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Mordfall von Sondershausen

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

Als Mordfall von Sondershausen wird die Ermordung des 15-jährigen Schülers Sandro Beyer im Jahr 1993 durch die drei damaligen Mitglieder der später dem NS-Black-Metal zugeordneten Band Absurd bezeichnet. Mit Schlagzeilen wie Satansmord von Sondershausen[1][2] erregte der Fall deutschlandweit Aufsehen. Der Mord bewirkte, dass die Band im rechtsextremen Teil der Black-Metal-Szene Kultstatus erlangte.

Hergang

Das Rondell Sondershausen, wo sich die drei Jugendlichen mit Beyer trafen

Am 29. April 1993 lockten die drei Jugendlichen Sebastian Schauseil, Hendrik Möbus und Andreas K. den 15-jährigen Schüler Sandro Beyer zu einem Treffen bei einem im Wald befindlichen Kriegerdenkmal auf dem Rondell Sondershausen. Die Nachricht mit der Einladung zu diesem Treffen bekam Sandro Beyer über einen Zettel, den ihm eine mit Schauseil befreundete Schülerin zusteckte. In einer unbenutzten Waldhütte, die Möbus’ Eltern gehörte, fesselten sie ihn an einen Schaukelstuhl, wo er dann gegen 20 Uhr durch Erdrosseln mit einem Stromkabel ermordet wurde. Anschließend vergruben sie die Leiche in einer Baugrube nahe der Hütte.

Am siebten Tag nach der Vermisstenanzeige wurde die Leiche nach einer von Andreas K. angefertigten skizzenartigen Beschreibung gefunden und ausgegraben. Am 12. Mai wurde Sandro Beyer in Sondershausen beerdigt.

Prozess

Als Sebastian Schauseil im Verhör mit den Tatsachen konfrontiert wurde, gestand dieser den Tathergang zunächst, den er in allen Einzelheiten und äußerst ruhig beschrieb. Weiter sagte Schauseil, dass es kein rational nachvollziehbares Motiv für die Tat gegeben habe, dass Sandro Beyer ein beliebiges Opfer gewesen sei und dass er schon immer einmal einen Menschen töten wollte, um zu spüren, wie es sich anfühle. Vor Gericht widerrief er das Geständnis auf Anraten seiner Verteidiger und die Gruppe legte sich darauf fest, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe und dass sie Beyer nicht töten, sondern nur erschrecken wollten.

Das Gericht befand, dass „die ständige Beschäftigung mit satanistischem Gedankengut und mit Tötungsdarstellungen in Filmen“[3] die Hemmschwelle herabgesetzt habe, sodass eine solche Tat möglich wurde:

„Wir sind davon überzeugt, dass die Tat ohne diesen Hintergrund nicht möglich gewesen wäre. Ganz egal, aus welchen Motiven Sie sich damit beschäftigten, Sie haben die Achtung vor dem Menschen, vor seiner Würde verloren.“

– Richter Jürgen Schuppner[4]

Insbesondere der Film Tanz der Teufel wurde dabei genannt, der als Vorlage für den Mord und das Vergraben der Leiche gedient haben soll, da dort die Beteiligten ebenfalls die Leiche einer gewandelten Frau in ein Bettlaken wickeln und im Wald nahe der Holzhütte vergraben. Hendrik Möbus betrieb zudem privat einen regen Handel mit schwarzkopierten Filmen, von denen viele indiziert waren. Außerdem schrieb er äußerst blutrünstige Kurzgeschichten.

Nach Aussagen der Täter stand die Tat in keinem satanistischen Zusammenhang. In der ARD-Dokumentation Der Satansmord – Tod eines Schülers präzisierte der Richter Jürgen Schuppner acht Jahre nach der Urteilsverkündung seine Aussage bezüglich des satanistischen Zusammenhangs:

„Es war in gewisser Hinsicht ein Satansmord aufgrund dieses Hintergrundes, aber die Ausführung der Tat hatte nicht das geringste mit einem Ritual oder mit einer satanistischen Tat zu tun. […] Es fehlt jeder rituelle Hintergrund, es fehlt die Vorbereitung, es fehlt die Ausstaffierung …“

– Richter Jürgen Schuppner[5]

Die Staatsanwaltschaft hatte für jeden der Täter zehn Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Sebastian Schauseil und Hendrik Möbus wurden am 9. Februar 1994 wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung als Haupttäter im Prozess vor dem Landgericht Mühlhausen zu acht Jahren Haft verurteilt, während der als Mitläufer betrachtete Andreas K. sechs Jahre Haft bekam. Das Gericht blieb im Urteil deutlich unter der zulässigen Jugendstrafe, da man den Jugendlichen die Rückkehr in ein normales Leben ermöglichen wollte. Sie kamen alle drei in die Justizvollzugsanstalt Erfurt, wo sie im gleichen Bereich untergebracht wurden, obwohl das Gericht auf eine getrennte Unterbringung der drei plädiert hatte.

Haft

Die Täter holten während der Haftstrafe ihr Abitur nach. Sebastian Schauseil schrieb einen Brief an den Sondershausener Pfarrer Jürgen Hauskeller, der Beyer damals beerdigt hatte, um ihn um Unterstützung dabei zu bitten, mit dem Mord und den damit verbundenen Auswirkungen für ihn zurechtzukommen.

Im Gefängnis konnten die Täter ihre Band unter dem Namen In Ketten weiterführen. Ihre zu dieser Zeit aufgenommene und veröffentlichte Kassette Thuringian Pagan Madness zeigt auf dem Cover das Grab des ermordeten Sandro Beyer mit dem Zusatz: „The cover shows the grave of Sandro B. murdered by horde ABSURD on 29.04.93 AB.“ auf der Innenseite.

Aus ihren Jugendstrafen wurden die Bandmitglieder 1998 auf Bewährung entlassen. Hendrik Möbus wurde am 25. August 1998 als Letzter entlassen, nachdem er den Mord vorgeblich bedauert hatte.[6] Einen Monat später zeigte Möbus bei einem Absurd-Konzert den Hitlergruß, wofür er eine Freiheitsstrafe von acht Monaten erhielt. Nachdem bekannt geworden war, dass er in einem Interview für das Buch Lords of Chaos sein Opfer als „Volksschädling“ verhöhnte, wurde seine Bewährung schließlich widerrufen.[7] Er flüchtete in die USA und tauchte bei einem befreundeten Neonazi, dem Gründer der National Alliance, William Pierce, unter. Dort wurde er am 26. August 2000 vom United States Marshals Service aufgegriffen. Möbus stellte einen Asylantrag und gleichzeitig wurde auf einer Webseite unter dem Motto „Free Hendrik Möbus“ eine Solidaritätskampagne eingerichtet, bei der behauptet wurde, es handele sich bei Möbus um einen politischen Gefangenen. Möbus versuchte den Fall so darzustellen, dass seine Menschenrechte verletzt würden. 2001 kam Möbus nach einem gescheiterten Asylantrag zum Absitzen seiner dreijährigen Reststrafe erneut in ein deutsches Gefängnis.[8]

Berichterstattung in der Presse

Dass die Tat einen satanistischen Hintergrund hatte, wurde vor allem in den Jahren kurz nach dem Verbrechen und der Verurteilung der Täter in den Massenmedien bis hin zu der Bezeichnung „Satansmord von Sondershausen“ kolportiert. Der Spiegel stellte die Tat im Mai 1993 in eine Reihe mit weiteren Taten und Suiziden mit angeblich satanischen Hintergründen[9] und berichtete im Januar 1994 über das laufende Verfahren.[10] Im Oktober 1994 griff das Magazin die Rezeption der Tat in der damaligen Black-Metal-Szene auf und stellte Zusammenhänge zu dem Mord an Øystein Aarseth und rechtsradikalen Gruppierungen her.[11]

Als 2001 Manuela und Daniel Ruda aus dem Ruhrgebiet den 33-jährigen Frank H. ermordeten, wurde das in der Presse als „neuer Satansmord“ (siehe Mordfall von Witten) bezeichnet. Bei den Tätern wurde u. a. eine „Feindliste“ gefunden, die den Namen von Sandro Beyers Mutter enthielt.[12]

Spekulationen über das Motiv

Sandro Beyer musste laut der ARD-Dokumentation Der Satansmord – Tod eines Schülers vermutlich sterben, weil er den Kontakt zu der Gruppe suchte, diese ihn jedoch ablehnte. In der Schülerzeitung äußerte sich Möbus zuvor in Bezug auf seine Band Absurd, dass Sandro Beyer keiner von ihnen sei, mit dem Zusatz „Also beherzigt meine Worte und ihr lebt vielleicht noch ein wenig länger. Vielleicht.“[13] Für die Annahme, dass der Mord an Beyer keine spontane Tat war, spricht die Aussage von Möbus’ früherer Freundin, sie habe mehrmals Mordankündigungen in Bezug auf Sandro mitbekommen, diese jedoch immer für einen Scherz gehalten. Ein weiterer möglicher Grund für die Tat wäre, dass Beyer von Möbus’ illegalem Schwarzkopieren von Filmen wusste.

