Personifizierter Vajrakila (Phurba), Tibet 16.–17. Jahrhundert (Museum Guimet)
Ein Phurba (tibetischཕུར་བ Wylie phur ba, auch: phurpaཕུར་པphur pa oder phurbu oder phurpu; Sanskritकील, kīla, auch kīlaya) ist ein dreiseitiger, einem Dolch oder Nagel ähnelnder Ritualgegenstand, der in schamanistischen Traditionen der Himalayaregion sowie im Buddhismus in Tibet und im Bön verwendet wird. Die mit dem Gegenstand assoziierte Gottheit beziehungsweise der Yidam wird Dorje Phurba oder Vajrakila(ya) genannt.
Bedeutung
Der Phurba ist einer von vielen ikonografischen göttlichen Attributen (tib.:
phyag mtshan[1]), die bei Vajrayana- und Hindugottheiten zu sehen sind. Wenn ein Phurba gesegnet und für den Gebrauch gebunden wird, gilt er als Nirmanakayaform des Dorje Phurba (tib.: ཕུར་པ། sprul pa[2]) oder Vajrakilaya. Er wird entweder dazu verwendet, um damit in die Erde zu stechen, oder auch – wie es in den schamanistischen Traditionen des Himalaya üblich ist – senkrecht in einen Korb oder Behälter mit Reis bzw. anderem weichen Getreide (sofern der Phurba aus Holz ist). Hierbei stellt man sich den Phurba als Weltachse vor. Bei nepalesischen Schamanen ist eher die Vorstellung des Weltenbaums geläufig.
Eine besondere Rolle spielt der Phurba etwa bei der Kennzeichnung eines geeigneten Gebetsplatzes (vgl. Puja), wobei ihn aber nur eine in die Verwendung eingeweihte oder ermächtigte Person benutzen darf. Der energetische Aspekt ist dabei „kämpferisch, zornvoll, festnagelnd, durchbohrend“.
Besonders die hölzernen Phurbas werden des Weiteren in schamanischen Heilungsritualen eingesetzt. Die Form des Phurba findet sich im Handgriff der Stieltrommel Dhyangro, die in Ostnepal für solche Geistheilungen verwendet wird.
Häufig sind auf der Klinge eines Phurba zwei in sich verschlungene Nagas abgebildet, was an einen Äskulap- oder Hermesstab erinnert. Alle Energien, die unvereinbar und abgesondert erscheinen, sollen durch den Phurba vereint werden.
Form und Herstellung
Phurba aus Tibet
Ein Phurba kann aus verschiedenen Materialien oder Materialkomponenten hergestellt sein. Darunter finden sich Holz, Metall, Ton, Knochen, Edelsteine, Horn und Kristall. Tibetische Phurbas werden wie die meisten tibetischen Werkzeuge oder Instrumente für gewöhnlich aus Messing, Eisen (im Speziellen auch Meteoriten-Eisen, tib.: gnam lcags) oder weniger häufig aus Kupfer hergestellt.
Der Knauf eines Phurba zeigt Dorje Phurba, häufig mit drei Gesichtern. Eines davon ist freudvoll, eines friedlich und eines zornig. Er kann durch einen Ashtamangalaschirm (tib.: gdugs; skt.: Chattra) oder eine Pilzmütze, einen Yidam wie beispielsweise Hayagriva[3], einen Schneelöwen, einen Chörten oder ähnliche Symbole abgeschirmt sein.
Der Griff sieht oft einem Vajra (siehe auch Dorje) beziehungsweise Web- oder Knüpfwerk ähnlich. Er enthält, wie der Knauf und die Klinge, immer auch ein dreieiniges Motiv. Die Klinge besteht für gewöhnlich aus drei dreieckigen Facetten oder Flächen, die sich an der Spitze treffen. Dies soll die Macht der Klinge, die drei Gifte transformieren zu können, symbolisieren.
Verwendung
Als ein Werkzeug des Exorzismus soll ein Phurba dazu verwendet werden, Dämonen oder Gedankengebilde abzuwehren, so dass ihre Geistesströmung umgewandelt und die ihnen eigene geistige Verdunkelung (oder Verschleierung) beseitigt werden kann. Eine weitere Verwendung ist das Binden und Niederhalten „negativer Energien“ einer Entität, eines Gedankengebildes, einer Person oder der Projektion einer Personengruppe, um die Umgebung dadurch zu reinigen (Purification).
Dorje Phurba kann als die dem Phurba innewohnende zerstörerische (im Sinne einer Beendigung und Befreiung) Kraft gegen Gier (Tanha) (tib.: sred pa[4]), Anhaftung (Upadana) (tib.: len pa[5]) und Unwissenheit (Avidya) (tib.: ma rig pa[6]) gesehen werden. Gier, Anhaftung und Unwissenheit sollen durch die drei Seiten der Klinge eines Phurba gebunden und durch die Spitze umgewandelt werden. Der Knauf eines Phurba kann vor dem Gebrauch gesegnet werden. Er sollte daher niemals als physische Waffe gesehen oder verwendet werden, sondern als ein spirituelles Hilfsmittel. Ein Beiname oder Epitheton des Phurba ist Diamantener Dolch der Leerheit.
