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Meersage

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Als Meersage werden in der Volkskunde Überlieferungsstoffe bezeichnet, die motivisch mit der See verknüpft sind.

Von Seemannssagen spricht man, wenn man annimmt oder belegen kann, dass die Träger der Überlieferung Seeleute waren. Es ist nicht automatisch anzunehmen, dass eine Meersage ihren Ursprung unter Seeleuten hat, vieles findet sich bereits in der antiken Literatur, ist von dort in die mittelalterlichen Chroniken und Sammlungen gewandert – so erwähnt Konrad von Megenberg in seinem Buch der Natur zwanzig verschiedene Arten von Meerwundern – und von dort zu den Seeleuten.[1] Ein mecklenburgischer Seemann bestätigt das: „Von Seejungfern ward mihr von de Landlüd’ seggt, nich von uns Seelüd’.“[2]

Richard Wossidlo teilt die Meersagen in drei Gruppen ein:[3]

  • Sagen, die vermutlich durch antike, arabische oder mittelalterliche Literatur überliefert wurden. Beispiele sind Magnetberg, Lebermeer und Meerjungfrauen.
  • Sagen, die mit bestimmten Orten verknüpft sind. Beispiele: Entstehung Bornholms, der Alte von Kap Kullen, Neuwerk,[4] Sundriese.[5] Diese Ortssagen sind, da es auf See eigentlich keinen festen Ort gibt, ihrer Natur nach mit landgebundener Überlieferung verknüpft.
  • Seemannssagen. Beispiele: Fliegender Holländer, Klabautermann.

Will man die geringe Glaubwürdigkeit einer Überlieferung betonen, so spricht man auch abfällig von Seemannsgarn.

Quellen

  • Paul Gerhardt Heims: Seespuk: Aberglauben, Märchen, und Schnurren in Seemannskreisen. Leipzig 1888, archive.org
  • Heinrich Smidt: Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen. 2 Bände. Berlin 1835/36. 2., vollständige Ausgabe 1849. Neuausgabe: Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-86267-101-4

Literatur

  • Helge Gerndt: Fliegender Holländer und Klabautermann. Sagengestalten der See. Göttingen 1971, ISBN 3-509-00533-3
  • Richard Wossidlo: Reise, Quartier in Gottesnaam. Das Seemannsleben auf alten Segelschiffen im Munde alter Fahrensleute. Im Auftrage des Kuratoriums der Wossidlo-Stiftung aus dem Nachlass Richard Wossidlos. 7. Auflage. Hinstorff, Rostock 1959, S. 273–292

Einzelnachweise

  1. ↑ Book of Nature. In: World Digital Library. 20. August 1481, archiviert vom Original am 10. April 2023; abgerufen am 28. August 2013 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wdl.org 
  2. ↑ Wossidlo: Reise, Quartier in Gottesnaam. 7. Auflage. 1959, S. 276
  3. ↑ Wossidlo: Reise, Quartier in Gottesnaam. 7. Auflage. 1959, S. 273
  4. ↑ Smidt: Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen. 7. Auflage. 1849, S. 157ff
  5. ↑ Smidt: Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen. 7. Auflage. 1849, S. 149ff



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Meersage aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Sprungsage

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Die Sprungsage ist eine Unterform der Sage. Sie handelt stets von kühnen Sprüngen aus großer Höhe.

Folgende Sprungsagen gibt es unter anderem:

