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Dialogevangelium

Noir24admin Apokryphen 21. Juni 2026

Dialogevangelium bezeichnet eine Gattung antiker christlicher Offenbarungsschriften. Beispiele sind bekannt vor allem aus dem gnostischen Schrifttum, aber auch aus der nicht-gnostischen apokryphen Literatur.

Ein Dialogevangelium besteht aus einem Dialog zwischen dem auferstandenen Jesus und seinen Jüngern (einzelne Jünger oder Gruppen). Dabei stellen die Jünger meist kurze Fragen, auf die Jesus mit Lehrreden, Gleichnissen und Mahnungen erwidert. Häufig gibt es einen Rahmen in Form einer die Dialogsituation beschreibenden Erzählung oder eines Briefes.

Beispiele für Vertreter der Gattung sind:

  • Sophia Jesu Christi
  • Brief des Jakobus
  • Brief des Petrus an Philippus
  • Apokryphon des Johannes
  • Epistula Apostolorum
  • Evangelium der Maria

Literatur

  • Kurt Rudolph: Der gnostische Dialog als literarisches Genus. In: Peter Nagel (Hrsg.): Probleme der koptischen Literatur (= Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wissenschaftliche Beiträge. Reihe K: Byzantinistische Beiträge. Bd. 2, ISSN 0441-6201). Martin-Luther-Universität, Halle (Saale) 1968, S. 85–107.
  • Hans-Josef Klauck: Apokryphe Evangelien. Eine Einführung. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2002, ISBN 3-460-33022-8.
  • Oliver Ehlen: Leitbilder und romanhafte Züge in apokryphen Evangelientexten. Untersuchungen zur Motivik und Erzählstruktur (anhand des Protevangelium Jacobi und der acta Pilati Graec. B) (= Altertumswissenschaftliches Kolloquium. Interdisziplinäre Studien zur Antike und zu ihrem Nachleben. Bd. 9). Franz Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08470-3, S. 61 ff. (Zugleich: Jena, Universität, Dissertation, 2000).

Weblinks

  • Besprechung des Buches von Klauck von Martina Janßen auf ZNT online



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Dialogevangelium aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Gebet des Apostels Paulus (NHC)

Noir24admin Apokryphen 21. Juni 2026

Das Gebet des Apostels Paulus (lat.: Precatio Pauli, kurz: PrecPl) ist der erste Text auf dem „Codex Jung“ (Codex I) der Nag-Hammadi-Schriften (NHC). Sie scheint dem Codex vorangestellt worden zu sein, nachdem die längeren Abhandlungen abgeschrieben worden waren. Während der Text – wie der ganze Rest des Codex – in koptischer Sprache verfasst ist, trägt er einen griechischen Titel. Von der Handschrift fehlen ungefähr zwei Zeilen am Textanfang.

Der ursprünglich griechisch abgefasste Text ist eindeutig pseudepigraph, d. h., er wurde nicht vom Apostel Paulus geschrieben. Denn er zeigt gnostischen Einfluss, den man in den Paulusbriefen nicht findet. Viele Fachleute bezeichnen es als ein valentinianisches Werk aufgrund charakteristischer Wendungen, wie z. B. dem „psychischen Gott“. Dies spricht für eine Entstehung zwischen 150 und 300 n. Chr. Es finden sich Parallelen zu vielen anderen Texten, die teilweise als Quellen gedient haben könnten, u. a. dem Corpus Hermeticum, den Drei Stelen des Seth, dem Philippusevangelium und zu den echten Paulusbriefen.

Literatur

  • Hans-Martin Schenke, Hans-Gebhard Bethge, Ursula Ulrike Kaiser: Nag Hammadi Deutsch, 1. Band: NHC I,1-V,1, Walter de Gruyter: Berlin 2010.
  • Dieter Mueller: The Prayer of the Apostle Paul, Introduction. In: James M. Robinson (Hrsg.): The Nag Hammadi Library, S. 27. (mit englischer Übersetzung)

Weblinks

  • Übersetzung auf Englisch, Dieter Mueller
  • Uwe-Karsten Plisch: Gebet des Apostels Paulus. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2007 ff.
Normdaten (Werk): GND: 114219468X (GND Explorer, lobid, OGND, AKS) | VIAF: 305846281



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Gebet des Apostels Paulus (NHC) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Aristeasbrief

Noir24admin Apokryphen 21. Juni 2026

Der sogenannte Aristeasbrief ist eine in griechischer Sprache verfasste pseudepigraphe Schrift eines Juden aus der Epoche des Hellenismus. Er schildert und rechtfertigt die Übersetzung des Pentateuchs aus dem Hebräischen ins Griechische, genannt Septuaginta (lateinisch für „siebzig“).

