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Halacha

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026
Babylonischer Talmud

Die Halacha (Betonung auf der Schlusssilbe; hebräisch הֲלָכָה; abgeleitet vom Verb הלך halach: „gehen“, „wandeln“) ist der rechtliche Teil der Überlieferung des Judentums, im Unterschied zur Aggada. Die Halacha umfasst die 613 Mizwot (Gebote und Verbote), deren spätere Auslegung im Talmud sowie die Bräuche und Traditionen, die im Schulchan Aruch zusammengefasst wurden, enthält darüber hinaus aber auch allgemeine Rechtsgrundsätze. Von den 613 Mizwot sind 365 hebräisch שס״ה Schessah, deutsch ‚Verbote‘, und 248 hebräisch רמ״ח Remach, deutsch ‚Gebote‘.

Geschichte

Die Texte der Halacha sind in Werken wie der Mischna (2. Jahrhundert), dem Babylonischen und Jerusalemer Talmud (5. und 6. Jahrhundert) oder in den späteren Kommentarwerken, so etwa in der Mischne Tora des Rechtsgelehrten und Philosophen Maimonides (12. Jahrhundert) gesammelt worden. Ein wesentlicher Teil des Entwicklungsprozesses der Halacha vollzog sich in Form gelehrter Korrespondenzen, insbesondere durch die Übermittlung von Responsen, (hebräisch שְׁאֵלוֹת וּתְשׁוּבוֹת sche’elot u-teshuvot, deutsch ‚Fragen und Antworten‘).[1] Die rabbinischen Gelehrten bildeten eine kleine Gruppe spezialisierter Textgelehrter innerhalb der jüdischen Gemeinden und übernahmen die Auslegung der sich entwickelnden Halacha in einer Gesellschaft mit unterschiedlich ausgeprägten Formen religiöser Alphabetisierung. Das Funktionieren des „rabbinischen Briefnetzwerks“ hing entscheidend von der weiträumigen Verteilung jüdischer Gemeinden in der Diaspora und ihren etablierten Kommunikationsstrukturen ab.[2][3] Zur Verbreitung rabbinischer Responsen nutzten die Gelehrten ein Netzwerk aus Boten, Handelswegen, Synagogenknotenpunkten und mündlicher Vermittlung, wodurch die rabbinische Autorität trotz der geographischen Streuung der Diaspora aufrechterhalten werden konnte.[4] Der Aufstieg der Rabbiner wird in der Forschung, etwa bei Hezser[5] und Schäfer[6], als primär administrative und ordnungsleitende Institution innerhalb der jüdischen Gemeinden gesehen, deren Legitimität sich auf die Tora stützte, während spirituelle Funktionen sich erst sekundär stärker entwickelten.[7][8]

Auslegung

Hintergrund

Die Unterscheidung und die daraus resultierenden Folgen zwischen

  • der mündlichen (hebräisch תּוֹרָה שֶׁבַּעְל פֶּה Tora Shebe'al Peh) und
  • der schriftlichen Tora (hebräisch תּוֹרָה שֶׁבִּכְתָב Tora Schebichtaw)

ist die zentrale Thematik im rabbinischen Judentum. Neben dieser Vorstellung zweier gleich ursprünglicher Torot gibt es die andere Hypothese, wonach die Halacha durch Methoden der Bibelauslegung aus der schriftlichen Tora abgeleitet wurde.[9]

Aus heutiger Sicht lassen sich drei verschiedene Arten von Halacha unterscheiden:[10]

  • Gebote, die aus der jüdischen Bibel (Tanach) abgeleitet sind;
  • Gebote, die unabhängig von der Bibel bestehen;
  • Gebote, die unabhängig von der Bibel sind, aber nachträglich eine biblische Begründung erhielten.

Halacha und mündliche Tora

Historisch ist die Halacha ein Teil des Talmuds. Sie gehört zur so genannten mündlichen Überlieferung, die sowohl in Jerusalem als auch in Babylon seit der Zeit nach der Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels und dem babylonischen Exil festgehalten wurde.

