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Wieuwerd

Noir24admin Bestattung 22. Juni 2026
Wieuwerd
Flagge des Ortes Wieuwerd
Flagge
Wappen des Ortes Wieuwerd
Wappen
Staat Niederlande Niederlande

Provinz  Fryslân
Gemeinde Flagge der Gemeinde Súdwest-Fryslân Súdwest-Fryslân
Fläche
 – Land
 – Wasser
4,08 km²
4,02 km²
0,06 km²
Einwohner 285 (1. Jan. 2024[1])
Koordinaten 53° 7′ N, 5° 41′ O53.1088895.69Koordinaten: 53° 7′ N, 5° 41′ O
Höhe 0 m NAP
Bedeutender Verkehrsweg N384
Vorwahl 058
Postleitzahlen 8637
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Nikolaaskirche in Wieuwerd 1946

Wieuwerd (westfriesisch Wiuwert) ist ein Dorf mit etwa 285 Bewohnern in der niederländischen Gemeinde Súdwest-Fryslân in der Provinz Friesland. Es gehörte bis 2018 zu Littenseradiel und liegt im Norden von Sneek und im Südwesten der Stadt Leeuwarden.

Geschichte

Das Dorf wurde im 13. Jahrhundert als Wiwerth, 1335 als Wyewart, 1370 als Wywerth, 1503 als to wyuwerd und 1664 als Wieuwerdt genannt. Im Norden liegt das Schloss Waltastate aus dem 17. Jahrhundert.[2]

Labadisten

Als der Pietist Jean de Labadie 1674 gestorben war, gingen seine Anhänger unter dem Prediger Pierre Yvon nach Wieuwerd in das Schloss Walt(h)a, das den drei Schwestern Anna, Maria und Lucia van Aerssen van Sommelsdijck gehörte, die es ihrem Bruder Cornelis (1637–1688), dem Gouverneur von Surinam, abgekauft hatten.[3] Dort betrieben die Labadisten eine Druckerei, Landwirtschaft und eine Mühle. Zu ihnen gehörte führend Anna Maria von Schürmann, eine europaweit bekannte Gelehrte, die hier 1678 im Glauben starb, einer künftigen Weltgemeinde anzugehören. Hendrik van Deventer,[4] der über chemische und medizinische Kenntnisse verfügte, richtete ein Labor ein und behandelte viele Patienten, darunter den König Christian V. von Dänemark. Weitere Besucher waren Sophie von Hannover, der Quäker William Penn, und der Philosoph John Locke.[5] Zwischen 1685 und 1691 hielt sich die Naturforscherin Maria Sibylla Merian in der Kommunität mit ihren Töchtern Johanna Helena und Dorothea Maria auf.[6] Auf dem Höchststand wohnten hier mehrere hundert Menschen und viele Gäste kamen noch hinzu. Es herrschte eine strenge Disziplin, Gruppentrennung und bis 1692 auch Gütergemeinschaft nach dem Vorbild der Urgemeinde. 1695 heiratete Yvon die Schlosseigentümerin Lucia, eine der drei Schwestern und angeblich auch Witwe Labadies, 1707 starben beide. Um 1730 löste sich die Kommunität auf. Von Schloss Walt(h)a ist nichts erhalten.[7]

Mumien in der Krypta

Eine der Mumien, Fotografie von 1946
Die aufgehängten Vögel über den geöffneten Särgen, Fotografie von 1946

In der Gruft (auch Krypta) der Nikolaas-Kirche von Wiuwert liegen mehrere unverweste, mumifizierte Körper, die dort im 16. Jahrhundert beigesetzt wurden. Als 1765 die Kirchengruft bei Renovierungsarbeiten geöffnet wurde, fand man statt Skeletten nahezu vollständig erhaltene Mumien.[8]

Bereits um 1800 wurde von Wissenschaftlern festgestellt, dass die Leichen nicht behandelt worden waren. Die Körper sind nicht verwest, sondern ausgetrocknet, ein Körper wiegt noch etwa 4 kg. Es handelt sich also um natürliche Mumien. Als Folge der verschiedenen Untersuchungen wurden die meisten Leichen beschädigt oder zerstört. Heute sind nur noch vier der ursprünglich elf Mumien erhalten geblieben.

