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Lieder der Grenzkrieger

Noir24admin Mythologie 21. Juni 2026

Die Lieder der Grenzkrieger (albanisch Këngë Kreshnikësh oder Cikli i Kreshnikëve) sind ein Teil des Zyklus der traditionellen albanischen epischen Lieder. Mündlich von Barden überliefert, fanden sie im 17. oder 18. Jahrhundert ihre endgültige Fassung. Die Lieder wurden zum ersten Mal Anfang des 20. Jahrhunderts von den Franziskanern Shtjefën Gjeçovi und Bernardin Palaj niedergeschrieben. Palaj war wohl der erste, als er sie 1937 auf Albanisch publizierte. Robert Elsie übersetzte sie 2004 als Erster ins Englische. Die traditionellen albanischen Barden, die die Lieder auswendig vortragen, gehören zu den letzten dieser Art im modernen Europa.

Geschichte

Die Lieder entstammen dem südslawischen Umfeld und wurden von zweisprachigen Sängern – einige sagen zurück – ins albanische Umfeld übersetzt.[1] Untersuchungen zeigen, dass die von den albanischen Barden mündlich überlieferten Lieder aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen.[2] Bei der Übertragung aus dem südslawischen Milieu Bosniens wurden die Lieder nicht einfach aus dem Serbischen übersetzt, sondern unabhängig ans nordalbanische Hochland angepasst.[3]

Einige albanische Wissenschaftler gehen abweichend davon aus, dass die Lieder aus der Zeit vor der slawischen Einwanderung stammen. So thematisieren sie unter anderem den Einfall fremder Völker in diese Region.[4]

Untersuchungen der Vorkriegszeit

Der Franziskanerpriester Shtjefën Gjeçovi, der als erster den Kanun schriftlich festhielt, hat auch die Lieder der Grenzkrieger gesammelt und niedergeschrieben.[5] Nach 1919 wurde Gjeçovis Arbeit durch den Priester Bernandin Palaj fortgeführt. Sowohl Gjeçovi wie auch Palaj reisten zu Fuß durch die Berge, um die Barden zu finden und die Lieder aufzuzeichnen. Das Buch Këngë Kreshnikësh dhe Legenda (deutsch: Lieder der Grenzkrieger und Legenden) erschien als erste Publikation im Jahr 1937 nach Gjeçovis Tod. Es wurde später ins Buch Visaret e Kombit (englisch Treasures of the Nation) (deutsch: Schätze der Nation) aufgenommen.

Zu dieser Zeit, als man sich in Albanien um die Sammlung der Lieder bemühte, begannen sich auch jugoslawische Gelehrte für die des Lesens unkundigen Barden des Sandschaks und Bosniens zu interessieren.[6] Das weckte das Interesse von Milman Parry, ein auf Homer spezialisierter Dozent der Harvard University, und seines Assistenten Albert Lord. Während eines einjährigen Aufenthalts in Bosnien (1934/35) nahmen Parry und Lord 12.500 Texte auf.

Von den fünf aufgenommenen Barden waren vier Albaner: Salih Ugljanin, Djemal Zogic, Sulejman Makic und Alija Fjuljanin. Diese Sänger, die aus Novi Pazar und dem Sandschak stammten, konnten ihre Lieder sowohl auf Albanisch als auch auf serbo-kroatisch vortragen.

Im Jahr 1937, kurz nach dem Tod von Parry, reiste Lord nach Albanien. Er begann, Albanisch zu lernen und bereiste durch das ganze Land, um die albanischen Heldenlieder zu sammeln. Sie werden in der Milman Parry Collection an der Harvard University gesammelt. Über sein Unternehmen berichtete Parry das Folgende:

„Als wir in Novi Pazar waren, hat Parry einige albanische Lieder von einem Sänger aufgenommen, der in beiden Sprachen vortrug. Das Musikinstrument, das er nutzte, um die Lieder zu begleiten, war die Gusle (albanisch Lahuta), aber die Zeile ist kürzer als der serbische Zehnsilbler und eine primitive Art des Reimens ist normal. Es war klar, dass Studien über den Austausch von Aufbau und Übergängen zwischen diesen beiden Dichtungen ertragreich sein dürfte, da es aufzeigen kann, was passiert, wenn mündlich überlieferte Dichtung von einer Sprachgruppe in eine andere benachbarte übertritt. Jedoch fehlte uns 1935 die Zeit, um ausreichend Material zu sammeln und die albanische Sprache zu lernen. Als ich im Sommer 1937 in Dubrovnik war, hatte ich die Gelegenheit, Albanisch zu lernen. Und im September und Oktober dieses Jahres reiste ich durch die Berge von Nordalbanien, von Shkodra nach Kukës via Boga, Theth, Abat und Tropoja. Auf dem Rückweg wählte ich eine südlichere Route. Ich sammelte ungeführt hundert lokale Erzähllieder – die meisten waren kurz, aber einige zwischen 500 und 1000 Zeilen lang. Wir fanden heraus, dass einige Lieder sowohl in der serbo-kroatischen wie auch in der albanischen Tradition vorkommen und dass einige der muslimischen Helden der jugoslawischen Dichtung wie Mujo und Halili Hrnjica und Đerzelez Alija auch im Albanischen vorkommen. Es bleibt in diesem Bereich noch viel Arbeit, bevor wir genau sagen können, wie sich die beiden Traditionen zueinander verhalten.“[7]

Untersuchungen der Nachkriegszeit

Die Erforschung der albanischen Literatur wurde in den 50er Jahren mit der Gründung des Albanischen Wissenschaftlichen Instituts, dem Vorläufer der Albanischen Akademie der Wissenschaften, wiederaufgenommen.[8] Die Gründung des Folkloreinstituts in Tirana im Jahr 1961 war von großer Bedeutung für die fortdauernde Forschung und die Publikation zu Themen der Folklore auf einem hochstehenden wissenschaftlichem Niveau. Zudem trug auch die Gründung des Albanischen Instituts (albanisch Instituti Albanologjik) in Pristina zur Publikation einiger Werke über das albanische Epos bei.[9]

Das serbo-kroatische Epos scheint seit der Zeit von Parry und Lord ausgestorben zu sein, da es keine Barden mehr gibt, die diese Lieder vortragen, während das albanische Epos noch lebendig ist. Es gibt noch eine beträchtliche Zahl von Lahutaren in Albanien, im Kosovo und auch in den albanischen Gebieten Montenegros. Man geht davon aus, dass diese Männer die letzten traditionellen einheimischen Sänger von epischen Versen in Europa sind.

Aneinandergereiht bilden die Lieder ein langes Gedicht, ähnlich dem finnischen Kalevala, das 1835 von Elias Lönnrot aus finnischer und karelischer Folklore zusammengetragen und publiziert wurde.[10]

Die Lieder der Grenzkrieger werden als die maßgebende Inspiration für Gjergj Fishtas Epos Lahuta e Malcis betrachtet.

Bekannte Lieder

  • Martesa e Mujit (Mujis Hochzeit)
  • Fuqia e Mujit (Mujis Macht)
  • Orët e Mujit (Mujis Stunden)
  • Ajkuna qan Omerin (Ajkuna trauert um Omer)
  • Martesa e Halilit (Halilis Hochzeit)
  • Muji e tri zanat e malit (Muji und die Zanen vom Berg)
  • Halili pret Pajo Hashashi (Halili wartet auf Pajo Hashashi)

Gjergj Elez Alia

Eines der bekanntesten Lieder des Zyklus ist das von Gjergj Elez Alia, dem Krieger, der mit neun Wunden an seinem Körper neun Jahre lang zuhause im Krankenbett lag. Als er die Nachricht erhielt, dass Balozi i Zi (der schwarze Ritter) aus dem Meer gekommen sei und Menschen töte, erhebt sich Gjergj und tötet den Balozi.

Quellen

  • Robert Elsie, Janice Mathie-Heck: Songs of the Frontier Warriors. Bolchazy-Carducci, Wauconda 2004, ISBN 0-86516-412-6. 
  • Bernardin Palaj: Eposi i kreshnikëve dhe legjenda. Hrsg.: Donat Kurti. Neudruck Auflage. Plejad, Tirana 2005, ISBN 99943-640-9-X (2 Bände). 

