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Der Feind ist zähe, aber Gott ist stark

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Lew Tolstoi, Porträt von Iwan Kramskoi, 1873

Der Feind ist zähe, aber Gott ist stark, auch Der Teufel ist zäh, aber was Gott macht, hält fester zusammen (russisch Вражье лепко, а божье крепко, Wraschje lepko, a boschje krepko), ist eine Kurzgeschichte von Lew Tolstoi, die Mitte April 1885 vollendet wurde und im Februar 1886 im Verlag Posrednik erschien. Der Auor habe die kleine Volkssage aus dem Umkreis der ihm gut bekannten Baschkiren.[1] 1982 kam der Text im 4. Lesebuch des 10. Bandes Powesti und Erzählungen 1872–1886 in der 22-bändigen Tolstoi-Ausgabe im Verlag für Künstlerische Literatur in Moskau heraus.[2]

Inhalt

Der Schäfer Aleb betreut die wertvollen Zuchttiere. Als er mit den anderen Knechten zusammen ist, sind diese sämtlich voll des Lobes für den gemeinsamen Brotherrn. Aleb, vom Teufel besessen, hört sich das an und murrt, auch Satan sei gütig, sofern man ihm zu Willen ist. Der entstehende Streit gipfelt in einer Wette zwischen den Parteien. Falls Aleb den Brotherrn gehörig erzürnen kann, bekommt er von jedem Knecht, der mitwettet, dessen Festgewand, andernfalls muss er seines hergeben.

Als der Brotherr Gästen seinen besten Schafbock zeigen möchte, ergibt sich die erste Gelegenheit. Der Teufel nimmt auf dem Baume über dem Pferch als Beobachter Platz. Auf Geheiß des Brotherrn soll Aleb das beste Tier unter mehreren Böcken zum Zeigen an den Hörnern packen. Gäste und Knechte schreien auf, als Aleb dem Bock bei Ausführung der Weisung absichtlich ein Vorderbein bricht. Der Teufel auf dem Baume ist mit seinem Untertan zufrieden. Der Brotherr schweigt eine Weile. Aleb harrt in Erwartung der Strafe. Der Brotherr erzürnt endlich den Teufel, indem er Aleb nicht bestraft, sondern ihm ruhig und gelassen mit dem Verweis, Gott ist stärker als der Teufel, die Freiheit schenkt. Aleb soll seiner Wege gehen und sein Festgewand mitnehmen. Der Teufel fährt zähneknirschend in die Erde.

Deutschsprachige Ausgaben

  • Der Teufel ist zäh, aber was Gott macht, hält fester zusammen. Deutsch von Arthur Luther. S. 149–151 in: Gisela Drohla (Hrsg.): Leo N. Tolstoj. Sämtliche Erzählungen. Fünfter Band. Insel, Frankfurt am Main 1961 (2. Aufl. der Ausgabe in acht Bänden 1982)

Weblinks

  • Der Text
    • Der Feind ist zähe, aber Gott ist stark in Leo Tolstoi: Volkserzählungen, Märchen und Skizzen online im Projekt Gutenberg-DE (Verlag von Josef Habbel, Übersetzerin: Hanny Brentano)
    • Wikisource Вражье лепко, а божье крепко (Толстой) (russisch)
    • online bei rvb.ru (russisch)
    • online bei tolstoy-lit.ru (russisch)
  • Eintrag in der Werkeliste Volkserzählungen (1872–1887)
  • Eintrag bei fantlab.ru (russisch)
  • Lidija Opulskaja: Kommentare bei RVB.ru (russisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ russ. Anmerkungen (Примечания)
  2. ↑ russ. Л.Н. Толстой. Собрание сочинений в 22 томах, Bd. 10
Werke von Lew Tolstoi

Romane: Krieg und Frieden | Krieg und Frieden (Urfassung) | Anna Karenina | Auferstehung

Novellen: Die Kosaken | Wieviel Erde braucht der Mensch? | Der Tod des Iwan Iljitsch | Die Kreutzersonate | Der Teufel | Der gefälschte Coupon | Hadschi Murat | Familienglück