Es ist nicht genau erforscht, weshalb die beigesetzten Leichname nicht verwesten. In der Gruft gibt es auf beiden Seiten kleine Fenster durch welche Luft frei zirkulieren kann. Der konstante Luftzug trocknet anscheinend die Leichen mit der Zeit aus. Die Temperatur im Raum ist eher niedrig, die Luftfeuchtigkeit trotzdem eher hoch. Die Mumien an der Nordseite sind in einem besseren Zustand, dort ist es feuchter.

Folgende Personen liegen in den mit Glasscheiben abgedeckten Särgen:

  • ein Goldschmied
  • eine unbekannte Frau
  • ein Mann mit einer Kieferentzündung
  • ein Mädchen mit Tuberkulose

Um zu überprüfen, ob die Mumifizierung immer noch funktioniert, hat man 1930 drei tote Vögel aufgehängt, welche noch immer an der Decke hängen.

Ähnliche Mumien sind in der Gruft der Michaelerkirche (Wien-Innere Stadt) oder in der Kapuzinergruft von Palermo zu finden.

Hortfund

Goldfund von Wieuwerd

1866 wurde bei Torfarbeiten ein Goldschatz gefunden, zu dem Münzen aus dem 6. und 7. Jahrhundert aus Byzanz und Franken gehören. Daneben wurden Schmuckstücke wie eine Fibel und Ohrringe gefunden. Der Schatz ist heute im Rijksmuseum van Oudheden zu sehen.[9][10]

Weblinks

Commons: Wieuwerd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Shan Dark: Mumien in Holland Niederlande - Wieuwerd Wiuwert Friesland. In: Der schwarze Planet. Abgerufen am 20. März 2022. 

Einzelbelege

  1. ↑ Kerncijfers wijken en buurten 2024. In: StatLine. CBS, 14. Oktober 2024, abgerufen am 17. Oktober 2024. 
  2. ↑ P. Duijff: Karel F. Gildemacher, Alle steden, dorpen en gehuchten. Gerald van Berkel, Friese plaatsnamen verklaard. Reeks Nederlandse plaatsnamen deel 11. In: Us Wurk. Band 69, Nr. 3–4, 30. Dezember 2020, ISSN 2772-8021, S. 179–188, doi:10.21827/5e95aad46fda5. 
  3. ↑ DE RIJKE ADELLIJKE FAMILIE VAN WALTA – Mummiekelder |het geheim van wiuwert | Friesland | Nederland | Europa. Abgerufen am 20. März 2022 (niederländisch). 
  4. ↑ van der Weiden, R M; Hoogsteder, W J: A new light upon Hendrik van Deventer (1651-1724): identification and recovery of a portrait. In: J R Soc Med. Band 90, Nr. 10, Oktober 1997, S. 567–69. 
  5. ↑ Wayne Glausser: Locke and Blake : a conversation across the eighteenth century. University Press of Florida, Gainesville 1998, ISBN 0-8130-1570-7, S. 23 f. 
  6. ↑ Merian, Maria Sibylla | Frankfurter Personenlexikon. Abgerufen am 4. April 2022. 
  7. ↑ Viola Gburek: Zuflucht in Friesland. In: merianin.de. Abgerufen am 11. Juli 2022 (deutsch). 
  8. ↑ Mummiekelder |het geheim van wiuwert | Friesland | Nederland | Europa. Abgerufen am 20. März 2022 (niederländisch). 
  9. ↑ Alamy Limited: Das niederländische Mittelalter, Goldschatz von Wieuwerd, Gold, verschiedene, vmeb c., 640 n. Chr., Niederlande, Friesland, Littenseradiel, Wieuwerd, terp Bessens Stockfotografie - Alamy. Abgerufen am 4. April 2022. 
  10. ↑ Peter Berghaus: Anglo-friesische Runensolidi im Lichte des Neufundes von Schweindorf (Ostfriesland). Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-663-02306-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Wieuwerd aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Nachruf