„Die Halakhah besteht aus verschiedenen Komponenten. Manche sind sinajitischen, manche sind rabbinischen Ursprungs. Die Verbindlichkeit einer halachischen Anweisung hängt von verschiedenen Kriterien ab. Von maßgeblicher Bedeutung ist der Nachweis einer langen Tradition und die Berufung auf eine anerkannte Autorität. Unter gewissen Umständen kann ein Brauch (Minhag), wenn er einer bestimmten Halacha widerspricht, diese ersetzen.“[11]

In diesen rechtlichen[12] Auslegungen der schriftlichen Tora spiegeln sich die unterschiedlichen Meinungen der Rabbiner (oder Rabbanim), Weisen und Gelehrten wider. Sie zielen auf Verhaltensregeln, die das gesamte Leben der Gläubigen betreffen.

Unterscheidung in „de-oraita“ und „de-rabbanan“

Grundlegend in der jüdischen Rechtsphilosophie ist die Unterscheidung von Gesetzen, Vorschriften und Verordnungen (Halachot und Taqqanot) in solche, deren Ursprung auf die Tora zurückgeführt wird, und solche, die der späteren Diskussion[13] der Gegenstände durch Rabbanim und Rechtsgelehrte entspringen.[14]

So bedeutet:

  • de-oraita (reichsaramäisch דְאוֹרָיְתָא, hebräisch מִן הַתּוֹרָה) aus der Tora und
  • de-rabbanan (reichsaramäisch דְרַבָּנָן, hebräisch מִדְרַבּוֹתֵינוּ) von den Rabbanim (hebräisch רַבָּנִים), siehe dazu De-oraita und de-rabbanan.

Die Unterscheidung ist dabei häufig nicht einfach, da zu de-oraita nicht nur die; in der Tora schriftlich fixierten Vorschriften gezählt werden, sondern auch diejenigen, die mit Hilfe der Auslegung (Midrasch, hebräisch מִדְרָשׁ) aus dem Text gewonnen werden können, sowie die der mündlichen Überlieferung zugerechneten Gesetze[14] (hebräisch תּוֹרָה שֶׁבְּעַל־פֶּה – thora sche-ba'al peh).

„(…) Die klassische Unterscheidung zwischen Naturrecht und göttlich geoffenbartem Recht gibt es für die Rabbinen [ Rabbanim ] nicht: das gesamte religiöse Recht geht ohne Unterschied direkt auf Gott zurück. Dennoch unterscheiden auch sie zwischen dem allen Menschen offenbarten Recht[15] und dem, das nur Israel offenbart worden ist.(…).“

– Günter Stemberger: Das klassische Judentum. Kultur und Geschichte der rabbinischen Zeit. (2009)[16]

Siehe auch

  • Gemara
  • Brantspigl

Literatur

  • Yitzhak Goldfine: Einführung in das jüdische Recht. Eine historische und analytische Untersuchung des jüdischen Rechts und seiner Institutionen. Beiheft 2 zur Zeitschrift Verfassung und Recht in Übersee (ISSN 0342-1228), Hrsg.: Hamburger Gesellschaft für Völkerrecht und Auswärtige Politik, Hamburg 1973, DNB 730522741.
  • Zvi Zohar: Halacha. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 2: Co–Ha. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02502-9, S. 507–518.
  • Louis Jacobs: A Tree of Life. Diversity, Flexibility, and Creativity in Jewish Law. (The Littman Library of Jewish Civilization.), 2nd. edition, Oxford / Portland, Oregon 2007, auf booksof.louisjacobs.org [4]

Weblinks

Commons: Halacha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Halacha – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Lawrence H. Schiffman, Alyssa Gray, Benjamin Brown: Halakha. In: Encyclopedia of the Bible and Its Reception. De Gruyter, 2010.
  • Talmud
  • Die Halacha
  • Solomon B. Freehof Institute of Progressive Jewish Law
  • Isaac Kalimi: Der Platz der Bibel im Judentum und die klassisch-jüdische Schriftauslegung, eine paradoxe Konstellation. Oldenburg 1999, ISBN 3-8142-1114-6. (Oldenburger Universitätsreden 114)
  • Joseph Jacobs: Midrash Halakah. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Funk and Wagnalls, New York 1901–1906.

