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Ha-Schem Ha-Mephorasch

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

Ha-Schem Ha-Mephorasch (השם המפורש ha-Shem ha-mefôrash „der ausdrücklich (festgelegte) Name“, auch ha-Shem ha-mejûchad „der spezielle Name“[1]), auch Schemhamphorasch[2], ist eine der Bezeichnungen Gottes im Judentum. Es handele sich um den „voll ausgeführten Namen Gottes“; das Tetragramm JHWH als „voll ausgeführter Name“ wurde „[s]eit der Zerstörung des Tempels […] vollends tabuisiert, damit allerdings auch Tür und Tor für ‚geheime‘ Spekulationen geöffnet“.[3]

Rezeption im Judentum

In der rabbinischen Überlieferung ist „vom Shem ha-mefôrash als dem voll ausgeführten Gottesnamen die Rede, was zu allerlei Spekulationen über dessen Bedeutung und Form Anlass gegeben hat“.[4] Dazu gehören Spekulationen über Gottesnamen mit 24, 48 und 72 Buchstaben[4] oder eine Gesamtheit der „zweiundsiebzig, heiligen Namen Gottes, von denen jeder ein Engel ist“[2]. Unter anderem der Kabbalist Josef ben Abraham Gikatilla leitete den Ausdruck nicht von der Wurzel PRSh „ausbreiten“, „ausführen“, „erklären“, sondern von der gleichgeschriebenen Wortwurzel „absondern“ ab, entsprechend steht Shem ha-mefôrash hier für den „Besonderen Namen“[4]; dieser Name, so Gikatilla im Ginnat Egoz, sei wie Gott nicht entstanden[5]:

„Und da Er mit einem Namen benannt werden mußte, der auf die Wirkung/Tätigkeit hinweist, lautet es (Gen 1,1 EU): Mit Anfang schuf ‘LHJM/Gott und nicht: Mit Anfang schuf JHW“H, um dich wissen zu lassen, daß der Name JHW“H für Ihn nicht mit der Entstehung am Anfang der Welt entstanden ist, denn dieser Name war Ihm bereits vordem besonders. Und er ist abgesondert (mefôrash) von allem, um Seine Hawajah (sein Sein) und Anfangslosigkeit zu bezeugen, und er wird auf nichts anderes als auf Ihn angewendet, denn Er – Er werde gepriesen! – ist die wahre Beschaffenheit Seines Namens, und Sein Name bezeugt Seine wahre Beschaffenheit.
So heißt es dann bei der Entstehung der Welt: Mit Anfang schuf ‘Elohîm, um dich wissen zu lassen, daß die Wurzel (das Wesen) des Namens ‘Elohîm für Ihn entstanden ist mit der Entstehung der Welt […].“

– Josef Gikatilla: Ginnat Egoz[6]

Meist wird er jedoch ha-Shem ha-mejûchad „der spezielle Name“ genannt, „weil er allein und speziell für den Gott Israels gilt“[4] und, wie es in Sha`arê ‘orah heißt, „speziell für Israel allein vorgesehen ist und die anderen Nationen daran keinen Anteil haben“[7].

Siehe auch

  • HaSchem

Rezeption außerhalb des Judentums

Antijudaismus

Einblattdruck mit Wittenberger Judensau, 1596
Judensau am Südostflügel der Stadtkirche Wittenberg mit Aufschrift Schem haMphoras

Das antijudaistische Motiv der Judensau geht oftmals mit der Schmähung der Bezeichnung Schemhamphorasch einher, und Martin Luther gab einer 1543 veröffentlichten Schmähschrift gegen die Juden den Titel Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi.

Satanismus und Metal

Im Satanismus und der Metal-Subkultur findet diese Bezeichnung Gottes ebenfalls Verwendung. Die Aufnahme The Satanic Mass von Anton LaVey, 1968 auf der gleichnamigen LP veröffentlicht, enthält mehrere Passagen, in denen LaVey den Namen ausspricht und dies von anderen Beteiligten der Messe wiederholt wird, gefolgt vom Ausruf „Hail Satan!“ nach demselben Schema (der jedoch im Gegensatz zum Shemhamforash in der letzten dieser Passage jeweils dreimal im Wechsel ausgesprochen wird). Das daran stark angelehnte Ritual Rites of Spring wird ebenso verfahren wie bei der letzten dieser Passagen in LaVeys Messe.[8] Meldungen der von LaVey gegründeten Church of Satan enden gelegentlich mit den Worten: „Shemhamforash! Hail Satan!“[9][10][11][12], in der französischen Version mit: „Shemhamforash! Salut à Satan!“[13]. Der Artikel Encouraging Magical Concepts[14] hingegen enthalten nur Shemhamforash ohne den Ausruf „Hail Satan!“. Die finnische Band Impaled Nazarene gab ihrer ersten Demoaufnahme den Titel Shemhamforash (1991), Grand Belial’s Key aus den Vereinigten Staaten veröffentlichte ein Lied dieses Namens auf der ersten Demoaufnahme Goat of a Thousand Young (1992) und dem Debütalbum Mocking the Philanthropist (1997); die schweizerische Band Amon nannte ihr einziges Album (1995) Shemhamforash, die deutsche Band Aeba gab ihrem vierten Album den Titel Shemhamforash – Des Hasses Antlitz (2004). Die polnische Black-/Death-Metal-Band Behemoth veröffentlichte auf dem Album Evangelion (2009) einen Titel namens Shemhamforash, welcher viele Gewalttaten Gottes auflistet und im letzten Vers lediglich mit „Shemhamforash“ endet.

Film und Fernsehen

  • Catweazle benutzte eine abgewandelte Form: Der Ausruf „Schampampurasch!“ stand oft am Ende seiner Zaubersprüche.
  • In dem Film Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot wird als Abschlussformel und Beginn des satanischen Rituals „Schemhamforasch! Heil Satan!“ zitiert.

Nachweise

  1. ↑ Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 22. 
  2. ↑ a b Carl Kiesewetter: Faust in der Geschichte und Tradition. Mit besonderer Berücksichtigung des occulten Phänomenalismus und des Mittelalterlichen Zauberwesens. Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1963, S. 340 (Reprographischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1893.). 
  3. ↑ Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 19. 
  4. ↑ a b c d Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 57. 
  5. ↑ Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 58 f. 
  6. ↑ Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 169. 
  7. ↑ Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 147. 
  8. ↑ Michael Rose: Rites of Spring. by Magister Michael Rose. Church of Satan, 2001, abgerufen am 10. April 2012 (englisch). 
  9. ↑ News XXXVI A.S. Archived announcements from XXXVI A.S. Church of Satan, archiviert vom Original am 9. Mai 2012; abgerufen am 28. April 2017 (englisch). 
  10. ↑ News XXXIX A.S. Archived announcements from XXXIX A.S. Church of Satan, archiviert vom Original am 9. Mai 2012; abgerufen am 21. April 2017 (englisch). 
  11. ↑ News XLII A.S. Archived announcements from XLII A.S. Church of Satan, archiviert vom Original am 9. Mai 2012; abgerufen am 28. April 2017 (englisch). 
  12. ↑ News XLV A.S. Archived announcements from XLV A.S. Church of Satan, archiviert vom Original am 9. Mai 2012; abgerufen am 21. April 2017 (englisch). 
  13. ↑ Bienvenue XXXV A.S. Church of Satan, archiviert vom Original am 9. Mai 2012; abgerufen am 21. April 2017 (französisch). 
  14. ↑ Lydia Gage: Encouraging Magical Concepts. Church of Satan, 1995, abgerufen am 10. April 2012 (englisch). 



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Ha-Schem Ha-Mephorasch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Schwarze Messe

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Martin van Maele: Schwarze Messe. Illustration aus dem Jahr 1911 zu Jules Michelets La Sorcière

Als Schwarze Messe (auch Teufelsmesse) wird eine okkulte religiöse Feier verstanden, bei der in einer Parodie der Heiligen Messe, die meist auch sexuelle Elemente enthält, der Teufel angebetet oder andere satanistische Rituale vollzogen werden. Dokumente für solche Feiern liegen bis ins 20. Jahrhundert ausschließlich vonseiten der christlichen Verfolger angeblicher Hexen und Teufelsanbeter vor, weshalb deren Wahrheitsgehalt in der Forschung bezweifelt wird. Zweifelsfrei nachgewiesen sind Schwarze Messen erst seit dem 20. Jahrhundert. Seit dem späten 19. Jahrhundert stellen sie ein wiederkehrendes Motiv der Belletristik dar.

