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Wiedererzählen und Übersetzen

Noir24admin Mittelalter 22. Juni 2026

Die literaturwissenschaftliche Unterscheidung zwischen Wiedererzählen und Übersetzen ist ein in der germanistischen Mediävistik und darüber hinaus weit verbreitetes Paradigma, das auf einen Forschungsaufsatz des Mediävisten Franz Josef Worstbrock zurückgeht. Es geht dabei um den Unterschied zwischen der Art, wie (antike) Texte im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit in andere Sprachen übertragen werden.

Grundlage nach Worstbrock

In einem 1999 veröffentlichten gleichnamigen Artikel[1] erläutert Worstbrock, dass literarisches Erzählen im Mittelalter nicht auf Originalität, sondern auf der Überliefertheit des Erzählstoffes basiere. Im deutschsprachigen Mittelalter wurden vor allem bereits vorhandene Geschichten nacherzählt, etwa die Artusliteratur, deren deutsche Versionen auf den französischen Texten von Chrétien de Troyes beruhen, oder antike Stoffe wie der Trojanische Krieg. Dabei stehe der Erzählstoff (die materia) im Vordergrund, der Stil und die Form der Erzählung seien zweitrangig.[1.1] So wurden die Erzählungen stark an zeitgenössische Vorstellungen angepasst (mediävalisiert).[2] In modernem Erzählen findet sich diese Art der Adaption etwa im Witz, der weitererzählt wird, ohne dass auf den genauen Wortlaut geachtet wird, und in dem einzelne Elemente angepasst werden können, solange die Pointe stimmt.[3] Für diese Art der Adaption von Erzählungen wählt Worstbrock den Begriff Wiedererzählen.

Dagegen grenzt er Übersetzen ab, das sich erst in der Frühen Neuzeit (ab dem späten 15. Jahrhundert) entwickle, sodass „Wiedererzählen und methodisches Übersetzen [...] demgemäß, ungeachtet aller Fälle von Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, historisch einander inkompatibel, Positionen verschiedener Historizität sind.“[1.2]

Übersetzen wird als „präzise Wiederholung eines Originals“ aufgefasst.[1.3] Als Merkmale des Übersetzens beschreibt Worstbrock, dass eine Reflexion über die Frage der Äquivalenz, also der Übereinstimmung von Ausgangs- und Zieltext stattfinden müsse, der Ausgangstext den Zieltext bestimmen müsse und der Autor des Ausgangstexts genannt werde.[1.3] Deshalb sei für Übersetzen ein moderner Werk- und Autorbegriff nötig, der sich erst mit dem Humanismus entwickle.[1.4] Vorbilder für diese Kriterien sind die frühneuzeitlichen Antikenübersetzungen von Niklas von Wyle und Matthias Ringmann. Die Beobachtung, dass Erzählen im Mittelalter nicht mit Neuschöpfung und Originalität verbunden wird, wie es (spätestens) seit der Goethezeit passiert, wurde bereits vor Worstbrock gemacht. Seine Begriffsprägung als Wiedererzählen hat dem Phänomen jedoch einen kanonischen Namen gegeben.[4]

Moderne Entwicklung

Insbesondere das Konzept Wiedererzählen wird bei der Erforschung mittelalterlicher Texte bis heute verwendet und ist „in den letzten 20 Jahren zum wichtigsten, wenn auch zum Teil erheblich kritisierten Ansatz für die Erforschung der Erzählverfahren sowie der Poetologien der mittelhochdeutschen Erzähldichtung avanciert“[5]. Neuere Konzepte wie das Wiederdichten bauen wesentlich auf dem Wiedererzählen auf und leiten sich auch sprachlich davon ab.[6] Über das Mittelalter hinaus wird es auch im Bereich der Fanfiction genutzt.[7] Im Englischen wird der Begriff „retelling“ verwendet, um vor allem moderne Neuerzählungen klassischer Texte zu beschreiben, beispielsweise die Nacherzählungen antiker Mythen wie in Madeline Millers Romanen.[8]

Kritik

Wiedererzählen bzw. retelling ist als Begriff nach wie vor verbreitet, auch wenn es sowohl Kritik als auch Versuche gab, begriffliche Alternativen wie Anders- oder Neuerzählen zu etablieren.[9]

Dagegen wurde die Abgrenzung zum Übersetzen vor allem von Frühneuzeit-Forschenden als reduktionistisch kritisiert.[10][11][12][13][14] Es wurde angemerkt, dass die Gegenüberstellung von Wiedererzählen und Übersetzen einen sehr engen Übersetzungsbegriff verwendet.[15][12] Dem steht der Begriff der kulturellen Übersetzung gegenüber, der auch freiere Übertragungen zwischen Kulturen mit einschließt, zum Beispiel durch Kunst oder Musik, und der vor allem in den Geschichts- und Sozialwissenschaften angewandt wird.[16] Außerdem beschreibe das Modell nur zwei äußere Pole einer Skala. Es sei aber schon im Mittelalter „die Pluralität der Strategien und Prinzipien des Übersetzens auffällig“ gewesen,[17] und auch in der Frühen Neuzeit werde „[d]ie Praxis des Wiedererzählens […] nicht vollständig von einem formbewussten Übersetzen abgelöst, sondern sie wird parallel dazu fortgeführt.“[18]

Auch in den Translation Studies betonen viele Forschende die Kontinuität in der Übersetzungspraxis zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit.[19][20]

Einzelnachweise

  1. ↑ Franz Josef Worstbrock: Wiedererzählen und Übersetzen. In: Walter Haug (Hrsg.): Mittelalter und frühe Neuzeit. Übergänge, Umbrüche und Neuansätze. Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-15516-7 (128-142 S.). 
    1. ↑ S. 135
    2. ↑ S. 130
    3. ↑ a b S. 130f.
    4. ↑ S. 133
  2. ↑ Elisabeth Lienert: Deutsche Antikenromane des Mittelalters (= Grundlagen der Germanistik. Band 35). Erich Schmidt, Berlin 2001, ISBN 978-3-503-06116-7. 
  3. ↑ Johannes Klaus Kipf: Zwischen Wiedererzählen und Übersetzung. Übertragungen frühneuhochdeutscher Schwänke in neulateinische Fazetien und umgekehrt im Vergleich. In: Britta Bußmann (Hrsg.): Übertragungen. Formen und Konzepte von Reproduktion in Mittelalter und Früher Neuzeit. De Gruyter, Berlin und New York 2005, ISBN 978-3-11-018339-9, S. 219 (219-251 S.). 
  4. ↑ Friedrich Michael Dimpel: Freiräume des Anderserzählens im "Lanzelet" (= Beihefte zum Euphorion. Heft 73). Winter, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8253-6224-9, S. 9 f. 
  5. ↑ Jan Stellmann: Artifizialität und Agon. Poetologien des Wi(e)derdichtens im höfischen Roman des 12. und 13. Jahrhunderts. De Gruyter, Berlin / Boston 2022, ISBN 978-3-11-071995-6, S. 16, doi:10.1515/9783110719956. 
  6. ↑ Jan Stellmann: Artifizialität und Agon: Poetologien des Wi(e)derdichtens im höfischen Roman des 12. und 13. Jahrhunderts (= Andere Ästhetik. Studien. Nr. 3). De Gruyter, Berlin; Boston 2022, ISBN 978-3-11-069266-2, S. 42–52. 
  7. ↑ Thalia Vollstedt: Wiedererzählen von Mittelalter bis Gegenwart: Albrechts "Jüngerer Titurel" als Fanfiction (= Populäres Mittelalter. Band 8). transcript, Bielefeld 2025, ISBN 978-3-8394-0604-5. 
  8. ↑ ERC Project DERIVATE – Chair of English Literature including the Literatures of the Middle Ages. Abgerufen am 8. Juni 2026 (englisch). 
  9. ↑ Jan Stellmann: Artifizialität und Agon: Poetologien des Wi (e) derdichtens im höfischen Roman des 12. und 13. Jahrhunderts. Berlin 2022, ISBN 978-3-11-069266-2, S. 16 f. (De Gruyter). 
  10. ↑ Regina Toepfer: Frühneuzeitliche Konzepte und Reflexionen des Übersetzens: Prinzipien. In: Handbuch Übersetzen in der Frühen Neuzeit. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-662-68654-6, S. 6, doi:10.1007/978-3-662-68654-6_19-1 (1-8 S.). 
  11. ↑ Regina Toepfer, Johannes Klaus Kipf, Jörg Robert: Einleitung: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). In: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). De Gruyter, 2017, ISBN 978-3-11-052723-0, S. 11–13, doi:10.1515/9783110527230-001 (1–24 S.). 
  12. ↑ a b Jan-Dirk Müller: Parameter des Übersetzens. In: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). De Gruyter, 2017, ISBN 978-3-11-052723-0, S. 33 f., doi:10.1515/9783110527230-003 (33–56 S.). 
  13. ↑ Elisabeth Schmid: Erfinden und Wiedererzählen. In: Renate Schlesier und Beatrice Trînca (Hrsg.): Inspiration und Adaptation. Tarnkappen mittelalterlicher Autorschaft (= (Spolia Berolinensia 29)). Weidmann, Hildesheim 2008, S. 41–55. 
  14. ↑ Ludger Lieb: Die Potenz des Stoffes. Eine kleine Metaphysik des Wiedererzählens. In: Zeitschrift für deutsche Philologie. 124 (Sonderheft), 2005, S. 356–379. 
  15. ↑ Regina Toepfer: Translationsanthropologie. Philologische Übersetzungsforschung als Kulturwissenschaft: mit einer exemplarischen Analyse der ersten deutschen 'Odyssee' von Simon Schaidenreisser (1537/38) (= Neue Perspektiven der Frühneuzeitforschung. Band 7). 1. Auflage. Wehrhahn Verlag, Hannover 2022, ISBN 978-3-86525-952-3, S. 18 f. 
  16. ↑ Peter Burschel: Sektionseinleitung III: Kulturelle Zugehörigkeiten und Gesellschaft. In: Übersetzen in der Frühen Neuzeit – Konzepte und Methoden / Concepts and Practices of Translation in the Early Modern Period. Band 1. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-62561-3, S. 259 f., doi:10.1007/978-3-662-62562-0_17 (357–364 S.). 
  17. ↑ Regina Toepfer, Johannes Klaus Kipf, Jörg Robert: Einleitung: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). In: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). De Gruyter, 2017, ISBN 978-3-11-052723-0, S. 11, doi:10.1515/9783110527230-001 (1–24 S.). 
  18. ↑ Regina Toepfer, Johannes Klaus Kipf, Jörg Robert: Einleitung: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). In: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). De Gruyter, 2017, ISBN 978-3-11-052723-0, S. 12, doi:10.1515/9783110527230-001 (1–24 S.). 
  19. ↑ Hans J. Vermeer: Das Übersetzen in Renaissance und Humanismus: 15. und 16. Jahrhundert. 2: Der deutschsprachiger Raum: Literatur und Indices (= Reihe Wissenschaft. Band 7). TextconText-Verl, Heidelberg 2000, ISBN 978-3-9805370-9-4, S. 121–124. 
  20. ↑ Susan Bassnett: Translation studies (= New accents). Vierte Auflage. Routledge, London New York 2014, ISBN 978-0-415-50670-0, S. 52 f. (englisch). 