Weblinks

  • Ajkuna trauert um Omer auf YouTube
  • Vortrag epischer Lieder (Video)
  • Revista Bukureza: Këngët e kreshnikëve, Fuqia e Mujit (albanisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xvi („From this and from conspicuous Slavic terms in some of the songs, it would seem evident that we are dealing with the body of oral material which, probably after centuries of evolution, crystallized in a southern Slavic milieu and which was then transmitted by bilingual singers to (some would say back to) an Albanian milieu.“).
  2. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. v.
  3. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xvii („Despite transmission from a Bosnian Slav milieu, the Songs of Frontier Warriors are by no means simply translations of Serbo-Croatian epic verse.“).
  4. ↑ Tirta, Mark.: Mitologjia ndër shqiptarë. Akademia e Shkencave e Shqipërisë Instituti i Kulturës Popullore, Dega e Etnologjisë, Tiranë 2004, ISBN 99927-938-9-9. 
  5. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xi.
  6. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xii.
  7. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xii–xiii.
  8. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xiii.
  9. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xiv.
  10. ↑ Elsie, Mathie-Heck (2004), S. viii.



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Mythes et religions

Noir24admin Mythologie 21. Juni 2026

Mythes et religions (Mythen und Religionen) ist eine französischsprachige religionswissenschaftliche Buchreihe. An der seit Ende der 1930er Jahre in Paris bei Leroux erschienenen Reihe haben führende Fachvertreter mitgearbeitet. Sie erschien seit 1939, anfangs unter der Leitung von Paul-Louis Couchoud (1879–1959), später wurde sie von Georges Dumézil (1898–1986) bei den Presses universitaires de France herausgegeben. Georges Dumézil hatte die Reihe bereits mit seinem ersten Band Mythes et dieux des Germains. Essai d’interprétation comparative eröffnet.[1]

Bände (Auswahl)

