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Traumdeutung

Noir24admin Traum 22. Juni 2026
Traumanalyse ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur gleichnamigen Episode einer Science-Fiction-Fernsehserie siehe Traumanalyse (Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert).

Traumdeutung bzw. Oneirologie (griechisch ὄνειρος oneiros, deutsch ‚der Traum‘) bezeichnet jene Tätigkeiten und weltanschaulichen Konzepte, die hinter den im Traum erlebten Bildern, Handlungen und Gefühlen jeweils eine bestimmte, meist wichtige symbolische Botschaft vermuten und versuchen, sie methodisch zu deuten.

Die moderne Traumdeutung beruht auf den Forschungen Sigmund Freuds, dessen psychoanalytische Theorie das Traumgeschehen als wichtige Informationsquelle über unbewusste Erlebensweisen des Menschen auffasst. In zahlreichen Publikationen legt sie eine Theorie dar, welche die Entstehung und Bedeutung der Träume sowie ihre Deutung systematisiert. In seinem Werk Die Traumdeutung bezeichnet Freud solche Arbeit deswegen auch als Traumanalyse.

Joseph deutet die Träume zweier Gefangener, 17. Jahrhundert

Geschichte der Traumdeutung

Frühe Zeugnisse aus dem Nahen/Mittleren Osten und Europa

Dokumente ältester Schriftkulturen enthalten auch Träume und Traumdeutungen. In der Antike wurde den Träumen eine göttliche oder dämonische Quelle zugeschrieben, die dem Menschen auf diesem Wege eine Botschaft übermittelte oder ihn in Versuchung führte. Bereits der altägyptische König Merikare sah um 2170 v. Chr. den Traum als Hinweis auf zukünftige Ereignisse. Aus der Zeit des Mittleren Reiches ist eine Liste von 200 Traumdeutungen überliefert.[1] Der älteste Hinweis auf ein Ritual zur Erlangung eines Traums als göttlicher Botschaft und damit der älteste schriftliche Hinweis auf Träume überhaupt findet sich wahrscheinlich schon auf der Geierstele des sumerischen Königs E-ana-tum von Lagaš, ca. 2450 v. Chr. Es heißt, der Gott sei zu Häupten des liegenden Königs hingetreten, was aufgrund jüngerer Parallelen wohl als Traumritual zu deuten ist.[2] Der Stadtfürst Gudea von Lagaš (ca. 2130 v. Chr.) berichtet von Träumen, in denen er angewiesen wird, einen Tempel zu bauen. Für die Deutung der Traumbilder holt er sich Rat bei einer Göttin, die als professionelle Traumdeuterin bezeichnet wird.[3] In der altbabylonischen Zeit (ca. 2000 bis 1600 v. Chr.) sind zahlreiche literarische Träume sowohl in sumerischer als auch in akkadischer Sprache überliefert. Hinzu kommen auch Berichte über Träume aus Briefen.[4] Insbesondere in der altbabylonischen Fassung des Gilgamesch-Epos werden viele sehr lebhafte Träume geschildert. Zum Beispiel berichtet Gilgamesch seiner Mutter über einen Traum: „Da lag eine Axt und die Leute sammelten sich darum. Das Aussehen der Axt war seltsam. Ich sah sie und wurde froh. Ich liebte sie wie eine Ehefrau, liebkoste über ihr. Ich nahm sie und tat sie an meine Seite“.[5] Seine Mutter deutet den Traum als Hinweis auf die Ankunft seines späteren Freundes Enkidu. Zahlreiche weitere literarische Traumberichte finden sich in der mesopotamischen Literatur bis zum letzten babylonischen König Nabonid (556–539 v. Chr.)[6] Daneben gab es auch Sammlungen von Traum-Omina, in denen aus bestimmten Träumen auf zukünftige Ereignisse geschlossen wird. Die umfangreichste Sammlung ist das heute so genannte Assyrische Traumbuch, das 11 Tafeln umfasste und in der Bibliothek des Königs von Assyrien Assurbanipal (669 bis 631/27 v. Chr.) gefunden wurde.[7] Notiert wurde auch, zu welcher Zeit in der Nacht der Traum erschienen war, und entsprechend wurde ihm mehr oder weniger Bedeutung beigemessen.

Das Alte Testament der Bibel enthält rund 20 Träume, von denen Jakobs Traum von den Engeln auf der Himmelsleiter (Gen 28,12 EU) und die Traumdeutungen durch Joseph besonders bekannt sind.[8] Die gottgesandten Träume im Alten Testament sind meist ein Privileg der Propheten. So spricht Jahwe aus der Wolkensäule zu Aaron und Mirjam: „Wenn es bei euch einen Propheten gibt, so gebe ich mich ihm in Visionen zu erkennen und rede mit ihm im Traum“ (Num 12,6 EU). Zugleich wird im Alten Testament auch vor Missbrauch gewarnt (z. B. Jer 27,9 EU). Im Talmud und allgemein der jüdischen religiösen Tradition spielten Traum und Traumdeutung eine große Rolle. Im 3. Jh. z. B. lehrte Rabbi Chisda: „Ein ungedeuteter Traum gleicht einem ungelesenen Brief.“[9]

Im Neuen Testament sind Träume entscheidend im Ablauf der Heilsgeschichte: Jesus’ Vater Josef träumt, er solle den Sohn seiner Verlobten Maria annehmen, wenngleich er nicht von ihm gezeugt wurde (Matthäus 1,20 EU); Die Sterndeuter verraten das Jesuskind aufgrund eines Warntraumes nicht an Herodes (Mt 2,12 EU), während Josef aufgrund eines Traumes mit Frau und Kind nach Ägypten flieht (Mt 2,13 EU) und aus gleichem Anlass später wieder zurückkehrt (Mt 2,19 EU). Auch der Apostel Paulus lässt sich später durch einen Traum leiten (Apg 16,9 EU). Trotzdem stand das frühe Christentum der Traumdeutung überwiegend ängstlich und verdammend gegenüber, nur Heiligen wurde ihr Sinn zugestanden. Dies änderte sich im Hochmittelalter hin zu mehr Anerkennung, bevor die kirchlich akzeptierte Traumdeutung wieder in den Wirren der Hexenverfolgung unterging.[10]

Eine Besonderheit bildeten im griechischen Asklepioskult die erwarteten Heilbehandlungsvorschläge aus der Trauminkubation während eines Tempelschlafs: Die Patienten mussten sich reinigen, ein Opfer bringen und sich dann vor den Götterstatuen im Allerheiligsten schlafen legen. Der Tempelschlaf war bereits im Alten Ägypten gängige Praxis, von Priestern als Traumdeutungsspezialisten betreut; so wurde der spätägyptische Gott Serapis, der die Träume schickte, dem Asklepios gleichgesetzt.[11] Volkstümliche Auffassungen bildeten die Grundlage der Oneiromantie und sollen von biblischen Propheten wie Daniel praktiziert worden sein. Der wichtigste Traumdeuter der griechischen Antike war Artemidor von Daldis (2. Jh. n. Chr.). Die Geschichte der Traumdeutung oder „Traumdeuterey“[12] lässt sich in Europa vor allem durch die sogenannten Traumbücher nachvollziehen, in denen Traumsymbolen zukunftsweisende Bedeutungen zugemessen wurden. Auch diese standen in langer Tradition: Als ältestes Traumlexikon ist das des Antiphon von Rhamnus (480-411) bekannt.[13]

Die arabischsprachigen Traumhandbücher des mittelalterlichen islamischen Kulturraumes benutzen die gleichen Formeln wie altägyptische und babylonische Omen-Texte: „Wenn ein Mann das und das im Traum sieht“, dann passiert dies und das.[14] Sie lehnen sich zum Teil an Artemidor an, machten in ihren Einleitungen aber den Bezug der Träume zum Göttlichen deutlich.[15] Der bekannteste Traumdeuter der islamischen Tradition war Ibn Sīrīn (gest. 728), dem zahlreiche Traum-Handbücher zugeschrieben worden sind. Bei den meisten dieser Handbücher handelt es sich allerdings um Fehlzuschreibungen.[16] Im frühen 11. Jahrhundert verfasste Abū Saʿd ad-Dīnawarī ein umfassendes Traumhandbuch für den abbasidischen Kalifen al-Qādir bi-'llāh (reg. 991–1031), in dem er die muslimische und die griechische Traumdeutungstradition zum Ausgleich zu bringen versuchte. Seine Einleitung schloss er mit einer langen Liste von Namen muslimischer und nicht-muslimischer Traumdeuter. Seine Hauptautorität war allerdings Artemidor.[17] Eine der klassischen Methoden in der muslimischen Traumdeutung war es, eine etymologische oder scheinetymologische Verbindung zwischen dem Traum und seiner Bedeutung herzustellen. Ad-Dīnawarī meinte zum Beispiel, dass das Vorkommen eines Christen (naṣrānī) in einem Traum dem Träumenden Sieg (naṣr) verheiße.[18] – Auch im Koran werden zahlreiche Träume berichtet.[19] Der islamische Gebetsruf und sein Text gehen auf den Traum eines Gefolgsmannes des Propheten Mohammed zurück.[20]