Kulturelle Bezüge
Um mit den Geistern und Dämonen der Erde, des Landes und des Ortes arbeiten zu können, haben die indigenen Völker der mongolisch-mandschurischen Steppe[7] sie festgenagelt. Obwohl der Phurba zwar mit dem indischen Vajrakilaya assoziiert wird, hat er auch Bezug zu den Heringen der Zelte der Steppennomaden. Das In-die-Erde-Stechen mit einem Phurba kann mit dem Ritus einer Grundsteinlegung verglichen werden. Es ist eine alte schamanistische Idee, die in der ganzen Region weit verbreitet ist und im Bön und den Vajrayanatraditionen ebenso gefunden werden kann. Nach alten schamanistischen Mythen werden beispielsweise auch Berge als große Heringe angesehen, die die Erde an ihrem Platz halten sollen. Der Berg Amnye Machen soll (der Folklore zufolge) etwa eigens zu diesem Zweck aus einem anderen Land gebracht worden sein. Als eine Weiterentwicklung dieser Tradition können die Chörten (vgl. Steinmännchen) angesehen werden.
Ikonografische Darstellung Dorje Phurbas
Phurba
Eine verbreitete Darstellung Dorje Phurbas (Vajrakilayas) als Einzelgestalt zeigt die Gottheit mit drei Köpfen, sechs Armen und vier Beinen. Seine drei rechten Hände mit Ausnahme der ersten Hand im Vordergrund halten Vajras mit fünf und neun Speichen. Die rechte Hand im Vordergrund wird mit offener Handfläche in einer Mudra dargestellt, als würde sie Segen gewähren. Seine drei linken Hände halten drei flammende wunscherfüllende Juwelen (vgl. Drei Juwelen), einen Dreizack und einen Phurba. Der Rücken Dorje Phurbas ist mit der frisch abgezogenen Haut eines Elefanten bedeckt – was Unwissenheit symbolisiert – deren Füße nach vorne zeigen. Quer über seiner Brust sieht man eine menschliche Haut, deren Hände auf seinem Bauch liegen. Er trägt eine Kette mit mehreren Köpfen, die daran an ihren Haaren aufgehängt sind. Ferner trägt er einen knielangen Lendenschurz und ist gegürtet mit einer Tigerhaut einschließlich Kopf, Klauen und Schwanz. Er trägt Nagaohrringe, Armreife und Fußschellen. Die Gesichter Dorje Phurbas sind rundlich und ziemlich klein, verglichen mit seinem Körper. Trotz seiner großen Fangzähne und seinen hervorquellenden Augen in seiner zornvollen Erscheinung wird er als gütig, wohlwollend und mildtätig betrachtet.
Viele Darstellungen zeigen Dorje Phurba auch als Yab-Yum mit seiner Gefährtin Diptacakra (tib. 'khor lo rgyas 'debs ma). Eine weitere Bezeichnung für Dorje Phurba ist Vajrakumara.[8]
Spiel und Film
In dem japanischen Videospiel Suikoden wird ein Phurba als Waffe verwendet.
In dem amerikanischen Actionfilm Shadow und der Fluch des Khan kommt ein Phurba als lebender Dolch vor.
In der amerikanischen Komödie Auf der Suche nach dem goldenen Kind kommt ebenfalls ein stilisierter Phurba vor.
Im Gangsterfilm Kurz und schmerzlos wird dem Hauptcharakter Gabriel ein Phurba als Glücksbringer geschenkt.
In dem Playstation 3 Spiel Uncharted 2 ist ein Phurba der Schlüssel nach Shambhala (Königreich).
Literatur
Robert Beer: The Encyclopedia of Tibetan Symbols and Motifs. Serindia Publications, London 1999, S. 245–249.
Martin J. Boord: A Bolt of Lightning From the Blue. The Vast Commentary on Vajrakila that Clearly Defines the Essential Points. Edition Khordong, Berlin, 2002.
Siegbert Hummel: The Lamaist Ritual Dagger (Phur bu) and the Old Middle Eastern ´Dirk Figures`. Übersetzt von G. Vogliotti. In: The Tibet Journal, Band 22, Nr. 4, S. 23–32.
Jisl Lumir: Ein Beitrag zur Ikonographischen Deutung der Tibetischen Ritualdolche. In: Annals of the Naparstek Museum, Nr. 1, Prag, 1962, S. 77–83 und Tafeln 15–16.
Georgette Meredith: The „Phurbu“: The Use and Symbolism of the Tibetan Magic Dagger. In: History of Religions, Band 6, Nr. 3, Februar 1967, S. 236–253.
Weblinks
Commons: Phurba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Nana Nauwald (* 7. Mai 1947 in Uslar bei Göttingen) ist eine deutsche bildende Künstlerin, Malerin und Buchautorin.
Leben
Nauwald machte eine Lehre als Kirchenmalerin bei ihrem Vater, dem freien Künstler Heinz Nauwald. Sie studierte Kunst und Werken für das Lehramt an der Hochschule Braunschweig.
