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Charles Arthur Musès

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026

Charles Arthur Musès (* 28. April 1919 in Jersey City; † 26. August 2000) war ein US-amerikanischer Mathematiker, Kybernetiker, Herausgeber und Verfasser esoterischer Schriften, Begründer des Lion Path, einer neoschamanistischen Bewegung.

Leben

Charles Arthur Musès wurde in Jersey City geboren und wuchs in Long Island (New York) auf. 1938 machte Musès nach Studium der Fächer Mathematik und Chemie seinen Bachelor of Science (B.Sc.) an der City University of New York. 1947 erhielt er an der Columbia University den Mastertitel mit einer Arbeit über symbolische Logik. Er promovierte 1951 mit einer Arbeit über Jakob Böhme und dessen Kommentator Dionysius Andreas Freher. In den folgenden Jahren arbeitete er als Publizist und Herausgeber im Verlag Falcon's Wing Press in Indian Hills, Colorado, vorwiegend in den Grenzbereichen zwischen Archäologie und Esoterik. Dort erschienen unter anderem Esoteric Teachings of the Tibetan Tantra (Englische Übersetzung von Chang Chen Chi) und System auf Causasian Yoga (Autor: S. C. Waleswski). In der Folgezeit publizierte er in verschiedenen Journalen zahlreiche Fachartikel in den Bereichen Mathematik, Physik und Kybernetik. Musès entdeckte 1957 in Ägypten in Dahschur eine Mastaba aus der 4. Dynastie. Ein weiterer Fund war die Entdeckung und Ausgrabung der Pyramide des Königs Ameni Qemau aus der 13. Dynastie. Da er die Ausgrabungen unwissentlich ohne Autorisierung durch die Behörden vorgenommen hatte, wurde er in Ägypten verhaftet und verurteilt. Im August 1957 konnte er jedoch in die USA zurückkehren.[1]

Tabelle erstellt von Klaus Scharff

Musès war auch wesentlich an der Entwicklung des Konzepts der Hyperkomplexen Zahlen (en: hypercomplex numbers oder hypernumbers) beteiligt. Die Mathematiker Jens Koeplinger[2] und John Shuster haben seine Ideen aufgegriffen und einige Hyperzahlen genauer analysiert.[3][4]

1985 publizierte Musès im Wissenschaftsverlag Kluwer-Nijhoff sein Hauptwerk: Chronotoplogy: Destiny and Control in Human Systems. In seiner Einleitung merkt er an:

„Eine Folgerung aus all diesen Überlegungen ist, dass Mathematik nicht hinreichend sein muss, um Chronosysteme zu repräsentieren. Auf diese Weise wird die wichtige Tatsache deutlich, dass Mathematik (eine lineare, nicht-qualitative Sprache) nicht die Essenz der systemtheoretischen Methodologie ausmacht. Was sich als die Essenz herausstellt, ist eine organismische und qualitative Sichtweise. Welches Symbolsystem man auch anwendet, um diese Sichtweise zu repräsentieren, linear oder nicht, es sollte so genau und geeignet wie möglich sein.“

– Übersetzung K. Scharff

Musès war Mitglied in der American Oriental Society und der Canadian Mathematical Society. Weiterhin war er Mitherausgeber des International Journal of Bio-Medical Computing und des englischen Wissenschaftsjournals Robotica. Von 1968 bis 1973 war er Herausgeber des Magazins Journal for the Study of Consciousness. Für das Journal Kybernetes war von 1970 bis 1981 als Co-Editor tätig. In beiden Zeitschriften publizierte er eine Reihe von eigenen Artikeln.

Charles A. Musès gilt auch als Träger der Robe des Lebendigen Buddhas, die an ihn durch Vermittlung des Ethnographen Joseph F.C. Rock übergeben wurde. Er wurde so zur 6. Inkarnation des Tse-magling. Der 5. Inkarnation hatte unter den Menschen des Chonilandes gelebt, südlich vom Land der Ordosmongolen.[5] Musès Freund Joseph Rock hatte lange in Choni und Yunnan gelebt und hat als einziger westlicher Experte die Kultur der Chonileute und die schamanischen Na-Khi-Schriften studiert.

