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Traumtagebuch

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Ein Traumtagebuch ist eine in der Regel mit kalendarischen Daten versehene Serie von schriftlichen Aufzeichnungen erinnerter Träume, die einen längeren Zeitraum umfasst. Die Aufzeichnung erfolgt regelmäßig und jeweils zeitnah. Die Praxis, Traumtagebücher zu führen, wurde erst im 20. Jahrhundert zu einem Massenphänomen. Traumtagebücher werden meist im privaten Rahmen verfasst, um Träume leichter zu erinnern und zu deuten. Sie sind aber auch ein wichtiges Instrument der empirischen psychologischen und psychiatrischen Traumforschung und werden zur Unterstützung von Psychotherapien eingesetzt. Da sie das Erinnerungsvermögen an eigene Träume steigern können, werden sie in jüngerer Zeit als Hilfsmittel zur Entwicklung von Wachtraumfähigkeiten empfohlen. Im 20. Jahrhundert erscheint das Traumtagebuch auch als eigenständige literarische Gattung.

Aufzeichnungsform

Je nach Erfahrung im Führen eines Traumtagebuchs variiert die Form der Aufzeichnung von Erinnerungsfragmenten bis hin zu ausformulierten Erfahrungsberichten. Nicht nur Traumhandlung und Details der Traumlandschaft werden als wichtig erachtet, sondern auch die Stimmungen während des Traums sollten aufgezeichnet werden.

Zur Erinnerung an den Traum empfiehlt es sich, nach dem Aufwachen vorerst still liegenzubleiben und den Traum noch einmal im Kopf durchzugehen, da viele nach einer Bewegung einige Details vergessen. Danach sollte man laut einigen erfahrenen Klarträumern, da die Erinnerung an einen Traum nach dem Erwachen insbesondere bei unerfahrenen Träumern oft stark flüchtig ist, unmittelbar nach dem Erwachen lediglich Stichworte notieren oder ein Tonband bzw. einen MP3-Player mit Aufnahmefunktion benutzen. Durch die Aufzeichnung dieser Abstrakte wird eine spätere Rekonstruktion des Traums vereinfacht. Die Benutzung eines MP3-Players oder eines Diktiergerätes im Dunkeln bietet den Vorteil, für die Aufzeichnung des Traumes nicht gänzlich aufwachen zu müssen.

Das Datum und der Trauminhalt sind wichtige Bestandteile, die oft durch selbstgedeutete Symbolik oder andere Notizen ergänzt werden. Die Priorität liegt auf den Punkten, die von der träumenden Person als wichtig erachtet werden.

Siehe auch

  • Traumyoga

Literatur

  • Manfred Engel: Traumnotate in Dichter-Tagebüchern (Bräker, Keller, Schnitzler). In: Bernard Dieterle, Manfred Engel (Hrsg.): Writing the Dream / Écrire le rêve (= Cultural Dream Studies 1). Königshausen & Neumann, Würzburg 2017, S. 211–238.
  • Ann Faraday: Deine Träume. Schlüssel zur Selbsterkenntnis. ISBN 3596233062
  • Christoph Gassmann: Träume erinnern und deuten. Düsseldorf 2004, ISBN 3-491-69807-3
  • Hans-Walter Schmidt-Hannisa: Zwischen Wissenschaft und Literatur. Zur Genealogie des Traumprotokolls. In: Michael Niehaus/ders. (Hg.): Das Protokoll. Eine Textsorte und ihre kulturellen Funktionen. Frankfurt a. M. 2005, S. 135–164.
  • Swami Sivananda Radha: Praxis des Traum-Yoga. Freiburg im Breisgau 1996

Weblinks

Wiktionary: Traumtagebuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Traumtagebuch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Traumindikatoren der Veränderung

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Traumindikatoren sind Elemente in Träumen, die Hinweise auf Verarbeitungsmechanismen im Erleben liefern. Sie lassen sich mit Hilfe Traumanalysemethoden[1][2] anhand speziell definierter Kategorien identifizieren. Die Kategorien beruhen auf theoretischen Überlegungen zum Gedächtnis, Affektregulation wie sie in der psychoanalytischen Theorie Freuds beschrieben wurden.

Theoretischer Hintergrund

Im Erscheinen von Freuds Traumdeutung[3] sehen vielen die Geburtsstunde der Psychoanalyse. Auch heute noch betrachten viele klinisch tätigen Psychoanalytiker den Traum als die “via regia zum Unbewussten”, als zentrale Quelle von Erkenntnissen in ihrer „spezifischen Wissenschaft des Unbewussten“[4]. Doch, haben sich in den letzten Jahren für die psychoanalytische Traumforschung neue Chancen für den interdisziplinären Dialog mit den angrenzenden Wissenschaften ergeben[5].
Mit der Entdeckung der raschen Augenbewegungen bei Säuglingen[6] begann ein neues Kapitel der Traumforschung. Der biologische Traumprozess rückte ins Zentrum der Forschung[7], während die psychologische Traumforschung und -deutung eher in den Hintergrund verbannt wurde. Erst in den beiden letzten Jahrzehnten versuchten verschiedene Forschergruppen, neurobiologische und psychologische Traumforschung in neuer Weise zu verbinden[8][9]. Die psychoanalytische Traumtheorie und -deutung erfuhr ein neues Interesse und löste heftige Kontroversen aus. Die bekannteste fand zwischen Allan J. Hobson und Mark Solms statt. In einer neuen Arbeit zum Thema „Hobson's protoconsciousness and Freud's primary process“, zeichnet Solms[10] (2012) eine Annäherung des biologisch orientierten Hirnforschers Hobson an Freuds Traumtheorie nach.

