Die Mannigfual (auch „De Almacht“, „Het Grote Schip“ oder „Het Schip van Ternuten“)[1] ist ein gigantisches Schiff, das im Sagenschatz der Nord- und Ostseeanrainer auftaucht. Die Masten sind so hoch, dass die jungen Matrosen nach Arbeiten auf dem Mast als alte, grauhaarige Teerjacken an Deck zurückkommen. Unterwegs werden sie in Kantinen verköstigt, die sich in den Blöcken der Takelage befinden. Der Kapitän bewegt sich auf dem weitläufigen Deck nur zu Pferd.[2]
Verschiedene Abenteuer werden in den Sagen berichtet.
So blieb das Schiff, nachdem es in den Atlantik vertrieben wurde, auf dem Rückweg im Ärmelkanal stecken, so dass man trockenen Fußes von Frankreich nach Großbritannien laufen konnte. In dieser misslichen Lage kam dem Kapitän die Idee, das Schiff auf der Backbordseite mit weißer Seife einzuschmieren, so dass es wieder in die Nordsee rutschte. Die Felsen in Dover sollen aus diesem Grund weiß geworden sein.[2][3]
Als das Schiff einmal in der seichten Ostsee auf Grund geriet, ließ der Kapitän allen Ballast und die Ofenasche über Bord werfen.[2] So entstand Bornholm und aus den Schamottsteinen des Kombüsenofens entstanden die kleinen Inseln Christiansö, Frederiksø, Græsholm und Tat.
In Friesland wird die Geschichte des achtjährigen Jobken aus Urk erzählt, der als Schiffsjunge anheuerte, weil er der täglichen Erbsensuppe zu Hause überdrüssig war. Als Schiffbrüchiger rettete er sich auf die Mannigfual und prahlte damit, wie gut er rudern könne. Daraufhin musste er in der Kombüse helfen und mit Hilfe eines Ruderbootes die Erbsensuppe in einem riesigen Topf umrühren. Glücklicherweise kam das Schiff in die Zuiderzee und wurde von Urker Piraten angegriffen. Dabei erkannte Jobken seine Heimat und konnte sich zurück nach Hause retten. Beim Wenden beschädigte die Mannigfual mit dem Bugspriet noch einige Kirchtürme, bevor sie den Weg zurück in die Nordsee fand.[1]
Literatur
Karl Müllenhoff: 377. Das Riesenschiff Mannigfual. in: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Zweites Buch. Kiel (Schwerssche Buchhandlung) 1845, S. 252–253 (online)
Berend de Vries: Dat Schipp „Mannigfual“ Gedichten un Balladen.
Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Hendel Verlag, Meersburg, 1930 (Digitalisat. zeno.org)
Roger Pilkington: Bei uns an Bord wird nicht geglast. Freizeit-Bibliothek, Hamburg
Alet Schouten: Volksverhalen der Lage Landen. Illustraties door Anton Pieck. Houten 1989, S. 6–9
Einzelnachweise
↑ abHet Grote Schip, Nederlandse Volksverhalenbank, Meertens Institute, abgerufen am 26. Februar 2018.
↑ abcMannigfual, Sagen.at, abgerufen am 24. Februar 2018.
Hagens Mord an Siegfried, Fresko in den Nibelungensälen der Münchner ResidenzKampf zwischen Nibelungen und Hunnen, Detail eines Freskos in den Nibelungensälen
Die Nibelungensage ist eine im kontinentalgermanischen und skandinavischen Raum weitverbreitete Heldensage, die über Jahrhunderte in zahlreichen voneinander abweichenden Fassungen überliefert ist. Ihre bekannteste schriftliche Fixierung ist das mittelhochdeutsche Nibelungenlied (um 1200, wahrscheinlich aus dem Raum Passau).
Die Sage schlägt sich in mittelalterlichen Quellen außer im Nibelungenlied in der Sage von Dietrich von Bern (Thidrekssaga, altnordisch mit niederdeutschen Quellen, ca. 1250) und zahlreichen Liedern der Edda nieder. Unter diesen sind mehrere Sigurdlieder und das ältere Atlilied (altisländisch, aufgezeichnet im 13. Jahrhundert nach teilweise viel älteren Quellen oder Vorstufen). Prosa-Nacherzählungen der Eddalieder finden sich in der Edda des Snorri Sturluson (altisländisch, ca. 1220) und in der Völsunga-Saga (altisländisch, ca. 1250). Vom Ende des 13. Jahrhunderts stammt der Nornagests þáttr.
Ursprünge der Sage
Die Ursprünge der Sage reichen bis in das so genannte heroische Zeitalter der „Völkerwanderung“ zurück: Als zentraler historischer Kern der Erzählung gilt die Zerschlagung des Machtbereiches der Burgunden am Rhein in der Spätantike durch den römischen magister militum Flavius Aetius mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen. Die Burgunden hatten Westrom seit etwa 411 als Söldner (foederati) gedient und in kaiserlichem Auftrag die Rheingrenze bewacht. Als die weströmische Regierung Schwäche zeigte, wollte der burgundische Anführer (rex) Gunthahar die Gelegenheit nutzen, um seinen Machtbereich auf eigene Faust auf die reiche Provinz Belgica auszuweiten. 435 wurde er aber von römischen Truppen zurückgeschlagen, und 436 entschied sich Aetius, der damals für den jungen Kaiser Valentinian III. die Regierung führte, die Burgunden für den Vertragsbruch zu bestrafen. Er heuerte Tausende hunnische foederati an, die den nichtsahnenden Gunthahar angriffen und ihn und die meisten seiner Männer töteten. Die Überlebenden des burgundischen Kriegerverbandes wurden einige Jahre später an der Rhone in Savoyen angesiedelt.
Diese Ereignisse scheinen bereits die Zeitgenossen beeindruckt zu haben. Eine zeitgenössische gallische Chronik berichtet zum Jahr 436 knapp: „Ein denkwürdiger Krieg fand statt mit den Burgunden, in dem fast das ganze Volk gemeinsam mit seinem Anführer den Tod fand.“ Und der Zeitzeuge Prosper Tiro von Aquitanien notierte zum Jahr 435: „Zu dieser Zeit besiegte Aetius den Gundichar vernichtend, der als rex der Burgunden in Gallien eingedrungen war. Auf sein Flehen gewährte ihm Aetius zunächst Frieden, den der rex aber nicht lange genießen konnte. Denn wenig später ließ man Hunnen ihn und sein Volk mit Stumpf und Stiel ausrotten.“
Als weitere historische Ereignisse, die in die Sage einflossen und sie um einzelne Namen und Elemente erweiterten, gelten die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451, der Tod Attilas 453 sowie die Geschehnisse im zweiten Burgunderreich an der Rhone und bei den Merowingern bis zum Tode Brunichildis 613. Dietrich von Bern, der nach der Sage zeitweise am Hofe Attilas bzw. Etzels lebte, wird bereits seit dem Mittelalter mit dem ostgotischen König Theoderich dem Großen gleichgesetzt, der von 493 bis 526 herrschte.
Die Sage weicht allerdings sehr stark von diesen bekannten historischen Ereignissen ab und stellt neue, kontrafaktische Zusammenhänge her. So waren die historischen Burgunden bzw. Burgunder nicht an Attilas Hof gezogen, sondern in ihrer Heimat am Rhein vernichtet worden. Attila war zu dieser Zeit auch noch nicht der hunnische König. Weiterhin war Theoderich der Große nie am Hofe Attilas, wie es in der Sage erzählt wird, zumal der Hunne bei Theoderichs Geburt schon tot war. Man geht daher allgemein davon aus, dass diese Heldensagen ein teils erfundenes, teils immer wieder neu zusammengesetztes Sagengeflecht darstellen, das auf verschiedenen historischen Ereignissen des 5. und 6. Jahrhunderts fußt und später zusammengefügt wurde, wie es für mündliche Überlieferungen charakteristisch ist.[1]
Es fehlt nicht an abweichenden Erklärungsversuchen. Im Gegensatz zur historischen und germanistischen Fachwissenschaft vermutete zum Beispiel der Privatgelehrte Heinz Ritter-Schaumburg als wahren Kern der Nibelungensage historische Ereignisse in Niederdeutschland um das Jahr 500 (siehe unten). Er sieht die Sage als historische Quelle an, wobei er sich vor allem auf die altschwedische Fassung der Thidrekssaga stützt. Helden wie Dietrich von Bern, Siegfried und die Nibelungen seien historische Figuren gewesen und erst im Verlauf des Mittelalters mit historisch bekannten Vorbildern wie Theoderich dem Großen oder den Burgunden verwechselt und gleichgesetzt worden. Von Fachkreisen wird die These allerdings als methodisch unhaltbar abgelehnt.
Mit „Nibelungen“ wird im Titel der Sage das Volk der Burgunden bezeichnet, da es im Besitz des Nibelungenhorts war. Diesen sagenhaften Schatz hatten die Burgunden von Siegfried übernommen, der ihn wiederum dem Zwergengeschlecht der Nibelungen abgenommen hatte.
