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Buddhistischer Kanon

Noir24admin Buddhismus 21. Juni 2026

Die Lehrreden (Sutras) des Buddha, die disziplinarischen Schriften (Vinaya) und die scholastischen bzw. philosophischen Texte (pi.: Abhidhamma), bilden zusammen den Kanon der Schriften des Buddhismus. Er wird im Allgemeinen mit dem Sanskrit-Ausdruck Tripiṭaka bezeichnet, was auf Deutsch etwa „Dreikorb“ bedeutet. Mit „Kanon“ ist diese Sammlung als eigene Größe bezeichnet. Der Inhalt ist in den einzelnen Sprachbereichen nach Zusammensetzung und Umfang sehr verschieden. Drei Sammlungen sind vor allem wichtig, weil sie vollständig erhalten sind. Das Tipiṭaka (Pali), der Sanzang (chinesisch 三藏, Pinyin Sānzàng, W.-G. San tsang – „drei Schatzhäuser“) Chinas und der Kanjur Tibets. Nicht alle Schulen haben Abhidhamma-Schriften.

Geschichte

Einer der Gründe, weshalb der historische Buddha (563–483 oder 448–368 v. Chr.) von den Brahmanen abgelehnt wurde, war seine Leugnung des Offenbarungswertes der heiligen Bücher des Hinduismus, der Veden. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, dass nach seinem Tode, der von Buddhisten als Eingehen ins Nirwana bezeichnet wird, der Wunsch aufkam, seine Lehrreden möglichst vollständig und rein zu erhalten. Zur Lebenszeit des Buddha war es in Indien nicht üblich, Texte schriftlich niederzulegen. Der Schrift bediente man sich nur bei Rechtsvereinbarungen. Religiöse Texte wurden üblicherweise durch Auswendiglernen und die Rezitation durch Spezialisten, sogenannte bhāṇaka, tradiert. Deshalb lautet die Einleitung vieler Sūtras (Lehrreden): „So hab ich’s gehört“ (pali: evam me suttam).

Die mündliche Überlieferungsform ist dem Pali-Kanon deutlich abzulesen. Durch die mündliche Weitergabe hatte das kanonische Material frühzeitig „mnemotechnische Eigenarten angenommen, die sich in den kommenden Jahrhunderten weiter verstärkten. Viele Abschnitte der Reden des Buddha waren zu Wortblöcken erstarrt, die sich an allen passenden Stellen wiederholten; einige Suttas waren an verschiedenen Stellen im Kanon enthalten, andere durch Wiederholungen aufgebauscht.“[1]

Einen „Ur-Kanon“ kann es nicht gegeben haben; dafür sind die einzelnen Pitakas zu verschieden. Die Textsicherung erfolgte auf den ersten drei buddhistischen Konzilen, auf denen die ersten beiden „Körbe“ verbindlich festgelegt und um das Kathāvatthu als Grundlage des dritten Korbs ergänzt wurden.

Traditionen

Pali-Kanon (Theravada)

→ Hauptartikel: Pali-Kanon

Der Pali-Kanon ist der einzige vollständig in einer indischen Sprache erhaltene Kanon. Er geht auf die in Hinterindien und Ceylon verbreitete Vibhajyvāda-Schule der Theravada-Richtung zurück. Der Wortlaut kann seit dem Entstehen der großen Kommentare im 5. oder 6. Jahrhundert auf Ceylon als gesichert gelten.

Bis zum 6. Konzil war der Kanon in Ceylon, Burma, Thailand, Kambodscha und Laos nur handschriftlich verbreitet. Üblicherweise wurde er auf Palmblättern (selten Holz) festgehalten. Insbesondere das vom jeweiligen birmanischen König angeregte erneute Abschreiben war üblich. Ausgaben auf anderen Materialien, wie die wohl im 6. oder 7. Jahrhundert entstandene, 1897 in Hmawanza (Birma) auf Goldblättern gefundenen, sind selten.

Gedruckt wurde der Kanon, angeregt durch das Interesse europäischer Forscher, erstmals im späten 19. Jahrhundert. Fälschlicherweise wurde und wird der Pali-Kanon vielfach als der ursprüngliche, bzw. einzig richtige bezeichnet – ein Irrtum, der auf Indologen dieser Zeit zurückgeht.[2] Die Ausgaben der Pali Text Society und die philologisch heute umstrittene, doch poetische deutsche Übersetzung Karl Eugen Neumanns haben ihn in westlichen Sprachen zugänglich gemacht.

Moderne Ausgaben:

  • Text Series (Pali in lateinischer Schrift) seit 1882 und Translation Series (englisch) seit 1909 der Pali Text Soc.
  • Nālandā-Devanāgarī-Pāli-ganthamālā; Patna 1956–1961 (Devanagari)
  • Bengalische Schrift: Barigaṭṭhassa Tepiṭakam; Cetiga Nagare 1975
  • Thailändische Schrift: 5 Ausgaben zwischen 1900 und 1950. Teilweise auf Palmblättern gedruckt – Titel: thailändisch พระไตรปิฎก [pʰrá tʰrai-pì-dòk]; BUDSIR (CD-ROM-Ausgabe, Bangkok 1988); weitere elektronische Versionen im Internet verfügbar.
  • Mŭl-Schrift (Khmer): Braḥ Traipiṭ, 1931–1969, 110 Bände
  • Laotische Schrift: Vientiane 1957, 3 Bände
  • Tai-Khün-Sprache: Bra tripiṭaka. 1994–2001, 45 Bände
  • Nord-Thai-Schrift: Bangkok 1996, 45 Bände
  • Shan: Vinepitakat Pārācikan; Rankun 1959–1989; 35 Bände
  • Mon: Vinayapiṭ ka Mahavibhanga; s. l. 1973–
  • Jin Tripitaka (1115–1234) entdeckt 1933 im Kloster Guangsheng (Kreis Hongdong)
  • japanisch: Nanden daizōkyō. Tōkyō 1935–1941 (Daizō Shuppan)

Sanskrit-Kanon

Früh im Buddhismus Indiens bildeten sich verschiedene Schulen heraus, von denen jede ihren eigenen Kanon besaß; wie vollständig er jeweils war, ist nicht zu sagen. Die meisten der Texte sind mit der Verdrängung des Buddhismus in Indien (um 1200) verloren gegangen. Dabei muss betont werden, dass nicht der Pali-Kanon, sondern die Sanskrit-Urtexte (beginnend etwa im 1. Jahrhundert v. Chr.) die älteren sind.

Erhalten sind diese Texte jedoch nur noch in Handschriftenfunden aus Zentralasien – wie zum Beispiel Turfan – oder Nordindien – wie zum Beispiel Gilgit – oder als Rekonstruktionen aus Übersetzungen des chinesischen Sanzang und tibetanischen Kanjur.

Zentralasien

In Zentralasien bestand eine Vielzahl von Schulen, die ihre Überlieferung auf verschiedene Texte, meist in Sanskrit, stützten. Die meisten chinesischen Übersetzungen basieren auf solchen Texten.

Chinesischer Kanon

Der Überlieferung nach wurde der Buddhismus 61 in China eingeführt, doch ist sicher, dass es schon im 1. Jahrhundert v. Chr. dort Buddhisten gab. Der chinesische Kanon, Sanzang (三藏, Sānzàng – „drei Kanon“), auch Dazangjing (大藏經 / 大藏经, Dàzàngjīng – „große Sammlung der kanonischen Schriften“) genannt, ist zwar ebenso wie der Pali-Kanon in Sūtra (經 / 经, jīng), Abidharma (論 / 论, lùn) und Vinaya (律, lǜ; aus fünf verschiedenen Überlieferungen) gegliedert, jedoch wird, basierend auf der Herkunft der Texte, weiterhin jeweils in Hinayāna und Mahāyāna geschieden. Dazu kommt noch die Gruppe „Vermischtes“ (雜 / 杂, zá). Die sogenannten Agama-Sutras entsprechen inhaltlich im Wesentlichen dem Pali-Kanon. Weiterhin entstanden früh apokryphe Schriften.