  • Die durch die Ballade Harras der kühne Springer von Theodor Körner bekannt gewordene Harrassage aus dem sächsischen Zschopautal: Ritter Harras von der Burg Lichtenwalde sprang samt Ross von Feinden verfolgt und ohne Ausweg vom Haustein zwischen Frankenberg und Braunsdorf (Niederwiesa).
  • Der Sage nach verfolgte einst der Riese Bodo die schöne Königstochter Brunhilde, die er gegen ihren Willen heiraten wollte. Brunhilde entfloh auf einem weißen Ross, jedoch tat sich plötzlich vor ihr ein tiefer Abgrund auf. Brunhilde setzte mit einem kühnen Sprung vom Hexentanzplatz zum jenseitigen Felsen über, der Verfolger stürzte jedoch in die Tiefe. Der Eindruck vom Huf des Pferdes ist noch heute als Rosstrappe im Harz zu sehen. Der Riese Bodo gab dem Fluss Bode seinen Namen.
  • Ludwig der Springer (gestorben 1123) soll versucht haben, die Pfalzgrafschaft Sachsen zu erlangen, weshalb er den Pfalzgrafen Friedrich III. erstach. Er saß drei Jahre im Kerker auf Burg Giebichenstein bei Halle an der Saale. Vor der drohenden Hinrichtung sprang er vom Burgturm in die Saale. Dort erwartete ihn sein Diener mit einem Boot.
  • Der Grünhainer Mönch Reinhard sprang von Hussiten verfolgt vom Felsen des Hohen Holzes und blieb wie durch ein Wunder unversehrt.
  • Eine Nonne sprang vom Nonnenfelsen bei Erlabrunn, der sie verfolgende Ritter hingegen stürzte in das Schwarzwasser (Zwickauer Mulde). Dadurch entkamen Mönch und Nonne den Verfolgern.
  • Ritter Georg rettete Schwarzenberg/Erzgeb. vor dem Lindwurm, musste seine Tat jedoch durch den Sprung vom Totenstein mit seinem Leben bezahlen.
  • Haubold von Ende ritt von Burg Rabenstein in Chemnitz heimwärts Richtung Wolkenburg, als er von Strauchdieben verfolgt wurde. Er sah keinen anderen Ausweg, als mitsamt seinem Ross vom Felsen zu springen. Das Pferd kam um, Haubold jedoch rettete sich schwimmend aus der Mulde. Heute nennt man den Felsen Hauboldfelsen.
  • Der Ritter von Heldrastein kehrte nach einem Raubzug in rasendem Lauf zu seiner Burg zurück und setzte versehentlich über den steilen Abhang auf dem Gipfel. Im Fallen rief er laut 'Ave Maria!', überstand den Sprung unversehrt während sein Pferd zerschmettert wurde. Von da an gab er sein Räuberdasein auf und wurde ein Mönch.
  • Im Jahre 1632 sah der Burgherr von Burg Rheineck die Schweden anrücken. Alle seine Mannen starben im Kampf, der Burgherr wurde jedoch verschont. Auf der Flucht vor den Schweden erreichte er bald den Felsen Reuterslei. Umzingelt von den Feinden sprang er mit seinem Pferde hinab in die Tiefe und erreichte das jenseitige Ufer des Rheins.
  • 1796 sprang nach der verlorenen Schlacht bei Wetzlar ein versprengter französischer Reiter vom Bodenstein, einem haushohen Felsen, in die Lahn und entkam so seinen Verfolgern.
  • Jungfernsprung bei Dahn/Südwestpfalz: Vor langer Zeit wurde einmal ein Mädchen oben im Walde von einem Manne verfolgt, und da sie auf dem Kamme des Berges von Fels zu Fels geflohen sich nicht mehr zu retten wusste, stürzte sie sich von der vorspringenden Bergstirne hinab in den Abgrund; wunderbar erhalten kam sie auf den Wiesengrund unten, wo alsbald eine Quelle aufsprudelte, die heute noch lebendig ist (aus August Becker – Die Pfalz und die Pfälzer, 1858).
  • Eppelein von Gailingen soll mit seinem Pferd über die Mauer des Nürnberger Burggrabens gesprungen und damit seiner Hinrichtung entkommen sein.
  • Die Ostermorgenjungfrau bei Osterode sprang aus einem Fenster, als sie von einem Ritter verfolgt wurde, der sie begehrte.
  • Hans von Eisdorf (Hans Warnecke) sprang angeblich auf der Flucht mit seinem Ross einen steilen Abhang hinunter, und blieb unverletzt, während sein Pferd starb.
  • Der hl. Magnus sprang beim Magnustritt auf der Flucht vor Dämonen über die Lechschlucht



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Volkssage

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Unter einer Volkssage versteht man eine volkstümliche Erzählung, in der mit dem Anspruch der Glaubwürdigkeit von übernatürlichen Phänomenen und phantastischen Wesen, ähnlich dem Volksmärchen und der Legende, berichtet wird, die in der realen lokalisierbaren Welt der Menschen auftauchen bzw. in sie eingreifen.

Wie in anderen epischen Kurzformen sind diese Texte kurz, handlungs- bzw. zielorientiert gestaltet. Es gibt keine epischen Ausschmückungen, sondern einen einfachen linearen Aufbau.