Geschichte

Mittelalter

Darstellung eines Hexensabbats aus den Wickiana (ca. 1570)

Berichte über Schwarze Messen gibt es seit dem späten Mittelalter: Hexen würden während so genannter Hexensabbate blasphemische Umkehrungen der Heiligen Messe feiern, die auch sexuelle Ausschweifungen umfassten. Laut der amerikanischen Autorin Rosemary Guiley setzt der Glaube an Schwarze Messen die im Mittelalter abgeschlossene Ausbildung der katholischen Transsubstantiationslehre voraus: Danach vollzieht sich nämlich während der Eucharistie mit der Verwandlung der Hostie und des Weines in Christi Leib und Blut ein reales Wunder. In der Schwarzen Messe werde versucht, diese übernatürliche Möglichkeit zu anderen Zwecken zu nutzen.[1] Der französische Historiker Jules Michelet schildert 1862 in seinem Werk La Sorcière[2] eine solche blasphemische Feier: Sie habe aus Introitus, Kreistanz, Gloria, Credo, Agnus Dei sowie als Höhepunkt aus der sexuellen Vereinigung einer Frau, deren Körper sowohl den Altar als auch die Hostie darstelle, mit einem Dämon in der Form der Confarreatio bestanden. Bei seiner Schilderung stützt sich Michelet auf die Berichte des Hexenjägers Pierre de Lancre. Die Schwarzen Messen hätten im 14. Jahrhundert zur Zeit des avignonesischen Papsttums ihre endgültige Form gefunden, als die Autorität der Kirche schwand und die Ausbeutung der Bauern durch den Adel überhand nahm. In beidem sieht Michelet die Ursache sowohl von Bauernaufständen als auch von Schwarzen Messen.[3] Der schottische Altertumswissenschaftler James George Frazer überliefert in seinem Hauptwerk Der goldene Zweig das Ritual einer „Messe von St. Sécaire“, die im Mittelalter in der Gascogne vorgekommen sein soll, um einen Schadenzauber zu bewirken. Sie soll in der Stunde vor Mitternacht in einer Kirchenruine von einem Priester und einem Akolythen von schlechtem Lebenswandel durchgeführt worden sein und die Verwendung einer schwarzen, dreieckigen Hostie sowie von Quellwasser umfasst haben, in das der Leichnam eines ungetauften Säuglings geworfen wurde. Dem vielfachen Kindermörder Gilles de Rais wurde während seines Inquisitionsprozesses 1440 ebenfalls zur Last gelegt, Schwarze Messen zelebriert zu haben.[4]

In der modernen Hexenforschung wird dagegen Berichten über Schwarze Messen, Hexensabbate und Teufelspakte wenig Glaubwürdigkeit beigemessen, da sie stets auf unter Folter erpressten Geständnissen beruhen. Bei diesen Folterverhören gingen die Hexenverfolger nach den Anleitungen von Hexentheoretikern wie Heinrich Kramer und Martin Delrio vor, die ihrerseits zum Teil auf die Verhörkataloge der mittelalterlichen Ketzerverfolgung zurückgingen.[5] Rosemary Guiley weist darauf hin, dass Berichte über organisierte Schwarze Messen als Teil einer Teufelsverehrung sich erst mit der Einführung der Inquisition 1215 häufen. Sie nimmt zwar an, dass es durchaus Schwarze Messen gegeben habe, nicht aber in der Häufigkeit und der Zügellosigkeit, von der die Quellen sprechen.[6]

Frühe Neuzeit

Angeblicher Vertrag zwischen dem Satan und dem Priester Urbain Grandier, von rechts nach links zu lesen, Loudun 1634.
Werbeplakat für Schriften von Léo Taxil, ca. 1895

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden mehrere Priester hingerichtet, die angeblich Schwarze Messen durchgeführt hatten, doch handelte es sich dabei weniger um Teufelskulte als theatralische, bewusst schockierende Inszenierungen, mit denen gegen die Ungerechtigkeit der Kirche oder ihrer Würdenträger protestiert werden sollte. Im 17. Jahrhundert gibt es Berichte über Schwarze Messen in französischen Klöstern im Zusammenhang mit Fällen von Besessenheit, etwa in Louviers 1647[7] oder in Loudun. Dort wurde 1634 der Priester Urbain Grandier, der Geschlechtsverkehr mit mehreren Nonnen vom Orden der Ursulinen gehabt hatte, auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil er von diesen bezichtigt wurde, sie mit Hilfe von Dämonen dazu verleitet oder gezwungen zu haben. Im Prozess stellte ein von rechts nach links zu lesender Vertrag, der angeblich von ihm und dem Satan unterzeichnet wurde, ein wichtiges Beweisstück dar. Der Religionswissenschaftler Joachim Schmidt hält Realitätsgehalt dieses so genannten Klöstersatanismus für zweifelhaft.[8] Ende des 17. Jahrhunderts fanden angeblich Schwarze Messen im Frankreich Ludwigs XIV. statt. Diese Messen sollen von geweihten Priestern auf den Körpern nackter Frauen gelesen worden sein. Angeblich kam es dabei auch zu sexuellen Handlungen und zu Blutopfern. Angeklagte sagten unter Folter aus, neben Tieren seien auch Totgeburten, abgetriebene Kinder und Säuglinge geopfert worden. 1679 ließ der Pariser Polizeipräfekt Nicolas de la Reynie einen solchen Zirkel auffliegen. Die Angelegenheit wurde unter dem Namen „Giftaffäre“ oder auch „Montespan-Affäre“ bekannt, benannt nach einer der Hauptverdächtigen, Marquise de Montespan. Bis heute ist ungeklärt, ob die Schwarzen Messen real stattgefunden hatten. Joachim Schmidt hält sie für „die ersten wirklich nachweisbaren schwarzen Messen“,[9] wohingegen es der Historiker Philip Jenkins für möglich hält, dass die Polizei nur Sensationsberichte einsammelte, die unter der Folter oder zu dem Zweck erfunden worden waren, hochgestellte Persönlichkeiten zu diskreditieren, die vielleicht einer anderen Faktion bei Hofe angehörten.[10] Mit dem Ende der Montespan-Affäre endeten für über hundert Jahre die Berichte über Schwarze Messen.[11]

19. Jahrhundert

Aus den Berichten über die angeblich von Montespan praktizierten Rituale bildete sich im 19. Jahrhundert das Narrativ der Schwarzen Messe in der Moderne.[12] In den 1890er Jahren erregte der französische antiklerikale Journalist Leo Taxil (1854–1907) mit einer Reihe von sensationsheischenden Veröffentlichungen Aufsehen. Darin gab er vor, eine bis dahin geheime, „palladische“ Strömung der Freimaurerei aufzudecken, in der angeblich Schwarze Messen gefeiert und der Baphomet angebetet würde. 1897 deckte Taxil selber den Schwindel auf, den er ersonnen hatte, um die katholische Kirche als leichtgläubig und bigott zu diskreditieren. Gleichwohl gibt es bis heute Menschen, die seinen Erfindungen Glauben schenken.[13]

Belletristik

Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert finden sich in der Belletristik immer wieder entsprechende Schilderungen. 1891 veröffentlichte der französische Autor Joris-Karl Huysmans den Roman Tief unten (1891). Darin verstrickt sich der wie Huysmans der literarischen Richtung der Décadence anhängende Schriftsteller Durtal auf der Suche nach einem „spiritualistischen Naturalismus“, mit dem er die materialistischen und anti-aristokratischen Tendenzen seiner Gegenwart überwinden will, immer tiefer in Astrologie, Alchimie und Okkultismus. Den Tiefpunkt seiner Suche stellt eine ausführlich geschilderte Schwarze Messe dar. Von Ekel überwältigt, zieht Durtal sich in die Einsamkeit zurück und kommt zu der desillusionierenden Einsicht, dass er, anders als Gilles de Rais, an dessen Biographie er arbeitet, nicht auf die Vergebung der Kirche und die Rückkehr zum christlichen Glauben hoffen kann.[14] Huysmans ließ sich dabei von Joseph-Antoine Boullan (1824–1893) inspirieren, einem französischen Priester, der sich von der Kirche losgesagt hatte und sexualmagische Rituale durchführte. Huysmans’ ausführliche Schilderungen prägten das literarische Konstrukt „Schwarze Messe“. Auch Taxil hatte sich für die fantasievolle Ausmalung der von ihm erfundenen Schwarzen Messen der Freimaurer bei diesem Roman bedient, spätere Satanisten benutzten ihn als Gebrauchsanleitung für ihre Rituale.[15]

Im 1919 entstandenen Romanfragment Die schwarze Messe von Franz Werfel kommt dagegen gar keine Schwarze Messe vor. Vielmehr geht es um einen Versuch, durch Überschreitung von Grenzen zu einer Ganzheit der Person zu gelangen: Dies wird mit den Mitteln der Schauerliteratur erzählt: Ein Mönch flieht nach einer ihn verstörenden sexuellen Stimulation durch eine Monstranz aus dem Kloster und lässt sich in eine blasphemisch umgedeutete Version der Genesis einweihen, die er in einer Vision als für sich real erlebt.[16] Deutlicher sind die Bezüge in anderen Werken der Schauerliteratur, etwa Gustav Meyrinks Novelle Meister Leonhard von 1925, bei der 1928 erschienenen Kurzgeschichte Das Heiligtum von Edward Frederic Bensons (1867–1940) oder bei Der schwarze Magier von Dennis Wheatley (1897–1977) aus dem Jahr 1960.[17] In Wheatleys Roman The Devil Rides Out von 1934 die Gestalt des Magiers deutlich nach dem britischen Okkultisten Aleister Crowley (1875–1947) gezeichnet, der zwar sexualmagische Rituale entwarf und durchführte, Schwarze Messen aber entschieden ablehnte, die er für einen „Missbrauch spiritueller Macht“ hielt.[18]

Bereits 1922 war der literarische Topos der Schwarzen Messe so allgegenwärtig, dass der irische Schriftsteller James Joyce (1882–1941) ihn in seinem Ulysses parodieren konnte: In der Circe-Episode, die um Mitternacht in einem Bordell spielt, halluziniert der Protagonist Leopold Bloom, dass ein Pater mit einer Mohrrübe im Anus auf dem nackten schwangeren Leib seiner Bekannten Mina Purefoy eine Schwarze Messe zelebriert („Introibo ad altare diaboli“), wobei das Volk Offb 19,6 EU rückwärts rezitiert.[19]

Satirische Verwendungen des Klischees finden sich in den letzten Jahrzehnten: In ihrem Roman Illuminatus!, einem 1975 erschienenen postmodernen Spiel mit allen möglichen Verschwörungstheorien, schildern die Autoren Robert Anton Wilson (1932–2007) und Robert Shea (1933–1994) in einer hochgradig obszönen Szene eine Schwarze Messe, bei der ein „Padre Pedrastia“ eine Hostie in die Vagina einer Frau platziert.[20] Umberto Eco (1932–2016) verknüpft in seinem Roman Der Friedhof in Prag aus dem Jahr 2011 verschiedene antisemitische Verschwörungstheorien miteinander. Dabei verliert der antisemitische und sexuell gehemmte Protagonist Simonini während einer nach Taxils Mystifikationen gestalteten Schwarzen Messe seine Jungfräulichkeit ausgerechnet an eine „Halbjüdin“.