Hendrik Möbus behauptete im Briefwechsel mit Michael Moynihan, aus dem das Interview für dessen Buch Lords of Chaos entstand, in Wahrheit sei Beyer ermordet worden, weil er das Verhältnis des damals siebzehnjährigen Schauseil mit einer verheirateten Katechetin, die von ihm schwanger gewesen sei, an die Öffentlichkeit habe bringen wollen.[14]

In einem Interview erklärte Möbus später, dass er wegen des Mordes keine Schuldgefühle habe und ihm das Opfer nichts bedeutete und „im Grunde genommen egal“ gewesen sei.[15]

Literatur

  • Christian Dornbusch, Hans-Peter Killguss: Unheilige Allianzen. Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Unrast Verlag, 2005, ISBN 3-89771-817-0.
  • Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene, 3. erw. Auflage, Berlin, 2001, ISBN 978-3-86153-232-3

Film

  • Ulrike Baur: Der Satansmord – Tod eines Schülers, Die großen Kriminalfälle, Das Erste (Online auf YouTube)

Einzelnachweise

  1. ↑ Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung (Memento vom 17. April 2012 im Internet Archive), abgerufen am 23. August 2021
  2. ↑ Der Satansmord - Der Satansmord – Tod eines Schülers - Sendungs A bis Z - ARD | Das Erste. 6. Februar 2019, abgerufen am 22. August 2021. 
  3. ↑ Landgericht Mühlhausen, Urteil in der Strafsache gegen Andreas K., Hendrik M., Sebastian S., 9. Februar 1994, Aktenzeichen 280 Js 52177/93, S. 23; zitiert nach: Dornbusch/Killguss: Unheilige Allianzen. Unrast Verlag, 2005, ISBN 3-89771-817-0, S. 53, 298.
  4. ↑ zitiert nach: Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene, 3. erw. Auflage, Berlin, 2001, ISBN 978-3-86153-232-3, S. 256.
  5. ↑ Interview im Rahmen der Reihe Die großen Kriminalfälle aus dem Jahr 2001.
  6. ↑ Christian Dornbusch, Hans-Peter Killguss: Unheilige Allianzen. Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Unrast Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-817-0, S. 148. 
  7. ↑ @1@2Vorlage:Toter Link/www.politische-bildung-brandenburg.deStile. Rechtsrock entwickelte sich weiter und öffnete sich für andere Stile (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive). Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.
  8. ↑ Christian Dornbusch, Hans-Peter Killguss: Unheilige Allianzen. Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Unrast Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-817-0, S. 156 f. 
  9. ↑ Schwarze Pfote. In: Der Spiegel, 20/1993, S. 128f.
  10. ↑ Das Trio vom Totenberg. In: Der Spiegel, 3/1994, S. 72f.
  11. ↑ Infernus und Opferblut. In: Der Spiegel, 41/1994, S. 91f.
  12. ↑ Klaus Miehling: Gewaltmusik, Musikgewalt: populäre Musik und die Folgen. Königshausen & Neumann, 2006, ISBN 3-8260-3394-9, S. 236. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  13. ↑ zitiert nach dem Dokumentarfilm Der Satansmord – Tod eines Schülers.
  14. ↑ Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos, First Edition, Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 256.
  15. ↑ Bericht über Absurd in Spiegel-TV, abgerufen auf Youtube



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Mordfall von Witten

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Ort des Geschehens

Bei dem Mordfall von Witten handelt es sich um die Ermordung des 33-jährigen Frank H. durch das Ehepaar Daniel (* 1975) und Manuela Ruda (* 1978)[1] aus Witten im Ennepe-Ruhr-Kreis am 6. Juli 2001. Die Bild-Zeitung prägte den Begriff Satansmord von Witten. Die nachfolgenden Medienberichte führten dazu, dass Teile der Schwarzen Szene des Satanismus verdächtigt wurden.

Ablauf

Unter dem Vorwand, eine Abschiedsfeier zu veranstalten, wurde Frank H., ein Arbeitskollege Daniel Rudas, in die Wohnung des frisch verheirateten Paares gelockt. Dort wurde er mit zahlreichen Messerstichen, Hammerschlägen und einer Machete ermordet und zerstückelt.[2][3]

Einen Tag später wurde die Leiche in der Wohnung entdeckt, in der sich auch auf den Kopf gestellte Kreuze, Totenköpfe, ein Sarg und Siegrunen fanden. Die Rudas waren geflohen, konnten aber nach einer Woche von der Polizei in der Nähe von Jena gestellt werden.[2] Der Wagen des Paares war mit okkulten Ornamenten und Schriftzügen dekoriert;[4] die Flüchtenden hatten sich zur Tarnung die Köpfe kahlrasiert.[2]

Gerichtsverhandlung und Urteil

Die Leiche wurde durch eine DNA-Analyse identifiziert.[4] In der Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Bochum sprachen Daniel Ruda und seine Partnerin vom Teufel, der sie zu dem Mord getrieben habe.[5] Beide wurden im Januar 2002 zu Freiheitsstrafen verurteilt; Daniel Ruda zu fünfzehn Jahren und Manuela Ruda zu dreizehn Jahren, und zudem in den Maßregelvollzug eingewiesen.[6] Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils ein Jahr weniger gefordert.[7] Wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die dem Gutachter Norbert Leygraf zufolge bei beiden Tätern vorlag, gingen die Richter von verminderter Schuldfähigkeit aus.[2] Das angeklagte Paar ließ sich kurz nach dem Prozess scheiden.[8]

Anfang Juli 2011 stellte der Verteidiger von Daniel Ruda, Hans Reinhardt, den Antrag, seinen Mandanten nach zwei Dritteln der Strafdauer zu entlassen und die Reststrafe zur Bewährung auszusetzen. Die zuständige Strafkammer entschied sich aber nach der Anhörung gegen eine vorzeitige Freilassung und begründete dies vor allem mit der fehlenden Bereitschaft zu einer Therapie. Daniel Ruda verblieb bis zum Jahr 2004 in der Psychiatrie. Danach verbüßte er aufgrund seiner Therapieverweigerung seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Bochum. Manuela Ruda war hingegen einer Therapie in der Psychiatrie Eickelborn gegenüber aufgeschlossen und erreichte bewachten Ausgang.[9] Im Jahr 2006 wurde sie aus der Haft entlassen. 2016 wurde gegen Daniel Ruda erneut Anklage erhoben, da er 2010 aus der Haft heraus die Ermordung seiner Ex-Frau geplant haben soll.[10] Von diesem Vorwurf wurde er allerdings freigesprochen.[11] Im Jahr 2017 wurde auch Daniel Ruda aus der Haft entlassen.[12]

Hintergrund

Manuela Ruda wandte sich mit 13 Jahren der Gothic-Szene zu[13] und bezeichnete sich später als Anhängerin des Satanismus. Den Aussagen Bekannter nach verstand sie sich zudem als Domina[14] und arbeitete als BDSM-Model.[15] Sie dachte laut Hans-Werner Loose, sie würde zum Vampir, und trank das Blut ihres Partners, der auch ihr Blut trank.[16]