Geschichte

Ursprünglich wurden Volkssagen mündlich tradiert, später dann schriftlich fixiert (siehe unten). Die Volkssage ist oft gekennzeichnet durch altertümelnde Sprache bezüglich des Wortschatzes und der Redewendungen. Teilweise liegt das an der Zeit ihrer schriftlichen Fixierung, teilweise ist dies auch eine sprachliche Historisierung, eine Rekonstruktion der Sprache früherer Zeiten, die man als angemessen für diese Textart erachtete.

Das Interesse an Sagen geht in Europa auf die Zeit der Romantik zurück. Derartige Geschichten gibt es bei fast allen Völkern. Ähnliche Motive tauchen in verschiedenen Ländern auf (vgl. C. G. Jung und seine Theorie der Archetypen).

In Europa wurden die Volkssagen im 19. Jahrhundert gesammelt und aufgezeichnet. Die wichtigste Ausgabe von Volksmärchen vor den Brüdern Grimm stammt von J. Chr. Nachtigal, der 1800 unter einem Pseudonym mit „Treue und Frische“ Volkssagen aus dem Harz herausgab. Nur wenige Jahre später stürzten sich die Romantiker auf die Überlieferung. Im Zusammenhang mit ihren Märchensammlungen hatten sich in Deutschland die Brüder Grimm auch der Sagenwelt zugewandt und diese in ihrem Buch Deutsche Sagen (Erstausgabe 1816–18) gesammelt.

Inhalt

Inhaltlich ist das Spektrum der Volkssagen weit gefasst. Volkssagen liefern oft Erklärungen für Ortsnamen, bestimmte Lokalitäten (geographische Besonderheiten, Namen von Kirchen, Kapellen, Brücken), bestimmtes Brauchtum, bestimmte Geschehnisse (die oft realiter stattgefunden haben), bestimmte historische Persönlichkeiten oder erfundene Persönlichkeiten (z. B. Sagen um Rübezahl).

Oft handelt es sich um den Versuch einer Erklärung von zur Zeit ihrer Entstehung unerklärlichen Naturphänomenen und -ereignissen, etwa der Form von Bergen, Irrlichtern u. ä. So werden z. B. in Island im Meer stehende Felsnadeln (vulkanischen Ursprungs) meist als versteinerte Trolle dargestellt (etwa Reynisdrangar bei Vík í Mýrdal).

Insofern erhoben Volkssagen einen gewissen Erklärungs- und Wahrheitsanspruch, im Gegensatz etwa zum Märchen, dessen fiktiver Charakter per se evident war bzw. ist: Denn das Märchen spielt immer in einer Fantasiewelt. Um diesen Wirklichkeitsbezug einer Volkssage zu unterstreichen, enthält diese oft einen lokalen und/oder temporalen Hinweis: In Köln, … in der Zeit Barbarossas, bei der großen Schlacht von…

Dennoch spielt das Übernatürliche in vielen Volkssagen eine wichtige Rolle; so z. B. das Auftreten von: Teufel, Ungeheuern, Zwergen, Riesen, Wassermännern, Nixen, Trollen, Elfen, Gespenstern oder Zauberern.

Oft sind Volkssagen sehr lokal gebunden. (Fast jede Region in Deutschland hat ihre eigenen Volkssagen und entsprechend Sammlungen von Volkssagen.) Bekannte Beispiele im deutschen Sprachraum sind die Sage vom Kyffhäuser, die Loreleysage oder die Schildhornsage.

Siehe auch

  • Sage
  • Moderne Sage
  • Sagen aus dem Odenwald

Literatur

  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur (= Kröners Taschenausgabe. Band 231). 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5. 
  • Nicolaus Equiamicus (Hrsg.): Die Geisterwelt. Ubooks, Diedorf 2008, ISBN 978-3-86608-086-7. 

Weblinks

Commons: Volkssagen – Sammlung von Bildern



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Sage

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sage (Begriffsklärung) aufgeführt.

Eine Sage (von althochdeutsch saga „Aussage, Rede, Erzählung“; Prägung durch die Brüder Grimm) ist, dem Märchen und der Legende ähnlich, eine zunächst auf mündlicher Überlieferung basierende, kurze Erzählung von fantastischen, die Wirklichkeit übersteigenden Ereignissen. Da diese mit realen Begebenheiten, Personen- und Ortsangaben verbunden werden, entsteht der Eindruck eines Wahrheitsberichts.[1] Die ursprünglichen Verfasser sind in der Regel unbekannt, im Gegensatz zu den Sammlern und Herausgebern, welche die schriftlich fixierten Fassungen oft inhaltlich und sprachlich bearbeitet und literarisch geformt haben. Stoffe und Motive werden häufig von anderen Völkern und Kulturen übernommen (Wandersagen) und mit landschaftlichen und zeitbedingten Eigentümlichkeiten und Anspielungen vermischt.

