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Hürnen Seyfrit

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Hie schmirt sich Seyfrid vnd wirdt aller hürnen dann zwischen den schultern nicht. Holzschnitt 6 des Drucks K, um 1530

Der Hürnen Seyfrit („Das Lied von Siegfried mit der Hornhaut“) ist eine Fassung der Siegfriedsage. Der früheste bislang bekannte Druck stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.[1]

Überlieferungen

Hie wirfft der Hürnen Seyfrid den Rysen Kuperan vber den Trachenstain ab das er zu stücken falt. Holzschnitt 18 des Drucks K, um 1530
Hie sitzt Seyfrid vnd die Junckfraw auff dem Trachenstain vnd wöllen essen, so kumpt der Trach gefaren vnd bringt sechtzig jung Trachen mit jm. Holzschnitt 19 des Drucks K, um 1530

Der Hürnen Seyfrit (oder Hürnen Seyfrid) ist in einer Handschrift und 13 Druckversionen überliefert. Insgesamt sind heute noch sechzehn Exemplare in Bibliotheken und Privatbesitz bekannt, wobei nicht alle vollständig sind. Die einzige entdeckte Handschrift enthält die ersten zwölf Strophen des Hürnen Seyfrits. Sie wurde 1996 durch Jüri Kivimäe im Schwedischen Reichsarchiv in Stockholm entdeckt und wird auf etwa 1550 datiert.[2] Der älteste Druck des Hürnen Seyfrits stammt von der Nürnberger Druckerin Kunigunde Hergotin aus dem Jahr um 1530. Der jüngste Druck stammt von dem Baseler Drucker Johann Jakob Decker aus dem Jahr 1663.[3] An diesen schließt auch das Lied von Siegfrieds Hochzeit an, welches wohl ursprünglich von Anfang an mit dem Hürnen Seyfrit verbunden war. Weiterhin wurde der Hürnen Seyfrit unter dem Titel: "Summownj Kronyka welmi pekna / o sylnem Rohowem Sayffrydowi / w Rytmy uwedena a s Figurami ozdobena. Nynj w nowe wytisstena" von Tobias Mourenin ins Tschechische übersetzt und 1615 von Mikulas Pstros (Nikolaus Straus) als Druck herausgegeben. Der Druck befindet sich in der Nationalbibliothek Prag, Signatur: 54 K 11.790.

In der Nibelungenliedhandschrift m um 1400, von der nur die Aventiure - Überschriften erhalten sind (Darmstadt HS 3249), finden sich folgende Überschriften:[4]

Abinture wie gunter noch kriemilde farin wolde vnd wie sie hindert ein wildir drache

Abinture wie kriemilde nam ein wildir drache vnd furte sie uff einen hohin stein

Abinture wie siferit die juncfrauwe von dem drachin steine gewan mit manchyr groszin arbeit

Abinture daz siferit den drachin hatte ubir wondin vnd fur mit siner juncfrauwe an dem rin

Die Motive des Hürnen Seyfrits finden sich bereits auf dem schwedischen Ramsundstein 11. Jh. und in den nordischen Werken wie der Edda, der Thidrekssaga und der Völsunga saga.

Inhalt

Der Hürnen Seyfrit (oder Hürnen Seyfrid) zeigt, dass es unterschiedliche Überlieferungen zu Siegfrieds Jugend gegeben hat. In ihm wird über Siegfrieds Jugend gleich zweimal berichtet, einmal als Königssohn, einmal als Knecht bei einem Schmied, als würden einander widersprechende Parallellieder einfach aneinandergereiht. Dadurch entsteht zwar ein, als Ganzes betrachtet, indiskutabel heterogenes und widersprüchliches Werk, für die Kenntnis von Parallelüberlieferungen ist es aber wertvoll. Im Allgemeinen wird das Werk in drei Teile untergliedert:

Strophe 1–15: Schmiedeabenteuer

Strophe 16–172: Kampf mit dem Drachen und Befreiung Kriemhilds

Strophe 173–179: Siegfrieds Ermordung

Strophe 1–15
Seyfrit ist der Sohn von König Sigmund und seiner Gemahlin Siglinge. Er ist unbändig. Sigmunds Berater empfehlen dem König, Seyfrit zu einem Schmied in die Lehre zu geben. Doch auch hier kann er nicht gezügelt werden. Er schlägt das Eisen entzwei und den Amboss in die Erde. Wenn man ihn deshalb bestrafen will, verprügelt er auch den Meister und den Lehrling. Der Schmied schickt Seyfrit daher in den Wald, um Kohlen zu holen, tatsächlich jedoch weiß er, dass dort ein Drache haust. Seyfrit kann den Drachen jedoch töten und auch weitere Lindwürmer. Als er sie verbrennt, schmelzen die Hornhäute der Drachen und Seyfrit badet darin, so dass auch seine Haut zu Horn wird.

Strophe 16–172
Die Königstochter Grimhild wird von einem Drachen entführt, der sein neues Domizil auf einem Berg begründet hat. Dort lebt auch das Zwergengeschlecht der Nibelungen, welches einen ungeheuren Schatz besitzt. Als der Drache erscheint, verstecken die Zwerge den Schatz. Grimhild wird von dem Drachen gefangen gehalten. Der Riese Kuperan / Ruperan besitzt den Schlüssel zum Drachenstein. Als der Königssohn Seyfrit, der seine Eltern nicht kennt, sich auf der Jagd verirrt, erscheint der Zwerg Eugel, welcher Seyfrit zum Drachenstein führt. Seyfrit besiegt Kuperan und erhält den Schlüssel. Auch der Drache wird von Seyfrit nach einem schweren Kampf besiegt. Während des Kampfes findet Seyfrit den Schatz der Nibelungen. Eugel, welcher hellseherische Fähigkeiten besitzt, macht Seyfrit seine Herkunft kund und sagt ihm die Zukunft voraus. Nur acht Jahre wird er mit Grimhild das Leben genießen können, dann wird er ermordet werden. Auf dem Weg nach Worms versenkt Seyfrit den Schatz im Rhein, da dieser in der kurzen Lebenszeit ihm nichts nutzt.