Unter dem Pseudonym Musaios publizierte Dr. Charles A. Musès in seinen letzten Jahren im Verlag House of Horus eine Reihe von philosophischen und esoterischen Schriften.

Schriften

  • Illumination on Jacob Boehme. The work of Dionysius Andreas Freher. King's Crown Press, New York 1951.
  • An evaluation of relativity theory after a half-century.. S. Weiser, New York 1953.
  • East-West fire. Schopenhauer's optimism and the Lankavatara sutra. An excursion toward the common ground between Oriental and Western religion. Watkins, London 1955.
  • Vorwort in: Jerome Rothstein: Communication, Organization and Science. Falcon's Wing Press, Indiana Hills (CO) 1958.
  • The Logic of Biosimulation In: Aspects of the Theory of Artificial Intelligence: Proceedings of the First International Symposium on Biosimulation, Locarno, June 27. - July 5. 1960. Editor: C. Musès, Plenum, New York 1962, S. 115–163.
  • Systematic stability and cybernetic control: an introduction to the cybernetics of higher integrated behavior. In: Cybernetics of Neural Processes (Ed. E.R.Caianiello) National Research Council of Italy, Rome, 1965 ,149-212 (= La ricerca scientifica, Quaderni. Band 18). Consiglio nazionale delle ricerche, Rom 1965.
  • Norbert Wiener, J. P. Schade (Hrsg.): Aspects of Some Crucial Problems in Biological and Medical Bio-Cybernetics. Band II. Elsevier, Amsterdam 1965.
  • The First Nondistributive Algebra, with Relations to Optimization and Control Theory. In: E. R. Caianiello: Functional Analysis and Optimization. Academic Press, New York / London 1966, S. 171–212.
  • Hypernumber . In: Annals of the New York Academy of Sciences. Band 138, New York 1967, S. 660, 901.
  • Zusammen mit Arthur M. Young: Consciousness and reality. The human pivot point. Outerbridge & Lazard, New Cork 1972.
  • Destiny and control in human systems. Studies in the interactive connectedness of time (chronotopology) (= Frontiers in systems research). Kluwer-Nijhoff, Dordrecht/Boston u. a. 1985, ISBN 0-89838-156-8.
  • The Ageless Way of Goddess: Divine Pregnancy and Higher Birth in Ancient Egypt and China. In: Joseph Campbell, Charles Musès (Hrsg.): In all her names. Explorations of the feminine in divinity. Harper, San Francisco 1991, ISBN 0-06-250629-3, S. 131–164.
  • The Lionpath - The Big Picture: A Short Path to Regeneration for our times. by Musaios. 5. Auflage, House of Horus, Sardis (B.C. Canada) 1996.
  • Musaios: The Shamanic Lionpath. House of Horus, Sardis (B.C. Canada) 1999.
  • Eine ausführliche Liste der Publikationen findet sich in der Bibliografie zu Musès.[6]

Literatur

  • Who’s who in the West. 7. Auflage, Marquis Who’s Who, Chicago 1960.