Auf ein Fenster der Wohnung war der Schriftzug When Satan lives geschrieben.[17] Ferner fand die Polizei in der Wohnung eine Namensliste mit Personen, die daraufhin unter Polizeischutz gestellt wurden. Die Rudas besuchten auf ihrer Flucht den Friedhof, auf dem sich Sandro Beyers Grab befindet, nach Angaben der Berliner Zeitung mit der Absicht, das Grab Beyers zu schänden.[18]

Das Paar hatte daneben Kontakt in die Neonazi-Szene. So war einer von Daniel Rudas engsten Freunden, den er auch oft besucht hatte, ein aktiver Neonazi aus Moers. Ruda, der zuvor noch in Herten im Kreis Recklinghausen wohnhaft war, wurde 1998 vom Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Recklinghausen, Wolfgang Kevering, dort als Wahlhelfer für die anstehende Bundestagswahl nominiert. Kevering hatte bereits 1973 auf dem Hertener Wilhelmsplatz eine 23-jährige Frau ermordet.[19] Zur bundesweit zentralen Wahlkampf-Demonstration der Partei, die am 19. September 1998 in Rostock stattfand, war Daniel Ruda ebenso anwesend.[20] Nach dem Wahlkampf zog er sich von der Neonazi-Szene zurück und wandte sich der Gothic-Metal-Szene zu.[21]

Buchveröffentlichungen

Drei Jahre nach der Verurteilung erschien Daniel Rudas Buch Fehlercode 211, der „Satansmord“ von Witten – was wirklich geschah. Der Titel bezieht sich auf den Mordparagraphen, § 211 des deutschen Strafgesetzbuches.[8]

In dem Buch gab Ruda an, dass er die Geschichte von der Stimme des Teufels vor Gericht erfunden habe, um seine Frau zu schützen, der er die Schuld an dem Mord zuwies. Er selbst habe mit dem Mord nichts zu tun gehabt und sei kein Satanist gewesen. Sein früherer psychiatrischer Gutachter Norbert Leygraf bezeichnete diese Aussagen als „lächerlich“ und das Buch als Beweis für die narzisstische Persönlichkeitsstörung, an der Ruda leide.[8]

Manuela Ruda veröffentlichte ein Gastkapitel in Rainer Fromms Buch Schwarze Geister, Neue Nazis, in dem sie ihre Schuld eingesteht und angibt, zum Tatzeitpunkt „den Blick für die reale Welt und für den Respekt [ihren] Mitmenschen gegenüber schon längst verloren“ zu haben.[22] Sie distanzierte sich von Anhängern der Schwarzen Szene, die ihre Tat als Vorbild nahmen, sowie den beiden ihr bekannten Nachahmungstaten.[23][24]

Einfluss auf die Schwarze Szene

Die Berichterstattung der Massenmedien beeinflussten das Fremdbild der Schwarzen Szene, die nun verstärkt mit dem Satanismus-Vorwurf konfrontiert wurde.[25] Als nach dem Mord Journalisten die Schwarze Szene untersuchten und in einigen Berichten der Satanismus als Einflussfaktor der Bewegung hervorgehoben wurde, gab es kaum Stellungnahmen der Magazine zur Tat. Eine Ausnahme stellte das Zillo dar, das versuchte, die Geschehnisse aufzuarbeiten.[26] Nach Fichtner und Sterneck wurden die beiden Täter in Teilen der Schwarzen Szene zeitweise zu Stars im Stile von Charles Manson stilisiert.[27]

Am Fluchtauto der Rudas befand sich auch ein Aufkleber des Musikprojektes SOKO Friedhof, welches von David A. Line gegründet wurde, auf dem das Wort „Grabschönheit“ stand, benannt nach dem Debüt-Album Grabschönheiten. In den Medien wurde die Band aufgrund dessen kritisiert und teilweise in einen Kontext mit dem Mordmotiv gestellt, da sie in Liedern wie Und aß sein Herz Sprachsamples verwendet, die aus Horrorfilmen stammten, in denen es um klischeehafte Darstellungen von satanistischen Ritualen und Opferriten ging.

An der Fahrer- und Beifahrertür befanden sich Aufkleber mit der Aufschrift Kadaververwertungsanstalt – Bunkertor 7, Dachau, einem Bezug zu einem Liedtitel des deutschen Musikprojekts Wumpscut.[28] Der Gründer dieses Musikprojekts, Rudy Ratzinger, wurde ebenfalls als Motivgeber für den Mord kritisiert und mehrfach in der Presse zu dem Thema befragt. Mit Liedern wie War rufe er zu Gewalt und Mord auf. Entsprechende Vorwürfe wurden auch nach dem Amoklauf von Kauhajoki im Jahre 2008 gegen ihn erhoben.[29] Ratzinger veröffentlichte eine Collage aus verschiedenen Presseberichten namens Ruda im Internet, die laut Eigenaussage als „Reaktion auf das Geschehene“[30] zu werten sei.[31]

Literatur

  • Wolfgang Berke, Jan Zweyer: Just Call Me Lucifer. Der „Satansmord“ von Witten. In: Echt kriminell. Die spektakulären Fälle aus dem Ruhrgebiet. Klartext Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0705-8, S. 84–89. 
  • Daniel Ruda: Fehlercode 211. Der „Satansmord“ von Witten – was wirklich geschah. Haag und Herchen, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-89846-265-X. 
  • Manuela Ruda: Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit. In: Rainer Fromm (Hrsg.): Schwarze Geister, Neue Nazis. Jugendliche im Visier totalitärer Bewegungen. Olzog Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7892-8207-2, S. 322. 

Weblinks

  • Daniel Müller: Spektakuläre Kriminalfälle: Der Satansmord mit 66 Messerstichen aus Witten. In: welt.de. 29. September 2008, abgerufen am 30. Juli 2023. 
  • Der "Satansmord von Witten" – Mord im Pott, YouTube, Online Radio 91.2, 1. Februar 2021
  • WDR-Lokalzeit MordOrte: Der Satansmord von Witten | Lokalzeit MordOrte, 14. März 2022

