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Bestattung von Bad Dürrenberg

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026

Die Bestattung von Bad Dürrenberg ist eine mesolithische Doppelbestattung einer 25 bis 35 Jahre alten Frau und eines etwa 6 bis 8 Monate[1] alten Kindes im heutigen Bad Dürrenberg im Saalekreis (Sachsen-Anhalt). Sie ist vor allem durch ihre ungewöhnlichen Grabbeigaben und medizinischen Anomalien bekannt geworden, aufgrund deren die Frau der Öffentlichkeit als „Schamanin von Bad Dürrenberg“ präsentiert wird.[2] Sie war archäogenetisch eine Vertreterin der Westeuropäischen Jäger und Sammler. Das Grab wurde 1934 bei Kanalarbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg gefunden.[3] Zwischen 1989 und 2014 wurden mittels Radiokarbonmethode insgesamt vier Altersbestimmungen am Skelettmaterial vorgenommen, die es auf ein Alter zwischen 9000 und 8600 Jahren[4] datieren.[5] Es handelt sich damit um die zweitälteste bekannte Bestattung in Sachsen-Anhalt. Heute ist der Fund im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.

Archäologische Befunde

Die initiale Ausgrabung 1934 erfolgte lediglich durch einen schmalen Graben, so dass Anteile der mit Rötel bedeckten Grabgrube unangetastet blieben. Im Dezember 2019 wurden im Kurpark von Bad Dürrenberg weitere Ausgrabungen im Bereich der vermuteten Fundstelle des Grabes durchgeführt. Die Grabungen waren erfolgreich und förderten die ursprüngliche Fundstelle zu Tage.

In der Nachgrabung konnten weitere Funde geborgen werden. Unmittelbar vor der eigentlichen Grabgrube wurde eine weitere, kleinere Grube entdeckt, die wohl etwa 600 Jahre nach der ursprünglichen Bestattung angelegt worden war. Sie wurde en bloc geborgen und im Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale) unter kontrollierten Bedingungen, mittels technisch-instrumenteller Verfahren untersucht. Unter anderem wurden zwei Masken aus Hirschgeweih gefunden, die dort etwa 600 Jahre nach dem Tod der Bestatteten niedergelegt worden waren.[6]

Die Frau war in aufrecht gehockter Haltung (Sitzbestattung) beigesetzt worden. Diese Bestattungsposition war für die Jäger und Sammler der Epoche nicht untypisch. Zwischen den Oberschenkeln hielt die Frau einen Säugling. Sitzbestattungen sind ein Phänomen, das regional vom Paläolithikum bis in die Eisenzeit und darüber hinaus zu finden ist.

Der archäologische Befund stellt sich wie folgt dar: Die Skelettreste und die Beigaben waren in der Grabgrube eingebettet. Nur die obere Hälfte des Schädels der Frau ragte heraus. Das pulverisierte Mineral ist in kultischem Kontext vielfach nachweisbar. In der Grube fand sich ein 30 g schweres Rötelstück mit einer angeriebenen Fläche. Ein plattiges, dreieckiges Stück aus amphibolitischem Schiefer und ein oval-rundliches Schiefergeröll hatten zum Zerreiben der Farbe gedient. Zwei zusammenpassende Schädelfragmente mit dem Geweih von Rehen und Bruchstücke von drei Unterkieferhälften könnten auf dem Kopf getragen oder an der Kleidung befestigt gewesen sein.

Außer den Skeletten der Frau und des 6 bis 8 Monate alten Säuglings wurden im Grab noch zwei isolierte Wirbelbögen von zwei 2- bis 6-jährigen Kleinkindern gefunden.[7]

Dazu wurden mehr als 100 Skelettreste von einer Vielzahl von Tieren gefunden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Schädelfragmente von Rehen und Zähne von Rothirschen, Wildschweinen und Ur oder Wisenten.[8] Über 20 Schneidezähnen von Wildschwein und Ur oder Wisent waren durchlocht und wurden wahrscheinlich als Halskette oder Schmuckanhänger an der Kleidung getragen. Ebenso zwei Schmuckplatten aus Wildschweinhauern. Etwa 40 Zähne vom Rothirsch und Reh, Ur oder Wisent sowie vier Eberhauer bzw. deren Fragmente weisen keine Durchlochung auf.[8] Von einigen Tieren war nur ein einziger Knochen vorhanden, so das Schulterblatt eines Igels, das Sprungbein eines Bibers und der Oberarmknochen eines Kranichs. Außerdem wurden die Panzerbruchstücke von mindestens sechs Sumpfschildkröten geborgen. Auf deren Innenseite wurden die Reste von zu Pulver geriebenem Hämatit nachgewiesen, dass als rotes Farbpigment Verwendung fand.[8]

Etwa 120 Schalenfragmente von Fluss-, Maler- und Flussperlenmuscheln stammen von vermutlich von Nahrungsbeigaben. Dem Säugling war eine Kette aus 14 durchbohrten Gyraulus-Schnecken mit ins Grab gegeben worden. Diese fossilen Schnecken stammen wahrscheinlich aus dem 320 km entferntem Steinheimer Becken.[8] In Bodenproben, die in der Nähe des Kopfes der Frau genommen wurden, konnten Fragmente von Federn, Haaren und Bastfasern nachgewiesen werden. Eines der Federfragmente wurde aufgrund seiner morphologischen Details den Gänsevögeln (Anserinae) zugeordnet. Die stark abgenutzten Grannenhaare wurden vorläufig als Haare von Auerochse oder Wisent identifiziert.[9] Außerdem wurden Pollen einer Vielzahl von Heil- und Blütenpflanzen in den Bodenproben nachgewiesen.[8]

In einem Behälter aus dem Langknochen eines Kranichs lagen 29 für die Mittelsteinzeit typische kleine, bearbeitete Feuersteinstücke, so genannte Mikrolithen. Es handelt sich dabei um Einsätze in Werkzeuge aus Holz, Knochen oder Geweih, so genannte Kompositgeräte. Neben weiteren Feuersteinen und Abschlägen zählen ein als Schlagstein benutztes Quarzitgeröll, eine geschliffene Flachhacke (oder ein Beil) aus schwarzem Hornblendeschiefer, eine Gerätfassung mit Schaftloch aus einem Hirschgeweihstück, vier Knochenpfrieme und eine 22,1 cm lange Knochenspitze zu den Gerätebeigaben.

Rekonstruktion nach Ausgrabung der Grabkammer

Die fast rechteckige Grabgrube von etwa 90 cm und 55 cm Tiefe war etwa 30 cm hoch mit Rötel gefüllt.[10] Nach Angaben des Grabungstechnikers Andreas Siegl ließe sich die Grabgrube wie folgt rekonstruieren: Bei dem Grab handelte es sich um ein rechteckiges, wahrscheinlich aus Weidenruten geflochtenes, korbartiges Behältnis. Die Grabkammer mit dem korbartigen Flechtwerk war sorgsam in den eigentlichen, achteckigen Bodenaushub eingelassen. Der Zwischenraum zwischen der Grubenwand und dem Flechtwerk wurde mit weißem Lehm verfüllt, die Innenseite zu den Leichnamen hin mit rotem Mineral verputzt. Es wird vermutet, dass die entstandene Grabkammer mit Hölzern nach oben hin abgedeckt wurde. Nachdem beide Leichname in der geflochtenen Grabkammer platziert worden waren, wurden sie mit einer ca. 30 cm dicken Schicht aus Rötel bestreut. Zusammen mit der Frau wurde ein maximal zwölf Monate altes männliches Kind bestattet.[11] Zu den Beigaben der Leichname im Grab gehörten diverse Feuersteinklingen, zwei Knochennadeln, eine Geweihhacke, ein geschliffenes Steinbeil und mehrere Schmuckplatten aus Hauern eines Wildschweins. Daneben fanden sich zwei Knochen eines Kranichs, ein Knochen eines Bibers und eines Rothirschs, Schneidezähne von Rothirschen, zwei zusammenpassende Schädelfragmente mit Geweih von einem Reh, Bruchstücke der Panzer von mindestens drei Sumpfschildkröten und Fragmente von Flussmuscheln etc. In einer Hülse aus Kranichknochen fanden sich 31 kleine Feuersteinklingen.

Anthropologische Befunde

Das Geschlecht des erwachsenen Individuums wurde zunächst als männlich bestimmt. Erste Nachuntersuchungen führten jedoch zu dem Ergebnis, dass es sich um ein weibliches Skelett handelte.[12] Die Frau war zum Zeitpunkt ihres Todes vermutlich zwischen 25 und 35 Jahren alt.[13] Die Rekonstruktion ihres Genoms (mit Hilfe von Knochenmaterial aus der Region des Felsenbeins) ergab, dass die Frau helle Augen und eher dunkle Haut hatte.[14]

Das Skelett des Babys war nach der Bergung sehr unvollständig. Das Kind war zum Zeitpunkt seines Todes ca. 12 Monate alt.[15] Wie Harald Meller und Kai Michel in ihrem 2022 erschienenen Buch Das Rätsel der Schamanin zeigen, handelt es sich bei dem Kind um einen nicht ersten Grades, möglicherweise aber dritten oder vierten Grades mit der Frau verwandten Jungen.[16][17] Bei der Nachgrabung (2019) war das Felsenbein des Jungen sichergestellt worden, so dass der Verwandtschaftsgrad mittels Genanalyse ermittelt werden konnte.[14]

Am Skelett der Frau gibt es einige pathologische Veränderungen (Paläopathologie), die für das Mesolithikum typisch sind. Hierbei handelt es sich um Abnutzungserscheinungen. Auffällig ist der gute Zustand der Zähne, wobei jedoch die Schneidezähne deutliche Abrasionen aufweisen, die durch gezielte Außeneinwirkung herbeigeführt sein müssen. Diese Abrasion ist so stark, dass die Nerven der Schneidezähne abstarben und der Kiefer der Frau sich entzündete. Diese Entzündungen waren jedoch lokal begrenzt und teilweise verheilt, so dass sie nicht als Todesursache in Betracht kommen.[14][18][19]

Eine weitere Besonderheit ist eine Anomalie am Atlaswirbel, die anfänglich fälschlicherweise für die Spur einer Enthauptung gehalten wurde. Diese Anomalie führte dazu, dass bei einer bestimmten Kopfbewegung eine Arterie eingeklemmt wurde, was die Blutzufuhr zum Gehirn kurz unterbrach. Da die Frau aber 25 bis 35 Jahre alt wurde, gingen einige Experten davon aus, dass diese Anomalie nicht tödlich gewesen sei.[20] Andere Forschende vermuteten, dass die Frau Kontrolle über diese Körperfunktion hatte und sich selbst in Trance versetzen konnte. Eine Abnutzung könnte jedoch zu einem Riss in der Gefäßwand geführt haben, was als Todesursache möglich wäre.[14]

Archäogenetischen Analysen

Genetische Abstammung von Jägern und Sammlern[21] in Europa zwischen 14.000 und 9.000 Jahren, wobei das Hauptverbreitungsgebiet der westlichen Jäger und Sammler (WHG, englisch Western Hunter-Gatherer) blau markiert ist. Einzelne Zahlen entsprechen kalibrierten Probendaten.[22]

Das genomische Abstammungsprofil der bestatteten Frau und der drei Kinder liegt im Bereich der archäogenetischen Analysen von mehreren weiteren Funden mesolithischer Jäger und Sammler aus dem Zentrum und Westeuropa, den westlichen (europäischen) Jäger-Sammlern(WHG).[7][23] Diese Abstammungslinie entstand während des Epipaläolithikums in den südlichen bzw. südöstlichen Teilen Europas und ersetzte bald die noch vorherrschende Magdalénien-assoziierte Abstammung im Letzteiszeitlichen Maximum, englisch Last Glacial Maximum (LGM). Der „neue“ Genomtyp wurde in Europa zum vorherrschenden Genomtyp im frühen Holozän in West-/Mitteleuropa. Osteuropa war die Heimat einer verwandten, aber unterscheidbaren Abstammungsform von (osteuropäischen) Jägern und Sammlern (EHG), und beide vermischten sich in einem longitudinalen Überlappungsbereich, der sich vom heutigen Skandinavien bis in die USA erstreckte. In den Untersuchungen konnte das mitochondriale Genom der Frau vervollständigt werden und bestätigte den Haplotyp mit der Abstammung Haplogruppe U, genauer U4b1b1b.[7][24]

Für die Frau konnte das vollständige Genom sequenziert werden. Damit konnte zweifelsfrei bestätigt werden, dass es sich um eine Frau gehandelt hat. Die analysierten Genvarianten deuten auf dunkle Haut, glattes, dunkles Haar und helle Augen hin.[7] Zu den drei Kindern bestand kein enges biologisches Verwandtschaftsverhältnis. Allerdings könnte eine entferntere Verwandtschaftsbeziehung vierten oder fünften Grades vorliegen.[7]

Die geschlechtsspezifische Analyse ergab, dass es sich bei den drei Kindern eindeutig um Jungen handelte.[7] Das Genom des Säugling stimmt vollständig mit dem Genom aus einem der Wirbel eines der Kleinkinder überein. Es muss sich also um eineiige Zwillinge gehandelt haben.[7] Das zweite Kleinkind, von dem ebenfalls nur ein Wirbel im Grab gefunden wurde, war gemäß der Verwandtschaftsanalyse ein Bruder der beiden Zwillinge.[7]

Interpretation

Aufgrund der Lage der Verstorbenen und der großen Menge an Beigaben, insbesondere des Rehgeweihs, wurde das Grab schon früh einer Schamanin zugeordnet. So sind z. B. die Schamanen der Tungusen in Sibirien für geschmückte Kleider mit einem bisweilen hoch aufragenden Geweih auf dem Kopf bekannt.

Die Interpretation wird durch den anthropologischen Befund gestützt. Denn die Anomalie (Anomalien am kraniozervikalen Übergang[25]) mit möglichen Auswirkungen auf die Strom- und Versorgungsgebiete der Arteria vertebralis bzw. Arteria basilaris könnte sie dazu befähigt haben, mit einem (verstärkten) Nicken ohnmächtig zu werden. Es ist möglich, dass ihre Zeitgenossen sie aufgrund dieser Fähigkeit für etwas Besonderes hielten.[26]

Zwar scheint die Hypothese für eine „schamanische Mesolithikerin“ durch etliche Indizien nicht unbegründet zu sein, bewiesen ist sie jedoch nicht. Thomas Terberger merkte an, dass Meller und Michel die Fundsituation, also den archäologischen Kontext stark spirituell-animistisch deuten, obwohl die Fundsituation der erwachsenen Toten auch ein Zeichen für einen präferierten Status, wie den einer Anführerin, sein könnte, wobei Terberger einräumt, dass diese beiden Aspekte in jener Epoche wahrscheinlich weniger getrennt waren.[27]

Die Tatsache, dass die beiden Zwillinge im Grab nicht gleichzeitig verstorben sind, lässt mehrere Interpredationen hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs der Bestattungen zu. Am wahrscheinlichsten ist es, dass Frau und Säugling zeitgleich bestattet wurden und es sich bei den beiden Wirbelknochen um Nachbestattungen handelt.[7] Es ist aber auch möglich, dass es sich bei allen drei Kindern um Nachbestattungen handelt oder aber dass sie vor der Frau verstorben sind und dann als mumifiziertes Bündel bzw. Einzelknochen mit ihr zusammen bestattet wurden.[7]

Unweit der Bestattung von Bad Dürrenberg haben Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Dehlitz (Burgenlandkreis) einen anderen Fundplatz aus der Epoche der Toten ausgegraben. Die Funde und Befunde deuten auf ein temporäres, von den Jäger- und Sammlergruppen mehrfach genutztes Jagdlager hin. Aufgrund der räumlichen Nähe – der Fundort liegt auf über 100 Meter Höhe und circa sieben Kilometer Luftlinie südlich – zum Grab von Bad Dürrenberg sowie der Ähnlichkeit des zur Geräteherstellung verwendeten Rohmaterials, der Verwandtschaft der Geräteformen und der zeitlichen Einordnung ist eine Verknüpfung des Jagdlagers bei Dehlitz mit der Bestattungsstätte möglich.[28][29]

Klimatisch und ökologische Situation

Die Letzte Kaltzeit endete mit dem Beginn des Holozän vor etwa 11.700 Jahren. Als Folge veränderte eine langsame Erwärmung die Ökosysteme, damit wandelten sich auch die Lebensbedingungen für die Menschen. Die bis zu diesem Zeitpunkt in den Tundren verbreiteten Tiere, etwa das Mammut, Wildpferde und Rentier, wurden durch die sich in Mitteleuropa großflächig ausbreitenden Wälder (Präboreal bzw. Boreal mit einem Kiefern-Birken-Mischwald) aus ihren natürlichen Habitaten zurückgedrängt. Die Jäger- und Sammlergruppen des Mesolithikums mussten ihre Ernährungsweise anpassen. Es waren andere Tierarten eingewandert, so etwa der Rothirsch und das Wildschwein, aber auch der Fischfang wurde bedeutungsvoller.[11]

Rezeption

Karol Schauers Rekonstruktionszeichnung der Schamanin von Bad Dürrenberg inspirierte mehrere moderne Produkte und künstlerische Werke. Der Spielzeughersteller Playmobil brachte eine Figur nach ihrem Vorbild heraus. Im US-amerikanischen Spielfilm Alpha von 2018 ist das Kostüm einer jungpaläolithischen Schamanin direkt der Ausstattung der Schamanin von Bad Dürrenberg nachempfunden. In der deutschen Fernsehserie Barbaren diente die Schamanin in den Jahren 2020 und 2022 als Vorbild für eine in mehreren Folgen auftretende germanische Priesterin.[30][31] Im Sommerhalbjahr 2026 richtete das Museum für Vorgeschichte eine Sonderausstellung zum Thema Schamanismus aus, in dessen Zentrum wiederum der Fund von Bad Dürrenberg stand.[32]

Literatur

Allgemeines:

  • Michael Baales, Hans-Otto Pollmann, Bernhard Stapel (Hrsg.): Westfalen in der Alt- und Mittelsteinzeit. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2013, ISBN 978-3-8053-4793-8, S. 167
  • Daniel Groß: Welt und Umwelt frühmesolithischer Jäger und Sammler. Mensch-Umwelt-Interaktion im Frühholozän in der nordmitteleuropäischen Tiefebene. Dissertationsschrift, Christian-Albrechts-Universität, Kiel 2013, auf macau.uni-kiel.de [6]

Spezielles:

  • Friedrich Karl Bicker: Ein schnurkeramisches Rötelgrab mit Mikrolithen und Schildkröte in Dürrenberg, Kr. Merseburg. In: Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder. Band 24, 1936, S. 59–81.
  • Volkmar Geupel: Das Rötelgrab von Bad Dürrenberg, Kr. Merseburg. In: Joachim Herrmann (Hrsg.): Archäologie als Geschichtswissenschaft (= Schriften zur Ur- und Frühgeschichte). Band 30. Berlin 1977, S. 101–110. 
  • Judith M. Grünberg: Bad Dürrenberg, Ldkr. Merseburg-Querfurt. In: Siegfried Fröhlich (Hrsg.): Aus der Vorgeschichte Sachsen-Anhalts. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), Halle (Saale) 1995, ISBN 3-910010-13-X, Nr. 4.
  • Judith M. Grünberg: Mesolithische Bestattungen in Europa. Ein Beitrag zur vergleichenden Gräberkunde (= Internationale Archäologie. Band 40). 2 Bände. Marie Leidorf, Rahden 2000, ISBN 3-89646-312-8.
  • Judith M. Grünberg: Die mesolithischen Bestattungen in Mitteldeutschland. In: Harald Meller (Hrsg.): Katalog zur Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Band 1. Halle Saale 2004, S. 275–291. 
  • Judith M. Grünberg: The Mesolithic burials of the Middle Elbe-Saale region. In: Judith M. Grünberg et al. (Hrsg.): Mesolithic burials - Rites, symbols and social organisation of early postglacial communities. International Conference Halle (Saale), Germany, 18th-21st September 2013 (= Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle. Band 13/I). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2016, ISBN 978-3-944507-43-9, S. 257–290 (Online).
  • Judith M. Grünberg, Heribert A. Graetsch, Karl-Uwe Heußner, Karla Schneider: Analyses of Mesolithic grave goods from upright seated individuals in Central Germany. In: Judith M. Grünberg et al. (Hrsg.): Mesolithic burials - Rites, symbols and social organisation of early postglacial communities. International Conference Halle (Saale), Germany, 18th-21st September 2013 (= Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle. Band 13/I). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2016, ISBN 978-3-944507-43-9, S. 291–328 (Online).
  • Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine Reise zu unseren archäologischen Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2.
  • Maja Pasarić; ‘Come and Give my Child Wit’. Animal Remains, Artefacts, and Humans in Mesolithic and Neolithic Hunter-gatherer Graves of Northern Europe. In: Proceedings of the Prehistoric Society. Band 89, 2023, S. 207–224.
  • Martin Porr: Grenzgängerin – Die Befunde des mesolithischen Grabes von Bad Dürrenberg. In: Harald Meller (Hrsg.): Paläolithikum und Mesolithikum (= Kataloge zur Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Band 1). Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle (Saale) 2004, ISBN 3-910010-80-6, S. 291–300.
  • Martin Porr, Kurt W. Alt: The Burial of Bad Dürrenberg, Central Germany: Osteopathology and Osteoarchaeology of a Late Mesolithic Shaman's Grave. In: International Journal of Osteoarchaeology. Band 16/5, 2006, S. 395–406 (Online).
  • Jörg Orschiedt: Manipulation an Menschlichen Skelettresten. Taphonomische Prozesse, Sekundärbestattung oder Kannibalismus? In: Urgeschichtliches Materialheft. Band 13, 1999. 
  • Jörg Orschiedt, Wolfgang Haak, Holger Dietl, Andreas Siegl, Harald Meller: The Shaman and the Infant: The Mesolithic Double Burial from Bad Dürrenberg, Germany. In: Harald Meller, Johannes Krause, Wolfgang Haak, Roberto Risch (Hrsg.): Kinship, Sex, and Biological relatedness. The contribution of archaeogenetics to the understanding of social and biological relations (= Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale). Band 28). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), Halle (Saale) 2023, ISBN 978-3-948618-66-7 (Online).

