dürfen nicht verwechselt werden mit dem ca. 60 km entfernten Hubbelrath.
Einzelnachweise
↑ abWegener: Bodendenkmalblatt BM159. Hrsg.: Landschaftsverband Rheinland. Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, Köln 24. April 2003.
↑Brief des Buirer Bürgermeisters vom 10. Mai 1930 an den Landrat Sieger, Vorsitzenden des Vereins für Heimatkunde in Bergheim.
Als Spätmittelalter wird der Zeitraum der europäischen Geschichte von der Mitte des 13. bis zum Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts bezeichnet (also ca. 1250 bis 1500). Es stellt die Endphase des Mittelalters dar, auf welche die Frühe Neuzeit folgt. Eine generelle zeitliche Eingrenzung des Übergangs vom Spätmittelalter in die Renaissance ist nicht möglich, da letztere wesentlich aus der kulturphilosophischen und kunstgeschichtlichen Entwicklung heraus definiert ist und sich in den europäischen Regionen unterschiedlich schnell ausbreitete. So entstand kulturgeschichtlich betrachtet der Renaissance-Humanismus bereits im 14. Jahrhundert, wird aber politisch und sozialgeschichtlich noch zum Spätmittelalter gezählt. Reformation und das Zeitalter der europäischen überseeischen Expansion markieren das endgültige Ende der Epoche.
Im europäischen Kontext ist das Spätmittelalter geprägt von Wandel und Umbruch auf einem Fundament älterer Traditionen. Im römisch-deutschen Reich etablierte sich nach dem Untergang der Staufer und dem Interregnum endgültig die kurfürstliche Wahlmonarchie (seit 1356 mit der Goldenen Bulle als „Grundgesetz“), in der das vergleichsweise schwache Königtum auf den Konsens mit den Großen angewiesen war und die Hausmachtpolitik eine zentrale Rolle spielte. In diesem Zusammenhang ergaben sich auch Spielräume königlicher Politik. Während im 14. und frühen 15. Jahrhundert die Häuser Habsburg, Luxemburg und Wittelsbach um die Krone konkurrierten, stellten die Habsburger ab 1438 alle folgenden römisch-deutschen Könige. Ein Kerngedanke im 15. Jahrhundert war die Reichsreform, die aber nur ansatzweise umgesetzt wurde. Der dennoch feststellbare Struktur- und Verfassungswandel in dieser Zeit wird in der neueren Forschung als „Verdichtung“ des Reiches bezeichnet, wenngleich die Institutionalisierung auf der Reichsebene insgesamt eher unzureichend blieb.
Zwischen England und Frankreich brach unter anderem aufgrund von Thronstreitigkeiten 1337 der sogenannte Hundertjährige Krieg aus, der sehr wechselhaft verlief. Der Krieg endete 1453 siegreich für Frankreich, hatte aber beide Länder ausgeblutet. Frankreich büßte zudem seine im 13. Jahrhundert errungene europäische Machtstellung stark ein und wurde im Inneren vom Machtkampf zwischen dem regierenden Haus Valois und dem Haus Burgund geplagt. Diese Auseinandersetzung gewann eine europäische Komponente, als weite Teile Burgunds Ende des 15. Jahrhunderts zeitweise an die Habsburger fielen und sich der folgende französisch-habsburgische Konflikt bis weit ins 16. Jahrhundert fortsetzte. Währenddessen erlebte England eine innenpolitische Krise und mehrere Thronkämpfe, die schließlich in den blutigen Rosenkriegen gipfelten.
Europa im 14. Jahrhundert.
In Südeuropa spielte das Königreich Aragón im Mittelmeerraum eine wichtige Rolle, während die Reconquista sich in ihrer Endphase befand und 1492 abgeschlossen wurde. Aragón und Kastilien schlossen sich zudem zu einer Union zusammen, es entstand das Königreich Spanien, mit dem in der folgenden Zeit Portugal konkurrierte. Italien war geteilt in das zum römisch-deutschen Reich gehörende Reichsitalien, den Kirchenstaat, die Republik Venedig und das Königreich Neapel(-Sizilien), wobei die verschiedenen reichsitalienischen Stadtstaaten eine weitgehend unabhängige Politik betrieben. Die alte kaiserliche Italienpolitik, die auf die Wahrung und Einforderung formaler Rechte pochte, war mit dem Tod Kaiser Heinrichs VII. 1313 faktisch beendet. Die folgenden Italienzüge der römisch-deutschen Könige hatten nur noch die Kaiserkrönung und/oder die Nutzung der erheblichen Finanzkraft der Kommunen zum Ziel. Aber auch die Gestaltungskraft der zweiten mittelalterlichen Universalmacht, des Papsttums, hatte erheblich eingebüßt. Die Päpste residierten seit 1309 in Avignon, das sogenannte avignonesische Papsttum stand unter weitgehender Kontrolle des französischen Königshofes. Eine Doppelwahl 1378 führte zum Abendländischen Schisma, das die lateinische Christenheit bis 1417 tief spaltete. Auch andere innerkirchliche Probleme sorgten dafür, dass der Ruf nach einer Kirchenreform immer lauter wurde und schließlich zur Reformation führte.
In Nordeuropa war das Königreich Dänemark die dominierende Macht, nachdem es 1397 unter dessen Führung zur Kalmarer Union mit Schweden und Norwegen kam. Im Ostseeraum traten konkurrierend die wirtschaftlich mächtige Hanse und im Baltikum der Deutsche Orden auf. Letzterer führte mehrere Kriege mit dem Großfürstentum Litauen, bevor dieses 1386 mit Polen die Polnisch-Litauische Union bildete und sich als neue Großmacht behaupten konnte. Im späten 14. Jahrhundert befreite sich das Großfürstentum Moskau von der Herrschaft der mongolischen Goldenen Horde und expandierte in der Folgezeit beträchtlich. Auf dem Balkan waren das Königreich Ungarn und das Königreich Serbien bedeutende Reiche. Beide standen aber seit dem späten 14. Jahrhundert unter starkem Druck durch das nach Südosteuropa expandierende Osmanische Reich. Dieses eroberte 1453 nicht nur Konstantinopel und beendete damit die lange Geschichte des Byzantinischen Reiches, auch Serbien und Bulgarien gerieten im 15. Jahrhundert endgültig und für lange Zeit unter osmanische Herrschaft, während die Ungarn die Türken vorerst mit Mühe abwehren konnten.
Ganz Europa wurde Mitte des 14. Jahrhunderts von der großen Pest getroffen, dem sogenannten „Schwarzen Tod“. Ausgehend von Zentralasien gelangte die bislang größte Pandemie der Menschheitsgeschichte Ende 1347 in den Mittelmeerraum und breitete sich im folgenden Jahr in Europa aus. Sie forderte Millionen von Todesopfern und hatte weitreichende sozioökonomische Folgen.
Das Spätmittelalter wurde in der älteren Forschung wegen bestimmter Erscheinungen wie Agrarproblemen (die aber differenziert betrachtet werden müssen) und politischen Veränderungen im römisch-deutschen Reich in der deutschen Mediävistik oft als Krisenzeit betrachtet, als eine „Verfallszeit“. In Italien und Frankreich wurde keine derartig scharfe Trennung vorgenommen. In der neueren deutschsprachigen Forschung wird jedoch ebenfalls wesentlich differenzierter geurteilt, vor allem durch neue Forschungsansätze und Quellenbefunde: Bei allen auftretenden Problemen war das Spätmittelalter geprägt von einer gestiegenen Mobilität und Internationalität, Veränderungen in vielen Lebensbereichen (wie Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur) und schließlich dem Übergang in die Frühmoderne. Insofern hat ein deutlicher Paradigmenwechsel in der deutschen Spätmittelalterforschung stattgefunden.
Unbestritten sind Krisenerscheinungen wie Seuchen und ein Bevölkerungsrückgang im 14. Jahrhundert, die aber nicht verallgemeinert werden können, zumal das Spätmittelalter von dynamischen Entwicklungen geprägt war. So schritt im römisch-deutschen Reich der institutionalisierte Ausbau der fürstlichen Territorien voran, wobei die weltlichen und geistlichen Landesherren sich im Kräftespiel mit dem Königtum behaupten konnten. Ebenso nahm die Bedeutung der Städte beträchtlich zu, die wichtige Wirtschafts- und Bildungszentren darstellten und deren Bevölkerung insgesamt wuchs. Gesellschaftlich wurde so auch das Bürgertum immer bedeutender und die soziale Mobilität nahm zu. Die Städte institutionalisierten sich politisch (so durch Stadträte und Städtebünde) und wirtschaftlich zunehmend, wobei sie ihre Rechte vehement verteidigten, was teilweise zu Konflikten mit den umliegenden Landesherren führte. Im Spätmittelalter entfalteten sich weitgespannte Handelsnetzwerke, wie das der Hanse und italienischer Handelsgesellschaften, die in den östlichen Mittelmeerraum und weit nach Norden reichten. In diesem Zusammenhang stieg die Bedeutung des komplexer werdenden Bankensystems und der Geldwirtschaft. Die kulturelle Neubelebung im Rahmen der Renaissance setzte wichtige Impulse in Kunst, Philosophie, Literatur und Architektur. Die Erfindung des Buchdrucks stellte eine kommunikative Revolution dar, wodurch wiederentdeckte antike Klassiker und neue Abhandlungen wesentlich leichter und schneller verbreitet werden konnten. Neue Ideen entstanden und wurden intensiv ausgetauscht, einschließlich eines stärker individualisierten Menschenbilds. Dies führte unter anderem zu einer verstärkten Kirchenkritik, abweichenden christlichen Bewegungen und mündete in der Reformation, wozu kirchliche Missstände und das Schisma beitrugen. Die Bedeutung der Universitäten nahm weiter zu, wobei die Bildung nun längst nicht mehr primär auf die Geistlichkeit beschränkt war und im Spätmittelalter erstmals Universitäten im deutschen Reichsteil gegründet wurden. Gelehrtes Personal spielte außerdem in der nun viel stärker durch Schriftlichkeit geprägten Verwaltung im Reich, in den Städten und in den Territorien eine wichtige Rolle.
Begriffs- und Forschungsproblematik
Jede Periodisierung ist zu einem gewissen Grad willkürlich und hängt vor allem von den Forschungsperspektiven ab, welche Aspekte man primär betrachtet und wie man sie gewichtet. Der Begriff Spätmittelalter ist relativ jung, etablierte sich erst im frühen 20. Jahrhundert in der historischen Forschung und war von Beginn an nicht unproblematisch, da mit spät auch Absterben und Verfall assoziiert wurde.[1] Dies kam nicht zuletzt in der 1919 erschienenen Darstellung Herbst des Mittelalters von Johan Huizinga zum Ausdruck: Eine Zeit des Umbruchs, aber auch des Niedergangs, verbunden mit einer „auf das Spätmittelalter projizierten europäischen Untergangsstimmung“.[2] In der nationalstaatlich geprägten älteren deutschen Forschung war aber bereits vor dem Aufkommen des Begriffs „Spätmittelalter“ die Zeit nach dem Untergang der Staufer 1250 als eine Verfallszeit im römisch-deutschen Reich begriffen worden (ein „Restmittelalter“), in der eine neue, eine schlechtere Zeit begonnen habe, die erst mit der Reformation endete.[3] Die Dreiteilung des Mittelalters entsprach in diesem Sinne sehr einer deutschen Perspektive, die in dynastischen Abfolgen dachte sowie mit einem Beginn, einem Höhepunkt und einem Niedergang argumentierte; weit weniger assoziativ verfuhr die italienische, französische und spanische Forschung.[4] Ernst Schubert schrieb dazu: „Spätmittelalter als Epochenbegriff war von der Negation her entwickelt worden.“[5]
Bauern bei der Arbeit auf den Feldern (Monat Oktober im Stundenbuch des Herzogs von Berry).
Diese Einstellung reflektiert jedoch keineswegs mehr die aktuelle Forschung. 1990 hatte sich Erich Meuthen intensiv mit der Entstehung und der Sinnhaftigkeit des Begriffs Spätmittelalter auseinandergesetzt und die Krisenerzählung infrage gestellt: „Die dann folgende "Krise des Mittelalters" als Wirtschaftskrise hat sich jedoch als durchaus nicht so epochal herausgestellt, wie man vorübergehend meinte. [...] Andererseits scheint das "späte" Mittelalter dieser großeuropäischen Geschichte nach der sich immer mehr verdichtenden Ansicht der Forschung doch auch und gerade so in höchst förderlichem Maße gedient zu haben. Wichtige Fundamente der neuen staatlichen Ordnung auch in Deutschland sind demnach in eben jenem ausgehenden Mittelalter gelegt worden.“[6] In der Mediävistik bildet das Spätmittelalter inzwischen den Schwerpunkt der Forschung.[7] Neue Quellen, methodische Ansätze, Fragestellungen und Erkenntnisse haben zu einer vollkommenen Neubewertung des Spätmittelalters geführt, wobei verstärkt eine europäische Perspektive berücksichtigt und der Charakter der Umbruchszeit (zwischen Tradition und Wandel) betont wird. Der Beginn der Epoche, wenngleich in der Forschung diskutiert, wird zwar in der Regel auf die Zeit um 1250 angesetzt, wobei nun jedoch vor allem „Qualitätswandlungen“ (so im politischen System, im gesellschaftlichen, technischen und kulturellen Bereich) als Kennzeichen der neuen Zeit betrachtet werden.[8]
Unbestritten sind Krisenphänomene, so Hungersnöte und Seuchen wie die Hungersnot von 1315–1317 und der Schwarze Tod 1347–1353. Soziale Erhebungen und Bürgerkriege führten in Frankreich und England zu schweren Volksaufständen (Jacquerie und der Bauernaufstand von 1381 in England), und zwischen diesen beiden Staaten brach der Hundertjährige Krieg aus. Die Einheit der lateinischen Kirche wurde durch das Große Schisma erschüttert. Papsttum und Kaisertum mussten Autorität einbüßen. Die Gesamtheit dieser Ereignisse wurde oft Krise des Spätmittelalters genannt. Ein zentraler Punkt ist die sogenannte spätmittelalterliche Wirtschaftskrise, die eine Absatzkrise darstellte, die allerdings in der neueren Forschung im Rahmen eines Strukturwandels differenzierter betrachtet wird.[9] Die spätmittelalterliche Wirtschaftsgeschichte ist des Weiteren vor allem von expandierenden Handelsnetzwerken wie der Hanse, italienischen Handelsgesellschaften und einer Zunahme des immer komplexer werdenden Bankwesens und des Geldhandels geprägt.[10] Hierbei gewannen die Städte als Umschlagplätze und Handelszentren noch stärker an Bedeutung. Die spätmittelalterliche Stadtgeschichte ist des Weiteren geprägt von stärker werdenden politischen Organisationsformen (Stadtrat und Stadtrecht) und teils daraus resultierenden inneren Konflikten (wie zwischen Zünften und Patriziern).[11] Die spätmittelalterliche Agrarkrise wiederum ist methodisch durchaus umstritten. Allerdings kam es Mitte des 14. Jahrhunderts offenbar zu einem erheblichen Bevölkerungseinbruch, der aber auch verbunden mit strukturellen Problemen und klimatisch begründeten Missernten war.[12] Hinzu kamen Seuchen und andere Umweltfaktoren, doch auch hier warnt die Quellen- und Forschungslage vor Pauschalurteilen.[13]
Insgesamt bleiben viele Fragen uneindeutig oder offen. Krisenphänomene lassen sich jedenfalls aufgrund der Quellenlage nicht thematisch, geographisch und zeitlich verallgemeinern. Es gab im Verlauf des Spätmittelalters starke Unterschiede und immer wieder prosperierende und krisengeprägte Regionen und Zeiträume, wobei die Gründe im Einzelfall stark variieren können. Es ist zudem wichtig zu erklären, was unter Krise zu verstehen ist, denn die moderne Krisentheorie kennt diverse Modelle. Daraus folgt, dass die Kriterien methodisch sauber und nachvollziehbar definiert werden müssen, so dass nicht jedes passend erscheinende Phänomen gleich als „Krise“ bezeichnet werden kann; des Weiteren ist zwischen mehr oder weniger allgemeinen Krisen und Teilkrisen zu differenzieren.[14] In diesem Sinne ergeben sich zudem wichtige Differenzierungen zu Regionen und Zeitabschnitten, so dass Pauschalurteile abzulehnen sind: Bei durchaus feststellbaren Krisenphänomenen des 14. Jahrhunderts sind deshalb stets einzelne Komponenten zu unterscheiden (wie beispielsweise klimatische, biologische, ökonomische und soziale Teile sowie politische Rahmenbedingungen).[15]
Die Eroberung von Konstantinopel (1453) in einer Darstellung aus dem 15. Jahrhundert.
Das Spätmittelalter war zudem eine Zeit des künstlerischen und wissenschaftlichen Fortschritts. Die „Wiederentdeckung“ antiker Texte und vor allem deren systematische Sammlung führten zur Renaissance, der „Wiedergeburt“ des antiken Geisteslebens (siehe auch Renaissance-Humanismus). Diese Entwicklung wurde durch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 beschleunigt. Viele byzantinische Gelehrte flohen in den Westen, insbesondere nach Italien, ebenso gelangten von dort im Westen bislang verlorene Werke in das lateinische Europa. Die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts erleichterte die Verbreitung des Geschriebenen und das Lernen als wichtige Voraussetzung für die spätere Kirchenreformation. Die Suche nach einem Seeweg nach Indien hatte die Entdeckung Amerikas 1492 zur Folge und leitete die Europäische Expansion ein.[16] Das lateinische Europa expandierte aber am Ausgang des Spätmittelalters nicht nur in Übersee, sondern auch sozial, wirtschaftlich und gesellschaftlich fand eine Expansion statt.[17] In Europa entwickelten Kaufleute neue Geschäftsmodelle und erweiterten ihre Handelsnetzwerke mit neuen Kommunikationsstrukturen. Neben dem vorherigen dominierenden Luxushandel (siehe Indienhandel) kam nun verstärkt der Handel mit Massenwaren hinzu. Die Geldwirtschaft spielte eine noch größere Rolle als zuvor und die Urbanisierung nahm zu. Es boten sich nun auch mehr Möglichkeiten eines gesellschaftlichen Aufstiegs. Die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Spätmittelalters ist dementsprechend differenziert zu betrachten.[18] Hinzu kam eine staatlich-organisatorische Integration, die einen Kontrapunkt zur Krisenerzählung darstellt.[19] Im christlich-religiösen Bereich kündigte sich im Spätmittelalter bereits der säkulare Umbruch an, mit einem verstärkten Widerspruch zur offiziellen Lehre des Papstes, was ganz entscheidend das öffentliche und private Leben betraf und schließlich zur Reformation führen sollte.[20]
Das europäische Spätmittelalter: Staaten und Regionen
Heiliges Römisches Reich
Vom Interregnum bis zum Tod Ludwigs des Bayern
Das Heilige Römische Reich um 1250
Nach dem Tod des Stauferkaisers Friedrich II. am 13. Dezember 1250 begann im Heiligen Römischen Reich das Interregnum.[21] Es handelte sich um eine Zeit der Instabilität mit mehreren Königen und Gegenkönigen, in der vor allem die Macht des sich endgültig formierenden Kurfürstenkollegiums (das nun über das exklusive Königswahlrecht verfügte) und die Macht der Landesherren gestärkt wurde. Die staufische Königsherrschaft brach im deutschen Reichsteil bereits vor dem Tod Konrads IV. (1254 in Süditalien) zusammen.[22]
Die ohnehin nie absolute Herrschaftsgewalt des römisch-deutschen Königtums erodierte im Interregnum, als Könige wie Wilhelm von Holland und Richard von Cornwall Güter verschenkten oder verpfändeten, um dadurch die Gunst der Fürsten und Städte zu gewinnen, während andere Rechte usurpiert wurden. In finanzieller und verwaltungstechnischer Hinsicht konnte die Königsgewalt im römisch-deutschen Reich nicht mit den großen westeuropäischen Monarchien Frankreich und England konkurrieren, zumal es keine feste Reichsresidenz gab und bis ins 15. Jahrhundert hinein kein kontinuierlich geführtes zentrales Königsarchiv (siehe unten). Der Machtverlust des Königtums während des Interregnums wird in der neueren Forschung allerdings nicht mehr mit einem völligen Zerfall der politischen Ordnung gleichgesetzt oder dessen Stärke als alleiniger Maßstab für die Zustände in dieser Zeit herangezogen. Das Reich selbst ging trotz aller Probleme nicht unter, aber seine Integrationskraft wurde geringer.[23] Dies bedeutet keineswegs, vorhandene Strukturprobleme zu bestreiten, die sich teils noch verschärfen sollten. So herrschte während des Interregnums kein Mangel an gewählten Königen, vielmehr gab es zeitgleich zu viele Herrscher, die sich zudem nie vollständig durchsetzen konnten. Für diesen Zeitraum ist daher zumindest für die Institution des Königtums eine Krise festzustellen. Die Friedens- und Rechtswahrung war im Mittelalter ein zentraler königlicher Aufgabenbereich. Diese Funktion konnte durch das Königtum während des Interregnums nicht mehr gewährleistet werden,[24] so dass sich königliche Städte in Bündnissen zusammenschlossen, wie vor allem das Beispiel des 1254 gegründeten Rheinischen Städtebunds zeigt, wenngleich dieser bereits 1257 wieder zerfiel.[25] In den diversen Regionen wurde so versucht, ohne die weitgehend ausgefallene Reichsebene zu agieren. Hinzu kam die Einmischung ausländischer Mächte in die Reichspolitik,[26] wobei nicht zuletzt Frankreich vom Ausfall des römisch-deutschen Königtums profitierte und in der Folgezeit Reichsrechte im Grenzraum für sich beanspruchte.
Grabplatte Rudolfs von Habsburg (um 1285 im Speyerer Dom)
Das Interregnum endete 1273 mit der Wahl Rudolfs von Habsburg zum König, der bereits 55 Jahre alt war.[27] Rudolfs ursprüngliche Machtbasis im Südwesten des deutschen Reichsteils war eher bescheiden, doch es gelang ihm, diese auszubauen und die Königsherrschaft im Vergleich zu den Jahrzehnten zuvor wieder zu stabilisieren. Dies geschah nicht ohne Widerstände, zumal Rudolf sich gegen den König von Böhmen, Přemysl Ottokar II., durchsetzen musste, der Rudolfs Königtum nicht anerkannte und die Lehnshuldigung für Österreich und die Steiermark verweigerte. Rudolf schlug Ottokar in der Schlacht auf dem Marchfeld am 26. August 1278 und erwarb schließlich Österreich, die Steiermark und die Krain, womit er die Grundlage für den Aufstieg des Hauses Habsburg zur mächtigsten Dynastie im Reich legte. Rudolf beachtete aber durchaus die Interessen der Kurfürsten und bewies, dass trotz der veränderten und schwierigen Rahmenbedingungen eine relativ effektive, wenngleich territorial begrenzte Herrschaftsausübung immer noch möglich war, solange ein Konsens mit den Großen bestand (in erster Linie den Kurfürsten sowie anderen mächtigen geistlichen und weltlichen Landesherrn) und diese den König als Wahrer des Friedens und als oberste Herrschaftsinstanz im Reich akzeptierten. Die konsensuale Herrschaftspraxis spielte im spätmittelalterlichen Reich eine wichtige Rolle. Rudolf band wiederholt andere Fürsten in seine Politik einer erneuerten Königsherrschaft ein.[28] Rudolf knüpfte dabei durchaus an staufische Traditionen an, indem er eine gezielte Landfriedenspolitik im Reich betrieb und sich bemühte, entfremdetes Reichsgut zurückzuerlangen (Revindikationspolitik),[29] wobei er die Großen auch hier durch Beratungen auf Hoftagen einband. Er etablierte in diesem Zusammenhang die Landvogteien, um eine effektivere Herrschaftsausübung zu gewährleisten. Die Sicherstellung von Recht und Frieden im Reich gelang ihm weitgehend, was ein bleibendes Verdienst seiner Herrschaft darstellt, besonders angesichts der schwierigen Ausgangsbasis; die Kaiserkrönung, obwohl von ihm ernsthaft angestrebt, erreichte er jedoch nicht. Im Westen bemühte er sich, die voranschreitende Expansion Frankreichs im westlichen Grenzraum und speziell im zum Imperium gehörenden Königreich Burgund zu bremsen.[30]
Nach Rudolfs Tod 1291 bestieg zunächst kein Habsburger den Thron. Wie im späten 13. und im 14. Jahrhundert üblich, legten die Kurfürsten zur Wahrung ihres Einflusses keinen Wert auf eine Erbnachfolge. Sie wählten nun den mit sehr bescheidenen Machtmitteln ausgestatteten Grafen Adolf von Nassau zum König (1292–1298).[31] Seine Regierungszeit war geprägt von einer fast permanenten Geldnot. Entscheidend war jedoch seine Auseinandersetzung mit mehreren Großen, nachdem er bei seiner Königswahl den Kurfürsten große Zugeständnisse gemacht hatte. Dieser Konflikt hatte sich nicht zuletzt an Adolfs Territorialpolitik entzündet, vor allem in Hinblick auf Thüringen, wo Adolf 1294/95 militärisch eingriff, da er diese Region seiner eignen Hausmacht hinzufügen wollte. Des Weiteren zeigte sich der König unfähig, den Forderungen zur Eindämmung der französischen Expansion im Westen nachzukommen, wobei die Habsburger Adolf ohnehin feindlich gegenüberstanden. Es bildete sich eine „Kurfürstenfronde“ gegen Adolf, was schließlich zu seiner formellen Absetzung im Juni 1298 führte. Der König fiel am 2. Juli 1298 in der Schlacht von Göllheim im Kampf gegen Albrecht von Habsburg, den ältesten Sohn Rudolfs, der zuvor als neuer König von den Kurfürsten gewählt worden war. In der neueren Forschung wird eher betont, dass der Schlachtentod des Königs einschneidend wirkte, die Absetzung an sich aber (noch) nicht wirkungsmächtig war.[32]
Albrecht I. (1298–1308)[33] musste mehreren Kurfürsten Konzessionen machen, da diese eine Machtkonzentration der Habsburger verhindern wollten. Das Verhältnis zu den vier rheinischen Kurfürsten war während seiner gesamter Regierungszeit angespannt, da Albrecht eine rigorose Hausmachtpolitik betrieb. In Mitteldeutschland knüpfte er an die Territorialpolitik Adolfs von Nassau an und wurde außerdem im Niederrheingebiet aktiv, wo er die Grafschaften Holland und Seeland beanspruchte. Wiederholt vertrat er die Eigeninteressen seines Hauses und berücksichtigte nicht den herrschaftlichen Konsens mit den anderen Großen, was sich als schwerwiegende Belastung erwies. Albrecht war zunächst von Papst Bonifatius VIII. nicht anerkannt, doch kam es schließlich aufgrund des Konflikts des Papstes mit dem mächtigen französischen König Philipp IV. zu einer Verständigung, wobei Albrecht dem Papst aber einen Treue- und Gehorsamseid leisten musste. Andererseits hatte sich Albrecht zunächst um gute Beziehungen zu Philipp IV. bemüht. Albrecht hatte sich gegenüber dem Kapetinger beim Treffen in Quatrevaux (am 8. Dezember 1299) in Grenzfragen entgegenkommend verhalten und ein bereits zuvor verhandeltes Eheprojekt erneut angesprochen. All dies geschah möglicherweise, um französische Unterstützung für den Plan zu erhalten, im Reich eine Erbmonarchie zu errichten; zumindest waren mehrere Kurfürsten sehr unzufrieden.[34] Albrechts Hausmacht- und Frankreichpolitik führte so zum offenen Konflikt gerade mit den rheinischen Kurfürsten. In der folgenden Auseinandersetzung mit den Kurfürsten konnte sich der Habsburger behaupten und stand Ende 1302 als Sieger dar. Doch seine Pläne für eine Kaiserkrönung scheiterten ebenso wie ein Bündnis mit Frankreich, da es schließlich zum Bruch mit Philipp kam. Albrechts Ambitionen im Reich zielten derweil offenbar bis nach Böhmen, das er nach dem Aussterben der Přemysliden in männlicher Linie (1306) letztlich vergeblich versuchte, seinem Haus zu sichern.[35] In seinen letzten Monaten plante er ein erneutes Vorgehen in Thüringen gegen die Wettiner, die dort mit ihm um die Herrschaft konkurrierten, als er am 1. Mai 1308 dem Mordanschlag seines Neffen Johann zum Opfer fiel.
Codex Balduini Trevirensis: Die Kurfürsten wählen Graf Heinrich von Luxemburg zum König. Die Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, sind, von links nach rechts, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen (letzterer nahm an der Wahl jedoch nicht teil).
Nach Albrechts Tod wurde Ende 1308 überraschend der Luxemburger Heinrich VII. zum König gewählt.[36] Heinrich versuchte, das Kaisertum in Anlehnung an die Stauferzeit zu erneuern und Reichsrechte einzufordern (so im Westen und in Reichsitalien), gleichzeitig agierte er aber im Konsens mit den Großen; so verständigte er sich mit den Habsburgern und pflegte gute Beziehungen zu den Kurfürsten. Seine Herrschaft im deutschen Reichsteil war von einer seltenen Eintracht unter den großen Häusern geprägt, wovon sowohl der König als auch die Großen profitierten: Heinrich achtete die Interessen der Reichsfürsten und überspannte seine Hausinteressen nicht, während er umgekehrt auf die Unterstützung der Großen für seine weitgespannte Reichspolitik zählen konnte. Er gewann zudem im Sommer 1310 Böhmen für das Haus Luxemburg, das so zu einem der bedeutendsten Häuser im Reich aufstieg.[37] Die luxemburgische Machtbasis verschob sich in der Folgezeit denn auch immer mehr nach Osten. Heinrichs Politik zielte aber vor allem auf Italien und den westlichen Grenzraum, wo er die Expansion Frankreichs zu begrenzen versuchte, was zum Konflikt mit Philipp IV. führte. Bereits 1309 hatte Heinrich VII. seine Absicht erklärt, die Kaiserkrone erlangen zu wollen, wofür er sich mit Papst Clemens V. vorerst verständigen konnte. Hierbei kam Heinrich zugute, dass Clemens unter Druck Philipps IV. stand und sich wohl Entlastung vom römisch-deutschen König erhoffte; später allerdings schwenkte Clemens um.
Codex Balduini Trevirensis: Die Kaiserkrönung Heinrichs VII. durch die vom Papst entsandten Kardinäle am 29. Juni 1312.
Heinrich unternahm Ende 1310 einen Italienzug zur Erringung der Kaiserwürde,[38] der großes Aufsehen erregte und von zahlreichen italienischen Geschichtsschreibern geschildert wurde (unter anderem Albertino Mussato, Ferreto de’ Ferreti und Giovanni da Cermenate). In Reichsitalien geriet der König, der Herrschaftsrechte einforderte, die Finanzkraft der Kommunen nutzen und den Konflikt zwischen den Ghibellinen und Guelfen beenden wollte, aber bald zwischen die verfeindeten Blöcke. Heinrich hatte in Italien zahlreiche Konflikte mit aufständischen Städten auszutragen, wobei sein Hauptfeind das mächtige Florenz war, während etwa Pisa auf seiner Seite stand. Er geriet zudem in Streit mit dem Papst, da der Kaiser offen die alte universale Reichsidee wiederbelebte, was in den Proklamationen nach seiner Kaiserkrönung am 29. Juni 1312 in Rom deutlich zum Ausdruck kam, der ersten Kaiserkrönung seit 1220.[39] Heinrich ließ verkünden, dass, so wie Gott über alles im Himmel gebietet, alle Menschen auf Erden dem Kaiser zu gehorchen haben,[40] was scharfen Widerspruch von antikaiserlicher Seite und vom französischen König auslöste. Heinrichs Italienpolitik, die auf einen Ausgleich der verschiedenen kommunalen Kräfte gesetzt hatte, jedoch an den verschiedenen Eigeninteressen aller Seiten gescheitert war, strebte aber weiterhin die Wahrung von Reichsrechten an. Die Kämpfe in Reichsitalien dauerten an und die kaiserliche Seite war keineswegs sieglos. Im Sommer 1313 plante Heinrich einen Feldzug gegen das Königreich Neapel, wo Robert von Anjou offen gegen den Kaiser agiert hatte und deshalb wegen Majestätsverbrechen zum Tode verurteilt worden war, als er unerwartet am 24. August 1313 verstarb. Das wirtschaftlich bedeutende Reichsitalien, wo sich die lokalen Machthaber (Signoria) nun weitgehend durchsetzten, entglitt in der Folgezeit immer mehr dem (zuvor ohnehin nur begrenzten) Zugriff des römisch-deutschen Königtums.[41] In der neueren Forschung wird Heinrich VII. deutlich positiver bewertet als in der älteren.[42] So wird nun seine Anknüpfung an geläufige kaiserlich-universale Vorstellungen und sein durchaus von realpolitischen Motiven geleitetes Handeln betont.
Nach dem plötzlichen Tod Heinrichs VII. zogen sich der Wahlprozess ein gutes Jahr in die Länge, nachdem klar war, dass weder ein französischer Wahlvorstoß noch die Kandidatur von Heinrichs Sohn Johann, seit 1310 König von Böhmen und während des Romzugs Reichsvikar im deutschen Reichsteil, Erfolg haben würden. Wie schon 1308 spielten auch nun die rheinischen Kurfürsten eine wichtige Rolle, darunter Heinrichs Bruder, Balduin von Luxemburg, seit 1307 Erzbischof von Trier, der sich zu einem der bedeutendsten Reichspolitiker des 14. Jahrhunderts entwickeln sollte.[43] Im Oktober 1314 kam es schließlich zu einer Doppelwahl zwischen dem Wittelsbacher Ludwig, Herzog von Oberbayern, und dem Habsburger Friedrich dem Schönen, Herzog von Österreich. Ludwig konnte im Laufe der Zeit mehrere Anhänger für sich gewinnen, wenngleich weder er noch Friedrich päpstliche Unterstützung erlangten. Ludwig entschied die Thronfrage schließlich in der Schlacht von Mühldorf am 28. September 1322 zu seinen Gunsten, Friedrich geriet in Gefangenschaft. Im März 1325 wurde der Habsburger freigelassen; im September desselben Jahres unterschrieb er einen Vertrag mit Ludwig. Seitdem fungierte Friedrich bis zu seinem Tod im Jahr 1330 als Mitkönig des Wittelsbachers, wenngleich er keinen größeren Einfluss auf die Reichsgeschäfte ausübte.[44]
Die 1328 angefertigte Goldbulle zeigt auf der Vorderseite Kaiser Ludwig IV., der zwischen zwei Löwen thront.
Die Regierungszeit Ludwigs IV. („der Bayer“) war von der Doppelwahl von 1314 bis zu seinem Tod 1347 von verschiedenen Konflikten geprägt.[45] Nach Beendigung des Thronstreits bestanden weiterhin ernsthafte Probleme, so im Hinblick auf das angespannte Verhältnis zum Papst, der nun in Avignon residierte und dort ganz unter dem Einfluss des französischen Königs stand (Avignonesisches Papsttum). Johannes XXII. hatte beiden Anwärtern
die Anerkennung verweigert. Stattdessen erklärte er, ausgehend von der päpstlichen Approbationstheorie, dass es derzeit keinen rechtmäßigen römisch-deutschen König gab, da nur die päpstliche Approbation und nicht die Wahl der Kurfürsten entscheidend sei. Damit spitzte sich die Debatte um den bekannten päpstlichen Approbationsanspruch, der hier aus rein politischen Gründen von Johannes ins Spiel gebracht wurde, zu einem grundsätzlichen Konflikt zwischen dem römisch-deutschen Königtum und der Kurie in Avignon zu.[46] Hinzu kam eine brisante politische Komponente, da der Papst sich als „Vikar“ königliche Herrschaftsrechte aneignete. Der Streit um die päpstliche Approbation war somit der Kern des Konflikts zwischen Ludwig und auch den Kurfürsten (die auf die Wahrung ihres Wahlrechts bestanden) auf der einen, der Kurie auf der anderen Seite. Ebenso bestritt Johannes die Ausübung von Herrschaftsrechten in Reichsitalien. Der Konflikt führte schließlich dazu, dass Ludwig im März 1324 exkommuniziert wurde und sich auch in der Folgezeit nicht vom Kirchenbann lösen konnte.[47]
Der Konflikt mit dem Papsttum hatte allerdings zu der bereits erwähnten Versöhnung Ludwigs mit den Habsburgern beigetragen, da sich der Wittelsbacher so neuen Spielraum erhoffte. Ludwig konnte zumindest auf die Unterstützung der meisten Kurfürsten zählen, da die Einmischung des Papstes in die deutsche Königswahl empfindlich ihre ureigensten Machtinteressen tangierte und für eine antikuriale Stimmung gesorgt hatte. So kam es im Juli 1338 zum sogenannten Kurverein von Rhense, wo die sechs anwesenden Kurfürsten noch einmal ganz prinzipiell bekräftigten, dass nur ihre Wahl für die Besetzung des römisch-deutschen Königsthrons entscheidend war und die Wahl auch keiner päpstlichen Approbation bedurfte.[48] Ludwig hatte aber bereits zuvor selbstbewusst gehandelt und war im Januar 1327 zu einem Italienzug aufgebrochen, der ihm sogar die Kaiserkrone einbrachte.[49] Im Januar 1328 ließ er sich in Rom durch den stadtrömischen Adligen Sciarra Colonna zum Kaiser krönen. Mit diesem durchaus als radikal zu bezeichnenden Akt brach Ludwig allerdings – offensichtlich ganz bewusst – mit der mittelalterlichen Kaisertradition, wonach Krönungen vom Papst als einzig legitime Autorität vollzogen werden mussten. Der Papst reagierte empört mit Gegenmaßnahmen, wohingegen Ludwig 1328 sogar Johannes für abgesetzt erklärte und mit Nikolaus V. einen Gegenpapst einsetzte. Hierbei spielte dem Kaiser in gewisser Weise auch innerkirchliche Konflikte in die Hände, wie der ausgebrochene Armutsstreit. Insgesamt handelte es sich um einen bemerkenswerten Akt, der die theoretische Auseinandersetzung zwischen den beiden mittelalterlichen Universalgewalten neu entflammte und in dessen Zusammenhang es zu einer gelehrten Auseinandersetzung kam und an dem sich unter anderem Marsilius von Padua beteiligte.[50] Die folgenden Jahre waren weiterhin geprägt vom Kampf Ludwigs mit der Kurie, wobei es auch nach dem Tod Johannes’ XXII. 1334 zu keinem Ausgleich zwischen beiden Seiten kam.
Im Hinblick auf seine sonstige Reichspolitik regelte Ludwig 1329 im Hausvertrag von Pavia die Erbfolge im Hause Wittelsbach. Er kümmerte sich nach seiner Rückkehr aus Italien 1330 um seine Landesherrschaft, strebte den Gewinn der Mark Brandenburg für seinen Hausmachtkomplex an und engagierte sich auch stärker im ansonsten königsfernen Norden. Im 1337 ausgebrochenen Hundertjährigen Krieg stand er zunächst auf englischer, dann kurzzeitig auf französischer Seite.[51] Er geriet aber in zunehmenden Konflikt mit den Luxemburgern und einem Teil der Kurfürsten, die seine expansive Hausmachtpolitik missbilligten. Hinzu kam das weiterhin feindliche Verhältnis zum Papst (nun Clemens VI., der zur Wahl eines neuen Königs aufgerufen hatte). So wurde im Juli 1346 der Sohn Johanns von Luxemburg als Karl IV. von den fünf anwesenden Kurfürsten zum neuen römisch-deutschen König gewählt. Zu einem Kampf zwischen Karl und Ludwig kam es nicht mehr, da letzterer im Oktober 1347 verstarb.[52]
Schwarzer Tod und Judenverfolgung
Ausbreitung der Pest in Europa zwischen 1347 und 1351
In dieser Zeit brach überraschend in ganz Europa eine schwere Pest aus, der sogenannte „Schwarze Tod“ (1347 bis 1353). Es handelte sich um die verheerendste Seuchenwelle des Spätmittelalters und sogar um die bislang schlimmste Pandemie der Menschheitsgeschichte, als dessen Krankheitserreger das Bakterium Yersinia pestis gilt.[53] Neuere Forschungen haben diese Theorie in einer 2022 veröffentlichten Studie bestätigt.[54] In einer Studie aus dem Jahr 2025 werden auch Umweltfaktoren geltend gemacht: So habe ein Vulkanausbruch (wohl in den Tropen) zu einer Klimaverschlechterung geführt, der dadurch verursachte Temperaturfall habe Missernten verursacht, was wiederum einen erhöhten Bedarf für Getreide zur Folge hatte. Die Getreidelieferungen seien dann mit Flöhen verseucht gewesen, die den Pesterreger transportierten.[55] Die Pandemie hatte ihren Ursprung in Zentralasien, gelangte über die Handelsrouten zunächst in den östlichen Mittelmeerraum und verbreitete sich dann weiter in ganz Europa.[56]
Spätmittelalterliche Chronisten berichteten schon bald vom Ausbruch der Pest in weit entfernten Regionen Asiens, wie in Persien und China.[57] Für das Frühjahr 1347 ist der Ausbruch der Seuche am Schwarzen Meer belegt, sie verbreitete sich dann rasch weiter nach Westen, erreichte noch im selben Jahr Konstantinopel und bald darauf Italien und den westlichen Mittelmeerraum.[58] In den zeitgenössischen Berichten wird die Panik über die unaufhaltbar scheinende Krankheit und die damit einhergehenden hohen Todeszahlen überaus deutlich.[59] 1348 wurde zu einem Katastrophenjahr, die Quellenzeugnisse[60] aus diversen Städten („In den Berichten über die Pest ist diese fast immer ein städtisches Ereignis.“[61]) sind diesbezüglich sehr eindrücklich, wobei der Tod alle Bevölkerungsschichten traf. Im nordalpinen Reichsteil des Imperiums sind die ersten Ausbrüche in Bayern nachweisbar, wobei unter anderem örtliche Chroniken und lokale Annalen die Ereignisse schildern. Wohl bereits im Sommer 1348 ereigneten sich vereinzelte Pestausbrüche im südlichen Bayern. In Passau brach die Pest im Herbst 1348 aus und verbreitete sich dann weiter im Land,[62] doch begrenzten sich die Pestausbrüche 1348 noch auf den Südosten; Ende 1348 scheint auch Augsburg betroffen gewesen zu sein.[63] Im folgenden Jahr breitete sich die Seuche dann weiter nach Südwesten und nach Norden aus. Ende 1349[64] erreichte die Pest Köln, die größte Stadt des deutschen Reichsteils.
