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Vorzeichen des Erscheinens des Mahdi

Noir24admin Islam 21. Juni 2026
Detaillierte eschatologische Tabelle

Als Vorzeichen des Erscheinens des Mahdi wird in der islamischen Eschatologie eine Reihe von Ereignissen bezeichnet, die der Ankunft des Mahdi (des „Rechtgeleiteten“) vorausgehen sollen. Während der Glaube an eine messianische Figur, die vor dem Ende der Welt Gerechtigkeit herstellt, in fast allen islamischen Strömungen verankert ist, unterscheiden sich die Überlieferungen über die spezifischen Vorzeichen zwischen den Konfessionen des Sunnitentums und des Schiitums teils erheblich.

Einordnung

In der islamischen Tradition werden diese Anzeichen oft in zwei Kategorien unterteilt:

  1. Allgemeine (ferne) Vorzeichen: Gesellschaftliche Veränderungen oder moralischer Verfall.
  2. Spezifische (nahe) Vorzeichen: Unmittelbar bevorstehende Ereignisse, die den Beginn der Endzeit markieren.

Konfessionelle Unterschiede

  • Im sunnitischen Islam werden die Vorzeichen oft mit dem Auftreten des Dajjal (einer Antichrist-Figur) und der Wiederkunft von Isa ibn Maryam (Jesus) verknüpft.
  • Im schiitischen Islam (insbesondere der Zwölfer-Schia) sind die Vorzeichen eng mit der „Wiederkehr“ (Raj'a) des Verborgenen Imams verbunden. Hierbei wird häufig zwischen „unabwendbaren“ (hatmiyat) und „nicht-unabwendbaren“ Zeichen unterschieden.

Sunnitische Zeichen

In der islamischen Eschatologie wird das Erscheinen des Mahdi oft als das abschließende Ereignis der sogenannten „kleinen Zeichen“ der Stunde (al-alāmāt al-sughrā) betrachtet. Da sein Auftreten den Übergang zu den „großen Zeichen“ markiert, werden in der theologischen Literatur die vorangehenden Anzeichen des Jüngsten Gerichts häufig auch als Vorzeichen für das Erscheinen des Mahdi interpretiert.[1]

Kleinere Anzeichen

  1. Das Kommen von Fitna (Trübsalen) und das Verschwinden von Khushoo (Gottesfurcht, Ehrfurcht vor Gott usw.).[2][3]
  2. Wer an einem Grab vorbeigeht, könnte zu einem anderen sagen: „Ich wünschte, es wäre mein Zuhause.“[4][5]
  3. Der Verlust von Ehrlichkeit sowie die Übertragung von Autorität in die Hände von Unverdienten.[6][7]
  4. Der Verlust von Wissen und die Verbreitung religiöser Unwissenheit.[8][9]
  5. Häufige, plötzliche und unerwartete Todesfälle.[10][11]
  6. Zunahme von Al-Harj (sinnlosen Tötungen).[12][13]
  7. Zeitbeschleunigung.[14][15]
  8. Ablehnung des Hadith.[16][17]
  9. Die Verbreitung von Riba und Zina[18][19][20] und der Konsum von Alkohol.[21][22]
  10. Weitverbreitete Akzeptanz von Musik.[23][24]
  11. Stolz und Wettbewerb bei der Dekoration von Moscheen.[25][26]
  12. Die Zahl der Frauen wird so stark zunehmen und die Zahl der Männer so stark abnehmen, dass fünfzig Frauen von einem Mann versorgt werden müssen.[8][9]
  13. Häufigkeit von Erdbeben.[27][28]
  14. Häufige Fälle von Schande, Verzerrung, öffentlicher Demütigung und Verleumdung.[29]
  15. Wenn Menschen aufgrund der schweren Prüfungen und Leiden, die sie erleiden, sterben wollen.[30][31]
  16. Wenn Spenden zur Belastung werden.[32][33]
  17. Die Menschen werden im Bau von Hochhäusern miteinander konkurrieren.[27][28]
  18. Frauen werden trotz ihrer Kleidung nackt erscheinen.[34][35]
  19. Die Menschen werden ihr Wissen von fehlgeleiteten und abtrünnigen Gelehrten beziehen.[36][37]
  20. Lügnern wird geglaubt, ehrlichen Menschen wird nicht geglaubt und treuen Menschen werden Verräter genannt.[38][39]
  21. Der Tod von rechtschaffenen, wissenden Menschen.[8][9]
  22. Das Auftreten von Unanständigkeit (Obszönität) und Feindschaft unter Verwandten und Nachbarn.[40]
  23. Der Aufstieg des Götzendienstes und des Polytheismus innerhalb der Umma.[41][42]
  24. Der Euphrat wird einen Berg aus Gold freilegen.[43][44]
  25. Das Land der Araber wird wieder ein Land der Flüsse und Felder sein.[45][46]
  26. Die Menschen werden zunehmend auf ungesetzliche, verbotene (haram) Weise Geld verdienen.[47][48]
  27. Es wird viel Regen geben, aber wenig Vegetation.[49]
  28. Böse Menschen werden aus Medina vertrieben.[50][51]
  29. Wildtiere kommunizieren mit Menschen, und Menschen kommunizieren mit Objekten.[52][53]
  30. Blitz und Donner werden häufiger auftreten.[54]
  31. Für herausragende Persönlichkeiten wird es einen besonderen Empfang geben.[40]
  32. Der Handel wird sich so weit verbreiten, dass eine Frau ihrem Mann im Geschäftsleben helfen wird.[40]
  33. Es wird keinen wirklich ehrlichen Mann mehr geben und niemandem wird man mehr vertrauen können.[55][56]
  34. Es werden nur noch die schlimmsten Menschen übrig bleiben; sie werden weder das Gute kennen noch das Böse verbieten (d. h. niemand wird sagen, dass es keinen Gott außer Allah gibt).[54]
  35. Die Nationen werden einander dazu aufrufen, den Islam mit allen Mitteln zu vernichten.[40]
  36. Das islamische Wissen wird zwar weitergegeben, aber niemand wird es richtig befolgen.[57][58]
  37. Es werden muslimische Herrscher kommen, die den Lehren und Traditionen der Sunna nicht folgen. Manche ihrer Männer werden ein teuflisches Herz in einem menschlichen Körper haben.[59][60]
  38. Geiz wird sich immer weiter verbreiten und ehrbare Menschen werden zugrunde gehen.[61]
  39. Ein Mann wird seiner Frau gehorchen und seiner Mutter nicht gehorchen, seinen Freund freundlich behandeln, seinen Vater aber meiden.[62][63]
  40. Voices will be raised in the mosques.[64]
  41. Der Anführer eines Volkes wird der schlimmste von ihnen sein.[64]
  42. Die Menschen werden einen Mann mit Respekt behandeln, weil sie das Böse fürchten, das er anrichten könnte.[64]
  43. Es wird viel Wein getrunken werden.[64]
  44. Muslime werden gegen ein Volk kämpfen, das Schuhe aus Haaren trägt und Gesichter wie gehämmerte Schilde hat, mit roter Haut und kleinen Augen.[65][66]
  45. Das Auftreten der Sufyani innerhalb der syrischen Region.[67][68]
  46. Der Waffenstillstand und der gemeinsame römisch-muslimische Feldzug gegen einen gemeinsamen Feind, gefolgt von al-Malhama al-Kubra (Armageddon), einem Krieg zwischen Römern und Muslimen.[69]
  47. Die Schwarze Standarte wird aus Chorasan kommen (siehe Hadith über die schwarzen Fahnen), nichts wird sie aufhalten, bis sie in Jerusalem gehisst ist.[70]
  48. Entstehung einer Armee aus dem Jemen, die den Islam dominant machen wird.[71][72]
  49. Ein arabischer König wird sterben. Es wird Streit um die Thronfolge geben. Dann wird ein Mann aus Medina erscheinen. Er wird nach Mekka eilen, und die Mekkaner werden ihm entgegenkommen, ihn drängen und versuchen, ihn zum Glaubensbekenntnis (Bai'a) zu zwingen. Eines der letzten der kleineren Zeichen, das das Kommen der zehn großen Zeichen ankündigt, ist das Erscheinen des Mahdi.[73][74][75][76]
  50. Eine Mondfinsternis in der ersten Nacht des Ramadan und eine Sonnenfinsternis in der Mitte des Monats werden unterschiedlich interpretiert (1./15. Ramadan oder 13./28. Ramadan). Diese Theorie wird von den Gelehrten der Vergangenheit weitgehend akzeptiert.[77]
  51. Aufeinanderfolgende Kriege und der Tod vieler Menschen in der Welt.[78]
  52. Zunehmende Ungerechtigkeit und Korruption in der Welt.[79]
  53. Die Menschen werden auf den Straßen Unzucht treiben „wie Esel“.[80]
  54. Eine angenehme Brise wird aus Süden wehen, die alle Gläubigen friedlich sterben lassen wird.Jüngster Tag (Islam)

Die fünf Vorzeichen (Schiitische Eschatologie)

In der schiitischen Eschatologie, insbesondere innerhalb der Zwölfer-Schia, existieren zahlreiche Überlieferungen (Hadithe) über die Ankunft des Mahdi. Als besonders bedeutsam gelten dabei fünf spezifische Vorzeichen, die unmittelbar vor seiner Erscheinung eintreten sollen. Diese werden oft auf den sechsten Imam, ** جعفر الصادق / Dschaʿfar as-Sādiq**, zurückgeführt.[81]

Die fünf „gewissen“ (hatmi) Zeichen sind:

  1. Das Erscheinen des Sufyani: Ein tyrannischer Gegenspieler des Mahdi, der aus der Region Syrien (Scham) hervorgehen soll.[81]
  2. Das Erscheinen des Yamani: Ein rechtleiteter Anführer aus dem Jemen, der die Menschen zur Unterstützung des Mahdi aufruft.[81]
  3. Der Ruf am Himmel (Sayha): Ein übernatürlicher Ruf oder Schrei, der weltweit zu hören sein wird und die Ankunft des Mahdi verkündet.[81]
  4. Die Ermordung der „reinen Seele“ (an-Nafs az-Zakiyya): Ein Gesandter des Mahdi, der unschuldig zwischen der Kaaba und dem Standplatz Abrahams in Mekka getötet wird.[81]
  5. Das Versinken von al-Bayda: Das Verschwinden der Armee des Sufyani im Erdboden in der Wüste al-Bayda, die zwischen Mekka und Medina liegt.[82]

Diese Zeichen dienen in der schiitischen Theologie als wichtige Identifikationsmerkmale, um den wahren Mahdi von falschen Prätendenten zu unterscheiden.[83]

Das Erscheinen des Sufyani

In der islamischen Eschatologie gilt das Erscheinen des Sufyani als eines der Vorzeichen für das Kommen des Mahdi. Der Sufyani wird in den Überlieferungen (Hadithen) beider Hauptströmungen – sowohl im Sunnismus als auch im Schiitismus – thematisiert.

Merkmale und Handlungen

Der Sufyani wird als Nachfahre von Abu Sufyan beschrieben. Den Überlieferungen zufolge zeichnet er sich durch eine ambivalente Natur aus:

  • Äußeres Erscheinungsbild: Er wird oft als oberflächlich fromm dargestellt, der vorgibt, stets Gottes zu gedenken.
  • Charakterisierung: In der theologischen Deutung wird er jedoch als ein zutiefst bösartiger Akteur beschrieben, der im Monat Radschab in Erscheinung tritt.

Konflikt mit dem Mahdi

Nachdem der Sufyani vom Erscheinen des Mahdi erfährt, soll er laut den Erzählungen eine Armee aussenden, um diesen zu bekämpfen. Ein zentrales Motiv in diesem Zusammenhang ist das Versinken in der Erde: Den Überlieferungen nach wird das Heer des Sufyani in der Wüste al-Bayda (zwischen Mekka und Medina) vom Erdboden verschlungen, noch bevor es auf die Streitkräfte des Mahdi trifft.