Belletristik:

  • Ekkehard Götz: Die Glücklichen - Novelle aus der Mittelsteinzeit, jeffbooks, Fulda 2025, ISBN 978-3-00-083059-4

Filme

  • Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg | Museum exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 22. Februar 2021, abgerufen am 28. Juli 2022.
  • Eine mächtige Frau: die Schamanin im Landesmuseum | Museum exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 23. April 2021, abgerufen am 28. Juli 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Die Wiederentdeckung des Grabes | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 20. Oktober 2022, abgerufen am 27. Oktober 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Altgrabung trifft moderne Methoden | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 27. Oktober 2022, abgerufen am 27. Oktober 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Die Neufunde | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 3. November 2022, abgerufen am 3. November 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Der Kranichknochenbehälter | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 10. November 2022, abgerufen am 10. November 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Spurensuche am Skelett der Schamanin | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 17. November 2022, abgerufen am 17. November 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Rekonstruktion der Grabgrube | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 1. Dezember 2022, abgerufen am 24. Dezember 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Am Fundort | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 18. Dezember 2022, abgerufen am 24. Dezember 2022.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Geheimnisvolle Masken | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 12. Januar 2023, abgerufen am 12. Januar 2023.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Was ist Schamanismus? | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 19. Januar 2023, abgerufen am 19. Januar 2023.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Das rätselhafte Kind | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 2. Februar 2023, abgerufen am 2. Februar 2023.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Die Krankenakte | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 9. Februar 2023, abgerufen am 9. Februar 2023.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Die Tierwelt | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 16. Februar 2023, abgerufen am 16. Februar 2023.
  • Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Ein Resümee | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. 23. Februar 2023, abgerufen am 23. Februar 2023.
  • Lady Sapiens – Auf den Spuren eines Steinzeit-Mythos. 28. Dezember 2022, 43 Minuten, auf zdf.de [7]
  • Terra X. Das Grab der Schamanin - Ein Geheimnis aus der Steinzeit. Ein Film von Christian Stiefenhofer. Unter Mitwirkung von Jörg Orschiedt, Harald Meller, Kai Michel, Andreas Siegl, Wolfgang Haak, Maité Rivollat, Lukas Fischer, Franziska Knoll und Walter Wohlgemuth. D/F 2024, ZDF/Arte, 44 min. Abgerufen am 16. Februar 2026.

Hörbuch

  • Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. CD-Hörbuch gelesen von Helge Heynold, Lagato Verlag, ISBN 978-3-95567-916-3.

Weblinks

  • Sammlung: Grab der Frau von Bad Dürrenberg, Saalekreis (ca. 7.000 – 6.600 v. Chr.). In: Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. 12. Oktober 2014; abgerufen am 1. März 2023. 
  • Michael Hollenbach: 9000 Jahre altes Grab: Die Schamanin von Bad Dürrenberg. (mp3-Audio; 10 MB; 10:47 Minuten) In: Deutschlandfunk-Sendung „Tag für Tag“. 27. Februar 2023; abgerufen am 1. März 2023. 
  • Christian Stiefenhofer: Das Grab der Schamanin - ein Geheimnis aus der Steinzeit. (Video;43:03 Minuten) In: Zweites-Deutsches-Fernsehen-Sendung „Terra X“. 17. November 2024; abgerufen am 17. November 2024. 

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Schamanin von Bad Dürrenberg: Das rätselhafte Kind | Archäologie exklusiv. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. In: YouTube. Minute 3:15. 2. Februar 2023, abgerufen am 2. Februar 2023.
  2. ↑ So vom Landesmuseum für Vorgeschichte selbst: https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/dauerausstellung/menschenwechsel/die-schamanin-von-bad-duerrenberg.html (Abgerufen am 16. August 2023)
  3. ↑ J. M. Grünberg: Mesolithische Bestattungen in Mitteldeutschland. 2004, S. 275–287.
  4. ↑ vergleiche Epipaläolithikum bzw. Mesolithikum
  5. ↑ Judith M. Grünberg: The Mesolithic burials of the Middle Elbe-Saale region. 2016, S. 263–267.
  6. ↑ Spektakuläre Neufunde beim Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg. Zwei Hirschgeweihmasken beim ältesten Grab Sachsen-Anhalts entdeckt. In: archlsa.de. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, 16. September 2022, abgerufen am 16. September 2022. 
  7. ↑ a b c d e f g h i j Jörg Orschiedt, Wolfgang Haak: Die Schamanin und die Kinder: Osteologie, Verwandtschaft und Genetik westlicher Jäger und Sammler. In: Harald Meller, Michaela Schefzig, Anja Stadelbacher (Hrsg.): Die Schamanin. Begleitband zur Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale). Hirmer, Halle 2026, ISBN 978-3-911693-07-3, S. 55–59
  8. ↑ a b c d e Franziska Knoll, Jörg Orschiedt, Andreas Siegl, Harald Meller: Ein ganzer Kosmos im Grab: Die Bestattung der Schamanin von Bad Dürrenberg. In: Harald Meller, Michaela Schefzig, Anja Stadelbacher (Hrsg.): Die Schamanin. Begleitband zur Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale). Hirmer, Halle 2026, ISBN 978-3-911693-07-3, S. 39–53
  9. ↑ Tuija Kirkinen: Federn und Fell im Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg. In: Harald Meller, Michaela Schefzig, Anja Stadelbacher (Hrsg.): Die Schamanin. Begleitband zur Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale). Hirmer, Halle 2026, ISBN 978-3-911693-07-3, S. 60–61
  10. ↑ Zeichnerische Darstellung der Grabkammer durch Karol Schauer, auf static.nationalgeographic.de [1]
  11. ↑ a b Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine Reise zu unseren archäologischen Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 209–213
  12. ↑ V. Geupel: Das Rötelgrab von Bad Dürrenberg, Kr. Merseburg. 1977, S. 102.
  13. ↑ J. Orschiedt: Manipulation an Menschlichen Skelettresten. Taphonomische Prozesse, Sekundärbestattung oder Kannibalismus? 1999, S. 128.
  14. ↑ a b c d Das Grab der Schamanin - ein Geheimnis aus der Steinzeit. Terra X, abgerufen am 17. Februar 2025
  15. ↑ J.M.Grünberg: Die mesolithische Bestattungen in Mitteldeutschland. 2004, S. 275.
  16. ↑ Kai Michel, Harald Meller: Das Rätsel der Schamanin. 1. Auflage. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 240 f. (368 S.). 
  17. ↑ Roberto Risch, Wolfgang Haak, Johannes Krause, Harald Meller: Kinship, Sex, and Biological Relatedness – The contribution of archaeogenetics to the understanding of social relations. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, BAND 28 (2023), HTTPS://WWW.DOI.ORG/10.11588/PROPYLAEUM.1280.C18044, auf researchgate.net [2] S. 20
  18. ↑ Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. 1. Auflage. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 304. 
  19. ↑ M. Porr, K. W. Alt: The Burial of Bad Dürrenberg, Central Germany: Osteopathologyand Osteoarchaeology of a Late Mesolithic Shaman’s Grave. In: Int. J. Osteoarchaeol. 16: S. 395–406 (2006), DOI:10.1002/oa.839
  20. ↑ Jörg Orschiedt: Manipulation an Menschlichen Skelettresten. Taphonomische Prozesse, Sekundärbestattung oder Kannibalismus? 1999, S. 128–129
  21. ↑ vergleiche hierzu auch den Cheddar Man
  22. ↑ Cosimo Posth, He Yu, Ayshin Ghalichi: Palaeogenomics of Upper Palaeolithic to Neolithic European hunter-gatherers. In: Nature. (March 2023) 615 (7950): S. 117–126. Bibcode:2023Natur.615..117P. doi:10.1038/s41586-023-05726-0. ISSN 1476-4687. PMC 9977688. PMID 36859578. S2CID 257259969.
  23. ↑ I.Lazaridis, N.Patterson, A.Mittnik, G.Renaud, S. Mallick: Ancient human genomes suggest three ancestral populations for present-day Europeans. In: Nature 513, 2014, S. 409–413, https://doi.org/10.1038/nature13673
  24. ↑ Jörg Orschiedt, Wolfgang Haak, Holger Dietl, Andreas Siegl, Harald Meller: The Shaman and the Infant: The Mesolithic Double Burial from Bad Dürrenberg, Germany. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, BAND 28, 2023, S. 132–133
  25. ↑ Michael Rubin: Anomalien am kraniozervikalen Übergang. New York Presbyterian Hospital-Cornell Medical Center, Januar 2022, auf msdmanuals.com [3]
  26. ↑ Martin Porr: Grenzgängerin – Die Befunde des mesolithischen Grabes von Bad Dürrenberg. 2004, S. 295.
  27. ↑ Esther Widmann: Schamanin oder nicht: Ein 9000 Jahre altes Grab in Deutschland zeugt von einer Frau mit besonderen Fähigkeiten. In: Neue Zürcher Zeitung online, 27. April 2023
  28. ↑ Ausgrabungen in einer 9.000 Jahre alten Fundstelle bei Dehlitz in Sachsen-Anhalt. 15. September 2023, auf archaeologie-online.de [4]
  29. ↑ Andy Reymann: ‚Schamane‘ oder nicht ‚Schamane‘? Zur Problematik der Nutzung eines ethnologischen Terminus bei der Analyse vorgeschichtlicher Bestattungen. In: Nils Müller-Scheeßel (Hrsg.): ‚Irreguläre’ Bestattungen in der Urgeschichte: Norm, Ritual, Strafe …? (= Band 19 Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte), Rudolf Habelt, Bonn 2013, ISBN 978-3-7749-3862-5, S. 65–74, auf researchgate.net [5]
  30. ↑ Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine Reise zu unseren archäologischen Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 160–169.
  31. ↑ Martin Porr. In: twitter.com. 6. Dezember 2020, abgerufen am 23. Mai 2023. 
  32. ↑ https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/sonderausstellungen/die-schamanin (abgerufen am 19. Mai 2026)

51.29362112.063168Koordinaten: 51° 17′ 37″ N, 12° 3′ 47,4″ O




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Babalawo

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026
Ein Babalawo

Babalawo oder Babalaô (von Yoruba: babaláwo= ‚Vater der Geheimnisse‘) [babala:'o] ist ein Sammelbegriff für die Priester, Geisterbeschwörer und Kräuterheiler der Yoruba in Westafrika.

Der Begriff erfasst ganz unterschiedliche Personen und Tätigkeiten, von Orakelauslegern über Initiationspriester bis zu Heilpflanzenexperten, die in ihrer Tätigkeit an keinen bestimmten Kult gebunden sind. Die negative Einschränkung auf Magier, die sich mit Schadenzauber befassen, kam erst in den 1980er Jahren mit der zweiten Welle der Christianisierung in Afrika auf. Der entsprechende Begriff bei den Igbo heißt Dibia.

Babalawo werden auch die Priester des Orunmila-Ifa eines Orixá (= Gottheit des Candomblé-Kultes) in Brasilien genannt, sowie die Priester der Yoruba in Kuba.

Weblinks

Commons: Babalawo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien



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Hirschgeweihmasken von Bedburg-Königshoven

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026

Die Hirschgeweihmasken von Bedburg-Königshoven sind maskenartig zugeformte Hirschschädel samt Geweih aus der Mittelsteinzeit.[1] Sie gelten als einer der ältesten Hinweise auf einen prähistorischen Schamanismus.

Lage und Erforschung des Fundplatzes

Der mittelsteinzeitliche Fundplatz in Bedburg-Königshoven lag in der Nähe des ehemaligen Dorfes Morken, etwa 5 km südwestlich von Grevenbroich und 20 km südöstlich von Mönchengladbach. Der Ort ist heute durch den Braunkohleabbau zerstört. Zur Besiedlungszeit während des Präboreals lag der Fundplatz unmittelbar am Ufer eines Erftarms. Der eigentliche Siedlungsplatz wurde durch die Ausgrabungen 1987 nicht mehr erfasst; er war bereits dem Tagebau zum Opfer gefallen. Nur der Flachwasserbereich vor der Siedlung wurde von den Ausgrabungen erfasst und auf 370 m² ausgegraben.

Entdeckt wurde der Fundplatz im Sommer 1987 während einer Exkursion des Geographischen Instituts der Universität Düsseldorf durch die Entdeckung eiszeitlicher Tierknochen. Daraufhin untersuchten Archäologen des damaligen Forschungsbereichs Altsteinzeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (heute: Monrepos Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution) die Fundstelle. Dabei stießen sie auf die erste Rothirschgeweihmaske, die durch deutliche Spuren menschlicher Bearbeitung auffiel. Dieser Fund und die zu erwartende gute Erhaltung organischen Fundmaterials waren der Auslöser für die bis Anfang 1988 laufenden Ausgrabungen durch Dr. Martin Street (Monrepos Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution). Hierbei wurden neben zahlreichen Steinwerkzeugen der frühen Mittelsteinzeit viele gut erhaltene Tierknochen (Rothirsch, Reh, Auerochse, Hund, Vögel, Fische) entdeckt, darunter eine weitere Hirschgeweihmaske[2] Es handelt sich bei den Funden um den Abfall der Siedlung am Flussufer. Die Forschungen durch Street ergaben wichtige Aufschlüsse zur menschlichen Lebensweise am Beginn unserer heutigen Warmzeit, vor allem zu Jagd und Ernährung.

Beschreibung der Masken

Beide Masken bestehen aus dem Schädeldach von Rothirschen mit dessen vollständigem Geweih. Das Geweih der ersten Maske gehörte einem Vierzehnender, das der zweiten einem Zwölfender. Bei beiden wurde das Schädeldach zunächst vom übrigen Schädel abgeschlagen. Seitlich zeigen die Schädeldächer deutliche runde Perforationen von ca. 1–2 cm Durchmesser. Bei dem Zwölfender ist das Nasenbein noch erhalten[2].

Vorderansicht der RGZM-Kopie der Bedburg-Königshoven-Geweihfront 1
Seitenansicht der RGZM-Kopie der Bedburg-Königshoven-Geweihfront 1
Detaillierte Seitenansicht der RGZM-Kopie der Bedburg-Königshoven-Geweihfront 1

Vergleichsfunde

Es gibt nur wenige Vergleichsfunde. Weitere Exemplare stammen von den frühmesolithischen Fundplätzen Wohnplatz Hohen Viecheln, Star Carr, Berlin-Biesdorf und Plau am See. Im Unterschied zu den Masken von Bedburg-Königshoven sind die Geweihe bei diesen Exemplaren stark reduziert und/oder ausgedünnt und die Perforationen teilweise auf den hinteren Schädelbereichen (Hohen Viecheln, Star Carr, Plau) oder gar nicht vorhanden (Berlin-Biesdorf)[2].

Datierung

Die Masken lagen in Seesedimenten (Mudden), die laut Pollenanalyse in das Präboreal datieren. Die C14-Datierung zweier Holzstücke (KN-3998; KN-3999) liefert ein absolutes Datum von etwa 9780±100, bzw. 9600±100 BP für die mesolithische Besiedlung des Fundplatzes[3]. Analysen der ebenfalls gefundenen Fauna sowie der Steinartefakte bestätigen diese Alterszuordnung.[1]

Deutung und Bedeutung

Die Interpretation der Masken als Jagdhilfe oder Teil des schamanischen Ritus geht bereits auf den ersten Bearbeiter der Masken von Star Carr, Sir John Grahame Clark, zurück: „…had the frontlets merely been attached to stakes or structures as some form of trophy, but which would fit admirably the hypothesis that they were intended to be worn as some kind of mask or head-dress“[4]. Bis heute fehlt es jedoch an einer fundierten Untersuchung der Hirschgeweihmasken, so dass der wissenschaftliche Diskurs nicht über die ethnologischen und ethnographischen Vergleiche von Clark hinauskommt und die Bedeutung der Hirschgeweihmasken nur in theoretischen Ansätzen besprochen wird[4]. Dass den Masken eine nichtalltägliche Bedeutung zukommen kann, zeigt sich an der seit dem Jungpaläolithikum belegten Existenz von Mischwesen und der gesteigerten Bedeutung von Hirschgeweihen als Symbol, welche sich beispielhaft am Löwenmenschen vom Hohlenstein-Stadel, dem Dieu cornu aus Les Trois Frères, der Darstellung des Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup oder der Zeichnung eines Schamanen der Tungusen bis heute in unterschiedlichster Art und Weise zeigt[4].