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Wiedererzählen und Übersetzen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Priesterkönig Johannes

Noir24admin Mittelalter 22. Juni 2026
Wappen des Priesterkönigs Johannes aus dem Libro del conoscimiento de todos reynos (14. Jahrhundert)

Der Priesterkönig Johannes (lateinischer Titel: Rex et sacerdos oder Indorum rex, auch Priester Johannes, Presbyter Johannes, englisch: Prester John) ist ein mythischer Regent des Mittelalters, der angeblich ein großes und mächtiges christliches Reich im östlichen Asien beherrscht haben soll.

Entstehung der Legende

Darstellung des Priesters Johannes in der Schedelschen Weltchronik (1493)

Der syrische Bischof Hugo von Jabala überbrachte 1145 Papst Eugen III., der sich im Palazzo dei Papi in Viterbo aufhielt, die Kunde von der Rückeroberung der Stadt Edessa durch die Muslime und wollte ihn zu einem weiteren Kreuzzug gegen die „Sarazenen“ veranlassen. Er berichtete ihm auch von einem mächtigen, christlichen König namens Johannes. Dieser sei Herrscher eines großen Reiches östlich von Persien und Armenien und habe bereits die persische Stadt Echatane, das heutige Hamadan, in einer großen Schlacht von den Muslimen erobert. Er beabsichtige, nach Jerusalem weiterzuziehen, scheiterte jedoch, weil sein Heer den Tigris nicht überqueren konnte. Johannes sei ein Nachfahre der Weisen aus dem Morgenland.[1]

Historisch kommt nur eine Schlacht jener Epoche infrage, bei der ein muslimisches Heer vernichtend geschlagen wurde. Am 9. September 1141 wurden die Seldschuken in der Schlacht von Qatwan von den Kara Kitai unter dem Gur-Khan Yelü Dashi besiegt. Den Ort der Schlacht, die Qatwan-Steppe nordwestlich der Stadt Samarqand im heutigen Usbekistan, kann man, die lückenhaften geografischen Kenntnisse jener Zeit zugrunde gelegt, durchaus im weitesten Sinne mit „Persien“ identifizieren.[2.1] Gur-khan oder Kor-khan ist der Titel der Karakitai-Herrscher, der sich möglicherweise im Hebräischen phonetisch zu Jochanan (Yoḥanan) wandelte und so zum lateinischen Johannes (Iohannis) führte.[1]

In einer anderen Interpretation der Legende wird neben Yelü Dashi der Ende des 12. Jahrhunderts lebende Toghrul Khan (auch: Wang Khan oder Ong Khan), letzter Herrscher der mongolischen Keraiten, mit der Gestalt des Priesterkönigs in Verbindung gebracht.[3]

Der Chronist und Bischof Otto von Freising befand sich im Gefolge des Papstes und erwähnte die Episode in Buch 7 seiner umfassenden, 1143 bis 1146 entstandenen Weltchronik Chronica sive Historia de duabus civitatibus (Geschichte der beiden Reiche[Anm. 1]). Er hegte die Hoffnung, Johannes könne die Christenheit im Kampf gegen die „Mohammedaner“ unterstützen.

Ein angeblich von Johannes persönlich an den byzantinischen Kaiser Manuel I. Komnenos geschriebener Brief (Joannis presbiteri Epistola) tauchte 1165 auf. Es handelte sich, wie man heute weiß, um eine Fälschung, deren tatsächlicher Autor unbekannt ist. Der Brief erregte ein solches Aufsehen, dass sich Papst Alexander III. zu einer umfassenden Gegendarstellung genötigt sah. Die Reaktion des Papstes war ambivalent: Während er einerseits seinen Alleinvertretungsanspruch bedroht sah, erwartete er andererseits die aktive Unterstützung des legendären Königs im Kampf gegen die Muslime. In den folgenden Jahrhunderten, insbesondere nach Erfindung des Buchdruckes, wurde der Brief so oft kopiert, dass heute noch zahlreiche Exemplare erhalten sind.

Mythos

Der Brief beschreibt das sagenhafte Land des Priesterkönigs und dessen vielfältige Wunder detailliert:

Johannes schreibt, dass ihm 72 Könige tributpflichtig seien. Sein Reich mit der Hauptstadt Bibrich (oder Bribrich) erstrecke sich vom jenseitigen Indien[Anm. 2] durch die Wüste bis zum Aufgang der Sonne. Dort gebe es neben Elefanten, Kamelen und Dromedaren auch Vampire, gehörnte Menschen, Faune, Satyrn, Pygmäen, Hundsköpfige, Giganten, Zyklopen, Einäugige und den Vogel Phönix.

Durch das Reich fließe der Fluss Ydonus, der im Garten Eden entspringe. Die Flusskiesel seien Edelsteine. Am Fuß des Berges Olymp entspringe eine Quelle, die demjenigen Unsterblichkeit verleihe, der dreimal aus ihr getrunken habe. In einem Meer aus Sand finde man Steine, die Krankheiten heilen könnten. Dort gebe es auch einen wie eine Muschel geformten, ausgehöhlten Stein mit heilkräftigem Wasser, das von Lepra und jeder anderen Krankheit heile, wenn man darin bade. In der Wüste lebten Würmer im Feuer, die sich mit einem Häutchen von feinsten Seidenfäden umgäben, aus denen man Kleider und Tücher für den König fertige, die im Feuer gewaschen würden. Der Heerzug gegen die Feinde werde von dreizehn Wagen mit riesigen goldenen Kreuzen angeführt, denen jeweils 10.000 Reiter und 100.000 Fußsoldaten folgten.

Der Palast des Priesterkönigs Johannes wird als prächtig ausgestattet beschrieben. Die Türen seien mit dem Horn der Hornschlange (Cerastes) bedeckt, so dass angeblich niemand Gift in den Palast bringen könne. Die Wände und Fußböden bestünden aus Onyx, die Esstische aus Gold und Amethyst. Die Schlafkammer des Königs sei mit wunderbaren Goldarbeiten und Edelsteinen geschmückt, das Bett aus einem einzigen Saphir gefertigt. In der Nähe des Palastes stehe ein Turm mit einem gigantischen Spiegel, zu dem man über 125 Stufen hinaufsteigen müsse. In diesem Spiegel könne der König die Geschehnisse in allen Provinzen seines Reiches verfolgen und jegliche Verschwörung gegen den Thron erkennen.

Es gebe außerdem einen weiteren Palast, dessen Bauplan Gott dem Vater des Johannes in einer Vision gezeigt habe. Zu dem Bau habe man die wertvollsten Edelsteine und Gold als Mörtel verwendet. Wer dort eintrete, verliere jegliches Hungergefühl und sei, wenn er ihn wieder verlasse, wundersam gesättigt, gestärkt und von Krankheiten geheilt. In einer Ecke des Thronsaales entspringe eine Quelle. Wer von ihr koste, schmecke das, was er gerade zu essen oder zu trinken wünsche. Wer mehrmals von der Quelle trinke, werde dreihundert Jahre alt und sich dabei immer im besten Jugendalter befinden. Die Eingangspforte sei 130 Ellen hoch, aus funkelndem Kristall, umgeben mit reinstem Gold, und sie öffne und schließe sich ohne Berührung von selbst.

Der Brief endet mit einer Erklärung, dass Johannes sich den Titel „Presbyter“ aus Bescheidenheit gegeben habe, da seine Untergebenen alle von solch hohem kirchlichen und weltlichen Rang seien, dass kein noch so wohlklingender Titel seiner Macht und Größe gerecht werde.[4]

Die Beschreibung des Landes und der prächtig ausgestatteten Paläste des Priesterkönigs Johannes erinnert an die Schilderungen von Dschanna, wie sie dem Koran und den Hadithen zu entnehmen ist. Die islamischen Visionen vom Paradies waren im Westen aus Berichten von Reisenden sehr wohl bekannt und kulminierten 1264 in dem mittelalterlichen Buch Liber Scalae Machometi, der lateinischen Fassung der Kitab al-Miraj.[5] Die Erzählungen dürften auch dem unbekannten Verfasser des Briefes geläufig gewesen sein, der zweifelsohne einem gelehrten, geistlichen Umfeld angehörte.[6]

Rezeption

Hinter dem Pseudonym Jean de Mandeville verbirgt sich ein unbekannter Autor, der zwischen 1357 und 1371 aus unterschiedlichen Quellen eine französischsprachige Erzählung über eine abenteuerliche Reise ins „Heilige Land“, den Nahen und Mittleren Osten und das geheimnisvolle Reich des Priesterkönigs Johannes zusammenfügte. In dem Werk tauchen die verschiedenen Narrative aus dem Johannes-Brief auf, so zum Beispiel die wasserlose Wüste, der Fluss mit Edelsteinen, der Heerzug mit den vorangetragenen, goldenen Kreuzen, die gehörnten Menschen und andere Fabelwesen. Den Palast des Priesterkönigs, ausgestattet mit den bereits im Johannes-Brief erwähnten kostbaren Gegenständen, verortet Mandeville in Susa.[7] Die Bedeutung des Mandeville-Textes liegt nicht in seinem Wahrheitsgehalt, sondern vielmehr in seinem weitreichenden Einfluss. Mandevilles „Reisen“ ist eines der populärsten Werke der europäischen Literatur des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Einige der führenden Kartographen jener Zeit betrachteten es als Quelle verlässlicher Informationen. Der Text wurde in zehn Sprachen übersetzt, und es sind heute noch zahlreiche Ausgaben erhalten.

Zu den Autoren, die sich im Laufe der Zeit von der legendären Figur des Priesterkönigs Johannes inspirieren ließen, gehört der Florentiner Theologe und Dichter Giuliano Dati. In dem um 1493 erschienenen Gedicht La gran magnificentia del Prete Gianni o Primo cantare dell’India beschreibt er die Provinzen, Städte, Reichtümer, Gebräuche, Taten und Triumphe des „Prete Ianni“ von Indien anhand des Johannes-Briefes. Die bald darauf folgende Fortsetzung Secondo cantare dell’India befasst sich mit den seltsamen Fabelwesen, die angeblich im fernen „Indien“ beheimatet sind, so zum Beispiel: Einäugige (Monoculi), Hundsköpfige (Cynocephali), Schattenfüßler (Sciopedi) und kopflose Menschen (Blemmyae).