Strophe 173–179
Seyfrit kommt mit Grimhild in Worms an und es wird eine prächtige Hochzeit gefeiert. Doch dann erregt Seyfrit den Neid von Grimhilds Brüdern. Auf der Jagd wird Seyfrit von Hagen ermordet.

Der hürnen Seufrid von Hans Sachs

Hans Sachs Tragödie "Der hürnen Seufrid" aus dem Jahre 1557[5] lehnt sich eng an das Lied vom Hürnen Seyfrit an. Der Tod Seufrids, welcher sich schlafend bei einem Brunnen niederlegt, entspricht nicht der Version von Siegfrieds Tod im Hürnen Seyfrit, allerdings der Version in Siegfrieds Hochzeit. Hans Sachs scheint daher beide Lieder gekannt zu haben.

Der gehörnte Siegfried (Prosa)

Auf Grundlage des Hürnen Seyfrit entstand eine Prosaerzählung des Gehörnten Siegfried. Der erste erhaltene Druck stammt aus dem Jahr 1726.[6][7] In dieser Bearbeitung wurden jedoch teilweise Namen verändert und zusätzliche Episoden eingeschoben.

Wissenswertes

In Worms gab es einige Objekte, die dem Hürnen Seyfrit zugeordnet wurden. Dazu zählte auch ein Siegfried-Grab,[8] das Kaiser Friedrich III. 1488 öffnen ließ, ohne allerdings einschlägige Funde zu machen.

Juspa Schammes aus Worms hat im 17. Jahrhundert einen Ausschnitt der Geschichte in einer eigenen Erzähl-Variation in seine Geschichten-Sammlung Ma'asseh nissim aufgenommen, in der ein Schmied den Lindwurm tötet, der Worms bedroht, und dann dessen Königin heiratet.[9]

Textausgaben

  • Wolfgang Golther (Hrsg.): Das Lied vom Hürnen Seyfrid nach der Druckredaktion des 16. Jahrhunderts. Mit einem Anhange Das Volksbuch vom gehörnten Siegfried nach der ältesten Ausgabe (1726) (Reihe Neudrucke deutscher Litteraturwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts). Niemeyer, Halle 1889 bzw. 1911.
  • Kenneth Charles King (Hrsg.): Das Lied vom Hürnen Seyfrid. Manchester University Press, Manchester 1958 (Edition und gute Einleitung).
  • Peter Suchsland (Hrsg.): Deutsche Volksbücher in drei Bänden. Erster Band: Historie von dem gehörnten Siegfried. Aufbau, Berlin und Weimar 1975.
  • Siegfried Holzbauer (Hrsg.): Das Lied vom Hürnen Seyfrid. Neu illustriert von Siegfried Holzbauer. Mit Beiträgen von Ralph Breyer. Wieser, Klagenfurt / Wien u. a. 2001. ISBN 3-85129-348-7.
  • Verio Santoro: La ricezione della materia Nibelungica tra Medioevo ed Età moderna: Der hürnen Seyfrid. Laveglia, Salerno 2003. ISBN 88-88773-04-5.
  • Mario Bauch: Die Grimmener Lieder vom Hürnen Seyfried und von der Hochzeit des Hürnen Seyfrieds, Daon - Verlag, Grimmen 2022 ISBN 978-3-00-073498-4

Faksimile-Drucke

  • Otto Clemen (Hrsg.): Das Lied vom Hürnen Sewfried (Zwickauer Facsimiledrucke, Nr. 6). F. Ullmann, Zwickau 1911.

Literatur

  • Theodor Lindemann: Versuch einer Formenlehre des Hürnen Seyfrid. Mit d. 24 Holzschnitten d. neuentdeckten Strassburger Druckes v. 1563 als Anhang. Niemeyer, Halle 1913.
  • Roswitha Wisniewski: Das Heldenleben-Schema im Hürnen Seyfrid. In: Festschrift O. Höfler 1976, S. 704–720.
  • Volker-Jeske Kreyher: Der Hürnen Seyfrid: die Deutung der Siegfriedgestalt im Spätmittelalter. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1986. ISBN 3-8204-8245-8.
  • Claude Lecouteux: La légende de Siegfried d’après „La chanson de Seyfried à la Peau de Corne“ et „La saga de Þiðrekr de Vérone“. Textes présentés et trad. par Claude Lecouteux. Éd. du Porte-Glaive, Paris 1995, ISBN 2-906468-33-9.
  • Claude Lecouteux: La légende de Siegfried d’après „La chanson de Seyfried à la Peau de Corne“ et „La saga de Þiðrekr de Vérone“. Textes présentés et trad. par Claude Lecouteux. Ed. la Völva, Besançon 2015, ISBN 979-10-95451-00-6.
  • Jürgen Beyer; John L. Flood: Siegfried in Livland? Ein handschriftliches Fragment des Liedes vom Hürnen Seyfrid aus dem Baltikum. In: Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture. Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs, 45, 2000, S. 35–71. ISSN 1619-0548.
  • Ralph Breyer: Der Hürnen Seyfrid: ein Forschungsbericht. In: Sagen- und Märchenmotive im Nibelungenlied. 2002, S. 97–120, ISBN 3-9806754-8-3.