Neue Untersuchungen der Hirschgeweihmasken von Bedburg-Königshoven in Monrepos Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensentwicklung konzentrieren sich auf die Technik ihrer Herstellung und die Gebrauchsspuren und können so neue Argumente für deren Nutzung und die Interpretation paläolithischer Kunst liefern.[5]

Siehe auch

  • Schädelmaske

Literatur

  • John G. D. Clark: Excavations at Star Carr. An early mesolithic site at Seamer near Scarborough, Yorkshire. Cambridge University Press, Cambridge 1954.
  • Chantal Conneller: Becoming deer. Corporeal transformations at Star Carr. In: Archaeological Dialogues. Band 11, Nummer 1, 2004, S. 37–56, doi:10.1017/S1380203804001357.
  • Martin Street: Jäger und Schamanen. Bedburg-Königshoven, Ein Wohnplatz am Niederrhein vor 10000 Jahren. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 1989, ISBN 3-88467-021-2.
  • Sabine Gaudzinski-Windheuser, Olaf Jöris (Hrsg.): 600.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Begleitbuch zur Ausstellung im Museum für die Archäologie des Eiszeitalters, Schloss Monrepos, Neuwied. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2006, 68–71, ISBN 3-88467-103-0.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b M. Street: Jäger und Schamanen. Bedburg-Königshoven. Ein Wohnplatz am Niederrhein vor 10000 Jahren. Mainz 1989, S. 44.
  2. ↑ a b c M. Street: Jäger und Schamanen. Bedburg-Königshoven. Ein Wohnplatz am Niederrhein vor 10000 Jahren. Mainz 1989, S. 9–11.
  3. ↑ J. G. D. Clark, Excavations at Star Carr. An early mesolithic site at Seamer near Scarborough, Yorkshire. Cambridge 1954, S. 168–172.
  4. ↑ a b c M. Street: Jäger und Schamanen. Bedburg-Königshoven. Ein Wohnplatz am Niederrhein vor 10000 Jahren. Mainz 1989, S. 44–45.
  5. ↑ Jahresbericht des RGZM, Mainz.



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Schamanismus

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026
Burjaten-Schamane mit Trommel im Zeremonialgewand (1904) – das klassische sibirische Schamanentum dient häufig als Paradigma für die verschiedensten Schamanismus-Konzepte.
„Schamane“ aus Amazonien (2006) – das Vorkommen des Schamanismus über Eurasien hinaus ist aus wissenschaftlicher Sicht jedoch umstritten.

Schamanismus bezeichnet im engeren Sinne die traditionellen ethnischen Religionen des Kulturareales Sibirien (Nenzen, Jakuten, Altaier, Burjaten, Ewenken, auch europäische Samen und andere), bei denen das Vorhandensein von Schamanen von europäischen Forschern der Expansionszeit als wesentliches gemeinsames Kennzeichen erachtet wurde.[1] Zur besseren Abgrenzung werden diese Religionen häufig „klassischer Schamanismus“ oder auch „sibirischer Animismus“ genannt.[2]

In diesem Zusammenhang handelt es sich bei den Šamán um spirituelle Spezialisten, um Männer wie Frauen, die bei den ostsibirischen Ethnien der Tungusen wirken, wohingegen die meisten Turkvölker den Schamanen „qam“, „kam“ oder „xam“ nennen.[3]

Im weiteren Sinne steht Schamanismus für alle wissenschaftlichen Konzepte, die aufgrund von ähnlichen Praktiken spiritueller Spezialisten in verschiedenen traditionellen Gesellschaften die kulturübergreifende Existenz des Schamanismus postulieren. Nach László Vajda[4] und Jane Monnig Atkinson[A 1] sollte aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Konzepte treffender von Schamanismen im Plural gesprochen werden.

Sibirische Schamanen und verschiedene Geisterbeschwörer anderer Ethnien – die ebenfalls häufig verallgemeinernd als Schamanen bezeichnet werden – hatten oder haben in vielen traditionellen Weltanschauungen angeblich Einfluss auf die Mächte des Jenseits. Sie setzten ihre Fähigkeiten vorwiegend zum Wohle der Gemeinschaft ein, um in unlösbar erscheinenden Krisensituationen die „kosmische Harmonie“ zwischen Diesseits und Jenseits wiederherzustellen. In diesem weiten Sinne bezeichnet Schamanismus eine Reihe unscharf bestimmter Phänomene „zwischen Religion und Heilritual“.[5][6][7][8][9][10][Anmerkung 1]

Eine nähere allgemeingültige Bestimmung ist nicht möglich, da die Definition verschiedene Betrachtungsweisen aus Sicht der Ethnologie, Kulturanthropologie, Religionswissenschaften, Archäologie, Soziologie und Psychologie enthält.[11][12] Dies hat unter anderem zur Folge, dass Angaben zur räumlichen und zeitlichen Verbreitung der „Schamanismen“ erheblich voneinander abweichen und in vielen Fällen umstritten sind.[13][14][15] Der US-amerikanische Ethnologe Clifford Geertz sprach daher bereits in den 1960er Jahren dem „westlich idealistischen Konstrukt Schamanismus“ jeglichen Erklärungswert ab.[A 2]

Einig ist man sich lediglich bei der „engen Definition“ des klassisch sibirischen Schamanismus – dem Ausgangspunkt der ersten „Schamanismen“. Dazu gehört vor allem die genaue Beschreibung der dort praktizierten rituellen Ekstase, eine weitgehend übereinstimmende ethnische Religion sowie eine ähnliche Kosmologie und Lebensweise.[16][12][17]

Nach weiter gefassten Definitionen wird Schamanismus bis in die 1980er Jahre als frühe, kulturübergreifende Entwicklungsstufe jeglicher Religion betrachtet.[16] Vor allem das Konzept des Core-Schamanismus von Michael Harner ist hier zu nennen. Diese Auslegung gilt jedoch mittlerweile als nicht konsensfähig.[15] Seit den 1990er Jahren steht häufig der Aspekt des „Heilens“ im Mittelpunkt des Interesses (und der jeweiligen Definition).[11]

Demgegenüber geht der Indologe Michael Witzel davon aus, dass es angesichts der Ähnlichkeit australischer, andamanischer, indischer und afrikanischer Initiationsrituale mit den entsprechenden sibirischen Ritualen, die die Phänomene der aufsteigenden Hitze, Trancen (Dreamers), Ekstase und Kollaps, symbolischen Tod und Wiedergeburt, Verwendung psychoaktiver Drogen, Tabubewahrung, Zauberei und Heilung umfassen, einen älteren Prototyp des Schamanismus gegeben habe. Dieser habe sich mit der Out-of-Africa-Wanderung des modernen Menschen entlang der Küsten des Indischen Ozeans und früh auch nach Eurasien und Nordamerika verbreitet. Dafür sprächen spätpaläolithische Bärenkulte und Felszeichnungen wie in Les trois frères (Abb. siehe unten). Der sibirische Schamanismus stelle eine jüngere Evolutionsstufe dieses Prototyps dar (mit Fellkleidung, Trommel usw.); er habe über weitere Wanderungswellen die nordamerikanischen Jägerkulturen sekundär beeinflusst. An die Stelle des Opfers wilder Tiere, die der Schamane vorher um Erlaubnis für die Tötung fragt oder bei denen er sich für die Tat entschuldigt (so bei den Bärenkulten der Schamanen der Ainu, Aleuten und der transbaikalischen Völker), seien später domestizierte Tiere wie das Rentier (in Sibirien) oder Hunde (wie in Russland oder Indien) getreten.[18] Insofern folgt Witzel der weiten phänomenologischen Schamanismus-Definition von Walter und Fridman.[19]

Da bereits der klassische Schamanismus Sibiriens etliche Varianten aufweist, werden weiter reichende geographische oder historische Auslegungen, die solche Phänomene aus ihrem kulturellen Kontext gelöst betrachten und verallgemeinern, von vielen Autoren als spekulativ kritisiert.[20][14] In der zeitgenössischen Literatur – populärwissenschaftlichen (insbesondere esoterischen) Büchern, aber auch wissenschaftlichen Schriften – wird in diesem Zusammenhang oftmals nicht deutlich gemacht, auf welche Ethnien sich Darstellungen zu bestimmten schamanischen Praktiken konkret beziehen, so dass regionale (oft sibirische) Phänomene auch in anderen Kulturen verortet werden, in deren Traditionen sie tatsächlich jedoch fremd sind. Beispiele dafür sind der Weltenbaum und die gesamte schamanische Kosmologie: in Eurasien verankerte mythologische Konzepte, die hier mit ähnlichen Archetypen anderer Weltgegenden gleichgesetzt werden und so das irreführende Bild eines einheitlichen Schamanismus erzeugen.[14] Witzel sieht jedoch in der eurasischen (germanischen, indischen, japanischen usw.) Vorstellung vom Baum des Lebens, der erstiegen werden muss, beziehungsweise im Weltenbaum nur eine Analogie zur älteren Vorstellung des Schamanenflugs, die nichts mit anderen Baummythen zu tun habe.[21]

Insbesondere die äußerst erfolgreichen Bücher von Mircea Eliade, Carlos Castaneda und Harner haben den „modernen Mythos Schamanismus“ erzeugt, der suggeriert, dass es sich dabei um ein universelles und homolog entstandenes religiös-spirituelles Phänomen handeln würde. Im Hinblick auf das große Interesse in der Bevölkerung[22] weisen einige Autoren darauf hin, dass Schamanismus keine einheitliche Ideologie oder Religion bestimmter Kulturen ist. Es handle sich vielmehr um ein wissenschaftliches Konstrukt aus eurozentrischer Perspektive, um ähnliche Phänomene rund um die Geisterbeschwörer unterschiedlichster Herkunft zu vergleichen und zu klassifizieren.[15][23][24]

Begriffsgeschichte und Etymologie

Wilhelm von Rubruk prägte im 13. Jahrhundert das Wort „kam“, auch „qam“, „xam“ für mongolische Schamanen und Hellseher.[25] Das in anderen altaischen Sprachen gebräuchliche „qam“ der südwestsibirischen Turkvölker weist hinsichtlich seiner Sprachbedeutung Ähnlichkeiten zu dem Begriff „šamán“ auf.[26] Awwakum Petrow, ein wichtiger Vertreter der Bewegung der russischen Altgläubigen und der altrussischen Literatur, wurde mehrfach verbannt, bevor er auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Mit seiner Frau und Kindern musste er, 1653 bis 1664, nach Sibirien ziehen. Sie kehrten 1664 nach Moskau zurück. Dann folgte eine erneute Verbannung Awwakums und ein Kirchenbann, in der Zeit zwischen 1666/67, über ihn und seine Anhänger. Letztlich kam es zur Verbannung in den äußersten Nordosten Russlands, nach Pustosersk an der Eismeerküste jenseits des Polarkreises. Hier verfasste Awwakum 1672/73 seine Lebensbeschreibung. Dort trat er in Kontakt mit einer tungusisch sprechenden und nomadisch lebenden Ethnie, den Ewenken. Aus diesen Kontakten übernahm Awwakum Petrow erstmalig die tungusische Verbform šamán in seinen Aufzeichnungen über einen „Hexer“ der vor Ort wirkte.[27][28] Später publizierte Nicolaas Witsen den Begriff „šaman“, den ihn die beiden Sibirien Reisenden Adam Brand und Eberhard Isbrand Ides[29][30] weitergaben, in seiner revidierten, zweiten Auflage Noord en oost Tartarije in Amsterdam 1705. Witsen sorgte so zur Verbreitung des Begriffs und prägte aber auch die Vorstellung über das Bild eines „Schamanen“.[31][32]

Die Bezeichnung Schamanismus leitet sich den meisten Autoren zufolge von dem aus Sibirien entlehnten Wort Schamane ab, mit dem die tungusischen Völker ihre Geisterbeschwörer bezeichnen.[33] Das Wort „Schamane“ leitet sich von „šamán“ ab, das im 17. Jahrhundert von Reisenden, die bei den Tungusen in Sibirien aufgenommen wurden, adaptiert und weitergegeben wurde.[34]

Ursprünglich entstammte das Wort vermutlich dem evenkischen (d. h. tungusischen) šamán, dessen weitere Etymologie umstritten ist. Es wird ein Zusammenhang zu dem „scha“ „denken“, „wissen“, „begreifen“ hergestellt. Aber auch zu dem tungusischen Verb „haman“ für „rasen“, „exaltiert“ wird eine inhaltliche Nähe gedacht.[35] Möglicherweise liegt das mandschurische Verb sambi, „wissen, kennen, durchschauen“, zugrunde. Die ältere Bezeichnung Schamanentum bezieht sich nicht auf die wissenschaftlichen Konzepte, sondern nur auf die Existenz von Geisterbeschwörern in verschiedenen Kulturen, ohne dabei bestimmte Zusammenhänge herzustellen.[36]

(Weitere Informationen siehe: Etymologie im Artikel „Schamane“)

Definitionen

Eine Definition des Schamanismus: nach Mircea Eliade

„Schamanismus = Technik der Ekstase [, bei der die] Seele den Körper [des Schamanen] zu Himmels- und Unterweltfahrten verlässt.“

– Mircea Eliade[37]

Eine Definition des Schamanismus: nach Anna-Leena Siikala

„(…) Shamanism is founded on a special technique for achieving ecstasy by means of which the shaman enters an altered state of consciousness, and on the idea that the shaman is accompanied by helping spirits who assist him in this state. While in a state of trance, the shaman is regarded as capable of dircect communication with representatives of the other world, either by journeying to the suprannatural world or by calling the spirits to the séance. He is thus able to help his fellow men in crises believed to be caused by the spirits and to act as a concrete mediator between this world and the otherworld in accompanying a soul to the otherworld, or fetching it from the domain of the spirits. The shaman acts as a healer and as a patron of hunting and fertility, but also as a diviner, the guardian of livelihoods, and so on.(…)“

– Anna-Leena Siikala: Siberian and inner Asian shamanism. In: Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. Macmillan, New York 1987, S. 208–215 (208)

[Übersetzung:(…) „Der Schamanismus basiert auf einer speziellen Technik zur Erlangung der Ekstase, durch die der Schamane in einen veränderten Bewusstseinszustand eintritt, und auf der Idee, dass der Schamane von helfenden Geistern begleitet wird, die ihn in diesem Zustand unterstützen, während er sich im Trancezustand befindet, Man geht davon aus, dass der Schamane in der Lage ist, direkt mit Vertretern der anderen Welt zu kommunizieren, sei es durch Reisen in die übernatürliche Welt oder indem er die Geister zur Séance ruft, und so seinen Mitmenschen in Krisen helfen kann, von denen angenommen wird, dass sie von den Geistern verursacht werden und als konkreter Vermittler zwischen dieser Welt und der anderen Welt zu fungieren, indem er eine Seele in die andere Welt begleitet oder sie aus dem Reich der Geister holt. Der Schamane fungiert als Heiler und als Schutzpatron der Jagd und Fruchtbarkeit, aber auch als Wahrsager, Hüter des Lebensunterhalts und so weiter.“ (…)]

Eine Definition des Schamanismus: nach Åke Hultkrantz

„(…) The central idea of shamanism is to establish means of contact with the supernatural world by the ecstatic experience of the professional and inspired intermediary, the shaman. There are thus four importent constituents of shamanism: the ideological premise, or the supernatural world and the contacts with it; the shaman as the actor on behalf of a human group; the inspiration granted him by his helping spirits; and the extraordinary, ecstatic experience of the shaman.“

– Åke Hultkrantz: Ecological and phenomenological aspects of shamanism. In: Diószegi Vilmos, Mihály Hoppál (Hrsg.): Shamanism in Siberia. (= Band 1 Bibliotheca Uralica), Akadémiai Kiadó, Budapest 1978, S. 11.

[Übersetzung: (…) „Die zentrale Idee des Schamanismus besteht darin, durch die ekstatische Erfahrung des professionellen und inspirierten Vermittlers, des Schamanen, Kontakt mit der übernatürlichen Welt herzustellen. Es gibt also vier wichtige Bestandteile des Schamanismus: die ideologische Prämisse oder die übernatürliche Welt und die Kontakte mit ihr; der Schamane als Akteur einer menschlichen Gruppe; die Inspiration, die ihm seine helfenden Geister gewährten; und die außergewöhnliche, ekstatische Erfahrung des Schamanen.“ (…)]

Eine Definition des Schamanismus: nach Roger. N. Walsh

„(…) Schamanismus läßt sich definieren als Familie von Traditionen, deren Ausübende sich darauf konzentrieren, willentlich in veränderte Bewusstseinszustände einzutreten; in diesen Bewusstseinszuständen haben sie das Empfinden, daß sie selbst oder ihr Geist (oder ihre Geister) nach Belieben in fremde Reiche reisen und mit anderen Wesenheiten interagieren, um ihrer Gemeinschaft zu dienen. (…)“

– Roger Nugent Walsh: Der Geist des Schamanismus. Patmos, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-69126-5, S. 23.

Schamanen und Schamanismus

George Catlins Darstellung eines Schamanen (englisch Medicine man) der Schwarzfuß-Indianer, der Riten über einem sterbenden Häuptling vollführt.
→ Hauptartikel: Schamane

Im Allgemeinen wird die aus Sibirien entlehnte Bezeichnung Schamane verwendet, um spirituelle Spezialisten zu bezeichnen, die über (angeblich) „magische“ Fähigkeiten als Vermittler zur Geisterwelt verfügen.[38][39][11] Solche Geisterbeschwörer sind Teil vieler ethnischer Religionen, aber auch mancher volksreligiöser Ausprägungen der Weltreligionen.[13] Vornehmlich bei einigen indigenen oder traditionellen lokalen Gemeinschaften spielen Schamanen heute noch eine wichtige Rolle (→ „Traditionelle Geisterbeschwörer im Wandel der Zeit“ im Artikel Schamane).

Seit den ersten Beschreibungen solcher spirituellen Experten in verschiedenen Gesellschaften haben europäische Völkerkundler versucht, Ähnlichkeiten und eventuelle Muster zu erkennen und Zusammenhänge abzuleiten.

Die Existenz eines Schamanen ist zweifellos eine Voraussetzung für jegliche Schamanismus-These, jedoch nicht unbedingt der zentrale Gedanke. Es geht häufig eher um religiöse Überzeugungen, Riten und Traditionen,[40] statt um die herausgehobene Rolle des Schamanen. Insofern entstanden die verschiedenen, konzeptuell abweichenden Definitionen.[4]

Die Schamanen sind eingebunden in die Lebenswelt und naturräumliche Umwelt ihrer jeweiligen Kulturen und können nicht als Verkörperung einer bestimmten schamanistischen Religion oder Kosmologie betrachtet werden.[41] So hängt der Schamanismus eng mit der Heilung von Kranken, mit Bestattungsriten und mit Jagdzauber zusammen. Michael Lütge vergleicht seine Rolle mit der „Anamnese des Gemeindepfarrers beim Kondolenzbesuch“, der biographische Bruchstücke des Toten aufspürt, die ihn vom engeren Kreis der Angehörigen her „anwehen“. In anderen Situationen praktiziert er „antizipative[...] Jagdpropädeutik ähnlich der schulischen Brandschutzübung“.[42]

Wissenschaftsgeschichte

Sowjetische Ethnologen sahen in den Schamanen Männer, die mit Hilfe religiöser Rituale politische Macht gewinnen wollten. Tatsächlich gab es ebenso weibliche Schamanen und soziopolitisch standen Geisterbeschwörer eher außerhalb der Gesellschaft
Mexikanischer Kahlkopf, der erste populäre „Rauschpilz“
Die Hippiebewegung ebnete den Weg für eine neue Spiritualität im Westen
Phantasie-Bildnis der literarischen Schamanengestalt Don Juan Matus (Jacob Wayne Bryner), die den Schriftsteller Castañeda weltberühmt machte
Tuwinischer Schamane: Traditionelles Wissen wird durch neoschamanistische Einflüsse verfälscht
→ Hauptartikel: Schamanismusforschung

„Schamanismus ist keine einheitliche Religion, sondern eine kulturübergreifende Form religiöser Wahrnehmung und Praxis.“

– Piers Vitebsky[8]

Seit Ende des 17. Jahrhunderts gibt es detaillierte Berichte über die Schamanen Sibiriens und ihre Praktiken. Die Einstellung der Europäer dazu pendelte mehrmals zwischen Hochachtung und Verachtung hin und her. Anfangs riefen diese Berichte nur Abneigung und Unverständnis hervor.[43] Im Verlauf der deutschen Romantik schlug das Pendel in die entgegengesetzte Richtung und Schamanen wurden als „charismatische Genies“ verklärt.