Begriffsbestimmung und Einordnung

Johann Karl Christoph Nachtigals Volcks-Sagen von 1800 gelten als früheste deutsche Sagensammlung.

Entscheidend wurde der Begriff der Sage durch die Brüder Grimm geprägt. Das Deutsche Wörterbuch spricht von der „Kunde von Ereignissen der Vergangenheit, welche einer historischen Beglaubigung entbehrt“ und von „naiver Geschichtserzählung und Überlieferung, die bei ihrer Wanderung von Geschlecht zu Geschlecht durch das dichterische Vermögen des Volksgemüthes umgestaltet wurde“.[2] Dabei greifen subjektive Wahrnehmung und objektives Geschehen so ineinander, dass übernatürliche, unglaubhafte Begebenheiten zum Wesenskern der Sage werden. So gehört wie im Märchen die Vermenschlichung von Pflanzen und Tieren zur Sagenwelt, aber auch übernatürliche Wesen wie Elfen, Zwerge und Riesen zählen dazu und ebenso kommt es oft zur Benennung eines Helden. Jedoch anders als beim zeitlosen Märchen („Es war einmal …“) mit den allgemeinen Ortsangaben (Wald, Brunnen) und dem typisierten Personal (Prinzessin, Stiefmutter) sind tatsächliche Ereignisse, Lokalitäten und Persönlichkeiten, die im Weiteren fantastisch ausgeschmückt und umgestaltet werden, Anlass für die Erzählung. Damit steht der Realitätsanspruch der Sage über dem des Märchens.

Formen

Stark generalisiert kann man thematisch drei Zentren unterscheiden, die sich in vielfältiger Weise verzweigen und miteinander vermischen:

  • Die Göttersagen oder Mythen erzählen die Entstehung der Welt, das System beispielsweise der griechischen bzw. germanischen Götterwelt, ihre Kämpfe um die Herrschaft, ihre Rollen und Zuständigkeiten für Naturkräfte und ihre Beziehung zur Menschenwelt, in die sie unterstützend oder feindlich eingreifen.
  • Die Heldensage konzentriert sich auf berühmte Herrscherfamilien, ihre Machtpolitik und ihre kriegerischen Auseinandersetzungen. Germanische Heldensagen z. B. der Völkerwanderungszeit bilden oft Sagenkreise um einzelne Persönlichkeiten (Dietrich von Bern, Siegfried, Kudrun oder Wieland der Schmied). Deren Stoffe und Protagonisten sind Kern einer zum Heldenlied ausgestalteten und erweiterten Handlung, wie das (Hildebrandslied, Atlilied) bzw. Heldenepos (Waltharius, Nibelungenlied, Gudrunlied).
  • Das Personal der sprachlich einfachen Volkssage agiert zumeist an Handlungsorten der Alltagswelt und in einer von, in Relation zur Göttersage, kleinen Naturgeistern wie Feen und Zwergen, aber auch dämonischen Kräften (Drachen, Zauberer, Baumnymphen usw.) bewohnten und beseelten Natur.

Ein Charakteristikum der Volkssage, teilweise auch der beiden anderen Themenkreise,[3] ist die Überlagerung von Lokalsage, Natursage und ortsgebundener bzw. regionaler Geschichtssage mit dem Aspekt der Erklärung (Ätiologische Sagen):