Einzelnachweise

  1. ↑ Susanne Schild: Gerichtsreporter erinnert an Satanistenmord in Witten. In: waz.de. 25. Oktober 2021, abgerufen am 30. Juli 2023. 
  2. ↑ a b c d Daniel Müller: Spektakuläre Kriminalfälle. Der Satansmord mit 66 Messerstichen aus Witten. In: Welt Online. 29. September 2008, abgerufen am 1. November 2011. 
  3. ↑ Infoportal Rituelle Gewalt: Der sogenannte “Satansmord” von Witten – Daniel und Manuela Ruda. Abgerufen am 1. Oktober 2023. 
  4. ↑ a b Satanisten-Paar auf der Flucht. In: Spiegel online. 11. Juli 2001, abgerufen am 1. November 2011. 
  5. ↑ Wittener Ritualmord: Angeklagte glaubt an "Befehl des Teufels". In: RZ-Online. 16. Januar 2002, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. September 2020; abgerufen am 1. November 2011. 
  6. ↑ Urteil: Geschlossene Psychiatrie für Satanisten-Paar. In: Spiegel Online. 31. Januar 2002, abgerufen am 30. Juli 2023. 
  7. ↑ Urteil im Satanisten-Prozess. Grinsen im Gesicht. In: Spiegel Online. 31. Januar 2002, abgerufen am 1. November 2011. 
  8. ↑ a b c Frank Nordhausen: "Ruhe sanft, Freund". Berliner Zeitung, 28. Juli 2004, abgerufen am 10. Dezember 2016. 
  9. ↑ Jürgen Augstein: Satanisten-Mörder Daniel Ruda bleibt im Gefängnis. WAZ, 6. Juli 2011, abgerufen am 9. Dezember 2016. 
  10. ↑ Britta Bingmann: Neue Anklage gegen Satanistenmörder Daniel R. In: WAZ.de. 9. Dezember 2016, abgerufen am 9. Dezember 2016. 
  11. ↑ Bernd Kiesewetter: Freispruch für Wittener Ex-Satanisten Daniel Ruda. WAZ, 1. Juni 2017, abgerufen am 1. Juni 2017. 
  12. ↑ Daniel Sobolewski: Plötzliche Entlassung! Satans-Mörder Daniel Ruda nach 16 Jahren Haft wieder frei. In: Der Westen. 15. September 2017, abgerufen am 5. April 2020. 
  13. ↑ Jugend 1996, Jugendszene Deutschland, Teil 7, „Unsere Nächte sind bunter als eure Tage“ Reportage im Stern 32/1996, S. 74 und S. 76.
  14. ↑ Sebastian Hamelehl: Satans wirre Brut. In: Welt am Sonntag. 29. Juli 2001, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 1. Juni 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/www.welt.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive) 
  15. ↑ Hans-Werner Loose: Getrieben vom Hass auf die Menschen. In: Welt am Sonntag. 2. Dezember 2001, abgerufen am 1. Oktober 2012. 
  16. ↑ Hans-Werner Loose: Sie dachte, sie werde zum Vampir. In: Welt am Sonntag. 13. Januar 2002.
  17. ↑ „Wenn Satan lebt“. Grausiger Ritualmord in Witten. In: Rheinische Post, 10. Juli 2001.
  18. ↑ Der Mordfall von Witten
  19. ↑ Spektakuläre Kriminalfälle: Der Satansmord mit 66 Messerstichen aus Witten - WELT. Abgerufen am 10. Oktober 2024. 
  20. ↑ Kontakt zur NPD in Recklinghausen: Satansmörder war NPD-Wahlhelfer In: Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung, Nr. 526, 18. Juli 2001.
  21. ↑ Flirting with Hitler. In: The Guardian, 16. November 2002.
  22. ↑ Manuela Ruda: Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit. In: Rainer Fromm (Hrsg.): Schwarze Geister, Neue Nazis: Jugendliche im Visier totalitärer Bewegungen. Olzog Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7892-8207-2, S. 322. 
  23. ↑ Manuela Ruda: Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit. 2008, S. 324. 
  24. ↑ Satanistin Manuela Ruda distanziert sich vom Satanismus (Artikel über ihr Interview mit dem ZDF-Magazin aspekte). flensburg-online.de, 7. April 2006, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. August 2017; abgerufen am 24. April 2019. 
  25. ↑ Satanismus. In: Peter Matzke, Tobias Seeliger (Hrsg.): Das Gothic- und Dark Wave-Lexikon. Die Schwarze Szene von A-Z. Erweiterte Neuausgabe. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-522-8, S. 481. 
  26. ↑ Tania Krings, Kirsten Borchardt: Wir sind keine Mörder! In: Zillo. Nr. 9, 2001, S. 10–12 (an-l-ichris-l-.beepworld.de (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive) [abgerufen am 1. Juni 2017]). 
  27. ↑ San Fichtner, Wolfgang Sterneck: Medienkiller. Kodes eines medialen Mordes. Ikonen, abgerufen am 3. November 2011. 
  28. ↑ Hammer-Mord: Satanisten-Paar auf der Flucht. Spiegel, 11. Juli 2001, abgerufen am 27. August 2020. 
  29. ↑ Malte Arnsperger: Gothic-Band "Wumpscut". Amoklauf zu bayerischer Musik. In: Stern. 4. Oktober 2008.
  30. ↑ :WUMPSCUT: – „… zu den aktuellen Ereignissen in deutschen Gerichtsälen!“ the-gothicworld.de, Februar 2002, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juni 2010; abgerufen am 1. November 2011. 
  31. ↑ :wumpscut: Mord in Witten. Offizielle Website von Wumpscut, 17. Juli 2001, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. November 2014; abgerufen am 1. November 2011. 

51.4414887.330431Koordinaten: 51° 26′ 29,4″ N, 7° 19′ 49,6″ O




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Giftaffäre

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

Die Giftaffäre (frz. affaire des poisons) war ein Skandal in den Jahren 1675 bis 1682 um eine Serie von Morden in Frankreich während der Regierungszeit von Ludwig XIV. Während dieser Zeit wurden zahlreiche Personen, darunter Prominente und Adlige, des Giftmordes, der Hexerei und anderer Vergehen, zu denen damals z. B. auch Abtreibungen (= sogenannter „Kindsmord“) gehörten, verdächtigt und/oder deretwegen verurteilt. Wie viel von den Vorwürfen auf Tatsachen beruhte, wie viel auf Erfindungen, ist bis heute ungeklärt.

Vorgeschichte

Marie-Madeleine de Brinvilliers wird vor ihrem Tod gefoltert

Die Prozessserie begann im Jahr 1675, als Marie-Madeleine de Brinvilliers mit ihrem Geliebten, Hauptmann Godin de Sainte-Croix, ihren Vater vergiftete und ihre Brüder ermorden ließ. Ihre Schwester überlebte einen Anschlag. De Brinvilliers wurde mit dem Schwert enthauptet und ihr Leichnam anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.[1] Im Rahmen der Ermittlungen gab es viele Gerüchte um weitere mysteriöse Todesfälle.

Ihr Prozess lenkte die Aufmerksamkeit auf andere rätselhafte Todesfälle im Umfeld von Prominenten. Zahlreiche Personen vom königlichen Hof in Versailles, aus dem Hochadel und dem direkten Umfeld des Königs wurden in die Affaire hineingezogen. Ein besonders fataler Verdacht fiel auf die königliche Mätresse Madame de Montespan, die u. a. mit Hilfe von Liebestränken und Schwarzen Messen ihre Nebenbuhlerinnen im Herzen des Königs verdrängt haben soll.

Schließlich setzte Ludwig XIV. eine Kommission ein, die unter dem Namen Chambre ardente (franz. glühende Kammer) bekannt war, da ihre Verfahren in einem schwarz verhängten, durch Kerzen erhellten Raum stattfanden, und beauftragte den Pariser Polizeipräfekten La Reynie, den satanistischen Zirkel auffliegen zu lassen.

Die Ermittlungen

Die Polizei ermittelte gegen eine Reihe von Wahrsagern und Alchemisten, die im Verdacht standen, nicht nur Wahrsagerei und spiritistische Sitzungen zu betreiben, sondern auch Aphrodisiaka und „Erbschaftspulver“ (also Gift) zu vertreiben. Ihre Kundinnen wollten sich damit entweder ihrer Ehemänner oder ihrer Rivalinnen bei Hofe entledigen.

La Voisin

1677 leitete La Reynie strenge Untersuchungen im sog. Cour des poisons ein. Dieser bestand bis 1680. Die Affäre zog schnell immer weitere Kreise. Ein angeblicher Pariser Hexenzirkel würde Frankreichs Aristokraten mit Gift versorgen und einige Mitglieder des französischen Hofs seien schon durch Vergiftung getötet worden. La Reynie entlarvte mehrere Mitglieder des Zirkels, darunter zahlreiche Adlige, einen Bankier und einen Rechtsanwalt, die zum Kundenkreis der angeblichen Hexe und Hebamme Catherine Monvoisin Deshayes (auch La Voisin genannt) gehörten.

Die Nachforschungen richteten sich auch gegen den angesehenen Apotheker und Chemiker Christophe Glaser, aus dessen Apotheke die Marquise de Brinvilliers und der Chevalier Sainte-Croix die nötigen Zutaten bezogen hatten. Dieser wurde zwar entlastet, aber in der Folge wurde Apothekern und Drogisten in Frankreich gesetzlich auferlegt, ein so genanntes Giftbuch zu führen, in dem die Namen der Käufer von Giften aufgeführt werden mussten. La Reynie ließ auch Giftvorräte, die an verschiedenen Orten in ganz Frankreich versteckt waren, beschlagnahmen. Es gelang ihm jedoch nicht, Informationen über weitere Mittäter in Erfahrung zu bringen.

Durch Zufall wurde ein Jurist auf eine Wahrsagerin, Marie Bosse, aufmerksam, die sich brüstete, dass es nur noch dreier Giftmorde bedürfe, um sich zur Ruhe setzen zu können. Der Jurist benachrichtigte daraufhin die Polizei. Um etwas gegen Marie Bosse in der Hand zu haben, stellte La Reynie ihr eine Falle. Eine Agentin, die eine Ehefrau spielte, die ihren Mann loswerden wollte, kaufte von der Verdächtigen eine Flasche Gift. Daraufhin drang die Polizei in das Haus ein und verhaftete Marie Bosse, eine andere Wahrsagerin, La Dame Vigoreux (die ehemalige Geliebte zweier früherer Ehemänner Bosses), deren Tochter und zwei Söhne.