Es ergab sich daher frühzeitig die Notwendigkeit einer Systematisierung. Belegt, jedoch meist verloren, sind u. a. die handschriftlichen Zusammenstellungen im Auftrag des Kaisers Wu Di (Liang-Dynastie) von 518, mit 2213 Werken. Weiterhin 533 oder 534 unter Xiao Wu (Nördliche Wei-Dynastie). Aus der ersten Blütezeit des chinesischen Buddhismus in der Sui-Dynastie, zwei unter Kaiser Wen Di von 594 und 602, eine weitere 605–616 unter Kaiser Yang Di. Zur folgenden Tang-Zeit zwei weitere 695 und, durch Kaiser Xuanzong, 730. Weiterhin existierte eine Sammlung aus der Zeit Kublai Khans (1285–1287).

Blockdrucke wurden erstmals unter der Song-Dynastie erstellt. Auch die nichtchinesischen Kitan- und Jurchen-Dynastien ließen solche anfertigen. Unter den Manju-Kaisern war Peking ein Zentrum der Kanon-Übersetzung. Dabei wurden auch tibetanische, mongolische und manjurische Ausgaben veranlasst.

Blockdrucke dieser Zeit (Auswahl):

  • Shu-pen (蜀本, shǔběn = Ssu-ch'uan und K'ai-pao-tsang 開寶藏 / 开宝藏, Kāibǎozàng), 972–983, 1076 Werke in 480 Bänden, gedruckt in Chengdu
  • Liao/Kitan-Ausgabe; Peking 1031–1064, 579 Bände
  • Ch'ung ning wan-shou ta-tsang. Fu-chou 1080–1104, 564 Bände, dazu Ergänzung: Shou leng-yen i-hai ching. 1172, 595 Bände
  • Ssu-ch'i yüan-chüeh tsang. Hu-chuo 1132–; 548 Bände, in Japan als Sung-Edition von 1239 bekannt
  • Chi-sha tsang. 1231–1322; 591 Bände, auch als Mikrofiche
  • Ssu-ch'i tzu-fu tsang. Hu-chuo 1237–1252
  • P'u-ning tsang. 1278–1294, 578 Bände, in Japan als Yüan-Edition bekannt
  • Nan-tsang. Nanking 1368–1398
  • Pei-tsang. Peking 1402–1424; Ergänzung: Hsü ju tsang ching 1584, 693 Bände; reprint als Mi-tsang 1586–1606, darauf aufbauend Ausgabe des Kaisers Yung-cheng 1735–1738

Mit dem chinesischen Kulturexport kam der chinesische Kanon nach Korea, Japan und Vietnam.

In Stein gemeißelter Kanon

Weiterhin existieren folgende in Stein gemeißelte Sammlungen Shijing (石經 / 石经):

  • Kaiyuan Dazangjing (開元大藏經 / 开元大藏经 – „Kaiyuan-Kanon“)
  • Fangshan Shijing (房山石經 / 房山石经 – „Steinerner Kanon von Fangshan“), Yunju-Kloster
  • Jīngāng Jīng (金剛經 / 金刚经 – „Diamant-Kanon“), Shandong Tai Shan Shijingyu (泰山石經峪 / 泰山石经峪)
  • Culaishan Dabanruo Jing (徂徠山大般若經 / 徂徕山大般若经 – „Steinerner Kanon von Culaishan“), Shandong Culai Shan (徂徠山 / 徂徕山)
  • Fengyu Shijing (風峪石經 / 风峪石经 – „Steinerner Kanon von Fengyu“), Shanxi Taiyuan
  • Beixiangtang Shan Shijing (北响堂山石經 / 北响堂山石经 – „Steinerner Kanon von Beixiangtang Shan“), Hebei Beixiangtang Shan (北响堂山)

Korea

→ Hauptartikel: Tripitaka Koreana

Zwar soll der Buddhismus in Korea seit dem 4. Jahrhundert auf indische Mönche zurückgehen, jedoch basiert der erste koreanische Kanon auf dem Sung-Kanon, der an Kaiser Sŏng-jong (regierte von 982 bis 997) gesandt wurde. Darauf basierend erfolgte etwa 20 Jahre später (um 1010, 570 Bände) dann ein erster koreanischer Druck. Während der mongolischen Invasion 1232 wurden die Druckplatten zerstört, woraufhin dann die erste große koreanische Ausgabe in chinesischer Schrift veranlasst wurde. Diese Druckstöcke sind heute noch vorhanden.

Japan

Erstmals gelangte der Buddhismus, und mit ihm die chinesische Schrift, über das Königreich Paekche, dessen Herrscher mit den japanischen versippt war, um 450 nach Japan. Erst ab dem 7. Jahrhundert bestanden direkte Verbindungen nach China, das besonders zur Tang-Zeit als Vorbild genommen wurde. Es folgte eine erste Blüte während der Nara-Zeit (8. Jahrhundert); erste buddhistische Handschriften sind aus der Zeit um 750 erhalten. Ein erster Druck soll 987 nach Japan gekommen sein. Kaiser Horikawa veranlasste 1102 den ersten japanischen Druck. Weitere sollen zwischen 1278 und 1288 sowie zwischen 1338 und 1358 gefolgt sein.

Das Tripiṭaka (jap. 一切経, Issaikyō „sämtliche Schriften“ oder 大蔵経, Daizōkyō „große Schriftensammlung“) in japanischer Tradition gliedert sich in die Abteilungen: Kyōzō (Sutra), Ritsuzō (Vinaya), Ronzō (Abidharma) und Zatsu (Vermischtes).

Der japanische Kanon wird bis heute in unveränderter chinesischer Originalschrift gelesen, wobei die Zeichen jedoch japanisch gesprochen werden. Für in Japan entstandene Abidhamma-Literatur wird meist der klassische Kanbun-Stil verwendet, bei dem die chinesischen Zeichen durch Lesehilfen ergänzt werden.

Die von Tetsugen Dōkō zusammengestellte Ausgabe des gesamten sino-japanischen buddhistischen Kanons, besteht aus 6956 Faszikeln, die im Holzdruckverfahren hergestellt wurden. Der Druck zeichnet sich durch die Klarheit und Größe der Zeichen aus. Die Grundlage bildete die chinesische Wan Li-Ausgabe der Ming-Dynastie, die um Ōbaku-spezifische Texte ergänzt wurde. Die Zusammenstellung ist alternativ als Ōbakuban Daizōku oder Ōbaku Tetsugen Issaikyō bekannt.

In neuerer Zeit haben sich gerade die Buddhisten Japans hervorgetan mit häufigen Drucken des Kanons, aber auch in der wissenschaftlichen Erforschung des Buddhismus. Bahnbrechend war der Kanon-Katalog Nanjio’s (in der älteren Literatur meist: NJ [Nummer]). Die nicht fehlerfreie Taishō-Ausgabe (jap. Taishō Shinshū Daizōkyō) 大正新脩大藏經, Dàzhèng xīnxiū dàzàngjīng, Ta-cheng hsin-hsiu ta-tsang-ching, benannt nach dem Ära-Namen des Tennō (Taishō, Äraname 1912–1926 des Japanischen Kaisers Yoshihito 嘉仁) zur Zeit des Erscheinens, gilt heute als die vollständigste Edition des chinesischen Kanons (in der Regel zitiert als „T. [Vol. No.]“). Das Bukkyō Dendō Kyōkai (Numata Center for Buddhist Translation and Research) hat 1982 damit begonnen, den gesamten Taishō (unkommentiert) ins Englische zu übersetzen, ein Projekt, das etwa 100 Jahre in Anspruch nehmen soll.