Gegenwart

Heutzutage sind Schwarze Messen überwiegend Ausdruck einer Jugendkultur, der vom Reiz des Verborgenen und des unbekannten Transzendenten geprägt ist, ohne dass damit notwendigerweise ein fester Glaube an Satan und Dämonen biblischen Hintergrunds in Verbindung stehen. Teilweise feiern Jugendcliquen diese Zeremonien auf Friedhöfen oder anderen Orten, die ein pseudoreligiöses Angstgefühl erzeugen. Dabei werden auch Gräber geschändet und religiöse Symbole entweiht.[21] Der Religionswissenschaftler Joachim Schmid hält das Feiern Schwarzer Messen zum Teil für eine Realisierung von Fantasien, die von der Kirche über Jahrhunderte als Realität dargestellt wurden. Dabei entsprach das den Schwarzen Messen zugrundeliegende Satansbild den mittelalterlichen Vorstellungen, für die der klassische Teufelspakt und die Dämonenmagie typisch waren.[22] Für die Ethnologin Sabine Doering-Manteuffel sind das Feiern Schwarzer Messen, Teufelsanbetung und eine Ritualisierung des Bösen, als Aspekte des modernen Satanismus, eine Kehrseite des Wertewandels der 1960er und 1970er Jahre. Sie hält das Spiel mit provozierend-negativen Wertalternativen für ein wichtiges Motiv der satanistischen Jugendszene.[23]

Bei einer 1968 zelebrierten Schwarzen Messe schwenkte Anton LaVey, der Gründer der Church of Satan ein Schwert über einem nackten Frauenkörper, der als Altar diente, und rief Satan, Luzifer, Belial und Leviathan an, bevor er einen Kelch mit Wein herumgab. Dabei rezitierte er eine lateinische Parodie auf die Heilige Messe und englische und französische Anrufungen Satans. Letztere stammten zum Teil wörtlich aus Huysmans Roman. Auch weitere Rituale wie das Urinieren auf einen Taufstein (statt ihn mit Weihwasser zu besprengen) parodierten in expliziter, bis zur Lächerlichkeit übertriebener Form den katholischen Gottesdienst.[24] Im selben Jahr erschien auch LaVeys LP The Satanic Mass, die trotz des Titels keine Schwarze Messe enthielt.[25][26] Ein Teil des rezitierten Materials erschien 1969 in Textform in seiner Satanischen Bibel. Darin spricht LaVey von einer üblichen Annahme, „dass die satanische Zeremonie immer als Schwarze Messe bezeichnet wird“. Die Schwarze Messe sei „nicht mehr […] als eine literarische Erfindung“ und deute nicht notwendigerweise an, dass die Ausführenden Satanisten sind; der Satanist setze „die Schwarze Messe nur als eine Art Psychodrama ein“.[27] Daher grenzte LaVey die Satanische Messe auf seiner 1968 veröffentlichten LP The Satanic Mass von der Schwarzen Messe ab.[26]

Die erste Aufnahme einer Schwarzen Messe findet sich auf der B-Seite der ersten Coven-LP Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls und trägt den Titel Satanic Mass.[28] Auch diverse satanische Orden und Individuen beziehen sich entgegen LaVeys Aussage positiv auf die Idee der Schwarzen Messe beziehungsweise ihre praktische Ausführung.

Der sich in ausdrücklichem Gegensatz zu LaVeys „modernem Satanismus“ als traditionell satanisch bezeichnende[29] Order of Nine Angles aus England druckte 1988 in Codex Saerus: Black Book of Satan eine Anleitung für eine Schwarze Messe ab.[30] In The Black Book of Satan III folgten je nach Edition weitere Versionen der Schwarzen Messe: The Black Mass of Life in teils lateinischer und teils altenglischer Sprache, The Mass of Heresy mit positiven Bezugnahmen auf Adolf Hitler und den Nationalsozialismus und The Black Mass – Gay Version für (jeweils ausschließlich männliche oder weibliche) Homosexuelle mit entsprechenden Instruktionen je nach Geschlecht.[31] 2010 publizierte der Orden eine islamistisch geprägte Version in seinem Journal Fenrir.[32] Laut Michael W. Ford lehrt die Schwarze Messe Disziplin, sie sei „spirituell befriedigend in der psychologischen Annäherung an den Widersacher“ und wirke nach seiner Erfahrung befreiend.[33]


Sonstiges

Die 9. Klaviersonate op. 68 des russischen Komponisten und Pianisten Alexander Skrjabin (1872–1915) erscheint in Konzertprogrammen häufig mit dem Beinamen „Schwarze Messe“.

Einzelnachweise

  1. ↑ Rosemary Guiley: The Encyclopedia of Demons and Demonology. Infobase Publishing, New York 2009, S. 30.
  2. ↑ Jules Michelet: La Sorcière. Dentu et Hetzel, Paris 1862 (PDF des Nachdrucks von 1966). Deutsche Übersetzung unter dem Titel: Die Hexe. Robert Schaefer’s Verlag, Leipzig 1863.
  3. ↑ Referiert nach Ulrich K. Dreikandt (Hrsg.): Schwarze Messen. Dichtungen und Dokumente. dtv, München 1975, S. 21–31.
  4. ↑ Rosemary Guiley: The Encyclopedia of Demons and Demonology. Infobase Publishing, New York 2009, S. 30.
  5. ↑ Iris Hille: Der Teufelspakt in frühneuzeitlichen Verhörprotokollen. Standardisierung und Regionalisierung im Frühneuhochdeutschen. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-021895-4, S. 26 f. und 43 ff. (abgerufen über De Gruyter Online); Johannes Dillinger: Hexen und Magie. Eine historische Einführung. Campus, Frankfurt am Main 2007, S. 69.
  6. ↑ Rosemary Guiley: The Encyclopedia of Demons and Demonology. Infobase Publishing, New York 2009, S. 30.
  7. ↑ Rosemary Guiley: The Encyclopedia of Demons and Demonology. Infobase Publishing, New York 2009, S. 30.
  8. ↑ Joachim Schmidt: Satanismus. Mythos und Wirklichkeit. Diagonal-Verlag, Marburg 1992, S. 61 f.
  9. ↑ Joachim Schmidt: Satanismus. Mythos und Wirklichkeit. Diagonal-Verlag, Marburg 1992, S. 61 f.
  10. ↑ Philip Jenkins: Satanism and Ritual Abuse. In: James R Lewis (Hrsg.): The Oxford Handbook of New Religious Movements. Oxford University Press, Oxford/New York 2004, S. 224.
  11. ↑ Jeffrey Burton Russell: Mephistopheles. The Devil in the Modern World. Cornell University Press, Ithaca/London 1990, S. 91.
  12. ↑ Hugh Urban: New Age, Neopagan, and New Religious Movements. Alternative Spirituality in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2015, ISBN 978-0-520-96212-5, S. 181.
  13. ↑ W. R. Jones: Palladism and the Papacy. An Episode of French Anticlericalism in the Nineteenth Century. In: Journal of Church and State. 12, Heft 3 (1970), S. 453–473; Massimo Introvigne: Satanism. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 1035; Kembrew McLeod: Pranksters. Making Mischief in the Modern World. New York University Press, New York/London 2014, S. 109–113.
  14. ↑ Kindlers Literatur Lexikon, s. v. Là-bas. Taschenbuchausgabe, dtv, München 1986, Bd. 7, S. 5446.
  15. ↑ Massimo Introvigne: Huysmans, Joris-Karl (Charles-Marie-Georges). In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 579.
  16. ↑ Teresa Vinardell: Von Grenzgängern und Ausgegrenzten. Raimon Casellas „Els sots ferestecs“ und Franz Werfels „Die schwarze Messe“. In: Marisa Siguán Boehmer und Karl Wagner (Hrsg.): Transkulturelle Beziehungen: Spanien und Österreich im 19. und 20. Jahrhundert. Rodopi . Amsterdam/New York 2004, S. 141 ff.
  17. ↑ Alle drei abgedruckt bei Ulrich K. Dreikandt (Hrsg.): Schwarze Messen. Dichtungen und Dokumente. dtv, München 1975, S. 131–194.
  18. ↑ Rosemary Guiley: The Encyclopedia of Demons and Demonology. Infobase Publishing, New York 2009, S. 31.
  19. ↑ James Joyce: Ulysses. Übertragen von Hans Wollschläger. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981, S. 746 ff.
  20. ↑ Erik Davis: Robert Anton Wilson. In: Christopher Partridge (Hrsg.): The Occult World. Routledge, New York 2015, S. 332.
  21. ↑ "Schwarze Szene". In: WDR Aktuell. Westdeutscher Rundfunk Köln, 12. Juli 2001, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. Januar 2008; abgerufen am 29. September 2022. 
  22. ↑ Joachim Schmidt: Satanismus. Mythos und Wirklichkeit. Diagonal-Verlag, Marburg 1992, S. 61.
  23. ↑ Sabine Doering-Manteuffel: Okkultismus. Geheimlehren, Geisterglaube, magische Praktiken. C. H. Beck, München 2011, S. 101.
  24. ↑ Hugh Urban: New Age, Neopagan, and New Religious Movements. Alternative Spirituality in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2015, ISBN 978-0-520-96212-5, S. 185 f.
  25. ↑ LaVey: The Satanic Mass. Murgenstrumm Records, 1968.
  26. ↑ a b Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos. The Bloody Rise of the Satanic Metal Underground. Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 9.
  27. ↑ Anton Szandor LaVey: Die Schwarze Messe. In: Die Satanische Bibel. Second Sight Books, Berlin, 1999, S. 116 ff.
  28. ↑ Coven: Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls. Dunwich Productions/Mercury Records, 1969.
  29. ↑ The Two Types Of Satanism, 18. Juli 2019.
  30. ↑ IV - The Black Mass. In: Codex Saerus: The Black Book of Satan. yf 100. Siehe ONA-Seite oder Nachdruck: Conrad Robury, Anton Long, Christos Beest: Codex Saerus: Black Book of Satan I, II & III. Edited with a forward by Michael W. Ford. 2. Auflage. Succubus Productions, Houston, TX 2008, S. 40–47.
  31. ↑ The Black Book of Satan III, year of fire 101. Die Version auf der Tripod-Seite des ONA enthält von diesen Messen nur The Black Mass of Life (The Promethean Office I), die alle drei Bücher enthaltende auf der Seite des Templvm Carnis beinhaltet alle Varianten der Messe. Für einen Nachdruck von The Black Book of Satan III siehe Conrad Robury, Anton Long, Christos Beest: Codex Saerus: Black Book of Satan I, II & III. Edited with a forward by Michael W. Ford. 2. Auflage. Succubus Productions, Houston, TX 2008, ISBN 978-0-557-02586-2. Zur Mass of Heresy siehe auch Anti-O9A Propaganda Exposed, 12. September 2018, sowie die Anklage gegen Ethan Melzer und die dazugehörige Pressemitteilung.
  32. ↑ Black Mass of Jihad. In: Fenrir. Journal of Satanism and the Sinister. Issue II, 121 Year of Fayen (2010).
  33. ↑ “THE BLACK MASS teaches discipline, it is also spiritually satisfying in the psychological approach to the Adversary. In my own experiences with the Black Mass, no matter which version you conduct, the liberation is often exciting and charging.” Michael W. Ford: Forward. In: Conrad Robury, Anton Long, Christos Beest: Codex Saerus: Black Book of Satan I, II & III. Edited with a forward by Michael W. Ford. 2. Auflage. Succubus Productions, Houston, TX 2008, S. 9.