Weblinks

Commons: Charles Muses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Vortrag über den Löwenpfad auf YouTube (englisch)
  • Interview mit Dr. Jeffrey Mislove auf YouTube (englisch)
  • Vortrag über die erstaunliche Dimension 24 auf YouTube (englisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ Egyptian Gazette. vom 14. August 1957, S. 2; La Bourse Egyptienne. vom 30. Juli 1957, S. 1; The Egyptian Gazette. vom 31. Juli 1957, S. 1; Al Shaab. vom 22. Juni 1957; Archives of Consul General Larry Roeder. Foreign Service Lounge, US Department of State, Washington, DC 20520.
  2. ↑ Jens Koeplinger Website von Jens Koeplinger.
  3. ↑ Jens Koeplinger/John Shuster: Elliptic complex numbers with dual multiplications. Abgerufen am 10. Oktober 2020 (englisch). 
  4. ↑ John Shuster/Jens Koeplinger: Doubly Nil potent numbers. Abgerufen am 14. Oktober 2020 (englisch). 
  5. ↑ Joseph Campbell, Charles A. Musès, Riane Eisler, Marija Gimbutas: In All Her Names: explorations of the feminine in divinity. Harper, San Francisco 1991, ISBN 0-06-250629-3. 
  6. ↑ Bibliografie Dr. Charles Musès Auf: houseofhorus.org
Normdaten (Person): GND: 172268958 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n83124393 | VIAF: 45676360 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Musès, Charles Arthur
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Mathematiker, Esoteriker und Begründer einer neoschamanistischen Bewegung
GEBURTSDATUM 28. April 1919
GEBURTSORT Jersey City
STERBEDATUM 26. August 2000



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Charles Arthur Musès aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Mongusch Borachowitsch Kenin-Lopsan

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026
Mongusch Borachowitsch Kenin-Lopsan, 2010

Mongusch Borachowitsch Kenin-Lopsan (russisch Монгуш Борахович Кенин-Лопсан, wissenschaftliche Transliteration Monguš Borachovič Kenin-Lopsan, tuwinisch Моңгуш Бора-Хөө оглу Кенин-Лопсаң Monggusch Bora-Chöö oglu Kenin-Lopsang; * 10. April 1925 in Tschasch-Tal, Sumon Chondergei (heute Koschuun Tschöön-Chemtschik), Tuwinische Volksrepublik; † 10. Februar 2022[1]) war ein russischer Historiker, Schriftsteller und Dichter, der sich mit dem sibirischen Schamanismus beschäftigte. Er lebte in Kysyl, der Hauptstadt Tuwas.

Leben

Er entstammte einer Familie von Nomaden, Viehzüchtern, Schmieden, Geschichtenerzählern und Schamanen. Nach Absolvierung der Grundschule in Tschadan und des Gymnasiums in Kysyl studierte er in Leningrad Philologie und Geschichte. Er promovierte in Orientwissenschaften, wie es damals hieß und ging als Lehrer für tuwinische und russische Sprache und Literatur zurück nach Tuwa. Kurzfristig arbeitete er auch als Herausgeber einer Zeitschrift und als Lektor für einen Verlag.

Er gründete die schamanische Gesellschaft Düngür („Schamanentrommel“) und leitete zusammen mit Wissenschaftlern Forschungsreisen in das Landesinnere, 1993 mit dem finnischen Ethnologen und Filmemacher Heimo Lappalainen (1944–1994), 1994 mit dem amerikanischen Anthropologen Bill Brunton und der österreichischen Ethnologin Gabriele Weiss.

Er lebte zusammen mit seiner Frau Larisa Petrowna und seinen Töchtern Marina und Anna Monguschewna in Kysyl. Für seine Verdienste um die Erforschung des tuwinischen Schamanismus erhielt er von der Foundation for Shamanic Studies den Ehrentitel Living Treasure. Zeit seines Lebens sammelte er bei Geschichtenerzählern, Nomaden, Hirten und Sowchosen-Arbeitern, bei Dichtern und Schauspielern Mythen, Legenden, Gesänge und Algyshtar (Schamanenlieder). Aufgrund seines Eintretens für die schamanische Tradition Tuwas wurde er in der Sowjetzeit politisch verfolgt. Seine Großmutter Kuular Chandyschap, eine weithin bekannte Großschamanin, starb kurz nach ihrer Rückkehr aus 15-jähriger Haft in einem Gulag.

