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Vox in Rama

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

Vox in Rama (lat.: ‚Eine Stimme in Rama‘) ist ein Schreiben Papst Gregors IX. über eine neue Ketzergruppe in Deutschland, das in seinem Register in vier Ausfertigungen überliefert ist. Am 11. Juni 1233 wurden die Briefe an Kaiser Friedrich II. und seinen Sohn, König Heinrich, expediert, am 13. Juni 1233 folgte die Mitteilung an Erzbischof Siegfried III. von Eppstein von Mainz, an Bischof Konrad II. von Hildesheim und an Konrad von Marburg, am Tage darauf diejenige an die Bischöfe der Kirchenprovinz Mainz.

Inhalt 

Gedacht war das Schreiben als Informationsblatt über eine angeblich in Deutschland neu aufgetauchte Häresie von Luziferianern (siehe: Teufelsanbetung). Seine Informationen bezog der Papst in erster Linie von dem Inquisitor Konrad von Marburg.

Textauszug: Wie wir nun dem uns überreichten Schreiben entnahmen – dies war voll tiefer Trauer und nicht frei von unermesslichem Schmerz – ist unter den verschiedenen Formen der Irrlehren, die Deutschland durch das Ausmaß ihrer Sünden vergiften, eine weitere – sowohl scheußlicher als die übrigen, als auch weiter verbreitet als die anderen – die sowohl diejenigen, die darüber berichten, als auch jene, die davon erfahren, mit Entsetzen erfüllt, in den Kreisen der edlen und sehr vermögenden Glieder der Kirche ausgebrochen… (Übersetzung nach Hergemöller, S. 32–39)

In weiterer Folge werden in Vox in Rama in schillernden Details die verwerflichen Riten dieser Sekte hervorgehoben: Beim Neueintritt in die Sekte hätten Neulinge eine Kröte entweder auf das Hinterteil oder auf das Maul zu küssen, ein blasser Mann würde danach erscheinen und den Anwärter ebenfalls küssen, worauf dieser Eiseskälte verspüre und sogleich jede Erinnerung an den katholischen Glauben verschwinde. Von einer Säule würde daraufhin rückwärts ein schwarzer Kater steigen. Auch dieser wird von allen Anwesenden auf das Hinterteil geküsst (osculum infame). Danach würden die Lichter gelöscht und die Anwesenden gäben sich der gemeinsamen Unzucht hin. Zwar würden diese Ketzer die Kirche besuchen, jedoch die empfangene Hostie sogleich im Mund nach Hause bringen, um sie in den Abtritt zu spucken.

Text 

  • Vox in Rama. Text der vier Ausfertigungen in: Epistolae saeculi XIII e regestis pontificum Romanorum selectae. Teil 1. Herausgegeben von Karl Rodenberg. Berlin 1883, S. 432–435 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)

Literatur

  • Bernd-Ulrich Hergemöller: Krötenkuss und schwarzer Kater: Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts. Warendorf 1996, ISBN 3-925522-16-6.
  • Malcom Lambert: Geschichte der Katharer. Aufstieg und Fall der großen Ketzerbewegung. Primus-Verlag, Darmstadt 2001. ISBN 3-534-14716-2.



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Vox in Rama aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Taxil-Schwindel

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Léo Taxil (zeitgenössischer Stahlstich)
Baphomet in einer Freimaurer-Zeremonie. Illustration in einem von Taxil herausgegebenen Buch.
Werbung für ein Abonnement einer Schriftenreihe

Der Taxil-Schwindel war ein von 1885 bis 1897 andauernder Schwindel, bei dem es um eine angebliche Enthüllung geheimer satanischer Riten der Freimaurerei durch den französischen Journalisten Léo Taxil (1854–1907) ging. Nach Taxils Ausschluss aus der Freimaurerei zog er durch seinen Schwindel finanziellen Nutzen aus dem Argwohn der römisch-katholischen Kirche der Freimaurerei gegenüber und konnte zugleich seiner Abneigung beiden Seiten gegenüber Genüge tun.