Weblinks

  • Text der Ausgabe von Kenneth Charles King 1958 in der Bibliotheca Augustana
  • Text der Nürnberger Ausgabe von Georg Wachter, um 1540, mit Holzschnitten eines Druckes des 16. Jahrhunderts (Memento) (Memento vom 24. März 2007 im Internet Archive)
  • Text der Nürnberger Ausgabe von Georg Wachter, um 1540, mit Übertragung in die französische Sprache (Memento) (Memento vom 18. Juli 2009 im Internet Archive)
  • Seite von Peter Andersen der Universität Straßburg
  • Seite von Peter Andersen der Universität Straßburg zu Seyfrieds Hochzeit

Einzelnachweise

  1. ↑ Peter Suchsland (Hrsg.): Deutsche Volksbücher in drei Bänden. Erster Band: Historie von dem gehörnten Siegfried. Aufbau, Berlin / Weimar 1975, S. 300.
  2. ↑ Jürgen Beyer / John L. Flood, Siegfried in Livland? in Max Matter / Nils Grosch, Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture, Waxmann - Verlag, Münster New York 2000, S. 35
  3. ↑ Mario Bauch, Die Grimmener Lieder vom Hürnen Seyfried und von der Hochzeit des Hürnen Seyfrieds 1663, Daon - Verlag, Grimmen 2022
  4. ↑ Jürgen Beyer / John L. Flood, Siegfried in Livland? in Max Matter / Nils Grosch, Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture, Waxmann - Verlag, Münster New York 2000, S. 49
  5. ↑ Hans Sachs, Der hürnen Seufrid, Halle 1967
  6. ↑ Peter Suchsland (Hrsg.): Deutsche Volksbücher in drei Bänden. Erster Band: Historie von dem gehörnten Siegfried. Aufbau, Berlin und Weimar 1975, S. 241.
  7. ↑ Eine wunderschöne Historie von dem gehörnten Siegfried: was wunderlicher Abentheuer dieser theure Ritter ausgestanden, denckwürdig u. mit Lust zu lesen; aus d. Franz. ins Teutsche übersetzet, u. jetzt wieder übersehen u. verb. Ausgabe der Bibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zahlreiche Neuauflagen bzw. Nachdrucke, zuletzt 1979.
  8. ↑ Eugen Kranzbühler: Worms und die Heldensage. Worms 1930, S. 84ff.
  9. ↑ Juspa Schammes: Der Name von Worms und der Schlüssel in seinem Wappen. In: Fritz Reuter und Ulrike Schäfer: Wundergeschichten aus Warmaisa. Juspa Schammes, seine Ma’asseh nissim und das jüdische Worms im 17. Jahrhundert. Warmaisa, Worms 2007, S. 36f. ISBN 3-00-017077-4.
Normdaten (Werk): GND: 4127398-9 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Hürnen Seyfrit aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Habermannskreuz

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Der Weiler Habermannskreuz gehört zu Dorf-Erbach und liegt an der B47 Richtung Eulbach und besteht aus dem Gasthaus „Zum Habermannskreuz“ und den naheliegenden, sowie namensgebenden „Habermannskreuzen“.

Die Flurkreuze stammen wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert.[1]

Die Kreuze wurden laut einer von mehreren Sagen als Erinnerung (→ Sühnekreuz) an die drei Brüder von Hafern errichtet, die Burgmannen und Schenken von Erbach waren und sich angeblich im Streit gegenseitig erschlugen.[2][1]

Welche Sage die Richtige ist, weiß man allerdings nicht.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Erbach. Abgerufen am 29. August 2020. 
  2. ↑ Dorf-Erbach. Abgerufen am 29. August 2020. 

49.6661111111119.0422222222222Koordinaten: 49° 40′ N, 9° 3′ O




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Haimonskinder

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Die Heymonskinder auf Bayard, Schlussstein in der Vierung der nach dem stärksten Sohn Reinhold benannten Reinoldikirche in Dortmund

Die Haimonskinder (auch: Heymonskinder) sind die namensgebenden Protagonisten einer ritterlichen Heldenerzählung aus dem karolingischen Sagenkreis. Sie sind die vier Söhne des Grafen Haimon (Aymon) von Dordogne (Dendermonde) und seiner Frau Aja (manchmal auch Vorsie, Schwester Karls des Großen). Ihre Namen sind Adelhard (Allard, Adelaert), Ritsart (Richard, Risaert), Witsard (Guichard, Writsaert) und Reinoldus (Reinhold, Renaut, Renaud, Reinhout) von Montalban (de Montauban).

Die Geschichte der Sage

Es ist eine wirkungsmächtige Erzählung von den Abenteuern der vier Haimonskinder aus dem Bereich der Geschichten um Karl den Großen. Die Erzählung hat internationale Verbreitung gefunden, bei der Texte aus Frankreich, den Niederlanden, England, Skandinavien, Italien, Spanien, Flandern und Portugal in vielen Varianten und Sprachen entstanden, und die den jeweiligen Umständen, besonders auch in der Renaissance bis weit in das 19. Jahrhundert, angepasst wurden.

Zu Beginn dieser lange überlieferten Tradition steht der altfranzösische Versroman (Heldenlied) Renaud de Montauban (deutsch Reinhold von Montalban) aus dem späten 12. Jahrhundert bzw. einer der wenigen identifizierten französischen Chanson de geste (La Chanson de Quatre Fils Aymons; im 15. Jahrhundert entstanden Prosafassungen; erste französische Drucke: Lyon um 1480; Paris 1506). Geschildert wird mit epischen Motiven des Mittelalters eine Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und seinem Vasallen, der Widerstand mächtiger Adelsgeschlechter des Karolingerreiches – hier Haimon von Dordogne und seiner Familie, die dem König Karl Vasallentreue geschworen haben – gegen die Zentralisierungsbestrebungen Karls des Großen, der die karolingische Reichsbildung im 8. Jahrhundert initiierte, und sein Herrschergeschlecht.

Die Königstreue kollidiert mit den Familieninteressen: Haimon nahm Karls Schwester zur Frau und leistete einen feierlichen Eid, die Kinder, die aus dieser Verbindung entstehen, zu töten. Und so wird die Geburt der vier Söhne verheimlicht. Damit gehört das ursprüngliche Buch zur Gruppe der „Empörer-Gesten“ des Karlskreises (Isenhart, Raoul de Cambrai, Goromont u. a.), in denen Verräter und Aufrührer gegen Karl den Großen stehen, aber schließlich ihr Unrecht einsehen müssen. Jahrelange Kämpfe um Ehre und Rache, brutale Waffengewalt und Gegengewalt sowie Wirren zwischen Karl und Haimon, seinem Erzfeind, und weiteren Personen weiten sich immer mehr aus. Das Buch ist somit ebenfalls implizit von den Bestrebungen um eine Renovierung und Stärkung der französischen Monarchie unter den frühen Kapetingern, insbesondere Philipp II. Augustus (1180–1223), gegen den um Vorrang kämpfenden Adel geprägt.