Verfasser und Datierung

Der unbekannte Verfasser des Textes nennt sich Aristeas, was vielleicht ein Pseudonym ist. Er präsentiert sich als Anhänger der griechischen Religion. Er gibt an, ein hohes Amt am Hof des ägyptischen Königs Ptolemaios – gemeint ist Ptolemaios II. Philadelphos (285–246 v. Chr.) – zu bekleiden. In dem Brief berichtet er einem Freund namens Philokrates über die Umstände der Entstehung des Septuaginta-Textes.

Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich bei dem Verfasser um einen ägyptischen Juden aus Alexandria handelt, der sich an ein hellenisiertes jüdisches Publikum wandte. Der Inhalt ermöglicht keine sichere Datierung. Aufgrund des Stils der in den Brief eingefügten angeblichen offiziellen Schriftstücke ist eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. wahrscheinlich,[1] also mehr als ein Jahrhundert nach der Regierungszeit von Ptolemaios, der angeblich Aristeas beauftragt hatte.

Inhalt

In dem Brief berichtet der Verfasser, er sei auf Anregung des königlichen Bibliothekars Demetrios von Phaleron von König Ptolemaios II. nach Jerusalem zu dem jüdischen Hohenpriester Eleazar entsandt worden, mit dem er Gespräche über die allegorische Bedeutung jüdischer religiöser Gebote geführt habe. Dann sei er mit Tora-Schriftrollen und mit 72 Übersetzern nach Alexandria zurückgekehrt (jeweils 6 Männer aus den Zwölf Stämmen Israels). Diese hätten dann in 72 Tagen den Pentateuch ins Griechische übersetzt.

Eine spätere weitere Ausschmückung der Legende findet sich nicht im Aristeasbrief: Dass nämlich die 72 Übersetzer unabhängig voneinander arbeiteten und trotzdem durch göttliche Eingebung alle den wortgleichen griechischen Text produzierten.

Ausführlich wird dagegen über die Tischgespräche der 72 Gelehrten mit dem makedonischen König Ägyptens berichtet, in denen Ptolemaios den Juden im Verlauf von sieben Tagen philosophische Fragen stellte; jeder der 72 Übersetzer beantwortete eine Frage.

Die Übersetzung sei von den Juden in Alexandria gutgeheißen worden. Sie sei damit autorisiert, und wer daran etwas ändere, der solle verflucht sein. Dann sei das Werk dem König vorgelegt worden, der es in seiner Bibliothek (der berühmten Bibliothek von Alexandria) zu besitzen wünschte. Außerdem wird in dem Brief berichtet, der König habe auf Bitten des Aristeas allen jüdischen Kriegsgefangenen, die sich als Sklaven in seinem Reich befanden, die Freiheit geschenkt.

Aristeas erweist sich als aufgeklärt und der griechisch-hellenistischen Denkweise gegenüber sehr aufgeschlossen. Er meint etwa, Zeus sei schlicht ein anderer Name für den jüdisch-monotheistischen Gott. Den griechischen Polytheismus lehnt er als gläubiger Jude zwar ab, vermeidet aber Polemik, zumal er selbst sich ja als Grieche ausgibt. Er lässt den Hohenpriester Eleazar eine euhemeristische Deutung vortragen: Die griechischen Götter seien ursprünglich hervorragende Menschen gewesen, die durch ihre bedeutenden Leistungen vor langer Zeit zu göttlichen Ehren gelangt seien.

Mit Blick auf seine jüdische Leserschaft bemüht sich der Verfasser, das Vorhaben der Übersetzung des Pentateuchs ins Griechische als gerechtfertigt und geglückt darzustellen; Zweifel seiner jüdischen Zeitgenossen an der Korrektheit des Übersetzungstextes seien unberechtigt.