Auch die wissenschaftliche Forschung im Rahmen der Völkerkunde ist von dieser großen Diskrepanz gekennzeichnet: Zunächst wurden Schamanen als krankhaft psychotisch angesehen und ihre Ausdrucksformen als „arktische Hysterie“ bezeichnet.[44] Später wurden Epilepsie oder Schizophrenie in Beziehung zum Schamanentum gesetzt.[45]

Doch bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die besondere gesellschaftliche Stellung des sibirischen „Master of Spirits“ und die Legitimation seines Handelns im jeweiligen kulturellen und historischen Kontext aus soziologischer und psychologischer Sicht detailliert untersucht: Er sei legitimiert, Techniken auszuführen, die auch andere Gesellschaftsmitglieder im Alltag beherrschten. Shirokogoroff fand bei seinen Feldforschungen unter Ewenken und Mandschu, dass es sich bei den Schamanen zwar häufig um neurotische Personen handle; er grenzte sich aber von dem damaligen verbreiteten Erklärungsmodell für das Handeln der Schamanen ab: Die Trancen, rituelle Ekstasen oder „Anfälle“ der Schamanen seien nicht Ausdruck von Hysterie oder Besessenheit, sondern wohlinszenierte, kulturell codierte performative Konfliktlösungen, die z. B. gegen die russische Fremdherrschaft eingesetzt wurden[46] – also historisch spezifisch ausgeprägte Phänomene. So wurden in der Sowjetunion Schamanen als Scharlatane verunglimpft, die sich angeblich mit Hilfe religiöser Rituale Macht verschaffen wollten.[47]

Auch die „Geistermänner“ oder „Zaubermänner“ Nordamerikas übernahmen im Verlauf der Westwanderung des weißen Kolonisten immer wieder die Rolle politischer Führer und setzten sich an die Spitze nativistischer Bewegungen. So wurde schon 1680 ein zeitweise erfolgreicher Aufstand des Tewa in New Mexico gegen die spanischen Kolonisten vom Medizinmann El Popé organisiert. In afrikanischen Revolten gegen die Kolonialherren spielten spirituelle Vermittler häufig eine Rolle als Anführer, so der angeblich vom Geist Hongo des Schlangengotts besessene Heiler Kinjikitile Ngwale im Maji-Maji-Aufstand 1905–1907. Wer zeigte, dass er von einem Hongo besessen war, konnte die Religion und Politik seiner Ethnie in hohem Maße beeinflussen. Auch Lévi-Strauss berichtet von Schamanen, die in Konkurrenz zu Stammesführern traten.[48]

Mit der Aufgabe der als rassistisch verpönten deutschen Kulturkreislehre und der evolutionistischen „Stufen-Ideologie“ in den marxistisch beeinflussten Staaten setzte sich in der Ethnologie eine respektvollere Haltung zu den Kulturen der sogenannten Naturvölker durch.[49]

In Nordamerika kam es bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert zu einer gewissen Romantisierung und Idealisierung der indianischen Kulturen Nordamerikas und mit ihnen der spirituell-religiösen Vorstellungen, die bald mit dem Ekstase-Schamanismus Sibiriens und später auch mit den okkulten Praktiken Südamerikas bis hin zu denen der Selk’nam auf Feuerland als shamanistic complex zusammengefasst wurden.

Der rumänische Religionswissenschaftler und Roman-Autor Mircea Eliade war es schließlich, der 1951 den Begriff „Schamanismus“ entscheidend prägte und in akademischen und intellektuellen Kreisen weltweit populär machte. Eliade sah darin die älteste Form des Heiligen, ja die kulturübergreifende Urform jeder okkulten Tradition überhaupt.[15] Sein kulturphilosophischer Ansatz wird heute als sehr spekulativ und romantisierend erachtet.[50]

In den späten 1960er Jahren entfachten die romanhaft verfassten und vorgeblichen Selbsterfahrungsberichte des amerikanischen Schriftstellers Carlos Castaneda bei einem Massenpublikum nahezu weltweit ein enorm großes Interesse. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf der von Eliade vorformulierten archaischen Ekstasetechnik, die er als entscheidendes Merkmal schamanischer Praktiken hochstilisierte.[A 3]

Um 1970 wurden tranceinduzierte spirituelle Praktiken erstmals Gegenstand der Neurologie, die sich näher mit den veränderten Bewusstseinszuständen der Schamanen und/oder ihren Heilungserfolgen befasste. Endorphine („Glückshormone“), Hypnose- oder Placeboeffekte durch Trommel- und Tanzrituale wurden dabei etwa als Erklärungsversuche herangezogen.[51] Als Trancetechniken kommen u. a. infrage: „monastische Abgeschiedenheit mit sensorischer Deprivation“, Fasten, Schlafentzug, Litaneien oder repetitive Verbalsuggestionen, Tanz mit dem Nebeneffekt der Hyperventilation, Drogen wie indisches Soma, iranisches Haoma, mongolisches Harmin, afrikanisches Iboga, mexikanisches Mescalin und Psilocybin im mexikanischen Peyotekaktus (siehe Peyotekaktuskult), europäisches Bilsenkraut, Fliegenpilz, Haschisch, Alkohol und ostasiatische Opiate.[52]

1980 erschien Michael Harners Konzept des Core Schamanismus als weltweit universeller Urreligion. Viele Autoren kritisierten solche weitreichenden Verallgemeinerungen und bezogen ihre Konzepte wieder nur auf die klassisch sibirischen Schamanen; oder sie distanzierten sich deutlich vom Übergewicht der spirituellen Aspekte und untersuchten etwa kulturelle Eigenarten, soziale Funktionen oder die heilerische Bedeutung der Geisterbeschwörer in den verschiedenen Kulturen.[53]

Spirituelle Schamanismus-Konzepte: Entstehung, Popularität und Kritik

Eliades umfangreiche Arbeit war es, die den Grundstein für alle späteren Schamanismus-Theorien legte, bei denen die vielfältigen Formen der Geisterbeschwörung verschiedener Kulturen auf den religiös-spirituellen Aspekt und die Techniken der Ekstase reduziert wurden.

Die gesellschaftskritische Literaturströmung Beat Generation öffnete in den 1950er Jahren den Weg für die Beschäftigung mit Spiritualität sowie für die Verwendung halluzinogener Drogen in der westlichen Welt. In diesem Kontext stehen die autobiographischen Veröffentlichungen des New Yorker Bankiers und Privatgelehrten R. Gordon Wasson im Life-Magazin über den Gebrauch und die Wirkung des psychotropen Pilzes Mexikanischer Kahlkopf, den ihm die mazatekische Schamanin María Sabina gelehrt hatte. Wasson versuchte die weltweite traditionelle Verwendung von Pilzdrogen zu belegen und bezeichnete dieses Phänomen als „religionsstiftendes Moment“. Daraufhin entstand ein regelrechter „Pilz-Pilgertourismus“ nach Mexiko; darunter fanden sich bekannte Musiker wie Mick Jagger, John Lennon und Bob Dylan.

In den 1960er Jahren übte die junge, gebildete Nachkriegsgeneration massive Kritik an der zunehmenden Technokratisierung, Kommerzialisierung, Anonymisierung und Rationalisierung der Gesellschaft, die mit einer Entmystifizierung der Welt einhergeht. Vor diesem Hintergrund entstanden die sogenannten Gegenkulturen, die vor allem in der Hippiebewegung als „psychedelische Revolution“ mit dem Interesse an fernöstlichen und indianischen Religionen oder schamanischen Seelenreisen sowie dem Konsum bewusstseinserweiternder Drogen (von Pilzen über Marihuana bis Mescalin und LSD) ein wichtiger Teil des neuen Strebens nach einer Transzendierung des Lebens wurde. Auch in der Wissenschaft erwachte ein zunehmendes Interesse an spirituellen Praktiken: Der Psychologe Abraham Maslow formulierte als Begründer der humanistischen Psychologie die „Theorie der Selbstverwirklichung“, bei der das spirituelle Streben an der Spitze menschlicher Bedürfnisse steht. Auf dieser Grundlage entstand als Subdisziplin die Transpersonal Psychology, die einen großen therapeutischen Nutzen dieses Strebens postulierte.[A 4]

Großen Einfluss auf die Schamanismus-Konzeption hatte das Buch Altered States of Consciousness (kurz ASC) des Psychologen Charles Tart (1969), der das menschliche Wahrnehmungs- und Erkenntnispotential als über die normalen Sinne und die rationelle Vernunft hinausgehend beschrieb. Als Zugang zu solchen veränderten Bewusstseinszuständen nannte er Träume, Trance, Drogen, Meditation oder Hypnose. Dies war das Fundament des Esalen Institutes, das in Kalifornien unter Mitwirkung von Alan Watts, Aldous Huxley und Abraham Maslow gegründet wurde, um alternative Spiritualität – unter anderem schamanische Techniken – zu vermitteln und deren Nutzen für die individuelle Selbstverwirklichung zu propagieren.

Julian Silverman, einer der Leiter, konzipierte bereits 1967 einen Schamanismus als Therapieform, doch weitaus größere Bekanntheit erreichte in den 1970er Jahren das Konzept des Esalen-Schülers Michael Harner, der Schamanismus als „jedem zugängliche Technik für persönliche Experimente und Wahrnehmungserweiterungen“ verstand. Zuvor sorgten jedoch die romanhaften und autobiographischen Bücher Carlos Castañedas – der ebenfalls Kurse am Esalen belegt hatte – ab 1968 nahezu weltweit für eine enorm große Popularität des Themas bei einem Massenpublikum. Überdies war er einer der Wegbereiter für die neue Methodik der unmittelbaren Erfahrung schamanischer Praktiken durch Wissenschaftler, die direkt von traditionellen Indigenen vermittelt werden. Dies musste allerdings naturgemäß zu äußerst subjektiven und schwer nachprüfbaren Resultaten führen, die den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens kaum standhalten. Bestes Beispiel wurde Castañeda höchstselbst, als 1976 bewiesen wurde, dass seine angebliche Lehre bei dem Yaqui-Schamanen Don Juan Matus schlichtweg erfunden war. Dennoch blieb die Faszination an seiner Arbeit bestehen, die als moderner Mythos exakt und meisterhaft die emotionalen und intellektuellen Bedürfnisse der Gesellschaft bedienten.[A 5]

Selbst in den Wissenschaften hielten noch eine Reihe weiterer Autoren trotz der Enthüllungen um Castañedas Werk und der Kritik an der Arbeit Eliades am Konzept eines universellen „transzendenten Schamanismus“ fest oder bedienten sich solcher Thesen als Erklärungsansätze für andere Phänomene. Darüber hinaus erschienen noch einige weitere autobiographische Ethnographien, bei denen Wahrheit und Fiktion nicht mehr voneinander zu trennen waren. Dazu gehören unter anderem die Bücher von Hyemeyohsts Storm, Lynn Andrews und Jeremy Narby.

Die größte Bekanntheit erlangte jedoch das Konzept des Core-Schamanismus (angeblich die „Schnittmenge“ und der gemeinsame „Kern“ aller schamanischer Praktiken) von Michael Harner, das ähnlich weitreichende Wirkungen wie Eliades Werk hatte. Harner gehört ebenfalls zu den autobiographischen Ethnographen. Sein Werdegang ist das beste Beispiel für die individuelle Transformation vom wissenschaftlich arbeitenden Ethnologen zum praktizierenden Geisterbeschwörer. Die von Harner gegründete Foundation for Shamanic Studies hat die Entwicklung des esoterischen Neoschamanismus maßgeblich beeinflusst. Hier wird in verschiedenen Kursen einem breiten Publikum eine Art „Schamanismus light“ vermittelt, der (angeblich) ohne riskante Elemente wie etwa Drogenkonsum oder ekstatische Trance auskommt.[A 6] Gleichsam stellt Harners Institut verschiedentlich Kontakte zwischen westlichen Esoterikern und traditionellen Schamanen her. Dabei werden wiederum nicht nur ethnographische Berichte gesammelt, sondern es findet ein aktiver Austausch in beide Richtungen statt. Der relativ gut erhaltene Schamanismus der Tuwiner Süd-Sibiriens verändert sich dadurch drastisch: möglicherweise in eine Richtung, die bald nichts mehr mit den ursprünglichen Überlieferungen dieses Volkes gemeinsam haben wird.[54]

Erst im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wandten sich einige Autoren vermehrt gegen die Konzepte veränderter Bewusstseinszustände (ASC). So schrieb der deutsche Ethnologe Klaus E. Müller vorsichtig: „Ob damit irgendwelche, der gewöhnlichen, sozusagen ‚grob-sinnlichen‘ Wahrnehmung unzugängliche ‚Realität‘ erfahrbar wird, […] läßt sich mit ethnologischen Mitteln nicht entscheiden.“[55] Die französische Ethnologin Roberte Hamayon verwirft die These hingegen deutlich mit der Argumentation, dass veränderte Bewusstseinszustände empirisch nicht nachweisbar seien und oft keine Entsprechung in den Original-Beschreibungen der Indigenen haben.[A 7]

Weitgehend anerkannte Thesen

Der klassisch sibirische Schamanismus oder Animismus

Schamanin aus dem Altai-Gebirge (zwischen 1911 und 1914)

„Der [sibirische] Schamanismus ist nicht nur eine archaische Ekstasetechnik, nicht nur eine frühe Entwicklungsstufe der Religion und nicht nur eine psychomentale Erscheinung, sondern ein komplexes religiöses System. Dieses System umfasst den Glauben, der die Hilfsgeister der Schamanen verehrt, und das Wissen, das die heiligen Texte (Schamanengesänge, Gebete, Hymnen und Legenden) hütet. Es beinhaltet die Regeln, die den Schamanen bei der Aneignung der Ekstasetechnik leiten, und es verlangt die Kenntnis der Gegenstände, die bei der Seance zur Heilung oder zur Wahrsagung benötigt werden. Im Allgemeinen treten alle diese Elemente gemeinsam auf.“

– Mihály Hoppál[56]

Bei den kleinen sibirischen Völkern begann die Erforschung der Schamanentraditionen und zu Beginn des 21. Jahrhunderts kommt sie vielfach wieder darauf zurück: Viele Autoren verwenden die Bezeichnung Schamanismus ausschließlich für das sibirische Kulturareal, ohne dies jedoch konkret zu nennen; und obwohl Schamanismus und Religion zumeist nicht mehr in einen primären Zusammenhang gestellt werden, wird die klassisch sibirische Form (oftmals nur undifferenziert Schamanismus genannt) aufgrund ihrer umfangreichen Forschungsgeschichte nicht selten als Synonym für die animistischen Religionen Sibiriens und Zentralasiens verwendet.[4][57]

Verbreitung der Haplogrupo C3 (=(M217))

Entscheidend für den klassischen Schamanismus Sibiriens ist die homologe (aus einer Wurzel stammende) Entstehung seiner Spielarten durch den historischen Kulturtransfer von einer Ethnie zur nächsten oder – so Michael Witzel – durch Wanderungsbewegungen der altasiatischen Völker und ihre Expansion über die Beringstraße. Er weist darauf hin, dass das Verbreitungsgebiet eines von Y. E. Berezkin (2005)[58] isolierten, von Witzel als „laurasisch“ bezeichneten und auf das Spätpaläolithikum datierten Mythenkomplexes[59] weitgehend mit dem Verbreitungsgebiet des Schamanismus sowie mit der Verbreitung der hypothetischen Na-Dene-Sprachfamilie und der C3-Haplogruppe des Y-Chromosoms zusammenfällt.

Historische Entwicklung

Moderner burjatischer Schamane mit Ritualstab
Auch die rentierhütenden Samen Nordeuropas hatten früher Schamanen, die zum sibirischen Typus zählten

Die Darstellung der Ähnlichkeiten zwischen den Glaubensvorstellungen, Riten, Kulten und Mythologien ist kaum verständlich, ohne die historischen Hintergründe der dort lebenden Völker zu kennen. Sibirien wurde erstmals vor etwa 20.000 bis 25.000 Jahren im Jungpaläolithikum besiedelt, bis im Neolithikum der größte Teil des gesamten Gebietes bewohnt war. Die ersten archäologisch nachweisbaren Kultstätten entstanden vor einigen Tausend Jahren. Sie zeigen bereits eine ausgeprägte kulturelle Differenzierung der dortigen Völker.

Dennoch ist kritisch anzumerken,[60] dass alle Kulturen die im Zeitalter der europäischen Expansion entdeckt und beschrieben wurden, lebende Gruppen von Menschen waren, die mit den vorgeschichtlichen Ethnien nicht direkt gleichzusetzen sind. Bei allen möglichen Gemeinsamkeiten, hatten oder haben die rezenten Jäger- und Sammlerpopulationen, eine autochthone, in die Gegenwart reichende kulturelle Entwicklung.

In den Steppen und Waldsteppen Südsibiriens lebten Bauern- und Hirtenvölker, in der nördlich daran anschließenden Taiga hingegen waren Jagd, Fischfang und Sammelwirtschaft die normalen Subsistenzstrategien. Insbesondere die Völker in Jakutien und in der Baikalregion hatten enge Beziehungen zueinander; archäologische Artefakte wie etwa Felsbilder zeugen davon, die gewisse Rückschlüsse auf ihren religiösen Vorstellungen ermöglichen. In der Tundra und Waldtundra des hohen Nordens lebten vorwiegend kleine und relativ isolierte Völker, die entweder von sesshafter Fischerei oder Jagd auf Meeressäuger lebten oder halbnomadische Rentierhirten waren.

Bis ins 16. und 17. Jahrhundert lebten die Völker Sibiriens noch abseits der europäischen Einflüsse. Indes standen die dortigen Glaubensvorstellungen über Jahrhunderte unter dem Einfluss verschiedener Religionen aus Vorder-, Zentral- und Ostasien. Dazu gehörten neben dem Zoroastrismus, Manichäismus und Christentum vor allem Einflüsse des Buddhismus. Bereits die protomongolischen Völker waren ab dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert mit ihm in Berührung gekommen. Mongolische Stämme brachten dann zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert den Mahayana-Buddhismus nach Zentralasien bis ins Amur-Gebiet. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde in Tibet die Gelug-Schule des klassischen indischen Buddhismus gegründet und verbreitete sich bis ins 17. Jahrhundert in Burjatien, Kalmückien und Tuwa. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Buddhismus unter den transbaikalischen Burjaten etabliert und beeinflusste Alltag, Kultur und Lebensanschauung vieler sibirischer und zentralasiatischer Völker. Dies führte zu einer synkretistischen Vermischung schamanischer mit buddhistischen Vorstellungen. Beispiel ist der ursprünglich aus China stammende Schamanenspiegel toli bei den Burjaten und das Auftreten von Personen, die sowohl Lama wie Schamanen waren.[61]

Kosmologie

Die Welt nach der germanischen Mythologie entspricht in etwa der klassisch-sibirischen Kosmologie der drei Welten. Auch der indische Stupa befindet sich zu einem Drittel unter der Erde.
→ Hauptartikel: Schamanische Kosmologie

Teil der klassisch-schamanischen Kosmologie war die Jenseitsvorstellung von einem mehrschichtigen Kosmos aus drei (manchmal auch mehr) Ebenen: In der Ober- und Unterwelt existieren wohl- und übelwollende Geister und eine Weltachse (lateinisch axis mundi, plural axes mundorum) verbindet die drei Ebenen im Zentrum miteinander. Diese Achse wird je nach Kultur durch den Weltenbaum, das Rauchloch in der Jurte, einen heiligen Berg oder die Schamanentrommel symbolisiert. Die Seele wurde als eine vom Körper unabhängige Entität betrachtet, die auf dieser Achse mit Hilfe von Tiergeistern in die Geisterwelt reisen kann.[A 8]

Die rituelle Ekstase

Afrikanischer Sangoma-Medizinmann tanzt in besessenem Zustand
Perkussionsrhythmen mit Trommeln (Schamanentrommel) oder Rasseln sind entscheidend für ekstatische Zustände
Liegender sámischer Schamane: Rituelle Körperhaltungen führen schneller zur Trance

Die sogenannte „rituelle Ekstase“ war und ist ein wesentliches Element des klassischen Schamanismus, aber auch aller religiös-spiritueller Schamanismus-Konzepte, die zum Teil weit über Sibirien hinausgehen. Je nach Krankheit eines Patienten, dem Wunsch eines Gruppenmitgliedes oder dem Auftrag der Gemeinschaft begab sich der Schamane auf eine „Seelenreise in die Welt der Geister“, um dort Kontakt mit ihnen aufzunehmen oder ihr Wirken im Sinne des zu lösenden Problems positiv zu beeinflussen. In der Regel hielt man das natürliche Gleichgewicht zwischen den Welten in irgendeiner Weise für gestört und es sollte auf diese Weise wieder ausbalanciert werden.