Einzelnachweise

  1. ↑ Martin Goodman: Die Geschichte des Judentums. Glaube, Kult, Gesellschaft. Übersetzung Susanne Held. Klett-Cotta, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-96469-1 S. 419
  2. ↑ Catherine Hezser: Rabbinic Scholarship in the Context of Late Antique Scholasticism: The Development of the Talmud Yerushalmi. Bloomsbury Academic / Bloomsbury Publishing PLC, New York 2026, ISBN 978-1-350-42102-8.
  3. ↑ Ross Shepard Kraemer: The Mediterranean Diaspora in Late Antiquity: What Christianity Cost the Jews. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-022227-7.
  4. ↑ Anna Collar: 10 Re-thinking Jewish Ethnicity through Social Network Analysis. In: Carl Knappett (Hrsg.): Network Analysis in Archaeology: New Approaches to Regional Interaction. Oxford University Press, Oxford 2013, S. 222–245, https://doi.org/10.1093/acprof:oso/9780199697090.003.0010
  5. ↑ Catherine Hezser: Oral and Written Communication and Transmission of Knowledge in Ancient Judaism and Christianity. Oral Tradition, 25/1 (2010): 75–92, auf journal.oraltradition.org [1]
  6. ↑ Peter Schäfer: Die Geburt des Judentums aus dem Geist des Christentums. Fünf Vorlesungen zur Entstehung des rabbinischen Judentums. (= Band 6, Tria Corda), Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150256-9.
  7. ↑ Ayre Edrei, Doron Mendels: A Split Jewish Diaspora: Its Dramatic Consequences. Journal for the Study of the Pseudepigrapha, 16(2), (2007) 91-137, https://doi.org/10.1177/0951820706074303, [2]
  8. ↑ Aron C. Sterk: Latino‑Romaniotes: The Continuity of Jewish Communities in the Western Diaspora, 400–700 CE. In: Melilah: Manchester Journal of Jewish Studies (1759–1953), Vol. 9 Issue 1, (2013), S. 21–49, auf static1.1.sqspcdn.com [3]
  9. ↑ Matthias B. Lehmann: Jüdische Geschichte Von der Antike bis zur Gegenwart. H. C. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-83482-0, S. 25 f
  10. ↑ Günter Stemberger: Einleitung in Talmud und Midrasch, C.H.Beck, 9., völlig neu bearbeitete Auflage, München 2011, S. 145.
  11. ↑ Julius H. Schoeps (Hrsg.): Der Weg: haHalakhah. In: Neues Lexikon des Judentums.
  12. ↑ Die Besonderheit jüdischen Rechts (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.juedisches-recht.de „Das jüdische Recht der Halacha unterscheidet sich von dem uns bekannten Recht in wesentlichen Punkten. Am bedeutendsten sind wohl zwei Aspekte: Erstens sieht sich das jüdische Recht als Resultat göttlicher, nicht menschlicher, Schöpfung, so dass seine Befolgung eine religiöse und nicht nur eine staatsbürgerliche Pflicht ist. Zweitens stellt das jüdische Recht ein Rechtssystem dar, das die meiste Zeit ohne Einbettung in einen autonomen Staat und somit ohne den Rückhalt einer Staatsmacht existierte und sich entwickelt hat.“ Abgerufen am 4. November 2008.
  13. ↑ siehe hierzu auch Machloket
  14. ↑ a b Walter Homolka: Das jüdische Eherecht. de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-89949-452-5, S. 8. /books.google.de
  15. ↑ siehe auch Noachidische Gebote
  16. ↑ Günter Stemberger: Das klassische Judentum. Kultur und Geschichte der rabbinischen Zeit. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58403-9, S. 151. Eckige Klammern und Links vom Zitierenden
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4137294-3 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Halacha aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

HaSchem

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026

HaSchem (hebräisch הַשֵּׁם ‚der Name‘) ist eine im Judentum gängige Bezeichnung für Gott.

Hintergrund

Um dem dritten Gebot „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen“ (Ex 20,7 EU) keinesfalls zuwiderzuhandeln, hat es sich im Judentum eingebürgert, den Namen Gottes, יהוה „JHWH“, sowie das im jüdischen Gottesdienst dafür verwendete Adonai nicht auszusprechen. Stattdessen werden Ersatzwörter benutzt, die entweder eine der Eigenschaften Gottes beschreiben („Der Ewige“, „Der Allmächtige“, „Der Barmherzige“, „Der Heilige, gelobt sei er“) oder, z. B. bei Zitaten, einfach angeben, dass an dieser Stelle des Satzes „der Name“ (d. h., der Name Gottes) steht: „HaSchem“.

