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Moort

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Die oder der Mahrt oder Mahr, Maar bzw. Nachtmahr, niederdeutsch Moor oder Moort, bezeichnet im Niederdeutschen eine Sagengestalt, die als meist weibliche Personifizierung eines Albtraumes auftritt, der Alpdrücken oder Schlafstörungen verursacht. Von ihrem Namen leiten sich auch die Verben morriden oder morrieden ab, welche einen unruhigen Schlaf teilweise durchsetzt von Atemnot, einem Druckgefühl auf der Brust und Albträumen ausdrücken.

Name

Im niederdeutschen Sprachraum herrscht die Bezeichnung Mahr oder Mahrt für den Alp (vergleiche althochdeutsch, altnordisch, schwedisch mara oder friesisch nachtmerje, nordfriesisch nachtmähr, dänisch mare, englisch nightmare, französisch cauchemar); außerhalb des Germanischen entspricht es dem altslavischen, russischen mora[1], welches ebenfalls für „Alp“ steht, allerdings vorwiegend einen weiblichen.

Umstritten sind Anknüpfungen wie von den Grimms an das germanische mark für „Mähre“.

Bei der Nebenform des Begriffes Mahr, bei der Mahrt, wird von einer Angleichung an die mundartliche Bezeichnung des Marders ausgegangen. In dieser Gestalt ist sie nämlich mehrfach anzutreffen.

In der mecklenburgischen Mundart treten die Formen Moort, Moor oder Mor auf.[2] Bei Fritz Reuter, Wilhelm Heyse, Friedrich Cammin (1860–1920) und John Brinckman festigte sich der Begriff Moort.

Erscheinungen des Wesens

Das Geschlecht ist dem des Opfers meist entgegengesetzt. Oftmals wird allerdings von einer weiblichen Mahrt und einem männlichen Opfer berichtet. Auch kann ein Mahrt sächlich sein, dann geht man allerdings eher davon aus, es wäre kein Mensch.

Häufig wird die Mahrt allerdings als wunderschöne, teilweise nackte und aalglatte Person beschrieben (siehe auch Sukkubus). In den niederdeutschen Sagen sind sie nicht nur die Ursache schlechten Schlafens, welches sie durch moortreiten (nd. moorrieden für „Albdrücken“) hervorrufen. Dabei sitzt sie auf der Brust oder dem Rücken des Schläfers und drückt ihm die Kehle zu oder bereitet ihm einen unangenehmen Druck auf der Brust.

Deutschlandweit verbreitet gilt die Annahme, dass Taufpaten Kinder zum Moortrieder machen können. Auch Pastoren können dafür verantwortlich sein oder weitere Verwandte.

In den Sagen gelangt sie zunächst in anderer Gestalt durch ein winziges Loch in die Schlafzimmer, niemals durch Fenster oder Türen, sondern durch Ritzen, Schlüssellöcher oder noch kleinere Löcher, bei denen ein Nagel fehlt o. ä. Manchmal taucht sie in der Gestalt eines Tieres auf, so als Raupe, Wiesel, Katze oder weiße Maus, aber auch als schwimmender Schwan sowie als Gegenstände wie Apfel und Birne oder Strohhalm und Nadel. Auch als Rauch tritt sie auf. Im Gegensatz zu anderen europäischen Vorstellungen des Nachtalbs ist sie im niederdeutschen Raum allerdings nicht als schwarzes, auf Hinterbeinen gehendes, marderartiges Tier des Teufels belegt.

Opfer

Meist sind Menschen Opfer der Mahrt und ihres Rittes. Mit Atemnot verbundene Alpträume wurden aber nicht nur der Mahrt, sondern auch verdickten Säften im Blut zugeschrieben sowie Gedanken – wie erotischen Gedanken bei vor allem jungen Personen, aber auch telepathischen Kräften und den Gedanken anderer Leute bei älteren Menschen.

Aber auch Pferde können von ihnen gequält werden und haben am nächsten Morgen sogenannte Moorklatten – verfilztes Haar.

Zudem soll die Mahrt Bäume drücken können und Mahrquasten dort hinterlassen. Diese sind gerade in den Birkenwipfeln zu finden und ähneln einem Besen. Moorquast bezeichnet im Niederdeutschen den Hexenbesen.

Abwehren

Indem das Loch, durch welches die Mahrt ins Haus kommt, zugestopft wird, fängt man sie, weil eine Mahrt immer nur auf demselben Weg hinausgelangt, auf dem sie hineingekommen ist. Manchmal schließt sich daran das Motiv der Mahrtenehe an und der gerittene Mann heiratet die schöne Mahrt. Diese Ehe entpuppt sich aber oft als problematisch, weil der Mann das verschlossene Loch nicht wieder öffnen oder ihr zeigen darf, ihren dahingehenden Bitten jedoch nachkommt und sie dadurch entschlüpft. Sie kommt dann nur noch regelmäßig zurück, um ihre Kinder zu pflegen, der Ehemann sieht sie danach meist nicht wieder.

Durch das Rufen des Namens vom Opfer oder der Mahrt selbst kann sie gezwungen werden, ihren Ritt zu beenden. Manche ihrer Opfer erwachen auch, während sie auf ihnen reitet, und packen sie; durch ihre glatte Haut benötigen sie aber teilweise Handschuhe, damit sie ihnen nicht entgleitet.