Léo Taxil

Léo Taxil (sein eigentlicher Name war Marie Joseph Gabriel Antoine Jogand-Pagès)[1] war zunächst antiklerikal.[1] Zuvor war der Atheist bereits wegen seiner Schmähschrift Die geheimen Liebschaften von Pius IX. verurteilt worden. Ab 1886 antifreimaurerisch, veröffentlichte er eine alphabetische Liste[1] aller angeblichen Freimaurer in Frankreich.

Am 20. April 1884 veröffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika Humanum genus, die postulierte, dass die Menschheit aus zwei verschiedenen, in Opposition zueinander stehenden Teilen bestehe; die eine kämpfe standhaft für Wahrheit und Tugend, die andere für Lüge und Laster. Die eine sei das Reich Gottes auf Erden, die Kirche Jesu Christi, die andere sei das Königreich Satans, angeführt oder unterstützt durch die Freimaurerei.

Zuvor weithin als Bekämpfer des Katholizismus bekannt, entschied sich Taxil nach dieser Enzyklika 1885 öffentlich angeblich für den Katholizismus und erklärte, dass er damit den durch ihn verursachten Schaden am wahren Glauben gutmachen wolle. Darüber hinaus kündigte er an, in ein Trappistenkloster zu gehen. Dies beeindruckte den Apostolischen Nuntius in Paris derart, dass er ihn darum bat, er möge seine Fähigkeiten als Autor in die Dienste Roms stellen. Taxil erwirkte zu Beginn seiner Antifreimaurerkampagne eine Audienz bei Papst Leo XIII. Taxils Absicht war es entweder, die Freimaurerei öffentlich zu verleumden, weil sie ihn bereits nach drei Besuchen wegen unsauberer Geschäfte ausgeschlossen hatte, oder der Wunsch, die römisch-katholische Kirche in Verlegenheit zu bringen.

Satanismus-Schwindel

Das erste Buch Les Mystères de la franc-maçonnerie dévoilés (1886) war die in größeren Passagen frei erfundene vierbändige Geschichte der Freimaurerei, die fiktive Augenzeugenberichte über eine vermeintlich androgyne „palladische Freimaurerei“ mit luziferianischen Orgien und Schwarzen Messen enthielt. 1887 erschien beim Verlag Letouzey & Ané[1] Les mystères für erschwingliche 2[1] Francs als gekürzte Volksausgabe ohne die Illustrationen, eine sogenannte Édition de propagande populaire.[1]

1891 veröffentlichte er das Buch Les Sœurs Maçonnes, in der er „palladistische Satanslogen“ ersann und Éliphas Lévis Baphomet, eine androgyne Gestalt, von 1854 aufgriff. Eine erfundene Sophie Walder sei die palladistische Großmeisterin und „Urgroßmutter des Antichrist[en]“.

Zusammen mit Taxil schrieb der Deutsche Karl Hacks unter dem Pseudonym „Dr. Bataille“ in 200 Fortsetzungen das Werk mit dem Titel Teufel im neunzehnten Jahrhundert, das 10.000 Abonnenten fand. Das Werk beinhaltet viele unplausible Behauptungen. Man erfand eine 1874 geborene Diana Vaughan, welche die Tochter des „Teufels Bitru“ gewesen sein soll. Mit zehn Jahren sei sie Satan geweiht und in eine amerikanische Palladistenloge aufgenommen worden. Weiter wurden ihre Begegnungen mit inkarnierten Dämonen beschrieben, dabei soll einer Prophezeiungen auf ihrem Rücken mit seinem Schweif geschrieben haben, ein anderer Dämon in Form eines Krokodils spielte Klavier. Später sei sie ausgetreten, als sie sich eines Tages zur Verehrung von Jeanne d’Arc bekannt habe, bei deren Name die Dämonen in die Flucht geschlagen worden seien. Als Diana Vaughan publizierte Taxil ihre vermeintlichen Memoiren einer Ex-Palladistin und ein Buch mit dem Titel Eucharistic Novena, eine Sammlung von Gebeten, die vom Papst gelobt wurden. 1896 stand sie im Mittelpunkt des Trienter Antifreimaurerkongresses in der Residenz des Fürstbischofs von Trient, Eugenio Carlo Valussi. Eröffnet wurde dieser Kongress nach Erscheinen der Enzyklika Praeclara gratulationis publicae des Papstes Leo XIII. auf Antrag des Präsidenten der italienischen Antifreimaurerliga Gullino Luigi am 27. September. Zugegen waren 36 Bischöfe, bischöfliche Delegierte, Kardinäle und mehr als 700 zumeist geistliche Abgesandte.