Noir24admin Bestattung 22. Juni 2026
Erste Seite des Nachrufs auf Wilhelm Ellenberger in einer Fachzeitschrift mit Trauerrand (1929)

Ein Nachruf, auch Nekrolog genannt, ist eine in der Regel mündliche oder schriftliche Würdigung des Lebens und der Leistungen einer vor kurzem verstorbenen Person. Nachrufe auf bekannte Persönlichkeiten erscheinen in Printmedien, in digitalen Medien und im Hörfunk.

Medienunternehmen halten Nachrufe auf prominente Personen schon zu deren Lebzeiten bereit, um im Todesfall schnell reagieren zu können (ein Beispiel sind die vorproduzierten Nachrufe der ARD in der XY-Liste).

Etymologie

Das Verb nachrufen ist seit Kaspar von Stieler belegt,[1] er umschreibt es lateinisch Sectari aliquem clamore per vias ‚Jemanden mit lautem Rufen durch die Straßen verfolgen‘. Für das Nomen Nachruf ist keine frühere Quelle bekannt als Philipp von Zesens „Hoch-deutscher Helikon“,[2] er verwendet es jedoch abweichend von Stieler zur Verdeutschung des Fremdwortes „Echo“.[3]

In den Gedichten von Johann Christian Günther tritt „Nachruf“ häufiger auf, bei ihm hat es die Bedeutung „Nachruhm“,[4] die im Wörterbuch erst bei Johann Christoph Adelung erscheint.[5] Joachim Heinrich Campe vermerkt in seinem „Wörterbuch der deutschen Sprache“ (2. Auflage 1813) zusammengefasst folgende Bedeutungen von „Nachruf“: (1)  einen Ruf an eine sich entfernende Person oder Sache; (2)  „einen Ruf, welchen man nach seiner Entfernung, seinem Tode an andere zurückläßt“ (Text des Verstorbenen!); (3)  Synonym von „Nachruhm“ (wie Adelung).

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts löste sich das Wort aus diesen historischen Bezügen und drang als Ersatzwort für Nekrolog (ein über einen Verstorbenen verfasster Text) durch,[6] für das es vorher keine allgemein anerkannten Verdeutschungsvorschläge gab. Als Nekrolog wurden im Mittelalter außerdem Totenverzeichnisse bezeichnet.

Alle übrigen Bedeutungsinhalte des Substantivs (Zesen, Günther, Campe) sind durch den Bedeutungswandel weitgehend verloren.[7]

Siehe auch

  • Epitaph
  • Funeraldruck
  • Grabspruch
  • Leichenpredigt
  • Totenzettel
  • Trauerrede

Literatur

  • Ralf Georg Bogner: Der Autor im Nachruf. Formen und Funktionen der literarischen Memorialkultur von der Reformation bis zum Vormärz. Niemeyer, Tübingen 2006, ISBN 3-484-35111-X (= Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 111). Zugleich Habilitationsschrift, Universität Rostock 2005.
  • Terence Kardong OSB: Das Leben des Anderen. Von der Kunst, einen Nekrolog zu schreiben. In: Erbe und Auftrag 2/2018, S. 146–155 (Inhaltsangabe).
  • Harald Martenstein: Über Nachrufe. In: Zeitmagazin, Nr. 43/2015; Glosse.