Die beiden Wahrsagerinnen leugneten alle Anschuldigungen, beschuldigten sich gegenseitig, nannten aber die Namen von Komplizen: einen Mann namens Vanens, die Kontaktperson zu dem Giftring, sowie die Wahrsagerin Catherine Monvoisin, bekannt als La Voisin. Die Wahrsagerin La Filastre gestand, bei einer schwarzen Messe ihr eigenes Neugeborenes geopfert zu haben. Ein weiterer „Zauberer“, der Okkultist Adam Lesage, wurde durch Folter zu einem Geständnis gezwungen und denunzierte Pater Davot und Abbé Mariette. Beide sollen in La Voisins Kapelle über den Leibern nackter Mädchen schwarze Messen gelesen haben. Pater Touret sollte in der Öffentlichkeit Geschlechtsverkehr mit einem Mädchen gehabt haben. Auch Abbé Guibourg war angeklagt, schwarze Messen mit nackten Frauen gefeiert zu haben. Unter der Folter gestand er den Mord an einem Kinde, dem er die Kehle durchschnitten und dessen Blut in einem Kelch aufgefangen hatte. Das Herz und die Eingeweide wurden bei späteren Messen verwendet. La Voisins sechzehnjährige Tochter und eine der drei Geliebten des Abbés bestätigten diese Darstellung. Bei einer anderen Messe vermischte Guibourg das Menstruationsblut von Mademoiselle des Œillets, der Kammerzofe von Madame de Montespan, mit dem Samen ihres Gefährten und dem getrockneten Blut von Fledermäusen, um einen Trank herzustellen, der ihren Einfluss auf den König vergrößern sollte. Auch an die Witwe des verstorbenen Präsidenten des französischen Parlaments sowie an den Cousin eines der Richter in dem Prozess wurde Gift verkauft.

Der französische Hof unter Verdacht

Da es schon 1670, nach dem plötzlichen Tod von Henriette, der Herzogin von Orléans, Gerüchte gab, dass diese von ihrem Gatten, dem Bruder des Königs, und / oder von dessen Favoriten, dem Chevalier de Lorraine, vergiftet worden sei,[2] konzentrierte La Reynie seine Ermittlungen auf die Hofgesellschaft in Versailles.

Erst wurde Madame de Poulaillon entlarvt, die versucht hatte, ihren alten Ehemann zu vergiften, um in den Besitz seines Vermögens zu gelangen. Aber dieser hatte die Gefahr geahnt und war in ein Kloster geflohen. Nach und nach wurden immer höhergestelltere Verdächtige angeklagt, unter ihnen der Tragödiendichter Jean Racine, der eine Haftstrafe erhielt, sie aber nicht antrat. Madame de Lusignan wurde vorgeworfen, mit ihrem Priester nackt im Wald herumgesprungen zu sein und eine Osterkerze zu obszönen Zwecken missbraucht zu haben.

Olympia Mancini floh mit ihren Kindern nach Holland

Am 23. Januar 1680 wurden Olympia Mancini und die Herzogin von Bouillon (beide Nichten von Kardinal Mazarin), die Marquise d' Allnye, die Marquise von Polignac, der Graf von Clermont, die Herzogin von Angoulême, die Prinzessin von Tingry, die Marquise von Roure, der Herzog von Luxemburg und der Marquis de Feuquières verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Manche von ihnen schafften es aber, zu entkommen und das Land zu verlassen.

Da die verhafteten Personen von hohem Stande und Mitglieder des Hofes waren, mussten eindeutige Beweise erbracht werden. Deshalb wurden La Voisin und die anderen durch den Spanischen Stiefel, die Streckbank und die Wasserfolter gezwungen, eine Aussage zu machen. La Voisin bestand bis zum Schluss darauf, keine Hexe zu sein.

La Reynie war von den Geständnissen so überzeugt, dass er sagte:

„Ich habe alles, was man mir möglicherweise einreden konnte, dass die Anschuldigungen falsch seien, wieder und wieder überprüft, doch eine solche Schlussfolgerung ist einfach nicht möglich.“

Jedoch wurden die belastenden Aussagen durch die Folter erreicht; viele Hauptzeugen waren von zweifelhaftem Rufe, widersprachen sich selbst oder nahmen ihre Geständnisse auf dem Scheiterhaufen zurück (z. B. La Filastre). Es wurden aber in den Häusern der angeklagten Wahrsagerinnen zahlreiche Beweisstücke gefunden, wie Gifte, Wachspuppen, schwarze Kerzen und schwarzmagische Bücher. Deshalb glaubte auch die Mehrheit der französischen Gesellschaft, dass Hexerei eindeutig erwiesen sei, und Ludwig XIV. sah sich gezwungen zu handeln, um eine gegen seinen Hof gerichtete Empörung zu verhindern.

Bis heute ist ungeklärt, ob die schwarzen Messen, von denen die Polizei Kenntnis erhielt, wirklich stattgefunden hatten oder ob sie nur Sensationsberichte sammelte, die unter anderem zu dem Zwecke erfunden worden waren, hochgestellte Persönlichkeiten zu diskreditieren, die vielleicht einer anderen Fraktion angehörten.[3]

Strafen

Die Anklagen lauteten auf Hexerei, Mord und vieles mehr. Wirklich geklärt wurden die meisten Vorwürfe zwar nie, es gab im Verlaufe der Ermittlungen jedoch 360 Verhaftungen, 218 Verhöre (zum Teil unter Folter) und 110 Urteile. Zwei Verdächtige starben unter der Folter, 36 wurden durch das Schwert oder auf dem Scheiterhaufen hingerichtet, vier auf die Galeeren geschickt, 34 verbannt und 30 freigesprochen. Marschall Montmorency-Bouteville war 1680 kurzzeitig in Untersuchungshaft, wurde dann aber als freier Mann Hauptmann der Wache. Andere, wie der Abbé Guibourg, kamen in Kerkern in Einzelhaft.

Am 22. Februar 1680 wurden La Voisin, Marie Bosse und La Vigoreux zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Der Sohn von Marie Bosse, François, wurde zum Tod durch Hängen verurteilt. Madame de Poulaillon wurde ins Exil geschickt.

Marquise de Montespan

Madame de Montespan

Offiziell stellte die Chambre ardente im August 1680 ihre Arbeit ein, worauf sich dazu Präfekt La Reynie mit den Worten äußerte: „das Ausmaß ihrer Verbrechen erweist ihnen Schutz“.[4] La Reynie war jedoch angewiesen worden, den Aussagen über Madame de Montespan im Geheimen nachzugehen, da der Name ihrer Kammerfrau, Claude des Œillets, oft in den Aussageprotokollen der Chambre Ardente auftauchte.

Erst jetzt wurde Ludwig XIV. klar, warum er nach jedem Abend mit seiner Geliebten am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen erwachte. Über die Jahre hinweg musste er große Mengen von Gift zu sich genommen haben. Man behauptete auch, dass die Montespan nach der Einführung in La Voisins und Abbe Guibourgs Hexenzirkel an verschiedenen Zeremonien teilgenommen habe, um ihren besonderen Status als Favoritin des Königs zu erhalten.

Angeblich wurde bei diesen Zeremonien Madame de Montespan nackt auf einen Altar gelegt, während man ihre Bitten um die Gunst des Königs an den christlichen Gott und die Götter der Unterwelt weitergab. Sie soll sogar Guibourg erlaubt haben, eine Hostie in ihre Vagina einzuführen und dann mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben, während er betete.