Eine Mahrt sucht sich oft ein bestimmtes Opfer, welches sie häufiger reitet. Durch verschiedene Umgangsformen mit der gefangenen Mahrt kann dazu beigetragen werden, dass sie sich in ihrer wahren Gestalt zeigen muss (z. B. wenn man sie nur als Strohhalm zwischen den Händen hält) oder sie ganz und gar von ihrem Opfer ablässt. Was man der Mahrt als Strohhalm o. ä. antut, das bekommt auch der Mensch ab, der die Mahrt ist. Gelegentlich reitet ein Geliebter oder Verlobter seinen zukünftigen Partner, wird als Mahrt allerdings misshandelt und stirbt deshalb als Mensch an den Folgen der Verletzungen.

Engelland

Nur bei der weiblichen Mahrt heißt es, sie komme aus Engelland über das Meer gefahren. Dabei schwimmt sie auf einer Molle, nutzt als Segel eine Schwinge und als Ruder ein Siebrand.[3] Wird ihr Boot, welches sie auch an Land als Gefährt verwendet, umgestoßen, kann sie es selbst nicht wieder aufrichten und ist auf die Hilfe von anderen angewiesen. Öfter muss sie in Sagen auch beklagen, dass jemand ihre Reiseutensilien versteckt hat, wenn sie abfahren will. Sie jammert dann oft, dass sie ihre Mutter aus Engelland rufen höre und nach Hause wolle. Wer ihr ihre Gegenstände wiederbeschafft, dem verspricht sie oft Leinen und viel Kleidung.

Engelland ist nur bedingt als England zu interpretieren. Engelland gilt zudem als ein Wunderland. Damit hat Mecklenburg die Mahrtensage statt in die Niederungen, wo das Hexenwesen eher anzutreffen ist, in höhere Ebenen, und zwar in die des Elfenglaubens, gehoben.

Verfilmung

Im September 2017 strahlte das ZDF eine Folge von SOKO Wismar aus, welche nach der Sagengestalt benannt wurde.[4]

Literatur

  • Mahr, Mahrt. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Herausgegeben von Hanns Bächtold-Stäubli, Eduard Hoffmann Krayer, Christoph Daxelmüller: 3. Auflage, Band 5, De Gruyter, Berlin 1987, Sp. 1508–1511.
  • Hermann Teuchert: Moor. In: Wossidlo-Teuchert Mecklenburgisches Wörterbuch. Band 4, Akademie-Verlag GmbH, Berlin 1965, Sp. 1252f.
  • Richard Wossidlo: Vom Moorriden (Alpdruck). In: Mecklenburgische Sagen. Band 2, Carl Hinstorffs Verlag, Seestadt Rostock 1939, S. 404–438.

Einzelnachweise

  1. ↑ Norbert Reiter: Das Glaubensgut der Slawen im europäischen Verbund. Harrassowitz, Wiesbaden 2009, S. 162. 
  2. ↑ Mor-riden in: Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2. Bd. 1, Wien 1879/80, S. 197. [1]
  3. ↑ Der »Moort«. Abgerufen am 19. September 2018. 
  4. ↑ SOKO Wismar Staffel 15, Folge 1: Der Moort. Abgerufen am 19. September 2018. 



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Oneiroid-Syndrom

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Oneiroide sind komplexe Träume, bei denen der Erlebende sich als wach empfindet und die er auch im Nachhinein nicht vom Wachzustand unterscheiden kann. Von Oneiroiden spricht man, wenn Personen bei unauffälligem neurophysiologischem Befund tage- oder wochenlang nicht ansprechbar sind.[1]

Etymologie

Das Wort Oneiroid kommt von dem griechischen Wort oneiros, das ‚Traum‘ bedeutet. Die Endsilbe -id ändert die Bedeutung des Wortes zu „wie ein Traum“ oder „etwas Traumähnliches“. Der Begriff ist 1924 von Wilhelm Mayer-Gross, einem Heidelberger Psychopathologen, in die deutschsprachige Psychiatrie eingeführt worden.[1][2]

Beschreibung

Der Betroffene nimmt während des oneiroiden Erlebens im wachen Zustand nicht die Außenwelt, sondern ein Traumgeschehen wahr, an dem er aktiv oder passiv teilnimmt und das für ihn in seiner Geschlossenheit den Charakter einer „anderen Welt“ bekommt. Er nimmt das eigene Ich nahezu normal wahr, ist überwach, kann sich ungewöhnlich deutlich und genau daran erinnern, kann das Erlebnis aber meist nicht steuern. Die Bilder der Oneiroide haben intensive Farben.[3][4][2][5][1]

Meist sind die erlebten Szenen bedrohlich und gehen überwiegend mit negativen, oft angstvollen Gefühlen einher. Die drei dominierenden Themen sind dabei: Gefangener zu sein, etwas Falsches getan zu haben, um die Gefangenschaft zu rechtfertigen, und das Thema Tod. Immer wieder scheint auch traumhaft verkleidet die eigene Biographie durch. Dabei werden oft dramatische Erinnerungen, die aber mit der Realität keinen Zusammenhang besitzen, berichtet.[3][2][5]