Weblinks

Commons: Nachrufe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Nachruf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Kaspar von Stieler: Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs. 1630.
  2. ↑ Philipp von Zesen: Zum dritt- und letzten mahle ausgefärtigter Hoch-deutscher Helikon. 1649.
  3. ↑ Hoch-deutscher Helikon, Anzeiger der fremden Wörter [unpaginiert]: „Echo[:] Tahlmunde / widerschal / gegenhal / nachruf [Hervorhebungen durch Bearbeiter], Nachhall / widerruf.“
  4. ↑ Schweidnitz 1710–1715 Zeile „Dein Nachruf nennt die Sterne seine Brüder.“ oder „Dein Nachruf wird durch sie einst bey den Sternen stehen.“ Digitalisat. zeno.org
  5. ↑ Johann Christoph Adelung: Nachruf. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage. Band 3: M–Scr. Breitkopf, Leipzig 1798, S. 383–384 (Digitalisat. zeno.org). 
  6. ↑ Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Auflage. Bearb. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin 1960.
  7. ↑ Günther Drosdowski (Hrsg.): DUDEN: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden. 1976 ff.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4128540-2 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS) | LCCN: sh85093651 | NDL: 00565999



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Thanatopraxie

Noir24admin Bestattung 22. Juni 2026
Wiederherstellungwerkzeuge

Thanatopraxie oder Thanatopraxis (von griech. θανατος thanatos „Tod“, siehe Thanatos, Gott des Todes in der griechischen Mythologie; πραξια praxia „Handwerk“) umfasst alle Tätigkeiten im Bestattungswesen, die über eine hygienische Totenversorgung hinaus nötig sind, um die ästhetisch und hygienisch einwandfreie Aufbahrung eines Verstorbenen zu gewährleisten. Eine thanatopraktische Behandlung vereinfacht den Hinterbliebenen die pietätvolle Abschiednahme am offenen Sarg.

Im engeren Sinn gehören zur Thanatopraxie beispielsweise die optische Wiederherstellung von Unfallopfern und die vorübergehende Konservierung einer Leiche zum Zwecke ihrer Überführung ins Ausland oder ihrer öffentlichen Aufbahrung im offenen Sarg über einen längeren Zeitraum hinweg. Wissenschaftliche Grundlage der Thanatopraxie ist die Thanatologie, Ausführende sind Bestatter, die zusätzlich qualifizierte „Thanatopraktiker“ oder „praktische Thanatologen“ sind.[1]

Als Aufgabengebiete der Thanatopraxie können insbesondere gezählt werden:

Instrumente, wie sie beim Modern Embalming verwendet werden
  • die Wiederherstellung des ästhetischen Erscheinungsbildes des Verstorbenen durch spezielle Kosmetik, Restaurierung oder Rekonstruktion, besonders dann, wenn der Körper durch Gewalteinwirkung, Unfalltod, Krankheit, Verfärbung, außergewöhnlich schnelle Verwesung, Suizid entstellt ist.
  • die Verzögerung der Verwesung des Leichnams durch Einbalsamierung (Modern Embalming). Dabei wird das Blut durch einen verwesungshemmenden Wirkstoff ersetzt, der meist auf Formalin basiert.
  • die Herstellung von Totenmasken des Verstorbenen.

Weblinks

  • Konservierung der Leiche, Thanatopraxie

Einzelnachweise

  1. ↑ Selina Stiegler: Den Toten die Würde wiedergeben. (... Die Thanatopraxis) versucht, an den Körpern von Verstorbenen die Verletzungen zu kaschieren, die zum Beispiel schwere Verletzungen oder Schusswaffen hinterlassen haben. In: General-Anzeiger (Bonn) vom 23./24. September 2023, S. 4 Journal



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Trauerredner

Noir24admin Bestattung 22. Juni 2026

Trauerredner halten im Rahmen einer Trauerfeier oder Beerdigung die Trauerrede. Die Berufsbezeichnung variiert je nach der Region, in der sie tätig sind. Gängig sind z. B. Beerdigungs-, Bestattungs- oder Grabredner, Nachrufredner, Redner oder Sprecher, auch mit dem Zusatz frei oder weltlich. Die Trauerreden können, je nach Wunsch, rein weltlich als auch mit religiösen Elementen und Gebeten gehalten werden. Der Kern der Trauerrede ist der Blick zurück auf das Leben eines verstorbenen Menschen.