Wie der eigentliche Name Gottes – in der hebräischen Bibel, dem Tanach, mit den Buchstaben JHWH wiedergegeben – ausgesprochen wird, ist nicht mehr bekannt. Schon zur Zeit des Jerusalemer Tempels galt die Bestimmung, dass er nur einmal im Jahr (am Jom Kippur) vom Hohenpriester im Zusammenhang mit der Zeremonie im Allerheiligsten ausgesprochen werden durfte. Nach der Zerstörung des herodianischen Tempels im Jahr 70 ging das Wissen um die Aussprache des Namens verloren.

Der Name „JHWH“ bzw. יהוה darf bzw. kann nach der jüdischen Überlieferung gar nicht ausgesprochen werden, weil unter jedem Konsonanten (die Vokale werden nicht geschrieben) jeder Vokal steht. Die Bezeichnung Jehova[h], die sich in manchen Kreisen eingebürgert hat, entstand aus der Vokalisation von leʿOlam (לְעֹלָ֔ם „der Ewige“) oder von Adonaj (אֲדוֹנָי „mein Herr“), wie er sich in 2. Mose 3,14.15 EU offenbart.

Siehe auch

  • Ha-Schem Ha-Mephorasch



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Grigori Andrejewitsch Gerschuni

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026
Grigori Gerschuni

Grigori Andrejewitsch Gerschuni (russisch Григорий Андреевич Гершуни; * 17. Septemberjul. / 29. September 1870greg. in Kowno, heute Litauen; † 16. Märzjul. / 29. März 1908greg. in Zürich) war ein russischer Politiker und Terrorist. Er war Mitbegründer der Sozialrevolutionären Partei und stand von 1902 bis zu seiner Verhaftung im Mai 1903[1] deren Kampforganisation vor, die für zahlreiche Attentate gegen Repräsentanten des Zarenregimes verantwortlich war.

Leben

Der als Sohn jüdischer Bauern geborene Gerschuni studierte Pharmazie an der Universität in Kiew. Nach Abschluss seines Studiums ließ er sich in Minsk nieder und eröffnete dort ein bakteriologisches Labor.

Als überzeugter Sozialist war Gerschuni eines der Gründungsmitglieder der Arbeiterpartei für die politische Befreiung Russlands, was 1900 zu seiner ersten Verhaftung durch die zaristische Geheimpolizei, Ochrana, führte.

Bald wieder aus der Haft entlassen, gründete er 1901 zusammen mit anderen überzeugten Sozialisten, unter ihnen Jekaterina Breschkowskaja, Viktor Tschernow, Alexander Kerenski und Jewno Asef die Sozialrevolutionäre Partei.

Im Jahr darauf schuf Gerschuni die Kampforganisation der Sozialrevolutionären Partei, die in den Folgejahren für eine Vielzahl von Attentaten auf Offizielle des Zarenregimes verantwortlich war. Das erste Attentat richtete sich gegen den russischen Innenminister Dmitri Sipjagin, der 1902 von dem Sozialrevolutionär Stepan Balmaschow ermordet wurde.

Im Jahr 1903 ermordeten die Terroristen aus Gerschunis Organisation den zaristischen Gouverneur von Ufa N. M. Bogdanowitsch. Bereits im Mai 1903 wurde Gerschuni in Kiew verhaftet, da es der Ochrana gelungen war, den Stellvertreter Gerschunis, Jewno Asef, als verdeckten Polizeispitzel anzuheuern. Asef stellte der Ochrana das Beweismaterial zur Verfügung, das notwendig war, um Gerschuni der Beteiligung an Terrorattentaten zu überführen. In der Folge der Verhaftung Gerschunis übernahm Asef die Führung der Kampforganisation; sein Stellvertreter wurde Boris Sawinkow.

Gerschuni wurde wegen seiner Taten zum Tode verurteilt, doch wurde die Strafe in lebenslange Haft und Zwangsarbeit umgewandelt, weil Gershuni jegliche Beteiligung an den Attentaten abstritt und beim Zaren ein Gnadengesuch einreichte[2]. Bereits 1905 gelang ihm jedoch der Ausbruch aus einem Straflager in Ostsibirien, und er erreichte in einem Sauerkrautfass versteckt China.