Inhalt des Nibelungenliedes
→ Hauptartikel: Nibelungenlied
Im Nibelungenlied ist die Hauptfigur Kriemhild und die Hauptproblematik die der höfischen Kultur; es macht aus dem vermutlich viel älteren Sagenstoff beinahe einen Roman, der im Kleid einer Sage Probleme der damaligen Gegenwart von Autor und Publikum zu behandeln scheint. Hier werden nur die Elemente herausgegriffen, die für die Sagengeschichte relevant sind.
Die Nibelungen in der Thidrekssaga
→ Hauptartikel: Thidrekssaga
Mehrere Abschnitte der Thidrekssaga (ThS) behandeln Teile der Nibelungensage.[2] Man nimmt meist an, dass ihr deutsche Quellen zugrunde liegen, wie sie auch selbst angibt. Dabei scheint sie für ihre einzelnen Abschnitte unterschiedliche Vorlagen zu benutzen, die sie aneinander reiht, ohne Widersprüche zwischen ihnen auszugleichen. Die Tatsache, dass es in Deutschland sehr unterschiedliche Versionen der Nibelungensage gab, könnte somit erklären, dass die einzelnen Abschnitte der ThS zueinander teilweise widersprüchlich sind (das trifft nicht nur auf die Nibelungensage zu; auch andere Erzählungen der ThS berichten widersprüchlich zu anderen Überlieferungen). Die vorherrschende Lehrmeinung besagt, dass einige Nibelungen-Abschnitte die Quellen der ThS benutzen, die ganz andere Sagenversionen als das Nibelungenlied bieten; während andere Abschnitte Quellen benutzen, die offenbar auch dem Nibelungenlied zugrunde liegen, und wieder andere direkt auf die Fassung 'C' des Nibelungenliedes zurückgehen sollen. Die altschwedische Version der ThS ist dagegen frei von derartigen Widersprüchen und wurde von Heinz Ritter-Schaumburg für die ursprünglichste Version des Sagenstoffes gehalten. Er nahm stattdessen an, dass das Nibelungenlied auf einer Frühform der Thidrekssaga basiert. Meist nimmt man dagegen an, dass der schwedische Übersetzer der ThS die großteils erhaltene, in sich sehr oft widersprüchliche norwegische Handschrift zur Vorlage hatte und beabsichtigte, das Werk zu kürzen und inhaltliche Widersprüche auszugleichen; wie allgemein das Ausgleichen von Widersprüchen kennzeichnend für spätere Bearbeitungsstufen zu sein scheint.
Siegfried/Sigurd und Brünhild/Brynhild
Das erste Stück, das die Nibelungensage behandelt, liegt etwa in der Mitte der ThS; vorher wird nur eine Figur der Nibelungensage einmal erwähnt, und zwar Brynhild (Brünhild), die auf der Burg Seegard im Reich der Sueben[3] herrscht und von deren Gestüt die berühmtesten Hengste der Helden der deutschen Heldensagen stammen. Die eigentlichen Nibelungenteile der ThS beginnen mit Sigurds (Siegfrieds) Jugend. Die ThS benutzt meist die nordische Form des Namens, Sigurd; nur an wenigen Stellen schlägt die deutsche Form der Vorlage, Siegfried, durch. Sigurds Mutter, die Gattin eines Königs Sigmund, wird zu Unrecht der Untreue verdächtigt; das neugeborene Kind wird ausgesetzt, treibt einen Fluss hinunter (ähnlich wie Moses) und wird von einer Hirschkuh gefunden und zunächst versorgt (ähnlich wie Romulus und Remus von einer Wölfin). Schließlich findet ihn ein im Wald Kohlen brennender Schmied, Mimir, und zieht ihn auf. Der Knabe wird so stark, dass er die Schmiedeknechte verprügelt und den Amboss mit dem Hammer zerschlägt. Mimir hat einen Bruder namens Regin, der zauberkundig ist und sich in einen Drachen verwandelt. In anderen Versionen wird Reginn als Ziehvater von Siegfried genannt, dessen Bruder Fafnir der genannte Drache ist, Mimir und Regin/Reginn werden in verschiedenen Niederschriften als dieselbe Person genannt.
Da Mimir die Kräfte des Knaben fürchtet, bittet er seinen Bruder, den Drachen, ihn umzubringen. Dazu schickt er Sigurd in den Wald, in dem der Drache haust, er solle Kohlen brennen. Der Knabe erschlägt jedoch den Drachen mit einem Baumstamm und seiner Holzaxt. Da er hungrig ist, kocht er sich das Drachenfleisch zum Abendessen. Dabei verbrennt er sich den Finger, steckt ihn in den Mund, um ihn zu kühlen, und durch den Genuss des Drachenblutes versteht er die Vogelsprache. Zwei Vögel reden miteinander, dass Mimir ihn töten wolle. Wo seine Hände in Berührung mit dem Drachenblut kamen, wird die Haut hart wie Horn. Als er das merkt, bestreicht er sich mit dem Drachenblut am ganzen Körper. Nur zwischen die Schultern reicht er nicht, was später (ähnlich wie bei Achilles) zu seinem Tod führen wird. Dann geht er heim und erschlägt Mimir, obwohl ihm dieser voll Angst, um ihn freundlich zu stimmen, ein wunderbares Pferd von Brynhilds Gestüt verspricht und eine sehr gute Rüstung und das ausgezeichnete Schwert Gram überreicht. Dann zieht er zu Brynhilds Burg. Sie hat anscheinend ein ‚mythisches Vorwissen‘ um Sigurd, denn sie weiß, als ein Ankömmling gemeldet wird, sofort, dass er es sein muss. Sie nennt ihm auch die Namen seiner Eltern und schenkt ihm den besten Hengst. Von ihr reitet Sigurd weiter zu König Isung von Bertanga-Land (Britannien), dessen Bannerträger er wird.
Die Herkunft der Nibelungen
Nun folgt ein neuer Abschnitt: Die Herkunft der Niflungen ('Niflungen' ist in der gesamten nordischen Literatur der dem deutschen 'Nibelungen' entsprechende Name). Diesen Abschnitt bringt die altnorwegische Fassung (Membrane) der ThS zweimal hintereinander fast identisch, aber mit verschiedenen Namen: Einmal heißt der Vater der Niflungen Aldrian, einmal Irung; auch die Zahl der Geschwister ist nicht gleich. Der Schreiber hatte offensichtlich zwei schriftliche Fassungen derselben Geschichte vor sich und wollte keine unterdrücken, sondern reihte sie aneinander. Die altschwedische Fassung zeigt hier wiederum keine Widersprüche. Gemeinsam ist allen Thidrekssaga-Fassungen der 'Herkunft der Niflungen', dass Hogni (entspricht deutsch Hagen; in deutschen Übersetzungen nordischer Texte wird er oft Högni geschrieben) nur Halbbruder der Niflungen ist: Die Königin Oda (entspricht dem deutschen Namen Ute) wurde während der Abwesenheit ihres Gatten von einem bösen Geist beschlafen. Das Kind aus dieser Verbindung ist Hogni.
Die Zweikämpfe
An diesem Punkt wird die Nibelungensage mit der Dietrichsage zusammengeführt: König Thidrek (entspricht deutsch Dietrich von Bern) lädt die Niflungen zu einem Fest und Gastmahl ein; von den Niflungen nehmen Gunnar (Gunther), Hogni (Hagen) und Gernoz (Gernot) teil. Auf dem Fest beschließen alle Anwesenden, König Isung von Britannien und seine Söhne zu Zweikämpfen herauszufordern. So kommt Sigurd in den Bereich der Niflungen: Er kämpft den letzten, entscheidenden Kampf gegen Thidrek selbst. Thidrek kann nur durch eine nicht erlaubte List gewinnen, die Sigurd entdeckt, er erkennt aber freiwillig Thidrek als Sieger an und folgt ihm als sein Gefolgsmann.
Die Hochzeiten
Im folgenden Abschnitt zieht Thidrek, und mit ihm Sigurd, ins Land der Niflungen, und dort heiratet Sigurd Grimhild (entspricht deutsch Kriemhild), die Schwester Gunnars und Hognis. In diesem Abschnitt der ThS wird Hogni nicht Halbbruder, sondern Bruder Gunnars genannt. Auf seiner Hochzeit schwärmt Sigurd seinem Schwager Gunnar vor, er kenne die schönste Frau der Welt, Brynhild, und wolle sie Gunnar zur Ehe vermitteln. Dass ein Held anlässlich seiner Hochzeit eine andere Frau (also nicht seine eigene Braut) als schönste Frau der Welt preist, lässt Verwicklungen ahnen. Thidrek, Gunnar, Hogni und Sigurd reiten zu Brynhild nach Seegard. Dort wirbt Sigurd für Gunnar um Brynhild. Sie ist böse auf Sigurd, weil er ihre Verlobung brach (von einer Verlobung sagt die ThS allerdings an der früheren Stelle nichts) und Grimhild heiratete. Brynhild fügt sich in das Geschehene und ist bereit, Gunnar zu heiraten. Einen Werbungstrug wie im Nibelungenlied gibt es in der ThS nicht. Brynhild handelt jedoch in der Hochzeitsnacht wie im Nibelungenlied, indem sie Gunnar fesselt und an einen Nagel an der Wand hängt. In der ThS macht sie das sogar in drei aufeinander folgenden Nächten, bis Gunnar Sigurd sein Leid klagt und den starken Sigurd bittet, im Schutz der Finsternis in sein Schlafzimmer zu schleichen und Brynhild zu entjungfern. Eine Tarnkappe oder andere magische Requisiten kennt die ThS nicht. Jedoch verfügt Brynhild über magische Kräfte, die aber an ihre Jungfräulichkeit gebunden sind. Nach der Deflorierung durch Sigurd ist sie so schwach wie jede Frau und muss sich Gunnar fügen.