  • Ätiologische Sagen erläutern, wieso beispielsweise eine Felsgruppe (Teufelsstein, Wildfrauhaus im Odenwald) oder eine Landzunge am Havelufer (Schildhorn) ihren Namen erhielt, wie sich eine typische landschaftliche Formation gebildet hat (z. B. ein Felsenmeer durch sich mit Steinblöcken bekämpfende Riesen), wie es dazu kam, dass eine Burg an einem bestimmten Platz (Minneberg am Neckar) gebaut und nach ihm benannt wurde oder warum der größte Binnensee Chinas Bosten-See heißt.
  • Natursagen erzählen, oft in Kombination mit Lokalsagen, von Naturgeistern wie Wassernymphen (beispielsweise Loreley, als Fuchs auftauchender Wassergeist bei Niedernhausen, Meerweiblein in den Meerwiesen von Walldürn) bzw. dämonischen Wesen (z. B. tötet Ritter Georg in der Nähe des Frankensteins den menschenfressenden Lindwurm) oder geheimnisvollen Begebenheiten und Geistererscheinungen auf einer Burg (wie auf dem Auerbacher Schloss) oder in der nächtlichen Landschaft (die Geister-Nonnen nahe dem Kloster Steinbach) oder in einem Gebirge (wie der Berggeist Rübezahl im niederschlesischen Riesengebirge).
  • Bekannte Beispiele von Geschichtssagen, die ein historisches Ereignis verarbeiten, sind der Rattenfänger von Hameln und die Blondelsage. Andere Erzählungen u. a. von Rittern und ihren Frauen (Georg von Frankenstein und Annemariechen, Kynastsage um die schöne Kunigunde, der Kollenberger und der Graf von Wertheim) greifen oft lediglich historische Namen und eine Burg als Bezugsort auf und gestalten die Handlung frei.

Wandersage bezeichnet ursprünglich eine Sage, die in verschiedenen Varianten einer Urform an anderen Orten oder sogar in anderen Kulturen erzählt wird.

Moderne Sagen

Die Entwicklung der Sage als literarische Form ist nicht, wie die oben genannten Beispiele vermuten lassen, abgeschlossen. In der Zeit der Romantik entstand in Weiterführung der tradierten Stoffe und Motive u. a. durch Achim von Arnim, Clemens Brentano, E. T. A. Hoffmann und Johann Karl August Musäus, die Form der Kunstsage, wobei manche der damals entstandenen Erzählungen heute allgemein für tatsächlich alte Sagen gehalten werden (z. B. die Erzählung von der Loreley oder dem Rübezahl). Bei bekannten Verfassern wie etwa Brentano und von Arnim ist die spätere Entstehungszeit einer solchen Sage zwar meist genau belegbar, in vielen Fällen jedoch nicht – wenn etwa ein unbedeutender oder auch völlig unbekannter Verfasser in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine angeblich alte Sage publizierte, bleibt oftmals nur festzuhalten, dass es keine früheren Belege gibt, was zwar Zweifel am Alter weckt, aber auch kein Beleg für die spätere Entstehung ist.

In der Gegenwart des Medienzeitalters entwickelt sich eine urbane Moderne Sage[4] (urban legend[5]), die häufig als schauermärchenartige Wandererzählung (Hoax) anonym über E-Mail und Facebook verbreitet wird. Sie variiert in aktualisierter Form bekannte Sagenstoffe zu den Angst-Themen Tod, Krankheit, Krieg, Wahnsinn, Verbrechen... und suggeriert durch Quellenangaben („Friend of a friend tales“) Glaubwürdigkeit.

Siehe auch

  • Mythologie, Klassische Mythologie
  • Sprungsage
  • Liste von Fabelwesen
  • Fantasy
  • Liste griechischer Sagen, Saarländische Sagen und Legenden, Sagen aus Uri, Liechtensteiner Sagen
  • Südtiroler Sagen
  • Sagen aus dem Odenwald
  • Hadler Sagenweg

Literatur

  • Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen. I–II, Berlin 1816, 1818, 2. Aufl. 1865, 3. Auflage. Hrsg. von Herman Grimm, 1891, 4. Auflage 1905; Neudruck Stuttgart 1986.
  • Hanns-Peter Mederer: Der unterhaltsame Aberglaube. Sagenrezeption in Roman, Erzählung und Gebrauchsliteratur zwischen 1840 und 1855. Shaker-Verlag, Aachen 2005, ISBN 3-8322-4201-5 (Dissertation Universität Hamburg 2005, 312 Seiten).
  • Ina Friedrich, Redaktion: Kleiner Sagenschatz Packende Abenteuer aus vergangenen Zeiten. Verlag Geneva: Eurobooks Verlag 1998, ISBN 3-85049-574-4
  • Leander Petzoldt: Einführung in die Sagenforschung. 3. Auflage. UVK-Verl.-Ges., Konstanz 2002, ISBN 3-8252-2353-1 (Rezension).