Wie viele Menschen in dieser Zeit gestorben sind, ist aufgrund der problematischen Quellenlage nur ungefähr zu ermitteln. Klaus Bergdolt schreibt dazu: „Berücksichtigt man Steuerlisten, Taufregister, Pfarrbücher, Zunftverzeichnisse usw., bestätigt sich eher die alte Vermutung, dass zwischen 1347 und 1351 von 75 bis 80 Millionen Europäern etwa ein Drittel starb. Der endgültige Bevölkerungstiefstand war, Folge weiterer Epidemien und Naturkatastrophen, allerdings erst gegen 1400 erreicht.“[65] Manche Forscher gehen von weitaus mehr Toten aus, so Ole J. Benedictow, ein auf die Geschichte der Pest spezialisierter norwegischer Historiker. Dieser hat in seiner umfassenden Untersuchung zum Schwarzen Tod zahlreiche Studien ausgewertet, wobei er betont, dass die Quellenlage regional sehr unterschiedlich ist; doch dürfte ihm zufolge die Sterblichskeitsrate sogar eher um die 60 % betragen haben.[66] Teilen der deutschen Forschung wirft er vor, die Sterblichkeitsrate viel zu gering veranschlagt zu haben, während die Auswertung regionaler Quellen ein noch düstereres Bild von den Auswirkungen der Pest im Reich zeichnet.[67] Wenngleich er sich kritisch etwa zu Bergdolt äußert,[68] hat dieser Benedictows Werk übrigens positiv besprochen.[69]
Hinrichtung von Juden (um 1350), Chronik des Gilles Li Muisis.
Die Pest erschütterte die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen nachhaltig.[70] Sie schürte des Weiteren gesellschaftliche Ängste und Konflikte. Die wohl bekannteste Folge waren, geschürt durch ohnehin bereits vorhandene Vorurteile, die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes.[71] Pogrome fanden vor allem im römisch-deutschen Reich statt, so unter anderem in Würzburg, Straßburg, Nürnberg und Frankfurt am Main. Juden wurden bezichtigt, verantwortlich für die Seuche zu sein oder in anderer Art und Weise böswillig gehandelt zu haben (Brunnenvergifter). Dahinter mochte echte Judenfeindlichkeit stecken, denn die zeitgenössischen Berichte sind voll hasserfüllter Anklagen gegen die Juden.[72] Es mochte aber oft auch nur als Vorwand dienen, denn viele Juden wurden nicht nur ermordet, sie wurden ebenfalls ihres Besitzes beraubt und dieser dann verteilt. Gleichzeitig wurden so oft Schulden getilgt, da jüdische Kredite eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben spielten.[73] In diesem Zusammenhang wirkten auch antijüdische Stereotypen von gierigen Geldverleihern.[74] Von den Pogromen profitierten nicht nur Bürger bzw. der herrschende Stadtrat, sondern ebenso Karl IV. Dieser verfügte in seiner Eigenschaft als römisch-deutscher König auch über das Judenregal, wonach er zum Schutz der Juden verpflichtet war (kaiserliche Kammerknechtschaft); allerdings erwies sich die kaiserliche Schutzfunktion immer mehr als brüchig, zumal es auch zu Verpfändung von Judenregalien an lokale weltliche und geistliche Obrigkeiten kam.[75] Karl war sogar teilweise ein Profiteur der Judenmorde und wusste wohl im Vorfeld zumindest von einigen Pogromen. So übertrug er am 27. Juni 1349 jüdisches Eigentum in Nürnberg an den brandenburgischen Markgrafen Ludwig – und zwar sobald die Juden dort nächstens erschlagen seien („wann die Juden da selbes nu nehst werden geslagen“[76]). Im selben Jahr erließ Karl eine Straffreiheit für die an den Judenmorden in Nürnberg beteiligten Personen und gestattete den Abriss ehemals jüdischen Eigentums. Der König stärkte gerade in Nürnberg Personen, die ihm politisch von Vorteil waren. Dieses Handeln wirft einen tiefen Schatten auf den Charakter Karls, der aber nicht nur in seiner Rolle als König versagte, indem er die auf seinen Schutz vertrauenden Juden außerhalb seines Hausmachtkomplexes (wo er durchaus schützend eingriff) im Stich ließ, es zeigt sich außerdem eine „Dynamik aus skrupellosem Machtschacher, Raffgier und religiösen Ressentiments“.[77]
Karl IV. – Hegemoniales Königtum?
Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs Johann Očko von Wlaschim, um 1370.
Karl IV. gilt bis heute als der wohl bedeutendste spätmittelalterliche römisch-deutsche Herrscher.[78] Der Sohn des böhmischen Königs Johann war gebildet, hatte vor seiner Königswahl bereits Regierungserfahrung sammeln können und erwies sich als geschickter Politiker. Seine Regierungszeit (1346/49 bis 1378) sollte zudem wichtige Weichen für die zukünftige Entwicklung stellen, war neben Höhepunkten (wie der Erweiterung des luxemburgischen Hausmachtkomplexes) aber auch von Krisen (wie der oben beschriebenen Pestwelle) geprägt.[79] Bereits 1347 hatte er nach dem Tod seines Vaters die böhmische Königskrone erhalten. Als böhmischer König kümmerte er sich intensiv um die Landesherrschaft und baute seine Hauptresidenz Prag prächtig aus, wo er 1348 die Universität Prag gründete, die erste im Reich nördlich der Alpen. Ebenso betätigte er sich als Kulturförderer. Nach dem Tod Ludwigs IV. 1347 wurde Karl als neuer römisch-deutscher König seit 1349 zudem allgemein anerkannt, erhielt päpstliche Unterstützung und konnte sich mit den Wittelsbachern verständigen.
Die Goldene Bulle Karls IV.
1356 erließ Karl zusammen mit den Kurfürsten (denen er durchaus Zugeständnisse machen musste) die Goldene Bulle, womit die Reichsverfassung neu geordnet wurde.[80] Mit ihr wurde der Kreis der nun sieben Kurfürsten, die zur Königswahl zugelassen waren, offiziell festgelegt (wobei die Luxemburger die böhmische Kurstimme führten), ebenso die Wahl mit einfacher Mehrheit. Doch wurde die königliche Macht durchaus begrenzt, die Stellung der Kurfürsten und indirekt auch der anderen Landesherren gestärkt. Denn nur durch die Mitwirkung der Kurfürsten waren die Regelungen durchsetzbar. Einig waren König und Kurfürsten dafür in verschiedenen Punkten. So regelte die Bestimmungen unter anderem die Nachfolgeregelungen in den Kurfürstentümern und beugte uneindeutigen Königswahlen vor, was stabilisierend wirkte. Die Goldene Bulle gehört damit zu den wichtigsten Reichsgesetzen und bildete in gewisser Weise das Grundgesetz des Reiches. Abgelehnt wurde einhellig der päpstliche Approbationsanspruch: Die Wahl der Kurfürsten alleine war damit in der folgenden Zeit für die römisch-deutsche Königswahl ausschlaggebend. In diesem Sinne symbolisiert die Goldene Bulle weniger eine königliche Machtvollkommenheit, sondern vielmehr den konsensualen Charakter der Herrschaftspraxis im spätmittelalterlichen Reich. Während sie unbestreitbar Vorteile bot, musste sie in der Praxis doch mit politischen Handeln unterfüttert werden. Erst durch die Entwicklung in den folgenden Jahrzehnten, in denen das Kurfürstenkollegium stärker kooperativ auftrat, gewann sie ihre eigentliche Bedeutung: „Zu ihrer Entstehungszeit war sie ein Privileg für nur wenige Empfänger mit zeitlich begrenzter Geltung, dessen weitere Zukunft mit dem steilen Aufstieg zur lex fundamentalis des Reiches nicht vorausgesehen werden konnte.“[81]
Das Heilige Römische Reich im 14. Jahrhundert mit den jeweiligen Hausmachtkomplexen der Habsburger, Luxemburger und Wittelsbacher.
Karl IV. herrschte über einen bedeutenden Hausmachtkomplex, der neben den erweiterten luxemburgischen Stammlanden im Westen auch Böhmen und Mähren im Osten umfasste. In seiner weiteren Regierungszeit sollte Karl seine Hausmacht noch um bedeutende Gebiete wie die Niederlausitz (1368) und nicht zuletzt die Mark Brandenburg (1373) erweitern, wobei dieser Erwerb mit der brandenburgischen Kurstimme bei der Königswahl einherging. Ebenso sicherte sich Karl endgültig Schlesien.[82] In Franken und der Oberpfalz („Neuböhmen“) verfügte er über Streubesitz, wobei die Reichsstadt Nürnberg eine wichtige Rolle in Karls Politik spielte. Zweifellos war Karl ein überaus geschickter Politiker, der sich hervorragend auf das Machtspiel der großen Häuser im Reich verstand und den luxemburgischen Hausmachtkomplex erheblich erweiterte und stärkte.[83] Statt auf militärische Konflikte setzte er auf Diplomatie. Dafür nutzte der König seine Kinder, verheiratete sie und zielte damit nicht zuletzt so auf entsprechende Erbansprüche.[84] Während Karl die luxemburgische Hausmacht vergrößerte, gab er gleichzeitig Reichsgut auf, was sicherstellte, dass nachfolgende Könige sich noch stärker als zuvor vor allem auf ihren eigenen Besitz stützen mussten, womit die Luxemburger erheblich im Vorteil waren. Karls Hausmachtpolitik und seine Politik gegenüber den Reichsfürsten war so erfolgreich, dass man sie in der Forschung auch als „hegemoniales Königtum“ bezeichnet hat: Gestützt auf seine erheblich Hausmacht habe der römisch-deutsche König damit erstmals seit gut 100 Jahren wieder als politisch Ebenbürtiger gegenüber dem Papst und den anderen europäischen Herrschern auftreten können, während er gleichzeitig im Reich für geordnete Verhältnisse gesorgt und das Königtum in Verknüpfung mit den Kurfürsten gestärkt habe.[85] Seinen Sohn Wenzel setzte er (noch zu seinen Lebzeiten) sogar 1376 als römisch-deutschen König durch, wofür er freilich mehrere Wahlversprechen machen musste.
Die Königskrone konnte Karl seinem Sohn nur deshalb sichern, weil er zuvor selbst die Kaiserkrone erlangt hatte. 1354 war Karl nach Italien gezogen und war am 5. April 1355 in Rom zum Kaiser gekrönt worden. Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger Ludwig hatte Karl jeden Konflikt mit dem Papst vermieden, verzichtete aber auch auf die von seinem Großvater Heinrich VII. so energisch verfolgte Italienpolitik alten Stils. Karl IV. begnügte sich mit den teils hohen Geldzahlungen der Kommunen, mischte sich aber nicht weiter in die reichsitalienischen Angelegenheiten ein und kehrte schon 1355 wieder über die Alpen zurück.[86] Dies mochte realpolitisch klug erscheinen, wenngleich in mehreren italienischen Quellen die Kaiserkrönung begrüßt wurde, allerdings waren die reichsitalienischen Machthaber eher an der Legitimierung ihrer Machtstellung interessiert und daher zu Zahlungen an den Kaiser bereit.[87] Der zweite Italienzug 1368/69 hatte ebenfalls eine sehr begrenzte Zielsetzung.[88] Papst Urban V. hatte beabsichtigt, die Kurie wieder von Avignon nach Rom zu verlegen, wozu es aber nicht kam, wobei Karl erst spät in Italien erschien und dabei wieder Gelder eintrieb. An einer Erneuerung der Reichsherrschaft in Italien war der Kaiser nicht interessiert.
Der französische König Karl V. empfängt Kaiser Karl IV.
Im Westen begnügte sich Karl ebenfalls mit eher symbolischen Gesten in der Reichspolitik. So ließ er sich zwar 1365 in Arles mit der Königskrone Burgunds krönen,[89] ein höchst seltenes Ereignis, wenngleich Burgund (Arelat) neben Deutschland und Reichsitalien der dritte Reichsteil des Imperiums war. Allerdings legte Karl mehr Wert auf gute Beziehungen zum französischen Königshof und tat kaum etwas, um Reichsrechte im westlichen Grenzraum zu wahren, wieder ganz im Gegensatz zu Heinrich VII. Bemerkenswert ist aber, dass Karl IV. zumindest formal am kaiserlichen Hoheitsanspruch festhielt, sich in der Praxis aber flexibel verhielt. Als der Kaiser 1377 nach Frankreich reiste[90] und kurz vor Weihnachten in Cambrai eintraf, wurde er von einer hochrangigen französischen Delegation empfangen, die dem Kaiser erklärte, dass er zur Weihnachtsmesse die Lesung aus dem Lukasevangelium keinesfalls in Paris halten könne. Denn aus der betreffenden Stelle (Lukas 2,1) ging hervor, dass das (römische) Kaisertum älter als die Kirche war; ebenso umgab sich der Kaiser mit einer zusätzlichen Aura der Sakralität und drückte seinen hervorgehobenen Rang gegenüber den Mitkönigen des lateinischen Europas aus.[91] Dies wurde von französischer Seite offenbar erkannt, der Kaiser lenkte denn auch ein. Wenngleich Karl IV. die formale kaiserliche Vorrangstellung durch die Verlesung des Lukasevangeliums zu untermauern versuchte, ist die beschriebene Episode doch bezeichnend für die neuen politischen Verhältnisse, wonach „außenpolitische Beziehungen“ mehr oder weniger von gleich zu gleich betrieben wurden. Johannes Fried schreibt dazu: „Zum ersten Mal begegneten ein Kaiser und ein römischer König dem König Frankreichs in dessen eigenem Land [...] Dieses Kaisertum hatte Abschied genommen von allen Weltherrschaftsträumen, hatte endgültig gebrochen mit den Weltkaiser-Doktrinen, wie sie am Hof der Staufer und zuletzt noch Ludwigs des Bayern kursierten.“[92] Für seine dynastischen Interessen gab der Kaiser Reichsrechte in Burgund faktisch auf, wenngleich er wenigstens Genf und Savoyen direkt in den deutschen Reichsteil einfügte.
Doch kurz nach dem Tod Karls IV. zeigten sich bereits Brüche im politischen System, das er so geschickt errichtet hatte. Die Regierungszeit seines Sohnes Wenzel sollte dann zum vorläufigen Zusammenbruch der luxemburgischen Herrschaft im Reich führen.
Vom Scheitern König Wenzels bis zum Tod Kaiser Sigismunds
König Wenzel. Illustration aus der Wenzelsbibel, c.1398/1395
Wenzel, noch sehr jung in der Regierungszeit Karls IV. 1376 zum römisch-deutschen König gekrönt und nun auch König von Böhmen, konnte nicht an die politischen Erfolge seines Vaters anknüpfen.[93] Schlimmer noch: In der Forschung wird seine Regierungszeit (1378 bis 1400) als eine Phase des Scheiterns verstanden, er selbst als mit der komplexen Herrschaftsausübung persönlich überfordert.[94] Wenzel erbte einen gewaltigen Hausmachtkomplex, stand aber auch vor schwierigen Herausforderungen. 1378 war es zu einer Papstdoppelwahl gekommen, nachdem Urban VI. den französischen Einfluss in der Kurie eindämmen wollte und der Umzug nach Rom immer stärker gefordert wurde. Daraufhin wurde Clemens VII. zum Gegenpapst erhoben. Dies war der Beginn des Abendländischen Schismas, das die lateinische Christenheit fortan bis 1417 tief spalten sollte, mit einem Papst in Avignon und einem Papst in Rom.[95] Anders als zuvor endete diese Spaltung nicht mit dem Tod der beiden Päpste, vielmehr war die Spaltung diesmal tiefgehender, schien lange Jahre unüberbrückbar zu sein und sorgte für Instabilität.[96] Vom römisch-deutschen König, der als potentieller Kaiser in einer nach wie vor besonderen Beziehung zum Papst stand, wäre zu erwarten gewesen, aktiv tätig zu werden. Wenzel entschied sich, für Urban Partei zu ergreifen, doch trug dies nichts zur Lösung an sich bei.
In Reichsangelegenheiten agierte der König wenig entschlossen. Gleichzeitig konnte er nicht auf die vollkommene Unterstützung in seinem eigenen Haus bauen. Die Kurfürsten waren über das Verhalten des Königs, der einer geplanten Reichsversammlung fernblieb, derart verärgert, so dass drei der rheinischen Kurfürsten ihn im Januar 1380 offen aufforderten, sich stärker um die Reichsangelegenheiten zu kümmern oder aber einen Reichsvikar zu bestellen.[97] Dies war ein unmissverständliches Warnzeichen für den jungen König. Gleichzeitig entwickelte sich ein Konflikt zwischen verschiedenen aufstrebenden Städten und umliegenden Fürsten, da letztere die städtischen Rechte zu beschneiden versuchten. Der Konflikt konnte aber 1389 mit einem in Eger verkündeten Landfrieden vorerst beendet werden, wobei Wenzel den Städten finanzielle Anreize bot.[98] Ziel Wenzels war außenpolitisch die Kaiserkrone, doch seine Versuche seit 1380, diese zu erlangen, scheiterten. Sein Bruder Sigismund machte seine Erbansprüche auf das Königreich Ungarn geltend und konnte sich 1387 dort durchsetzen.[99] Wenzel sah sich aber bald schon mit den Plänen seines Verwandten Jobst von Mähren, nun neuer Markgraf von Brandenburg, konfrontiert, der Wenzels Absetzung plante.[100] In dieser Situation beging Wenzel mehrere Fehler, so 1395, als er ohne Konsultation mit den Kurfürsten Gian Galeazzo Visconti zum Herzog von Mailand erhob, womit er Reichsrechte gemindert hatte, während auch in seinem Stammland Böhmen der Widerstand gegen die sprunghaft wirkende Politik des Königs anwuchs, was zur Bildung des sogenannten Herrenbunds führte. Wenzel sah sich somit in einer politisch verzweifelten Situation, da in Böhmen 1398/99 offene Kämpfe ausbrachen, er mit innerfamiliären Konflikten beschäftigt war (sowohl Jobst als auch Sigismund spekulierten auf die römisch-deutsche Königskrone) und ihm auf Reichsebene der Rückhalt fehlte. Die rheinischen Kurfürsten konkretisierten ihre Absetzungspläne und schlossen sich 1399 zur Wahrung ihrer Rechte zusammen. Der König wurde vorgeladen und, nachdem er der Aufforderung nicht nachkam, im August 1400 für abgesetzt erklärt, da er „unnützer, versäumlicher, unachtbarer Entgliederer und unwürdiger Handhaber des heiligen Römischen Reiches“ sei.[101]
Die Absetzung wird in den Quellen insgesamt positiv dargestellt. Wenzel reagierte wütend und verzichtete nie auf die Krone, war aber machtlos. Damit war die Konzeption Karls IV., ein auf die Hausmacht gestütztes, quasi-erbliches Königtum zu etablieren, grandios gescheitert.[102] Bemerkenswert ist das Vorgehen des Kurfürstenkollegiums auch verfassungsgeschichtlich, da sie aus ihren Rechten ableiteten, nicht nur den römisch-deutschen König zu wählen, sondern ihn gegebenenfalls auch absetzen zu können. Diese Rechte leiteten sie aber nur ab, denn die Goldene Bulle sah kein Absetzungsrecht vor. Dafür nutzten die Kurfürsten nun als Kontrastfolie die geläufigen Verpflichtungen eines Königs und sprachen diese Wenzel durch sein angebliches Fehlverhalten ab.[103] Sie erwarteten von einem König, dass dieser Reichsinteressen und Reichsrechte wahrte und nicht leichtfertig veräußerte, wie die Absetzungserklärung verrät. Die Wahrung der eigenen Interessen durch die Kurfürsten schloss keineswegs aus, dass man einen möglichst fähigen König wählte, von dem dann freilich erwartet wurde, dass er die kurfürstlichen Interessen berücksichtigte und respektierte.
Ruprecht mit seiner Gemahlin Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg in einer Miniaturkopie einer heute verlorenen Wanddarstellung im Heidelberger Schloss, 1772/73.
Die Kurfürsten wählten umgehend Ruprecht von der Pfalz, als Pfalzgraf bei Rhein selbst einer der vier rheinischen Kurfürsten, zum neuen König.[104] Das brennendste Problem von Ruprechts Regierungszeit (1400 bis 1410) war die sich verschärfte finanzielle Notlage des römisch-deutschen Königtums.[105] Ruprecht verfügte mit durchschnittlich rund 17.500 Florin jährlich nur über einen Bruchteil der Einnahmen, die Karl IV. zur Verfügung gestanden hatten.[106] Ruprechts eigene bescheidene Hausmacht konnte nicht kompensieren, dass das wenig verbliebene Reichsgut nach den Verpfändungen der vergangenen Jahrzehnte keine ausreichende Grundlage mehr bot. Regelmäßig fließende Einnahmen waren spärlich und gering, wohingegen adelige und städtische Privilegien dem König enge Grenzen setzten; Ruprecht musste daher selbst Güter verpfänden und sich verschulden, wobei das grundlegende Problem hierbei das strukturelle Defizit war, das aus der fehlenden Liquidität resultierte.[107] Ein Aspekt von Ruprechts Regierungszeit erwies sich allerdings als zukunftsweisend: Die Etablierung einer dauerhaften Reichskanzlei. Obwohl der königliche Hof im Spätmittelalter verstärkt das Zentrum herrschaftlichen Handelns war und die Bedeutung der Schriftlichkeit für die Herrschaftsausübung stetig zunahm, stand das entsprechende Kanzleipersonal nach dem Tod eines Königs dem neuen Herrscher oftmals nicht zur Verfügung. Vielmehr musste sich bis ins ausgehende Spätmittelalter jeder neue römisch-deutsche König im Grunde auf die eigene Verwaltung stützen bzw. eine neue etablieren, die dann die Funktion einer Reichsverwaltung ausübte. Nach dem Tod König Ruprechts 1410 wurden jedoch die Register von dessen hervorragend geführten Kanzlei von seinem Nachfolger Sigismund übernommen und später weiter fortgeführt, wodurch eine größere Verwaltungskontinuität gewährleistet wurde.[108]
Ohne eigene größere Hausmacht musste sich Ruprecht auf die Reichsstädte und den königsnahen
Adel stützen. In der Reichspolitik war er aber wenig erfolgreich, wie seine gescheiterten Bemühungen um die Landfriedenspolitik im Reich, der Konflikt mit dem Marbacher Bund und eine vergebliche Lösung des andauernden Schismas zeigen. Der Italienzug Ruprechts 1401/02, der sich unter anderem gegen Gian Galeazzo Visconti in Mailand richtete und wofür der König Kredite aufnehmen musste, war ebenfalls erfolglos und mit einem Prestigeverlust verbunden. Die Kaiserkrone rückte damit in weite Ferne, ebenso wie die vage Hoffnung, die Finanzkraft in Reichsitalien nutzen zu können. Ruprecht agierte als König glücklos, doch waren die strukturellen Probleme bei seinem Herrschaftsantritt wohl zu gravierend und man wird ihm seine Bemühungen kaum absprechen können.[109] Erkennbar waren die offenkundigen Strukturprobleme des Königtums, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Nach seinem Tod setzte sich der Luxemburger Sigismund als König durch und erneuerte den luxemburgischen Herrschaftsanspruch im Reich, doch auch er stand vor ganz ähnlichen Problemen.
Kaiser Sigismund, 1433, Kunsthistorisches Museum Wien.
1411 wurde Wenzels Halbbruder Sigismund zum römisch-deutschen König gewählt.[110] 1410 war zunächst Jobst von Mähren in einer konkurrierenden Wahl mit Sigismund als neuer König gewählt worden, nach seinem überraschenden Tod Anfang 1411 trat nun jedoch Sigismund nach erneuter Wahl das Amt an. Dieser hatte sich stets als sehr ehrgeizig erwiesen. Sein Verhältnis zu Wenzel (der bis zu seinem Tod 1419 böhmischer König blieb) war angespannt, so hatte Sigismund seinem Bruder Unterstützung in Böhmen und im Reich versprochen, dafür zahlreiche Machtbefugnisse erhalten, dann aber seine eigenen Interessen verfolgt, was 1402 zu einer offenen Konfrontation und der kurzzeitigen Inhaftierung Wenzels geführt hatte. Sigismunds Versuch, die böhmische Krone zu erlangen, war 1405 gescheitert.[111] Sigismund war zudem seit 1387 König von Ungarn, wo er zunächst einen schweren Stand gehabt hatte, jedoch nach und nach seine Königsherrschaft konsolidieren konnte. Als ungarischer König verfügte er über einen beträchtlichen politischen Aktionsradius, der weite Teile Südosteuropas einschloss, doch war seine Regierungszeit auch von schweren Rückschlägen wie der vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Nikopol (1396) gegen das nun auf europäischen Boden expandierende Osmanische Reich geprägt gewesen.[112] Sigismunds Königtum stand so von Beginn an unter einem gewissen Legitimationsdruck. Ein drängender Punkt war die Lösung des Schismas, woran Wenzel und Ruprecht gescheitert waren. Sigismund konzentrierte sich nun darauf, was ihm als zukünftigen Kaiser außerdem erhebliches Prestige versprach.
Konzilssitzung im Konstanzer Münster (kolorierte Federzeichnung aus der Konstanzer Konzilschronik des Ulrich Richental).
Sigismund gelang es 1414, das später berühmte Konzil von Konstanz einzuberufen, das bis 1418 tagte und über das uns neben den Konzilsakten die Chronik des Ulrich Richental gut unterrichtet. Dort sollten vor allem drei Fragen geklärt werden: Beendigung des Schismas (zu diesem Zeitpunkt beanspruchten sogar drei Päpste das Amt für sich), Kirchenreform und das Problem der kirchenkritischen Bewegung um Jan Hus in Böhmen.[113] Sigismund spielte dort als „Konzilsvogt“ eine wichtige Rolle, wenngleich er anscheinend die Schwere der Aufgabe zunächst unterschätzt hatte.[114] Papst Johannes XXIII., der selbst in Konstanz erschienen war, wurde im Mai 1415 für abgesetzt erklärt, ebenso Benedikt XIII., während Gregor XII. zum Rücktritt bewegt wurde. Mit der Wahl von Martin V. im November 1417 wurde das Schisma überwunden, was ein bedeutender Erfolg war.[115] Nicht durchsetzen konnte Sigismund eine Beschränkung der päpstlichen plenitudo potestatis, da sein Einfluss auf dem Konzil nach der Wahl Martins V. weitgehend erlosch. In der eng mit der causa fidei (Glaubensfrage) verknüpften Angelegenheit um Jan Hus entwickelte sich ein unrühmlicher Vorgang. Dem böhmischen Reformer, der die Lehren John Wyclifs gegen die kirchliche Obrigkeit verteidigt hatte, war freies Geleit nach Konstanz zugesichert worden, dennoch wurde er dort wegen Ketzerei verurteilt und am 6. Juli 1415 hingerichtet.[116] Der Vorgang hatte weitreichende Folgen, denn seine Anhänger reagierten verständlicherweise mit Empörung und offenen Widerstand, der zu den sogenannten Hussitenkriegen führte. Die Kirchenreform konnte nicht vollendet werden und führte nur zu bescheidenen Fortschritten. Dem Dekret Frequens zufolge sollten weitere Konzile tagen, um die causa reformationis abzuschließen (siehe auch Konzil von Pavia und Konzil von Basel),[117] doch wurde die Frage nicht zufriedenstellend geklärt, was schließlich zur Reformation führte.
Im Rahmen der Reichspolitik intervenierte Sigismund bereits 1412 in Reichsitalien gegen die Republik Venedig und Ladislaus von Neapel (ein ehemaliger Konkurrent Sigismunds um die ungarische Königskrone). Im April 1413 konnte Sigismund gegenüber Venedig zumindest Teilerfolge verbuchen und vermied so eine kostspielige und längerfristige Konfrontation.[118] Nachteilig wirkte sich jedoch aus, dass Sigismund dem Mailänder Herrscher Filippo Maria Visconti die Herzogswürde verweigerte und so die Bildung eines mächtigen Bündnisses zwischen Mailand, Neapel und Venedig herbeiführte, das die luxemburgische Italienpolitik empfindlich störte.[119] Im Westen bemühte sich der König um die Wiederherstellung von Reichsrechten (so im Hinblick auf das aufstrebende Burgund, das eine zunehmend eigenständige Politik betrieb), pflegte aber gleichzeitig gute Beziehungen zu Frankreich und ebenso zu England, was eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Konzils gewesen ist.[120] Im deutschen Reichsteil, das Sigismund erst 1414 erstmals seit seiner Wahl von 1411 wieder betrat, sah er sich mit den bekannten strukturellen Problemen konfrontiert. So verfügte er im deutschen Reichsteil über keine nennenswerte Hausmacht mehr; nicht einmal alle luxemburgischen Hausgüter standen ihm beim Herrschaftsantritt zur Verfügung und seine Einnahmen beliefen sich anfänglich auf nur rund 13.000 Florin.[121] Ungarn selbst konnte ihm außerdem nicht als Machtbasis für seine Reichspolitik dienen, so dass seine Ausgangsbasis ungünstig war.[122] Er vernachlässigte aber nicht die allgemeinen Reichsgeschäfte, zumal die Rechts- und Friedenswahrung zentrale königliche Aufgabenfelder waren. Sigismund bemühte sich um die Durchsetzung des Landfriedens, die Schlichtung mehrerer lokaler Streitigkeiten, hatte aber auch mit Konflikten innerhalb der Häuser Habsburg und Wittelsbach zu kämpfen.[123] Nach Wenzels Tod 1419 trat Sigismund die Nachfolge als böhmischer König an, wo er in Konflikt mit den Hussiten geriet; gleichzeitig musste sich Sigismund in seiner Rolle als ungarischer König um die Abwehr der Türken kümmern.[124]
Bei den Reichsständen wurde das Engagements des Königs (der nun in Böhmen und teils Ungarn gebunden war) im Reich allerdings zunehmend als unzureichend betrachtet, was die Kurfürsten für ihre eigenen Interessen nutzten. So sah sich Sigismund dazu gezwungen, sich um eine Intensivierung seiner Beziehungen zu den Reichsstädten und der zunehmend an Einfluss verlierenden Ritterschaft zu bemühen. All dies führte jedoch nicht zum erhofften Erfolg, denn trotz jahrelanger politischer Aktivitäten kam es 1434 zum Abbruch aller weiteren Verhandlungen, womit Sigismunds Reichspolitik in einem zentralen Punkt gescheitert war.[125] 1433 sollte jedoch noch die von ihm sehnlichst erwünschte Kaiserkrönung gelingen, womit er der dritte Luxemburger war, der die höchste weltliche Würde der lateinischen Christenheit erringen konnte. Der gut zweijährige Romzug von 1431 bis 1433 verlief insgesamt unproblematisch, wobei Sigismund vor allem finanzielle Unterstützung toskanischer Stadtrepubliken erhielt (besonders gute Kontakte pflegte der Kaiser zu Siena) und nicht in die interkommunalen Machtkämpfe verwickelt wurde.[126] Zu einem von ihm angestrebten Kreuzzug gegen die Türken kam es aber nicht mehr, wobei er als Kaiser und ungarischer König (dessen Machtbefugnisse begrenzt waren) die Gefahr klar erkannte. Und wenngleich sich Sigismunds Verhältnis zu den Kurfürsten am Ende seiner Regierungszeit als kooperativ erwies, gelang es nicht, eine notwendige Reichsreform umzusetzen.
Als Sigismund am 9. Dezember 1437 verstarb, blieb viel von seinem Regierungshandeln unvollendet. In Verwaltungs- und Finanzierungsfragen bestanden ungelöste Probleme, die Aussöhnung politisch zerstrittener Parteien, ungelöste religiöse Konflikte und materielle Probleme erwiesen sich als kaum zu bewältigen. Einen pflichtbewussten Arbeitseifer, Intelligenz, einen extrem weitgespannten diplomatischen Aktionsradius und die Verdienste bei der Beendigung des Schismas sind dem Kaiser aber nicht abzusprechen. Speziell die strukturellen Defizite des römisch-deutschen Königtums und die zeitspezifische Ausgangsbasis Sigismunds (neben freilich vorhandenen persönlichen Fehlern) sind hierbei zu berücksichtigen.[127]
Von der Hausmacht zur habsburgischen Großmacht
Die Nachfolge Sigismunds als römisch-deutscher König trat im März 1438 sein Schwiegersohn, Herzog Albrecht von Österreich an, der 1422 Sigismunds Tochter Elisabeth geheiratet hatte. Als Albrecht II. sollte er nur etwas über ein Jahr regieren, doch legte seine Nachfolge nicht nur als römisch-deutscher König, sondern auch als König von Böhmen die Grundlage für die Herrschaft der Habsburger im Reich, die diese bis zum Ende des Alten Reichs 1806 fast durchgehend behaupten konnten.[128] Albrecht folgte Sigismund auch als König von Ungarn und Kroatien nach, doch sollten die Habsburger das ungarische Erbe nicht behaupten können. In Ungarn musste Albrecht zunächst die Türken abwehren, im Rahmen der Kriegsvorbereitungen gegen sie ist er dort am 27. Oktober 1439 verstorben. Das eigentliche Reichsgebiet hatte er somit nicht mehr betreten, dennoch war er über die von seinem Vorgänger übernommenen Berater in der Reichspolitik aktiv. So wollte er wohl zunächst seine Herrschaft in Ungarn und Böhmen sichern, um anschließend Reformen anzugehen, die offensichtlich notwendig waren.[129]
Porträt Kaiser Friedrichs III.
Albrechts Nachfolge trat der Habsburger Friedrich III. an.[130] Seine überaus lange Regierungszeit (1440 bis 1493) war geprägt von Konflikten zur Sicherung der habsburgischen Hausmacht und gegen äußere Widerstände, besonders im Hinblick auf Ungarn. In die engere Reichspolitik sollte Friedrich, seit 1452 auch Kaiser, nur phasenweise effektiv eingreifen, seine Politik im Westen führte aber zur beträchtlichen Erweiterung des habsburgischen Herrschaftskomplexes unter seinem Sohn Maximilian, dessen Königskrönung er 1486 erreichen konnte (siehe unten).[131] Aufgrund der Masse des Quellenmaterials (vor allem Urkunden und Briefe) für die Regierungszeit Friedrichs III. besteht bei der Arbeitsstelle der Regesta Imperii ein speziell gefördertes Langzeitvorhaben mit einer umfassenden Publikationsliste.[132] In diesem Zusammenhang wird die Regierungszeit des Kaisers inzwischen positiver bewertet als in der älteren Forschung.[133]
Friedrich trat kein leichtes Erbe an. Er regierte zu Beginn nur einen Teil der habsburgischen Erblande und die Landstände rangen ihm erhebliche Zugeständnisse ab; Friedrich nahm dies hin, da er die Regierung im Reich antreten musste.[134] Dort türmten sich seit Jahren die Probleme. Neben den strukturellen Defiziten des Königtums mit einer sehr beschränkten finanziellen Grundlage, kamen äußere Faktoren hinzu, die sich teils mit den innerfamiliären Konflikten im Hause Habsburg überschnitten.[135] So trat in Ungarn als Konkurrent der polnische König Władysław III. auf, der Albrechts nachgeborenen Sohn Ladislaus Postumus, für den Friedrich nun (nach Konflikten mit Albrecht VI.) als Vormund fungierte, die Krone streitig machte. Dieser fiel zwar 1444 im Kampf gegen die Türken, aber bald darauf kam es zum Konflikt zwischen Friedrich und dem ungarischen Reichsverweser Johann Hunyadi. Beide näherten sich 1450 vertraglich an, doch der Tod von Ladislaus Postumus im Jahr 1457 (ein Jahr nach dem Tod Hunyadis) beendete die habsburgisch-ungarische Personalunion. In der Folgezeit sollte es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Friedrich und dem neuen ungarischen König Matthias Corvinus kommen, der zeitweise weite Teile der habsburgischen Erblande erobern konnte und sogar von 1485 bis zu seinem Tod 1490 von Wien aus regierte.[136] Militärisch erwies sich Friedrich hier als schwach, zumal er nicht auf Reichsaufgebote zählen konnte. Ähnlich erfolglos wirkte sich das Bündnis Friedrichs mit der Stadt Zürich aus, das er 1442 abschloss und ihn so in den bis 1450 tobenden alten Zürichkrieg gegen die in habsburgisches Gebiet expandierende Alte Eidgenossenschaft verwickelte.[137] Die Eidgenossenschaft ging insgesamt gestärkt aus dem Konflikt hervor und sollte über die nächsten Jahre die Reichspolitik insofern beeinflussen, als dass sie Reichsinteressen im Westen tangierte.
Karl der Kühne mit Orden vom Goldenen Vlies (Gemälde von Rogier van der Weyden, ca. 1460)
Davon war besonders das Verhältnis zwischen Friedrich und Burgund betroffen. Dort regierte seit dem 14. Jahrhundert eine Nebenlinie des französischen Königshauses, doch betrieb dieses Haus Burgund eine sehr eigenständige Politik und stand zeitweise sogar im Bündnis mit England. Eine herausragende Herrschergestalt war in diesem Zusammenhang Karl der Kühne, von 1467 bis 1477 Herzog von Burgund.[138] Er förderte die höfische Kultur und war gleichzeitig militärisch und politisch sehr aktiv. So erweiterte er den burgundischen Herrschaftskomplex ganz erheblich, der nun mit die reichsten Gebiete Europas umfasste, vor allem die wirtschaftlich leistungsstarken und bevölkerungsreichen burgundischen Niederlande.[139] Problematisch war für Karl allerdings, dass sein Herrschaftskomplex territorial recht zersplittert war und er lehnsrechtlich teils dem König von Frankreich, teils dem römisch-deutschen König verpflichtet war. Der Burgunderherzog strebte daher im Zusammenspiel mit Friedrich die Schaffung eines neuen Königreich Burgunds an, dessen Krone er tragen und so seinen Spielraum zwischen Frankreich und dem Imperium nutzen wollte, zumal sich das Verhältnis Karl zum französischen König Ludwig XI. als sehr angespannt erwies und bisweilen in militärische Auseinandersetzungen gipfelte.[140] Ende 1473 kam es in Trier zum Treffen Karls mit Friedrich, bei dem die Schaffung einer burgundischen Königswürde durch den Kaiser erörtert wurde, was Karl zusätzliche Legitimation verschafft hätte. Doch die kurfürstliche Zustimmung für die Standeserhöhung des Burgunderherzogs war unerreichbar. Friedrich war offenbar ebenso nicht davon überzeugt, dass ihm dies ausreichend nützen würde, wenngleich beide die Eidgenossen als gemeinsamer Feind verband. Dennoch brach der Kaiser die Verhandlungen schließlich formlos ab, was wohl auch an erweiterten Forderungen Karls lag, die Friedrich nicht bereit war zu erfüllen.[141]
Die Aufteilung des burgundischen Erbes zwischen Frankreich und Habsburg bis 1493
Im Januar 1477 fiel Karl im Kampf gegen die Eidgenossen, so dass sich Friedrich nun unverhofft eine einmalige Gelegenheit bot: Das burgundische Erbe für das Haus Habsburg zu sichern. Karls Tochter Maria von Burgund, seit 1475 mit Maximilian verlobt, erbte die burgundischen Besitzungen, doch stand sie im Inneren durch oppositionelle Gruppen (die Generalstände, die ihr das große Privileg abrangen) und von außen durch Ludwig XI. von Frankreich unter Druck, zumal es fraglich war, ob Maria als Frau die Nachfolge in allen Lehnsgebieten antreten konnte.[142] Maximilian reiste im Sommer 1477 in die burgundischen Niederlande, wo er am 19. August 1477 Maria heiratete. Um das reiche burgundische Erbe entbrannte nun ein militärischer Konflikt mit Frankreich, der sich noch über Jahre hinzog (Burgundischer Erbfolgekrieg (1477–1493)) und den habsburgisch-französischen Gegensatz begründete, der bis in die Frühe Neuzeit andauern sollte. Wenngleich Maximilian nach dem Tod Marias 1482 nicht den gesamten burgundischen Herrschaftskomplex für seinen Sohn Philipp den Schönen halten konnte und seine Burgundpolitik auch mit Rückschlägen verbunden war (wobei Friedrich III. ihm 1488 mit einem Heer zur Hilfe eilte), so umfasste der verbliebene Teil doch die reichsten Gebiete.[143] Philipps Heirat mit Johanna von Kastilien 1504 verband den habsburgischen Hausmachtkomplex mit den spanischen Besitzungen in Übersee zu einer neuen europäischen Großmacht. Damit begann eine neue Phase europäischer Politik, die in den Kriegen um die Hegemonie in Europa zwischen Habsburg und Frankreich mündete.[144]
Ein zentrales Ziel Friedrichs war die Kaiserkrönung, weshalb er sich in kirchlichen Fragen 1447/48 mit Papst Nikolaus V. verständigte (Wiener Konkordat). Anfang 1452 brach der König dann nach Italien auf, wo er im März 1452 als letzter römisch-deutscher Herrscher vom Papst selbst in Rom gekrönt werden sollte.[145] Damit hatte Friedrich die Grundlage dafür geschaffen, seinem einzigen Sohn Maximilian 1486 die römisch-deutsche Königswürde zu verschaffen, was einen beachtlichen Erfolg darstellte. Ein zweiter Romzug sollte 1468/69 folgen und hatte eher den Charakter einer Pilgerreise. In Reichsitalien selbst griff der Kaiser kaum ein, wobei er die usurpierte Herrschaft Francesco I. Sforzas in Mailand (immerhin ein wichtiges Reichslehen) faktisch hinnehmen musste, da dessen Stellung sich als zu stark erwies; dies zeigte der Friede von Lodi 1454, womit sich in Italien ein Machtgleichgewicht etablierte, das bis 1494 andauern sollte.[146] Auch im Hinblick auf die Abwehr der Türken blieb Friedrichs Politik weitgehend ambitionslos, obwohl im Mai 1453 Konstantinopel gefallen war und die Ungarn 1456 nur mit Mühe Belgrad halten konnten.[147] Bemerkenswert ist aber etwa der Aufruf Friedrichs III. an die Eidgenossenschaft im Jahr 1455, Hilfe gegen die Türken zu leisten, wobei er sich auf den Schutz der „teutschen Nation“ beruft. Dies stellt jedoch keineswegs etwa einen Beleg für einen aufkommenden „Nationalismus“ im Reich dar, sondern steht im Zusammenhang mit einer antitürkischen Kreuzzugspropaganda.[148]
Von 1444 bis 1471 hielt sich Friedrich nicht mehr im eigentlichen Binnenreich, also dem engeren Reichsgebiet, auf und zog sich weitgehend in die verbliebenen habsburgischen Erblande zurück, wobei er die Reichspolitik aus der Ferne versuchte zu lenken. Dies resultierte vor allem aus der Vielzahl an Konflikten, mit denen sich Friedrich konfrontiert sah.[149] Neben den Problemen innerhalb der Habsburger und mit Ungarn kamen Konflikte um Böhmen hinzu, wo ab 1458 zunächst Georg von Podiebrad, später dann Matthias Corvinus herrschten und jede Umsetzung habsburgischer Ansprüche zunächst unmöglich machte. Hinzu kamen schließlich die Probleme im Westen, zunächst mit der Eidgenossenschaft und anschließend die „Burgundfrage“. Friedrich III. fehlten oft schlicht die Mittel bzw. die notwendigen Herrschaftsinstrumente, um kraftvoller agieren zu können, so dass er meistens nur reagieren konnte. Andererseits war er keineswegs nur passiv tätig: „Das Verdikt der älteren Forschung wurde grundlegend revidiert. Auf der Basis des zunehmend erschlossenen Quellenmaterials kam man zu dem Schluss, dass Friedrich III. wie kein anderer seiner Vorgänger durch Mandate und Diplome in die Politik des Reiches eingegriffen habe.“[150] Die Schaffung von politischen Netzwerken sollte sich später noch als nützlich erweisen, auch im Hinblick auf spätere Reformansätze im Reich wird Friedrich inzwischen positiver bewertet.[151]
Nach dem Tod Albrechts VI. 1463 übte Friedrich die Herrschaft über einen Großteil der habsburgischen Erblande alleine aus, bevor sie sich 1490 vollständig unter seiner Kontrolle befanden. Ab 1470 engagierte sich der Kaiser auch wieder stärker auf der Reichsebene, im Inneren wurden die Hofverwaltung erheblich ausgebaut und die Kanzlei in eine römische und eine erbländische Kammer aufgeteilt.[152] Nachdem Matthias Corvinus gestorben war, hatte Friedrich den Krieg gegen Ungarn wiederaufgenommen und war militärisch nicht ohne Erfolge geblieben.[153] Die Reichsstände verlangten aber für ihre weitere Unterstützung eine Reichsreform und damit einhergehend königliche Zugeständnisse, wozu Maximilian, nicht aber Friedrich bereit war. Im Jahr 1491 wurde aber Frieden mit Ungarn geschlossen, wobei die Habsburger ihre Ansprüche auf Ungarn nicht aufgaben und sich zukünftig noch Hoffnung auf die Stephanskrone machen konnten.[154] Der Gesundheitszustand Friedrichs verschlechterte sich 1492 dramatisch, er starb schließlich am 19. August 1493. Maximilian trat somit die Nachfolge an, sah sich aber mit zahlreichen innen- und außenpolitischen Problemen konfrontiert.[155]
Albrecht Dürer: Maximilian I., 1519.