Neben Trauerrednern halten auch freie Theologen oder Pastoren Trauerreden. Zumeist sind dies ehemalige kirchliche Würdenträger wie Diakone oder Priester oder freikirchliche Geistliche, die sowohl weltanschaulich neutrale als auch Trauerzeremonien mit christlichen Elementen anbieten. „Miet-Pfarrer“ als Trauerredner werden von den großen Kirchen kritisch gesehen.[1][2]

Mit der Trauerfeier auf dem kommunalen Friedhof oder im Bestattungsinstitut übernehmen sie die sonst übliche Rolle der Geistlichen und treten an deren Stelle.[3]

Geschichte

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Bitte hilf uns dabei, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Trauerredner haben ihren Ursprung in den freireligiösen und freigeistigen Bewegungen des 19. Jahrhunderts. Die Aufklärung hatte für die Emanzipation des Denkens wesentliche Voraussetzungen geschaffen, die in Deutschland schließlich mit der Weimarer Verfassung 1920 auf die Trennung von Kirche und Staat hinausliefen. Weitere Faktoren waren die atheistische Kremationsbewegung von 1789, in der Franzosenzeit die Anlage kommunaler konfessionsloser Friedhöfe, die erste Konstruktion einer modernen Leichenverbrennungsanlage durch den Industriellen Friedrich Siemens, die Inbetriebnahme des ersten Krematoriums 1878 in Gotha und der Konfessionsstreit der mitgliederstarken Feuerbestattungsvereine[4] mit den christlichen Kirchen wegen der Feuerbestattung. Bis 1954 verbot die evangelische Kirche ihren Geistlichen die Mitwirkung an Kremationsfeiern, die katholische Kirche tat dies bis 1963.

Aufgrund des hohen Anteils an Konfessionslosen in der Bevölkerung gibt es heute die meisten Trauerredner in Ostdeutschland[5] und in den Ballungsräumen der Großstädte. Nach Statistiken der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Katholischen Bischofskonferenz (DBK) wurde im Jahr 2019 fast die Hälfte der Verstorbenen in Deutschland ohne kirchliche Begleitung bestattet; der Anteil kirchlicher Bestattungen im Jahr 2019 betrug 52,2 Prozent, im Jahr 2000 noch 71,5 Prozent.[6]

Die zunehmende Verbreitung nichtkirchlicher Trauerfeiern und die Rolle freiberuflicher Trauerredner werden auch in der praktisch-theologischen Forschung sowie innerhalb kirchlicher Diskurse aufgegriffen. Dabei wird untersucht, wie sich Bestattungskultur und Kasualpraxis im Zuge gesellschaftlicher Säkularisierung und Individualisierung verändern.[7]

Beruflicher Status

Trauerredner sind in der Regel freiberuflich tätig, doch es gibt ebenfalls Bestatter, die als Inhaber oder deren Mitarbeiter diese Aufgabe wahrnehmen. Die Trauerredner erhalten ihr Mandat, eine Trauerfeier zu übernehmen, von den Angehörigen. Sie sprechen weder im Auftrag einer Religions- noch einer Weltanschauungsgemeinschaft oder einer sonstigen Institution.

Berufsständische Organisation

Der Berufsstand umfasst nach deren eigenen Angaben etwa fünfhundert Personen in Deutschland, ferner Trauerredner in Österreich und in der Schweiz sowie in den Niederlanden. Trauerredner werden meistens von Bestattungsinstituten vermittelt und arbeiten eng mit dem Bestattungsgewerbe zusammen. In Deutschland haben sich 1996 als Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier und 1989 als Fachverband für weltliche Trauer- und Bestattungskultur organisiert.