Autobiografie: Kindheit | Knabenjahre | Jünglingsjahre

Philosophische Schriften: Kritik der dogmatischen Religion | Meine Beichte | Worin mein Glaube besteht | Das Himmelreich in euch | Was ist Kunst? | Gegen die moderne Kunst | Über Erziehung und Bildung | Wovon die Menschen leben

Dramen: Die Macht der Finsternis | Der lebende Leichnam | Und das Licht scheinet in der Finsternis (unvollendet)

Erzählungen und Kurzgeschichten: Der Überfall | Der Holzschlag | Sewastopoler Erzählungen | Der Schneesturm | Der Morgen eines Gutsbesitzers | Zwei Husaren | Der Degradierte | Luzern | Albert | Drei Tode | Polikuschka | Eine Idylle | Der Gefangene im Kaukasus | Jermak und die Eroberung Sibiriens | Gott sieht die Wahrheit, sagt sie aber nicht sogleich | Die Bärenjagd | Meine Hunde | Der Leinwandmesser | Die beiden Alten | Wo die Liebe ist, da ist auch Gott | Kinderweisheit und Männertorheit | Lass den Funken nicht zur Flamme werden | Die Kerze | Die drei Greise | Der reuige Sünder | Iwan der Narr | Das eigroße Korn | Der erste Branntweinbrenner | Iljas | Der Feind ist zähe, aber Gott ist stark | Die beiden Brüder und das Gold | Der Knecht Jemeljan und die leere Trommel | Der Taufsohn | Volkserzählungen | Russische Bauern | Das Leben | Grausame Vergnügungen | Der Traum des jungen Zaren | Herr und Knecht | Vater Sergej | Krieg und Revolution | Für alle Tage | Das große Verbrechen | Nach dem Ball | König Assarhaddon | Aljoscha der Topf | Die postumen Aufzeichnungen des Starez Fjodor Kusmitsch | Das Göttliche und das Menschliche | Kornej Wasiljew | Drei Fragen | Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen | Macht des Kindes | Der Fremde und der Bauer | Lieder im Dorf | Wer sind die Mörder? | Der Mönchspriester Iliodor | Dankbarer Boden | Allen das Gleiche | Chodynka | Drei Tage auf dem Lande | Wofür? | Was ich im Traume sah | Vater Wassili




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Geisterschlacht

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026
Die Hunnenschlacht (auch als Geisterschlacht bekannt) von Wilhelm von Kaulbach, um 1850

Geisterschlachten sind sagenhafte Ausformungen der Idee, dass Gefallene nachts aus ihren Gräbern steigen und sowohl in der Luft als auch am Ort der Schlacht das Gefecht fortsetzen. Insbesondere auf den großen Schlachtfeldern der Weltgeschichte, wie zum Beispiel Marathon, auf den Katalaunischen Feldern, auf den Kriegsschauplätzen des Dreißigjährigen Krieges oder auf dem Schlachtfeld von Jena und Auerstedt soll das Phänomen der Geisterschlacht aufgekommen sein. Zu bestimmten Nächten soll man Schlachtenlärm oder das Wiehern von Pferden hören und auch die Schmerzensschreie der Verletzten hören können. „Die abergläubischen Vorzeichen, die sich mit den Luftkämpfen und Geisterschlachten verbinden, gelten auch als Vorboten eines Krieges, auch Stürme, schnellziehende Wolken und Hagel sollen auf eine Schlacht der Geister hinweisen.“[1]

Mythos der Geisterschlachten

Walhall (Emil Doepler)
Französische Truppe nach der Schlacht von Jena und Auerstedt (Edouard Detaille)

