Darstellung eines sitzenden Bodhisattva (Japan, Asuka, 7. Jh.)
Bodhisattva (Sanskrit, m., बोधिसत्त्व bodhisattva; aus bodhi „Erleuchtung“ oder „Erwachen“ und sattva „das Seiende“, „Wesen“, Pali bodhisatta) bedeutet „Erleuchtungswesen“.
Im Mahayana-Buddhismus werden Bodhisattvas als nach höchster Erkenntnis strebende Wesen bezeichnet, die auf dem Wege der „Tugendvollkommenheit“ (Sanskrit paramita) die „Buddhaschaft“ anstreben bzw. in sich selbst realisieren, um sie zum Heil aller lebenden Wesen einzusetzen. Diese Ausgangsmotivation wird „Erleuchtungsgeist“ (bodhicitta) genannt. Praktizierende verschiedener Traditionen des Mahayana rezitieren Bodhisattva-Gelübde und bekunden damit ihren Willen, auch selbst diesen Weg zu gehen.
Kern der Bodhisattva-Philosophie ist der Gedanke, nicht nur selbst und allein für sich Erleuchtung zu erlangen und damit in das Nirwana einzugehen, sondern stattdessen zuvor allen anderen Wesenheiten zu helfen, sich ebenfalls aus dem endlosen Kreislauf der Reinkarnationen (Samsara) zu befreien.
Bodhisattvas sind in ihrer klassischen Darstellung typische Sambhogakaya („Freudenkörper“)-Formen.
Die Acht Großen Bodhisattvas des Mahayana
Statue eines Bodhisattva (China, Nördliche Qi, um 570 n. Chr.)Avalokiteshvara- Bodhisattva (Guanyin) der Sui-Dynastie
Im Mahayana-Buddhismus sind insbesondere die „Acht Großen Bodhisattvas“ von Bedeutung:
Manjushri der „Bodhisattva der Weisheit“
Vajrapani (Aus dem Sanskrit: Vajra-halter)
Padmapani (Aus dem Sanskrit: Lotushalter)
Maitreya (Aus dem Sanskrit, maitri – „universale Liebe“)
Unterschieden wird zwischen irdischen und überirdischen Bodhisattvas. Irdische Bodhisattvas sind im Weltleben stehende Menschen, die von Güte (maitri) und Mitgefühl (karuna) getragen, ihre Verdienste zum Wohle aller mitfühlenden Wesen (Menschen, Tiere, körperlose Wesen) einsetzen. Überirdische Bodhisattvas sind transzendente Wesenheiten, die in gleicher Weise den Wesen beistehen und ihnen auf dem Pfad der Befreiung behilflich sind.
Die bekanntesten transzendenten Bodhisattvas sind:
Maitreya (auch Metteyya, Mí Lè Fó, Byams-pa, Miroku).
Weitere Bodhisattvas sind neben anderen:
Prajnaparamita, auch Haramitsu, Hannya Bosatsu, Dai Hannya, Shes-rab-pha-rol-phyin, Bilig-un Chinadu Kichaghar-a Kürük-sen
Tara
Bodhisattvas im Theravada
Die Lehre vom Bodhisattva ist auch im Theravada-Buddhismus, der ältesten und einzigen noch existierenden Schule des Hinayana, bekannt. Der Theravada lehrt jedoch neben dem Erreichen des Bodhi mit Hilfe eines Bodhisattva vor allem das Erlangen der „Erleuchtung“, des „Erwachens“, durch eigenes Bemühen. Dieses Ideal des Arhat, des „Heiligen“, der die Überwindung des Kreislaufs der Reinkarnationen (siehe auch Samsara) aus eigenem Bemühen anstrebt, wird vom Mahayana nicht als vollständige Befreiung verstanden. Die einzigen im Theravada bekannten Bodhisattvas sind der historische Buddha, Siddhartha Gautama, bevor er zum Buddha wurde, und der kommende Buddha Maitreya.
Bodhisattvas im japanischen Buddhismus
Schon bald nach seiner Ankunft sah sich der Buddhismus in Japan der Notwendigkeit ausgesetzt, die einheimischen Gottheiten (kami) in seine Lehrtraditionen miteinzubeziehen. So entwickelte sich im Zeitraum vieler Jahrhunderte ein schillernder kami-buddhistischer Synkretismus (Shinbutsu-Shūgō), der die Kami unter anderem als manifeste Spuren von Buddhas und Bodhisattva deutete oder auch beide miteinander identifizierte. Auf diese Weise wurden die Vorstellungen japanischer Götter als auch des gesamten Shintō nachhaltig geprägt.