  • 1 Georges Dumézil: Mythes et dieux des Germains. Essai d’interprétation comparative. Leroux, Paris 1939
  • 2 Emmanuel Aegerter: Les hérésies du moyen âge. Paris, Leroux, 1939
  • 3 Roger Caillois: L’homme et le sacré. Paris, Leroux, Presses universitaires de France, 1939.
  • 4 Georges Hardy: Le problème religieux dans l’empire français. Paris, Leroux, Presses universitaires de France, 1940.
  • 5 Henri Hauser: La naissance du protestantisme. Paris, Leroux, Presses universitaires de France, 1940
  • 6 Albert Lantoine: Les Sociétés Secrètes actuelles en Europe et en Amérique. Paris: Leroux, 1940
  • 7 Marie-Louise Sjoestedt: Dieux et Héros des Celtes, Paris, Leroux 1940
  • 9 André Jean Festugière: La Sainteté. – (2. éd.). – Paris : Presses universitaires de France, 1949
  • 10 Marie Delcourt: Légendes et cultes de héros en Grèce. 1942
  • 11 Vsevolod Basanoff[2]: Les dieux des Romains. Paris, 1942.
  • 13 Jean Filliozat: Magie et médecine. PUF, Paris 1943.
  • 14 Jean Hubaux: Les grands mythes de rome. – 1. éd. – Paris : Univ. de France, 1945
  • 16 Georges Deromieu: L’Inquisition. – Paris : Pr. universit. de France, 1946
  • 19 André Jean Festugière: Épicure et ses dieux. – Paris : Pr. universit. de France, 1946
  • 20 Jacques Bacot: Le Bouddha. – 1. éd. – Paris : Presses Univ. de France, 1947
  • 21 Marie Delcourt: Les grands sanctuaires de la Grèce. Éd. P.U.F., Paris 1947
  • 24 Georges-Henri Bousquet: Les grandes pratiques rituelles de l’Islam
  • 25 Victor Goldschmidt: La religion de Platon. – Paris : Presses universitaires de France, 1949
  • 27 Jeanne Cuisinier: La danse sacrée en Indochine et en Indonésie. – 1. éd. – Paris : Presses Univ. de France, 1951
  • 29 Georges Dumézil: Les dieux des Indo-Européens. – 1. éd. – Paris : Presses Universitaires de France, 1952
  • 30 Jean Bottéro: La Religion Babylonienne. – Paris : Presses Univ. de France, 1952
  • 31 Jacques Duchesne-Guillemin: Ormazd et Ahriman : l’aventure dualiste dans l’antiquité. – Paris : Pr. universit. de France, 1953
  • 32 Jacques Moreau: La persécution du Christianisme dans l’empire Romain. Paris Presses universitaires de France, 1956
  • 35 Marcelle Lalou: Les Religions du Tibet. – 1re édition. – Paris : Presses Universitaires de France, 1957
  • 36 Marie Delcourt: Hermaphrodite, mythes et rites de la bisexualité dans l’antiquité classique. Éd. P.U.F., Paris 1958
  • 39 Georges Méautis: Les dieux de la Grèce et les mystères d’Éleusis. – Paris : Presses Universitaires de France, 1959
  • 40 Marcel Simon: Les sectes juives au temps de Jésus. – Paris : Press. univ. de France, 1960
  • 42 Claude Lévi-Strauss: Le totémisme aujourd’hui. – Paris : Presses Univ. de France, 1962
  • 45 Jean-Pierre Vernant: Les origines de la pensée grecque. – Paris : Presses Univ. de France, 1962
  • 46 Raymond Bloch: Les prodiges dans l’antiquité classique (Grèce, Étrurie et Rome). Presses Universitaires de France, Paris, 1963
  • 48 Pierre Boyancé: La religion de Virgile. Paris : Presses Univ. de France, 1963
  • 49 Olivier Clément: Byzance et le Christianisme, Paris, Presses universitaires de France, 1964
  • 50 Olivier Clément: L’Essor du christianisme oriental, Paris, Presses universitaires de France, 1964
  • 51 André Leroi-Gourhan: Les Religions de la Préhistoire. Paris P.U.F. 1964
  • 52 René-Jacques Lovy: Luther. 1964
  • 53 Jean Bosc: La foi chrétienne. Accords et divergences des Eglises. Paris, Presses Universitaires de France, 1965
  • 54 Marijan Molé: Les mystiques musulmans. Paris, Presses universitaires de France, 1965
  • 55 Nicole Vandier-Nicolas: Le Taoïsme. Paris Presses universitaires de France, 1965

Siehe auch

  • Mana (Buchreihe)
  • Die Welt der griechischen Mythen

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ↑ Vgl. die Besprechung von Albert Grenier.
  2. ↑ russ. Всеволод Иванович Базанов

Weblinks

  • worldcat.org



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Mythologem

Noir24admin Mythologie 21. Juni 2026

Ein Mythologem ist ein einzelnes Element oder Motiv innerhalb der Mythologie. Laut der Theaterwissenschafterin Katharina Keim bzw. weiter zurückzuführen auf Claude Lévi-Strauss (von diesem Mythem genannt) ist ein Mythologem die Bezeichnung für die kleinste, semantisch und historisch invariable, konstitutive Einheit des Mythos. Dies wäre z. B. beim Medea-Mythos der Kindermord oder die Vorstellung, dass das Wasser der Ursprung allen Lebens sei.

Mythologeme sind konstante „Teile der Welt“ im Unbewussten, die in der Psyche strukturell eingeschlossen sind. Sie stellen jene Konstanten dar, die sich unabhängig von Kultur und Entstehungszeit relativ identisch ausdrücken.

Literatur

  • Claude Lévi-Strauss: Die Struktur der Mythen. In: Strukturale Anthropologie I. Aus dem Französischen von Hans Naumann, Suhrkamp, Frankfurt 1967, S. 226–254.
  • C.G. Jung: Band 16: Praxis der Psychotherapie. In: Medizin und Psychologie. 1995 Patmos Verlag, 2. Auflage 2006, S. 101.