Die Sagen über Geisterschlachten gehören bereits seit der Antike zu den sich immer wiederholenden sogenannten Iterationssagen, inhaltlich beschäftigen sie sich mit bedeutenden Schlachtenerscheinungen. Bei den Germanen, Romanen, Letten und Lappen zählte die Sage zur Gemeinschaftskultur. In diesen Mythen wird erzählt, dass die Gefallenen in ihrer früheren Gestalt, als Gerippe oder Schemen erneut auf dem ehemaligen Schlachtfeld, den Gräbern, auf einem Berg, am Kreuzweg oder im nächtlichen Luftraum auftauchten. Bereits Pausanias (um 115–180) berichtete, dass man noch 400 Jahre nach der Schlacht bei Marathon (490 v. Chr.) jährlich am Schlachttage Waffengeklirr und Kampfeslärm vernommen habe. Die aus dem Umfeld der Wikingersagen stammenden Erzählungen neigten zu Heldensagen, in denen die große Kampfeswut hervorgehoben wurde. Die „ehrenvoll Gefallenen“, als Einheriar benannt, lebten als Helden im Walhall und galten als Gefolge Odins. Tagsüber übten sie sich im Kampf. Für Otto Höfler (1901–1987), der diese der Religion der germanischen Kriegerverbände zuschreibt, sind die Einheriar ein „feralis exercitus“ („Totenheer“), ihr ewiger Kampf soll eine Erhöhung der Vorstellung von der Geisterschlacht sein. Im slawischen Lebensraum entwickelte sich die Vorstellung, dass die Geisterschlacht unter der Erdoberfläche stattfinde. In den Sagen wird berichtet, dass kriegerische Gesänge aus der Erde ertönten und man im Inneren der Erde Schlachtenlärm vernommen habe. Für die christliche Kirche gipfelte die Geisterschlacht in dämonischem Verhalten und galt als Strafe für ihre Sünden, denn die Gefallenen konnten nicht zur Ruhe gelangen, da sie ohne Absolution verstorben waren. Sie konnten auch, nach damaliger Vorstellung, deshalb keinen Frieden finden, weil sich die bekämpfenden Parteien gegenseitig die Ruheplätze streitig machten.[2]

Rezeption

Gemälde und Symphonie

Der deutsche Architekt, Maler und Schriftsteller Leo von Klenze (1784–1864) empfahl Wilhelm von Kaulbach (1805–1874) das Thema einer Geisterschlacht aufzugreifen. 1834 vollendete Kaulbach den Karton und erhielt von Graf Raczyński (1788–1874) den Auftrag, das Gemälde auszuführen; unter dem Titel Hunnenschlacht machte es ihn endgültig berühmt. Kaulbach war mit dem Komponisten Franz Liszt (1811–1886) befreundet, der dessen Werk 1856 als Vorlage zur gleichnamigen Symphonischen Dichtung Nr. 11[3] nahm. Liszt knüpft an der Stelle der Sage an, an der die „Geister der Gefallenen die Luft von der Erde bis zum Himmel füllend, noch drei Tage und Nächte den wütenden Kampf fortsetzen, ehe sie Ruhe fanden“.[4]

Dichtung und Musik

In seinen Aufzeichnungen über seine literarische und musikalische Tätigkeit (1862), schrieb Friedrich Nietzsche (1844–1900) im „Prolog zum 18. Oktober 1862“ eine Dichtung, in der er die Ereignisse einer Geisterschlacht aufzeichnete (auszugsweise):

„… Längst ist der blut’ge Tag verblaßt,
Und Kampf und Sieg verschlang die Nacht;
Die Todten haben nicht Ruh, nicht Rast,
Sie stürmen herhan zur Geisterschlacht,
Sie tosen heran wie Sturmgebrausen,
Umschlingen sich, packen sich haßerglüht:
Indes die Nixe sich mit Grausen
An Strome singt ihr Abendlied.
… Die heil’ge Gluth ist angefacht
Und lodert nun in hellen Bränden;
Zur Geisterschlacht, zur Geisterschlacht
Da zieht’s, da wogt’s, da stürmt’s ohne‘ Enden.
… O brause, heil’ge Geisterschlacht,
Und zehre auf der Spötter Blut!
Du mächtig Wetter, das zur Nacht
Sich sturm- und blitzreich entlud!
Und zittern mag die ganze Welt,
Wenn sie die Geister schaut, die bleichen,
Wie sie, vom grellen Blitz erhellt,
Aus ihrer Gräbertiefe steigen!...“[5]

„Die Geisterschlacht“ für Männerchor und Orchester von Edmund Kretschmer (1830–1908) im Jahre 1865 komponiert, nach einer Dichtung – für das erste deutsche Sängerfest zu Dresden – von Hermann Waldow (1803–1885) ist für einen Massenchor geschaffen. Nach der damaligen Zeit soll dieses Werk eine große Wirkung „in seiner markanten, deutlichen Aussage zu dem Thema der Sehnsucht nach einem einheitlichen Deutschland“[6] verbreitet haben.