  • „In einem ersten noch auf der Intensivstation stattfindenden Gespräch wurde deutlich, dass V.S. so gut wie keine Erinnerung an die konkreten Geschehnisse auf der Intensivstation während der Beatmungszeit besaß. Stattdessen schilderte er, immer wieder von heftigem Weinen unterbrochen, großenteils dramatische Ereignisfolgen, die im Modus unbezweifelbarer Erlebniswirklichkeit erfahren wurden. Er betonte mehrfach, dass die geschilderten Erfahrungen nicht dem üblichen Traumerleben vergleichbar seien. Ungeachtet der Dramatik der Erfahrungen habe er alles wie sonst im Alltag erlebt. V.S. erzählte, er habe miterlebt, wie ihm freundschaftlich verbundene Nachbarn von vagabundierenden Soldaten in ihrem eigenen Haus erschossen worden seien. Erst seine Frau kann ihn bei einem Besuch davon überzeugen, dass diese Nachbarn noch leben und alles ein schrecklicher Alptraum war.“[4]
  • Eine andere Erkrankte glaubte, den Tod des Sohnes erlebt zu haben, und begrüßte ihn, als er sie im Krankenhaus besuchte, mit ungläubigem Erstaunen: „Du lebst ja noch!“[4]

Aufgrund der Realitätsnähe der Erlebnisse dauert es einige Zeit, bis die Betroffenen sich von der Irrealität der Erlebnisse überzeugen lassen.[4]

Ursachen und Häufigkeit

Als Oneiroide werden die beschriebenen traumartigen Erlebnisse bezeichnet, wenn sie bei gesundem Gehirn auftreten und dazu führen, dass Erkrankte tagelang nicht ansprechbar sind.[3][4][2][5][1]

Sie kommen beispielsweise bei Menschen vor, die an Polyradikulitis (Guillain-Barré-Syndrom) erkranken. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende Lähmung. Bei intaktem Gehirn und damit bei vollem Bewusstsein lebt der Kranke in einem (fast) vollständig gelähmten Körper. Wenn die Lähmung schließlich auch die Atmung erfasst, so dass die Betroffenen künstlich beatmet werden müssen und nicht mehr sprechen können, verlieren sie ihre letzte verbliebene Möglichkeit, zu ihrer Umwelt Kontakt aufzunehmen. So korreliert bei der Polyradikulitis Guillain-Barré das vermehrte Träumen mit der Schwere der Deprivation infolge fortgeschrittener Tetraparese, künstlicher Beatmung und multipler Hirnnervenbeteiligung. Dementsprechend kommt es beim ausgeprägten Guillain-Barré-Syndrom in bis zu 95 % der Fälle zu einem oneiroidalen Erleben.[3][4][2][5][1]

Zu den oneiroidverursachenden Krankheiten zählen daneben komatöse Zustände, Locked-in-Syndrom (beispielsweise bei einer Hirnstammischämie), traumatische, postoperative und Wochenbett-Psychosen, schwere Verbrennungen, Hungerzustände, Enzephalitiden, Poliomyelitiden, Hirnverletzungen und Langzeitbeatmungen.[3][4][2][5][1]

Nach einer Studie erlebten 25 von 68 Patienten (also 37 %), die infolge eines schweren Traumas tagelang bewusstlos bzw. im Koma waren, typische Oneiroide. In einer weiteren Untersuchung hatten 24 (96 %) von 25 langzeitbeatmeten Patienten Oneiroide. Mit größerer Lebensbedrohlichkeit der Erkrankung kommt es zu einer Zunahme der Häufigkeit der Oneiroide.[2]

Wenn schwer vom Oneiroid-Syndrom betroffene Menschen danach gefragt werden, was ihre beeindruckendsten Erlebnisse auf der Intensivstation waren, sind das in 44 % der Fälle ihre Träume – also die Oneiroide. Das Pflegepersonal wird in 16 %, die Entlassung in 4 %, der erste Besuch der Familie in 4 % und die Mitpatienten in 4 % der Fälle genannt.[2]

Siehe auch

  • Nahtoderfahrung
  • Klartraum
  • Vigilanz

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f M. Schmidt-Degenhard: Die oneiroide Erlebnisform – Ein Bewältigungsversuch von Extremsituationen. (Memento des Originals vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive; PDF; 90 kB)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.denkwerk-hirnverletzung.ch Minisymposium „Zustände von Bewusstsein“. Sonderbeiträge / Special Articles
  2. ↑ a b c d e f g h Michael Schröter-Kunhardt: Oneiroidales Erleben Bewusstloser. (Memento des Originals vom 18. August 2014 im Webarchiv archive.today)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.familie-zwoelfer.de In: Thomas Kammerer: Traumland Intensivstation: Veränderte Bewusstseinszustände und Koma: Interdisziplinäre Expeditionen. Books on Demand, 2006.
  3. ↑ a b c d e Michael Schröter-Kunhardt: Nah-Todeserfahrungen aus psychiatrisch-neurologischer Sicht. (Memento des Originals vom 8. April 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.familie-zwoelfer.de In: H-G. Soeffner, H. Knoblauch (Hrsg.): Todesnähe: Interdisziplinäre Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1999, S. 65–99.
  4. ↑ a b c d e f g Joachim Nicolay: Nahtod-Erfahrungen in Beratung und Therapie. In: Report Psychologie, 1/2005, S. 14–20.
  5. ↑ a b c d e Stefan Högl: Transzendenzerfahrungen. Nahtod-Erlebnisse im Spiegel von Wissenschaft und Religion. Dissertation. Tectum Verlag, Marburg 2006, ISBN 3-8288-9173-X, S. 212.
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Latenter Trauminhalt

