Jayne Gackenbach (* 24. Mai 1946) ist eine US-amerikanisch-kanadische Schriftstellerin, Forscherin und eine Pionierin auf dem Gebiet der Klarträume.
Leben
1978 legte sie ihren Ph. D. in experimenteller Psychologie ab. Thema der Dissertation war A Personality and Cognitive Style Analysis of Lucid Dreaming. Bevor sie in den 1990er Jahren nach Kanada auswanderte, verfolgte sie elf Jahre lang eine akademische Laufbahn, vor allem an der University of Northern Iowa.
Jayne Gackenbach war 1988 und 1989 Präsidentin der Association for the Study of Dreams, von 1981 bis 1993 Geschäftsführerin der Lucidity Association, und Herausgeberin (senior editor) des Lucidity Letters von 1981 bis 1990. Sie hat in dieser Zeit eine große Zahl an Publikationen, überwiegend zum Thema Träume und höhere Ebenen des Bewusstseins, geschrieben und veröffentlicht.
Nach langjähriger Forschung auf dem Gebiet des Klartraums hat sie sich vor wenigen Jahren auf das Gebiet der netzbasierten Kommunikation verlegt.
Momentan ist sie Mitglied an der Fakultät für Kunst und Wissenschaft des Grant MacEwan College in Edmonton (Kanada) sowie Teilzeitlehrerin an der Athabasca University (Kanada) und der Saybrook Graduate School in San Francisco.
Werke
Jayne Gackenbach, Jane Bosveld: Herrscher im Reich der Träume: Kreative Problemlösungen durch luzides Träumen Aurum im Kamphausen Verlag, 1991, ISBN 3-591-08298-8
Jayne Gackenbach (Hrsg.): Psychology and the Internet, Second Edition: Intrapersonal, Interpersonal, and Transpersonal Implications. Academic Press, London San Diego, 1998, ISBN 0-12-271950-6
Jayne Gackenbach, Stephen LaBerge: Conscious Mind, Sleeping Brain. Springer, 1988, ISBN 0-306-42849-0
Jayne Gackenbach: Sleep and Dreams: A Sourcebook (Garland Reference Library of the Humanities). Taylor & Francis, 1987, ISBN 0-8240-8764-X
Hatsuyume (japanisch初夢‚erster Traum‘) ist ein japanischer Aberglaube über den ersten Traum im neuen Jahr. Da die Menschen nach dem japanischen Neujahrsfest am ersten Januar erst wieder zum normalen Alltag finden, ist es der Traum in der Nacht zum zweiten Januar. Dieser hat sich aufgrund der verschiedenen japanischen Kalender jedoch im Verlauf der Geschichte verschoben.
Der Traum soll vorhersagen, welche Erwartungen der Träumende an das neue Jahr stellen kann.
Seit der Feudalzeit gab es verschiedene Bräuche und Anstrengungen, welche helfen sollten, dass ein glücklicher Traum geträumt wird. So legten sich in der Muromachi-Zeit die Menschen aller Gesellschaftsschichten ein Abbild eines Segelschiffs (Takarabune) mit dem Wort „Schatz“ auf den Segeln unter ihre Kopfkissen.
Es soll Glück bringen, zuerst vom Berg Fuji, zweitens von einem Falken (Taka) und schließlich drittens von einer Aubergine (一富士二鷹三茄子ichi fuji, ni taka, san nasubi) zu träumen. Dieser Glaube findet sich seit der Edo-Zeit wieder. Die genaue Herkunft dieses Aberglaubens ist nicht geklärt. Eine Theorie lautet, dass es sich dabei um hohe Gegenstände handelt. Der Fuji ist der höchste Berg Japans, ein Berg in der Nähe und etwa halb so hoch ist der Ashitaka. Auberginen könnten deshalb gewählt worden sein, da sie im alten Japan einen hohen Preis hatten.
Gelegentlich wird dieses Tripel fortgesetzt durch Fächer, Tabak und blinder Mönch (四扇五多波姑六座頭shi ōgi, go tabako, roku zatō).[1]
Siehe auch
Hatsuhinode (Betrachtung des ersten Sonnenaufgangs)
Hermann Jónasson (* 22. Oktober 1858 auf dem Hof Víðiker im Bárðardalur; † 6. Dezember 1923 in Reykjavík) war ein isländischer Agronom, Politiker und Verfasser von Büchern über Träume und Übernatürliches.