Inhalt

Im Mittelpunkt dieser Heldendichtung stehen die vier Söhne des Vasallen, die Haimonskinder, und ihr Schicksal. Sie setzen mit extremen Mitteln das Fortbestehen des ganzen Landes aufs Spiel. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller und in größer ziehenden Kreisen. Unterstützung erfahren sie von ihrem magiekundigen Vetter Malegys (französisch Maugis), der sie aus aussichtslosen Lagen retten kann.

Das Wunderross der Haimonskinder, Bayard, ist ungewöhnlich groß, kann übernatürliche Anstrengungen aushalten, verfügt über außergewöhnliche Kräfte und Ausdauer, und durch seine enorme Schnelligkeit ist es immer wieder in der Lage, in Kämpfen die praktische Unterlegenheit der Haimon-Söhne auszugleichen. Der Sohn Reinhold, der kräftigste der vier Brüder, hat dieses Ross nach langem Kampf gebändigt. Bayard ist seinem Herrn daraufhin bis zur Selbstaufgabe ergeben. In einigen Abwandlungen der Sage verfügt es auch über magische Kräfte und kann sich auf die je nach Situation erforderliche Länge strecken.

Als die vier Söhne am Hofe Karls des Großen zu einem Fest geladen sind, schlägt Reinhold seinem Vetter Ludwig, dem Kaisersohn, das Haupt ab. Im anschließenden Kampf mit den Gefolgsleuten Karls des Großen unterlegen, fliehen die vier Brüder auf Bayard zum Sitz ihrer Eltern, Schloss Montelbaen (Montauban). Auch mit den vier erwachsenen Brüdern auf dem Rücken ist das Ross nicht einzuholen, und es rettet ihnen wiederholt das Leben auf ihren Fluchten und in Schlachten. Ihr Vater ist inzwischen von König Karl gefangen genommen worden und soll nur dann freikommen, wenn das Wunderpferd Bayard stirbt.

Obwohl König Karl im Unrecht ist und unangemessen reagiert, liegt das Recht der Herrschergewalt bei ihm. Er behält zuletzt die Oberhand über die Söhne. Ihr Pferd wird ertränkt. An der Mündung von Dender und Schelde oder an der Maas wird es mit einem umgehängten Mühlstein ins Wasser gestürzt, doch das Pferd kann sich von seiner Last befreien und schwimmt ans Ufer. Als man es erneut ins Wasser treibt und Reinhold sich von ihm abwendet, ertrinkt es aus Kummer über die verlorene Zuwendung seines Herren. Reinhold entsagt den Vorzügen eines Adelsstandes. Er pilgert als Büßer zusammen mit seinem Onkel in das Heilige Land als miles christianus zur Bekämpfung der Heiden und wirkt als gewöhnlicher Arbeiter an der Errichtung des Kölner Doms mit. Am Ende erschlagen ihn dort missgünstig gesinnte Bauleute. Noch nach dem Tod bewirkt er vielfältige Wunder, u. a. bei der Überführung seiner Leiche nach Dortmund. Später wird er heiliggesprochen.

Wirkungsgeschichte

Die vier Haimonskinder (1969) – Bronzeplastik von Heinz Klein-Arendt (vor der Schule Geilenkircher Straße in Köln-Braunsfeld)

Zu den zahlreichen erfolgreichen Versionen dieses Themas ist auch eine mittelniederdeutsche Prosa-Übertragung von 1474 zu zählen, als man sich für die Sage des 12. Jahrhunderts interessierte. Aber das Interesse hielt noch lange an. Johann Wolfgang von Goethe nannte seine Mutter neckisch „Frau Aja“ und „Aja“, so heißt in einem damals beliebten sogenannten „Volksbuch“ auch die Mutter der vier Haimonskinder, welche die Schwester Karls des Großen ist und die ihre Söhne mutig vor der Rache des Vaters bewahrte. In dieser Zeit erfreuten sich in West- und Mitteleuropa verschiedene Fassungen der Haimonskinder großer Beliebtheit.

Auch heute nehmen sich noch Autoren/Künstler des Stoffes an: De vier Heemskinderen des belgischen Choreographen Maurice Béjart zählt zu den letzten Bearbeitungen. In einem Umzug, in dem ein beinahe fünf Meter großes Riesenpferd aus Flechtwerk von zwölf Männern durch die Straßen von Dendermonde getragen wird, wird seit 1461 an die Sage vom Riesenpferd Bayard und an die vier Haimonskinder erinnert. Dieses Privileg fällt nur Dendermonder Brüdern zu, deren Eltern auch waschechte Dendermonder sind, und dies ist Bedingung für die Auswahl der am Ros Beiaardommegang teilnehmenden Haimonskinder.

Vor der Schule Geilenkircher Straße in Köln-Braunsfeld erinnert seit 1969 die Bronzeplastik Die vier Haimonskinder des Bildhauers Heinz Klein-Arendt an die Sage. Die Plastik zeigt die vier Haimonskinder auf ihrem Wunderross Bayard.

Pieter Jansz Saenredam, niederländischer Maler des 17. Jahrhunderts, malte 1644 eine Innendarstellung der Kirche von Utrecht, in der die Haimonskinder von einem Jungen an eine Säule gezeichnet werden.