Sein literarisches Schaffen umfasst mehr als 60 Bücher (Romane, Novellen, Gedichtbände, wissenschaftliche Monografien) und mehrere hundert Aufsätze zu tuwinischer Folklore und zu tuwinischem Schamanismus. Zu den bekanntesten Buchtiteln gehören Der Große Weg, Die Strömungen des Großen Flusses und Die Jurte des Pferdehirten.

Schriften (Auswahl)

  • Schamanengeschichten aus Tuwa. Lamuv, Göttingen 2011, ISBN 978-3-88977-693-8.
  • Schamanengesänge aus Tuwa. Lamuv, Göttingen 2013, ISBN 978-3-88977-694-5.

Einzelnachweise

  1. ↑ Nachruf. In: rtyva.ru. 11. Februar 2022, abgerufen am 11. Februar 2022 (russisch). 
Normdaten (Person): GND: 142767964 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n86046653 | VIAF: 111909730 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Kenin-Lopsan, Mongusch Borachowitsch
ALTERNATIVNAMEN Kenin-Lopsan, Monguš Borachovič; Кенин-Лопсан, Монгуш Борахович (russisch); Кенин-Лопсаң, Моңгуш Бора-Хөө оглу (tuwinisch)
KURZBESCHREIBUNG russischer Historiker, Schriftsteller und Dichter
GEBURTSDATUM 10. April 1925
GEBURTSORT Tschasch-Tal, Sumon Chondergei, Tuwinische Volksrepublik
STERBEDATUM 10. Februar 2022



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Krafttier

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026

Krafttier (auch Geisttier oder Totemtier) ist ein Begriff für ein Geistwesen in Tiergestalt, das in der Esoterik und im Neoschamanismus verwendet wird. Es wird als spiritueller Wegbegleiter oder als Seelengefährte beschrieben.

Ursprung der Idee

Die Idee der Krafttiere wurde aus totemistischen und animistischen Konzepten ganz verschiedener ethnischer Religionen übernommen, in denen Schutzgeister in Gestalt anderer Lebewesen vorkommen. Vor allem in der Mythologie der Jäger und Sammler spielen Tiere eine bedeutende Rolle und werden zumeist als beseelt angesehen.[1] Beschrieben wird diese Vorstellung bei vielen nordamerikanischen Indianern und den schamanistischen Kulturen Sibiriens und der Arktis. In anderen Kulturen, in denen Schamanentum auftritt – zum Beispiel in Südamerika –, glaubt man ebenso wie in der Arktis und Sibirien an Hilfsgeister, die als Seelen verstorbener Ahnen, Pflanzen- oder Tiergeister gesehen werden. In Australien und Nordamerika sind die Schutzgeister überwiegend tiergestaltig.

Die Tiere, die dem Visionssuchenden oder Schamanen in seiner Trance als Geister erscheinen, werden als Hilfsgeister und Schutzgeister angesehen. Solche Geister (spiritus familiaris) unterscheiden sich von den göttlichen oder halbgöttlichen Wesen, die der Schamane in seinen Sitzungen anruft.

Tiergeister haben nach den Lehren verschiedener Formen des Schamanismus große Macht in den jenseitigen Ober- und Unterwelten. Sie sollen dem Schamanen helfen sich in diesen Welten zurechtzufinden und diese Welten zu verstehen. Auch werden diese Wesen angerufen um die Seele des Menschen auf Reisen in diesen Welten zu begleiten, zu beschützen, zu heilen und zu führen.

Der Schamane verfügt zumeist über mehrere Hilfsgeister in Tierform, die ihn bei seinen Aufgaben, dem Besuch geistiger Welten und dem Heilen von Krankheit, Elend und Unglück unterstützen (siehe Seelenreise). Der Schamane fällt hierbei in eine Trance und besichtigt imaginativ geistige Welten, wo er z. B. um die Rückkehr menschlicher Seelen bittet, die von bösen Geistern gefangen wurden.