Suche in Asien

Papst Alexander III. sah sich genötigt, direkt auf den Brief des Priesterkönigs zu antworten und entsandte im Jahr 1177 seinen Leibarzt Magister Philipp mit einer persönlichen Botschaft an „den überaus lieben Johannes, den berühmten und großartigen König der Indien“[Anm. 3] (“the very dear John, illustrious and magnificent king of the indies”) in „das unbekannte Gebiet jenseits des Turms zu Babel“ (“the unknown territory beyond the Tower of Babel”).[8] Er ersuchte um Unterstützung für einen weiteren Kreuzzug gegen die Muslime, doch Philipps Reise endete ohne Ergebnis, er blieb verschollen.[9]

Der Priesterkönig Johannes wurde über die folgenden Jahrhunderte hinweg immer wieder in Quellen erwähnt. Er schürte die Hoffnung auf Vereinigung des eurasischen Kontinents unter christlicher Herrschaft. Mehrere Expeditionen wurden nach Asien ausgesandt, um mit Johannes Verbindung aufzunehmen. Den Reisen lag eine Fehlinformation zugrunde. Der Bischof von Akkon (dem heutigen Akko in Israel) hatte 1221 einen Brief an Papst Honorius III. geschickt, in dem er von der Ankunft des neuen und mächtigen Verbündeten König David von Indien berichtete, der den Kampf gegen das muslimische Perserreich aufgenommen habe und nun kurz vor der Eroberung von Bagdad stehe. Der Bischof hatte Kunde von den Eroberungszügen Dschingis Khans erhalten und identifizierte ihn fälschlicherweise mit dem sagenhaften Priesterkönig Johannes. Allerdings gab es in Asien, in Teilen des heutigen Syrien, Iran, Indien und China entlang der Seidenstraße, tatsächlich eine christliche Glaubensgemeinschaft, die Nestorianer. Sie war in Zentralasien dank konsequenter Missionierung stark vertreten und unterhielt sogar zehn Bischofssitze. An der Residenz des Großkhans Möngke Khan in Karakorum gab es Mitte des 13. Jahrhunderts neben Schamanen, Buddhisten und Muslimen auch eine nestorianische Gemeinde mit eigener Kirche.[2.1]

Papst Innozenz IV. entsandte 1245/1246 den italienischen Franziskaner Johannes de Plano Carpini in einer diplomatischen Mission zum Großkhan der Mongolen. Gleichzeitig hatte er den Auftrag, Informationen über den Priesterkönig Johannes zu erlangen und ihn als Verbündeten gegen den Islam zu gewinnen. Er konnte jedoch von seiner Reise keine konkreten Informationen über Johannes zurückbringen. Das Reich des Priesterkönigs aber vermutete er in „Indien“. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Begriff „Indien“ im Mittelalter sehr unbestimmt war und weit über den Subkontinent Indien hinausreichte.

„Einen anderen Sohn schickte Činggis Khan mit einem Heer gegen die Inder. […] Er führte auch ein Heer in die Schlacht gegen die Christen, die im Größeren Indien leben. Als das der König jenes Landes, der im Volk Priesterkönig Johannes genannt wird, hörte, zog er ihnen mit einem Heer entgegen.“[10]

Den gleichen Auftrag wie Carpini erhielt Wilhelm von Rubruk von König Ludwig IX. von Frankreich; er reiste 1253/55 mit einer königlichen Gesandtschaft in die Mongolei. Beide kehrten zwar mit Informationen über das Mongolenreich zurück, konnten jedoch den Mythos des Johannes nicht aufhellen.

Marco Polo siedelt das Reich des Priesterkönigs Johannes im heutigen Nordost-China an. Er schreibt dazu in seinem Reisebericht:

„Nun sollen die Ereignisse, welche die Herrschaft der Tataren einleiteten, erzählt werden: Diese wohnten in den Ländern des Nordens, Jorza und Bargu, jedoch ohne richtige Wohnungen, das heißt, ohne Städte und feste Plätze. Dort gab es weite Ebenen, gute Weideplätze, große Ströme und also Überfluss an Wasser. Sie hatten keinen Herrn und waren nur einem mächtigen Fürsten tributpflichtig, der, wie ich erfahren habe, in ihrer Sprache Un-Khan hieß, was, wie einige glauben, dieselbe Bedeutung wie Priester Johann in unserer Sprache hat.“[11]

Der indische Erzdiakon George of the Cross († 1640)
St. Thomaskreuz

Marco Polo berichtet auch von einer großen Schlacht, die zwischen den Armeen des Dschingis Khan und des „Un-Khan“ (Toghrul Khan?) stattgefunden haben soll.[Anm. 4] Nach Marco Polo endete sie mit dem Tod von Un-Khan und der Unterwerfung seines Reiches.

„Tenduk, im ehemaligen Reich des Priesters Johannes gelegen, ist eine östliche Provinz mit vielen Städten und Schlössern, die zur Herrschaft des Großkhans gehören; alle Fürsten aus der Familie des Priesters Johannes sind abhängig geblieben, seit Dschingis-Khan das Land unterjochte. Die Hauptstadt heißt ebenfalls Tenduk[Anm. 5]. Der jetzige König ist Nachkomme des Priesters Johann und heißt Georg. Er ist Christ und Priester; der größte Teil der Einwohner ist christlichen Glaubens. Der erwähnte Georg ist der sechste Nachfolger des Priesters Johann.“[11]

Mit dem Ende der Kreuzzüge war die Suche nach einem Verbündeten im Osten nicht mehr von Bedeutung. Die Legende verebbte mit der Zeit, blieb jedoch latent noch lange im Bewusstsein erhalten. Hartmann Schedel erwähnt in seiner umfangreichen Weltchronik von 1493 Johannes nur noch in einem kurzen Absatz:

„In Indier land nennt man iren patriarche briesterjohann. […] Nun wirdt derselb briesterjohann nit allain als ein bischoff, sunder auch als ein kaiser geachtet. Von dem sagt man das zahlreich könig underworffen und ierlich zynsper seyen und in denselbe königreichen seyen hundert ertzbistumb. Un der öberst bischöflich und kaiserlich stuhl sey in einer großen mechtigen statt Bibrith genät und hat Johannes der patriarch einer auß den großen der indier (der im jar des herrn tawsent hundert gein rom komme) hat dem babst calisto, den cardineln und anderen prelaten offenlich gesagt.“[12]

König Heinrich III. von Kastilien und León war bestrebt, Gesandtschaften zu den Fürsten der Christenheit sowie den Mauren zu entsenden, um Informationen über deren Reiche, Streitkräfte, kulturelle Gebräuche und die Absichten ihrer Herrscher zu gewinnen und zugleich diplomatische Beziehungen mit ihnen aufzubauen. Er entsandte den kastilischen Adligen Ruy González de Clavijo zu einer Erkundungsreise nach Zentralasien. Clavijo erreichte den Hof von Timur Lenk in Samarkand im Jahr 1403, wurde freundlich aufgenommen und verbrachte dort 14 Monate als diplomatischer Vertreter. Bei seiner Rückkehr nach Spanien berichtete er von Gerüchten über einen christlichen Herrscher in „Großindien“. Dieser ungenannte König sei so mächtig, dass selbst Timur Lenk mit seinem großen Heer ihn nicht besiegen konnte.

„The major part of that India (which is Greater India) the king thereof still keeps in possession, and did not lose when defeated at that battle, which we have spoken of, and this took place some twelve years ago. Since then neither Timur nor the Prince his grandson has ever sought again to invade that country. The people of Greater India are Christians for the most part as is also their king, but they are of the Greek rite [. . .].

Den größten Teil jenes Indiens (das Großindien ist) hält der König noch immer in seinem Besitz und ging auch in der Schlacht nicht verloren, von der wir sprachen [und] die vor etwa zwölf Jahren stattfand.[Anm. 6] Seitdem haben weder Timur noch der Prinz, sein Enkel, jemals wieder versucht, dieses Land zu erobern. Die Bevölkerung Großindiens ist größtenteils christlich, ebenso wie ihr König, jedoch gehören sie dem griechischen Ritus an [. . .].“

– Ruy González de Clavijo[13]

Obwohl Clavijo selbst diesen Herrscher expressis verbis nicht mit dem Namen Priesterkönig Johannes bezeichnete, wurde er mit ihm in Verbindung gebracht und schürte die Hoffnung, dass ein christlicher Verbündeter im Osten sich mit den Europäern gegen die Ausbreitung des Islam verbünden würde.

Ursprung der Figur des Priesterkönigs Johannes könnte das historische Amt des Archidiakons der Thomaschristen in der Syro-malabarischen Kirche sein. Er hatte den Status eines Oberhauptes seines Volkes, belegt durch seinen Ehrentitel: „Jathikku Karthavyan“ (übersetzt: Verwalter oder Verantwortlicher für die Gemeinschaft), und vereinigte in seiner Person spirituelle und administrative Macht, u. a. kirchliche und judikative.[14] Das Kreuzwappen des Priesterkönigs Johannes, mit seinen beiden stilisierten Krummstäben, enthält möglicherweise eine abgewandelte Form des traditionellen, indischen Sankt-Thomas-Kreuzes (Mar Thoma Sleeva).

Suche in Afrika

Karte des Reiches des Priesterkönigs Johannes in Ostafrika (Abraham Ortelius, 1598)
Christliche Felsenkirche in Lalibela, Äthiopien

Im Frühjahr 1291 brachen der Genueser Kaufmann Ugolino de Vivaldo (auch: Ugolino Vivaldi) und sein Bruder Vandino mit zwei Galeeren zu einer Fahrt nach Indien auf, passierten die Straße von Gibraltar, segelten entlang der marokkanischen Küste, und es wird angenommen, dass sie die Kanarischen Inseln und die Region um das Kap Nun erreichten. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt, wahrscheinlich erlitten sie an der afrikanischen Küste Schiffbruch.[15] Im frühen 14. Jahrhundert unternahm Ugolinos Sohn Sorleone de Vivaldo (ca. 1291 – 1315[16]) mehrere Fernreisen auf der Suche nach seinem Vater. Dabei soll er das Kap der Guten Hoffnung umrundet haben und bis an die somalische Küste nach Mogadischu vorgedrungen sein. Diese Geschichte greift der Dominikaner Jourdain de Séverac in Briefen aus den Jahren 1321–1324 auf und berichtet, dass zwei Genuesen am Hof des Priesterkönigs Johannes im heutigen Äthiopien um Hilfe baten. Damit löste er neue Spekulationen zur Lage des Reiches des Priesterkönigs in Afrika aus.

Der Mythos wurde im 15. Jahrhundert in abgewandelter Form von den Portugiesen bereitwillig aufgegriffen, um eine Rechtfertigung für ihre Entdeckungsfahrten und die Umsegelung von Afrika zu liefern. König Manuel I. beabsichtigte, den Einfluss des Islams in Afrika zurückzudrängen und den Kontinent für das Christentum zu gewinnen. Hierzu suchte er die Allianz mit dem legendären Priesterkönig.[17]

Über die Araber war die Kunde von einem christlichen Reich in Ostafrika nach Europa gelangt, und man erinnerte sich sogleich an die Legende vom Priesterkönig Johannes. Tatsächlich gab es in Ostafrika, im heutigen Äthiopien, eine mächtige und einflussreiche christliche Gemeinschaft, die Reiche von Aksum und Lalibela. Die Entstehung des Christentums in Äthiopien ging auf Händler zurück, die die noch junge Religion aus Syrien mitbrachten, mit dem umfangreiche Handelsbeziehungen bestanden. In der Blüte des Reiches von Aksum nahm König Ezana im 3. Jahrhundert das Christentum in Form des Monophysitismus als Staatsreligion an. Es bestanden enge Verbindungen zur koptischen Kirche in Ägypten. Das Reich existierte bis zum 10. Jahrhundert, als es durch die islamischen Eroberungen in Syrien und Ägypten vom Mittelmeer und damit von wichtigen Handelsbeziehungen abgeschnitten wurde. Im späten 12. bzw. frühen 13. Jahrhundert errichtete Kaiser Lalibela wieder ein starkes, christliches Äthiopien in der Tradition von Aksum. Er ließ in Roha, dem heutigen Lalibela, zwölf Kirchen aus dem massiven Felsgestein meißeln, die heute noch ein beeindruckendes Zeugnis von der Macht und Größe des Reiches ablegen.