Nun folgen in der ThS mehrere andere lange Sagen, die nichts mit Nibelungensagen zu tun haben. Viel später geht die Nibelungensage weiter, und zwar mit Sigurds Tod.
Der Streit der Königinnen
Lange Zeit war seit den beiden Hochzeiten vergangen, und das Reich der Nibelungen, mit der Hauptstadt Werniza (nach der Meinung der meisten Forscher entspricht das dem deutschen Worms), floriert hauptsächlich deshalb, weil Sigurd, der Gatte Grimhilds, mit Stärke und auch Weisheit seinen Schwägern zu Hilfe kommt. Brynhild will eines Tages, als sie die Halle betritt, dass Grimhild vor ihr aufsteht und ihr allein den Hochsitz überlasse. Grimhild pocht auf Gleichrangigkeit. Da beschimpft Brynhild sie, dass Sigurd von einer Hirschkuh aufgezogen worden sei. Daraufhin eröffnet Grimhild, dass sie um das Geheimnis der Brautnacht weiß, und zeigt zum Beweis einen Ring vor, den Sigurd Brynhild abzog, als er sie überwand. Brynhild ist nicht einmal sonderlich überrascht: Sie ahnt, was geschehen war, und fordert Sigurds Ermordung nach dem Streit mit Grimhild, nicht weil Sigurd Gunnar in diesem Punkt geholfen hat, sondern weil er es Grimhild verraten und damit ihre Schande publik gemacht hat. Sie klagt Gunnar, Hogni und Gernoz ihr Leid, fordert Sigurds Tod und reizt die Niflungen dadurch gegen ihn auf, dass sie darauf aufmerksam macht, dass Sigurd immer mächtiger werde und ihnen die Herrschaft entreißen könnte. Der Mord braucht keine Requisiten (wie im Nibelungenlied ein auf Siegfrieds Gewand genähtes Kreuzchen): Es genügt, dass Hogni Sigurd einen Speer zwischen die Schulterblätter stößt, als der sich auf der Jagd auf den Boden legt, um aus einem Bach zu trinken.
Der Untergang
Nach Sigurds Tod werden einige sehr kurze andere Sagen erzählt; bald ist die ThS wieder bei der Nibelungensage. Von hier bis zum Schluss sind Nibelungenlied und Thidrekssaga sehr ähnlich. An einigen Stellen scheinen beide Werke die gleiche Quelle zu benutzen. Als Inhaltsangabe für den Nibelungenuntergang der ThS kann daher im Groben der ‚Untergang der Nibelungen‘ des Nibelungenliedes gelten. Es gibt jedoch auch wesentliche Abweichungen zwischen beiden Sagenversionen:
So liegt der Hof Attilas in Susat (= Soest) im heutigen Westfalen, nicht in Ungarn wie im Nibelungenlied. Gunnar (entspricht Gunther) wird nicht am Ende der Schlacht von Thidrek besiegt, sondern wird im Verlauf der Schlacht von Osid, einem Neffen Attilas, gefangen genommen und wird dann, wie in anderen nordischen Versionen der Sage, von Attila in einen Schlangenturm geworfen. Thidrek erschlägt Grimhild auf Befehl Attilas, nicht Hildebrand im Alleingang, wie im Nibelungenlied. Grimhild handelt in der ThS objektiv teuflisch, auch in den Augen des Erzählers, sodass sogar ihr Gatte ihren Tod fordert, während das Nibelungenlied sie teilweise entschuldigt und Hildebrand nicht den Charakter eines „objektiven“ Rächers erhält. In der ThS tötet sie nicht Hagen, sondern ihren schwer verletzten Bruder Giselher, indem sie ihm ein brennendes Scheit in den Mund stößt. Attila (entspricht deutsch Etzel) ist goldgierig, wie auch in anderen skandinavischen Dichtungen. Hogni wurde von Thidrek schwer verwundet, lebt aber noch einen ganzen Tag lang, bis er stirbt. In dieser Nacht zeugt er noch einen Sohn und gibt der Frau den Schlüssel zum Siegfriedskeller, den sie dem Kind geben soll, wenn es herangewachsen ist. Dieser Sohn, Aldrian, rächt später den Tod Hognis an Attila, indem er den goldgierigen Attila in den Siegfriedskeller führt und von außen die Tür zuschlägt, sodass Attila bei den Schätzen verhungern muss. Auch kennt die ThS keinen Koch und daher auch nicht Rumolds Rat des Nibelungenliedes.
Der Hürnen Seyfrit
Der Hürnen Seyfrit behandelt Seyfrit/Siegfrieds Geschichte in zwei hintereinander gereihten Versionen, deren erste kurz die Kindheit des Helden entsprechend dem Nibelungenlied wiedergibt, während die zweite den Hauptteil bildet und Siegfrieds Jugend ähnlich der Thidrekssaga erzählt und dann mehrere Drachenkämpfe zur Befreiung der von einem Drachen entführten Kriemhild schildert. Der Hürnen Seyfrit ist nur in Fassungen ab dem 16. Jahrhundert erhalten, die aber auf Vorstufen zum Teil schon des 13. Jahrhunderts zurückgehen, die sich in der Thidrekssaga und in spätmittelalterlichen Bearbeitungen des Nibelungenliedes widerspiegeln.
Siegfrieds Hochzeit
Das Lied von Siegfrieds Hochzeit beschreibt die Hochzeit Seyfrieds/Siegfrieds mit Grimhild/Kriemhild, die Ermordung des Helden durch Hagen, als er bei einem Brunnen schläft, die Auseinandersetzung zwischen Kriemhilds Brüdern mit Siegfrieds Anhängern und den Friedensschluss durch Dietrich von Bern.
Das Lied wurde erst 2022 in einem Druck aus dem Jahre 1663 entdeckt, welcher auf einen Druck des „Hürnen Seyfrits“ folgte.[4] Da im „Hürnen Seyfrit“ jedoch auf ein Lied von Siegfrieds Hochzeit verwiesen wird, war dieses wohl von Beginn an mit dem „Hürnen Seyfrit“ verbunden.
Wichtige Figuren im Nibelungenlied und in anderen Werken der Nibelungensage
Die folgenden Personen finden sich zum Teil auch in anderen Werken wie der Edda und Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen (in alphabetischer Ordnung).
Die Stammliste der Nibelungen:
Eilimis
Hjalprek
Sigmund
Hjordís
Alf
Dankrat
Ute
Rüdiger
Gotelind
Siegfried
Kriemhild
Etzel
Helche
Blödelin
Gunther
Brünhild
Gernot
Giselher
Dietlind
Gunther
Swanhild
Ortlieb
Erp
Ortwin
Siegfried
Alberich, Zwerg. Im Nibelungenlied von den ursprünglichen Besitzern, den Nibelungen, und dann auch vom Nachbesitzer, Siegfried, zum Hüter des Nibelungenhortes eingesetzt. Bei Richard Wagner ist Alberich einer der Nibelungen und der ursprüngliche Besitzer des Hortes, den zu schaffen ihm ein zauberkräftiger Ring ermöglichte, den er aus den „Rheintöchtern“ (Nixen im Rhein) geraubtem Gold geschmiedet hatte.