Theaterstück „Geister-Schlacht“

In dem Schauspiel „Geister-Schlacht“ von Pavel Kohout, deren Besetzung aus einer Dame besteht, zeigt sich ein anderer Blickwinkel zur Geisterschlacht. Hier handelt es sich nicht um große historische Schlachten und Gemetzel auf einem Schlachtfeld, sondern um eine geistig-seelische Auseinandersetzung:

„Ein Spiel um Leben und Tod. Ein Mini-Monodrama einer Hassliebe, in dem die Liebe siegt. Eine Frau wacht am Krankenbett ihres Mannes, einem bekannten Schriftsteller, der nach einem Schlaganfall auf der Intensivstation liegt. Nachdem er sich am Morgen den Tropf aus dem Arm gerissen hat, befindet er sich in akuter Lebensgefahr. Die Anwesenheit seiner Frau soll bewirken, seine Sinne wieder zu wecken. Ihr Reden wird zu einer Abrechnung mit 33 gemeinsam verbrachten Jahren. Verbittert erzählt sie ihrem regungslosen Mann von ihren nicht erfüllten Träumen und Sehnsüchten und klagt ihn an, sie als seine Muse ausgenutzt zu haben. Sie redet sich in Rage. Dabei eröffnet sie ihm, dass sie seinem Geheimnis auf die Spur gekommen sei: bereits seit drei Jahren hat er eine Affäre mit einer jungen Konzertcellistin. Der Wut folgt Resignation. In einem verzweifelten Telefonat teilt sie ihrer Rivalin mit, dass sie bereit sei, auf ihren Ehemann zu verzichten, wenn diese ihn dafür zurück ins Leben hole.“

– Pegasus Theater- und Medienverlag[7]

Weblinks

  • Alexander Schöppner: Die Geisterschlacht bei Neuleiningen. In: Sagenbuch der Bayerischen Lande. Band 2, München 1852–1853, S. 353–354.
  • Hans Koch: Zuger Sagen und Legenden. Zug 1955, S. 27.
  • Die Geisterschlacht bei Irsee.
  • Frank Weber: Die Geisterschlacht auf der Todtenhöhe, Sagen aus Marburg und Oberhessen: Geschichte und Erzählungen. Books on Demand, 2015, ISBN 978-3-7392-8834-5.
  • Geisterschlacht bei Vils. Mythologie Atlas
  • Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates. Band 2, Glogau 1868/71, S. 916–917.
  • Hans Meyer: Waage – Zwerge. (= Handwörterbücher: Zur Deutschen Volkskunde. Band 1). Verlag Walter de Gruyter, 1974, ISBN 3-11-006597-5. (Google-books, aufgerufen am 8. Juli 2015)
  • Private Homepage von Axel Weiß: Geisterarmeen und Geisterschlachten