Enthüllung

1896 entlarvte die katholische Kölnische Volkszeitung Taxil als Schwindler und Miss Diana Vaughan als dessen Frau. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der katholische Priester und Historiker Paul Maria Baumgarten, der sich journalistisch für die Presse der katholischen Zentrumspartei betätigte.[2] Der Chefredakteur der Kölnischen Volkszeitung Hermann Cardauns hielt ab 1901 öffentliche Vorträge über „Literarische Kuriosa“, bei denen er auch sehr ausführlich auf Taxil einging.[3]

Am 19. April 1897 deckte Taxil dann selbst im Saal der Geographischen Gesellschaft auf, dass seine spektakulären Enthüllungen über die Freimaurerei fiktiv seien, erklärte zynisch,[4] dass Diana Vaughan nie existiert habe, und dankte der Geistlichkeit für ihre Unterstützung durch ihre Werbung für seine wilden Behauptungen.

Bis heute wird der Schwindel von verschiedenen Gruppen für wahr gehalten und gegen die Freimaurerei verwendet. So publiziert der fundamentalistisch-protestantische Verlag Chick Publications Traktate wie Der Fluch Baphomets.[5]

Werke Leo Taxils

Deutsche Übersetzungen (Auswahl):

  • Leo Taxil: Die Drei-Punkte-Brüder. In 2 Bänden. Übersetzt von Pater Hermann Gruber (Hildebrand Gerber). Buchdruckerei des Werkes des hl. Paulus, Freiburg (Schweiz) 1887.
  • Leo Taxil: Bekenntnisse eines ehemaligen Freidenkers. Autorisirte Uebersetzung von Pater Hermann Gruber Buchdruckerei des Werkes des hl. Paulus, Freiburg (Schweiz) 1888.
  • Leo Taxil: Der Meuchelmord in der Freimaurerei. Übersetzt von Pater Hermann Gruber (Hildebrand Gerber). Verlag Matthias Mittermüller, Buchhändler des heil. Apostol. Stuhles, Salzburg (Österreich) 1891. Neuausgabe: Edition Acéphale, 2022, Graz, ISBN 978-3-9519873-9-2

Literatur

  • W. R. Jones: Palladism and the Papacy. An Episode of French Anticlericalism in the Nineteenth Century. In: Journal of Church and State, 1970, 12, Heft 3, S. 453–473.
  • Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Herbig Verlag, München 2006, ISBN 3-7766-2478-7.
  • Thomas Raff: Der Teufel Bitru, der Taxil-Schwindel und der „Simplicissimus“. In: Quatuor-Coronati-Jahrbuch, 2003, 40, ISSN 0171-1199, S. 217–223.
  • Manfred Eder: Taxil, Leo. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 11, Bautz, Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6, Sp. 585–591.

Weblinks

Commons: Léo Taxil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Josef Schnelle: Hochstapler Léo Taxil. Erfinder der Fake-News. Süddeutsche Zeitung, 18. März 2019; abgerufen am 20. Januar 2019.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Frédéric Künzi: L’art dans la Franc-maçonnerie. Éditions Favre, Lausanne 2011, ISBN 978-2-8289-1226-0, S. 83. 
  2. ↑ Christoph Weber (Hrsg.): Die römische Kurie um 1900. Ausgewählte Aufsätze von Paul M. Baumgarten (= Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte. Band 10). Böhlau Verlag, Köln 1986, ISBN 3-412-05386-4, S. 26. 
  3. ↑ Große Bekanntheit außerhalb des katholischen Lagers erlangte C. durch die Aufdeckung des Antifreimaurer-Schwindels des Franzosen Leo Taxil… In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XXII (2003) Spalten 161–170 Autor: Gunnar Anger
  4. ↑ Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage. Herbig Verlag, 2006, ISBN 3-7766-2478-7, S. 831.
  5. ↑ The Curse of Baphomet bei chick.com



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Teufel von Loudun

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

Die Angelegenheit um die sogenannten Teufel von Loudun oder auch die Besessenen von Loudun war eine von Kardinal Richelieu in den 1630er Jahren gegen den katholischen Priester Urbain Grandier, Pfarrer der Kirche Sainte Croix in Loudun im Bistum Poitiers in Frankreich, eingeleitete Hexenverfolgung.