Neuzeit bis vor der modernen Psychologie

Seit dem Zeitalter der Aufklärung wird der Charakter des Traums als Überbringer von Botschaften philosophisch bezweifelt. Im 18. Jh. wurden sämtliche Formen von Wahrsagerei wie auch die Träume zunehmend des Aberglaubens und der Scharlatanerie verdächtigt. Der Traum stellte Philosophen und Wissenschaftler vor ein Rätsel. Einerseits sollte eine klare Abgrenzung von Traum und (äußerer) Wirklichkeit vollzogen werden, andererseits wurde versucht, verschiedene Arten von Träumen deutend zu systematisieren. Beispielsweise wurden neben angenommenen übernatürlichen Ursachen (göttliche oder teuflische Einwirkungen), natürliche Ursachen wie Erinnerungen, Gefühlslagen oder Krankheiten diskutiert.[21] Somit fand im 18. Jahrhundert eine Säkularisierung und Psychologisierung bei der Interpretation von Träumen statt.[22] „Träume wurden als verworrene Funktion der Einbildungskraft abgetan. Gottgesandte Träume wurden nicht mehr benötigt. Träume entstanden im Schlaf, als die Vernunft vorübergehend ausgeschaltet war“; eine „romantische“ Gegenbewegung zum Rationalismus begann bezüglich Träumen aber bereits mit Johann Gottfried Herder in seiner Adreastea (1801–1803), wo der Traum zum Vorbild von Dichtung, besonders Märchen und Roman, wurde.[23] 1814 erschien Gotthilf Heinrich von Schuberts einflussreiches Werk Die Symbolik des Traumes, in dem – zurückgreifend auf vor-aufklärerische Konzepte – den „Traumbildern“ wiederum eine „prophetische Combinationsgabe“ (S. 11) zugeschrieben wurde.

Psychologische Herangehensweisen

Sigmund Freud

Freud begründete die moderne Traumdeutung und zeigte in seinem Werk Die Traumdeutung Wege zur Aufdeckung des Traumsinns auf. Freud stellte eine Theorie auf, wonach Träume keine Produkte einer bloßen Verarbeitung vorheriger Tageserlebnisse seien. Ihnen wohne auch kein prophetischer Gehalt inne. Vielmehr sei der Traum eine Befriedigung eines verdrängten Triebwunsches und enthalte eine höchst intime „Botschaft“ über die von den Erfahrungen der Kindheit maßgeblich bedingte Situation des Träumenden. In der Tiefenpsychologie steht daher die systematische „Entschlüsselung“ der Träume im Dienste der Selbsterkenntnis und hat darüber hinaus eine existentielle Bedeutung für die psychische Diagnostik, die Voraussetzung einer fundierten Therapie.

Aus den Ergebnissen seiner Methode der Traumdeutung leitete Freud ab, dass es psychische Inhalte gebe, die aktiv daran gehindert werden, das Bewusstsein zu erreichen. Den dafür maßgeblichen Verdrängungs-Mechanismus bezeichnete er in Anlehnung an eine Maßnahme der Machtpolitik als „Zensur“. Der Vorgang der Traumgestaltung wird als „Primärprozess“ bezeichnet. Dieser Vorgang spielt sich im Unbewussten ab. Der Schlaf setze jedoch die kognitive Hemmung herab, die den Übergang unbewussten Materials zum Bewusstsein im Wachzustand verhindert, und ermögliche so den ins Unbewusste verdrängten Inhalten, sich zu Träumen zu gestalten und in dieser neuen Form das Vorbewusste und das Bewusstsein wieder zu erreichen als manifeste Trauminhalte (s. u.). Die Inhalte des Unbewussten – bei denen es sich immer um Bedürfnisse wie Hunger, Lust usw. handele (s. u.) – mit den Erlebnissen der vorherigen Tage (sogenannten Tagesresten), Eindrücken aus dem Langzeitgedächtnis und selbst Anteilen bewusster Erwägungen vermischt, alles „verdichtet“ zu primitiv oder auch höchst komplex anmutenden „filmischen“ Sequenzen und ohne Rücksicht gegen den im Wachzustand gewohnten Zeitverlauf „verschoben“.[24] Ebenfalls scheinen gelegentlich die anderen Naturgesetze wie die Schwerkraft aufgehoben, was insgesamt dazu führe, dass sich der Sinn eines Traumes erst über den Umweg der Analyse erschließen lasse. Hauptverantwortlich dafür, dass die „Botschaft“ eines Traumes nicht unmittelbar nachvollzogen werden könne, sei aber die Zensur, die während des Schlafes zwar herabgesetzt, jedoch nicht gänzlich aufgehoben werde.

Die „tiefsten“ Inhalte der Träume entstammen Freuds Theorie zufolge dem Es, das weitreichend mit dem Unbewussten identisch sei – also triebhaften Bedürfnissen, die befriedigt werden sollen: teils, weil sie für die Erhaltung des Organismus unabdingbar seien (z. B. der Drang nach Ernährung), teils, weil erforderlich für seine Vermehrung (sexuelle Bedürfnisse).

Diese biologisch verankerten Wünsche, zu denen die der Neugierde und solche sozialer Natur hinzukommen – die Mutter-Kind- und die Gruppenbindungsbedürfnisse – bilden nach Freud das Hauptreservoir der psychischen Energie, der so genannten Libido. Aus ihrer Quelle gestalte sich der gesamte biologische Organismus und die von Freud nach drei Instanzen unterschiedene Struktur der Psyche: das Es, das Ich und das Über-Ich. Alle drei Instanzen seien verbunden mit spezifischen, auch organisch repräsentierten Funktionen, die im Zustand der psychischen Gesundheit konfliktfrei kooperieren. Erst die Erziehung zu Moral und Reinlichkeit, deren Vorschriften und Verhaltensnormen während der Kindheit vom Über-Ich verinnerlicht werden, seien dafür verantwortlich, dass diese Kooperation gestört wird und etliche Anteile der dem Es eigenen Triebwünsche das Ich-Bewusstsein nicht mehr erreichen. Dennoch blieben sie im Unbewussten erhalten, und so stelle jeder Traum einen Versuch des Es dar, diese Triebwünsche dem Ich, entgegen den Forderungen des Über-Ichs, bewusst zu machen. Aus diesen einander widerstrebenden Forderungen ergebe sich der sogenannte latente Inhalt des Traumes, seine in Symbolen verkleidete, einer Deutung bedürfenden Botschaft. Die latenten Trauminhalte werden von Freud auch Traumgedanken genannt.

Im Gegensatz hierzu stelle der manifeste Traum dar, was dem Träumer in Gestalt der ihm meist unverständlichen Symbole beim Erwachen im Gedächtnis haften blieb; er entspricht also nicht der „unter“ der bewusst erinnerten Oberfläche „latent“ vorliegenden, erst durch die analytische Arbeit aufzudeckenden Botschaft. Zu ihr gelange der Psychoanalytiker vor allem über die freien Assoziationen, die sein Klient über jedes erfragte Symbol seines Traumes anfertigen soll.[25] Für die freie Assoziation wird der Träumer aufgefordert, sowohl spontane, unkritische als auch gezielt beschreibende Einfälle über die Symbole seines Traumes zu gewinnen. Mit Hilfe dieser zusätzlichen Informationen könne dann die unter der erinnerten Traumoberfläche verborgen gebliebene (latente) Botschaft ausfindig gemacht werden. Mit Hilfe der hier z. T. genannten Mechanismen der Traumarbeit wie Verschiebung, Verdichtung, Verbildlichung und Symbolbildung kann der Traum leichter entschlüsselt werden.[24] Diesen Mechanismen kann man noch die Mechanismen der sekundären Verarbeitung hinzufügen, also der natürlichen Tendenz des Träumers, eine Form von „Sinn“ oder „Geschichte“ aus den verschiedenen Elementen des manifesten Inhalts zu erstellen.[26]

C. G. Jung

Carl Gustav Jung verstand den Traum als unmittelbar deutlich werdende Darstellung der inneren Wirklichkeit des Träumenden, d. h., es bedürfe von diesem keiner freien Assoziationen, um den Traum verstehen zu können. Jung stellte fest, dass man durch freie Assoziation von jedem beliebigen Objekt gleichermaßen zu den eigenen Komplexen gelange. Eine Untersuchung nach den Methoden Freuds führe jeweils zu den persönlichen Komplexen und damit weg vom spezifischen Traumsinn. Das besondere an Träumen seien jedoch die im Traum spezifisch verwendeten Symbole. Um den spezifischen Traumsinn zu verstehen, schlägt Jung statt der freien Assoziationen, die vom Traummaterial wegführen, eine „Umkreisung, deren Zentrum das Traumbild bleibt“,[27] als Methode zur Traumdeutung vor. Indem man jedes einzelne Symbol eines Traumes mit direkt dazugehörigen persönlichen Assoziationen anreichert, sowie mit den unpersönlichen Amplifikationen, könne der Traumsinn deutlich werden.