Historische Anmerkungen

Wie Fischmann, Leuzinger-Bohleber und Kächele[11] (2012, S. 834ff.) skizzieren, kann Freuds ausführliche Darstellung einer fast vollständige Analyse des Irma – Traums als Markenstein der psychoanalytischen Traumforschung gelten (Freud 1900a). Dank der ausführlichen Dokumentation der einzelnen Interpretationsschritte bei der Traumdeutung machte es Freud möglich, sein Verständnis kontrovers zu diskutieren und seine Konzepte kritisch weiterzuentwickeln[12][13][14][15]. Franz Alexander (1925)[16] untersuchte als erster „Traumpaare und Traumreihen“ und entdeckte das Phänomen der Wiederholung von Trauminhalten. Damit verbunden war die Frage, warum in Traumserien immer wieder die gleichen Problemstellungen bearbeitet werden. Thomas French[17][18][19] (1952, 1954, 1958) postulierte in seinem drei-bändigen Werk „The Integration of Behavior“, dass jeder Traum eine charakteristische logische Struktur aufweist. Zudem zeigen Träume eines bestimmten Individuums logische Strukturen auf, die auf ungelöste unbewusste Konflikte dieser Person hinweisen.
Weniger bekannt geworden ist, dass Alexander Mitscherlich (1947)[20] 103 Träume einer Analysandin publizierte, um daran zu illustrieren, was die Patientin mit diesen Träumen mitzuteilen versuchte. In den 1960er Jahren legten Enke[21] und seine Mitarbeiter eine formale Affekt- und Beziehungsanalyse von psychosomatischen Patienten vor. Geist & Kächele (1979)[22] nutzten die erste auf Tonband aufgezeichnete Psychoanalyse von Helmut Thomä, um bestimmte Traumkonfigurationen präzise zu untersuchen. Sie eröffneten damit neue Möglichkeiten der empirischen Traumforschung in der Psychoanalyse. Leuzinger-Bohleber (1987)[23] untersuchte Veränderung kognitiver Prozesse zuerst anhand eines Traumtagebuchs eines transvestitischen Analysanden und entwickelte daran eine Reihe von Hypothesen zu Veränderungen des manifesten Trauminhalts sowie des Umgangs mit Träumen in einer, aufgrund verschiedener Perspektiven, als erfolgreich beurteilten Psychoanalyse. Anschließend wurden diese Hypothesen mit einer computerunterstützten, theoriegeleiteten Inhaltsanalyse anhand der Traumerzählungen der ersten und letzten 100 Analysestunden von vier tonbandaufgezeichneten psychoanalytischen Behandlungen abgestützt (Leuzinger-Bohleber 1989)[24]. In den Träumen der Endphase der erfolgreichen Psychoanalysen erweitert sich das Spektrum der Affekte in den manifesten Trauminhalten (Motive der Freude, der Überraschung, des Stolzes, des Triumphes, der Trauer, der Distanzierung etc. Angstträume waren seltener als zu Beginn der Behandlung, kamen aber immer noch vor). Zudem finden sich mehr gelungene als misslungene Problemlösungen. Weiter ist das Traum-Ich seltener in der Beobachterposition und aktiver. Schließlich tauchen reifere Objektbeziehungen und mehr Menschen als Tierdarstellungen auf (vgl. Leuzinger-Bohleber 1989).
„Zu einem späteren Zeitpunkt wurde untersucht, wie die Entwicklung über den gesamten Verlauf einer dieser vier psychoanalytischen Behandlungen, den der Patientin Amalie X bewertet werden kann (Kächele et al. 1999)[25]. Die ausschließliche Untersuchung der Träume der Anfangs – und Endphase der Behandlung lässt offen, wie sich Veränderungsprozesse im Verlauf der Therapie gestalten. Wir fanden sowohl Verläufe von Messgrößen mit Variationen um einen Mittelwert in der Intensität (wie z. B. in den aggressiven und ängstlichen Emotionen) als auch Veränderungen von Parametern, die sich entlang der Zeitachse abwärts oder aufwärts bewegen. Überraschend war der Befund, dass die Patientin Amalie X schon zu Behandlungsbeginn spezielle Traum-Fähigkeiten aufweist. Von Beginn an zeigt sie die Fähigkeit, aktiv Beziehungsmuster in ihrem Träumen zu organisieren. Die Veränderungen zeigten sich in der Qualität dieser Beziehungen: diese wurden freundlicher und sorgender.
Beeindruckend sind die systematischen Veränderungen über die Zeit in der Traumatmosphäre: selbst-bezogene negative Emotionen nehmen deutlich ab: hingegen weisen objekt-bezogene negative Emotionen eine stabile Variabilität um einen Mittelwert auf, zeigen keine Trends, weder auf- noch abwärts. Über den Verlauf setzt sich in den Träumen der Patientin eine Fähigkeit zu erfolgreichen Problemlösungsstrategien immer deutlicher durch“ (vgl. Fischmann, Leuzinger-Bohleber und Kaechele, 2012, S. 836). Weitere, interessante Studien wurden im Bereich der experimentellen Schlaftraumforschung durch Psychoanalytiker durchgeführt. Mit der Möglichkeit die physiologischen Merkmale des Schlafes zu messen, war es möglich geworden, mit gezielten Weckungen aus verschiedenen Schlafphasen Träume im Schlaflabor zu erheben. In Laborexperimenten konnte so u. a. die Beeinflussbarkeit von Träumen durch visuelle und akustische subliminale Stimulation vor dem Einschlafen[26][27][28][29] sowie die Bedeutung des Traums für das Gedächtnis untersucht werden[30][31].

Klinische und extraklinische Traumforschung

Gegenüberstellung von klinischer und extraklinischer Traumforschung in der LAC-Depressionsstudie

Bekanntlich ist es in der extraklinischen Traumforschung aus methodischen Gründen sehr viel einfacher den manifesten Trauminhalt zu untersuchen: Die Arbeit am latenten Trauminhalt u. a. durch ein systematisches Verfolgen der Assoziationen zum Traum in der analytischen Sitzung und dem Versuch, darin Indikatoren für das aktuelle Übertragungs-/Gegenübertragungsgeschehen zu finden, stellt extraklinische Forscher vor anspruchsvolle methodische Probleme. Obschon einzelne Psychoanalytiker wie Jiménez (2012)[32] prinzipiell in Frage stellen, ob das Konzept des latenten Trauminhalts in der heutigen klinischen Praxis noch relevant ist, zeigen die aktuellen Erfahrungen in der LAC-Depressionsstudie, dass für die psychoanalytischen Kollegen durchaus ein Verstehen latenter Sinngehalte von Träumen und deren Bezug zum aktuellen Übertragungsgeschehen wichtiger Teil ihrer Behandlungstechnik ist. Das systematische Nachdenken über latente Sinnstrukturen in den Träumen bildet für viele von ihnen eine wichtige Quelle von Einsichten von bis ins Unbewusste hineinreichende Veränderungen ihrer Langzeitpatienten. Daher scheint uns die Frage nach der Bedeutung des latenten Traumgedankens immer noch offen. Allerdings kann sie nur durch klinisch-psychoanalytische Forschung systematisch verfolgt werden, wie im Folgenden kurz illustriert werden soll.