1975 eröffnete sie ein Antiquitätengeschäft, spezialisiert auf alte Kinderbücher und altes Spielzeug. Dem Geschäft angeschlossen war eine Werkstatt für Restaurierung alter Gemälde und Rahmen. Von 1982 bis 1990 hatte sie ein Atelier für Restaurierung von Gemälden und Vergoldungen in Frankfurt am Main. Seit 1987 machte sie Seminar-Erfahrungen im nordamerikanischen und peruanischen Schamanismus. 1989 reiste sie nach Oshogbo, Nigeria und lernte die Künstlerin Susanne Wenger kennen. 1990 zog sie nach Südergellersen in der Lüneburger Heide und heiratete den Buchverleger Bruno Martin. Seitdem arbeitet sie als freischaffende bildende Künstlerin. 1992 lernte sie die Anthropologin Felicitas Goodman kennen, erforschte mit ihr und in ihrem Institut in New Mexico die Methode „Rituelle Körperhaltungen und Ekstatische Trance“ bis zum Tod von Goodman 2005. Seit 1998 sammelte sie Erfahrungen und erforschte den Schamanismus bei indigenen Völkern im Amazonas-Gebiet von Peru, in Kolumbien, Brasilien, Chile, Nepal, Sibirien. Von 1998 bis 2017 kam sie regelmäßig in ein Dorf des Volkes der Shipibo-Conibo am Ucayali, Amazonas. Sie erforschte die schamanischen Traditionen, ihr Pflanzenwissen und die geometrische Musterkunst der Shipibo, die u. a. in ihre Bücher einfließt. 2004/2005 war sie Gastprofessorin für „Rituale der Wahrnehmung“ an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Seit 2012 ist sie im Vorstand des deutschen Felicitas-Goodman-Instituts n.e.V. Seit 1996 inspiriert sie in Europa und Russland durch Natur- und Trancerituale Menschen zur Kreativität und zum Zugang zum eigenen inneren Wissen.[1]
Das künstlerische Werk
Das künstlerische Werk Nana Nauwalds wurde in Ausstellungen und Konferenzen weltweit gezeigt: Schweiz, USA, Frankreich, Niederlande, Rumänien. Viele ihrer Gemälde wurden als Titelbilder von Buchveröffentlichungen, in Büchern und Zeitschriften gezeigt.[2]
Ihre künstlerische Arbeit sieht sie als „visionären Farbgesang“, den sie durch feingearbeitete, farbintensive, auf schwarzer Leinwand gemalte Visionen darstellt. Ihre Malerei ist bestimmt von der Frage nach der Grundinformation allen Lebens, daher sind ihre Gemälde oft von mikrokosmischen Strukturen geprägt.
Das schriftstellerische Werk
Ihr schriftstellerisches Werk basiert auf ihren Erfahrungen mit traditionellen Schamanen in Südamerika und Asien und eigenen ethnologischen Forschungen bei indigenen Gemeinschaften. Ihre jahrzehntelange Arbeit mit Menschen in Seminaren und der Erforschung europäischer, kultureller und historischer Quellen des Schamanismus bilden die Grundlage ihrer Sachbücher.[1][3]
Erzählende Werke
Im Zeichen des Jaguar. 2. Auflage. BoD 2015, Norderstedt, ISBN 978-3-7386-3299-6. (Online)
Der Gesang des schwarzen Jaguars – Mein Leben bei den Schamanen des Amazonas. 2. Auflage, Ullstein, Berlin 2007; ISBN 978-3-548-74356-1.
Das Lachen der Geister – Meine Reise zu den Schamanen – Magie und Rituale am Amazonas. 3. Auflage. Bod, Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7386-0391-0.
Der Flug des Schamanen. Schamanische Märchen und Mythen. 2. Auflage. BoD 2012, ISBN 978-3-8482-1594-2.
Sachbücher
Bärenkraft und Jaguarmedizin – die bewusstseinsöffnenden Techniken der Schamanen. Aarau 2002. ISBN 978-3-85502-778-1.
Ecstatic Trance. New Ritual Body Postures – A Workbook. Binkey Kok 2003, Havelte. ISBN 90-74597-63-7.
Ekstatische Trance – Rituelle Körperhaltungen, das Arbeitsbuch. 3. Auflage. Aarau 2018, ISBN 978-3-03800-610-7.
Schamanische Rituale der Wahrnehmung – den Geist der Tiere erfahren, überliefertes Wissen aus europäischen Traditionen. 2. Auflage. Aarau 2010, AT-Verlag, ISBN 978-3-03800-545-2.
Feuerfrau und Windgesang – Schamanische Rituale für Schutz und Stärkung. 2. Auflage. Aarau 2010, AT-Verlag, ISBN 978-3-03800-465-3.
Mein Wort ist mächtig: Die Kraft der Worte in heilsamen Ritualen. Aarau 2015, AT-Verlag, ISBN 978-3-03800-835-4.
Von Menschen und anderen Geistern – Meine Reisen durch schamanische Welten. Aarau 2022, AT-Verlag. ISBN 978-3-03902-146-8.
inner cosmos. Kunstmappe mit Texten und Gemälden. Stiefenhofen 2010, artemisia edition. ISBN 978-3-00-031206-9.