Literatur

  • Ulrich K. Dreikandt (Hrsg.): Schwarze Messen. Dichtungen und Dokumente. dtv, München 1975, ISBN 3-423-01045-2.
  • Rosemary Guiley: Black Mass. In: dieselbe: The Encyclopedia of Demons and Demonology. Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7315-3, S. 29–32.
  • Karin Rainer: Literatur des Bösen. Satan, Teufelskult und Schwarze Messen in der Literatur. Tectum-Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9342-9.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4180338-3 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)



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Pentagramm

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Pentagramm,
Schläfli-Symbol {5/2}, {5/3}.

Pentagramm (von altgriechisch πέντε pénte „fünf“ und γραμμή grammē „Linie, Strich“; πεντάγραμμος pentágrammos „mit fünf Linien“) bezeichnet eine Form des fünfzackigen Sterns, auch Fünfstern genannt, die sich ergibt, wenn beim Verbinden der fünf Eckpunkte jedes Mal einer bzw. zwei übersprungen werden und die somit erzeugten Sehnen gleich lang sind. Notiert wird dieser regelmäßige Stern mit dem Schläfli-Symbol { 5 / 2 } {\displaystyle \left\{5/2\right\}} {\displaystyle \left\{5/2\right\}} bzw. { 5 / 3 } {\displaystyle \left\{5/3\right\}} {\displaystyle \left\{5/3\right\}}. Verbreitet sind auch die Bezeichnungen Drudenfuß bzw. Drudenstern, Pentakel sowie Pentalpha, da es sich durch fünf ineinander stehende Alphas („Α“) bilden lässt. Da das Pentagramm fünf Spitzen hat, gibt es zwei grundsätzliche Arten seiner Ausrichtung: mit einer Spitze nach oben (dann zeigen zwei Spitzen nach unten und zwei zur Seite), oder mit einer Spitze nach unten (dann zeigen zwei Spitzen nach oben und zwei zur Seite). Letzteres wird auch als „umgekehrtes“ oder „invertiertes“ Pentagramm bezeichnet.

Unicode

Das Pentagramm ist im Unicodeblock Verschiedene Symbole aufgenommen. Am Codepunkt U+26E4 (9956) ⛤ unter dem Namen „PENTAGRAM“ und am Codepunkt U+26E7 (9959) ⛧ als „INVERTED PENTAGRAM“.

Geometrie

Konstruktion

→ Hauptartikel: Fünfeck
Die Punkte A, B, C, D, E definieren ein regelmäßiges Fünfeck (rot) und ein Pentagramm (violett)
Ein fraktales und selbstähnliches Pentagramm

Aus fünf gleichmäßig, also in Abständen von 72°, auf einem Kreis verteilten Punkten lassen sich mittels Sehnen zwei fünfachsig symmetrische Figuren erstellen:

  • Die fünf Sehnen zwischen benachbarten Punkten bilden ein regelmäßiges Fünfeck mit Winkeln von jeweils 108°.
  • Die fünf Sehnen zwischen nicht benachbarten Punkten bilden zusammen das Pentagramm mit spitzen Winkeln von 36°.

Geometrische Eigenschaften

Die inneren Abschnitte der Sehnen des Pentagramms bilden wiederum ein regelmäßiges Fünfeck. Gegenüber dem äußeren ist es um 36° gedreht. Die Zacken des Pentagramms sind gleichschenklige Dreiecke. Die Winkel zwischen Basis und Schenkeln dieser Dreiecke betragen 72°.

Das innere Fünfeck bildet zusammen mit je zwei nicht benachbarten Zacken ein gleichschenkliges Dreieck mit stumpfer Spitze, dem schon erwähnten 108°-Winkel.

Zeichnet man in das innere Fünfeck wieder ein Pentagramm, so bilden dessen Sehnen mit Teilen der Sehnen des äußeren Pentagramms ebenfalls gleichschenklige Dreiecke mit stumpfer Spitze von 108°. Deren Mittelsenkrechten liegen parallel zu denen der Zackendreiecke, die ihrerseits die Symmetrieachsen aller Pentagramme und Fünfecke bilden.

Äußeres Fünfeck, Pentagramm und inneres Fünfeck haben denselben Mittelpunkt. Jede Sehne des inneren Pentagramms verläuft parallel zu einer jenseits des Mittelpunktes gelegenen Sehne des äußeren Pentagramms.

Alle Winkel zwischen den Kanten des Pentagramms und des umschließenden Fünfecks betragen also 36°, 72° oder 108°. Die fünf Symmetrieachsen haben zu den Kanten Winkel von 18°, 54° und 90°.

Goldener Schnitt

Pentagramm

Alle Sehnen und durch Schnittpunkte begrenzte Sehnenteile eines Pentagramms samt äußerem und innerem Fünfeck haben nur vier verschiedene Längen. Davon stehen jeweils aufeinander folgende zueinander im Verhältnis des Goldenen Schnitts, d. h. die folgenden Längenverhältnisse sind gleich:

A B B C = A C A B = A D A C {\displaystyle {\frac {AB}{BC}}={\frac {AC}{AB}}={\frac {AD}{AC}}} {\displaystyle {\frac {AB}{BC}}={\frac {AC}{AB}}={\frac {AD}{AC}}}

Denn es gilt z. B. für das erste Verhältnis:

C C ′ = C D {\displaystyle CC'=CD} {\displaystyle CC'=CD}

Das Dreieck C C ′ D {\displaystyle CC'D} {\displaystyle CC'D} ist gleichschenklig, da es eine proportionale Verkleinerung des gleichschenkligen Dreiecks B B ″ D {\displaystyle BB''D} {\displaystyle BB''D} ist, denn die Innenwinkel der beiden Dreiecke sind gleich.

A B = C D {\displaystyle AB=CD} {\displaystyle AB=CD} und B B ′ = B C {\displaystyle BB'=BC} {\displaystyle BB'=BC}

Aufgrund des Strahlensatzes gilt:

A B B B ′ = A C C C ′ {\displaystyle {\frac {AB}{BB'}}={\frac {AC}{CC'}}} {\displaystyle {\frac {AB}{BB'}}={\frac {AC}{CC'}}}

Betrachten wir das Verhältnis

Φ = A B B C = A C A B = A B + B C A B {\displaystyle \Phi ={\frac {AB}{BC}}={\frac {AC}{AB}}={\frac {AB+BC}{AB}}} {\displaystyle \Phi ={\frac {AB}{BC}}={\frac {AC}{AB}}={\frac {AB+BC}{AB}}},

dann ist Φ = 1 + 1 Φ {\displaystyle \Phi =1+{\frac {1}{\Phi }}} {\displaystyle \Phi =1+{\frac {1}{\Phi }}} und entspricht somit der Definition des Goldenen Schnitts, somit gilt Φ = 1 + 5 2 = 1,618... {\displaystyle \Phi ={\frac {1+{\sqrt {5}}}{2}}=1{,}618...} {\displaystyle \Phi ={\frac {1+{\sqrt {5}}}{2}}=1{,}618...}.