Literarische Bearbeitungen (chronoligisch)

  • Ludwig Tieck: Die Geschichte von den Haimonskindern in zwanzig altfränkischen Bildern. 1796.
  • Friedrich Schlegel: Sankt Reinold. 1807. In: Leo von Seckendorf (Hrsg.): Musenalmanach für das Jahr 1807. Regensburg 1807, S. 98–102.
  • Joseph Alois Gleich: Die vier Heymonskinder: ein komisches Volksmhärchen mit Gesang in vier Aufzügen. Die Musik ist von Kapellmeister Tuczek. Wien 1809.
  • Ludwig Bechstein: Die Haimons-Kinder: ein Gedicht aus dem Sagenkreise Karls des Großen in vier Sängen. Leipzig 1830.
  • Joseph von Eichendorff: Die Heymonskinder. 1832 In: Joseph von Eichendorff: Sämtliche Werke. Bd. 1: Tafellieder. Nr. 5. Leipzig 1864, S. 333–334.
  • Ferdinand Frank: Deutsche Volksbücher. 2 Bde. Wien 1896–1898. (Jessen’s Volks- und Jugendbibliothek, Bd. 109, 117.) Bd. 2: Haimonskinder. Herzog Ernst. zit. nach: Joseph von Eichendorff: Werke in sechs Bänden. Hrsg. von Wolfgang Frühwald, Brigitte Schillbach, Hartwig Schultz. Bd. 1: Gedichte, Versepen. Frankfurt a. M. 1987. (Bibliothek deutscher Klassiker, Bd. 21.) S. 259–260.
  • Gotthold Oswald Marbach: Volksbücher. Bd. 9–10: Geschichte von den vier Heymonskindern. Geschichte vom gehörnten Siegfried. Leipzig 1838.
  • Ludwig Tieck: Gedichte. Neue Ausgabe. Berlin 1841, S. 275: Haymonskinder.
  • Karl Simrock: Die deutschen Volksbücher : nach den ältesten Ausgaben hergestellt [in 58 Bdn]. Bd 9: Eine schöne Geschichte von den vier Heimonskindern mit ihrem Roß Baiart. Dem ist beigefügt: Das Leben des heil. Reinold. [Berlin, ab Bd. 6] Frankfurt a. M. 1845.
  • Eine schöne Geschichte von den vier Heimonskindern, Adelhart, Richart, Wichart und Reinold, mit ihrem Roß Baiart, was sie für Heldenthaten gegen die Heiden, zu Zeiten Karls des Großen, des ersten deutschen Kaisers, begangen haben. Dem ist beigefügt: Das Leben des heiligen Reinold, was er für Wunderzeichen gethan hat. Frankfurt a. M. 1845. (Deutsche Volksbücher, Bd. 9.).
  • Geschichte der vier Heymonskinder: insbesondere des heiligen Reinold, Beschützer der Stadt Dortmund. Nach alten glaubhaften Geschichtsbüchern getreulich mitgetheilt. Frankfurt um 1850.
  • Höchst merkwürdige Geschichte von den vier Heimons-Kindern Adelhart, Richart, Wichart und Reinold mit ihrem unbändigen Rosse Bajart, was sie für wundersame Heldenthaten gegen die Heiden zu Zeiten des deutschen Kaisers Karl des Großen verrichtet haben. Aufs neue dem Volk erzählt. Altötting um 1865.
  • Wilhelm Raible: Die Heimonskinder. Reutlingen 1870.
  • Heinrich August Ottokar Reichard: Geschichte der vier Söhne Herzog Aymon's. Berlin 1780–1781. (Bibliothek der Romane, Bd. 6–7.) Bd. 6, S. 7–46; Bd. 7, S. 7–36.
  • Ottmar Schönhuth, Friedrich Heinrich: Historie von den vier Heymons-Kindern, gar lieblich und anmuthig zu lesen. Mit schönen Figuren geziert. Neu erzählt für Jung und Alt. Reutlingen 1848. Konrad Walther, Paul Lindner, Hans Erdmann: Die vier Heymonskinder. Die schöne Magelone. Fortunat und seine Söhne: für die Jugend bearb. Leipzig 1892.
  • Severin Rüttgers (Hrsg.): Eine schöne und lustige Geschichte von den vier Haimonskindern und ihrem Roß Baiart, was sie für ritterliche Taten zu Zeiten Karls des Großen begangen haben. Aus den deutschen Volksbüchern wiedererzählt von Gustav Schwab. Köln 1907. (Schaffsteins Volksbücher für die Jugend, Bd. 45.)
  • Franz Wiesenberger: Die vier Heymonskinder : eine alte Sage aus den deutschen Volksbüchern wiedererzählt von Gustav Schwab. Für die Jugend ausgew. Linz 1907. (Jugendschriften, Bd. 39–40.).
  • Helene Pagés (Hrsg.): Die deutschen Volksbücher: die vier Heimonskinder. Essen 1918. (Deutsches Gut, Bd. 22.)
  • Ferdinand Frank: Die vier Haimonskinder. Wien 1921. (Leseschatz für die deutsche Jugend, Bd. 13.)
  • Heinz Kindermann (Hrsg.): Volksbücher vom sterbenden Rittertum. (Deutsche Literatur. Reihe Volks- und Schwankbücher, Bd. 1.). Weimar/Leipzig 1928, S. 262–283, 286: Die Haimonskinder. (Reprint. Darmstadt 1974, ISBN 3-534-02904-6).
  • Lise Gast [d. i. Elisabeth Richter]: Die Haimonskinder. Stuttgart 1950.
  • Arno Reißenweber: Die Haimonskinder. In: Arno Reißenweber: Ausgewählte Rittersagen. (Keysers Sagenbände, Bd. 3.) Heidelberg 1953, S. 116–134.
  • Nach Karl Simrock ausgewählt und bearbeitet von Anne Geelhaar: „Die Haimonskinder“ in „Der gehörnte Siegfried und andere Volksbücher“ mit Illustrationen von Gerhard Gossmann. 1956 Der Kinderbuchverlag Berlin (DDR).
  • Gerhard Schneider, Erwin Arndt: Eine schöne und lustige Historie von den vier Heymonskindern und ihrem Roß Beyart : auch sind hier beigef. die Historien Hug Schapler, der gehörnte Siegfried, Fortunatus (4 deutsche Volksbücher). Neu ans Licht gezogen und in die Sprache des heutigen Tags umgesetzt. Bebildert von Gerhard Gossmann. Berlin DDR 1958, S. 49–224.
  • Die Geschichte von den vier Heymonskindern. Bearb. von Gangolf G. Wienert. Ravensburg 1986. (Ein deutsches Volksbuch.)
  • Deutsche Volksbücher: ausgew. und eingel. von Peter Suchsland. Textrevision von Eva Weber. 3 Bde. Berlin 1968. (Bibliothek deutscher Klassiker.) Bd. 3: Historia von Doktor Johann Fausten. Histori von den vier Heymonskindern. S. 123–323.
  • Auguste Lechner: Der Reiter auf dem schwarzen Hengst. Tyrolia GmbH, Innsbruck 1969.
  • Pascal Reigniez: Cubzac et le château des Quatre Fils Aymon - Ethno-histoire d'un habitat en basse vallée de la Dordogne -(en français). Les Indes Savantes, Paris 2009.