Textbeiträge in Büchern
Joanna Sionkowski: Visionäre Kunst – Kunstgeschichtliche Bedeutung und Analyse. Die visionäre Künstlerin Nana Nauwald. BoD, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-5182-0.
David Jay Brown and Rebecca Ann Hill: Visionary Art and Shamanism, in: Women of Visionary Art. Rochester, Vermont (USA) 2018. ISBN 978-1-62055-693-1.
Hörbuch
Lebenszauber.Nana Nauwald erzählt schamanische Märchen. Eigene Produktion 2018. ISBN 978-3-00-059885-2.
Thubten Ngödrub 2014 in Trance während des Kalachakra in LadakhSpiegel des tibetischen Staatsorakels
Das Nechung-Orakel ist das offizielle Staatsorakel von Tibet[1] und eines von mehreren Orakeln im alten Tibet. Sein Medium residierte im Nechung-Kloster, dessen Abt es war und von dem der Name abgeleitet wurde.[2] Nach der Exilierung der tibetischen Regierung wurde dieses Kloster in Dharamsala in Indien, in der Nähe der Residenz des heutigen Dalai Lama, neu erschaffen. Das dort residierende Medium hat den Rang eines Vizeministers inne. Der Dalai Lama konsultiert es am tibetischen Neujahrsfest.
Seit dem 4. September 1987 ist Thubten Ngödrub das Medium. Er ist der 17. Amtsträger und war Nachfolger von Lobsang Jigme, der diese Funktion von 1945 bis zu seinem Tod 1984 innehatte. Bereits 1947 prophezeite das Nechung-Orakel die Unruhen rund um die Machtübernahme des kommunistischen Regimes und riet dem 14. Dalai Lama im Jahr 1959 zur Ausreise aus China.
Geschichte
Ursprünge
Pekar reitet auf einem Schneelöwen.Darstellung des Pehar Gyalpo im tibetischen Nechung-Kloster
Die Praxis des Orakels stammt aus den alten religiösen Traditionen Tibets, etwa dem Bön oder den Nyingmapa. Nach buddhistischer Auffassung überträgt eine Gottheit ihr Bewusstsein beim Phowa, einem der sechs Yogas von Nāropa, in einen Kuten, die physische Basis. Die Besessenheit ist eine harte Erfahrung, welche eine Phase der Rekonvaleszenz nach sich zieht.[3] In der ganzen Himalaya-Region haben die Orakel eine wichtige Rolle in der Religion gespielt. Ebenso bedeutsam war die Beratungsfunktion für die Regierung Tibets und die gegenwärtige Exilregierung.
Die Gottheit, die sich im Orakel ausdrückt, heißt Pekar, einer der Geister unter Padmasambhava, der ihn zum obersten Beschützer Samyes machte.
Er soll sich anschließend in der Gegend des Nechung-Klosters niedergelassen haben und wurde in Samye durch den Geist Tsiu Marpo ersetzt.[4]
Der Ursprung der Beziehung zwischen Pekar (Dorje Dragden) und den Dalai Lamas geht auf den 2. Dalai Lama zurück, der sich wiederholt Pekar visualisiert hat. Pekar wurde zum Beschützer des Dalai Lama sowie des Drepung-Klosters in der Nähe des alten Nechung-Tempels.[5]
Als 1642 der 5. Dalai Lama zum Staatsoberhaupt Tibets wurde, änderte Dorje Dragden seinen Status. Er sollte die Dalai Lamas und die Regierung beschützen, während eine andere Gottheit, Palden Lhamo, damit beauftragt war, Tibet selbst zu beschützen[6]. Der Potala-Palast wurde als Sitz des Dalai Lama und der Regierung errichtet, über den Dorje Dragden als Beschützer des Staats wachte. Ein Medium, der Nechung-Kuten, als physische Unterstützung diente dazu, die Ratschläge Pekars zu empfangen. Der Gott ist jedoch spirituell nicht frei und seine Ratschläge sind nur ein Element unter anderen im Entscheidungsprozess.