Systematische klinisch-psychoanalytische Traumforschung im Rahmen der LAC Studie

Die Klippen der klinisch-psychoanalytischen Forschung sind bekannt. Sie reichen von der zufälligen Auswahl und Zusammenfassung des klinischen Materials, um eine bestimmte theoretische Sichtweisen zu belegen, von in sich hermeneutisch abgeschlossenen Argumentationslinien, narzisstisch anmutenden Überlegungen an Stelle von selbstkritisch-offenen Reflexionen von klinischen Beobachtungen bis hin zu der Präsentation von psychoanalytischen „Starfällen“ statt „normaler“ oder sogar gescheiterter Behandlungen. Weiter besteht vor allem bei Ausbildungsfällen die Gefahr einer (unbewussten) Konstruktion von erwünschen psychoanalytischen Einsichten, die vorherrschenden und in Mode stehenden theoretischen Konzepten entsprechen und diese dadurch immer und immer wieder „bestätigen“. Damit werden neue, innovative Entwicklungen und unkonventionelle Ideen in der Psychoanalyse eher behindert. Dennoch halten wir es, wie viele heutige Psychoanalytiker, in der LAC-Depressionsstudie für wichtig, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten und gänzlich auf klinisch-psychoanalytische Traumforschung zu verzichten, denn auf der klinisch-psychoanalytischen Forschung beruhen trotz all dieser Schwierigkeiten die allermeisten bisher in der Psychoanalyse gewonnener Einsichten zu unbewussten Phantasien und Konflikten (vgl. dazu Leuzinger-Bohleber, 2010 a,b)[33]. Daher versucht u. a. die „Projectgroup for Clinical Observation“ der International Psychoanalytical Association die Qualität der klinisch-psychoanalytischen Forschung zu verbessern (vgl. Website der International Psychoanalytical Association).
Eine Möglichkeit, den eben erwähnten Gefahren klinischer Forschung zu begegnen, ist die psychoanalytische Expertenvalidierung, die in der DPV Katamnesestudie entwickelt und seither in verschiedenen Studien angewandt wurde (vgl. dazu u. a. Leuzinger-Bohleber, Rüger, Stuhr & Beutel 2002; Leuzinger-Bohleber, Engels & Tsiantis 2008)[34][35]. Sie zielt darauf ab, Verzerrungen der subjektiven Wahrnehmung z. B. durch unerkannte Gegenübertragungsprobleme systematisch durch psychoanalytische Experten in einer Gruppe zu erkennen und zu korrigieren. Dadurch wird, wie gleich exemplarisch aufgezeigt wird, die Qualität der klinisch-psychoanalytischen Forschung erhöht.
Ausgangspunkt für die systematische klinisch-psychoanalytische Traumforschung im Rahmen der LAC Studie sind die wöchentlichen klinischen Konferenzen, in der die laufenden Behandlungen in Intervisionsgruppen regelmäßig vorgestellt und diskutiert werden. Zudem findet dreimal im Jahr ein klinischer Workshop statt, zu dem z. T. gezielt Experten eingeladen werden. Die detaillierten klinischen Beobachtungen werden mit den Konzeptualisierungen, wie sie im „Manual for Treating Chronic Depressed Patients“ von David Taylor (vgl. auch Taylor 2010)[36] enthalten sind und die in der anfänglichen Schulung der LAC Therapeuten diskutiert wurden, in Beziehung gesetzt und mit eigenen Überlegungen verbunden. Die in dieser „klinisch-psychoanalytischen Forschung“ gewonnenen Einsichten werden von den Therapeuten in systematischen Einzelfallstudien zusammengefasst und nach mehreren „Kontrollschritten“, die in der Methode der psychoanalytischen Expertenvalidierung festgelegt sind, publiziert (vgl. dazu Westenberger-Breuer & Maccarrone Erhardt 2010; Sturmfels 2010; Leuzinger-Bohleber 2012)[37][38][39]. Da die Kolleginnen der klinischen Konferenzen die laufenden Behandlungen gut kennen, wird deren „Expertenwissen“ als systematische Hilfestellung beim Verfassen der Falldarstellungen und dem Verstehen und Verschriftlichen von „narrativen Wahrheiten“ genutzt. Sowohl bei der Auswahl des Fokus der Falldarstellung, des präsentierten klinischen (Stunden)Materials sowie der theoretischen Überlegungen werden die Kollegen einbezogen und als kritische Leser eingesetzt. Um diese „klinischen Wahrheitsfindungsprozesse“ hier verkürzt zu charakterisieren: Die psychoanalytische Peergroup wirkt als sensible Kontrolle der Kommunikation „narrativer Wahrheit“ im Fallbericht: Vor den Kollegen einer Peergroup will eine Autorin nicht als jemand dastehen, der problematisches klinisches Material weglässt, beschönigt oder sogar verfälscht. Die Kollegen werden daher schon im Prozess des Schreibens zu guten, aber auch kritischen inneren und äußeren Objekten und dadurch gewissermaßen zu Garanten der „narrativen Wahrheit“ der Fallberichte.
In der erwähnten Publikation haben Fischmann, Leuzinger-Bohleber und Kaechele (2012) exemplarisch illustriert, wie in der LAC Studie diese klinisch-psychoanalytische mit extraklinisch-psychoanalytischer Traumforschung im Schlaflabor verbunden wird (S. 847ff.). Es war für die Autoren überraschend, wie gut sich die klinisch-psychoanalytischen Einsichten zur Traumveränderungen der Klinikerin (M. Leuzinger-Bohleber) mit jenen, „blind“ von T. Fischmann vorgenommenen extraklinischen Analysen der Träume deckten – nach ihrer Auffassung eine gute Möglichkeit einer externen Validierung von klinisch-psychoanalytischer Forschung.

Gegenüberstellung von Therapie und Laborträumen in der LAC-Depressionsstudie

Eine relativ kleine Anzahl der chronisch depressiven Patienten der LAC-Studie waren bereit, ihr meist gravierend gestörtes Schlafverhalten auch im Schlaflabor zu untersuchen. Sie wurden während der REM Traumphasen geweckt und gebeten, ihre Träume zu erzählen. Auch am Morgen wurden sie gebeten, ihre Träume zu berichten. Diese auf Tonband aufgezeichneten Träume wurden transkribiert und mit dem Traumkodierungsmodell von Moser und von Zeppelin (1996) analysiert. Auch in diesem Modell werden ausschließlich die manifesten Trauminhalte untersucht. Doch stützen sich die Autoren auf ein elaboriertes Modell der Traumgenerierung und erfassen daher sehr wohl latenten Trauminhalte, die sie allerdings teilweise anders als in der „klassischen“ Traumtheorie verstehen. Kurz zusammengefasst wird in diesem Modell postuliert, dass sogenannte Traumkomplexe – aktiviert durch aktuelle Ereignisse – sämtliche Informationen ungelöster Konflikte und traumatischer Situationen während des Träumens verarbeiten. Der Traum sucht nach einer Lösung, oder besser gesagt, nach der best-möglichen Adaptation dieser Traumkomplexe. Ein Traum, der in der Regel ein bildhaftes Geschehen ist, besteht aus mindestens einer Situation, die durch einen „Traum-Organisator“ hervorgebracht wird. Die Traumorganisation ist in diesem theoretischen Verständnis ein Bündel von affektiv-kognitiven Prozessen, die eine Mikrowelt kreiert – den Traum – und deren Handlungen gleichzeitig bestimmt. Innerhalb dieses Systems stellt der Traumkomplex eine Vorlage dar, die die eigentliche Traumorganisation ermöglicht.