Solch eine Geisterbeschwörung (Séance) war eine stark ritualisierte Angelegenheit, die verschiedene Maßnahmen erforderte und die zur richtigen Zeit am richtigen Ort stattfinden musste (→ Kamlanie, die Séance der sibirischen Schamanen im Artikel „Séance“).[11][62][63][64]

Die eigentliche Ekstase wird als Transzendenzerfahrung je nach kultureller Prägung entweder als Hinaustreten der eigenen Seele oder als Besessenheit durch einen Geist erlebt.[4]

Das Hinaustreten (auch passive- oder trophotrope Ekstase) – der klassische und mit Abstand häufigste Ekstasetyp Sibiriens – wird als magischer Flug in eine andere raum- und zeitlose Welt beschrieben, in der Mensch und Kosmos eine Einheit bilden, so dass sich Antworten und Erkenntnisse offenbaren, die auf normalem Wege unerreichbar bleiben würden. Das Erleben dieser inneren Dimension ist für den Schamanen ausgesprochen real und höchst bewusst.[65]

In der Vorstellung der traditionellen Menschen entsprach das Erleben einer Jenseitsreise dem Träumen gewöhnlicher Menschen, allerdings bewusst herbeigeführt und kontrolliert;[64] ähnlich wie bei einem Klartraum. Dabei sinken die Lebensfunktionen des Schamanen auf ein anomales Minimum herab: Ein flacher Atem, langsamer Herzschlag, geringere Körpertemperatur, starre Gliedmaßen und getrübte Sinne kennzeichnen diesen Zustand.[4]

Ganz im Gegensatz dazu steht die rituelle Ekstase der (erlernten) Besessenheit (aktive- oder ergotrope Ekstase), die in Sibirien nur bei wenigen Ethnien in den Übergangsbereichen zu den Hochreligionen Islam und Buddhismus vorkommt. In Süd- und Südostasien oder in Afrika sind solche Besessenheitszustände hingegen die Norm. Der Schamane hat das Gefühl, ein Wesen aus der Anderwelt würde in ihn einfahren und sich seines Körpers für die Dauer des Rituals bemächtigen, um die gestellte Aufgabe zu lösen. Dabei kommt es zu einer starken Steigerung der Körperfunktionen: Er gerät in Aufruhr, tobt, schäumt, zappelt oder „schwebt“, redet in unverständlichen Sprachen und zeigt enorme Kraft.[4]

Bei beiden Formen der rituellen Ekstase kommt es zu veränderten Wahrnehmungen, die alle Sinneseindrücke (Sehen, Hören, Tastsinn, Geruch, Geschmack, Körperempfinden) betreffen können. Darüber hinaus werden die Emotionen, das Bedeutungserleben und das Zeitgefühl modifiziert. Die Intensität dieser Eindrücke ist wesentlich stärker, unvorhersehbarer und über den gesammelten Erfahrungsschatz des Menschen hinausgehend als etwa bei Fantasiereisen, die man im wachen Zustand erzeugen kann.[66]

Neuropsychologisch betrachtet liegt in beiden Fällen eine bestimmte Form eines erweiterten Bewusstseinszustandes vor, der als „ekstatische Trance“ bezeichnet wird. Bei allen Formen tiefer Trance entsteht gleichzeitig eine sehr tiefe Entspannung wie im Tiefschlaf, höchste Konzentration wie bei wachem Bewusstsein und ein besonders eindrucksvolles bildhaftes Erleben wie im Traum. Die spezielle Art und Weise, wie die Schamanen Sibiriens (aber auch Zentralasiens, des nördlichen Nordamerikas, zum Teil Ost- und Südostasiens und einiger Völker des übrigen Amerikas) die Trance herbeiführen, sowie die kulturelle Prägung und die entsprechende religiöse Ausrichtung, führt bei der schamanischen Trance durch den neurologischen „Hyper-Ruhezustand“ zur passiven oder durch „Hyper-Erregung“ zur aktiven Ekstase.[67]

Der Schamane erlebt diesen außergewöhnlichen mentalen Zustand stets als reales Geschehen, das scheinbar außerhalb seines Geistes stattfindet. Manchmal sieht er sich selbst von außen (Außerkörperliche Erfahrung), ähnlich wie es bei Nahtoderfahrungen berichtet wird. Wie man heute weiß, hat der Mensch in diesem Zustand einen direkten Zugang zum Unbewussten: Die halluzinierten Geistwesen entstehen aus den instinktiven Urbildern der menschlichen Psyche; die Fähigkeit intuitiv – also ohne rationales Nachdenken – Zusammenhänge zu erfassen, ist voll entwickelt und äußert sich häufig in Visionen, die später vor dem eigenen religiösen Hintergrund gedeutet werden.

Um solche Zustände zu erreichen, werden bestimmte Formeln, rituelle Handlungen und mentale Techniken eingesetzt: Das sind zum Beispiel das Verbrennen von Räucherwerk, bestimmte eintönige Rhythmen auf besonderen Zeremonialtrommeln oder mit Rasseln, Tanz (Trancetanz), Gesang oder besondere Atemtechniken. Die sibirischen Schamanen benötigen zum Erreichen der Ekstase in der Regel keine psychedelischen Drogen wie viele andere Völker. Lediglich bei den uralischen Völkern wird bisweilen der Fliegenpilz eingesetzt (Für manche Autoren ist gerade die Fähigkeit zur Trance ohne Drogen ein Kennzeichen des klassischen Schamanismus).

Besonders wichtig für das Erreichen einer nicht-drogeninduzierten Trance ist das Einnehmen ritueller Körperhaltungen (nach Felicitas Goodman) in Verbindung mit gleichmäßigen Perkussionsrhythmen im Bereich von 3,5 bis 4,4 Hertz (kommt etwa 210 bis 230 Trommelschlägen pro Minute gleich).[66] Diese Frequenzen entsprechen den Theta- und Delta-Gehirnwellen, die ansonsten typisch für den Schlaf oder Meditationen sind. Während der Trance treten sogenannte „paradoxe Erregungszustände“ (englisch Paradoxial Arousal) auf. Paradox deshalb, weil sie einerseits einen Zustand anzeigen, der mit „wacher als wach“ bezeichnet werden kann und gleichzeitig EEG-Kurven zeigen, die sonst nur von tiefen Schlafstadien bekannt sind. Versuchspersonen berichteten während dieser Trancephasen von besonders eindrucksvollen Halluzinationen. Überdies werden deutliche Beta- und Delta-Anstiege gemessen, die eine sehr tiefe Entspannung kennzeichnen und u. a. körperliche Heilreaktionen und Gedächtnisprozesse fördern. Die von Giselher Guttmann 1990 entdeckten paradoxen Erregungszustände zeigen demnach eine „entspannte Hochspannung“ an. Dabei wird generell die Ausschüttung einer speziellen Kombination unterschiedlicher körpereigener Neurotransmitter angeregt, die das Bewusstsein „öffnen“: Die Wahrnehmung richtet sich ganz auf innere Inhalte (intersensorische Koordination), die kognitiven Filter des normalen Wachzustandes sind inaktiv, das beobachtende Ich bleibt hingegen aktiv.

Grundsätzlich erzeugen alle rituellen Trancen entweder besonders passive oder besonders aktive physiologische Effekte, die sich dann bei den Schamanen in den beiden vorgenannten Formen der Ekstase ausdrücken. Es gilt jedoch: Je intensiver die jeweilige Ekstase ist, desto weniger lassen sich die absichtlich herbeigeführten Halluzinationen steuern.[68][62][63][11][69]

Die Messung von Gehirnströmen u. ä. Verfahren können lediglich beweisen, dass das Bewusstsein in bestimmter Art und Weise tätig ist. Es lassen sich jedoch keine Rückschlüsse über die konkreten Inhalte der jeweiligen Erregungszustände ziehen. Daher ist es prinzipiell unmöglich, zu beweisen oder zu widerlegen, dass es sich bei den Eindrücken in ritueller Ekstase um Einbildungen oder um tatsächliche Einblicke in eine jenseitige Welt handelt. Dies bleibt eine Frage des Glaubens.[66]

Müller: Elementar-, Komplex- und Besessenheitsschamanismus

Schamanen als „Sachverständige und Vermittler zur Geisterwelt“ nach Klaus E. Müller vor der europäischen Expansion, die im 15. Jahrhundert einsetzte (Farbflächen); sowie traditionelle Schamanen und andere religiös-spirituelle Spezialisten zu Anfang des 21. Jahrhunderts, die noch verschiedene soziale Funktionen innehaben (schwarz-weiße Symbole/Schraffuren)
Elementarschamanismus Komplexschamanismus Besessenheitsschamanismus
Klassisch (primär), arktische Völker
Klassisch (sekundär), Nordsibirien
Klassisch, Südostasien*
Subarktis Nordamerikas
Eingeschränkt, Nordamerika
Eingeschränkt, Südamerika
Australien
Klassisch westsibirisch
Klassisch zentralsibirisch
Klassisch altaiisch
Klassisch mandschurisch
Klassisch südost-asiatisch**
Nordosten Nordamerikas
Südwesten Nordamerikas
Meso- und Südamerika
Islamischer Einflussbereich
Lamaistischer Einflussbereich
Buddhistisch-daoistischer Einflussbereich
farbige Kreis-Symbole:
*) = Weitgehend traditionelle Jäger- u. Sammler innerhalb moderner oder bäuerlicher Gesellschaften
**) = Weitgehend traditionelle Pflanzer innerhalb moderner oder bäuerlicher Gesellschaften
Isolierte Ethnien mit komplett erhaltenen sozialen Funktionen ihrer religiös-spirituellen Spezialisten
Isolierte Ethnien Neuguineas mit traditionellen Religionen, jedoch ohne Kenntnisse über Schamanen o. ä. Geisterbeschwörer
Lokale Gemeinschaften mit weitgehend intakten traditionellen Strukturen, in denen Geisterbeschwörer noch einige ihrer ursprünglichen Funktionen ausüben. Ihre Funktionen sind jedoch durch moderne Einflüsse bereits mehr oder weniger beeinflusst.
Traditionelle Gesellschaften mit weitgehend intakten Strukturen, in denen Geisterbeschwörer noch einige ihrer ursprünglichen Funktionen ausüben (Verbreitungsdichte je nach Schraffur/Flächenfüllung)
Traditionell in Staaten u./o. andere Religionen integrierte „Stadtschamanen“ Ost- und Südostasiens
Steinzeitliche Höhlenmalerei in der Höhle Les trois frères mit jägerischem Kontext: „Herr der Tiere“ oder Schamane?
Die Lebensbedingungen der arktischen Völker haben sich über Jahrtausende kaum verändert, so dass sich nach Müllers Vermutung der dortige Schamanismus kaum gewandelt hat

Konkrete Beschreibung der gegenwärtigen Situation und Verweise siehe: Traditionelle Geisterbeschwörer im Wandel der Zeit im Artikel „Schamane“

„Von allen sekundären Zusätzen abgesehen, stellt der Schamanismus im Kern eine sichtlich sehr alte und optimal an die Daseinsbedingungen wild- und feldbeuterischer Kulturen angepaßte, das heißt scheinbar `bewährte´ und insofern über lange Zeiten hin stabile, in sich ebenso schlüssige wie kohärente, gleichsam `vereinheitlichte´ Seins- und Naturtheorie dar.“

– Klaus E. Müller[55]

Klaus E. Müller stellte 1997 einen Ansatz vor, der den Schamanismus als eine Art „Wissenschaft des magisch-mythischen Denkens“ beschreibt, die durch „berufene Sachverständige“ mit wichtigen sozialen Verpflichtungen entwickelt, vermittelt und bewahrt wurde.[70] Müller erkennt zwar die Übereinstimmungen bezüglich religiöser Auffassungen oder ritueller Trancetechniken, distanziert sich jedoch ausdrücklich davon, solche „spiritistischen und okkultistischen Aspekte“ als bestimmende Merkmale zu betrachten.[55]

Müller führt Adolf E. Jensens Gedanken fort, der den Schamanismus als typisches Phänomen für Jägerkulturen auffasste, die Tiere prinzipiell als ihre Verwandten betrachteten.[71] Deutliche Hinweise auf diese Annahme sind die vielfältigen totemistischen Tierbezüge: Die Berufung der Schamanen erfolgte durch die „Tiermutter“ in der Geisterwelt oder den „Herren der Tiere“, die Hilfsgeister waren überwiegend tiergestaltig, der Schamane – oft mit Tierattributen gekleidet – verwandelte sich häufig auf der Reise in ein Geistertier, die magische Trommel oder der Schlägel wurde als symbolisches Reittier für die Reise aufgefasst und einiges mehr.

Die Urform des Schamanismus ist nach Müller demnach vor allem ein Ritual zur Vergebung und Abwendung von Strafe und Unheil, wenn ein Jäger die traditionellen Beschwichtigungs- und Binderituale für das Töten eines Tieres missachtete. Dies spielte bei allen Jägervölkern eine zentrale Rolle im Alltag und diente letztendlich zur Sicherung der Tier- und Pflanzenbestände.[72]

Entstanden ist der Schamanismus nach seiner Auffassung irgendwo in Asien im Jungpaläolithikum deutlich vor 4000 v. Chr. entwickelt und hat sich von dort in vielen Jahrhunderten unter den „seelenverwandten“ Jägervölkern über den gesamten asiatischen Kontinent und darüber hinaus nach Nord-, Mittel- und Südamerika sowie nach Australien verbreitet.[73] Auf der Grundlage der Beschreibung des Schamanen als „Sachverständigem und Vermittler zur Geisterwelt“ und den sich daraus ergebenden sozialen Verpflichtungen lässt sich eine entsprechende Verbreitungskarte des Schamanismus erstellen.

Der „klassische“ Raum umfasst nach Müllers Auffassung nicht nur Sibirien, sondern auch das heutige Kasachstan sowie verstreute lokalen Gemeinschaften in Südostasien einschließlich der indonesischen Inselwelt. Bisweilen nennt er auch den Schamanismus der Eskimovölker Nordamerikas in diesem Zusammenhang. Es wird jedoch nicht deutlich, ob er sie tatsächlich zum klassischen Schamanismus rechnet oder nicht. Die Schamanismusformen der Aborigines und der Indianervölker haben sich nach Müller frühzeitig von den klassischen Elementarformen abgespalten und isoliert weiter entwickelt.[74] Demgegenüber handelt es sich für Witzel beim sibirischen Schamanismus um eine relativ „junge“ Abspaltung (immerhin mindestens 20.000 Jahre alt) von einem weiter verbreiteten Paläoschamanismus.[75]

Müller hält es für wahrscheinlich, dass sich der ursprüngliche („elementare“) Schamanismus der Jäger und Sammler in den subpolaren Regionen Asiens und Nordamerikas bis in die Neuzeit weitgehend unverändert erhalten hat, weil die Umwelt- und Lebensbedingungen dort nahezu gleich geblieben sind.[76] Überdies stellt er fest, dass er bis heute vor allem bei Ethnien zu finden ist, die eine enge Beziehung zur Tierwelt haben (Wildbeuter- und Hirtenkulturen sowie die Garten- und Wanderfeldbauern Amazoniens, deren Lebensweise eine starke „jägerische“ Komponente aufweist). In reinen Pflanzerkulturen oder bei Agropastoralisten spielt der Schamanismus seit jeher nur eine marginale Rolle.[77]

Klaus E. Müller leitet daher seine Schamanismusformen vor allem von ihren sozioökonomischen Grundlagen ab[78] und entwickelte daraus ein dreigeteiltes Klassifizierungsmodell (dessen folgende Beschreibungen in der Vergangenheitsform geschrieben sind, da sie heute nur noch punktuell auf einige wenige isolierte Völker zutreffen):[79]

Elementarschamanismus

Schamane der Jukagiren (Nordost-Sibirien, 1902)
Schamane der Nordwestküsten-Indianer

Farbschema: 

  • Entstehung:
Der (primäre) Elementarschamanismus war typisch für reine Jägerkulturen oder für Ethnien, bei denen die Jagd kulturell eine herausragende Rolle spielte.
  • Charakteristika:
Die soziale Basis gründet sich auf egalitäre Lokalgemeinschaften oder Verwandtschaftsgruppen (Lineages, Sippen). Die ethnischen Religionen waren in der Regel animistisch. Der Schamane war vorwiegend männlich. Er glaube, von Tiergeistern berufen zu sein und war vor allem für den Jagderfolg oder die Einhaltung der „Jagdethik“ zuständig, wirkte aber auch als Heiler und überwachte den Fortpflanzungserfolg der Gruppe. Das Ritual war wenig ausgeprägt und Kostüme oder spezielle Hilfsmittel kamen kaum oder nur sporadisch und in einfacher Form vor.
  • Verbreitung
1. Klassisch asiatischer Kulturraum 
  • Eindeutige Form:
Ursprüngliche nomadische bis sesshafte Jäger-, Fischer u. Sammler Nord- und Ostsibiriens; seit der Russifizierung oftmals Rentierhüter wie die anderen sibirischen Völker. Varianten aus der historischen Differenzierung:
 paläo-sibirische (primäre) Wildbeuter (Tschuktschen, Jukagiren, Korjaken, Itelmenen)
 Sibirische (sekundäre) Wildbeuter (Nganasanen, Dolganen, Keten)
 Im Nordosten Indiens bei wenigen Gruppen (abgeschwächt) vor allem im zentralen Bereich (z. B. Birhor), zerstreute Jäger- und Sammler Südostasiens (Derung, Yao, Akha, Mani, Orang-Asli-Völker, Sentinelesen, Shompen, Mentawai, Kubu, Penan, Batak, Aeta)
2. Amerika und Australien 
  • Eindeutige (klassische?) Form:
 Nomadische bis sesshafte Jäger u. Sammler der Arktis Nordamerikas (Eskimos und Aleuten)
  • Eindeutige Form:
 Nomadische bis halbsesshafte Jäger u. Sammler der Subarktis (Athabasken, Algonkin) und sesshafte Fischer der Nordwestküste
  • Eingeschränkte Form:
 Nomadische bis sesshafte Jäger u. Sammler (z. T. Feldbauern) des „Wilden Westens“ (Prärie-Indianer und Indianer der Kulturareale Plateau, Großes Becken und Kalifornien)
 Nomadische Jäger u. Sammler Südamerikas der südamerikanischen Kulturareale Llanos, Paraná und Feuerland
  • Variable Form, nicht durchgängig:
 Nomadische Jäger u. Sammler der Aborigines, nicht durchgängig (vor allem im Western Desert sowie in Nordaustralien)

Komplexschamanismus

Schamanisches Ritual in der sibirischen Steppe
Schamane der Urarina aus Peru

Farbschema: 