Jung prägte auch den Begriff des kollektiven Unbewussten, ein Bereich, aus dem kulturunabhängig gleiche Motivbilder entstehen[28] – z. B. Animus und Anima als „Personifikationen des Unbewussten“, als Bild der Seele, das sich in Träumen meist in weiblicher Gestalt im Manne und als männliche Gestalt in der Frau zeigt.[29]

Jung teilte Freuds Auffassung, dass Träume ein „Königsweg zum Unbewussten“ seien. Jedoch unterscheiden sich die Ansätze Jungs und Freuds wie oben angedeutet folgendermaßen:

  • Dadurch, dass Jung die unpersönliche, kollektive Bedeutung des jeweiligen Symbols zu den persönlichen Assoziationen hinzunimmt. Jung betonte, dass es keine „gebrauchsfertige systematische Anleitungen zur Traumdeutung“ gibt, „als ob man einfach ein Nachschlagewerk kaufen und ein bestimmtes Symbol und seine Bedeutung heraussuchen könnte. Kein Traumsymbol kann von dem Menschen, der davon geträumt hat, abgetrennt werden; denn es gibt keine allgemeingültige Deutung für einen Traum.“ Motive und Symbole müssen jeweils „im Kontext des Traumes, nicht als sich selbst erklärende Chiffren gesehen werden“.[30] Die Traumdeutung „hängt ( …) von der persönlichen Situation des Einzelnen ab“. Jung betont: „Zwei verschiedene Personen können fast genau den gleichen Traum haben. Wenn aber zum Beispiel der eine jung und der andere alt ist, so sind auch ihre Probleme verschieden, und es wäre absurd, beide Träume auf dieselbe Weise zu interpretieren.“ Er schildert als Beispiel den Traum eines Mannes, der an der Spitze einer Gruppe junger Männer über ein weites Feld reitet. Der junge Mann überspringt im Traum einen Wassergraben, während die anderen hineinstürzen. Dieser Traum wurde von einem „jungen, vorsichtigen, introvertierten Mann“ geträumt. Jung hörte einen entsprechenden Traum auch von „einem alten Mann mit mutigem Wesen, der ein aktives und unternehmendes Leben geführt hatte“, und zum Zeitpunkt des Traumes krank war und Arzt und Krankenschwester viel Mühe bereitete, weil er ihren Anweisungen nicht folgte. Für Jung war klar, „dass der Traum dem jungen Mann ermutigend sagte, was er tun sollte, dem alten Mann aber klarmachte, was er immer noch tat und was ihm Schwierigkeiten bereite“.[31]
  • Für Freud waren die freien Assoziationen seiner Patienten maßgeblich für die Auslegung derer Träume. Unerlässlich für seine Arbeit waren ihm dabei zum einen sein Strukturmodell der Psyche, zum anderen die Forderung, dass zwischen den Bedürfnissen der gesunden Psyche und biologischen Befunden kein Widerspruch bestehen dürfe. Freud kritisierte bei Jung, dass dessen Methode die Naturwissenschaften zu sehr außer Acht lasse. Jung hingegen verstand sich als Empiriker – und somit Naturwissenschaftler – und betont an vielen Stellen seines Werkes die Hypothesenhaftigkeit seiner Begriffe und Konzepte. In seiner Auseinandersetzung mit Freud erörterte er jedoch auch die Bedeutung der persönlichen, individuellen Voraussetzungen des Forschers für die von einem Einzelnen entwickelte Psychologie.[32] Er reflektierte auch über die Grenzen der naturwissenschaftlichen, statistischen Arbeitsweise für subjektive Fragen des Individuums.[33]
  • Nach Jung spricht der Traum eine eigene Bildersprache, die es zu verstehen gilt, die jedoch direkt ausdrückt, was der Traum „zu sagen“ hat.[34] Nach Freud wirkt im Traum ein Zensor, der die Traumaussage verzerrt.
  • Während nach Freud der Traum eine versteckte Wunscherfüllung bringt, ist der Traum nach Jung ein natürliches Phänomen, das die bewusste Haltung des Ichbewusstseins kompensiert und ausgleicht.[35]

Calvin Hall

Calvin Hall begründete 1953 eine Theorie, wonach Träume als ein kognitiver Prozess betrachtet werden sollen. Hall argumentierte, dass ein Traum einen Gedanken oder eine Serie von Gedanken darstelle, die einem im Traum widerfahren.[36] Die Traumbilder sind in diesem Sinne visuelle Repräsentationen der persönlichen Vorstellung dieser Gedanken. Nach Calvin Halls Theorie wäre beispielsweise ein Traum, in dem der Träumer von einem Freund angegriffen wird, als Angst vor Freundschaft zu interpretieren.

Ann Faraday

Ann Faraday war in den 1970er Jahren mitverantwortlich für die steigende Popularität der Traumdeutung. Sie veröffentlichte Bücher zur Trauminterpretation und organisierte Gruppen, in denen Träume erzählt und analysiert wurden. Faraday konzentrierte sich dabei auf die Umlegung der Träume auf bestimmte Lebensereignisse. Im Besonderen stellte Faraday fest, dass die Mehrzahl der Träume auf Ereignisse zurückzuführen sei, die dem Träumer in den letzten ein oder zwei Tagen widerfahren seien.[37]

In den 1980er und 1990er Jahren untersuchten Wallace Clift und Jean Dalby Clift den Zusammenhang zwischen Bildern, die im Traum produziert werden, und dem Wachleben des Träumers. In ihren Publikationen beschrieben sie Muster beim Träumen und Methoden, diese Muster zu analysieren.[38][39]

Gestalttherapie

In der Gestalttherapie werden Träume als existenzielle Botschaften des Träumenden betrachtet. Die bekannte psychoanalytische Traumdeutung (rein verbale Arbeit mit den Symbolen und Erforschen des latenten Trauminhalts) wird ersetzt durch die szenische Darstellung des Traumes sowie durch Dialoge (und Rollenwechsel) mit ausgewählten Traumteilen. Der Träumer kann auf diesem Weg die vorkommenden Personen und Gegenstände als enteignete Teile von sich und seiner Umwelt erforschen, erkennen und integrieren.[40][41]

Daseinsanalyse

Entsprechend der Daseinsanalyse ist Träumen eine Art In-der-Welt-sein (siehe Heidegger) wie der Wachzustand. Der Unterschied zeichnet sich dadurch aus, dass dem Träumer nur das erscheint, was seiner stimmungsgemäßen Befindlichkeit in hohem Maße entspricht. Träume geben Aufschluss über Offenheit und Verschlossenheit gegenüber den eigenen Seinsmöglichkeiten. Es gibt keine Sinnsuche hinter der erinnerten Traumoberfläche, es werden nur die erkennbaren Bedeutungsgehalte erfragt. Bei der Interpretation des Manifesten (Erinnerten) werden Analogien zwischen Traumgeschehen und Verhaltensweisen, Emotionen und Konflikten in der Wachwelt gesucht. Im Gegensatz zu Freud, der das Unbewusste in Triebwünschen verwurzelt sieht, lehnt Binswanger diese Sicht und Herangehensweise ab und setzt dem eine Ganzheit der Person entgegen, die er mit der Terminologie Heideggers und der Methode Husserls fundiert.

Klientenzentrierte Psychotherapie

Die Klientenzentrierte Psychotherapie orientiert sich am manifesten Trauminhalt. Bei der Interpretation werden Traumstimmung, -wahrnehmung und -handlung aufgegriffen und als Möglichkeit zur Selbstaktualisierung eingesetzt. Als Selbstaktualisierung wird die innere Kraft zum Wachstum und zur Selbstverwirklichung verstanden.