So wird postuliert, dass ein Traumkomplex einem oder mehrerer solcher Komplexe entstammt, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Diese Komplexe wiederum wurzeln in konflikthaften und/oder traumatischen Erfahrungen, die uns in Form von Introjekten kondensiert wieder begegnen. Sie entsprechen dem Freud’schen latenten Traumgedanken (siehe Latenter Trauminhalt). Aktiviert werden sie durch von außen kommende Stimuli, die strukturell den gespeicherten Situationen der Komplexe ähneln und nach einer Lösung drängen. Die gesuchte Lösung dieser Komplexe wird bestimmt durch das Bedürfnis nach Sicherheit und dem Wunsch nach Teilhabe. Moser und von Zeppelin (1996).[40] fassten diese Prozesse in den beiden Prinzipien „security“ und „involvement“ zusammen. Sie determinieren die Traumorganisation.

Wünsche spielen innerhalb dieser Komplexe eine spezifische Rolle, indem sie die Vorstellungen vom eigenen Selbst mit denen über andere (Selbst- und Objektmodelle) sowie mit generalisierten Interaktionsrepräsentationen (RIG: representation interaction generalised, das heißt, wie das Selbst sich vorstellt, dass das Miteinander in der Regel vonstattengeht) verbinden. Konflikthafte Komplexe sind Bereiche gebündelter Wünsche, RIGs und Selbst- und Objektmodelle mit repetitivem Charakter, die gekennzeichnet sind durch ungebundene affektive Information. Affekte innerhalb solcher Bereiche sind vernetzt durch sogenannte k-Linien, aber gleichzeitig blockiert und somit nicht lokalisierbar. Um diese konflikthaften Komplexe zu lösen, ist es nötig die affektive Information zurück in eine Beziehungsrealität zu holen, um sie so wieder erlebbar zu machen. Dies wird in Träumen versucht, die die Funktion haben, eine Lösung für die Komplexe zu finden (vgl. dazu auch Moser, 2013, Moser & Hortig, 2014, Hortig u. Moser, 2012a,b).[41][42][43][44]
Fischmann, Leuzinger-Bohleber u. Kaechele (2012, p. 840ff.) konnten exemplarisch zeigen, dass über die Analyse der manifesten Trauminhalte eines Analysanden aus der LAC-Depressionsstudie Laborträumen mit Hilfe einer empirisch validierten Methode (Doell-Hentschker 2008),[45] klinisch relevante Fortschritte ermittelt werden konnten.
So zeigte der Vergleich der klinischen Träume vom Beginn der Psychoanalyse mit jenen aus dem 3. Jahr der Analyse, systematische Veränderungen in der Beziehungsmustern des Analysanden. In den ersten Träumen war der Träumer meist allein: niemand half ihm seine Ängste, Panik und Verzweiflung zu ertragen. Der Aktionsraum des Träumer steigert sich und das emotionale Spektrum wird größer (in den Träumen vom Beginn der Analyse finden wir häufig nur Panik – im dritten Jahr der Analyse beobachten wir Überraschung, Freude, Befriedigung, Humor, aber auch Angst und Schmerz).

Auch die Traumatmosphäre verändert sich beachtlich mit der Zunahme an Affekt-Vielfalt, aber auch an Intensität und durch die Abnahme der manifesten Angst. Die zunehmende Fähigkeit des Träumers verschiedene und sogar widersprüchliche Emotionen wahrzunehmen wird immer deutlicher. Neue Gefühle von Ärger und Wut aber auch positive wie Zuneigung, Zärtlichkeit und sexuelle Anziehung tauchen zum Ende des zweiten Behandlungsjahres auf. Das Traumsubjekt ist nicht mehr ein (distanzierter) Beobachter, sondern nimmt aktiv teil und ist in intensiven emotionalen Interaktionen mit anderen involviert.

Darüber hinaus, weisen die Träume im dritten Jahr der Analyse deutlichere Problemlösungsstrategien (mehr erfolgreiche als nicht-erfolgreiche Problemlösungen) und ein breiteres Spektrum verschiedener Problemlösungsstrategien auf. Das Traumsubjekt ist nicht mehr überflutet – wie dies für traumatischen Situationen typisch ist, wo der Träumer extreme Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit erlebt. In seinen Träumen erlebt der Analysand am Ende seiner Psychoanalyse hilfreiche Objekte, die bereit sind, ihn zu unterstützen. Dies ist ein wichtiger Indikator für die veränderte innere Objektwelt des extrem traumatisierten Patienten.

Die Übereinstimmung der klinischen und extra-klinischen Analyse ist beachtlich, ein für die wissenschaftliche Perspektive überaus wichtiger Aspekt. Allerdings bietet die klinische Fallstudie mehr psychodynamisch relevante klinische und strukturelle Information als die extra-klinische, welche sich mit dem manifesten Trauminhalt begnügt und auch keine weiteren biografischen Daten zur Verfügung hat, mit welchem die Ergebnisse ihrer Analyse untermauert werden könnte. Andererseits konsolidiert die Übereinstimmung der Befunde die Reliabilität der klinischen Fallanalyse, was wiederum die Methode der klinischen Fallstudie untermauert.