Da sich der Höhepunkt der frühen Expansion Äthiopiens in den Nordosten (das heutige Somalia) und die Rückgewinnung islamischer Gebiete im 15. Jahrhundert mit dem Höhepunkt der europäischen Entdeckungsfahrten unter Führung Portugals zeitlich überlagerte, wird es verständlich, dass das mittelalterliche Äthiopien mit dem Reich des Priesterkönigs Johannes identifiziert wurde. Im späten Mittelalter gab es mehrere Entdeckungsfahrten europäischer Abenteurer in diese Region. Besucher, die das äthiopische Reich tatsächlich erreichten, wurden jedoch nicht mehr herausgelassen, so dass die Informationen weiterhin unbestimmt blieben.

Im Auftrag des portugiesischen Königs Johann II. sollte Pêro da Covilhã (1450–1530) über Land nach Indien reisen, um Handelswege zwischen Europa und Indien zu erkunden und Kontakt mit dem Priesterkönig Johannes aufzunehmen, den man in Ostafrika vermutete. Sein Reisebegleiter war Afonso de Payva, der über arabische Sprachkenntnisse verfügte. Ihr Weg führte sie 1487 von Lissabon per Schiff nach Neapel und auf der traditionellen levantinischen Route über Rhodos nach Alexandria und weiter über Kairo und Suez nach Aden.[18] Dort trennten sie sich. Afonso de Payva wollte nach Äthiopien weiterreisen, Covilhã hingegen nach Indien. Covilhã erreichte tatsächlich die indische Westküste, er kam bis Calicut (heute: Kozhikode) und Goa. Um 1490 kehrte er nach Kairo zurück, um sich mit Payva zu treffen, konnte ihn aber nicht antreffen. Kundschafter, die König Johann ausgesandt hatte, übermittelten Covilhã die Anweisung des Königs, zunächst nach Hormuz am Persischen Golf und anschließend weiter nach Äthiopien zu reisen.[19] Er erreichte Äthiopien und wurde angesehenes und geehrtes Mitglied am Hof von Negus Eskandar, aber auch de facto Gefangener und durfte das Land nicht mehr verlassen.[20] Afonso de Payva blieb verschollen. Offensichtlich hat er Äthiopien nicht erreicht, sein Schicksal ist ungeklärt.

Etwa zeitgleich beauftragte König Johann II. Bartolomeu Dias mit der Umsegelung des afrikanischen Kontinents, um eine alternative Handelsroute nach Indien zu erschließen. Ein weiteres Ziel der Expedition war die Suche nach dem Reich des Priesterkönigs Johannes. Dias fuhr mit drei Karavellen im August 1487 von Lissabon ab, segelte entlang der Westküste Afrikas und erreichte am 12. März 1488 die Algoa Bay im heutigen Südafrika. Dort kehrte er um und fuhr nach Portugal zurück. Er gelangte nicht an die Ostküste Afrikas, wo das Reich des Priesterkönigs vermutet wurde.[21]

Erst 1520 erreichte wieder eine von Rodrigo da Lima geführte Expedition Äthiopien, der es auch gelang, mit Berichten nach Portugal zurückzukehren. Der die Gruppe begleitende Kaplan Francisco Álvares verfasste als erster Europäer eine ausführliche Beschreibung des Reiches des Priesterkönigs[22]. Darin sind Berichte von Pêro da Covilhã, den er in Äthiopien getroffen hatte, veröffentlicht. Aber auch er konnte das Rätsel um Johannes nicht aufklären.

Erst zum Ende des 17. Jahrhunderts wies der Diplomat und Begründer der Äthiopistik Hiob Ludolf in seiner Geschichte Äthiopiens (Historia Aethiopica) nach, dass es keine Verbindung zwischen dem äthiopischen Herrscherhaus und dem Priesterkönig Johannes gab.[23] So verebbte die Suche nach dem sagenhaften Reich des Johannes in Afrika.

Suche in Amerika

Mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents wurden bislang ungeklärte Mythen auf die noch unerforschte „Neue Welt“ projiziert, zum Beispiel die Überlieferung vom Goldland Ophir, das Christoph Kolumbus auf Hispaniola vermutete[24], ebenso wie den Priesterkönig Johannes.[25]

Als Peter Martyr D’Anghiera in seiner Weltberschreibung De Orbe Novo vom Volk der „Chicorani“[Anm. 7] berichtete, die „einen König von riesenhafter Statur namens Datha“ (Regem habent hi gigantea proceritatis huic nomen est Datha)[26] hatten, stellte man eine Verbindung zum Johannesmythos her und vermutete sein Reich in Amerika.[27][28] Doch mit zunehmender Erforschung und Erkundung des Kontinents erwiesen sich solche Spekulationen als obsolet.

Kartendarstellung

Priester Johannes in einer Kartendarstellung (Atlas de Diego Homen, 1561 Portugal)
Johannes auf der Mercator-Weltkarte von 1569

In den Landkarten war das Reich des Priesterkönigs Johannes noch bis weit in das 16. Jahrhundert verzeichnet. Einige Beispiele dafür:

  • In der Weltkarte des Andreas Walsperger, 1448 im Kloster Reichenau entstanden, ist die Stadt Bibrich als prächtige, großformatige Silhouette nördlich von Tabrobana (Sri Lanka) besonders hervorgehoben.
  • Eine 1475 in Lübeck entstandene Radkarte Jerusalems und des Heiligen Landes zeigt das Reich des Priesterkönigs Johannes südlich von Indien und westlich von Babylon.
  • Auf Martin Behaims Erdapfel, entstanden 1492–1493 in Nürnberg, ist das Reich des Priesterkönigs Johannes in Ostasien angesiedelt. In einer großen Bucht, die wohl den Golf von Bengalen darstellen soll, befindet sich die Inschrift: „Diſs Mer land und ſtett gehert als dem groſzen kaiser prister Johan aus Jndia.“
  • Die Weltkarte des Juan de la Cosa von 1500 zeigt das Reich des Priesterkönigs Johannes nördlich von Ethiopia (Äthiopien), direkt westlich des Nils.
  • Sebastian Münsters Cosmographia (deutsche Ausgabe von 1550) enthält eine Karte von Afrika, die den von zwei Flüssen eingerahmten Herrschaftssitz des Priesterkönigs Johannes (Sedes Preste Iohann) zeigt.
  • Die Weltkarte des Gerhard Mercator von 1569 zeigt den Priesterkönig Johannes mit einem Kreuzszepter in der Hand.
  • In dem 1649 in Amsterdam erschienenen Atlas: Novus Atlas, Das ist Welt-beschreibung: mit schönen newen außführlichen Taffeln; Inhaltende Die Königreiche vnd Länder des gantzen Erdtreichs; Abgetheilt In vier Theile, von Johannes Janssonius befindet sich eine Kupferstichkarte mit dem Titel: Aethiopia Superior vel Interior vulgo Abissinorum sive Presbiteri Ioannis Imperium (deutsch: Ober- oder Inneres Äthiopien, allgemein bekannt als das Abessinische Reich oder das Reich des Presbyters Johannes). Der zugehöre Text siedelt das Reich des Priesterkönigs im heutigen Äthiopien an:
„Der König beherrschet diese Länder / den sie Priester / oder Pretiosum Iohannem, das ist / den werten Priester Johan / und in gemeyn Prete Gianni heissen / un zwar solches auß einem grossen nunmehr angenommenen Jrtumb / weil selbiger vor Zeiten in dem Königreich Asien Tenduc genant / regiert hatte. Von den Völckern Abasenis, meldet Stephanus in beschreibung Arabien: daher glaubwürdig ist / daß selbige / nach dem sie uber den Arabischen Meerschoß geschiffet / in Africam sich begeben haben; oder diese sind albereits in Africa an der lincken seiten des jetztgemelten Meerschosses gewesen / alwo dreyfaltig Arabien gelegen / oder viel mehr gesetzt wird / diese aber ist nun unterm Reich der Abissinier.“

Überlieferung

Die lateinische Epistola presbiteri Johannis („Brief des Presbyters Johannes“) ist in mehr als 200 Handschriften des 12. bis 17. Jahrhunderts und 14 Druckausgaben von ca. 1483 bis 1565 überliefert. Die Fassungen des Textes variieren sehr stark. Neben dem bei Zarncke edierten Text der Tradition I, die sich in fünf Redaktionen sowie mehrere Kurz- und Langfassungen aufgliedert, sind fünf lateinische Sonderfassungen (Tradition II) erhalten, die zum Teil erhebliche Umarbeitungen aufweisen und mit den romanischen Übersetzungen in engem Zusammenhang stehen.

Deutsche Übersetzungen finden sich in folgenden Handschriften:

  • Stundenbuch des Geert Groote, um 1480 (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Mscr. Dresd. M.254)
  • Ambraser Heldenbuch, (Österreichische Nationalbibliothek Wien, Cod. Ser. nova 2663)
  • „Münchner Übersetzung“ des Prebyterbriefes (Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 1113, Teil II, Bl. 85ra-91vb)
  • „Oswald der Schreiber“: Brief des Priesterkönigs Johannes, (Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 844 in einem Konvolut von Texten aus dem 15. und 16. Jahrhundert)

sowie in Albrechts Jüngerem Titurel.

Literarische Verarbeitungen des Themas

  • Wolfram von Eschenbach griff bereits im 13. Jahrhundert in seinem Versroman Parzival Elemente des Johannes-Mythos auf.
  • Umberto Eco hat Teile des Mythos vom Priesterkönig Johannes in seinem Roman Baudolino verarbeitet.
  • Tad Williams verwendet Johannes Presbyter bzw. Johannes den Priester im Roman Der Drachenbeinthron als Hochkönig des fiktiven Landes Osten-Ard
  • Michael Peinkofer schrieb den historischen Roman Das verschollene Reich über die Suche nach dem Reich des Johannes
  • Philipp Schmidt schrieb eine zweibändige Fantasyroman-Reihe, die sich auf den Mythos um den Priesterkönig bezieht.

Literatur

Werkausgaben

  • Friedrich Zarncke: Der Priester Johannes. In: Abhandlungen der philologisch-historischen Classe der Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. 7, 1879, S. 827–1030, und 8, 1883, S. 1–186 (Ausgaben des lateinischen und der deutschen Textes) (Digitalisat bei der SLUB Dresden)
  • Bettina Wagner: Die „Epistola presbiteri Johannis“: lateinisch und deutsch. Überlieferung, Textgeschichte, Rezeption und Übertragungen im Mittelalter; mit bisher unedierten Texten (= Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters, Band 115). Tübingen 2000, ISBN 3-484-89115-7 (insbesondere zur Überlieferung).