Tangutisch

Bereits die Kaiserin Luo des nordtibetischen Tangutenreiches (11. bis 13. Jahrhundert; W.-G.: Hsi-hsia; PinYin: Xixia) hatte um 1190 die Ausbreitung buddhistischer Schriften gefördert. 1302 wurde eine tangutische Ausgabe vollendet.[3]

Vietnam

Auch Vietnam, obwohl nahe an Indien gelegen, erhielt den Buddhismus aus China. Im Jahr 1008 erbat Lê Đại-Hành das komplette Tripiṭaka (viet.: Đại-tạng) aus China und erhielt es. Ebenso 1018, 1034 und 1239. Diese letztere Version wurde auf Veranlassung von Trân Anh-tôn veröffentlicht.

Manjurisch

Bei den Manjurischen Übersetzungen handelt es sich um Teilausgaben des chinesischen San-tsang, die erst im 18. Jahrhundert erfolgten.

Tibetischer Kanon

Die tantrischen Vajrayāna-Schriften, die im 1. Jahrtausend u. Z. entstanden, wurden nicht mehr als Teil des Sanskrit-Kanon betrachtet. Deshalb ist der tibetische Kanon, der solches Material mit einbezog, anders gegliedert. Nämlich, 'Dul-ba (Vinaya), Śerphyin (Prajñāpāramīta), Phal-chen (Buddhāvataṃsaka), dKon-brtsegs (Ratnakŭṭa), mDo-se (Sūtrānta), rGyud-'bum (Tantra).

Der Buddhismus soll im 7. Jahrhundert von Padmasambhava nach Tibet gebracht worden sein, jedoch gab es auch chinesische Einflüsse. König Khri-sron-lde-btsan entschied sich für die indische Tradition. Es folgte im 9. Jahrhundert die Unterdrückung des Buddhismus, der im 10. oder 11. Jahrhundert eine zweite („späte“) Bekehrung folgte. Beginnend im 8. Jahrhundert, der „frühen Übersetzungsperiode“, in der Inder und Tibeter zusammenwirkten, wurde ein verbindliches terminologisches Wörterbuch, das Mahāvyutpatti, geschaffen. Um 900 wurden erstmals Kataloge der existierenden Schriften, sogenannte them-byan, erstellt.

In der „zweiten Übersetzungsperiode“ ab dem 11. Jahrhundert kamen bedeutende Sammlungen von Texten indischer Pandits hinzu, die dann Kanjur (tibetisch བཀའ་འགྱུར, bKa’-’gyur „Übersetzung der Worte“) bzw. Tanjur (བསྟན་འགྱུར, bsTan-’gyur „Übersetzung der Lehre“) bildeten, wobei nur die erstere kanonische Literatur enthält. Tibetische Übersetzungen sind für die Rekonstruktion der indischen Originale von Bedeutung, da sie, im Gegensatz zu chinesischen Ausgaben, wörtliche Übersetzungen sind.

Der erste tibetische Katalog war der um 1320 im Kloster Narthang entstandene, dessen Revision, der Tshal-pa bKa'-'gyur, die Grundlagen späterer Ausgaben bildeten. Die Überarbeitung des Tanjur erfolgte durch Bu'ston (1290–1364), der auch die Orthographie standardisierte.

Für den Kanjur lassen sich, grob gesagt, aufgrund der Textkritik zwei Überlieferungsstränge, ein westlicher und östlicher, erarbeiten. Die östliche spaltet sich wiederum in einen Lithang und einen Peking-Zweig. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Manuskripte und Blockdrucke kann eine abschließende Beurteilung noch nicht gegeben werden. Der heute akzeptierte Kanjur umfasst 1055 Werke in 92 Bänden, Tanjur 224 Bände mit 3626 Werken.

Es sollen folgende Kanon-Ausgaben existiert haben (unvollständige Aufzählung):

  1. Manuskripte:
    • Them-spans-ma-Ms. (Gyantse)
    • Lithang-, Cone-, Derge-, Urga-, Wara- und Ra-skya-Editionen (westliche Überlieferung)
    • 2 Kanjur- (bZad-pa-rtsal- und Sans-rgyas-rygya-mtsho) und eine Tanjur-Ausgabe aus der Zeit von Ngawang Lobsang Gyatso, 5. Dalai Lama (1617–1682)
    • Nu-ma-Kanjur
    • Tshal-gun-than-Kanjur (80 Bände)
    • rJes-rku-'bum-Kanjur (Amdo, 102 Bände)
    • 'Phyon-rgyas-Tanjur (234 Bände, 15. Jahrhundert)
    • je ein burjätischer (unsicher: Druck 17. Jahrhundert) und bhutanesischer
  2. Blockdrucke:
    • Zuerst aus dem Kloster Narthang (ab 1320) und Lhasa
    • Peking-Drucke, um 1410, erstmals in Tibet nachgewiesen 1416, nachgedruckt 1606 und mehrmals im 17. oder 18. Jahrhundert

Mongolischer Kanon

Zur Zeit der Yüan-Dynastie gewannen tibetische Mönche Einfluss bei Hofe. Erste Übersetzungen erfolgten unter Kaiser Wuzong (regierte von 1307 bis 1311), größere Teile folgten nach der „zweiten Bekehrung“ durch die Gelbmützen-Sekte unter Altan Khan (1507–1582). Eine vollständige Übersetzung des gesamten Kanjur (1628–1629), 113 Bände in Gold und Silber niedergeschrieben (badam altan ganjur), wurde in fünf Kopien hergestellt.

Pekinger Ausgaben:

  • K'ang-hsi. 1717–1720; 108 Bände [Kanjur]
  • Ch'ien-lung. 1742–1749: 226 Bände [Tanjur]; 1759, 1790: Kanjur
  • Lokesh Chandra: Mongolian Kanjur. Delhi 1973; 108 Bände, Nachdruck des K'ang-hsi
  • F. A. Bischoff: Der Kanjur und seine Kolophone … Bloomington 1968

Siehe auch

  • Mahayana-Sutras
  • Sutrenübersetzer (China)
  • Nyingma Gyübum

Literatur

Bibliographie

  • Edward Conze: Buddhist Scriptures: A Bibliography. Edited and revised by Lewis Lancaster. Garland, New York 1982.
  • Günter Grönbold: Der buddhistische Kanon – Eine Bibliographie. Harrassowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 3-447-02472-0. (Grundlegend, besonders für Drucke in asiatischen Schriften)
  • Peter Pfandt: Māhāyana Texts Translated into Western Languages – A Bibliographical Guide. Brill i.K., Köln 1986, ISBN 3-923956-13-4.