Rezeption in der Anthroposophie
In die westliche Welt wurde der Begriff in Anlehnung an Helena Petrovna Blavatsky durch Rudolf Steiner gebracht. Er bezeichnete mit Bodhisattva große geistige Führer und Lehrer der Menschheit. Insgesamt gebe es 12 dieser Christus zugewandten, göttlich-geistigen Wesenheiten, von denen jeweils nur einer auf der Welt in Menschengestalt erscheine. Der Begriff blieb nur in anthroposophischen Kreisen bekannt, wo aber die sogenannte Bodhisattva-Frage immer wieder diskutiert wird: wer nämlich der derzeitige Bodhisattva sei.
Literatur
Anālayo: The Genesis of the Bodhisattva Ideal. (= Hamburg Buddhist Studies 1.) Universität Hamburg, Zentrum für Buddhismuskunde, Hamburg University Press, Hamburg 2010, ISBN 978-3-937816-62-3, (PDF; 6,15 MB).
Śāntideva, Kate Crosby (Übersetzer), Andrew Skilton (Übersetzer): The Bodhicaryāvatāra: A Guide to the Buddhist Path to Awakening. Windhorse, Birmingham 2002, ISBN 1-899579-49-4.
Paul Williams: Mahāyāna Buddhism: The Doctrinal Foundations. Routledge, London 2008, ISBN 978-1-134-25056-1.
Gampopa: The Jewel Ornament of Liberation. Snow Lion Publications, ISBN 1-55939-092-1.
Geshe Kelsang Gyatso: The Bodhisattva Vow: A Practical Guide to Helping Others. 2. Auflage. Tharpa Publications, 1995, ISBN 0-948006-50-1.
Leslie S. Kawamura (Hrsg.): The Bodhisattva Doctrine in Buddhism. Wilfrid Laurier University Press, Wilfrid Laurier University, Waterloo, Ontario. Canada 1981.
K. Lampert: Traditions of Compassion: From Religious Duty to Social Activism. Palgrave-Macmillan, ISBN 1-4039-8527-8.
Ulrich Pagel: The Bodhisattvapiṭaka: Its Doctrines, Practices and Their Position in Mahāyāna Literature. Zentrum für Buddhismuskunde, Hamburg 1992.
Shantideva: Guide to the Bodhisattva's Way of Life: How to Enjoy a Life of Great Meaning and Altruism, a translation of Shantideva's Bodhisattvacharyavatara mit Neil Elliott, Tharpa Publications 2002, ISBN 0-948006-88-9.
Bhikkhu Nyanatusita himi (Hrsg.): The Bodhisattva Ideal: Essays on the Emergence of Mahayana. Buddhist Publication Society, 2013, ISBN 978-955-24-0396-5. (bps.lk)
Kenneth R White: The Role of Bodhicitta in Buddhist Enlightenment: Including a Translation into English of Bodhicitta-sastra, Benkemmitsu-nikyoron, and Sammaya-kaijo. Edwin Mellen Press, New York 2005, ISBN 0-7734-5985-5.
Paul Williams: Mahayana Buddhism: The Doctrinal Foundations. Routledge 2008, ISBN 978-0-415-35653-4.
Im Buddhismus bezeichnet Bojjhanga (Pali) „sieben Glieder des Erwachens“. Diese sollen bei konsequenter Anwendung nach buddhistischer Lehre eine Befreiung des Geistes bewirken. Das erfordert das Üben der vier Grundlagen der Achtsamkeit (gemäß Satipatthāna Sutta (MN 10)) und Ānāpānasati Sutta (MN 118). Ferner gehören dazu Grundlagen der Vipassana-Meditation. Sie bilden eine Unterabteilung der 37 erforderlichen Dinge zum Erwachen (Bodhipakkhiyadhamma).
Achtsamkeit (p. sati-sambojjhanga),
Wahrheitsergründung, Ergründung der Gesetzmäßigkeit (p. dhammavicaya-sambojjhanga),
Die Erwachungsglieder, in Abgeschiedenheit entfaltet, führen zum Nirwana. Das Erinnern und Erwägen der Lehre sowie die gründliche Prüfung der Aussagen führt zu tiefem Verstehen und geben Energie. Die verzückende Freude darüber stillt Körper und Geist. Wohl gestillt einigt sich das Herz. Geeinten Herzens tritt wahrer Gleichmut in Erscheinung.