Focusing

Der Begründer des Focusing, Eugene T. Gendlin, sieht in der Traumarbeit einen Zugang zu bewusstseinsfernen Persönlichkeitsanteilen. Gedeutet werden körperliche Reaktionen, wenn der Träumer im Wachzustand ein weiteres Mal in die Traumbilder eintaucht. Die Befragung über die körperliche Resonanz, den sogenannten Felt Sense, ermöglicht dabei neue Bedeutungsaspekte. Der Träumer kann auch die Rolle von Teilen seines Traums einnehmen, ähnlich wie bei der Traumarbeit in der Gestalttherapie.

Neurowissenschaftlich begründete Herangehensweisen

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In den Neurowissenschaften sind der Stellenwert und die Sinnhaftigkeit einer tiefenpsychologischen Traumdeutung umstritten. Crick und Mitchison beispielsweise führen das Traumphänomen auf neuronale und kognitive Prozesse des Gehirns zurück, in deren Verlauf unwichtige Verhaltensmodi gelöscht würden; eine Deutung der Träume sei deswegen nicht erforderlich. Andere Wissenschaftler interpretieren bestimmte Befunde ihrer experimentellen Forschung als Bestätigung einiger der Grundannahmen der psychoanalytischen Traumdeutung. Unter anderen sehen Gerhard Roth und Mark Solms eine mögliche Parallele zwischen dem freudschen Unbewussten einerseits und einem speziellen Phänomen andererseits, das sie durch den Vergleich der durch die Tomografie sichtbar gemachten Gehirnprozesse mit den bewussten Denkinhalten der während des Versuchs befragten Probanden entdeckten: Die neuronale Aktivität eines mit einem Bild oder einer zu lösenden Aufgabe konfrontierten Gehirns nimmt eine Weile zu, ohne dass dem Probanden währenddessen ein Gedanke oder Gefühl schon bewusst würde, so scheinen z. B. auch die „Entscheidungen“ bereits lange vor ihrer Bewusstwerdung „gefällt“ zu werden. Roth erachtet dieses Phänomen als indirekten Beleg für das von Freud angenommene Strukturmodell der Psyche, das von wesentlicher Bedeutung für die Traumanalyse ist.

Siehe auch

  • Klartraum
  • Oneiromantie
  • Traumtagebuch
  • Wahrtraum
  • Wilde Erdbeeren, Film von Ingmar Bergman, in dem Traumdeutung eine zentrale Rolle spielt

Literatur

  • Klaus-Uwe Adam: Therapeutisches Arbeiten mit Träumen. Theorie und Praxis der Traumarbeit. 2. Auflage. Springer, 2005, ISBN 3-540-28827-9.
  • Paul Diepgen: Traum und Traumdeutung als medizinisch-naturwissenschaftliches Problem im Mittelalter. Berlin 1912.
  • Holger Bertrand Flöttmann: Träume zeigen neue Wege – Systematik der Traumsymbole. 3. erw. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-2088-5.
  • Sigmund Freud: Die Traumdeutung. Verlag Deuticke, Leipzig und Wien 1900, heute bei S. Fischer. Viele Ausgaben: u. a. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-10436-X.
  • Sigmund Freud: Schriften über Träume und Traumdeutungen. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-10437-8.
  • Claire Gantet: Der Traum in der frühen Neuzeit. Ansätze zu einer kulturellen Wissenschaftsgeschichte. de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-023112-0.
  • C. G. Jung: Traum und Traumdeutung. dtv, München 1997, ISBN 3-423-35123-3.
  • Robert E. Lerner: Himmelsvision oder Sinnendelirium? Franziskaner und Professoren als Traumdeuter im Paris des 13. Jahrhunderts (= Schriften des Historischen Kollegs. Vorträge. Band 39). Stiftung Historisches Kolleg, München 1995 (Digitalisat).
  • Ingeborg Santner-Cyrus: Das Königreich der Träume. 4000 Jahre moderne Traumdeutung. 1963.
  • Helmut Siefert: Traumdeutung. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1415 f.
  • Elizabeth Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. A History of Muslim Dreaming and Foreknowing. I. B. Tauris, London, 2015.
  • Michael H. Wiegand (Hrsg.): Schlaf & Traum. Neurobiologie, Psychologie, Therapie. Schattauer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-7945-2386-5.

Weblinks

Wiktionary: Traumdeutung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Traumarbeit in Österreich
  • Traumarbeit in der Schweiz

Einzelnachweise

  1. ↑ Traum und Traumdeutung, Buch aus der Reihe „Geheimnisse des Unbekannten“, TIME-LIFE, 4. deutsche Auflage 1993, S. 26.
  2. ↑ Horst Steible: Die altsumerischen Bau- und Weihinschriften, Teil 2, FAOS 5, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-02590-1, S. 41 f.
  3. ↑ W. H. Ph. Römer: Die Zylinderinschriften von Gudea, AOAT 376, Münster 2010, ISBN 978-3-86835-040-1, S. 41–49.
  4. ↑ Annette Zgoll: Traum und Welterleben im antiken Mesopotamien, AOAT 333, Münster 2006, ISBN 3-934628-36-2.
  5. ↑ A. R. George: The Babylonian Gilgamesh Epic. Oxford 2003, ISBN 0-19-814922-0, S. 175.
  6. ↑ Sally A. L. Butler: Mesopotamian Conceptions of Dreams and Dream Rituals. AOAT 258, Münster 1998, ISBN 3-927120-65-0.
  7. ↑ A. Leo Oppenheim: The Interpretation of Dreams in the Ancient Near East. With a Translation an Assyrian Dream-Book. Philadelphia 1956.
  8. ↑ Siehe Gen 37,5 EU, Gen 40,2 EU, Gen 41,1 EU und folgende.
  9. ↑ Alfons Rosenberg (1954): Weisheiten des Talmud: Mystische Texte und Traumdeutungslehre (München, Barth-Verlag), S. 33. Zitiert nach Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 36.
  10. ↑ Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 38–41.
  11. ↑ Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 18.
  12. ↑ Traum-Deuterey. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 45, Leipzig 1745, Sp. 209–215.
  13. ↑ Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 23.
  14. ↑ Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. 2015, S. 28.
  15. ↑ Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. 2015, S. 30.
  16. ↑ Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. 2015, S. 63.
  17. ↑ Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. 2015, S. 92–94, 104.
  18. ↑ Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. 2015, S. 105 f.
  19. ↑ Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 33.
  20. ↑ Annemarie Schimmel (1998): Die Träume des Kalifen: Träume und ihre Deutung in der islamischen Kultur. München (Beck). S. 146. Zitiert nach Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 33 f.
  21. ↑ Traum. In: Krünitz: Oekonomische Encyklopädie.
  22. ↑ Claire Gantet: Der Traum in der frühen Neuzeit. Ansätze zu einer kulturellen Wissenschaftsgeschichte. de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-023112-0, S. 432 ff. und S. 468 ff.
  23. ↑ Hansueli F. Etter (2018): Weisheit aus den Träumen. Die evolutionspsychologische Bedeutung innerer Bilder. S. 51.
  24. ↑ a b Sigmund Freud: Die Traumdeutung. [1900] In: Gesammelte Werke, Band II/III, S. Fischer, Frankfurt am Main, folgende Seitenangaben aus: Taschenbuchausgabe der Fischer-Bücherei, 1966; VI. Die Traumarbeit, S. 234 ff.; VII. Zur Psychologie der Traumvorgänge, A. Das Vergessen der Träume, S. 432 f.
  25. ↑ Freud: Über den Traum, Die Traumdeutung, inauguriert 1899, verlegt 1900, Möller-Hartmann, mündl. Mitteilung, 27. September 2007, Fortbildungsreihe über 100 Jahre Traumdeutung 2007.
  26. ↑ Ulrich Kobbé: XI. Vorlesung – Die Traumarbeit. (PDF) In: Unbewusstes – Traum – Phantasma: (Vor-)Lesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (2). Universität Duisburg-Essen, 2004.
  27. ↑ C. G. Jung u. a.: Der Mensch und seine Symbole. Patmos Verlag, Düsseldorf/Zürich 1968. Erstausgabe Man and his Symbols, London 1964. Folgende Seitenangabe entstammt der 16. Auflage 2003 der Sonderausgabe von 1999, S. 29. (Im Kapitel Über den Einfluss der Träume).
  28. ↑ Der Archetyp ist eine Tendenz, Vorstellungen zu erzeugen, die sehr variabel sind, ohne ihr Grundmuster zu verlieren. Siehe C. G. Jung: Traum und Traumdeutung. C. G. Jung Taschenbuchausgabe in elf Bänden, Band 4, herausgegeben von Lorenz Jung. Zitiert aus der 12. Auflage 2005, ISBN 3-423-35173-X, S. 54 (Kapitel: Der Archetypus in der Traumsymbolik).
  29. ↑ Marie-Louise von Franz: Der Individuationsprozess. In: C. G Jung u. a.: Der Mensch und seine Symbole. Patmos Verlag, Düsseldorf/Zürich 1968. (Erstausgabe Man and his Symbols. London 1964). Folgende Seitenangabe entstammt der 16. Auflage 2003 der Sonderausgabe von 1999, ISBN 3-530-56501-6, S. 177. (Im Kapitel: Die Anima als Frau im Manne). und C. G. Jung: Seele, Seelenbild. In: Definitionen. In: Gesammelte Werke. Band 6. Walther-Verlag, Solothurn / Düsseldorf 1995, ISBN 3-530-40081-5, par. 805–813.
  30. ↑ C. G. Jung u. a.: Der Mensch und seine Symbole. Patmos Verlag, Düsseldorf/Zürich 1968. Erstausgabe Man and his Symbols, London 1964. Folgende Seitenangabe entstammt der 16. Auflage 2003 der Sonderausgabe von 1999, S. 53 (im Kapitel: Die Funktion der Träume).
  31. ↑ C. G. Jung u. a.: Der Mensch und seine Symbole. Patmos Verlag, Düsseldorf/Zürich 1968. Erstausgabe Man and his Symbols, London 1964. Folgende Seitenangabe entstammt der 16. Auflage 2003 der Sonderausgabe von 1999, S. 66 (im Kapitel: Das Typenproblem).
  32. ↑ C. G. Jung: Der Gegensatz Freund und Jung. In: Freud und die Psychoanalyse. In: Gesammelte Werke. Band 3. Walter-Verlag, Solothurn, Düsseldorf, 1995, ISBN 3-530-40079-3, par. 775 u. 784.
  33. ↑ Z. B. im Brief von C. G. Jung an Henry A. Murray vom August 1956. In: Briefe, Band 3. Walter-Verlag, Olten/Freiburg 1973 (3. Auflage von 1990, ISBN 3-530-40760-7), S. 50.
  34. ↑ C. G. Jung: Traum und Traumdeutung. C. G. Jung Taschenbuchausgabe in elf Bänden, Band 4, herausgegeben von Lorenz Jung. 12. Auflage. 2005, ISBN 3-423-35173-X, S. 50 ff. (Kapitel: Der Archetypus in der Traumsymbolik) und S. 25 ff. (Die Sprache der Träume).
  35. ↑ C. G. Jung: Traum und Traumdeutung. C. G. Jung Taschenbuchausgabe in elf Bänden, Band 4, herausgegeben von Lorenz Jung. 12. Auflage. 2005, ISBN 3-423-35173-X, S. 50 (Kapitel: Der Archetypus in der Traumsymbolik).
  36. ↑ A Cognitive Theory of Dreams.
  37. ↑ Ann Faraday: The Dream Game. HarperPrism, 1990, S. 3.
  38. ↑ [Jean Dalby Clift: Core Images of the Self: A Symbolic Approach to Healing and Wholeness. The Crossroad Publishing Company, 1992, ISBN 0-8245-1218-9.]
  39. ↑ Jean Dalby Clift, Wallace Clift: The Hero Journey in Dreams. The Crossroad Publishing Company, 1988, ISBN 0-8245-0889-0.
  40. ↑ Frederick S. Perls: Gestalt-Therapie in Aktion. Klett, Stuttgart 1974, ISBN 3-12-906270-X. 
  41. ↑ Lotte Hartmann-Kottek: Gestalttherapie. Springer, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-75743-6, S. 226 ff. 
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4060750-1 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)