Brünhild, Gattin Gunthers. Im Nibelungenlied ist Brünhild Königin von Island und wird unter dem Schutz der Tarnkappe von Siegfried für Gunther geworben. Dabei braucht es einen zweifachen Betrug: Brünhild muss von Siegfried überwunden werden; zuerst bei den Kampfspielen, dann im Ehebett. Der Streit zwischen ihr und Kriemhild bricht beim Zusehen bei einem Turnier aus und erreicht beim darauf folgenden Kirchgang vor der Türe des Münsters seinen Höhepunkt. Brünhild erfährt viel Leid, überlebt aber alle Katastrophen. In der Liederedda ist Brynhild eine Walküre, die von Odin in Schlaf versenkt wurde; zur Strafe, weil sie andere Helden fällte, als er wollte. Sie wird von Sigurd erweckt; Sigurd und Brynhild verloben sich vermutlich (die Handschrift der Liederedda hat hier eine Lücke; in der Edda von Snorri Sturluson findet sich am Ende der Nibelungensagen ein anscheinend späterer Zusatz, dass Sigurd eine Tochter namens Aslaug hat. Diese müsste, wie die Volsunga saga zeigt, anlässlich dieser Verlobung gezeugt sein). Sigurd heiratet aber dann Gudrun, die Schwester Gunnars. Daraus entstehen Verwicklungen, die zur Ermordung Sigurds und zum Selbstmord Brynhilds führen. Die Volsunga saga erzählt ähnlich wie die Snorra-Edda, doch ist in ihr Brynhild eine Schwester Atlis, die übernatürliche Fähigkeiten besitzt und sich in eine Walküre verwandeln kann. Später wirbt Sigurd die verlassene Braut für seinen Schwager Gunnar. Der Werbungstrug erfolgt durch Gestaltentausch, nicht durch Unsichtbarmachen. Das Hindernis sind nicht Kampfspiele, sondern ein Flammenwall, vafrlogi (Richard Wagner: Waberlohe). Auch die „Bettszene“ ist anders: Sigurd muss noch unter Gunnars Gestalt das Beilager mit Brynhild halten, aber, um dem Freund die Treue zu wahren, legt er sein Schwert zwischen sich und Brynhild. Dadurch hat Sigurd keine Eide gegenüber Gunnar gebrochen, wohl aber gegen Brynhild, mit der er schon eine Tochter, Aslaug, hat. Der Streit zwischen Brynhild und Gudrun bricht im Bad aus, welche der beiden im Fluss weiter in das sauberere Wasser hinauswaten darf. Brynhild begeht in der Volsunga saga wie in den Edda-Versionen nach Sigurds Tod Selbstmord. In der Thidreks saga ist Brynhild Herrin einer Burg in Schwaben; sie besitzt übernatürliches Wissen über Siegfried/Sigurd; er erhält von ihr einen besonderen Hengst. Bei diesem Anlass, berichtet die Saga später, verlobten sich die beiden. Doch bricht er die Verlobung und heiratet Grimhild, die Schwester Gunnars. Dafür vermittelt er die Ehe zwischen Gunnar und Brynhild, aber ohne Betrug: Brynhild ist Siegfried/Sigurd wegen des Bruches der Verlobung böse, doch ein Betrug ist erst nötig, als sie Gunnar in der Hochzeitsnacht an einen Nagel an der Wand hängt. Siegfried/Sigurd muss sie für Gunnar deflorieren – ohne magische Mittel; die Finsternis im Schlafraum genügt für den Betrug. Daraus resultieren die Verwicklungen, die zu Siegfried/Sigurds Tod und zu Grimhilds Rache führen; Brynhild überlebt den Untergang, wie im Nibelungenlied. Richard Wagner nennt sie Brünnhilde und folgt teils der Liederedda, teils der Volsunga saga; dem Nibelungenlied entnimmt er fast nichts. Es wurde manchmal vermutet, die Sagenfigur Brünhild könne einen historischen Kern haben, und zwar die westgotische Königstochter Brunichild, die u. a. im Geschichtswerk des Gregor von Tours als Ehefrau des Frankenkönigs Sigibert I. und Rivalin ihrer Schwägerin Fredegunde erwähnt wird.
Dankwart ist im Nibelungenlied der Bruder Hagens und Gunters Marschall. In anderen mittelalterlichen Nibelungendichtungen kommt er nicht vor.
Dietrich von Bern wird mit dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen gleichgesetzt; altnordisch: Thidrekr. Lautlich entspricht deutsch Dietrich gotischem Thiudariks, und deutsch Bern ist der alte Name der italienischen Stadt Verona, die zum Herrschaftsbereich Theoderichs gehörte. Die Sage hält sich jedoch nicht an historische Fakten. Insbesondere wurde Theoderich erst geboren, als Attila starb, während er in der Sage an Attilas Hof im Exil weilt. In der Thidrekssaga ist er es, der Grimhild erschlägt, nicht Hildebrand, wie im Nibelungenlied. Das ist sicher die ältere Version, die vom Nibelungenlied abgeändert wird.
Etzel ist der deutsche Name für Attila, den Hunnenkönig. Wenn man die lautliche Entwicklung des Deutschen berücksichtigt, entsprechen Attila und Etzel einander genau (i-Umlaut von a zu e und Zweite Lautverschiebung von tt zu tz). Attilas Hauptstadt war aber weder dort, wo das Nibelungenlied sie lokalisiert, noch wirkte er an der Zerstörung des Burgunderreiches mit. Forscher, die die Figuren der Sage mit den Ereignissen des 5. Jahrhunderts verbinden wollen, setzen daher den Etzel der Nibelungensage eher mit dem römischen Magister militum Aetius gleich, der in seiner Jugend als Geisel im Austausch für Attila bei den Hunnen lebte und hunnische Hilfstruppen bei der Zerschlagung des Burgunderreiches einsetzte. Das wird jedoch heute von der Mehrzahl der Forscher abgelehnt, weil man annimmt, dass sich die Sagen in erster Linie um bedeutende historische Namen rankten, wie Attila, aber mit ihnen so frei umgingen, dass auch eine grobe Veränderung der Fakten kein Problem darstellte. Im Nibelungenlied ist Etzel ein toleranter Heide, der auch Christen an seinem Hof duldet, und respektiert die Gastfreundschaft. Der Grund für die Aufnahme dieses positiven Attilabildes ins Nibelungenlied ist vermutlich, dass die Hunnen mit den späteren Ungarn gleichgesetzt wurden (historisch falsch) und dass das Bistum Passau, in dem die Heimat des Dichters zu suchen ist, bei der Christianisierung der Ungarn im 10. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte (insbesondere Bischof Pilgrim von Passau; gest. 991). In mehreren Eddaliedern ist er goldgierig und lädt die Brüder seiner Frau ein, um sie zu ermorden und ihren Schatz an sich zu reißen; er wird von seiner eigenen Frau zur Rache für den Tod ihrer Brüder ermordet. Die Thidrekssaga mischt deutsche Berichte, in denen Attila gut, sogar vorbildlich handelt, und solche, in denen er schatzgierig ist und schließlich von einem Sohn Hagens zur Rache in Siegfrieds Schatzkeller eingesperrt wird, wo er bei den Schätzen verhungern muss.
Fafnir ist in den Eddas und in der Volsunga saga der Name des von Sigurd getöteten Drachen.
Gernot ist im Nibelungenlied einer der Brüder (mit Gunther und Giselher), die gemeinsam über das Burgundenreich herrschen. Auch in der Thidreks saga erscheint er (dort: Gernoz). In den anderen nordischen Versionen der Nibelungensage heißen die Brüder anders; dort ist Högni (Hagen) meist Bruder Gunnars, oder zumindest Halbbruder, und als weiterer Bruder bzw. Halbbruder tritt dort Gottorm auf (der Name ist dem burgundischen Godomarus nachgebildet), der in einer Version der Eddalieder der Mörder Sigurds ist. König Gundobad († 516) ließ die Gesetze der Burgunder aufzeichnen und nennt sich im Prolog als Nachkommen der Burgunderkönige Gibica, Godomar (einige Handschriften bieten stattdessen Gundomar), Gislaharius und Gundaharius.
Giselher trägt den Namen des oben genannten Burgunderkönigs Gislaharius. Er kommt in mittelalterlichen Nibelungendichtungen nur im Nibelungenlied und in der Thidrekssaga (dort: Gislher) vor.
Gunther trägt den Namen eines Burgunderkönigs (Gundahar). Im Altnordischen lautet der Name Gunnar. Im Nibelungenlied stützt er sich meist auf die Ratschläge Hagens und zeigt erst im Endkampf seine Tapferkeit; Gunther wird nur durch Dietrich von Bern überwunden. In den meisten nordischen Quellen sind die Erzählungen von seinem Tod nur lose mit dem ersten Teil, in dem er Schwager Sigurds ist, verbunden: Der Hunnenkönig Atli (entspricht: Attila) ist gierig nach den Schätzen seines Schwagers Gunnar und lädt ihn und seinen Bruder Hogni ins Hunnenland ein. Trotz heldenhafter Gegenwehr werden die beiden von einer Übermacht überwunden; Atli lässt Gunnar in eine Schlangengrube werfen. Atlis Gattin Gudrun, Gunnars und Hognis Schwester, hält zu den Brüdern und tötet Atli zur Rache für deren Ermordung. Dass diese Gudrun die Witwe Sigurds und erst in zweiter Ehe mit Atli verheiratet ist, wird nicht erwähnt oder spielt keine wesentliche Rolle: Da sie nicht gegen, sondern mit ihren Brüdern kämpft, braucht es nicht die Motivierung durch Sigurds Tod.
Hagen von Tronje (altnordisch: Hogni) ist im Nibelungenlied entfernter Verwandter und treuer Gefolgsmann und wichtigster Ratgeber Gunthers. In den nordischen Versionen der Nibelungensage ist er Bruder oder Halbbruder Gunnars. Im Nibelungenlied und in der Thidreks saga ist er der Mörder Siegfrieds.
Hildebrand ist Waffenmeister Dietrichs von Bern. In der Nibelungensage tritt er nur im Nibelungenlied und in der Thidrekssaga auf.
Kriemhild basiert vermutlich auf Ildico (der Name entspricht der Wortbildung nach Hildchen, aber die Funktion des iko-Suffixes war wahrscheinlich nicht die einer Koseform wie im deutschen -chen), der letzten Nebenfrau Attilas. Kriemhild heißt sie im Nibelungenlied und in der Thidreks saga (dort: Grimilda). In den anderen nordischen Quellen heißt die Schwester Gunnars und Hognis Gudrun. Richard Wagner nennt sie Gutrune.