Das neue Nechung-Kloster wurde auf Wunsch des 5. Dalai Lama durch den Regenten Thrinle Gyatsho (1660–1668) gegründet. Unter der Regentschaft von Sanggye Gyatsho (1679–1703), nahmen die Arbeiten an Umfang zu und das Kloster erhielt den Namen „Nechung Dorje Drayang Ling“ (Nechung, der Garten des melodischen Vajra-Klangs), wie es heute noch genannt wird. Sanggye Gyatsho erneuerte die Schutzfunktion Pekars.[7]
Pekar besaß letztlich viele Sitze. Nechung ist der wichtigste, doch er ist auch die Schutzgottheit von Tshel Gungthang, der ehemaligen Residenz des Lama Shang Tsöndru Dragpa, des Begründers der Linie der Telpa Kagyüpa im 12. Jahrhundert. Er wurde Beschützer von Meru Nyingba, wo sich die Residenz des Nechung-Kuten in Lhasa befand. Es ist ein mit Nechung verbundenes Kloster, dessen Gründung auf Songtsen Gampo im 7. Jahrhundert zurückzuführen ist. In diesem Tempel vollendete Thonmi Sambhota die Erschaffung der tibetischen Schrift, welche aus einem indischen Alphabet hervorging. Wie das Nechung-Kloster ist es mit drei großen Schulen verknüpft: Sakya, Gelug und Kagyü.[8]
Das Nechung-Kloster wuchs von ursprünglich vier bis auf 113 Mönche zur Zeit des 13. Dalai Lama. Der Nechung-Kuten stand als Abt an seiner Spitze, ab dem 19. Jahrhundert folgten ihm der Nechung-Rinpoche und der Nechung-Depa als Verantwortliche für die Verwaltung. Alle drei wurden von der tibetischen Regierung ernannt.[9] Im Jahr 1959 konnten einzig sechs Mönche des Klosters nach Indien fliehen. Von den Verbliebenen überlebte nur eine Handvoll. Nechung wurde in Teilen zerstört und in ein Erntelager verwandelt. Seine Schätze wurden mehrheitlich geplündert.[10]
Die Reihe der Kuten
1. Kuten
1544 soll Pekar Gyalpo erstmals von einem menschlichen Wesen Besitz ergriffen haben. So wurde Drag Trang-Go-Wa Lobsang Palden das erste Medium von Nechung. Lobsang Palden gab Hinweise zur Auffindung des 3. Dalai Lama[11]. Bis 1945 sollten die Medien aus verschiedenen Klöstern nach Nechung kommen.
2. Kuten
Der 2. Kuten ist unter den Namen Jampa Gyatso und Ringangpa bekannt. Letzterer verweist auf seine Herkunftsregion, Rinchen Gang.[12]
3. Kuten
Der 3. Kuten, Nangso Gönor, war ein Laienmitglied der Regierung (nangso), als er seine erste Trance erlebte.[12]
4. Kuten
Der 4. Kuten, Sepo Sönam, war ein Vertrauter des 5. Dalai Lama, dem er viele Ratschläge gab, namentlich als es in den 1650er Jahren zu Spannungen zwischen Tibet und dem Königreich Bhutan kam. In dieser Zeit schützte der Dalai Lama das Nechung-Kloster und der Kuten wurde zum offiziellen Staatsorakel.
5. Kuten
Der 5. Kuten, Tsewang Pelbar, war in den zehn Jahren von 1679 bis 1689 im Amt. Der Regent Sanggye Gyatsho ließ Statuen für das Nechung-Kloster anfertigen, dessen Betrieb er überwachte. Es sollte nicht mehr als fünfzig Mönche haben. Nach dem Tod dessen 5. Dalai Lama machte er eine Vorhersage zu dessen Rückkehr. Er verstarb 1689 mit 58 Jahren.[13]
6. Kuten
Der 6. Kuten, Lobsang Legjor Gyatso, stammte aus Kongpo und erlebte seine erste Trance 1690. Die Zahl der Mönche in Nechung stieg auf 101.[14]
7. Kuten
Der 7. Kuten, Tsangyang Tamdrin (Lobsang Tashi), erlebte 1725 seine erste Trance. Er war ein Vertrauter des 7. Dalai Lama in seiner ersten Lebenshälfte. Er hatte mehrere Trancen und führte in Nechung den Ritus der 13 Gottheiten von Yamantaka und der Brandopfer ein. Sein Ansehen war derart groß, dass er für das Nechung-Kloster viel Landbesitz im östlichen Kham erhielt. Er verstarb 1747 an Altersschwäche.[15]
8. Kuten
Der 8. Kuten, Ngawang Gyatsho, stammte aus Dartsedo und aus dem Kloster Gar Dratsang. Er erlebte seine erste Trance 1747 in Zentraltibet, im Beisein des 7. Dalai Lama.
9. Kuten
Der 9. Kuten, Yulo Köpa, ist wenig bekannt. Er war 1822 im Amt. Er könnte aus Yulo Kö, einer kleinen Siedlung bei Nechung, stammen. Er wurde in den Rang eines Khenchung erhoben.[16]
10. Kuten
Der 10. Kuten, Kalsang Tsültrim, übte sein Amt zwischen 1837 und 1856 aus. 1849 wurde er aufgrund seiner Effizienz zum Khenchen, dem vierthöchsten Rang der Regierung, ernannt. Er verstarb kurz nach dem 12. Dalai Lama.[17]
11. Kuten
Der 11. Kuten, Lhalung Shakya Yarphel, war einer der beachtlichsten Kuten. 1878 beauftragte Lhalung Shakya Yarphel den ehemaligen Abt von Gyume, Lobsang Dargye, mit der Suche nach der Reinkarnation des 12. Dalai Lama. Lobsang Dargye begab sich an das Ufer des Sees Lhamo Lhatso, der dafür bekannt war, dass er nach langen Meditationen zu Visionen führte. Nach der siebten Nacht sah er das Kind, seine Eltern, ihre Namen und ihr Haus. Der 11. Kuten bestätigte die Visionen. Ein Suchtrupp, angeführt von Lobsang Dargye, fand am Dagpo das Haus eines bescheidenen Holzfällers, in dem der Knabe lebte. Sein Vater hieß Kunzang Rinchen und seine Mutter Lobsang Dolma. In Trance bestätigte der 11. Kuten, dass es sich um den 13. Dalai Lama[18] handelte.