Pali-Kanon

  • Hellmuth Hecker: Der Pali-Kanon. Ein Wegweiser durch Aufbau und deutsche Übersetzungen der heiligen Schriften des Buddhismus. Selbstverlag, Hamburg 1965.
  • Karl Eugen Neumann. Die Reden Gotamo Buddhos: Gesamtausgabe in drei Bänden. Artemis, Zürich; Zsolnay, Wien, 1956/57.
    • Band I: Aus der mittleren Sammlung Majjhimanikāyo. zum ersten Mal übersetzt; 1956. Original: München 1896–1902
    • Band II: Aus der längeren Sammlung Dighanikāyo. des Pāli-Kanons übersetzt; 1957. Original: München, 1907–1912
    • Band III: Die Sammlung der Bruchstücke. Die Lieder der Mönche und Nonnen. Der Wahrheitspfad. Anhang. 1957. (Auszug aus dem Khuddaka-Nikaya) Original: München, 1907–1912

(Diverse Neuauflagen von Digha- und Majjhimanikāyo: Beyerlein & Steinschulte, Herrnschrot 1995/96, ISBN 3-931095-15-0; Lempertz, Bonn 2006, ISBN 3-933070-86-4; Digitale Edition: Directmedia, Berlin 2004, ISBN 3-89853-186-4. (Die digitale Bibliothek 86))

  • Karl Eugen Neumann (Übers.). Die Reden Gotamo Buddhos; aus der mittleren Sammlung Majjhimanikayo des Pali-Kanons, München R. Piper, 3 Bände, 1922. Bd.1/Digitalisat Bd.2/Digitalisat Bd.3/Digitalisat
  • Karl Eugen Neumann (Übers.). Die Reden Gotamo Budhos, aus der Sammlung der Bruchstücke Suttanipato des Pali-Kanons, München R. Piper 1911. Digitalisat
  • Die Reden des Buddha. Gruppierte Sammlung Samyutta-Nikaya. Vorwort von Hecker, Übersetzung von Geiger, Nyanaponika und Hecker, Beyerlein & Steinschulte, Herrnschrot 1997.
  • Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung [Anguttara-Nikaya]. Aus dem Pali übers. von Nyanatiloka. Überarbeitet und herausgegeben von Nyanaponika, Aurum, Braunschweig 1993. (= München 1922 oder 1923)
  • Verlage:
    • Pali Text Society. London.
    • Buddhist Publication Society. Kandy – Pali-Textausgaben und englische Übersetzung

Sanskrit

  • Raghu Vira, Chandra Lokesh: Gilgit Buddhist manuscripts. Delhi 1996, 1995.
  • A. S. Altekar (Hrsg.): Tibetan Sanskrit works series. Patna 1959.
  • Bibliotheca Buddhaica. St. Petersburg 1897. (Reprint: Osnabrück 1970)
  • Sanskrittexte aus den Turfanfunden. Berlin 1955 – in lateinischer Transkription.
  • Moriz Winternitz: Geschichte der Indischen Literatur. Leipzig, 1920, Bd. 2: Die buddhistische Litteratur und die heiligen Texte der Jainas. Digitalisat

Sino-japanischer Kanon

  • Akanuma Chizen: The comparative Catalogue of Chinese Āganas und Pāli Nikāyas – Kampa shibu shiagon goshōroku. Nagoya 1929, Tōkyō 1958.
  • Fukuda Gyōkai, Shimada Bankon, Shikikawa Seiichi: Dai Nihon kōtei shukusatsu dai zōkyō. Kōkyō Shoin, Tokyo, 1880–1885, 418 Bände, gilt als die akkurateste moderne Ausgabe
  • Hu-von Hinüber, Haiyan; Übersetzungs- und Überlieferungsgeschichte des chinesischen Tripitaka; 1984
  • Kenneth Ch'en, Notes on The Sung and Yuan Tripitaka. In: Harvard Journal of Asiatic Studies. Vol. 14, No. 1/2 (Jun., 1951), S. 208–214 Harvard-Yenching Institute; Notes on The Sung and Yuan Tripitaka
  • Maeda Eun, Nakano Tatsue: Dai Nihon kōtei zōkyō. Kyoto 1902–1905, 347 Bände, auch als Manjiban bekannt
  • Maeda Eun, Nakano Tatsue: Dainippon zoku zōkyō. Kyoto 1905–1912; 750 Bände, Hauptquelle für chinesische buddhistische Literatur nach der T'ang-Zeit
  • Nakano T. (Hrsg.): Shōwa shinsan kokuyaku dai zōkyō. Tōkyō 1919–1921, 50 Bände
  • Nakano T. (Hrsg.): Shōwa shinsan kokuyaku dai zōkyō zoku no bu.Tōkyō 1936–1948, 59 Bände
  • Nanjio Bunyiu: A catalogue of the Chinese Translation of the Buddhist Tripitaka …. Oxford 1883 Internet Archive (PDF; 15,7 MB)
  • Shanghai yingyin Songban zangjinghui: Songzang yizhen. Yingyin Songban zangjinghui, Shanghai 1935, basiert auf der Ch'in-Edition, vollendet um 1173
  • Shanghai yingyin Songban zangjinghui: Song Jishaban Da zangjing. Yingyin Songban zangjinghui, Shanghai 1935–1936, 591 Bände, basiert auf der Sung-Edition um 1322
  • Takakusu Junjirō; Watanabe Kaigyoku 大正新修大蔵経: Taishō shinshū daizōkyō. Taishō issaikyō kankokai, Tōkyō 1922–1932, 100 Vol. – Inhalt: Vol. 1-55 indische und chinesische Werke; Vol. 56-84 japanische Werke; Vol. 85 Varia; dazu 12 Bände Bildteil, Erschließend: Repertoire du Canon Bouddhique Sino-Japonaise. Paris 1978; Index; Taishō shinshū daizōkyō …; Tōkyō 1926–1985, 50 Vol.

Koreanischer Kanon

  • Koryŏ taejanggyŏng. (Koryŏ-Kanon), Tongguk University Press, Seoul, 1976. Faksimile der Xylographie um 1251
  • Lewis R. Lancaster, Sung-bae Park: The Korean Buddhist Canon: A Descriptive Catalogue. University of California Press, Berkeley, Los Angeles 1979.
  • Tongguk taehakkyo pulgyo munhwa yŏn'guso: Han'guk pulgyo ch'ansul munhŏn ch'ongnok. Tongguk Taehakkyo Ch'ulp'anbu, Seoul 1976.

Tibetischer Kanon

  • Bo-doṅ Paṇ-chen Phyogs-las-rnam-rgyal (1375–1450): Encyclopedia tibetica. Tibet House, New Delhi, 1969–1981, Photoreprint, Tanjur
  • Helmut Eimer: The early Mustang Kanjur catalogue: a structured edition of the mDo snags bka'-'gyur dkar-chag and of Nor chen Kun dga' bza' po’s bKa' 'gyur ro-cog-gi dkar-chag bstan-pa gsal-ba'i sgron-me. Wien 1999
  • Helmut Eimer: Location list for the texts in the microfiche edition of the Phug brag Kanjur: compiled from the microfiche edition and Jampa Samten’s descriptive catalogue. Tokio 1993, ISBN 4-906267-32-7.
  • Günter Grönbold: Die Worte des Buddha in den Sprachen der Welt: Tipiṭaka – Tripiṭaka – Dazangjing – Kanjur; eine Ausstellung aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek. München 2005, ISBN 3-9807702-4-9.
  • Louis Ligeti: Catalogue du Kanjur Mongol imprimé. In: Bibliotheca orientalis Hungarica. 3,1. Budapest 1942.
  • The Tog Palace manuscript of the Tibetan Kanjur. Smanrtsis Shesrig Dpemzod, Leh 1975–1981, 109 Bände
  • Sde-dge Mtshal-par Bka'-'gyur. New Delhi 1976–1979 109 Vol. – Faksimile des Si-tu Paṇ-chen Chos-kyi-ʼbyuṅ-gnas. 1700–1774; auch auf 10 CD-ROMS
  • Daisetz T. Suzuki (Hrsg.): Eiin Pekin-ban Chibetto Daizzōkyō. Tibetan Tripitaka Research Institute, Kyoto, 1955–1961 – Peking-Ausgabe
  • MibuTaishun: Chibetto Daizokyō Narutan-ban Ronshobu mokuroku. Tokyo 1967, Vergleichende Aufstellung des tibetischen Tripitaka der Narthang-Edition (Bstan-hgyur) mit der Sde-dge-Edition
  • Tarthang Tulku: The Nyingma edition of the sDe-dge bKa'-'gyur/bsTan-'gyur. Dharma Publ., Oakland 1980.