Nibelunge heißen im Nibelungenlied die Söhne des verstorbenen Königs Nibelung, dessen Schatz erst Siegfried und nach dessen Tod Kriemhild gewinnt, ehe er von Hagen mit Zustimmung Gunthers geraubt wird; von da an bezeichnen sich die Burgunden auch als Nibelunge. In allen anderen Dichtungen ist Nibelunge (altnordisch: Niflungar) der Name der Familie Gunnars und Hognis von Anfang an, und er hat mit Siegfried / Sigurds Schatz nichts zu tun. Sie heißen schon Niflunge, bevor sie Sigurds Schatz an sich nehmen; in einem Eddalied bekommen sie Sigurds Schatz schon anlässlich der Brautwerbung Sigurds um Gudrun (Sigurd „kauft“ seine Braut mit dem Schatz).
Ortwin von Metz, Truchsess Gunthers im Nibelungenlied, Verwandter Hagens von Tronje. In anderen mittelalterlichen Nibelungendichtungen kommt er nicht vor.
Rüdiger (auch Rüdeger) von Bechelaren ist im Nibelungenlied ein Markgraf, der als Exilierter beim Hunnenkönig Etzel Zuflucht gesucht und die Markgrafschaft von Bechelaren (Pöchlarn in Niederösterreich; an der Mündung der Erlauf in die Donau) zu Lehen erhalten hatte. Er wirbt 13 Jahre nach Siegfrieds Tod bei Gunther um die Hand Kriemhilds für Etzel. Er leistet Kriemhild einen Treueeid, der ihn später dazu zwingt, gegen die Burgunden (u. a. gegen den mit seiner Tochter verlobten Giselher) zu kämpfen. Rüdiger und Gernot töten in diesem Kampf einander.
Rumold ist im Nibelungenlied Küchenmeister Gunthers. Scherzhaft wird er einerseits als Koch, anderseits als hoher Träger eines Ehrenamtes, der den König in dessen Abwesenheit vertritt, gezeichnet. In anderen Nibelungendichtungen tritt kein Koch auf. Helmut Rosenfeld brachte die Einführung dieser Figur ins Nibelungenlied mit der Einführung des Ehrenamtes eines Reichsküchenmeisters durch König Philipp von Schwaben (ca. 1202) in Verbindung. Die Schaffung einer derartigen literarischen Figur könnte eine ironische Stellungnahme zur Einrichtung dieses Ehrenamtes sein.
Siegfried der Drachentöter bzw. Siegfried von Xanten im Nibelungenlied, Sigurd in den nordischen Texten, außer in der Thidrekssaga, in der er meist Sigurd heißt, manchmal aber auch Siegfried (darin spiegeln sich die deutschen Quellen der Thidrekssaga): Eine historische Person, deren Taten Ausgangspunkt oder Kristallisationskern für die Sagenfigur des Siegfried abgegeben hätten, konnte nicht nachgewiesen werden. Die seit etwa 1820 angenommene Identität von Siegfried und Arminius wurde durch Adolf Giesebrecht 1837 genauer formuliert; seitdem wird sie immer wieder diskutiert. Das wichtigste Gegenargument ist, dass unter den vielen Namen, die aus dem 6. und angehenden 7. Jahrhundert stammen, kein einziger Siegfried belegt ist; die frühesten Belege des Namens Siegfried stammen vom Ende des 7. Jahrhunderts und beziehen sich auf Personen, die um oder nach 650 geboren wurden. Danach wird dieser Name sehr schnell häufig. Wenn es schon früher einen berühmten Sagenhelden dieses Namens gegeben hätte, wäre es unerklärlich, wieso sein Name nicht in der Personennamensgebung benutzt wurde.[5] Ähnlichkeiten bestehen auch zur historischen Person des Frankenkönigs Sigibert I., der die westgotische Königstochter Brunichild heiratet und auf Betreiben seiner Schwägerin Fredegunde ermordet wurde.
Ute heißt die Mutter Kriemhilds im Nibelungenlied, auch in der Thidreks saga (dort: Oda). In der Volsunga saga heißt sie dagegen Grimhild (weil man diesen Namen der deutschen Sage irgendwie unterbringen wollte, aber der Name von Gunnars Schwester im Norden fest mit Gudrun besetzt war).
Volker von Alzey ist im Nibelungenlied ein Spielmann und Ritter König Gunthers. Im ersten Teil wird er von Siegfried im Krieg gegen die Sachsen zum Fahnenträger gewählt; im zweiten Teil sticht er hervor, sowohl durch seine große musikalisch-künstlerische Begabung (Fidelspiel) als auch durch seine Tapferkeit und unbedingte Kriegerfreundschaft mit Hagen und die ironisch-bissigen Sprüche gegen die Feinde, in denen sich die beiden überbieten. In der Thidreks saga (dort: Folker) ist er ein tapferer adliger Kämpfer, ohne Verbindung zur Kunst oder zu Spielmännischem.
Wolfhart ist Neffe Hildebrands und einer der jungen Heißsporne in Dietrichs Gefolgschaft. Durch seinen übersteigerten Ehrbegriff, der es ihm nicht erlaubt, die Schmähungen Volkers ungerächt zu lassen, werden Dietrichs Versuche, wenigstens die letzten Überlebenden zu retten, vereitelt. Wolfhart fällt im Zweikampf gegen Giselher; stolz, durch einen König den Tod zu finden und sich noch dafür rächen zu können, indem er sterbend Giselher erschlägt, und außerdem noch Zeugen dafür zu haben, die seinen Nachruhm verbreiten können. Wolfhart ist damit der Repräsentant von „heldischer Gesinnung“ im Nibelungenlied schlechthin; sein Wunsch nach einem Heldentod geht in Erfüllung, während Hagen von der Erzählung dies nicht gewährt wird; er wird unrühmlich von einer Frau erschlagen.
Forschungsdiskussion
Da die schriftliche Überlieferung der Nibelungensage erst im Hochmittelalter einsetzt, sind Entstehung und Entwicklung der Sage auf Quellenkritik und hypothetische Rekonstruktionen angewiesen. Die Geschichte der Rekonstruktionen der vorschriftlichen germanischen Heldendichtung ist voll von theoriegestützten Vermutungen, Spekulationen und Sondermeinungen, die von der Mehrheit der Experten nicht oder nur für kurze Zeit als erwägenswert angesehen wurden.
Der Privatgelehrte Heinz Ritter-Schaumburg vertrat die Auffassung, das „christlich geprägte“ und sich auf altiu maere (alte „Mären“, Erzählungen) berufende Nibelungenlied beruhe auf einer Frühform der „heidnisch geprägten“, von historischen Ereignissen im norddeutschen Raum des 5./6. Jahrhunderts n. Chr. berichtenden Thidrekssaga, die als Vorlage gedient habe.[6] Diese These einer Historizität der Thidrekssaga wird von den meisten Fachgermanisten abgelehnt. Vielmehr seien sowohl das Nibelungenlied wie die für die Thidrekssaga vorauszusetzenden deutschen Vorlagen schriftepische Bearbeitungen von schriftlichen und mündlichen Sagenfassungen, die im 12. Jahrhundert im ober- und niederdeutschen Sprachraum kursierten. Inhalt, poetische Form und Verwandtschaft dieser Fassungen werden sich nie genau bestimmen lassen. Jedoch wird heute mehrheitlich angenommen, dass die Thidrekssaga niederdeutsche, großteils schriftliche Quellen benutzt, die ihrerseits zu einem guten Teil Bearbeitungen schriftlicher oberdeutscher (bairischer) Vorlagen sind. Vor allem die Verlegung des Unterganges der Nibelungen nach Westfalen scheint sekundär zu sein.
2011 erschien unter dem Titel „Attil und Krimkilte“ die deutsche Übersetzung eines tschuwaschischen Manuskriptes eines dortigen Epos, das in Tscheboksary, der Hauptstadt Tschuwaschiens, gefunden wurde: eine „hunnische Variante der Nibelungensage“, die 1956 nach mündlichen Überlieferungen aufgezeichnet wurde.[7]
Handschriften
Das Nibelungenlied zählt zu den herausragenden Beispielen der europäischen Heldenepik. Die drei Handschriften A, B und C gelten als die wichtigsten und vollständigsten. Daneben sind eine Reihe weiterer vollständiger und fragmentierte Handschriften des Nibelungenliedes und der Nibelungenklage überliefert. Die Handschrift A befindet sich im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek, die Handschrift B wird in St. Gallen in der Schweiz aufbewahrt und die Handschrift C liegt in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Die UNESCO hat im Juli 2009 die drei wichtigsten und vollständigsten Handschriften des Nibelungenlieds in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.[8]
Literarische Bearbeitungen
Albrecht Behmel: Das Nibelungenlied. Ein Heldenepos in 39 Abenteuern. Neu übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Albrecht Behmel. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-89821-145-2.
Gunnar Kunz: Der Ruf der Walküren. Ein Nibelungenroman. Sutton, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-677-1.
Jürgen Lodemann: Siegfried und Krimhild. Die Nibelungenchronik. Klett-Cotta, Stuttgart 2002, ISBN 3-608-93548-7.