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Historiola

Noir24admin Mythologie 21. Juni 2026
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Historiola (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Historiola (lateinisch historiola ‚Geschichtchen‘, Plural Historiolae) ist eine moderne Begriffsprägung, die in magische Rezepte und Zaubersprüche eingeflochtene knappe Erzählungen bezeichnet. Sie stellen einen Zusammenhang zwischen dem angerufenen oder beschworenen Geistwesen und dem Ziel der magischen Operation her, indem sie einen mythischen Präzedenzfall für den beabsichtigten Vorgang liefern.

Historiolae sind bereits in der mesopotamischen und altägyptischen Magie bezeugt. In den griechisch-ägyptischen Zauberpapyri (Papyri Graecae Magicae, PGM) wird sowohl griechische (z. B. in PGM XX) wie auch ägyptische Mythologie (z. B. in PGM IV 1471) herangezogen. In christlich geprägten Zaubersegen bezieht man sich auf entsprechende Legenden.

Beispiele

David Frankfurter gibt als Beispiel für eine mesopotamische Historiola einen Spruch gegen das vermeintlich von „Zahnwürmern“ verursachte Zahnweh. Der Spruch beginnt mit der Schöpfung von Himmel und Erde durch Ea, geht die Kosmogonie durch bis zur Erschaffung des Wurms, der bekundet, dass ihm Zähne und Kiefer besser schmecken würden als die von Ea als Speise angebotenen Feigen und Aprikosen. Darauf heißt es: „Da Du so gesprochen hast, o Wurm, möge Ea Dich zerschmetter mit der Macht seiner Hand!“ Dann folgen Anweisungen für das Rezitieren des Zaubers und was man auf den wehen Zahn legen soll.[1]

Der althochdeutsche Zweite Merseburger Zauberspruch beginnt mit einer Historiola[2]:

Phol und Wotan ritten in das Gehölz.
Da wurde dem Balders-Fohlen sein Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt und Sunna, ihre Schwester,
da besprach ihn Frija und Volla, ihre Schwester,
da besprach ihn Wotan, der es wohl verstand …

Dann folgt in Analogie die Nutzanwendung des Spruches:

Wie Beinverrenkung, so Blutverrenkung,
so Gliederverrenkung:
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern, wie geleimt sollen sie sein!

In folgendem neuhochdeutschen Bienensegen zum Einfangen entflogener Bienenschwärme besteht der Zauberspruch bis auf die Abschlussformel nur aus der Historiola[3]:

Maria stand auf eim sehr hohen berg,
sie sach ein swarm bienen kommen phliegen;
sie hub auf ihre gebenedeyte hand,
sie verbot ihn da czuhand,
versprach ihm alle hilen
und die beim verslossen;
sie sazt ihm dar ein fas,
das zent Joseph hat gemacht;
in das sollt er phlügen,
unt sich seines lebens genügen.
In Nomine patris, filij et spiritus sancti. Amen.

Besteht ein Segen wie hier praktisch nur aus der Historiola, so spricht man auch von einem epischen Segen.

Typisierung

Ferdinand Ohrt hat im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verschiedene Formen der Historiala unterschieden[4]:

  • Zwistform: Schildert eine Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten, das Gute und das Böse verkörpernd, wobei das Gute schließlich obsiegt.
  • Dreiheitsform: Eine Dreiheit, wobei die drei Teile oder Personen zusammen oder unabhängig wirken, der dritte Teil aber entscheidend ist, strukturell ähnlich der Dreiheit im Märchen. Beispiele:
    • „… 3 Brunnen, der eine fließt, der andere fließt, der dritte steht stille, so soll auch dies Blut stehen“[5],
    • „es kamen 3 Jungfern … die eine pflückt Laub, die andere pflückt Gras, und die dritte brach die Rose [Krankheit] ab“[6],
    • „… drei Blümelein, das eine heißet Wohlgemuth, das andere heißet Demuth, die dritte heißet Blut stehe stille“.[7]
  • Begegnung:
    • Begegnung mit dem Hilfsbedürftigen: Die Verkörperung des Guten und Heiligen begegnet einem Leidenden oder Hilfesuchenden, fragt nach der Ursache des Leidens bzw. dem Zweck der Reise und gibt dann Anweisung zur Behebung des Leidens bzw. zur Hilfe. Ein Beispiel ist der sogenannte Dreibrüdersegen, bei dem Christus drei Brüdern begegnet, die auf der Suche nach einem Wundmittel sind. Christus sagt dann den Brüdern, sie sollen Olivenöl vom Ölberg und Wolle von Schafen nehmen und das auf die Wunde tun (in Hinblick auf Sekundärinfektionen aus heutiger Sicht problematisch).
    • Begegnung mit dem Bösen: Die böse Macht ist zum Beispiel die personifizierte Krankheit oder ein Krankheit verursachender Dämon. Das Böse ist auf dem Weg, einen Menschen zu plagen, wird aber vom Guten daran gehindert, jetzt und gegebenenfalls auch in Zukunft.