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Die Traumdeutung

Noir24admin Traum 22. Juni 2026
Umschlag der Erstausgabe

In Die Traumdeutung stellte der österreichische Arzt Sigmund Freud eine neuartige Traumtheorie vor, die den Zusammenhang zwischen Träumen und persönlicher Lebensgeschichte in den Vordergrund rückt.[1] Die Erstausgabe erschien am 4. November 1899 und wurde auf das Jahr 1900 vordatiert.[2] Die Traumdeutung gehört zu den meistgelesenen und einflussreichsten Büchern des 20. Jahrhunderts.[3]

Freuds Traumdeutung gilt als grundlegendes Werk der Psychoanalyse. Freud betrachtet den Traum als den Wächter oder Hüter des Schlafes[4], insofern durch ihn schlafstörende Regungen in Form einer halluzinatorischen Wunscherfüllung beseitigt werden. In unseren Träumen manifestieren sich Freud zufolge verdrängte aktuelle sowie aus der Kindheit stammende Wünsche, die durch die Trauminhalte in entstellter Form als erfüllt dargestellt werden, weshalb die Traumdeutung auch die Via regia [lat.: der Königsweg] zur Kenntnis des Unbewussten im Seelenleben sei[5].

Inhalt

Die Traumdeutung führt die grundlegenden Elemente von Freuds Psychoanalyse zum ersten Mal zusammen: das Unbewusste, die Verdrängung, den Ödipuskonflikt[6], die Bewusstmachung unbewusster Konflikte als therapeutische Methode und das Modell des sogenannten psychischen Apparats. Träume haben nach Freud eine Bedeutung, die sich analytisch erschließen lässt. Im Traum streben inakzeptable Wünsche, die regelmäßig mit infantilen Wünschen in Verbindung stehen, nach Erfüllung. Da deren direkte Erfüllung für den Träumer unangenehm wäre und so den Schlaf stören könnte, werden die Wünsche in einer entstellten Weise als erfüllt dargestellt; die Entstellung ist das Resultat eines Kompromisses zwischen den zu erfüllenden Wünschen einerseits und der widerstrebenden Tendenz in der Psyche des Träumers (im Buch auch „Zensur“ genannt) andererseits. Die Analyse von Träumen ermöglicht es, unbewusste Wünsche sowie eigenes Widerstreben gegen selbige bewusst zu machen, genauso wie die infantilen Wurzeln der eigenen Psyche. Freud vertritt im Text die These, dass Wünsche nie verschwinden, sondern zeitlebens wirksam bleiben, allerdings der Erinnerung entzogen werden können.[7] Im letzten Abschnitt des Buches entwickelt Freud erstmals ein Modell des psychischen Apparats, eines psychischen Systems, das er im Nervensystem existierend annimmt, dessen Teile er aber nicht mit anatomischen Teilen verbunden denkt.[8]

Aufbau

Die Traumdeutung gliedert sich in acht Abschnitte.