Formeln

Mathematische Formeln zum Pentagramm
Flächeninhalt A = 1 4 ⋅ 250 + 110 ⋅ 5 ⋅ s 2 ≈ 5,568 ⋅ s 2 {\displaystyle A={\frac {1}{4}}\cdot {\sqrt {250+110\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot s^{2}\approx 5{,}568\cdot s^{2}} {\displaystyle A={\frac {1}{4}}\cdot {\sqrt {250+110\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot s^{2}\approx 5{,}568\cdot s^{2}}
A = 1 2 ⋅ 25 − 10 ⋅ 5 ⋅ a 2 ≈ 0,812 ⋅ a 2 {\displaystyle A={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {25-10\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot a^{2}\approx 0{,}812\cdot a^{2}} {\displaystyle A={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {25-10\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot a^{2}\approx 0{,}812\cdot a^{2}}
Umfang U = 5 ⋅ l = 5 + 5 ⋅ 5 2 ⋅ a = ( 10 + 5 ⋅ 5 ) ⋅ s {\displaystyle U=5\cdot l={\frac {5+5\cdot {\sqrt {5}}}{2}}\cdot a=(10+5\cdot {\sqrt {5}})\cdot s} {\displaystyle U=5\cdot l={\frac {5+5\cdot {\sqrt {5}}}{2}}\cdot a=(10+5\cdot {\sqrt {5}})\cdot s}
Länge der Sehne l = Φ ⋅ a = 1 + 5 2 ⋅ a ≈ 1,618 ⋅ a {\displaystyle l=\Phi \cdot a={\frac {1+{\sqrt {5}}}{2}}\cdot a\approx 1{,}618\cdot a} {\displaystyle l=\Phi \cdot a={\frac {1+{\sqrt {5}}}{2}}\cdot a\approx 1{,}618\cdot a}
l = Φ 3 ⋅ s = ( 2 + 5 ) ⋅ s ≈ 4,236 ⋅ s {\displaystyle l=\Phi ^{3}\cdot s=(2+{\sqrt {5}})\cdot s\approx 4{,}236\cdot s} {\displaystyle l=\Phi ^{3}\cdot s=(2+{\sqrt {5}})\cdot s\approx 4{,}236\cdot s}
l = 1 2 ⋅ 10 + 2 ⋅ 5 ⋅ r ≈ 1,902 ⋅ r {\displaystyle l={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {10+2\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot r\approx 1{,}902\cdot r} {\displaystyle l={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {10+2\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot r\approx 1{,}902\cdot r}
Seitenlänge des inneren Fünfecks s = a Φ 2 = 3 − 5 2 ⋅ a ≈ 0,382 ⋅ a {\displaystyle s={\frac {a}{\Phi ^{2}}}={\frac {3-{\sqrt {5}}}{2}}\cdot a\approx 0{,}382\cdot a} {\displaystyle s={\frac {a}{\Phi ^{2}}}={\frac {3-{\sqrt {5}}}{2}}\cdot a\approx 0{,}382\cdot a}
s = l Φ 3 = ( 5 − 2 ) ⋅ l ≈ 0,236 ⋅ l {\displaystyle s={\frac {l}{\Phi ^{3}}}=({\sqrt {5}}-2)\cdot l\approx 0{,}236\cdot l} {\displaystyle s={\frac {l}{\Phi ^{3}}}=({\sqrt {5}}-2)\cdot l\approx 0{,}236\cdot l}
s = 1 2 ⋅ 50 − 22 ⋅ 5 ⋅ r ≈ 0,449 ⋅ r {\displaystyle s={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {50-22\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot r\approx 0{,}449\cdot r} {\displaystyle s={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {50-22\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot r\approx 0{,}449\cdot r}
Seitenlänge des äußeren Fünfecks a = ( Φ + 1 ) ⋅ s = Φ 2 ⋅ s = 3 + 5 2 ⋅ s ≈ 2,618 ⋅ s {\displaystyle a=(\Phi +1)\cdot s=\Phi ^{2}\cdot s={\frac {3+{\sqrt {5}}}{2}}\cdot s\approx 2{,}618\cdot s} {\displaystyle a=(\Phi +1)\cdot s=\Phi ^{2}\cdot s={\frac {3+{\sqrt {5}}}{2}}\cdot s\approx 2{,}618\cdot s}
a = ( Φ − 1 ) ⋅ l = l Φ = 5 − 1 2 ⋅ l ≈ 0,618 ⋅ l {\displaystyle a=(\Phi -1)\cdot l={\frac {l}{\Phi }}={\frac {{\sqrt {5}}-1}{2}}\cdot l\approx 0{,}618\cdot l} {\displaystyle a=(\Phi -1)\cdot l={\frac {l}{\Phi }}={\frac {{\sqrt {5}}-1}{2}}\cdot l\approx 0{,}618\cdot l}
a = 1 2 ⋅ 10 − 2 ⋅ 5 ⋅ r ≈ 1,176 ⋅ r {\displaystyle a={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {10-2\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot r\approx 1{,}176\cdot r} {\displaystyle a={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {10-2\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot r\approx 1{,}176\cdot r}
Umkreisradius r = 1 10 ⋅ 50 − 10 ⋅ 5 ⋅ l ≈ 0,526 ⋅ l {\displaystyle r={\frac {1}{10}}\cdot {\sqrt {50-10\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot l\approx 0{,}526\cdot l} {\displaystyle r={\frac {1}{10}}\cdot {\sqrt {50-10\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot l\approx 0{,}526\cdot l}
r = 1 10 ⋅ 50 + 10 ⋅ 5 ⋅ a ≈ 0,851 ⋅ a {\displaystyle r={\frac {1}{10}}\cdot {\sqrt {50+10\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot a\approx 0{,}851\cdot a} {\displaystyle r={\frac {1}{10}}\cdot {\sqrt {50+10\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot a\approx 0{,}851\cdot a}
r = 1 10 ⋅ 250 + 110 ⋅ 5 ⋅ s ≈ 2,227 ⋅ s {\displaystyle r={\frac {1}{10}}\cdot {\sqrt {250+110\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot s\approx 2{,}227\cdot s} {\displaystyle r={\frac {1}{10}}\cdot {\sqrt {250+110\cdot {\sqrt {5}}}}\cdot s\approx 2{,}227\cdot s}

Polyeder mit Pentagrammen

Einige Polyeder haben Pentagramme als Seitenflächen, zum Beispiel der Dodekaederstern und der Ikosaederstern. Diese zwei Polyeder sind Kepler-Poinsot-Körper.

  • Dodekaederstern
    Dodekaederstern
  • Ikosaederstern
    Ikosaederstern

Flora

Stern der Alcea rosea

Das Fünfeck taucht in verschiedenen Zusammenhängen in der Natur auf, so ist es ein Kennzeichen der Gewöhnlichen Stockrose.

Geschichte und kulturelle Bedeutung

Antike

Das Pentagramm wurde auf einem Krug aus der mesopotamischen Djemdet-Nasr-Zeit, d. h. um 3000 v. Chr., gefunden, und wird als Symbol für „Gottheit“ gedeutet.[1]

Pythagoras kannte es als Symbol für Gesundheit. Ihn interessierte daran besonders der mathematische Aspekt des Goldenen Schnitts. Da man es in einem Zug zeichnen kann und am Schluss wieder zum Anfang gelangt, galt es auch als Zeichen für den Kreislauf des Lebens. Abraxas, Gott der Gnostiker, wurde ebenfalls durch ein Pentagramm symbolisiert, weil er fünf Urkräfte in sich vereint.

Heraldik

→ Hauptartikel: Drudenfuß (Heraldik)

Auch in der Heraldik, also auf Wappen, und bei Flaggen, wird der Drudenfuß als gemeine Figur verwendet. Marokko und Äthiopien führen einen Drudenfuß in den Flaggen, Kommunen wie Knielingen, Giebenach und Schlotheim in ihren Wappen.

Architektur

Kirche St. Peter und Paul in Kaarma (13. Jahrhundert)

Das Pentagramm mit seinem Goldenen Schnitt prägte manchen Kirchenbau. Pentagramme sind noch heute an vielen Fensterrosetten gotischer Kirchengebäude zu sehen. An der Ostseite des Turms der Marktkirche Hannover ist ebenfalls ein Drudenfuß zu sehen. Eine christliche Deutung für die fünf Ecken sind die fünf Wunden Jesu Christi.

Der über einem Fünfstern errichtete Turm des José-Martí-Denkmals in Kuba ist ein Beispiel der Verwendung des Musters im profanen Bereich.

Freimaurer-Symbol

Von den Dombauhütten kam das Pentagramm zu den Freimaurern und wurde das übergeordnete Symbol auf ihren Arbeitsteppichen. Seine fünf Spitzen weisen auf die Tugenden der Klugheit, der Gerechtigkeit, der Stärke, der Mäßigung und des Fleißes hin.[2]

Weitere symbolische Deutungen der fünf Ecken des Pentagramms sind der Geist und die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft; oder auch Äther und die vier Himmelsrichtungen Norden, Süden, Westen und Osten.

Der Flammende Stern ist ein freimaurerisches Pentagramm, das von einer Gloriole umgeben ist und zentral den Buchstaben G enthält (identische Bedeutung).

Numismatik

Als Symbol auf Münzen ist das Pentagramm bereits seit der Antike bekannt und auch im Frühmittelalter auf merowingischen Münzen nachweisbar. Auch auf den Münzen und Geldscheinen Französisch-Marokkos ist es vielfach zu finden. Beispiele:

  • Keltische Münze der Senonen, ca. 80–50 v. Chr.
    Keltische Münze der Senonen, ca. 80–50 v. Chr.
  • Tanger, 0,50 Francs, Datum unbekannt
    Tanger, 0,50 Francs, Datum unbekannt
  • 10 Francs, 1943
    10 Francs, 1943
  • 50 Centimes, 1945
    50 Centimes, 1945
  • 1 Franc, Datum unbekannt
    1 Franc, Datum unbekannt

Pentakel

Das Pentagramm, insbesondere wenn es von einem Kreis umschlossen ist, wird auch als Symbol für Amulette verwendet und Pentakel genannt. Das Wort kann aber auch allgemein Amulette zur magischen Beschwörung bezeichnen, auch wenn ein anderes Symbol darauf ist.