Weblinks

  • Digital Sanskrit Buddhist Canon
  • Tipitaka, der Pali-Kanon des Theravāda-Buddhismus in deutscher Sprache
  • CBETA (Chinese Buddhist Electronic Text Association) Taishō (noch unvollständig, jedoch korrigiert) u. a. chin. Texte online
  • Peking Tripitaka Online Search (Ōtani-Universität)
  • Taishō: Taishō (Texte vollständig .zip-Archive)
  • Tibetan-Himalayan Digital Library
  • Reference Guide for Buddhist Studies (Bestände der UCLA; engl.)
  • Suche im deutschen Palikanon
  • The SAT Daizōkyō Text Database at University of Tokyo
  • The Manchu Kanjur
  • Catalog of the Manchu Buddhist Canon
  • 300.000 Seiten heilige Texte in Zürich zu bestaunen
  • [Tibetan Tripitaka Collation Bureau] (gedruckte Neuausgabe auf Basis der Derge-Version)

Übersetzungen in westliche Sprachen

  • Bibliography of Translations from the Chinese Buddhist Canon into Western Languages, aufgerufen am 7. August 2013.
  • Numata Center for Buddhist Translation and Research, Berkeley. englische Übersetzungen aus der Taisho Tripitaka, z. T. auch als PDF-Dateien verfügbar.

Konkordanz

Konkordanzen zwischen den einzelnen Katalogen des Kanon lassen sich im Internet ermitteln:

  • Korean Buddhist Canon: A Descriptive Catalogue (Taishō, Nanjio, Tripitaka Koreana, Tōhoku)
  • WWW Database of Chinese Buddhist texts (Zhonghua Dazangjing, Taishō, Nanjio, Tripitaka Koreana)

Einzelnachweise

  1. ↑ Hans Wolfgang Schumann: Buddhismus. Stifter, Schulen, Systeme. Diederichs, München 1993, S. 57.
  2. ↑ Klaus Josef Notz: Lexikon des Buddhismus. Freiburg 1998, Vol II, S. 354.
  3. ↑ Eric D. Grinstead (Hrsg.): The Tangut Tripiṭaka. New Delhi 1971; 9 Bände



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Buddhistischer Modernismus

Noir24admin Buddhismus 21. Juni 2026

Buddhistischer Modernismus oder protestantischer Buddhismus[1] sind Begriffe zur Beschreibung moderner und zeitgenössischer buddhistischer Bewegungen.

Anders verhält es sich mit dem Begriff „Engagierter Buddhismus“, der 1963 vom vietnamesischen Zen-Meister Thich Nhat Hanh (geb. 1926) eingeführt wurde und heute von vielen Buddhisten in Asien, Amerika und Europa als Synonym für einen sozial engagierten Buddhismus verwendet wird.

Die Anfänge der buddhistischen Reformbewegungen gehen auf den aus Sri Lanka kommenden Dharmapala zurück, der den traditionellen Buddhismus radikal kritisierte, die Rolle des Laien neu bewertete und die Meditation als allgemeine Praxis einführte. Die Lehre des Buddha sei auf Vernunft gegründet, rationalistisch, atheistisch, wissenschaftlich, eine Lebensphilosophie, keine Religion. Eine starke Politisierung sowie fundamentalistische und nationalistische Tendenzen charakterisieren diese Bewegungen.

Entstanden ist der buddhistische Modernismus (auch Neobuddhismus) in Ceylon (heute Sri Lanka) als ursprünglich kulturelle Erneuerungsbewegung des dort unter dem Druck europäischer Eroberungen und christlicher Missionen seit dem 16. Jahrhundert vom Niedergang bedrohten Buddhismus. Als Reaktion auf diese Überfremdung begab man sich auf die Suche nach der eigenen nationalen Identität und besann sich zunächst auf die eigene Kulturtradition, die als Bollwerk gegen die zunehmende Verwestlichung verstanden wurde. Die mit dem Kolonialstatus verbundene Demütigung und Abwertung der autochthonen Kultur sowie die Diskriminierungen durch die Kolonialherren führten schließlich zur Politisierung des eigentlich weltabgewandten Buddhismus. Progressive westliche Ideen wie Demokratie und Sozialismus, die im Zuge der Kolonialisierung nach Ceylon und Birma gelangt waren, wurden als Errungenschaften der eigenen Kultur ausgegeben.

So reklamierten buddhistischen Modernisten wie der Nestor des buddhistischen Modernismus und singhalesischen Patriotismus, Anagarika Dharmapala[2], die Demokratie als Produkt der eigenen Kulturtradition. Der Ceylonese D. C. Vijayavardhana sah in der Gütergemeinschaft des Urbuddhismus eine frühe Form des Kommunismus und schrieb: „Die frühe Sangha, wie sie von Buddha begründet wurde, umfasste echte Kommunisten, deren Regeln und Praxis von der Erde verschwunden sind. Sie waren eine klassenlose Gemeinschaft von Gleichen [...] Sie besaßen kein individuelles Eigentum; der gesamte Besitz gehörte der Gemeinschaft.“ (D.C. Vijayavardhana, The Revolt in the Temple Colombo 1955, S. 595). Vijayavardhana betonte, dass die ideale buddhistische Lebensform und ein echter Kommunismus auf wirtschaftlicher Ebene völlig miteinander vereinbar seien. Die Unvereinbarkeit von Buddhismus und Marxismus in philosophischer Hinsicht wird von diesem Autor durchaus gesehen, wenn er schreibt: „Es gibt natürlich einen fundamentalen Unterschied zwischen Buddhismus und Marxismus was das philosophische Konzept dieser Lehren anbelangt: der Marxismus, der sich auf eine materialistische Geschichtskonzeption gründet, lehrt den metaphysischen Materialismus als seine Philosophie.“ (ebd.) Dies widerspräche dem Geist des Buddhismus, für den alles Materielle letztlich eine Illusion sei. Zwar seien die klösterliche Gütergemeinschaft des Urbuddhismus und ein echter Kommunismus aus dem gleichen Geiste geboren, doch könne der gegenwärtige Marxismus, besonders in seiner sowjetischen Form, von den buddhistischen Ländern Südostasiens nicht akzeptiert werden.

Indem man die Vergangenheit idealisierte wurde zugleich die politische Forderung erhoben, dem Buddhismus seine alte privilegierte Stellung zurückzugeben und wieder zur Staatsreligion zu machen, ein Status, den der Buddhismus zur Zeit der historischen Monarchien in Ceylon und Birma stets besessen hatte. Dies war die Stunde der „politischen Mönche“, die unter Missachtung der Vinaya-Regeln (Klosterregeln) sich in der Art einer Lobby in die Politik einmischten und für die Restauration des Buddhismus in Staat und Gesellschaft kämpften. Die neobuddhistische Bewegung hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen enormen Einfluss auf die Politik einiger buddhistischer Staaten Südostasiens ausgeübt und zur Stabilität der demokratischen Institutionen beigetragen: denn dort, wo die parlamentarische Demokratie eingeführt wurde, war es wichtig, dass ihr eine Legitimation aus der eigenen kulturellen Tradition gegeben werden konnte, was ihre Akzeptanz erleichterte. So betrachtete man die demokratischen Strukturen des buddhistischen Ordens (Sangha) als Modell, das auf Staat und Gesellschaft übertragen werden sollte (so z. B. den Gleichheitsgrundsatz und das Prinzip der Mehrheitsentscheidung bei Abstimmungen: in der Sangha sind alle Mönche prinzipiell gleich und der Klosterabt wird von der Mönchsversammlung gewählt). Auf diese Weise ließen sich die Prinzipien demokratischer Selbstverwaltung als Teil der buddhistischen Tradition in Anspruch nehmen.