Im Hinblick auf eine dringende Reichsreform kam es nur zu kleinen Fortschritten. Sigismund war mit seinen Versuchen einer Reichsreform gescheitert, doch stand das Vorhaben weiterhin im Raum und wurde in gelehrten Kreisen eingehend diskutiert.[156] Ein entscheidender Punkt war die Teilhabe der Großen und speziell der Kurfürsten an der Reichsgewalt; es wurde erwartet, dass der König wichtige Entscheidungen der Reichspolitik im konsensualen Rahmen mit Rat und Zustimmung Fürsten traf, wobei das kooperative Kurkollegium eine wichtige Rolle spielte. Gleichzeitig waren die königlichen Herrschaftsinstrumente, vor allem aufgrund der geringen finanziellen Mittel (gerade) im 15. Jahrhundert, sehr eingeschränkt. Auf der Reichsebene gewannen nun statt der vom König dominierten Hoftage die Reichstage zunehmend an Bedeutung, wo die Reichsstände (mit einer erhöhten Teilnehmerzahl) ihre Interessen vertreten konnten und der König seinen politischen Spielraum nutzen musste.[157] Im Zentrum der Reichsreform stand die Landfriedenspolitik, die Reform des Gerichtswesens sowie der Finanz- und Kriegsverfassung. Friedrich III. lehnte in seiner Regierungszeit aber alle Vorschläge ab, die Zugeständnisse in der königlichen Herrschaftspolitik mit finanziellen und militärischen Gegenleistungen des Reichstags vorsahen, so dass erst nach seinem Tod Maximilian auf dem Reichstag zu Worms (1495) einlenkte (Reichskammergericht und Ewiger Landfrieden), wenngleich auch damit nicht alle Probleme behoben wurden. Die Reichsreform an sich wurde daher nur ansatzweise verwirklicht, zumal es nicht gelang, eine allgemeine Reichssteuer (gemeiner Pfennig) durchzusetzen, da die Steuereintreibung scheiterte.[158] Das grundlegende Strukturdefizit des Reiches, mit einer fehlenden administrativen Durchdringung auf der Reichsebene und keiner ausreichenden finanziellen Grundlage, konnte nicht behoben werden. Das Zeitfenster für eine Reichsreform schloss sich wieder, wenngleich der Kerngedanke der königlich-ständischen Kooperation in der Reichsregierung bestehen blieb und Modellcharakter für das frühneuzeitliche Reich haben sollte.[159]
König und Reich
Konsensuale Königsherrschaft und Rechtsprechung
Konsens als Herrschaftsinstrument
Der Codex Balduineus (um 1340) enthält die erste bekannte bildliche Darstellung des Kurfürstenkollegiums: Die Kurfürsten wählen Heinrich von Luxemburg zum König.
Das spätmittelalterliche römisch-deutsche Reich – bestehend aus den drei Reichsteilen Deutschland, Reichsitalien und Burgund (Arelat) – stellte eine Wahlmonarchie dar.[160] Im späten 13. Jahrhundert hatte sich das Kollegium der Kurfürsten endgültig als exklusives Gremium für die Königswahl herausgebildet. Es handelte sich dabei um den Erzbischof von Mainz als Reichserzkanzler für Deutschland, den Erzbischof von Köln als Reichserzkanzler für Italien, den Erzbischof von Trier als Reichserzkanzler für Burgund sowie um vier weltliche Fürsten: den König von Böhmen als Erzmundschenk, den Pfalzgraf bei Rhein als Erztruchsess, den Herzog von Sachsen als Erzmarschall und den Markgraf von Brandenburg als Erzkämmerer.[161] Im Konflikt Ludwigs IV. mit der päpstlichen Kurie hatten die Kurfürsten den Anspruch auf päpstliche Approbation der Königswahl strikt abgewiesen und klar betont, dass nur ihre Wahl ausschlaggebend war und diese keiner weiteren Zustimmung oder päpstlichen Mitwirkung bedurfte (siehe Kurverein von Rhense 1338). Dieser Standpunkte resultierte nicht zuletzt aus dem kurfürstlichen Selbstverständnis und der Wahrung eigener Interessen. Es bezeugt aber auch den verstärkt kooperativen Charakter des Kurfürstenkollegiums im 14. Jahrhundert, ebenso ist die Goldene Bulle von 1356 (dem Reichsgrundgesetz) und die Absetzung Wenzels 1400 Ausdruck dieses Selbstverständnisses (siehe auch die Ausführungen oben zu diesen Ereignissen).[162] Die Kurfürsten verfügten aber nicht nur über das nun exklusive Königswahlrecht, sondern erhoben ebenfalls den Anspruch, direkt in die Reichsherrschaft eingebunden zu werden und maßgeblich politische Mitverantwortung zu tragen. Bei der Ausübung der Königsherrschaft war es daher von Bedeutung, ob der König eine möglichst konsensuale Herrschaftspraxis ausübte und die großen Häuser bzw. die Kurfürsten darin einband oder vor allem die eigenen Interessen verfolgte und damit eine Konfrontation riskierte. Das Einvernehmen zwischen König und den Großen des Reiches war bereits im Hochmittelalter wichtiger Bestandteil königlicher Herrschaft gewesen, dieses Element gewann im Spätmittelalter aufgrund der relativ schwachen Stellung des römisch-deutschen Königtums aber zusätzlich an Gewicht und wurde ein Kernaspekt der spätmittelalterlichen Königsherrschaft.[163]
Trierer Exemplar der Goldenen Bulle
Man wird den Kurfürsten nicht unterstellen können, sie hätten aus Eigennutz die Reichsinteressen völlig ignoriert. Sie erwarteten von einem zukünftigen König durchaus, dass dieser Reichsinteressen und Reichsrechte wahrte und nicht leichtfertig veräußerte, wie die Absetzung Wenzels 1400 belegt, wo dieser Punkt eine wichtige Rolle spielte (siehe oben). Entscheidend war daher das Zusammenspiel von König und Kurfürsten, wobei freilich jede Seite unterschiedliche Interessen hatte und die eigenen Spielräume versuchte zu nutzen. Die Goldene Bulle von 1356 verdeutlicht das geradezu, da Königtum und Kurfürsten gemeinsam wirkten und unter anderem die endgültige Gruppe der Wähler, Wahlmodalitäten und nicht zuletzt das Mehrheitsprinzip verbindlich regelten.[164] Ihre verfassungsgeschichtliche Wirkung entfaltete die Bulle allerdings erst im Laufe der Zeit, so bei der Absetzung Wenzels, bei der die (rheinischen) Kurfürsten ihr Recht auf Absetzung aus dem königlichen Anforderungskatalog ableiteten und entsprechend Wenzel schwere Versäumnisse vorwarfen.[165]
Im Spätmittelalter gewannen außerdem die Landesherren, die im Kontext des Lehnswesens eine tragende Rolle spielten (siehe unten), weiter an Einfluss und agierten auch im Rahmen der Reichspolitik.[166] In den Territorien und den großen Städten vollzog sich der von Peter Moraw, einem der bedeutendsten deutschen Spätmittelalterforscher, so bezeichnete staatliche Verdichtungsprozess mit erweiterten Verwaltungsstrukturen,[167] ein Prozess, der unabhängig von der Reichsebene geschah. Am Ausgang des Spätmittelalters verwies die gestiegene Bedeutung des Reichstags (Reichstagsakten) mit der erweiterten Vertretung der Reichsstände bereits auf die Entwicklung im frühneuzeitlichen Reich.[168] In diesem Sinne erfolgte eine „Verdichtung“ des Reichs an der Wende zur Neuzeit, so dass Institutionen gestärkt wurden und es einen Professionalisierungsschub auf der Ebene des beratenden Personals gab. Der Reichstag wurde so neben dem Kaiserhof „das zweite Hauptforum der politischen Existenz im Reich“.[169] Entscheidend hierbei war, dass diese Entwicklung einerseits den realen Machtverhältnissen besser entsprach als manch anderer Reformansatz und gleichzeitig ein kooperatives Agieren erforderte – zumal der Weg des Reiches von der „offenen Verfassung“ zur einigermaßen gestalteten Verdichtung mit etablierten Institutionen (wie dem Reichstag und neu dem Reichskammergericht) keineswegs selbstverständlich gewesen ist.[170]
Recht und Königsherrschaft
Das Statutum in favorem principum (Würzburger Ausfertigung).
Goldene Bulle, der Landfrieden von 1495 und das Reichskammergericht bilden die Eckpfeiler der zentralen Gesetzgebungsprozesse im spätmittelalterlichen Reich. Dies ist von besonderer Relevanz, da Gesetzgebung gerade in vormoderner Zeit ein wichtiges Herrschaftsinstrument darstellte und der Herrschaftsintensivierung diente: Gesetzgebung war gleichzeitig Träger und Ausdruck von Herrschaft.[171] Im römisch-deutschen Reich mussten fürstliche Vorrechte berücksichtigt werden, die seit den Privilegien Confoederatio cum principibus ecclesiasticis (1220) und Statutum in favorem principum (1231/32) galten.[172] Der König hatte das Recht zu wahren, weshalb etwa eine Privilegienvergabe bestimmten Regeln folgte und für den Empfänger Rechtssicherheit bedeutete; der König war durch „Rechtsschranken“ im Spätmittelalter stärker als zuvor gebunden.[173] Wenngleich sich die spätmittelalterlichen Kaiser weiterhin grundsätzlich auf ihre besondere Machtstellung beriefen, so war die „Verfassungswirklichkeit“ doch eine andere. Die rechtssetzenden Kompetenzen entbanden den König oder Kaiser nicht von der Beachtung bestimmter Reglements.[174]
Sogar die Vorstellung, dass der König als oberster Lehnsherr auch höchster Richter war, wandelte sich im Spätmittelalter.[175] Aufgrund neuer Anforderungen im 14. und 15. Jahrhundert veränderte sich die Königsgerichtsbarkeit, so wurden erstmals Appellationen vorgetragen.[176] 1451 wurde das alte königliche Hofgericht durch das königliche Kammergericht ersetzte, das wiederum 1495 durch das Reichskammergericht ersetzt wurde.[177] Diese Entwicklungen führten Bernhard Diestelkamp zufolge dazu, dass das „Heilige Römische Reich sich zum Justizstaat ausbildete, bei dem die Gerichtsbarkeit zum wirkungsvollen Bindemittel für das sonst stark zentrifugale Reich wurde.“[178]
Die Vorstellung wiederum, der Kaiser sei princeps legibus solutus est (von den Gesetzen losgelöst, rezipiert aus dem antiken Kaiserrecht), galt ebenfalls nur sehr bedingt und konnte mit dem gelebten Reichsrecht kollidieren. Die aus dem Kaiserrecht abgeleitete Machtvollkommenheit war daher realpolitisch nicht umsetzbar, wenngleich die spätmittelalterlichen römisch-deutschen Könige prinzipiell daran festhielten.[179] So etablierte sich im Spätmittelalter in den Territorien eine landesherrliche Gesetzgebung, die den Interessen der Landesherren nützte. Die römisch-deutschen Könige konnten die Gesetzgebung nicht zur Verdichtung der Königsherrschaft benutzen, anders als der französische König. Dieser nutzte das Recht gezielt zum Ausbau einer zentralen Königsherrschaft (siehe die Ausführungen unten zu Frankreich).
Grundstrukturen und Probleme der spätmittelalterlichen Königsherrschaft
Im Vergleich mit England und Frankreich war die Grundlage des spätmittelalterlichen römisch-deutschen Königtums eher prekär.[180] Da das Reichsgut bereits während des Interregnums[181] immer mehr geschwunden war, wurde nun die Hausmacht, also der persönliche territoriale Besitz des jeweiligen Königs, zur Grundlage der realen Königsmacht. Die materielle Substanz und die Herrschaftsinstrumente des römisch-deutschen Königtums erwiesen sich im Spätmittelalter als unzureichend, was zuvor nicht der Fall gewesen war. Nun jedoch waren Burgen, Höfe, Dörfer, Gebiete, Städte oder bestimmte Rechte gegen eine feste Summe verpfändet. So konnten kurzfristige finanzielle Engpässe des Königs zwar überwunden werden, langfristig jedoch war dies mit erheblichen Nachteilen verbunden, da die dort gewonnenen Einnahmen bis zur Auslösung entfielen. Insgesamt ist ein erheblicher Substanzverlust feststellbar, vor allem im 14. Jahrhundert und speziell in der Regierungszeit Ludwigs des Bayern und dann Karls IV.: „Für Ludwig den Bayern wurden 110 Verpfändungen reichsstädtischer Herrschaftsrechte gezählt und für Karl IV. rund 90 solcher Pfandbriefe.“[182] Eine Reichspfandschaft stellte grundsätzlich ein absolut übliches Mittel königlicher Herrschaftspolitik dar, problematisch wurde jedoch die systematisch begründete Verpfändungspolitik Karls IV. Diese war nicht zuletzt politisch motiviert und diente unter anderem der Belohnung königlicher Anhänger sowie dynastischen Interessen.[183] Dies gilt etwa für den Erwerb der Mark Brandenburg (1373)[184] oder der Sicherung der Königswahl für Wenzel. Niemand sollte mehr in der Lage sein, im Reich Politik gegen die Interessen des Hauses Luxemburg zu betreiben. Diese Konzeption eines „hegemonialen Königtums“, das sich ganz auf die eigene Hausmacht stützte, war jedoch insofern problematisch, wenn der König keinen Zugriff darauf hatte, wie die Zeit danach zeigen sollte: Ruprecht von der Pfalz und anschließend Sigismund verfügten, wie oben bereits geschildert, im deutschen Reichsteil über keine nennenswerte Hausmacht mehr.
Ludwig IV. belehnt die Herzöge Otto I. und Barnim III. mit dem Herzogtum Pommern-Stettin (Urkunde vom 14. August 1338).
Die unzureichenden finanziellen Grundlagen erwiesen sich letztlich als ein entscheidendes Defizit des römisch-deutschen Königtums im Spätmittelalter. In finanzieller Hinsicht stellte sich die Lage des Königtums im 15. Jahrhundert dann noch einmal als besonders prekär heraus. Karl IV. soll über jährliche Einkünfte in durchschnittlicher Höhe von ca. 164.000 Florin verfügt haben bzw. über eine Mindestsumme von ca. 40.000 Florin. Ruprecht von der Pfalz, der selbst ebenfalls Reichsgut verpfändete, hingegen verfügte über durchschnittlich nur noch rund 17.500 Florin. Ruprechts Nachfolger Sigismund verfügte über rund 13.000 Florin.[185] Die durchschnittlichen Einkünfte hatten sich im 14. Jahrhundert wohl ungefähr auf 100.000 Florin und 75.000 Mark Silber belaufen, dies ist zumindest annäherungsweise der tatsächliche Wert der Verpfändungen der Reichsstädte im 14. Jahrhundert.[186] Im Gegensatz zu Frankreich und England existierte im Reich zudem weder eine Zentralkasse noch eine Finanzverwaltung, die in Westeuropa längst etabliert war. Das Fehlen derartiger Institutionen erwies sich im römisch-deutschen Reich als schwerwiegendes Defizit, doch fehlte selbst ein Gesamtverzeichnis des Reichsguts; ohne Bestandsverzeichnisse war aber der Aufbau einer effektiven Finanzverwaltung kaum möglich und die schwankenden Reichseinnahmen wurden so mangelhaft verwaltet.
Während der Handlungsspielraum des Königtums durch das politische Gefüge des Reichs grundsätzlich recht stark beschränkt war und im Gegensatz zu den westeuropäischen Monarchien nur wenige regelmäßige Einkünfte zur Verfügung standen (wie Steuereinnahmen und Regalien, deren Erträge oft eher zu gering waren), war die Königsherrschaft gleichzeitig von einer strukturell bedingten Überforderung geprägt. Zentrale königliche Aufgabenfelder waren die Rechts- und Friedenswahrung, weshalb die königliche Landfriedenspolitik[187] und die Sicherstellung der hohen Gerichtsbarkeit eine wichtige Rolle spielte.[188] Im administrativen Bereich konnte sich das römisch-deutsche Königtum nur auf rudimentär vorhandene Strukturen stützen.[189] Der König verfügte an seinem (oft noch immer reisenden) Hof zwar über eine Kanzlei, die allerdings bis ins frühe 15. Jahrhundert keine unabhängig von Herrscherwechseln kontinuierlich arbeitende Reichskanzlei mit angeschlossenem Archiv war. Erst seit dem Übergang Ruprechts von der Pfalz auf Sigismund ist eine gewisse verwaltungstechnische Kontinuität gegeben gewesen. Die Kanzlei Ruprechts war vorbildlich geführt, nach seinem Tod wurden Register und teilweise auch Kanzleipersonal von Sigismund übernommen.[190] Besonders im 15. Jahrhundert nimmt die Masse an verfügbaren Quellen erheblich an, speziell im Hinblick auf Urkunden, Akten und anderem Schriftgut. Dies ist verbunden mit der gestiegenen Bedeutung der schriftlichen Verwaltung und zeigt sich unter anderem in der zunehmenden Professionalisierung des oft juristisch gebildeten Kanzleipersonals. 1433 ist mit Kaspar Schlick zudem der erste Laie an der Spitze der königlichen Kanzlei belegt.
Im Reich existierte auch keine Reichsverwaltung, die flächendeckend auf königliche Amtsträger hätte zurückgreifen können. All dies steht im völligen Gegensatz zur Entwicklung in England und Frankreich, wo bereits relativ frühzeitig weisungsgebundene königliche Amtsträger eingesetzt und kontinuierlich arbeitende königliche Verwaltungsbehörden geschaffen worden waren.[191] Aufgrund der politischen Verhältnisse im Reich, der fehlenden Ressourcen und unzureichenden verwaltungstechnischen Instrumentarien war eine vollständige Herrschaftsdurchdringung nicht und eine Herrschaftsintensivierung kaum möglich. Der moderne Betrachter stellt Peter Moraw zufolge allerdings Ansprüche an das spätmittelalterliche Königtum im Reich, die die Könige nicht erfüllen konnten: Sie waren adlige Herrscher, die nicht zuletzt in dynastischen Bahnen dachten und Reichsinteressen eher untergeordnet betrachteten.[192] Der königliche Einflussbereich war im Spätmittelalter im Wesentlichen auf die Gebiete im Südwesten mit Teilen der Rheinregion beschränkt (die sogenannten königsnahen Regionen), während sich der Norden dem effektiven herrschaftlichen Zugriff bereits seit der späten Stauferzeit faktisch entzog (die königsfernen Regionen); daneben existierten sogenannte königsoffene Regionen.[193]
Das Kaisertum zwischen gesteigerter Königsherrschaft und universalen Weltherrschaftsanspruch
Statue des römischen Kaisers Augustus
Ein wichtiger Aspekt des römisch-deutschen Königtums stellte die Tradition des Kaisertums und die lange Sinngeschichte des römischen Imperiums dar. Zentraler Ausgangs- und ständiger Bezugspunkt für das
mittelalterliche Kaisertum war das antike römische Kaisertum, in dessen Nachfolge sich die mittelalterlichen römisch-deutschen Könige seit dem Frühmittelalter im Rahmen der translatio imperii sahen.[194] Der offizielle lateinische Titel des römisch-deutschen Herrschers lautete während des gesamten Spätmittelalters rex Romanorum („König der Römer“), als Kaiser bezeichnete er sich als Augustus, was man im Spätmittelalter als „Mehrer des Reiches“ übersetzte.[195] Die römisch-deutschen Könige wurden zwar erst durch die päpstliche Krönung zu Kaisern, dennoch legten sie sehr viel Wert auf die Trennung der beiden Universalgewalten. Das Kaisertum war zudem älter als die Kirche, was die spätmittelalterlichen Kaiser durch ihren Weihnachtsdienst (der Lesung aus dem Lukasevangelium)[196] implizit betonten, regierte der erste Kaiser Augustus doch schon vor der Geburt von Jesus. Auch ansonsten verwahrten sich die Kaiser dagegen, dem Papst untergeordnet zu sein, denn zumindest in der Theorie beinhaltete die universale Reichsidee den Anspruch auf kaiserliche Weltherrschaft.[197] Im 14. Jahrhundert verwischte zunehmend die Unterscheidung zwischen Regnum (Königreich) und Imperium, auch die deutsche Bezeichnung Reich deckte nun beides ab.[198]
Der Universalherrschaftsanspruch resultierte aus der langen Sinngeschichte des Kaisertums, in die zahlreiche Elemente eingeflossen waren, wobei bereits das spätantike römische Kaisertum den Universalanspruch christlich akzentuiert hatte. Trotz der Erschütterungen der sakralen kaiserlichen Aura im Rahmen des Investiturstreits hatten auch die nachfolgenden Kaiser grundsätzlich an dem universalen Charakter des Kaisertums festgehalten, das spätmittelalterliche Königtum verfügte zudem immer noch über eine sakrale Komponente.[199] Das Kaisertum galt im Spätmittelalter weiterhin als höchste Stufe weltlicher Herrschaft, der Kaiser zumindest theoretisch als über allen anderen weltlichen Herrschern der lateinischen Christenheit stehend.[200] Dies hatte Heinrich VII. bei seiner Kaiserkrönung im Juni 1312 explizit betont, als er nach der ersten Kaiserkrönung seit 1220 verkünden ließ, dass, so wie Gott über alle himmlischen Heerscharen gebiete, auch alle Herrscher der Welt dem Kaiser unterstehen würden, was Widerspruch seitens des französischen Königs ausgelöst hatte.[201] Diese Ansprüche waren nicht neu, vielmehr wurden sie nur zu einer Zeit artikuliert, als man bereits das Kaisertum als Institution für weitgehend erledigt gehalten hatte.[202] Die Aufgabe der Umsetzung des theoretischen Universalanspruchs stellte sich in der politischen Praxis aber auch gar nicht. Das Kaisertum bewegte sich vielmehr stets im Spannungsfeld von gedachter Universalordnung und realer politischer Gestaltungskraft.[203] In diesem Sinne war es realpolitisch zwar nur eine „gesteigerte Königsherrschaft“,[204] die aber auf einem alten und sehr langlebigen ideengeschichtlichen Fundament beruhte, so dass diese Idee noch bis in die Frühe Neuzeit bei Karl V. nachwirkte.[205]
Städte und Landesherrschaften
Die „deutschen Lande“ im Spätmittelalter
Das römisch-deutsche Reich war ein dezentral organisierter Herrschaftsverbund bestehend aus Städten und Territorien mit geistlichen und weltlichen Landesherrn.[206] In „der Mitte Europas ist der moderne Staat im Territorium, in der Landesherrschaft“,[207] entstanden, gleichzeitig „ist unser Bild von der mittelalterlichen Stadt ganz entscheidend vom Spätmittelalter geprägt“.[208] Dort vollzog sich eine politische und wirtschaftliche Institutionalisierung, die unabhängig von der Reichsebene verlief und die nachfolgende deutsche Geschichte maßgeblich geprägt hat. Dennoch stellte das Reich einen Flickenteppich von Territorien dar und die Entwicklung dessen, was man als moderne Staatlichkeit betrachten würde, war auch am Ausgang des Spätmittelalters noch nicht abgeschlossen.[209] Im ausgehenden Spätmittelalter wurde versucht, die politische Zersplitterung der Städte und Landesherrschaften durch die Einrichtung der Reichskreise etwas zu ordnen.
In den „deutschen Landen“ hielt man am vorstaatlichen Reichsgedanken fest.[210] Der Begriff deutsche Lande kommt im Spätmittelalter auf, bevor er in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von der Bezeichnung Teutsche Nation überlagert wird, woraus sich aber keine stärkere innere Verfestigung ablesen lässt.[211] Die Entwicklung eines deutschen Eigenbewusstseins setzte erst langsam ein, als sich deutsche Gelehrte wie Alexander von Roes und Lupold von Bebenburg Gedanken über die Rolle „der Deutschen“ im Gefüge Europas und einer politischen Identität machten, was aus einer Position politischer Schwäche des Reiches geschah. Diese Überlegungen blieben aber weiterhin stark mit der universalen Reichsidee verknüpft.[212]
Die Quellenlage erlaubt hinsichtlich der Bevölkerungszahl nur ungefähre Schätzungen. Für Europa wird für die Zeit um 1300 von ca. 70 Millionen Einwohnern ausgegangen,[213] wobei Hungersnöte und Seuchen (wie die große Pest Mitte des 14. Jahrhunderts) dann für einen deutlichen Bevölkerungsrückgang bis um 1400 sorgten.[214] Für 1500 reichen die Schätzungen von 50 bis 84 Millionen Einwohnern.[215] Im deutschen Reichsteil (also ohne Oberitalien und Burgund) lebten um 1300 geschätzt 12 bis 15 Millionen Menschen,[216] um 1500 waren es etwa 16 Millionen.[217]
Die Städte
Städte spielten im Spätmittelalter eine wichtige Rolle, besonders als Wirtschafts- und Kulturzentren, wobei neben alten urbanen Siedlungen neue Städtegründungen hinzu kamen.[218] Zu unterscheiden ist hierbei neben den Territorialstädten/Landstädten (die Landesherren unterstanden) zwischen den Reichsstädten, die dem Kaiser direkt unterstanden (Reichsunmittelbarkeit), und freien Städte.[219] Letztere hatten sich ihre politische und rechtliche Autonomie von ihren vorherigen (zumeist geistlichen) Oberherren erkämpft, da viele Städte ursprünglich Bischofsstädte waren. Sie beanspruchten weitgehende Unabhängigkeit vom König, mit wenigen Ausnahmeregelungen; einige zuvor freie Städte gerieten im Laufe der Zeit sogar wieder unter die Herrschaft von Landesherren. Die meisten Städte zählten denn auch zu den Territorialstädten.[220]
Das Rathaus von Löwen
Mit der steigenden Bedeutung der Städte während des Hochmittelalters bildeten sich städtische Gemeinden, die dann in oft harten Auseinandersetzungen ihre politische Selbstverwaltung erstritten und diese auch rechtlich verbrieft bekamen.[221] Teilweise wurden Rechte der Landesherren, die in Geldnot waren, auch nur vom Stadtrat aufgekauft. Im Spätmittelalter erfolgte dann ein Schub in der Institutionalisierung,[222] indem die Bedeutung des Stadtrats[223] im politischen und der Zunft[224] im wirtschaftlichen Bereich zunahm. Der jeweilige Stadtherr war vor allem im Hinblick auf Verwaltung, Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit entscheidend gewesen. Im 13. Jahrhundert trat in den Städten mit schwachen Stadtherren der Rat zunehmend an dessen Stelle, selbst in den Territorialstädten entstanden Ratsverfassungen (da sich dies nicht zwingend gegen den Stadtherren richtete), mit Bürgermeister und beratenden Rat (mit dem Rathaus als Verwaltungs- und Repräsentationsort), wobei die Wahlverfahren auf einen engen Kreis von Kandidaten aus reichen und einflussreichen Familien beschränkt war.[225] Viele Ratssitze, Amts- und Gerichtsposten wurden daher über Generationen von einem verhältnismäßig kleinen Kreis von reichen Familien besetzt, die durch Handel und Grundbesitz zu Vermögen gelangt waren.[226] In diesem Zusammenhang kam es oft zu Auseinandersetzungen zwischen der städtischen Oberschicht, den Patriziern,[227] und dem aufstrebenden Bürgertum (vor allem aus dem Handwerk und Handel). Mitte des 14. Jahrhunderts drängten so neureiche Familien an die städtische Spitze und verdrängten teils die alten Patriziergeschlechter, um nun selbst an deren Stelle zu treten.[228] Ohnehin ist der Bedeutungsgewinn der Städte einschließlich der Erringung ihrer kommunalen Freiheiten eng mit ihrer steigenden wirtschaftlichen Leistungskraft seit dem Hochmittelalter verknüpft.[229] Handel und Gewerbe verlief im Spätmittelalter maßgeblich über die Städte, wobei die größeren von ihnen freilich dominierten: „Die großen Wirtschaftszentren am äußeren Niederrhein, ferner Köln, Lübeck, Nürnberg, dann auch Regensburg, Augsburg, Wien, Metz, Frankfurt am Main, Dortmund, Hamburg, Erfurt, Breslau und Danzig schufen jeweils hegemonial bestimmte Wirtschaftsräume und Verbindungen sowohl untereinander als auch mit anderen europäischen Handelszentren.“[230] Geld- und Kreditwirtschaft wurden immer wichtiger, mit neuen Gold-Silber-Währungen. In den Zünften war der „Mittelstand“ organisiert, die lebenslange Zunftzugehörigkeit war nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und politisch bedeutsam, sowohl intern (Meister, Geselle, Lehrling) als auch zwischen den diversen Zünften gab es ein Gefälle. Die Zünfte waren für die Organisation städtischer Aufgaben wichtig und die Zunftzugehörigkeit gehörte zur Voraussetzung für das Bürgerrecht.[231]
Älteste gedruckte Ansicht Nürnbergs in der Schedelschen Weltchronik, 1493
Des Weiteren etablierten sich im Laufe der Zeit verschiedene vom Rat beschlossene Stadtrechte bestehend aus königlichen oder landesherrschaftlichen Privilegien und Einzelrechten.[232] Viele Städte schufen nicht eigene Rechte, sondern übernahmen bereits bestehende. So verfasste Jordan von Boizenburg 1270 das sogenannte Ordeelbook, das älteste Stadtrecht Hamburgs; älter war das Lübische Recht und das Magdeburger Recht. Eingetragene Bürger besaßen damit spezielle Rechte und unterlagen der städtischen Gerichtsbarkeit, wie sich auch das Alltagsleben in den befestigten Städten vom ländlichen Alltag unterschied.[233] In diesem Kontext sind die primär in den Städten lebenden und im Wirtschaftsleben eingebundenen Juden als separate Gruppe zu betrachten, die Mitte des 14. Jahrhunderts unter den Pestpogromen zu leiden hatten und auch im 15. Jahrhundert Verfolgungen ausgesetzt waren.[234]
Um 1400 existierten rund 4.000 Städte im deutschen Reichsteil, wovon die allermeisten weniger als 1.000 Einwohner hatten, rund 200 Städte hatten zwischen 2.000 und 10.000 Einwohner.[235] Um 1500 existierten im Reich rund 45 Großstädte mit über 10.000 Einwohnern.[236] Die größte deutsche Stadt war Köln, wo zu Beginn des 14. Jahrhunderts etwa 35.000 bis 40.000 Menschen lebten, während zur gleichen Zeit die großen reichsitalienischen Metropolen Mailand und Florenz um die 100.000 Einwohner hatten.[237] Unter den größeren Städten spielten verschiedene eine wichtige politische Rolle. Aachen war der traditionelle Ort der Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser, während Frankfurt am Main oft Ort der Königswahl war. Karl IV. favorisierte die Reichsstadt Nürnberg, die in seiner Regierungszeit kurzzeitig zu einem kaiserlichen Zentralort wurde. Städte waren ebenso wichtige Bildungszentren, wo im 14. Jahrhundert die ersten Universitäten im deutschen Reichsteil entstanden: 1346 in Prag (durch Karl IV. und vorerst eher bescheiden), dann etwa in Heidelberg (1386), Köln (1388), Erfurt (1392) und später mehreren weiteren Städten, wobei einige Gründungen aber nach wenigen Jahren scheiterten.[238]
Vor allem die größeren Städte bewegten sich in einem politischen Spannungsfeld von Königsmacht und Interessen der umliegenden geistlichen und weltlichen Landesherren.[239] Die Zahl der Reichsstädte nahm im 14. Jahrhundert ab, da im Rahmen der Verpfändungspolitik des Königtums mehrere Reichsstädte faktisch dem Zugriff des Königtums entzogen wurden, wovon einige Landesherren profitierten; andererseits erwarben einige Städte selbst umliegendes Territorium.[240] Ebenso kam es im Spätmittelalter wiederholt zu Konflikten von Städten mit Landesherren, weshalb sich regionale und überregionale städtische Bündnisse[241] bildeten (Rheinischer Städtebund in den 1250er Jahren, Schwäbischer Städtebund im 14. Jahrhundert oder als bekanntestes Beispiel die Hanse), um entweder gemeinsame politische und/oder wirtschaftliche Interessen zu wahren.
Der Ausbau der Landesherrschaften
Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter (um 1400)
Städte spielten in der Politik verschiedener Landesherren eine wichtige Rolle, teils aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, teils als Residenzen und Verwaltungszentren. Gleichzeitig bauten die Landesherren ihre territoriale Verwaltung (Kanzlei, Notariat, Gerichte, Finanzverwaltung und örtliche Amtspersonen) aus und intensivierten so ihre Herrschaft institutionell (Territorialisierung).[242] Oder in den Worten von Peter Moraw: „Die innere Geschichte der deutschen Territorien ist in besonderer Weise die Geschichte der Staatswerdung in Deutschland.“[243] Die Residenzbildung[244] war ein besonders Kennzeichen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Landesherrschaft und sorgte dafür, dass sich Verwaltungsstrukturen und hier besonders die Finanzverwaltung verfestigten.[245] Dies ging mit einer zunehmenden Verschriftlichung der Herrschaftsausübung einher, weshalb die Kanzlei immer wichtiger wurde, was sich in der zunehmenden Anzahl überlieferter Dokumente und Amtsbücher widerspiegelt, wobei nun zunehmend in Städten und nicht mehr in Burgen Urkunden ausgestellt wurden. Die Landesherren stützten sich so in zunehmendem Maße auf lokale Amtsträger, wodurch eine Funktionselite entstand.[246]
Die Finanzen waren der Kern fürstlicher Herrschaft, wobei die Entwicklung in den Territorien, verglichen mit der städtischen Finanzverwaltung (in der die Rechnungslegung bereits verbreitet war), verspätet begann. Neben der Grundherrschaft gewannen im Spätmittelalter Steuern an finanzieller Bedeutung. Bisweilen mussten Landesherren ihre Ansprüche innerhalb ihrer Territorien durchsetzen, so bei der Rücknahme verpfändeter Güter, was zu Konflikten führen konnte, wie die Hildesheimer Stiftsfehde von 1519 exemplarisch zeigt.[247] Im Rahmen der Landesherrschaft waren die Landstände (als ständischen Vertretung) durchaus politische Mitspieler, vor allem ab dem 15. Jahrhundert und hier speziell in Steuerfragen.[248] Neben dem Amtsrecht spielte hier das zweite wichtige Herrschaftsinstrument der Landesherrschaft eine Rolle, das Lehnsrecht, da Landesherrschaft neben einer Konzentration von Rechtstiteln auf diesem als zweiter Säule basierte, insofern es Adelige innerhalb des landesherrlichen Territoriums betraf. In diesem Sinne waren landesherrliche Amts- und Lehnsbindungen eng miteinander verknüpft, wobei lehnsrechtliche Bindungen nun in die neue, einem Strukturwandel unterliegende territoriale Organisationsstruktur einbezogen wurden.[249] Das Verhältnis des Landesherren und den Landständen konnte stark variieren, ebenso wie die landständische Erscheinungsform: In manchen Regionen trat etwa ein streitlustiger Adel konkurrierend zum Landesherren auf, in anderen Regionen kooperierten die Landstände; viel hing von der Stellung und Durchsetzungsfähigkeit des Landesherren ab. Hinzu kamen abweichende Interessen der verschiedenen Vertreter (die Territorialstädte, der weltliche Adel und Geistlichkeit), ebenso war der Repräsentationsgedanke unterschiedlich ausgeprägt.[250]
Rund ein Sechstel der Landesherrschaften befand sich in geistlicher Hand, an deren Spitze das Oberhaupt nicht dank Erbnachfolge stand und dessen Besitz nach Kirchenrecht auch nicht veräußert werden konnte; in verwaltungstechnischen Fragen hingegen unterschied die weltliche und geistliche Landesherrschaft kaum etwas.[251] In ihrer Entstehung unterschieden sich die diversen Landesherrschaften, im Kern basierte sie auf der „Bündelung von Einzelrechten in der Hand eines Herrn [...] Jedes Rechtebündel enthielt mehrere der teils eigenrechtlichen, teils vom Königtum abgeleiteten Bestandteile“.[252] Es ist daher eher irreführend, selbst für das Spätmittelalter den Begriff Territorialstaat zu verwenden, da Herrschaft in diesem Kontext immer noch stark auf personale Bindungen basierte.[253] Entstehung und Entfaltung der Landesherrschaft beruhte aber nicht allein auf einer rechtlichen Grundlage, vielmehr spielten politisch-militärische Erfolge bei der Durchsetzung der Landesherrschaft eine zentrale Rolle.[254] Dies schloss ein expansives Vorgehen gegenüber anderen Landesherren oder Städten ein, ebenso bisweilen Konflikte mit dem Königtum. Denn der fürstliche politische Handlungsspielraum war durchaus begrenzt und speiste sich aus fünf Faktoren: Dem geografischen Raum der Akteure, der Ökonomie, der Familie (primär in den weltlichen Herrschaften), der verfassungsrechtlichen Stellung im Reich und dem jeweiligen Rangbewusstsein.[255] Hinzu kam in den weltlichen Territorien eine dynastische Komponente mit teilweise konkurrierenden Erbansprüche, denn die „maßgebende Triebkraft der Territorialgeschichte war die Dynastie“.[256] Das Aussterben diverser Adelsgeschlechter begünstigte daher den territorialen Ausbau der Landesherren, die ihre Ansprüche durchsetzen konnten.
Codex Balduini Trevirensis: Die Heirat von Johann von Luxemburg mit Elisabeth von Böhmen legte den Grundstein für die luxemburgische Hausmacht im Reich.
Unter den weltlichen Landesherrschaften stechen einige hervor. Die Hausmachtkomplexe der Kurfürsten, die selbst als Landesherren fungierten, waren unterschiedlich groß und bedeutend. Haus Luxemburg verfügte über die ausgedehntesten Gebiete, nachdem Johann von Luxemburg, der Sohn Heinrichs VII., im Sommer 1310 die böhmische Königskrone erlangte. In der nachfolgenden Zeit wurde die luxemburgische Hausmacht stetig erweitert.[257] Die Besitzungen der „kurpfälzischen“ Wittelsbacher waren unbedeutend, während eine andere Linie das Herzogtum Bayern beherrschte, aber nicht über die Kurstimme verfügte.[258] Zeitweise kontrollierten die Wittelsbacher im 14. Jahrhundert auch die Mark Brandenburg und Tirol, bevor weite Teile wieder verlorengingen und es zu Teilungen des bayerischen Herzogtums kam (wie Straubing-Holland, Bayern-Landshut, Bayern-München). Außerhalb der Kurfürsten traten die anderen größeren Landesherren hervor, so neben den Wittelsbachern vor allem die Habsburger, die im späten 13. Jahrhundert Territorien im Südosten gewannen (die habsburgischen Erblande mit Österreich und der Steiermark).[259] In Thüringen und Meißen etablierte sich das Haus Wettin, das seit dem frühen 15. Jahrhundert außerdem das Kurfürstentum Sachsen regierte. Im Nordwesten waren die Besitzungen der Welfen verglichen mit früherer Zeit deutlich verkleinert, aber immer noch ein Faktor.[260] Im Westen war die politische Lage kompliziert, da dort einige Landesherren sowohl dem römisch-deutschen König als auch dem französischen König für Teile ihrer Territorien huldigen mussten (Doppelvasallität,[261] wie das Herzogtum Bar); das Phänomen tritt aber auch woanders im Reich teils auf.[262] Bedeutsam waren etwa das Herzogtum Lothringen und das Herzogtum Brabant, im Südwesten auch die Grafschaft Württemberg. Der Norden und Nordosten (wie das Herzogtum Pommern[263]) galten als königsferne Gebiete,[264] wo die Landesherren kaum königliche Einmischung befürchten mussten. Einen ausführlichen Überblick zu den diversen weltlichen und geistlichen Akteuren bietet die Datenbank der Forschungsstelle Residenzenforschung (Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen).[265]
Ländliche Gesellschaft
Der Monat Februar im Stundenbuch des Herzogs von Berry mit der Darstellung des Landlebens.