Religion und Okkultismus

Drudenfuß als Schutzsymbol an einem Haus in Ahrweiler von 1639

In mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Zeit galt das Pentagramm als Bannzeichen gegen das Böse sowie als Zauber- und Abwehrzeichen gegen Dämonen. Der Name Drudenfuß wird zum einen damit erklärt, dass das Zeichen als Schutzzeichen gegen nächtliche Spuk- und Quälgeister (respektive zum nächtlichen Bedrücken, Paralysieren oder gar Erdrücken anderer Leute verfluchte Seelen), die Druden, angesehen wurde. Es gab aber auch den Glauben, dass Druden selbst einen vogelartigen Fußabdruck hinterlassen, der in etwa dem Pentagramm gleicht.

In Goethes Faust I (Vers 1395 f.) hindert das Zeichen den Teufel Mephistopheles daran, Fausts Studierzimmer zu verlassen:

Mephistopheles: „Gesteh’ ich’s nur! daß ich hinausspaziere / Verbietet mir ein kleines Hinderniß, / Der Drudenfuß auf eurer Schwelle –“
Faust: „Das Pentagramma macht dir Pein?“
Das Pentagramme de Faust aus Éliphas Lévis Dogme et rituel de la haute magie
Das Sigil of Baphomet der Church of Satan

Seit dem französischen Okkultisten Éliphas Lévi wird insbesondere das „umgekehrte“ Pentagramm/Pentakel mit Okkultismus und Satanismus in Verbindung gebracht. In Lévis Dogme et rituel de la haute magie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wird es als „Zeichen der Ziege des Sabbaths“ bezeichnet, wobei die Zacken jeweils für die Hörner, die Ohren und den Bart der Ziege stehen. Umgekehrt wurde das auf zwei Spitzen stehende Pentagramm mit Jesus Christus identifiziert, wobei Jesu eigentlicher Name יְהוֹשׁוּעַ (Jehoschua) beziehungsweise יֵשׁוּעַ (Jeschua) vom Tetragrammaton יהוה (JHWH) ausgehend mit יהשוה (Jahschuah) wiedergegeben und als Pentagrammaton bezeichnet wurde.[3][4]

Darauf bauten zahlreiche spätere Okkultisten auf. Mit einem Ziegenkopf in einem von verzerrten hebräischen Zeichen (LVYThN לִוְיָתָן) umringten invertierten Pentagramm erschien es 1961 auf dem Cover von Maurice Bessys Histoire en 1000 Images de la Magie; Anton LaVey übernahm dieses unter der Bezeichnung Sigil of Baphomet als Zeichen seiner 1966 gegründeten Church of Satan. LaVey benutzte das Siegel des Baphomet auch für die Cover der Schallplatte The Satanic Mass (1968) und der Satanischen Bibel (1969).

In den 1980er Jahren wurde das invertierte Pentagramm in der Metal-Szene, insbesondere im Black- und Death Metal, als Symbol für das Böse oder den Satanismus beliebt, das Siegel des Baphomet erschien z. B. auf Schallplatten wie Jamras The Second Coming (1972) und Venoms Welcome to Hell (1982). Ferner gibt es eine Doom-Metal-Band namens Pentagram und eine gleichnamige Death-/Thrash-Metal-Band. Das Pentakel (Pentagramm mit Kreis) ist auch im Neuheidentum, insbesondere in der neureligiösen Bewegung Wicca, ein wichtiges Symbol. In dem Horrorfilm Pentagram des Regisseurs Steve Lawson von 2019 beschwören vier Jugendliche, die durch schwarze Magie in einem Pentagramm auf dem Dachboden eines verlassenen Hauses gefangen sind, den Dämon Asmodäus.

Sozialismus und Kommunismus

→ Hauptartikel: Roter Stern

Literatur

  • Gerd Becker: Das Pentagramm – Symbol in Marokko. Religion, Politik und Magie im maghrebinischen Königreich. Wayasbah, Hamburg 1989, ISBN 978-3-925682-13-1. 

Weblinks

Commons: Pentagrams – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Pentagramm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Pentagram. Wolfram Research

Einzelnachweise

  1. ↑ V. Gordon Childe: New Light on the most ancient East. 1928 (1958), S. 134 + Abbildung Plate XXI; archive.org.
  2. ↑ Georg Schuster: Geheime Gesellschaften, Verbindungen und Orden. fourier (Nachdruck etwa 1992), B. 2, S. 113.
  3. ↑ The Pentagram as Pentagrammaton. Byzant Mystical, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. November 2019; abgerufen am 25. Juli 2012 (englisch). 
  4. ↑ Paula Findlen: Athanasius Kircher: The Last Man Who Knew Everything. Routledge, New York City/London 2004, ISBN 0-415-94015-X, S. 154 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
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Rückwärtsbotschaft

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026

Rückwärtsbotschaften (englisch Backmasking, Backward Messaging oder Backward Masking) sind beabsichtigte oder vermeintliche Sprachbotschaften auf Tonträgern (Vinyl-Schallplatten, Tonbändern, Audio-CDs und Audio-Dateien), die in rückwärtiger Richtung gespeichert sind und beim Abspielen in der üblichen Richtung keinen oder einen anderen Sinn ergeben. Rückwärtsbotschaften lassen sich entziffern, indem der Tonträger entgegen der vorgesehenen Richtung abgespielt wird.

Geschichte

Eine der ersten populären, beabsichtigten Rückwärtsbotschaften befindet sich auf Rain, der B-Seite der 1966 veröffentlichten Single Paperback Writer der britischen Band The Beatles.[1] Seitdem fügten auch einige andere Musiker aus künstlerischen oder satirischen Gründen ihren Stücken Rückwärtsbotschaften hinzu.

Neben intendierten Rückwärtsbotschaften wurden von einigen Konsumenten in verschiedenen Medien Sprachsequenzen gefunden, die als Rückwärtsbotschaften verdächtigt wurden. Beim Rückwärtsabspielen dieser Sequenzen, die zwar meist als Teil einer normal eingesprochenen und nicht künstlich erzeugten Sprache erkennbar sind, seien Botschaften versteckt, die mehr oder weniger deutlich und zusammenhängend wahrnehmbar seien.

Das Thema erhielt 1969 durch einen Radiomoderator aus England gesteigerte Aufmerksamkeit. Er hatte das Gerücht verbreitet, Paul McCartney, Bassist von The Beatles, sei bereits seit drei Jahren tot. An seiner Stelle würde ein Mann namens William spielen, der durch plastische Chirurgie an seinen Vorgänger optisch angeglichen worden sei. Für ein starkes Indiz dafür hielt er die Botschaft „Turn me on, dead man“, die angeblich zu hören sei, wenn man im Beatles-Song Revolution No. 9 die Worte „Number nine“ rückwärts hört. Die Todesnachricht McCartneys sei hier versteckt. Der Artikel Paul is dead befasst sich ausführlich mit dieser Verschwörungstheorie.

In der Folge setzte ein breites Interesse für Rückwärtsbotschaften in der Rock- und Popmusik ein, und man suchte Lieder nach solchen versteckten Botschaften ab. In den 1980er Jahren kamen insbesondere von christlichen US-amerikanischen Gruppierungen erste Behauptungen auf, dass in den Liedern populärer Musik, insbesondere der Rockmusik, solche Botschaften versteckt seien. Die Botschaften hätten einen okkultistischen, suizidalen, drogenverherrlichenden oder sexbezogenen Inhalt und würden die Hörer, hauptsächlich Jugendliche, durch unbewusste Beeinflussung (siehe Subliminal (Psychologie)) zu delinquenten Verhaltensformen und moralisch-sittlichem Verfall treiben. In Nordamerika waren derartige Vorwürfe an die Musiker ein Gegenstand von Gerichtsprozessen und Gesetzesvorschlägen.[2] Wie jedoch schon bei der angeblichen subliminalen Werbung in den 1950er Jahren war die Wissenschaft bereits in den 1960er Jahren der überwiegenden Meinung, diese Methode sei unwirksam. Dass während des Anhörens das Unterbewusstsein die Botschaft aus den anderen Klängen herausfiltere, um ihren rückwärts vermittelten Inhalt zu erkennen, gilt als nahezu unmöglich, und es wird verneint, dass solche Botschaften eine unbewusste Wirkung auf die Hörer haben.

Das Interesse an Rückwärtsbotschaften in der Rockmusik- und Metal-Szene ist dagegen relativ gering. Dort gelten Rückwärtsbotschaften zum Zweck der Jugendverführung als ein Mythos, der allenfalls der Brandmarkung der Musik diene. Rückwärtsbotschaften werden deshalb meist in Lieder eingefügt, um sich über die oben erwähnten Vorwürfe lustig zu machen oder durch bewusste Provokation die Verkaufszahlen zu steigern. Diese Rückwärtsbotschaften sind beim Rückwärtsabspielen des Datenträgers deutlich von jedem verstehbar. Vermeintliche, unbestätigte Rückwärtsbotschaften sind hingegen meist nur mit sehr viel Phantasie zu erkennen und zu verstehen und vom Urheber nicht intendiert und gelten mithin als Urban Legends.

