Danda (Keule)

Hanuman (Sandelholz) mit Keule

Ein Danda (Sanskrit दण्ड IAST daṇḍá) ist eine Schlagwaffe, eine Keule, von der viele unterschiedlichen Ausführungen überliefert und in der Literatur beschrieben sind. Der Sanskritbegriff daṇḍá hat mehrere Bedeutungen. Im Kontext dieses Beitrags bedeutet er „Stock“. Im Hinduismus ist eine Keule, auch Gada (Sanskrit गदा IAST gadā) genannt, ein kennzeichnendes Attribut mehrerer Gottheiten wie z. B. Lord Vishnu oder Lord Hanuman. Im tantrischen Buddhismus ist es ein Kultgegenstand für rituelle Handlungen und ein Attribut von zornvollen Gottheiten, den Dharmapalas. Die häufigste Form ist hier die mit einem Schädel am oberen Ende (tibetisch ཐོད་འབྱུག་ Wylie thod dbyug).

Herkunft

Die Herkunft und Geschichte dieser zeremoniellen Waffe reicht weit in die indische Vergangenheit zurück. Der indische Historiker Gopinatha Rao beschreibt eine einfache Keule aus einem menschlichen Oberarm- oder Schenkelknochen, auf den ein menschlicher Totenschädel befestigt wurde[1]. Er weist darauf hin, dass diese „merkwürdige Waffe“, wie er sie nennt, wohl aus sehr alten Zeiten überliefert sein muss. Wie bei vielen rituellen „Waffen“ war der Ursprung wohl eine Nahkampfwaffe. Andere Literaturstellen leiten eine Herkunft vom Khatvanga der Kapalika Yogins ab.

Eine Vorform kann auch der von Mahakala geschwungene, von Lord Shiva übernommene Dreizackstab[2] sein. Über den praktischen Gebrauch eines Danda, in welchen Zeremonien er verwendet wurde, und wie er gehandhabt wurde, ist wenig dokumentiert.

Darstellung

Todesgott Yama mit Skelett-Keule
Todesgott Yama schwingt einen Yama-Danda

Im tantrischen Buddhismus ist die häufigste dargestellte Form eines Danda die einer Schädel-Keule, mit einem menschlichen, meist stilisierten Totenschädel an der Spitze und einem Halbvajra an beiden Enden. Der ca. 25 bis 50 cm lange Schaft ist vorwiegend aus Holz oder auch Metall. Unter dem Schädel kann noch ein weißes, flatterndes Seidenband angeknotet sein. Oben auf dem Schädel kann anstelle eines Halbvara auch ein Dreizack montiert sein. Andere Formen zeigen statt des Schädels z. B. ein stilisiertes Skelett oder einen stilisierten menschlichen Körper. Henss (siehe Literatur unten) zeigt Abbildungen von mehreren weiteren Varianten.

Die Schädel-Keule wird häufig in Verbindung mit dem zornvollen Todesgott Yama dargestellt, und dort auch als „Yama-Danda“ tituliert[3]. Sie zählt auch zu den magischen Waffen der tibetischen Schutzgöttin Pelden Lhamo.

Symbolik

Die Schädel-Keule sollte, wie andere magische Waffen, allen schlechten Einflüssen widerstehen und diese zerstören, und geistige Verunreinigungen wie die Drei Geistesgifte in vollkommenes Bewusstsein verwandeln. Als Waffe unterwirft sie auch alle Dämonen und kann die boshaften Geister aller drei Reiche (Erde, Himmel und Unterwelt) besiegen. In Darstellungen wird sie meist mit der rechten Hand geschwungen. Im vor-buddhistischen Indien galt die einfacher geformte Keule (siehe Hanuman oben) als Symbol der Macht weltlicher Herrschaft, oder zeigte einen hochrangigen religiösen Status an.

Literatur

  • Robert Beer: The Handbook of Tibetan Buddhist Symbols, Serindia Publications Inc., Chicago 2003, ISBN 1-932476-03-2, S. 137
  • Michael Henss: Buddhist Ritual Art of Tibet, Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 2020, ISBN 978-3897905672, S. 196

Einzelnachweise

  1. T.A.Gopinatha Rao, Elements of Hindu Iconography Vol.One, Part 1, Motilal Publishers, Madras 1914, ISBN 81-208-0876-2, Kap.2 S. 7
  2. Gerd-Wolfgang Essen, Tsering Tashi Thingo: Die Götter des Himalaya (Tafelband), Prestel Verlag, München 1989, ISBN 3-7913-0994-3, S. 216
  3. Museum für Asiatische Kunst Berlin: TIBET-Klöster öffnen ihre Schatzkammern, Hirmer Verlag, München 2006, ISBN 978-3-88609-566-7, S. 377



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