Einige Schamanen haben nur einen Hilfsgeist in Tierform, andere mehrere oder viele. So haben Schamanen der nördlichen Ostjaken nur einen Tiergeist, den Bären, während im nördlichen Grönland ein Schamane bis zu fünfzehn Hilfsgeister hat. Bei einigen Völkern ist der Schamane umso mächtiger, je mehr Hilfsgeister er hat. In der Mythologie der Inuit kommen die Tiergeister aus freiem Willen herbei, wenn der Schamane sich als würdig erweist.

Bedeutung verschiedener Tiergeister im Schamanismus

Die Schamanen Sibiriens und der nordamerikanischen Arktis verkehren mit Geistern aus der Natur in Gestalt von Wölfen, Elchen, Bären, Raben, Fischen, Pferden, Schlangen und Vögeln.

Bei den Nenzen, Tschuktschen und Ewenken spielen Rentiere, Füchse, Bären und Wölfe traditionell eine wichtige Rolle in Mythen und Geschichten.

Das Verhältnis des Schamanen zu den Tiergeistern kann je nach Volk variieren, jedoch besteht immer eine enge Beziehung, die vom Verhältnis eines Wohltäters zu seinem Schützling bis zum Verhältnis eines Dieners zu seinem Herren reicht.

Die Rolle, die Tiere in der schamanischen Sitzung spielen, zeigt sich in der Einleitung der Sitzung und der Vorbereitung von Himmels- oder Unterweltsreisen, während der Schamane unter anderem das Verhalten von Tieren nachahmt und Tierschreie imitiert.

In den verschiedenen Stämmen der Arktis und Sibiriens werden bestimmte Tiergeister traditionell überliefert, die auch je nach Stamm verschiedene Rollen und Bedeutungen haben: Der Schamane soll z. B. in Form des Tieres selbst in Tranceerlebnissen in den jenseitigen Geistwelten reisen können, feindliche Wesen bekämpfen, oder die Tiere begleiten ihn bei seinen magischen Aufgaben. Eine wichtige Aufgabe des Schamanen arktischer Völker in Bezug auf Tiere ist es z. B., den Herrn der Tiere bei einer Seelenreise zu treffen und über Jagdbeute zu verhandeln. Bei den Ewenken ist dieser Herr der Tiere der Bär, der auch als das höchste Wesen angesehen wird. Bei den Völkern Nordostsibiriens und bei Inuitgruppen Alaskas, Kanadas und Grönlands hat der Rabe eine wichtige Rolle als Urahn der Menschen, Erschaffer der Erde und Kulturbringer.

Krafttiere in der Esoterik

In esoterischen Zusammenhängen in der westlichen Kultur spielen Krafttiere prinzipiell eine ähnliche Rolle wie die Tiergeister in ihren Ursprungskulturen. Das Tier wird hier zumeist mythisch-symbolisch verstanden und es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Methoden, mit diesen Tieren in Kontakt zu treten. Die sogenannten Krafttiere werden im Traum erkannt oder imaginiert, tänzerisch und lautlich nachgeahmt und dienen als Begleiter und Ratgeber im Zusammenhang mit imaginativen Vorstellungen.

Tiergeister können in zwei Gruppen unterteilt werden:

  • Die Krafttiere haben eine persönliche Beziehung zu dem Menschen, den sie begleiten, und bleiben bei ihm. Manche Menschen gehen davon aus, dass jeder ein Krafttier hat, nicht nur Schamanen, auch, wenn er es nicht kennt.
  • Im Gegensatz dazu begleiten Helfertiere einen Menschen entweder nur eine Zeit lang oder nur in bestimmten Situationen (z. B. Krankheiten), sonst sind sie nicht bei dem Menschen, dafür können sie mehreren Menschen (nacheinander) helfen. Sie haben keine persönliche Bindung zu den Menschen, die sie begleiten und unterstützen.