Wolfgang Hohlbein/Torsten Dewi: Der Ring der Nibelungen, Heyne-Verlag, München 2004, ISBN 978-3453530263
Holger Höcke: Kriemhild und ihre Brüder. Roman. Rhein-Mosel-Verlag, 2019, ISBN 978-3-89801-405-2.
Holger Höcke: Kriemhilds Rache. Roman. Rhein-Mosel-Verlag, 2022, ISBN 978-3-89801-457-1.
Martin Huber: Saat der Rache – Die Chronik der Niflungen. Neopubli GmbH, Berlin 2017, ISBN 978-3-7450-9702-3.
Hörspielbearbeitungen
Friedrich Hebbel: Die Nibelungen - Ein deutsches Trauerspiel in drei Abteilungen, Hörspiel (ca. 3½ h), WDR 1954
Jürgen Knop: Die Nibelungen, 8-teiliges Hörspiel (ca. 5½ h), Kiddinx 1981
Regine Ahrem: Der Ring des Nibelungen, 16-teiliger Hörspiel-Podcast (ca. 6h), rbb 2022
Balthasar von Weymarn: Der Thron der Nibelungen, 12-teiliges Hörspiel (ca. 9h), The AOS 2024
Philatelistisches
Mit dem Erstausgabetag 7. Oktober 2021 gab die Deutsche Post AG in der Serie Sagenhaftes Deutschland ein Postwertzeichen im Nennwert von 80 Eurocent mit dem Titel Nibelungen heraus. Der Entwurf stammt vom Grafiker Thomas Steinacker aus Bonn.[9]
Veranstaltungen und Medien, Museen
Nibelungenfestspiele Worms
Nibelungenmuseum Worms
Verfilmungen
Für Verfilmungen, siehe Kategorie:Nibelungen im Film
Siehe auch
Handschriften des Nibelungenliedes und der Nibelungenklage
Nibelungentreue
Nibelungen-Ideologie
Germanische Mythologie
Literatur
Otto Holzapfel: Die dänischen Nibelungenballaden. Texte und Kommentare (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Band 122). Göppingen 1974, ISBN 3-87452-237-7.
Hermann Reichert: Das Nibelungenlied. Nach der St. Galler Handschrift. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-018423-0.
Hermann Reichert: Die Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien. In: Joachim Heinzle, Klaus Klein, Ute Obhof (Hrsg.): Die Nibelungen. Sage, Epos, Mythos. Wiesbaden 2003, ISBN 3-89500-347-6.
Klaus von See u. a. (Hrsg.): Kommentar zu den Liedern der Edda. Heidelberg 1997.
Jan De Vries: Heldenlied und Heldensage. Francke, Bern 1961.
Joachim Fernau: Disteln für Hagen. 1966.
Jean Firges: Das Nibelungenlied. Ein Epos der Stauferzeit (= Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie. Band 5). Sonnenberg, Annweiler 2001, ISBN 3-933264-10-3.
Georg Dattenböck: Heinrich von Hag/Ofterdingen. Verfasser des Nibelungenliedes! 6. Auflage. Bautz, Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-640-7.
Joachim Heinzle: Die Nibelungen. Lied und Sage. 2. Auflage. Primus Verlag, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-86312-034-4 und Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG, Darmstadt, ISBN 978-3-534-25531-3.
↑Vgl. Joachim Heinzle: Von der Sage zum Epos. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Das Nibelungenlied und seine Welt. Darmstadt 2003, S. 20–29.
↑Nach der ältesten Handschrift: j Suava þar er su borg er heiter Saegard þar ried fyrer hin rika og hin fagra og hin mikiláta Brynhilldur (vgl. Henrik Bertelsen: Þidriks saga af Bern. Band I und II, Kopenhagen 1905–1911, hier Bd. I, S. 38.)
↑Mario Bauch: Die Grimmener Lieder vom Hürnen Seyfried und von der Hochzeit des Hürnen Seyfrieds, 1663, Daon-Verlag, Grimmen 2022.
↑Hermann Reichert: Zum Namen des Drachentöters. Siegfried – Sigurd – Sigmund – Ragnar. In: Uwe Ludwig und Thomas Schilp (Hrsg.): Nomen et Fraternitas. Festschrift für Dieter Geuenich. – Ergänzungsband Nr. 63 zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Berlin 2008, S. 131–167.
↑Heinz Ritter-Schaumburg: Die Nibelungen zogen nordwärts. 6., unveränderte Auflage, Herbig, München 1992, ISBN 3-7766-1155-3.
↑Kai Ehlers (Hrsg.): Attil und Krimkilte. Das tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen. Rhombos Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-941216-50-1 (Angaben aus der Verlagsmeldung).
Das Nonnenloch befindet sich auf der Halbinsel Mönchgut im Südosten der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist ein touristischer Aussichtspunkt. Früher soll sich dort eine natürliche Spalte oder Vertiefung befunden haben, um die sich eine Sage rankt, aufgrund derer der Name entstand.
Geografische Lage
Das Nonnenloch befindet sich an den Steilufern von Mönchgut, einer Halbinsel mit Hügellandschaften und Sandstränden. Es liegt oberhalb der Klippen in der Nähe der Ortschaften westlich des Zickerberg.[1] Das Gebiet ist Teil des Biosphärenreservats Südost-Rügen.
Namensherkunft und Sage
Der Name Nonnenloch entstammt einer Sage aus der Region. Der Legende nach sollen Nonnen, die sich vergangen hatten, in dieses Loch gestürzt und anschließend von Bewohnern als herumwandelnde, wehklagende Gestalten gesehen worden sein.[2]
Beschreibung
1840 wurde es von Jodocus Temme als "eine tiefe Grube, welche das Nonnenloch heißt" beschrieben. Sie sei noch sehr tief, wobei sich "alte Leute" damals erinnern könnten, dass sie "vor vielen Jahren" zugeschüttet wurde. Neuere Beschreibungen sind nicht auffindbar und auf Fotos ist heute auch keine Vertiefung mehr zu erkennen.
Schutz und Zugang
Das Nonnenloch ist ein beliebtes Ziel für Wanderer. Es ist Teil des Wanderwegnetzes der Region mit Ausblicken auf die Ostsee. Da das Nonnenloch sich in einer geschützten Naturzone befindet, darf das Gebiet nur auf Wegen betreten werden. Es gelten besondere Vorschriften, um die Steilküste vor weiterer Erosion und die Tierwelt vor Störungen zu schützen.
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Legende (Begriffsklärung) aufgeführt.
Umkreis Paul Bril – Wilhelm Tell
Die Legende ist eine mit dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw. literarische Gattung, in der historische Ereignisse durch spätere Hinzufügungen überhöht oder verfälscht wurden. Legenden haben meist wie Sagen einen wahren Kern, der fantastisch ausgeschmückt wird.
Allgemeines
Der Begriff leitet sich von dem mittelalterlich-lateinischen Ausdruck legenda ab, was so viel bedeutet wie „das, was zu lesen ist“,[1] „das Vorzulesende“[2] bzw. „die zu lesenden Stücke“.[3] Die Herkunft des Begriffs deutet somit – im Unterschied zur Sage – eine enge Beziehung zur literarischen Tradition an. Bereits in der Antike entstanden literarische Erzählungen über Personen, die als überragende religiös-sittliche Persönlichkeiten und „Heilige“ wahrgenommen wurden.[2]
In der Hagiographie werden derartige Heiligenlegenden neben Märtyrerakten und anderen überlieferten Texten als Vita untersucht.[4] Solche hagiographischen Texte werden auch heute noch von einigen Gelehrten unter Absehung ihres besonderen Charakters der Geschichtsschreibung zugerechnet,[5] wobei allerdings zwischen „Heiligenlegende“ und „Heiligenbiographie“ zu unterscheiden wäre. Nicht zuletzt bei den politischen Legenden ist indessen die Vorstellung verbreitet, dass es sich um „unzutreffende Tatsachenbehauptungen“ handele. Dennoch können einzelne Legenden einen Kern von historischer Wahrheit enthalten, indem sie in bildhafter oder szenischer Erzählform den Kern eines Faktums oder den Sinn eines Geschehens zu vermitteln suchen, auch wenn die jeweils erzählte Geschichte quellenmäßig unverbürgt ist.[6]
In der Form der Heiligenlegende zielt die Legende aber überhaupt nicht auf die für sie nur vordergründige historische Wahrheit, sondern auf die Verkündigung einer Glaubenswahrheit.[7] Es geht in ihr zentral um die Offenbarung des göttlichen Heilswirkens, das in der Person eines Heiligen zur Erscheinung kommt, zeichenhaft beglaubigt vor allem durch das Signum des Wunders.[8] Bekannteste Beispiele sind die Christophorus- und Georgslegende, die als eine Art narrativer Theologie gelten können. Hierbei bleibt der Erzählrahmen der Legende, ebenso wie bei der Sage, dem Mythos und Märchen, im fiktionalen Bereich.[8]
Legenden von Eremiten oder Asketen können jedoch auch historisch stimmige Einzelelemente aufweisen. In dem ägyptischen Kloster Deir Abu Fana wurde beispielsweise die Mumie des Apa Bane (übersetzt: Bruder/Mönch Palme) gefunden, die die Krankheit Morbus Bechterew aufwies. In seiner in koptischer Sprache niedergeschriebenen Legende wird er als jemand beschrieben, der immer fastete, nie schlief und fast immer stand – Symptome ebenjener Krankheit, so der Koptologe Siegfried G. Richter.[9]
Im Medien-Sprachgebrauch wird der Begriff auch häufig in der allgemeinen Bedeutung „Ruhm“ und „Berühmtheit“ verwendet.[10]
Geschichte und Typologien
Taufe und Martyrium des Hl. Bonifatius, 11. Jh.