Leben
Der Bauernsohn Hermann Jónasson galt in jungen Jahren als begabter Athlet und Ringer (Glíma).[1] 1884 machte er einen Abschluss in Agronomie (búfræðipróf) an der damaligen Landwirtschaftsschule Hólar und gehörte damit zu den ersten Absolventen[1] dieser 1882 gegründeten Einrichtung. Danach lebte er eine Zeitlang in Dänemark, wo er an der Königlichen Veterinär- und Landwirtschaftsuniversität studierte. Später war er unter anderem Leiter einer Volkshochschule in Hléskógar im Gebiet Höfðahverfi am Eyjafjörður (Landgemeinde Grýtubakki) und von 1888 bis 1896 Rektor der Landwirtschaftsschule Hólar. Von 1896 bis 1905 war er Landwirt in Þingeyri.[2] Nachdem er abwechselnd in Ólafsvík und Reykjavík gelebt hatte, hielt er sich von 1917 bis 1922 in den Vereinigten Staaten auf, danach bis zu seinem Tod wieder in Reykjavík.[2]
Politische Tätigkeit
Von 1900 bis 1908 gehörte Hermann Jónasson dem isländischen Parlament Althing als Vertreter der damaligen Selbstverwaltungspartei (Heimastjórnarflokkurinn) an.[2] Im Parlament regte er 1903 die Einführung einer sogenannten „allgemeinen Pflichtarbeit“ beziehungsweise „Bürgerpflichtarbeit“ (þegnskylduvinna) an. Diese wurde in den folgenden Jahren viel diskutiert.[1] In ihrer letzten Fassung, über deren Einführung 1916 eine Volksabstimmung durchgeführt wurde, hätte sie jeden männlichen Isländer zwischen 17 und 25 Jahren zu einem einmaligen Arbeitseinsatz von zwölf Wochen verpflichtet.[3] Sie wurde in der Abstimmung mit 91,76 % Nein-Stimmen abgelehnt.[4] Davon abgesehen erstreckte sich die parlamentarische Tätigkeit von Hermann Jónasson hauptsächlich auf landwirtschaftliche Themen.[1]
Schriftstellerisches Schaffen
Hermann Jónasson gründete 1887 die landwirtschaftliche Zeitschrift Búnaðarrit, blieb bis 1899 deren Herausgeber[2] und verfasste Artikel über landwirtschaftliche Themen. Schriftstellerisch besonders hervor trat er jedoch mit Publikationen über Träume und Übernatürliches. In seinem Buch Draumar von 1912 „berichtigt und vervollständigt“ er die Brennu Njáls saga, eine bekannte Isländersaga, auf der Basis von Mitteilungen, die ihm Ketill, der Schwiegersohn des Sagahelden Njáll, nächtlich im Traum übermittelt habe. Das Buch erregte in Island zum Zeitpunkt seines Erscheinens großes Aufsehen[5] und wurde ernsthaft diskutiert; auch in einer zeitgenössischen Besprechung der deutschen Zeitschrift Mitteilungen der Islandfreunde kam der Rezensent zum Schluss „man mag sich also zur Sache stellen, wie man will, er ist ernst zu nehmen“ und gab die „Berichtigungen“ der Saga in der Folge ausführlich wieder.[5]
Die niederländische Ethnologin Adriënne Heijnen hat Draumar in einer Untersuchung zur Bedeutung des Träumens in der isländischen Gesellschaft als Beispiel für eine neue Entwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts angeführt. Waren die Inhalte von Träumen zuvor nur informell im Alltagsleben ausgetauscht worden, wurden sie nun Gegenstand einer ausgearbeiteten Darstellung mit wissenschaftlicher Unterstützung – an der Publikation waren der Theologieprofessor Haraldur Níelsson sowie der Philosoph und Psychologe Guðmundur Finnbogason beteiligt.[6] Dem Nachwort von Guðmundur Finnbogason zu Draumar ist zu entnehmen, dass dieser es für möglich hielt, dass mit Hilfe von Träumen zukünftige Ereignisse vorausgesagt werden können. Er forderte das genaue Festhalten solcher präkognitiver Träume, um dies auch wissenschaftlich bestätigen zu können.[7] Heijnen sieht die Veröffentlichung im Rahmen eines Bestrebens der damaligen intellektuellen Elite Islands, althergebrachten Volksglauben durch wissenschaftliche Experimente in eine moderne Weltsicht einzuordnen.[8]
Werke
Þegnskylduvinna. („Bürgerpflichtarbeit“) Reykjavík 1909.