Einzelnachweise

  1. ↑ Ulrike Müller-Kaspar (Hrsg.): Das grosse Handbuch des Aberglaubens, Von Aal bis Zypresse. tosa im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2007, S. 230.
  2. ↑ Siehe: Hans Meyer Waage – Zwerge. (= Handwörterbücher: Zur Deutschen Volkskunde. Band 1). Verlag Walter de Gruyter, 1974, ISBN 3-11-006597-5. (Google-books, aufgerufen am 19. Juli 2015)
  3. ↑ vgl. Wolfram Steinbeck: Musik nach Bildern. Zu Franz Liszts Hunnenschlacht. In: Elisabeth Schmierer u. a. (Hrsg.): Töne, Farben, Formen. Über Musik und die Bildenden Künste. Laaber 1998, S. 17–38.
  4. ↑ Lina Ramann: Franz Liszt. Als Künstler und Mensch, Band 2.2, Buch 4, Kapitel 14: Die symphonischen Dichtungen, Breitkopf & Härtel, Leipzig 1892.
  5. ↑ Nachgelassene Aufzeichnungen (Herbst 1862 – Sommer 1864), Band 3 von Friedrich Nietzsche: Werke. Abteilung 1, Hrsg. Johann Figl und Hans Gerald Hödl, unter Mitwirkung von Hans Gerald Hödl und Ingo W. Rath, Verlag Walter de Gruyter, ISBN 3-11-091234-1, [1], Google-books, aufgerufen am 9. Juli 2015.
  6. ↑ Siegfried Raschke: Edmund Carl Franz Kretschmar. In: Sächsische Biografie, Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky, Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi, abgerufen am 26. August 2015.
  7. ↑ PEGASUS: Profil (Memento vom 21. Juli 2015 im Internet Archive) über Pavel Kohout „Die Geister-Schlacht“, abgerufen am 26. August 2015.



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Ermenrichs Tod

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Das Lied von Ermenrichs Tod ist eine niederdeutsche Dichtung des Spätmittelalters, die berichtet, wie Dietrich von Bern sich erfolgreich gegen den König von Armentriken zur Wehr setzt und ihn tötet.

Dietrich wird samt Gefolgschaft vom in Franckriken herrschenden König van Armentriken mit dem Galgen bedroht. Er zieht aus, um den König zu vertreiben, und erlangt dabei die Hilfe des riesenhaften Königs Blödelinck, Sohn einer Witwe aus Franckriken. Mit seinen elf Begleitern zieht er am Galgen vorbei nach Freysack, wo der König residiert. Dort fragen sie, als Tänzer verkleidet, den König, was er ihnen vorwerfen würde. Der König antwortet nicht, Dietrich schlägt ihm den Kopf ab. Die Berner töten alle Insassen der Burg außer dem treuen Torwächter Reinholt van Meilan.

Mit dem König ist sicher der bekannte König Ermenrich (= Ermanarich) der Dietrichsage gemeint. Freisack geht wohl auf Breisach zurück, der Heimat Eckharts, des Vormunds der Harlungen, die von Ermenrich getötet wurden. Die Art und Weise der Tötung erinnert an die Swanhildsage, wie sie das Hamdirlied der Edda überliefert und wo die Brüder Hamdir und Sörli den König Jörmunrek töten, nachdem sie an dem Galgen vorbeigezogen sind, den Jörmunrek für seinen Sohn hat errichten lassen. Interessant ist, dass der König hier in Franckriken, also dem Reich der Franken herrscht. Es gibt allerdings eine Notiz in der Sprichwortsammlung des Johannes Agricola von 1523, die besagt, dass die Franken unter dem hier Ermentfried genannten Ermenrich sich der Lombardei bemächtigt hätten und von dort die Harlungen getötet haben. Vielleicht taucht hier eine Erinnerung an die Eroberung des Langobardenreichs durch Karl den Großen auf.

Das Lied ist ca. 1535/45 in einer niederdeutschen Flugschrift unter dem Titel Van Dirick van dem Berne erschienen sowie in einem Liederbuchdruck von ca. 1590/1600. Die Flugschrift enthält noch das themenverwandte Landsknechtlied Van Juncker Baltzer, das die Taten eines Landsknechtshaufens bei dem Versuch des dänischen Königs Christian II., im Jahre 1531/1532 vom niederländischen Exil aus die Herrschaft wiederzugewinnen, schildert. Genauso erinnert ja die Bedrohung Dietrichs durch den König van Armentriken an die Geschehnisse im Epos Dietrichs Flucht.

Ermenrichs Tod gehört zu einer missverständlich als Volksballade bezeichneten spätmittelalterlichen Gattung, bei der in oft dramatisch zugespitzter Form von bewegenden Ereignissen erzählt wird.