Vertonungen

  • Michael William Balfe: Die vier Haimonskinder. Komische Oper in drei Akten. (Libretto von Adolphe de Leuven).
  • Johann Strauss: Die vier Haimonskinder. Quadrille über beliebte Motive aus der Oper „Die vier Haimonskinder“. (op. 69, Instrumentation: 1+1,1,2,1/2210 TIMP STR; String Count: 4.4.3.2.2)

Editionen

  • Beate Weifenbach: 'Die Haimonskinder' in der Fassung der Aarauer Handschrift von 1531 und des Simmerner Drucks von 1535. Ein Beitrag zur Überlieferung französischer Erzählstoffe in der Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bd. 1: Einführung in die europäische Haimonskindertradition. Bd. 2: Nacherzählung (paraphrasierende Edition) mit Kommentar und Konkordanz zu allen (!) erhaltenen Textzeugen. (Dissertation FU Berlin 1992–97). Publikation der Diss. im Wissenschaftsverlag Peter Lang, Ffm u. a. 1999, ISBN 3-631-35873-3.
  • Werner Wunderlich (Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von): Die Haymonskinder. (Frühe Neuzeit 35) Berlin 1997 [Reprint 2013].
  • Albert Bachmann (Hrsg.): Die Haimonskinder. In deutscher Übersetzung des 16. Jahrhunderts. Litterarischer Verein in Stuttgart, Tübingen 1895 (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 206).

Forschungsliteratur

  • Beate Weifenbach: 'Die Haimonskinder' in der Fassung der Aarauer Handschrift von 1531 und des Simmerner Drucks von 1535. Ein Beitrag zur Überlieferung französischer Erzählstoffe in der Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bd. 1: Einführung in die europäische Haimonskindertradition. Bd. 2: Nacherzählung (paraphrasierende Edition) mit Kommentar und Konkordanz zu allen (!) erhaltenen Textzeugen. (Dissertation FU Berlin 1992–97). Publikation der Diss. im Wissenschaftsverlag Peter Lang, Ffm u. a. 1999, ISBN 3-631-35873-3.
  • Bea Lundt: Die »Haimonskinder« in Dortmund : europäische Erzähltradition im regionalen Kontext. In: Vergessene Zeiten : Mittelalter im Ruhrgebiet. Bd. 2, Essen 1990, S. 177–183.
  • Irene Spijker: Aymijns kinderen hoog te paard : een studie over Renout van Montalbaen en de franse Renaut-traditie. Verloren, Hilversum 1990, ISBN 90-6550-235-1.
  • Anne Amend: Haimonskinder. In: Harenbergs Lexikon der Weltliteratur. Bd. 2, Dortmund 1989, S. 1233.
  • Bob Duijvestijn, W. Th.: Zur Quelle des frühneuhochdeutschen »Reinolt von Montelban« (cpg. 340) : eine Stellungnahme. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik. Amsterdam. 27 (1988) S. 103–110.
  • Robert Ruprecht: Die Haimonskinder. In: Deutsches Literatur-Lexikon : biographisch-bibliographisches Handbuch begr. von Wilhelm Kosch. 3. Auflage. Bd. 7, Bern/München 1979, Sp. 158–159.
  • Ruth Westermann: Die Haimonskinder. In: Wolfgang Stammler (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon... Bd. 2, Leipzig 1936, Sp. 149–152.

Weblinks

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Hake Betken siene Duwen

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Hake Betken siene Duven, auch Hacke Betken sine Duwen, ist eine Sage aus dem Dorf Büttel. Hake Betken, manchmal auch Hacke Betcken oder Hake Betcken geschrieben, war ein Bauer und Viehhändler aus Büttel, der in der Nähe von Heilshorn im Jahr 1618 ermordet worden sein soll. Sein Grab ist auf dem Friedhof von Büttel zu finden.[1]

Inhalt der Sage

Die Person Hake Betken

„Es sind nun fast dreihundert Jahre her, da wohnte in dem Kirchdorf Büttel im Lande Wursten ein reicher Bauer, namens Hake Betken. Er saß auf seinem prächtigen großen Marschenhof, den seine Vorfahren dem Meere abgerungen hatten. Wegen seiner ehrbaren Gesinnung stand er weit und breit in großem Ansehen.“

– Eberhard Michael Iba: Hake Betken siene Duven, siehe Literaturverzeichnis, S. 225

Viehverkäufe im Hannöverschen

Im Oktober 1618 war Betken in Hannover gewesen und hatte viele fette Ochsen zu Geld gemacht. Er ritt mit einem braunen Hengst zurück. Denselben Weg hatte ein Bauer aus Wremen, Willem Frese, ein Sohn des dortigen Vogts. Außerdem traf er zwei „lose Gesellen, einer aus Bülkau bei Freiburg an der Elbe und der andere aus Berlin gebürtig“.[2][3]

Die Bauern an der Unterweser kannten einander von gemeinsamen Marktreisen her. Man unterhielt sich über Kriegsgerüchte. Man fürchtete einen Kampf zwischen den Katholischen und den Protestantischen. Dann würde es wohl mit den Marktreisen vorbei sein, aber zunächst ging das Geschäft gut. Der Wremer Willem Frese sah neidisch auf die dicke Brieftasche von Hake Betken. Und der Berliner meinte, Betken verstünde sich wohl auch auf die Pferdezucht – solch einen Hengst habe er in ganz Berlin noch nicht gesehen, meinte er zu Hake Betken.[4] Gegen Abend kam man in Bremen an.