Im Februar 1899 warnte der 11. Kuten den Dalai Lama während einer Trance, dass sein Leben in Gefahr sei und dass er vorsichtiger sein müsse. Trotz seines Rats wurde der vormals lebhafte Dalai Lama regelmäßig krank und war schnell ermüdet. Als er erneut befragt wurde, wies der Kuten darauf hin, dass sich schwarze Magie im Spiel befinde und befahl, dass dem Tertön Sogyal ein Paar Stiefel in seinem Besitz abgenommen würden. Sogyal wurde befragt. Er dachte, dass Shaö Trulkou ihm die Stiefel im Auftrag des Dalai Lama gegeben habe. Mit bösen Vorahnungen stellte er sie, nachdem er sie einmal angezogen hatte, in eine Ecke. Als sie untersucht wurden, fand man in den Schuhsohlen ein unheilvolles Pentakel, das Namen und Geburtsdatum von Thubten Gyatsho verriet. Es stellte sich heraus, dass eine Konspiration des früheren Regenten Demo Rinpoche dahintersteckte. Nachdem sie verhaftet wurden, nahmen sich viele das Leben, so auch Shaö Trulkou, der sich aus dem Fenster stürzte.[19]
12. Kuten
Der 12. Kuten, Lobsang Sönam, ein Mönch aus Kham, wurde im Februar 1901 mit einer Trance in sein Amt eingeführt.[20]
13. Kuten
Der 13. Kuten, Lhalungpa Gyaltsen Tharchin, stammte aus der Bhrumpa-Familie, welche viel Land in der Region Dagpo besaß. Er wurde am Losar 1913 bei seiner ersten Trance erkannt. In den 1920er Jahren wurde er vom Dalai Lama seines Amtes enthoben und begab sich nach Lhokha ins Exil.[21]
14. Kuten
Der 13. Dalai Lama setzte den 12. Kuten, Lobsang Sönam, wieder in sein Amt ein. In einer Trance bei den Feierlichkeiten zum tibetischen Neujahr 1932 warnte er den Dalai Lama, dass sein Ende bald bevorstehe. Er offenbarte ihm seine Krankheit und riet ihm, Befehle für die künftige Stabilität des Landes zu erlassen.
Gemäß einer Website soll Lobsang Namgyal den Tod des 13. Dalai Lama mittels falscher medizinischer Ratschläge beschleunigt haben. Die gleiche Website behauptet, dass er 1934 zum Staatsorakel ernannt wurde, während der 13. Dalai Lama am 17. September 1933 verstorben ist.[22]
15. Kuten
Lobsang Namgyal, das Medium des Nechung-Orakels im Jahr 1939
Lobsang Namgyal nahm an der Suche nach dem 14. Dalai Lama teil. Das Orakel verlangte, dass drei Suchtrupps ausgeschickt würden: nach Zentraltibet, nach Amdo und nach Kham.
16. Kuten
Gemäß Kenneth Conboy und James Morrison war das 1945 eingesetzte 16. Medium, Lobsang Jigme, das Erste, das aus dem Nechung-Kloster stammte. Am 21. Juli 1951 riet er dem jungen Dalai Lama, der sich in Yatung aufhielt, zur Rückkehr nach Lhasa.[23] Auch im März 1959 wurde das Orakel zweimal konsultiert. Es riet dem Dalai Lama zum Exil in Indien, was durch eine andere Technik, das Würfelwerfen, bestätigt wurde.[24]
In seiner Autobiografie schilderte der Dalai Lama den Vorfall aus seiner Sicht. Am 10. März 1959 versammelten sich zahlreiche Einwohner Lhasas vor dem Norbulingka, um den Dalai Lama gegen die Chinesen zu verteidigen. Die Spannungen zwischen Tibetern und Chinesen nahmen zu. Trotz der Bitte des Dalai Lama, dass sich die Schar zurückziehen möge, blieben viele Menschen auf dem Platz. In dieser Situation konsultierte der Dalai Lama das Orakel, das ihm zum Bleiben und zu weiterem Dialog mit den Chinesen aufforderte, worauf er erstmals an dieser Entscheidung zweifelte. In den folgenden Tagen informierte Ngabo Ngawang Jigme den Dalai Lama, dass sich die Volksbefreiungsarmee auf einen Angriff auf die Menge und eine Bombardierung des Norbulingka vorbereitete. Am 17. März wandte sich der Dalai Lama erneut an das Orakel, das zu seinem Erstaunen „Gehe! Gehe! Heute Abend!“ rief. Es trat nach vorne, um klar und detailliert den Weg, den der Dalai Lama vom Norbulingka bis zur Grenze zurücklegen müsse, aufzuschreiben. Als das Orakel in Ohnmacht fiel, explodierten zwei Mörsergranaten im Moor nahe dem Nordtor. Rückblickend ist der Dalai Lama überzeugt, dass Dorje Drakden von Anfang an wusste, dass er Lhasa am 17. März verlassen musste, doch dass er dies nicht sofort bekanntgab, um zu verhindern, dass sich Gerüchte verbreiteten. Er stellt fest, dass das mo, eine andere Form der Wahrsagerei, den Rat des Orakels bestätigt habe.[25]
Zwei bekannte Prophezeiungen von Lobsang Jigme wurden von Ellen Pearlman aufgezeichnet. In der einen geht es darum, dass Tibet 1950 in große Schwierigkeiten gerät, die andere betrifft die Flucht des Dalai Lama 1959. Pearlman präzisierte, dass Lobsang Jigme 1951 erkrankt sei, was für viele auf seine beunruhigenden Visionen zurückzuführen ist. Während Jahren sollte es ihm nicht mehr möglich sein, ohne Hilfe gehen zu können. 1959 schloss er sich dem Dalai Lama auf der Flucht nach Indien an, wo er, von seiner Krankheit genesen, 1984 in Dharamsala verstorben ist.[26]
Neue Residenz in Dharamsala.