Literatur

  • Joachim Heinzle: Einführung in die mittelhochdeutsche Dietrichepik. Berlin: de Gruyter 1999. ISBN 3-11-015094-8 (insbesondere S. 53 ff.)
Dietrichepik

Historische Dietrichepik
Dietrichs Flucht | Rabenschlacht | Alpharts Tod

Aventiurehafte Dietrichepik
Virginal | König Laurins Rosengarten | Der Rosengarten zu Worms | Das Eckenlied | Goldemar | Sigenot | Der Wunderer | Dietrich und Wenezlan

Weitere Werke mit Dietrich von Bern
Hildebrandslied | Jüngeres Hildebrandslied | Nibelungenlied | Thidrekssaga | Ermenrichs Tod




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Eschinerburg

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Die Eschinerburg (auch Eschinerberg) ist eine sagenumwobene, nur aus Überlieferungen bekannte Burg auf dem Gebiet des heutigen Liechtenstein.[1] Im 19. und 20. Jahrhundert wurden mehrere Versuche unternommen, sie zu lokalisieren.

Forschungsgeschichte

Die Existenz einer Burganlage mit dem Namen Eschinerburg im heutigen Liechtenstein ist nur in Form von Volkssagen überliefert. Der Historiker Peter Kaiser schreibt in seiner 1847 erschienenen Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein über die heutige Gemeinde Mauren: „Die Veste ‚Eschinerberg‘ stund auf einem Hügel, in der Nähe dieses Dorfes, der ‚Hinterbül‘ genannt; sie ist längst zerstört und kaum eine Spur davon zu sehen.“[2] Dazu berichtet er von einer Sage, die über diese mittelalterliche Burg erzählt wird:

„Eine alte Volkssage läßt einen grimmigen Zwingherrn auf derselben hausen und weil weder das Eigenthum, noch eine Unschuld sicher vor ihm war, faßten die Männer ein Herz, tödteten den Zwingherrn und brachen die Burg. Indeß hatten ihnen die Weiber ein Mal bereitet, das in Kuchen und Milch bestand.“[2]

Kaiser verwies damit auf einen heute Gupfenbüchel („Gopfaböchel“) oder auch Schlossbüchel genannten Hügel in der Gemeinde Mauren mit einem ca. 50 Meter langen Plateau, der aufgrund seiner auffälligen Form immer wieder Schatzsucher aus der bäuerlichen Bevölkerung anlockte.[3][4] 1864 unternahm der Vorarlberger Amateurarchäologe John Sholto Douglass eine Sondierung auf dem Hügel. Dabei fand er jedoch keine baulichen Überreste und nur wenige Objekte. Die Funde sind heute größtenteils verschollen. Bei den Metallobjekten handelte es sich um eine Bronzenadel, ein gebogenes Stück Bronzedraht und ein in Rohrform zusammengedrücktes Kupferblech.[3] Douglass verwarf deshalb die Annahme Kaisers und glaubte an eine keltische oder rätische Festung auf dem Hügel.[4] Dem wiederum widersprach 1914 der Wiener Prähistoriker Oswald Menghin, der den Gupfenbüchel, ohne selbst Grabungen durchgeführt zu haben, als mittelalterlichen Hausberg (Motte) bzw. als Fluchtburg interpretierte.[5] In einem Kommentar des Liechtensteinischen Urkundenbuchs pflichtete der Historiker Georg Malin Mitte der 1960er-Jahre der Annahme Kaisers und Menghins bei. In der dort publizierten Abschrift des Urbars der Herrschaft Schellenberg aus dem Jahr 1698, das in seiner Substanz auf das Hochmittelalter zurückgeht, wird in Mauren ein „burgstall“ erwähnt. Malin sieht darin einen Nachweis für die Eschinerburg.[6] Nach derzeitigem Forschungsstand kann eine historische Bebauung der Kuppe weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.[3]