Geschichte

1632 beschuldigten die Nonnen des Klosters der Ursulinen von Loudun den Priester Urbain Grandier, von ihm verhext worden zu sein. Dieser hatte ein ungestümes Pamphlet gegen Richelieu gerichtet und widersetzte sich standhaft der von diesem verlangten Zerstörung der Stadtmauern. Auf Verlangen von Richelieu wurde ein Hexenprozess gegen ihn eingeleitet, man nahm zahlreiche Teufelsaustreibungen an den Nonnen vor, und am 18. August 1634 wurde Urbain Grandier zum Tode verurteilt, gefoltert und verbrannt.

Wichtige Aufschlüsse über die Ereignisse liefern die Memoiren der Nonne Jeanne des Anges bzw. Johanna von den Engeln (Madame de Beclier), die erstmals 1866 auf Französisch unter dem Titel Autobiographie d’une Hystérique Possédée erschienen.

Bücher, Filme und Vertonungen

Literatur

  • Michel de Certeau: La possession de Loudun. Paris 1970, Neuauflage 2005 bei Gallimard in der Sammlung Folio Histoire
  • Rosa Schudel-Benz: Die Besessenen von Loudun. Ein Prozeß aus der Zeit Richelieus. Beck, München, 1927 (Stern und Unstern. Eine Sammlung merkwürdiger Schicksale und Abenteuer, 9. Buch)
  • Nicolas Aubin: Geschichte der Teufel von Loudun oder der Besessenheit der Ursulinen und von der Verdammung und Bestrafung von Urbain Grandier, Pfarrer derselben Stadt. Birkenau/Scheden, Emig/Gauke, o. J. (Materialien zum Phänomen des „Bösen“, Band 1) (Nicolas Aubin war protestantischer Pastor und emigrierte nach der Widerrufung des Edikts von Nantes nach Holland.)
  • Memoiren der Jeanne des Anges (Madame de Beclier):
    • Soeur Jeanne des Anges: Autobiographie d'une Hystérique Possédée. Bibliothèque diabolique (Collection Bourneville) Paris 1886
    • Jeanne des Anges (= Madame de Beclier): Memoiren einer Besessenen. Hrsg. von Hanns Heinz Ewers. Stuttgart: Lutz 1911, 2. Aufl. (Rara: eine Bibliothek des Absonderlichen; Bd. 2).
    • Jeanne (des Anges): Memoiren einer Besessenen. Mit einem Essay über 2 weitere Fälle religiösen Wahns, [Roman]. Soeur Jeanne. Hrsg. von Michael Farin, Nördlingen: Greno-Taschenbuch-Verlag 1989; ISBN 3891909144

Belletristik

  • Willibald Alexis: Urban Grandier oder die Besessenen von Loudun. Roman. 1843.
  • Eyvind Johnson: Träume von Rosen und Feuer (Drömmar om rosor och eld). 1949.
  • Aldous Huxley: Die Teufel von Loudun (The devils of Loudun). 1952.

Musik

Oper

  • Krzysztof Penderecki: Die Teufel von Loudun Oper in drei Akten. Nach The Devils of Loudun von Aldous Huxley in der Dramatisierung von John Whiting. Mainz, London u. New York, B. Schott's Söhne, (1969). Unter Benutzung der deutschen Übertragung von Erich Fried. Textbuch. Edition Schott 6356. (Die Oper entstand als Auftragsarbeit der Hamburgischen Staatsoper.)