Von China aus begab sich Gerschuni zunächst nach Amerika und reiste dann nach Europa, wo er im Februar 1907 eintraf. Dort propagierte er weiter die Beseitigung des Zarenregimes durch Terror. Bis zu seinem Tode verteidigte Gerschuni seinen Nachfolger Asef gegen Gerüchte, die Asef des Verrats bezichtigten. 1908 verstarb Gerschuni in Zürich vermutlich aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung.

Einzelnachweise

  1. ↑ Anna Geifman, Thou Shalt Kill, Revolutionary Terrorism in Russia, 1894 -1917, Princeton University Press, Seite 52, Princeton 1993
  2. ↑ Anna Geifman, Thou Shalt Kill, Revolutionary Terrorism in Russia, 1894 -1917, Princeton University Press, Seite 52, Princeton 1993

Literatur

  • Grigori Gerschuni: Aus jüngster Vergangenheit. Hans Bondy Verlag, Berlin 1909.

Weblinks

Commons: Grigory Gershuni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Normdaten (Person): GND: 119267535 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n87819240 | VIAF: 27877726 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Gerschuni, Grigori Andrejewitsch
KURZBESCHREIBUNG russischer Politiker und Terrorist
GEBURTSDATUM 29. September 1870
GEBURTSORT Kaunas
STERBEDATUM 29. März 1908
STERBEORT Zürich



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Grigori Andrejewitsch Gerschuni

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026
Grigori Gerschuni

Grigori Andrejewitsch Gerschuni (russisch Григорий Андреевич Гершуни; * 17. Septemberjul. / 29. September 1870greg. in Kowno, heute Litauen; † 16. Märzjul. / 29. März 1908greg. in Zürich) war ein russischer Politiker und Terrorist. Er war Mitbegründer der Sozialrevolutionären Partei und stand von 1902 bis zu seiner Verhaftung im Mai 1903[1] deren Kampforganisation vor, die für zahlreiche Attentate gegen Repräsentanten des Zarenregimes verantwortlich war.

Leben

Der als Sohn jüdischer Bauern geborene Gerschuni studierte Pharmazie an der Universität in Kiew. Nach Abschluss seines Studiums ließ er sich in Minsk nieder und eröffnete dort ein bakteriologisches Labor.

Als überzeugter Sozialist war Gerschuni eines der Gründungsmitglieder der Arbeiterpartei für die politische Befreiung Russlands, was 1900 zu seiner ersten Verhaftung durch die zaristische Geheimpolizei, Ochrana, führte.

Bald wieder aus der Haft entlassen, gründete er 1901 zusammen mit anderen überzeugten Sozialisten, unter ihnen Jekaterina Breschkowskaja, Viktor Tschernow, Alexander Kerenski und Jewno Asef die Sozialrevolutionäre Partei.

Im Jahr darauf schuf Gerschuni die Kampforganisation der Sozialrevolutionären Partei, die in den Folgejahren für eine Vielzahl von Attentaten auf Offizielle des Zarenregimes verantwortlich war. Das erste Attentat richtete sich gegen den russischen Innenminister Dmitri Sipjagin, der 1902 von dem Sozialrevolutionär Stepan Balmaschow ermordet wurde.

Im Jahr 1903 ermordeten die Terroristen aus Gerschunis Organisation den zaristischen Gouverneur von Ufa N. M. Bogdanowitsch. Bereits im Mai 1903 wurde Gerschuni in Kiew verhaftet, da es der Ochrana gelungen war, den Stellvertreter Gerschunis, Jewno Asef, als verdeckten Polizeispitzel anzuheuern. Asef stellte der Ochrana das Beweismaterial zur Verfügung, das notwendig war, um Gerschuni der Beteiligung an Terrorattentaten zu überführen. In der Folge der Verhaftung Gerschunis übernahm Asef die Führung der Kampforganisation; sein Stellvertreter wurde Boris Sawinkow.