Das Erscheinen des Yamani

In der schiitischen Eschatologie gilt das Erscheinen des Yamani (arabisch: اليماني) als eines der fünf „sicheren Zeichen“ (al-alamāt al-muhtama), die die Unmittelbarkeit der Wiederkehr des zwölften Imams (Mahdi) ankündigen.[84]

Überlieferungen und Merkmale

Nach religiösen Überlieferungen (Hadithen) wird der Yamani als eine Persönlichkeit beschrieben, die kurz vor dem Mahdi aus dem Jemen aufsteigt.[83]Dem fünften Imam, Muhammad al-Baqir, wird eine detaillierte Beschreibung zugeschrieben, in der er den Yamani als eine der zentralen Figuren neben dem Sufyani und dem Khorasani einordnet.[85][86]

Wesentliche Merkmale in den Überlieferungen sind:

  • Ruf zur Rechtleitung: Der Yamani gilt unter den drei genannten Akteuren als derjenige, der dem „rechten Weg“ am nächsten steht, da er die Menschen zur Nachfolge des Mahdi aufruft.[83]
  • Die Flagge des Yamani: Seine Flagge wird als Symbol der Führung und des Heils beschrieben. In den Narrativen wird Gläubigen nahegelegt, sich ihm anzuschließen, sobald er erscheint.[87][88]
  • Handelsverbote: Einigen Überlieferungen zufolge soll mit seinem Erscheinen der Waffenhandel für Muslime untersagt werden.[89]
  • Bündnisse: In verschiedenen Quellen wird eine Allianz zwischen dem Yamani und dem Khorasani gegen den Sufyani beschrieben.[88]

Einordnung

Die Figur des Yamani spielt eine zentrale Rolle in der theologischen Deutung der Endzeit innerhalb der Zwölfer-Schia. Während die Kernmerkmale in den Hadithen weitgehend konsistent sind, variieren die Interpretationen zur genauen Identität oder dem exakten Zeitpunkt seines Erscheinens unter verschiedenen Gelehrten und Gruppierungen.[90]

Der „Ruf aus dem Himmel“ (Loud Cry)

In der islamischen Eschatologie, insbesondere innerhalb schiitischer Überlieferungen zu den Zeichen des Erscheinens von Mahdi, nimmt der „Ruf aus dem Himmel“ (arabisch الصيحة, as-Sayha) eine zentrale Rolle ein. Er gilt als eines der „fünf sicheren Zeichen“, die dem Erscheinen des verheißenen Erlösers unmittelbar vorausgehen.[91]

Religiöse Bedeutung und Interpretation

Die Überlieferungen beschreiben ein übernatürliches Ereignis, bei dem der Erzengel Gabriel (Jibril) vom Himmel herabruft, um die Ankunft des Mahdi zu verkünden. Dieser Ruf soll weltweit in der jeweiligen Muttersprache der Menschen hörbar sein.[91][83]

In der schiitischen Eschatologie gilt der Ruf aus dem Himmel (arabisch as-Sayha) als eines der fünf sicheren Zeichen für die Ankunft des Mahdi. Gemäß der Überlieferung werden zwei gegensätzliche Rufe zu hören sein:

  • Der erste Ruf: Demnach wird der Erzengel Gabriel (Jibreel) den Namen des al-Qa'im (des Mahdi) und dessen Vaters ausrufen. In dieser Botschaft werde verkündet, dass die Wahrheit auf der Seite von Ali und seiner Schia liege. Ein zentrales Merkmal dieser Überlieferung ist, dass alle Menschen diesen Ruf zeitgleich in ihrer eigenen Sprache wahrnehmen können.[92]
  • Der zweite Ruf: Nach einer Tradition, die von Dscha'far as-Sādiq überliefert und durch Zurāra ibn A'yān weitergegeben wurde, wird daraufhin eine Gegenbotschaft durch den Satan (Schaitan) erfolgen. Dieser werde behaupten, dass eine namentlich nicht näher genannte Person aus dem Hause der Umayyaden und deren Anhänger die Siegreichen seien.[93]

In der theologischen Exegese existieren jedoch unterschiedliche Deutungsansätze bezüglich der Natur dieses Schalls:

  • Metaphysische Deutung: Die traditionelle Ansicht versteht den Ruf als ein wunderbares, göttliches Ereignis, das die gesamte Menschheit gleichzeitig erreicht.[91]
  • Kontextuelle Deutung: Einige Auslegungen setzen den Ruf in direkten Zusammenhang mit den Ereignissen in Mekka. Hierbei wird angeführt, dass der „Ruf“ metaphorisch für den öffentlichen Treueeid (Bay'a) stehen könnte. Nach dieser Lesart kommen Menschen aus Mekka zum Mahdi, führen ihn gegen seinen ursprünglichen Willen zur Kaaba und schwören ihm zwischen der „Ecke“ (Rukn, dem Schwarzen Stein) und dem Maqam Ibrahim die Treue. Der „laute Ruf“ entspräche in diesem Szenario dem daraus resultierenden Aufschrei oder der Proklamation der anwesenden Menge.[91]

Abgrenzung

In der islamischen Tradition wird zudem oft vor einem „zweiten Ruf“ gewarnt, der laut Überlieferung von Satan stammen soll, um Verwirrung zu stiften und die Gläubigen vom rechtmäßigen Anführer abzubringen.[94]

Die Ermordung von an-Nafs az-Zakiyya

In der islamischen Eschatologie, insbesondere innerhalb der schiitischen Tradition, bezeichnet an-Nafs az-Zakiyya (arabisch: „die reine Seele“) eine prophetische Figur, deren gewaltsamer Tod als eines der untrüglichen Zeichen für die baldige Wiederkehr des Mahdi gilt.[82]

Überlieferung und Rolle

Nach gängiger schiitischer Lehre handelt es sich bei an-Nafs az-Zakiyya um einen Nachfahren von Husain ibn Ali.[83] Sein Beiname „die reine Seele“ rührt her von der Vorstellung, dass er zum Zeitpunkt seines Todes frei von Sünde oder Verbrechen sein wird.

Gemäß zahlreicher Hadithe fungiert er kurz vor dem Ende der Zeit als Gesandter des Mahdi. Die Erzählungen beschreiben folgenden Ablauf:

  • Mission: Er wird nach Mekka entsandt, um die Ankunft des Mahdi zu verkünden und dessen Botschaft zu überbringen.[95]
  • Martyrium: Nach seiner Ankunft in Mekka und der öffentlichen Verkündung seiner Botschaft wird er den Überlieferungen zufolge von den Bewohnern der Stadt ermordet.
  • Ort: Als Tatort wird häufig der Bereich zwischen der Kaaba und dem Standplatz Abrahams (Maqām Ibrāhīm) genannt.

Bedeutung als Vorzeichen

Der Tod von an-Nafs az-Zakiyya gilt in der islamischen Mystik als zeitlich unmittelbar mit der Wiederkehr des Mahdi verknüpft. Traditionell wird oft ein Zeitraum von nur 15 Tagen zwischen seiner Ermordung und dem Erscheinen des Mahdi angenommen.

Das Versinken der Armee im Land von al-Bayda

In der islamischen Eschatologie, insbesondere innerhalb der schiitischen Tradition, gilt das Versinken der Armee im Land von al-Bayda (arabisch: خسف البيداء, Chasf al-Bayda) als eines der fünf „sicheren Zeichen“ für die unmittelbar bevorstehende Wiederkehr des Mahdi.

Religiöse Einordnung

Nach verschiedenen Überlieferungen (Hadithen) handelt es sich dabei um das katastrophale Ende der Armee des Sufyani, eines tyrannischen Gegenspielers des Mahdi. Gemäß einer Überlieferung von Dschaʿfar as-Sādiq wird dieses Ereignis als göttliche Intervention gewertet, die den Mahdi auf seinem Weg von Medina nach Mekka schützt.[82][83]

Überlieferungsgeschichte

Die Erzählung findet sich in mehreren klassischen Werken:

  • Ali ibn Abi Talib wird in verschiedenen Berichten zitiert, wonach die Armee des Sufyani auf dem Weg nach Mekka im Boden versinken und „verschlungen“ werden soll.[96]
  • Das Ereignis wird geografisch in al-Bayda verortet, einem Wüstengebiet zwischen Mekka und Medina.[83][97]

Literatur

  • Hadith of Isa ibn Maryam Praying Behind Mahdi[98]
  • Muhammad ibn Ibrahim ibn Ja'far Nu'mani: Gheybah of Nu'mani. Chapter 14 (englisch). 
  • Ayatollah Muhammad Taqi Musavi al-Isfahani: Mikyalul Makarim fee Fawaaid al-Duaa lil Qa'im. (englisch, al-islam.org (Memento des Originals vom 19. November 2019 im Internet Archive)). 
  • Ibn Abu Zaynab an-Numani: Al Ghayba Occultation. ISBN 978 964 438 428 8
  • Ja’fari, Javad: How to distinguish Imam Muhammad al-Mahdi from false claimants? In: ABNA. en.abna24.com, 12. Juli 2014, archiviert vom Original am 22. November 2018; abgerufen am 2. September 2015 (englisch). 
  • Muhammad Sadr: The history of Major Occultation. ISBN 964-5567-03-3 (englisch, ghbook.ir). 

Weblinks

  • Ayatollah Ibrahim Amini: Al-Imam Muhammad al-Mahdi, The just leader of humanity. Chapter 10 (englisch, al-islam.org). 
  • Ali Al-Kourani: Epoch of Appearance. (arabisch, readbook.ir (Memento des Originals vom 30. August 2018 im Internet Archive)). 
  • Seyyed Asadullah Hashemi Shahidi: Introduce of promised person. Jamkaran Mosque (arabisch, noorlib.ir (Memento des Originals vom 13. Juli 2020 im Internet Archive)). 
  • Sheikh Mansour Leghaei: Who is the Sufyani, Khurasani, and Yamani, and which one of those is with the truth? Ask the Sheikh, 7. März 2012, archiviert vom Original am 9. November 2025; abgerufen am 7. Februar 2026 (englisch). 
  • Sayyid Ritha Hosayni Mutlaq: The last luminary and ways to delve into the light. 22. März 2014 (englisch, al-islam.org (Memento des Originals vom 13. September 2024 im Internet Archive) [abgerufen am 7. Februar 2026]). 