Anderes

  • Untoten: Die Nonnen von Loudun (Doppelalbum von 2007)
  • Schloss Tegal: The Brides of Loudun (vom Album The Soul Extinguished)

Film und Fernsehfilm

  • Mutter Johanna von den Engeln (dt.) bzw. Mother Joan of the Angels (engl.) ist der Name für den polnischen Film Matka Joanna od aniolów von Jerzy Kawalerowicz (1961)
  • Die Teufel (dt.) bzw. The Devils (en.) (1971) von Ken Russell
  • Les mystères de Loudun (1976) von Gérard Vergez, [1]

Siehe auch

  • Besessenheit
  • Liste von Todesopfern der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung in Europa und Nordamerika
  • Malleus maleficarum

Weblinks

  • Les possessions de 1634 dans l'affaire Grandier (frz.)



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Teufelsanbetung

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Teufelsanbeter ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum deutschen Stummfilm aus dem Jahr 1920 siehe Die Teufelsanbeter.

Teufelsanbetung bezeichnet die rituelle Verehrung des Teufels, der im christlichen Glauben das Böse symbolisiert.

Beschreibung

Die Anfänge dieser Glaubensvorstellungen werden im manichäisch-gnostischen Dualismus gesehen, der eine prinzipielle „Gleichrangigkeit von Gott und Teufel“ annahm. Einige gnostische Gruppierungen sollen Satan angebetet haben, damit er ihnen nicht schade.[1] Häretiker wurden während des Mittelalters immer wieder verdächtigt, sich dem Teufel verschrieben zu haben. Den vermeintlichen Teufelsanbetern wurden allerhand magische Praktiken, scheußliche Rituale und Unzucht unterstellt. Der in Deutschland wirkende Inquisitor Konrad von Marburg († 1233) glaubte an die Existenz einer eigenen Sekte von Luziferianern. 1233 beschrieb Papst Gregor IX. diese angebliche Häresie in seinem Brief Vox in Rama. Dass eine solche Häresie außerhalb kirchlicher Klischees und Propaganda je im Mittelalter existiert habe, wird von der Wissenschaft weitgehend abgelehnt.

Die Vorstellung einer Teufelsanbetung zur Erlangung übernatürlicher Kräfte und zum Schaden guter Menschen erhielt in der Frühen Neuzeit im Zuge des Hexenwahns seine größte Ausformung, wird aber auch bis in die Gegenwart von Massenmedien und christlichen Kirchen für ihre Zwecke instrumentalisiert. Dabei werden oft Teufelsanbetung und Satanismus gleichgesetzt, obwohl zahlreiche Satanisten ihre jeweilige Weltanschauung von der rituellen Verehrung des Teufels abgrenzen. Die Annahme eines im Sinne des Satanismus organisierten Hexenkultes wird von Historikern meist abgelehnt.[1] Es finden sich jedoch Hinweise auf einen echten Satanismus im Prozess gegen Gilles de Rais.[1]

In Kunst und Literatur wird Teufelsanbetung immer wieder zum Gegenstand genommen, besonders in der Literatur des 19. Jahrhunderts (etwa Manfred von Lord Byron, Les litanies de Satan von Charles Baudelaire oder Là-bas von Joris-Karl Huysmans) und in Filmen wie Rosemaries Baby. Obwohl es immer wieder Meldungen von Schwarzen Messen gibt, ist die Existenz eines organisierten Teufelskultes weder historisch noch gegenwärtig nachweisbar. In der jüngeren Vergangenheit sind indes zumindest Aspekte davon in manchen okkulten Bewegungen und Subkulturen zu erkennen, etwa im Zusammenhang mit Death- und Black Metal.

Fremde Religionen

Der griechische Gott Pan

Von Christen wurden gelegentlich fremde Religionen als Teufelsanbetung gedeutet, indem fremde Götter mit dem Teufel gleichgesetzt wurden.[2] So geht zum Beispiel die volkstümliche Vorstellung vom Teufel auf den griechischen Gott Pan zurück. Auch die Zoroastrier (Anhänger Zarathustras; s. auch Parsen) sowie Jesiden werden (besonders im Islam) oft als Teufelsanbeter (schaitan-parastiyyan, vor allem in Bezug auf einen vermutlich mit den Lehren von al-Hallādsch in Verbindung gekommenen Zweig der Ahl-e Haqq[3]) verdächtigt.