Das Symbol des jeweiligen Tieres wird zumeist so verstanden, dass die Verbindung zu dem Tier die jeweiligen symbolischen Eigenschaften auf den 'Schamanen' überträgt oder dessen Eigenschaften personifiziert. Ein Wolf, der in einem Rudel lebt, wäre auch mit Empathie ausgestattet oder der Fuchs soll hohe Intelligenz bewirken. Die symbolischen Eigenschaften der Tiere sind in der Esoterik zumeist nicht nur auf Stammesreligionen und Schamanismus bezogen, sondern speisen sich auch aus europäischen Überlieferungen wie z. B. Mythologie, Fabeln und Märchen.

Kritik

Manche Esoterikanbieter und Neoschamanen reißen unterschiedliche Vorstellungen ohne gemeinsamen kulturellen Ursprung aus ihrem Zusammenhang und mischen oder ändern sie zum Teil willkürlich. Viele von ihnen berufen sich auf indigene Kulturen als Ursprung der Krafttiere, sind jedoch nicht an einer Wiedergabe der ursprünglichen Inhalte interessiert. Der Hauptgrund ist oftmals lediglich die bessere Vermarktung. Dies zeigt sich in der enorm großen Zahl einschlägiger Bücher auf dem Markt. Entsprechend diesem uneinheitlichen, je nach Anbieter variierenden Konzept des Krafttiers gibt es unterschiedliche Formen von Krafttieren, die auf die Bedürfnisse des modernen Menschen zugeschnitten sind. Der ursprüngliche kulturelle Zusammenhang, in dem diese Ideen entstanden sind und wirksam waren, wird ignoriert.[2]

Demgegenüber weisen Anhänger neopaganer Glaubensvorstellungen darauf hin, dass die Urheber solcher Kritikpunkte in der Regel von monotheistischem Gedankengut geprägt sind und daher keine tatsächlich spirituelle Verbindung zur Thematik hätten, sondern eher von der Absicht getrieben wären, Schamanismus im Allgemeinen oder das Konzept der Krafttiere im Speziellen als okkulten Humbug zu entlarven. Sie berufen sich dabei auf das Konzept der Interkulturalität und die Tatsache, dass mündlich überlieferte Spiritualität im Gegensatz zum Monotheismus – wie etwa dem Christentum – weder eine strenge, festliegende Lehre besäße noch eine Abgrenzung von Religion und Alltag vornehmen würde.

Literatur

  • Hans Blazejewski: ZEN–aber tierisch. Mit deinen Krafttieren zur Meisterschaft. Sichtweise-Verlag, Lehrte 2004, ISBN 978-3-9809377-3-3.
  • Arthur Cotterell (Hrsg.): Mythologie. Götter, Helden, Mythen. Parragon, 2004
  • Mircea Eliade: The Encyclopedia of Religion. New York 1987
  • Mircea Eliade: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik. Frankfurt am Main 1980

Einzelnachweise

  1. ↑ Waldemar Stöhr: Lexikon der Völker und Kulturen. Westermann, Braunschweig 1972, ISBN 3-499-16160-5. S. 116.
  2. ↑ Gabriele Lademann-Priemer (ehem. Beauftragte für Sekten und Weltanschauungsfragen): Synkretismus. In: glaube-und-irrglaube.de, Hamburg, abgerufen am 22. Januar 2015.



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Éveline Lot-Falck

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026

Éveline Lot-Falck (* 1918; † 1974) war eine französische Anthropologin, Ethnologin und Religionswissenschaftlerin, deren Spezialgebiet die Religionen, speziell der Schamanismus der Völker Nordeuropas und Nordasiens waren. Ihre Eltern Ferdinand Lot und Myrrha Borodina waren beide Mediävisten. Ihr bekanntestes Werk, Les Rites des Chasse chez les peuples sibériens, behandelt die Jagdriten der sibirischen Völker und zieht dazu die wichtigsten russischen Studien heran.