Der Überfall

Hake Betken ließ sich überreden, nicht in Vegesack zu übernachten, sondern weiterzureisen. Frese stachelte ihn an, sein brauner Hengst könne ebenso durchhalten wie Freses Rappe. So ritten die vier den alten Heerweg nach Burg und weiter nach Lesum (beide Orte heute im Bremer Stadtteil Burglesum). Am Lesumer Holz stritt Frese mit Betken, welcher Weg wohl am schnellsten durch den Wald führte.[5]

„Die Männer schlugen ihm ein Wettrennen vor, und wer zuerst das Ziel erreiche, solle einen Schuss aus seiner Pistole abgeben. Ein Hinterhalt. Die Männer ließen den reichen Viehhändler gewinnen. Wohl wissend, dass dieser für den nächsten Schuss erst nachladen musste. „So war Hake Betcken nach seinem Gewinnerschuss wehrlos und die drei hatten leichtes Spiel, rissen ihn vom Pferd, beraubten und ermordeten ihn“, schreibt Ute Behrens.[6] „Sie ließen ihn auch noch von seinem eigenen Pferd zerstampfen.““

– Ulrike Schumacher: Kurier am Sonntag, Die blutige Tat, siehe Literatur

Hake Betken konnte sich nicht wehren, aber als ein Schwarm Tauben aufflog, rief er verzweifelt: „Ji Duben, ji Duben bringt dat an den Dag!“[7]

Die Mörder verraten sich

Alle Nachforschungen nach den Mördern des Viehhändlers waren zunächst erfolglos. Sein Pferd führte seine Knechte und Nachbarn an die Stelle, wo der Mord stattgefunden hatte und Hake Betken verscharrt war. Er wurde ausgegraben und auf dem Bütteler Friedhof beigesetzt. Auf dem Grab erinnert eine Steinplatte an den Ermordeten.[8]

Auf der Internetseite von Büttel wird erläutert, wie die Geschichte weitergeht.[9] Auf dem Dedesdorfer Markt fliegt ein Schwarm Tauben auf, und einer der Mörder von Hake Betken ruft: „Sieh – das sind Hake Betken seine Tauben!“ Die Umstehenden werden aufmerksam, die Mörder festgenommen und vor Gericht gestellt.

Der Tatort – Mörderberg bei Heilshorn

Der Wald, von dem in der Sage die Rede ist, liegt in der Ortschaft Heilshorn, etwa acht Kilometer westlich von Osterholz-Scharmbeck. Die Anhöhe – zwei Meter soll sie hoch sein – hatte zunächst den Namen Mörderberg bekommen. Der Bürgerverein Heilshorn errichtete am 27. Oktober 2018, dem 400. Jahrestag des Mordes, dort eine Tafel mit der Inschrift „Am 27. Oktober 1618 wurde an dieser Stelle der reiche Viehhändler HAKE BETCKEN aus Büttel von drei Ganoven ermordet. Seitdem wird dieser Hügel "MÖRDERBERG" genannt.“ Dass es am Ort einen Mörderberg gibt, haben wohl viele Anwohner gewusst. Aber so richtige Einzelheiten waren nicht bekannt, sagt die Vorsitzende des Bürgervereins Heilshorn. Und: „Es wollte wohl niemand so gerne am Mörderberg wohnen“, vermutet Ute Behrens, deshalb heißt die Straße, die von der Bundesstraße 6 abgeht, jetzt „Am Waldberg“.[10]

Hinweise im heutigen Büttel

Wappen von Büttel

In Büttel gibt es eine nach Hake Betken benannte Straße. Auf dem Friedhof steht ein Gedenkstein. Das Wappen von Büttel zeigt u. a. drei Tauben als Hinweis auf die Sage von Hake Betken. Der Betken-Speicher von 1595 auf dem Grundstück Hake-Betken-Straße 4 ist neben der Kirche das älteste Gebäude des Ortes Büttel.

Literatur

  • Eberhard Michael Iba (Hrsg.), Hake Betken siene Duven, Das große Sagenbuch aus dem Land an der Elb- und Wesermündung, Männer vom Morgenstern Bremerhaven, 3. Aufl. 1999
  • Ulrike Schumacher, Die blutige Tat ist nicht vergessen, Kurier am Sonntag, 1. August 2021, S. 17
  • Was ein alter Grabstein erzählt, in: Niederdeutsches Heimatblatt (Beilage der Nordwestdeutschen Zeitung) Nr. 3 1903, Digitalisat (PDF, 4,2 MB)
  • Hake Betken un sine Duven, Ein Mord in der Nähe von Platjenwerbe im Oktober 1618, aus dem Buch "Die Börde Lesum" von Pastor Heinrich Hoops, erschienen 1909
  • Diedrich Wattenberg: Hake Betken und die Kraniche des Ibykus. Zur Entstehung einer niedersächsischen Volkssage. IN: Rotenburger Schriften, Heft 70/71, 1989, S. 7–60