Der Neobuddhismus hat besonders in den theravāda-buddhistischen Ländern Sri Lanka und Birma die politischen Freiheitsbewegungen inspiriert und den nationalen Unabhängigkeitskampf gegen die Fremdherrschaft befördert. Die vom Westen entlehnten Ideen von Freiheit und Gleichheit wurden dabei als ideologische Waffen gegen den Imperialismus der britischen Kolonialmacht gerichtet.

Buddhadasa Bhikkhu

1956 rief in Indien Bhimrao Ramji Ambedkar die unberührbaren Kaste (Dalit) auf, als Protest gegen ihre Unterdrückung zum Buddhismus zu konvertieren (diese Bewegung wird oft auch, meist pejorativ, als „Neo-Buddhismus“ bezeichnet). In Thailand war es Buddhadhasa Bhikkhu (nach anderer Schreibweise 'Buddhadasa Bhikkhu' 1906–1993), der einen Dhamma-Sozialismus vertrat. In Japan entstand 1930 die Sōka Gakkai, die mittels der Partei Kōmeitō auch politisch tätig ist. Der im Exil lebende Dalai Lama und die burmesische Regimekritikerin Aung San Suu Kyi, beide Träger des Friedensnobelpreises, sind zwei der berühmtesten zeitgenöss. Vertreter eines Buddhismus, der sich zu Friedens- und Umweltfragen äußert und ein Engagement für eine gerechtere Gesellschaft propagiert.

In Europa und Nordamerika setzten sich im 19. und 20. Jh. Philosophen und Wissenschaftler, Ärzte und Künstler verstärkt mit dem Buddhismus auseinander, förderten seine Popularität und wirkten durch ihr Engagement unmittelbar auf die Buddhisten Asiens zurück (Schopenhauer, Pali Text Society, Hermann Hesse, H.S. Olcott). 1902 erhielt Allan Bennett, ein Chemiker aus England, in Burma als erster Europäer die Mönchsweihe. Zahlreiche Europäer folgten seinem Beispiel (Nyanatiloka), viele buddh. Vereine wurden gegründet von Paul Dahlke, Karl Seidenstücker, und Georg Grimm. Karl Eugen Neumann legte wesentliche Übersetzungen buddhistischer Texte vor. Lama Anagarika Govinda gründete in Indien 1933 das Arya Maitreya Mandala. In England gründete Sangharakshita (1925–2018) 1967 die Friends of the Western Buddhist Order, eine buddhistische Laienorganisation.

Heute gibt es zahlreiche internationale buddhistische Netzwerke. 1950 wurde die Vereinigung des World Fellowship of Buddhists in Sri Lanka ins Leben gerufen, um die Verständigung der verschiedenen Strömungen innerhalb des Buddhismus zu fördern. 1989 wurde in Thailand das International Network of Engaged Buddhists geschaffen.

Literatur

  • Anagarica Dharmapala: A Message to the Young Men of Ceylon, (Colombo 1947)
  • Heinz Bechert: Buddhismus, Staat und Gesellschaft, Bde. I – III, (Frankfurt/Berlin, 1966–67)
  • David L. McMahan: The Making of Buddhist Modernism, Oxford UP 2008
  • Emanuel Sarkisyanz: Buddhist Backgrounds of the Burmese Revolution (The Hague 1965)
  • U Ba Swe: The Burmese Revolution, (Rangoon 1952)
  • Vijayavardhana, D.C.: The Revolt in the Temple, (Colombo 1953)

Einzelnachweise

  1. ↑ Der Begriff „Protestantischer Buddhismus“ stammt aus Richard Gombrichs Theravāda Buddhism: A Social History from Ancient Benares to Modern Colombo. (Routledge & Kegan Paul, London 1988) und wurde entscheidend durch Gananath Obeyesekere in dem von ihm mitherausgegebenen The Two Wheels of Dhamma: Essays on the Theravāda Tradition in India and Ceylon, The American Academy of Religion. Studies in Religion, Monograph Series No. 3. (American Academy of Religion, Chambersburg, Penn. 1972, S. 58–78) in Bezug auf die buddhistisch-nationale Bewegung in Ceylon geprägt.
  2. ↑ vgl. hierzu den Beitrag im engl. Wikipedia zu Anagarika Dharmapala



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Buddha-Natur

Noir24admin Buddhismus 21. Juni 2026

Buddha-Natur (skt. buddha-dhātu, tathāgata-dhātu; chinesisch 佛性, Pinyin fóxìng, W.-G. fo-hsing; hg. 불성, bulseong; jap. 仏性 busshō; viet. phật tính; tib.: bde gshegs snying po) ist in weiten Teilen des Mahayana-Buddhismus[1], insbesondere im chinesischen Chan und im japanischen Zen, sowie im tibetischen Vajrayana[2] die universelle, immanente Fähigkeit und Potenz von Lebewesen, zu Buddhas zu werden.

Historische Varianten

Die Ursprünge der Buddha-Natur im Mahayana liegen in den Darlegungen des Lotos-Sutra, des Nirvana-Sutra, der Tathagatagarbha-Sutras, im Vajrayana auch in den Lehren nichtdualer Praxissysteme wie Lamdre, Dzogchen und Mahamudra.

Dort wird die Buddha-Natur auch als die Natur des Geistes oder als klares Licht ursprünglichen Gewahrseins bezeichnet. Im Nirvana-Sutra wird die Buddha-Natur (Buddha-dhatu) vom Buddha selbst als „das wahre Selbst“ Buddhas erklärt und als „beständig, fest und ewig“ (nitya, dhruva, sasvata) beschrieben. Sie wird auch mit dem Dharmakaya gleichgesetzt.

Im Nirvana-Sutra heißt es: „Die Essenz des Selbst ist der subtile Tathagatagarbha“ (Kapitel: Tathagatagarbha). Die Buddha-Natur wird als unzerstörbar und ungeboren beschrieben, denn sie ist weder von äußeren Einflüssen, noch von psychischen Veränderungen beeinflussbar. Es handelt sich um einen Begriff der Transzendenz. Die Lehren zur Buddha-Natur stellen die gewöhnliche Wahrnehmung eines nichterleuchteten Wesens als relative Wirklichkeit der Wahrnehmung eines erleuchteten Wesens gegenüber. Diese nichtduale erleuchtete Wahrnehmung wird als absolute Wirklichkeit bezeichnet. Aus der Perspektive absoluter Wirklichkeit sind relative und absolute Wirklichkeit untrennbar.

Die Lehren von der Leere Shunyata und vom Nicht-Selbst Anatta beziehen sich demgegenüber auf bedingt Entstandenes. Die Buddha-Natur wird ferner in den Tathagatagarbha-Sutras als die innewohnende, unbegreifliche, ungeschaffene, wonnevolle und unsterbliche Buddha-Essenz (svabhava) aller Lebewesen dargestellt.

Dieser Tathagatagarbha – ein anderes Wort für die Buddha-Natur – ist nach dem Nirvana-Sutra das wahre Selbst, das Selbst Buddhas, das keinen Tod kennt. Laut dem Nirvana-Sutra:

„Alle Dinge (dharma) sind nicht ohne das Selbst. Das Selbst ist wirklich (tattva), das Selbst ist fest (dhruva), das Selbst ist Tugend (guna), das Selbst ist ewig (nitya), und das Selbst ist Friede“ (Kapitel: Gram).