Die Marquise de Montespan geriet sogar in den Verdacht, am plötzlichen Tode der nachfolgenden Mätresse des Königs, Angélique de Fontanges, schuldig zu sein. Mehrere Komplizen der Voisin, ihre eigene Tochter, der Kammerdiener Romani, dessen Gevatter Bertrand und die Filastre, sagten aus, dass eine Vergiftung der Fontanges durch Stoffe und Handschuhe geplant war;[5] und Romani habe versucht, als Stoffhändler getarnt in das Haus der Fontanges zu gelangen.[6] Neuere Untersuchungen ergaben aber, dass die Herzogin von Fontanges an einer Brustfellentzündung starb.

La Reynie verbrachte zwei Jahre damit, Beweismaterial gegen Madame de Montespan zusammenzustellen. Aber Madame de Maintenon, Minister Colbert und der Marquis de Louvois halfen, die Affäre zu vertuschen, da die Montespan die Mutter der legitimierten Kinder des Königs war und es für Ludwig eine Blamage bedeutet hätte, wenn herausgekommen wäre, dass er durch Liebestränke verführt worden war. Die Gunst des Königs hatte Madame de Montespan jedoch unwiederbringlich verloren.

Ebenso wurde La Reynie nahegelegt, seine weiteren Untersuchungen einzustellen, da befürchtet wurde, dass noch mehr Mitglieder des Hochadels aus direkter Nähe des Königs in einen Skandal verwickelt werden könnten.

Folgen

Die Giftaffäre endete mit einer letzten Hinrichtung im Juli 1683. Wenige Tage später erließ der König ein Gesetz, das den Handel mit Giftstoffen regelte. Ludwig XIV. ließ Wahrsagerei in ganz Frankreich verbieten.

Die Hexerei wurde 1682 mit einem Erlass zu Täuschung und Einbildung erklärt, was das Ende des Hexenwahns in Frankreich bedeutete.

Belege

  1. ↑ L’affaire des poisons. Justizministerium (Frankreich), 16. Juli 2024, abgerufen am 8. Dezember 2025 (französisch). 
  2. ↑ Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 77–83.
  3. ↑ Philip Jenkins: Satanism and Ritual Abuse. In: James R Lewis (Hrsg.): The Oxford Handbook of New Religious Movements. Oxford University Press, Oxford/New York 2004, S. 224.
  4. ↑ Ulrich Karl Dreikandt (Hg.) und Otto Schüngel: Schwarze Messen. Dichtungen und Dokumente Zürich 1972. Dtv, 1975
  5. ↑ Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 180, 183, 187.
  6. ↑ Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 187.

Literatur

  • Maximilian Jacta (alias Erich Schwinge): Berühmte Strafprozesse. Sonderausgabe. Orbis-Verlag, München 2001, ISBN 3-572-01242-2.
  • Louis Lewin: Die Gifte in der Weltgeschichte. Toxikologische allgemeinverständliche Untersuchungen der historischen Quellen. 3. Auflage. Reprographischer Nachdruck der Ausgabe von Springer, Berlin 1920. Gerstenberg, Hildesheim 1984, ISBN 3-8067-2013-4.
  • Frances Mossiker: The Affair of the Poisons. Louis XIV, Madame de Montespan, and one of History's great Unsolved Mysteries. Alfred A. Knopf, New York NY 1969.
  • Éric Le Nabour: La Reynie. Le policier de Louis XIV. Perrin, Paris 1990, ISBN 2-262-00806-X.
  • François Gayot de Pitaval: Unerhörte Kriminalfälle. Eine Sammlung berühmter und merkwürdiger Kriminalfälle. Nach der 1792–1794 von Friedrich Schiller herausgegebenen Auswahl und Übersetzung neu bearbeitet und zusammengestellt. Voltmedia, Paderborn 2005, ISBN 3-937229-03-5.
  • Anne Somerset: Die Giftaffäre. Mord, Menschenopfer und Schwarze Messen am Hof Ludwig XIV. Magnus, Essen 2006, ISBN 3-88400-441-7.

Weblinks

  • Jan von Flocken: 1679 - Der Giftmordskandal von Versailles. Auf welt.de, 9. Januar 2008.



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Lukas – Vier Jahre Hölle und zurück

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

„Lukas – Vier Jahre Hölle und zurück!“ ist ein Buch aus dem Jahre 1995, das die vorgeblich authentischen Erlebnisse eines Jugendlichen im Kreise organisierter Satanisten bzw. Teufelsanbeter schildert.

Inhalt

Das Buch erzählt aus Sicht des Protagonisten, im Buch „Lukas“ genannt, dessen Erlebnisse als Angehöriger einer der laut Klappentext „mächtigsten Satanssekten Deutschlands“,[1] in die er im Alter von 15 Jahren unfreiwillig geraten ist und aus der ihm der Ausstieg erst vier Jahre später gelang.

Der Erzähler schildert zahlreiche Grausamkeiten, die von den Angehörigen der Gemeinschaft begangen wurden. Neben ausschweifenden Orgien, Ekel- und kriminellen Mutproben, Gehirnwäsche sowie massiver körperlicher Gewalt gegen die Mitglieder selbst zählen dazu zahllose Menschenopfer – zeremonielle Ermordungen zumeist obdachloser Menschen, häufig aber auch „Jungfrauen“ und neugeborener Säuglinge weiblicher Mitglieder. Die Gruppe von Satanisten wird als ein international organisiertes Geflecht kleinerer Zellen dargestellt, dem allein in Deutschland etwa 250 teils sehr einflussreiche Mitglieder wie „Polizisten, Rechtsanwälte, Politiker, [...]“ angehören sollen.[2]

Zweimal wird „Lukas“ für einige Wochen zu Schulungen nach Fort Lauderdale in den USA entsandt, wo anscheinend die Zentrale der Gruppe liegt und wo nahezu täglich Menschen ermordet werden – zumeist junge Frauen, die von Mitgliedern der Gruppe am Strand angesprochen werden. Anhand von Leichen erlernt auch „Lukas“ dort die rituelle Tötung von Menschen. Als „Lukas“, wieder zurück in Deutschland, die jüngst erlangten Kenntnisse anwenden und im Zuge einer Schwarzen Messe einen Menschen töten soll, wagt er den Ausstieg. Dies gelingt ihm, doch steht nunmehr „Lukas“ selbst auf der Todesliste der Gruppe.

Vor- und Nachwort

Das Vorwort zu dem Buch verfasste Jürgen Hauskeller, damals Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Sondershausen. Mit dem Mordfall von Sondershausen erlangte der Ort 1993 Aufmerksamkeit, als Mitglieder der NS-Black-Metal-Band Absurd einen Mitschüler ermordeten. Hauskeller stellt hier indirekt Parallelen zu den im Buch geschilderten Vorgängen her, obwohl der Mord bei objektiver Betrachtung nichts mit organisiertem Satanismus zu tun hatte.

Im Nachwort äußert sich „Marlies“, vorgeblich Sektenexpertin und „Lukas’“ Betreuerin nach dessen Ausstieg, über ihre Erfahrungen mit „Lukas“ während seiner zweijährigen Therapie.

Authentizität/Problematik

Das Buch gibt vor, als authentischer Aussteigerbericht, in dem lediglich Orts- und Personennamen geändert wurden, wahre Geschehnisse zu dokumentieren.

Der Erzähler, „Lukas“, verstrickt sich allerdings rasch in Widersprüche und sitzt Irrtümern auf, die einem Menschen mit Einblick in die satanistische Tradition kaum unterlaufen wären, einem selbst jahrelang praktizierenden Satanisten gewiss nicht. „Lukas’“ Darstellungen der Gemeinschaft sowie ihrer Zeremonielle decken sich zumeist nicht mit der tatsächlichen satanistischen Tradition, sondern scheinen vielmehr Motiven nachlässig recherchierter Horrorfilme sowie den verbreiteten Großstadtlegenden von Menschenopfer darbringenden Teufelsanbetern zu entstammen. Zudem werden Hergänge beschrieben, die faktisch höchst unwahrscheinlich oder gänzlich undurchführbar sind. So schreibt „Lukas“ etwa, im Zuge von Tieropfern seien von den Mitgliedern der Gemeinschaft rohe Tierherzen verzehrt worden.[3]

Zahlreiche im Buch beschriebene Ereignisse – von gemeinschaftlichen Störungen Heiliger Messen bis hin zu zahllosen Ritualmorden seitens der US-amerikanischen Sektion – hätten Spuren hinterlassen und die Aufmerksamkeit wenigstens der lokalen Presse erregen müssen; dies ist jedoch offenkundig nicht der Fall.