Bei seiner Klassifizierung von Legenden lehnte sich der Theologe Harald-Martin Wahl an die Semantik des Begriffs Legenda an. Wahl zufolge wurden im antiken Christentum die Legenden um Jesus Christus (Christuslegenden), die zum Teil in die apokryphen Evangelien und in die Geschichten der Apostel aufgenommen wurden, später um die Legenden von ersten christlichen Märtyrern (Märtyrerlegenden) ergänzt; speziell um solche, von denen die Kirchenväter des 3. Jahrhunderts (Tertullian, Hippolyt, Origenes, Cyprian) berichtet haben und die von altgriechischen Grabinschriften bezeugt sind. Einher ging mit diesen Erzählungen eine religiöse Verehrung der Märtyrer im Kult, der ab Ende des 4. Jahrhunderts auch für die Heiligen bezeugt ist (Liturgie, Reliquienkult). Seitdem wurden sowohl die Heiligen als auch die Märtyrer im Fall der Bedrohung und Not zusammen mit Engeln und den Aposteln angerufen.[11]
Der Philologe Benedikt Konrad Vollmann nahm im Rahmen eines Artikels in einem christlichen Wörterbuch ebenso religiöse Legenden ins Blickfeld. Religiöse Legenden entstünden ihm zufolge im „Schwerefeld der jeweiligen Hochreligion“. Beispielhaft führte er für den Buddhismus die Buddhalegende und für den Islam die Legenden um die Heldentaten von Mohammeds Schwiegersohn 'Ali an. Bei den im Christentum entstandenen Legenden unterschied er zwischen Marienlegenden (Marienmirakel), Apostellegenden (z. B. Andreas, Thomas, Jacobus), Bischofslegenden (Nikolaus, Martinus), Mönchslegenden (Antonius Eremita, Benedikt, Franziskus), Jungfrauenlegenden (Agnes, Agatha, Caecilia) und Büßerlegenden (Gregorius).[2]
Zu den frühesten Legendensammlungen werden die „Dialogi de miraculis patrum Italicorum“ von Papst Gregor dem Großen (540–604) gezählt.[12] Vor 959 schloss die Kanonissin Hrotsvit, die als die erste deutsche Dichterin und Geschichtsschreiberin gilt,[13] ihre erste Legendensammlung ab.[14] Inhalt ihrer in epischer und elegischer Form geschriebenen Legenden war unter anderen das Leben von Maria, die Auferstehung Christi sowie das Leben von Gangolf und Pelagius.[15] Die in Deutschland entstandenen Legenden gipfelten am Ende des Hochmittelalters in mittelhochdeutsche Versepen. Mit zu den bekanntesten gehören diejenigen von Hartmann von Aue, Konrad von Würzburg oder Rudolf von Ems.
Im Hoch- und Spätmittelalter fanden dann vor allem auch Legendensammlungen in Form literarisch komponierter Legendare (meist Sammlungen von Berichten, die Heiligen gelten)[16] weite Verbreitung. Am wirkmächtigsten wurde die Legenda aurea des Jacobus de Voragine (1228/29–1298), der die gewaltige Legendenstofffülle seiner Zeit erfasste und für kultische Zwecke ebenso wie auch für die private Frömmigkeit verfügbar machte. Der Einfluss dieses Werks auch auf die bildende Kunst jener Zeit ist kaum zu überschätzen.
Im Zeitalter der Renaissance und Reformation bildete sich ein scharfer kritischer Standpunkt gegenüber den Legenden heraus. Erasmus von Rotterdam unterschied die fabulae fictae (frei erfundene Erzählungen[17]) von den historischen facta (Tatsachen). Letztere könnten mit der historisch-philologischen Kritik auf ihre Echtheit geprüft werden. Zudem seien nach Erasmus nur die facta für die educatio (Bildung) des Humanisten geeignet.[18] Seine damit verbundene Haltung, die fabulae fictae aus der humanistischen Bildungsidee auszuschließen, wurde ebenso von dem Kirchenreformator Martin Luther geteilt.[19] Luther, der die fromme Legende zur Erbauungsliteratur zählte,[18] wendete sich im Rahmen seiner Forderung nach historischer Wahrheit vor allem gegen die ausschmückenden Wunderdetails der Heiligenviten, da sie ihm zufolge „so viele Lügen“ enthielten. Über die Legende, von ihm mehrfach als die „Lügende“ bezeichnet, schrieb er: „Da doch niemand weis, Wo her sie komen, Wenn sie angefangen [...]. Item, wer der heiligen Lügenden S. Christoff, Georg, Barbara, Catherin, Ursula und der on zal mit iren Wundern auffbracht“.[19] Trotz seiner grundsätzlichen Kritik ließ Luther bestimmte Motive der Wundererzählung bei einigen heiligen Gestalten als Ausnahmen gelten, um sie der „katechetischen Allegorese“ dienstbar zu machen. Dies insbesondere bei den auch abwertend zitierten Figuren Christophorus und Georg, aber auch bei Nikolaus, Martin, Elisabeth und Katharina. Im Gegensatz zu den Heiligenviten insgesamt begriff Luther diese Ausnahmemotive als produktive Fiktionen; sie seien nicht Lügen, sondern Gedichte.[19]
Der Protestantismus griff Luthers Kritik auf, was ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bei den Kontroversisten zu einer ausgedehnten Polemik gegenüber den Legenden führte.[19] Nachdem Legenden in der Zeit der Aufklärung dem kritischen Interesse nicht standhielten, wurden sie in der Romantik wieder geachtet. Zahlreiche Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, beginnend mit einem Plädoyer Herders, schufen neue Legenden. Dazu zählten Goethes Legende vom Hufeisen und Kleists Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Im 20. Jahrhundert fand die Legende bis hin zur Parodie der „Antilegende“ eine neue Beachtung. Zeitgenössische Legenden sind meist so genannte Urban Legends.
Anthologien
Hans-Peter Ecker (Hrsg.): Legenden – Heiligengeschichten vom Altertum bis zur Gegenwart. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-058019-6.
Literatur
Hans-Peter Ecker: Die Legende. Kulturanthropologische Annäherung an eine literarische Gattung (= Germanistische Abhandlungen. Band 76), Metzler, Stuttgart / Weimar 1993, ISBN 3-476-00899-1 (Habilitationsschrift Universität Passau 1991, XI, 397 Seiten).
Hubertus Halbfas: Die Wahrheit der Legende. In: Ewald Volgger (Hrsg.): Sankt Georg und sein Bilderzyklus in Neuhaus, Böhmen (Jindřichův Hradec). Historische, kunsthistorische und theologische Beiträge (= Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens. Band 57). Elwert, Marburg 2002, ISBN 3-7708-1212-3.
Siegfried Ringler: Zur Gattung Legende. Versuch einer Strukturbestimmung der christlichen Heiligenlegende des Mittelalters. In: Peter Kesting (Hrsg.): Würzburger Prosastudien II. Untersuchungen zur Literatur und Sprache des Mittelalters. Festschrift für Kurt Ruh zum 60. Geburtstag (Medium Aevum. Band 31). München 1975, S. 255–270. DNB 750315571.
Hellmut Rosenfeld: Legende (= Sammlung Metzler. Band 9). 4., verbesserte Auflage. Metzler, Stuttgart 1982, ISBN 3-476-14009-1.
Herbert Walz (Hrsg.): Legende (= Themen, Texte, Interpretationen. Band 7). Buchner, Bamberg 1986, ISBN 3-7661-4337-6 (Aufsätze zur Gattungstheorie sowie beispielhafte Texte).
↑Harald-Martin Wahl: Die Jakobserzählungen. Studien zu ihrer mündlichen Überlieferung, Verschriftung und Historizität. Berlin / New York 1997, ISBN 3-11-015758-6, S. 87 f.
↑ abcBenedikt Konrad Vollmann: Sage und Legende. In: Volker Drehsen, Hermann Häring u. a. (Hrsg.): Wörterbuch des Christentums. 1500 Stichwörter von A-Z. München 2001, ISBN 3-572-01248-1, S. 1109 f.
↑Silke Müller, Susanne Wess: Studienbuch neuere deutsche Literaturwissenschaft 1720-1848 (= Lern- und Arbeitshilfen für Schule und Universität). 2., durchges. Aufl., Würzburg 1999, S. 151, ISBN 3-8260-1713-7.