Achtsamkeit (Sati)
Im Buddhismus hat die Achtsamkeit einen zentralen Status, sie wird als eine grundlegende Haltung angesehen. Achtsam zu sein bedeutet, ganz in der Gegenwart, im Hier und Jetzt zu sein und sich seiner Gefühle, Gedanken und Handlungen in jedem Augenblick voll bewusst zu sein. Achtsamkeit heißt, auf sich selbst bezogen zu sein, sein Selbst zu beobachten und ihm zu folgen, und auch dem Geschehen, dem Gegenüber, die ganze Aufmerksamkeit darzubringen.
Was da Besinnung ist, Nachsinnen, ins Gedächtnis zurückrufen, Erinnerung, im Gedächtnis bewahren, Gründlichkeit, Nichtvergesslichkeit, Besinnung, Fähigkeit der Besinnung, Kraft der Besinnung, rechte Besinnung: das nennt man Besinnung. Der mit dieser Besinnung ausgerüstete Mensch aber gilt als der Besinnung gewärtig.
Gesetzesergründung (Dhamma-vicaya)
Unter Dhamma-vicaya wird das klare Erfassen der buddhistischen Lehre verstanden sowie die Einsicht in die Gesetzesordnung des Universums.
Solcherart achtsam verweilend aber ergründet er und erforscht und erwägt mit Einsicht das Gesetz (oder die Daseinserscheinungen).
Willenskraft (Viriya)
Unter Viriya wird die Willenskraft, Ausdauer und Anstrengung verstanden. Dies bezieht sich auf das Aufrechterhalten der Anstrengungen in der Meditation.
Da erzeugt, ihr Mönche, der Mönch in sich den Willen, nicht aufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen zu lassen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum.
Freude (Piti)
Piti bedeutet eine energiereiche, verzückende Freude, die durch Gewinnung des inneren Friedens erlangt wird. Die Voraussetzung ist jedoch, das wertende Denken zu überwinden.
Nach Stillung von Gedankenfassung und wertendem Denken aber gewinnt der Mönch den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassung und wertendem Denken freie, in der Vertiefung geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung.
Gestilltheit (Passaddhi)
Unter Passadhi versteht man Gestilltheit und Ruhe. Hierbei handelt es sich um die körperliche und geistige Spannkraft, die durch Meditation erreicht wird. Dem „Entzückten“ beruhigt sich der Körper, ein Zustand der Ruhe wird erreicht.
In dem geistig Verzückten aber stillen sich Geist und Bewusstsein.
Das häufige und gründliche Nachdenken darüber, dies ist der Nährstoff, der zum Entstehen ...der Gestilltheit führt.. Es gibt die Vorstellung der Gemütsruhe, eine unverwirrte Vorstellung. Das häufige und gründliche Nachdenken hierüber, dies ist der Nährstoff . . . der Sammlung.
Sammlung (Samadhi)
Samadhi beinhaltet die Regeln der Vertiefung bzw. des Sichversenkens. Es ist die Sammlung und Konzentration, das Gerichtetsein des Geistes auf einen einzigen Meditationsgegenstand. In der Konzentration auf den Atem wird der Geist frei von Gedanken, Sammlung heißt also vor allem auch Leere, frei (an Gedanken) sein, nicht dem Wechselbad wertenden Denkens ausgeliefert zu sein.
Samadhi ist das Gerichtetsein des Geistes auf ein einziges Objekt. Die Einspitzigkeit des Geistes ... gilt als die Sammlung
Gleichmut (Upekkhā)
Upekkhā heißt, dass man gleichmütig ist und unberührt bleibt, d. h. frei von wertendem Unterscheiden ist. Es ist ein vollkommenes Ruhen in sich sein, auch selbst in einer Menschenmenge. Gleichmut erkennt die Gleichheit der Lebewesen, er äußert sich, indem weder Zu- noch Abneigung auftreten. Der Geist ist vollkommen allein und ruht in sich.
Gegen den also gesammelten Geist aber verhält er sich gleichmütig.