Daher verfügen wir in der heutigen Psychoanalyse über vielfältige methodische Zugangsweisen in der klinischen und extraklinischen Traumforschung der Psychoanalyse. Dies öffnet neue Chancen für die Psychoanalyse. Wie Fischmann, Leuzinger-Bohleber und Kächele (2012) anhand eines Einzelfalls aus der noch laufenden LAC-Depressionsstudie[46] skizzierten, kann im Rahmen dieser Studie einerseits anhand von differenzierten Einzelfallstudien ein Beitrag zur klinisch-psychoanalytischen Traumforschung geleistet werden. Andererseits stehen heute dank der Entwicklungen in der Therapieforschung, wie sie u. a. an der Universität Ulm (von der Forschergruppe von Horst Kächele und Helmut Thomä), an der Universität Zürich (von der Forschergruppe von Ulrich Moser und Vera Hortig) und am Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt (Forschergruppe: Marianne Leuzinger-Bohleber, Tamara Fischmann, Margerete Schött, Anna-Christine Schmidt, Jannis Pohl, Patrick Rachel, Teresa Pleitner früher Stephan Hau)initiiert wurden, eine Reihe von anspruchsvollen, extraklinischen Untersuchungsmethoden zur Veränderung des manifesten Trauminhalts während Psychoanalysen zur Verfügung. Die Forschergruppen in Zürich und am Sigmund-Freud-Institut entwickeln, in Zusammenarbeit mit S. Doell-Hentschker eine Schulung in den Analyse manifester Trauminhalte.[47]

Ergebnisse, die mit solchen Methoden gewonnen wurden, werden auch von Vertretern der nichtpsychoanalytischen Wissenschaftswelt akzeptiert und öffnen daher neue Türen zum interdisziplinären Dialog der Psychoanalyse mit anderen Wissenschaften. Besonders überzeugend schien uns die Möglichkeit, Träume, wie sie in der klinisch-psychoanalytischen Situation erzählt wurden, mit solchen zu vergleichen, die von den Analysanden der LAC-Depressionsstudie[48] völlig unabhängig davon, zum gleichen Zeitpunkt im Schlaflabor berichtet wurden (vgl. dazu auch Fischmann, Russ und Leuzinger-Bohleber, 2013).[49]

Klinische und extraklinische Traumforschung miteinander zu verbinden stellt eine große Herausforderung für die heutige Psychoanalyse dar. Es gehört zu den Stärken der klinisch-psychoanalytischen Forschung, dass sie Einsichten in das komplexe Zusammenwirken unbewusster Phantasien und Konflikte bei der Entstehung und dem Überdauern von psychopathologischen Symptomen, wie z. B. einer chronischen Depression, narrativ kommunizieren kann. Falls die Narration gelingt, kann auch Laien ein Eindruck vermittelt werden, was in einer psychoanalytischen Behandlung wirklich geschieht. Bekanntlich können manche Erkenntnisse “nur erzählt, und nicht gemessen werden”[50]

Auf der anderen Seite ist die Psychoanalyse, wie jede andere wissenschaftliche Disziplin, heute verpflichtet, die kurz- und nachhaltige Wirkung ihrer Behandlungen für die Öffentlichkeit nachvollziehbar zu belegen. Dies bedeutet, dass sich auch psychoanalytische Behandlungen in Designs, die den Kriterien der evidence based medicine folgen, überprüfen lassen müssen, wie es derzeit in der LAC-Depressionsstudie geschieht.[51]