Kodierung

Rückwärtsbotschaften lassen sich mittels verschiedener Verfahren herstellen:

Eine Möglichkeit ist es, bei der Audio-Aufnahme eine der Tonspuren in der entgegengesetzten Richtung der anderen Spuren zu bespielen. Danach übertragen die Toningenieure alle Spuren auf ein Band mit normaler Breite. Mit moderner Studiotechnik stellt dies kein Problem dar. Zwar lässt sich auf diese Weise verschlüsselter Text beim Rückwärts-Abspielen gut verstehen, er ist jedoch bei normaler Spielrichtung entsprechend unverständlich.

Verschlüsselte Sprache kann auch dadurch erzeugt werden, dass ein Text so aufgesagt und aufgenommen wird, dass er sich wie der rückwärts abgespielte Originaltext anhört. Allerdings ergeben sich dann beim Anhören in umgekehrter Laufrichtung meistens hörbare Unterschiede zum normal aufgesagten Originaltext in Sprechmelodie, Betonung und durch die phonetische Struktur der Laute. Dies zu vermeiden oder zu korrigieren erfordert Übung. Der Unterschied lässt sich verdeutlichen, indem man ein Palindrom aufsagt und rückwärts abspielt: das Wort „Lagerregal“ hört sich rückwärts abgespielt hörbar anders an als vorwärts.

Auf dieser Methode baut eine noch etwas kompliziertere Herangehensweise auf. Bei dieser wählt man die Wörter eines gesprochenen Textes so aus, dass sie in normaler Hörrichtung unverdächtig wirken, rückwärts angehört jedoch den gewünschten anderen Inhalt ergeben.

Eine nicht kodierende Methode der Rückwärtsbotschaft setzt einen Vorwärtstext mit einem spiegelgleichen Rückwärtstext zu einem „akustischen Palindrom“ zusammen, so dass diese Sequenz sich vorwärts wie rückwärts abgespielt identisch anhört.

Dekodierung

Auch bei der Entschlüsselung gibt es unterschiedliche Verfahren.

Die einfachste Möglichkeit der Entschlüsselung ist es, den Tonträger rückwärts ablaufen zu lassen.

Bei Vinyl-Schallplatten muss lediglich der Teller des Plattenspielers in umgekehrter Richtung gedreht werden, während der Tonabnehmer aufgelegt ist. Für das Rückwärts-Abspielen von Audio-CDs wird ein spezieller CD-Player benötigt, wie er zum Beispiel von Disc Jockeys verwendet wird. Digitale Tonformate wie zum Beispiel MP3 können mit Software für Musikbearbeitung und -wiedergabe rückwärts abgespielt werden.

Beispiele

Die meisten intendierten oder vermeintlichen Rückwärtsbotschaften werden in Rockliedern wahrgenommen, einige auch bei Popkünstlern.

Absichtliche Rückwärtsbotschaften

Von Musikern intendierte Beispiele, bei denen man meist beim normalen Abspielen nur unverständliche Geräusche hört, sind:

  • Die Ärzte, Westerland (to the Max): „Auf Westerland hängt den Frauen die Brust voller Titten“
  • Die Ärzte, Ein Lied für Dich: „Außer Campino“
  • Alligatoah, Trauerfeier (vom Album Triebwerke): „emotionale Manipulation, wahrscheinlich bin ich ein Illuminati“
  • Böhse Onkelz, Enie Tfahcstob Rüf Ediona-rap („Eine Botschaft für Paranoide“): „Herzlichen Glückwunsch. Es muss eine Menge Arbeit gewesen sein, dieses Lied rückwärts abzuspielen. Entweder du bist eines der paranoiden Arschlöcher, für die wir dieses Lied gemacht haben, oder du bist einfach nur neugierig. Ersteren sei gesagt: Wer rückwärts gesprochene satanistische oder faschistische Botschaften auf unseren Platten sucht, muss ausgesprochen dämlich sein und außerdem unter extremem Verfolgungswahn leiden. Armes Schwein, du tust uns echt leid. Sperr dich ein und schmeiß den Schlüssel weg.“
  • Chris de Burgh, The Vision (vom Album Into the Light): „A Man – A Vision“
  • Darkthrone, As Flittermice as Satans Spys: „In the name of God, let the churches burn!“
  • Electric Light Orchestra, Fire on High: „… the music is reversible … but time (is not) … turn back … turn back … turn back.“[3]
  • Electric Light Orchestra, Secret Messages: „Welcome to the show“
  • Eric Stuart, englische Synchronfassung der 128. Episode des Pokémon-Animes: „Leo Burnett and 4Kids are the devil, Leo Burnett!“
  • Iron Maiden, Still Life: „What ho said the t'ing with the three 'bonce', do not meddle with things you don't understand …“
  • Karat, Gefährten des Sturmwindes: „Geh nicht allein, sondern reih dich ein“[4]
  • Linkin Park, Announcement Service Public: „You should brush your teeth and you should wash your hands.“
  • Nina Hagen, Fall in Love mit mir (vom Album Unbehagen, erste Auflage): „Wir haben schon diverse Künstler kommen und gehen sehen“
  • Opeth, Hessian Peel: „Out of the court yard, come back tonight; my sweet Satan, I see you.“
  • Petra, Judas’ Kiss: „What are you looking for the devil for, when you ought to be looking for the Lord?“[5]
  • Pink Floyd, Empty Spaces: „Congratulations. You have just discovered the secret message. Please send to […]“[6]
  • Prince, Baby I’m A Star (vom Album Purple Rain): „Like what the fuck do they know. All their taste is in their mouth. Really. What the fuck do they know? Come on baby. Let’s go … crazy.“
  • Prince, Darling Nikki (vom Album Purple Rain): „Hello, how are you? I’m fine. 'cause I know that the Lord is coming soon, coming, coming soon.“
  • Propaganda, Dr. Mabuse: „Warum schmerzt es, warum schmerzt es, wenn mein Herz den Schlag verpasst?“' (wörtliche Übersetzung von „Why does it hurt when my heart misses the beat?“ aus demselben Lied)
  • Scooter, C. I. F. L.: „Copyright is for losers“
  • Slayer, Hell Awaits: „Join us, Join us, Join us …“
  • Ulla Meinecke Kleine Schwester „Gabi, das hier ist eigentlich Dein Lied“
  • The Distorted Elvises Satanic Message am Ende der „Gun in Acapulco“

Vermeintliche Rückwärtsbotschaften

Es folgen Beispiele für rückwärts gespielte Verhörer, also vermeintliche Rückwärtsbotschaften, die von den jeweiligen Künstlern offiziell nicht intendiert sind, jedoch von einigen Hörern als absichtlich durch entsprechende Aussprache (Phonetic Reversal) eingearbeitet wahrgenommen werden. Sollte man die entsprechenden musikalischen Abschnitte ohne Kenntnis des zu erwartenden Textes rückwärts hören, würde man sie meist nicht verstehen können.

  • Led Zeppelin, Stairway to Heaven: „Oh here’s to my sweet Satan. The one whose little path would make me sad, whose power is Satan. He will give those with him 666. There was a little toolshed where he made us suffer, sad Satan.“
  • Madonna, Hung Up: Love Good Night – Your Suicide in der Textzeile „Time goes by, so slowly“
  • Queen, Another One Bites the Dust: „Start to smoke marijuana“ und „Decide to smoke marijuana“ beziehungsweise „It’s fun to smoke marijuana“.
  • Nirvana, Smells Like Teen Spirit: „John Dillinger died for you.“ und „Say yes to me, what are you doing, say yes to me, i am bruised too much“
  • Britney Spears, … Baby One More Time: „Sleep with me, I’m not too young.“
  • Sandra, Little Girl: „The evil is in me.“
  • The Doors, Break on Through (To the Other Side): „I am Satan.“
  • The Eagles, Hotel California: „Satan he hears this. He had me believe.“
  • Yoko Ono, Kiss, Kiss, Kiss: „I shot John Lennon“
  • Michael Jackson, Earth Song: „Survivor“
  • Falco, Out of the Dark: „Ich hab zum Leben keine Lust mehr“
  • Mercyful Fate, Melissa (Auf der Wiederveröffentlichung des gleichnamigen Albums): „What message is this?“ King Diamond, der Sänger der Band, bestreitet, je Rückwärtsbotschaften eingefügt zu haben. Alle Botschaften seien bei normalem Abspielen zu hören und düster genug, es sei nicht nötig, versteckte Botschaften hinzuzufügen.[7]
  • Judas Priest, Better by You, Better than Me: „Do it“

Parodien

  • In der Simpsons-Episode New Kids on the Blecch (deutscher Titel Die sensationelle Pop-Gruppe) ist Bart Mitglied der Boygroup Party Posse, die mit der Single Drop da Bomb! berühmt wird. Der hypnotische Refrain dieses Lieds ist „Yvan Eht Nioj“, was von Lisa als unterschwellige Botschaft (rückwärtskodiert Join the Navy) entlarvt wird.
  • In der Simpsons-Episode Lisa als Vegetarierin erfährt Lisa von Paul McCartney, dass sein Song „Maybe I’m Amazed“ ein Kochrezept für Linsensuppe enthalte, das man in Form einer Rückwärtsbotschaft finde.
  • 1990 verarbeitete das hessische Comedy-Duo Badesalz auf dem Album Och Joh die Sorge vor Rückwärtsbotschaften vor allem in Heavy-Metal-Stücken parodistisch: Herbert versteht die Botschaften „Rippchen mit Kraut“ und „Blutwurst“ als „Stich in die Braut“ und „Blutdurst“.
  • Auf dem im Jahr 2000 veröffentlichten Album Sex Sex Sex von J.B.O. ist eine Stimme zu hören, die wie in umgekehrter Richtung abgespieltes Rückwärtsgesprochenes klingt: „Warnung! Wenn Sie diese CD vorwärts abspielen, könnte es sein, dass Sie satanische Botschaften hören.“ Später auf der CD gibt es tatsächlich drei kurze Titel Satanische Botschaften, die jedoch erwartungsgemäß eher komischer Natur sind.