Gerschuni wurde wegen seiner Taten zum Tode verurteilt, doch wurde die Strafe in lebenslange Haft und Zwangsarbeit umgewandelt, weil Gershuni jegliche Beteiligung an den Attentaten abstritt und beim Zaren ein Gnadengesuch einreichte[2]. Bereits 1905 gelang ihm jedoch der Ausbruch aus einem Straflager in Ostsibirien, und er erreichte in einem Sauerkrautfass versteckt China.

Von China aus begab sich Gerschuni zunächst nach Amerika und reiste dann nach Europa, wo er im Februar 1907 eintraf. Dort propagierte er weiter die Beseitigung des Zarenregimes durch Terror. Bis zu seinem Tode verteidigte Gerschuni seinen Nachfolger Asef gegen Gerüchte, die Asef des Verrats bezichtigten. 1908 verstarb Gerschuni in Zürich vermutlich aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung.

Einzelnachweise

  1. ↑ Anna Geifman, Thou Shalt Kill, Revolutionary Terrorism in Russia, 1894 -1917, Princeton University Press, Seite 52, Princeton 1993
  2. ↑ Anna Geifman, Thou Shalt Kill, Revolutionary Terrorism in Russia, 1894 -1917, Princeton University Press, Seite 52, Princeton 1993

Literatur

  • Grigori Gerschuni: Aus jüngster Vergangenheit. Hans Bondy Verlag, Berlin 1909.

Weblinks

Commons: Grigory Gershuni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Normdaten (Person): GND: 119267535 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n87819240 | VIAF: 27877726 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Gerschuni, Grigori Andrejewitsch
KURZBESCHREIBUNG russischer Politiker und Terrorist
GEBURTSDATUM 29. September 1870
GEBURTSORT Kaunas
STERBEDATUM 29. März 1908
STERBEORT Zürich



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Geschichte der Juden in Mauritius

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026

Die Geschichte der Juden auf Mauritius geht auf die ersten Juden zurück, die in den 1940er Jahren aus Haifa im britischen Palästina (heute Israel) nach Mauritius kamen, weil ihnen die britische Regierung die Einreise nach Palästina verweigerte.[1]

Laut der Volkszählung von 2022 lebten etwa 100 Juden auf Mauritius[2]; im Jahr 2023 wurde die Zahl der Juden im Land zwischen 100 und 200 geschätzt.[3]

Es gibt eine Synagoge in Curepipe und einen jüdischen Friedhof in Bambous.[4][5] Das Judentum zählt auf Mauritius zu den Minderheitsreligionen.

Geschichte

Patria und der Zweite Weltkrieg

Im September 1940 holten die Schiffe Atlantic, Milos und Pacific 3600 Juden aus Wien, Danzig und Prag in Tulcea (Königreich Rumänien) ab, um sie nach Palästina zu bringen.[6] Die Juden, die in Palästina ankamen, hatten keine Einreisegenehmigung und wurden von der britischen Regierung, insbesondere von Sir Harold MacMichael, dem Hochkommissar für Palästina und Transjordanien, abgewiesen. Die Briten beschlossen, die Einwanderer entweder nach Trinidad und Tobago oder Mauritius, beides britische Kolonien, abzuschieben.

Am 25. November 1940 detonierte eine von der Hagana, einer zionistischen paramilitärischen Organisation, die wollte, dass die Juden an Bord in Palästina blieben, gelegte Bombe auf der Patria, einem Schiff, das zunächst 1800 Deportierte nach Mauritius transportierte.[6] Es wird behauptet, dass die Hagana nur die Absicht hatte, das Schiff lahmzulegen, aber sie hatte die erforderliche Sprengkraft falsch eingeschätzt, so dass es in der Bucht von Haifa schnell sank. Es gab 260 Todesopfer und 172 Verletzte. Es gab nur genügend Rettungsboote für 805 Personen, da die Kapazität 805 betrug, als die Patria noch ein französisches Schiff war. Als die Briten das Schiff wieder in Besitz nahmen, erhöhten sie die Kapazität auf 1800, hatten aber immer noch die gleiche Anzahl an Rettungsbooten.[6] Die überlebenden Juden wurden in das Internierungslager Atlit gebracht. Die restlichen 1584 Flüchtlinge aus dem Atlantik, die sich nicht auf der Patria befanden, waren zunächst ebenfalls in Atlit inhaftiert, wurden aber am 9. Dezember 1940 nach Mauritius geschickt.[1] Nach ihrer Ankunft wurden sie in ein Gefangenenlager in Beau-Bassin gebracht.