  • Entstehung:
Der sekundäre Komplexschamanismus ist bei Hirtenvölkern und Feldbauern mit bedeutendem Wildbeuter-Anteil in Asien sowie in Amerika vermutlich durch mannigfaltige Einflüsse von benachbarten Agrargesellschaften und durch Berührungen mit anderen Religionen entstanden – nach Witzel durch Substitution der Tiergottheiten durch Pflanzen- und Vegetationsgötter (z. B. Maisgötter wie Cinteotl.)
  • Charakteristika:
Die soziale Basis bilden Verwandtschaftsverbände, Stammesgesellschaften oder autonome Dorfgemeinschaften. Die animistischen Religionen waren komplexer (beispielsweise mit Ahnenkult, Opferwesen und einer komplizierten Kosmologie). Die Berufung der Schamanen wurde auf Ahnengeister oder die Totenseelen früherer Schamanen (letzteres vor allem bei Tungusen und Gruppen im Altai-Gebirge) zurückgeführt, oder der Schamanenstatus wurde vom Vater auf den Sohn oder von der Mutter auf die Tochter vererbt. Es gab vorwiegend männliche Schamanen, obwohl auch vermehrt Schamaninnen auftraten. Die Funktionen und Techniken der Schamanen entsprachen zum einen dem Elementarschamanismus, darüber hinaus gab es jedoch auch priesterliche, kommunale und häuslich-familiäre Funktionen (etwa bei Geburten, Namensgebung, Bestattungen, Initiationen). Riten, Trachten mit umfangreichen Accessoires (etwa aus Metall) und Utensilien waren oft komplex und von großer Bedeutung. Zum Erreichen der Trance wurden häufig auch entheogene Drogen eingesetzt.
  • Verbreitung:
1. Klassisch asiatischer Kulturraum 
  • Hirtennomaden. Varianten aus der historischen Differenzierung:
 Westsibirische Rentierhüter (z. B. Samen, Nenzen, Chanten, Mansen)
 Zentralsibirische Rentierhüter (Tungusische Völker)
 Altaiische Rentier- und Pferdezüchter (z. B. Kasachen, Tuwiner, Jakuten)
 Mandschurische Fischer (z. B. Tungusische Völker der Mandschurei, Niwchen, Ainu)
  • Tropisch/subtropische Pflanzergesellschaften, nicht durchgängig, vereinzelt
 Lokale Minderheiten Hinterindiens (u. a. Naga, Aimol, Moken, Jakun, Senoi) und Indonesiens (u. a. Dusun, Halmahera)
2. Amerika 
  • Differenzierte Formen, z. T. nicht durchgängig:
 Nordamerikas Nordosten, (z. B. Shawnee, Irokesen, Sauk, Powhatan)
 Mexiko (z. B. Tarahumara, Huichol)
 Meso- und Südamerika (alle Pflanzergesellschaften außerhalb der Hochanden)

Besessenheitsschamanismus

Tantrischer Buddhismus und Schamanismus sind bei den mongolischen Völkern miteinander verschmolzen
Lakota-Medizinmann Sitting Bull: Komplexschamanismus wie in Asien?
Schamane aus Alaska bei einer Heilungszeremonie

Farbschema: 

  • Entstehung:
Der hochkulturlich-synkretistisch überprägte Besessenheitsschamanismus ist auf Einflüsse der archaischen Hochkulturen, der asiatischen Hochreligionen (insbesondere des Buddhismus) und auf die Verschmelzung mit Besessenheitskulten zurückzuführen.
  • Charakteristika:
Die übliche soziale Basis war die bäuerliche Dorfgemeinschaft. Die religiöse Ausrichtung bestand aus einer offiziellen Richtung – wie Islam, Lamaismus, Vajrayana-Buddhismus, Hinduismus, Shintoismus etc. – und einem synkretistischen Volksglauben, die Elemente der Hochreligionen und der altüberlieferten Glaubensvorstellungen miteinander verschmolz. Frauen, die sich dazu berufen fühlten, waren hier häufiger Schamanen als Männer. Sie fühlten sich lebenslang an eine Geistmacht oder Gottheit gebunden, der regelmäßig in kleinen, eigens dafür eingerichteten Tempeln geopfert und gehuldigt wurde. Die Aufgaben der Schamanin entsprachen denjenigen des Komplexschamanismus und richteten sich vor allem auf medizinische Dienste sowie Beratung und Wahrsagerei. Im Unterschied zu den anderen Schamanismusformen fand keine „Jenseitsreise“ mittels einer rituellen Ekstase statt, sondern die Schamanin hatte während der Trance den Eindruck, ihr persönlicher Partnergeist würde von ihr Besitz ergreifen; in sie „einfahren“ und höchstselbst heilen, prophezeien usw. Im Unterschied zu anderen – nach Müller nicht-schamanistischen – Besessenheitskulten anderer Kulturen (beispielsweise Afrikas oder Neuguineas) erfolgte das Eintreten des Geistes auf Einladung der Schamanin und nicht „überfallartig“ oder gegen den Willen des Betroffenen.

Im islamischen Kontaktraum ist der Einfluss der alten Religionen heute deutlich geringer erkennbar als im buddhistischen Kontaktraum.[80]

  • Verbreitung
  • Asiatischer Kulturraum 
Vor allem bei sesshaften bäuerlichen Dorfgesellschaften
 Islamischer Einflussbereich (z. B. Usbeken, Tadschiken, Kirgisen, Uiguren)
 Lamaistischer Einflussbereich (z. B. Burjaten, Mongolen, Yugur, Tibeter, Changpa, teilw. Nepalesen)
 Buddhistisch-daoistischer Einflussbereich (z. B. Mehrheitsbevölkerungen Japans, Koreas, Taiwans, Hinterindiens)

Kritik

Obwohl Müller verschiedene kulturelle Aspekte in seine Betrachtungsweise einbezieht und sein „Drei-Typen-Modell“ durchaus Differenzierungen vornimmt, führt auch seine „Normierung“ aufgrund des globalen Maßstabes teilweise zu fraglichen Ergebnissen. So stellt beispielsweise René Tecklenburg fest, dass das Schamanentum der Lakota-Indianer nicht einfach dem Elementarschamanismus zuzuordnen sei, da es auch eindeutige Merkmale des bäuerlichen Typs aufweist (enge Bindung an den Schutzgeist, zahlreiche Kultgegenstände, komplexe Zeremonien und Rituale, Opfer usw.).[81]

Ganzheitliche Heilkunde

Moderne Thesen legen oftmals den Schwerpunkt reduktionistisch auf einen bestimmten Teilbereich des Schamanismus: etwa auf die psychologischen oder neurobiologischen Aspekte oder auf die Heilkunde, wobei allerdings der kulturelle Hintergrund ausgeblendet wird.

Häufig wird Schamanismus heute nur als besondere Form traditioneller Heilmethoden verstanden. Ronald Hitzler, Peter Gross und Anne Honer etwa bezeichnen ihn als „eine komplexe, integrative Sozialkunst, die die Kompetenz zum Heilen, im medizinischen Sinne, einbettet in die Sorge um und in den Dienst am existenziellen ‚Heil‘ des Mitmenschen überhaupt.“ Sie attestieren den schamanischen Heilritualen damit eine Ganzheitlichkeit, die in der modernen Medizin nicht mehr vorhanden sei. Statt unpersönlicher „Reparaturdienstleistungen am Behandlungsobjekt“ von Ärzten, die nicht mehr viel von Gesundheit, aber dafür umso mehr von Krankheit verstehen würden, zeichne sich der Schamanismus durch Empathie, wechselseitige Kommunikation und mitmenschliche Fürsorge aus, die über das Wohl des Patienten hinaus sogar das Wohl und Wehe der gesamten Gemeinschaft im Sinn habe. Für Hitzler, Gross und Honer ist Schamanismus darüber hinaus „eine Art und Weise der universalhistorischen Bemühungen des Menschen, durch Wissen die Beherrschung der dem Alltagsverstand unergründlich scheinenden Mächte in seinem Inneren zu erlangen.“[82]

Generelle Kritik; umstrittene und spekulative Thesen

(Siehe auch: Sackgassen der ethnologischen Religionsforschung)

Die Trennung in eine natürliche und eine übernatürliche Welt entspringt dem christlichen Denken und lässt sich nicht einfach auf andere Weltanschauungen übertragen
Das Wissen der „Naturvölker“ wurde mündlich überliefert und ist stark von den vermittelnden Personen abhängig
Neoschamanen (hier Ahamkara) organisieren auch Rituale und Programme für Kinder

„Was in diesen Schriften [Eliades, Harners u. a.] als Schamane oder als schamanische Veranstaltung bezeichnet wird, hat kaum mehr als das Wort mit dem gemeinsam, was in Sibirien bei den Tschuktchen, Tungusen und Buriaten unter Schamanismus zu fassen ist.“

– Hartmut Zinser[83]

Eine grundsätzliche Kritik an allen Schamanismus-Konzepten ergibt sich aus der Tatsache, dass alle wissenschaftlichen Ansätze aus einer eurozentrischen Perspektive verfasst wurden und nicht direkt dem magisch-mythischen Denken traditioneller Indigener entsprechen:[84] So lässt sich weder die westliche Grundannahme einer Trennung in eine natürlich-materielle und eine übernatürlich-transzendente Welt, noch in Natur und Kultur ohne Weiteres auf nicht-westliche Weltanschauungen übertragen.[A 9]

Zudem werden vor allem jene Thesen kritisiert, die uralte, gewachsene Überlieferungen aus ihrem kulturellen und historischen Zusammenhang gerissen und daraus eine „neue Wahrheit“ konstruiert haben, die eher den Charakter einer Ideologie denn einer modellhaften These aufweisen. Bereits der Wortbestandteil „-ismus“ suggeriert eine scheinbar eigenständige, systematische Religion: Faktisch handelt es sich jedoch „um einen Komplex verschiedener religiöser Vorstellungen und ritueller Handlungen, die mit der Person des Schamanen verbunden sind.“[85] und die von westlichen Autoren selektiert, interpretiert und neu arrangiert wurden.[23] Eines der Hauptprobleme des Kulturvergleichs schamanischer Phänomene liegt in der mündlichen Überlieferung des Wissens durch Einzelne und völlig fehlender Doktrine; diese „Macht der Schamanen“ führt zu einer enorm wandelbaren Vielfalt, die jegliche wissenschaftliche Herangehensweise konterkarieren muss. Wenn es die Entwicklung der Gemeinschaft und die Beibehaltung der schamanischen Macht erfordert, dann werden einfach neue Elemente – etwa biomedizinische Kenntnisse, christliche Vorstellungen oder „neue Geister“ – integriert, und das seit Jahrhunderten.[23]

Je stärker ein Autor verallgemeinert und abstrahiert, je mehr er sich auf Indizien und unbeweisbare Annahmen stützt oder je unkonventioneller seine Herangehensweise ist, desto umfangreicher wird die Kritik sein, die seine Thesen hervorrufen. Bei den Schamanismus-Thesen gibt es einige, auf die diese Aussagen zutreffen. Bereits die umfangreichen ethnographischen Aufzeichnungen russischer Forscher des 19. Jahrhunderts liefern Beispiele dafür: So war beispielsweise der Ethnograph Shoqan Walikhanov so fasziniert von der Idee eines kulturübergreifenden sibirischen Schamanentums, dass er die (Opfer)priester der islamischen Kasachen (Baqsi) und Kirgisen (Baxši) mit den sibirischen Schamanen gleichsetzte. Dass es in den beiden Kulturen eine Reihe weiterer Zauberer und Heiler gab und die Bagsi/Baxši bei näherer Betrachtung doch sehr abweichend beschrieben werden müssen, erkannte Walikhanov nicht (oder ignorierte es).[86] Gerade bei den vereinheitlichenden völkerkundlichen Theorien des 19. Jahrhunderts, die heute nicht oder nicht mehr in ihrer ursprünglichen „Tragweite“ verwendet werden (wie auch Animismus, Fetischismus, Totemismus, Naturvölker, Rassenkunde u. a.), war solch „wissenschaftliches Wunschdenken“ weit verbreitet.

Es gibt auch genügend Beispiele aus jüngerer Zeit, bei denen Wissenschaftler Fiktion und Realität vorsätzlich vermischt oder verschleiert haben, um ihr Konzept populär zu untermauern (→ Spirituelle Schamanismus-Konzepte: Entstehung, Popularität und Kritik). Vor diesem Hintergrund ist folglich auch der (unwissenschaftliche) Neoschamanismus zu sehen, dessen Autoren sich bei vielen Schamanismus-Konzepten willkürlich und gutgläubig bedienen, häufig unkritisch Teile von dieser und jener These vermischen und auf diese Weise fiktive Gedankengebäude schaffen, die vorher schon nicht „auf festen Fundamenten standen“.[87][88]

Umstrittene Thesen

Die Ansätze, die über den wissenschaftlich belegten geographischen und historischen Verbreitungsraum des nord- und zentralasiatischen Schamanentums hinausgehen, werden nicht selten kritisiert.

Prähistorischer Schamanismus

Diese berühmte Darstellung in der Höhle von Lascaux diente als Ausgangspunkt für die Interpretation „Schamanismus im Paläolithikum“. Auch die prähistorische Auslegung wird vielfach als spekulativ angesehen.
→ Hauptartikel: Prähistorischer Schamanismus

In der englischsprachigen Literatur wird bisweilen der Ausdruck prehistoric shamanism verwendet, um jene Thesen zu bezeichnen, die aufgrund archäologischer Artefakte, die an rezente Phänomene schamanischer Praktiken erinnern, einen prähistorischen Schamanismus postulieren.[89]

Wenngleich viele Fundstücke offensichtlich an schamanische Rituale erinnern – so der Vogel und der Vogelschnabel des Menschen auf der berühmten Höhlenmalerei von Lascaux und die Art der Tötung des Bison an seiner „Lebenslinie“ von Anus zum Penis[90] –, sind prinzipiell auch andere Interpretationen möglich. Dass der Frühmensch religiöse Vorstellungen künstlerisch ausgedrückt hat, ist unbestritten, worum es sich dabei jedoch jeweils genau handelt, wird aufgrund der fragmentarischen Fundlage und fehlender Kontext-Informationen immer rätselhaft bleiben.[91] Selbst die jüngsten, viel beachteten und gewürdigten Schlussfolgerungen des südafrikanischen Archäologen David Lewis-Williams und des französischen Archäologen Jean Clottes bleiben in vielerlei Hinsicht spekulativ und unbeweisbar.[92]

Beziehung zum Sufismus

Wie zahlreiche, vor allem sowjetische oder russische Forscher im Sammelband „Shamanism and Islam“[93] aufzeigen, besteht ein Naheverhältnis zwischen dem zentralasiatisch/sibirischen Schamanismus und dem Sufismus. Dies kennzeichne sich durch Übernahme zahlreicher religiöser Praxen, wie dem Heilungsritual oder der meditativen Übung dhikr in den Sufismus. Auch der Geisterglauben an sich, in Form der Heiligen-Verehrung werde in seinen Grundzügen übernommen.

Spekulative Thesen

Die Schamanismus-Konzepte, die kulturübergreifend bestimmte Phänomene selektieren und daraus weitreichende Modelle mit universellem Anspruch konstruieren, werden heute als zu spekulativ angesehen und daher – zumindest auf ihre Kernthesen bezogen – kaum noch anerkannt.

Schamanismus als archaische Ekstasetechnik

Eliade schuf den modernen Mythos von der weltweit verbreiteten ekstatischen Schamanentrance
Nach Eliade stand der Urmensch noch permanent mit dem Göttlichen in Verbindung (bronzezeitliche Felsritzungen in Schweden)

„Il n’existe pas des zones géographiques privilégiées où la trance chamanique soit un phénomène spontané et organique: au rencontre des chamans un peu partout dans le monde …“

– Mircea Eliade[4]

Dieses Zitat des rumänischen Religionswissenschaftlers Mircea Eliade gibt seinen zentralen Gedanken wieder: „Es gibt keinen bestimmten geographischen Raum (des Schamanismus), denn die schamanische Trance ist ein spontanes und organisches Phänomen, das man bei allen Schamanen auf der Welt antrifft.“

Aus seinen umfangreichen kulturvergleichenden Recherchen in russischen und finnischen Ethnographien schuf er einen Idealtypus des Schamanen. Er konzipierte den Schamanismus als das weltweit verbreitete Ur-Phänomen der menschlichen Religiosität und erhob die (passive) ekstatische Trance mit dem „Seelenflug in die Geisterwelt“ zum zentralen Merkmal aller schamanischen Phänomene. Darüber hinaus hielt er die klassisch-sibirische Kosmologie für eine Universalie, die in vielen Kulturen durch Fremdeinflüsse überdeckt sei. Eliade hob überdies deutlich hervor, dass für den Urmenschen sowie heutige „Naturvölker“ ein mystisch-sakraler Zustand kennzeichnend sei, der einen direkten Kontakt zum Göttlichen ermöglicht habe.

Mit seinem Werk Schamanismus und archaische Ekstasetechnik (Erstausgabe auf Französisch 1957) löste Eliade 1964 bei der Veröffentlichung in den USA in intellektuellen Kreisen Begeisterung für ein Thema aus, das bis dahin nur Religionswissenschaftler am Rande interessiert hatte. Dies lag nicht nur am Inhalt seiner Studien, sondern mindestens ebenso an der ungewöhnlichen Herangehensweise: Eliade führte die ethnologischen, philosophischen, religionswissenschaftlichen und psychologischen Perspektiven in einer Synthese aus empirischer Analyse und imaginativer Religionsphilosophie zusammen. Lange Zeit galt seine These als das Standardwerk zum Schamanismus. Es trug entscheidend zur Rehabilitation spiritueller Praktiker bei, die bis dato als Geisteskranke oder Scharlatane angesehen wurden.

Seit den 1990er Jahren wurde er in der Ethnologie jedoch mehr und mehr verpönt. Kunsthistoriker, Literaturwissenschaftler sowie neoschamanistische und populärwissenschaftliche Autoren berufen sich allerdings nach wie vor auf Eliade, obwohl die Kritikpunkte seine These weitgehend demontieren.[94]

Kritik

Kritiker erkennen christliche Motive (Paradiesischer Zustand, Sündenfall) und romantische Verklärung in Eliades Werk

Da sich Eliade vollkommen auf seinen ganzheitlich religionswissenschaftlichen Ansatz konzentrieren wollte, verzichtete er darauf, den historischen und politischen Kontext der Phänomene genauer zu betrachten. Stattdessen stellte er Vergleichskriterien auf, die man als „ergebnisgeleitet“ statt „ergebnisoffen“ bezeichnen kann. So entgingen ihm auch die bereits erwähnten Fehler in den alten ethnographischen Aufzeichnungen aus Russland.[86] Auf der Suche nach dem tieferen Sinn vermischte er religiöse mit mythisch-literarischen Phänomenen und stellte das „kreative vor das empirische Moment“. Er ging davon aus, dass sich der „sakrale Charakter“ nicht mit Hilfe der reduktionistischen Methoden verschiedener Fachbereiche (Physiologie, Psychologie, Sprachwissenschaft, Kunst u. a.) offenbare, sondern nur in seiner „eigenen religiösen Modalität“. Seine These ist keine rein akademische, sondern eine metaphysische Deutung von Geschichte und Welt. Widersprüche und Abweichungen erklärte er durch „Dekadenz“ und „Kontamination“ durch andere Kulturen und Religionen.

Eliade idealisierte und romantisierte die „archaische Spiritualität“ und die „primitiven Kulturen“ in der eurozentrischen Tradition von Herder und Boas. Statt sich den tatsächlichen ethnischen Mentalitäten zu nähern, erkennen einige Autoren eher christliche Motive bei ihm: Der mystische Urzustand entspricht dem Paradies, der geschichtliche Zivilisationsprozess dem Sündenfall und die schamanische Seelenreise war nach Eliade angeblich ursprünglich eine „Himmelsreise“ in die Oberwelt.