Einzelnachweise

  1. ↑ 200+ Stylish Full Hand Mehndi Design: Easy, Modern & Bridal Full Hand Mehndi Design. In: Full Hand Mehandi Design. Abgerufen am 27. März 2025 (englisch). 
  2. ↑ Sahih Muslim, Book 1, Hadith 0213
  3. ↑ Sahih Muslim 118 – The Book of Faith – كتاب الإيمان – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (arabisch, englisch). 
  4. ↑ Sahih Muslim, Book 41, Hadith 6947
  5. ↑ Sahih Muslim 157k – The Book of Tribulations and Portents of the Last Hour – كتاب الفتن وأشراط الساعة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  6. ↑ Sahih Bukhari, Volume 8, Book 076, Hadith 503
  7. ↑ Sahih al-Bukhari 6496 – To make the Heart Tender (Ar-Riqaq) – كتاب الرقاق – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  8. ↑ a b c Sahih Bukhari Volume 1, Book 3, Hadith 81
  9. ↑ a b c Sahih al-Bukhari 81 – Knowledge – كتاب العلم – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  10. ↑ Sahih Muslim Book 41, Hadith 7040
  11. ↑ Sahih Muslim 2947b – The Book of Tribulations and Portents of the Last Hour – كتاب الفتن وأشراط الساعة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  12. ↑ Sahih Bukhari Volume 9, Book 88, Hadith 184
  13. ↑ Sahih al-Bukhari 7062, 7063 – Afflictions and the End of the World – كتاب الفتن – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  14. ↑ Sahih Bukhari, Vol. 2, Book 17, Hadith 146
  15. ↑ Sahih al-Bukhari 1036 – Invoking Allah for Rain (Istisqaa) – كتاب الاستسقاء – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  16. ↑ Sunan Abu Dawud, Book 41, Hadith 4587
  17. ↑ Sunan Abi Dawud 4604 – Model Behavior of the Prophet (Kitab Al-Sunnah) – كتاب السنة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  18. ↑ Weitere Informationen finden Sie unter dem Begriff der Sotadischen Zone, die sowohl die arabische als auch die islamische Welt umfasst. Siehe auch Kindesmissbrauch, sexuelle Ausbeutung von Kindern, Bacha bazi und die tanzenden Jungen Afghanistans.
  19. ↑ Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln Todesstrafe im Islam, LGBT im Islam, Lut (Prophet im Islam) und Sexualtaboo im Nahen Osten.
  20. ↑ Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln Cousinenehe im Islam, Cousinenehe im Nahen Osten und Mahram.
  21. ↑ Sahih Muslim Book 41, Hadith 7015
  22. ↑ Sahih Muslim 2937a – The Book of Tribulations and Portents of the Last Hour – كتاب الفتن وأشراط الساعة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (arabisch, englisch). 
  23. ↑ Sahih Bukhari Volume 7, Book 69, Hadith 494
  24. ↑ Sahih al-Bukhari 5590 – Drinks – كتاب الأشربة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (arabisch, englisch). 
  25. ↑ Sunan Ibn Majah, Vol. 1, Book 4, Hadith 739
  26. ↑ Sunan Ibn Majah 739 – The Book On The Mosques And The Congregations – كتاب المساجد والجماعات – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  27. ↑ a b Sahih Bukhari Volume 9, Book 88, Hadith 237
  28. ↑ a b Sahih al-Bukhari 7121 – Afflictions and the End of the World – كتاب الفتن – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  29. ↑ Al-Adab Al-Mufrad 485, Book 1, Hadith 3
  30. ↑ Sahih Bukhari Volume 9, Book 88, Hadith 231
  31. ↑ Sahih al-Bukhari 7115 – Afflictions and the End of the World – كتاب الفتن – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  32. ↑ Sahih Bukhari Volume 9, Book 88, Hadith 236
  33. ↑ Sahih al-Bukhari 7120 – Afflictions and the End of the World – كتاب الفتن – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  34. ↑ Sahih Muslim Book 40, Hadith 6840
  35. ↑ Sahih Muslim 2128b – The Book of Paradise, its Description, its Bounties and its Inhabitants – كتاب الجنة وصفة نعيمها وأهلها – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  36. ↑ Sahih Bukhari, Vol. 1, Book 3, Hadith 100 | Musnad Imam Ahmad (no.21,334 and no.21,335)
  37. ↑ Sahih al-Bukhari 100 – Knowledge – كتاب العلم – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch, arabisch). 
  38. ↑ Sunan Ibn Majah, Vol. 5, Book 36, Hadith 4036
  39. ↑ Sunan Ibn Majah 4036 – Tribulations – كتاب الفتن – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  40. ↑ a b c d Musnad Ahmad
  41. ↑ Jami` at-Tirmidhi, Vol. 4, Book 7, Hadith 2219 | Abu-Dawud, Book 36, Hadith 4239
  42. ↑ Jami' at-Tirmidhi 2219 – Chapters On Al-Fitan – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  43. ↑ Sahih Muslim Book 041, Hadith 6918
  44. ↑ Sahih Muslim 2894a – The Book of Tribulations and Portents of the Last Hour – كتاب الفتن وأشراط الساعة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  45. ↑ Sahih Muslim Book 5, Hadith 2208
  46. ↑ Sahih Muslim 157c – The Book of Zakat – كتاب الزكاة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  47. ↑ Sahih Bukhari, Vol. 3, Book 34, Hadith 275
  48. ↑ Sahih al-Bukhari 2059 – Sales and Trade – كتاب البيوع – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  49. ↑ Reported by Anas and declared Sahih by Hasan al Albani
  50. ↑ Sahih Muslim Book 7, Hadith 3188
  51. ↑ Sahih Muslim 1381 – The Book of Pilgrimage – كتاب الحج – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  52. ↑ Jami` at-Tirmidhi, Vol. 4, Book 7, Hadith 2181
  53. ↑ Jami' at-Tirmidhi 2181 – Chapters On Al-Fitan – كتاب الفتن عن رسول الله صلى الله عليه وسلم – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  54. ↑ a b Ahmad
  55. ↑ Sahih Bukhari, Vol. 9, Book 88, Hadith 208
  56. ↑ Sahih al-Bukhari 7086 – Afflictions and the End of the World – كتاب الفتن – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 16. April 2022 (englisch, arabisch). 
  57. ↑ Jami` at-Tirmidhi, Vol. 5, Book 39, Hadith 2653
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  68. ↑ Sahih Muslim 2898b – The Book of Tribulations and Portents of the Last Hour – كتاب الفتن وأشراط الساعة – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 17. April 2022 (englisch, arabisch). 
  69. ↑ Erzählt mit Klangketten aus Dhu Mikhbar al-Najashi von Abu Dawud, Ahmad, Ibn Majah, Ibn Hibban und al-Hakim, die es als Sahih erklärten und al-Dhahabi stimmten zu. Siehe Shaykh Shu`ayb Arna'uts Dokumentation dieses Hadith in seiner Ausgabe von Sahih Ibn Hibban (15:101–103 #6708–6709).
  70. ↑ Sunan At-Tirmidhi, 2269 Grade: Da'if (Darussalam)
  71. ↑ Hadith_of_Aden-Abyan
  72. ↑ Hadeeth about 12,000 coming out of Aden-Abyan. In: islamweb.net. Abgerufen am 18. Dezember 2018 (englisch). 
  73. ↑ Sunan Abu-Dawud: Book 36, Hadith 4273 Grade: Da'if (Al-Albani)
  74. ↑ Joel Richardson: Antichrist: Islam's Awaited Messiah. Pleasant Word-A Division of WinePress Publishing, 2006, ISBN 978-1-4141-0440-9, S. 284 (englisch, google.com). 
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  76. ↑ Sunan Abi Dawud 4286 – The Promised Deliverer (Kitab Al-Mahdi) – كتاب المهدى – Sunnah.com – Sayings and Teachings of Prophet Muhammad (صلى الله عليه و سلم). In: sunnah.com. Abgerufen am 17. April 2022 (englisch). 
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Yusuf und Zulaicha

Noir24admin Islam 21. Juni 2026
Yusuf und Zulaichā, Miniatur von Behzād, 1488, in Herat, Afghanistan

Yūsuf und Zulaichā ist ein populärer islamischer Erzählstoff, der an die biblische Erzählung von Josef und der Frau des Potiphar aus dem Buch Genesis (Gen 39,1–20 EU) anknüpft und auf der koranischen Erzählung über Yūsuf in der zwölften Sure fußt. Zahlreiche Autoren und Künstler haben im Laufe der Geschichte diesen Erzählstoff aufgegriffen und weiter ausgestaltet. Es existieren Gedichte, Erwähnungen, Ausgaben und Interpretationen auf Arabisch, Persisch, Türkisch, Panjabi und Urdu.[1][2] Anders als in den biblischen und koranischen Versionen der Erzählung trägt hierbei der weibliche Part des Liebespaares einen Namen, nämlich Zulaichā.

Grundlagen: Die biblische Erzählung und jüdische Überlieferungen

Siehe: Josefsgeschichte Schon in der Tora wird die Geschichte von Yūsuf behandelt. Die Josefsgeschichte, die in der hebräischen Bibel bzw. im Alten Testament im Buch Genesis (Gen 37-50 EU) zu finden ist, befasst sich mit der gesamten Lebensgeschichte Josefs (der hebräische Name Yūsufs). Die 12. Sure im Koran erweist sich als teils thematisch erweiterte Zusammenfassung der biblischen Josefsgeschichte.[3]

Die Geschichte von Josef und der Frau des Potifar befindet sich in Genesis (Gen 39,1–20 EU). Wie im Koran befasst sich dieses Kapitel mit den Vorfällen zwischen Josef und der Frau des Beamten Potifar. Die Frau versucht mehrfach Josef zu verführen, durch Josefs festen Glauben kann dieser aber standhaft bleiben. Bei einem weiteren Verführungsversuch reißt Potifars Frau Josefs Gewand ab. Josef flieht und lässt sein Gewand zurück. Dies nutzt Potifars Frau als Beweis, um ihren Ehemann zu überzeugen, dass Josef sie verführen wollte. Potifar lässt daraufhin Josef ins Gefängnis werfen.[4][5]

Zum gesungenen Vortrag im jüdischen Gottesdienst wurden in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten Betonungs- und Kantillationszeichen hinzugefügt, die sogenannten Teamim. Zu den seltensten dieser Zeichen gehört Schalschelet (wörtlich: Kette), das in der gesamten Torah nur insgesamt viermal auftaucht, darunter auch in der Josefsgeschichte. Die hebräische Entsprechung für „Er weigerte sich“ in Gen 39,8 EU trägt eine solche Schalschelet, die nach einigen rabbinischen Quellen und mittelalterlichen Kommentaren Josefs Zögern im Moment der Verführung zum Ausdruck bringt.[6]

Koran

Die Geschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā befindet sich in der zwölften Sure des Korans, welche den Titel Yūsuf trägt. Die Sure konzentriert sich auf die Lebensgeschichte Yūsufs, beginnend mit seiner Kindheit, der Eifersucht seiner Brüder, seiner Sklaverei und der Begegnung mit der Frau eines reichen Mannes (Zulaichā), Inhaftierung, der Aufstieg zur Macht in Ägypten und die spätere Versöhnung mit seiner Familie.[7]

Die Geschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā wird in Sure 12:21-35 behandelt und beginnt mit dem Verkauf des jungen Yūsufs an einen Mann aus Ägypten,[8] welcher später hochmögender Herr genannt wird (arabisch ٱلۡعَزِيز).[9] Yūsuf wächst zu einem wunderschönen Mann heran[10], sodass sich die Frau des hochmögenden Herren in ihn verliebt. Getrieben von ihrem Verlangen, sperrt sie ihn in einen Raum, um ihn zu verführen.[11] Yūsuf kann ihr widerstehen[12] und rennt zur Tür um ihr zu entkommen. Um ihn aufzuhalten, greift sie nach ihm und zerfetzt dabei den Rücken seines Gewandes.[13] An der Tür erwartet sie der hochmögende Herr. Als die Frau fälschlicherweise Yūsuf der Verführung beschuldigt,[14] meldet sich ein Zeuge: „Wenn sein Hemd vorne zerrissen ist, sagt sie die Wahrheit, und er ist einer von denen, die lügen.“[15] Daraufhin: „Wenn es aber hinten zerrissen ist, dann lügt sie, und er ist einer von denen, die die Wahrheit sagen.“[16]

Nachdem der Ehemann sieht, dass das Gewand am Rücken zerrissen ist, befiehlt er seiner Frau Gott um Vergebung zu bitten für die Sünde, die sie begangen hatte.[17] Die Frau hört, wie andere Frauen in der Stadt ihr Verhalten verachten.[18] Verärgert darüber, lädt sie die Frauen zu sich ein, gibt ihnen ein Obstmesser in die Hand und lässt nach Yūsuf rufen.[19] Geblendet von seiner Schönheit, schneiden sich die Frauen selbst in die Hand: „Gott bewahre! Das ist kein Mensch. Das ist nichts als ein edler Engel.“[20] Mit dem Beweis, dass jede Frau Yūsufs Schönheit verfallen würde, behauptet die Frau nun, dass Yūsuf sich dem Befehl der Frau seines Herren fügen müsse, ansonsten würde er ins Gefängnis kommen.[21] Yūsuf bittet Gott daraufhin, ihn ins Gefängnis zu schicken, da er lieber ins Gefängnis gehen würde, als den Anweisungen der Frau folge zu leisten.[22] Gott erhört ihn und bewirkt, dass Yūsuf für eine gewisse Zeit ins Gefängnis kommt.[23]

Die Sure behandelt weiter das Leben Yūsufs. Die Geschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā endet hier.

Qisas al-anbiyāʾ

Der iranische Korangelehrte und Hadith-Sammler ath-Thaʿlabī veröffentlichte eines der wichtigsten Qisas al-anbiyāʾ-Werke, welches die Geschichte der vorislamischen Propheten und Glaubensgetreuen behandelt. Im fünften der dreißig Kapitel wird die Lebensgeschichte Yūsufs dargelegt. Die Handlung zwischen Yūsuf und Zulaichā, hier übersetzt als Joseph und die Frau, finden sich im bāb ("Tor" bzw. Abschnitt) „Joseph in Potiphars Haus“ und „Joseph widersteht der Verführung“.[24] Zu einigen koranischen Versen werden außerdem dazugehörige traditionelle Korankommentare präsentiert. So können Unterschiede in den Überlieferungen festgestellt werden.

Joseph wird auf einem Markt von einem reichen Mann und seiner Frau gekauft. Dabei gibt es unterschiedliche Angaben zum Namen der Frau. So soll sie den Namen Rāʿīl oder Bakkā getragen haben.[25] Sie selbst ist wunderschön und verliebt sich beim ersten Anblick Josephs sofort in ihn. Getrieben von ihrer Liebe schließt sie ihn mit sich ein und versucht ihn zu verführen. Hier waren sich die Gelehrten über die Gefühle Josephs für die Frau uneinig. Einige waren der Meinung, dass durch die Schmeicheleien der Frau auch Joseph ihr zugeneigt war und sie auch im gewissen Maße begehrte.[26] Andere waren der Meinung, dass Joseph sie nicht begehrte.[27]

Nach Ibn ʿAbbās, soll sich Joseph ohne Hose zu der Frau gesetzt haben, „wie sich ein Mann zur Frau setzt“.[28] Durch ein Zeichen Gottes kann Joseph ihr widerstehen. Es gibt unterschiedliche Aussagen, wie dieses Zeichen aussah:

  • Josephs Vater, Jakob, soll ihm mit der Hand auf die Brust geschlagen haben, weshalb die Begierde aus seinem Körper entschwand;[29]
  • Die Decke spaltete sich und Joseph soll seinen Vater Jakob gesehen haben, der sich in die Finger biss. Bei der Gestalt seines Vaters soll sich Joseph geschämt haben, weshalb er keine Begierde mehr verspürt haben soll;[30]
  • Jakob soll erschien sein und zu Joseph gesagt haben, dass er so etwas Schamloses nicht tun soll[31]
  • Jemand soll Joseph zugerufen haben, dass er es nicht tun solle, da er sonst seinen hohen, wahrhaftigen Status unter Gott verlieren würde.[32]
  • Drei Mal soll eine Hand mit Schriftzug erschienen sein: (1) „Jedoch sind Hüter über euch gesetzt, vornehme (Engel), die aufschreiben und wissen, was ihr tut.“; (2) „Und macht euch darauf gefaßt, einen Tag zu erleben, an dem ihr zu Gott zurückgebracht werdet, worauf jedem voll heimgezahlt wird, was er begangen hat! Und ihnen wird (dabei) nicht Unrecht getan.“ (3) „Und laßt euch nicht auf Unzucht ein! Das ist etwas Abscheuliches - eine üble Handlungsweise.“ Nach jeder erscheinenden Hand flüchteten Joseph und die Frau, beruhigten sich und setzten sich wieder. Nun schickte Gott den Engel Gabriel zu Joseph um ihn vor der frevelhaften Tat zu hindern.[33] Dabei soll Gabriel Joseph in die Hand (oder die Finger) gebissen haben.[34]