Verschwörungstheorien

Insbesondere in evangelikalen Kreisen in den USA wird häufig die Verschwörungstheorie verbreitet, dass Teufelsanbeter und Satanisten den Staat unterwandert hätten. Einige Argumente der Verschwörungstheoretiker sind:

  • Das Siegel der USA zeige auf der Rückseite den Turm zu Babel.
  • Fragwürdige Berichte von satanistisch-rituellen Vergewaltigungen und Morden entsprächen der Wahrheit.
  • Die Mitgliedschaft Regierender in vermeintlich unchristlichen Vereinigungen (etwa der Freimaurerei)
  • Die Illuminaten seien Ursprung einer satanischen Philosophie.

Siehe auch: Taxil-Schwindel

Literatur

  • Elaine Pagels: Satans Ursprung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-39368-5, (Suhrkamp-Taschenbuch 2868).
  • Ulrich Dreikandt (Hrsg.): Schwarze Messen. Dichtungen und Dokumente. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-38817-7, (Suhrkamp-Taschenbuch 2317, = Phantastische Bibliothek 313).
  • Joachim Schmidt: Satanismus – Mythos und Wirklichkeit. 2. durchgesehene und aktualisierte Auflage. Diagonal-Verlag, Marburg 2002, ISBN 3-927165-66-2.
  • Charles Baudelaire, Joris-Karl Huysmans, Octave Mirbeau: Die Blumen des Bösen / Tief unten / Der Garten der Qualen. Area, Erftstadt 2004, ISBN 3-89996-071-8.

Weblinks

Wiktionary: Teufelsanbeter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Satanismus. In: Hans Bidermann (Hrsg.): Handlexikon der magischen Künste. Von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert. 2., verbesserte und wesentlich vermehrte Auflage. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1973, ISBN 3-201-00851-6, S. 439 f. 
  2. ↑ Devil Worship. In: Catholic Encyclopedia, abgerufen am 26. September 2012.
  3. ↑ Peter Lamborn Wilson, Karl Schlamminger: Weaver of Tales. Persian Picture Rugs / Persische Bildteppiche. Geknüpfte Mythen. Callwey, München 1980, ISBN 3-7667-0532-6, S. 31 f.



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Teufelspakt

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Die Artikel Teufelspakt und Teufelswette überschneiden sich thematisch. Informationen, die du hier suchst, können sich also auch im anderen Artikel befinden.
Gerne kannst du dich an der betreffenden Redundanzdiskussion beteiligen oder direkt dabei helfen, die Artikel zusammenzuführen oder besser voneinander abzugrenzen (→ Anleitung).
Abschrift des angeblichen Teufelspakts des Christoph Haitzmann
Pakt mit dem Teufel (Compendium Maleficarum, 1608)
Angeblicher Teufelspakt des David Lipsius
Angeblicher Teufelspakt von Urbain Grandier

Ein Teufelspakt (oder Teufelsbündnis) ist ein Pakt zwischen einem Menschen und dem Teufel. Dabei wird dem Teufel eine menschliche Seele gegen Reichtum, Macht, Talent, magische Kräfte oder ähnliche Gaben versprochen. Ein derartiger Pakt ist Gegenstand vieler volkstümlicher Sagen und Legenden. Auch in der Literatur wird das Motiv mehrfach aufgegriffen.

Im Zuge der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung wurde der aus biblischen und anderen Quellen hergeleitete, bei Augustinus[1] auch bei Thomas von Aquin (Summa theologica II/II, Qu. 96, a 2) genannte Pakt mit dem Teufel (bzw. mit Dämonen, insbesondere als Inkubus bzw. Sukkubus)[2] gemäß der damaligen christlichen Dämonologie („Hexenlehre“) als Ursprung der Kräfte einer Hexe angesehen. Das Bündnis mit dem Teufel kann sowohl ausführlich mit allen Feierlichkeiten oder auch nur durch eine einfache Abmachung geschlossen werden. Bei einem Pakt handelt es sich um eine Bindung für lange Zeit, dies beinhaltet, sich ein Wesen durch Versprechen dienstbar zu machen und dafür im Jenseits – also nach dem Ableben – für dieses zu arbeiten. Dafür dient der Geist dem Magier für gewisse Zeit. Nach seinem Ableben geht der Magier in die Sphäre des Geistes ein, um dort seine Verpflichtungen abzuleisten. Oft ist die Gegenleistung eine Art Geschenk für Anhängerschaft.