Allgemein erscheinen „Lukas’“ Schilderungen der Gemeinschaft, ihrer Strukturen und Methoden bei genauerer Betrachtung und insbesondere in Kenntnis der ungleich subtileren Methoden tatsächlich existierender Sekten nicht plausibel und gelten unter Sektenforschern gemeinhin als frei erfunden.[4] Problematisch sei dies nach Sektenforschern insbesondere aufgrund des Status des Buches als Standardwerk der Satanismusforschung und wegen seines durch die behauptete Authentizität – und dem regen Gebrauch von Stilmitteln der Spannungsliteratur zum Trotz – erhobenen Anspruchs auf Seriosität.

Kritiker werfen dem oder den Autoren mithin zum einen vor, Klischees zu reproduzieren und verbreitete Vorurteile zu stärken, zum anderen aber auch, der Sektenaufklärung durch die unrealistische Schilderung der Gemeinschaft einen Bärendienst zu erweisen. Tatsächlich bestehenden kriminellen satanistischen Organisationen sei es somit ein Leichtes, zu beweisen, mit den im Buch geschilderten primitiven Schlägern nichts gemein zu haben, sondern „vernünftige“ und damit „harmlose“ Satanisten zu sein. Die Kritik an satanistischen Organisationen könne anhand der inkorrekten Schilderungen von „Lukas“ als insgesamt unseriös abqualifiziert werden.[5]

Quellen

  1. ↑ „Lukas“: Vier Jahre Hölle und zurück. Bastei-Verlag, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-404-61339-2, Klappentext. 
  2. ↑ „Lukas“: Vier Jahre Hölle und zurück. Bastei-Verlag, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-404-61339-2, S. 147. 
  3. ↑ „Lukas“: Vier Jahre Hölle und zurück. Bastei-Verlag, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-404-61339-2, S. 26 u. a. 
  4. ↑ Georg Otto Schmid: Das Buch: "Lukas - Vier Jahre Hölle und zurück" zwischen Satanismus und Wahntraum. Evangelische Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen, 1998, abgerufen am 30. Oktober 2023. 
  5. ↑ Georg Otto Schmid: Berichte aus okkulten Organisationen: Phantasie oder Wirklichkeit? Kriterien zur Unterscheidung echter und erfundener Geschichten. Evangelische Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen, 2004, abgerufen am 24. September 2023. 

Literatur

  • „Lukas“: Vier Jahre Hölle und zurück. Bastei-Verlag, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-404-61339-2



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Mano cornuta

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Die mano cornuta
mano con le corna von der anderen Seite
Devil horns

Die corna (italienisch ‚Hörner‘) oder mano cornuta (italienisch ‚gehörnte Hand‘) ist eine Geste mit diversen Bedeutungen, beispielsweise in der Metal- und Rock-Szene.

Die Geste ist abhängig von der Bedeutung auch bekannt unter dem Namen Teufelsgruß, Satansgruß, Satanistengruß, Pommesgabel, Metalhand und englisch Devil horns (‚Teufelshörner‘), goat horns (‚Ziegenhörner‘), Hook ’em Horns, throwing the goat oder metal fork. Das älteste bekannte Auftauchen der gehörnten Hand sind Abbildungen auf etruskischen Grabsteinen.[1]

Geste

Der Zeigefinger und der kleine Finger werden von der Faust abgespreizt, während der Daumen auf ihr bleibt. Dies ist sehr ähnlich zu einer Geste, die in verschiedenen Musikgenres üblich ist, aber in Italien wegen der möglichen Verwechslung mit der dortigen Variante[2] nicht umfassend angenommen wird. Das Handzeichen ähnelt auch dem ILY-Zeichen der amerikanischen Gebärdensprache für den Satz „I love you“ („Ich liebe dich“), wobei dabei der Daumen zur Seite abgespreizt wird.[3]

Darstellung in elektronischen Medien

Mit dem Aufkommen der E-Mail und anderer textbasierter elektronischer Kommunikationswege werden ein linksseitiger Schrägstrich, das kleine m und ein rechtsseitiger Schrägstrich als Repräsentation genutzt: \m/.

In Unicode 8 wurde mit Codepoint U+1F918 ein neues Emoji-Zeichen (🤘) mit dem Namen SIGN OF THE HORNS eingeführt.[4]

Bedeutungen

Untreue

Wenn die „Hörner“, d. h. die ausgestreckten Finger, heimlich hinter dem Kopf von jemandem gezeigt oder eindeutig auf eine Person gedeutet werden, soll dies übermitteln, dass die Person von deren Ehefrau oder Ehemann betrogen wurde, also ein „gehörnter“ Ehemann (Hahnrei) oder eine „gehörnte“ Ehefrau ist.

Die Herkunft wird auf die Legende des Minotauros zurückgeführt. Pasiphaë, die Gattin des kretischen Königs Minos, hatte sich in einen weißen Stier verliebt und der daraufhin geborene Minotauros war mit seinen Hörnern der offensichtliche Beweis ihres Ehebruchs.

Aberglaube

Bei der Konfrontation mit unglücklichen Ereignissen oder wenn diese erwähnt oder angedeutet werden, kann die Person, die das Unglück abwenden möchte, auf die nach „unten“ gerichtete Corna zurückgreifen. So lässt sich die Geste von der vorherigen Bedeutung „Untreue“ (typischerweise nach oben gerichtet) unterscheiden. Es ist die volkstümliche Variante des „Auf-Holz-Klopfens“. Alternativ kann der Italiener „Eisen berühren“ (tocca ferro). Alle diese Gesten sollen den Ausführenden vor übernatürlichen bösen Kräften beschützen, zum Beispiel wenn eine schwarze Katze den Weg kreuzt, man einen Leichenwagen sieht oder die Person in irgendeine Situation gerät, von der sie annimmt, dass diese Unglück bringe.

Diese Bedeutung wird auch in Gaston Lerouxs Roman Das Phantom der Oper erwähnt. Dort heißt es: „Die Balletteusen machten, sobald das Bild des Persers heraufbeschworen wurde, das Zeichen gegen den bösen Blick, indem sie Zeige- und kleinen Finger ausstreckten, während der Daumen, Mittel- und Ringfinger auf die Handfläche drückten.“

Der italienische Präsident Giovanni Leone zeigte 1973 seinen neapolitanischen Aberglauben, als er bei einem Besuch in Neapel während eines Choleraausbruchs die Hände der Erkrankten mit der einen Hand schüttelte und mit der anderen Hand hinter seinem Rücken die Corna zeigte. Dieser Akt wurde gut dokumentiert, da alle Journalisten und Fotografen sich hinter ihm befanden, was dem Präsidenten Leone wohl in diesem Moment nicht bewusst war.

Metal

Devil horns auf einem Metal-Festival
Die Pommesgabel als Verkaufsstand auf dem Rock-am-Ring-Festival 2013

Im Englischen meist einfach Metal Sign genannt, etablierte sich in der deutschen Szene der Ausdruck Pommesgabel. Es wird auf Konzerten gemeinsam gezeigt, um das Gruppengefühl, die Szene-Identität und die Begeisterung für die Musik zu demonstrieren.