Als Joseph das Zeichen sieht, flüchtet er. Die Frau versucht ihn aufzuhalten und zerreißt dabei sein Hemd am Rücken. Als er dem Hochmögenden auf der Flucht begegnet, bezichtigt die Frau Joseph der Vergewaltigung. Ein Zeuge legt Zeugnis ab, dass wenn das Gewand vorne zerrissen ist, sie die Wahrheit sagt, wenn es hinten zerrissen ist, er die Wahrheit sagt. Hier gab es unter den Gelehrten Uneinigkeiten, wer dieser Zeuge gewesen sein soll: „ein Kind in der Wiege“; ein „weiser Mann, mit Vernunft begabt, es war ein spezieller Engel“; der Vetter väterlicherseits von der Frau.[35] Als klar ist, dass Joseph die Wahrheit sagt, muss die Frau Buße tun.[36]

Die Geschehnisse sprechen sich unter den Leuten herum. Die Frauen des Mundschenks, des Bäckers, des Apothekers und des Gefängnisaufsehers reden aus List über die Frau, damit sie ihnen Joseph zeigt. Die Frau, angespornt durch das Getuschel in der Stadt, lädt daraufhin vierzig Frauen zu einem Mahl ein. Sie stellt Essen bereit (hier unterschiedliche Angaben welches Essen) und gibt den Frauen ein Messer in die Hand. Daraufhin holt sie Joseph in den Raum. Nach koranischer Version schneiden sich die Frauen erschrocken durch Josephs Schönheit in die Hand. Nach anderen Überlieferungen rangen die Frauen mit ihren Händen nach Joseph, weshalb sie sich in die Hände schnitten. Wegen der Schönheit Josephs waren sie so abgelenkt, dass sie nur das Blut wahrnehmen konnten, den Schmerz spürten sie nicht.[37] Es sollen sogar sieben Frauen in diesem Raum gestorben sein.[38]

Mit dem Beweis, dass jede Frau Josephs Schönheit verfallen würde, behauptet die Frau nun, dass Joseph sich ihr hingeben müsse und dem Befehl der Frau seines Herren gehorchen müsse, ansonsten würde er ins Gefängnis kommen. Joseph kann ihr weiterhin widerstehen und bittet Gott, ihn ins Gefängnis zu schicken, um weiterhin der Verführung widerstehen zu können.[39] Daraufhin soll die Frau zu ihrem Mann gesagt haben, dass er ihn einkerkern lassen soll, da er sie vor den Frauen bloßgestellt hatte. Der Mann ließ Joseph einkerkern, um seine Frau vor dem Spott der Gesellschaft zu schützen. Nach Ibn ʿAbbās soll Joseph nur drei Mal in einem Leben gestolpert sein (drei Fehltritte gemacht haben). Einer dieser Fehltritte sei das Verlangen nach der Frau, weshalb er eingekerkert wurde.[40]

Poesie

Es ist nicht bewiesen von wem die erste literarische Abhandlung Yūsuf und Zulaichās stammt. Die Geschichte soll erstmals von den persischen Dichtern Abu ’l-Muʾayyad Balk̲h̲ī (4./10. Jahrhundert) und Bak̲h̲tiyārī behandelt worden sein. Sie werden in Quellen als dichterische Vorläufer der Yūsuf-Zulaichā-Geschichte gesehen, wobei ihre Werke im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.[41][42] Lange Zeit wurde fälschlicherweise ein Werk des persischen Dichters Firdausi aus dem 11. Jahrhundert als erste dichterische Abhandlung der Liebesgeschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā angesehen. Von seinem Werk leiten sich viele Versionen, auch in der jüdischen Tradition, ab.[43][44]

Dschami

Eines der bekanntesten literarischen Werke über die Geschichte Yūsuf und Zulaichā schrieb 1483 der sufische Mystiker und Dichter Dschami (persisch يوسف و زليخا, DMG Yūsof-o Zoleiḫā). Das Gedicht von Dschami wurde 1824 von Vinzenz Rosenzweig von Schwannau unter dem Titel Joseph und Suleïcha ins deutsche übersetzt:[45]

Suleïcha ist eine wunderschöne junge Frau.[46] Drei Mal hatte sie von einem Mann mit göttlicher Schönheit geträumt, in den sie sich verliebt[47]. Derweil sucht ihr Vater einen passenden Ehemann für sie[48] und erklärt ihr, dass sie dem Großwesir von Ägypten versprochen sei.[49] Weil sie noch immer hofft den Mann aus ihren Träumen zu finden, ist sie von dieser Heirat abgeneigt. Ihre Zofe bestärkt sie aber mit den Worten, dass das Reichtum des Großwesirs ihr dabei helfen könnte den Mann ihrer Träume zu finden.[50] Letztendlich heiratet sie den Großwesir und erhält somit großen Reichtum.[51]

Joseph ist ein schöner junger Mann und wird von seinem Vater sehr geliebt.[52] Aufgrund seiner Schönheit wird er Opfer des Neids seiner Brüder[53]. Angetrieben durch diesen Neid, werfen sie Joseph in einen Brunnen[54] und verkaufen ihn später an eine Karawane.[55] Der König von Ägypten hört, dass der Karawanenführer, einen wunderschönen Sklaven bei sich hat und schickt den Großwesir um ihn zu begutachten. Der Großwesir ist begeistert von Josephs Schönheit und bittet den Karawanenführer dem König Joseph vorstellen zu dürfen[56]. In einer großen Feierlichkeit wird Joseph dem König vorgestellt. Dieser ist begeistert von seiner Schönheit.[57] Auch Suleïcha ist vor Ort und erkennt Joseph als den Mann ihrer Träume, wodurch wieder ihre Gefühle aufflammen.[58]

Joseph verblüfft alle mit seiner Schönheit und immer mehr Menschen kommen, um ihn zu sehen. Die Menschenmenge beginnt, um ihn zu bieten. Suleïcha, von ihren Gefühlen geleitet, bittet ihren Ehemann Joseph zu kaufen. Mit der Erlaubnis des Königs kauft er Joseph.[59]

Suleïcha, verliebt in Joseph, unterdrückt aber jahrelang ihr Verlangen. Als sie schließlich von ihrer Liebe zu Joseph überwältigt wird, versucht sie ihn zu verführen.[60] Doch Joseph, gestärkt durch seinen Glauben und die Moral, kann ihr widerstehen.[61] Suleïcha erpresst ihn daraufhin mit Selbstmord falls ihre Liebe weiter unerwidert bleibt.[62] Joseph beschwichtigt Suleïcha mit Worten, weshalb sie denkt, dass er sich ihr nun hingibt.[63] Joseph erkennt, dass er seinem Herren, dem Großwesir unrecht tut und falsch Handelt, falls er sich Suleïcha weiter hingibt, weshalb er aus ihren Gemächern flieht.[64] Suleïcha versucht Joseph aufzuhalten und greift nach seinem Gewand. Sie reißt ihm dabei ein Stück am Rücken seiner Robe ab.[65]

Auf der Flucht läuft Joseph dem Großwesir entgegen, der fragt was passiert sei. Suleïcha beschuldigt Joseph der versuchten Vergewaltigung.[66]

„Der Säugling bezeugt Yūsufs Unschuld“, Haft awrang von Jami, 1556–65, Iran.[67]

Der Großwesir, unsicher wem er glauben soll, lässt Joseph ins Gefängnis werfen, bis die Wahrheit gefunden wird.[68] Später meldet sich ein junger Knabe, der weiß was vorgefallen ist. Er meint, dass falls die Robe vorne zerrissen ist, Suleïcha unschuldig sei und Joseph schuldig sei, wenn aber der Rücken zerrissen sei, dann wäre Joseph unschuldig und Suleïcha schuldig.[69] Der Großwesir untersucht daraufhin Josephs Hemd und sieht, dass er unschuldig ist. Er lässt Joseph wieder frei. Suleïcha soll daraufhin aufgrund ihrer Schuld Buße tun.[70]

In der Stadt beginnen die Frauen über Suleïcha zu tuscheln. Um den Frauen zu zeigen, dass sie aufgrund Josephs Schönheit so handelte, lädt sie die Frauen ein, um selbst Josephs Schönheit zu betrachten.[71] Nach dem Festmahl gibt sie den Frauen ein Messer und eine Orange in die Hand und holt Joseph. Die Frauen schneiden sich bei seinem Anblick, aufgrund seiner Schönheit, durch die Orange in ihre eigene Hand.[72] Daraufhin versuchen die Frauen Joseph zuzureden sich Suleïcha hinzugeben.[73] Joseph wendet sich zu Gott und bittet ihn um Hilfe, denn er wäre lieber im Gefängnis, als weiterhin von den Frauen in Versuchung gebracht zu werden.[74] Gott erhört ihn. Weil Suleïcha wieder von ihm verstoßen wird und somit wieder zum Gespött der Stadt werden könnte, bittet sie ihren Mann, Joseph aufgrund von Arbeitsverweigerung ins Gefängnis zu werfen.[75] Suleïcha immer noch voller Liebe für Joseph lebt nun aber, aufgrund ihrer Taten, in extremer Schuld.[76]

Eines Tages im Gefängnis kann Joseph den Traum des Königs deuten.[77] Beeindruckt von Joseph macht der König ihn zu seiner rechten Hand und gibt ihm den Titel Großwesir von Ägypten.[78]

Suleïcha altert durch ihre Taten und verliert nicht nur ihre einst so große Schönheit, sondern auch ihr Augenlicht.[79] Sie bittet Gott um Vergebung für ihre Sünden und möchte noch einmal Josephs Schönheit sehen.[80] Joseph hört ihr Bittgebet, erkennt aber nicht ihre Stimme. Er lässt sie in seine Gemächer rufen.[81] Suleïcha eröffnet ihm wer sie ist. Ihr Wunsch ist es, dass Joseph Gott um ihre Jugendlichkeit bittet. Dies tut er und Suleïcha erhält wieder ihre Jugend.[82] Daraufhin fragt Joseph sie, ob sie noch einen weiteren Wunsch hat. Sie offenbart ihm, dass sie ihn noch immer liebt und sich ihn an ihrer Seite wünscht. Joseph verstummt. Auf einmal erscheint ihm der Engel Gabriel. Gabriel erklärt, dass er von Gott geschickt wurde und Gott den Wunsch Suleïchas erfüllen möchte. Er befreit ihr Herz vom Schmerz und verlobt Joseph mit Suleïcha.[83]

Joseph gehorcht Gottes Willen und vermählt sich mit ihr. Suleïcha entschuldigt sich bei Joseph für ihr Verhalten.[84] Gerührt von ihren Worten bekommt auch Joseph Liebesgefühle für sie.[85]

Glücklich und zufrieden leben sie, bis Joseph eines Tages einen Traum über seine Eltern hat. Er deutet ihn als seinen kommenden Tod. Er berichtet Suleïcha von seiner Vorahnung und betet daraufhin zu Gott. Er bittet um seinen Tod, das kommende Paradies und die damit einhergehende Nähe zu Gott. Getroffen von seinen Worten bittet sie Gott ihr Schicksal an seines zu hängen und auch sie zu töten wenn er stirbt, da sie nicht ohne ihn leben kann.[86]

Eines Tages wird Joseph von Engel Gabriel besucht. Er bringt ihm die frohe Botschaft seines kommenden Todes. Gabriel legt ihm einen Apfel in die Hand, Joseph riecht daran und stirbt. Er findet den Weg ins Paradies.[87] Bestürzt von Josephs Tod kann Suleïcha nicht mehr leben und begeht Selbstmord an Josephs Grab. Sie wird neben ihm begraben.[88] An dem Ort an dem die beiden bestattet wurden, entsteht eine Hungersnot und eine Pest, weshalb man sich entscheidet Joseph in einem Steinsarg im Nil zu bestatten, weit weg von Suleïcha. Und obwohl Gott die beiden zusammenführte, trennt er sie im Tod wieder.[89]

Im Gegensatz zur koranischen Version handelt es sich bei dieser Geschichte von Yūsuf und Zulaichā/Joseph und Suleïcha um eine Liebesgeschichte. Der inhaltliche Kern ist von der 12. Sure des Korans abgeleitet. Suleïchas Vorgeschichte, Gefühlslage, die Wiederherstellung der Schönheit, die Hochzeit sowie der gemeinsame Tod ist dabei aber Dschamis eigene, erweiterte Version. Insgesamt konzentriert sich Dschami in seinem Werk vor allem um die Präsentation der Gefühle Suleïchas. Sie ist die Hauptfigur dieser Geschichte und scheint thematisch und erzählerisch wichtiger als Joseph. Interpretationen nach, verbindet Dschami in der Person Suleïcha zwei Figuren aus der Genesis. Erstens die Verführerin, die Frau des Potiphar, bzw. die Frau des Hochmögenden (arabisch ٱمۡرَأَتُ ٱلۡعَزِيزِ) und zweitens die Tochter des Priesters Potipheras, die er später heiratet (Gen 46,20 EU).[90] In der Konferenzschrift Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa von 2014, wird diese Verschmelzung interpretiert:

„Die Fusion zwischen der Verführerin und der ehrenwerten Ehefrau jedenfalls nutzt Jami dazu, um einen Übergang zwischen dem verwerflichen sinnlichen Begehren und der ehrenwerten Liebe zu schaffen, die am Ende in der Hochzeit der beiden ihre Erfüllung findet.“[91]

Schah Muhammad Saghir

Die zahlreichen persischen und arabischen Poeten inspirierten Dichter auf der ganzen Welt. Darunter auch den bengalischen Autor Schah Muhammad Saghir, der seine Version von Yusuf und Zulaichā auf Basis von Firdausis Werk schrieb. Im 16. Jahrhundert veröffentlichte er diese mit dem Titel Ichuph-Jalikhā (Bengalisch: ইউসুফ-জুলেখা).[92]

Türkische Poesie

In der türkischen Literatur finden sich viele Versionen der Yūsuf-Zulaichā-Geschichte. Das erste bekannte Masnawī, wurde 1232/1233 von Ali, einem Yesevî-Derwischen, geschrieben. Nach ihm entstanden noch viele weitere Adaptionen. Die bekanntesten sind heute die Masnawī von Şeyyad Hamza und Darîr aus dem 19. Jahrhundert.[93]

Hikayat Faridah Hanom

In dem malaiischen Liebesroman Hikayat Faridah Hanom von Sayyid Shaykh al-Hadi vergleicht der Autor die Schönheit seine Protagonisten Shafik Efendi und Faridah Hanom mit der Schönheit von Yūsuf und Zulaichā. Sayyid Shaykh al-Hadi verweist hier auf ein Syair:

Leb auf, o schöne Faridah,
Lass dich nicht von den Augen der Menschen einfangen.
Passend ist auch der Mann, der sie umarmt,
Yusuf und Zulaicha sind ein Ebenbild.[94]

Goethe

Die koranische Version der Josephsgeschichte, sowie die persische Literatur beeinflusste auch europäische Dichter. Johann Wolfgang von Goethe erhielt 1814 eine übersetzte Version des Diwan (Gedichtsammlung) des persischen Dichters Hafis.[95] Inspiriert von dieser Dichtung, verfasste Goethe innerhalb kürzester Zeit eigene Gedichte gespeist mit Hafis persischen Elementen, welche er in Zusammenarbeit mit Marianne von Willemer als Gedichtsammlung unter dem Namen West-östlicher Divan veröffentlichte. Goethe widmete Marianne von Willemer eines von zwölf Büchern des West-östlichen Divan, das Buch Suleika. In diesem Gedichtband wird in männlich-weiblicher Wechselrede die Liebesgeschichte von einem anonymen Liebespaar erzählt.[96] Angelehnt an Dschāmis Yūsuf und Zulaichā, nennt Goethe die weibliche Hauptfigur Suleika:

Dass Suleika von Jussuff entzückt war
Ist keine Kunst,
Er war jung, Jugend hat Gunst,
Er war schön, sie sagen zum Entzücken,
Schön war sie, konnten einander beglücken.
Aber dass du, die so lange mir erharrt war,
Feurige Jugendblicke mir schickst,
Jetzt mich liebst, mich später beglückst.
Das sollen meine Lieder preisen
Sollst mir ewig Suleika heißen.[97]

Die männliche Hauptfigur erhält nicht den Namen Yūsuf, wie in Dschāmis-Werk, sondern nennt sich selbst Hatem, da er seiner Meinung nach nicht die Schönheit und Jugend Yūsufs hat.[98] Goethes Ausdruck für dieses Buch war „Duodrama“: zwischen einem realen Liebespaar, ohne Namen und dem literarischen-gegenüber Yūsuf und Zulaichā.[99] Erst nach Goethes Tod stellte sich heraus, dass die Beziehung zwischen Goethe und Marianne von Willemer die Grundlage für das anonyme Liebespaar war.[100] Von Willemer wurde dabei nicht nur zum Vorbild der Suleika, Goethe ließ auch einige ihrer Gedichte in das Buch Suleika einfließen.[101]

Kunst

Rembrandt: Joseph und Potiphars Frau, 1655.

Die Geschichte von Yūsuf und Zulaichā wird in vielen Kunstwerken dargestellt. Dabei finden sich epochale und regionale Unterschiede wieder, die sich durch unterschiedliche malerische Darstellungen zeigen. Viele Künstler schufen Werke auf Basis der persischen Buchkulturen, erkennbar durch die Darstellung der Hochzeit zwischen Yūsuf und Zulaichā, welche nicht Teil der koranischen Erzählung ist.[102] Im islamischen Kontext ist bedeutend, dass Yūsuf meist mit goldenen Flammen um seinen Kopf dargestellt wird. Im Islam gilt Yūsuf als Prophet. Auch der Prophet Mohammed, wird in seinen wenigen Abbildungen mit goldener Flamme dargestellt.[103] Die Flamme über Yūsufs Kopf kann demnach seine prophetische Gestalt symbolisieren.

Auch in Europa wurde die Josephgeschichte mehrfach künstlerisch dargestellt. Hierbei gibt es Versionen, die sich auf die Jospehgeschichte der Genesis beziehen, hier Joseph und die Frau des Potiphar. Andere ließen in ihre Werke Motive der koranischen und persischen Erzählungen einfließen. Rembrandt, zum Beispiel, nutzte in seinen Josephsbildern persische und indisch-moghulische Motive, wie Turbane mit Federschmuck oder gemusterte Gürtelschärpen (patkā)[104], um seinen Bildern einen nahöstlichen Flair zu geben.[105] Ein großer Unterschied zwischen der europäischen und persischen Darstellung ist, dass die Darstellung der Verführung Josephs. Auffallend ist hier die starke Erotisierung. So wird die Frau des Potiphar im 1546 erschienen Kupferstich Josephs Verführung von Georg Pencz mit entblößter Brust dargestellt.[106] Im gleichnamigen Kupferstich von Sebald Beham von 1544 werden Joseph und die Frau des Potiphar nackt abgebildet.[107] Die erotische Darstellung der Frau beinhaltet das Symbol der Schuld. So wird dem Betrachter der weibliche Körper gezeigt, durch den Hintergrund der Geschichte aber negativ konnotiert.[108]

Das Ballett Josephs Legende von Richard Strauss, mit dem Libretto von Harry Graf Kessler und Hugo von Hofmannsthal, ist vom biblischen Stoff inspiriert. Zudem gibt es einen britischen Film Potiphar’s Wife, eine adaptierte Fassung aus dem Jahr 1931, mit Nora Swinburne und Laurence Olivier in den Hauptrollen.[109]

Der Name Zulaichā

Die Hintergrundgeschichte des Namens Zulaichā (arabisch زُلَيْخَا) ist nicht bekannt, er wird weder im Koran noch in der Josefsgeschichte genannt. Übersetzt bedeutet er wahrscheinlich „strahlende Schönheit“.[110] Im Koran wird Zulaichā durch die weibliche Konjugation von Verben erwähnt (z. B. sie sagte = قَالَتۡ)[111] oder als Frau des Hochmögenden (ٱمۡرَأَتُ ٱلۡعَزِيزِ) benannt.[112] Auch im Buch Genesis (Gen 39,1–20 EU) ist Zulaichā Namenlos. Sie wird nur als Frau des Potifar betitelt.[113] Quellen zufolge, soll Abu l-Qasem-e Firdaus die erste Yusuf-Zulaichā-Geschichte geschrieben haben. Sein Werk aus dem 11. Jahrhundert behandelt die Geschichte ähnlich wie im Koran, hier gibt er der Frau des Herren den Namen Zuleichā.[114][115] Unter dem Aspekt, dass Firdausis Werk wahrscheinlich nicht die erste Yusuf-Zulaichā-Version war, muss kritisch betrachtet werden, ob der Name Zuleichā wirklich ihm zugeschrieben werden kann.[116]

Das anonyme hebräische Volksbuch Sefer ha-Jaschar, zu einem unbekannten Zeitpunkt im Mittelalter entstanden, erzählt unter anderem auch die Geschichte von Josef und der im Buch Genesis namenlosen Frau des Potifar, die hier Zelicah genannt wird.[117]

Literatur

  • Vera Beyer, Friederike Weis, Heinrich Schulze Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. Ed. Minerva, Neu-Isenburg 2014.
  • J. T. P. de Bruijn und Barbara Flemming: Yūsuf and Zulayk̲h̲ā. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs. 2012. Hier online abrufbar.
  • Heribert Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. Harrassowitz, Wiesbaden 2006.
  • Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan. Cottaische Buchhandlung, 1819. Hier online abrufbar (ab PDF-Seite 12).
  • Johann Wolfgang Goethe: Buch Suleika. Gedichte aus dem West-östlichen Divan. Mit einem Nachwort von Elisabeth Binder. Reclam, Stuttgart 2019.
  • Patrick Hanks, Flavia Hodges: A Dictionary of First Names. Oxford University Press, Oxford 1990.
  • Christopher Shackle: Between Scripture and Romance: the Yusuf-Zulaikha Story in Panjabi. South Asia Research, 15(2), Neu-Delhi 1995, S. 153–188.
  • Cl. Huart und H. Massé: Firdawsī, in: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs. 2012. Hier online abrufbar.
  • Sefer ha-Jashar: Or, the Book of Jasher; Referred to in Joshua and Second Samuel. Parry, 1887. Hier online abrufbar.
  • Muhammad Khan: The Muslim Heritage of Bengal. The Lives, Thoughts and Achievements of Great Muslim Scholars, Writers and Reformers of Bangladesh and West Bengal. Kube Publishing Ltd, Markfield 2013.
  • Walther Killy: Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Band 12 Vo – Z. De Gruyter, Berlin / Boston 2011.
  • James L. Kugel: In Potiphar’s House: The Interpretive Life of Biblical Texts. 2. Auflage, Harvard University Press, Cambridge 1994.
  • Der Koran. Übersetzung von Rudi Paret. Stuttgart: Kohlhammer 1979 („Ausgabe letzter Hand“). Zahlreiche Folgeauflagen. ISBN 978-3-17-021156-8. Die Paretsche Übersetzung der einzelnen Koranverse kann auf der Website des Corpus Coranicum abgerufen werden, hier.
  • F. E. Peters: Jesus and Muhammad: Parallel Tracks, Parallel Lives. Oxford University Press, Oxford 2010, S. 159–161. Hier online abrufbar.
  • Vinzenz Rosenzweig von Schwannau: Joseph und Suleïcha. Historisch-Romantisches Gedicht. Aus dem Persischen des Mawlana Abdurrahman Dschami übersetzt und durch Anmerkungen Erläutert von Vinzenz Edlem von Rosenzweig. Verlegt durch Anton Schmid, Kaiserl. Königl. Privil. Buchdrucker, Wien, 1824. Hier online abrufbar
  • Manfred Tiemann: Josef und die Frau des Potifars im populärkulturellen Kontext. Transkulturelle Verflechtungen in Theologie, Bildender Kunst, Literatur, Musik und Film. Springer VS, Wiesbaden 2020.