Sein Ansatz hat bis in die 1990er Jahre zu scharfen Debatten um seine Methodik, aber demgegenüber auch um den Reduktionismus in den Religionswissenschaften geführt. Aus Sicht der Anthropologie wird Eliades Methode vor allem kritisiert, weil sie mehr in seiner Rolle eines schamanischen Propheten wurzele, denn in seriöser wissenschaftlicher Arbeit. Verschiedene Autoren bemängeln, dass er historische, anthropologische, soziologische und ökonomische Perspektiven schlichtweg ignoriert habe, so dass seine Darstellungen nicht verifizierbar seien. Darüber hinaus wird ihm angelastet, dass er über den reinen Erklärungsversuch hinausging und dem unwissenschaftlichen Neoschamanismus mit der Aussage „dass der mystische Urzustand mit Hilfe der schamanischen Ekstase quasi jederzeit von jedermann vergegenwärtigt werden könne“ eine Legitimation geliefert hat.[95][94] Klaus E. Müller bezeichnete Eliades Thesen als „inhaltlich sehr spekulativ“.[96]

Siehe auch

 Themenlisten: Religionsethnologie + Ethnomedizin – Übersichten im Portal:Ethnologie

  • Mongolischer Schamanismus
  • Schamanismus in Korea
  • Schamanismus in Japan
  • Wuismus (ehemaliger klassischer Schamanismus Chinas)
  • Animalismus (religiöse Bindung an beseelte Tiere)
  • Animatismus (sieht unbelebte Dinge der Natur als lebendig an)
  • Archaische Spiritualität in systematisierten Religionen

Literatur

  • Hans Peter Duerr: Sedna oder Die Liebe zum Leben. (suhrkamp taschenbuch), 2. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-518-38210-3.
  • Mircea Eliade: Geschichte der religiösen Ideen. 4 Bände. Herder, Freiburg 1978, ISBN 3-451-05274-1.
  • Mircea Eliade: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik. Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-27726-X (original: 1951).
  • Martin Gimm: Der geheime Schamanismus der Qing-Kaiser und der Schamanentempel Tangzi. Harrassowitz, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-447-10962-8.
  • Valentina Gorbatcheva, Marina Federova: Die Völker des Hohen Nordens. Kunst und Kultur Sibiriens. Parkstone Press, New York 2000, ISBN 1-85995-484-7.
  • Giselher Guttmann, Gerhard Langer (Hrsg.): Das Bewußtsein. Multidimensionale Entwürfe. Springer, Wien/New York 1992, ISBN 3-211-82361-1.
  • Michael Harner: Hallucinogens and Shamanism. Oxford University Press, New York 1973.
  • Helmut Hoffmann: Symbolik der tibetischen Religion und des Schamanismus. Stuttgart 1967.
  • Mihály Hoppál: Das Buch der Schamanen. Europa und Asien. Econ Ullstein List, München 2002, ISBN 3-550-07557-X, auf real.mtak.hu [8]
  • Åke Hultkrantz, Michael Rípinsky-Naxon, Christer Lindberg: Das Buch der Schamanen. Nord- und Südamerika. München 2002, ISBN 3-550-07558-8.
  • Adolf Ellegard Jensen: Mythos und Kult bei Naturvölkern – Religionswissenschaftliche Betrachtungen. dtv, München 1992, ISBN 3-423-04567-1 (original: 1951).
  • Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas. Gondrom, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-1056-4.
  • David Lewis-Williams: The Mind in the Cave. Consciousness and the Origins of Art. Thames & Hudson, London 2004, ISBN 0-500-28465-2.
  • Klaus E. Müller: Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale. 4. Auflage. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-41872-3 (original: 1997).
  • Dirk Schlottmann: Koreanischer Schamanismus im neuen Millennium. Peter Lang, Frankfurt/Bern 2007, ISBN 978-3-631-56856-9 (Europäische Hochschulschriften; Volkskunde/Ethnologie).
  • Monika und Udo Tworuschka: Religionen der Welt. In Geschichte und Gegenwart. Bassermann, München 1992/2000, ISBN 3-8094-5005-7.
  • Karl Rudolf Wernhart: Ethnische Religionen – Universale Elemente des Religiösen. Topos, Kevelaer 2004, ISBN 3-7867-8545-7, S. 134.

Weblinks

Commons: Schamanismus (shamanism) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schamanismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Literatur von und über Schamanismus im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Audio von WDR 5 Lebenszeichen: Globale Balance: Schamanische Krisenbewältigung. 23. August 2020 (28:58 Minuten; Online-Kongress vom Institut für Ganzheitsmedizin im Mai 2020; verfügbar bis 21. August 2021).

Anmerkungen

  1. ↑ Diese Begriffserklärung bildet den kleinsten gemeinsamen Nenner verschiedener aktueller Definitionen aus der Zeit nach 1990.

Einzelnachweise

  1. ↑ Gorbatcheva, S. 181.
  2. ↑ Mihály Hoppál: Das Buch der Schamanen. Europa und Asien. Econ Ullstein List, München 2002, ISBN 3-550-07557-X, S. 11 ff.
  3. ↑ Wassilios Klein: Schamane/Schamanin/Schamanismus. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Online abgerufen am 11. Februar 2024 https://dx.doi.org/10.1163/2405-8262_rgg4_COM_024719, auf referenceworks.brillonline.com [1]
  4. ↑ a b c d e f g László Vajda, Thomas O. Höllmann (Hrsg.): Ethnologica. Ausgewählte Aufsätze. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04209-5, S. 145–147.
  5. ↑ Viviana Korn: Schamanismus. In: „Kurzinformation Religion“ des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes e. V., Marburg 2010, abgerufen am 30. Januar 2015.
  6. ↑ Manfred Kremser: Am Anfang war das Ritual – Schematische Aufstellungsarbeit in indigenen Kulturen? In: Guni Leila Baxa, Christine Essen, Astrid Habiba Kreszmeier (Hrsg.): Verkörperungen: Systemische Aufstellung, Körperarbeit und Ritual. Online-Ausgabe, Auer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-89670-718-3, S. 110–128.
  7. ↑ Karl R. Wernhart: Ethnische Religionen – Universale Elemente des Religiösen. Topos, Kevelaer 2004, ISBN 3-7867-8545-7, S. 139.
  8. ↑ a b Piers Vitebsky: Schamanismus. Taschen, Köln 2001, S. 11.
  9. ↑ Roger N. Walsh: The spirit of shamanism. Tarcher, New York 1990, S. 11.
  10. ↑ Roger N. Walsh in Gerhard Mayer: Schamanismus in Deutschland. Konzepte – Praktiken – Erfahrungen. Band 2 von Grenzüberschreitungen. Beiträge zur wissenschaftlichen Erforschung außergewöhnlicher Erfahrungen und Phänomene. Ergon, Würzburg 2003, ISBN 3-89913-306-4, S. 14.
  11. ↑ a b c d e Dirk Schlottmann: Was ist ein Schamane? Koreanischer Schamanismus heute. (Memento vom 6. Juni 2015 im Internet Archive) In: journal-ethnologie.de, Aktuelle Themen 2007, Museum der Weltkulturen, Frankfurt 2008, abgerufen am 5. Juni 2018 (web.archive.org).
  12. ↑ a b Ronald Hutton: Shamans. Siberian Spirituality and the Western Imagination. University of Michigan, Hambledon/London 2001, ISBN 1-85285-324-7, S. VII.
  13. ↑ a b Klaus Sagaster: Schamanismus, erschienen in: Horst Balz, James K. Cameron, Stuart G. Hall, Brian L. Hebblethwaite, Wolfgang Janke, Hans-Joachim Klimkeit, Joachim Mehlhausen, Knut Schäferdiek, Henning Schröer, Gottfried Seebaß, Hermann Spieckermann, Günter Stemberger, Konrad Stock (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 30: „Samuel – Seele“. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-019098-2, S. 72–76.
  14. ↑ a b c Thomas O. Höllmann, Götzfried u. Claudius Müller (Hrsg.): Ethnologica: Ausgewählte Aufsätze von László Vajda. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04209-5, S. 145–147.
  15. ↑ a b c d Kai Funkschmidt: Schamanismus und Neo-Schamanismus. In: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ezw-berlin.de, Berlin, 2012, abgerufen am 4. Februar 2015.
  16. ↑ a b Andreas M. Oberheim: Schamanismus in Südamerika. (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive) Annika Wieckhorst, Proseminar: Einführung in die Medizinethnologie. Universität zu Köln, Sommersemester 2007, abgerufen am 18. Februar 2015.
  17. ↑ Waldemar Stöhr: Lexikon der Völker und Kulturen. Westermann, Braunschweig 1972, ISBN 3-499-16160-5, S. 59.
  18. ↑ Michael Witzel: The Origins of the World's Mythologies. Oxford University Press, New York 2011, S. 382 ff.
  19. ↑ Mariko Namba Walter, E. J. Neumann Fridman (Hrsg.): Shamanism. Santa Barbara 2004, ISBN 978-1-57607-645-3. Einleitung S. XVII ff.
  20. ↑ Walter Hirschberg (Begründer), Wolfgang Müller (Redaktion): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage. Reimer, Berlin 2005, S. 326–327.
  21. ↑ Witzel 2011, S. 132 ff.
  22. ↑ Heiko Grünwedel (ggf. Hrsg.): Schamanismus zwischen Sibirien und Deutschland: Kulturelle Austauschprozesse in globalen religiösen Diskursfeldern. transcript, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2046-7, S. 46.
  23. ↑ a b c Michael Kleinod: Schamanismus und Globalisierung. Essay im Rahmen des Seminars Kulturelle Globalisierung und Lokalisierung, Ethnologie, Universität Trier 2005, ISBN , S. 4–7.
  24. ↑ Karl R. Wernhart: Ethnische Religionen, erschienen in: Johann Figl (Hrsg.): Handbuch Religionswissenschaft: Religionen und ihre zentralen Themen. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2003, ISBN 3-7022-2508-0, S. 278–279.
  25. ↑ Jörn Happel: Die Trommel des Schamanen. Über den Anfang und das Ende sibirischer Religionsstudien. S. 199–211 In: Martina Thomsen (Hrsg.): Religions geschichtliche Studien zum östlichen Europa. Festschrift für Ludwig Steindorff zum 65. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11772-2, S. 203, auf edoc.unibas.ch [2]
  26. ↑ Ivar Paulson: Der Schamanismus in Nordasien (Sibirien). Paideuma: Mitteilungen zur Kulturkunde, Bd. 11 (1965), S. 91–104, auf jstor.org [3] (91)
  27. ↑ Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine archäologische Reise zu unseren Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 92
  28. ↑ Mirko Uhlig: Schamanische Sinnentwürfe? Empirische Annäherungen an eine alternative Kulturtechnik in der Eifel der Gegenwart. (= Band 13, Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, herausgegeben von der Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz e. V.) Waxmann, Münster/New York 2016, auf waxmann.ciando.com [4], S. 25–28
  29. ↑ Martina Thomsen (Hrsg.): Religions geschichtliche Studien zum östlichen Europa. Festschrift für Ludwig Steindorff zum 65. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11772-2, S. 200 edoc.unibas.ch [5]
  30. ↑ Klaus Sagaster: Schamanismus. In: Horst Balz u. a. (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie. Band 30: „Samuel - Seele“. de Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-019098-2, S. 73
  31. ↑ Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine archäologische Reise zu unseren Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 85–113
  32. ↑ Erich Kasten: Schamanen Sibiriens: Magier - Mittler - Heiler (Linden-Museum Stuttgart, Staatliches Museum für Völkerkunde, vom 13. Dezember 2008 bis – 28. Juni 2009; in Zusammenarbeit mit dem Russischen Ethnographischen Museum St. Petersburg), Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-496-02812-3.
  33. ↑ Juha Janhunen: Siberian shamanistic terminology. Suomalais-ugrilaisen Seuran toimituksia / Memoires de la Societe finno-ougrienne. 194, 1986, S. 97–98.
  34. ↑ Iris Gareis: Schamanismus. In: Enzyklopädie der Neuzeit Online, im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachherausgebern herausgegeben von Friedrich Jaeger (bis 2019), Georg Eckert, Ulrike Ludwig, Benjamin Steiner und Jörg Wesche. J.B. Metzler. Springer, 2005, https://dx.doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_344540
  35. ↑ Ivar Paulson: Der Schamanismus in Nordasien (Sibirien). Paideuma: Mitteilungen zur Kulturkunde, Bd. 11 (1965), S. 91–104, auf jstor.org [6] (91)
  36. ↑ Hoppál, S. 11 ff.
  37. ↑ Mircea Eliade, zitiert in: Karin Riedl, S. 93.
  38. ↑ Marvin Harris: Kulturanthropologie – Ein Lehrbuch. Aus dem Amerikanischen von Sylvia M. Schomburg-Scherff, Campus, Frankfurt/New York 1989, ISBN 3-593-33976-5, S. 285.
  39. ↑ Alexandra Rosenbohm (Hrsg.): Schamanen zwischen Mythos und Moderne. Militzke, Leipzig 1999, ISBN 3-86189-159-X, S. 7.
  40. ↑ Florian Deltgen: Gelenkte Ekstase: Die halluzinogene Droge Cají der Yebámasa-Indianer. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-05630-0, S. 27.
  41. ↑ Roberte Hamayon: Shamanism and the hunters of the Siberian forest:soul, life force, spirit. In: Graham Harvey (Hrsg.): The Handbook of Contemporary Animism. Acumen Publishing, 2013, ISBN 978-1-84465-712-4, S. 284.
  42. ↑ Michael Lütge: Der Himmel als Heimat der Seele. Visionäre Himmelfahrtspraktiken und Konstrukte göttlicher Welten bei Schamanen, Magiern, Täufern und Sethianern. Universität Marburg, Ms. 2008 online (PDF; 13,1 MB), S. 29 f.
  43. ↑ Klaus E. Müller, S. 104.
  44. ↑ Klaus E. Müller, S. 104–105.
  45. ↑ Klaus E. Müller, S. 107–108.
  46. ↑ S. M. Shirokogoroff: Psychomental Complex of the Tungus. Kegan, Paul, Trench, Trubner; London 1935.
  47. ↑ Klaus E. Müller, S. 109.
  48. ↑ Claude Lévi-Strauss: Strukturale Anthropologie I. Frankfurt am Main 1967, S. 187.
  49. ↑ Klaus E. Müller, S. 110–111.
  50. ↑ Wolfgang Saur: Mircea Eliade heute. In: Sezession. Nr. 16, Februar 2007. ISSN 1611-5910.
  51. ↑ Raymond Prince: The Endorphins und: Shamans and Endorphins. Ethos. Journal of the Society for Psychological Anthropology 10(4): 303–316; 409–423 (1982).
  52. ↑ M. Lütge: Der Himmel als Heimat, 2008, S. 35.
  53. ↑ Klaus E. Müller, S. 8–9, 19–20.
  54. ↑ Anett C. Oelschlägel: Plurale Weltinterpretationen. Das Beispiel der Tyva Südsibiriens. SEC Publications, Fürstenberg/Havel 2013, ISBN 978-3-942883-13-9, S. 31, 60 f.
  55. ↑ a b c Klaus E. Müller, S. 119.
  56. ↑ Mihály Hoppál: Schamanen und Schamanismus. Pattloch, Augsburg 1994, ISBN 3-629-00646-9, S. 32 f.
  57. ↑ Gorbatcheva, S. 181.
  58. ↑ Yuri E. Berezkin: The Cosmic Hunt: Variants of a Siberian - North-American Myth. J Folklore Electronic Journal of Folklore, January 2005,31 DOI:10.7592/FEJF2005.31.berezkin, auf folklore.ee [7]
  59. ↑ Witzel 2011, S. 39.
  60. ↑ Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin. Eine archäologische Reise zu unseren Anfängen. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00301-2, S. 47
  61. ↑ Erich Kasten (Hrsg.): Schamanen Sibiriens. Magier – Mittler – Heiler. Zur Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart, 13. Dezember 2008 bis 28. Juni 2009, Reimer Verlag 2009, ISBN 978-3-496-02812-3, S. 164–167.
  62. ↑ a b Manfred Kremser: Ethnologische Religions- und Bewusstseinsforschung. Vorlesungsskript Universität Wien, Sommersemester 2001, S. 14–15. pdf-Version (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  63. ↑ a b Bruno Illius: Die Vorstellung von „ablösbaren Seelen“. In: Der Begriff der Seele in der Religionswissenschaft. Johann Figl, Hans-Dieter Klein (Hrsg.), Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2377-3, S. 87–89.
  64. ↑ a b Klaus E. Müller, S. 19.
  65. ↑ Dennis u. Barbara Tedlock (Hrsg.): Über den Rand des tiefen Canyon. Lehren indianischer Schamanen. 8. Auflage. aus dem Amerikanischen von Jochen Eggert, Originalausgabe 1975, Diederichs, München 1994, ISBN 3-424-00577-0, S. 170.
  66. ↑ a b c Nana Nauwald, Felicitas D. Goodman & Freunde: Ekstatische Trance. Rituelle Körperhaltungen und Ekstatische Trance. 4. Auflage. , Binkey Kok, Haarlem (NL) 2010, ISBN 978-90-74597-81-4, S. 35, 43, 48, 59.
  67. ↑ Schamanismus. In: praehistorische-archaeologie.de, abgerufen am 12. Juni 2015.
  68. ↑ Andrea Marchhart mit Elke Mesenholl-Strehler als Betreuerin: Tranceerfahrung und ihr Einfluss auf die Persönlichkeit. Interuniversitäres Kolleg für Gesundheit und Entwicklung, Graz (AU) 2008.
  69. ↑ Klaus E. Müller, S. 19.
  70. ↑ Klaus E. Müller, S. 8–9, 12, 19–20, 113–114.
  71. ↑ Klaus E. Müller, S. 17–18.
  72. ↑ Klaus E. Müller, S. 115–117.
  73. ↑ Klaus E. Müller, S. 28.
  74. ↑ Klaus Müller, S. 28–30.
  75. ↑ Witzel 2011, S. 382 ff.
  76. ↑ Klaus E. Müller, S. 117.
  77. ↑ Klaus E. Müller, S. 113.
  78. ↑ Klaus E. Müller, S. 29–34.
  79. ↑ Klaus E. Müller, S. 8–9, 19–20, 30–33, 71, 106, 115–119.
  80. ↑ Annegret Nippa (Hrsg.): Kleines abc des Nomadismus. Publikation zur Ausstellung „Brisante Begegnungen. Nomaden in einer sesshaften Welt“, Museum für Völkerkunde Hamburg, Hamburg 2011. S. 180–181.
  81. ↑ (Hrsg.): Die Verdichter. Eine religionsethnologische Studie zum Schamanismus der Lakota. LIT Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-8258-0362-7, S. 210.
  82. ↑ Ronald Hitzler, Peter Gross, Anne Honer: Diagnostische und therapeutische Kompetenz im Wandel. In: Franz Wagner (Hrsg.): Medizin: Momente der Veränderung. Springer, Berlin u. a. 1989, S. 165.
  83. ↑ Hartmut Zinser: Schamanismus im „New Age“. In: Michael Pye, Renate Stegerhoff (Hrsg.): Religion in fremder Kultur. Religion als Minderheit in Europa und Asien. dadder, Saarbrücken 1987, ISBN 3-926406-11-9, S. 175.
  84. ↑ Hans Peter Duerr (Hrsg.): Sehnsucht nach dem Ursprung: zu Mircea Eliade. Syndikat, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-8108-0211-5, S. 218.
  85. ↑ Evelin Haase: Mittler zwischen Menschen und Geistern – Schamanismus der Solonen (Ewenken) in Nordchina. In: Claudius Müller (Hrsg.): Wege der Götter und Menschen. Religionen im traditionellen China. Auflage, Reimer, Berlin 1989, S. 148.
  86. ↑ a b Till Mostowlansky: Islam und Kirgisen on Tour. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05583-3, S. 42–48, 64–66, 76, 86–87.
  87. ↑ Hartmut Zinser: Zur Faszination des Schamanismus. In: Michael Kuper (Hrsg.): Hungrige Geister und rastlose Seelen. Texte zur Schamanismusforschung. Dietrich Reimer, Berlin 1991, S. 17–26.
  88. ↑ Harald Motzki: Schamanismus als Problem religionswissenschaftlicher Terminologie. Brill, Köln 1977.
  89. ↑ William F. Romain: Shamans of the Lost World: A Cognitive Approach to the Prehistoric Religion of the Ohio Hopewell. Rowman & Littlefield, Lanham (USA) 2009, ISBN 978-0-7591-1905-5, S. 3, 7, 17–18.
  90. ↑ Witzel 2011, S. 399 f.
  91. ↑ Linden Museum für Länder- und Völkerkunde: Jahrbuch des Linden-Museums Stuttgart, Tribus. Nr. 52, 2003, Stuttgart, S. 261.
  92. ↑ Entzauberte Höhlenmaler. In: wissenschaft.de, 20. Juli 2004, abgerufen am 8. Juni 2015.
  93. ↑ Thierry Zarcone, Prof. Angela Hobart (Hrsg.): Shamanism and Islam: Sufism, Healing Rituals and Spirits in the Muslim World. I.B.Tauris & Co Ltd, 2012, ISBN 978-1-84885-602-8. 
  94. ↑ a b Riedl, S. 91–98.
  95. ↑ Ulrich Berner in Axel Michaels (Hrsg.): Klassiker der Religionswissenschaft: von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade. 3. Auflage. C. H.Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-61204-6, S. 343–353 insbes. 348–351.
  96. ↑ Klaus E. Müller, S. 111.