Wer das Zeichen letztlich in die Metal-Szene eingebracht hat, ist umstritten. Gene Simmons, Bassist bei Kiss, stellt sich in seiner Autobiographie Kiss and Make Up als Urheber der Geste dar und argumentiert damit, dass er auf dem Cover von Love Gun (1977) deutlich damit zu sehen sei. 2017 stellte Simmons einen Antrag auf Markenschutz für die Geste bei der Verwendung durch Musiker bei Live-Auftritten.[5]

Allerdings handelt es sich bei Simmons’ Geste nicht um das Metal Sign, bei dem der Daumen auf Mittel- und Ringfinger gedrückt wird, sondern um das ILY-Zeichen (= I Love You) der Gebärdensprache, erkennbar am abgespreizten Daumen. Simmons zog später seinen Antrag zurück.[6]

Ronnie James Dio war der Meinung, das Zeichen zu seiner Zeit als Sänger bei Black Sabbath als Erster benutzt und damit in die Metal-Szene eingebracht zu haben.[7] Dio soll das Zeichen von seiner Großmutter gekannt haben, die es im Aberglauben angewendet haben soll, da es sie vor dem bösen Blick geschützt habe. In dem Dokumentarfilm Metal – A Headbanger’s Journey verwendet er dafür das Wort Maloik. Er benutzte das Zeichen anfänglich bei den Textpassagen, in denen es um den Teufel oder das Böse geht. Nachdem das Publikum dieses Zeichen immer nachahmte und es sich auch bei anderen Konzerten des Bereiches Heavy Metal etabliert hatte, wurde es zu seinem Markenzeichen. Nach Auffassung innerhalb der Szene gilt er deswegen auch als derjenige, der es in diese Szene eingebracht hat.[8]

Außerdem ist das Zeichen auf der LP Witchcraft: Destroys Minds & Reaps Souls der Psychedelic-Rock-Band Coven von 1969 zu sehen, die auch die vermutlich erste Aufnahme einer Schwarzen Messe enthält. Manchmal werden neben der zugeschriebenen Bedeutung des universellen Grußes auch andere Bedeutungen unterstellt, etwa dass es ein Symbol für Satan, das Böse oder Mystik sei. Neben dem Metal ist das Zeichen auch teilweise in der Rockmusik verbreitet. Interessant ist jedoch, dass die Geste bereits 1967 von John Lennon auf Werbefotos zum Album Yellow Submarine der Beatles verwendet wurde und auch von der Lennon darstellenden Zeichentrickfigur auf Plakaten und Albumhüllen zum Trickfilm Yellow Submarine über dem Kopf der Paul McCartney darstellenden Trickfigur gezeigt wird. Elvis Presley setzte die Geste am 28. Oktober 1956 ein, als er in der vom Fernsehen übertragenen Ed Sullivan Show den Song Hound Dog sang. Presley zeigte zunächst nur mit dem Zeigefinger auf das Publikum, im weiteren Verlauf jedoch mit der besagten Geste. Diese Szene wurde später von Neil Young in seinem Video He Was The King eingesetzt.

Auch in anderen Musik-Genres hat sich die Mano Cornuta etabliert. Auch in Bereichen wie Hip-Hop und Pop wird sie benutzt. Metal-Musiker wie zum Beispiel Dee Snider von der Glam-Metal Band Twisted Sister kritisieren dies. Auch die „falsche“ Mano cornuta (mit ausgestrecktem Daumen) wird kritisiert. Besonders die Metal-Szene ist dafür bekannt, sehr viel Wert auf ihre Traditionen und die Freundschaft, die diese Zugehörigkeit zur Szene mit sich bringt, zu legen. Darum gilt auch die Pommesgabel als Tradition und bildet eine Art Erkennungszeichen.[9]

American Football (Hook ’em Horns)

Fans bei einem Spiel der Texas Longhorns

Bei den Fans der American-Football-Mannschaft Texas Longhorns der University of Texas at Austin (UT, Universität von Texas) steht dieses Handzeichen für Hook ’em Horns. Dort wurde es 1955 von Harley Clark eingeführt. Es soll die Gestalt des texanischen Longhorn-Stiers Bevo, des Maskottchens der Universität, nachbilden. Das Handzeichen wird oft bei Sportveranstaltungen gezeigt, während das Lied der Hochschule The Eyes of Texas oder das Kampflied Texas Fight gespielt werden. Es ist eines der bekanntesten Handzeichen aller US-amerikanischen Universitäten.

Auch der 43. US-Präsident George W. Bush zeigte seine Begeisterung für die Texas Longhorns[10]

Clark hatte die Idee von seinem Kollegen Henry Pitts. Clark zeigte das Zeichen enthusiastischen Studenten ein paar Nächte später bei einer Versammlung am Gregory Gym. Es war ein unmittelbarer Hit, tausende Studenten hoben die Arme, um den ab dann berühmten Gruß zu zeigen. Am nächsten Tag, einem Football-Spiel der UT gegen die Texas Christian University wogte das „Hook ’em Horns“-Zeichen von einer Seite des Stadions zur anderen.[11]

Tibetischer Buddhismus

Padmasambhava, der Begründer des tibetischen Buddhismus, als Statue in Namchi, Sikkim, Indien

Im tibetischen Buddhismus ist dieses Handzeichen eine Mudra, eine heilige Geste, die man bei der Darstellung buddhistischer Wesen findet und als Mittel bei der Meditation eingesetzt wird. Auf Sanskrit wird sie als karaṇa-mudrā bezeichnet und ist eine Bannungsgeste, die dazu eingesetzt wird, Dämonen zu vertreiben. Sie soll die Hörner eines wilden Yak darstellen, die auf einen Gegner zeigen. Die Geste wird normalerweise mit der rechten, gelegentlich mit der linken Hand ausgeführt. Die Handhaltung ist entweder waagerecht oder senkrecht; dabei werden Mittel- und Ringfinger eingezogen, der Daumen an den Mittelfinger gelegt und der Zeige- und kleine Finger ausgestreckt. Die Geste ist an Darstellungen von Ekajati und Yama zu sehen.[12][13]

Erkennungszeichen bei den Mara-Banden

In Nord- und Mittelamerika entstanden in den 1960er Jahren gewaltbereite Straßenbanden, die Mara Salvatrucha. In Nachbildung des Buchstaben M verwenden sie dieses Handzeichen mit nach unten gerichteten Fingern als ihr wichtigstes Erkennungszeichen.

Weblinks

Commons: Sign of the horns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Reinhard Krüger: Etymologien von Gesten. Fare le corna – die ‘Hörnergeste’. Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart
  • Dio on the misuse of the horns
  • Rock and Roll Confidential on their logo
  • Bockrock

Einzelnachweise

  1. ↑ John F. Hall (Hrsg.): Etruscan Italy: Etruscan Influences on the Civilizations of Italy from Antiquity to the Modern Era. Indiana University Press, Oktober 1, 1997, ISBN 978-0-8425-2334-9, S. 359.
  2. ↑ Vgl. den 1973 entstandenen Spielfilm Liebe und Anarchie.
  3. ↑ Christiane Langrock-Kögel: Hochdeutsch für Gehörlose. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 16. Juni 2023. 
  4. ↑ Unicode 8. Abgerufen am 16. Juni 2023. 
  5. ↑ Marc Neller: Das Rocker-Zeichen soll bald dem Kiss-Bassisten gehören. welt.de, 15. Juni 2017, abgerufen am 16. Juni 2023. 
  6. ↑ Benjamin Pyke: Wem gehört die ILY-Handform? In: taubenschlag.de. 20. September 2017, abgerufen am 1. Juni 2020.
  7. ↑ Miriam Mentz: R.I.P. Dio – US-amerikanischer Rocksänger erliegt mit 67 Jahren Krebsleiden (Memento vom 15. Juni 2012 im Internet Archive).
  8. ↑ Konstantin Tassidis: Ronnie James Dio - der Erfinder der Pommesgabel ist tot. derwesten.de, 17. Mai 2010, archiviert vom Original am 19. September 2020; abgerufen am 16. Juni 2023. 
  9. ↑ Take back the Horns (Memento vom 2. Januar 2015 im Internet Archive)
  10. ↑ President George W. Bush gestures the 'Hook 'em, horns,". The White House, 20. Januar 2005, abgerufen am 16. Juni 2023 (englisch). 
  11. ↑ Jim Nicar: Hook 'em Hand Sign – Traditions, texasexes.org, abgerufen am 30. Dezember 2012
  12. ↑ Fokke Sierksma: Tibet's Terrifying Deities. Sex and Aggression in Religious Acculturation. Charles E. Tuttle Co, Rutland/Toyko 1966, S. 225 (englisch).
  13. ↑ Oliver Fülling: Tibet. 2., vollständig überarbeitete Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-6172-0, S. 338.



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  1. Atomwaffen Division
  2. Black Metal
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