Im Brief findet sich auch die älteste literarische Nachricht über den jüdischen Brauch von Tefillin und Mesusa.[2]

Überlieferungs- und Forschungsgeschichte

Es sind mehr als 20 Handschriften dieses Briefes überliefert, der auch in vielen anderen Texten erwähnt und zitiert wird. Er ist in einwandfreiem Griechisch abgefasst. Eine Abschrift in deutscher Sprache ist beispielsweise mit Cod. Pal. germ. 10 (Anfang 16. Jh.) gegeben.

Der Brief wurde bereits früh aufgrund philologischer Textkritik als Fälschung erkannt. Schon Humphrey Hody verfasste 1684 seine Contra historiam Aristeae de LXX interpretibus dissertatio, worin er ausführt, der Brief sei eine späte Fälschung durch einen hellenisierten Juden. Ihm widersprach allerdings Isaac Vossius (1618–1689), der Bibliothekar der Königin Christine von Schweden, im Anhang seiner Ausgabe des Pomponius Mela.

Ausgaben

  • Emil Kautzsch (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments. Bd. 2: Die Apokryphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900).
  • André Pelletier (Hrsg.): Lettre d’Aristée a Philocrate, Paris 1962 [kritische Edition mit französischer Übersetzung]
  • Norbert Meisner: Aristeasbrief, in: Kümmel, Werner Georg; Lichtenberger, Hermann (Hrsg.): Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit. Bd. 2: Unterweisung in erzählender Form, Gütersloh 1973, S. 35–88.
  • Shutt, R. J. H.: Letter of Aristeas, in: Charlesworth, James Hamilton (Hrsg.): The Old Testament Pseudepigrapha. Vol. 2: Expansions of the "Old Testament" and Legends, Wisdom and Philosophical Literature, Prayers, Psalms and Odes, Fragments of Lost Judaeo-Hellenistic Works, Garden City, New York 1985, 7–34.
  • Kai Brodersen (Hrsg.): Aristeas: Der König und die Bibel, Griech.-Dt., Reclams Universal-Bibliothek 18576, Stuttgart: Reclam 2008. ISBN 3-15-018576-9

Literatur

  • Adolf Jülicher: Aristeas 13. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,1, Stuttgart 1895, Sp. 878 f.
  • Reinhard Feldmeier: Weise hinter „eisernen Mauern“. Tora und jüdisches Selbstverständnis zwischen Akkulturation und Absonderung im Aristeasbrief, in: Martin Hengel, Anna Maria Schwemer (Hrsg.): Die Septuaginta zwischen Judentum und Christentum, Tübingen: Mohr Siebeck 1994, S. 20–37.
  • Justus Cobet: Der sogeannte Aristeas-Brief. Jüdische Geschichte und Alte Geschichte, in: Saeculum 72, 2022, S. 59–104.

Weblinks

Wikisource: Der Aristeasbrief – Deutsche Übersetzung von Paul Rießler
  • David M. Miller and Ian W. Scott: Letter of Aristeas (Griechischer Text bei Online Critical Pseudepigrapha)
  • R. H. Charles: Engl. Übersetzung, von Christian Classics Ethereal Library.
  • Kaufmann Kohler, Paul Wendland: Artikel in der Jewish Encyclopedia (1901–06).
  • Kirby, Peter: Ressourcen, Links und kurze Auszüge aus Sekundärliteratur, Early Jewish Writings
  • Michael Tilly: Aristeasbrief. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2007 ff.

Anmerkungen

  1. ↑ Karlheinz Müller: Aristeasbrief, in: Theologische Realenzyklopädie, Band 3, Berlin 1978, S. 724.
  2. ↑ Othmar Keel: Zeichen der Verbundenheit. Zur Vorgeschichte und Bedeutung der Forderungen von Deuteronomium 6,8f und Par., in: Casetti, Pierre et al. (Hrsg.): Mélanges Dominique Barthélemy: Études bibliques offertes à l'occasion de son 60e anniversaire, Fribourg/Göttingen 1981, 166.