Unabhängig vom Gupfenbüchel in Mauren wurde auch an weiteren Orten nach der Eschinerburg gesucht. 1916 organisierten Vorstandsmitglieder des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein eine Ausgrabung auf dem archäologischen Fundplatz Lutzengüetle in Gamprin, bei der es explizit um die Suche nach der Eschinerburg ging.[7] Diese und vermutlich weitere unwissenschaftliche Grabungen führten zu einer Störung der dortigen Strukturen, was bei späteren Ausgrabungen unter Adolf Hild (1937) und David Beck (1942–45) bemängelt wurde. Möglicherweise wurde der Lutzengüetlekopf tatsächlich bis ins Mittelalter als Fluchtburg benutzt.[8] Eine weitere Theorie bringt die Eschinerburg mit dem archäologischen Fundort Borscht in Schellenberg in Verbindung. Eine Nutzung der dortigen Wallstrukturen bis ins Frühmittelalter kann zumindest nicht ausgeschlossen werden.[9] Eine Namensähnlichkeit der Eschinerburg mit dem Eschnerberg, auf dem das Lutzengüetle liegt, zum Beispiel durch Lautverschiebung, ist zumindest beachtenswert. Auch eine Verwechslung mit den Schellenberger Burgen (Ruine Alt-Schellenberg bzw. Ruine Neu-Schellenberg), die ebenfalls auf dem Eschnerberg liegen, scheint möglich.

Weblinks

  • Eschinerburg. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein.

Einzelnachweise

  1. ↑ Eschinerburg – Historisches Lexikon. Abgerufen am 3. Mai 2020. 
  2. ↑ a b Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien’s Vorzeit. Chur 1847, S. 163 (eliechtensteinensia.li). 
  3. ↑ a b c Gupfenbüchel (Gopfaböchel) – Historisches Lexikon. Abgerufen am 3. Mai 2020. 
  4. ↑ a b John Sholto Douglass: Über einen befestigten Hügel bei Mauren in Liechtenstein. In: Rechenschaftsbericht des Ausschusses des Vorarlberger Museums-Vereins in Bregenz. Bregenz 1865, S. 69. 
  5. ↑ Oswald Menghin: Der Hausberg von Mauren im Fürstentum Liechtenstein. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Band 14. Vaduz 1914 (eliechtensteinensia.li). 
  6. ↑ Georg Malin (Hrsg.): Liechtensteinisches Urkundenbuch. Band 1, Nr. 4. Vaduz 1965, S. 496–497 (eliechtensteinensia.li). 
  7. ↑ Adolf Hild: Lutzengüetle (Ausgrabung 1937). In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Band 37. Vaduz 1937, S. 87 (eliechtensteinensia.li). 
  8. ↑ Lutzengüetle (Lotzagüetle) – Historisches Lexikon. Abgerufen am 3. Mai 2020. 
  9. ↑ Borscht (Buerst) – Historisches Lexikon. Abgerufen am 3. Mai 2020. 



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Eckenlied

Noir24admin Sagen 22. Juni 2026

Das Eckenlied gehört zur Dietrichepik und beschreibt einen Riesenkampf des Dietrich von Bern. Es gehört zu den Aventiuren, die im Gegensatz zur heroischen Dietrichepik keinen historischen Bezug zu Theoderich erkennen lassen. Schauplätze sind Deutschland, Südtirol, Italien. Das Eckenlied ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst und in zwei Fassungen überliefert: Einer österreichischen Fassung aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts und einer zweiten überarbeiteten rheinischen Fassung aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Lied ist in Strophenform, im so genannten Bernerton verfasst.