Brahmavihāra ist ein buddhistischer Begriff und bedeutet „Die vier himmlischen Verweilzustände“ oder „Die vier Unermesslichen“ (pali: appamaññā, skt.: apramana). Die Brahmavihāras sind Grundlage für Meditationsübungen (brahmavihāra-bhāvanā) im Theravada[1] wie auch im Mahayana. Sie sind Bestandteil der buddhistischen Ethik und bezeichnen vier zu kultivierende Geisteshaltungen anderen Wesen gegenüber. Weitere Übersetzungen des Begriffs sind: „Die vier unermesslichen Geisteshaltungen“, „Die vier grenzenlosen Geisteszustände“, „Die vier Wohnstätten Brahmas“ (Vihara bedeutet so viel wie „Wohnstätte“, „Ort des Verweilens“; Brahma ist eine indische Gottheit).
Allgemein
„Die vier unermeßlichen Herzensbefreiungen“[2] lauten:
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deutsch
pali
sanskrit
1.
Freund/Freundschaft, Liebende Güte (liebevoll)
mettā
maitrī
2.
Mitgefühl (erbarmend)
karuṇā
karuṇā
3.
Mitfreude (freudvoll)
muditā
muditā
4.
Gleichmut, Gelassenheit (unbewegt)
upekkhā
upekṣā
Metta/maitri
→ Hauptartikel: Metta
Metta ist eine Haltung des Wohlwollens, eine freundschaftliche bedingungslose Zuneigung, die nicht in Begierde (Anhaftung) wurzelt und nicht nur wenigen ausgewählten Wesen gilt, sondern vom Interesse am Glück aller motiviert ist. Eine wohlwollende Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Person ist die Voraussetzung für diese Form der un-bedingten Liebesfähigkeit. Falls diese nicht vorhanden sein sollte, kann sie erlernt werden. Viele buddhistische Autoren vermeiden es, metta mit 'Liebe' zu übersetzen und bevorzugen stattdessen Begriffe wie „Liebende Güte“, „Freundlichkeit“ oder "Wohlwollen". Der Begriff 'Liebe' ist zu stark verbunden mit besitzergreifenden und gierverhafteten Formen der leidenschaftlichen Zuneigung und führt leicht zu Missverständnissen.
Karuna
→ Hauptartikel: Karuna
Karuna ist Mitgefühl, die Fähigkeit zu tiefer Anteilnahme und Einfühlung in andere Wesen. Früher wurde karuna oft mit „Mitleid“ übersetzt und auch im Englischen wird heute hier noch der Begriff 'compassion' verwendet. Der Begriff 'Mitleid' ist jedoch insofern missverständlich, als karuna zum einen kein aktives Mit-Leiden erfordert und 'Mitleid' zudem immer auch ein Element der Herablassung der Distanzierung vom bemitleideten Objekt beinhaltet. Empathie ist ebenfalls von Mitgefühl abzugrenzen, da es ein Hineinfühlen in andere Wesen bedeutet. Diese Form des Einfühlens kann zu der sogenannten "Mitgefühlsmüdigkeit" führen, die in Wirklichkeit eine "Empathie-Müdigkeit" ist. Bei Empathie fühlen wir, was eine andere Person fühlt. Bei Mitgefühl fühlen wir MIT ihr. Die Trennung von Subjekt und Objekt, die auch im MitLEID zu finden ist widerspricht dem nicht-dualistischen Geist der buddhistischen anatta-Lehre und der Geisteshaltung von upeksha/upekkha - Gleichmut. Gleichmut ermöglicht uns, mitzufühlen ohne uns distanzieren zu müssen oder selbst in Leid zu versinken.
Mudita
→ Hauptartikel: Mudita
Während bei karuna vor allem die Wahrnehmungsfähigkeit für das Leiden anderer Wesen gefragt ist, geht es bei mudita um die Anteilnahme an der Freude anderer Wesen. mudita ist Mit-Freude, die Gabe, freudvolle (=leidfreie) Momente mit anderen teilen zu können. Sie ist frei von Missgunst und Neid.
Upekkha/upeksha
→ Hauptartikel: Upekkha
Dieser Begriff hat vielfältige Bedeutungsebenen: Gleichmut, Gelassenheit, Loslassen, Nicht-Anhaften, Nicht-Unterscheiden.
In der Bedeutung von Gleichmut bezieht er sich auf eine Form von Gelassenheit in Beziehungen, die als Korrektiv zu den besitzergreifenden und anhaftenden Tendenzen der Zuneigung wirkt. Dieser Gleichmut ist nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit (Indifferenz).