A. Karin Riedl: Künstlerschamanen. Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys. transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2683-4.

  1. ↑ Riedl, S. 104.
  2. ↑ Riedl, S. 103.
  3. ↑ Riedl, S. 90, 98–99.
  4. ↑ Riedl, S. 81, 86–89.
  5. ↑ Riedl, S. 89–91, 98–99, 102.
  6. ↑ Riedl, S. 102–103.
  7. ↑ Riedl, S. 103–104.
  8. ↑ Riedl, S. 94.
  9. ↑ Riedl, S. 105–106.
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Nikolai Wjatscheslawowitsch Abajew

Noir24admin Schamanismus 21. Juni 2026
Nikolai Wjatscheslawowitsch Abajew

Nikolai Wjatscheslawowitsch Abajew (russisch Николай Вячеславович Абаев, wiss. Transliteration Nikolaj Vjačeslavovič Abaev; geb. 7. Oktober 1949 in Toora-Chem, Koschuun Todschinski, Tuwinische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik; gest. 2020 in Ulan-Ude, Burjatien, Russische Föderation) war ein sowjetischer und russischer Sinologe und Buddhologe und eine Persönlichkeit des Zen (Chan)-Buddhismus.

Leben und Werk

Abajew wurde 1949 im Dorf Toora-Chem in Todschinski in der Tuwinischen ASSR geboren. 1972 schloss er sein Studium an der Fakultät für Orientalistik der Staatlichen Universität Dagestan[1] ab, promovierte 1978 und habilitierte sich 1991 in Geschichtswissenschaften. Er forschte am Institut für Sozialwissenschaften[2] der Burjatischen Abteilung der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR[3].[4]

Er hat über 300 wissenschaftliche Publikationen in verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Seine wissenschaftlichen Hauptinteressen sind die Philosophie und Psychologie des Buddhismus, die Kultur der psychischen Aktivität der Völker Zentral- und Nordostasiens, die ökologische Kultur und die ethnisch-konfessionellen Traditionen der turk-mongolischen Völker in der "nomadischen" Zivilisation Innerasiens, die tengrische Metaphysik und ihr Einfluss auf die politische Kultur, den Denkstil und das soziale Verhalten der eurasischen Völker.[5]

Zu seinen zahlreichen Publikationen in verschiedenen Sprachen zählen unter anderem ein zusammen mit Michail Leontjewitsch Titarenko[6] herausgegebenes Enzyklopädisches Wörterbuch zur chinesischen Philosophie (siehe unter Kitaiskaja filossofija).

Publikationen (Auswahl)

Monographien

  • Чань-буддизм и культура психической деятельности в средневековом Китае / Отв. ред. Л. П. Делюсин. — Новосибирск: Наука : Сиб. отд-ние, 1983. — 123 с. // Chan-Buddhismus und die Kultur der geistigen Aktivität im mittelalterlichen China / Herausgegeben von L. P. Deljusin.[7] - Nowosibirsk: Nauka: Zweigstelle Sib., 1983. - 123 S.
  • Чань-буддизм и культурно-психологические традиции в средневековом Китае / Отв. ред. Л. П. Делюсин; АН СССР, Сибирское отд-ние, Бурятского ин-т обществ. наук. — 2-е изд., перераб. и доп. — Новосибирск: Наука, 1989. — 271 с. — ISBN 5-02-029186-2. // Chan-Buddhismus und kulturell-psychologische Traditionen im mittelalterlichen China / Herausgegeben von L. P. Deljusin; Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Sibirische Abteilung, Burjatisches Institut für Sozialwissenschaften. - 2. Auflage, überarbeitet und ergänzt - Nowosibirsk: Nauka, 1989. - 271 S. - ISBN 5-02-029186-2.
  • Абаев Н. В., Горбунов И. В.: Сунь Лутан о философско-психологических основах "внутренних" школ у-шу / Российская акад. наук, Сибирское отд-ние, Бурятский ин-т обществ. наук. — Новосибирск: Наука, Сибирское отд-ние, 1992. — 168 с. — ISBN 5-02-029746-1. // Abaev N. V., Gorbunov I. V.: Sun Lutang über philosophisch-psychologische Grundlagen der "inneren" Schulen des Wushu / Russische Akademie der Wissenschaften, Sibirische Abteilung, Burjatisches Institut für Sozialwissenschaften. - Nowosibirsk: Nauka, Sibirische Abteilung, 1992. - 168 S. - ISBN 5-02-029746-1.
  • Концепция «просветления» в «Махаяна-шрад-дхотпадашастре» // Психологические аспекты буддизма. — Новосибирск: Наука, 1986. // Das Konzept der "Erleuchtung" im Mahayanashraddhotpadashastra // Psychologische Aspekte des Buddhismus. - Nowosibirsk: Nauka, 1986.
  • Цивилизационная геополитика народов Алтай-Байкальского региона и Центральной Азии. — Кызыл: Изд-во ТывГУ, 2007. — 160 с. — ISBN 5-91178-013-5. // Zivilisationsgeopolitik der Völker der Altai-Baikal-Region und Zentralasiens. - Kyzyl: Verlag der Staatlichen Universität Tuwa, 2007. - 160 S. - ISBN 5-91178-013-5.
  • Абаев Н. В., Аюпов Н. Г.: Тэнгрианская цивилизация в духовно-культурном и геополитическом пространстве Центральной Азии / Междунар. Фонд по изучению Тенгри, Фонд Центрально-Евразийского наследия. — Абакан: Лаб. "кочевых" цивилизаций ТывГУ, 2009. — 21 с. // Abaev N. V., Ayupov N. G.: Die Tengri-Zivilisation im geistig-kulturellen und geopolitischen Raum Zentralasiens / Internationale Tengri-Forschungsstiftung, Stiftung für das zentraleurasische Erbe. - Abakan: Labor "Nomadische" Zivilisationen der Staatlichen Universität Tuwa[8], 2009. - 21 S.
  • Абаев Н. В., Опей-оол У. П.: Тэнгрианство, буддизм и экологические культы в Центральной Азии и Транс-Саянии. — Кызыл: Нац. музей Республики Тыва, 2009. — 143 с. // Abaev N. V., Opey-ool U. P.[9]: Tengrismus, Buddhismus und ökologische Kulte in Zentralasien und Transsayan. - Kyzyl: Nationalmuseum der Republik Tuwa, 2009. - 143 S.
  • Абаев Н. В., Аюпов Н. Г.: Этноэкологические традиции тюрко-монгольских народов в тэнгрианско-буддийской цивилизации Внутренней Азии : издание научное (монография). — Кызыл: Ред.-изд. отд. ТывГУ, 2010. — 135 с. — ISBN 978-5-91178-040-1. // Abaev N. V., Ayupov N. G.: Ethno-ökologische Traditionen der turk-mongolischen Völker in der tengrisch-buddhistischen Zivilisation Innerasiens: eine wissenschaftliche Ausgabe (Monographie). - Kyzyl: Redaktion der Staatlichen Universität Tuwa, 2010. - 135 S. - ISBN 978-5-91178-040-1.
  • Абаев Н. В., Хомушку О. М.: Духовно-культурные традиции в геополитическом и цивилизационном пространстве Центральной Азии и Саяно-Алтая: монографическое исследование. — Кызыл: ТывГУ, 2010. — 283 с. // Abaev N. V., Homushku O. M.: Spirituelle und kulturelle Traditionen im geopolitischen und zivilisatorischen Raum Zentralasiens und des Sajan-Altai: Monographische Forschung. - Kyzyl: Staatliche Universität Tuwa, 2010. - 283 S.
  • Влияние тэнгриантства на экологическую культуру и этногенез тюрко-монгольских народов Алтай-Байкалии: издание научное : (монография). — Н. Новгород: MOBY publishing, 2011. — 150 с. — ISBN 978-5-4434-0002-0. // Der Einfluss des Tengrismus auf die ökologische Kultur und Ethnogenese der turk-mongolischen Völker des Altai-Baikal-Gebietes: eine wissenschaftliche Veröffentlichung: (Monographie). - N. Novgorod: MOBY Verlag, 2011. - 150 S. - ISBN 978-5-4434-0002-0.
  • Культ священных гор и тэнгрианский эпос бурят-монголов. — Иркутск: Оттиск, 2014. — 127 с. — ISBN 978-5-90584787-5. // Der Kult der Heiligen Berge und das tengrische Epos der Burjaten-Mongolen. - Irkutsk: Otitisk, 2014. - 127 S. - ISBN 978-5-90584787-5.
  • Архаические формы религии и тэнгрианство в этнокультурогенезе народов Внутренней Азии / отв. ред. Н. И. Атанов. — Улан-Удэ: Бурятский государственный университет, 2015. — 248 с. — ISBN 978-5-9793-0762-6. // Abayev N. V.: Archaische Formen der Religion und des Tengrismus in der ethnokulturellen Genese der Völker Innerasiens / hrsg. von N. I. Atanov. - Ulan-Ude: Burjatische Staatliche Universität, 2015. - 248 S. - ISBN 978-5-9793-0762-6.
  • Абаев Н. В., Хобраков Ц. С.: Бурят-монгольская школа единоборства "Шонын-баша" (Стиль Небесного Волка) / Бурятский гос. ун-т, Ин-т Внутренней Азии, Лаб. цивилизационной геополитики Евразии. — Улан-Удэ: Изд-во Бурятского государственного университета, 2015. — 145 с. — ISBN 978-5-9793-0725-1. // Abaev N. V., Khobrakov C. S.: The Buryat-Mongolian school of martial arts "Shonyn-Basha" (Heavenly Wolf Style) / Buryat State University, Inner Asia Institute, Eurasia Civilization Geopolitics Lab. - Ulan-Ude: Burjat State University Press, 2015. - 145 S. - ISBN 978-5-9793-0725-1.
  • Этимологический словарь тэнгрианских терминов бурят-монголов. // Вестник Бурятского государственного университета. Сер.: Гуманитарные исследования Внутренней Азии. — 2017. — Вып. № 1. — С. 106—112.; Вып. № 2. — С. 110—112.; Вып. № 4. — С. 111—112. — ISSN 2305-753X // Etymologisches Wörterbuch der tengrischen Begriffe der Burjat-Mongolen. // Bulletin der Burjatischen Staatlichen Universität. Ser.: Humanitäre Studien zu Innerasien. - 2017. - Bd. Nr. 1. - S. 106–112; Bd. Nr. 2. - S. 110–112; Bd. Nr. 4. - S. 111–112. - ISSN 2305-753X.
  • Этимологический словарь тэнгрианских терминов бурят-монголов. / Лаборатория БГУ. — Улан-Удэ : ООО «Амирит» ; Raleigh, NC : Lulu Press, Inc., 2019. — 120 с. — ISBN 978-0-244-44858-5. — ISBN 978-0-244-74858-6. // Etymologisches Wörterbuch der tengrischen Begriffe der Burjat-Mongolen. / Labor der BGU. - Ulan-Ude : Amirit Ltd ; Raleigh, NC : Lulu Press, Inc. 2019. - 120 S. - ISBN 978-0-244-44858-5. - ISBN 978-0-244-74858-6.

Artikel

Russisch

  • О соотношении теории и практики в чань-буддизме // 7-я науч. конф. «Общество и государство в Китае». — М.: Наука, 1976. — С. 618—625. // Zum Verhältnis von Theorie und Praxis im Chan-Buddhismus, // 7. wissenschaftliche Konferenz "Gesellschaft und Staat in China. - M.: Nauka, 1976. - S. 618–625.
  • Влияние чань-буддизма на тайные религиозные общества группы Байлянь // Проблемы современного Китая: Сб. ст. по материалам VII науч. конф. молодых науч. сотр. ИДВ АН СССР, март 1976 г.. — М., 1977. — С. 69—88. // Abaev N. В.: Der Einfluss des Chan-Buddhismus auf die geheimen religiösen Gemeinschaften der Bailian-Gruppe // Probleme des modernen China: Sammlung von Artikeln auf der Grundlage der Materialien der VII. wissenschaftlichen Konferenz junger Forscher des Instituts für auswärtige Angelegenheiten der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, März 1976. - М., 1977. - S. 69–88.
  • Чань-буддизм и у-шу // Народы Азии и Африки. — 1981. — № 3. — С. 63—74. // Chan-Buddhismus und Wushu // Völker Asiens und Afrikas. - 1981. - № 3. - S. 63–74.
  • Человек и природа в даосизме и буддизме // Общественные науки за рубежом. Сер. 9. Востоковедение и африканистика. — М., 1981. — № 2. — С. 213—217. // Mensch und Natur in Taoismus und Buddhismus // Sozialwissenschaften im Ausland. Ser. 9. Orientalistik und Afrikanistik. - М., 1981. - № 2. - S. 213–217.
  • О некоторых философско-психологических аспектах чаньских военно-прикладных искусств // Общество и государство в Китае. — М.: Наука, 1981. — С. 221—234. // Über einige philosophische und psychologische Aspekte der Chan-Militärkünste // Gesellschaft und Staat in China. - M.: Nauka, 1981. - S. 221–234.
  • Даосские истоки китайских у-шу // Дао и даосизм в Китае. — М.: Наука, 1982. — С. 244—257. // Der taoistische Ursprung des chinesischen Wushu // Dao und Daoismus in China. - M.: Nauka, 1982. - S. 244–257.
  • О культуре психической деятельности в традиционном Китае // XIII науч. конф. «Общество и государство в Китае». — М., 1982. — С. 161—166. // Zur Kultur der geistigen Aktivität im traditionellen China // XIII Akademische Konferenz "Gesellschaft und Staat in China". - М., 1982. - S. 161–166.
  • Об искусстве психической саморегуляции (айкидо, каратэ) // Наука в Сибири. — 1983. — № 2. — С. 7. // Über die Kunst der psychischen Selbstregulierung (Aikido, Karate) // Nauka in Sibirien. - 1983. - № 2. - S. 7.
  • Фельдман В. Р., Абаев Н. В.: Цивилизация народов Центральной Азии: субстанциональные основания бытия // Вестник Бурятского государственного университета. — 2014. — № 6 (1). — С. 3—8. // Feldman V. R., Abaev N. V.: Zivilisation der Völker Zentralasiens: Substanzielle Grundlagen des Seins // Vestnik der Burjatischen Staatlichen Universität. - 2014. - № 6 (1). - S. 3-8.
  • Тэнгрианство, митраизм и общие этнокультурные истоки туранскоарийской цивилизации Центральной и Внутренней Азии // Вестник Бурятского государственного университета. — 2015. — № 3. — С. 42—59. // Tjengrianstvo, mitraizm i obshhie jetnokul'turnye istoki turanskoarijskoj civilizacii Central'noj i Vnutrennej Azii // Westnik der Burjatischen Staatlichen Universität. - 2015. - № 3. - S. 42–59.

in anderen Sprachen

  • Abaev N. V.: Geopolitical and Ethnocultural Aspects of Russian Border Area Regional Security under the Circumstances of Socio-Cultural Transit of Eurasian Civilization // Journal of Siberian Federal University. Humanities & Social Sciences. — 2013. — Vol. 6, № 5. — S. 724—734. — ISSN 1997-1370.
  • Abaev N. V., Zhuk O. V.: Historiography of the Old Belief and Researchers Coming from the Old Believers in the Baikal Region // Journal of Siberian Federal University. Humanities & Social Sciences. — 2018. — Vol. 11, № 8. — S. 1174—1187. — ISSN 1997-1370. — doi:10.17516/1997-1370-0300.

Literatur

  • “Абаев, Николай Вячеславович”, in: Китайская философия: энциклопедический словарь. 1994

Weblinks

  • Абаев Николай Вячеславович (Burjatische Staatliche Universität) – aus dem Webarchiv
  • Интервью с первым патриархом российского чань-буддизма Абаевым Н.В. / Interview mit dem ersten Patriarchen des russischen Chan-Buddhismus, N.V. Abaev
  • Abaev, N. V. (Nikolaĭ Vi︠a︡cheslavovich)
  • Schamanen-Bündnis von Sibirien bis Afrika

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ↑ russ. Дагестанский государственный университет
  2. ↑ Zum Burjatischen Institut für Sozialwissenschaften (Бурятский институт общетвенных наук), vgl. Graham Coleman: A Handbook Of Tibetan Culture: A Guide to Tibetan Centres and Resources, S. 156.
  3. ↑ Die Burjatische Abteilung der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR umfasste zwei Institute: das Institut für Sozialwissenschaften (BION) und das Institut für Naturwissenschaften
  4. ↑ “Абаев, Николай Вячеславович”, in: Китайская философия: энциклопедический словарь. 1994
  5. ↑ Абаев Николай Вячеславович (Burjatische Staatliche Universität) – aus dem Webarchiv
  6. ↑ russisch Михаил Леонтьевич Титаренко
  7. ↑ russisch Лев Петрович Делюсин, wiss. Transliteration Lev Petrovič Deljusin
  8. ↑ russisch Тувинский государственный универсистет
  9. ↑ russisch Ульяна Павловна Бичелдей
Normdaten (Person): GND: 1067408037 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n84056323 | VIAF: 92747938 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Abajew, Nikolai Wjatscheslawowitsch
ALTERNATIVNAMEN Абаев, Николай Вячеславович (russisch); Abaev, Nikolaj Vjačeslavovič (russisch-lateinisch)
KURZBESCHREIBUNG sowjetisch-russischer Sinologe, Buddhologe und Persönlichkeit des Zen-Buddhismus (Chan-Buddhismus)
GEBURTSDATUM 7. Oktober 1949
GEBURTSORT Toora-Chem, Todschinski, Tuwinische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik
STERBEDATUM 2020
STERBEORT Ulan-Ude, Burjatien, Russische Föderation



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  1. Altaischer Schamanismus

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