Weblinks

Commons: Yusuf und Zulaicha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Hanife Koncu: "YÛSUF ve ZÜLEYHÂ", TDV İslâm Ansiklopedisi, 2013, hier online einsehbar.
  2. ↑ Shackle: Between Scripture and Romance: the Yusuf-Zulaikha Story in Panjabi. 1995, S. 156, 161–162.
  3. ↑ Genesis (Gen 37-50 EU), Onlineversion hebräisch mit englischer Übersetzung.
  4. ↑ Rad: Das erste Buch Mose. Genesis. 1976, S. 296–297.
  5. ↑ Genesis (Gen 39,1–20 EU), Onlineversion hebräisch mit englischer Übersetzung.
  6. ↑ Jonathan Sacks: On Not Trying To Be What You Are Not
  7. ↑ Koran, Sure 12:1-111
  8. ↑ Koran, Sure 12:21, auf corpuscoranicum.de
  9. ↑ Koran, Sure 12:30
  10. ↑ Koran, Sure 12:22
  11. ↑ Koran, Sure 12:23
  12. ↑ Koran, Sure 12:24
  13. ↑ Koran, Sure 12:25
  14. ↑ Koran, Sure 12:25
  15. ↑ Koran, Sure 12:26
  16. ↑ Koran, Sure 12:27
  17. ↑ Koran, Sure 12:28 und Sure 12:29
  18. ↑ Koran, Sure 12:30
  19. ↑ Koran, Sure 12:31
  20. ↑ Koran, Sure 12:31
  21. ↑ Koran, Sure 12:32
  22. ↑ Koran, Sure 12:33
  23. ↑ Koran, Sure 12:34 und Sure 12:25
  24. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 156, 157–161.
  25. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 156.
  26. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 157.
  27. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  28. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  29. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  30. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  31. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  32. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  33. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 159.
  34. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.
  35. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 160.
  36. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 160.
  37. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 161.
  38. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 161.
  39. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 161.
  40. ↑ Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 161–162.
  41. ↑ Bruijn, Flemming: Yūsuf and Zulayk̲h̲ā. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, 2012, hier online abrufbar.
  42. ↑ Huart, Massé: “Firdawsī”, in: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, 2012, hier online abrufbar.
  43. ↑ Bruijn, Flemming: Yūsuf and Zulayk̲h̲ā. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, 2012, hier online abrufbar.
  44. ↑ Huart, Massé: “Firdawsī”, in: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, 2012, hier online abrufbar.
  45. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, (Online).
  46. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 26–29.
  47. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, Erster Traum S. 29–31; Zweiter Traum S. 37–40; Dritter Traum S. 40–42.
  48. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 43–45.
  49. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 45.
  50. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 53–54.
  51. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 54–56; 57.
  52. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 23; 25; 60–61.
  53. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 61.
  54. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 67–69.
  55. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 71.
  56. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 72–73.
  57. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 73–75.
  58. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 75–76.
  59. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 77–78.
  60. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 110–113.
  61. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 112–113; 114.
  62. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 114.
  63. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 114.
  64. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 115
  65. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 115.
  66. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 116.
  67. ↑ Simpson: Sultan Ibrahim Mirza's Haft awrang : a princely manuscript from sixteenth-century Iran. 1997, S. 138, hier online einsehbar.
  68. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 118.
  69. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 119–120.
  70. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 120.
  71. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 121–122.
  72. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 122–132, 124–125.
  73. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 126–127.
  74. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 128.
  75. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 128–130.
  76. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 132–135.
  77. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 143–146.
  78. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 146–148.
  79. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 150–151; 159.
  80. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 155–157.
  81. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 157.
  82. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 158–159.
  83. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 160.
  84. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 162–163.
  85. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824,S. 163–164.
  86. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 166–167.
  87. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 167–168.
  88. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 171.
  89. ↑ Rosenzweig zu Schwannau: Joseph und Suleïcha. 1824, S. 171.
  90. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 24.
  91. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 24.
  92. ↑ Khan: The Muslim Heritage of Bengal. The Lives, Thoughts and Achievements of Great Muslim Scholars, Writers and Reformers of Bangladesh and West Bengal. 2013, S. 46.
  93. ↑ Hanife Koncu: "YÛSUF ve ZÜLEYHÂ", TDV İslâm Ansiklopedisi, 2013, hier online einsehbar.
  94. ↑ Deutsche Übersetzung des Liebesromans Hikayat Faridah Hanom von Sayyid Shaykh al-Hadi. Übersetzung von Patrick Franke.
  95. ↑ Goethe: Buch Suleika. Gedichte aus dem West-östlichen Divan. Mit einem Nachwort von Elisabeth Binder. Reclam, 2019, S. 66–67.
  96. ↑ Goethe: Buch Suleika. Gedichte aus dem West-östlichen Divan. Mit einem Nachwort von Elisabeth Binder. Reclam, 2019, S. 66.
  97. ↑ Goethe: West-östlicher Divan. 1819, S. 122, hier online einsehbar.
  98. ↑ Goethe: West-östlicher Divan. 1819, S. 142, hier online einsehbar.
  99. ↑ Goethe: Buch Suleika. Gedichte aus dem West-östlichen Divan. Mit einem Nachwort von Elisabeth Binder. Reclam, 2019, S. 80.
  100. ↑ Goethe: Buch Suleika. Gedichte aus dem West-östlichen Divan. Mit einem Nachwort von Elisabeth Binder. Reclam, 2019, S. 65.
  101. ↑ Killy: Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Band 12 Vo - Z, 2011, S. 429.
  102. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 19.
  103. ↑ Peters: Jesus and Muhammad: Parallel Tracks, Parallel Lives. 2010, S. 159, hier online einsehbar.
  104. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 38.
  105. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 31.
  106. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 15.
  107. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 17.
  108. ↑ Beyer, Weis, Altcappenberg: Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa. 2014, S. 19.
  109. ↑ Maurice Elvey: Potiphar’s Wife, IMDb.
  110. ↑ Ferguson: Perfect Babies' Names. 2009, unter Z, hier online einsehbar.
  111. ↑ Koran, Sure 12:25
  112. ↑ Koran, Sure 12:30.
  113. ↑ Genesis (Gen 39,1–20 EU), Onlineversion hebräisch mit englischer Übersetzung.
  114. ↑ Tiemann: Josef und die Frau des Potifars im populärkulturellen Kontext. Transkulturelle Verflechtungen in Theologie, Bildender Kunst, Literatur, Musik und Film. 2020, S. 85–86.
  115. ↑ Hanks; Hodges: A Dictionary of First Names. 1990, S. 443.
  116. ↑ Bruijn, Flemming: Yūsuf and Zulayk̲h̲ā. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, 2012, hier online abrufbar.
  117. ↑ Sefer Ha-Yashar: Or, the Book of Jasher; Referred to in Joshua and Second Samuel. 1887, S. 130, hier online einsehbar.



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

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Ḥāzzimīya

Noir24admin Islam 21. Juni 2026

Die Ḥāzzimīya (arabisch الحازمية; DMG al-Ḥāzzimīya, auch als ḥāzimītische Strömung, arabisch: التيار الحازمي, bezeichnet) ist eine ultraextremistische salafistisch-dschihadistische ideologische Strömung, die sich innerhalb dschihadistischer Milieus herausbildete und insbesondere unter tunesischen Anhängern des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) an Einfluss gewann. Sie stellte keine formell organisierte Bewegung dar, sondern eine doktrinäre Ausrichtung, deren theologische Positionen innerhalb des IS erhebliche innerorganisatorische Spannungen hervorriefen.[1] Die ideologischen Grundlagen gehen auf den in Saudi-Arabien geborenen Prediger Aḥmad ibn ʿUmar al-Ḥāzimī (أحمد ابن عمر الحازمي) zurück.[2]

Die Ḥāzimiyya erlangte besondere Bekanntheit durch ihre radikale Auslegung der Praxis, andere Muslime für ungläubig zu erklären (Takfīr), die innerhalb des IS zu tiefgreifenden ideologischen Konflikten führte. In deren Verlauf wurde die Strömung schließlich von der IS-Führung selbst als extremistisch eingestuft; ihre Anhänger wurden systematisch verfolgt, inhaftiert oder hingerichtet.[3]

Geschichte

Al-Ḥāzimī in Tunesien

Zwischen Dezember 2011 und Mai 2012 hielt al-Ḥāzimī vier Vorträge in Tunesien. Unterstützung erhielt er unter anderem vom Verein „al-Ḫayr al-Islāmiyya“ (arabisch: جمعية الخير الإسلامية) sowie vom Moscheekomitee des Viertels al-Ḫaḍrāʾ. Während Mitglieder der erstgenannten Organisation später wegen Terrorismusfinanzierung verhaftet wurden, unterhielt das Moscheekomitee Verbindungen zur salafistischen Bewegung Anṣār aš-Šarīʿa fī Tūnis. Mit Hilfe dieses Netzwerks gründete al-Ḥāzimī das Institut „Ibn Abī Zayd al-Qayrawānī für islamische Wissenschaften“, das eine zentrale Rolle bei der Verbreitung seiner Lehren spielte. Die frühe Rezeption seiner Positionen trug dazu bei, dass insbesondere unter tunesischen Dschihadisten eine ausgeprägte Sensibilität für Fragen religiöser Ausgrenzung entstand, die später innerhalb des IS eine überproportional sichtbare Rolle spielte.[4]

Die Ḥāzimiyya im „Islamischen Staat“

In den folgenden Jahren schlossen sich zahlreiche tunesische Anhänger der ḥāzimītischen Lehre dem IS an. Während des Konflikts mit der al-Nusra-Front blieben sie der IS-Führung loyal und erhielten administrative sowie religiöse Schlüsselpositionen.[5]

Mit wachsendem Einfluss entwickelte sich ihre Ideologie jedoch zu einem Problem für die interne Kohärenz des IS. Der bahrainische Gelehrte Turki al-Binʿalī, Leiter des IS-Büros für Forschung und Studien, wandte sich in Vorträgen und Schriften gegen die ḥāzimītische Doktrin und kritisierte sie als theologisch illegitim. Im März 2014 wurden Audioaufnahmen bekannt, in denen führende ḥāzimītische Kader – darunter der IS-Gouverneur von al-Ḥasaka – die Taliban und Osama bin Laden als Ungläubige einstuften. Weitere Leaks belegten entsprechende Urteile über al-Qaida im Maghreb.[6]

Ende 2014 flohen etwa 50 Anhänger der Ḥāzimiyya in die Türkei, während rund 70 weitere vom IS inhaftiert und hingerichtet wurden, nachdem sie Teile der IS-Führung selbst als ungläubig eingestuft hatten. In Reaktion darauf veröffentlichten Unterstützer eine Erklärung, in der der IS als „Staat der Ungläubigen und der Dschahmīya“ bezeichnet wurde.[7] Trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen bestanden weiterhin mehrere ḥāzimītische Zellen. Die Repressionsmaßnahmen richteten sich weniger gegen einzelne Personen als vielmehr gegen die zugrunde liegende doktrinäre Logik, die aus Sicht der IS-Führung die religiöse Legitimität und organisatorische Stabilität der Gruppe bedrohte.

Im Jahr 2016 kam es in den Regionen um al-Bāb und Dscharābulus zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ḥāzimītischen Gruppen und dem IS. Im April 2017 untersagte das zentrale Scharia-Aufsichtsbüro des IS in der Zeitschrift an-Nabaʾ jede öffentliche Diskussion über Fragen der Entschuldigung aus Unwissenheit, warnte jedoch zugleich vor Zurückhaltung bei religiöser Abgrenzung. Kurz darauf bekräftigte die sogenannte Beauftragte Kommission die zentrale Bedeutung religiöser Ausgrenzung als grundlegendes Prinzip, wandte sich jedoch gegen deren unbegrenzte Anwendung.

Am 31. Mai 2017 wurde Turkī al-Binʿalī bei einem Luftangriff der internationalen Koalition getötet.[8] Im September 2017 soll Abū Bakr al-Baghdādī zahlreiche ḥāzimītische Akteure festgesetzt und die interne Führungsstruktur des IS neu organisiert haben. Auch nach dem militärischen Zusammenbruch des IS bestanden ḥāzimītische Netzwerke fort, vor allem in Form lose verbundener ideologischer Milieus, die sich überwiegend auf theologische Debatten konzentrierten und keine einheitliche organisatorische Struktur mehr aufwiesen. Für das Jahr 2017 wurde die Zahl ihrer Anhänger in den Niederlanden auf etwa 100 Personen geschätzt.[9]

Ideologie

Kern der ḥāzimītischen Ideologie ist die Auffassung, dass nicht nur Personen, die als Ungläubige gelten, aus der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen seien, sondern auch jene, die es unterlassen, solche Personen eindeutig als Ungläubige einzustufen (arabisch: تكفير المُعذر, DMG Takfīr al-muʿaḏḏir).[10] Diese Position gilt in dschihadistischen Debatten als Grundlage eines sich ausweitenden Prozesses religiöser Ausgrenzung (arabisch: تكفير متسلسل, DMG Takfīr mutasalsil), in dessen Verlauf immer weitere Personen oder Gruppen als Ungläubige betrachtet werden.[11]

Aus Sicht der Ḥāzzimīya handelt es sich bei diesem Mechanismus nicht um eine willkürliche Eskalation religiöser Ausgrenzung, sondern um die konsequente Anwendung einer strikt verstandenen Glaubensabgrenzung. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass bestimmte Handlungen – insbesondere solche, die als schwerer Polytheismus oder offenkundiger Unglauben gelten – objektiv den Ausschluss aus dem Islam begründen.[12] Wer eine solche Handlung begeht, gilt demnach als Ungläubiger, unabhängig von subjektiven Faktoren wie Unwissenheit oder individueller Auslegung.[13]

Auf dieser Grundlage wird argumentiert, dass auch jene Personen aus der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen seien, die es unterlassen, diesen als eindeutig betrachteten Unglauben klar zu benennen. Die Weigerung, einen solchen Unglauben zu exkommunizieren (Takfīr), wird innerhalb dieser Ideologie selbst als religiöse Verfehlung verstanden. Daraus ergibt sich eine Logik, bei der sich der Takfīr nicht nur auf den ursprünglichen Akteur, sondern auch auf dessen Verteidiger oder Entschuldiger erstreckt.