Draumar. („Träume“) Ísafold, Reykjavík 1912.
Dulrúnir. („Geheimzeichen“) Reykjavík 1914.
Draumar og dulrúnir. („Träume und Geheimzeichen“) Hliðskjálf, Reykjavík 1961 (Neuausgabe von Draumar und Dulrúnir mit einer biographischen Einleitung).
↑W. Heydenreich: „Allgemeine Pflichtarbeit“ (þegnskylduvinna) auf Island. In: Mitteilungen der Islandfreunde. 4. Jahrgang, Nr.1, 1916, S.14–23, hier S. 17 (timarit.is).
↑ abW. Heydenreich: Ein Stück aus der Njálssaga durch einen Traum berichtigt und vervollständigt. In: Mitteilungen der Islandfreunde. 1. Jahrgang, Nr.1, 1913, S.12–14 (timarit.is).
↑Adriënne Heijnen: The social life of dreams. A thousand years of negotiated meanings in Iceland. LIT, Wien / Zürich / Berlin / Münster 2013, ISBN 978-3-643-90238-2, S.225–226.
↑Adriënne Heijnen: The social life of dreams. A thousand years of negotiated meanings in Iceland. LIT, Wien / Zürich / Berlin / Münster 2013, ISBN 978-3-643-90238-2, S.226.
↑Adriënne Heijnen: The social life of dreams. A thousand years of negotiated meanings in Iceland. LIT, Wien / Zürich / Berlin / Münster 2013, ISBN 978-3-643-90238-2, S.227.
Anmerkung: Personen aus Island werden mit dem Vornamen oder mit Vornamen und Patronym (selten dem Matronym) bezeichnet, jedoch nicht allein mit dem Patronym. Familiennamen sind in Island selten. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.
Nachtmahr, Johann Heinrich Füssli (1802)Traumgesicht, Albrecht Dürer dokumentiert einen seiner Albträume (1525)
Ein Albtraum, auch Alptraum oder Albdruck, veraltet Nachtmahr (vergleiche englischnightmare oder niederländischnachtmerrie) oder auch Nachtschaden, ist ein Traum, der von negativen Emotionen wie Angst und Panik beim Träumenden begleitet wird. Der Traum kann dabei bedrohliche, aber durchaus auch banale Situationen enthalten.
Albträume sind nichtorganische Schlafstörungen und zählen zu den Parasomnien.
Vorkommen
Etwa 4–5 % der Erwachsenen leiden unter Albträumen.[1] Bei psychiatrischen Erkrankungen kommen sie häufiger vor. Im nächtlichen Schlafrhythmus treten Albträume vorwiegend im REM-Schlaf auf, meist in der zweiten Nachthälfte. Die Dauer schwankt zwischen wenigen Minuten und einer halben Stunde und endet meist mit Aufschrecken. Danach ist man in der Regel sofort bewusst und verfügt über räumliche und zeitliche Orientierung.
Typische Inhalte von Albträumen bei Kindern und Jugendlichen sind Verfolgung (50 %), eigener Tod oder Verletzung (20 %), Tod oder Verletzung anderer (15 %) und das Fallen ins Bodenlose (10 %).[2]
Häufige Albträume stellen eine Belastung für die Psyche und den Körper dar und verringern die Erholung im Schlaf.[3] Sie treten häufiger in der Kindheit und häufiger bei Frauen auf.[4]
Ursachen
In Zwillingsstudien konnte eine genetische Vulnerabilität für Albträume gezeigt werden. Als Ursachen für Albträume werden unverarbeitetes Tagesgeschehen, traumatische oder traumatisierende Erlebnisse, Stress oder psychische Probleme, aber auch physische Faktoren angenommen.