Weblinks

Wiktionary: Sage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikisource: Sagen – Quellen und Volltexte
Wikisource: Sagenpoesie – Quellen und Volltexte
Commons: Sagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Sage – Zitate
  • Literatur von und über Sage im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Volltext-Sagensammlung, Traditionelle Sagen bis Gegenwart aus ganz Europa
  • Begriffsdefinition. sagen.at
  • Freiburger Sagenarchiv. Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde
  • Aufsatz zu württembergischen Sagen
  • Schwarzwälder Sagen mit Bildern von Jakob Götzenberger aus der Trinkhalle in Baden-Baden
  • Sagen im Literatur-Projekt Lexikus
  • Sagen aus der Pfalz
  • Merkmale zusammengefasst

Einzelnachweise

  1. ↑ Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur (= Kröners Taschenausgabe. Band 231). 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5.
  2. ↑ Sage. – Abschnitt: 3) β). In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 14: R–Schiefe – (VIII). S. Hirzel, Leipzig 1893, Sp. 1647 (woerterbuchnetz.de). 
  3. ↑ Herbert Hunger, Christine Harrauer: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Reinbek 2006.
  4. ↑ Rolf Wilhelm Brednich: Die Spinne in der Yucca-Palme, sagenhafte Geschichten von heute. Beck, München 1990.
  5. ↑ Jan Harold Brunvand: Encyclopedia of Urban Legends. 2001.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4051288-5 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS) | LCCN: sh85075780 | NDL: 00561420



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Seemannsgarn

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Ein Maat auf der Gorch Fock spinnt Seemannsgarn (1968)

Seemannsgarn (englisch [to tell] yarn) ist in der deutschen Sprache eine vom Schiemannsgarn hergeleitete Metapher für Erzählungen tatsächlicher oder vermeintlicher Erlebnisse in der Seefahrt. Die Bedeutung des „Seemannsgarn spinnen“ für zweifelhafte Geschichten oder Übertreibungen fand mit der Zeit Eingang in die Umgangssprache.

Bedeutung

Auf Segelschiffen nutzten Seeleute aus altem Tauwerk gewonnenes Schiemannsgarn zum Umwickeln von Leinen und Trossen (Smarten & Kleeden). „Schiemannsgarn drehen“ oder „Schiemannsgarn spinnen“ war eine untergeordnete, eintönige und bei Schönwetter erledigte Arbeit, während der man sich naturgemäß Erlebnisse, Gedanken und Geschichten erzählte bis hin zu Sagen, Schwänken und Döntjes. Mit dem Niedergang der Segelschifffahrt verlagerte sich die ursprüngliche Bedeutung des „Schiemannsgarn spinnen“ immer mehr von der Arbeit auf das Geschichten erzählen, bis schließlich „Seemannsgarn spinnen“ die alte Redewendung ersetzte und man darunter allgemein eindrucksvolle, aber zweifelhafte Erlebnisberichte an der Grenze zwischen Wahrheit und Phantasie verstand.

Vom Seemannsgarn eher zu unterscheiden sind Meersagen wie über Klabautermann, Seeungeheuer, Riesenkraken, Wassermänner und Nixen sowie gefährliche Magnetberge, Geisterschiffe wie den Fliegenden Holländer oder das Verschwinden von Schiffen im Bermudadreieck.

Lange Zeit galten auch Berichte über Monsterwellen, die aus dem Nichts auftauchend Schiffe zerstören können, als frei erfundene Legenden, ebenso solche zu Riesenkraken und Riesenkalmaren. Während gefährliche Wellen inzwischen als reale Phänomene erwiesen sind, gehören Ausschmückungen und Übertreibungen über Tiere, die Schiffe ins Verderben ziehen, tatsächlich zum „Seemannsgarn“.

Siehe auch

  • Brötchentütennavigation
  • Jägerlatein
  • Moderne Sage
  • Yarn (englische Literaturuntergattung)
  • Liste seemännischer Fachwörter (A bis M) und (N bis Z)

Literatur

  • Paul Gerhard Heims: Kraken, Monster, Seemannsgarn: Legenden und Aberglauben auf hoher See. Festa Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-86552-055-3.
  • Joachim Schult: Segler-Lexikon. 13. Auflage. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-1041-8. 

Weblinks

Wiktionary: Seemannsgarn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Seemannsgarn – Von Klabautermännern und Seeungeheuern auf Planet Wissen
  • Heinrich Smidt: Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen

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