Literatur

  • Alphons Augustinus Barb: Antaura : The mermaid and the devil’s grandmother. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 29 (1966), S. 1–23.
  • David Frankfurter: Narrating Power: The Theory and Practice of the Magical Historiola in Ritual Spells. In: Marvin Wayne Meyer, Paul Allan Mirecki: Ancient Magic and Ritual Power. Brill 2001, ISBN 0-391-04152-5, S. 457–476.
  • Fritz Graf: Historiola. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 641–642.
  • Meinolf Schumacher: Geschichtenerzählzauber. Die ‚Merseburger Zaubersprüche‘ und die Funktion der ‚historiola‘ im magischen Ritual. In: Rüdiger Zymner (Hrsg.): Erzählte Welt – Welt des Erzählens. Festschrift für Dietrich Weber. edition chora , Köln 2000, ISBN 3-934977-01-4, doi:10.4119/unibi/1860109, S. 201–215.

Einzelnachweise

  1. ↑ David Frankfurter: Narrating Power: The Theory and Practice of the Magical Historiola in Ritual Spells. In: Marvin Wayne Meyer, Paul Allan Mirecki: Ancient Magic and Ritual Power. Brill 2001, S. 458.
  2. ↑ Übersetzung nach: Viera Glosíková, Veronika Jičínská: Anthologie der deutschen Dichtung: Mittelalter, Humanismus, Reformationszeit, Barock. Band 1. Univerzita Karlova v Praze, Pedagogická fakulta, Prag 2007, ISBN 978-80-7290-289-7, S. 7.
  3. ↑ Friedrich Wilhelm Schuster: Siebenbürgisch-sächsische Volkslieder, Sprichwörter, Räthsel, Zauberformeln, und Kinder-Dichtungen. Steinhausen, Hermannstadt 1865, S. 288, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10120004~SZ%3D318~doppelseitig%3D1~LT%3D~PUR%3D. S. a. Bienensegen 38, CSB. Text vermutlich aus dem 16. Jahrhundert.
  4. ↑ Ferdinand Ohrt: Bienensegen. In: Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 7. De Gruyter, Berlin und Leipzig 1936, S. 1591–1593.
  5. ↑ Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte 13, 218 Nr. 258.
  6. ↑ Adalbert Kuhn: Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Norddeutschlands. Leipzig 1859. Bd. 2, S. 202.
  7. ↑ J. D. H. Temme: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. Berlin 1840, S. 342http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D7kA8XxrP0CYC~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D342~doppelseitig%3D~LT%3DS.%20342~PUR%3D.



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Johänneken

Noir24admin Mythologie 21. Juni 2026

Das Johänneken war ein kleiner Junge, der unter nie geklärten Umständen im Jahr 1287 auf seinem täglichen Schulweg von Troisdorf in die Klosterschule der Minoriten in Seligenthal verschwand. Nachdem sein Leichnam gefunden worden war, wurde er zur Legende, weil der Arm des toten Jungen bei der Vorbeifahrt am Siegburger Michaelsberg auf diesen gedeutet hatte. Er wurde daraufhin als Heiliger und Märtyrer verehrt. Knochen seiner Hand wurden zur Reliquie, die heute allerdings verschollen ist. Abt Godewig von Schaumburg stiftete dem Jungen im Jahr 1772 einen Bilderstock, der heute im Siegburger Stadtmuseum zu besichtigen ist.