Diagnostik
Diagnostik von Alpträumen im Schlaflabor ist im Allgemeinen nicht notwendig. Dort kann jedoch die Bindung an den REM-Schlaf dokumentiert werden.[5]
Differentialdiagnose (Abgrenzung)
Der Albtraum ist vom Pavor nocturnus oder von der Schlafstarre beim Aufwachen zu unterscheiden und kann Teil des Oneiroid-Syndroms sein. Während Pavor nocturnus meist in der ersten Nachthälfte auftritt und kaum in Erinnerung bleibt, zeigen sich Alpträume vorwiegend in der zweiten Nachthälfte und werden sehr gut erinnert.[2] Auch ist der Patient nach dem Erwachen aus dem Alptraum i. d. R. rasch orientiert, im Gegensatz zum Pavor nocturnus.
Bei nächtlichen Panikattacken, die jedoch aus Alpträumen heraus entstehen können, erreicht die Angst meist ihren Höhepunkt erst im Wachzustand.[2]
Behandlung
Bei gelegentlichen Albträumen ist i. d. R. keine Behandlung erforderlich. Treten Albträume jedoch gehäuft, einmal pro Woche oder über einen längeren Zeitraum auf, sollte behandelt werden.[4]
Eine Methode, welche sich in zahlreichen wissenschaftlichen Studien[6][7] als wirksam erwiesen hat, ist die „imagery rehearsal therapy“ (IRT). Ziel ist es hierbei, das „Albtraumdrehbuch“ zu verändern.[8] Man geht davon aus, dass durch die häufige Wiederholung der individuellen Albträume der Leidensdruck entsteht. Im Gehirn schleift sich also ein bestimmter Pfad, ein bestimmtes Skript ein, welches dann immer wieder durchlaufen wird. So kann jemand immer wieder davon träumen, von irgendwoher in die Tiefe zu fallen. Je häufiger das Skript durchlaufen wird, desto geringer muss der Anstoß sein, damit ein Traum wieder erlebt wird.
Ziel der IRT ist es nun, dieses Albtraumdrehbuch so zu verändern, dass ein möglichst langweiliger Traum entsteht, welcher dann nicht mehr belastend ist. So könnten der Person, welche immer wieder fällt, Flügel wachsen. Diesen neuen Traum übt man nun tagsüber, jeden Tag ca. 15–20 Minuten ein. Es zeigte sich, dass die IRT, verglichen mit Konfrontationsverfahren, schneller zur Linderung der Albtraumproblematik führte.[9] Die IRT muss nach Studienlage als Methode der Wahl (als erstes anzuwendendes Verfahren, „Goldstandard“) betrachtet werden.[4]
Durch die Gabe von Medikamenten, die den REM-Schlaf unterdrücken, kann vorübergehend versucht werden, Albträume unmittelbar zu unterbinden und den Leidensdruck zu vermindern.[4] Bei Alpträumen im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung hat sich Prazosin bewährt.[2]
Eine Methode, um vor allem regelmäßig auftretende Albträume positiv zu beeinflussen, kann das Klarträumen sein.[3][10][11] Dabei wird sich der Träumer seines (alb-)träumenden Zustandes bewusst und kann dann den Traumverlauf steuern. Dieses Erleben wird auch als „luzides Träumen“ bezeichnet. Allerdings erwies sich dieser Umgang mit dem Albtraum als schwierig für die Personen, die sich während des Schlafens bisher nicht bewusst machen konnten, dass sie träumen. Für diesen Personenkreis scheint die Methode daher weniger geeignet zu sein.[12]
Auch werden Albträume durch Konfrontationen mit den Albtrauminhalten behandelt. Hier geht es darum, sich den Albtraum während des Tages möglichst detailliert vorzustellen, um sich an die hierbei erlebten Gefühle zu gewöhnen. Die Methode gilt als wirksam, kann durch die Betroffenen jedoch zunächst als sehr belastend erlebt werden.[13][9]
Etymologie
Der Albtraum, ca. 1530, Nachfolger von Hieronymus Bosch, Musée des Beaux-Arts de Strasbourg
Alben – abgeleitet von Alb oder Elb – ist die ursprüngliche Bezeichnung für Elfen (germ. albi, altsächs. alf, engl. elf).[14] In der germanischen Mythologie waren die Elben/Elfen für die Träume zuständige Naturgeister (siehe Nachtalb und Mahrt). Auf diese tückischen, koboldhaften Wesen wurden die schlechten Träume zurückgeführt. Insbesondere stellte man sich bildlich die Alben meist in menschenähnlicher Gestalt auf der Brust des Schlafenden hockend vor, was ein unangenehmes Druckgefühl auslöste, daher auch die ältere Bezeichnung Alb- oder Alpdruck.[15]
Die deutsche Bezeichnung „Nachtschattengewächse“ soll der Überlieferung nach von dem alten Wort für Albtraum „Nachtschaden“ stammen. Extrakte aus alkaloidhaltigen Nachtschattengewächsen wie zum Beispiel der Tollkirsche (Atropa), dem Schwarzen Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), dem Bittersüßen Nachtschatten (Solanum dulcamara) und dem Schwarzen Nachtschatten (Solanum nigrum) wurden im Mittelalter für Heil- und Zaubermixturen genutzt, um den Nachtschaden – also die nächtlichen Albträume – zu vertreiben.