Im Mahayana Angulimaliya-Sutra wird auch behauptet, dass der Tathagatagarbha (Buddha-Natur) ohne Ausnahme in jedem Wesen zu finden sei:

„Alle Dinge (dharma) haben den Tathagatagarbha als deren Essenz (svabhava) … Auch wenn alle Buddhas selber emsig danach suchten, wuerden sie keinen Tathagatagarbha finden, der nicht ewig (sasvata) ist, denn der ewige Dhatu, die Buddha-Natur, der Dhatu, der mit endlosen Haupteigenschaften und den kleineren Eigenschaften (eines Buddha) ausgestattet ist, ist in allen Wesen vorhanden. Auch wenn alle Buddhas selber emsig danach suchen würden, würden sie keinen Tathagatagarbha finden, der nicht fest (dhruva) ist, denn der feste Dhatu, die Buddha-Natur, der Dhatu, der mit endlosen Haupteigenschaften und den kleineren Eigenschaften (eines Buddha) ausgestattet ist, ist in allen Wesen vorhanden.“

Siehe auch

  • Buddhistische Philosophie
  • Das Zen-Glossar beschreibt bekannte Ausdrücke aus dem Zen sowie dem Chan und erläutert die, für das Verständnis der Zen–Philosophie wichtige, wechselseitige Abhängigkeit der Begriffe.

Literatur

  • Brian Edward Brown: The Buddha Nature. A Study of the Tathagatagarbha and Alayavijnana. Motilal Banarsidass Publishers, Delhi 1994.
  • Dalai Lama: Die Buddhanatur - Tod und Unsterblichkeit im Buddhismus. Aquamarin Verlag, Grafing 1996, ISBN 3-89427-079-9 (Buch in Form von Gesprächen, Peter Michel befragt den Dalai Lama)
  • Namkhai Norbu: Dzogchen: Der ursprüngliche Zustand. Oddiyana Edition, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-9801635-0-4
  • Tony Page (Hrsg.), Kosho Yamamoto (Übers.): The Mahayana Mahaparinirvana Sutra. Nirvana Publications, London 2000, ISBN 978-1-903036-06-8. Digitalisat (PDF; 2,6 MB)
  • Karma-Glin-Pa, John Myrdhin Reynolds (Übers.): Self-Liberation: Through seeing with naked awareness. Snow Lion Publications, Ithaca-New York 2000, ISBN 1-55939-144-8
  • Sallie B. King: Buddha Nature. State University of New York Press 1991, ISBN 0-7914-0428-5
  • Manjushrimitra, Namkhai Norbu (Übers.), Kennard Lipman (Übers.): Primordial Experience: An Introduction to Rdzogs-Chen Meditation. Shambhala Publications, Boston & London 2001, ISBN 978-1-57062-898-6.
  • Longchen Rabjam, Tulku Thondup: Buddha-Natur - Dzogchen in der Praxis. Opus Verlag, Leopoldshöhe 2010, ISBN 978-3-939699-04-0
  • Helwig Schmidt-Glintzer: Der Buddhismus. München 2005, ISBN 3-406-50867-7.
  • Michael Zimmermann: “Tathagatagarbha.” In: Buddhismus in Geschichte und Gegenwart. Bd. 4, Continuing Academic Education, Hamburg: University of Hamburg, Asia-Africa-Institute, Department for Indian and Tibetan Studies, S. 235–249, 2000. PDF (Memento vom 20. Oktober 2013 im Internet Archive)
  • Michael Zimmermann: A Buddha Within: The Tathāgatagarbhasūtra. Bibliotheca Philologica et Philosophica Buddhica VI, The International Research Institute for Advanced Buddhology, Soka University 2002 (Digitalisat (6,1 MB; PDF))
  • Michael Zimmermann: The Tathagatagarbhasutra: Its Basic Structure and Relation to the Lotus Sutra. Annual Report of the International Research Institute for Advanced Buddhology at Soka University for the Academic Year 1998, S. 143–168 (PDF)
  • Klaus-Dieter Matthes: Tibetische Interpretationen der Buddhanatur im Vergleich. Numata Zentrum für Buddhismuskunde (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive), Hamburg, 2002/2004. PDF (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive)

Weblinks

  • Fünf Tathagatagarbha Sutras (Memento vom 4. Juni 2011 im Internet Archive) Fünf Tathagatagarbha Sutras
  • Tibetische Interpretationen der Buddhanatur im Vergleich – Klaus-Dieter Matthes
  • Heng-Ching Shih, The Significance Of 'Tathagatagarbha' -- A Positive Expression Of 'Sunyata' (Memento vom 7. August 2013 im Internet Archive) (engl.)

Einzelnachweise

  1. ↑ Michael Zimmermann: Wie die Lehre von der Buddhanatur entstand. In: Tibet und Buddhismus. Heft 77, April–Mai–Juni 2006 Heft 77, S. 20–24
  2. ↑ Klaus-Dieter Mathes: Tibetische Interpretationen der Buddhanatur im Vergleich. S. 1–15
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4242532-3 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)



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Buddhistische Ethik

Noir24admin Buddhismus 21. Juni 2026
Buddha weist den Weg (Mandalay Hill).

Der Begriff Buddhistische Ethik fasst Sittlichkeitsregeln und moralische Leitlinien des Buddhismus zusammen. Der „Weg des Buddha“ (skt. Buddha-marga) versteht sich als praxisorientierte Anleitung zum Leben. Der höchste Wert und das Heilsziel des Buddhismus ist Erlösung (Nirwana). Buddhistische Ethik unterscheidet Verhaltensweisen, die auf dem Weg zum Heilsziel förderlich (kusala) oder hinderlich (akusala) sind.

Autonome Ethik

Buddhistische Ethik ist ein Weg zur Selbsterlösung. Diese Vorstellung unterscheidet sich grundlegend von der christlichen Vorstellung der Erlösung durch die Gnade Gottes (Ausnahme bildet der sog. Amitabha-Buddhismus in Japan, nach welchem eine Selbsterlösung durch Meditation nicht möglich ist und dies allein durch die Gnade des transzendenten Buddha geschehen kann). Buddhistische Ethik als autonome Ethik bewertet Handlungsweisen nach ihrem Nutzen für das Erreichen des Heilsziels. Andere Religionen begründen ihre Werte heteronom in göttlichen Geboten, die bei Strafandrohung zu befolgen sind. Wegen dieses Unterschiedes wird immer wieder diskutiert, ob Buddhismus eine Religion oder eine Philosophie sei. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist mit der Buddhistischen Wirtschaftslehre zu finden.

Im Gegensatz zu anderen Religionen wird in der buddhistischen Ethik weniger in absoluten, scharf abgegrenzten Kategorien wie richtig oder falsch, gut oder böse gesprochen. Stattdessen folgt die buddhistische Ethik der Karma-Lehre, die auf die natürlichen Folgen von Handlungen hinweist. So bedeutet der Begriff kusala, dass ein Verhalten heilsam, verdienstvoll oder dem Heilsziel förderlich ist. Der Gegenbegriff akusala bezeichnet unheilsames, schädigendes und dem Heilsziel hinderliches Verhalten.

Buddhistische Ethik legt großen Wert auf Geistesschulung. Buddha selbst und spätere Lehrer entwickelten Übungen, die dem Schüler auf dem Weg zum Heilsziel helfen sollen, dazu gehört insbesondere die Meditation. Aber auch das Bemühen um bestimmte innere Haltungen wie Mitgefühl (Karuna) gehört im buddhistischen Sprachgebrauch zu den „Übungen“.