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Der latente Trauminhalt nach Sigmund Freud, von ihm auch als latente Traumgedanken bezeichnet, stellt den für den Träumer meist „verborgenen“ Sinn des Traumes dar, der durch Traumdeutung jedoch entschlüsselt werden kann. Freud geht nach der Methode der objektalen Deutung davon aus, dass jeder Traum auf konkrete Traumgedanken zurückgeführt werden kann. Sie stellen i. w. S. die affektbetonten Vorstufen und Quellen der Traumentstehung dar. Die Traumgedanken beziehen sich auf objektive Gegebenheiten, wie z. B. Erinnerungsreste des vergangenen Tages (Tagesreste) und Kindheitserinnerungen. Sie enthalten Anklänge an Leibreize oder aber unbewusste Wünsche des Träumers. Der Begriff der Traumgedanken wird daher von Freud beinahme als synonym für den latenten Trauminhalt gebraucht.[1.1] Traumgedanken i. e. S. sind nur die durch den Analytiker aufgedeckten Denk- und Vorstellungsinhalte.[2] Die Traumdeutung hat sich als methodisch klassisches Instrument der psychoanalytischen Deutung erwiesen über die spezielle Traumdeutung hinaus und damit zum „Eckpfeiler der Psychoanalyse“.[3.1]

Unterscheidung

Im Wachzustand ist die Umwandlung objektiver sinnlicher Daten in gedankliche und vorstellungsmäßige Inhalte als normaler Funktionszustand anzusehen. Dieses inhaltliche Gefüge des der Traumarbeit unterworfenen Materials wird bei der Regression in sein Rohmaterial aufgelöst. Fasst man den normalen Funktionszustand bei Tage als eine progressive Aktivität auf, so ist die regressive Aktivität an besondere Bedingungen wie etwa an Bedingungen der Ermüdung gebunden, die sowohl als physiologisch angesehen werden können, aber u. U. auch als krankhaft zu bewerten sind.[1.2] Unter diesen Bedingungen haben bildhafte bzw. visuelle Stimuli eine besondere Bedeutung, vgl. Kap. Bildhaftes Traummaterial.

Begriffsverwendung

Die latenten Trauminhalte sind nach Freud das logische Gegenstück der manifesten Trauminhalte. Die manifesten Trauminhalte stellen den Ausgangspunkt der Traumdeutung für den Analytiker dar. Sie liefern das Traummaterial, das in der Deutung zu entschlüsseln ist. Dieses Material ist von aktuellen Wunschvorstellungen beeinflusst. Der konkrete Traum stellt nach Freud eine Wunscherfüllung dar.[1.3] Es wird daher auch von unbewussten Traummotiven gesprochen, die nicht immer denen der bewussten Einstellung des Träumers entsprechen müssen. Die Bezeichnung „latenter Trauminhalt“ wird von Christoph Türcke als vorsichtigere Benennung für die immer vielseitig interpretierbaren Träume angesehen. Er betrachtet die freudsche Bezeichnung „Traumgedanken“ als eher gewagt.[4.1] Man kann nämlich die Frage stellen, ob die bewusste gedankliche Deutung eines gegebenen bildhaften Traumelements die ursprünglichen, dem Traum zugrundeliegenden Gegebenheiten wiederherstellt – z. B. eine möglicherweise verdrängte bereits zuvor bestehende traumatische Situation – oder ob solche bildhaften Elemente nicht als Vorstufe völlig neuer Bewusstseinsinhalte gelten können und auch – zumindest teilweise – als solche interpretiert werden müssen. Diesen letzten Weg einer eher finalen Traumdeutung hat C. G. Jung mit seiner Deutung auf der Subjektstufe als neue Möglichkeit eingeschlagen. Freuds Auffassung ist demgegenüber als eher reduktiv anzusehen. Die Bilderschrift des Traumes wäre dann eher als die Entstellung der Traumgedanken aufzufassen, mit dem Ziel, die Traumzensur zu umgehen. Allerdings mag Freud die Bilderschrift des Traums als charakteristisch für die „primitive Denktätigkeit“ des Unbewussten angesehen haben im Gegensatz zur begrifflichen Logik des Bewusstseins. Traumdeutung wäre nach ihm als Umkehrung der Traumarbeit zu verstehen.[5] Christoph Türcke sieht die überwiegend bildhaften Traumelemente und die sich hierauf beziehende Traumlogik möglicherweise sogar als entwicklungsgeschichtliche Vorstufe einer sich evolutiv erst später ausprägenden gedanklichen Logik an. Bilder stellen die konkretistischen ersten menschlichen Ausdrucksmittel dar (Höhlenmalerei, Bilderschrift). Der Traum wäre so gesehen eine vorübergehende Regression auf eine frühere phylogenetische Entwicklungsstufe.[4.2]