In diesem Lager litten die Internierten unter tropischen Krankheiten und unzureichender Ernährung und Kleidung. Jüdische Organisationen wie das South African Jewish Board of Deputies, die Jewish Agency und die Zionistische Föderation schickten Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und religiöse Gegenstände an die Internierten. Anfänglich wurde ein Verbot des Kontakts zwischen den Geschlechtern verhängt; die Männer wurden in einem ehemaligen Gefängnis und die Frauen in den angrenzenden Eisenhütten untergebracht. Nach Aufhebung des Verbots wurden 60 Kinder im Lager geboren. Insgesamt starben 128 Internierte im Lager und wurden auf dem jüdischen Teil des Friedhofs St. Martin beigesetzt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Internierten vor die Wahl gestellt, in ihre alte Heimat in Europa zurückzukehren oder nach Palästina auszuwandern. Die meisten entschieden sich für Palästina, und am 6. August 1945 landeten 1320 von ihnen in Haifa.[5]

1945–heute

Laut der Volkszählung von 2011 gibt es 43 Juden auf Mauritius. Die derzeitige Gemeinde hat nichts mit den Flüchtlingen der 1940er Jahre zu tun. Die erste Bar Mitzvah auf Mauritius seit dem Zweiten Weltkrieg fand im Jahr 2000 statt.[5]

Es gibt auch eine Synagoge in Curepipe, das Amicale Maurice Israel Center, das 2005 eröffnet wurde. Der Saint-Martin-Friedhof in Saint Martin bei Beau-Bassin ist der einzige jüdische Friedhof auf Mauritius. Die Leichen der 127 verstorbenen Häftlinge sowie anderer jüdischer Menschen sind dort begraben. Ein Teil davon ist in Natacha Appanahs „Der letzte Bruder“ fiktionalisiert worden. Darin werden die Kindheitserlebnisse von Raj und David, einem kleinen Jungen aus Prag, geschildert.

2015 wurde in Beau-Bassin die Gedenkstätte für jüdische Internierte (Jewish Detainees Memorial) eingeweiht.[7]

  • Die Gedenkstätte und das Informationszentrum für jüdische Internierte Beau Bassin
    Die Gedenkstätte und das Informationszentrum für jüdische Internierte Beau Bassin
  • Eingang zum jüdischen Friedhof Saint Martin
    Eingang zum jüdischen Friedhof Saint Martin
  • Jüdischer Friedhof Saint Martin
    Jüdischer Friedhof Saint Martin

Film

  • Kevin Harris (Doku, 2007): In the Shadows of Beau Bassin auf YouTube (englisch; Laufzeit: 47:44 min).

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Yehuda Bauer: American Jewry And The Holocaust: The American Jewish Joint Distribution Committee, 1939-1945. Wayne State University Press, Detroit 1981. 
  2. ↑ 2022 Report on International Religious Freedom: Mauritius. In: United States Department of State. Abgerufen am 20. November 2024 (amerikanisches Englisch). 
  3. ↑ 2023 Report on International Religious Freedom: Mauritius. In: United States Department of State. Abgerufen am 20. November 2024 (amerikanisches Englisch). 
  4. ↑ Launching the Jewish Community of Mauritius. Mai 2005, abgerufen am 20. November 2024. 
  5. ↑ a b c Mauritius Virtual Jewish History Tour. In: Encyclopedia Judaica. Jewish Virtual Library. Abgerufen am 20. November 2024. 
  6. ↑ a b c J. Correspondent: Deaths of 260 in 1940 ship explosion commemorated. In: The Jewish News of Northern California. 14. Dezember 2001, abgerufen am 20. November 2024 (englisch). 
  7. ↑ Naomi Lubrich: «Kaum jemand weiss von den Jüdinnen und Juden, die den Krieg auf Mauritius überlebt haben.» - Juedisches Museum Schweiz. Abgerufen am 20. November 2024 (deutsch). 
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Geschichte der Juden in Afrika

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  1. Geschichte der Juden in Mauritius
  2. Goi
  3. Doikejt
  4. Eingedenken

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