Schreibweise
Im Althochdeutschen stehen die beiden Schreibweisen „Alb“ und „Alp“ gleichberechtigt nebeneinander.[16] Der Duden von 1991 nennt zwar sowohl „Alb“ als auch „Alp“, empfahl jedoch nur „Alptraum“.[17] Im Jahre 1996 wurde im Zuge der Rechtschreibreform auch die Schreibweise „Albtraum“ in das Wörterverzeichnis aufgenommen, wo seitdem beide Schreibungen nebeneinanderstehen und gleichermaßen gelten.[18]
Die Redaktionen der bekannten Wörterbücher geben unterschiedliche Empfehlungen für den Schreibgebrauch: Der Duden empfiehlt „Albtraum“,[19] ebenso Bastian Sick (Spiegel Online/Zwiebelfisch).[20] „Grund hierfür ist, dass das Wort auf die sogenannten Alben (Elfen) und nicht auf die Alpen oder eine Alp (Bergweide) zurückgeht.“[21] Wahrig bevorzugt „Alptraum“.[22] Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen haben sich auf die einheitliche Schreibung „Alptraum“ festgelegt.[23] Diese Schreibweise deckt sich mit dem Lemma „Alptraum“ im Springer Lexikon Medizin.[24] Von der Aussprache her klingen beide Wörter wegen der Auslautverhärtung gleich.
Literatur
Brigitte Holzinger: Albträume: Was sie uns sagen und wie wir sie verändern können. Nymphenburger, München 2013, ISBN 978-3-485-01427-4.
Johanna Thünker, Reinhard Pietrowsky: Alpträume. Ein Therapiemanual. Hogrefe, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8017-2297-5.
Antonio Zadra, Robert Stickgold: When Brains Dream. Exploring the Science and Mystery of Sleep. Norton, New York 2021, ISBN 978-1-324-00283-3 (englisch).
↑ abcdTebartz van Elst et al.: Psychiatrie und Psychotherapie. 7. Auflage. Elsevier, München 2024, ISBN 978-3-437-22487-4, S.957.
↑Andreas Hufschmidt et al.: Neurologie compact. 9. Auflage. Thieme, Stuttgart New York 2022, ISBN 978-3-13-243035-8, S.400.
↑B. Krakow, R. Kellner, D. Pathak, L. Lambert: Long term reduction of nightmares with imagery rehearsal treatment. In: Behavioural and Cognitive Psychotherapy, 24, 1996, S. 135–148 (englisch).
↑J. Lancee, V. I. Spoormaker, J. van den Bout: Long-term effectiveness of cognitive-behavioural self-help intervention for nightmares. In: Journal of Sleep Research, 20, 2011, S. 454–459 (englisch).
↑Benjamin Reuter: Happy End für Albträume. In: Die Zeit. 4. August 2011, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 23. März 2025]).
↑ abR. Kellner, J. Neidhardt, B. Krakow, D. Pathak: Changes in chronic nightmares after one session of desensitization or rehearsal instructions. In: American Journal of Psychiatry, 149, 1992, S. 659–663 (englisch).
↑A. L. Zadra, R. O. Pihl: Lucid dreaming as a treatment for recurrent nightmares. In: Psychother Psychosom., 66(1), 1997, S. 50–55 (englisch).
↑Brigitte Holzinger: Albträume: Was sie uns sagen und wie wir sie verändern können. Nymphenburger, München 2013 (Kapitel Dem Alb den Schrecken nehmen, insbesondere S. 215–231).