17. Kuten
Am 4. September 1987 wurde Thubten Ngödrub, Lama von Nechung seit 1971, zum 17. Kuten.[27]
Kostüm und Trance
Zu offiziellen Anlässen trägt das Medium mehrere Gewänder übereinander. Das oberste Gewand ist aus Goldbrokat und ist mit vier Farben verziert, welche die vier Elemente symbolisieren: rot, blau, grün und gelb. Auf der Brust befindet sich ein Spiegel (melong) umgeben von Türkisen und Amethysten mit dem Mantra des Dorje Drakden.
In Begleitung von Mantras, Gebeten und Musik tritt er in den Zustand der Trance ein. Wenn die Trance genügend fortgeschritten ist, wird eine 14 Kilogramm schwere Haube auf seinen Kopf gesetzt, manchmal kommt auch ein 30 Kilogramm schwerer Harnisch mit vier Fahnen und drei Siegesbannern hinzu.[28] Danach erhebt er sich und nimmt ein Schwert, mit dem er zu tanzen beginnt. Nach jeder Frage vollführt er diesen Tanz. Dabei gibt er eine Antwort, welche anschließend ausgelegt werden muss. Am Ende der Séance vollzieht er ein letztes Gebet und verliert danach sein Bewusstsein.
Heinrich Harrer hat in seinem Buch Sieben Jahre in Tibet[29] eine Séance des Nechung-Orakels im Detail beschrieben. Harrer berichtet außerdem, dass, wenn das Orakel mehrmals schlechte Ratschläge erteilte, es von seiner Funktion entbunden wurde.[30]
Literatur
Thubten Ngödrub: Nechung, l'oracle du Dalaï-lama, avec Françoise Bottereau-Gardey et Laurent Deshayes, Presses de la Renaissance, Paris 2009, ISBN 978-2-7509-0487-6.
Ellen Pearlman: Tibetan Sacred Dance: a journey into the religious and folk traditions, Inner Traditions, Rochester, Vermont 2002, ISBN 0-89281-918-9.
H.R.H. Prince Peter of Greece and Denmark: Tibetan Oracles, in: James F. Fisher (Hrsg.): Himalayan anthropology: the Indo-Tibetan interface, World anthropology, vol. 35, Walter de Gruyter, Berlin 1978, ISBN 90-279-7700-3, S. 287–298.
Birgit Zotz: Zur europäischen Wahrnehmung von Besessenheitsphänomenen und Orakelwesen in Tibet, Vienna University, 2010, [1].
↑Ellen Pearlman, Tibetan Sacred Dance: a journey into the religious and folk traditions, Inner Traditions, Rochester, Vermont, USA, 2002, ISBN 978-0-89281-918-8, p. 94.
↑Christopher Paul Bell, Tsiu Marpo: The Career of a Tibetan Protector Deity.
↑Thubten Ngödrub: Nechung, l'oracle du Dalaï-lama, avec Françoise Bottereau-Gardey et Laurent Deshayes, Presses de la Renaissance, Paris 2009, ISBN 978-2-7509-0487-6, S. 106.
↑Biografische Anmerkung von Lobsang Namgyal auf der Website The Tibet Album: „In 1934 [he was] degraded to the rank of an ordinary monk. It was alleged that he made some mistakes about the Dalai Lama’s medicine, and that this was the cause of His Holiness’ death.“
↑Kenneth Conboy and James Morrison: The CIA's Secret War in Tibet, The University Press of Kansas, Onlineversion, Kapite Contact (Memento des Originals vom 24. September 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buddha.com: „On 21 July, the monarch heeded advice channeled under trance by the state oracle and departed Yatung on a slow caravan back to the Tibetan capital.“
↑Kenneth Conboy and James Morrison, op. cit., Onlineversion, Kapitel Virginia (Memento des Originals vom 24. September 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buddha.com: „Sensing that the end was drawing near, on 12 March he called for the Nechung oracle to determine whether he should stay in Lhasa. While in a trance, the medium replied in the affirmative. This was not exactly the answer the Dalai Lama wanted, so another form of divination -- a roll of the dice, literally -- was sought. As luck would have it, the results were the same (…) The oracle was again summoned ; apparently of a conservative bent, the entranced medium would not budge from his earlier ruling. Not until 17 March, during the third channeling session in a week, did the oracle buckle. "Leave tonight," was his entranced message. The dice, too, cooperated, giving identical advice.(20).“
↑Tenzin Gyatso: Au loin la liberté, Fayard, Paris 1990, ISBN 2-213-02561-4, S. 191–197.