Im Spätmittelalter lebte, trotz der Zunahme der städtischen Bevölkerung, die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen auf dem Land, in kleineren Siedlungen und Dörfern.[266] Wenngleich die wirtschaftliche Bedeutung der Städte stetig zunahm, nahm die Agrarproduktion immer noch den wichtigsten Platz im Wirtschaftsleben ein. Allerdings spielte sich ebenso ein gravierender sozioökonomischer Wandlungsprozesse ab: Das so lange dominierende System der Grundherrschaft[267] mit einem zentralen Fronhof (Villikation)[268] zerfiel bereits im 11. Jahrhundert; dieser Prozess setzte sich in ganz Europa bis ins beginnende Spätmittelalter fort und führte dazu, dass die großen Güter in kleinere Höfe zerfielen.[269] Dies führte zu Veränderungen für den Bauernstand und die Agrarwirtschaft.[270] Bei der Grundherrschaft handelte es sich prinzipiell nicht nur um ein Wirtschafts-, sondern auch um ein Herrschaftsverhältnis, also um eine sozioökonomische Organisationsform. In diesem System der Agrarverfassung waren die landnehmenden Bauern gegenüber den Landeigentümern unterprivilegiert; Bauern wehrten sich mit Dienst- und Abgabenverweigerung oder drohender Abwanderung, teils wurden kaiserliche und/oder örtliche Schiedsgerichte angerufen.[271] Im Rahmen der neuen Form der Grundherrschaft bewirtschafteten Bauern oft selbstständig die verkleinerten Höfe für die Grundherren und leisteten dafür eine Grundrente in Natural- oder Geldleistungen.[272] Der zur Verfügung gestellte Grund wurde nun also von ihnen in eigener Verantwortung bearbeitet und wirtschaftlich für eine bestimmte Abgabe genutzt, war aber nicht ihr Eigentum. In diesem Sinne änderte sich zunächst nur die Bewirtschaftungsform, nicht das grundlegende Besitzverhältnis, das sich im Urbar widerspiegelte; eine der wichtigsten spätmittelalterlichen Quellen stellt in diesem Zusammenhang das Landbuch Karls IV. dar.
„Pauker von Niklashausen“ in der Schedelschen Weltchronik, 1493
Im Laufe der Zeit verbesserte sich aber die Stellung der Bauern, da die Leih- oder Pachtabgaben zunehmend in festen Beträgen geleistet wurden, was sich zuungunsten des Grundherren auswirken konnte, und des Weiteren Bauern teils über Untereigentum am bebauten Land verfügen konnten.[273] Denn die Zeitleihe entwickelte sich zu einer „Bodenvergabe mit Zwischen- und Sonderformen von der Besitzübertragung gegen Abgaben bis hin zu regelrechten Pachtformen mit unterschiedlichen Laufzeiten“.[274] Dies schuf neue Rechtsformen, die Sozial- und Wirtschaftsstruktur lockerte sich auf, da Menschen leichter dorthin abwandern konnten, wo sich ihnen neue Chancen boten (Peter Moraw nannte dies einen „sozialen Markt für Menschen“).[275] Die Stellung der zuvor meist unfreien Bauern verbesserte sich so, wenngleich an der Wende zur Neuzeit ihre Rechte von Grundherren wieder beschnitten wurden. Im 15. Jahrhundert ist ein Übergang von (zeitlich begrenzten) Zeit- und Teilpachtverträgen zu Erbpachtverträgen erkennbar.[276] Um 1500 bildete sich dann in weiten Teilen des Reiches die „Rentengrundherrschaft“ heraus, mit der zwingenden Verpflichtungen von Abgabenzahlungen statt Dienstpflichten. In diesem Zusammenhang fand aber oft eine Kopplung eines „guten“ Besitzrechts mit einem „schlechten“ persönlichen Rechtsstatus des Bauern statt, mit teils hoher materieller Belastung der Bauern hinsichtlich der Abgaben.[277] In den Gebieten östlich der Elbe entwickelte sich außerdem das System der Gutsherrschaft, das die Bauern zu zusätzlichen Dienstverpflichtungen zwang und ihre Rechte beschnitt.[278] Dieses Spannungsfeld führte auch zu Bauernaufständen, wovon vor allem der Süden Deutschlands betroffen war, wo sich Gemeindeverfassungen herausgebildet hatten, doch sind die lokalen Bauernunruhen im deutschen Reichsteil quellenmäßig eher schlecht belegt, von vielen wissen wir kaum etwas.[279] Zu den bekannteren Unruhen gehören im 15. Jahrhundert das Auftreten des Paukers von Niklashausen 1476 oder die Bundschuh-Bewegung von 1493; im frühen 16. Jahrhundert brach dann der große Bauernkrieg aus.[280]
Bedeutsam für das ländliche Spätmittelalter ist die sich in einem längeren Prozess stattfindende Ausgestaltung der dörflichen Gemeindeordnung, also der auf dem Lande für Kleinbauern und Tagelöhnern sichtbarsten Form von Herrschaft in einem genossenschaftlichen Gemeindeverband.[281] Dies bestimmte auch das dörfliche Alltagsleben.[282] In den meisten Dörfern dominierte eine meist dünne bäuerliche Oberschicht, die die Dorfgerichtsbarkeit ausübte und oft die größten lokalen Höfe bewirtschaftete. Deren Mitglieder profitierten davon, dass sie amtliche Funktionen für die örtlichen Grund- bzw. Gutsherren ausübten. Ihre größeren Höfe konnten über den Eigenbedarf produzieren, die Waren auf den städtischen Märkten verkaufen (wobei Städte allerdings oft die Preise diktierten) und erzielten so Gewinne. Die Intensität des Handels mit agrarischen Produkten unterschied sich freilich regional und hing nicht zuletzt von den verfügbaren Märkten ab (wichtig waren ebenso Wochen- und Jahrmärkte), nahm aber zwischen ländlicher Region und urbanen Zentren insgesamt zu. Dies trifft auch auf den überregionalen Handel zu, wie etwa mit Getreide.[283] Teilweise wurde der Gewinn der Großbauern als Kredite für kleinere Bauern benutzt und machte diese so finanziell abhängig. Dies führte dazu, dass erfolgreiche Großbauern zwar rechtlich dem niederen Adel untergeordnet waren, dies ökonomisch aber oft nicht der Fall war.[284] Daneben existierte eine relativ breite Bauernschicht, gefolgt von der Masse der Kleinbauern, die um 1300 mehr als die Hälfte der Landbevölkerung ausmachten und sich aus Kleinstelleninhabern, Tagelöhnern und Gesindekräften zusammensetzten, deren Lebensunterhalt sich oft als prekär erwies.[285]
Der Monat Juli im Stundenbuch des Herzogs von Berry mit der Darstellung der Getreideernte.
Im Spätmittelalter dominierte die Dreifelderwirtschaft,[286] was eine Intensivierung der Landwirtschaft ermöglichte. Ackerbau, Nutzungssysteme und Verfahren wandelten sich freilich im Laufe der Zeit.[287] Im römisch-deutschen Reich wurden verschiedene Getreidearten angebaut. In Nord- und Mitteldeutschland sowie Bayern dominierte Roggen, das gutes Mehl zum Backen lieferte und leicht zu lagern war. Es war im deutschen Reichsteil so verbreitet, dass es in Italien als deutsches Korn (grano germano) galt; demgegenüber wurde in Südwestdeutschland stärker Dinkel angebaut.[288] Zur eigenen Versorgung bauten Bauern Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen und Linsen) und Gemüse (wie Kohl, Rüben und Zwiebeln) an, das schließlich auch der steigenden Nachfrage der städtischen Bevölkerung diente.[289] Hinzu kam eine regional unterschiedlich ausgeprägte Viehwirtschaft und Tierhaltung (vor allem Rinder und zur Fleischgewinnung besonders Schweine). Nachdem es vor der Pest eine „Vergetreidung“ der Landwirtschaft gegeben hatte, wurde mit dem anschließenden Bevölkerungsrückgang und den fallenden Getreidepreisen die Viehhaltung wieder lukrativer, wobei Umfang und Intensität schwankten.[290] Die Esskultur im Mittelalter ist ohnehin regional und zeitlich differenziert zu betrachten.
In der gesamten Vormoderne traten immer wieder Hungersnöte und Versorgungsengpässe auf. Im 14. Jahrhundert ereigneten sich ebenso Hungerkrisen, verschlimmernd kamen Seuchen wie die große Pestwelle um 1348 und andere Krankheitswellen hinzu. All dies führte zu einem Rückgang der Bevölkerung, doch sind die Einzelzusammenhänge (Ernährung, Hunger, Krankheiten und Entvölkerung) aufgrund der sehr heterogenen Quellenlage oft unklar; anders als noch die ältere Forschung wird in neuerer Zeit vor voreiligen Herleitungen gewarnt, nur regionale Spezialstudien bieten in diesem Kontext genauere Einblicke.[291] In der Forschung wurden oft strukturelle Probleme betont: So wurde etwa davon ausgegangen, dass die landwirtschaftliche Produktion den Bedarf der steigenden Bevölkerungszahlen nicht mehr adäquat abdecken konnte; es kam zu Getreidemissernten und Viehseuchen, das Resultat war beispielsweise die Hungersnot von 1315–1317. Doch ebenso ist etwa ein Krisenverlauf im 16. Jahrhundert feststellbar.[292] In diesem Zusammenhang sind oft lokale Ereignisse und eine nicht immer befriedigende Quellenlage zu berücksichtigen. Statt der mangelnden Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion wird in neueren Studien dem Klimawandel mehr Gewicht beigemessen, der für das 14. Jahrhundert eindeutig nachweisbar ist und die klimatischen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft negativ beeinflusst hat.[293] So folgte nun der Übergang in die sogenannte Kleine Eiszeit. Hinzu kamen die durchaus nicht unüblichen Wellenbewegungen von diversen, oft lokalen Epidemien,[294] mit dem Schwarzen Tod als der dramatischste Einschnitt und extrem hohen Todeszahlen (siehe oben).
Die sozioökonomischen Folgen der Pest sind hierbei besonders hervorzuheben. Werner Rösener schreibt dazu: „Der Rückgang der Bevölkerung im 14. Jahrhundert ist eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen und der europäischen Geschichte des Spätmittelalters. Die Pestwellen erfaßten die einzelnen Regionen zwar mit unterschiedlicher Intensität, doch wirkten sie insgesamt so nachhaltig, daß sie besonders für die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse tiefgreifende Folgen mit sich brachten.“[295] An dieser Feststellung hat sich in der neueren Forschung nichts geändert, die hohen Todesraten (wenngleich regional in Europa unterschiedlich und bis zu 60 %[296]) führten zu tiefgreifenden Veränderungen in der europäischen Wirtschaft.[297] Arbeitskraft erhielt nun einen erhöhten Wert, während das alte Wirtschaftsmodell der Großgrundbesitzer erschüttert wurde. In England und Frankreich erhöhten sich soziale Spannungen, verstärkt durch den Krieg zwischen beiden Ländern und Steuerdruck, und führten zu zwei großen Bauernaufständen (der Jacquerie in Frankreich 1358 und dem Bauernaufstand von 1381 in England), auf die unten in den Kapiteln zu England und Frankreich näher eingegangen wird.[298]
Ein weiteres Problem stellen die spätmittelalterlichen Wüstungen dar, unfruchtbare oder zerstörte Güter, die in den zeitgenössischen lateinischen Quellen als villa deserta, villa inculta oder ähnlich bezeichnet werden und ungleichmäßig auftraten. Als Ursachen wurden verschiedene Faktoren diskutiert-[299] In der älteren Forschung wurde oft die sogenannte spätmittelalterliche Agrarkrise eng damit verknüpft, es habe sich um eine Produktionskrise als eine Folge der Pest gehandelt, mit einem Rückgang der Getreideproduktion für die geringere Bevölkerungszahl. Dieses Erklärungsmodell wird in der neueren Forschung allerdings skeptischer betrachtet.[300] So wird inzwischen etwa ein Zusammenhang von Klimaschwankungen und Wüstungsbildung hergeleitet. Der wirtschaftliche Ansatz der sogenannten Agrarkrise ist ebenfalls inzwischen umstritten: „Kritik gegen die globalen Entwürfe von Agrardepression und allgemeiner Krise der spätmittelalterlichen Wirtschaft erwuchs vor allem aus regionalen und sektoralen Sonderstudien. Forschungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass die Krisen-Modelle nicht ohne weiteres auf alle Sektoren der Wirtschaft und alle Regionen zu übertragen sind.“[301] Allerdings bietet das ältere Agrarkrisenmodell, das Wilhelm Abel geprägt hat, teils immer noch bedenkenswerte Ansätze, wenngleich diese durch die neueren Umwelt- und Klimaforschungen zu ergänzen seien, so habe man sich unter anderem zu sehr auf die Pestfolgen konzentriert. Die damalige Agrarwirtschaft zeige zwar krisenhafte Züge, diese „Agrardepression“ betreffe aber vor allem den Getreideanbau, nicht etwa Viehzucht oder Weinbau; des Weiteren müsse man stärker das Rahmengeschehen (mit Hungersnöten vor der Pest), Bevölkerungsstruktur und die spätmittelalterliche Konjunkturentwicklung berücksichtigen.[302]
Frankreich
Regnum et Imperium – die deutsch-französischen Beziehungen im Spätmittelalter
Um 1300 gehörten die Gebiete von der Mündung der Schelde über Cambrai, dann die Region etwa entlang der Maas über die Städte Verdun und Toul, das Gebiet der Freigrafschaft Burgund, Savoyen, die Provinzen Lyonnais und Vivarais bis zum Mittelmeer zum römisch-deutschen Reich.[303] Unter den Kapetingern profitierte Frankreich von der Schwächephase des Imperiums und betrieb bereits in der späten Stauferzeit eine Expansionspolitik im romanischen Grenzraum, wobei die Intensität nach dem Tod Friedrichs II. (1250) zunahm.[304] Die Grenze zwischen dem französischen Regnum und dem römisch-deutschen Imperium wies teils strittige Grenzfragen auf, zumal in diesem Raum die Doppelvasallität eine nicht unwichtige Rolle spielte,[305] so dass einige Landesherren für Teile ihrer Gebiete sowohl dem französischen als auch dem römisch-deutschen König verpflichtet waren. Schiedskommissionen sollte auftretende Probleme regeln, da es keine schriftlich exakt fixierte Grenze gab, doch brachen bald kleinere Konflikte aus und Frankreich erhöhte den Druck auf lokale Herren.[306]
Das Königreich Arelat und das Herzogtum Burgund im 12./13. Jahrhundert
Den südlichen Grenzraum bildete das zum Imperium gehörende Königreich Burgund, das aufgrund der Krönungsstadt Arles im Spätmittelalter auch als Arelat bezeichnet wurde. Diese Zugehörigkeit bestand bereits seit dem frühen 11. Jahrhundert, doch war der Einfluss der römisch-deutschen Könige auf diesen Raum traditionell sehr schwach ausgeprägt; im 13. Jahrhundert dann war „die Vorstellung einer Zugehörigkeit dieser Gebiete zum deutschen Reich nicht völlig verschwunden, aber das war dann auch schon alles“.[307] Gerade deshalb konzentrierte sich die französische Expansionspolitik besonders auf diesen Raum,[308] so dass sich bereits Rudolf von Habsburg dem entgegenstellte und militärisch in Savoyen und Burgund intervenierte.[309] Tatsächlich ist auch bei den anschließenden Königen von Adolf von Nassau über Albrecht I. bis Heinrich VII. zu erkennen, dass gerade die rheinischen Kurfürsten vom König ein politisches Engagement erwarteten; Adolf von Nassau enttäuschte ebenso wie Albrecht, letzterer lehnte sich sogar stark an den mächtigen französischen König Philipp IV. an. Heinrich VII. hingegen, der vor seiner Königswahl exzellente Kontakte zum Königshof von Paris pflegte, erwies sich als römisch-deutscher König als Gegner Philipps IV. und erzielte durchaus kleinere Erfolge.[310] Als Protest gegen die Besetzung Lyons 1310 (die Stadt gehörte formal zum Imperium) brach er die Kontakte mit Philipp ab und bezichtigte ihn des Länderraubs. Sein Nachfolger Ludwig IV. schwankte nach Ausbruch des Hundertjährigen Krieges 1337 in einer Schaukelpolitik zwischen England und Frankreich.
König Karl V. von Frankreich (Mitte) empfängt Kaiser Karl IV. (links) und dessen Sohn König Wenzel (rechts). Miniatur von Jean Fouquet, Grandes Chroniques de France, 15. Jahrhundert.
Heinrichs Enkel Karl IV. unterhielt gute Kontakte zu Paris, wo er einen guten Teil seiner Jugend verbracht hatte. Ende 1377 reiste er sogar zum französischen König Karl. V., seinem Neffen, der ihn Anfang 1378 herzlich empfing.[311] 1365 hatte sich Karl IV. in Arles auch zum König von Burgund krönen lassen, was im Mittelalter ein sehr seltenes Ereignis war. Dennoch stellte sich der Kaiser dem weiterhin bestehenden Druck nicht entgegen, im Gegenteil: Nachdem er Karl V. im Dezember 1356 bereits die Dauphiné übergeben hatte[312] (dieser war damals noch Kronprinz und darauf beruht die Bezeichnung der französischen Thronerben als Dauphin), bestellte er nun den französischen Prinzen und späteren König Karl VI. zum Reichsvikar über das Arelat.[313] Hintergrund dafür war der Wunsch des Kaisers nach französischer Unterstützung für die Machtansprüche seines Hauses in Polen und Ungarn.[314] Formal wurde der Dauphin zum Lehnsmann des Kaisers,[315] doch faktisch gab Karl IV. die Region aus dynastischen Interessen an Frankreich preis, wobei jedoch Savoyen bereits 1361 aus dem Arelat herausgelöst und somit nicht betroffen war. Im Kern erkannte Karl IV. damit den Verlust des Arelats an Frankreich an. Wenzel und Karl VI. trafen sich 1398, um die Beendigung des Schismas zu besprechen.[316]
Sigismund unterhielt insgesamt gute Kontakte zum Hof von Paris, da er die expansive Politik des Hauses Burgund als gemeinsame Bedrohung betrachtete und ihm sehr daran gelegen war, das Kirchenschisma zu beenden, wozu er sowohl Frankreich als auch England einbinden wollte.[317] Allerdings kam es zeitweise zu einer engeren Anlehnung Sigismunds an England (mit dem Bündnis im Vertrag von Canterbury (1416)), da sich das Verhältnis Sigismunds zum französischen König Karl VI. erheblich verschlechtert hatte, was aber weitgehend folgenlos blieb.[318] 1434 wurde dann ein Bündnis zwischen Sigismund und Karl VII. von Frankreich abgeschlossen, das sich vor allem gegen Burgund richtete, allerdings verständigten sich Karl VII. und Burgund nur ein Jahr später.[319] Friedrich III. wiederum erwog ein Zusammenwirken mit dem Hause Burgund, doch vermied er eine Konfrontation mit Frankreich; die expansive Territorialpolitik Burgunds bedrohte wiederum weiterhin Reichsrechte und stellte somit ein Problem dar. Zu militärischen Konfrontationen mit Frankreich kam es dann nach 1477, als Friedrichs Sohn Maximilian das burgundische Erbe antrat,[320] was zum habsburgisch-französischen Antagonismus in der Frühen Neuzeit führte.[321]
So kam es am Ausgang des Spätmittelalters zu ernsthaften militärischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Imperium, die sich vor allem aus dynastischen Interessen speisten, keineswegs aber aus früher oft unterstellten „nationalen Gegensätzen“ (Deutsch-französische Erbfeindschaft). Dennoch bestanden sicherlich teilweise gegenseitige Ressentiments, die aggressive französische Expansionspolitik verletzte objektiv Reichsrechte und führte daher zu einer entsprechenden Gegenreaktion.[322] Hierbei spielten die jeweiligen Selbstverständnisse eine Rolle, dennoch stellt Jean-Marie Moeglin fest: „In dem großen dynastischen Konflikt der Häuser von Österreich und Frankreich, der sich Ende des 15. Jahrhunderts abzeichnete, waren die nationalen Gegensätze noch lediglich ein Vorwand, der von den Fürsten beliebig vorgebracht wurde, wann immer ihre dynastischen Interessen es erforderten, und der fallen gelassen wurde, sobald dies nicht mehr der Fall war.“[323] Die wirtschaftliche und kulturelle Verflechtung gerade im Grenzraum beider Reiche war im Spätmittelalter aber hoch und blieb davon weitgehend unangetastet, ebenso wie gerade die französische Hofkultur wirkungsmächtig war.[324]
Frankreichs Aufstieg zur europäischen Großmacht unter den späten Kapetingern
Das Königreich Frankreich entwickelte sich im 13. Jahrhundert zur bedeutendsten politischen Kraft in Westeuropa.[325] Im Inneren begann in dem bevölkerungsreichsten Land Europas unter den Kapetingern der Ausbau zu einer „nationalen Monarchie“, mit einem stark ausgeprägten monarchischen Selbstbewusstsein (rex Christianissimus) und gestützt auf eine funktionierende Reichsverwaltung mit regionalen Amtsträgern (siehe unten).[326]
Ludwig IX., einer der bedeutendsten französischen Könige des Mittelalters,[327] baute die königliche Zentralgewalt aus, indem er das Pariser Hofgericht etablierte und somit ein zentrales Herrschaftsinstrument zur überregionalen rechtlichen Durchdringung schuf. Sein außenpolitischer Handlungsbereich war ebenso beachtlich wie sein Ansehen, doch starb er 1270 während des 6. Kreuzzugs. In der Regierungszeit seines Sohns und Nachfolgers Philipps III. begann der französische Druck im Grenzraum zum Imperium zu steigen. Im Inneren setzte er die Zentralisierung der Königsgewalt fort und erweiterte die Krondomäne. Er führte ebenso einen Konflikt mit Aragon (Aragonesischer Kreuzzug), in dessen Verlauf der König 1285 verstarb. Sein Onkel Karl von Anjou intervenierte in Unteritalien, riss dort die Königsherrschaft an sich, verlor aber 1282 infolge eines Aufstands die Herrschaft über Sizilien; doch regierte fortan bis ins frühe 15. Jahrhundert das Haus Anjou im Königreich Neapel.
Grabbüste Philipps IV. des Schönen
Von 1285 bis 1314 regierte in Frankreich Philipp IV., genannt „der Schöne“.[328] Er war ein sehr machtbewusster Herrscher, der die zentrale Königsmacht stärkte und ausbaute. Er trieb die Expansionspolitik im Grenzraum voran, was zu Konflikten mit dem Imperium führte, doch blieb die französische Einflussnahme hoch, so dass sogar eine französische Kandidatur für die römisch-deutsche Königswürde nicht unmöglich schien, wie ein gescheiterter Wahlvorstoß 1308 zeigte.[329] Philipp versuchte die Kaiserkrönung Heinrichs VII. 1312 vergeblich zu verhindern und generell das Imperium zu schwächen. Gleichzeitig war Philipps Politik sehr kostspielig. So kam es in Flandern zu langen und blutigen Auseinandersetzungen um die Lehnshoheit über dieses Gebiet mit Graf Guido, wobei 1302 ein französisches Ritterheer in der Sporenschlacht unterlag und man 1305 nur einen mühsamen Kompromissfrieden schließen konnte. Von 1294 bis 1297 kam es des Weiteren ebenfalls wegen Lehnsfragen hinsichtlich der englischen Kontinentalbesitzungen in Südwestfrankreich (der Guyenne) zum Konflikt mit dem englischen König Eduard I. (siehe siehe unten). Eduard wurde wegen Rechtsbrüche seiner Amtsträger 1293 vorgeladen. Philipp nutzte hierbei explizit seine Position als Lehnsherr und damit oberste Autorität in Rechtsfragen, um gegen einen mächtigen Lehnsnehmer vorzugehen.[330] Es kam 1294 bis 1297/98 zum Krieg und zu einer anschließenden formalen Verständigung, wobei aber Spannungen bestehen blieben. Mit Bonifatius VIII. kam es dann zu Beginn des 14. Jahrhunderts aufgrund der Besteuerung des französischen Klerus durch Philipp zum Zerwürfnis. Bonifatius erließ die berühmte päpstliche Bulle Unam Sanctam, worin der absolute Führungsanspruch des Papsttums auch in weltlichen Fragen postuliert wurde, wogegen sich Gelehrte wie Aegidius Romanus argumentativ wehrten. Philipp reagierte radikal und ließ den Papst zeitweilig festnehmen (Attentat von Anagni 1303), was eine tiefe Demütigung für das Papsttum an sich darstellte. Seit 1309 residierte Papst Clemens V. in Avignon, der dem französischen Druck schließlich erlag.[331] Dies war der Beginn des sogenannten Avignonesischen Papsttums, eine Zeit, in welcher der französische Einfluss an der Kurie dominierend war. Bereits 1306 hatte Philipp massenhaft Juden ausweisen und ihr Vermögen beschlagnahmen lassen, 1307 begann der berüchtigte Templerprozess, der 1312 mit der endgültigen Zerschlagung des Ordens endete, wovon der französische König finanziell ebenfalls profitierte. Juristisch geschulte Berater (Legisten) spielten eine wichtige Rolle bei Philipps Bemühungen zur Intensivierung der Königsherrschaft, darunter besonders Pierre Flote, Guillaume de Nogaret, Enguerrand de Marigny und Guillaume de Plaisians.
Frankreich im Zeitalter des Hundertjährigen Krieges
Bald nach dem Tod Philipps IV. 1314 brach eine schwerwiegende Nachfolgekrise aus. Seine Söhne Ludwig X. und Philipp V. regierten nur kurze Zeit, es kam zu Probleme im Inneren und der Konflikt mit Flandern flammte wieder auf. Mit Karl IV. regierte von 1322 bis 1328 der letzte männliche Kapetinger. Nach seinem Tod folgte ihm Philipp VI. aus dem Haus Valois nach, einer Seitenlinie der Kapetinger.[332]
Unter anderem aufgrund konkurrierender Thronansprüche des englischen Königs Eduard III. Plantagenet begann 1337 der bis 1453 andauernde Hundertjährige Krieg, der überaus wechselhaft verlief und brutal geführt wurde.[333] Die Bedeutung dieses Konflikts für die spätmittelalterliche Geschichte Europas steht außer Frage. Die zahlreichen ausgedehnten Feldzüge und regionalen Begleitkonflikte verheerten nicht nur weite Teile Frankreichs, mit teils hohen Opferzahlen und materiellen Zerstörungen, der Konflikt betraf ebenso benachbarte Reiche. Im militärischen (wie der Einsatz primitiver Kanonen) und administrativen Bereich gab er aber ebenso Modernisierungsimpulse. Es handelte sich hierbei allerdings weniger um einen Konflikt zwischen zwei Staaten, sondern zwischen zwei Lehnsverbänden. Das englische Königshaus Plantagenet schuldete dem französischen König seit dem Vertrag von Paris (1259) die Lehnstreue für die kontinentalen Besitzungen, die Guyenne, was immer wieder für Konfliktstoff sorgte (siehe unten). Eduard III. machte seine Abstammung mütterlicherseits von den Kapetingern geltend, nachdem er Philipp VI. noch 1329 scheinbar formal als König anerkannt hatte. Dennoch war der englische Thronanspruch nicht der allein entscheidende Kriegsgrund, vielmehr spielten mehrere Faktoren (wirtschaftliche wie politische) eine Rolle.[334] 1337 entflammte der Konflikt, nachdem Eduard in Flandern intervenierte, wo die Engländer Interessen hatten und diese Region als Aufmarschgebiet nutzen wollten. Philipp VI. zog die Guyenne, die wirtschaftlich bedeutsam für die Engländer war, daraufhin als Lehen ein. 1338 setzte Eduard auf den Kontinent über und erklärte sich Anfang 1340 offen zum König von Frankreich.
Buchmalerei in den Chroniques des Jean Froissart zur Schlacht von Crécy. Die Chroniken Froissarts stellen eine zentrale Quelle für den ersten Teil des Krieges dar.
Man kann den Krieg in verschiedene Phasen einteilen.[335] In den ersten Kriegsjahren bis etwa 1360 wurden die englischen Truppen insgesamt besser geführt und errangen beachtliche Erfolge, so im August 1346 in der Schlacht bei Crécy, in der die Franzosen vernichtend geschlagen wurden. Hier standen sich zum ersten und einzigen Mal während des Hundertjährigen Krieges beide Könige persönlich im Feld gegenüber. Denn obwohl im weiteren Verlauf mehrmals Könige an der Spitze ihrer Heere standen (was das mittelalterliche Königsideal des „Königs als Krieger“ reflektiert), wurden riskante Schlachten nicht unbedingt gesucht.[336] Die Schlacht von Crécy stellt die einzige Königsschlacht in diesem Konflikt dar, wobei Philipp VI. anscheinend taktisch versagte, was sich in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung widerspiegelt.[337] Die Kämpfe hörten damit aber nicht auf und wurden immer wieder von Waffenstillstandsphasen unterbrochen. Ein zentrales Problem stellte nun und in der folgenden Zeit die Finanzierung des Krieges dar, weshalb etwa 1341 eine wichtige Salzsteuer eingeführt wurde.[338] Nach dem Tod Philipps VI. 1350 folgte ihm sein Sohn Johann II. nach und erbte den Konflikt, wobei seine Position im Inneren schwächer gewesen zu sein scheint als die seines Vaters.[339] Er geriet in der Schlacht von Poitiers (1356) in englische Gefangenschaft, was eine extreme Demütigung Frankreichs darstellte und weitreichende politische Folgen hatte. 1360 kam es im Friede von Brétigny zu einer Regelung, wobei Frankreich auf weite Gebiete im Westen und Norden verzichtete, nachdem es Eduard III. zuvor aber auch nicht gelungen war, Paris zu erobern.[340] Johann kam 1364 frei, starb aber kurz darauf.
Frankreich nach dem Vertrag von Brétigny 1360 (blau: von der französischen Krone kontrolliert, rot: englische Eroberungen, rosa: von Frankreich an England im Vertrag abgetretene Gebiete).
Sein Sohn Karl V. hatte es als Kronprinz mit aufmüpfigen Generalstände zu tun gehabt,[341] deren Vertreter die Chance sahen, ein stärkeres Mitspracherecht einzufordern und die hohe Steuerbelastung aufgrund des Krieges anprangerten. Karl konnte sich schließlich Ende 1357 durchsetzen, doch brach 1358 zudem ein großer Bauernaufstand aus, die sogenannte Jacquerie.[342] Der lokale Aufstand weitete sich bald auf Teile Nordfrankreichs aus, war aber wenig organisiert und wurde noch im selben Jahr brutal niedergeschlagen. Hinzu kamen die Folgen der großen Pest. Der Frieden mit England erwies sich derweil als brüchig und verschaffte beiden Seiten nur Atempausen, wobei sich Karl V. nie mit den englischen Forderungen abgefunden hatte. „Karl der Weise“ setzte innenpolitisch auf die Festigung der Königsmacht.[343] So erhöhte er den Steuerdruck und führte die königliche Zentralisierung trotz Widerstände fort. Die Einnahmen des französischen Königs in dieser Zeit waren enorm und ermöglichten die Mobilisierung erheblicher Ressourcen, was sich nicht zuletzt militärisch bemerkbar machte.[344]
1369 brach der Krieg erneut aus und leitete eine Phase ein, die etwa bis 1399 andauern sollte.[345] Beide Seiten intervenierten zudem für jeweils unterschiedliche Seiten auch in Kastilien, wo es zu Thronkämpfen gekommen war. In Frankreich waren die Franzosen nun erfolgreicher gegen die Engländer, die im Südwesten immer mehr in die Defensive gerieten, Anfang der 1370er Jahre herrschte im Prinzip eine Pattsituation.[346] Bei den Kämpfen in Frankreich hatte sich Edward of Woodstock, ein Sohn Eduards III., wiederholt ausgezeichnet, er starb aber 1376, ein Jahr vor seinem Vater. Der neue englische König, Richard II., war noch nicht volljährig. Die militärische Situation hatte sich zudem nicht gebessert: Bertrand du Guesclin hatte weite Teile Frankreichs von der englischen Besatzung befreit, wenngleich das Land unter den Jahren der Kriegsführung, Steuerbelastung und marodierenden Söldnern gelitten hatte. Nach 1380 entsandten die Engländer für mehrere Jahre keine größere Streitmacht mehr auf den Kontinent. In Flandern erstickten die Franzosen zudem 1382 einen aufkeimenden Aufstand. Eine vorübergehende Waffenruhe zwischen Frankreich und England wurde 1389 beschlossen, im März 1396 folgte ein mehrjähriger Waffenstillstand. Denn Frankreich war trotz der militärischen Erfolge erschöpft. Die Finanzkraft der französischen Monarchie war in dieser Zeit ungebrochen hoch, auch weil die Kämpfe abebbten; gleichzeitig nahm der Einfluss der Generalstände in dieser Zeit ab.[347] Dennoch wurde Frankreich bald im Inneren von schweren Machtkämpfen erschüttert.
Die Schlacht von Azincourt in einer zeitgenössischen Darstellung.
Seit 1380 regierte in Frankreich Karl VI., der bis 1422 formal herrschen sollte.[348] Da er aber noch minderjährig König wurde, kam es zur Regierung der Herzöge. 1388 übernahm Karl selbst die Regierung, doch litt er unter einer Geisteskrankheit, so dass er ab 1392 nicht mehr eigenständig regierte. Nun konkurrierten Philipp von Burgund und Ludwig von Valois um die Macht.[349] Das Haus Burgund, eigentlich eine Nebenlinie des Hauses Valois, betrieb eine eigenständige Politik und erweiterte seine (überaus reichen und im Norden stark urbanisierten) Besitzungen stetig.[350] Philipps Sohn, Johann Ohnefurcht, hatte einen regelrechten Hass auf Ludwig entwickelt und ließ ihn 1407 ermorden, womit er aber zu weit gegangen war.[351] Die Folge war der Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons, also zwischen den ehemaligen Anhängern Ludwigs und dem Hause Burgund, was fatale Folgen haben sollte.[352]
1415 nutzte der junge englische König Heinrich V. die Lage in Frankreich aus und erneuerte seine Ansprüche auf den französischen Thron. Er sollte geradezu märchenhafte Erfolge feiern,[353] 1415 wurde zu einem „Jahr des Ruhms“.[354] Am 25. Oktober 1415 vernichteten die Engländer ein zahlenmäßig überlegenes französisches Heer in der Schlacht von Azincourt; die Schlacht selbst wurde ein Mythos für die Engländer und ein Albtraum für die Franzosen.[355] Der organisierte Widerstand brach weitgehend zusammen, Heinrich fiel die französische Krone nun fast kampflos zu. Am französischen Königshof waren die Armagnaken im Machtkampf mit den Burgundern unterlegen. Johann von Burgund wurde aber 1419 in eine Falle gelockt und ermordet. Drahtzieher dieser Tat war der französische Kronprinz Karl, der vom Königshof nach Bourges floh und weiterhin gegen die Engländer und die Burgunder stand. Im Vertrag von Troyes wurde 1420 festgelegt, dass Heinrich (der Katharina, die Tochter Karls VI., heiratete) dem geisteskranken König Karl VI. nachfolgen sollte, so dass England und Frankreich in einer Personalunion verbunden wurden, womit der Dauphin Karl übergangen wurde. Heinrich V. starb aber bereits 1422, nur wenige Wochen später folgte ihm Karl VI. Heinrichs Sohn war noch ein Baby, der Thronkampf entbrannte so erneut.
Die territoriale Situation unter Karl VII. im Jahre 1429
Territorien kontrolliert durch Philipp III. (Burgund)
Territorien kontrolliert durch Heinrich VI.
Territorien kontrolliert durch Karl VII.
Wichtige Plätze kriegerischer Auseinandersetzung
Den Vertrag von Troyes hatte maßgeblich Philipp von Burgund vorangetrieben, der Sohn des ermordeten Burgunderherzogs Johann, der 1420 ein Bündnis mit England schloss. Gegen die burgundische Partei stand nun der Dauphin, der seinen Anspruch nicht aufgab und als Karl VII. den Kampf fortsetzte.[356] Dies leitete die letzte Phase des Hundertjährigen Krieges ein.[357] Frankreich hatte nun zwei Könige, wobei Karl ungekrönt war und nicht einmal Paris kontrollierte, wo die weiterhin bestehende anglo-burgundische Koalition die Regierung führte und auch militärisch überlegen blieb. Er war zwar nicht ganz ohne Verbündete, wobei verschiedene Adelige sich ihm anschlossen und seine Schwiegermutter Jolanthe von Aragón einflussreich war. Gleichzeitig war aber seine Legitimation problematisch, außerdem gab es Machtkämpfe an seinem Hof. In Frankreich regierte derweil als englischer Statthalter John of Lancaster, 1. Duke of Bedford, wobei die anglo-burgundische Koalition erste Risse zeigte. Philipp von Burgund gefiel es nicht, dass er Bedford untergeordnet war, zudem konkurrierten englische und burgundische Handelsinteressen (englische Wolle und burgundische Tuchproduktion in den Niederlanden). 1428/29 begann eine englische Offensive, die zur Belagerung von Orléans führte. Das Erscheinen der Jeanne d’Arc (Johanna von Orleans) wendete den Kriegsverlauf dann unerwartet zugunsten Frankreichs.[358] Die sehr junge Bauerntochter sprach davon, ein Instrument des göttlichen Willens zu sein und inspirierte die französischen Truppen. Johanna selbst wurde zu einem Mythos, doch für Zeitgenossen waren göttliche Wundererscheinungen durchaus vorstellbar. Die Franzosen siegten 1429 über die Engländer, Karl zog im Juli zur Königssalbung nach Reims ein. Der Vertrag von Arras (1435) beendete die Feindschaft mit dem Herzog von Burgund, die anglo-burgundische Allianz war zerbrochen, wenngleich Karl den Burgundern Zugeständnisse machen musste.[359] Bereits zuvor war allerdings Johanna, die 1430 in Gefangenschaft geraten war, an die Engländer ausgeliefert und 1431 hingerichtet worden. Die Engländer waren aber bereits endgültig in die Defensive gedrängt. 1436 fiel Paris an Karl, der die alte Hauptstadt mied; er wurde zum ersten der sogenannten Loire-Könige, die außerhalb residierten. Bis 1453 verloren die Engländer alle Festlandsbesitzungen, ausgenommen den Stützpunkt Calais.
1438 wurden die Rechte der Krone gegenüber der Kirche durch ein Gesetz festgeschrieben („Pragmatische Sanktion“), durch die sogenannten Ordonnanzkompanien wurde 1439/45 die Grundlage für ein stehendes Heer geschaffen. Widerstand gegen die (erneute) Festigung der Zentralgewalt wurde niedergeschlagen.[360] Aus Finanznot musste Karl wieder das Mittel der Generalstände nutzen, doch besserte sich die Finanzlage im Laufe der Zeit.[361] Am Ende seiner Regierungszeit waren die Engländer vertrieben, die Finanzen weitgehend saniert und der König verfügte über ein stehendes Heer; zwar bestanden immer noch Spannungen, da einflussreiche Adelsgruppen weiterhin konkurrierten, das Fundament der Monarchie war aber stabil.[362] Karl VII. regierte noch bis 1461, wobei gegen Ende seiner Herrschaft wieder Spannungen mit Burgund auftraten. Diese sollten sich unter seinem Nachfolger fortsetzen und verschärfen.
Das Ende des Hauses Burgund und der Übergang in die Frühe Neuzeit
Herrschaftsgebiet Karls des Kühnen
Ludwig XI. regierte von 1461 bis 1483.[363] Er musste zu Beginn interne Widerstände von Adel und Klerus überwinden, die die Stärkung der Königsgewalt und Steuerdruck beklagten. So sah sich Ludwig dazu gezwungen, 1468 die Generalstände stärker einzubinden. Mehrmals ging Ludwig in seiner Regierungszeit gegen aufständische Herren vor und zog Adelsgüter ein, womit er die Königsmacht weiter festigte und zentralisierte. Dabei handelte der König nicht selten skrupellos, gleichzeitig erkannte er die Bedeutung der Wirtschaft und der Finanzpolitik. Am bedrohlichsten erwies sich für Ludwig die Stellung des Hauses Burgund. Karl der Kühne, Herzog von Burgund, herrschte über ein territorial zwar zersplittertes, aber aufgrund des Tuchgewerbes und des Fernhandels überaus wohlhabendes und bevölkerungsreiches Gebiet, mit einem vergleichsweise hohen Urbanisierungsgrad speziell in den burgundischen Niederlanden.[364] Die Finanzkraft und die prächtige Hofkultur des burgundischen Staates, der sowohl Besitzungen in Frankreich als auch im römisch-deutschen Reich umfasste, waren in ganz Europa bekannt. Karl der Kühne verfolgte ehrgeizige Ziele, die auf die Erlangung einer burgundischen Königskrone zuliefen und damit die Autorität des französischen Königs gefährdeten. Wie oben bereits beschrieben scheiterte Karl mit seinen Versuchen, von Kaiser Friedrich III. eine Königskrone zu erhalten, was ihn aber nicht davon abhielt, expansiv tätig zu sein, wovon auch Reichsgebiet betroffen war. So kam Karl in Konflikt mit der Eidgenossenschaft, Reichsstädten und lokalen Herren, die sich bedroht fühlten. In den sogenannten Burgunderkriegen kam es zu einer Reihe von Auseinandersetzungen: Im März 1476 unterlag Karl in der Schlacht bei Grandson und im Juni 1476 in der Schlacht bei Murten, am 5. Januar 1477 fiel der Herzog dann in der Schlacht bei Nancy.[365] Ludwig XI. hatte beständig und mit allen verfügbaren Mitteln gegen Karl gearbeitet, unterstützt von dem in seine Dienste übergelaufenen Philippe de Commynes, der zuvor ein Berater Karls gewesen war. Der Tod Karls befreite Ludwig von einem gefährlichen Widersacher und eröffnete der französischen Monarchie die Möglichkeit, die Besitzungen des Hauses Burgunds einzuziehen, da dieses nun in männlicher Linie erloschen war. Der Erbfolgekrieg mit dem Hause Habsburg zog sich noch über Jahre hin.[366] Im Frieden von Arras (1482) sicherte sich Frankreich aber bedeutende Teile des burgundischen Erbes, wenngleich Habsburg weiterhin über die wohl reichsten Gebiete verfügte und einige Fragen offen blieben.