↑V. I. Spoormaker, J. van den Bout: Lucid dreaming treatment for nightmares: A pilot-study. In: Psychotherapy and Psychosomatics, 75, 2006, S. 389–394 (englisch).
↑A. J. Celluci, P. S. Lawrence: The efficacy of systematic desensitisation in reducing nightmares. In: Journal of Behavioural Therapy and Experimental Psychiatry, 9, 1978, S. 109–114 (englisch).
↑Alb. In: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. De Gruyter, Berlin / New York 1975.
↑Wörterverzeichnis (PDF) entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung (überarbeitete Fassung vom Februar 2006); siehe dort Seite 114.
↑Brockhaus WAHRIG, Die deutsche Rechtschreibung, 8. Auflage, 2011.
↑Wortlisten der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen, www.die-nachrichtenagenturen.de
↑Alptraum. In: Peter Reuter: Springer Lexikon Medizin. Springer, Berlin u. a. 2004, ISBN 3-540-20412-1.
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Artemidor von Daldis (altgriechischἈρτεμίδωρος ὁ ΔαλδιανόςArtemídoros ho Daldianós, lateinischArtemidorus Daldianus, auch Artemidor von Ephesos) war ein kaiserzeitlicher Traumdeuter und Wahrsager aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Artemidor ist der Verfasser der Oneirokritika (griechisch „Traumdeutung“).
Leben und Tätigkeit
Artemidor stammte zwar aus der griechischen Stadt Ephesos in Westkleinasien, benannte sich aber selbst nach der Heimatstadt seiner Mutter, Daldis in Lydien, um sich von den zahlreichen weiteren Traumdeutern in Ephesos abzuheben. Die moderne Forschung unterscheidet ihn so von dem Geographen Artemidor von Ephesos. Seine Lebenszeit fällt wohl in die Jahre nach dem Tod Domitians (96 n. Chr.) bis in die Herrschaft des Antoninus Pius (138 bis 161), der ebenso wie Hadrian im Werk namentlich erwähnt wird. Die oft zu lesende Annahme, Artemidor sei um 180, gegen Ende der Herrschaft des Mark Aurel oder zu Beginn der des Commodus, gestorben, ist hingegen eine bloße Vermutung, da keiner der beiden Kaiser im Werk genannt wird. Aufgrund bestimmter Denkfiguren und Bezüge in seiner Traumdeutung – so zum Beispiel die Idee der Pronoia (Ahnung) und Personifikationen von Sternen, Winden und Wolken – wird mitunter vermutet, dass Artemidor ein Stoiker war.
Artemidor unternahm nach eigener Auskunft mehrere Bildungsreisen durch Kleinasien und auf die großen Inseln der Ägäis; er besuchte das griechische Mutterland und Italien. Er übte das Traumdeuten und Wahrsagen, ein zu seiner Zeit übliches Gewerbe, beruflich aus. Artemidor konsultierte auf seinen Reisen auch Wahrsager, die auf Märkten den Leuten ihre Träume deuteten, um auf diese Weise mehr über alte Traumgesichte und deren Erfüllungen zu erfahren. Er hatte einen Sohn, der wie er Traumdeuter wurde. Gebildet und vertraut mit der klassischen griechischen Literatur, rühmt sich Artemidor in der Vorrede zum ersten Buch seiner Traumdeutung, dass es kein Buch über Traumdeutung gebe, das er nicht erworben und studiert habe.[1] Artemidor hatte einerseits das Bestreben, die Traumdeutung unter dem Einfluss der Empirischen Schule[2] auf einer empirischen Methode (Beobachtung, Überlieferung, Analogieschluss) zu begründen, andererseits gibt er an, der Gott Apollon selbst habe ihn in Träumen zum Verfassen seines Traumbuchs inspiriert. Neben der Traumdeutung verfasste Artemidor auch ein Handbuch der Vogelschau, das aber vollständig verloren ist.