↑Ellen Pearlman: Tibetan Sacred Dance: a journey into the religious and folk traditions, op. cit.: „In 1947 Lobsang Jigme, the Tibetan State Oracle, prophesied that in the Year of the Tiger, 1950, Tibet would face great difficulty. In 1951, Lobsang Jigme fell ill, some say because of his repeated troubling visions, and for years was unable to walk without assistance. In 1959, after predicting the Dalai Lama’s flight, Lobsang Jigme spent two months walking to India with His Holiness. His illness was eventually cured.“
↑Stéphane Allix: Le Netchung Kuten, médium du Dalaï lama, im Webmagazin Nouvelles Clés.
↑Heinrich Harrer, op. cit.: „When an oracle goes on giving bad advice, they make short work of the mouthpiece. He is relieved of his office. This always seemed to me illogical. Did the god speak through the medium or did he not?“
Lumira (eigentlich Ludmilla Weidner, russ. Людмила Вайднер; * 1968 in Karaganda, Kasachische SSR) ist eine deutsche Schriftstellerin esoterischer Werke auf dem Gebiet der Seelenheilkunde sowie des Neoschamanismus.
Leben
Weidner erlernte den Beruf einer Krankenschwester und ging 1990 nach Deutschland. Aufgrund ihrer angeblichen seherischen Fähigkeiten soll sie nach eigenen Angaben in der Kindheit von anderen gemieden worden sein. Weidners Großmutter half ihr, sich intensiver mit dem Glauben an das Übernatürliche und dem seelenheilenden Können auseinanderzusetzen. In der Bundesrepublik ließ sie sich zur Schamanin und Kinesiologin ausbilden. Lumira besteht bei ihren Behandlungen darauf, niemals mit materiellen Hilfsmitteln, sondern ausschließlich auf psychologischer Ebene mit den Patienten zu arbeiten. Sie vertritt die Ansicht, dass die Seele eines Menschen sich in Beschwerden ausdrückt, um die Person von einem falschen Lebensweg abzuhalten. Lumira veröffentlicht Bücher und gibt Seminare, Fortbildungen und Workshops.
Publikationen (Auswahl)
Befreie deine Seele – Heilung durch schamanische Kinesiologie. Schirner Verlag, 2010, ISBN 978-3-8434-0936-0
Schamanische Kinesiologie – Praxisbuch zur Befreiung der Seele. Schirner Verlag, 2010, ISBN 978-3-89767-936-8
Erneuere deine Zellen: Eine russische Heilerin offenbart ihr energetisches Verjüngungsprogramm. Skorpio Verlag, 2013, ISBN 978-3-941837-66-9
Du bist die Quelle des Lebens! – Fundamentale Werkzeuge der Erneuerung und Verjüngung. Skorpio Verlag, 2013, ISBN 978-3-95550-019-1
Geistiges Heilen – revolutionäre Wege zu Selbstheilung und Regeneration. Trinity Verlag, 2014, ISBN 978-3-95550-086-3
Ein Bandalier-Medizinbeutel im Wabeno Logging Museum, in Wabeno, Wisconsin, USA
Ein Medizinbeutel war bei den Indianern Nord- und Mittelamerikas ein Aufbewahrungsort für heilige Gegenstände, die einer Person auf einer Visionssuche offenbart wurden. Meist waren nur dem Träger selbst die Inhalte bekannt. Bei vielen Stämmen galt der Medizinbeutel als das heiligste Gut eines Menschen und man verlor sein Glück, wenn man ihn verloren hatte.
Während der Medizinbeutel eines Kriegers (im Sinne eines Talismans) nie geöffnet wurde, war der Medizinbeutel eines Schamanen mehr ein Bündel, in dem er die heiligen Gegenstände aufbewahrte, die er für seine Rituale benötigte. Diese konnten sich im Laufe der Zeit ändern, zum Beispiel wenn der Schamane symbolisch durch einen Gegenstand einem anderen Teile seiner Macht abgab, oder wenn er durch eine mystische Erfahrung auf einen neuen Gegenstand hingewiesen wurde.
Der Wortbestandteil „Medizin“ steht in Zusammenhang mit den nordamerikanischen Indianern nicht für Heilkunde, sondern für die „geheimnisvolle, transzendente Kraft hinter allen sichtbaren Erscheinungen“.[1]
In der Inkatradition Südamerikas gibt es den als Mesa bezeichneten Medizinbeutel eines Priesters.
Siehe auch
Mojo (Hoodoo-Amulett bei afro-amerikanischen Amerikanern)
Einzelnachweise
↑Norbert Kohnen: Stichwort: Medizinmann. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haarge, Gundolf Keil u. Wolfgang Wegner (Hrsg.), Walter de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4. S. 956