Deutschsprachige Sekundärliteratur

  • Wilhelm Baum: Die Verwandlungen des Mythos vom Reich des Priesterkönigs Johannes – Rom, Byzanz und die Christen des Orients im Mittelalter. Kitab, Klagenfurt 1999, ISBN 3-902005-02-5
  • Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Johannes ist sein Name – Priesterkönig, Gralshüter, Traumgestalt (= Die graue Reihe 12), Graue Edition, Zug 1993, ISBN 3-906336-12-3
  • Ulrich Knefelkamp: Die Suche nach dem Reich des Priesterkönigs Johannes. Dargestellt anhand von Reiseberichten und anderen ethnographischen Quellen des 12.-17. Jahrhunderts, Müller, Gelsenkirchen 1986, ISBN 3-89049-006-9 (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss. 1985)
  • Ulrich Knefelkamp: Der Priesterkönig Johannes und sein Reich – Legende oder Realität In: Journal of Medieval History 14, 1988, ISSN 0304-4181, S. 337–355
  • Udo Friedrich: Zwischen Utopie und Mythos – der Brief des Priesters Johannes In: Zeitschrift für deutsche Philologie 122, 1, 2003, ISSN 0949-1678, S. 73–92
  • Björn Opfer-Klinger: Der Mythos vom Priesterkönig Johannes. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (GWU), Jg. 65, Heft 2014/1–2, ISSN 0016-9056, S. 83–91.
  • Wolbert Smidt: Der Priesterkönig Johannes: eine Sehnsuchtsfigur In: Kerstin Volker-Saad, Anna Greve (Hrsg.): Äthiopien und Deutschland, Sehnsucht nach der Ferne Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2006, ISBN 3-422-06603-9, S. 35–39

Weblinks

Commons: Priesterkönig Johannes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Iohannes Presbyter regis Indiae im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“
  • Literatur von und über Priesterkönig Johannes im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Encyclopædia Britannica: Prester John
  2. ↑ Helga Lippert, Claudia Moroni: ZDF Terra X – Große Mythen. Im Bann des Priesterkönigs – Die Suche nach den »drei Indien«. DTV, München 2008, ISBN 978-3-423-24647-7
    1. ↑ a b Page 81 f.
  3. ↑ Igor de Rachewiltz: Papal Envoys to the Great Khans, Stanford University Press, Stanford CA 1971, S. 114, ISBN 978-0-8047-0770-1
  4. ↑ Zusammengefasst nach der deutschen Übersetzung des Otto von Diemeringen. In: Friedrich Zarncke: Der Priester Johannes. Abhandlungen der philologisch-historischen Classe der Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, Bd. 8, Nr. 1, Hirzel, Leipzig 1876, S. 148–154
  5. ↑ Deutsche Übersetzung: Edeltraud Werner: Die Jenseitsreise Mohammeds: Liber Scale Machometi. Kitab al-mi'raj. Religionswissenschaftliche Texte und Studien, Georg Olms, Hildesheim 2007, ISBN 978-3-487-13424-6
  6. ↑ Edward Brooke-Hitching: Der Atlas des Teufels – Eine Erkundung des Himmels, der Hölle und des Jenseits. Knesebeck, München 2002, ISBN 978-3-95728-610-9, S. 189
  7. ↑ P. Hamelius: Mandeville’s travels. Translated from the French of Jean d’Outremeuse. Publiziert für: Early English text society, K. Paul, Trench, Trübner & Co., London 1919, Kapitel XXXI: Of the Ryall Estate of the Prestre John / of a riche man that made a mercureylous castell and clepted it Paradys / of his sotyltee. (übersetzt aus dem Mittelenglischen: Von den tatsächlich existierenden Ländereien des Priesters Johannes / eines reichen Mannes, der eine wundersame Burg errichten ließ und sie Paradies nannte / von seiner Klugheit.)
  8. ↑ Zitate aus: Igor de Rachewiltz: Papal envoys to the great khans. Stanford University Press 1971, ISBN 978-0-8047-0770-1
  9. ↑ Johannes Fried: In den Netzen der Wissensgesellschaft. Das Beispiel des mittelalterlichen Königs- und Fürstenhofes. In: Johannes Fried und Thomas Kailer (Hrsg.): Wissenskulturen: Beiträge zu einem forschungsstrategischen Konzept. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-05-003777-6, S. 167
  10. ↑ Johannes von Plano Carpini: Kunde von den Mongolen 1245–1247. Band 3 der Reihe Fremde Kulturen in alten Berichten, übersetzt von Feilicitas Schmiederer, Thorbecke, Sigmaringen 1997, ISBN 978-3-799-50603-8, S. 65.
  11. ↑ a b Marco Polo: Von Venedig nach China, 1271–1292, übersetzt von Theodor A. Knust. Thienemanns Verlag, Stuttgart, S. 102−103.
  12. ↑ Zitat aus: Hartmann Schedel: Weltchronik. Nürnberg 1493, Blatt CXCVII.
  13. ↑ Ruy Gonzalez de Clavijo: Embassy to Tamerlane 1403-1406. Translated from the Spanish by Guy LeStrange. George Routledge and Sons, London 1928, S. 256
  14. ↑ Pauly Maniyattu: Synodal Structures in the Syro-Malabar Church with Special Focus on Palliyogam. In: Asian Horizon, Bd. 17, Nr. 1, März 2023, S. 141–154
  15. ↑ Jose-Juan Lopez-Portillo: Spain, Portugal and the Atlantic Frontier of Medieval Europe, Teil 1, Kapitel 1: The Expedition of the Brothers Vivaldi – New Archival Evidence. Ashgate Publishing 2013, ISBN 978-1-4094-5495-3
  16. ↑ Encyclopædia Britannica, Volume 28, 1911
  17. ↑ Oliveira Martins: História de Portugal, Lissabon 1894, Livro V, S. 4–8
  18. ↑ Francisco Manuel de Melo, Conde de Ficalho: Viagens de Pedro da Covilhan. A. M. Pereira, Lissabon 1898, S. 80 f.
  19. ↑ Walther L. Bernecker, Klaus Herbers: Geschichte Portugals. Kohlhammer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-17-020662-5, S. 123–124
  20. ↑ C.F. Beckingham und G. W. Huntingford: The Prester John of the Indies: a true relation of the lands of the Prester John, being the narrative of the Portuguese embassy to Ethiopia in 1520 written by Father Francisco Alvares. Bd. 1, Cambridge University Press 1961, Nachdruck: Taylor & Francis 2010, ISBN 978-1-4094-2492-5
  21. ↑ Emmanuel Kwaku Akyeampong, Henry Louis Gates: Dictionary of African Biography. Bd. 2, Oxford University Press, New York 2012, ISBN 978-0-19-538207-5, S. 194
  22. ↑ Francisco Álvares: Verdadeira Informação das Terras do Preste João das Índias (Wahre Informationen über das Land des Priesterkönigs Johannes von Indien), Lissabon 1540, Nachdruck: Imprensa Nacional, Lissabon 1883
  23. ↑ Hiob Ludolf: Historia Aethiopica, sive brevis et succincta descriptio regni Habessinorum. David Zunner, Frankfurt a. M. 1681
  24. ↑ Peter McNutt (Hrsg.): De orbe novo, the eight Decades of Peter Martyr d’Anghera. Übersetzung von Peter McNutt, G.P. Putnam’s Sons, New York 1912, S. 86–87
  25. ↑ Samuel Eliot Morison: The European Discovery of America, Bd. 2: The Southern Voyages 1492-1616. Oxford University Press, New York 1974, ISBN 978-0-195-01823-3 S. 5
  26. ↑ Richard Hakluyt (Hrsg.): De orbe novo. Petri Martyris Anglerii Mediolanensis, protonotarij, & Caroli Quinti senatoris decades octo, diligenti temporum obseruatione & vtilissimis annotationibus illustratæ suóque nitori restitutæ [. . .]. London 1587, Decas Septima, Caput secundum, S. 472
  27. ↑ Luis Weckmann: The medieval heritage of Mexico. Fordham University Press, New York 1992, ISBN 978-0-823-21324-5, S. 25
  28. ↑ Paul Quattlebaum: Land Called Chicora: The Carolinas Under Spanish Rule With French Intrusion 1520-1670. University of Florida Press, Gainesville 1956, S. 18, 129

Anmerkungen

  1. ↑ Gemeint sind der Gottesstaat (civitas dei) im Gegensatz zum irdischen Reich (civitas mundi)
  2. ↑ In einigen mittelalterlichen Texten, in der frühchristlichen Literatur und der Spätantike wurde zwischen dem diesseitigen Indien, lateinisch: India citerior, und dem jenseitigen, weiter entfernten Indien, lateinisch: India ulterior, unterschieden. Durch die Vermischung von realer und imaginärer Geografie bezeichnen diese Begriffe, je nach Autor, unterschiedliche Regionen. Der unbekannte Verfasser des Johannes-Briefes könnte mit dem „jenseitigen Indien“ den indischen Subkontinent gemeint haben.
  3. ↑ Gemeint sind die beiden Indien: India citerior und India ulterior
  4. ↑ Wahrscheinlich ist die Schlacht von Khalakhaljid oder Qalaqaljid 1203 n. Chr. gemeint, in der die Keraiten unter Toghrul gegen die Mongolen unter Dschingis Khan kämpften.
  5. ↑ vermutlich das heutige Hohhot, nordwestlich von Peking
  6. ↑ Es ist nicht bekannt, welche Schlacht Clavijo meint.
  7. ↑ Die Chicorani (auch Chicoranos oder Chicora) sind ein indigenes Volk, das in der von den Spaniern „Chicora“ genannten Region an der Atlantikküste im heutigen South Carolina/Georgia (USA) lebte.
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Register (Diplomatik)

Noir24admin Mittelalter 22. Juni 2026

Als Brief- oder Urkundenregister, noch häufiger einfach als Register, bezeichnet man in der Diplomatik ein fortlaufend geführtes Verzeichnis der von einer Kanzlei (oder auch einem Notar) ausgefertigten Briefe und/oder Urkunden. Sie enthalten Wortlaut der registrierten Schriftstücke, wobei wiederkehrende Elemente (Name des Absenders, Grußformeln) stark abgekürzt werden oder ganz wegfallen können.

Solchen Auslaufregistern stehen die selteneren Eingangsregister gegenüber, in denen eine Kanzlei empfangene Schriftstücke verzeichnete. Im Unterschied zu nachträglich angelegten Kopialbüchern wurden Eingangsregister (wie andere Register auch) fortlaufend geführt, das heißt die Stücke wurden in aller Regel in Reihenfolge des Eingangs und zeitnah zu diesem eingetragen.

Register, die nur bestimmte Arten von Schriftgut enthalten, werden oft nach diesen benannt, beispielsweise Privilegienregister, Schuldbriefregister oder Missivenbücher.

Die Diplomatik erforscht vor allem mittelalterliche Register, weil diese meist die einzige Überlieferung der enthaltenen Urkunden sind. Die Praxis der Registrierung von Urkunden wird bis in die Gegenwart von Behörden und Notaren gepflegt. Bekannte Beispiele amtlicher Register sind Personenstandsregister, Grundbücher oder Testamentsregister.

Päpstliche Kanzlei

Geschichte, Form, Inhalt

Register gehen auf die spätantike römische Verwaltungspraxis zurück. Als literarischer Text überliefert sind Register Theoderichs des Großen durch die Variae des Cassiodor und die Briefregister (Registrum epistolarum Gregorii) des Papstes Gregor I. Die Registerführung an der römischen Kurie knüpfte an diese Tradition an und wurde im späteren Mittelalter zum Vorbild für viele Kanzleien in ganz Europa. Die frühesten Hinweise auf eine mögliche Registerführung reichen bis in die Zeit von Liberius zurück, das älteste Register, das sich teilweise rekonstruieren lässt, ist das Gelasius’ I. Aus dem späten 7. Jahrhundert, aus dem 10. Jahrhundert und aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gibt es hingegen keine Hinweise darauf, dass päpstliche Schreiben registriert wurden.