Werk
Seine Traumdeutung besteht aus fünf Büchern. Die ersten drei Bücher sind einem gewissen Cassius Maximus (vermutlich Maximos von Tyros) gewidmet. Ursprünglich war das Werk wohl auf eine Beispielsammlung in zwei Büchern angelegt. Die Bücher 1 bis 3 erschienen zuerst und waren für ein breiteres Publikum bestimmt. Die Bücher 4 und 5 dagegen schrieb Artemidor angeblich ausschließlich für seinen Sohn, der ebenfalls Traumdeuter war: Dieser solle, so die selbstbewusste Behauptung des Textes, diesen Teil des Werkes für sich behalten, um dadurch allen anderen Traumdeutern überlegen zu sein. Das vierte Buch ist dabei eine Verteidigung der Traumdeutung gegen Kritiker und enthält darüber hinaus praktische Ratschläge für den Traumdeuter und Erörterungen theoretischer Probleme der Traumdeutung.[3] Im fünften Buch versucht Artemidor, 95 konkrete Träume und ihre Bedeutung für das wirkliche Leben zu erklären. Träume und Traumsymbole werden als Omina mit günstiger oder ungünstiger Vorbedeutung für den Träumenden ausgelegt.
Ein Beispiel:
„Sich [sc. im Traum] zu kämmen bringt Mann und Frau Nutzen; denn der Kamm ist gleichbedeutend mit der alle Widerwärtigkeiten überwindenden Zeit. Das Haarflechten ist nur Frauen und jenen Männern von Nutzen, die es auch sonst [sc. im Wachen] zu tun pflegen, allen anderen Menschen zeigt es Verwicklungen in ihren finanziellen Verpflichtungen, hohe Darlehensschulden, bisweilen auch Gefängnis an.“
Das Werk des Artemidor gilt heute als interessantes Beispiel für den antiken Aberglauben. Zugleich ist es ein früher Versuch, das scheinbar Chaotische, Sinnlose und Rätselhafte der Träume zu systematisieren und daraus eine gleichsam empirisch gestützte Technik der Deutung zu entwickeln.
Darüber hinaus ist das Traumbuch eine wertvolle historische Quelle für das damalige Lebensgefühl, die Sozialgeschichte und die Vorstellungswelt des antiken Menschen in der hohen Kaiserzeit. Das Interesse der Kundschaft eines griechischen Traumdeuters war, wie aus Artemidors Deutungen zu erschließen ist, nicht etwa ein Gewinn an Selbsterkenntnis, eine Therapie oder eine existenzielle Deutung, sondern einzig der Blick in die Zukunft, der zumeist von materiellen Anliegen bestimmt war: Armut oder Reichtum, Krankheit oder Gesundheit, Erfolg oder Misserfolg in der beruflichen Arbeit, in Wettkämpfen, im öffentlichen Leben, Ehe und Kindersegen, Wetter und Ernte, gefahrvolle oder glückliche Reise etc. sind die Themen, um die der Text kreist.
Rezeption
Bis weit ins 18. Jahrhundert war das Traumbuch, das im Renaissance-Humanismus ins Lateinische übersetzt worden war, ein sehr beliebtes und oft zitiertes Werk; in der Aufklärung verlor es an Popularität und geriet weitgehend in Vergessenheit. Erst Sigmund Freud (1856–1939) entdeckte es wieder und zitiert es in seinem Werk Die Traumdeutung (1899/1900).
Für die moderne Rezeption Artemidors war neben Freud besonders der französische Philosoph Michel Foucault bedeutend, der vor allem die (sexual)geschichtlichen Aspekte des Werkes in seiner Publikation Sexualität und Wahrheit[5] analysierte. In Sexuality and Solitude[6] wies Foucault im Zuge eines Vergleiches mit Texten des Christen Augustinus auf die Freud entgegengesetzte Interpretation sexueller Träume bei Artemidorus hin:
Träumt man etwa, daß man mit seiner Mutter schläft, so bedeutet das, daß man als Amtsinhaber erfolgreich sein wird – da die Mutter offensichtlich das Symbol der Stadt oder des Landes ist.[7]
Liste älterer Autoren und Schriften zum Traum
Die älteren Traumbücher, auf die Artemidor zurückgreifen konnte und mit denen er sich auseinandersetzte, sind uns größtenteils nicht überliefert und nur als Titel oder fragmentarisch durch ihre Nennung bei Artemidor selbst oder durch Zitate bei anderen Autoren bekannt.