Bildhaftes Traummaterial

Bildersprache und Deutung

In engerem Sinn stellt der latente Trauminhalt den hauptsächlich durch Analyse und Interpretation aufgedeckten Ursprung manifester Trauminhalte dar. Freud unterschied diese beiden Trauminhalte, weil er im „Bilderwert“ der jeweils manifest erinnerten Träume nach Art eines Traumlexikons keine hinreichende Deutungsmöglichkeit sah.[1.4] Auch C. G. Jung vertrat die Auffassung, dass sich eine Traumdeutung nicht auf Standardsymbole beziehen könne.[6] Allerdings unterschied er sich auch von der Deutungsmethode Freuds. Eine sinnvolle Deutung ergab sich für ihn vielmehr aus der „verborgenen“ Beziehung zwischen verschiedenen meist bildhaften Traumelementen, die den größten Anteil des Traummaterials darstellen. Die Traumgedanken sind also nicht nur Rohmaterial als Gegenstand und Ausgangspunkt der Traumarbeit des Träumers, sondern auch das Ergebnis der Deutung durch den Analytiker. Sie stellen eine Rekonstruktion der durch Regression in der Traumarbeit aufgelösten Gefüges der originären Traumgedanken des Träumers dar. Die Rekonstruktion kehrt die Ergebnisse der Traumarbeit um.[5]

Kopfkino und positive Wissenschaft

Eine besondere Rolle der visuellen Erinnerungsmaterials geht aus den naturwissenschaftlich fundierten Ergebnissen der Elektroencephalographie hervor. Die REM-Phasen des Schlafs sind bekanntnlich mit unwillkürlichen schnellen Augenbewegungen verbunden. In diesen Perioden des Schlafs berichten Probanden häufiger von Träumen als in den NON-REM-Phasen. Außerdem werden in den REM-Phasen häufiger emotionale Trauminhalte berichtet.[3.1]

Traumarbeit als Verzerrungsprozess

Die Traumarbeit der Verdichtung, Verschiebung und Umsetzung in Visuelles und Symbolisches ermöglicht die Umgehung bzw. Abschwächung der Zensur. Freud nimmt damit die symbolische Deutungsmethode auf, wie sie bereits vor ihm u. a. von Karl Albert Scherner vorgeschlagen wurde.[7] Die latenten Trauminhalte stellen so das „fehlende Bruchstück“ dar, was aufgrund fehlender Begriffssprache des Traumes nicht positiv im Traum enthalten ist. Es erschließt sich durch die psychoanalytische Technik, insbesondere durch die Berücksichtigung von Person und Lebensumständen des Träumers. Die Berücksichtigung dieser Umstände hat bereits Artemidor von Daldis gefordert.[1.5]

Einzelnachweise

  1. ↑ Sigmund Freud: Die Traumdeutung. [1900] Gesammelte Werke, Band II/III, S. Fischer, Frankfurt / M; Folgende Seitenangaben aus: Taschenbuchausgabe der Fischer-Bücherei, Sep. 1961
    1. ↑ S. 121, 144, 234 zu Stw.: „Latenter Trauminhalt“.
    2. ↑ S. 443 f. zu Stw.: „Auflösung des Gefüges der Traumgedanken in sein Rohmaterial“.
    3. ↑ S. 110 ff. zu Kap. III.: „Der Traum ist eine Wunscherfüllung“.
    4. ↑ S. 90 zu Stw.: „Traumlexikon, Traumbuch“.
    5. ↑ S. 79, 90 f. zu Stw.: „Symbolische Traumdeutung als rein mechanische Chiffriermethode“.
  2. ↑ Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie. 5. Auflage, Urban & Fischer, München 2000; ISBN 3-437-15060-X; S. 371 zu Lemma „Taumgedanken“.
  3. ↑ Philip G. Zimbardo, Richard J. Gerrig: Psychologie. Pearson, Hallbergmoos bei München 2008, ISBN 978-3-8273-7275-8
    1. ↑ a b S. 174 zu Stw. „REM-Perioden des Schlafs“.
  4. ↑ Christoph Türcke: Philosophie des Traums, C.H. Beck, München 2008 ISBN 978-3-406-57637-9
    1. ↑ S. 36 f. zu Stw. „latenter Trauminhalt“.
    2. ↑ S. 11 f. zu Stw. „Paläontologie, Mentalarchäologie“.
  5. ↑ a b Stavros Mentzos: Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuerer Perspektiven. © 1982 Kindler, Fischer-Taschenbuch, Frankfurt 1992, ISBN 3-596-42239-6; S. 70 zu Stw. „Traumdeutung nach Freud ist Umkehrung der Traumarbeit“.
  6. ↑ Jolande Jacobi: Die Psychologie von C.G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Mit einem Geleitwort von C.G. Jung. Fischer Taschenbuch, Frankfurt März 1987, ISBN 3-596-26365-4, S. 75, 81 zu Stw. „Standardsymbole“.
  7. ↑ Karl Albert Scherner: Das Leben des Traumes. Berlin 1861