Einzelnachweise

  1. ↑ Hall, C. S., & Van de Castle, R. L. The content analysis of dreams, 1966. Appleton-Century-Crofts, New York.
  2. ↑ Moser, U. & Zeppelin, I. v. (1996): Der geträumte Traum. Stuttgart (Kohlhammer)
  3. ↑ Freud, S. (1900a): Die Traumdeutung. GW 2/3.
  4. ↑ Leuzinger-Bohleber, M. (2010a): Psychoanalyse als "Wissenschaft des Unbewussten" im ersten Jahrhundert der IPA. Internationale Psychoanalyse 18, Sonderausgabe zum 100-jährigen Bestehen der IPV, 24-26.
  5. ↑ Fonagy, P., Kächele, H., Leuzinger-Bohleber, M. & Taylor, D. (eds.) (2012): The significance of dreams: Bridging clinical and extraclinical research in psychoanalysis. London (Karnac Books).
  6. ↑ Aserinsky, E. & Kleitman, N. (1955): Two types of ocular motility occuring in sleep. J App Physiol 8, 1-10.
  7. ↑ Hartmann, E. (1973): The biology of dreaming. Springfield (Thomas).
  8. ↑ Kaplan-Solms, K. & Solms, M. (2000): Neuro-Psychoanalyse. Eine Einführung mit Fallstudien. Stuttgart (Klett-Cotta), 2003.
  9. ↑ Ellman, S. & Weinstein, L. (2011): REM sleep, dreaming and the role of endogenous stimulation. Ann Psychoanal.
  10. ↑ Solms, M. (2012): Hobson’s protoconsciousness and Freud’s primary process. Manuskript für die DGPT-Tagung in Lindau, 2012.
  11. ↑ Fischmann, T., Leuzinger-Bohleber, M., Kaechele, H. (2012) Traumforschung in der Psychoanalyse: Klinische Studien, Traumserien, extraklinische Forschung im Labor. Psyche - Z Psychoanal 66: 833-861.
  12. ↑ Erikson, E. H. (1954): Das Traummuster der Psychoanalyse. Psyche – Z Psychoanal 8, 1955, 561-604.
  13. ↑ Schur, M. (1966): Some additional ‘day residues’ on the specimen dream of psychoanalysis. In: Loewenstein, R. M. (ed.): Psychoanalysis. A general psychology. New York (International Universities Press), 45-85.
  14. ↑ Thomä, H. (1987): Wer war Freuds „Irma“? Anmerkungen zu K. R. Eisslers “A Farewell to Freud’s ‘Interpretation of Dreams’”. Psyche – Z Psychoanal 41, 987-991.
  15. ↑ Peters, U. H. (1989): Irma – Emma – Martha – Anna. Einige zusätzliche Bemerkungen zu Ausführungen von K. R. Eissler und H. Thomä. Psyche – Z Psychoanal 43, 830-848.
  16. ↑ Alexander, F. G. (1925): Über Traumpaare und Traumreihen. Intern Z Psychoanal 11, 80-85.
  17. ↑ French, T. M. (1952): The integration of behavior. Vol. I: Basic postulates: 1. Chicago (University of Chicago Press).
  18. ↑ French, T. M. (1954): The integration of behavior. Vol. II: The integrative process in dreams. Chicago (University of Chicago Press).
  19. ↑ French, T. M. (1958) The integration of behavior. Vol. III: The reintegrative process in a psychoanalytic treatment. Chicago (University of Chicago Press).
  20. ↑ Mitscherlich, A. (1947): Vom Ursprung der Sucht. Gesammelte Schriften, Bd. 1. Frankfurt a. M. (Suhrkamp), 1983, 141-404.
  21. ↑ Enke, H., Ohlmeier, D. & Nast, J. (1968): Eine formale Affekt- und Beziehungsanalyse in Traumserien von Patienten mit psychosomatischen Krankheitsbildern. Z Psychosom Med Psychoanal 14, 15-33.
  22. ↑ Geist, W. B. & Kächele H. (1979): Zwei Traumserien in einer psychoanalytischen Behandlung. Jahrb Psychoanal 11, 138-165.
  23. ↑ Leuzinger-Bohleber, M. (1987): Veränderung kognitiver Prozesse in Psychoanalysen, Band I: eine hypothesengenerierende Einzelfallstudie. Ulm (PSZ).
  24. ↑ Leuzinger-Bohleber, M. (1989). Veränderung kognitiver Prozesse in Psychoanalysen, Band II. Fünf aggregierte Einzelfallstudien. Ulm (PSZ).
  25. ↑ Kächele, H., Eberhardt, J. & Leuzinger-Bohleber, M. (1999): Expressed relationships, dream atmosphere & problem solving in Amalia’s dreams – Dream series as process tool to investigate cognitive changes. A single case study. In: Kächele, H., Mergenthaler, E. & Krause, R. (Hg.) Psychoanalytic Process Research Strategies II. Ulm, http://www.horstkaechele.de/ english section.
  26. ↑ Leuschner, W. Hau, S. & Fischmann, T. (2000): Die akustische Beeinflussbarkeit von Träumen. Tübingen (Edition diskord).
  27. ↑ Leuschner, W. (1986): Mitteilung über eine akustische Methode experimenteller Traumerregung. Psyche - Z Psychoanal 40, 341-354.
  28. ↑ Strauch, I. & Meier, B. (1992): Den Träumen auf der Spur. Ergebnisse der experimentellen Traumforschung. 2. Aufl. Bern/Göttingen/Toronto (Huber), 2004.
  29. ↑ Schredl, M. (1999): Die nächtliche Traumwelt. Eine Einführung in die psychologische Traumforschung. Stuttgart (Kohlhammer).
  30. ↑ Leuschner, W. & Hau, S. (Hg.) (1995): Traum und Gedächtnis. Neue Ergebnisse aus psychologischer, psychoanalytischer und neurophysiologischer Forschung. Münster (LIT Verlag).
  31. ↑ Fiss, H. (1995): The post-Freudian dream. A reconsideration of dream theory based on recent sleep laboratory findings. In: Leuschner, W. & Hau, S. (Hg.): Traum und Gedächtnis. Neue Ergebnisse aus psychologischer, psychoanalytischer und neurophysiologischer Forschung. Münster (LIT Verlag), 11-35.
  32. ↑ Jimenez, J. P. (2012): The manifest dream is the real dream: the changing relationship between theory and practice in the interpretation of dreams. In: Fonagy, P., Kächele, H., Leuzinger-Bohleber, M. & Taylor, D. (eds.): The significance of dreams: Bridging clinical and extraclinical research in psychoanalysis. London (Karnac Books), 31-48.
  33. ↑ Leuzinger-Bohleber, M. (2010b): Depression und Trauma. Aus der Analyse mit einem chronisch Depressiven. In: Leuzinger-Bohleber, M., Röckerath, K. & Strauss, L. V. (Hg.): Depression und Neuroplasitzität. Psychoanalytische Klinik und Forschung. Frankfurt a. M. (Brandes & Apsel), 206-226.
  34. ↑ Leuzinger-Bohleber, M., Rüger, B., Stuhr, U. & Beutel, M. (2002): „Forschen und Heilen“ in der Psychoanalyse. Ergebnisse und Berichte aus Forschung und Praxis. Stuttgart (Kohlhammer).
  35. ↑ Leuzinger-Bohleber, M., Engels, E. M. & Tsiantis, J. (eds.) (2008): The Janus face of prenatal diagnostics: A European study bridging ethics, psychoanalysis, and medicine. London (Karnac Books).
  36. ↑ Taylor, D. (2010): Das Tavistock-Manual der psychoanalytischen Psychotherapie – unter besonderer Berücksichtigung der chronischen Depression. Psyche – Z Psychoanal 64, 833-861
  37. ↑ Westenberger-Breuer, H. & Maccarrone Erhardt, R. (2010): „Ich möchte vor allem meine Ruhe haben...“. Der depressive Rückzug. In: Leuzinger-Bohleber, M., Röckerath, K. & Strauss, L. V. (Hg.): Depression und Neuroplastizität. Psychoanalytische Klinik und Forschung. Frankfurt a. M. (Brandes & Apsel), 186-197.
  38. ↑ Sturmfels, Ch. (2010): Fallbericht zur Behandlung einer Depression. In: Leuzinger-Bohleber, M., Röckerath, K. & Strauss, V. (Hg.): Depression und Neuroplastizität. Psychoanalytische Klinik und Forschung. Frankfurt a. M. (Brandes & Apsel), 197-206.
  39. ↑ Leuzinger-Bohleber, M. (2012): Changes in dreams - from a psychoanalysis with a traumatised, chronic depressed patient. In: Fonagy, P., Kächele, H., Leuzinger-Bohleber, M. & Taylor, D. (eds.): The significance of dreams: Bridging clinical and extraclinical research in psychoanalysis. London (Karnac Books), 49-85.
  40. ↑ Moser, U. & Zeppelin, I. v. (1996): Der geträumte Traum. Stuttgart (Kohlhammer)
  41. ↑ Moser, U. (2013). Was ist eine Mikrowelt? Psyche – Z Psychoanal, 67, 401–43
  42. ↑ Moser, U., & Hortig, V. (2014). Interaktive Relationen im Traum: Resonante und responsive Wechselwirkung, Verschiebung, Verbalisierung und Selbstveränderung. Psyche – Z Psychoanal, 4(68), 336–362
  43. ↑ Hortig, V., & Moser, U. (2012a). Transformationen in der analytischen Mikrowelt. Verlaufsanalyse am Beispiel einer kinderanalytischen Stunde, (66), 121–144
  44. ↑ Hortig, V., & Moser, U. (2012b). Interferenzen neurotischer Prozesse und introjektiver Beziehungsmuster im Traum. Psyche – Z Psychoanal, 66, 889–916
  45. ↑ Doell-Hentschker, S. (2008): Die Veränderungen von Träumen in psychoanalytischen Behandlungen. Affekttheorie, Affektregulierung und Traumkodierung. Frankfurt a. M. (Brandes & Apfel).
  46. ↑ Leuzinger-Bohleber, M., Bahrke, U., Beutel, M., Deserno, H., Edinger, J., Fiedler, G., ... & Will, A. (2010). Psychoanalytische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Langzeittherapien bei chronischer Depression: Die LAC-Depressionsstudie. Psyche, 64(9-10), 782-832.
  47. ↑ Döll-Hentschker, S. & Scheiber, J. (2013). Manual zur Traumkodierung nach Moser & von Zeppelin, unveröffentlichtes Manual. Frankfurt am Main
  48. ↑ Beutel, M. E., Leuzinger-Bohleber, M., Rüger, B., Bahrke, U., Negele, A., Haselbacher, A., ... & Hautzinger, M. (2012). Psychoanalytic and cognitive-behavior therapy of chronic depression: study protocol for a randomized controlled trial. Trials, 13(1), 117.
  49. ↑ Fischmann, T., Russ, M., Baehr, T., Stirn, A. & Leuzinger-Bohleber, M. (2012a): Changes in dreams of chronic depressed patients – the Frankfurt fMRI/EEG study (FRED). In: Fonagy, P., Kächele, H., Leuzinger-Bohleber, M. & Taylor, D. (eds.): The significance of dreams: Bridging clinical and extraclinical research in psychoanalysis. London (Karnac Books), 159-183.
  50. ↑ vgl. u. a. Leuzinger-Bohleber 2012
  51. ↑ (vgl. dazu Zusammenfassung der LAC Studie, Sigmund-Freud-Institut)