Nach dem Tod Ludwigs rechneten vor allem Vertreter der Generalstände, die Anfang 1484 zusammentraten, mit seiner Politik ab, prangerten Steuerdruck und königliche Zentralisierung an; einige Adelige hofften, wieder Vorrechte zu erlangen. Doch die Vertreter des Königtums, die für den minderjährigen Thronfolger Karl zunächst die Regierungsgeschäfte führten, setzten sich durch.[367] Karl VIII. (1483 bis 1498) erbte ein wohlhabendes Land, erwies sich aber als eher schwacher König.[368] Er verleibte der Krone die Bretagne ein und führte den Konflikt mit den Habsburgern bezüglich Burgund fort, der im Vertrag von Senlis (1493) vorerst beendet werden konnte. Nach dem Tod Ferdinands von Neapel 1494 nutzte Karl die Gelegenheit, um Erbansprüche auf das Königreich Neapel geltend zu machen, wo einst das Haus Anjou regiert hatte. Er begann noch im gleichen Jahr eine Invasion Italiens.[369] Der Italienfeldzug 1494/95 scheiterte aber schließlich, Neapel ging wieder verloren, wobei sich die sogenannte Heilige Liga zur Abwehr der Franzosen gebildet hatte. Vor allem aber destabilisierte die französische Intervention die politischen Verhältnisse in Italien nachhaltig und war der Beginn der sogenannten Italienischen Kriege, in die sich auch das Haus Habsburg einmischte und die noch bis ins frühe 16. Jahrhundert andauern sollten.[370] Damit war die ambitionierte Außenpolitik Karls gescheitert, innenpolitisch war die Lage finanziell nun angespannt, zumal Seuchen im Land grassierten. Mit seinem Tod im April 1498 wird in der Regel das Ende des französischen Mittelalters verknüpft.
Die innere Entwicklung: Vom Königsstaat zur Königsnation
Die Quellenüberlieferung erlaubt hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung nur ungefähre Vorstellungen. Sicher ist, dass Frankreich im Spätmittelalter das bevölkerungsreichste Land Europas war. Im frühen 14. Jahrhundert hatte das Königreich geschätzt zwischen 19 und 22 Millionen,[371] bzw. in den heutigen Grenzen rund 20 Millionen zum Zeitpunkt des Pestausbruchs.[372] Die Pest erreichte Frankreich Ende 1347 über die Häfen am Mittelmeer (einem wichtigen Handelsknotenpunkt) und verbreitete sich anschließend 1348 wie ein Lauffeuer über die Handelsrouten im ganzen Land.[373] Neueren Studien zufolge mag die Todesrate bis zu 60 % betragen haben.[374] Jedenfalls ist auch bei geringeren Todeszahlen von einem erheblichen Bevölkerungsrückgang in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auszugehen, hinzu kamen Verluste durch den Krieg mit England.[375] Eine Folge des Bevölkerungsrückgangs war, dass Arbeitskraft nun einen höheren Wert besaß;[376] dies stellt eine Parallele zur Entwicklung in England dar. Ab Ende des 15. Jahrhunderts nahm dann die Bevölkerung in der Folgezeit stetig zu.[377]
Niederschlagung des Jacquerieaufstands von 1358; Buchmalerei (15. Jh.)
Die Folgen des Hundertjährigen Krieges, Klimaverschlechterung, Seuchen und Begleitfolgen belasteten die Wirtschaft vor allem im 14. Jahrhundert. Hinzu kamen soziale Spannungen,[378] die sich 1358 in einem großen Bauernaufstand entluden, der Jacquerie.[379] Hintergrund waren nicht nur die Folgen der Pest, sondern die schlechten Rahmenverhältnisse. 1356 war König Johann II. in englische Gefangenschaft geraten, anschließend stieg der Druck auf den Dauphin Karl (den späteren französischen König Karl V.), Reformen durchzuführen. Im Herbst 1357 kam es zu einem Aufstand in Paris unter Führung des Marktvorstehers Étienne Marcel. Ende Mai 1358 brach dann im Beauvaisis ein Bauernaufstand gegen die adeligen Grundherren aus, der sich ausweitete und mehrere Adelige das Leben kostete, einige Herrenhäuser und Burgen wurden zerstört. Der Aufstand war jedoch keine reine Bewegung der Ärmsten, die Auswertung der (weitgehend parteiisch gegen die Aufständischen gefärbten) Quellen belegt vielmehr, dass sich auch durchaus mittlere soziale Gruppen daran beteiligten.[380] Der Aufstand wurde kurz darauf im Juni 1358 blutig niedergeschlagen, nach der Ermordung Marcels wenige Wochen später wurde in Paris ebenfalls die alte Ordnung wiederhergestellt. Die Aufstände hatten sich dabei nicht gegen die Krone gerichtet, sondern resultierten in erster Linie aus bestehenden Missständen, wobei es enge Bindungen zwischen der Revolte in Paris und dem Aufstand der Jacquerie im ländlichen Raum gab.
Im Hinblick auf die Wirtschaftskraft waren Landwirtschaft (mit dem neben Weizen als Hauptgetreide wichtigen Weinanbau vor allem im Süden), Gewerbe und Handel bedeutsam. Die wirtschaftliche Erholung im 15. Jahrhundert verlief regional unterschiedlich und begann dort früher, wo es zu keinen Kampfhandlungen mehr kam.[381] Wein war das wichtigste Exportgut, im 15. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Textilhandels erheblich zu. Städte und lokale Messen spielten hierbei eine zunehmend größere Rolle.[382] Des Weiteren gewann der Seehandel im Mittelmeerraum an Bedeutung. Jacques Cœur wurde zum Sinnbild der wirtschaftlichen Erholung im 15. Jahrhundert (so lieh er selbst dem König große Summen Geld), wenngleich sein Fall dramatisch war.
Frankreich überstand Mitte des 14. Jahrhunderts und dann im frühen 15. Jahrhundert schwere Krisenphasen: Die englische Bedrohung von außen, marodierende Söldner, Machtkämpfe am Hof, die Folgen der Pest mit hohen Todesraten, Bauernaufstände und wirtschaftliche Probleme. Frankreich entwickelte sich, wie Heribert Müller meinte, im 15. Jahrhundert von einem Königsstaat zu einer Königsnation. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände und um 1420 schien England als der große Sieger aus dem blutigen Kämpfen um den französischen Thron hervorgegangen zu sein. Doch die nachfolgende Entwicklung bewies, dass der spätmittelalterliche französische Staat, um 1420 reduziert auf ein Rumpfreich im Süden mit einem ungekrönten König, keineswegs hilflos war. Das Jahr 1429 und die folgenden Ereignisse zeigten vor allem die Integrationskraft der französischen Königsidee, wobei sich der Monarch auf die weiterhin funktionierenden Verwaltungsstrukturen stützen konnte: „Eine gelehrte Elite propagierte in jenen Jahren der Not einen einheitsstiftenden Königsmythos, der ein in breiteren Kreisen offensichtlich schon vorhandenes Gemeinschaftsgefühl, einen royalistisch getönten Patriotismus ansprach – der Staat hatte eben die Grundlagen der Nation gelegt.“[383] Kulturell wurde das Französische als Schriftsprache gestärkt, es trat auch in gelehrten Kreisen, in der Jurisprudenz und in der Verwaltung zunehmend an die Stelle des Lateinischen. 1437 wurde Jean Chartier von Karl VII. beauftragt, die Grandes Chroniques de France fortzuführen, eine ganz den Zielen der Monarchie dienende Hofgeschichtsschreibung.
Diese „nationale Monarchie“ (wenngleich kein Nationalstaat) baute auf einem administrativen Fundament der späten Kapetingerzeit auf, in der das Königtum Verwaltung, Justiz und Finanzen (mit Rechnungskammer) ausgebaut und auf den Königshof in Paris zentriert hatte. Vor allem das Hofgericht, das Parlement de Paris, entwickelte sich vom obersten Adelsgericht zur höchsten Rechts- und Appellationsinstanz,[384] wobei der König tonangebend war, während der königliche Rat als Beratungsgremium diente. Ebenso wurde die Krondomäne ausgebaut und der sakrale Charakter des Königtums betont (rex Christianissimus). Das Land war in administrative Distrikte unterteilt, die von Baillis (im Norden) und Sénéchaux (im Süden) verwaltet wurden. Die vom König eingesetzten lokalen Amtsträger sorgten für die Durchsetzung von Erlassen und waren für die Steuereintreibung (wie die taille und Sondersteuern) zuständig. Gerichtsurteile und Berichte der Rechnungskammer wurden seit dem frühen 14. Jahrhundert archiviert und waren somit nachprüfbar. Die durch die Ordonnanz von Vivier-en-Brie 1320 neu geregelte Chambre des comptes überwachte die Verwaltung der beachtlichen Krongüter, während die Kanzlei (Chancellerie) den notwendigen Schriftverkehr regelte. Der französische König verfügte so in der späten Kapetingerzeit über vergleichsweise große Ressourcen und Herrschaftsinstrumente zur Durchsetzung seiner Politik.[385] Die Rolle der Generalstände schwankte, doch verhinderten sie nicht die königliche Herrschaftsverdichtung.[386] So hatten Vertreter der États généraux (die nur sehr unregelmäßig zusammentraten) keine wirkliche Teilhabe an der Reichspolitik, sondern waren nur in die Zustimmung zu Steuerfragen eingebunden, woraus sich aber kein Gegengewicht zur Königsmacht entwickelte.
Wichtig waren die Gerichte (Parlements, die nicht als Ständevertretungen missverstanden werden dürfen, da es sich nicht um gesetzgebende Institutionen handelte); neben dem Pariser Hofgericht wurden im 15. und 16. Jahrhundert auch lokale Gerichtshöfe in den Provinzen eingerichtet.[387] Rechtsprechung diente im Kontext der königlichen Verdichtungspolitik als ein zentrales Herrschaftsmittel. Philipp IV. beispielsweise nutzte die Funktion der obersten Appellationsgerichtsbarkeit als Instrument, um gegen Lehnsnehmer vorzugehen, so gegen den Grafen Guido von Flandern oder 1293/94 gegen den englischen König Eduard (siehe oben), der Lehnsmann des französischen Königs für die Guyenne war. Philipp brach damit das Feudalsystem auf und beanspruchte die souveräne Herrschaft über das gesamte Reich.[388]
Provinzen Frankreichs (1477)
Die Valoiskönige knüpften an das kapetingische Königsideal nahtlos an.[389] Sie profitierten ebenso von den vergleichsweise gut funktionierenden Strukturen, wobei sie die Steuern, wie oben beschrieben, sogar noch in Kriegszeiten erhöhen (was zur Kriegsfinanzierung entscheidend war). Dazu gehören die gabelle (die wichtige Salzsteuer), Import-/Exportzölle und weitere Sonderabgaben, die im 14. Jahrhundert aufgrund der Kriegsfinanzierung notwendig wurden. Alles in allem verfügten die Valoiskönige im Vergleich zu den englischen und besonders zu den römisch-deutschen Herrschern über weitaus mehr mobilisierbare finanzielle Ressourcen. Ebenso wurden adelige Rechte beschnitten und wenn nötig sogar Lehen eingezogen. Die Durchsetzung der Lehnshoheit war hierbei ein zentraler Aspekt der Königsherrschaft, die königlichen Besitzungen wurden so fortlaufend erweitert. Das spätmittelalterliche Königtum der Valoiszeit erwies sich trotz zeitweiser Krisen als insgesamt gefestigt, die staatlichen Strukturen und verfügbaren Herrschaftsinstrumente grundsätzlich als (in Anbetracht der Zeitumstände) effektiv. Lokale Unruhen und Widerstände des Adels gegen die zentralisierte Königsmacht wurden überwunden.[390] Unter Karl VII. hatten dann qualifizierte Räte, Beamte und Diplomaten Anteil daran, Verwaltung und Finanzen funktionsfähig zu halten, die Autorität des Königtums wieder zu stärken und den Königsstaat zu festigen, wobei die Macht des Adels weitgehend eingedämmt war (mit Ausnahme Burgunds, was Ende des 15. Jahrhunderts geschah). Wirtschaft und Bevölkerung wuchsen wieder, es entwickelte sich der frühmoderne französische Staat der Renaissancezeit.[391]
England
England im Spätmittelalter: Insulare und kontinentale Politik
Festlandsbesitzungen der englischen Könige in Frankreich (rot) am Ende des Hochmittelalters.
Bereits die geographische Lage als Teil der Britische Inseln hat die geschichtliche Entwicklung Englands maßgeblich beeinflusst.[392] Die spätmittelalterlichen englischen Könige handelten einerseits innerhalb des heutigen Englands, andererseits agierten sie politisch aber auch gegenüber dem Königreich Schottland, in Irland (wo die anglonormannische Eroberung ihren Höhepunkt längst überschritten hatte) und Wales[393] (den „keltischen Reichen“) sowie nicht zuletzt auf dem Kontinent. Seit der normannischen Eroberung 1066 waren England und der Kontinent viel enger als zuvor miteinander verknüpft, auch die folgenden Könige aus dem Hause Anjou-Plantagenet waren kulturell stark französisch geprägt; erst Eduard III. sprach ein gutes Englisch, nachdem zuvor Französisch die Hofsprache war.[394] Des Weiteren bestanden enge dynastisch-politische Beziehungen, zumal die englischen Könige über Besitzungen in Frankreich verfügten, wofür sie dem französischen König die Lehnstreue schuldeten, was für Konflikte sorgte (siehe unten). Im Inneren erfolgte im Spätmittelalter aber eine Anglisierung des Herrschaftsraums, was schließlich (ähnlich wie in Frankreich) zur Entstehung eines nationalen Königtums führen sollte.[395]
Die Pest, der damit einhergehende Bevölkerungsrückgang und die wirtschaftlichen Folgen führten zu dramatischen Veränderungen im spätmittelalterlichen England, die unten detaillierter ausgeführt werden. Ebenso wird die königliche Verwaltung (die in England vergleichsweise gut ausgebaut war) und die Entwicklung des Parlaments separat genauer geschildert. Grundsätzlich war der König auf das Parlament bei Gesetzgebung und Steuerfragen angewiesen, wobei dort zwei Gruppen vertreten waren, die hochadeligen Lords und der Klerus sowie die Vertreter der Grafschaften und Städte (die Commons). Das Parlament gewann nicht zuletzt aufgrund der Kriege mit Frankreich und des daraus resultierenden erhöhten Finanzbedarfs eine zunehmend größere Bedeutung.
Die eduardische Zeit: 1272 bis 1377
Mit Eduard I.[396] (1272 bis 1307) begann eine Epoche, die vor allem von militärischen Konflikten in England und gegen äußere Feinde gekennzeichnet war und schließlich im Ausbruch des großen Kriegs mit Frankreich 1337 gipfelte.[397] Eduard I. unternahm wiederholt Feldzüge gegen Wales, das der König erst nach harten Kämpfen und der Niederschlagung eines großen Aufstands 1294/95 weitgehend sichern konnte. Zeitgleich mit dem walisischen Aufstand war Eduard, zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt für ihn, auf dem Kontinent von 1294 bis 1297/98 in einen militärischen Konflikt mit Frankreich verwickelt, der sich am Status der englischen Besitzungen in Südwestfrankreich entzündet hatte (siehe unten). Hinzu kam seit 1296 der Krieg mit Schottland, der bis nach seinem Tod andauerte und wechselhaft verlief. Die Lordschaft Irland, der von der englischen Krone gehaltene Besitz auf der Insel Irland, spielte hingegen eine untergeordnete Rolle. Die kostspielige Außenpolitik[398] führte zu einer hohen finanziellen Belastung und einer erhöhten Besteuerungspolitik Eduards, was wiederum im Innern für Widerstand sorgte. Die Folge waren innenpolitische Spannungen (mit dem Höhepunkt im Jahr 1297),[399] wobei das Parlament (das ein zunehmend stärkeres Mitspracherecht in Steuerfragen hatte, siehe unten) insgesamt gestärkt wurde. Die Finanznot Eduards blieb akut, 1307 beliefen sich seine Schulden auf rund 200.000 Pfund.[400] Es handelte sich um eine astronomische Summe im Vergleich zur englischen Wirtschaftskraft; 1284 sollen sich die königlichen Einnahmen auf unter 27.000 Pfund belaufen haben und die gesamte im Umlauf befindliche Geldmenge dürfte bei nicht viel mehr als 1 Million Pfund gelegen haben.[401] Der König hatte sich gezwungen gesehen (wie andere englische Könige nach ihm) zur Kriegsfinanzierung Kredite bei italienischen Bankiers aufzunehmen, was die königlichen Schulden in die Höhe getrieben hatte, aber zumindest eine wirtschaftliche Belastung durch eine allzu drückende Besteuerung vermied. Ansonsten ist eine rege Gesetzgebungstätigkeit des Königs zumindest in den 1270er und 1280er Jahren hervorzuheben,[402] der aber auch 1290 die Ausweisung der Juden verfügte, wovon er selbst profitierte (Schuldentilgung und jüdisches Eigentum, das an die Krone überging).
Eduard wird als König (anders noch als in seiner Prinzenzeit) in den englischen Quellen weitgehend heroisiert, er galt als Verkörperung des Ritterideals.[403] Objektiv betrachtet war seine Außenpolitik eher mäßig erfolgreich, nur in Wales gelangen ihm längerfristige Erfolge, resultierend aus hart geführten Feldzügen. Vor allem in Schottland (wo er freilich negativ betrachtet wird) und teils auch gegenüber Frankreich kam es hingegen zu Rückschlägen.[404] Seine Regierungszeit offenbarte vor allem ein grundlegendes Problem des englischen Königtums im Spätmittelalter: Die finanziellen Ressourcen waren trotz der relativ großen Wirtschaftskapazität des Landes und der effizienten Verwaltung in Anbetracht einer weitgespannten Außen- und Eroberungspolitik nicht ausreichend und bedurften stets der Finanzierung durch neue, nun vom Parlament zu genehmigende Steuern oder Kreditaufnahmen durch Verschuldung.
Eduard II. (Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert)
Eduards Sohn Eduard II.[405] (1307 bis 1327) wird von Michael Prestwich, einem der führenden englischen Forscher für diesen Zeitraum, als schlicht inkompetenter Herrscher bezeichnet.[406] Tatsächlich vollzog sich in seiner Regierungszeit ein Niedergang der Königsmacht, doch dürfte die Beurteilung auch mit einer deutlich positiveren Bewertung seines Vaters und seines Sohns in der englischen Forschung zusammenhängen. Eduards Begünstigung Piers Gavestons, dem der König eng verbunden und vielleicht sogar homoerotisch zugeneigt war,[407] seine trotz der Schuldenlast verschwenderische Hofhaltung und sein weitgehendes Desinteresse an königlichen Verpflichtungen führten zu Konflikten mit mächtigen Adeligen. Gavestons Ermordung 1312 vertiefte die Gräben, während es in der Außenpolitik zu Rückschlägen kam, wie im Krieg gegen Schottland (Niederlage in der Schlacht von Bannockburn 1314) und auch gegenüber Frankreich, wo es wieder zum Konflikt kam. Die finanzielle Lage blieb angespannt, Versuche einer Reform der Fiskalverwaltung hatten nur mäßigen Erfolg. Hugh le Despenser nahm die Rolle des neuen ersten Günstlings Eduards ein, der 1321/22 führend daran beteiligt war, eine Adelsrevolte niederzuschlagen (Despenser War). Darauf folgte die unerbittliche Rache des Königs an seinen innenpolitischen Feinden, begleitet von zahlreichen Hinrichtungen.[408] In der Vita Edwardi Secundi, einer wichtigen Quelle zur Regierungszeit Eduards, wird denn auch an anderer Stelle passend vermerkt, dass es nicht sicher sei, sich gegen den König zu erheben, da das Ergebnis oft unglücklich ist.[409] Die Familie Despenser befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht, doch formierte sich bald erneut Widerstand. Im September 1326 setzte Roger Mortimer, 1. Earl of March, nun offen der Geliebte von Eduards Ehefrau, der französischen Prinzessin Isabelle, nach England über und stellte sich an die Spitze der Opposition.[410] Eduards Herrschaft, die von seinen Gegnern als grausam und ungerecht bezeichnet wurde, brach rasch zusammen. Er wurde entthront und im September 1327 auf Befehl Mortimers und Isabelles ermordet, während an seinen Günstlingen ein Blutbad angerichtet wurde.
Wenngleich Eduard II. weitgehend negativ betrachtet wird, so war er doch auf dem Kontinent an einem Ausgleich mit Frankreich bemüht, um die Kriegs- und Steuerlast zu reduzieren, während seine charakterliche Bewertung durch die oft parteiische Färbung vieler Quellen erschwert wird, denen die wenig kriegerische Gesinnung und der Umgang des Königs missfiel.[411] Trotz mancher Schwächen betont auch Seymour Phillips, der die derzeit grundlegende Biographie des Königs verfasst hat, dass Eduard II. keineswegs ein unfähiger König gewesen sei, vielmehr sei er ein rätselhafter Herrscher. Sein Konflikt mit mächtigen Adelsgruppen, eine zu loyale Günstlingspolitik (speziell gegenüber der Familie Despenser), Charakterschwächen und das Scheitern seiner Außenpolitik gegenüber Frankreich (als es 1323 wieder zu Kämpfen kam, konnte Eduard aufgrund der innenpolitischen Lage in England nicht auf den Kontinent übersetzen) wurde ihm jedoch zum Verhängnis.[412]
Eduard III. mit seinem ältesten Sohn, Eduard Plantagenet (zeitgenössische Buchmalerei).
Eduard III. (1327 bis 1377) gilt in der englischen Forschung als einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters.[413] In seiner Rolle als „Kriegerkönig“ eröffnete er 1337 den bis 1453 andauernden Hundertjährigen Kriegs mit Frankreich, der bereits ausführlich oben geschildert wurde. Kurz zusammengefasst resultierte dieser Konflikt nicht allein aus konkurrierenden Thronansprüchen gegenüber dem neuen französischen Königshaus, dem Haus Valois, sondern basierte auch auf wirtschaftlichen und politischen Erwägungen (wie dem Status der englischen Besitzungen in Südwestfrankreich). Eduard nahm an vielen Kämpfen aktiv teil. Er setzte dabei mehrmals sein Leben aufs Spiel, so im August 1346 in der Schlacht bei Crécy.[414] der einzigen Schlacht in diesem langen und blutigen Konflikt, in dem sich sowohl der englische als auch der französische König im Kampf gegenüberstanden. Wenngleich die Engländer sehr erfolgreich agierten und 1360 weite Teile gerade des südwestlichen Frankreichs besetzt hielten, verliefen die 1369 erneut ausbrechenden Kämpfe sehr viel ungünstiger.[415] Bei Eduards Tod 1377 hatte sich das Blatt weitgehend zugunsten der Franzosen gewendet, wenngleich die Engländer immer noch Teile ihrer Eroberungen halten konnten.
Innenpolitisch konnte Eduard III. erst ab 1330 selbstständig regieren, nachdem zuvor seine Mutter Isabelle und Roger Mortimer die wahre Macht ausgeübt hatten. 1330 ließ Eduard Mortimer hinrichten und verbannte Isabelle.[416] In der Folgezeit zeichnete sich seine Herrschaft durch eine Verzahnung von Innen- und Außenpolitik aus, wobei er in den 1330er Jahren wieder gegen Schottland vorging.[417] Die sozioökonomischen Folgen der 1348 England erreichenden Pest waren dramatisch, die hohen Todeszahlen wurden begleitet von wirtschaftlichen Problemen, auf die unten näher eingegangen wird. Der lange und kostspielige Krieg in Frankreich belastete des Weiteren die Finanzen extrem. Wiederholt musste Eduard im Parlament um weitere Gelder bitten. Durch die Rolle des Parlaments in Steuerfragen wurde vor allem die Bedeutung der Commons (der Vertreter der Grafschaften und Städte im Parlament) in Politik und Gesetzgebung gestärkt. Doch führten die hohen Kosten zu politischen Widerständen; erschwerend kam hinzu, dass Eduard im Alter an Senilität litt, so dass seine Söhne eine zunehmend größere politische Rolle spielten und teils unterschiedliche Positionen bezogen. Die steigende Verärgerung über die königliche Politik gipfelte 1376 im Good Parliament, als besonders Vertreter der Commons ihre Kritik über hohe Steuerlasten und Korruption äußerten, wobei diese Erklärungen vor allem auf Eduards Sohn John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster zielten, der sich immer unbeliebter gemacht hatte.[418] 1377 wurden die Beschlüsse aber rückgängig gemacht und eine Kopfsteuer (poll tax) beschlossen, was schwerwiegende Folgen haben sollte (siehe unten). Demgegenüber war das Verhältnis Eduards zu den adeligen Großen weitgehend unproblematisch.
Eduards lange Regierungszeit, seine durchaus vorhandenen Erfolge und seine persönlichen Eigenschaften haben zu einer überaus positiven Beurteilung des Königs geführt, der in der grundlegenden Biographie Ormrods als „tapferer Held und kriegerischer Monarch“ bezeichnet wird, wenngleich keinesfalls als fehlerfreier Herrscher.[419] Eduard präsentierte sich offenbar bewusst als Vertreter des kriegeradligen Ritterideals, wie seine bereits erwähnten Handlungen im Krieg gegen Frankreich, aber auch gegen Schottland belegen.[420] Eduard war politisch sicherlich trotz einzelner Fehlschläge und Fehleinschätzungen ein erfolgreicher Herrscher. Es gelang ihm, die Königsherrschaft zu stabilisieren, in England selbst einen weitgehenden Frieden herzustellen und auf der außenpolitischen Ebene die Stellung Englands zu stärken.[421] Dies alles war aber begleitet von nicht zu übersehenden inneren Problemen im Bereich Finanzen und Wirtschaft, hinzu kamen die Rückschläge im Krieg gegen Frankreich in den 1370er Jahren. Nach seinem Tod im Juni 1377 trat sein Enkel Richard, der Sohn des berühmten „Schwarzen Prinzen“ Eduard, sehr jung die Nachfolge an und wurde bald schon mit den Folgen der innenpolitischen Krisenerscheinungen konfrontiert.
Vom Ende des Hauses Plantagenet zu den Rosenkriegen: 1377 bis 1485
Porträt Richards in der Westminsterabtei (erstes originales Porträt eines englischen Königs).
Mit Richard II.[422] (1377 bis 1399) beginnt eine Periode der englischen Geschichte, die von einer Krise des Königtums besonders hinsichtlich der legitimen Nachfolgefrage, die in blutigen Thronkämpfen Ende des 15. Jahrhunderts münden sollte, und der letzten Phase des Hundertjährigen Krieges geprägt ist. Der erste Teil dieser Zeit, vom Tod Eduards III. bis 1422, wurde von Thomas Walsingham in dessen Chronik geschildert, die eine zentrale Quelle und eine der bedeutendsten englischen Chroniken des Spätmittelalters darstellt.[423]
Richards Regierungsantritt erfolgte in einer innenpolitisch schwierigen Zeit. Steuerbelastung, die sozioökonomischen Folgen der Pest und der anschließenden Entwicklung (erhöhte Lohnkosten, Verfall von Grundstückspreisen und Preisverfall bei Getreide) führten zu erheblichen Spannungen zwischen Grundherren bzw. Krone auf der einen und der Masse der ländlichen Bevölkerung auf der anderen Seite. Die Einführung einer neuen Kopfsteuer (ursprünglich 1377 beschlossen, dann 1379 und 1381 erneuert und ausgeweitet) zur Finanzierung des Kriegs gegen Frankreich brachte das Fass zum Überlaufen und führte im Mai/Juni 1381 zu einem großen Bauernaufstand, bei dem der junge König erheblichen persönlichen Einsatz zeigte und Respekt erwarb.[424] Der Aufstand wurde niedergeschlagen, es setzte aber eine Entwicklung ein, die zu einer Verbesserung der bäuerlichen Wirtschafts- und Lebensverhältnisse führte (siehe unten). In den folgenden Jahren verschlechterte sich das Verhältnis Richards zum Parlament erheblich. Der Krieg mit Frankreich dauerte weiter an, ohne das ein Ende abzusehen war, verschlang aber weiter erhebliche Mittel. Hinzu kam eine beim Parlament missliebige Günstlingsherrschaft des Königs. 1386 kulminierte die Unzufriedenheit mit Ratgebern und Politik des Königs sowie dem ungünstigen Kriegsverlauf im sogenannten Wonderful Parliament, als Ende 1386 neue Steuerforderungen des Königs mit der Forderung nach politischen Reformen durch das Parlament beantwortet wurden. Die Folge dieser Kraftprobe war nicht nur der Sturz von Richards Kanzler (Michael de la Pole, 1. Earl of Suffolk), sondern auch die Einrichtung eines parlamentarischen Gremiums, das die königliche Politik fortan überprüfen sollte.[425] Aus dieser Demütigung des Königs resultierte der folgende Konflikt Richards mit den sogenannten Lords Appellant, die 1387 siegreich waren und den König faktisch zu einer reinen Symbolfigur degradierten. Ebenso erfolgte die Anklage gegen mehrere Ratgeber des Königs im Rahmen des Merciless Parliament von 1388. Doch Richard gewann ab 1389, nicht zuletzt dank seines Onkels John of Gaunt, wieder an Macht. 1396 erfolgte ein mehrjähriger Waffenstillstand mit Frankreich, wodurch der König im Inneren freie Hand gewann. 1397 rächte er sich erbittert an seinen innenpolitischen Gegnern, so dass seine letzten beiden Regierungsjahre in der Geschichtsschreibung als eine Tyrannenherrschaft dargestellt wurden. 1399 wurde Richard von seinem Verwandten Henry Bolingbroke (der Sohn Johns und von Richard verbannt) gestürzt und im September für offiziell abgesetzt erklärt; er starb unter ungeklärten Umständen Anfang des folgenden Jahres, womit das Haus Plantagenet in direkter Linie erlosch.
Richard förderte die Künste und bewies etwa beim Bauernaufstand persönlichen Mut, der Beginn seiner Herrschaft begann mit guten Erwartungen. Schon Zeitgenossen betrachteten ihn zumindest im Rückblick aber als hochmütig, was seinen tiefen Fall bewirkt habe; dies kommt unter anderem beim Chronisten Adam of Usk deutlich zum Ausdruck.[426] Und wenngleich das Andenken Richards nach seinem Sturz (literarisch durch William Shakespeare in seinem frühen Drama Richard II. verarbeitet) systematisch verdunkelt wurde,[427] so ist doch zu erkennen, dass zumindest das Ende seiner Herrschaft als rechtsbrüchig betrachtet wurde.[428] Er erkannte aber auch, dass der lange Krieg mit Frankreich nun, nachdem Erfolge ausblieben und die finanzielle Belastung anhielt, ein Ende haben musste.[429] Im Konflikt mit dem Parlament spielten nicht zu vereinbarende Gegensätze der königlichen Herrschaftsauffassung auf der einen und die Kompetenzausweitung des Parlaments auf der anderen Seite eine zentrale Rolle.[430] Sein Ende schuf ein schwerwiegendes Legitimationsproblem für das neue Königshaus Lancaster und leitete die Krise des englischen Königtums im 15. Jahrhundert ein.
Die Regierungszeit Heinrichs IV. (1399 bis 1413) wurde von den Umständen seiner Thronbesteigung überschattet.[431] Der Dynastiewechsel warf grundsätzliche Fragen auf, denn der Sohn von John of Gaunt war keineswegs der einzige potentielle Thronkandidat. Zu den problematischen Thronansprüchen kamen weitere Schwierigkeiten, die Heinrich aber überwinden konnte. Dazu gehören die walisische Rebellion von Owain Glyndŵr, die 1405 niedergeschlagene Erhebung des mächtigen Henry Percy, 1. Earl of Northumberland und die Verfolgung der christlichen Splittergruppe der Lollarden. Finanziell litt Heinrich unter ständiger Geldnot und hatte ein nicht spannungsfreies Verhältnis zum Parlament, das von ihm eine gute Regierungsführung unter Bewahrung der parlamentarischen Rechte verlangte. 1406 kam es zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch des Königs, was die weitere Regierungstätigkeit beeinträchtigte. Im „langen Parlament von 1406“ (long Parliament)[432] gewährte das Parlament dem König nach langen Sitzungswochen zwar beantragte Geldmittel, es verlangte und erhielt aber die Zusage, dass sich der König mehr auf Beratung verlassen würde; in diesem Sinne wurde der Kronrat reformiert. Ebenso wurden die Grundlagen für die Erbnachfolge verbindlich geregelt, um eine Nachfolgekrise zu vermeiden.[433] Die letzten Jahre seiner Regierungszeit sind quellenmäßig eher schlecht belegt, doch ist klar, dass die Herrschaft des Hauses Lancaster nicht unumschränkt akzeptiert wurde und Heinrichs Gesundheitszustand die Lage verkomplizierte. Agierte er zu Beginn energisch und auch skrupellos, so verfügte er in den späteren Jahren nicht mehr über die Kraft, das Königsamt auszufüllen, zumal ihm (trotz der schlechten Beurteilung Richards II.) der Makel des Usurpators anhing. Den Frieden mit Frankreich bewahrte er und bei der Ausübung der Herrschaft bemühte er sich wieder stärker um Konsens.[434]
Heinrich V. von England. Anonymes Porträt, spätes 16. oder frühes 17. Jahrhundert. National Portrait Gallery (London)
Heinrich V. bestieg im Jahr 1413 sehr jung den englischen Königsthron. Seine Regierungszeit (1413 bis 1422) sollte einen Höhepunkt im langen Ringen zwischen England und Frankreich markieren, er selbst stieg in der Nachbetrachtung zu einem fast schon legendären englischen „Kriegerkönig“ (warrior king) auf, dessen Bilanz aber objektiv betrachtet (trotz militärisch beeindruckender Leistungen) gemischt ausfällt.[435] Das Verhältnis zu seinem Vater war nicht ohne Spannungen, militärisch tat sich der junge Kronprinz bei der Unterwerfung von Wales hervor. Innenpolitisch versuchte Heinrich V., die zuvor ausgebrochenen internen Konflikte zwischen Königtum und mächtigen Adel zu überwinden, zumal es zu Verschwörungen gegen ihn gekommen war, die er hart unterdrückte, wie er auch gegen die Lollarden vorging. Wohl auch aufgrund der inneren Spannungen nahm er den Krieg gegen Frankreich wieder aktiv auf. Die Situation schien zudem überaus günstig, da Frankreich im Inneren von Machtkämpfen zerrissen wurde (siehe oben). Heinrich landete mit einem Heer von rund 12.000 Mann am 13. August 1415 auf dem Festland. Der Feldzug verlief zunächst schleppend, erst nach harter Belagerung fiel Harfleur. Dennoch wurde 1415 zu „Heinrichs Jahr des Ruhms“, wie es der Historiker Ian Mortimer bezeichnet hat.[436] Am 25. Oktober 1415 vernichteten die Engländer ein zahlenmäßig überlegenes französisches Heer in der Schlacht von Azincourt. Es handelt sich um eine militärgeschichtlich bemerkenswerte Leistung, bei der sich die englischen Langbogenschützen besonders hervorgetan haben. Der Kern der französischen Ritterschaft verblutete in dieser Schlacht, die den Krieg entschieden zu haben schien. Der französische König Karl VI. war praktisch regierungsunfähig und wohl auch kriegsmüde. Heinrich setzte bei den folgenden Verhandlungen durch, dass er nicht nur Karls Tochter Katharina heiraten sollte, im Vertrag von Troyes im Jahr 1420 wurde auch festgelegt, dass Heinrich und nicht Karls Sohn ihm als französischer König nachfolgen sollte. Damit schien England triumphiert zu haben und Heinrich V. sorgte dafür, dass ein idealisiertes Bild von ihm als ruhmreicher Kriegerkönig verbreitet wurde. In Wahrheit war der Krieg aber keineswegs beendet, denn Karls Sohn setzte den Kampf gegen die Engländer fort, die sich wiederum mit dem Haus Burgund verbündeten, das im Machtkampf mit dem französischen Königshaus stand und für die nächsten Jahre die anglo-französische Personalunion stützte. Der völlig unerwartete Tod Heinrichs, dem kurz darauf auch Karl VI. folgte, sorgte jedoch für ein erneutes Aufflammen der Kämpfe. Heinrich V. selbst wurde in der zeitgenössischen und späteren englischen Geschichtsschreibung sehr positiv bewertet und sogar überhöht geschildert; die französische Seite lobte persönliche Tugenden, rügte aber sein oft sehr hartes Agieren.[437] Der von ihm erneut und ohne triftigen Grund begonnene Krieg sollte jedenfalls nicht mit einem englischen Sieg, sondern 1453 mit dem fast vollständigen Rückzug vom Kontinent enden und stellte eine hohe Belastung für das Königreich dar. Die folgenden Jahrzehnte sollten geprägt sein von einer politischen Krise in England, die in blutige Thronkämpfe mündete.
England und der Kontinent: Die auswärtige Politik der englischen Könige
Die englisch-französischen Beziehungen gestalteten sich vom 12. Jahrhundert bis zum Ausgang des Spätmittelalters als schwierig.[438] Am Ende des Hochmittelalters war das angevinische Reich von Haus Plantagenet zusammengebrochen, nachdem es den französischen Königen gelungen war, die Engländer zunächst militärisch zu schlagen (Schlacht von Bouvines 1214), in der Folgezeit weitere Gebiete zu erobern und schließlich den englischen König Heinrich III. zum Vertrag von Paris (1259) zu zwingen.[439] Der zuvor beachtliche Festlandsbesitz der Plantagenets schmolz damit auf Ländereien im Südwesten dahin, die Guyenne (Gascogne), für die die englischen Könige fortan dem französischen König die Lehnstreue schuldeten. Diese Regelung erwies sich allerdings, wie die Entwicklung bereits Ende des 13. Jahrhunderts zeigte, als nicht langfristig tragfähig. Denn die grundsätzliche Vorstellung, dass der englische König einen anderen Monarchen für zumindest einen Teil seines Herrschaftsraums als übergeordnet anerkennen musste, war problematisch, da so weiterhin französische Interventionen in der Guyenne drohten. Die Guyenne mit dem Hafen von Bourdeaux war für die englischen Könige aufgrund des profitablen Weinhandels von wirtschaftlicher Bedeutung. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden dort 80.000 Tonnen Wein jährlich verschifft, davon mindestens ein Viertel nach England.[440] Wenngleich die englischen Könige selbst die Region kaum besuchten, war sie verwaltungstechnisch direkt der Krone unterstellt (mit einem Seneschall der Gascogne) und stellte außerdem strategisch eine bedeutende Besitzung dar.[441] Der Status der Guyenne bot somit weiterhin Konfliktstoff.[442]
Eduard I. huldigt Philipp IV. Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert
Im Vertrag von Amiens (1279) war noch einmal eine Übereinkunft erzielt worden, doch von 1294 bis 1297/98 kam es aufgrund der steigenden Spannungen zu offenen Kampfhandlungen.[443] Auslöser war ein lokaler Streit, nachdem englische Behörden französische Seeleute festgesetzt hatten, die eigentliche Ursache war aber der Status der Guyenne. Philipp IV. beabsichtigte offenbar, seinen Oberherrschaftsanspruch nun durchzusetzen und damit seine königliche Autorität hervorzuheben, weshalb er den englischen König Eduard I. in dessen Eigenschaft als Lehnsträger im Oktober 1293 vorlud. Die Vorladung offenbarte das grundsätzliche Problem des hierarchischen Verhältnisses zwischen dem König von Frankreich als Lehnsherr und dem englischen König als Lehnsnehmer für die Guyenne. In diesem Zusammenhang beanspruchte Philipp die oberste Rechtsprechung; da Eduards Amtsträger aber Recht gebrochen hatten, nutzte Philipp dies zur Durchsetzung seines Herrschaftsanspruchs.[444] Philipp zog das Lehen schließlich ein und es kam zum Krieg.
In dem folgenden Konflikt, der sich für Eduard als kostspielig erwies, war sogar der römisch-deutsche König Adolf von Nassau involviert, der sich mit Eduard verbündete und dafür Gelder erhielt, aber kaum eingriff.[445] Im Südwesten erfolgte auf erste englische Erfolge 1294 ein starker französischer Gegenschlag mit weiteren Kämpfen in den folgenden Monaten. Flandern sollte den Engländer als Aufmarschgebiet dienen, doch kam ein erhofftes Bündnis zunächst nicht zustande und wurde erst Anfang 1297 abgeschlossen, wobei sich der Graf von Flandern selbst ebenfalls im Konflikt mit Philipp befand.[446] Im August 1297 landete Eduard in Flandern, doch die Lage entwickelte sich ungünstig, so dass beide Könige im Oktober 1297 einen Waffenstillstand schlossen. 1299 heiratete Eduard zwar Philipps Tochter Magarethe und 1303 wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet.[447] Das grundsätzliche Problem im Hinblick auf den Status der Guyenne und der Lehnsoberherrschaft war damit aber immer noch nicht gelöst.