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Maladaptives Tagträumen

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Maladaptives Tagträumen, manchmal auch zwanghaftes Tagträumen, ist eine psychische Krankheit, bei der eine Person so stark tagträumt, dass ihr Alltag beeinträchtigt wird. Es handelt sich um eine von Eli Somer vorgeschlagene Diagnose für eine dissoziative Störung, die mit exzessiver Fantasie einhergeht und von keinem der gängigen medizinischen oder psychologischen Krankheiten erfasst wird. Maladaptives Tagträumen kann zu psychischer Belastung führen, menschliche Interaktion ersetzen und das alltägliche Leben wie das Sozialleben oder die Arbeit beeinträchtigen. Der Begriff wurde 2002 von Eli Somer von der Universität Haifa geprägt.[1][2]

Spektrum des Tagträumens

Tagträumen ist eine weit verbreitete Aktivität und eine normale Form der Dissoziation, die mit starker geistiger Vertiefung einhergeht. Fast alle Menschen erleben Tagträume. Einige Personen berichten jedoch, dass sie sehr extrem Tagträumen und immer weiter in diese Welten versinken und diese sehr intensiv erleben. Dieses Erleben kann als äußerst belohnend wahrgenommen werden, sodass manche Betroffene ein zwanghaftes Bedürfnis entwickeln, diese Tagträume immer wieder zu wiederholen. In solchen Fällen wurde das Phänomen teilweise als eine Form von Abhängigkeit beschrieben.[3]

Der Psychologe Eli Somer prägte den Begriff des maladaptiven Tagträumens und erforschte, dass bestimmte Reize oder Orte diese intensiven Fantasien auslösen können. Als zentrales Merkmal gelten extrem lebhafte Fantasien mit erzählerischem Charakter, einschließlich fester Figuren, Handlungsstränge und detaillierter Schauplätze.

Somer betont, dass maladaptives Tagträumen keine Form von Psychose darstellt. Betroffene können klar zwischen Fantasie und Realität unterscheiden, im Gegensatz zu Personen mit psychotischen Störungen, bei denen Halluzinationen oder Wahnvorstellungen als real erlebt werden.[4][5][6][7]

Ursachen

Über die Ursachen des maladaptiven Tagträumens besteht bislang kein wissenschaftlicher Konsens. Einige Fachleute gehen davon aus, dass es sich um einen Bewältigungsmechanismus handeln könnte. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene berichten häufiger davon als ältere Menschen, insbesondere wenn sie belastende Kindheitserfahrungen wie Trauma oder Missbrauch gemacht haben. Betroffene weisen teilweise Ähnlichkeiten mit anderen Verhaltenssüchten auf, etwa Glücksspiel- oder Videospielabhängigkeit, und nutzen ihre Fantasien möglicherweise als Flucht aus der Realität.[8]

Ablauf

Untersuchungen zeigen, dass maladaptives Tagträumen häufig bestimmten Mustern folgt. Manche Betroffene berichten vom Behandeln von traumatischen Erinnerungen. Andere nutzen ihre Tagträume, um sich selbst in einer idealisierten Version darzustellen. Weitere Motive können das Erleben von Kontrolle sein.[9]

Behandlung

Maladaptives Tagträumen ist derzeit keine anerkannte psychische Störung. Dennoch haben sich seit der ersten Beschreibung im Jahr 2002 Online-Selbsthilfegruppen gebildet. Spezifische Therapieempfehlungen existieren bislang nicht. Es wird jedoch angenommen, dass die Behandlung begleitender psychischer Erkrankungen die Intensität des Tagträumens verringern kann.[10][11]

Forschung

Maladaptives Tagträumen wird aktuell von einem internationalen Forschungsverbund untersucht, an dem Wissenschaftler aus mehreren Ländern beteiligt sind. Studien legen nahe, dass ein kleiner Prozentsatz der Allgemeinbevölkerung entsprechende Symptome aufweist, wobei die Häufigkeit bei Studierenden höher liegt. Insgesamt zeigen jüngere Erwachsene häufiger Anzeichen maladaptiven Tagträumens als ältere Altersgruppen.[12][13]

Diagnose

Da maladaptives Tagträumen in keinem offiziellen psychiatrischen Diagnosesystem wie dem DSM-5-TR enthalten ist, existieren keine anerkannten Diagnosekriterien. Dennoch wurden Instrumente entwickelt, um die Ausprägung und Verbreitung des Phänomens zu erfassen.

Maladaptive-Daydreaming-Skala (MDS-16)

Im Jahr 2015 wurde eine Selbstauskunftsskala mit 16 Fragen entwickelt, die als Maladaptive-Daydreaming-Skala (MDS-16) bekannt ist. Sie dient der Erfassung auffälliger Tagtraummuster und soll auf das mögliche Vorliegen maladaptiven Tagträumens hinweisen. Zwei der Fragen befassen sich speziell mit der Rolle von Musik bei der Förderung von Tagträumen. Die Skala wird in mehreren Ländern wie den USA, der Türkei, Großbritannien, Italien und Israel zur Diagnostik eingesetzt.[14][15]