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Trauminhalt

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Als Trauminhalt wird in der Psychoanalyse Sigmund Freuds alles das bezeichnet,

  1. was dem Träumenden nach dem Aufwachen als manifester Trauminhalt in bewusster Erinnerung verblieben ist, sei es „verständlich oder absurd, klar oder verworren“
  2. was an latenten Traumgedanken hinter dem bloßen „Traumtext“ des manifesten Trauminhalts vermutet wird und somit den „eigentlichen“ Trauminhalt ausmacht.

Mittels der Technik der Traumdeutung – u. a. der freien Assoziation – und der Theorie der Traumarbeit werden die manifesten in die latenten Trauminhalte umgewandelt.




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Trauminkubation

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Trauminkubation ist eine Technik, bei der durch einen Traum eine Antwort oder Lösung auf eine persönliche Frage oder ein Problem durch eine Fragestellung vor dem Schlafengehen inkubiert (lat. incubare „liegen auf“, „ausbrüten“) wird. Die Methode ist eine moderne Version des Tempelschlafs (Enkoimesis) und wird in der Neuzeit therapeutisch, spirituell oder hedonistisch zur Problemlösung eingesetzt.[1]

Geschichte

Die Trauminkubation hat eine lange Vorgeschichte in den Ritualen der Schamanen der Indianer Nordamerikas in Form der Visionssuche.[2] Bei den Anishinabe (Ojibwa) aus der Region rund um die Großen Seen (USA, Kanada) wurde die Trauminkubation nicht ausschließlich zur Heilung eingesetzt, sondern auch als männliches Übergangsritual vom Kind zum Erwachsensein. Der initiierte Junge baute allein in der Wildnis ein rituelles Nest, wo er blieb und fastete, bis er im Traum durch die Geisterwelt Geschenke oder Fähigkeiten erwarb.[2]

Asklepios mit zeus­ähnlichen Gesichts­zügen (Kopiezeichnung)

Auch in den religiösen Kulten des antiken Griechenlands finden sich Elemente der Trauminkubation.[2] Kranke besuchten damals Tempel oder Heiligtümer, um im Schlaf Krankheitsdiagnosen oder Heilung durch Asklepios (Äskulap), den Gott der Heilkunst, oder andere Götter der griechischen Mythologie zu erfahren.[3]

Die Praxis der Inkubation findet sich auch bei islamischen Heiligtümern in Form der Istichāra (istiḫāra). Hierbei spricht ein Muslim bestimmte Bittgebete (Duʿā'), bevor er sich in dem betreffenden Heiligtum schlafen legt. Während des Schlafes soll er dann göttliche Rechtleitung erhalten (رُؤْيَا / ru'ya, ein von Allah geschickter Traum).[4] Viele Muslime greifen auf diese Methode zurück, wenn sie wichtige Lebensentscheidungen treffen, zum Beispiel einen Ehepartner aussuchen oder sich für einen Beruf entscheiden. Auch knüpft sich an den Ritus die Erwartung, dass er für die betreffende Person heilvolle Wirkungen hat.[5]

Praxis in der Neuzeit

Heute findet die Trauminkubation Anwendung in der Schlafforschung sowie in der Psychotherapie.[6][7][8] Verschiedene Therapietechniken und Induktionsmethoden sind beschrieben.[9][1][10][11]

Deirdre Barrett untersuchte 1993 in einer Studie an der Harvard Medical School die Methode von William C. Dement,[12] vor dem Schlafengehen für 15 Minuten über ein spezielles Problem nachzudenken. Sie ließ ihre Studenten eine Woche lang über eine ungelöste Hausaufgabe oder ein anderes objektives Problem nachdenken, bevor sie zu Bett gingen. Barrett fand, dass es möglich war, neue Lösungen während des Träumens zu entwickeln, die für den Träumer zufriedenstellend wie auch durch einen außenstehenden Beobachter objektiv bewertbar waren. In ihrer Studie hatten zwei Drittel der Teilnehmer Träume, die gewählte Probleme beinhalteten, wobei ein Drittel eine Lösung durch die Träume fand. Dabei wurden eher Lösungen für persönliche Probleme gefunden als für Probleme akademischer oder generell objektiver Natur.[13]

96 Teilnehmer einer Trauminkubationsstudie von 2003 berichteten häufig von reduzierter Problembedrängnis, größerer Problemlösbarkeit und Verbesserung des Fokus auf ihr Problem. Die Studie beschreibt auch die Schwierigkeiten, Trauminkubation qualitativ zu messen.[1] Gayle Delaney schreibt in Dream Incubation (2015), dass es einfach sei, einen Traum zu inkubieren, jedoch die Interpretation für den Therapeuten mühsam und zeitaufwändig sei.[8]

Weiterhin wird die Trauminkubation für das Einleiten von Klarträumen genutzt.[14] Stephen LaBerge, Pionier der klinischen Klartraumforschung, beschreibt in seinem Buch Exploring the World of Lucid Dreaming (1990) zwei Techniken, bei denen sich ein Klarträumer einen Ort oder eine Person vorstellt, die er besuchen will, um mit seiner Absicht einen Klartraum zu induzieren. Mit dieser Absicht legt sich der Klarträumer sofort in sein Bett und erhält die Absicht, ohne dabei andere Gedanken zuzulassen, so lange aufrecht, bis er einschläft.[14] Diese Methoden erinnern an die sogenannten dream induced lucid dreaming-, kurz DILD-Techniken. Intentionstechniken zur Einleitung von Klarträumen stellten sich in einer Übersichtsarbeit von Stumbrys et al. (2012) als erfolgreich heraus.[15]

Literatur

  • Gayle Delaney: Dream Incubation. In: Milton Kramer, Myron L. Glucksman (Hrsg.): Dream Research: Contributions to Clinical Practice. 2015, ISBN 978-1-317-64580-1, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  • Carl Alfred Meier: Der Traum als Medizin: Antike Inkubation und moderne Psychotherapie. Daimon, Zürich 1985, ISBN 978-3-85630-017-3, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.