Englisches Wappen, die Löwen mit den französischen Lilien kombiniert (ab 1340)
Dies war einer der Auslöser des Hundertjährigen Krieges von 1337 bis 1453, der bereits oben geschildert wurde.[448] Nach dem Aussterben der Kapetinger in direkter Linie trat das Haus Valois die Nachfolge an. Politische und wirtschaftliche Konflikte führten 1337 zum Kriegsausbruch, wobei der englische König Eduard III. seinen konkurrierenden Thronanspruch erst 1340 offen geltend machte. Der Krieg verlief in mehreren Phasen und wurde immer wieder von Waffenstillständen unterbrochen. Während die Engländer zunächst sehr erfolgreich waren und um 1360 den Südwesten und Teile des Nordens Frankreichs kontrollierten, waren die Franzosen in den Kämpfen der 1370er Jahre siegreich, so dass es 1396 zu einem vorläufigen Ende der Kämpfe kam. 1415 nutzte jedoch Heinrich V. die inneren Konflikte in Frankreich für eine Invasion (siehe ebenfalls die Ausführungen oben). Nach dem grandiosen Sieg in der Schlacht von Azincourt kontrollierten die Engländer im Anschluss an den Vertrag von Troyes einen Großteil des Landes, bevor ab 1429 die Franzosen zum Gegenschlag übergingen. Als dann noch 1435 das (seit 1420 bestehende) Bündnis mit Haus Burgund zerbrach, erwiesen sich die Eroberungen als unhaltbar.[449] England verlor bis 1453 alle Festlandsbesitzungen (einschließlich der Guyenne) und vermochte nur Calais bis 1558 zu behalten.[450] Dies war das faktische Ende der englischen Herrschaft auf dem Kontinent, wenngleich sich noch die Tudorherrscher teils versuchten einzumischen, es blieb aber hier bei vereinzelten und begrenzten Interventionen.[451]
Zwischen England und dem römisch-deutschen Reich bestanden im Spätmittelalter wirtschaftliche Verflechtungen, doch gab es auch immer wieder Versuche einer näheren politischen Zusammenarbeit.[452] Diese fanden vor allem im Kontext der englisch-französischen Auseinandersetzungen statt. Nach dem erwähnten Bündnisplan Eduards I. mit Adolf von Nassau bestand denn auch einige Zeit eine „Reichsferne“ des englischen Königtums, nachdem der Konflikt abgeebbt war. Dies änderte sich in der Regierungszeit Eduards III., der bestrebt war, beim Ausbruch des Hundertjährigen Krieges den römisch-deutschen Kaiser Ludwig IV. und/oder Reichsfürsten für sich zu gewinnen.[453] Dies brachte allerdings nicht den erhofften Erfolg, zumal Ludwig eine Schaukelpolitik betrieb. Karl IV. hingegen war frankreichfreundlich eingestellt, ein dennoch 1348 abgeschlossenes Bündnis zwischen England und dem Reich schloss daher ausdrücklich jede Unterstützung gegen Frankreich aus; im Dezember 1356 verständigten sich sogar der Kaiser und Frankreich in einem Vertrag.[454] Unter Sigismund gab es wieder engere Beziehungen, da der zukünftige Kaiser das Schisma beenden wollte und sein Verhältnis zu Frankreich zeitweise angespannt war. Ein englisch-luxemburgisches Bündnis (Vertrag von Canterbury (1416)) war jedoch nicht von Dauer,[455] in den 1430er Jahren wandte sich Sigismund wieder Frankreich zu.
Innere Entwicklung
Königsherrschaft mit Parlament
Pipe roll von 1194
Zentrum der Königsherrschaft war der Hof in London. Mit der normannischen Eroberung Englands 1066 etablierte sich eine relativ starke königliche Zentralgewalt in England. Dies wurde ermöglicht durch eine verhältnismäßig gute Verwaltungsstruktur mit lokalen Amtsträgern.[456] Eine zentrale Rolle spielte hierbei die schriftliche Verwaltungsführung.[457] Seit dem Doomesday Book (Ende des 11. Jahrhunderts) erfassten die englischen Könige systematisch die Besitzverhältnisse in ihrem Reich, woraus sich die zu entrichtenden Abgaben ergaben.[458] Seit dem 12. Jahrhundert sind die entsprechenden Steuerunterlagen (Pipe Rolls) überliefert, für die zentrale königliche Finanzverwaltung war ab der Zeit Heinrichs I. der Schatzkanzler (Exchequer) zuständig. Seit 1199 wurden in der königlichen Kanzlei ausgestellte Urkunden und Briefe auf Schriftrollen (rolls) protokolliert, beginnend mit den Charter Rolls und kurz darauf gefolgt von Close Rolls und Patent Rolls (siehe Letters Patent).[459] Die vergleichsweise fortgeschrittene pragmatische Schriftlichkeit im administrativen Bereich[460] führte dazu, dass die dokumentarische Quellenlage in England bereits seit dem Hochmittelalter deutlich besser ist als etwa für das römisch-deutsche Reich.[461]
Verwaltungstechnisch war das Land in Grafschaften eingeteilt, wobei der Sheriff als lokaler königlicher Vogt diente und für Steuererhebung, Strafverfolgung und Gerichtsbarkeit zuständig war.[462] Im Spätmittelalter erfolgte eine weitere Verdichtung der Königsherrschaft.[463] Eduard I. sorgte für eine neue Volkszählung, die dann die Grundlage für die sogenannten Hundred Rolls bildete. Im 14. Jahrhundert wandelten sich die Aufgaben der Sheriffs, die einen Teil abgaben, aber vor allem im rechtlichen Bereich verstärkt tätig waren, was eine vermehrte Schriftführung zur Folge hatte. Auf lokaler Ebene genossen sie große Autonomie, hinzu kamen unter anderem Beauftragte für den Einzug heimgefallener Lehen und Friedensrichter.[464] Die Aktenführung, bereits vorher essentiell für die Verwaltungsaufgaben, wurde immer umfangreicher, was sich an den Finanz- und Kanzleiregistern ablesen lässt. Mitte des 14. Jahrhunderts wurden wohl bis zu 50.000 Schriftstücke im Jahr von der königlichen Zentralverwaltung verfasst, wobei sie stets Kopien behielt; dasselbe galt für die Gerichte.[465] Die beiden wichtigsten Behörden am Hof waren der Exchequer (die Behörde war geteilt in zwei Abteilungen) und die Kanzlei (Chancery), wobei der Exchequer auch die Amtsführung der Sheriffs anhand der Akten prüfte und die Kanzlei unverzichtbar für den zwingend notwendigen Schriftverkehr war.[466] Die Calendars der Close Rolls und Patent Rolls, Zusammenfassungen dieser Kanzleiregister in englischer Übersetzung, sind für das 14. und 15. Jahrhundert verfügbar und online weitgehend frei einsehbar.[467] Kirche und Königtum kooperierten in vielfacher Weise, so dass mehrere Bischöfe im königlichen Dienst aktiv waren und der König andererseits die Besetzung von Bischofsämtern beeinflussen konnte.[468]
Ein Original der Magna Carta von 1215 (London, British Library, Cotton MS. Augustus II. 106)
Grundsätzlich war die politische Stellung des Königtums vergleichsweise stark, der König war lehnsrechtlich Herr des gesamten Landes; die mächtigen Barone entwickelten nie ein partikulares Gegengewicht zum König, wie dies bei den Landesherren im römisch-deutschen Reich der Fall war. Seit der Magna Carta von 1215 ergaben sich aber Beschränkungen der königlichen Politik; aus der Curia Regis entwickelte sich im 13. Jahrhundert schrittweise das Parliamentum, das neben Baronen und Kirchenvertretern bald auch Vertreter der Städte und der Grafschaften umfasste, die seit dem frühen 14. Jahrhundert ständig vom König zur Versammlung geladen wurden. Diese Einrichtung darf nicht mit dem heutigen Parlament verwechselt werden, doch nahm die moderne Entwicklung im Spätmittelalter ihren Anfang.[469] Zentrale Bedeutung hatten im Parlament Gesetzgebung, Finanzfragen und Petitionen, die die Grundlage für Gesetzesbeschlüsse bildeten.[470] Dies war der Ort, wo die Gesetzgebung des Königs an die Zustimmung der Vertreter seiner Untertanen geknüpft war, wobei Steuerbewilligung und Mitwirkung an der Gesetzgebung mächtige Hebel waren. Im späten 14. und dann im 15. Jahrhundert waren jährliche Zusammenkünfte die Regel, das Parlament war nun fest in die königliche Herrschaftspraxis eingebunden und wurde speziell im Hinblick auf die Kriegsfinanzierung benötigt, wenn neue Steuern erhoben werden mussten.[471] Dennoch spielte der König bei diesen Zusammenkünften eine wichtige Rolle, ohne ihn konnte kein Parlament tagen und er konnte es auch auflösen. Die Vertretung bestand aus zunächst gemeinsam tagenden Teilen, den Lords, also dem Hochadel und hohen Klerus (in der Zeit um 1400 rund 100 Männer, wovon nicht alle teilnahmen), und den Commons als Vertreter der Grafschaften und Städte.[472] Mitte des 14. Jahrhunderts spaltete sich das Parlament in zwei Kammern auf: Dem House of Lords und dem House of Commons.[473] Bei den Commons rekrutierten sich die Vertreter der Grafschaften (Knights of the Shire) aus einem kleinen Kreis meist gut vernetzter Grundbesitzer, die seit dem späten 14. Jahrhundert auf Versammlungen gewählt wurden; zu den Vertretern der größeren Städte zählten oft reiche Kaufleute. Die Vertreter aus dem Süden überwogen dabei.
Um 1400 dienten die Lords als Hauptansprechpartner des Königs in Fragen der Kriegs- und Außenpolitik, während die Commons im Gesetzgebungsprozess oft die Initiative übernahmen.[474] Das Mitspracherecht des Parlaments bei Steuerfragen engte den fiskalischen Spielraum des Königs empfindlich ein, was sich während des Hundertjährigen Krieges in der gewachsenen politischen Stellung des Parlaments und speziell der Commons ausdrückte.[475] In manchen Situationen konnten die Commons auch ihre Interessen artikulieren, so 1376 (Gutes Parlament), als Geldverschwendung während des Kriegs mit Frankreich angeprangert wurde.[476] Diese Entwicklung führte dazu, dass ab 1406 jedes Finanzgesetz zuerst den Commons vorgelegt werden musste und 1489 ein Gerichtsurteil festlegte, dass nur vom König und beiden Kammern des Parlaments gemeinsam beschlossene Gesetze Gültigkeit hatten.[477] Demgegenüber beriet sich der König mit Vertrauten im Kronrat, dem Council, der auch die Regierungsgeschäfte führte, wenn der König dazu nicht in der Lage war, wie bei Krankheit oder Minderjährigkeit.[478] Die spätmittelalterliche Königsherrschaft unterschied sich durch die veränderten Rahmenbedingungen, wie der Rolle des Parlament, somit deutlich von der etwa im 12. Jahrhundert, ebenso entwickelte sich die Verwaltung weiter.[479]
Die Kompetenzen der königlichen Gerichte wurden stetig erweitert und stärker in Anspruch genommen, was gemeinsam mit der Gesetzgebung eine Verdichtung der Königsmacht bedeutete und für den weiteren staatlichen Entwicklungsprozess Englands bedeutsam war.[480] Die steigende Gerichtstätigkeit führte außerdem zur Entstehung des sogenannten Common Law, der Ableitung bestimmter Rechtsgrundsätze auf Grundlage von Präzedenzfällen königlicher Gerichte. Diese Entwicklung ist neben der Etablierung des Parlaments ein wesentliches Kennzeichen für die Herausbildung einer spezifisch englischen Identität im Spätmittelalter. Geoffrey Chaucer übte kulturell großen Einfluss auf die folgende englisch-höfische Literaturgeschichte im Rahmen der „Anglisierung“ der Gesellschaft aus, nachdem die französische Literatur zuvor dominierendes Vorbild war.[481]
In finanzieller Hinsicht war die Lage des Königs nicht selten angespannt.[482] Der lange Krieg mit Frankreich verschlang Unsummen und die Einkünfte (wie aus Grundbesitz und Regalien) konnten das nicht decken, so dass die spätmittelalterlichen englischen Herrscher oft neue Steuern erheben (wozu, wie bereits erwähnt, das Parlament benötigt wurde) oder Kredite (wie bei italienischen Bankiers) aufnehmen mussten. Die Kreditaufnahme behob zwar das kurzfristige Liquiditätsproblem, führte aber zu einer teils hohen Verschuldung einzelner Herrscher, wie oben das Beispiel Eduards I. zeigt, der seinem Sohn Eduard II. Schulden in Höhe von rund 200.000 Pfund hinterließ[483] – was geschätzt in etwa einem Fünftel der gesamten im Umlauf befindlichen Geldmenge im Königreich entsprochen haben dürfte.[484] Steuern spielten eine immer wichtigere Rolle zur Staatsfinanzierung, hinzu kamen Zölle, die aber den Handel beeinträchtigten, was gerade den wichtigen englischen Wollhandel hart traf.[485]
England nach der Pest: Eine Gesellschaft im Wandel
Schafhaltung, dargestellt im Luttrell-Psalter. Die Schafwirtschaft gewann in England im Anschluss an die Pest, den Verfall des Getreidepreises und der profitableren Weidewirtschaft zunehmend an Bedeutung.
Um 1300 lebten in England rund fünf Millionen Menschen, doch aufgrund der Hungersnot von 1315–1317 und dann vor allem dem Ausbruch der Pest 1348[486] sank diese Zahl dramatisch, ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung starb.[487] Hinzu kamen die klimatische Verschlechterung, weitere Krankheitswellen und wohl ein Geburtenrückgang;[488] am Ende des 14. Jahrhunderts mögen nur noch rund 2,3 Millionen Menschen in England gelebt haben.[489]
Dies hatte zahlreiche sozioökonomische Folgen.[490] Eine davon war, dass die geringere Bevölkerung leichter versorgt werden konnte sowie sich das Arbeits- und Sozialgefüge durch den Bevölkerungsrückgang veränderte.[491] Ein massiver Arbeitskräftemangel setzte ein, der noch bis ins späte 15. Jahrhundert andauern sollte, was steigende Löhne und fallende Preise bewirkte.[492] Anbau und landwirtschaftliche Produktion veränderten sich ebenfalls, so wurde teils Landbewirtschaftung aufgegeben, woanders erfolgte oft der Wechsel hin zur Weidewirtschaft mit Schafen. Mehrere durch die Pest bereits entvölkerte Dörfer wurden aufgegeben, als die verbliebene Bevölkerung sich nach besseren Gelegenheiten umsah.[493] Ebenso eröffneten sich neue Aufstiegschancen, wie bei der Vergabe neuer Kirchenämter, durch Landerwerb (Aufstieg in den niederen Adel) und Handel. Insgesamt stieg die soziale Mobilität,[494] was aber freilich nicht für die meisten Menschen galt.[495] Dennoch konnten sich nun beispielsweise kleinere Bauern durch den Wertverfall von Grundstücken größere Höfe leisten.[496]
William Walworth tötet Wat Tyler vor den Augen des Königs, der anschließend mit den Aufständischen spricht.
Zentrum der Wirtschaftsproduktion im ländlichen Raum waren die grundherrlichen Güter (manors, oft verbunden mit der begrenzten Gerichtshoheit in Zivilangelegenheiten, dem manorial court).[497] Grund und Boden verloren durch die Pestfolgen drastisch an Wert, was die Großgrundbesitzer traf und andererseits den Wert der bäuerlichen Arbeitskraft schlagartig erhöhte; dies galt sowohl für gelernte als auch ungelernte Arbeitskräfte, während gleichzeitig der Getreidepreis fiel.[498] Die Bauern befanden sich damit gegenüber den Lords in einer weitaus besseren Position als zuvor. In der Zeit nach der Pest waren es die gestiegenen Lohnkosten, die für die reichen Grundbesitzer am kostspieligsten waren, nicht etwa geringere Einkünfte.[499] Die königliche Regierung reagierte darauf, als im Statute of Labourers von 1351 unter anderem Preise und Löhne auf den Stand vor Ausbruch der Pest eingefroren wurden.[500] Der in dieser Form erstmalige staatliche Eingriff scheint wenig genutzt zu haben und war aufgrund der knappen Arbeitskräfte nicht realistisch umsetzbar.[501] Ende des 14. Jahrhunderts waren die Löhne trotzdem gestiegen, während die Preise für Agrarprodukte fielen. Die Folge war ein zunehmender Druck der Lords auf die Bauern hinsichtlich von Dienst- und Abgabenpflichten (so eine Bindung der Arbeiter an den Arbeitsort, um Abwanderungen zu verhindern), wogegen diese sich wehrten. Verschlimmernd kam die Geldnot des Königtums aufgrund des Kriegs gegen Frankreich hinzu,[502] weshalb das Parlament eine neue Kopfsteuer (poll tax) genehmigt hatte, was den Steuerdruck erhöhte. Die Spannungen stiegen zusätzlich durch die Verbreitung der sozialrevolutionären Lehren John Wyclifs. Eine lokale Erhebung gegen Steuereintreiber in Essex führte dann am 30. Mai 1381[503] zum großen Bauernaufstand von 1381 (Peasants' Revolt). Der Aufstand, an dem sich nicht nur einfache Bauern, sondern auch Handwerker und andere Gruppen beteiligten, erschütterte das Königreich. Er richtete sich im Kern sowohl gegen die Krone als auch gegen das Verhalten der reichen Grundbesitzer.[504] Die Aufständischen zogen sogar gegen London, wo der sehr junge König Richard II. sich bereit erklärte, zu verhandeln. Bei einer folgenden Unterredung wurde einer der Rebellenführer, ein ehemaliger Soldat namens Wat Tyler, im Juni 1381 im Beisein des Königs getötet. Die Erhebung wurde nun rasch niedergeschlagen, eine neue Kopfsteuer wurde jedoch nicht mehr vom Parlament genehmigt.[505]
Der weiterhin fallende Getreidepreis und die verursachten Kosten sorgten für eine umwälzende Veränderung in der englischen Agrargesellschaft. Viehhaltung erwies sich als kosteneffizienter und die Bewirtschaftung grundherrlicher Güter als zunehmend unprofitabel.[506] Eine Folge des Aufstands und der folgenden Entwicklung war eine Besserstellung der Bauern in der Folgezeit, sowohl in rechtlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht.[507] Statt Dienstpflichten zu leisten wurden sie zu Pächtern mit erhöhter Mobilität, da sie nicht mehr zu Arbeitspflichten an einen Ort gebunden waren. Viele Grundherren gaben die unrentable Eigenbewirtschaftung auf und verpachteten Güter an Bauern, wobei viele Bauern hierbei insgesamt günstiger gestellt wurden und sich ihre Lebensbedingungen verbesserten. Ihre rechtliche Stellung verbesserte sich ebenfalls weiter und im 15. Jahrhundert sind zunehmend wohlhabende Bauernfamilien belegt; die Folge war die Etablierung einer „Bauernaristokratie“ (peasant aristocracy, siehe Yeoman).[508] Die traditionelle Verbindung von Landbesitz und Status wurde so durch die Pest und ihre Folgen aufgebrochen.[509]
Neben der Landwirtschaft war ein Kernelement des Wirtschaftssystems im spätmittelalterlichen England der Export von Wolle (vor allem nach Flandern) und später fertiger Textilwaren auf den Kontinent, wovon vor allem die Londoner Kaufleute profitierten.[510] Dies hing mit der Umstellung auf die Weidewirtschaft mit Schafen zusammen. Es entwickelte sich daneben aber auch ein produzierendes Gewerbe, so dass sich der Schwerpunkt von Wollausfuhren zu fertigen Textilprodukten verschob. Englisches Tuch wurde auf Messen unter anderem von oberdeutschen Kaufleuten viel eingekauft. Eine Störung des Textilhandels konnte so fatale Folgen haben. Daneben wurden nur wenige andere Güter exportiert, wohingegen eine Vielzahl von Waren importiert wurde, darunter nicht zuletzt Wein aus der Guyenne. Eine Schlüsselrolle im Handel spielten die Städte, die weitaus größte Stadt blieb (mit deutlich reduzierter Bevölkerung von zuvor ca. 80.000 Menschen) London.[511] Wenngleich die Urbanisierung zunahm, war das spätmittelalterliche England geprägt von (im europäischen Vergleich) deutlich kleineren Städten.[512] Der Warenaustausch mit dem ländlichen Raum blieb weiterhin ein wichtiger Faktor.
Italien
In Italien profitierten im 13. Jahrhundert lokale Machthaber der Ghibellinen und Guelfen vom Rückgang der Reichsherrschaft. Während die Ghibellinen sich im Regelfall mehr auf den Adel stützten, wies das Guelfentum eine gewisse Nähe zum „Republikanismus“ auf und wurde von der Kirche, Frankreich und den Anjous im Kampf gegen die Herrschaft der römisch-deutschen Könige unterstützt: Im Wortgebrauch der guelfischen Florentiner war „Ghibelline“ etwa synonym mit „Alleinherrscher“. Hauptsächlich dienten die Begriffe aber der Bezeichnung konkurrierender Stadtparteien.
Florenz und Venedig wuchsen durch Finanzgeschäfte und Handel zu mächtigen Stadtrepubliken heran, welche die politischen Hauptakteure in der Toskana und im Norden waren. Die in Florenz seit 1434 vorherrschende Familie der Medici förderte die Künste und wurde dadurch eine Triebkraft der Renaissance. Mit der Rückkehr des Papsttums nach Rom 1378 wurde diese Stadt ein weiteres Mal politische und kulturelle Metropole. Der Italienzug Heinrichs VII. (1310–13) stellte den letzten ernsthaften Versuch dar, den Reichsrechten in Reichsitalien wieder Geltung zu verschaffen, womit Heinrich aber, auch bedingt durch seinen frühen Tod, scheiterte. Ludwig der Bayer und Karl IV. wurden in Italien, von ihren Italienzügen abgesehen, kaum aktiv, während Ruprecht von der Pfalz von Gian Galeazzo Visconti an den Alpen blutig abgeschlagen wurde. Der Frieden von Lodi von 1454 mit der Vollform der italienischen lega universale gilt bereits als Ereignis der Renaissance, der Übergangszeit zur Neuzeit. Politisch war Italien nach dem Neapelfeldzug Karls VIII. erschüttert. Dies markierte den Beginn der sich bis ins 16. Jahrhundert hinziehenden Kriege um die Hegemonie in Italien und das endgültige Ende des Mittelalters in dieser Region.
Iberische Halbinsel
1469 heirateten Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon und bildeten damit das Territorium des modernen Spanien. 1492 wurden die Mauren von Granada vertrieben, die Reconquista (Rückeroberung) war damit abgeschlossen. Portugal hatte während des 15. Jahrhunderts langsam die Küste Afrikas erforscht und 1498 fand Vasco da Gama den Seeweg nach Indien. Die spanischen Herrscher begegneten dieser Herausforderung, indem sie Kolumbus’ Expedition unterstützten, der einen westlichen Seeweg nach Indien suchte. Er entdeckte Amerika im selben Jahr, in dem Granada fiel.
Skandinavien
Nach dem Scheitern der Union zwischen Schweden und Norwegen (1319–1365) wurde 1397 die skandinavische Kalmarer Union gegründet. Die Schweden zögerten, sich an der dänisch dominierten Union zu beteiligen, und traten nach dem Stockholmer Blutbad 1520 aus. Norwegen andererseits verlor seinen Einfluss und blieb mit Dänemark bis 1814 vereinigt. Die norwegische Kolonie auf Grönland ging im 15. Jahrhundert unter, vermutlich aufgrund der sich verschlechternden klimatischen Bedingungen.
Osteuropa
Im Norden bestand die wesentliche Entwicklung jener Jahre im enormen Wachstum des litauischen und dann polnisch-litauischen Königreichs. Weit im Osten verlor die Goldene Horde 1380 die Schlacht auf dem Kulikowo Pole (Schnepfenfeld) und musste die Vorherrschaft des Großfürstentums Moskau als Regionalmacht anerkennen, der auch die niedergehende Kiewer Rus weichen musste. 1480 beendete Iwan der Große nach dem Stehen an der Ugra endgültig die mongolische Herrschaft in Russland und legte die Grundlagen des russischen Nationalstaates.
Südosteuropa
Das Byzantinische Reich hatte Südosteuropa politisch und kulturell über Jahrhunderte dominiert. Von der schweren Niederlage in der Schlacht bei Myriokephalon (1176) und der Eroberung der Hauptstadt durch Kreuzritter im Jahr 1204, die erst 1261 durch Michael VIII. zurückgewonnen werden konnte, hatte sich das Reich allerdings nie ganz erholt, und die Dynastie der Palaiologen vermochte den Niedergang nicht aufzuhalten. Schon vor dem Fall Konstantinopels 1453 war das Reich zu einem tributpflichtigen Vasallen des Osmanischen Reichs herabgesunken, nur noch bestehend aus der Stadt Konstantinopel und einigen griechischen Enklaven. Wiederholte Versuche der byzantinischen Kaiser, durch eine Wiederannäherung an die katholische Kirche (siehe Konzil von Ferrara/Florenz) die Voraussetzung für militärische Hilfeleistungen durch andere christliche Mächte zu schaffen, führten nicht zum erhofften Ergebnis.
Nach dem Fall Konstantinopels standen die von ihm einst beherrschten Teile Südosteuropas fest unter türkischer Kontrolle und blieben es bis zur gescheiterten zweiten türkischen Belagerung Wiens 1683 und der Schlacht am Kahlenberg. Für die Griechen begann eine bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts andauernde Fremdherrschaft, in der nur die orthodoxe Kirche als Bezugspunkt bestehen blieb. Auch die übrigen Balkanländer wie Bosnien, Kroatien, Serbien, Albanien (siehe Skanderbeg) und Bulgarien wurden Teil des Osmanischen Reiches.
Als die Osmanen im Jahr 1453 Konstantinopel eroberten, rief Papst Calixt III. die Christenheit zum Kreuzzug auf. Im christlichen Heer, das im Jahr 1456 eine osmanische Armee in der Schlacht bei Belgrad besiegte, befand sich auch eine große Zahl an Kroaten, die der Franziskaner Johannes von Kapistran anführte. Im Jahr 1519 bezeichnete Papst Leo X. die Kroaten anerkennend als Antemurale Christianitatis (lat. „Bollwerk der Christenheit“, wörtlich „Vormauer“), weil sie gegen die Ausbreitung des Osmanischen Reiches gen Europa Widerstand leisteten. Nachdem das christliche Heer von den Türken in der Schlacht bei Mohács im Jahre 1526 aufgerieben worden war, kam auch das Königreich Ungarn unter osmanische Fremdherrschaft, und die Osmanen bedrohten nunmehr auch das übrige Europa. Das Ergebnis der Verteidigungsbemühungen der Kroaten im 15. Jahrhundert waren 30 Kriegszüge und 70 zerstörte Städte.
Gesellschaft und Wirtschaft
Cosimo de’ Medici begründete den Einfluss seiner Familie.
Das Spätmittelalter war (wie seit dem Frühmittelalter) eine Standesgesellschaft, mit Klerus und Adel an der Spitze, gefolgt von den Bauern und Bürgern. Die Grundherrschaft wandelte sich, doch blieb das Prinzip grundsätzlicher sozialer Ungleichheit (wie auch ansonsten in der vormodernen Gesellschaft Europas) bestehen. Das hierarchisch gegliederte Lehnswesen war weiterhin das bestimmende politisch-gesellschaftliche System und diente der herrschaftlich-rechtlichen Strukturierung.
Im Spätmittelalter nahm die Bedeutung des Fernhandels und der Geldwirtschaft zu. In Oberitalien entstanden die ersten banche, die Stuben der italienischen Geldwechsler und Kreditverleiher, schließlich die großen Handelskompanien – Gesellschaften, die internationalen Handel und Produktion im großen Stil finanzierten, und dafür vom Staat oftmals besondere Privilegien und Monopole erhielten. Die größten Finanziers bezahlten sogar die Kriege der Herrschenden. Familien wie die deutschen Fugger, die italienischen Medici und die de la Poles in England erreichten enorme politische und wirtschaftliche Macht. Der Fernhandel über See (in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeerraum) blühte auf. Vor allem Genua und Venedig verdankten ihren Aufstieg dem blühenden Ost-West-Handel. Neue Fertigungsmethoden verbreiteten sich, vor allem bei Stoffen, Geweben und Metallen.
Die Nachfrage wurde durch die Entstehung von spezialisierten Märkten und Messen angekurbelt. Die Lehnsherren sorgten für einen reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltungen, sie bewahrten den Marktfrieden und erhielten Einnahmen aus Zöllen und Handelssteuern. Besonders bekannt waren die jährlichen Champagnemessen in der französischen Champagne. Händler aus ganz Europa und dem Nahen Osten zogen von Ort zu Ort, kauften und verkauften und schufen ein Handelsnetz bis nach Schottland und Skandinavien. Indem sich die Händler vereinigten, um ihre Waren in größeren Handelszügen sicherer durch die Lande zu transportieren, bekamen sie auch mehr Einfluss, z. B. wenn es darum ging, Preise und billigere Wegezölle zu vereinbaren. Die mächtigste Gemeinschaft von Handelspartnern, die von ähnlichen Interessen geleitet waren, stellte die Hanse dar. Im 15. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Champagnemessen für den Nord-Süd-Handel ab. Stattdessen wurde der Seeweg zwischen Flandern und Italien bevorzugt. Ferner begannen mehr und mehr englische Wollhändler, zum Schaden der niderländischenn Tuchmanufakturen, statt Wolle nun Kleidung zu exportieren. Entscheidend war auch die Behinderung des Handels mit der Levante durch den Wechsel vom Byzantinischen zum Osmanischen Reich. Alternative Handelswege mussten eröffnet werden – um die Südspitze Afrikas herum nach Indien und über den Atlantik nach Amerika.
Diese Veränderungen förderten auch die Gründung und das Wachstum der Städte. Mit dem Aufblühen der Handelsbeziehungen folgte auch bald das Erfordernis neuer Handelsplätze und die Gründung neuer Städte an den Handels- und Transportwegen. Von etwa 1100 bis 1250 verzehnfachte sich die Zahl der Stadtrechte in Europa, eine Entwicklung, die sich im Spätmittelalter zunächst fortsetzte, dann aber durch die demographische Katastrophe infolge der Pest unterbrochen wurde. Städte wie Innsbruck, Frankfurt, Hamburg, Brügge, Gent und Oxford nahmen erst jetzt einen Aufschwung. Eine kleine Stadt zählte meist rund 2500 Einwohner, eine bedeutende Stadt rund 20.000. Heutige Millionenstädte wie London und Genua brachten es auf 50.000 Einwohner. Die größten Metropolen mit etwa 100.000 Einwohnern waren Paris, Venedig und Mailand.
Bildung und Universitäten
Spätmittelalterliche Boëthius-Ausgabe
Im frühen und hohen Mittelalter war elementare Bildung, wie Lesen, Schreiben und Rechnen, nur einem kleinen Kreis von Menschen zugänglich. Die breite Masse des Volkes, selbst der Adel, besaß kaum oder nur sehr geringe Bildung. Lediglich in den Klosterschulen war es möglich, sich Bildung anzueignen, doch nur für jene, die bereit waren, sich dem Dienst im Orden zu verpflichten. Ab etwa dem Jahr 1000 entstanden, parallel zum Aufblühen der Städte, sogenannte Kathedralschulen. Sie bildeten auch Adels- und Bürgersöhne, ja sogar Leibeigene aus, ohne sie dem Ordensleben zu unterwerfen. Die Kathedralschulen, die sich besonders stark in Frankreich entwickelten, beschränkten den Unterrichtsstoff auf die sieben „freien Künste“, deren Erlernen schon im alten Rom für freie Bürger charakteristisch war, das Trivium (Grammatik, Logik, Rhetorik) und das Quadrivium (Arithmetik, Astronomie, Geometrie, Musik). Gelesen wurden nur wenige anerkannte Schriftsteller der Spätantike und des frühen Mittelalters wie Boëthius, Cassiodor oder Isidor von Sevilla.
Mit den Kreuzzügen bekam das christliche Abendland Kontakt zur Geisteswelt des Islams. Viele bildungshungrige Europäer lernten arabische Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie kennen, in den Bibliotheken des Orients lasen sie erstmals die griechischen Klassiker wie Aristoteles (im Mittelalter sehr häufig „der Philosoph“ genannt) im Originaltext. Auch über den islamisch besetzten Teil Spaniens kamen viele Impulse besonders nach Frankreich. Das damals vorbildliche Ausbildungssystem der islamischen Welt wurde bereitwillig aufgenommen. Die Regelungen und Lehrpläne der europäischen Kloster- und Kathedralschulen taten sich mit der Integration der neuen Inhalte schwer.
Obwohl Anfang des 12. Jahrhunderts Petrus Abaelardus als einer der Vorreiter dieser Entwicklung noch kirchlicher Verfolgung besonders durch Bernhard von Clairvaux ausgesetzt war, ließ sich die Entstehung von freien Universitäten nicht mehr verhindern. Mit dem Wachstum der erfolgreichen Handelsmetropolen entstanden ab der Mitte des 13. Jahrhunderts auch die Universitäten: Bologna, Padua, Paris, Orléans, Montpellier, Cambridge und Oxford, um nur einige Gründungen dieser Zeit zu nennen. Schon bald gehörte es für eine reiche Stadt zum guten Ton, bekannte Gelehrte und viele Studenten in ihren Mauern zu beherbergen. Im 14./15. Jahrhundert wurden dann auch in Deutschland erste Universitäten gegründet, darunter Heidelberg, Leipzig und Rostock.
Die frühen Universitäten des Spätmittelalters besaßen keine festen Gebäude oder Vorlesungsräume. Je nach Situation nutzte man öffentliche Räume für Vorlesungen: In Italien waren es oft die Stadtplätze, in Frankreich Kreuzgänge in Kirchen und in England fanden die Vorlesungen nicht selten an Straßenecken statt. Erst später mieteten erfolgreiche Lehrer, die von ihren Studenten direkt je Vorlesung bezahlt wurden, Räumlichkeiten für ihre Vorlesungen. Und bald gab es schon die ersten Studentenunruhen: Auch wenn eine Universität der Stolz einer Stadt war, gab es doch häufig Streitigkeiten mit den in Bünden organisierten Studenten wegen zu hoher Preise für Kost und Logis und Kritik wegen zu viel Schmutz auf den Straßen oder betrügerischer Gastwirte. In Paris gingen die Auseinandersetzungen im Jahr 1229 so weit, dass die Universität nach dem gewaltsamen Tod mehrerer Studenten mit Umsiedlung in eine andere Stadt drohte. Papst Gregor IX. erließ daraufhin eine Bulle, die die Eigenständigkeit der Universität von Paris garantierte. Fortan konnten zunehmend selbst die mächtigen Bürgerschaften den Universitäten keine Vorschriften mehr machen.
Wilhelm von Ockham
Der Philosoph Wilhelm von Ockham, bekannt durch das Prinzip von Ockhams Rasiermesser, und der Nominalismus leiteten das Ende stark theoretischer scholastischer Debatten ein und machten den Weg für empirische und experimentelle Wissenschaft frei. Ockham zufolge sollte sich die Philosophie nur mit Dingen beschäftigen, über die echtes Wissen erreicht werden kann (Prinzip der Sparsamkeit, engl. parsimony). Mittelalterliche Vorläufer der experimentellen Forschung kann man bereits in der Wiederentdeckung des Aristoteles und im Werk Roger Bacons sehen. Besonders kritisch äußert sich über die Scholastiker Nikolaus von Kues. Aus prinzipiellen Gründen wendet er sich auch gegen eine Zentralstellung der Erde und nimmt in diesem Punkt das heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus vorweg.
Kurz vor und nach dem Fall Konstantinopels strömten auch verstärkt byzantinische Gelehrte nach Europa (z. B. Bessarion), wie auch bereits vorher byzantinische Kodizes nach Europa gelangt waren (etwa durch Giovanni Aurispa).
Die meisten technischen Errungenschaften des 14. und 15. Jahrhunderts waren nicht europäischen Ursprungs, sondern stammten aus China oder Arabien. Die umwälzende Wirkung folgte nicht aus den Erfindungen selbst, sondern aus ihrer Verwendung. Schießpulver war den Chinesen schon lange bekannt gewesen, doch erst die Europäer erkannten sein militärisches Potenzial und konnten es zur neuzeitlichen Kolonialisierung und Weltbeherrschung nutzen. In diesem Zusammenhang sind auch die Fortschritte der Navigation wesentlich. Kompass, Astrolabium und Sextant erlaubten gemeinsam mit weiterentwickeltem Schiffbau das Bereisen der Weltmeere. Gutenbergs Druckerpresse machte nicht nur die protestantische Reformation möglich, sondern trug auch zur Verbreitung des Wissens bei und damit zu einer Gesellschaft mit mehr Lesekundigen.
Siehe auch: Philosophie des Mittelalters
Religion
Die in Teilen, aber keineswegs insgesamt herrschende apokalyptische Stimmung führte vielfach zum Wunsch der direkten Gotteserfahrung. Das Bibelstudium vermittelte den Menschen das Bild der einfachen Lebensweise Jesu Christi und der Apostel, ein Vorbild, dem die existierende Kirche nicht gerecht wurde, gerade weil das Papsttum seit 1309 in Avignon (Avignonesisches Papsttum) residierte und sich immer mehr von den Menschen entfernte. Hinzu kam das abendländische Schisma von 1378, welches erst durch den Konziliarismus beendet werden konnte (Konzil von Konstanz). Infolge der Glaubenskrise entstanden vermehrt Bettelorden und apostolische Gemeinden, die sich dem einfachen Leben widmen wollten. Viele davon wurden von der Kirche wegen Ketzerei verfolgt, so beispielsweise die Waldenser, Katharer oder die Brüder und Schwestern des freien Geistes. Im Spätmittelalter traten in ganz Europa aus ähnlichen Gründen Judenverfolgungen auf, viele Juden wanderten nach Ostmitteleuropa aus.
Das Große Abendländische Schisma
→ Hauptartikel: Abendländisches Schisma
Der Papstpalast in Avignon
Seit dem frühen 14. Jahrhundert gelangte das Papsttum zunehmend unter den Einfluss der französischen Krone, bis hin zur Verlagerung seines Sitzes nach Avignon 1309. Als der Papst 1377 beschloss, nach Rom zurückzukehren, wurden in Avignon und Rom unterschiedliche Päpste gewählt, mit dem Resultat des sogenannten Abendländischen Schismas (1378–1417). Die Kirchenspaltung war eine ebenso politische wie religiöse Angelegenheit; während England den römischen Papst unterstützte, stellten sich seine Kriegsgegner Frankreich und Schottland hinter den Papst in Avignon. Italien und insbesondere Rom urteilten in dem Selbstverständnis, der alte Imperiumssitz sei der rechtmäßige Ort für den Sitz der Kirche Jesu Christi. Allerdings waren im Thronkampf von Neapel die älteren Anjou notgedrungen für Avignon, Visconti-Mailand schwankend aufgrund der Beziehungen zu Frankreich.
Auf dem Konzil von Konstanz (1414–1418) wurde das Papsttum wieder in Rom vereinigt. Obgleich die Einheit der Westkirche danach noch hundert Jahre andauerte und obgleich der Heilige Stuhl einen größeren Reichtum anhäufte als jemals zuvor, hatte das Große Schisma doch irreparablen Schaden verursacht. Die inneren Konflikte der Kirche förderten den Antiklerikalismus bei Herrschern und Beherrschten und die Teilung ermöglichte Reformbewegungen mit schließlich einschneidenden Veränderungen.
Reformbewegungen
John Wyclif
→ Hauptartikel: John Wyclif
Obwohl die Westkirche lange gegen häretische Bewegungen gekämpft hatte, entstanden im Spätmittelalter innerkirchliche Reformbestrebungen. Deren erste entwarf der Oxforder Professor John Wyclif in England. Wyclif sprach sich dafür aus, die Bibel als einzige Autorität in religiösen Fragen zu betrachten und lehnte Transsubstantiation, Zölibat und Ablässe ab. Er übersetzte auch die Bibel ins Englische. Obwohl sie einflussreiche Freunde in der englischen Aristokratie hatte, etwa John of Gaunt, wurde Wyclifs Partei, die Lollarden, letztendlich unterdrückt.
Jan Hus
→ Hauptartikel: Jan Hus
Die Lehren des böhmischen Priesters Jan Hus basierten mit wenigen Änderungen auf jenen von John Wyclif. Dennoch hatten seine Anhänger, die Hussiten, viel größere politische Auswirkungen als die Lollarden. Hus sammelte in Böhmen zahlreiche Anhänger und als er 1415 wegen Häresie verbrannt wurde, verursachte dies einen Volksaufstand. Die folgenden Hussitenkriege endeten zwar nicht mit der nationalen oder religiösen Unabhängigkeit Böhmens, aber Kirche und deutscher Einfluss wurden geschwächt.
Martin Luther
→ Hauptartikel: Martin Luther
Porträt Luthers von Lucas Cranach d. Ä.
Die Reformationszeit liegt genaugenommen nicht mehr im Spätmittelalter, doch sie beendete die Einheit der Westkirche, die eines der wichtigsten Merkmale des Mittelalters gewesen war.
Martin Luther, ein deutscher Mönch, löste die Reformation durch seine zahlreiche theologische Fragen betreffende Position aus. Die gesellschaftliche Basis dieser Bewegung setzte sich aus Arbeitern, Studierenden und Jugendlichen zusammen, besonders seine Kritik von Ablasshandel und Bußwesen. Eine wichtige Station dabei war die Verteilung von 95 Thesen an seine dozierenden Kollegen (der Legende nach soll er sie auch an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben). Papst Leo X hatte 1514 für den Bau des neuen Petersdoms den Ablasshandel erneuert. Luther wurde vom Reichstag zu Worms (1521) aufgefordert, seine als Häresie verurteilten Ansichten zu widerrufen. Als er sich weigerte, belegte ihn Karl V. mit der Reichsacht. Unter dem Schutz Friedrichs des Weisen von Sachsen konnte er sich zurückziehen und unter anderem eine vollständige Neuübersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche anfertigen, die 1534 um eine Neuübersetzung des Alten Testaments ergänzt wurde.
Für viele weltliche Fürsten war die Reformation eine willkommene Gelegenheit, ihren Besitz und Einfluss zu vergrößern, auch das städtische Bürgertum und Bauern konnten von ihr profitieren. Gegen die Reformation wendete sich die katholische Gegenreformation. Europa war nun geteilt in den protestantischen Norden und den katholischen Süden, Grundlage der Religionskriege des 16. und 17. Jahrhunderts.
Kultur
Kunst
Spätmittelalterliche Madonna mit Heiligenfiguren (um 1410–1420)
Die bildende Kunst erfuhr im Spätmittelalter eine enorme Weiterentwicklung.