Mögliche Komorbiditäten

Maladaptives Tagträumen wird häufig gemeinsam mit anderen psychischen Störungen beobachtet, darunter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Angststörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, Depressionen und Zwangsstörungen. In Einzelfällen zeigte sich, dass medikamentöse Behandlungen, etwa mit zwangslösend wirkenden Medikamenten, die Kontrolle über das Tagträumen verbessern können. Zusätzlich bestehen Zusammenhänge mit geringem Selbstwertgefühl, emotionaler Dysregulation, Einsamkeit, Persönlichkeitsstörungen und erhöhter psychischer Belastung.[16][17]

Literatur

  • E. Somer, L. Somer, D. S. Jopp: Parallel lives: A phenomenological study of the lived experience of maladaptive daydreaming. In: J Trauma Dissociation. Band 17, Nr. 5, Oct-Dec 2016, S. 561–576. doi:10.1080/15299732.2016.1160463.
  • E. Somer, O. Herscu, M. Samara, H. M. Abu‐Rayya: Maladaptive Daydreaming and Psychopathology: A Meta‐Analysis. In: International Journal of Psychology. Band 60, Nr. 2, 2025, S. e70027.
  • S. A. Mansuklal, P. M. Pascoal, E. Somer, I. B. Costa, G. Andersson: What is known about maladaptive daydreaming? A scoping review. In: Clinical Psychology & Psychotherapy. Band 32, Nr. 4, 2025, S. e70104.
  • N. Soffer-Dudek, E. Somer, D. Spiegel, R. Chefetz, J. O’Neil, M. J. Dorahy, ... W. Middleton: Maladaptive daydreaming should be included as a dissociative disorder in psychiatric manuals: position paper. In: The British Journal of Psychiatry. Band 226, Nr. 4, 2025, S. 238–242.

Einzelnachweise

  1. ↑ Stefanie Uhrig: Im Tagtraum gefangen. Abgerufen am 23. Dezember 2025. 
  2. ↑ Zwanghaftes Tagträumen. 11. Dezember 2023, abgerufen am 23. Dezember 2025 (deutsch). 
  3. ↑ Maladaptives Tagträumen: Wenn Träumen zur Sucht wird. 28. Mai 2020, abgerufen am 23. Dezember 2025. 
  4. ↑ TITEL??? Abgerufen am 23. Dezember 2025. 
  5. ↑ Eli Somer, Liora Somer, Daniela S. Jopp: Parallel lives: A phenomenological study of the lived experience of maladaptive daydreaming. In: Journal of Trauma & Dissociation. Band 17, Nr. 5, 19. Oktober 2016, ISSN 1529-9732, S. 561–576, doi:10.1080/15299732.2016.1160463, PMID 26943233. 
  6. ↑ Jayne Bigelsen, Cynthia Schupak: Compulsive fantasy: Proposed evidence of an under-reported syndrome through a systematic study of 90 self-identified non-normative fantasizers. In: Consciousness and Cognition (= From Dreams to Psychosis: A European Science Foundation Exploratory Workshop). Band 20, Nr. 4, 1. Dezember 2011, ISSN 1053-8100, S. 1634–1648, doi:10.1016/j.concog.2011.08.013 (sciencedirect.com [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  7. ↑ Eli Somer, Jonathan Lehrfeld, Jayne Bigelsen, Daniela S. Jopp: Development and validation of the Maladaptive Daydreaming Scale (MDS). In: Consciousness and Cognition. Band 39, 1. Januar 2016, ISSN 1053-8100, S. 77–91, doi:10.1016/j.concog.2015.12.001 (sciencedirect.com [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  8. ↑ Jennifer Fisher, MMSc PA-C: Maladaptive daydreaming: What it is and how to stop it. In: Harvard. 9. Januar 2024, abgerufen am 23. Dezember 2025 (englisch). 
  9. ↑ Eli Somer: Maladaptive Daydreaming: A Qualitative Inquiry. In: Journal of Contemporary Psychotherapy. Band 32, Nr. 2-3, September 2002, ISSN 0022-0116, S. 197–212, doi:10.1023/A:1020597026919 (springer.com [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  10. ↑ Nirit Soffer-Dudek, Eli Somer: Trapped in a Daydream: Daily Elevations in Maladaptive Daydreaming Are Associated With Daily Psychopathological Symptoms. In: Frontiers in Psychiatry. Band 9, 15. Mai 2018, ISSN 1664-0640, doi:10.3389/fpsyt.2018.00194, PMID 29867613, PMC 5962718 (freier Volltext) – (frontiersin.org [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  11. ↑ TITEL??? Abgerufen am 23. Dezember 2025. 
  12. ↑ Jayne Bigelsen, Jonathan M. Lehrfeld, Daniela S. Jopp, Eli Somer: Maladaptive daydreaming: Evidence for an under-researched mental health disorder. In: Consciousness and Cognition. Band 42, 1. Mai 2016, ISSN 1053-8100, S. 254–266, doi:10.1016/j.concog.2016.03.017 (sciencedirect.com [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  13. ↑ Nirit Soffer-Dudek, Nitzan Theodor-Katz: Maladaptive Daydreaming: Epidemiological Data on a Newly Identified Syndrome. In: Frontiers in Psychiatry. Band 13, 27. April 2022, ISSN 1664-0640, doi:10.3389/fpsyt.2022.871041 (frontiersin.org [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  14. ↑ TITEL??? Abgerufen am 23. Dezember 2025. 
  15. ↑ Adriano Schimmenti, Lucia Sideli, Luana La Marca, Alessio Gori, Grazia Terrone: Reliability, Validity, and Factor Structure of the Maladaptive Daydreaming Scale (MDS–16) in an Italian Sample. In: Journal of Personality Assessment. Band 102, Nr. 5, 2. September 2020, ISSN 0022-3891, S. 689–701, doi:10.1080/00223891.2019.1594240, PMID 31012744. 
  16. ↑ Eli Somer, Nirit Soffer-Dudek, Colin A. Ross: The Comorbidity of Daydreaming Disorder (Maladaptive Daydreaming). In: Journal of Nervous & Mental Disease. Band 205, Nr. 7, Juli 2017, ISSN 1539-736X, S. 525–530, doi:10.1097/NMD.0000000000000685 (lww.com [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 
  17. ↑ Jayne Bigelsen, Cynthia Schupak: Compulsive fantasy: Proposed evidence of an under-reported syndrome through a systematic study of 90 self-identified non-normative fantasizers. In: Consciousness and Cognition (= From Dreams to Psychosis: A European Science Foundation Exploratory Workshop). Band 20, Nr. 4, 1. Dezember 2011, ISSN 1053-8100, S. 1634–1648, doi:10.1016/j.concog.2011.08.013 (sciencedirect.com [abgerufen am 23. Dezember 2025]). 