Die ältesten Register wurden, wie frühe päpstliche Urkunden auch, auf Papyrus geschrieben; ab dem elften Jahrhundert wurde für beides Pergament verwendet. Ab dem 14. Jahrhundert wurde Papier verwendet, ohne dass sofort das Pergament aufgegeben worden wäre. Registriert wurden zunächst alle päpstlichen Schreiben, allerdings mit wenigen Ausnahmen keine Privilegien. Ab dem Spätmittelalter gab es Spezialregister für verschiedene Arten Briefe und Urkunden (einschließlich Privilegien).

Außer Papstbriefen enthalten die Register gelegentlich auch anderes Material (historische Notizen, Synodalprotokolle, eingegangene Schreiben); ein bekanntes Beispiel für solches Zusatzmaterial ist der Dictatus papae im Register Gregors VII.

Briefe, die außerhalb der Register überliefert sind, heißen Extravaganten.

Überlieferung

Das Register Gregors VII. (heute Vatikanisches Apostolisches Archiv, Reg. Vat. 2) ist das einzige aus der Zeit vor 1198, das vollständig im Original erhalten ist. Einige ältere Register sind zumindest teilweise erhalten oder rekonstruierbar: Das Register Gregors des Großen ist nicht im Original erhalten, darauf zurückgehende Sammlungen erlauben aber mit großer Sicherheit die Rekonstruktion. Vom größeren Teil des Registers Johannes’ VIII. wurde im späten 11. Jahrhundert eine Kopie angefertigt (Reg. Vat. 1), die sich erhalten hat und die als zuverlässige Abschrift gilt. In ähnlicher Weise ist ein (kleinerer) Teil des Registers Anaklets II. in einer Abschrift noch des 12. Jahrhunderts erhalten. Mit dem beinahe vollständig erhaltenen Register Innozenzens III. (Reg. Vat. 3) setzt eine geschlossene Überlieferung von Registerbänden ein (etwa 2000 Bände allein bis zur Zeit Sixtus’ V.). Ab dem ausgehenden Mittelalter gibt es neben der Hauptserie der Papstregister noch weitere Registerserien, nachdem schon früher immer wieder einzelne Spezialregister für bestimmte Materien oder Urkundenarten angelegt worden waren.

Die wichtigsten Quellen für die verlorenen Register sind die kanonischen Sammlungen, in denen Auszüge aus den päpstlichen Schreiben entweder als Registerauszug bezeichnet werden (ex registro) und/oder in geschlossenen, chronologisch geordneten Reihen enthalten sind. Insbesondere die Collectio Avellana, die Sammlung Deusdedits und die Collectio Britannica gelten als Sammlungen, die auf verlorene päpstliche Register zurückgehen. Im Einzelfall ist der Nachweis, ob und wenn ja mit welcher Zuverlässigkeit die kanonistische Überlieferung den Inhalt, die Reihenfolge und den Wortlaut verlorener Register bewahren, sehr aufwändig.

Editionen

Die älteren (vor 1198 entstandenen) Papstregister bzw. Rekonstruktionen derselben wurden im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica in der Reihe Epistolae ediert, das Register Gregors I. zudem ein zweites Mal im Corpus christianorum. Das Register Innozenzens III. liegt in einer beinahe abgeschlossenen historisch-kritischen Ausgabe im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vor. Die Register des späteren Mittelalters werden seit dem späten 19. Jahrhundert von den École française de Rome ediert.

Kanzleien weltlicher Herrscher

In Frankreich wird die Registerführung erst unter Philipp August üblich, in Sizilien sind seit Friedrich II. Register in Gebrauch, wahrscheinlich nach dem Vorbild der normannischen Kanzlei. Im normannischen England finden sich ebenfalls registerartige Aufzeichnungen. Aus dem Heiligen Römischen Reich sind die ersten Spuren von Registerführung unter Heinrich VII. belegt. Zwei Bände der Reichsregister Ludwigs des Bayern sind die ältesten überlieferten Originale. Auch in den deutschen Territorien setzt sich systematische Registerführung erst im 14. Jahrhundert durch. Auch Städte führten Auslaufregister der von ihnen ausgestellten Urkunden und teilweise spezielle Register wie zum Beispiel Missivenbücher (ausgehende Briefe der Stadt) oder Stadtbücher, in denen bestimmte Rechtsgeschäfte eingetragen wurden.

Freiwillige Gerichtsbarkeit

Dokumente der freiwilligen Gerichtsbarkeit (Testamente, Kaufverträge, Eheverträge, Kreditverträge usw.) wurden im Mittelalter von verschiedenen Institutionen beurkundet, insbesondere von öffentlichen Notaren (vor allem in Italien und Südfrankreich), Kommunen und geistlichen Gerichte. Die quantitativ größte Überlieferung stammt aus den Registern der Notare, die verpflichtet waren, alle von ihnen ausgestellten Instrumente in abgekürzter Form in sogenannte Imbreviaturbücher aufzunehmen. Das älteste erhaltene Notariatsregister stammt aus Genua; es enthält Tausende Einträge, deren ältesten aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammen. Im Reich nördlich der Alpen spielte die Beurkundung durch Kommunen eine wichtigere Rolle. Diese trugen die von ihnen ausgestellten Urkunden der freiwilligen Gerichtsbarkeit entweder in Stadtbücher oder in spezielle Register ein (zum Beispiel die Kölner Schreinsbücher, das Lübecker Ober- und Niederstadtbuch oder die Konstanzer Gemächtebücher). Die gleichen Geschäfte konnten auch vor dem bischöflichen Gericht (in der Praxis durch den Offizial) beurkundet werden, welches die ausgefertigten Urkunden dann in sein sonst vor allem für Urteile genutztes Register eintrugen. Alle diese Eintragungen dienten der größeren Rechtssicherheit, wobei es vorkommen konnte, dass das gleiche Geschäft notariell, vom Stadtrat und durch das Offizialatsgericht beurkundet wurde.

Literatur

  • Harry Bresslau: Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien. Erster Band. 2. Auflage. Veit, Leipzig 1912, S. 104–148 (archive.org)
  • A. Gwalick: Imbreviatur, -bücher. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 5. Artemis & Winkler, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 384. 
  • Othmar Hageneder: Papstregister. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 7. LexMA-Verlag, München 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Sp. 1687–1688. 
  • Otto Meyer, Renate Klauser (Hrsg.): Clavis mediaevalis. Kleines Wörterbuch der Mittelalterforschung. Harrassowitz, Wiesbaden 1962, S. 207–208.
  • Ludwig Vones: Register. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 7. LexMA-Verlag, München 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Sp. 581–586. 



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Sammlung de Wit

Noir24admin Mittelalter 22. Juni 2026

Die Münzsammlung de Wit ist die „bedeutendste verauktionierte Universalsammlung des Mittelalters seit der Sammlung des Lords Grantley (1855–1943)“.[1] Sie wurde 2007/2008 in drei Teilen durch das Auktionshaus Künker in Osnabrück versteigert. Die in vier Katalogen dokumentierte Sammlung mit zahlreichen numismatischen Besonderheiten umfasste insgesamt mehr als 4.500 Objekte aus ganz Europa zwischen dem 4. und frühen 16. Jahrhundert.

Sammler

Gijsbertus Willem de Wit (1926–2018) unterrichtete Physik an der Universität Leiden. 1947 wechselte er zur „Nationale Levensverzekeringsbank“ (später Nationale-Nederlanden, zeitweise ING), wo er bis zu seiner Pensionierung blieb. Während seiner beruflichen Tätigkeit unterrichtete er parallel Versicherungswirtschaft an der Erasmus-Universität Rotterdam und war Autor von wissenschaftlichen Artikeln auf dem Gebiet der Versicherungswirtschaft. Nach seiner Pensionierung verfasste er ein Buch mit dem Titel „Gedachten over de economie“, in dem er seine Vorstellungen von der Rolle der Wirtschaft in der Gesellschaft der Zukunft formulierte.[2]

Aufbau der Sammlung

In den 1950er und 1960er Jahren hatte de Wit zusammen mit seiner Frau eine Reihe von Reisen nach Italien unternommen und war fasziniert von der Sakralkunst des Mittelalters, insbesondere von Kirchenmalereien. Eine Szene erregte vor allem immer wieder seine Aufmerksamkeit: Die Verkündigung Mariae durch den Erzengel Gabriel. Und genau diese Darstellung fand er dann auf einem Goldstück aus Neapel: einem Salut d’or Karls I. von Anjou (1266–1278). Diese Münze bot ihm die Möglichkeit, sich ein Stück der Kunst, die ihn so faszinierte, im Kleinformat nach Hause zu holen. Dies war der Grundstein für die Universalsammlung des Mittelalters.

Am Anfang war die Sammlung noch auf italienische Mittelaltermünzen beschränkt, bis de Wit 1967 eine kleine Münze mit einer Darstellung kaufte, die spontan sein Interesse weckte, ohne zu diesem Zeitpunkt jedoch zu wissen, worum es sich dabei eigentlich handelte. Diese Münze war der erste von schließlich mehr als 400 Sceattas, die später geschlossen in den Besitz des Fitzwilliam Museum / Cambridge übergingen – eine der bedeutendsten Sammlungen angelsächsisch-friesischer Münzen weltweit.

Besonderes Augenmerk legte de Wit stets auf die Erhaltung seiner Münzen. „Kunst ist nur schön, wenn sie von der höchsten handwerklichen Qualität ist“, war Richtschnur seines Handels und für ihn waren demzufolge Münzen wahre Kleinkunstwerke des Mittelalters. Über die Kunst der Romanik kam er zu den deutschen Brakteaten der Stauferzeit. Sie stellten in seinen Augen Stempelschneidekunst von allerhöchstem technischen Standard dar. In mehr als 30 Jahren Sammlertätigkeit hat er so mehr als 300 Hohlpfennige zusammengetragen. Ein Großteil stammte aus anderen namhaften Mittelalter-Sammlungen wie z. B. der Sammlung Allertseder, Sammlung Bonhoff, Sammlung Hohenstaufenzeit, Sammlung Kennepohl oder Sammlung Reuttner von Weyl.

Diese drei Hauptsammlungsbestandteile wurden ergänzt durch Objekte aus nahezu allen mittelalterlichen Territorien des Zeitraums 500 bis 1500. So entstand im Laufe von 40 Jahren eine der größten Spezialsammlungen zur Numismatik des Mittelalters, die weit über den Rahmen einer Sammlung „christlich-mittelalterlicher Ikonographie im Kleinformat“ hinausging.

2004, im Alter von 78 Jahren, fasste de Wit den Entschluss, seine Sammlung durch die Münzenhandlung Fritz Rudolf Künker in Osnabrück versteigern zu lassen. Unabdingbare Voraussetzung war dabei für ihn, den Sammlungskatalog mit umfangreichen historischen Kommentaren zu den einzelnen Prägungen zu versehen, um auf diese Art und Weise eine lückenlose und dauerhafte Dokumentation seiner Sammlung zu schaffen und so das Interesse für die Numismatik des Mittelalters zu erhalten bzw. zu wecken.

Versteigerung und Highlights der Sammlung de Wit

Für die Versteigerung wurde die Sammlung in drei zeitlich versetzte Auktionen von je etwa 1.500 Stücken zerlegt, wobei die einzelnen Segmente münzhistorisch zusammenhängende Regionen und Zeiträume umfassten.