Grundlagen

Das Dharma-Rad symbolisiert den Edlen Achtfachen Pfad, die wichtigste Anleitung zur buddhistischen Ethik.

Ein Großteil der buddhistischen kanonischen Schriften enthält Lehrreden (Sutras) Buddhas und wichtiger buddhistischer Lehrer zur ethischen Schulung. Sie beschreiben zahlreiche Übungen und Übungswege, die alle zur Erlösung führen. Die verschiedenen Schulen und Systeme des Buddhismus unterscheiden sich in der Auswahl und Interpretation der Texte, sowie der Auswahl und Gewichtung einzelner Übungen.

Gemeinsame Grundlage aller buddhistischer Schulen – und damit der buddhistischen Ethik – sind die Vier Edlen Wahrheiten mit dem Edlen Achtfachen Pfad. Sie beschreiben das Heilsziel (Befreiung vom Leiden) und den Weg dorthin. Darüber hinaus gibt es verschiedene Zusammenfassungen wichtiger Elemente buddhistischer Lehre und Ethik, die von den meisten buddhistischen Schulen verwendet werden.

Der Begriff „Dreifache Übung“ fasst die drei übergeordneten Bereiche buddhistischer Ethik zusammen: Sittlichkeit (Sila), Sammlung (Samadhi) und Weisheit (Panna). Unter dem Stichwort „Paramita“ werden noch weitere Übungsbereiche erfasst, wie Freigebigkeit (Dāna) und liebevolle Güte (Metta).

Sittlichkeitsregeln

Die Einhaltung der Fünf Silas (Pancasila) werden von Mönchen und Laienanhängern aller buddhistischen Schulen als erstrebenswert betrachtet, sind jedoch nicht verbindlich um Zuflucht in die Drei Juwelen zu nehmen:

  1. Keine Lebewesen töten oder verletzen (Ahimsa).
  2. Nichtgegebenes nicht nehmen.
  3. Keine unheilsamen sexuellen Beziehungen pflegen und sich im rechten Umgang mit den Sinnen üben.
  4. Nicht lügen oder unheilsam reden.
  5. Sich nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein trüben.

Der Edle Achtfache Pfad verweist auf weitere Tugendregeln, die auch für Laien von Interesse sind, insbesondere zum Verhalten in Alltag und Beruf.

Buddhistische Mönche und Nonnen müssen sich den umfangreichen buddhistischen Ordensregeln unterwerfen.

Übungen

Die Vier Erhabenen Verweilzustände (Brahmavihara) sind Übungen zu den Tugenden:

  1. Güte (Metta)
  2. Mitgefühl (Karuna)
  3. Mitfreude (Mudita)
  4. Gleichmut (Upekkhā)

Diskussion

Eine Besonderheit der Ethik des Zen-Buddhismus ist die Situationsethik.

Achtsamkeit (sati) ist als „rechte Achtsamkeit“ (samma siti) das 7. Glied des Edlen Achtfachen Pfades und damit eine der grundlegenden anzustrebenden Qualitäten. Achtsamkeit ist möglichst unter allen Lebensumständen zu bewahren. Aus dem hohen Stellenwert eines achtsamen und wachen Geistes leitet sich das Verbot berauschender Mittel ab (5. Sila).

Güte (Metta) ist eine tätige, selbstlose, nicht besitzergreifende Form der Liebe, die das Wohlergehen aller fühlenden Wesen anstrebt (vgl. Altruismus). Güte ist Ausdruck von Mitgefühl (Karuna), einer Kardinaltugend buddhistischer Ethik (vgl. christliche Nächstenliebe).

Feindesliebe, Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit werden allgemein als erstrebenswert betrachtet. An mehreren Stellen, wie etwa dem 1. Sila, fordert Buddha seine Anhänger auf, andere fühlende Wesen nicht zu schädigen (Ahimsa). Der Engagierte Buddhismus setzt sich auch auf politischer Ebene für diese Werte ein.

Literatur

  • Klaus-Josef Notz: Lexikon des Buddhismus. Grundbegriffe, Traditionen, Praxis in 1200 Stichworten. DirectMedia Publ., Berlin 2005, ISBN 3-89853-448-0 (1 CD-ROM).

Weblinks

  • Alois Payer: Materialien zur buddhistischen Ethik zur Lehrveranstaltung „Ethik des Buddhismus“ an der Universität Tübingen, Sommersemester 1993
  • Zentrum für Buddhismuskunde der Universität Hamburg: Grundfragen buddhistischer Ethik
  • Journal of Buddhist Ethics, ISSN 1076-9005 (engl.)
  • Buddhismus und Ethik - Gibt es Gebote im Buddhismus (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  • Erklärung des geheimen Mantras ethischer Disziplin
  • Charles Goodman: Ethics in Indian and Tibetan Buddhism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.



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Buddhistische Zeitrechnung

Noir24admin Buddhismus 21. Juni 2026

Die buddhistische Zeitrechnung ist eine vor allem in den Ländern des südlichen Buddhismus (Sri Lanka, Myanmar, Thailand etc.) verwendete und mit dem traditionellen Todesjahr des Siddhartha Gautama (544 v. Chr.) beginnende Zeitrechnung: dem Jahr des Parinirvana des Buddha als Jahr 0 BE (Buddhist Era). Nach buddhistischer Tradition wurde er im Jahre 624 v. Chr. geboren und starb 80 Jahre später.[1] Das tatsächliche Jahr des Todes von Buddha ist jedoch unbekannt und auch umstritten.

Thailändischer Kalender in Thai, Chinesisch und Englisch

Das Jahr 2000 (n. Chr.) des gregorianischen Kalenders ist der buddhistischen Zeitrechnung zufolge also das Jahr 2543 BE. In den Publikationen einiger außerasiatischer buddhistischer Gemeinschaften (insbesondere Australien, Europa, USA) finden sich daher häufig zwei Jahresangaben. Nach buddhistische Zeitrechnung (Thailand, Laos) ist somit das Jahr 2025 das Jahr 2568 BE.

Die Abkürzung BBE (Before Buddhist Era) wird für Jahresangaben vor der Buddhistischen Zeitrechnung verwendet (z. B. Geburt des Siddhartha Gautama 80 BBE).

Da es in buddhistischen Ländern sehr unterschiedliche Vorstellungen über Neujahr gibt, kann ein Jahr der buddhistischen Zeitrechnung am 1. Januar, aber auch mit dem ersten Frühlingsneumond (Tet-Fest, chinesisches Neujahr) oder mit dem vierten Vollmond des Mondjahres (Vesakh) oder einem anderen Tag beginnen. Allerdings hat sich seit den 2500-Jahr-Feiern zum Buddha Jayanti Year im Jahr 1956 weltweit meist die buddhistische Zeitrechnung mit Jahresbeginn 1. Januar durchgesetzt, in Thailand sogar schon 1941 (Suriyakati-Kalender).

Weblinks

  • Zeitrechnungen in Thailand bzw. Asien
  • Anmerkung von Georg Krauskopf zur Datumsfindung in 'Die Heilslehre des Buddha'.

Einzelnachweise

  1. ↑ Anonymous: Theravada Buddhism: A Chronology. In: accesstoinsight.org. Access to Insight (BCBS Edition), 30. November 2013, abgerufen am 1. Mai 2025 (englisch, Deutsche Übersetzung; statt 0 BE steht dort falsch 1 BE). 



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  1. Buddhistischer Kalender
  2. Bodhisattva
  3. Bojjhanga
  4. Brahmavihara

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