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Altäthiopische Bibel

Noir24admin Apokryphen 21. Juni 2026
Genesisauszug altäthiopisch

Die Altäthiopische Bibel in altäthiopischer Sprache ist eine der alten Bibelübersetzungen in orientalische Sprachen.

Textentwicklung

Eine Bibel in altäthiopischer Sprache und einem Vorläufer der äthiopischen Schrift, wohl noch ohne Bezeichnung der Vokale, entstand bald nach der Christianisierung Äthiopiens im 4. Jahrhundert. Unterschiedliche Revisionen vom 13. bis 17. Jahrhundert unterwarfen die äthiopische Bibel hebräischen, syrischen und koptischen Einflüssen. Herausgeberische Meilensteine bildeten die römische „Editio Princeps“ (1548) sowie die Londoner Ausgabe von Thomas P. Platt (1830).

Siehe auch

  • Bibelkanon der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche
  • Gunda-Gunde-Evangeliar

Weblinks

  • Ran HaCohen: AT (August Dillmann u. a.), NT (Thomas Pell Platt)
  • Die Apokalypse des Esra
  • Äthiopisch-orthodoxe Kanononliste, AT und NT
  • Alwan Codex



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Codex Hierosolymitanus

Noir24admin Apokryphen 21. Juni 2026

Der Codex Hierosolymitanus (Kürzel: „H“), auch bekannt als Jerusalemer Codex 54 oder als Bryennios Manuskript, ist ein griechisches Sammelmanuskript aus dem 11. Jahrhundert. In der älteren Literatur wird er auch Codex Konstantinopolitanus genannt, weil er sich zur Zeit seiner Auffindung in Konstantinopel befand. Dort wurde er vermutlich auch geschrieben von einem nicht näher bekannten „Leo“. Dieser versah ihn mit der Jahreszahl 1056. Die 120 Pergamentblätter haben ein Oktavformat von ungefähr 19 cm × 15 cm. Der Text umfasst pro Seite ca. 23 Zeilen in einer Kolumne.[1]

Umfang

Der Codex umfasst die Didache, den Barnabasbrief, die beiden Clemensbriefe, den Brief der Maria von Kassobola an Ignatius von Antiochien, die lange Fassung der sieben Briefe des Ignatius und eine Liste der biblischen Bücher in der Reihenfolge, wie Johannes Chrysostomus sie aufgezählt hat.

Besitz und Verwahrung

Die Handschrift befindet sich unter der Nr. 54 in der Bibliothek des Klosters des Heiligen Grabes bei der Grabeskirche in Jerusalem, die zum Patriarchat Jerusalem gehört. Die Schrift war wohl von Anfang an Teil der Bibliothek des Patriarchats.

Veröffentlichungen

Die Schrift wurde 1873 von dem Theologen Philotheos Bryennios, dem späteren Metropoliten von Nikomedien, in Konstantinopel gefunden. 1875 veröffentlichte dieser die Texte der beiden Clemensbriefe. Adolf Hilgenfeld verwendete den Codex Hierosolymitanus 1877 für die erste gedruckte Ausgabe der damals so gut wie unbekannten Didache.

Einzelnachweise

  1. ↑ Rudolf Knopf: Der erste Clemensbrief, S. 5.

Literatur

Rudolf Knopf: Der erste Clemensbrief untersucht und herausgegebenhttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dderersteclemensb00clemrich~MDZ%3D%0A~SZ%3Dn12~doppelseitig%3D~LT%3DDer%20erste%20Clemensbrief%20untersucht%20und%20herausgegeben~PUR%3D, Hinrichs: Leipzig 1899, in: Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur, Band 20, Heft 1 (Neue Folge, 5. Bd., Heft. 1).

Weblinks

  • Codex Hierosolymitanus
  • Rudolf Knopf: Der erste Clemensbrief
  • Panagios Taphos 54. John Chrysostom: Synopsis of the Testaments; Apostolic Fathers. 1056 A.D. 120 f. Pg. 16 ft. (Bilder)
  • Jerusalem, Patriarchikê bibliothêkê, Panaghiou Taphou 054 (Inhaltsverzeichnis)



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  1. Apokryphen
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  3. Adambücher
  4. Apokryphe jüdische Schriften

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