  • Im ersten Abschnitt gibt Freud eine Übersicht über die bisherige Forschung zum Thema Traumdeutung.
  • Der zweite Abschnitt handelt von der Analyse als Methode der Traumdeutung. Hier wird anhand des Beispiels eines eigenen Traums von Freud, in dem es um die falsche Behandlung einer Patientin mit dem Namen Irma durch einen Kollegen geht, gezeigt, wie die aus Schuld- und Rachegefühlen entstandenen Wünsche Freuds, der Irma im wirklichen Leben erfolglos behandelt hatte und unter der kritischen Haltung eines Kollegen gelitten hatte, in seinem Traum Erfüllung finden.
  • Im dritten Abschnitt erläutert Freud anhand von Beispielen seine These von Träumen als Wunscherfüllungen.
  • Im vierten Abschnitt wird die Traumentstellung erläutert. Freud beginnt den Abschnitt damit, dass die These, wonach Träume Wunscherfüllungen seien, auf den entschiedensten Widerstand treffen muss, da die meisten Träume nicht als solche erkennbar seien, allen voran Angstträume. Freud erläutert, dass die These so zu verstehen sei, dass der erinnerte Traum (manifester Traum) in die sogenannten Traumgedanken (latenter Traum) übersetzbar sei, wenn man seine Methode anwendet, die er im zweiten Abschnitt erläutert hat. Der Traum sei also eine entstellte Wunscherfüllung.
  • Der fünfte Abschnitt widmet sich dem Traummaterial und den Traumquellen. Hier wird einerseits diskutiert, welche psychischen Inhalte in den Traum gelangen, wobei Freud bemerkt, dass scheinbar sowohl indifferente Eindrücke als auch alte Erinnerungen häufig zum Stoff von Träumen werden. Außerdem wird diskutiert, was einen Traum auslösen kann, wobei somatische Ursachen und aus der Kindheit stammende Wünsche eine besondere Berücksichtigung erfahren. In diesem Abschnitt wird bei der Diskussion der typischen Träume erstmals die Theorie des Ödipuskomplexes entwickelt.
  • Im sechsten Abschnitt geht es um die Traumarbeit, also diejenigen Prozesse, die aus den durch Wünsche mit psychischer Kraft versehenen Traumgedanken durch Umarbeitung erst den erlebten (Kapitel A bis H) und schlussendlich den erinnerten Traum (Kapitel I) produzieren. Diese Traumarbeit finde unter dem Druck der sogenannten psychischen Zensur statt, was zur Entstellung führt. Die Mechanismen der Traumarbeit, welche der erlebten Traum produziert, sind die Verdichtung (Zusammenfassung mehrerer Gedanken oder Teile von Gedanken in einem einzelnen Wahrnehmungselement), Verschiebung (Verwendung von Wahrnehmungsinhalten, die mit dem Ausgangsgedanken in einer oberflächlichen Assoziation stehen), Rücksicht auf Darstellbarkeit (Umformulierung der Traumgedanken in eine leichter als Wahrnehmungsinhalt darzustellenden Form) und die Verwendung von Symbolen. In diesem Abschnitt setzt sich Freud u. a. mit der Frage auseinander, ob die Traumarbeit rechnen könne, und er stellt die These auf, dass im Traum laut Ausgesprochenes und Gehörtes (also nicht nur Gedachtes) fast immer von Gehörtem abstamme (er liefert auch ein Gegenbeispiel). Als letzten Prozess erläutert Freud abschließend die sekundäre Bearbeitung, womit der Prozess der gedanklichen Reaktion durch das schlafende Ich auf den durch die obigen Prozesse hergestellten, bewusst geträumten Traum gemeint ist. Dieser Prozess versucht die auftauchenden Trauminhalte in einen logisch verständlichen Zusammenhang zu bringen. Je intensiver er verläuft, desto eher nähert sich der Traum einer zusammenhängenden Geschichte an und wird dadurch auch der Erinnerung zugänglicher.
  • Im siebten Abschnitt führt Freud, auf G. Th. Fechners Konzept der „psychischen Lokalität“ rekurrierend, mit folgenden Worten das Konzept des psychischen Apparats ein: „Wir wollen ganz beiseite lassen, daß der seelische Apparat, um den es sich hier handelt, uns auch als anatomisches Präparat bekannt ist, und wollen der Versuchung sorgfältig aus dem Wege gehen, die psychische Lokalität etwa anatomisch zu bestimmen. Wir bleiben auf psychologischem Boden und gedenken nur der Aufforderung zu folgen, daß wir uns das Instrument, welches den Seelenleistungen dient, vorstellen wie etwa ein zusammengesetztes Mikroskop, einen photographischen Apparat u. dgl. Die psychische Lokalität entspricht dann einem Orte innerhalb eines Apparats, an dem eine der Vorstufen des Bildes zustande kommt. Beim Mikroskop und Fernrohr sind dies bekanntlich zum Teil ideelle Örtlichkeiten, Gegenden, in denen kein greifbarer Bestandteil des Apparats gelegen ist. Für die Unvollkommenheiten dieser und aller ähnlichen Bilder Entschuldigung zu erbitten, halte ich für überflüssig. Diese Gleichnisse sollen uns nur bei einem Versuch unterstützen, der es unternimmt, uns die Komplikation der psychischen Leistung verständlich zu machen, indem wir diese Leistung zerlegen, und die Einzelleistung den einzelnen Bestandteilen des Apparats zuweisen.“[9] Freud entwickelt daraufhin, unter Bezugnahme auf die in den vorhergehenden Abschnitten psychologisch erläuterten Traumprozesse, ein erstes Modell des psychischen Apparates und bietet zugleich eine erneute Erläuterung der an der Traumbildung beteiligten Prozesse. Das Konzept des psychischen Apparats sollte für den Rest seines psychoanalytischen Schaffens leitend werden und wurde von ihm beständig weiterentwickelt.[10] Nicht zuletzt aus diesem Grund gilt Die Traumdeutung als Grundlagenwerk der Psychoanalyse. Ferner vertieft Freud im Zuge der Erläuterung des psychischen Apparats verschiedene Aspekte und von ihm angenommene Prozesse, so z. B. die Bedeutung des Tagesrestes für die Entstehung des Traumes, also die Anregungen der Traumbilder durch die aktuellen Erinnerungsspuren, sowie die Bedeutung der sekundären Bearbeitung.
  • Der achte Abschnitt besteht aus dem umfangreichen Literaturverzeichnis.

Wirkung

Es ist unumstritten, dass Freuds Traumdeutung wesentliche Impulse für die Entwicklung des Menschen- und Weltbilds des 20. Jahrhunderts in fast allen Bereichen der westlichen Kultur gegeben hat.[11][12][13] Das anfänglich stark abgelehnte Werk[14] ist inzwischen in über 20 Sprachen erschienen: neben den zentralen europäischen Sprachen auch in Arabisch, Chinesisch, Hebräisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Türkisch und Urdu. Besonders zu erwähnen sind die Auswirkungen auf die Psychologie, die Literatur[15][16] und die Philosophie. Einen starken Einfluss übte das Werk auch auf die bildende Kunst aus, insbesondere auf die Bilder der Surrealisten.[17][18][19][20]

Es konnten mittlerweile anhand neuropsychologischer Untersuchungen neurologisch fundierte Belege für die Gültigkeit der These, wonach Träume Wunscherfüllungen sind, erbracht werden.[21]

Kritik

Einige der Thesen, die Freud in der Traumdeutung aufstellte, werden auch kritisch gesehen.[22] Besonders der Fokus der Analyse auf verdrängte, negativ bewertete Wünsche und die einseitige Betonung der – oftmals in der Kindheit angelegten – sexuellen Bedürfnisse als Ursache von Traumsujets sind aus der Perspektive der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jungs Gegenstand kritischer Auseinandersetzungen.[23]

Weblinks

Commons: Die Traumdeutung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Die Traumdeutung im Projekt Gutenberg
  • Die Traumdeutung in Freud-online.

Einzelnachweise

  1. ↑ Gerda Pagel: Die Traumdeutung. In: Franco Volpi, Julian Nida-Rümelin (Hrsg.): Lexikon der philosophischen Werke (= Kröners Taschenausgabe. Band 486). Kröner, Stuttgart 1988, ISBN 3-520-48601-6, S. 732.
  2. ↑ Literaturkritik.de: Freuds Jahrhundertbuch
  3. ↑ Renate Schlesier: Hermeneutik auf dem Königsweg zum Unbewussten: Freuds Traumdeutung (1900). In: Walter Erhart, Herbert Jaumann (Hrsg.): Jahrhundertbücher: Große Theorien von Freud bis Luhmann. Beck, München 2000, S. 14.
  4. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. 1900, S. 239; 415; 586, Band 2/3 in Gesammelte Werke S. Fischer: Frankfurt am Main
  5. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. 1900, S. 613, Band 2/3 in Gesammelte Werke S. Fischer: Frankfurt am Main
  6. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. 1900, S. 263ff, Band 2/3 in Gesammelte Werke S. Fischer: Frankfurt am Main
  7. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. 1900, S. 559, Band 2/3 in Gesammelte Werke S. Fischer: Frankfurt am Main
  8. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. 1900, S. 239, Band 2/3 in Gesammelte Werke S. Fischer: Frankfurt am Main
  9. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. 1900, S. 541, Band 2/3 in Gesammelte Werke S. Fischer: Frankfurt am Main
  10. ↑ Sigmund Freud: Das Ich und das Es 1923, S. 559, Band 13 in Gesammelte Werke. Fischer: Frankfurt am Main
  11. ↑ Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Stuttgart: Kohlhammer 2000, S. 627
  12. ↑ Christian Thies: Einführung in die philosophische Anthropologie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2004, S. 13
  13. ↑ Burkhard Schnepel Hundert Jahre „Die Traumdeutung“: kulturwissenschaftliche Perspektiven in der Traumforschung. Köppe-Verlag, Köln 2001. ISBN 978-3-89645-214-6.
  14. ↑ Trudy Schmidt; Carl Metentin: Bemerkungen zur Rezeption von Freuds Traumdeutung anläßlich des Nachdrucks der Rezension von Carl Metzentin »Wissenschaftliche Traumdeutung«. In: Psyche, 26. Jahrgang, Heft 9, S. 707–715.
  15. ↑ Thomas Anz: Lesen und Schreiben nach Freud. Im Internet unter http://www.uni-marburg.de/aktuelles/unijournal/feb2007/freud abgerufen am 27. September 2012
  16. ↑ Thomas Anz: Psychoanalyse und literarische Moderne: Zu den Anfängen einer dramatischen Beziehung. Im Internet unter http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5803 abgerufen am 27. September 2012
  17. ↑ Karin Thomas: Bis heute: Stilgeschichte der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert. DuMont, Köln 2004, S. 100.
  18. ↑ Martin Schuster: Wodurch Bilder wirken: Psychologie der Kunst. DuMont, Köln 2002, S. 146.
  19. ↑ Karl Ruhrberg: Malerei. In: Ingo F. Walther (Hrsg.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Taschen, Köln 2002, S. 138.
  20. ↑ Christoph Wetzel: Das Reclam Buch der Kunst. Reclam, Stuttgart 2001, S. 457.
  21. ↑ Solms, Mark. The neuropsychology of dreams: A clinico-anatomical study. Psychology Press, 2014.
  22. ↑ 1899 Traumdeutung: Der Schlüssel zum Unbewussten. In: GEO EPOCHE. Nr. 1, 1999 (Das Millennium - Bilanz eines Jahrtausends), S. 156.
  23. ↑ Anthony Storr: Freud. Herder, Freiburg i. Br. 1999, S. 41 ff.
Normdaten (Werk): GND: 4280500-4 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS) | LCCN: n2023010262 | VIAF: 182867631