Im frühen 14. Jahrhundert entstanden die Werke Giottos als Vorläufer der Renaissance. In der Malerei spricht man von der nördlichen Renaissance mit Zentrum in den Niederen Landen und der italienischen Renaissance mit Florenz als Angelpunkt. Während die nördliche Kunst mehr auf Muster und Oberflächen gerichtet war, etwa die Gemälde des Jan van Eyck, erforschten italienische Maler auch Bereiche wie Anatomie und Geometrie. Die Entdeckung der Fluchtpunkt-Perspektive (Zentralprojektion), die Brunelleschi zugeschrieben wird, war ein wichtiger Schritt zu optisch realistischen Darstellungen. Die italienische Renaissance erreichte ihren Höhepunkt mit der Kunst Leonardo da Vincis, Michelangelos und Raffaels.
Architektur
Während die gotische Kathedrale in den nordeuropäischen Ländern sehr in Mode blieb, konnte sich dieser Baustil in Italien nie recht durchsetzen. Hier ließen sich die Architekten der Renaissance von klassischen Gebäuden inspirieren, das Meisterwerk dieser Zeit war Filippo Brunelleschis Dom Santa Maria del Fiore in Florenz.
Literatur
→ Hauptartikel: Dichtung des Spätmittelalters
Die wichtigste Entwicklung in der spätmittelalterlichen Literatur war der zunehmende Gebrauch der Volkssprachen gegenüber dem Latein. Beliebt waren Romane, die oft die Legende vom Heiligen Gral zum Thema hatten.
Der Autor, der vor allen anderen die neue Zeit ankündigte, war Dante Alighieri. Seine Göttliche Komödie, in italienischer Sprache geschrieben, beschreibt zwar eine mittelalterlich-religiöse Weltsicht, in der er auch verankert war (siehe Monarchia), bedient sich aber dazu eines Stils, der auf antiken Vorbildern basiert. Andere Förderer des Italienischen waren Francesco Petrarca, dessen Canzoniere als erste moderne Gedichte gelten, und Giovanni Boccaccio mit seinem Decamerone. In England trug Geoffrey Chaucer mit seinen Canterbury Tales dazu bei, Englisch als Literatursprache zu etablieren. Wie Boccaccio beschäftigte sich Chaucer mehr mit dem alltäglichen Leben als mit religiösen oder mythologischen Themen. In Deutschland wurde schließlich Martin Luthers Übersetzung der Bibel zur Basis für die deutsche Schriftsprache.
Quellenlage
Die Quellenlage für das Spätmittelalter ist die beste des gesamten Mittelalters. Vor allem die schriftliche Überlieferungslage erhöht und verbreitert sich seit dem späten 13. Jahrhundert beständig.[513] Noch im 14. Jahrhundert verbessert sie sich und wird durch neue Quellengattungen erweitert,[514] bevor sie dann im 15. Jahrhundert einen neuen Höhepunkt erreicht, wobei der Buchdruck (ab Ende des 15. Jahrhunderts) als positiver Faktor hinzu kommt.[515]
Diese Entwicklung ist von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst und hängt nicht zuletzt mit der Zunahme der Schriftlichkeit und der Aktenführung zusammen. Dies betraf alle politischen Ebenen (Reich, Landesherren, Städte und Kirche samt Erlasse, Urbare, Amtsbücher, Rechtsurteile, Protokolle usw.),[516] wobei zusätzlich wesentlich mehr Urkunden ausgestellt wurden. Diese verbreiterte Überlieferungslage spiegelt sich unter anderem in der Auswertung der modernen Regesten gerade für das 15. Jahrhundert wider.[517] Aber auch im kaufmännischen Sektor wuchs Bedeutung und Umfang der „pragmatischen Schriftlichkeit“,[518] also die Verwendung von Schriftlichkeit zur praktischen Lebensbewältigung, einschließlich Information und Kommunikation. Des Weiteren nahmen Lese- und Schreibfähigkeiten im Verlauf des Spätmittelalters immer weiter zu (Bildung war längst nicht mehr auf die Geistlichkeit beschränkt), die Volkssprachen gewannen an Bedeutung und günstigeres Papier war besser verfügbar.
Die Renaissance und eine vergrößerte Gelehrtenkultur tragen ebenfalls dazu bei, so dass auch im europäischen Kontext die Quellendichte sehr hoch ist. In England beispielsweise ist die königliche Aktenführung (wie Steuerakten und Gerichtsurteile) ohnehin bereits im Hochmittelalter stark ausgeprägt gewesen und stieg im Spätmittelalter an (siehe oben), in Italien wiederum spielt die pragmatische Schriftlichkeit in der Verwaltung der Kommunen frühzeitig ebenfalls eine wichtige Rolle, ebenso wie sich dort die Buchführung entwickelte. Zu den dokumentarischen Quellen aller Art kommen zahlreiche weitere Quellengattungen hinzu. Dazu gehören eine überaus reichhaltige Vielfalt gelehrter Abhandlungen (theologische und philosophische Texte, staatstheoretische Traktate, technische Abhandlungen u. v. m.), zahlreiche erzählende Geschichtsquellen, Gedichte, Epen, Briefe und andere private Texte (wie Tagebücher und Testamente) etc., sowohl in Latein als auch in den diversen Volkssprachen. So ist die spätmittelalterliche Literatur insgesamt deutlich umfangreicher und facettenreicher als zuvor. Eine Darlegung der diversen Autoren würde den Rahmen sprengen. Im Artikeltext werden einige der wichtigsten Namen genannt, es sei aber nachdrücklich auf die hier genannten Forschungs- und Quellenüberblicke[519] sowie die Literaturgeschichten[520] hingewiesen (siehe im Literaturverzeichnis des Artikels). Nützlich ist unter anderem das digitale Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“.[521] Unverzichtbar zur ersten Orientierung bleibt das Lexikon des Mittelalters.
Zentrale Quelleneditionen stellen für das römisch-deutsche Reich unter anderem (neben den diversen MGH-Ausgaben) die Reichstagsakten und Die Chroniken der deutschen Städte dar. Zahlreiches ungedrucktes Material ist in den Regesta Imperii verzeichnet. Auswahl an übersetzten Quellentexten bieten:
Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters (speziell die Bände 33, 36–39, 44, 46 und 50);
Die Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit (speziell ab Band 79; einige Übersetzungen wurden bis heute nicht ersetzt).
Des Weiteren sind zahlreiche nicht-schriftliche Quellen von Bedeutung. Dazu gehören neben Realien aller Art erhaltene Bauwerken, die verschiedensten Kunstwerke, die im Rahmen der kulturellen Belebung der Renaissance erheblich zunehmen (wie beispielsweise Skulpturen und die Malerei), und Befunde im Rahmen der Mittelalterarchäologie (einschließlich moderner Analysetechniken, wie beispielsweise Archäogenetik).
Literatur
Im Folgenden wird nur eine sehr begrenzte Auswahl aus der überaus umfangreichen Fachliteratur genannt.[522] Für weiterführende Hinweise sei auf die jeweiligen Bibliographien verwiesen.
Forschungsüberblickswerke
(jeweils mit umfassender Bibliographie)
Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 8). 2. Auflage. Oldenbourg, München 2009 (Rezension der 1. Auflage (2003)).
Erich Meuthen: Das 15. Jahrhundert (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 9). 5. Auflage. Oldenbourg, München 2012.
Europäisch ausgerichtete Überblickswerke
(Literatur zu den einzelnen Staaten und Regionen wird in den Anmerkungen genannt.)
David Abulafia (Hrsg.): C.1198–c.1300 (= The New Cambridge Medieval History. Band 5). Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 978-1-107-46066-9.
Michael Jones (Hrsg.): C.1300–c.1415 (= The New Cambridge Medieval History. Band 6). Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 978-0-521-36290-0.
Christopher Allmand (Hrsg.): C.1415–c.1500 (= The New Cambridge Medieval History. Band 7). Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 978-0-521-38296-0.
Alfred Kohler: Expansion und Hegemonie. Internationale Beziehungen 1450-1559 (= Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen. Band 1). Ferdinand Schöningh, Paderborn 2008.
Isabella Lazzarini (Hrsg.): The Later Middle Ages (Short Oxford History of Europe). Oxford University Press, Oxford 2021.
Michael North: Europa expandiert. 1250–1500 (= Handbuch der Geschichte Europas 4). Ulmer, Stuttgart 2007.
Bernd Schneidmüller: Grenzerfahrung und monarchische Ordnung: Europa 1200–1500. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61357-9.
Hubertus Seibert: Geschichte Europas im Mittelalter. Aufbruch in die Vielfalt. Brill/Schöningh, Paderborn 2025.
John Watts: The Making of Polities: Europe, 1300–1500. Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-79232-5.
Das römisch-deutsche Reich im Spätmittelalter
Überblickswerke
Handbuch der deutschen Geschichte. 10. Auflage:
Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Klett-Cotta, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-608-60007-0.
Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Klett-Cotta, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-608-60072-8.
Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-60008-6.
Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017.
Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittelalter 1250 bis 1490 (= Propyläen-Geschichte Deutschlands. Band 3). Propyläen Verlag, Berlin 1985, ISBN 3-549-05813-6.
Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter (= Geschichte kompakt). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-15131-3
Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Primus-Verlag, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-313-0.
Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. 1250–1500. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1983, ISBN 3-17-007908-5.
König, Reich und Dynastien
Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie von gesamteuropäischer Bedeutung 1308–1437. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2000.
Ludwig Holzfurtner: Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Kohlhammer, Stuttgart 2005.
Karl-Friedrich Krieger: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. 2., aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-018228-5.
Karl-Friedrich Krieger: König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Oldenbourg, München 2005.
Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I. (919–1519). Beck, München 2003, ISBN 3-406-50958-4.
Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Heilig – Römisch – Deutsch. Das Reich im mittelalterlichen Europa. Internationale Tagung zur 29. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt. Sandstein-Verlag, Dresden 2006.
Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979.
Ernst Schubert: Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2006.
Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band 3 (Kaiser und Reich). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1998.
Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band 4 (Das Königtum). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2011.
Kultur und Alltag
Wolfgang Achnitz (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter. 8 Bände. De Gruyter, Berlin 2011–2016.
Hartmut Boockmann: Die Stadt im späten Mittelalter. Beck, München 1986.
Hans-Friedrich Rosenfeld, Hellmut Rosenfeld: Deutsche Kultur im Spätmittelalter 1250–1500 (= Handbuch der Kulturgeschichte. Band I 5). Wiesbaden 1978, ISBN 3-7997-0713-1.
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter. Natürliches Lebensumfeld und menschliches Miteinander. 3. erweiterte Auflage. WBG, Darmstadt 2019.
Rolf Sprandel: Verfassung und Gesellschaft im Mittelalter. 5. überarbeitete Auflage. UTB, Paderborn u. a. 1994.
Burghart Wachinger: Deutschsprachige Literatur des Mittelalters. De Gruyter, Berlin/New York 2001.
Martin Warnke: Geschichte der deutschen Kunst. Bd. 2 (Spätmittelalter und Frühe Neuzeit 1400–1750). Beck, München 1999.
Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage.
Spezialliteratur zu Europa im Spätmittelalter
Wirtschaft, Gesellschaft und Herrschaft
Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. 4. Auflage. Beck, München 2017.
Philippe Dollinger: Die Hanse. 6., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Kröner, Stuttgart 2012.
Thomas Ertl: Bauern und Bankern. Wirtschaft im Mittelalter. WBG, Darmstadt 2021.
Reinhard Schneider (Hrsg.): Das spätmittelalterliche Königtum im europäischen Vergleich. Sigmaringen 1987 (online).
Rainer Christoph Schwinges, Christian Hesse, Peter Moraw (Hrsg.): Europa im späten Mittelalter. Politik - Gesellschaft - Kultur. Oldenbourg, München 2006.
Sebastian Steinbach: Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Band 3 (Mittelalter). Kohlhammer, Stuttgart 2021.
Kirche und religiöse Fragen
Arnold Angenendt: Grundformen der Frömmigkeit im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Oldenbourg, München 2004.
Arnold Angenendt: Geschichte der Religiosität im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997.
Klaus Herbers: Geschichte des Papsttums im Mittelalter. WBG, Darmstadt 2012.
Thomas Kaufmann, Raymund Kottje (Hrsg.): Ökumenische Kirchengeschichte. Band 2. WBG, Darmstadt 2008.
Heribert Müller: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters. Schisma, Konziliarismus und Konzilien. Oldenbourg, München 2012.
Kulturgeschichte
Johannes Grabmayer: Europa im späten Mittelalter 1250–1500. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte. WBG, Darmstadt 2004.
Anton Grabner-Haider, Johann Maier, Karl Prenner: Kulturgeschichte des späten Mittelalters. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012.
Jan Rohls (Hrsg.): Spätmittelalter und Renaissance (Kunst und Religion zwischen Mittelalter und Barock 1). De Gruyter, Berlin/Boston 2021.
Willi Erzgräber (Hrsg.): Europäisches Spätmittelalter. Wiesbaden 1978 (= Klaus von See (Hrsg.): Neues Handbuch der Literaturwissenschaft. Band 8).
Ralph Hexter, David Townsend (Hrsg.): The Oxford Handbook of Medieval Latin Literature. Oxford University Press, Oxford 2012.
Bernd Roeck: Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-69876-7.
Philosophie
Thomas Leinkauf: Grundriss Philosophie des Humanismus und der Renaissance (1350–1600). 2 Bände. Meiner, Hamburg 2017.
Henning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens. Band II/2 (Das Mittelalter). Metzler, Stuttgart/Weimar 2004.
Klassiker
(veralteter Forschungsstand)
Hermann Heimpel: Deutschland im späteren Mittelalter. Konstanz 1957.
Johan Huizinga: Herbst des Mittelalters. Fink, Paderborn 2018, ISBN 978-3-7705-6242-8 (niederländisches Original 1919 veröffentlicht).
Bernhard Schmeidler: Das spätere Mittelalter von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zur Reformation. Wien 1937 (ND Darmstadt 1980).
↑Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 1.
↑Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 154.
↑Vgl. zur Forschungsgeschichte des Begriffs und dessen Problematik Erich Meuthen: Gab es ein spätes Mittelalter? In: Johannes Kunisch (Hrsg.): Spätzeit. Studien zu den Problemen eines historischen Epochenbegriffs. Berlin 1990, S. 91–135.
↑Vgl. Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 153 f.
↑Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 3.
↑Erich Meuthen: Gab es ein spätes Mittelalter? In: Johannes Kunisch (Hrsg.): Spätzeit. Studien zu den Problemen eines historischen Epochenbegriffs. Berlin 1990, S. 91–135, Zitate ebd., S. 113 f. und S. 134.
↑Bernd Schneidmüller: Konsens – Territorialisierung – Eigennutz. Vom Umgang mit spätmittelalterlicher Geschichte. In: Frühmittelalterliche Studien 39 (2005), S. 225–246. Vgl. zur Neubewertung auch Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017, S. 24 f., und Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 18 f.
↑Forschungsüberblick bei Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 153 ff. Vgl. für das 15. Jahrhundert zudem Erich Meuthen: Das 15. Jahrhundert. 5. Auflage. München 2012.
↑Vgl. dazu Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 361 ff.
↑Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 183 ff.
↑Vgl. zu letzteren Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 207 f.
↑Vgl. Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 17 ff.
↑Forschungsüberblick bei Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 165 ff.
↑Werner Rösener: Die Krise des Spätmittelalters in neuer Perspektive. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 99 (2012), S. 189–208, hier S. 190.
↑Vgl. Werner Rösener: Die Krise des Spätmittelalters in neuer Perspektive. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 99 (2012), S. 189–208, hier S. 207 f.
↑Zu diesen Entwicklungen siehe etwa Hermann Joseph Hiery (Hrsg.): Lexikon zur Überseegeschichte. Stuttgart 2015; Wolfgang Reinhard: Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415–2015. München 2016.
↑Vgl. Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 20 ff.
↑Vgl. etwa Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 153 ff.
↑Forschungsüberblick dazu bei Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 371 ff.
↑Vgl. etwa Heinz Schilling: Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa. Aufbruch in die Welt von heute. Freiburg im Breisgau 2022, S. 67 ff.
↑Grundlegend ist Martin Kaufhold: Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230–1280. Hannover 2000.
↑Detaillierter Überblick zur politischen Geschichte der folgenden Zeit bei Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 11 ff. Strukturgeschichtlicher Überblick bei Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998. Zusammenfassend und recht ausführlich zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Deutschlands im Spätmittelalter vgl. Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 153 ff. Eine wichtige Gesamtdarstellung ist des Weiteren Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985. Zu allen folgenden Herrschern siehe des Weiteren die entsprechenden Regesta Imperii (hier in den Anmerkungen aufgeführt). Kurze Herrscherbiographien bieten die Einträge in der Datenbank Residenzforschung (Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, siehe hier) und die Beiträge in Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I. (919–1519). München 2003, auf die hier nicht einzeln verwiesen wird.
↑Vgl. Martin Kaufhold: Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230–1280. Hannover 2000, S. 458 ff.
↑Vgl. zur Erwartungshaltung Martin Kaufhold: Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230–1280. Hannover 2000, S. 104 ff.
↑Martin Kaufhold: Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230–1280. Hannover 2000, S. 168 ff.
↑Martin Kaufhold: Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230–1280. Hannover 2000, S. 27 ff.
↑Karl-Friedrich Krieger: Rudolf von Habsburg. Darmstadt 2003; siehe auch Egon Boshof, Franz-Reiner Erkens (Hrsg.): Rudolf von Habsburg 1273-1291. Eine Königsherrschaft zwischen Tradition und Wandel. Köln u. a. 1993; Bernd Schneidmüller (Hrsg.): König Rudolf I. und der Aufstieg des Hauses Habsburg im Mittelalter. Darmstadt 2019 und die entsprechenden Regesta Imperii. Vgl. zur folgenden Zeit bis Karl IV. auch den Überblick bei Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012; für die Zeit um 1300 zudem Kurt-Ulrich Jäschke: Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300. Stuttgart u. a. 1999 (mit einer europäischen Perspektive).
↑Vgl. dazu Martin Kaufhold: Die Erneuerung der Königsgewalt im Reich. In: Bernd Schneidmüller (Hrsg.): König Rudolf I. und der Aufstieg des Hauses Habsburg im Mittelalter. Darmstadt 2019, S. 43 ff.
↑Karl-Friedrich Krieger: Rudolf von Habsburg. Darmstadt 2003, S. 162 ff.
↑Bertram Resmini: Das Arelat im Kräftefeld der französischen, englischen und angiovinischen Politik nach 1250 und das Einwirken Rudolfs von Habsburg. Köln 1980.
↑Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 110 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 86 ff.; Alois Gerlich: Adolf von Nassau (1292–1298). In: Nassauische Annalen 105 (1994), S. 17–78. Vgl. auch Kurt-Ulrich Jäschke: Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300. Stuttgart u. a. 1999, S. 77 ff. und die entsprechenden Regesta Imperii.
↑Vgl. Frank Rexroth: Tyrannen und Taugenichtse. Beobachtungen zur Ritualität europäischer Königsabsetzungen im späten Mittelalter. In: Historische Zeitschrift 278 (2004), S. 27–53, hier S. 30 f.
↑Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 121 ff.; Alois Niederstätter: Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Wien 2001, S. 96 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 108 ff. Vgl. auch Kurt-Ulrich Jäschke: Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300. Stuttgart u. a. 1999, S. 85 ff. Die entsprechenden Regesta Imperii zu Albrecht I. fehlen bislang (Stand Dezember 2025) noch.
↑Vgl. zusammenfassend Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 124 ff.
↑Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 125 ff.
↑Grundlegend zu Heinrich VII. sind die vollständig neubearbeiteten Regesta Imperii (Projektseite mit Übersicht aller Publikationen und Onlinedatenbank). Siehe des Weiteren Malte Heidemann: Heinrich VII. (1308–1313). Warendorf 2008; Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 138 ff.; Michel Pauly (Hrsg.): Europäische Governance im Spätmittelalter. Heinrich VII. von Luxemburg und die großen Dynastien Europas. Luxemburg 2010; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 131 ff.; Ellen Widder (Hrsg.): Vom luxemburgischen Grafen zum europäischen Herrscher. Neue Forschungen zu Heinrich VII. Luxemburg 2008.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie von gesamteuropäischer Bedeutung 1308–1437. Stuttgart u. a. 2000.
↑William M. Bowsky: Henry VII in Italy. The Conflict of Empire and City-State, 1310–1313. Lincoln, Nebraska 1960.
↑Sabine Penth, Peter Thorau (Hrsg.): Rom 1312. Die Kaiserkrönung Heinrichs VII. und die Folgen. Die Luxemburger als Herrscherdynastie von gesamteuropäischer Bedeutung. Köln u. a. 2016.
↑Vgl. dazu Malte Heidemann: Die Kaiseridee Heinrichs VII. In: Michel Pauly (Hrsg.): Europäische Governance im Spätmittelalter. Heinrich VII. von Luxemburg und die großen Dynastien Europas. Luxemburg 2010, S. 45–65.
↑Roland Pauler: Die deutschen Könige und Italien im 14. Jahrhundert. Von Heinrich VII. bis Karl IV. Darmstadt 1997.
↑Vgl. Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe. Stuttgart 2012, S. 138 ff. und Peter Thorau: Heinrich VII. In: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919–1519). München 2003, S. 381–392.
↑Zur Doppelwahl und der folgenden Zeit siehe etwa Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 153 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 156 ff.
↑Grundlegend ist Heinz Thomas: Ludwig der Bayer (1282–1347). Kaiser und Ketzer. Regensburg 1993; des Weiteren: Martin Clauss: Ludwig IV. der Bayer. Herzog, König, Kaiser. Regensburg 2014; Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 153 ff.; Hubertus Seibert (Hrsg.): Ludwig der Bayer (1314–1347). Reich und Herrschaft im Wandel. Regensburg 2014; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 153 ff. Siehe auch die entsprechenden Regesta Imperii; eine Neubearbeitung ist derzeit (Dezember 2025) in Arbeit.
↑Vgl. grundsätzlich Jürgen Miethke, Arnold Bühler: Kaiser und Papst im Konflikt. Zum Verhältnis von Staat und Kirche im späten Mittelalter. Düsseldorf 1988.
↑Heinz Thomas: Ludwig der Bayer (1282–1347). Kaiser und Ketzer. Regensburg 1993, S. 163 ff.
↑Zusammenfassend Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 201 ff.
↑Martin Berg: Der Italienzug Ludwigs des Bayern. Das Itinerar der Jahre 1327–1330. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 67 (1987), S. 142–197 (online); Frank Godthardt: Marsilius von Padua und der Romzug Ludwigs des Bayern. Politische Theorie und politisches Handeln. Göttingen 2011.
↑Vgl. dazu Jürgen Miethke: De potestate papae. Tübingen 2000.
↑Heinz Thomas: Ludwig der Bayer (1282–1347). Kaiser und Ketzer. Regensburg 1993, S. 321 ff.
↑Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 213 ff.
↑Zusammenfassender Überblick mit weiterer Literatur bei Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021 (sehr ausführlich); Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. 4. Auflage. München 2017; Klaus Bergdolt: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. 4. Auflage. München 2021; Volker Reinhardt: Die Macht der Seuche. Wie die Große Pest die Welt veränderte. München 2021.
↑Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft, 15. Juni 2022.
↑Ausführlich zur Verbreitungsgeschichte siehe Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 137 ff.
↑Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. 4. Auflage. München 2017, S. 33 f.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 176 ff.
↑Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. 4. Auflage. München 2017, S. 35 ff.; Volker Reinhardt: Die Macht der Seuche. Wie die Große Pest die Welt veränderte. München 2021, S. 57 ff.
↑Auswahl in englischer Übersetzung etwa bei John Abernath: The Black Death. The Great Mortality of 1348-1350: A Brief History with Documents. 2. Auflage. Boston/New York 2017.
↑Volker Reinhardt: Die Macht der Seuche. Wie die Große Pest die Welt veränderte. München 2021, S. 39.
↑Vgl. Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 520 ff.
↑Vgl. Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 522 f.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 541.
↑Klaus Bergdolt: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. 4. Auflage. München 2021, S. 46.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 869 ff.
↑Vgl. zum Pestverlauf im deutschen Reichsteil bei Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 515 ff.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 515, Anmerkung 1: „Admittedly, I have many objections to Bergdolt’s history of the Black Death, as also the account of its history in Germany. The first edition of his book appeared in 1994, in my possession is the fifth printing of 2003, which I have not found useful or usable for my presentation of the Black Death.“
↑Vgl. Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. 4. Auflage. München 2017, S. 191 ff.
↑Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. 4. Auflage. München 2017, S. 119 ff.; Volker Reinhardt: Die Macht der Seuche. Wie die Große Pest die Welt veränderte. München 2021, S. 139 ff.; Andreas Rentz: Der „Geldjude“. Antijüdische ökonomische Stereotype im mittelalterlichen Deutschland bis zur Großen Pest. Berlin/Boston 2024, S. 481 ff.
↑Vgl. Volker Reinhardt: Die Macht der Seuche. Wie die Große Pest die Welt veränderte. München 2021, S. 139 f.
↑Dazu vgl. die diversen Beiträge im Themenheft Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden. Band 35 (2025).
↑Siehe dazu Andreas Rentz: Der „Geldjude“. Antijüdische ökonomische Stereotype im mittelalterlichen Deutschland bis zur Großen Pest. Berlin/Boston 2024.
↑Zur Stellung der Juden im spätmittelalterlichen Reich siehe Avraham Siluk: Die Juden im politischen System des Alten Reichs. Berlin/Boston 2021, S. 40 ff.
↑Olaf B. Rader: Kaiser Karl der Vierte. Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023, S. 159.
↑Olaf B. Rader: Kaiser Karl der Vierte. Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023, S. 161.
↑Aktuelle biographische Darstellungen sind Pierre Monnet: Karl IV. Der europäische Kaiser. Darmstadt 2021; Olaf B. Rader: Kaiser Karl der Vierte. Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023; zusammenfassend vgl. Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 105 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 218 ff. Siehe auch Jiří Fajt, Markus Hörsch (Hrsg.): Kaiser Karl IV. 1316–2016. Ausstellungskatalog Erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung (Nationalgalerie Prag und Germanisches Nationalmuseum Nürnberg). Prag 2016 und die entsprechenden Regesta Imperii.
↑Zur folgenden Zeit bis ins frühe 15. Jahrhundert siehe auch Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017.
↑Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. 2 Bände. Berlin 2009. Vgl. auch Olaf B. Rader: Kaiser Karl der Vierte. Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023, S. 199 ff.
↑Michael Lindner: Es war an der Zeit. Die Goldene Bulle in der politischen Praxis Kaiser Karls IV. In: Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. Band 1. Berlin 2009, S. 93–140, Zitat ebd., S. 139.
↑Zur Hausmachtpolitik zusammenfassend Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 155 ff.
↑Vgl. Pierre Monnet: Karl IV. Der europäische Kaiser. Darmstadt 2021, S. 72 ff.
↑Olaf B. Rader: Kaiser Karl der Vierte. Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023, S. 268 ff.
↑Vgl. Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittelalter 1250–1495. Berlin 1985, S. 240.
↑Roland Pauler: Die deutschen Könige und Italien im 14. Jahrhundert. Von Heinrich VII. bis Karl IV. Darmstadt 1997, S. 195 ff.
↑Vgl. Pierre Monnet: Karl IV. Der europäische Kaiser. Darmstadt 2021, S. 56 f.
↑Roland Pauler: Die deutschen Könige und Italien im 14. Jahrhundert. Von Heinrich VII. bis Karl IV. Darmstadt 1997, S. 218 ff.
↑Pierre Monnet: Karl IV. Der europäische Kaiser. Darmstadt 2021, S. 79 f.
↑Dazu Gerald Schwedler: Deutsch-französische Herrschertreffen im 14. Jahrhundert. Dynastische und staatliche Beziehungen im Wandel. In: Stefan Weiß (Hrsg.): Regnum et Imperium. München 2008, S. 55–100, speziell S. 60 ff.
↑Hermann Heimpel: Königlicher Weihnachtsdienst im späteren Mittelalter. In: Deutsches Archiv 39 (1983), S. 131–206.
↑Johannes Fried: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur. München 2008, S. 457.
↑Zu Wenzel siehe Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 193 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 309 ff.; Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017, S. 71 ff. Neue Regesta Imperii fehlen bislang (Stand: Dezember 2025), siehe aber Regesta Imperii Plus, Wenzel (1376-1400) - Nachlass Wilhelm Hanisch und Reichssachen.
↑Überblick bei Johannes Helmrath: Schisma – Konzilien – Reform. In: Thomas Kaufmann, Raymund Kottje (Hrsg.): Ökumenische Kirchengeschichte. Band 2. Darmstadt 2008, S. 133 ff.; Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017, S. 232 ff.; Heribert Müller: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters. Schisma, Konziliarismus und Konzilien. München 2012. Zu den Päpsten dieser Zeit siehe etwa Volker Reinhardt: Pontifex. Die Geschichte der Päpste. München 2017, S. 414 ff.
↑Vgl. Johannes Helmrath: Schisma – Konzilien – Reform. In: Thomas Kaufmann, Raymund Kottje (Hrsg.): Ökumenische Kirchengeschichte. Band 2. Darmstadt 2008, hier S. 135.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 195.
↑Vgl. dazu Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 196 ff.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 204 f.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 206 ff.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 216.
↑Vgl. zur Absetzung auch Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 335 ff.; Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Darmstadt 2004, S. 95 f.
↑Vgl. auch Claudia Garnier: Die Ordnung des Reiches. Die Position des Herrschers in der Goldenen Bulle in der Wahrnehmung bis 1400. In: Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. Band 1. Berlin 2009, S. 197–240, hier S. 225 f.
↑Zu Ruprecht Bernd Schneidmüller: König Ruprecht 1410–2010. Der König aus Heidelberg. In: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 15, 2011, S. 51–65 (online); Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 341 ff.; Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017, S. 90 ff. Siehe auch die entsprechenden Regesta Imperii.
↑Umfassend dazu Gerhard Fouquet: Die geliehene Zeit eines Königs. Der „arme“ Ruprecht und die Reichsfinanzen (1400–1410). Göttingen 2022 (online).
↑Eberhard Isenmann: Reichsfinanzen und Reichssteuern im 15. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung 7 (1980), S. 1–76, hier S. 17 f.
↑Vgl. zusammenfassend Gerhard Fouquet: Die geliehene Zeit eines Königs. Der „arme“ Ruprecht und die Reichsfinanzen (1400–1410). Göttingen 2022, S. 195 und S. 199.
↑Vgl. dazu Peter Moraw: Kanzlei und Kanzleipersonal König Ruprechts. In: Archiv für Diplomatik 15 (1969), S. 428–531.
↑Oliver Auge: König Ruprecht – Versuch einer Bilanz oder: Wie erfolgreich muss ein mittelalterlicher König sein? In: Jörg Peltzer, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter, Alfried Wieczorek (Hrsg.): Die Wittelsbacher und die Kurpfalz im Mittelalter. Eine Erfolgsgeschichte? Regensburg 2013, S. 169–190.
↑Zu Sigismund ist Hoenschs Biographie grundlegend (Jörg K. Hoensch: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368–1437). München 1996). Siehe des Weiteren Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 29 ff.; Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 234 ff.; Karel Hruza, Alexandra Kaar (Hrsg.): Kaiser Sigismund (1368–1437). Zur Herrschaftspraxis eines europäischen Monarchen. Wien u. a. 2012; Michel Pauly, François Reinert (Hrsg.): Sigismund von Luxemburg. Ein Kaiser in Europa. Mainz 2006; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 377 ff. Siehe auch die entsprechenden Regesta Imperii.
↑Vgl. zu dieser Vorgeschichte Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 218 ff.
↑Zu seiner Herrschaft in Ungarn vgl. Jörg K. Hoensch: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368–1437). München 1996, S. 64 ff.
↑Zum Konzil siehe unter anderem Jan Keupp, Jörg Schwarz: Konstanz 1414–1418. Eine Stadt und ihr Konzil. 3., überarbeitete Auflage. Darmstadt 2017; Heribert Müller: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters. Schisma, Konziliarismus und Konzilien. München 2012, S. 21 ff.; Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Das Konstanzer Konzil. Katalog. 1414–1418. Weltereignis des Mittelalters. Darmstadt 2014; Karl-Heinz Braun u. a. (Hrsg.): Das Konstanzer Konzil. Essays. 1414–1418. Weltereignis des Mittelalters. Stuttgart 2013.
↑Jörg K. Hoensch: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368–1437). München 1996, S. 191 ff.
↑Zu den Ereignissen vgl. Jan Keupp, Jörg Schwarz: Konstanz 1414–1418. Eine Stadt und ihr Konzil. 3., überarbeitete Auflage. Darmstadt 2017, S. 42 ff.
↑Jan Keupp, Jörg Schwarz: Konstanz 1414–1418. Eine Stadt und ihr Konzil. 3., überarbeitete Auflage. Darmstadt 2017, S. 62 ff.
↑Siehe dazu Johannes Helmrath, Heribert Müller (Hrsg.): Die Konzilien von Pisa (1409), Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449). Institution und Personen. Stuttgart 2007 (online).
↑Vgl. Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 35.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 238 f.
↑Zu den auswärtigen Beziehungen vgl. Martin Kintzinger: Westbindungen im spätmittelalterlichen Europa. Auswärtige Politik zwischen dem Reich, Frankreich, Burgund und England in der Regierungszeit Kaiser Sigmunds. Stuttgart 2000.
↑Eberhard Isenmann: Reichsfinanzen und Reichssteuern im 15. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung 7 (1980), S. 1–76, hier S. 18.
↑Vgl. Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 235 f.
↑Vgl. Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 241–243.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 264 ff.
↑Vgl. Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 271 f.
↑Zum Romzug siehe Veronika Proske: Der Romzug Kaiser Sigismunds (1431–1433): Politische Kommunikation, Herrschaftsrepräsentation und -rezeption. Wien u. a. 2019 (online); vgl. auch Jörg K. Hoensch: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368–1437). München 1996, S. 371 ff.
↑Zur Bewertung Sigismund vgl. Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Stuttgart 2000, S. 301 ff.
↑Zu Albrecht siehe Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 79 ff.; Günther Hödl: Albrecht II. Königtum, Reichsregierung und Reichsreform 1438–1439. Wien 1978; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 438 ff. Siehe auch die entsprechenden Regesta Imperii.
↑Vgl. Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 80 f.
↑Zu Friedrich III. siehe Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493). Hof, Regierung, Politik. 3 Bände. Köln 1997; Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005. Vgl. auch Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 86 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 448 ff.; Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit. Band 1 (von 5). München 1971.
↑Biographische Darstellungen Maximilians bei Manfred Hollegger: Maximilian I., 1459–1519, Herrscher und Mensch einer Zeitenwende. Stuttgart 2005; Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit. 5 Bände. München 1971–1986; Hermann Wiesflecker: Maximilian I. Die Fundamente des habsburgischen Weltreiches. Wien/München 1991. Des Weiteren siehe etwa Markus Debertol u. a. (Hrsg.): »Per tot discrimina rerum« Maximilian I. (1459–1519). Wien/Köln 2022; Johannes Helmrath u. a. (Hrsg.): Maximilians Welt. Kaiser Maximilian I. im Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition. Göttingen 2018; Gregor M. Metzig: Kommunikation und Konfrontation. Diplomatie und Gesandtschaftswesen Kaiser Maximilians I. (1486–1519). Berlin/Boston 2016.
↑Vgl. dazu etwa Konstantin Moritz A. Langmaier: Kaiser Friedrich III. (1415–1493): des Reiches Erzschlafmütze? Der „schlafende Kaiser“ als Klischee. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 111 (2020), S. 129–188.
↑Vgl. Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 58 ff.
↑Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 130 ff.
↑Karl Nehring: Matthias Corvinus, Kaiser Friedrich III. und das Reich. Zum hunyadisch-habsburgischen Gegensatz im Donauraum. München 1975.
↑Alois Niederstätter: Der Alte Zürichkrieg. Studien zum österreichisch-eidgenössischen Konflikt sowie zur Politik König Friedrichs III. in den Jahren 1440 bis 1446. Wien 1995; Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Die Suche nach einem gemeinsamen Nenner. Menziken 2004.
↑Vgl. Werner Paravicini: Karl der Kühne. Das Ende des Hauses Burgund. Frankfurt 1976; Richard Vaughan: Charles the Bold. The Last Valois Duke of Burgundy. London/New York 1973.
↑Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018.
↑Vgl. Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 129 ff.
↑Petra Ehm: Burgund und das Reich. Spätmittelalterliche Außenpolitik am Beispiel der Regierung Karls des Kühnen (1465–1477). München 2002, S. 168 ff.; Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 135 ff.
↑Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 164 ff.; Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit. Band 1 (von 5). München 1971, S. 113 ff. Vgl. auch Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 489 ff.
↑Vgl. ausführlich zu Maximilian in Burgund die Darstellung bei Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit. Band 1 (von 5). München 1971, S. 136 ff.
↑Alfred Kohler: Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa, 1521–1648. 2. Auflage. München 2010.
↑Vgl. Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 115 ff.
↑Alfred Kohler: Expansion und Hegemonie. Internationale Beziehungen 1450-1559. Paderborn 2008, S. 110 ff.
↑Zu den Türkenkriegen siehe Klaus-Jürgen Bremm: Die Türken vor Wien. Darmstadt 2021.
↑Vgl. Claudius Sieber-Lehmann: "Teutsche nation" und Eidgenossenschaft. Der Zusammenhang zwischen Türken- und Burgunderkriegen. In: Historische Zeitschrift 253 (1991), S. 561–602. Diese Kreuzzugspropaganda wurde dann in der Eidgenossenschaft später zur Abwehr der Burgunder ebenfalls propagandistisch genutzt.
↑Vgl. Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 102 ff.; Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 460 ff.
↑Konstantin Moritz A. Langmaier: Kaiser Friedrich III. (1415–1493): des Reiches Erzschlafmütze? Der „schlafende Kaiser“ als Klischee. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 111 (2020), S. 129–188, hier S. 139.
↑Konstantin Moritz A. Langmaier: Kaiser Friedrich III. (1415–1493): des Reiches Erzschlafmütze? Der „schlafende Kaiser“ als Klischee. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 111 (2020), S. 129–188, hier S. 140–142.
↑Paul-Joachim Heinig: Der Hof Kaiser Friedrichs III. – Außenwirkung und nach außen Wirkende. In: Peter Moraw (Hrsg.): Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter. Stuttgart 2002, S. 137–161.
↑Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 513 ff.
↑Vgl. Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 232.
↑Vgl. zusammenfassend Manfred Hollegger: Maximilian I., 1459–1519, Herrscher und Mensch einer Zeitenwende. Stuttgart 2005, S. 80 ff.; Hermann Wiesflecker: Maximilian I. Die Fundamente des habsburgischen Weltreiches. Wien/München 1991, S. 77 ff. Zur weiteren Entwicklung siehe auch Joachim Whaley: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine Territorien. 2 Bände. Darmstadt 2014.
↑Siehe grundsätzlich Karl-Friedrich Krieger: König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter. 2., durchgesehene Auflage. München 2005.
↑Karl-Friedrich Krieger: König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter. 2., durchgesehene Auflage. München 2005, S. 47 f.
↑Karl-Friedrich Krieger: König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter. 2., durchgesehene Auflage. München 2005, S. 52 f.; Matthias Schnettger: Kaiser und Reich. Eine Verfassungsgeschichte (1500–1806). Stuttgart 2020, S. 47 ff.
↑Vgl. Matthias Schnettger: Kaiser und Reich. Eine Verfassungsgeschichte (1500–1806). Stuttgart 2020, S. 53.
↑Vgl. grundsätzlich Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979; Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band 4 (Das Königtum). Stuttgart u. a. 2011.
↑Siehe dazu Alexander Begert: Die Entstehung und Entwicklung des Kurkollegs. Von den Anfängen bis zum frühen 15. Jahrhundert. Berlin 2010.
↑Vgl. Dietmar Willoweit: Deutsche Verfassungsgeschichte. 4., durchgesehene und ergänzte Auflage. München 2001, S. 78 ff.
↑Bernd Schneidmüller: Konsensuale Herrschaft. Ein Essay über Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter. In: Paul-Joachim Heinig u. a. (Hrsg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw. Berlin 2000, S. 53–87 (online).
↑Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. 2 Bände. Berlin 2009.
↑Vgl. Claudia Garnier: Die Ordnung des Reiches. Die Position des Herrschers in der Goldenen Bulle in der Wahrnehmung bis 1400. In: Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. Band 1. Berlin 2009, S. 197–240.
↑Zusammenfassend Dietmar Willoweit: Deutsche Verfassungsgeschichte. 4., durchgesehene und ergänzte Auflage. München 2001, S. 88 ff.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 188 ff.
↑Vgl. Matthias Schnettger: Kaiser und Reich. Eine Verfassungsgeschichte (1500–1806). Stuttgart 2020.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 419.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 420.
↑Hubertus Seibert: Geschichte Europas im Mittelalter. Aufbruch in die Vielfalt. Paderborn 2025, S. 173; allgemein zur Gesetzgebungsentwicklung im Mittelalter siehe auch knapp zusammenfassend ebd., S. 172 ff.
↑Vgl. Dietmar Willoweit: Deutsche Verfassungsgeschichte. 4., durchgesehene und ergänzte Auflage. München 2001, S. 72 f.
↑Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 115 ff.
↑Vgl. Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 122 ff.
↑Die Vorstellung sei allerdings ohnehin fraglich: „Keine normative oder theoretische Quelle des Hochmittelalters spricht jedoch vom König ausdrücklich als vom obersten Richter im Reich, der den Gerichten im Reich Weisungen erteilen oder ihre Verfahren oder Urteile korrigieren dürfe.“ (Bernhard Diestelkamp: Vom einstufigen Gericht zur obersten Rechtsmittelinstanz. Die deutsche Königsgerichtsbarkeit und die Verdichtung der Reichsverfassung im Spätmittelalter. Köln u. a. 2014, S. 17).
↑Vgl. Bernhard Diestelkamp: Vom einstufigen Gericht zur obersten Rechtsmittelinstanz. Die deutsche Königsgerichtsbarkeit und die Verdichtung der Reichsverfassung im Spätmittelalter. Köln u. a. 2014, S. 140 ff.
↑Bernhard Diestelkamp: Vom einstufigen Gericht zur obersten Rechtsmittelinstanz. Die deutsche Königsgerichtsbarkeit und die Verdichtung der Reichsverfassung im Spätmittelalter. Köln u. a. 2014, S. 152.
↑Vgl. Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 127 ff.
↑Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, speziell S. 147 ff.; zusammenfassend vgl. Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 160 ff.; Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Darmstadt 2004, S. 14 ff.
↑Vgl. Christoph Schlunk: Königsmacht und Krongut. Stuttgart 1988.