Einzelnachweise

  1. ↑ Vorgeschichte: Rückwärtsbotschaften und böser Einfluss, Metal Hammer, 27. März 2009
  2. ↑ Christopher Partridge: Popular Music, Conspiracy Culture, and the Sacred. In: Asbjørn Dyrendal, David G. Robertson, Egil Asprem (Hrsg.): Handbook of Conspiracy Theory and Contemporary Religion. Brill, Boston/Leiden ISBN 978-90-04-38150-6, S. 180–206, hier S. 189.
  3. ↑ R. Gary Patterson: Take a Walk on the Dark Side: Rock and Roll Myths, Legends, and Curses, S. 172–173, Fireside 2004, ISBN 0-7432-4423-0
  4. ↑ Caroline Gerlach: KARAT Pop nonstop, 1985, Seite 34
  5. ↑ William Poundstone: Backward Messages on Records. Bigger Secrets. Houghton Mifflin, S. 227–232, ISBN 0-395-45397-6. Archivierte Kopie (Memento vom 7. Juni 2011 im Internet Archive)
  6. ↑ Jeff Milner's Backmasking site. Jeff Milner, abgerufen am 3. Februar 2010. 
  7. ↑ interview with King Diamond conducted by Bill Zebub (Memento vom 20. Dezember 2013 im Internet Archive) – The Grimoire of Exalted Deeds Magazine, abgerufen am 16. November 2013.

Literatur

  • Michael Buschmann: Rock im Rückwärtsgang. Manipulation durch „backward masking“. Schulte & Gerth, Asslar 1987, ISBN 3-87739-663-1.
  • Heinz Buddemeier & Jürgen Strube: Die unhörbare Suggestion. Forschungsergebnisse zur Beeinflussung des Menschen durch Rockmusik und subliminale Kassetten. Urachhaus, Stuttgart 1989, ISBN 3-87838-614-1.
  • Dierk Heimann: Backward masking. Fluch oder Flop. Memra, 1990, ISBN 3-89437-145-5.
  • Werner Helsper: Okkultismus – Die neue Jugendreligion? Die Symbolik des Todes und des Bösen in der Jugendkultur. Leske und Budrich, Opladen 1992, ISBN 3-8100-0872-9.
  • Ralf Ott: Subliminale akustische Beeinflussung – Fakten und Fiktionen (Memento vom 7. Juli 2007 im Internet Archive). In: Hypnose und Kognition. Nr. 15, 1998, S. 57–78 (darin Kap. 3: Backmasking in Unterhaltungsmusik (Memento vom 4. Juli 2007 im Internet Archive)).
  • Christoph Reuter, Michael Oehler: Rückwärtsbotschaften in der Rock-, Pop- und Heavy-Metal-Musik. In: Musik im Spektrum technologischer Entwicklungen und Neuer Medien, hrsg. v. Arne Bense, Martin Gieseking, Bernhard Müßgens. epOs-Music, Osnabrück 2015, S. 323–336.
  • Helmut Rösing: Heavy Metal, Hardrock, Punk: Geheime Botschaften an das Unbewußte? In: Beiträge zur Popularmusikforschung. Bd. 12, 1992, S. 163–185, urn:nbn:de:hebis:26-opus-52881 (Volltext).
  • Wolfgang Weirauch: nataS – Satan. Rückwärts gesprochene Texte auf Rockplatten. in Flensburger Hefte. Nr. 19, 1989, ISBN 3-926841-06-0, S. 162–169.

Weblinks

  • Rock’n’Roll im Rückwärtsgang – Artikel von Benjamin Maack auf einestages, 19. März 2009 (mit Hörbeispielen)
  • Jeff Milner’s Backmasking Site (Hörproben verdächtiger Werke)
  • Backward Masking – Teil 3 der Serie Haarus Longus Satanas? von rls (Roland Ludwig) bei CrossOver – Netzwerk für Jugendkultur



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Rückwärtsbotschaft aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Satanische Bibel

Noir24admin Satanismus 21. Juni 2026
Das Siegel des Baphomet wurde von LaVey auf dem Cover der Satanischen Bibel verwandt.

Die Satanische Bibel (Originaltitel: The Satanic Bible) ist ein von Anton LaVey verfasstes Grundlagenwerk der Church of Satan. Es besteht aus den vier Büchern Satan, Luzifer, Belial und Leviathan. In dem Buch beschreibt LaVey seine Weltanschauung, mit der er zugleich den Status einer Religion beansprucht, die nach LaVeys Darstellung in der Walpurgisnacht 1966 begründet wurde.

Entstehung

Gemäß der Darstellung des Verfassers LaVey wurde das Werk von ihm in eben jener Walpurgisnacht verfasst.

Demgegenüber steht die Darstellung von LaVeys Tochter Zeena und Nikolas Schreck, wonach der Text unter vom Verlag ausgeübtem Zeitdruck entstanden sei. Zudem wird der Vorwurf erhoben, das Werk sei in großen Teilen ein Plagiat, welches aus ungekennzeichneten Zitaten kompletter Passagen diverser anderer Schriften besteht. Als Beispiele werden Ragnar Redbeards sozialdarwinistisches Might is Right und John Dees Enochian Keys, wohl zitiert aus Aleister Crowleys Equinox[1] angeführt.

Die Satanische Bibel beruht unter anderem auf der Doktrin des radikalen Egoismus und Individualismus der US-amerikanischen Schriftstellerin und Philosophin Ayn Rand. Rand ist eine der wichtigsten Autoren, die in der Satanischen Bibel zitiert werden. LaVey erklärte, dass seine Religion „nur die Philosophie von Ayn Rand ist, der Zeremonien und Rituale hinzugefügt wurden“ und dass der Satanismus weit mehr mit dem Objektivismus gemein hat als mit jeder anderen Religion oder Philosophie.[2][3]

Inhalt

Am Anfang des Buches werden die neun satanischen Grundsätze genannt, die als die Gebote der Church of Satan zu betrachten sind.

  1. Satan bedeutet Sinnesfreude anstatt Abstinenz.
  2. Satan bedeutet Lebenskraft anstatt Hirngespinste.
  3. Satan bedeutet unverfälschte Weisheit anstatt heuchlerischem Selbstbetrug.
  4. Satan bedeutet Güte gegenüber denen, die sie verdienen, anstatt Liebe an Undankbare.
  5. Satan bedeutet Rache anstatt Hinhalten der anderen Wange.
  6. Satan bedeutet Verantwortung für die Verantwortungsbewussten anstatt Fürsorge für psychische Vampire.
  7. Satan bedeutet, dass der Mensch lediglich ein Tier unter anderen Tieren ist, manchmal besser, häufig jedoch schlechter als die Vierbeiner, da er auf Grund seiner „göttlichen, geistigen und intellektuellen Entwicklung“ zum bösartigsten aller Tiere geworden ist.
  8. Satan bedeutet alle sogenannten Sünden, denn sie alle führen zu physischer, geistiger und emotionaler Erfüllung.
  9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hat sie die ganzen Jahre am Leben erhalten.

Die Satanische Bibel umfasst ferner vier Kapitel, die als Bücher bezeichnet werden und für die vier Grundelemente alles Seins gemäß der Vier-Elemente-Lehre stehen:

Das Buch Satan (Feuer)

Das Buch ist aus der Erzählerperspektive Satans geschrieben und in fünf Bereiche unterteilt. Unter anderem werden Religionen, insbesondere die christliche und jüdische, kritisiert.

Das Buch Luzifer (Luft)

Dieses Kapitel behandelt das Verhältnis eines Satanisten zu Gott und beschreibt satanischen Sex. Es beinhaltet gleichfalls satanische Feiertage. In diesem Kapitel distanziert sich der Autor davon, dass Satanisten Menschen und Tiere opfern, Orgien feiern und Blut trinken.

Das Buch Belial (Erde)

Hier werden vorwiegend die Theorie und die Praxis der satanischen Magie aufgestellt und Ritualarten genannt. Auch der Aufbau und eine Liste der Gegenstände, die verwendet werden, sind zu finden.

Das Buch Leviathan (Wasser)

Umfasst die Anrufung Satans, höllische Namen sowie die Anrufung zum Beschwören von Lust, Vernichtung und Mitleid. Auch John Dees 19 Henochische Schlüssel sind hier zu finden.

Ausgaben

  • Erstausgabe: The Satanic Bible. Avon Books, 1969, ISBN 0-380-01539-0.

Die deutsche Übersetzung von Ingrid Meyer wurde erstmals im Jahr 1999 vom Verlag Second Sight Books herausgegeben. Der gesamte Text wurde dabei in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund gedruckt. Später wurde die Satanische Bibel zusammen mit LaVeys Die satanischen Rituale herausgegeben.

  • Die Satanische Bibel. Second Sight Books, Berlin 1999, ISBN 3-00-004343-8.
  • Die Satanische Bibel und ihre Rituale. Second Sight Books, Berlin 2003, ISBN 3-935684-05-3. Neuausgabe: Index-Verlag, Zeltingen-Rachtig 2013, ISBN 978-3-936878-26-4.

Einzelnachweise

  1. ↑ Georg Schmid: Church of Satan, 2005; siehe Absatz 8 (abgerufen am 27. August 2007).
  2. ↑ Satanism and Objectivism. Abgerufen am 12. November 2022 (englisch). 
  3. ↑ Bill Ellis: Raising the Devil: Satanism, New Religions, and the Media. The University Press of Kentucky, Lexington 2000, S. 180 (englisch). 



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