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Traumhauch-Hütte

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

„Traumhauch-Hütte“ (babylonisch Ezaqiqu; Haus des Traumhauchs) ist die Bezeichnung einer mesopotamischen Hütte, die als Traumfänger-Ort von Traumdeutern erbaut wurde, um mittels Träumen in die Zukunft schauen zu können. Der babylonische Begriff zaqiqu entspricht der Bedeutung Wind, Hauch, Geist und Traumgott. Die Traumhauch-Hütte diente als Ersatzbau in freier Natur, falls die Traumdeutung nicht in einem naheliegenden Tempel vollzogen werden konnte.[1]

Im Gilgamesch-Epos tritt unter anderem Enkidu als Traumdeuter Gilgameschs auf, der zuvor einen Berg erklommen hatte, damit der Sonnengott Šamaš ihm einen Traum zusenden möge. Gilgamesch legte sich danach in die von Enkidu errichtete Hütte, die so den mit dem Sturmwind auf den Weg gebrachten Traum empfangen konnte. Um den Einfluss von bösartigen Dämonen fernzuhalten, erhielt die Traumhauch-Hütte einen äußeren weißen Mehlkreis. In babylonischen Ritualtexten ist der Bannkreis aus Mehl mehrfach belegt. Die Dämonen konnten so nicht zum Träumenden vordringen.[1]

Enkidu fungiert im Gilgamesch-Epos als zur Traumhauch-Hütte zugehörige Person und damit ebenfalls als Traumfänger. Die verwendete Formulierung Wie ein Fangnetz zu Boden geworfen bezieht sich auf Enkidu, der sich ähnlich einem Fangnetz auf den Boden unmittelbar vor die Traumhauch-Hütte legt, um im schlafenden Zustand den Traum anzuziehen, einzufangen und an Gilgamesch weiterzuleiten.[1]

„Da baute Enkidu ihm (Gilgamesch) eine Traumhauch-Hütte. Er befestigte eine Tür für den Sturmwind in ihrem Eingang. Er ließ ihn betten in einem Kreise, aus Mehl war die Linie. Er selbst aber, wie ein Fangnetz zu Boden geworfen, legte sich nieder in ihrem Eingang.“

– Gilgamesch-Epos, Tafel 4, Verse 10 bis 14[2]

Literatur

  • Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. Beck, München 2006, ISBN 3-406-52870-8

Anmerkungen

  1. ↑ a b c Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. S. 163–164.
  2. ↑ Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. S. 74.



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Der Traum der heiligen Ursula

Noir24admin Traum 22. Juni 2026
Der Traum der heiligen Ursula (Vittore Carpaccio)
Der Traum der heiligen Ursula
Vittore Carpaccio, 1495
Öl auf Leinwand
267 × 274 cm
Accademia, Venedig
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/Museum

Der Traum der heiligen Ursula (italienisch Sogno di Sant’Orsola) ist ein Gemälde von Vittore Carpaccio aus dem späten 15. Jahrhundert. Es ist Teil des Ursula-Zyklus über das Leben der Heiligen Ursula, der als Hauptwerk Carpaccios gilt.[1] Die neun Gemälde befinden sich heute in der Accademia in Venedig in einem eigenen Raum (Saal XXI).

Auftraggeber und Entstehung

Der Auftrag für die insgesamt neun großen Tafelgemälde wurde am 16. November 1488 von der seit 1300 bestehenden Bruderschaft „Scuola di Sant’Orsola“ erteilt, ohne dass der Name Carpaccios in dem Vertrag erwähnt wurde.[2] Carpaccio begann die Arbeiten am Zyklus 1490[3] oder 1491[4] und es sollte, mit einigen Unterbrechungen, bis 1496 zu ihrer Vollendung dauern[5]; nach einer anderen Quelle dauerten die Arbeiten bis 1500.[6] In einer Unterbrechung 1494 schuf er das Gemälde Heilung des Besessenen für die Scuola di San Giovanni Evangelista.[7] Das Gemälde über den Traum der Hl. Ursula wird auf 1495 datiert.[8]

Carpaccio dürfte, wie zu dieser Zeit üblich, selbst die Motive und Kompositionen vorgegeben und sich auch an der eigentlichen Ausführung beteiligt oder aber die von den Gehilfen zu erledigende Arbeit koordiniert haben, denn er verfügte, wie z. B. auch Gentile Bellini, über eine große Zahl an Gehilfen.[9]

Das Bild, wie der ganze Zyklus, gehören zum Genre der teleri, so benannt nach der einem Webstuhl (im venezianischen Dialekt telero) ähnlichen Holzkonstruktion, mit der die Bilder an den Wänden der Scuole angebracht wurden.[10] Es gilt auch als das ruhigste der ansonsten doch recht dramatischen Darstellungen des Zyklus.[11] In der Abfolge des Zyklus ist es das sechste Gemälde.[12] Der Zyklus war für die Kapelle der Scuola in den umgebauten Räumen neben der Dominikanerkirche San Zanipolo in Venedig bestimmt.[13]

Das Motiv

Der Legenda aurea des Jacobus de Voragine nach war die heilige Ursula eine Königstochter aus Britannien. Nach einem Verlöbnis mit einem englischen Prinzen wollte sie zunächst eine Wallfahrt nach Rom unternehmen, bevor die eigentliche Hochzeit stattfinden sollte. Nach dem Empfang und der Segnung durch den Papst erschien ihr dann ein Engel im Traum, der ihr das bevorstehende Martyrium verkündete. Es ist diese Stelle der Überlieferung, die das Gemälde darstellt. Die Heilige und die sie angeblich begleitenden 11.000 Jungfrauen erlitten ihr Martyrium der Legende nach letztlich auf der Rückreise in Köln.

Die Darstellung

Das Bild ist zentralperspektivisch angelegt, der Fluchtpunkt liegt etwas rechts der mittleren Bildachse. Es ist unklar, an welchem Ort die Szene spielen soll. Einer Quelle nach erscheint der Heiligen der Engel bereits in Rom selbst,[14] nach einer anderen ereignet sich die Vorhersage erst in Köln.[15] Die Szene soll am frühen Morgen spielen, entsprechend streng ist der Lichteinfall von rechts hinter dem Engel gestaltet.[16] Das Interieur des Raumes selbst ist ein typisches Schlafgemach im Venedig des 15. Jahrhunderts.[17] Der Raum ist nur wenig möbliert, außer dem Himmelbett finden sich nur noch ein Hocker, ein kleiner Tisch und ein Bücherregal. An der Wand befindet sich hinter der schlafenden Heiligen ein kleiner Altar, dem eine Kerze in einer Halterung und ein kleines Gefäß für das Weihwasser beigefügt sind. Oberhalb der Türsturze sind jeweils antik anmutende Statuetten aufgestellt. Die Wände werden durch rundbogige Zwillingsfenster jeweils unterhalb von Rundfenstern durchbrochen. Die Heilige selbst schläft ruhig, das Gesicht ist entspannt und friedlich dargestellt.[18]

Besondere Sorgfalt, im Detailreichtum und der natürlichen Darstellungsweise typisch für Carpaccio, legte er auf kleine Details, so in diesem Bild auf die Schuhe der Heiligen vor dem Bett oder die Krone als Attribut ihrer königlichen Herkunft am unteren Ende des Bettes.[19] Der kleine Hund am unteren Bildrand ist ein von Carpaccio nicht selten verwendetes Motiv, um eine Form von Alltag in ein heiliges Geschehen zu bringen.[20] Die beiden Pflanzen in der Vase bzw. dem Kübel auf der Fensterbank stellen Myrte und Nelke dar, die erste eine symbolische Darstellung der Liebe, die andere die der Ehre.[21]