Sie arbeitete am Musée de l’Homme in Paris. 1963 wurde ein Lehrstuhl für ihr Themengebiet „Religions comparées des peuples arctiques“ an der École pratique des hautes études in Paris geschaffen.

Hauptwerke

  • Eveline Lot-Falck: Les Rites des Chasse chez les peuples sibériens. Paris: Gallimard 1953 (L'Espèce humaine) (Online-Teilansicht)
  • Régis Boyer und Eveline Lot-Falck: Les religions de l'Europe du Nord. Eddas - Sagas - Hymnes chamaniques. Paris: Fayard/Denoel 1974 (Review)

Weblinks

  • Mauss et l'anthropologie des Inuit (PDF; 484 kB)
Normdaten (Person): GND: 119403277X (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | VIAF: 41889181 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Lot-Falck, Éveline
KURZBESCHREIBUNG französische Anthropologin, Ethnologin und Religionswissenschaftlerin
GEBURTSDATUM 1918
STERBEDATUM 1974



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Åke Hultkrantz

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Åke Hultkrantz (* 1. April 1920 in Kalmar; † 3. Oktober 2006) war ein schwedischer Religionswissenschaftler, der die Rituale und Praktiken rund um die Schamanen verschiedener Völker erforschte (→ Schamanismus, Schamanentrommel). Er lehrte an der Universität Stockholm und war dort von 1958 bis 1986 Professor und Präfekt am Religionsgeschichtlichen Institut. Seine 1953 vorgelegte Doktorarbeit schrieb er über die Vorstellungen nordamerikanischer Indianer von der Seele.[1]

In der Buchreihe Die Religionen der Menschheit verfasste er Beiträge über die Religion der Samen und der amerikanischen Arktis. Er publizierte auch über die Orpheus-Tradition der nordamerikanischen Indianer.

Leben und Werk

Der 1920 im schwedischen Kalmar geborene Hultkrantz nahm 1939 sein Studium der vergleichenden Religionswissenschaft, der Ethnologie und der Geschichte an der Universität Stockholm auf. 1943 graduiert, setzte er sein Ethnologiestudium fort und promovierte 1946. 1953 erlangte er einen zweiten Doktortitel in Religionswissenschaft; dazu erhielt er 1997 noch einen Ehrendoktor von der Universität Helsinki. Er unterrichtete zeitlebens an der Stockholmer Universität. Dort begann er als senior lecturer, dann als Professor für vergleichende Religion, wurde schließlich Direktor dieses Instituts. 1986 wurde er emeritiert.

Bereits 1944 und 1946 suchte er Gruppen der Saami auf, doch sein Schwerpunkt wurden die Indianer Nordamerikas, insbesondere die Shoshone in Wyoming und Idaho, die Arapaho der nördlichen Plains und die Stämme Kaliforniens.

1958 begannen seine Aufenthalte als Visiting Professor, wie etwa an der Brandeis University in Boston, der University of California in Santa Barbara (1973 bis 1990), der University of Montana Ende der 1970er Jahre, dazu kamen Aufenthalte in Budapest (1970), Wien (1973), Aberdeen (1976) sowie an anderen Hochschulen in England, Deutschland, Schweden und Finnland. 1981–1982 hielt er die Gifford Lectures in Aberdeen. Darüber hinaus besuchte er zahlreiche Amerikanistenkongresse seit 1956 sowie der Association of the History of Religion seit 1970. 1993 war er Präsident des Schamanismus-Kongresses in Budapest.

Hultkrantz begegnete den indianischen Kulturen weder mit der verbreiteten Vorstellung, sie seien dem Untergang geweiht, noch stellte er sich auf den Standpunkt der Regierungen Kanadas und der USA, sie seien minderwertig und daher durch die dominierende, von Europa inspirierte Kultur zu ersetzen. Im Gegenteil brachte er ihnen so viel Respekt entgegen, dass er von dem Schoschonen-Medizinmann John Trehero 1948 adoptiert wurde.