Handlung

Der Riese Ecke zieht von seinem Hof in der Nähe von Köln, im Auftrag der drei Königinnen von Jochgrimm aus, um mit Dietrich von Bern zu kämpfen. Er geht zu Fuß bis nach Trient; dort trifft er in einem Wald Dietrich. Bei dem Kampf mit Dietrich stirbt Ecke. Dietrich erlangt dessen wertvolle Rüstung und Schwert Eckesachs, wird aber schwer verwundet und anschließend von einer Königin, Babehilt, und einer Jungfrau gepflegt, bis seine Wunden verheilt sind. Auf seinem Weg zu den drei Königinnen versuchen Eckes Verwandte sich an Dietrich zu rächen, besonders Eckes Bruder Vasolt führt Dietrich immer wieder in einen Hinterhalt. Dabei kämpft Dietrich mit Eggenot, der Riesin Birkhilt (Eckes Mutter) und Uodelgart (Eckes Schwester). Das Ende des Eckenlieds ist nicht eindeutig, da es verschiedene Variationen gibt. In jeder dieser Variationen überlebt Dietrich. Nachdem er die drei Königinnen von Jochgrimm besucht hat (in einer Fassung wirft er den Königinnen den Kopf Eckes wütend vor die Füße, in einer anderen lässt er sich gerne von den Königinnen verwöhnen und Treue schwören), kehrt er am Schluss in seine Stadt Bern (Welsch-Bern=Verona) zurück.

Textausgaben

  • Joseph von Laßberg (Hrsg., unter dem Namen „Sepp von Eppishusen“): Eggen-Liet, das ist: Der Wallere, von Heinrich von Linowe ... aus der ältesten geschrift, also zum ersten Mal an liecht gestellt, durch meister Seppen von Eppishusen, einen farenden schueler. Gedrukt am obern markt, uf neu iar. [Konstanz] 1832 (Erstdruck der Fassung L in einer Privatausgabe für Laßbergs Freunde) archive.org
  • Martin Wierschin (Hrsg.): Eckenlied. Fassung L (= Altdeutsche Textbibliothek. Band 78). Niemeyer, Tübingen 1974, ISBN 3-484-20077-4.
  • Francis B. Brévart (Hrsg. und Übers.): Das Eckenlied. Reclam, Ditzingen 1986, ISBN 3-15-008339-7 (mittelhochdeutscher Text und neuhochdeutsche Übersetzung).
  • Francis B. Brévart (Hrsg.): Das Eckenlied. Sämtliche Fassungen. 3 Bände (= Altdeutsche Textbibliothek. 111). Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-20211-4.
    • Teil 1: Einleitung. Die altbezeugten Versionen E1, E2 und Strophe 8-13 von E4. Anhang: Die Ecca-Episode aus der Thidrekssaga
    • Teil 2: Dresdener Heldenbuch und Ansbacher Fragment E7 und E3
    • Teil 3: Die Druckversion und verwandte Textzeugen e1, E4, E5, E6
  • Christa Tuczay (Hrsg. und Übers.): Die aventiurehafte Dietrichepik. Laurin und Walberan, der jüngere Sigenot, das Eckenlied, der Wunderer (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Band 599). Kümmerle, Göppingen 1999, ISBN 3-87452-841-3 (mittelhochdeutscher Text und neuhochdeutsche Übersetzung).

Literatur

  • Joachim Heinzle: Eckenlied. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 2, 1980, Sp. 323–327.
  • Alexander Reck: Strukturen des Eckenlieds. In: Concilium Medii Aevi. 2, 1999, S. 211–225 (Volltext, PDF)
  • Roswitha Wisniewski: Mittelalterliche Dietrichdichtung (= Sammlung Metzler. Band 205). Stuttgart 1986, ISBN 3-476-10205-X.

Weblinks

  • Rezension zu den Ausgaben von 1999 (PDF; 26 kB)
Dietrichepik

Historische Dietrichepik
Dietrichs Flucht | Rabenschlacht | Alpharts Tod

Aventiurehafte Dietrichepik
Virginal | König Laurins Rosengarten | Der Rosengarten zu Worms | Das Eckenlied | Goldemar | Sigenot | Der Wunderer | Dietrich und Wenezlan

Weitere Werke mit Dietrich von Bern
Hildebrandslied | Jüngeres Hildebrandslied | Nibelungenlied | Thidrekssaga | Ermenrichs Tod

Normdaten (Werk): GND: 4151003-3 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS) | VIAF: 214231781



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  1. Das eigensinnige Kind
  2. Entrückung
  3. Dietrich von Bern
  4. Dietrichs Flucht

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