↑Erwin Frauenknecht: Reichsstädte im Dilemma. Königliche Verpfändungen im 14. Jahrhundert am Beispiel südwestdeutscher Reichsstädte. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 77 (2018), S. 31–42, hier S. 32.
↑Vgl. dazu Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983, S. 253 ff.; Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Darmstadt 2004, S. 73 f.
↑Vgl. Olaf B. Rader: Kaiser Karl der Vierte. Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023, S. 300 f.
↑Vgl. Eberhard Isenmann: Reichsfinanzen und Reichssteuern im 15. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung 7 (1980), S. 1–76, hier S. 17 f.
↑Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 188 f.
↑Horst Carl: Landfrieden als Konzept und Realität kollektiver Sicherheit im Heiligen Römischen Reich. In: Gisela Naegle (Hrsg.): Frieden schaffen und sich verteidigen im Spätmittelalter. München 2012, S. 121–138.
↑Hendrik Baumbach: Königliche Gerichtsbarkeit und Landfriedenssorge im deutschen Spätmittelalter. Köln u. a. 2017.
↑Vgl. dazu auch Peter Moraw: Königliche Herrschaft und Verwaltung im spätmittelalterlichen Reich (1350–1500). In: Reinhard Schneider (Hrsg.): Das spätmittelalterliche Königtum im europäischen Vergleich. Sigmaringen 1987, S. 185–200.
↑Vgl. dazu Peter Moraw: Kanzlei und Kanzleipersonal König Ruprechts. In: Archiv für Diplomatik 15 (1969), S. 428–531.
↑Vgl. auch die Beiträge in Reinhard Schneider (Hrsg.): Das spätmittelalterliche Königtum im europäischen Vergleich. Sigmaringen 1987 (online).
↑Peter Moraw: Königliche Herrschaft und Verwaltung im spätmittelalterlichen Reich (1350–1500). In: Reinhard Schneider (Hrsg.): Das spätmittelalterliche Königtum im europäischen Vergleich. Sigmaringen 1987, S. 185–200, hier S. 191.
↑Vgl. dazu Peter Moraw: Franken als königsnahe Landschaft im Spätmittelalter. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 112 (1976), S. 123–138; vgl. auch Dietmar Willoweit: Deutsche Verfassungsgeschichte. 4., durchgesehene und ergänzte Auflage. München 2001, S. 84.
↑Grundsätzlich dazu siehe die Beiträge in Hartmut Leppin, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Kaisertum im ersten Jahrtausend. Regensburg 2012 und Bernd Schneidmüller: Kaisertum (Mittelalter). In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Bd. 2 (2011), Sp. 1496–1504; siehe auch Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band 3 (Kaiser und Reich). Stuttgart u. a. 1998.
↑Vgl. Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 268.
↑Hermann Heimpel: Königlicher Weihnachtsdienst im späteren Mittelalter. In: Deutsches Archiv 39 (1983), S. 131–206.
↑Othmar Hageneder: Weltherrschaft im Mittelalter. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 93 (1985), S. 257–278.
↑Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 234 ff.
↑Vgl. Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 35 ff.
↑Bernd Schneidmüller: Kaiser sein im spätmittelalterlichen Europa. Spielregeln zwischen Weltherrschaft und Gewöhnlichkeit. In: Claudia Garnier, Hermann Kamp (Hrsg.): Spielregeln der Mächtigen. Mittelalterliche Politik zwischen Gewohnheit und Konvention. Darmstadt 2010, S. 265–290.
↑Vgl. Malte Heidemann: Heinrich VII. (1308–1313). Warendorf 2008, S. 170 ff.
↑Vgl. Bernd Schneidmüller: Kaiser sein im spätmittelalterlichen Europa. Spielregeln zwischen Weltherrschaft und Gewöhnlichkeit. In: Claudia Garnier, Hermann Kamp (Hrsg.): Spielregeln der Mächtigen. Mittelalterliche Politik zwischen Gewohnheit und Konvention. Darmstadt 2010, S. 265–290, hier S. 284.
↑Vgl. Bernd Schneidmüller: Altes Kaisertum als neue Fragestellung. In: Hartmut Leppin, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Kaisertum im ersten Jahrtausend. Regensburg 2012, S. 7–16, hier S. 8.
↑Bernd Schneidmüller: Die Kaiser des Mittelalters. Von Karl dem Großen bis Maximilian I. München 2006, S. 7.
↑Vgl. Heinz Schilling: Karl V. Der Kaiser, dem die Welt zerbrach. München 2020, S. 138 ff.
↑Einen knappen Überblick zu den diversen Städten und Territorien bietet Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder. München 1988 (7., vollständig überarbeitete Auflage, München 2007).
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 183.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 100.
↑Vgl. Joachim Whaley: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine Territorien. Band 1 (von 2). Darmstadt 2014, S. 67 ff.
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 21 ff.
↑Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979, S. 239 f.
↑Len Scales: The Shaping of German Identity. Cambridge 2012.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 49. Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 21, geht für 1340 von ungefähr 73,5 Millionen Einwohnern aus; vgl. auch den Regionenüberblick bei Isabella Lazzarini (Hrsg.): The Later Middle Ages (Short Oxford History of Europe). Oxford 2021, S. 45.
↑Vgl. dazu auch Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378. 2. Auflage. München 2009, S. 18 f.
↑Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 21.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 49.
↑Joachim Whaley: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine Territorien. Band 1 (von 2). Darmstadt 2014, S. 80.
↑Zur Stadt im Spätmittelalter siehe einführend Hartmut Boockmann: Die Stadt im späten Mittelalter. München 1986; Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 209 ff.; Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014; Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 97 ff.
↑Zu den unterschiedlichen Städtetypen siehe Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 281 ff.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 109 f.
↑Grundlinien der geschichtlichen Entwicklung bei Frank G. Hirschmann: Die Stadt im Mittelalter. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin/Boston 2016, S. 1 ff.
↑Quellen bei Bernd-Ulrich Hergemöller (Hrsg.): Quellen zur Verfassungsgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter. Darmstadt 2000.
↑Zu Rat und Gemeinde, Gerichtsbarkeit und Finanzen etc. siehe Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 327 ff.
↑Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 803 ff.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 110 f.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 117 f.
↑Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 750 ff.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 119.
↑Zu Wirtschaftsformen und Wirtschaftsleben vgl. Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 853 ff.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 123.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 119–121.
↑Ausführlich dazu Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 133 ff.
↑Zum Leben in der spätmittelalterlichen Stadt siehe die reich illustrierte Darstellung bei Hartmut Boockmann: Die Stadt im späten Mittelalter. München 1986, S. 71 ff.
↑Allgemein siehe Michael Toch: Die Juden im mittelalterlichen Reich. 3. Auflage. München 2013.
↑Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 97.
↑Vgl. Frank G. Hirschmann: Die Stadt im Mittelalter. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin/Boston 2016, S. 19 f.
↑Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378. 2. Auflage. München 2009, S. 22 f.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 332 ff.
↑Vgl. Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter. 2., durchgesehene Auflage. Köln u. a. 2014, S. 315 ff.; Frank G. Hirschmann: Die Stadt im Mittelalter. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin/Boston 2016, S. 33 ff.
↑Vgl. Frank G. Hirschmann: Die Stadt im Mittelalter. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin/Boston 2016, S. 35 f.
↑Roland Deigendesch, Christian Jörg (Hrsg.): Städtebünde und städtische Außenpolitik - Träger, Instrumentarien und Konflikte während des hohen und späten Mittelalters. Ostfildern 2019.
↑Zur Landesherrschaft im Reich an sich siehe etwa Ernst Schubert: Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter. 2. Auflage. München 2006; Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 196 ff.; Dietmar Willoweit: Landesherr, Landesherrschaft. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 3 (2016), Sp. 431–436.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 188.
↑Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 197 ff.
↑Exemplarisch siehe die Studie von Christian Hesse: Amtsträger der Fürsten im spätmittelalterlichen Reich. Die Funktionseliten der lokalen Verwaltung in Bayern-Landshut, Hessen, Sachsen und Württemberg 1350–1515. Göttingen 2005 (online).
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 202 f.
↑Vgl. etwa Nadine Hofmann: Herrschaftspraxis und Lehnsbeziehungen der Landgrafen von Thüringen 1382–1440. Köln/Wien 2022, S. 38–40.
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 205 ff.
↑Vgl. Ernst Schubert: Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter. 2. Auflage. München 2006, S. 6; zu den Verwaltungsstrukturen siehe ebd., S. 27 ff.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 183.
↑Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 199.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 184.
↑Zur Definition siehe Oliver Auge: Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit. Ostfildern 2009, S. 8.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 186.
↑Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie von gesamteuropäischer Bedeutung 1308–1437. Stuttgart 2000.
↑Ludwig Holzfurtner: Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Stuttgart 2005.
↑Karl-Friedrich Krieger: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart 2004.
↑Ernst Schubert: Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert (= Geschichte Niedersachsens. Band II, 1). Hannover 1997, S. 706 ff.
↑Vgl. Kurt-Ulrich Jäschke: Reichsgrenzen und Vasallitäten - zur Einordnung des französisch-deutschen Grenzraumes im Mittelalter. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 22 (1996), S. 113–178.
↑Vgl. Oliver Auge: Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit. Ostfildern 2009, S. 37 ff.
↑Oliver Auge: Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit. Ostfildern 2009, S. 61 ff.
↑Ernst Schubert: Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert (= Geschichte Niedersachsens. Band II, 1). Hannover 1997, S. 575 ff.
↑Zum Folgenden siehe unter anderem Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 154 ff.; Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 82 ff.; Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 65 ff.
↑Vgl. einführend Sebastian Grüninger: Frühmittelalterliche Grundherrschaft, in: Historisches Lexikon Bayerns; vgl. auch Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band 1. 4., aktualisierte Auflage. Stuttgart 2004, S. 95 ff.
↑Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378. 2. Auflage. München 2009, S. 23 f. Siehe auch die Beiträge in Hans Patze (Hrsg.): Die Grundherrschaft im späten Mittelalter. Sigmaringen 1983 (hier online: Teil 1 und Teil 2).
↑Allgemein vgl. Johann Kirchinger: Landwirtschaft (Spätmittelalter/Frühe Neuzeit), in: Historisches Lexikon Bayerns. Zur Agrargeschichte siehe ausführlich Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016.
↑Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 183 f.
↑Vgl. allgemein auch Werner Rösener: Grundherrschaft. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Bd. 2 (2011), Sp. 581–589.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 82.
↑Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 156.
↑Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Berlin 1985, S. 83.
↑Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 191 ff.
↑Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 194 ff.
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 79 ff.
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 93 ff.
↑Gerd Schwerhoff: Der Bauernkrieg. Geschichte einer wilden Handlung. München 2024.
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 86 ff.
↑Siehe dazu etwa Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. München 1985.
↑Zu Handel und Gewerbe siehe Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 145 ff.
↑Vgl. Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 154.
↑Bernd Fuhrmann: Deutschland im Mittelalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Umwelt. Darmstadt 2017, S. 155.
↑Siehe dazu Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 52 ff.
↑Hansjörg Küster: Am Anfang war das Korn. Eine andere Geschichte der Menschheit. München 2012, S. 183 f.
↑Hubertus Seibert: Geschichte Europas im Mittelalter. Aufbruch in die Vielfalt. Paderborn 2025, S. 343.
↑Hubertus Seibert: Geschichte Europas im Mittelalter. Aufbruch in die Vielfalt. Paderborn 2025, S. 344 f.
↑Vgl. Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378. 2. Auflage. München 2009, S. 164 f.
↑Vgl. Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 17 ff.
↑Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 20 ff.
↑Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 24 ff.
↑Werner Rösener: Agrarwirtschaft, Agrarverfassung und ländliche Gesellschaft im Mittelalter. München 1992, S. 31.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 869 ff.
↑Vgl. den Überblick bei Isabella Lazzarini (Hrsg.): The Later Middle Ages (Short Oxford History of Europe). Oxford 2021, S. 43 ff.
↑Allgemeiner Überblick zu Erhebungen im Mittelalter etwa bei Justine Firnhaber-Baker (Hrsg.): The Routledge History Handbook of Medieval Revolt. Abingdon 2017.
↑Vgl. Ernst Schubert: Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt 1998, S. 48 ff.
↑Vgl. Stefan Brakensiek, Rolf Kießling, Werner Troßbach u. a. (Hrsg.): Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg (1350-1650) (= Grundzüge der Agrargeschichte). Band 1. Köln/Weimar/Wien 2016, S. 28 ff.; Werner Rösener: Die Krise des Spätmittelalters in neuer Perspektive. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 99 (2012), S. 189–208, hier S. 192 ff.
↑Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009, S. 158.
↑Werner Rösener: Die Krise des Spätmittelalters in neuer Perspektive. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 99 (2012), S. 189–208, hier S. 196.
↑Vgl. auch Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 18 f.
↑Materialreich ist Fritz Kern: Die Anfänge der französischen Ausdehnungspolitik bis zum Jahr 1308. Tübingen 1910, in den Wertungen jedoch problematisch. Allgemein zum Beziehungsgeflecht Frankreich und römisch-deutsches Reich im Spätmittelalter siehe Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010 und Stefan Weiß (Hrsg.): Regnum et Imperium. München 2008.
↑Vgl. Kurt-Ulrich Jäschke: Reichsgrenzen und Vasallitäten - zur Einordnung des französisch-deutschen Grenzraumes im Mittelalter. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 22 (1996), S. 113–178.
↑Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 19 ff.
↑Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 35.
↑Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 36 ff.
↑Siehe grundsätzlich den Überblick bei Bertram Resmini: Das Arelat im Kräftefeld der französischen, englischen und angiovinischen Politik nach 1250 und das Einwirken Rudolfs von Habsburg. Köln 1980.
↑Joachim Binder: Heinrich VII. von Luxemburg zwischen Frankreich und dem Reich: Doppelvasall - Realpolitiker - Kaiser. In: Ellen Widder (Hrsg.): Vom luxemburgischen Grafen zum europäischen Herrscher. Luxemburg 2008, S. 15–43.
↑Gerald Schwedler: Deutsch-französische Herrschertreffen im 14. Jahrhundert. Dynastische und staatliche Beziehungen im Wandel. In: Stefan Weiß (Hrsg.): Regnum et Imperium. München 2008, S. 55–100, hier S. 60 ff.
↑Vgl. zu den Hintergründen Stefan Weiß: Das Papsttum, Frankreich und das Reich. Die Goldene Bulle und die Außenpolitik Karls IV. In: Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. Band 2. Berlin 2009, S. 917–930.
↑Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 40.
↑Gerald Schwedler: Deutsch-französische Herrschertreffen im 14. Jahrhundert. Dynastische und staatliche Beziehungen im Wandel. In: Stefan Weiß (Hrsg.): Regnum et Imperium. München 2008, S. 55–100, hier S. 60 f.
↑Gerald Schwedler: Deutsch-französische Herrschertreffen im 14. Jahrhundert. Dynastische und staatliche Beziehungen im Wandel. In: Stefan Weiß (Hrsg.): Regnum et Imperium. München 2008, S. 55–100, hier S. 86 ff.
↑Gerald Schwedler: Deutsch-französische Herrschertreffen im 14. Jahrhundert. Dynastische und staatliche Beziehungen im Wandel. In: Stefan Weiß (Hrsg.): Regnum et Imperium. München 2008, S. 55–100, hier S. 90 ff.
↑Vgl. zur frühen Politik Sigismunds gegenüber Frankreich und England Martin Kintzinger: Westbindungen im spätmittelalterlichen Europa. Auswärtige Politik zwischen dem Reich, Frankreich, Burgund und England in der Regierungszeit Kaiser Sigmunds. Stuttgart 2000, S. 55 ff.
↑Martin Kintzinger: Westbindungen im spätmittelalterlichen Europa. Auswärtige Politik zwischen dem Reich, Frankreich, Burgund und England in der Regierungszeit Kaiser Sigmunds. Stuttgart 2000, S. 96 ff.
↑Vgl. Martin Kintzinger: Westbindungen im spätmittelalterlichen Europa. Auswärtige Politik zwischen dem Reich, Frankreich, Burgund und England in der Regierungszeit Kaiser Sigmunds. Stuttgart 2000, S. 337 ff.
↑Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 164 ff. Zu den diplomatischen Kontakten siehe Gesa Wilangowski: Frieden schreiben im Spätmittelalter. Vertragsdiplomatie zwischen Maximilian I., dem römisch-deutschen Reich und Frankreich. Berlin/Boston 2017.
↑Dazu siehe Rainer Babel: Deutschland und Frankreich im Zeichen der habsburgischen Universalmonarchie 1500–1648. Darmstadt 2005, S. 15 ff.
↑Vgl. Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 319 ff.
↑Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 324.
↑Zu Wirtschaftsbeziehungen und Kultur vgl. Jean-Marie Moeglin: Kaisertum und allerchristlichster König. 1214 bis 1500. Darmstadt 2010, S. 57 ff.
↑Zur Geschichte Frankreichs im Spätmittelalter siehe unter anderem die drei Werke der von Joël Cornette herausgegebenen Reihe Histoire de France: Jean-Christophe Cassard: L'âge d'or capétien: 1180-1328. Paris 2011; Boris Bove: Le temps de la guerre de Cent ans: 1328-1453. Paris 2009; Philippe Hamon: Les Renaissances: 1453-1559. Paris 2009. Siehe des Weiteren Joachim Ehlers: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. Stuttgart 1987; Jean Favier: Frankreich im Zeitalter der Lehnsherrschaft 1000–1515. Stuttgart 1989; Heribert Müller: Frankreich im Spätmittelalter. Vom Königsstaat zur Königsnation (1270–1498). In: Ernst Hinrichs (Hrsg.): Geschichte Frankreichs. Stuttgart 2014, S. 64 ff.; David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003; Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009.
↑Knapper Überblick bei Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 49 ff.
↑Kurzbiographien zu allen nachfolgenden Herrschern bei Joachim Ehlers, Heribert Müller, Bernd Schneidmüller (Hrsg.): Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888–1498. München 1996, auf die hier nicht einzeln verwiesen wird.
↑Michael Richard Brabänder: Die Einflußnahme auswärtiger Mächte auf die deutsche Königswahlpolitik vom Interregnum bis zur Erhebung Karls IV. Frankfurt am Main 1994, S. 126 ff.
↑Vgl. Malcolm Vale: Wie der französische König aus der Feudalgesellschaft ausscherte. In: Bernhard Jussen (Hrsg.): Die Macht des Königs. Herrschaft in Europa vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit. München 2005, S. 216–224.
↑Volker Reinhardt: Pontifex. Die Geschichte der Päpste. München 2017, S. 389 ff.
↑Robert Knecht: The Valois Kings of France 1328–1589. London 2008.
↑Die moderne Fachliteratur zum Hundertjährigen Krieg ist uferlos. Eine detaillierte und aktuelle Fachdarstellung bietet Jonathan Sumption (The Hundred Years War. 5 Bände. London 1990–2023), auf die für alle Details zu verweisen ist; zur französischen Perspektive siehe etwa die diversen Arbeiten von Philippe Contamine. Zusammenfassend siehe (jeweils knapp, aber aktuell und gut zur ersten Orientierung): Anne Curry: Der Hundertjährige Krieg. Darmstadt 2012; Joachim Ehlers: Der Hundertjährige Krieg. 2. Auflage. München 2012: Michael Prestwich: A Short History of the Hundred Years War. London/New York 2018. Vgl. auch Martin Clauss: Das Ringen zwischen England und Frankreich. Der Hundertjährige Krieg. In: Klaus Herbers, Florian Schuller (Hrsg.): Europa im 15. Jahrhundert. Herbst des Mittelalters - Frühling der Neuzeit? Regensburg 2012, S. 183–203.
↑Vgl. Michael Prestwich: A Short History of the Hundred Years War. London/New York 2018, S. 1–8.
↑Vgl. Anne Curry: Der Hundertjährige Krieg. Darmstadt 2012, S. 45 ff.
↑Vgl. Martin Clauss: Krieg der Könige. Monarchen auf den Kriegszügen des Hundertjährigen Krieges. In: Martin Clauss, Andrea Stieldorf, Tobias Weller (Hrsg.): Der König als Krieger. Zum Verhältnis von Königtum und Krieg im Mittelalter. Bamberg 2015, S. 223–264, hier S. 234 ff.
↑Martin Clauss: Krieg der Könige. Monarchen auf den Kriegszügen des Hundertjährigen Krieges. In: Martin Clauss, Andrea Stieldorf, Tobias Weller (Hrsg.): Der König als Krieger. Zum Verhältnis von Königtum und Krieg im Mittelalter. Bamberg 2015, S. 223–264, hier S. 239 ff.
↑Vgl. Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 106 f.
↑Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 111 f.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 2: Trial by Fire. London 1999, S. 405 ff.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 2: Trial by Fire. London 1999, S. 250 ff.
↑Justine Firnhaber-Baker: The Jacquerie of 1358. A French Peasants' Revolt. Oxford 2021.
↑Françoise Autrand: Charles V: le Sage. Paris 1994; François Sarindar: Charles V le Sage. Paris 2023.
↑Vgl. Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 124.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 3: Divided Houses. London 2009.
↑Vgl. Anne Curry: Der Hundertjährige Krieg. Darmstadt 2012, S. 70 f.
↑Vgl. Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 136 f.
↑Françoise Autrand: Charles VI: la folie du roi. Paris 1986.
↑Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 137 ff.
↑Überblick mit der älteren Literatur (einschlägig sind vor allem die Arbeiten Richard Vaughans zu den burgundischen Herzögen) bei Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018.
↑Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 45 ff.
↑Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 142 ff.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 4: Cursed Kings. London 2015.
↑Ian Mortimer: 1415. Henry V's Year of Glory. London 2009.
↑Anne Curry: Agincourt. A New History. Stroud 2005; Anne Curry, Malcolm Mercer (Hrsg.): The Battle of Agincourt. London/New Haven 2015; Ian Mortimer: 1415. Henry V's Year of Glory. London 2009, S. 427 ff.
↑Zu ihm siehe Georges Minois: Charles VII: un roi shakespearien. Paris 2005; eher eine Studie als eine Biographie, dennoch wichtig: Malcolm G. A. Vale: Charles VII. London 1974.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 5: Triumph and Illusion. London 2023.
↑Gerd Krumeich: Jeanne d’Arc. Seherin, Kriegerin, Heilige. Eine Biographie. München 2021.
↑Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 148 ff.
↑Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 160 f.
↑Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 153 ff.
↑Vgl. Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 168 f.
↑Joël Blanchard: Louis XI. Paris 2015; Jean Favier: Louis XI. Paris 2001; Paul Murray Kendall: Louis XI. London 1971.
↑Vgl. Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 17 ff.
↑Zu Karls Politik vgl. zusammenfassend Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 120 ff.
↑Harm von Seggern: Geschichte der Burgundischen Niederlande. Stuttgart 2018, S. 164 ff.
↑Paul Murray Kendall: Louis XI. London 1971, S. 373 f.
↑Michael Edward Mallett, Christine Shaw: The Italian Wars, 1494–1559. 2. Auflage. Abingdon 2019, S. 14 ff.
↑Michael Edward Mallett, Christine Shaw: The Italian Wars, 1494–1559. 2. Auflage. Abingdon 2019, S. 42 ff.
↑Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 61.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 259.
↑Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 260 ff.
↑So jedenfalls Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 873.
↑David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003, S. 123.
↑David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003, S. 124.
↑ Zu Wirtschaft und Gesellschaft ab dem 14. Jahrhundert siehe zusammenfassend den Beitrag bei David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003, S. 117 ff.
↑Zu lokalen sozialen Unruhen in Frankreich im 14. Jahrhundert siehe auch die Quellenpassagen in englischer Übersetzung bei Samuel K. Cohn: Popular Protest in Late Medieval Europe. Manchester 2004, S. 93 ff.
↑Zu Hintergründen, Ausbruch und Verlauf siehe ausführlich Justine Firnhaber-Baker: The Jacquerie of 1358. A French Peasants' Revolt. Oxford 2021; Quellenauszüge bei Samuel K. Cohn: Popular Protest in Late Medieval Europe. Manchester 2004, S. 150 ff.
↑Vgl. Justine Firnhaber-Baker: The Jacquerie of 1358. A French Peasants' Revolt. Oxford 2021, S. 169 ff.
↑David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003, S. 125.
↑Vgl. zusammenfassend Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 62–65.
↑Heribert Müller: Frankreich im Spätmittelalter. Vom Königsstaat zur Königsnation (1270–1498). In: Ernst Hinrichs (Hrsg.): Geschichte Frankreichs. Stuttgart 2014, S. 65.
↑Zur übergreifenden Entwicklung siehe David Capitant: Geschichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit in Frankreich. In: Karl-Peter Sommermann, Bert Schaffarzik (Hrsg.): Handbuch der Geschichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit in Deutschland und Europa. Berlin 2019, S. 1336 ff.
↑Vgl. zu den Details kapetingischer Königsherrschaft etwa David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003, S. 23 ff.
↑Vgl. auch David Potter (Hrsg.): France in the Later Middle Ages. Oxford 2003, S. 10–12.
↑Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 60 f.
↑Malcolm Vale: Wie der französische König aus der Feudalgesellschaft ausscherte. In: Bernhard Jussen (Hrsg.): Die Macht des Königs. Herrschaft in Europa vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit. München 2005, S. 216–224, hier S. 218 ff.
↑Zum Königtum der Valoiszeit vgl. Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 8 ff.
↑Zu Details siehe den Überblick bei Graeme Small: Late Medieval France. Basingstoke 2009, S. 95 ff.
↑Für den Übergang in die Frühe Neuzeit vgl. Robert Knecht: The Rise and Fall of Renaissance France. Oxford 2001; David Potter: A History of France, 1460-1560. The Emergence of a Nation State. London 1995.
↑Die moderne Fachliteratur zum spätmittelalterlichen England ist äußerst umfangreich. Die Bände der Oxford History of England (in der alten und neuen Auflage) bieten den wohl besten und detailliertesten Leitfaden. Es handelt sich um (chronologisch): Maurice Powicke: The Thirteenth Century, 1216–1307. Oxford 1953; May McKisack: The Fourteenth Century, 1307–1399. Oxford 1959; Ernest F. Jacob: The Fifteenth Century, 1399–1485. Oxford 1961 [alte Auflage]; Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005; Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005 [neue Auflage]. Siehe des Weiteren unter anderem Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995; Maurice Hugh Keen: England in the Later Middle Ages. A Political History. 2. Auflage. London/New York 2003; Alan Harding: England in the Thirteenth Century. Cambridge 1993; Scott L. Waugh: England in the Reign of Edward III. Cambridge 1991; Anthony J. Pollard: Late Medieval England 1399-1509. Harlow 2000. Vgl. auch Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002.
↑Zur spätmittelalterlichen Geschichte der britischen Inseln allgemein siehe Michael Brown: Disunited Kingdoms. Peoples and Politics in the British Isles 1280-1460. Abingdon/New York 2013; Stephen H. Rigby (Hrsg.): A Companion to Britain in the Later Middle Ages. Oxford 2003.
↑Vgl. Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 26.
↑Knapper Überblick bei Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 25 ff.
↑Grundsätzlich zu allen hier erwähnten Personen siehe die Einträge im Oxford Dictionary of National Biography (jeweils mit reichhaltigen Literaturangaben). Grundlegend zu Eduard I. ist weiterhin Michael Prestwich: Edward I. New Haven/London 1988. Vgl. auch Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 156 ff.; Andy King: Edward I. London 2016.
↑Vgl. Michael Prestwich: The Three Edwards. War and State in England, 1272-1377. 2. Auflage. London/New York 2003.
↑Zusammenfassend Andy King: Edward I. London 2016, S. 50 ff.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 168 ff.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 176.
↑Zusammenfassend zur Innenpolitik Andy King: Edward I. London 2016, S. 25 ff.
↑Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 190 f.
↑Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 191 f.
↑Umfassend und grundlegend ist Seymour Phillips: Edward II. New Haven/London 2010. Vgl. auch Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 193 ff.; Christopher Given-Wilson: Edward II. London 2016; Gwilym Dodd, Anthony Musson (Hrsg.): The Reign of Edward II. New Perspectives. Woodbridge 2006.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 178.
↑Vgl. differenziert dazu Christopher Given-Wilson: Edward II. London 2016, S. 12.
↑Seymour Phillips: Edward II. New Haven/London 2010, S. 410 ff.
↑Vita Edwardi Secundi, sub anno 1313 (Set non est tutum contra regem ceruicem erigere, quia tristes exitus frequenter solet afferre.), vgl. W.R. Childs (Hrsg.): Vita Edwardi Secundi. Oxford 2005, S. 76 f. (lateinischer Text und englische Übersetzung).
↑Vgl. Seymour Phillips: Edward II. New Haven/London 2010, S. 502 ff.
↑Vgl. Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 217 f.
↑Seymour Phillips: Edward II. New Haven/London 2010, S. 607 ff.
↑Grundlegend ist W. Mark Ormrod: Edward III. New Haven/London 2011. Aus der überaus reichhaltigen Fachliteratur zu Eduard III. siehe ansonsten etwa Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 219 ff.; Ian Mortimer: The Perfect King. The Life of Edward III, Father of the English Nation. London 2006; Jonathan Sumption: Edward III. A Heroic Failure. London 2016.
↑Vgl. Martin Clauss: Krieg der Könige. Monarchen auf den Kriegszügen des Hundertjährigen Krieges. In: Martin Clauss, Andrea Stieldorf, Tobias Weller (Hrsg.): Der König als Krieger. Zum Verhältnis von Königtum und Krieg im Mittelalter. Bamberg 2015, S. 223–264.
↑Vgl. knapp zusammenfassend Anne Curry: Der Hundertjährige Krieg. Darmstadt 2012, S. 65 ff.
↑W. Mark Ormrod: Edward III. New Haven/London 2011, S. 90 ff.
↑W. Mark Ormrod: Edward III. New Haven/London 2011, S. 147 ff.
↑Vgl. Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 441 ff.; W. Mark Ormrod: Edward III. New Haven/London 2011, S. 550 ff.
↑W. Mark Ormrod: Edward III. New Haven/London 2011, S. 602 („valiant hero and martial monarch“), vgl. zur Gesamtbeurteilung ebd., S. 577 ff.
↑Siehe dazu Martin Clauss: Überlegungen zur militärischen Macht eines mittelalterlichen Herrschers am Beispiel Eduards III. von England. In: Mechthild Albert, Elke Brüggen, Konrad Klaus (Hrsg.): Die Macht des Herrschers. Personale und transpersonale Aspekte. Göttingen 2019, S. 191–217.
↑Ian Mortimer: The Perfect King. The Life of Edward III, Father of the English Nation. London 2006, S. 395 f.
↑Grundlegend ist Nigel Saul: Richard II. New Haven/London 1997. Siehe des Weiteren Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 252 ff.; Christopher Fletcher: Richard II. Manhood, Youth, and Politics, 1377–99. Oxford 2008.
↑David Preest, James G. Clark: The Chronica Maiora of Thomas Walsingham (1376–1422). Woodbridge 2005 (ausführlich kommentierte englische Übersetzung).
↑Nigel Saul: Richard II. New Haven/London 1997, S. 56 ff.
↑Nigel Saul: Richard II. New Haven/London 1997, S. 148 ff.
↑Nigel Saul: Richard II. New Haven/London 1997, S. 435.
↑Vgl. dazu Louisa Desaussure Duls: Richard II in the Early Chronicles. The Hague 1975.
↑Nigel Saul: Richard II. New Haven/London 1997, S. 436 f.
↑Nigel Saul: Richard II. New Haven/London 1997, S. 439.
↑Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 278.
↑Chris Given-Wilson: Henry IV. New Haven/London 2016.
↑Chris Given-Wilson: Henry IV. New Haven/London 2016, S. 291 ff.
↑Vgl. dazu Michael Bennett: Henry IV, the Royal Succession and the Crisis of 1406. In: Gwilym Dodd, Douglas Biggs (Hrsg.): The Reign of Henry IV. Rebellion and Survival, 1403-1413. Woodbridge 2008, S. 9–27.
↑Chris Given-Wilson: Henry IV. New Haven/London 2016, S. 526 ff.
↑Grundlegend ist die Biographie Christopher T. Allmand: Henry V. London 1992. Siehe auch Anne Curry: Henry V. From Playboy Prince to Warrior King. London 2018; Dan Jones: Henry V. The Astonishing Rise Of England's Greatest Warrior King. London 2024. Sehr viel kritischer als die meisten Forscher ist A. J. Pollard: Henry V. Stroud 2014.
↑Zum Feldzug siehe die Darstellung bei Ian Mortimer: 1415. Henry V's Year of Glory. London 2009, S. 323 ff.
↑Vgl. A. J. Pollard: Henry V. Stroud 2014, S. 103 ff.
↑Knapper Überblick bei Malcolm Vale: The Ancient Enemy. England, France and Europe from the Angevins to the Tudors 1154-1558. London/New York 2007.
↑Vgl. dazu Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 93 ff.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 1: Trial by Battle. London 1990, S. 69 f.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 1: Trial by Battle. London 1990, S. 71 f.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 1: Trial by Battle. London 1990, S. 72 ff.
↑Vgl. dazu Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 299 ff.; Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 1: Trial by Battle. London 1990, S. 79 ff.
↑Siehe dazu Malcolm Vale: Wie der französische König aus der Feudalgesellschaft ausscherte. In: Bernhard Jussen (Hrsg.): Die Macht des Königs. Herrschaft in Europa vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit. München 2005, S. 216–224.
↑Alois Gerlich: König Adolf von Nassau im Bund mit Eduard I. von England. Könige, Adelsrevolten, Kurfürstenopposition (1294-1298). In: Nassauische Annalen 113 (2002), S. 1–57.
↑Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 179 f.
↑Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets. Stuttgart 2003, S. 185 ff.
↑Jonathan Sumption: The Hundred Years War. 5 Bände. London 1990–2023.
↑Vgl. Malcolm Vale: The Ancient Enemy. England, France and Europe from the Angevins to the Tudors 1154-1558. London/New York 2007, S. 101 ff.
↑Vgl. auch Susan Rose: Calais. An English town in France, 1347-1558. Woodbridge 2008.
↑Vgl. Malcolm Vale: The Ancient Enemy. England, France and Europe from the Angevins to the Tudors 1154-1558. London/New York 2007, S. 111 ff.
↑Siehe für das späte 13. und das 14. Jahrhundert grundsätzlich die materialreiche Darstellung bei Fritz Trautz: Die Könige von England und das Reich 1272–1377. Heidelberg 1961.
↑Vgl. Fritz Trautz: Die Könige von England und das Reich 1272–1377. Heidelberg 1961, S. 231 ff.
↑Stefan Weiß: Das Papsttum, Frankreich und das Reich. Die Goldene Bulle und die Außenpolitik Karls IV. In: Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel und Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption. Band 2. Berlin 2009, S. 917–930, hier S. 924 f.
↑Martin Kintzinger: Westbindungen im spätmittelalterlichen Europa. Auswärtige Politik zwischen dem Reich, Frankreich, Burgund und England in der Regierungszeit Kaiser Sigmunds. Stuttgart 2000, S. 96 ff.
↑Zur Entwicklung im Hochmittelalter siehe Robert Bartlett: England Under the Norman and Angevin Kings (1075–1225). Oxford 2000; Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002, S. 128 ff.
↑Siehe allgemein S. B. Chrimes: An Introduction to the Administrative History of Medieval England. 3. Auflage. Oxford 1966; C. T. Clanchy: From Memory to Written Record. England 1066–1307. 3. Auflage. Malden, MA/Oxford 2013.
↑Vgl. Robert Bartlett: England Under the Norman and Angevin Kings (1075–1225). Oxford 2000, S. 193 ff.
↑Robert Bartlett: England Under the Norman and Angevin Kings (1075–1225). Oxford 2000, S. 199 f.
↑Zusammenfassender Überblick zur Entwicklung bei Stefan G. Holz: Rolle und Kodex. Die Schriftlichkeit der königlichen Finanzverwaltung Englands unter Eduard I. (1272-1307). Berlin/Boston 2022, S. 13 ff. (online).
↑Vgl. zur Quellenlage etwa Gottfried Niedhart (Hrsg.): Einführung in die englische Geschichte. München 1982, S. 250 ff.
↑Vgl. Robert Bartlett: England Under the Norman and Angevin Kings (1075–1225). Oxford 2000, S. 147 ff.
↑Zu allen Details hinsichtlich der Herrschaftsstruktur siehe ausführlich Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 55 ff.; Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 41 ff.
↑Zusammenfassend Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002, S. 204 f.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 55 f.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 58 ff.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 70 f.
↑Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002, S. 205 f.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 131 ff.
↑Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 66 ff.
↑Vgl. Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 67 f.
↑Hubertus Seibert: Geschichte Europas im Mittelalter. Aufbruch in die Vielfalt. Paderborn 2025, S. 221.
↑Vgl. Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 69 ff.
↑Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002, S. 165 f.
↑Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 72 f.
↑Hubertus Seibert: Geschichte Europas im Mittelalter. Aufbruch in die Vielfalt. Paderborn 2025, S. 222.
↑Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 74 ff.
↑Zusammenfassend zu allen Aspekten vgl. A. L. Brown: The Governance of Late Medieval England 1272–1461. London 1989.
↑Zur Rolle der Gesetzgebung und Politik siehe Anthony Musson: Medieval Law in Context. Manchester 2001.
↑Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 41 f.
↑Vgl. Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002, S. 202 f.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 176.
↑Zur Geldmenge vgl. Andy King: Edward I. London 2016, S. XI.
↑Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 58 f.
↑Siehe dazu Ole J. Benedictow: The Complete History of the Black Death. Woodbridge 2021, S. 330 ff.
↑Michael Prestwich: Plantagenet England. Oxford 2005, S. 9.
↑Vgl. Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 218 ff.
↑Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 221.
↑Vgl. Mark Bailey: After the Black Death. Economy, Society, and the Law in Fourteenth-Century England. Oxford 2021. Zur spätmittelalterlichen englischen Sozialgeschichte siehe etwa die Beiträge in Rosemary Horrox, W. Mark Ormrod (Hrsg.): A Social History of England, 1200-1500. Cambridge 2006 sowie Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995.
↑Vgl. Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 221 ff.; Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 80 ff.
↑Vgl. Maryanne Kowaleski: A consumer economy. In: Rosemary Horrox, W. Mark Ormrod (Hrsg.): A Social History of England, 1200-1500. Cambridge 2006, S. 238 ff.
↑Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 81 f.
↑Vgl. Michael North: Europa expandiert. 1250–1500. Stuttgart 2007, S. 40.
↑Vgl. Philippa C. Maddern: Social mobility. In: Rosemary Horrox, W. Mark Ormrod (Hrsg.): A Social History of England, 1200-1500. Cambridge 2006, S. 113 ff., Zitat ebd., S. 132: „So, is ‘an age of ambition’ an apt description of late medieval England, or even of England at any particular point in the period 1200–1500? Considering the overall effects of all known forms of social mobility, this seems doubtful.“
↑Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 82.
↑Mark Bailey: English Manor, c. 1200–c. 1500. Selected Sources. Manchester/New York 2002.
↑Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 82 ff.
↑Vgl. Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 114 f.
↑Mark Bailey: After the Black Death. Economy, Society, and the Law in Fourteenth-Century England. Oxford 2021, S. 77 ff.
↑Juliet Barker: 1381. The Year of the Peasants' Revolt. Cambridge (Massachusetts) 2014, S. 152 ff.
↑Vgl. auch Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 118 ff.
↑Juliet Barker: 1381. The Year of the Peasants' Revolt. Cambridge (Massachusetts) 2014, S. 144 ff.
↑Stephen H. Rigby: English Society in the Later Middle Ages. Class, Status and Gender. London 1995, S. 123.
↑Zur Niederschlagung und den Folgen vgl. Juliet Barker: 1381. The Year of the Peasants' Revolt. Cambridge (Massachusetts) 2014, S. 372 ff.
↑Vgl. Mark Bailey: After the Black Death. Economy, Society, and the Law in Fourteenth-Century England. Oxford 2021, S. 268 f.
↑Überblick zu dieser Entwicklung bei Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 234 ff.
↑Vgl. Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 240 f.
↑Mark Bailey: After the Black Death. Economy, Society, and the Law in Fourteenth-Century England. Oxford 2021, S. 331.
↑Gerald Harriss: Shaping the Nation. Oxford 2005, S. 256 ff.
↑Zur Stadt siehe Caroline M. Barron: London in the later Middle Ages. Government and People, 1200-1500. Oxford 2004 (ebd., S. 238: Bevölkerung um 1300 minimal 50.000 und vermutlich näher an 80.000).
↑Vgl. dazu allgemein Richard Britnell: Town life. In: Rosemary Horrox, W. Mark Ormrod (Hrsg.): A Social History of England, 1200-1500. Cambridge 2006, S. 134 ff.
↑Vgl. Michael Menzel: Die Zeit der Entwürfe (1273–1347). Stuttgart 2012, S. 14 ff.
↑Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017, S. 18 ff.
↑Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 11 ff.
↑Einen ersten Überblick bietet Winfried Dotzauer (Hrsg.): Quellenkunde zur deutschen Geschichte im Spätmittelalter. Darmstadt 1996, S. 54 ff.
↑Vgl. Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. Stuttgart 2005, S. 12 f.
↑Vgl. Christian Hesse: Synthese und Aufbruch (1346–1410). Stuttgart 2017, S. 19.
↑Vgl. die Angaben bei Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215–1378, 2. Auflage. München 2009; Erich Meuthen: Das 15. Jahrhundert. 5. Auflage. München 2012.
↑Überblick zu weiteren Quellenkunden und Literaturgeschichte etc. etwa bei Hans-Werner Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart 2025, S. 269 ff.
↑Einen ersten allgemeinen Überblick zur Fachliteratur bietet unter anderem Hans-Werner Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart 2025, S. 45 ff.
Das Ensemble für frühe Musik Augsburg ist ein Ensemble für Alte Musik, das 1977 gegründet wurde[1]. Der Schwerpunkt der Musik liegt auf deutschsprachigen Liedern des 12.–15. Jahrhunderts.
Geschichte
1977 gründeten Hans Ganser, Rainer Herpichböhm und Heinz Schwamm das Ensemble. 1981 stieß Sabine Lutzenberger als Sängerin hinzu. Sie stieg als festes Mitglied im Jahre 2000 aus, steht dem Ensemble aber nach wie vor zur Verfügung. Das Ensemble baut seine Instrumente selber und umfasst verschiedene Fideln, Rebab, Lauten, Chitarra saracenica, Psalterium, gotische Harfen, Drehleiern, Blockflöten, Schalmeien und Schlagwerk.