Auf einer weiteren Bedeutungsebene bezieht sich upeksha auf die Einsicht in die grundsätzliche Gleichwertigkeit der Liebesobjekte und die grundsätzliche Gleichheit zwischen Subjekt und Objekt im Rahmen von metta.
Zitat
„Vier Unermesslichkeiten: Da strahlt, ihr Brüder, ein Mönch liebevollen Gemütes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüte, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemütes, freudevollen Gemütes, unbewegten Gemütes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüte, mit freudevollem Gemüte, mit unbewegtem Gemüte, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.“
↑Digha-Nikaya: Von Der Übereinkunft - Sangīti Sutta - DN33 stark verkürzte Lehrede aus der Sammlung der Längeren Reden aus dem Pali-Kanon, übers. Karl Eugen Neumann. Die Bearbeitung dieser Online-Ausgabe besteht im Zusammengeführtsein der in mündlichen Überlieferungen häufig zu findenden Wiederholungen.
Darstellung des sitzenden Buddha Amitabha (Borobudur), die Hände in der Dhyāna-mudrā, der Geste der Konzentration auf das Dharma und das Erreichen des Bodhi
Bodhi (Sanskrit बोधि IAST bodhi und Pali bodhi; wörtlich: „Erwachen“, häufig auch mit „Erleuchtung“ übersetzt) bezeichnet im Buddhismus einen Erkenntnisvorgang, der auf dem vom Buddha gelehrten Erlösungsweg von zentraler Bedeutung ist. Das Wort stammt von einer Sanskrit-Wurzel, von der auch buddha (wörtlich „der Erwachte“) abgeleitet ist.
Allgemein
Ein Buddha ist nach der buddhistischen Lehre ein Wesen, welches aus eigener Kraft – also nicht dank fremder Belehrung und Anleitung – die Reinheit und Vollkommenheit seines Geistes erreicht und somit eine grenzenlose Entfaltung aller „seiner“ Potenziale erlangt hat: vollkommene Weisheit (Prajñā), unendliches Mitgefühl (Karuna) mit allem Lebendigen und dadurch (worauf besonders die chinesische und japanische Ikonografie deutlich hinweist) vollständige Heiterkeit.
Voraussetzungen sind das vollständige Begreifen der Vier Edlen Wahrheiten, die Überwindung aller an das Dasein bindenden Bedürfnisse und Täuschungen und somit das Vergehen aller karmischen Kräfte. Durch Bodhi wird der Kreislauf des Leidens, Samsara, durchbrochen und Nirwana erlangt.
Um dies zu erlangen, gab der Buddha der Legende zufolge zu Lebzeiten 84.000 Belehrungen, die alle darauf gerichtet waren, das Leiden im Samsara zu beenden und Bodhi zu erlangen. Die Praxissysteme aller buddhistischen Schulen greifen auf die Belehrungen Buddhas zurück, die den Kern der Lehre – des Dharma – bilden, betonen teilweise aber unterschiedliche Aspekte.
Innerhalb des Zen-Buddhismus bestehen zwei unterschiedliche Lehrmeinungen: diejenige von Bodhi als spontan und plötzlich eintretendem Erlebnis (z. B. Hui Neng, der 6. Patriarch) und die von der allmählichen meditativen Selbstvollendung (z. B. Shenxiu).[1] Aber auch mit dem spontanen Erlebnis ist nicht ein einmaliger Vorgang gemeint, durch den endgültiges Wissen in absoluter Vollständigkeit erlangt wird, sondern alle Meister haben ihre erlangte Einsicht jahrzehntelang, oft auch bei anderen Meistern, vertieft. Die Vorstellung, eine blitzartige „Erleuchtung“ erreichen zu können oder gar zu wollen, ist nach diesen Lehren der gelassenen, geduldigen meditativen Übung abträglich und bewirkt eher das Gegenteil.
Dagegen wird beispielsweise im Theravada Bodhi immer als ein blitzartiger Durchbruch zum Erfassen der Wahrheit/Wirklichkeit gesehen, auch wenn der Weg dorthin über einen mühevollen Übungsweg führen mag.
Mit der Kurzbezeichnung „Bodhi“ wird auch der im Buddhismus als Symbol des Buddha verehrte Bodhi-Baum genannt.