Im übertragenen Sinn wird auch dann von einem Teufelspakt gesprochen, wenn ein Mensch zur Erreichung eines Ziels auf Bündnisse mit Menschen oder Mächten eingeht, die seinem Ziel und seinen Idealen eigentlich entgegenstehen. Besonders in feuilletonistischen Kommentaren zu Politik und Zeitgeschehen ist das Bild beliebt.

Beispiele aus Literatur und Gesellschaft

  • Die älteste Überlieferung des Teufelspakte geht zurück auf der griechischen Legende vom heiligen Theophilus von Adana († um 538), der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben soll, um ein kirchliches Amt zu erhalten.
  • Das mittelalterliche Theophilus-Spiel basiert wohl auf dieser Legende.
  • Der wohl berühmteste Teufelspakt ist wohl jener, welcher der Legende nach zwischen Johann Georg Faust und dem Teufel geschlossen wurde. Literarischen Weltruhm erlangte dieser durch Christopher Marlowes Drama Die tragische Historie vom Doktor Faustus (ca. 1588–92), durch Johann Wolfgang von Goethes (1749–1832) zweiteiliges Drama Faust (Faust I, Faust II) (1790/1797/1833) sowie durch Thomas Manns Deutschlandparabel, den Roman Doktor Faustus.
  • In Honoré de Balzacs fantastischem Roman Das Chagrinleder geht der Protagonist Raphaël de Valentin einen solchen Pakt ein, indem er das magische Stück Eselleder erwirbt. Dieses Leder kann ihm Wünsche erfüllen. Das Leder verliert jedoch bei jedem Wunsch an Größe, welche die restliche Lebenszeit des Wünschenden bestimmt.
  • Ein Teufelspakt findet sich ebenfalls in Balzacs „Melmoth réconcilié“.
  • Ein anderes berühmtes literarisches Beispiel eines Teufelspaktes findet in Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita statt, in dem die Protagonistin einen Pakt eingeht.
  • Um die Schweizer Teufelsbrücke rankt sich die Sage, dass der Teufel im Zuge eines Pakts mit den Anwohnern die ursprüngliche Brücke gebaut habe und dafür als Preis die Seele desjenigen verlangte, der als Erster die Brücke überquerte.
  • Auch über den Bau der Steinernen Brücke in Regensburg existiert eine Sage, die dem Brückenbaumeister unterstellt, er sei einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, um die Brücke vor dem Regensburger Dom fertigstellen zu können. Der Teufel soll in diesem Falle sogar die ersten drei über die Brücke gehenden Seelen gefordert haben.
  • Ebenso geht nach der Aachener Dombausage der Bau des Doms zu Aachen auf einen Teufelspakt zurück. Demnach half der Teufel den Aachenern beim Bau mit dem Versprechen der ersten Seele, die den Dom beträte. Dies wäre jedoch keine Geringere als die Seele des die Kirche weihenden Bischofs gewesen. Die Aachener überlisteten jedoch den Teufel, indem sie eine Wölfin in den Dom trieben, die heute noch als Bronzestatue, jedoch eigentlich in Form einer Bärin, im Dom zu sehen ist. Der ebenfalls dort zu besichtigende bronzene Pinienzapfen, der Plastik der Wölfin (Bärin) gegenübergestellt, symbolisiert die dem Tier geraubte Seele, die der im Zorn entbrannte Teufel zu Boden warf. Daraufhin riss er sich beim Zuschlagen der Dompforte einen Daumen ab, der heute im Schloss der Tür zu erfühlen ist. Demjenigen, der den Daumen herausbekommt, steht als Belohnung ein goldenes Kleid in Aussicht.
  • Auch der Aachener Lousberg ist nach der Lousberg-Sage kraft teuflischer Einwirkung entstanden, da der Teufel die Stadt aus Rache für die List mit einem riesigen Sandsack zuschütten wollte, aber nur bis kurz vor Aachen kam und durch ein listiges Marktweib getäuscht wurde.[3]
  • Teil des Mythos um mehrere Musiker, insbesondere den Violinisten Niccolò Paganini („Teufelsgeiger“) sowie die Blues-Musiker Tommy Johnson und Robert Johnson ist, dass sie für ihr Talent einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hätten.
  • In Adelbert von Chamissos Märchenerzählung Peter Schlemihls wundersame Geschichte steht ein junger Mann, Peter Schlemihl, im Mittelpunkt, der seinen Schatten gegen ewigen Reichtum an den Teufel verkauft. Später will ihn dieser gegen Schlemihls Seele eintauschen.
  • In den 1630er Jahren wurde in Frankreich auf Initiative von Kardinal Richelieu bei der Angelegenheit der sogenannten Teufel von Loudun gegen Urbain Grandier, einen katholischen Priester und Pfarrer der Kirche Sainte Croix in Loudun im Bistum Poitiers, ein Hexenprozess gemacht. Die Nonnen des Klosters der Ursulinen von Loudun beschuldigten den Priester Urbain, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben und von ihm verhext worden zu sein.
  • Neil Postman postulierte, dass jeder technologische Wandel ein Teufelspakt (engl. faustian bargain) sei: Technologie gibt, und Technologie nimmt – und nicht immer in gleichem Maße. Manchmal erschafft eine neue Technologie mehr, als sie zerstört. Manchmal zerstört sie mehr, als sie erschafft. Nie bleibt es jedoch einseitig.[4]
  • Im Jahre 1998 inszenierte die Kunstgruppe monochrom die Aktion Wir kaufen Seelen, eine neue Form des neoliberalen Teufelspakts: Sie boten den Passanten in der Wiener Innenstadt die Möglichkeit an ihre Seelen an die Gruppe zu verkaufen. Ziel war es die Seelen dann gewinnbringend an Dritte weiterzuverkaufen. monochrom nennt die Seele in diesem Zusammenhang „virtuelles Kapital“.