Zum ersten Teil mit 1.514 Exemplaren gehörten die Frühzeit mittelalterlicher Münzprägung in der Völkerwanderungszeit (mit dem herausragenden Follis des Ostgotenkönigs Theodahad, Auktion 121 / Nr. 118), des Merowingerreiches und der Karolinger. Es folgten die Münzen Frankreichs bis zum Spätmittelalter, einige Gepräge Skandinaviens und schließlich der umfangreiche Teil niederländischer Münzen mit dem Glanzstück der Auktion – einem Thuyn d’or (auch Agnel d’or) von Willem VI. (Auktion 121 / Nr. 770). Der zweite Teil umfasste 1.520 Gepräge aus Mittel- und Osteuropa. Allem voran die etwa 1.000 Münzen aus dem Gebiet des Deutschen Reiches von der Zeit der Ottonen bis zu den Habsburgern. Optisch besonders reizvoll war ein Brakteat Konrads I. aus der Münzstätte Meißen (Auktion 130 / Nr. 2276). Von der Mitte Europas ging es über die Schweiz und Österreich in den Osten des Kontinents. Eine numismatische Seltenheit stellte der Denar Boleslavs II. aus der Münzstätte Prag dar (Auktion 130 / Nr. 2700). Gepräge aus Mähren, Polen, Schlesien und Ungarn sowie der baltischen Staaten gehörten ebenfalls zu diesem Teil der Sammlung.

Im dritten Teil schließlich befanden sich 1.221 Objekte aus England und den Regionen entlang der Küsten des Mittelmeeres (u. a. Spanien, Portugal, Italien, der Balkan und die Kreuzfahrerstaaten). Die größten Sammlungsteile umfassten England (339 Stücke) und Italien (312 Stücke) – die zugleich die numismatischen Interessenschwerpunkte des Sammlers repräsentierten. Von besonderer Bedeutung waren beispielsweise ein Penny Erzbischof Coelnoths von Canterbury (Auktion 137 / Nr. 3055) sowie ein 1/2 Grosso Friedrich II. aus der Münzstätte Como (Auktion 137 / Nr. 3593). Eine umfangreiche Sammlung von mittelalterlichen Jetons, Rechenpfennigen und Münzgewichten waren weiterer Bestandteil dieses Teils der Sammlung. Absolutes Highlight war ein vollständiger Satz von 18 Münzgewichten (Auktion 137 / Nr. 4248) nach dem sogenannten „munttarif“ von 1499, zu dem de Wit zusammen mit E. J. A. v. Beck 1978 einen Artikel im Numismatic Circle Rotterdam verfasst hatte.

Die einzigartige Sammlung von 481 Sceattas sollte nach dem Willen von de Wit als Ganzes erhalten bleiben und ging deshalb geschlossen in den Besitz des Fitzwilliam Museum in Cambridge über. Um sie dennoch für die numismatisch Interessierten zugänglich zu machen, wurde auch dieses Kapitel angelsächsisch-mittelalterlicher Münzgeschichte in einem gesonderten vierten Katalog mit den Kommentaren von de Wit veröffentlicht. So präsentiert sich die Sammlung de Wit dauerhaft in ihrem vollständigen Zustand.

Numismatisch-historische Kommentare

Damit die Sammlung dem internationalen Fachpublikum bekannt und verständlich gemacht werden konnte, sind die Kataloge in englischer Sprache verfasst.

Um den „Weg der Münzen“ durch verschiedene Sammlungen verfolgen zu können, wurden alle Objekte mit einem umfangreichen Verzeichnis der Provenienzen ausgestattet. Alle Abbildungen wurden im Maßstab 1,5:1 vergrößert, da die einzelnen mittelalterlichen Gepräge oftmals sehr klein sind. Auf diese Weise lässt sich auch die Kunstfertigkeit der mittelalterlichen Stempelschneider auch ohne eine Lupe besser erkennen.

Besonderes Augenmerk verdienen die umfangreichen historischen Kommentare des Sammlers. Hinzu kommen zahlreiche Bemerkungen zu den Münzbildern, so z. B. die Ausführungen zu der Entwicklung von „châtel tournois“ und „tête chinonaise“ auf französischen Münzen (Auktion 121, S. 125–126, Abb. 11), den mittelalterlichen Stempelschneidern des 12. Jahrhunderts (Auktion 130, S. 272–276), der Darstellung von Pferden auf Reiterbrakteaten (Auktion 130, S. 256–257, Abb. 12) und den niederländischen Nachahmungen englischer Noble (Auktion 137, S. 71–73 und 76).

Viele der oftmals schriftlosen Gepräge konnten jedoch nicht zweifelsfrei zugewiesen werden. Damit schließt diese Dokumentation das Kapitel der mittelalterlichen Münzgeschichte nicht endgültig ab, sondern ist vielmehr Anlass für weitere wissenschaftliche Diskussionen.

Wissenschaftliche Bedeutung

Mit den qualitativ hochwertigen und detailreichen Abbildungen sowie den umfassenden numismatisch-historischen Kommentaren sind die vier Kataloge der Sammlung de Wit ein detailreiches, gut handhabbares und damit äußerst hilfreiches Nachschlagewerk der mittelalterlichen Münzprägung.

In Verbindung mit den einschlägigen Standardwerken und Handbüchern der Mittelalternumismatik stellen sie eine wertvolle Ergänzung für einen detaillierten Einblick in die Münz- und Geldgeschichte des mittelalterlichen Europa dar.

Literatur

  • Sebastian Steinbach: 1.000 Jahre europäische Münzgeschichte im Zeitraffer. Entstehung, Katalogisierung und Auktion der Sammlung de Wit. In: Numismatisches Nachrichtenblatt. 6/2008, S. 230–232.
  • Auktionskataloge der Sammlung de Wit:
  1. Part I: Migration Period, Merovingians, Carolingians, France, Scandinavia and the Netherlands, März 2007 (Auktion Fritz Rudolf Künker 121).
  2. Part II: Germany, Switzerland, Austria, Bohemia, Moravia, Hungary, Silesia, Poland, Baltic States, Russia and the Golden Horde, Oktober 2007 (Auktion Fritz Rudolf Künker 130).
  3. Part III: England, Ireland, Scotland, Spain, Portugal, Italy, Balkan, The Middle East, Jetons and Weights, März 2008 (Auktion Fritz Rudolf Künker 137).
  4. Part IV: Sceattas, März 2008 (Bestandskatalog der Münzen im Besitz des Fitzwilliam Museum, Cambridge).
zum Sammler
  • Heterogeniteit in verzekering. Liber amicorum G. W. de Wit; aangeboden op donderdag 29 september 1994 aan G. W. de Wit ter gelegenheid van zijn afscheid als bijzonder hoogleraar verzekeringseconomie aan de Erasmus Universiteit Rotterdam. Erasmus Insurance Center [u. a.], Rotterdam 1994, ISBN 90-802117-2-9.

Weblinks

  • Gijsbertus Willem de Wit bei muenzenwoche.de
  • Kataloge der Sammlung de Witt bei Künker
  • Münzen der Sammlung im Fitzwilliam Museum
  • http://www.smb.museum/ikmk/
  • De Wit in der Insurance Hall of Fame

Anmerkungen

  1. ↑ Bernd Kluge: Numismatik des Mittelalters. Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi. Berlin/Wien 2007, S. 198.
  2. ↑ G. W. de Wit: Gedachten over de economie. Naar een nieuwe economische orde? Eburon, Delft 2002, ISBN 90-5166-881-3.



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Magdalenenhochwasser 1342

Noir24admin Mittelalter 22. Juni 2026
Hochwassermarken am Eisernen Steg in Frankfurt am Main. Die oberste Marke ist der Schätzwert für 1342.
Hochwassermarken am Packhof zu den Hochwassern in Hann. Münden am Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser. Die oberste Markierung zum 24. Juli 1342 ist der Pegelstand des Magdalenenhochwassers.
Hochwassermarken von 1342 und 1552 an einem Pfeiler der Blasiuskirche in Hann. Münden
Pegel Würzburg am Main

Das Magdalenenhochwasser 1342, auch Magdalenenflut genannt, war eine verheerende Überschwemmung im Juli 1342 in Mitteleuropa. Die Bezeichnung geht auf die damals übliche Benennung der Tage nach dem Heiligenkalender zurück, hier auf den St.-Magdalenentag am 22. Juli. Bei dieser Flut wurden an vielen Flüssen die höchsten jemals registrierten Wasserstände erreicht. Möglicherweise war sie das schlimmste Hochwasser des gesamten 2. Jahrtausends im mitteleuropäischen Binnenland.[1]

Ursachen

Wie bei anderen extremen Hochwasserereignissen, beispielsweise dem Oderhochwasser 1997, dem Hochwasser in Mitteleuropa 2002 oder dem Hochwasser in Mitteleuropa 2013, wurde die Flut vermutlich durch eine Vb-Wetterlage ausgelöst.[2] Neuere Forschung widerspricht dieser These und geht stattdessen von einem konvektiven Ereignis innerhalb der Wetterlage „Central European trough“ aus:[3] Nach einem kalten schneereichen Winter hatte die Schneeschmelze im Februar ein erstes Hochwasser bewirkt, das in Prag unter anderem die Judithbrücke, die Vorläuferin der Karlsbrücke, zerstört hatte. Nach einem feuchten Frühsommer, der für konstant hohe Pegelstände der Flüsse gesorgt hatte, ließ eine Hitzewelle im Juli die Böden austrocknen, so dass sie kaum Wasser aufnehmen konnten. Dann zog etwa vom 19. bis zum 22. Juli ein Regengebiet von Südosten kommend in nordwestlicher Richtung über Deutschland hinweg, das weiten Gebieten große Niederschlagsmengen brachte. Im Einzugsgebiet des Mains fielen, verteilt über vier Tage, nach Modellrechnungen Niederschläge von durchschnittlich mindestens 175 mm.

Verlauf

Für das Rhein-Main-Gebiet ist der Verlauf des Hochwassers aus zeitgenössischen Quellen sowie aus heutigen Modellrechnungen erschließbar.[4] Aus dem für Frankfurt überlieferten Pegelstand von 7,85 Meter[5] lässt sich beispielsweise für den Main ein Höchstabfluss von 3700 m³/s bis 4000 m³/s errechnen. Das ist fast doppelt so viel wie beim Hochwasser vom Januar 1995. Der Hochwasserscheitel dauerte in Frankfurt etwa drei bis vier Tage. Modellrechnungen zufolge erreichte der Abfluss erst nach etwa vier Wochen wieder normale Werte.

Für Würzburg wurde ein Abfluss von 3000 bis 3600 m³/s errechnet, wobei die Auswirkungen des Einstaus durch die eingestürzte Brücke schwer abzuschätzen sind.[6][7] Die Höhe der Flut wurde mangels Hochwassermarken durch historische Beschreibungen („In der Stadt Würzburg trat der Strom bis an die erste steinerne Säule an den Domgreden“) ermittelt.

Fast alle großen Hochwasser an den Flüssen Rhein, Main und Donau treten im Winterhalbjahr zwischen 1. November und 30. April auf, wenn durch Schneeschmelze und Bodenversiegelung durch Frost die Abflussmengen noch vergrößert werden. Das Magdalenenhochwasser ist auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Die Abflussmaxima entsprechen etwa einem statistischen Wiederkehrwert von 10.000 Jahren (HQ10 000).