Allerdings wurde jüngst seinem Konzept, nach dem die indianischen Glaubensvorstellungen keine Religion, sondern eine „configuration“ in einem religiösen System darstellen, widersprochen.[2] Seine auf Ernst Arbman zurückgehende Theorie eines universalen „Seelendualismus“ wurde in der späteren religionsethnologischen Forschung teilweise kritisiert, da sie indigene Konzepte mit europäischen Begriffen wie „Seele“, „Körper“ und „Geist“ interpretiere.[3]

Er publizierte 25 Monographien und etwa 400 Aufsätze und war Mitherausgeber zahlreicher Fachzeitschriften. Dabei wurde er von seiner Frau Geraldine Hultkrantz unterstützt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • The North American Indians Orpheus Tradition. 2 Bände. Stockholm 1957.
  • Bachofen an the Mother Goddess: An Appraisal after one Hundred Years. In: Ethnos. Band 26, 1961, S. 75–85.
  • Ivar Paulson, Åke Hultkrantz, Karl Jettmar: Die Religionen Nordeurasiens und der amerikanischen Arktis. Die Religionen Nordeurasiens und der amerikanischen Arktis (Die Religionen der Menschheit, Band 3), Stuttgart: Kohlhammer 1962, ISBN 3-17-071051-6.
  • The Religions of the American Indians, 1981 (schwedische Ausgabe 1967), ISBN 0-520-04239-5.
  • The Drum in Shamanism. Some Reflections. In: Tore Ahlbäck, Jan Bergmann (Hrsg.): The Saami Shaman Drum. Based on Papers read at the Symposium on the Saami Shaman Drum held at Åbo, Finland on the 19th–20th of August 1988. Donner Institute for Research in Religious and Cultural History, Åbo 1991.
  • Shamanic healing and ritual drama, New York: The Crossroad Publishing Company 1992.
    • deutsche Ausgabe: Schamanische Heilkunst und rituelles Drama. Aus dem Amerikanischen Englisch übersetzt von Konrad Dietzelbinger, 1. Aufl. 1994, 2. Aufl. Diederichs, München 1996, ISBN 3-424-01166-5 (Diederichs gelbe Reihe, Band 112).
  • Soul and Native Americans. Edited with a forword by Robert Holland. Spring Publications, Woodstock, CT 1997, ISBN 0-88214-223-2 ( = Neuausgabe der Arbeit Conceptions of the soul among North American Indians. Schwedisches Ethnographisches Museum 1953).
  • Das Buch der Schamanen. Band 2: Nord- und Südamerika. Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Röhl. Ullstein, München 2002, ISBN 3-550-07558-8.

Weblinks

  • Literatur von und über Åke Hultkrantz im Karlsruher Katalog
  • Nachruf auf dem Portal der Gifford Lectures der Universität Aberdeen (auf Englisch).

Anmerkungen

  1. ↑ Dödsfall Åke Hultkrantz. Helsingborgs Dagblad, 12. Oktober 2006, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. September 2007; abgerufen am 24. April 2013 (schwedisch). 
  2. ↑ Lars Kirkhusmo Pharo: A Methodology for a Deconstruction and Reconstruction of the Concepts “Shaman” and “Shamanism”, in: Numen 58,1 (2011) 6-70.
  3. ↑ Guido Rappe: Die Seele des Primitiven in der wissenschaftlichen Sicht auf sie, Radevormwald: Kassandra Medienverlag 2026, S. 135–141.
Normdaten (Person): GND: 138719187 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n80001486 | VIAF: 90716495 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Hultkrantz, Åke
KURZBESCHREIBUNG schwedischer Religionswissenschaftler
GEBURTSDATUM 1. April 1920
GEBURTSORT Kalmar
STERBEDATUM 3. Oktober 2006



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  1. Huna
  2. Itako (Schamanismus)
  3. Grönländische Musik
  4. Michael Harner

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