Wie bei vielen Bildern Carpaccios, so ist auch in diesem Gemälde die Grundfarbgebung eine bernsteinfarben-rötliche, was als typisch für die Lichtverhältnisse Venedigs gilt.[22]

Hugh Honour bemerkte zu diesem Bild: Manch venezianisches Schlafzimmer dürfte so ausgesehen haben wie das der Heiligen, wenn auch ohne die Krone am Fußende des Bettes. Aber hier spüren wir noch etwas mehr als nur realistische Naturtreue. Dies ist weniger das Bild eines Zimmers, als vielmehr ein Bild von Licht und Luft, die in ein Zimmer fluten. Carpaccio war fasziniert vom Problem der malerischen Wiedergabe von Licht und Farbtönung. Und in der Wiedergabe der besonderen Eigentümlichkeit des venezianischen Lichtes hat er nur einen Rivalen – Canaletto.[23]

Literatur

  • Will Durant: Glanz und Zerfall der italienischen Renaissance. Band 8 aus Will und Ariel Durant: Kulturgeschichte der Menschheit. 1. Aufl., Südwest Verlag, München 1978, ISBN 3-517-00562-2.
  • Hugh Honour: Venedig – Ein Führer. 2. Aufl., Prestel Verlag, München 1973.
  • Ines Kehl: Vittore Carpaccios Ursulalegendezyklus der „Scuola di Sant’Orsola“ in Venedig. Eine venezianische Illusion. Worms 1992. (= Manuskripte der Kunstwissenschaft 36.)
  • Pompeo Molmenti: The Life and Works of Vittore Carpaccio. London 1907. Kapitel 4.: The History of the Scuola di Sant’Orsola. Kapitel V. Carpaccios Paintings. Volltext
  • Corrado Ricci: Geschichte der Kunst in Norditalien. 2. Aufl., Julius Hoffmann Verlag, Stuttgart 1924.
  • Max Semrau: Die Kunst der Renaissance in Italien und im Norden. 3. Aufl., Bd. III aus Wilhelm Lübke: Grundriss der Kunstgeschichte. 14. Aufl., Paul Neff Verlag, Esslingen 1912.
  • Herbert Alexander Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. DuMont’s Bibliothek grosser Maler, DuMont Buchverlag, Köln 1979, ISBN 3-7701-1118-4.
  • Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance – Architektur, Skulptur, Malerei, Zeichnung. Tandem Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-8331-4582-7.
  • Felix Thürlemann: Der Ursula-Zyklus von Vittore Carpaccio. Konstanz 2002. (online)
  • Robert E. Wolf und Ronald Millen: Geburt der Neuzeit. Reihe Kunst im Bild, Naturalis Verlag, München 1987, ISBN 3-88703-705-7.
  • Stefano Zuffi: Die Renaissance – Kunst, Architektur, Geschichte, Meisterwerke. DuMont Buchverlag, 2008, ISBN 978-3-8321-9113-9.

Weblinks

Commons: Der Traum der Hl. Ursula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance – Architektur, Skulptur, Malerei, Zeichnung. S. 362
  2. ↑ Felix Thürlemann: Der Ursula-Zyklus von Vittore Carpaccio
  3. ↑ Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance – Architektur, Skulptur, Malerei, Zeichnung. S. 362
  4. ↑ Honour: Venedig – Ein Führer. S. 190.
  5. ↑ Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance – Architektur, Skulptur, Malerei, Zeichnung. S. 362
  6. ↑ Durant: Glanz und Zerfall der italienischen Renaissance. S. 71
  7. ↑ Semrau: Die Kunst der Renaissance in Italien und im Norden. S. 242.
  8. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138; Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance – Architektur, Skulptur, Malerei, Zeichnung. S. 362.
  9. ↑ Zuffi: Die Renaissance – Kunst, Architektur, Geschichte, Meisterwerke. S. 198
  10. ↑ Zuffi: Die Renaissance – Kunst, Architektur, Geschichte, Meisterwerke. S. 198
  11. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138
  12. ↑ Honour: Venedig – Ein Führer. S. 190.
  13. ↑ Lage der Scuola und Anordnung des Zyklus (Memento des Originals vom 21. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.litwiss.uni-konstanz.de (litwiss.uni-konstanz.de) abgerufen am 20. Januar 2013
  14. ↑ Durant: Glanz und Zerfall der italienischen Renaissance. S. 70
  15. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138
  16. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138
  17. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138.
  18. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138.
  19. ↑ Durant: Glanz und Zerfall der italienischen Renaissance. S. 70/71
  20. ↑ Zuffi: Die Renaissance – Kunst, Architektur, Geschichte, Meisterwerke. S. 201/202.
  21. ↑ Stützer: Malerei der italienischen Renaissance. S. 138
  22. ↑ Wolf/Millen: Geburt der Neuzeit. S. 56
  23. ↑ Honour: Venedig - Ein Führer, S. 191



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Der Traum des Joachim

Noir24admin Traum 22. Juni 2026
Der Traum des Joachim (Giotto di Bondone)
Der Traum des Joachim
Giotto di Bondone, 1303–1305
Fresko
~185 × ~200 cm
Scrovegni-Kapelle
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/Museum

Der Traum des Joachim ist ein Fresko in der Cappella degli Scrovegni in Padua. Es wurde vom italienischen Maler Giotto di Bondone in den Jahren 1303–1307 angefertigt. Es gehört in die Reihe der verbildlichten Offenbarungsträume, in denen dem Schlafenden Zukünftiges eröffnet wird.

Das Fresko (185 × 205 cm) besteht aus zwei Teilen:

  • Das linke, große Bild (etwa 3/5 der Fläche) und
  • das rechte, schmale Bild (etwa 2/5 der Fläche).

Beide Teile werden von mehreren Leisten mit Blatt- und Blumenverzierungen umrahmt.

Beschreibung

Vor einer die untere Bildhälfte ausfüllenden fast weißen Gebirgslandschaft sitzt rechts der heilige Joachim. Er trägt einen blassrosa Umhang, stützt seinen Kopf auf den rechten Arm und schläft. Sein Kopf ist umgeben von einem Heiligenschein. Er sitzt vor einer weißen Klause, die zum Betrachter hin eine Öffnung hat.

In Bildmitte befindet sich eine Schlucht, in der drei Schafe und zwei Ziegen grasen und ein Hund über sie wacht. Auf der linken Seite stehen zwei Hirten (hintereinander). Der Vordere stützt sich auf einen Stab. Er trägt einen rosa Überwurf und einen dazu passenden Hut. Der Hintere einen bräunlichen Hirtenkittel mit Kapuze. Beide schauen nach rechts oben zum Engel.

Der Hintergrund (Himmel) hat eine leuchtend blaue Farbe. Auf der linken Seite schwebt ein Engel. Er trägt ein weißes Gewand mit Goldbordüren. Er zeigt mit der rechten Hand auf den heiligen Joachim; es scheint, als flöge er auf ihn zu. Die Flügel sind nach oben gerichtet. Die braunen Haare sind von einem Heiligenschein umgeben.

Rechtes Bild

Das schmale, rechteckige Bild besteht aus drei übereinanderstehenden Ornamenten (weiß). Das obere und untere sind fast identisch: geometrisch, quadratisch mit einer Blüte in der Mitte. Das Ornament in der Mitte sieht aus wie ein Fenster, an dem der heilige Joachim steht. Man sieht von vorn seinen Kopf mit Haaren, Vollbart und Heiligenschein und seinen Oberkörper (gleich gekleidet, wie auf dem anderen Bild).

Farbe

Der Himmel hat eine kräftige azurblaue Farbe. Alle anderen Farben sind Pastellfarben, blass und deckend.

Raum

Der Raum bekommt durch die Felsen eine Tiefenwirkung. Die Hauptrichtungen sind in oben und unten geteilt. Die obere Hälfte wird durch den Engel bestimmt, die untere durch die Personen und Tiere. Die Schlucht in der Mitte teilt das Bild zusätzlich in zwei senkrechte Hälften.

Textquelle

Die Textquelle für das Bild ist die Geschichte von Anna und Joachim, den Eltern Marias, der Mutter Jesu, im apokryphen Protevangelium des Jakobus. Dort wird die Geschichte des Priesters Joachim erzählt, der mit seiner Frau Anna in Jerusalem gelebt hat. Eines Tages wurde Joachims Opfer im Tempel vom Oberpriester abgelehnt, da Joachim mit seiner Frau nach zwanzigjähriger Ehe noch kein Kind gezeugt hatte. Daraufhin erschien Joachim bei der Feldarbeit im Traum ein Engel, der ihm die Geburt eines Kindes weissagte.




🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Der Traum des Joachim aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

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Traumdeutung

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