Auswahl eines Trauerredners

Maßgeblich für die Wahl einer weltlichen Trauerfeier sind der Wunsch des Verstorbenen zu seinen Lebzeiten und/oder die eigenen Vorstellungen der Hinterbliebenen von der bevorstehenden Trauerfeier. Dabei bedeutet „weltlich“, dass keine dogmatische oder kirchliche Sinndeutung des Lebens und Todes eines Menschen vorgenommen wird. Religiöse Symbole oder Weltanschauungen aus dem Leben des Verstorbenen können dabei durchaus einen eigenen Stellenwert in der Trauerfeier einnehmen.

Literatur

  • Marianne Kramer-Abebe: Aufbruch zu neuen Ritualen. Eine Annäherung an die Praxis freiberuflicher Ritualbegleiter und Ritualbegleiterinnen. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, 39. Band, Göttingen 2000, S. 35–64.
  • Michael Nüchtern, Stefan Schütze: Bestattungskultur in Bewegung. Hrsg. von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW-Texte Nr. 200), Berlin 2008.
  • Birgit Aurelia Janetzky: TrauerReden. Leitfaden für Traueransprachen. Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes, Düsseldorf 2013, ISBN 978-3-936057-39-3.
  • Teresa Schweighofer: Das Leben deuten. Eine praktisch-theologische Studie zu Freier Ritualbegleitung, Würzburg 2019, ISBN 978-3-429-05405-2 .

Einzelnachweise

  1. ↑ Manon Priebe: Pastor auf Bestellung. In: Evangelisch.de 18. Juni 2013. Abgerufen am 14. Oktober 2013.
  2. ↑ Einen Pastor per Mausklick mieten. In: idea.de 30. Juni 2013. Abgerufen am 14. Oktober 2013.
  3. ↑ Jan Hermelink: Die weltliche Bestattung und ihre kirchliche Konkurrenz. Überlegungen zur Kasualpraxis in Ostdeutschland. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, 39. Jg., Göttingen 2000, S. 65–86. Ders.: Christlich, weltlich oder von allem ein wenig. In: Praktische Theologie, 37. Jg., 2002, S. 206–209.
  4. ↑ Barbara Happe: Der Tod gehört mir. Die Vielfalt der heutigen Bestattungskultur und ihre Ursprünge. Reimer Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-496-02856-7, S. 76–95
  5. ↑ Alles hat am Ende sich gelohnt. Material für weltliche Trauerfeiern. Hrsg. vom Zentralhaus für Kulturarbeit der DDR, Leipzig 1972.
  6. ↑ Anteil kirchlicher Bestattungen weiter rückläufig Aeternitas e. V., 2021. Abgerufen am 11. Februar 2022.
  7. ↑ Marcell Saß: Rent a Pastor? Beobachtungen zur Ritualpraxis im Zeitalter der Digitalisierung. In: Ulrike Wagner-Rau, Emilia Handke (Hrsg.): Provozierte Kasualpraxis. Rituale in Bewegung. W. Kohlhammer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-037060-9, S. 47–60.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 7638100-6 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)



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Verstorbener

Noir24admin Bestattung 22. Juni 2026

Ein Verstorbener ist ein gestorbener Mensch vom Zeitpunkt seines Todes bis zum Ablauf seines postmortalen Persönlichkeitsschutzes. Das Andenken Verstorbener ist strafrechtlich vor Verunglimpfung geschützt (§ 189 des Strafgesetzbuches). Nach der Bestattung oder dem Auffinden eines leblosen Vermissten spricht man (auch) von einem Toten. Der Begriff Verstorbener ist zu unterscheiden von den Begriffen Leiche oder Leichnam, die nur den Körper bezeichnen.[1]

Weblinks

Wiktionary: Verstorbener – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Siehe zum Beispiel § 88 der Strafprozessordnung.



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  1. Mellifikation
  2. Mingqi
  3. Ehrengrab
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