Einzelbelege

  1. ↑ Grabstein von Hake Betken auf dem Bütteler Friedhof
  2. ↑ Die Geschichte von Hake Betcken auf loxstedt-buettel.de, abgerufen am 7. Januar 2022
  3. ↑ E.M. Iba, siehe Literatur, S. 225
  4. ↑ E.M. Iba, siehe Literatur, S. 225
  5. ↑ E.M. Iba, siehe Literatur, S. 226
  6. ↑ Ute Behrens ist die Vorsitzende des Heilshorner Bürgervereins.
  7. ↑ Nach der Fassung im Buch von Iba war nicht von Tauben die Rede, sondern von Wildenten. siehe: E. M. Iba, Literatur, S. 226
  8. ↑ "Anno 1618 den 27. October, in der Nacht tho 2 Uhr, ys de irsome und vorneme Hake Betcken up dem Lesmer Felde ehrbbaermlik van den nahbenannten dre Mörders ermordet, berovet unde bestalen. - Siner Seelen Godt gnedigh ist. - Des Vagedes Sone tho Wrem, Widern Frese, unde Johan Hilliken uth der Bolkauw unde Frerich Rinsel van Berlin uth de Marke. Godt gewe den Mördern ehr verdeende Lohn." - Auf dem Grabstein sind diese Worte in lateinischen Buchstaben eingehauen. Bemerkt sei noch, dass "Wrem" soviel wie Wremen in Land Wursten und "Bolkauw" das heutige Bülkau im Hadler Siedland zu bedeuten hat. Der Ausdruck "in der Nacht tho twe Uhr" ist zu berichtigen auf nachmittags um 2 Uhr.(Quelle: Internetseite des Vereins für Computergenealogie)"
  9. ↑ Die Mörder von Hake Betcken waren inzwischen in den Krieg nach Böhmen gezogen und kehrten erst nach der unglückseligen Schlacht am weißen Berg bei Prag (8. Nov. 1620) in den Norden zurück. Einige Zeit später war es nun auf dem Markt in Dedesdorf, wo dieses Verbrechen aufgeklärt wurde. Hier befanden sich wegen des Viehhandels die drei Mörder und auch verschiedene Bekannte des ermordeten Hake-Betcken. Plötzlich fliegt ein Schw[a]rm Tauben von den Dächern auf, und einer der Mordgesellen sagt höchst unvorsichtig: "Süh, dat sünd Hake Betcken siene Duben!" Doch kaum ist ihm dieser Satz entfahren, möchte er [ihn] im Busen gern bewahren. Umstehende Personen werden aufmerksam und fragen nach, was man denn von Hake Betcken weiß. Für die drei Ruchlosen ist es spät, sie werden festgenommen und angeklagt und dabei zum Geständnis getrieben. Internetseite der Ortschaft Büttel
  10. ↑ Ulrike Schumacher, Die blutige Tat ..., siehe Literatur



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Gilberts Loch

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Visingsö
Inselkarte mit Näs slottruin im Süden, Borga stenar im Norden und Kumlaby im Zentrum.

Gilberts Loch (schwedisch: Gilberts hål oder Syltan) ist eine mit Morast gefüllte Grube im Ort Kumblaby auf der schwedischen Insel Visingsö, die im See Vättern liegt. Der Platz ist als kulturhistorisch wertvolles Relikt deklariert. Dies erklärt sich vorwiegend aus den Sagen, die es zu diesem Ort gibt.[1]

Im September 2019 wurde das Gebiet archäologisch untersucht, um den besten Ort für einen geplanten Teich zu finden. Im Zentrum der untersuchten Fläche, die der genannten Grube entsprechen soll, war der Boden mit Grasbüscheln, Seggen und Ampfer bedeckt. Die oberste Bodenschicht bestand aus Torf, die nächste aus bläulichem Ton aus der letzten Eiszeit und darunter lag Schiefer. Die Stelle zählt zu einer Kette sumpfiger Stellen, was zum in den Sagen beschriebenen langen Graben passen würde.[1]

Bei den Ausgrabungen wurde eine Feuerstelle entdeckt, in der sich Knochenreste von unbestimmbaren Tieren befanden. An manchen Stellen zeigten Veränderungen der Bodenstruktur und gefundene Steine sowie Holzbalken an, dass es früher Versuche gab, das Gebiet zu entwässern.[1]

Der Glaube an die nachfolgende Sage war so stark, dass ein Vorsteher der Provinz Jönköping und der Archiater Urban Hjärne des schwedischen Königshauses im Jahr 1705 die Untersuchung von zwei Höhlen am Strand von Visingsö forderten, die vermutet den Beginn des Grabens darstellen. Die beauftragten Männer sollen zeitweise nur auf allen Vieren vorangekommen sein und danach eine Erweiterung erreicht haben. Darin war der Geruch jedoch unausstehlich, so dass sie umkehrten.[2]

Die Sagen

Gilbert
Gilbert in seinem Loch mit den runenbesetzten „Nudelhölzern“, wie er in einem Holzschnitt im Werk Historia de gentibus septentrionalibus von 1555 dargestellt ist. Die Personen auf den Bändern links stellen spätere Versuche dar, den Ort vom Strand aus zu erreichen.

Laut der am meisten verbreiteten Sage gab es einen Streit zwischen dem Königreich Näs auf der Südspitze und dem Königreich Borg auf der Nordspitze der Insel. Der König des erstgenannten Königreichs beschloss deshalb, die Insel durch einen tiefen Graben zu teilen. Mit der Aufgabe wurde der Zauberer Gilbert aus Östergötland betraut. Der König von Borg wollte dieses Vorhaben verhindern, doch er fand kein Gehör bei Gilbert. So wurde der Zauberer Kettil Runske aus Västergötland um Hilfe gebeten. Dieser hatte zuvor mit Runen besetzte nudelholzartige magische Gegenstände dem Gott Odin gestohlen. Als Kettil Runske Visongsö erreichte, hatte Gilbert schon den halben Graben fertiggestellt. Auf Kettils Befehl, mit den Arbeiten aufzuhören, folgten höhnisches Gelächter und Beleidigungen. So warf Kettil seine magischen Hölzer auf Gilbert, der diese zwar auffing, doch mit Händen, Füßen und Zähnen daran kleben blieb. Danach sank er auf eine Stierhaut gebettet an der Stelle in die Tiefe, die danach den Namen Gilberts Loch erhielt.[2]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Lotten Haglund: Arkeologisk utredning Gilberts håla. (PDF) Jönköpings läns museum, 2019, abgerufen am 27. Januar 2026 (schwedisch). 
  2. ↑ a b Herman Hofberg: Näsbo slott på Visingsö. In: Svenska Familj-Journalen. 1874, S. 335–336, abgerufen am 27. Januar 2026 (schwedisch). 

58.05514.3524Koordinaten: 58° 3′ 18″ N, 14° 21′ 8,6″ O




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