Arten der Erlangung von Bodhi
Pratyeka-Buddha
Der Pratyeka-Buddha erreicht Bodhi nur durch eigene Bemühungen, ohne die Hilfe von Lehrern. Gemäß dem Tripitaka erscheinen solche Buddhas nur in Zeiten, in denen das Dharma, die Lehre, verloren gegangen ist. In einer solchen Zeit können auch mehrere Pratyeka-Buddhas zugleich erscheinen. Ihre Fähigkeit, anderen zu helfen, Bodhi zu erreichen, gilt als geringer als jene der Arhats und Bodhisattvas.
Sravaka-Buddha
Der Shravaka-Buddha erreicht Bodhi mit Hilfe von Lehrern. Ein so Erwachter wird im Theravada als Arhat bezeichnet. Arhats gelten als gute Lehrer, die, nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Erfahrungen, anderen Menschen helfen können, selbst Bodhi zu erreichen. In der Darstellung des Mahayana hat ein Arhat zwar die Ich-Vorstellung überwunden, ist aber in der Sichtweise noch an die Dualität von Subjekt-Objekt gebunden – was allerdings einen Widerspruch bedeutet, da es ohne Ich-Vorstellung ja keine Subjekt-Objekt-Bindung geben kann.
Daher ist nach dem Mahayana noch das Durchlaufen von 10 Bodhisattva-Stufen notwendig, um letztendlich Bodhi zu erlangen. Hingegen hat ein Arhat in der ursprünglichen Lehre alles Anhaften und Nichtwissen überwunden und ist somit an nichts mehr gebunden.
Vollkommen erwachter Buddha
Der vollkommen Erwachte (Samyak-Sambuddha) gilt als die perfekte, mitfühlendste und allwissende Form eines Buddha, der den Dharma durch eigenes Bemühen vollkommen erfasst hat und in der Lage ist, es anderen so zu vermitteln, dass auch sie aus dem Kreislauf des Samsara befreit werden. Der historische Buddha Shakyamuni (aus dem Geschlecht der Shakya) war ein solcher vollkommen erwachter Buddha. Nach der buddhistischen Überlieferung erscheint ein vollkommen erwachter Buddha zu Beginn eines Neuen Zeitalters. Nach der Überlieferung hat der Buddha tausend solche Buddhas für dieses Äon prophezeit; er, der Buddha Shakyamuni, sei der vierte von ihnen. Der nächste Buddha soll danach Maitreya heißen.
Feiertage
Der Erleuchtungstag oder Bodhi-Tag ist ein Gedenktag im Mahayana-Buddhismus, der an die Erleuchtung von Shakyamuni Buddha unter dem Bodhi-Baum im Jahr 525 v. Chr. erinnert. Der Bodhi-Tag wird in vielen gängigen Mahayana-Traditionen gefeiert, zum Beispiel in den traditionellen Zen- und Amitabha-Schulen in China, Korea, Japan, Vietnam und auf den Philippinen.[2] Der Bodhi-Tag wird im Buddhismus nicht so häufig gefeiert wie der Vesakh-Tag, an dem die Geburt, die Erleuchtung (Nirvāna) und das Verscheiden (Parinirvāna) von Gautama Buddha gefeiert werden.[3]
Siehe auch
Bodhipakkhiyadhamma
Bodhichitta
Vajrayana
Zen-Glossar
Literatur
Peter N. Gregory: Sudden and Gradual (Approaches to Enlightenment in Chinese Thought). Motilal Banarsidass 1991, ISBN 8120808193
Taizan Maezumi, Bernard T. Glassman: Erleuchtung – was ist das? Einzig berechtigte Übersetzung aus dem Amerikanischen von Matthias Dehne. 1. Auflage der völlig überarbeiteten Neuausgabe. O. W. Barth, Bern / München / Wien 2002, ISBN 3-502-61093-2 (mit einem Vorwort von Chögyam Trungpa).
Ama Samy: Zen und Erleuchtung. Zehn Meditationen eines Zen-Meisters. Theseus, Berlin 2005, ISBN 3896202561.
Dale Wright: What is Buddhist Enlightenment?, Oxford University Press 2016, ISBN 978-0-19-062259-6.
Einzelnachweise
↑Bi-Yän-Lu. Aufzeichnungen des Meisters vom Blauen Fels. Koan-Sammlung, aus dem Chinesischen übersetzt, kommentiert und hrsg. v. Ernst Schwarz. Kösel, München 1999 (ISBN 3-466-20443-7), S. 24f, 254, 311.