Literatur

  • Almut Neumann: Verträge und Pakte mit dem Teufel. Antike und mittelalterliche Vorstellungen im "Malleus maleficarum" . Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 1997, ISBN 978-3-86110-123-9.

Siehe auch

  • Teufelswette
  • Teufelsbuhlschaft

Weblinks

Commons: Teufelspakt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Teufelspakt des David Lipsius – Quellen und Volltexte
Wiktionary: Teufelspakt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Almut Neumann: Teufelsbund und Teufelspakt (Mittelalter), in: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. von Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net (letzter Besuch am 23. Dezember 2008)
  • Mit Blut unterzeichneter Teufelspakt aus dem Jahr 1688 mit Anmerkungen zu den Hintergründen

Einzelnachweise

  1. ↑ Michael Siefener: Der Teufel als Vertragspartner (Memento des Originals vom 25. August 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.historicum.net.
  2. ↑ Emmy Rosenfeld: Friedrich Spee von Langenfeld. Eine Stimme in der Wüste. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1958 (= Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker. Neue Folge, 2), S. 256–270 (Der Glaube an Teufelserscheinungen und das Verbrechen der Zauberei); hier: S. 260 f.
  3. ↑ Vgl. Walter Maas, Pit Siebigs: Der Aachener Dom. Schnell & Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2445-9, S. 29–30.
  4. ↑ Vortrag "Informing Ourselves to Death" bei der "Gesellschaft für Informatik" in Stuttgart. 11. Oktober 1990, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2011; abgerufen am 20. Oktober 2013. 



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  1. Ha-Schem Ha-Mephorasch
  2. Schwarze Messe
  3. Pentagramm
  4. Rückwärtsbotschaft

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» Marlon & Zoe – Wenn die Dunkelheit Code schreibt und Legenden zum Leben erwachen. «


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