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Manifester Trauminhalt

Noir24admin Traum 22. Juni 2026

Als manifester Trauminhalt wird in der Traumdeutung und speziell in der Psychoanalyse das konkrete Traummaterial (Traumbilder[1]) bezeichnet, was von einem Traum auch nach dem Erwachen in Erinnerung bleibt, die Oberfläche dessen darstellend, von wo aus bei Bedarf eine Tiefen-/Traumanalyse begonnen werden kann. Die Traumdeutung stellt nach Freud eine Rückübersetzung dar.[2.1] Der Analytiker fordert dabei seinen Klienten zum freien Assoziieren über die einzelnen Symbole des Traumes auf. Das Ergebnis dieser analytischen Arbeit besteht dann in der Aufdeckung des latenten Trauminhalts. Die Rückübersetzung des konkreten (manifesten) Traummaterials stellt eine Übertragung des manifesten Traummaterials in die Sprache der verdrängten Wunscherfüllung dar.[2.2] Freud nannte sie Traumarbeit.[2.3] Dabei handelt es sich um die bislang „unter der Oberfläche“, im Unbewussten, verborgen gebliebene Botschaft der Psyche an das Ich bzw. an das Bewusstsein des Träumers.

Als Grund dafür, dass die Psyche ihre Botschaften dem Ich-Bewusstsein nicht unmittelbar verkündet, sie den latenten (verborgenen) Inhalt stattdessen gewissermaßen in den Deckmantel der manifest werdenden Symbole verkleidet, sieht Sigmund Freud das Phänomen der so genannten Widerstände. Sie hätten die Aufgabe eines Schutzmechanismus, denn oftmals bestehen die Handlungen unserer Träume aus der wunschgemäßen Befriedung angeborener Bedürfnisse des Es, die zwar biologisch vollberechtigt sind – von triebhaften Lustregungen begleitet oder auch heftigen Aggressionen –, dabei jedoch oft sittenwidrig, bzw. nicht gesellschaftsfähig. Schließlich wird das Über-Ich – jene psychische Instanz, in die sich die „moralische Erziehung“ einprägt – für verantwortlich der Widerstände und der Umwandlung vom latenten zum manifesten Trauminhalt erklärt. Es ist wie wenn die erziehenden Eltern die angeborenen Regungen ihrer Kinder nicht dulden, mit dem Unterschied, dass sich dies im weitesten Sinne „Zensur“ übende, „pädagogisch“ gesellschaftskonforme Verhalten beim Erwachsenen längst in seinem Über-Ich festgesetzt hat, die Verrätselung seiner Träume auslösend und zugleich das reduzierte Ausleben seiner natürlichen Antriebe verursachend.

Siehe auch

  • Traumanalyse
  • Fehlleistung

Quellen

  • Sigmund Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 1916–1917, (5. Vorlesung)
  • Sigmund Freud – Studienausgabe, Band 1, S. Fischer, ISBN 3-10-822721-1

Einzelnachweise

  1. ↑ Gerd Wenninger (Hg.): manifester Trauminhalt. In: Lexikon der Psychologie in 5 Bdn. Spektrum Akademischer Verlag, 2002, abgerufen am 22. Februar 2024. 
  2. ↑ Freud, Sigmund: Die Traumdeutung. [1900] Gesammelte Werke, Band II/III, S. Fischer, Frankfurt / M; folgende Seitenangaben aus: Taschenbuchausgabe der Fischer-Bücherei Nr. 428/429, Sep. 1961.
    1. ↑ S. 234 f. zu Stw. „Traumarbeit als Übersetzungsarbeit“
    2. ↑ S. 107 ff. zu Stw. „Traum als Wunscherfüllung, sein Motiv ein Wunsch“ Kap. II. Die Methode der Traumdeutung
    3. ↑ S. 234 ff. zu Stw. „Definition Traumarbeit“: Kap. VI. Die Traumarbeit



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