Zur Verdeutlichung dieser Logik wird innerhalb der ḥāzimītischen Argumentation ein mehrstufiger Prozess religiöser Ausgrenzung beschrieben:

  • Zunächst gilt eine Person (A) aufgrund einer als eindeutig betrachteten Handlung als Ungläubiger.
  • Als Ungläubiger gilt anschließend auch jene Person (B), die an der Ungläubigkeit von A zweifelt oder es unterlässt, diese eindeutig zu benennen.
  • In einem weiteren Schritt wird auch eine Person (C) als Ungläubiger eingestuft, sofern sie die Ungläubigkeit von B infrage stellt oder relativiert.
  • Dieser Mechanismus setzt sich potentiell fort, da jede Zurückhaltung bei der religiösen Abgrenzung selbst als Beleg für Unglauben interpretiert wird.

Auf diese Weise entsteht eine fortschreitende Kettenlogik religiöser Ausgrenzung.

Die Ḥāzzimīya lehnt das in der sunnitischen Theologie verbreitete Prinzip ab, nach dem Unwissenheit (جهل, dschahl) als Entschuldigung für Glaubensabweichungen gelten könne (arabisch: العذر بالجهل, DMG al-ʿuḏr bi-l-ǧahl), insbesondere bei Handlungen, die sie als schweren Polytheismus oder schweren Unglauben einstuft. Dazu zählen unter anderem:

  • die Teilnahme an demokratischen Wahlen
  • die Anerkennung oder Unterstützung bestehender politischer Systeme
  • das Anrufen Verstorbener

Nach ḥāzimītischer Auffassung gilt auch derjenige als Ungläubiger, der Personen, die solche Handlungen begehen, aufgrund angeblicher Unwissenheit nicht aus der religiösen Gemeinschaft ausschließt.[14]

Innerhalb dschihadistischer Organisationsstrukturen wurde diese Lehre als besonders konfliktträchtig wahrgenommen, da sie das Potenzial besaß, die religiöse Legitimität ganzer Führungsstrukturen infrage zu stellen.[15]

Theologische Bezüge

Wie andere salafistisch-dschihadistische Strömungen beruft sich auch die Ḥāzzimīya auf klassische islamische Gelehrte wie Ibn Taymiyya und Muḥammad ibn ʿAbd al-Wahhāb. Aḥmad ibn ʿUmar Al-Ḥāzimī betonte jedoch, dass deren Lehren nicht unkritisch übernommen werden dürften, womit er vor allem die moderne salafistisch-dschihadistische Rezeption dieser Gelehrten relativierte, ohne deren klassische Stellung grundsätzlich infrage zu stellen.[16]

„Dann traten erneut die Dummen, die Beschränkten und die Törichten hervor – insbesondere einige der dunklen Gestalten der Medien –, die ihre verdorbenen, fauligen Verstandesreste und den Abfall ihrer stinkenden Auffassungen rückwirkend wie Auswurf auf die frühen Gelehrten der Umma anwenden. Ibn Qudāma al-Maqdisī gilt ihnen lediglich als Mufawwiḍ in der Glaubenslehre, für den man – ihrer Auffassung nach – kein Bittgebet um Barmherzigkeit sprechen dürfe; Ibn Taymiyya wird von ihnen mit dem Hinweis auf seine Anerkennung der Entschuldigung durch Unwissenheit herangezogen, weshalb man seinen Aussagen gegenüber vorsichtig sein müsse; und bei an-Nawawī sehen sie eine aschʿaritische Prägung, vor der gewarnt werden müsse – möge Allah ihnen allen barmherzig sein und sie vor dieser unfruchtbaren Torheit bewahren...“

– Abū Muḥammad al-Ḥusaynī al-Hāschimī[17]

Darüber hinaus zeigen seine Positionen deutliche Einflüsse des ägyptischen islamistischen Ideologen Sayyid Quṭb, insbesondere hinsichtlich der Ablehnung moderner politischer Ordnungen. Im Unterschied zur dominierenden Auslegung des Wahhabismus verwirft die Ḥāzzimīya jede Form der Entschuldigung religiöser Verfehlungen durch Unwissenheit und betrachtet diese als unzulässige Einschränkung religiöser Abgrenzung.[18]

Politische Haltung

Al-Ḥāzimī selbst vermied weitgehend explizite politische Stellungnahmen. Dies führte innerhalb der Strömung zu uneinheitlichen politischen Positionen, weshalb einige Beobachter argumentieren, die Ḥāzzimīya stelle weniger ein geschlossenes ideologisches System als vielmehr eine radikale doktrinäre Ausrichtung dar.[19] Das Spektrum der Anhänger reicht von offen salafistisch-dschihadistischen Akteuren – teils mit Verbindungen zu Gruppen wie Boko Haram oder dem IS – bis hin zu Predigern, die eine offene Konfrontation mit der saudischen Monarchie vermeiden. Gemeinsamer Nenner ist die kategorische Ablehnung demokratischer Prozesse, die als Götzendienst und Abfall vom Islam interpretiert werden.[20]

Literatur

  • Aaron Y. Zelin: Ultra Extremism Among Tunisian Jihadis Within The Islamic State. Jihadica, 8 February 2020.
  • Abū Muḥammad al-Ḥusaynī al-Hāšimī: an-Naṣīḥa al-Hāšimiyya li-Amīr ad-Daula al-Islāmiyya. al-Baṣīra, 5. July 2017, S. 11 (arabisch)
  • Cole Bunzel: Caliphate in Disarray: Theological Turmoil in the Islamic State. Jihadica, 3. Oktober 2017.
  • Cole Bunzel: The Islamic State’s Mufti on Trial: The Saga of the “Silsila ‘Ilmiyya”. Combating Terrorism Center, Vol. 11, Iss. (9), Oct 2018.
  • Cole Bunzel: Ideological Infighting in the Islamic State. Perspectives on Terrorism, vol. 13, no. 1, 2019, pp. 12–21.
  • Djallil Lounnas: The Failed Ideological Hybridization of the Islamic State. Studies in Conflict & Terrorism, vol. 46:3, 278–306, 30 Apr 2020.
  • Emin Poljarevic: Chapter 21 Theology of Violence-oriented Takfirism as a Political Theory: The Case of the Islamic State in Iraq and Syria (ISIS). Handbook of Islamic Sects and Movements. Leiden, Niederlande: Brill, 2021.
  • Guido Steinberg: Die »Takfiristen«. Eine salafistisch-jihadistische Teilströmung gewinnt an Bedeutung. SWP-Aktuell 2021/A 09, 27.01.2021.
  • Kyle Orton: Islamic State Recommends More Gentleness in Dealing With Sinners. Kyle Orton's Blog, 10 March 2018.
  • Phil Price: Ideological Infighting in ISIS May Lead to Terror Group’s Undoing. In: Homeland Security Today. 6 Aug. 2019.
  • Rafid Jaboori: Alleged Coup Attempt Exposes Hazimite Faction Within Islamic State. Jamestown Foundation, 2019.
  • Tore Hamming: Al-Hazimiyya: The ideological conflict destroying the Islamic State from within. ICCT – The Hague, 2021.
  • Tore Hamming: “Ahmad Ibn Umar Al-Hazimi.” In: Al-Hazimiyya: The Ideological Conflict Destroying the Islamic State from Within. International Centre for Counter-Terrorism, 2021, pp. 3–15.

Einzelnachweise

  1. ↑ Zelin: Ultra Extremism Among Tunisian Jihadis Within The Islamic State. 2020.
  2. ↑ Hamming: Al-Hazimiyya. 2021
  3. ↑ Bunzel: Ideological Infighting in the Islamic State. 2019, S. 14; Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 6–7
  4. ↑ Zelin: Ultra Extremism Among Tunisian Jihadis Within The Islamic State. 2020.
  5. ↑ Zelin: Ultra Extremism Among Tunisian Jihadis Within The Islamic State. 2020.
  6. ↑ Zelin: Ultra Extremism Among Tunisian Jihadis Within The Islamic State. 2020
  7. ↑ Zelin: Ultra Extremism Among Tunisian Jihadis Within The Islamic State. 2020; Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 4–7; Lounnas: The Failed Ideological Hybridization of the Islamic State. 2020, S. 295
  8. ↑ Lounnas: The Failed Ideological Hybridization of the Islamic State. 2020, S. 289
  9. ↑ Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 16–17
  10. ↑ Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 4
  11. ↑ Bunzel: Ideological Infighting in the Islamic State. 2019, S. 3
  12. ↑ Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 4–5
  13. ↑ Poljarevic: The Theology of Violence-Oriented Takfirism. 2021, S. 488–490
  14. ↑ Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 2–4
  15. ↑ Bunzel: Ideological Infighting in the Islamic State. 2019, S. 3–4
  16. ↑ Hamming: Al-Hazimiyya. 2021, S. 10–11
  17. ↑ al-Hāšimī: an-Naṣīḥa al-Hāšimiyya li-Amīr ad-Daula al-Islāmiyya. 2017, S. 11 (arabisch)
  18. ↑ Lounnas: The Failed Ideological Hybridization of the Islamic State. 2020, S. 281–282.
  19. ↑ Lounnas: The Failed Ideological Hybridization of the Islamic State. 2020, S. 281–282.
  20. ↑ Poljarevic: The Theology of Violence-Oriented Takfirism. 2021, S. 503–505



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Sumayya bint Khayyat

Noir24admin Islam 21. Juni 2026

Sumayya bint Khayyat oder Sumayya bint Khabbat (arabisch سُميّة بنت خيّاط oder سُميّة بنت خبّاط, DMG Sumayyah bint Ḫayyāṭ oder Sumayyah bint Ḫabbāṭ; geboren um 550; gestorben 615 in Mekka) war eine Sklavin in der Dschāhilīya Mekkas mit äthiopischen Wurzeln und die erste Märtyrerin des Islam. Ihr Tod wurde öffentlich durch ihren Sklavenhalter Abū Dschahl verursacht, welcher kurz zuvor ihren Mann Yasir ibn 'Amr tötete.

Leben

Sumayya war Sklavin unter der Haltung von Abu Hudhayfa ibn al-Mughira, einem Mitglied des Makhzum Clans in Mekka. Er vermittelte ihr Yasir zur Ehe, einen jemenitischen Sklaven. Unter seiner Obhut lebten sie zusammen in Mekka und bekamen Ammar, Abdullah und Hurth ibn Yasir als Söhne.[1] Sumayya gebar ihren Sohn Ammar im Jahr 566 und Hurth ibn Yasir starb durch den Dil Clan in der vorislamischen Zeit.[2]

Abu Hudhayfa befreite später Sumayya und ihre Familie von der Sklavenhaltung; sie blieben jedoch weiterhin die Klienten des Clans. Es wird überliefert, dass Abu Hudhayfa den Propheten Mohammed ablehnte.[1] ʿAmr ibn Hishām, ebenso ein Mitglied des Clans Makhzum, nahm derweil Sumayya und ihre Familie als Sklaven de facto auf. Dadurch war eine erneute Befreiung durch ein Freikaufen nicht möglich.[3]

Es wird überliefert, dass Sumayya einer der ersten sieben war, die den Islam öffentlich befürworteten.[4] Eine Konversion war dafür nicht zwangsläufig nötig gewesen, da Ammar, der ebenfalls dazukam, noch nicht konvertiert gewesen ist, bevor dreißig Männer im Haus von Al-Arqam den Propheten besuchten.[1]

Die Quraisch verfolgten damals Muslime, vor allem mit niedrigem sozialem Rang.[5] Sumayyas Familie war nach dem Tod ihres Patrons Abu Hudhayfah solchen Verfolgungen ausgesetzt, welches durch eine Konversion verstärkt wurde.[6][7] Sie weigerte sich dennoch, ihren alten Glauben wieder anzunehmen und altarabische Gottheiten zu verehren.

Tod

ʿAmr ibn Hishām wurde Sumayyas Konversion bekannt, nachdem eine andere Sklavin, Haritha, ebenfalls mit Mohammeds Bekundungen sympathisierte. Es wird berichtet, dass Sumayya mit ihrem Mann Yasir und ihrem Sohn Ammar unter anderem unter der heißen Sonne in Kettenhemden stehen mussten, mit der Aufforderung den Islam zu verlassen. Nachdem er sie und ihre Familie folterte, erstach und tötete er Sumayya, bevor er auch ihren Mann Yasir tötete.[8][7][9]

At-Tabarī und Ibn Sa'd erwähnen ein anderes Ende von Sumayyas Leben. Sie habe einen byzantinischen Sklaven namens Al-Azraq nach Yasirs Tod geheiratet, mit dem sie al-Azraq Salama gebar, einem weiteren Bruder Ammars. Demnach wäre Ammar indirekt in der Blutlinie der Umayyaden.[1] At-Tabarī erwähnt jedoch, dass dies und andere Geschichten eine Verwechslung zwei mechanischer Frauen mit demselben Namen sein könnten.

Sumayya in der Geschichtsschreibung

Die jüngste Erwähnung von Sumayyas Ermordung lässt sich bis zur Biographie von Mohammed Sirat Rasul Allah von Ibn Ishāq zurückverfolgen. Ihren Namen Sumayya erwähnt Ibn Ishāq jedoch nur in Zusammenhang zu ihrem Sohn Ammar. Die explizite Nennung ihres Namens wird auf Ibn Sa'd und At-Tabarī zurückgeführt.