Antiphon von Athen
Herophilos von Chalkedon
Poseidonios: Abhandlung Über die Weissagekunst in 5 Büchern
Aristoteles: De somno et vigilia, De insomnis (beide erhalten)
Ausgaben und Übersetzungen
Ausgabe des 16. Jahrhunderts
Janus Cornarius. Artemidori Daldiani philosophi excellentissimi, De somniorum interpretatione, Libri V. Froben, Basel 1539 (Digitalisat), 1544 (Digitalisat); Gryphius, Lyon 1546 (Digitalisat)
Kritische Ausgabe
Roger A. Pack (Hrsg.): Artemidori Daldiani Onirocriticon libri V. Teubner, Leipzig 1963.
Übersetzungen und Kommentare (chronologisch)
Karl Brackertz (Übersetzer): Artemidor von Daldis: Das Traumbuch. Übersetzt von Artemis, Zürich und München 1979, ISBN 3-7608-3661-5 (auch als dtv-Taschenbuch; mit Anmerkungen und textkritischem Apparat).
Friedrich Salomon Krauss (Übersetzer): Traumkunst. Neubearbeitet und Nachwort von Gerhard Löwe. Einleitung von Fritz Jürß. Reclam, Leipzig 1991, ISBN 3-379-00712-9. Digitalisat der Ausgabe 1881
Daniel E. Harris-McCoy: Artemidorus' Oneirocritica. Text, Translation, and Commentary. Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-0-19-959347-7.
Artemidorus, The interpretation of dreams. Übersetzung von Martin Hammond, Einleitung und Anmerkungen von Peter Thonemann (Oxford world’s classics). Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-879795-1.
Literatur
Jean-Marie Flamand: Artémidore de Daldis. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 1, CNRS, Paris 1989, ISBN 2-222-04042-6, S. 605–614.
Ludger Grenzmann: Traumbuch Artemidori: Zur Tradition der ersten Übersetzung ins Deutsche durch W. H. Ryff (= Saecula spiritalia. Band 2). Baden-Baden 1980.
István Hahn: Traumdeutung und gesellschaftliche Wirklichkeit. Artemidorus Daldianus als sozialgeschichtliche Quelle. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1992, ISBN 3-87940-395-3.
Wolfram Kurth: Das Traumbuch des Artemidoros im Lichte der Freudschen Traumlehre. In: Psyche. Band 4, 1951, S. 488–512.
Elisabeth Schmitt: Lexikalische Untersuchungen zur arabischen Übersetzung von Artemidors Traumbuch. Steiner, Wiesbaden 1970.
Peter Thonemann: An ancient dream manual. Artemidorus’ The interpretation of dreams. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-884382-5.
Christine Walde: Antike Traumdeutung und moderne Traumforschung. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2001, ISBN 3-538-07117-9.
Christine Walde: Artemidor (Artemidoros). Oneirokritika. In: Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 7). Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02034-5, Sp. 149–159.
Gregor Weber (Hrsg.): Artemidor von Daldis und die antike Traumdeutung. Texte – Kontexte – Lektüren (= Colloquia Augustana. Band 33). de Gruyter, Berlin u. a. 2015, ISBN 978-3-11-040740-2.
↑Artemidor: Das Traumbuch. Übersetzt von Karl Brackertz. dtv, München 1979, S. 8.
↑Die empirische Schule war eine seit der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. bestehende griechische Ärzteschule, die aus dem Skeptizismus von Pyrrhon von Elis hervorgegangen war und die Heilkunde einzig und allein auf Erfahrung gründen wollte; vgl. Karl Brackertz (Übers.): Artemidor von Daldis: Das Traumbuch. Artemis, Zürich und München 1979, S. 356.
↑Artemidor: Das Traumbuch. Übersetzt von Karl Brackertz. dtv, München 1979, S. 349 ff.
↑Artemidor: Das Traumbuch. Übersetzt von Karl Brackertz. dtv, München 1979, S. 116.
↑Michel Foucault: Die Sorge um sich (= Sexualität und Wahrheit. Band 3). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986 (französisch: Le souci de soi. Gallimard, Paris 1984. Übersetzt von Ulrich Raulff und Walter Seitter).
↑Michel Foucault, Richard Sennett: Sexuality and Solitude. In: London Review of Books. Band3, Nr.9, 1981, ISSN 0260-9592 (lrb.co.uk).
↑Von der Freundschaft. Michel Foucault im Gespräch. Merve, Berlin 1985, S. 40. (= IMD 121, aus dem Amerikanischen übersetzt von Walter Seitter)