Historische Überlieferung

Das Johänneken verschwand unter nie geklärten Umständen im Jahr 1287 auf seinem täglichen Schulweg von Troisdorf in die Klosterschule der Minoriten in Seligenthal. Sein Hin- und Rückweg führte ihn vorbei am Haus zur Mühlen, dem heutigen Seniorenheim am Rande des Kaldauer Felds, wo im Jahr 1934 anstelle eines älteren Baus eine Wegekapelle ihm zu Ehren errichtet wurde. Nach der Überlieferung sollen Schweine den mit Messern durchbohrten Leichnam des Jungen gefunden und ausgebuddelt haben. Als vermeintliche Mörder wurden 20 jüdische Bürger verdächtigt, was wiederum zu deren Ermordung geführt haben soll. Sie wurden beschuldigt, einen Ritualmord begangen zu haben, um das Blut des Johänneken zu verwenden und Christus zu verhöhnen.

Der Bilderstock des Johänneken steht im Siegburger Stadtmuseum.

Mysteriöse Vorkommnisse

Der Grund, warum der tote Junge in die Geschichte einging, ist ein mysteriöser: Die Leiche des Johänneken sollte nämlich vom Fundort an der Abtei auf dem Michaelsberg vorbei nach Troisdorf gebracht werden. Die Pferde blieben jedoch in Höhe der Abteikirche stehen und der tote Junge streckte seine Hand unter der Decke hervor und zeigte Richtung der Abtei. Das zuvor störrische Zugpferd verfiel daraufhin in den Trab und steuerte auf den Michaelsberg zu. Daraufhin fanden die Bestattung und der Gottesdienst in der Klosterkirche statt.

Verehrung

In der Abtei wurde dem Johänneken die Hand abgelöst und als Reliquie in ein Silbergefäß gesteckt. Die Überbleibsel eines Heiligen in Form von Körperteilen galten als Gegenstand kultischer religiöser Verehrung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Reliquie nach Bonn gebracht und tauchte 1655 wieder im Franziskanerkloster in Siegburg auf. Im Jahr 1818 wurden einige Reste wiedergefunden und in den Altar von St. Servatius gelegt. Heute sind sie verschollen.

Heiliger und Märtyrer

Als Heiliger und Märtyrer verehrt, ging das Johänneken endgültig in die Geschichte ein, als der Abt Godewig von Schaumburg 1772 einen Bilderstock stiftete. Die Inschrift am Bilderstock lautet: „In memoriam St. Johänneke Martyr. Godesfridus die Schaumburg Abbas Siegburg 1772“ (Dem Andenken des Märtyrers Johänneken errichtet durch Gottfried von Schaumburg, Abt zu Siegburg, 1722). Auf dem Grundstück an der Luisenstraße/Ecke Augustastraße hatte das Heiligtum einst gestanden, dieser Standort war 1911 mehrfach geringfügig verändert worden. Heute steht der Bilderstock im Erdgeschoss des Siegburger Stadtmuseums. Zu verdanken ist dies Sybilla und Albert Bierther, den Grundstückseigentümern, die in ihrem Testament bestimmt hatten, dass das Denkmal an die Stadt übergehen sollte. Die Freunde und Förderer des Stadtmuseums hatten dessen Restaurierung finanziert.

Weblinks

  • Inga Sprünken: Die mysteriöse Geschichte des Johänneken
Personendaten
NAME Johänneken
KURZBESCHREIBUNG Junge, der unter ungeklärten Umständen verschwand, angebliches Opfer einer Ritualmordlegende
GEBURTSDATUM 13. Jahrhundert
STERBEDATUM 1287



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  1. Klassische Mythologie
  2. Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae
  3. Familienroman (Psychoanalyse)
  4. Encyclopedia Mythica

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» Marlon & Zoe – Wenn die Dunkelheit Code schreibt und Legenden zum Leben erwachen. «


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