Auswirkungen

Betroffen waren unter anderem Rhein, Main, Donau, Mosel, Moldau, Elbe, Fulda, Weser, Werra, Lahn und Unstrut. Allein in der Donauregion starben über 6000 Menschen.[8] Das Hochwasser wird in den Chroniken zahlreicher Städte erwähnt, so in Würzburg, Frankfurt am Main, Mainz, Köln, Regensburg, Passau und Wien. Fast alle Brücken wurden damals zerstört, Flussläufe änderten sich. In Bamberg riss die Regnitz eine „Brücke mit Turm“ ein. Im Solling wurde das Dorf Winnefeld zerstört. Die Stadt Duisburg entwickelte sich aufgrund der durch das Hochwasser hervorgerufenen Verlandung des Altrheinarms von einer blühenden Handelsstadt zu einer unscheinbaren Ackerbürgerstadt. Die topographischen Konsequenzen des Hochwassers können heute noch nachgewiesen werden. Aufgrund der im 14. Jahrhundert vorliegenden starken Entwaldung zugunsten von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen kam es durch die Regenmassen unter anderem im Taunus zu massivem Schluchtenreißen.[9] Die Masse des erodierten Bodenmaterials betrug ca. 13 Milliarden Tonnen.[2] Das entspricht etwa der Menge, die bei normalen Wetterbedingungen in 2000 Jahren verlorengeht.[8]

In den Jahren nach dem Magdalenenhochwasser folgten kalte und nasse Sommer, die in Verbindung mit dem erodierten Boden zu Ernteeinbußen führten. In deren Folge kam es zu massiven Hungersnöten, welche die Auswirkungen der in den Jahren 1346 bis 1353 grassierenden großen europäischen Pestepidemie zusätzlich verschlimmerten.[10] Auch außerhalb der Regionen, in denen Hochwasser nachweisbar ist, ergeben sich Hinweise auf Starkregen und Bodenerosion, so am mittleren Neckar.[11]

Aus den Chroniken

„Am dritten Tag vor Maria Magdalena biß auf ihren tag ist der Meyn so groß gewesen, daß das waßer ganz und gar umb Sachsenhausen ist gangen und zu Frankfurt in alle kirchen und gaßen“

– Frankfurt am Main

„[wo im Dom] das Wasser einem Mann bis zum Gürtel stand“

– Mainz

„In diesem Sommer war eine so große Überschwemmung der Gewässer durch den ganzen Erdkreis unserer Zone, die nicht durch Regengüsse entstand, sondern es schien, als ob das Wasser von überall her hervorsprudelte, sogar aus den Gipfeln der Berge […], und über die Mauern der Stadt Köln fuhr man mit Kähnen […], Donau, Rhein und Main trugen Türme, sehr feste Stadtmauern, Brücken, Häuser und die Bollwerke der Städte davon, und die Schleusen des Himmels waren offen, und es fiel Regen auf die Erde wie im 600. Jahre von Noahs Leben […], ereignete es sich in Würzburg, daß dort der Main mit Gewalt die Brücke zertrümmerte und viele Menschen zwang, ihre Behausungen zu verlassen.“

– Curt Weikinn

„Am Maria Magdalenatag und am folgenden Tag fiel ein außerordentlicher Wolkenbruch, welcher den Mainstrom so sehr anschwellte, daß der selbe allenthalben weit aus seinem Bette trat, Äcker und Weingärten zerstörte und viele Häuser samt Bewohner fortriß. Auch die Brücke in Würzburg sowie die Brücken anderer Mainstädte wurden durch die Wuth des Gewässers zertrümmert. In der Stadt Würzburg trat der Strom bis an die erste steinerne Säule an den Domgreden.“

– zitiert für Würzburg[6]

„... da war große Flut und Wasser auf Erden, dass großer unsäglicher Jammer und Schaden geschah von der Flut. Und es hatte nicht sehr geregnet oder Wasser gefallen zu dieser Zeit, so dass es wie von wunderlicher Gottesgewalt war, dass die Wasser so groß waren. Zu Limburg da ging die Lahn bis über die Schuppen, dass man mit Nachen allenthalben darüber fuhr.“

– Limburg a. d Lahn[12]

Siehe auch

  • Liste von Wetterereignissen in Europa

Literatur

  • Maike Gauger: Hochwasser und ihre Folgen am Beispiel der Magdalenenflut 1342 in Hann. Münden. In: Bernd Herrmann, Ulrike Kruse (Hrsg.): Schauplätze und Themen der Umweltgeschichte: Umwelthistorische Miszellen aus dem Graduiertenkolleg Werkstattbericht. Universitätsverlag, Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-63-0, S. 95–106 (gwdg.de [PDF; 7,9 MB; abgerufen am 15. Februar 2011]). 
  • Hans-Rudolf Bork u. a.: Spuren des tausendjährigen Niederschlags von 1342. In: Landschaften der Erde unter dem Einfluss des Menschen. Primus, Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-584-2, S. 115–120 (Archäologische Nachweise zu den Auswirkungen des Magdalenenhochwassers). 
  • Curt Weikinn: Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahre 1850. Hydrographie, Teil 1 (Zeitwende-1500). Akademie Verlag, Berlin 1958. 
  • Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas: 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Primus, 2001, ISBN 3-89678-405-6. 
  • Hans-Rudolf Bork, Hans-Peter Piorr: Integrierte Konzepte zum Schutz und zur dauerhaft-naturverträglichen Entwicklung mitteleuropäischer Landschaften – Chancen und Risiken, dargestellt am Beispiel des Boden- und Gewässerschutzes. In: Karl-Heinz Erdmann, Thomas J. Mager (Hrsg.): Innovative Ansätze zum Schutz der Natur: Visionen für die Zukunft. Springer, 2000, ISBN 3-540-66667-2, S. 69–74 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 15. Februar 2011]). 
  • Martin Bauch: Die Magdalenenflut 1342 – ein unterschätztes Jahrtausendereignis? In: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, 4. Februar 2014, online (ISSN 2197-6120).
  • Michael Mott: Das Magdalenenhochwasser anno 1342 und die Fulda. In: "Buchenblätter" der Fuldaer Zeitung, 87. Jahrgang, Nr. 22, 10. November 2014, S. 85–87.
  • Peter Schneider: Das Magdalenenhochwasser von 1342. In: Die wackere Gemeinde Schameder, Erndtebrück-Schameder 2020, ISBN 978-3-948496-08-1, S. 20–23.

Weblinks

  • Das Magdalenenhochwasser 1342 im Rheingebiet. Informationsplattform Undine, abgerufen am 23. April 2026. 
  • Das Magdalenenhochwasser 1342 im Wesergebiet. Informationsplattform Undine, abgerufen am 23. April 2026. 
  • Das Hochwasser von 1342. (PDF; 147 kB) Umweltamt Würzburg, 17. Mai 2004, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2006; abgerufen am 22. Juli 2017. 
  • Maren Gottschalk: 22. Juli 1342 - Das Magdalenenhochwasser verwüstet Teile von Mitteleuropa In: WDR5, ZeitZeichen, 22. Juli 2022, (Podcast, 14:37 Min., verfügbar bis 22. Juli 2099).
  • Sebastian Hollstein: Als das Mittelalter den Boden unter den Füßen verlor in Spektrum.de vom 12. Juni 2023

Einzelnachweise

  1. ↑ Daniel Lingenhöhl: Mittelalter: Deutschlands Jahrtausendflut. Die Zeit, 17. Juni 2013, abgerufen am 21. Februar 2015. 
    Hans-Rudolf Bork u. a.: Spuren des tausendjährigen Niederschlags von 1342 – Landschaften der Erde unter dem Einfluss des Menschen. Hrsg.: Hans-Rudolf Bork. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-17514-X, S. 115–120. 
  2. ↑ a b Hans-Rudolf Bork, Hans-Peter Piorr: Integrierte Konzepte zum Schutz und zur dauerhaft-naturverträglichen Entwicklung mitteleuropäischer Landschaften – Chancen und Risiken, dargestellt am Beispiel des Boden- und Gewässerschutzes. In: Karl-Heinz Erdmann, Thomas J. Mager (Hrsg.): Innovative Ansätze zum Schutz der Natur: Visionen für die Zukunft. Springer, 2000, ISBN 3-540-66667-2, S. 69–74, hier 71+72 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 15. Februar 2011]). 
  3. ↑ Jürgen Herget, Alice Kapala, Maria Krell, Elke Rustemeier, Clemens Simmer, Adriana Wyss: The millennium flood of July 1342 revisited. In: Catena. Band 130, S. 82–94, doi:10.1016/j.catena.2014.12.010. 
  4. ↑ Gerd Tetzlaff, Michael Börngen, Manfred Mudelsee, Armin Raabe: Das Jahrtausendhochwasser von 1342 am Main aus meteorologisch-hydrologischer Sicht. In: Wasser und Boden. Band 54, 2002, S. 41–49 (manfredmudelsee.com [PDF; abgerufen am 9. Juni 2022]). 
  5. ↑ Laut der Markierung am alten Fahrtor betrug der Wasserstand „25 Fuß rheinisch“. Eine entsprechende Hochwassermarke ist heute am Eisernen Steg zu sehen. Nach einer lateinischen Inschrift in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Weißfrauenkirche stand das Wasser dort „sieben Schuh“ hoch, das entspricht etwa zwei Metern.
  6. ↑ a b Das Hochwasser von 1342. (PDF; 147 kB) Umweltamt Würzburg, 17. Mai 2004, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2006; abgerufen am 22. Juli 2017. 
  7. ↑ Wilhelm Handke, Johann Kendziora, Jürgen Beckmann: 175 Jahre Pegel Würzburg. Wasser und Schifffahrtsdirektion Süd, Würzburg 1999 (Nachweis). 
  8. ↑ a b Das verflixte „Genua-Tief“. Neue Zürcher Zeitung, 25. August 2005
  9. ↑ Andreas Meuser und Rudolf Bork in: Terra X Der Rhein (2/2) - Von Malaria und Jahrtausendfluten. Ein Film von Christian Stiefensohn und Florian Breier. ZDF 2016, Minute 15 bis 20.
  10. ↑ Jürg Luterbacher: Flutkatastrophen in Zentraleuropa – erlebte Geschichte und Szenarien für die Zukunft. In: Armine Wehdorn (Hrsg.): Bedrohte Museen: Naturkatastrophen – Diebstahl – Terror: Bodenseesymposium in Bregenz, 19. – 21.5.2003, internationales Symposium der ICOM-Nationalkomitees von Österreich, Deutschland, Schweiz. ICOM-Österreich, Wien 2004, ISBN 3-9501882-0-7, S. 10–15, insbesondere 13–14 (giub.unibe.ch (Memento vom 14. Dezember 2012 im Internet Archive) [PDF; 425 kB; abgerufen am 15. Februar 2011]). 
  11. ↑ Rainer Schreg: Bodenerosion 1342 – ein Rechtsstreit in Esslingen. Archaeologik, 19. Januar 2013, abgerufen am 22. Juli 2017.
  12. ↑ Tilemann Elhen von Wolfhagen, Limburger Chronik, Kapitel 9. in: Deutsche Chroniken und andere Geschichtsbücher des Mittelalters 4,1: Die Limburger Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen. Herausgegeben von Arthur Wyss. Hannover 1883, S. 28–28 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)



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