Weblinks

Wikibooks: Klartraum-Techniken: Traum-Inkubation – Lern- und Lehrmaterialien
  • Trauminkubation – Klartraum-Wiki. In: klartraum-wiki.de. 20. April 2015, abgerufen am 21. August 2016. 
  • Jordan Lite: How Can You Control Your Dreams? In: scientificamerican.com. 29. Juli 2010, abgerufen am 21. August 2016 (englisch). 

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Gregory L. White, Laurel Taytroe: Personal Problem-Solving Using Dream Incubation: Dreaming, Relaxation, or Waking Cognition?. In: Dreaming. 13, 2003, S. 193, doi:10.1023/B:DREM.0000003143.00133.1c.
  2. ↑ a b c Henry Reed: Dream Incubation: a Reconstruction of a Ritual in Contemporary Form. In: Journal of Humanistic Psychology. 16, 1976, S. 53, doi:10.1177/002216787601600405.
  3. ↑ Ludwig Edelstein mit Emma J. Edelstein: Asclepius: Collection and Interpretation of the Testimonies (1945)
  4. ↑ Elizabeth Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. A History of Muslim Dreaming and Foreknowing. I.B. Tauris, London 2015. S. 1.
  5. ↑ Elizabeth Sirriyeh: Dreams and Visions in the World of Islam. A History of Muslim Dreaming and Foreknowing. I.B. Tauris, London 2015. S. 159, 176f.
  6. ↑ L. K. Flowers: The use of presleep instructions and dreams in psychosomatic disorders. In: Psychotherapy and psychosomatics. Band 64, Nummer 3–4, 1995, S. 173–177, PMID 8657849.
  7. ↑ Mark Blagrove: Dreams as the reflection of our waking concerns and abilities: A critique of the problem-solving paradigm in dream research. In: Dreaming. 2, 1992, S. 205, doi:10.1037/h0094361.
  8. ↑ a b Gayle Delaney: Dream Incubation in Milton Kramer, Myron L. Glucksman (Hrsg.): Dream Research: Contributions to Clinical Practice. 2015, ISBN 978-1-317-64580-1 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. ↑ Stanley Krippner: Access to Hidden Reserves of the Unconscious Through Dreams in Creative Problem Solving. In: The Journal of Creative Behavior. 15, 1981, S. 11, doi:10.1002/j.2162-6057.1981.tb00270.x.
  10. ↑ Roberto Saredi, George W. Baylor, Barbara Meier, Inge Strauch: Current concerns and REM-dreams: A laboratory study of dream incubation. In: Dreaming. 7, 1997, S. 195, doi:10.1037/h0094474.
  11. ↑ John C. Houtz, Alan D. Frankel: Effects of incubation and imagery training on creativity. In: Creativity Research Journal. 5, 1992, S. 183, doi:10.1080/10400419209534432.
  12. ↑ William C. Dement, Christopher C. Vaughan: The Promise of Sleep: A Pioneer in Sleep Medicine Explores the Vital Connection Between Health, Happiness, and a Good Night’s Sleep. Dell Trade Paperback, 2000, ISBN 978-0-440-50901-1. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  13. ↑ Deirdre Barrett: The "committee of sleep": A study of dream incubation for problem solving. In: Dreaming. 3, 1993, S. 115, doi:10.1037/h0094375.
  14. ↑ a b Stephen LaBerge, Howard Rheingold: Träume, was du träumen willst – die Kunst des luziden Träumens. MVG Verlag, 2014, ISBN 978-3-86415-663-2 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  15. ↑ T. Stumbrys, D. Erlacher, M. Schädlich, M. Schredl: Induction of lucid dreams: A systematic review of evidence. (Memento vom 23. Juni 2015 im Internet Archive) In: Consciousness and cognition. Band 21, Nummer 3, September 2012, S. 1456–1475, doi:10.1016/j.concog.2012.07.003, PMID 22841958 (Review).



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Traum.Communikation

Noir24admin Traum 22. Juni 2026
Traum.Communikation

Beschreibung Zeitschrift für den Austausch von Traumerfahrung
Fachgebiet Esoterik/Psychologie
Sprache Deutsch
Verlag Dark Flower Verlag (Deutschland)
Erstausgabe 1998
Einstellung 1999
ISSN (Print) 1436-4085

Traum.Communikation – Zeitschrift für den Austausch von Traumerfahrung war eine deutsche Zeitschrift für Traum und Traumdeutung.

Geschichte

Traum.Communikation erschien in den Jahren 1998/99 mit drei Ausgaben in kleiner Auflage. Das Heft wurde bundesweit über den einschlägigen Buchhandel sowie via Abonnements zusätzlich nach Österreich und in die Schweiz verkauft. Der Ladenpreis lag bei 10 DM. Die Special-Interest-Zeitschrift griff das Thema Träume mit einigen festen Rubriken sowie in jedem Heft mit einem Hauptthema auf. Auf der Website der Traum.Communikation wurde zusätzlich ein Forum zum Austausch von Traumerfahrung geführt. Hier konnten Träume gepostet und direkt mit anderen diskutiert werden.

Feste Rubriken

Folgende Rubriken waren fest im Heft verankert:

  • Die Oneironauten: Artikel rund um das luzide Träumen
  • Symbolblatt und Leserspiele: Übersichten über einzelne Symbole und Techniken zur Traumarbeit bzw. Gewinnspiele mit der Aufgabe einen Traum zu bearbeiten.
  • Übersicht von Seminaren und Kursen in Deutschland und angrenzenden Ländern
  • Leserbriefe
  • Buchauszüge

Weblinks

  • TRAUM.COMMUNIKATION (Memento vom 6. April 2001 im Internet Archive)



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  1. Traumdeutung
  2. Die Traumdeutung
  3. Traumhauch-Hütte
  4. Der Traum der heiligen Ursula

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