Filmische Rezeption

  • 1976: Mohammed – Der Gesandte Gottes, USA, Spielfilm, dargestellt von Rosalie Crutchley.

Literatur

  • Martin Attar: Sumaya. Die Zeit der Frauen ist gekommen, 1. Auflage, 2023, ISBN 978-3-347-89906-3.
  • Muhammad Ibn Sa'd: Kitab at-Tabaqat al-Kabir. Ed. Aisha Bewley, Band 3, London 2013, ISBN 978-1-84200-133-2, S. 178–189. Digitalisat
  • Muhammad Ibn Ishāq: The Life of Muhammad. Ed. Alfred Guillaume, Karachi 1998, ISBN 978-0-19-636033-1, S. 145. Digitalisat

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Muhammad Ibn Sa'd: Kitab at-Tabaqat al-Kabir. Hrsg.: Aisha Bewley. Band 3. Ta-Ha Publishers Ltd, London 2013, ISBN 978-1-84200-133-2, S. 188 f. 
  2. ↑ Muhammad Ibn Sa'd: Kitab at-Tabaqat al-Kabir. Hrsg.: Aisha Bewley. Band 3. Ta-Ha Publishers Ltd, London 2013, ISBN 978-1-84200-133-2, S. 203. 
  3. ↑ Martin Attar: Sumaya. Die Zeit der Frauen ist gekommen. 1. Auflage. 2023, ISBN 978-3-347-89906-3, S. 29 f. 
  4. ↑ Ibn Majah: The Book of the Sunnah. In: sunnah.com. Abgerufen am 13. November 2024 (englisch, Authentizität: hasan): „The first people to declare their Islam publicly were seven: The Messenger of Allah, Abu Bakr, 'Ammar and his mother Sumayyah, Suhaib, Bilal and Miqdad. With regard to the Messenger of Allah, Allah protected him through his paternal uncle Abu Talib. With regard to Abu Bakr, Allah protected him through his people. As for the rest, the idolators seized them and made them wear coats of chain-mail and exposed them to the intense heat of the sun.“ 
  5. ↑ Sayed A. A. Razwy: A restatement of the history of Islam & Muslims: C.E. 570 to 661. World Federation of KSI Muslim Communities, Stanmore, Middlesex 1997, ISBN 0-9509879-1-3, Uthman, the Third Khalifa of the Muslims (englisch, al-islam.org [abgerufen am 9. November 2024]): “Ammar ibn Yasser was also one of the earliest converts to Islam. As noted before, his mother and father were tortured to death by the pagans in Makkah. They were the first and the second martyrs of Islam, and this is a distinction that no one in all Islam can share with them” 
  6. ↑ Sayed A. A. Razwy: A restatement of the history of Islam & Muslims : C.E. 570 to 661. World Federation of KSI Muslim Communities, Stanmore, Middlesex 1997, ISBN 0-9509879-1-3, Abu Bakr the first Khalifa of the Muslims (englisch, al-islam.org [abgerufen am 9. November 2024]): “Ammar ibn Yasser was also one of the earliest converts to Islam. As noted before, his mother and father were tortured to death by the pagans in Makkah. They were the first and the second martyrs of Islam, and this is a distinction that no one in all Islam can share with them.” 
  7. ↑ a b Sayed A. A. Razwy: A restatement of the history of Islam & Muslims : C.E. 570 to 661. World Federation of KSI Muslim Communities, Stanmore, Middlesex 1997, ISBN 0-9509879-1-3, Early Converts to Islam and their persecution (englisch, al-islam.org [abgerufen am 9. November 2024]): “The first victims of pagan attrition and aggression were those Muslims who had no tribal affiliation in Makkah. Yasir and his wife, Sumayya, and their son, Ammar, had no tribal affiliation. In Makkah they were "foreigners" and there was no one to protect them. All three were savagely tortured by Abu Jahl and the other infidels. Sumayya, Yasir's wife, died while she was being tortured. She thus became the First Martyr in Islam. A little later, her husband, Yasir, was also tortured to death, and he became the Second Martyr in Islam. Quraysh had stained their hands with innocent blood! In the roster of martyrs, Sumayya and her husband, Yasir, rank among the highest. They were killed for no reason other than their devotion to Allah and their love for Islam and Muhammad Mustafa. Those Muslims who were killed in the battles of Badr and Uhud, had an army to defend and to support them. But Yasir and his wife had no one to defend them; they bore no arms, and they were the most defenseless of all the martyrs of Islam. By sacrificing their lives, they highlighted the truth of Islam, and they built strength into its structure. They made the tradition of sacrifice and martyrdom an integral part of the ethos of Islam.” 
  8. ↑ Muhammad Ibn Sa'd: Kitab at-Tabaqat al-Kabir. Hrsg.: Aisha Bewley. Band 3. Ta-Ha Publishers Ltd., London 2013, ISBN 978-1-84200-133-2, S. 178. 
  9. ↑ Muhammad Ibn Ishaq: The Life of Muhammad. Hrsg.: Alfred Guillaume. Oxford University Press, Karachi 1998, ISBN 978-0-19-636033-1, S. 145. 
Personendaten
NAME Sumayya bint Khayyat
ALTERNATIVNAMEN Sumayya bint Khabbat; Sumayyah bint Ḫayyāṭ; Sumayyah bint Ḫabbāṭ
KURZBESCHREIBUNG Sklavin
GEBURTSDATUM um 550
STERBEDATUM 615
STERBEORT Mekka



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Sünnet

Noir24admin Islam 21. Juni 2026

Der Sünnet (von arabisch سُنَّة / Sunna – „Sitte“, „herkömmliche Norm“) bezeichnet im islamischen Kontext als umfassendes Konzept die prophetische Tradition. die sich aus den Handlungen, Aussprüchen und Billigungen des Propheten Mohammed ableitet. Im Wörterbuch bedeutet der Begriff "Sunna" (سُنّة) wörtlich "der eingeschlagene Weg, die Methode, die praktizierte Vorgehensweise, die als Vorbild dienende Praxis, Brauch und Tradition". Der Begriff Sünnet ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch die traditionelle Beschneidung bekannt geworden, die als religiöse Praxis zum Prophetensünnet gehört. Als tragende Säule des islamischen Rechts und der Glaubenspraxis umfasst sie sowohl rituelle als auch ethische Normen, die das Leben der Gläubigen prägen.

Bedeutung des Begriffs

In der Fachterminologie zeigt der Begriff jedoch in den islamischen Wissenschaften wie Rechtswissenschaft (fiqh), Rechtsmethodik (usul al-fiqh), Hadith (Überlieferungen des Propheten) und Theologie (Kalām) unterschiedliche Nuancen, obwohl sie alle in Bezug auf den Gesandten Gottes und die Befolgung seines Weges übereinstimmen. In der Terminologie der Rechtsmethodik bezeichnet der Sünnet vorrangig die zweite der legitimierenden Quellen der Normen und wird definiert als "die Aussagen, Handlungen oder stillschweigenden Billigungen des Gesandten Gottes".[1] In der Hadithwissenschaft gibt es ebenfalls unterschiedliche Auffassungen, jedoch wird der Sünnet von der Mehrheit der Hadith-Gelehrten als synonym mit Hadith betrachtet, und die Definition zeigt Parallelen zur Rechtsmethodik. Im weiteren Sinne der Rechtsmethodik bezeichnet der Sünnet auch Handlungen, die im religiösen Sinne empfohlen, aber nicht zwingend vorgeschrieben sind. In diesem Kontext bilden die Sünnethandlungen den wichtigsten Teil der empfohlenen Handlungen, und der Begriff Sünnet wird im Bereich der Rechtsdogmatik (furu al-fiqh) verwendet, um Handlungen religiös zu bewerten.

Sprachliche Integration

Die Schreibweise „Sünnet“ hat ausgehend vom Gebrauch im Türkischen auch im Deutschen als Alternative zu „Sunna“ Eingang gefunden. Im Türkischen ist die Transformation von arabischen „-a“-Endungen zu „-et“-Endungen (z. B. ümmet, gaflet oder adalet) ein bekanntes Phänomen, das die Aussprache vereinfacht und den Begriff in die türkische Sprachphonetik integriert.[2][3]

Verwendung im Koran und Hadith

Im Koran kommt der Begriff "Sünnet" in seiner Pluralform "Sunan" an zwei Stellen vor und insgesamt sechzehn Mal. Einige dieser Stellen beziehen sich auf „die lehrreichen Ereignisse, die früheren Gemeinschaften widerfahren sind“ oder auf „die richtigen Wege, die frühere Gemeinschaften eingeschlagen haben“. In den meisten Fällen wird der Begriff jedoch verwendet, um die „Gesetzmäßigkeit oder Regelmäßigkeit bei Gottes Verfahren“ zu beschreiben.[4]

In den Hadithen wird der Begriff "Sünnet" und seine Pluralform sowohl im wörtlichen Sinne als auch im übertragenen Sinne verwendet. Er bezieht sich auf einerseits das Verhalten des Propheten, das er in seiner Eigenschaft als Prophet gelebt und gelehrt hat und anderseits das Verhalten der Kalifen und anderer Personen. Einige Beispiele aus den Hadithen: „Wer einen guten Sünnet einführt, dem wird sowohl der Lohn für diese gute Tat als auch der Lohn derer zuteil, die ihm darin bis zum jüngsten Tag folgen. Und wer einen schlechten Sünnet einführt, dem wird sowohl die Last dieser Tat als auch die Last derer auferlegt, die ihm darin bis zum jüngsten Tag folgen.“ „Folgt meiner Sünnet und der Sünnet der rechtgeleiteten Kalifen nach mir“ (Ebû Dâvûd, Sünnet, 5). Diese Hadithe gehören zur ersten Gruppe, die sich auf das Einführen von Traditionen beziehen.

Andere Hadithe betonen die Bedeutung der Befolgung der Sünnet des Propheten: „Ich habe euch zwei Dinge hinterlassen. Wenn ihr daran festhaltet, werdet ihr niemals irrgehen: das Buch Gottes und den Sünnet meiner“ (el-Muvaṭṭaʾ, Ḳader, 3). „Wer sich von meiner Sünnet abwendet, gehört nicht zu mir.“ (Buhârî, Nikâḥ, 1; Müslim, Nikâḥ, 5) Diese Hadithe gehören zur zweiten Gruppe, die die Sünnet des Propheten als verbindlichen Wegweiser betonen.[5] In den Hadith-Quellen wird das Sammeln von Überlieferungen des Propheten und das Bemühen, das Leben gemäß diesen Überlieferungen zu gestalten, mit Ausdrücken wie „ittibâu’s-sünne“ (Befolgung der Sünnet) oder „el-i‘tisâm bi’s-sünne“ (Festhalten an der Sünnet) beschrieben.

Literatur

  • Saʿd al-Dīn al-Teftâzânî: Şerḥu’t-Telvîḥ. Band II. Kairo 1957, S. 2. 
  • Lewis, Geoffrey: The Turkish Language Reform: A Catastrophic Success. 1999. 
  • Kornfilt, Jaklin: "Turkish Grammar." 1997. 
  • Durrell, Martin: "Hammer's German Grammar and Usage." 2017. 
  • Weinreich, Uriel: "Languages in Contact: Findings and Problems." 1953. 
  • M. F. Abdülbâkī: al-Muʿjam al-Mufahras li-Alfâẓ al-Qurʾân al-Karîm. Dâr al-Hadîth, Kairo 1945. 
  • A. J. Wensinck: al-Muʿjam al-Mufahras li-Alfâẓ al-Hadîth al-Nabawî. Brill, Leiden 1936. 
  • Murteza Bedir: Sünnet. Abgerufen am 12. März 2025.
  • Hadithquellen:
    • Ibn Mâce: Sunan. Band I. Kairo o. J., S. 89.
    • Ebû Dâvûd: Sunan. Band IV. Beirut: Dâr al-Kutub al-ʿIlmiyya o. J., S. 200.
    • Mālik ibn Anas: al-Muwaṭṭaʾ. Band II. Beirut: Dâr al-Gharb al-Islâmî o. J., S. 899.
    • al-Bukhârî: Sahîh. Band VII. Kairo: Dâr al-Hadîth o. J., S. 2.
    • Muslim: Sahîh. Band IV. Beirut: Dâr Iḥyâʾ al-Turâth al-ʿArabî o. J., S. 183.

Einzelnachweise

  1. ↑ Saʿd al-Dīn al-Teftâzânî: Şerḥu’t-Telvîḥ. Band II. Kairo 1957, S. 2. 
  2. ↑ Lewis, Geoffrey: The Turkish Language Reform: A Catastrophic Success. 1999. 
  3. ↑ Kornfilt, Jaklin: "Turkish Grammar." 1997. 
  4. ↑ M. F. Abdülbâkī: al-Muʿjam al-Mufahras li-Alfâẓ al-Qurʾân al-Karîm. Dâr al-Hadîth, Kairo 1945. 
  5. ↑ A. J. Wensinck: al-Muʿjam al-Mufahras li-Alfâẓ al-Hadîth al-Nabawî. Brill, Leiden 1936. 



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