↑Cristina Andenna: Heiligenviten als stabilisierende Gedächtnisspeicher in Zeiten religiösen Wandels. In: Peter Strohschneider (Hrsg.): Literarische und religiöse Kommunikation in Mittelalter und Früher Neuzeit. Berlin / New York 2009, S. 526–573, hier: S. 526, ISBN 978-3-11-020061-4.
↑Meinolf Vielberg, Jürgen Dummer: Zwischen Historiographie und Hagiographie. Ausgewählte Beiträge zur Erforschung der Spätantike. Stuttgart 2005, S. 7, ISBN 3-515-08661-7.
↑Gerd Krumeich: Die Dolchstoßlegende. In: Étienne François, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. 4., durchgesehene Auflage, München 2002, S. 586, ISBN 3-406-47222-2.
↑ abJo Reichertz: Die Macht der Worte und der Medien. 2. Auflage, Wiesbaden 2008, S. 77f., ISBN 978-3-531-16307-9; Ringler (s. o.: Literatur), S. 257–259.
↑Siegfried G. Richter: Das koptische Ägypten. Schätze im Schatten der Pharaonen. (mit Fotos von Jo Bischof). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2019, ISBN 978-3-8053-5211-6, S. 67.
↑Peter Tepe: Mythos & Literatur. Selbstanzeige. In: Archiv für Begriffsgeschichte 44, Ausg. 25–26, Hamburg 2002, S. 258. (Quelle: Peter Tepe: Mythos & Literatur. Würzburg 2001, ISBN 3-8260-2136-3.)
↑Harald-Martin Wahl: Die Jakobserzählungen. Berlin / New York 1997, S. 88. (Angegebene Quelle: Hellmut Rosenfeld: Legende. Stuttgart 1982, S. 23.)
↑Claus Träger: Wörterbuch der Literaturwissenschaft. 2. Aufl., Leipzig 1989, S. 291, ISBN 3-323-00015-3.
↑Gerhard Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie. Bd. 15. Berlin / New York 1986, S. 611, ISBN 3-11-008585-2.
↑Max-Planck-Institut für Geschichte: Festschrift für Hermann Heimpel zum 70. Geburtstag am 19. September 1971. Göttingen 1971, S. 47. DNB
↑Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. (= Handbuch der Altertumswissenschaft, IX. Abt., 2. Teil, 1. Band). 4. Nachdruck der 1911 erschienenen 1. Auflage, München 1974, S. 620, ISBN 3-406-01400-3; Karl August Barack (Hrsg.): Die Werke der Hrotsvitha. Nürnberg 1858. [1]
↑Guy Philippart: Legendare. In: Verfasserlexikon. Band V, Sp. 644–657.
↑Der Begriff „fabulae fictae“ wird bei Hasubek mit Bezug auf die griechische und römische Literatur mit „frei erfundene Erzählungen“ übersetzt, vgl. Peter Hasubek (Hrsg.): Die Fabel. Theorie, Geschichte und Rezeption einer Gattung. Berlin 1982, S. 61, ISBN 3-503-01684-8.
↑ abWolfgang Brückner (Hrsg.): Volkserzählung und Reformation. Ein Handbuch zur Tradition und Funktion von Erzählstoffen und Erzählliteratur im Protestantismus. Berlin 1974, S. 37, ISBN 3-503-00540-4.
↑ abcdRolf Wilhelm Brednich u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Bd. 8: Klerus - Maggio. Berlin / New York 1996, S. 1296 f., ISBN 3-11-014339-9.
1602 Erstausgabe, Basel. Gedruckt durch Konrad Waldkirch.
Das Ma'assebuch, eigentlich Ajn schojn masse buch (jiddisch מעשׂה־בוך von hebr. ma'asse ‚Erzählung‘) ist eine Sammlung von mündlich überlieferten jiddischen Erzählungen, Sagen, Legenden und Gleichniserzählungen.
Sie basieren vor allem auf Geschichten aus den Midraschim und dem Talmud und stehen in der Tradition der askenasischen Juden in Westeuropa. Dabei werden wunderbare Taten von biblischen Gestalten, Rabbinen und Zaddikim geschildert, sowie märchenhafte Geschichten aus dem Morgen- und Abendland erzählt.
Es wurde 1602 das erste Mal in Basel von Konrad Waldkirch gedruckt. Es folgten zahlreiche Nachdrucke, die auf breites Interesse stießen. In Gießen erschien 1612 eine Ausgabe in deutscher Sprache. Die Amsterdamer Ausgabe (1701) systematisierte die Erzählungen und fügte neue ein. Die Frankfurter (1703) und Rödelheimer Ausgabe (1753) zeichnen sich durch Hinzufügung kabbalistischer Episoden aus. Bis zum Jahr 1870 waren über 20 Auflagen erschienen.[1] Die erste englischsprachige, aus dem Jiddischen übersetzte Ausgabe des Linguisten und ehemaligen sephardischen Oberrabbiners von England Moses Gaster erschien 1934.
Zielgruppe des Buches waren sowohl Gelehrte als auch Frauen. Das Buch leistete einen wichtigen Beitrag dafür, dass sich Jiddisch als Literatursprache etablierte.
Christoph Helwig (Hrsg.): Jüdische Historien/ Oder/ Thalmudische/ Rabbinische/ wunderbarliche Legenden/ so von den Jüden als warhafftige und heylige Geschicht/ an ihren Sabbathen und Feyertagen gelesen werden: Darauß dieses verstockten Volcks Aberglauben und Fabelwerck zu ersehen / Auß ihren eigenen Büchern in Truck Teutsch verfertiget, Caspar Chemlein, Giessen 1611, Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Stammbaum der Prager Druckerfamilie Bak aus Moritz Steinschneider (Hrsg.): Catalogus Librorum Hebraeorum in Bibliotheca Bodleiana. iussu curatorum digessit et notis instruxit M. Steinschneider. Friedländer, Berlin 1852–1860
Isaak Jüdels: Ayn shin Ma'ase-Bukh, Jüdels, Wilhermsdorf s. a., ca. 1673 (Freimann: 1673–1677, Steinschneider 1670–1680) Digitalisat der Universitäts-Bibliothek Erlangen-Nürnberg (unterscheidet sich lt. Meitlis 1933 in nichts von Prag 1665; Isaak Jüdels entstammt der Prager Druckerfamilie der Gersoniden. )
Jonathan b. Jaacob (Hrsg.): Neu Ma'asse-Buch. Sabbatai Bass, Dyhernfurth 1697 (verschieden von den Ausgaben 1706 und 1709)[5]
Isak Gersoni: Mayse-bukh Wilhermsdorf s. a. (bei Steinschneider 1848 erwähnt als unterschiedliche Ausgabe zu 1703, da anderer Herausgeber wohl auch unterschiedliche Ausgabe zu ca. 1673 ; Verwandtschaft siehe Wilhermsdorf ca. 1673)
1703 Wilhermsdorf (bei Steinschneider 1848 und Meitlis 1933 erwähnt)
1703 Frankfurt am Main (bei Steinschneider 1848 erwähnt, lt. Meitlis 1933 erweiterte Ausgabe)
Ma'assebuch (hebräischer Titel siehe Abb.). 354 Sagen und Legenden aus Talm. und Midr. u. s. w. gesammelt von Ascher Anschel b. Leiser, Sabbatai Bass, Dyhernfurth 1706[6]Ma'assebuch Dyhernfurth 1706
Ma'assebuch (hebräischer Titel siehe Abb.). Sabbatai Bass, Dyhernfurth 1709[8]
Ma'assebuch Dyhernfurth 1709
Ayn shen mayśe-bukh: kȯmt her liben manen un' frouen un' tut das schėn maeśe̲-buch an schauen mit dreiʼ hundert un' etlichė maʻeśim bei anander gebracht …Gerson Wiener, Berlin 1709. Nach Meitlis 1933 ein Nachdruck der Ausgaben Amsterdam 1701 und Frankfurt/Oder 1708/09 mit gleichem Titel.[9] Gerson Wiener war Drucker in Frankfurt/Oder und Berlin.[10]
Allerlei Geschichten. Maasse-Buch, Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen in jüdisch-deutscher Sprache. Amsterdam 1723 (deutscher Titel nach der Übersetzung von Pappenheim 1929) (enthält lt. Steinschneider 1848 eine „Reisebeschr. des Gerson“, verm. ist damit der Hrsg. Iask Gersoni der Ausgabe Wilhermsdorf s. a. gemeint)
Maase-Buch, worinnen viele wunderlich-schöne Masim (d. i. Geschichte)..., Simson Hanau, Homburg 1727 (Titel nach Gosche 1861)
NN. (Name in hebräischen Buchstaben siehe Abb.): Nürnberg, 1763 (lt. Meitlis 1933 erweiterte Ausgabe und Nachdruck von Frankfurt 1703 oder Rödelheim 1753)
Herausgeber des Nürnbergs Ma'assebuchs 1763
Bertha Pappenheim (Hrsg.): Allerlei Geschichten. Maasse-Buch. Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen in jüdisch-deutscher Sprache. Nach der Ausgabe des Ma’ase-Buches Amsterdam 1723 bearbeitet von Bertha Pappenheim. Mit einem Geleitwort von Ismar Elbogen. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1929 (unveränderter Nachdruck: Hofenberg, 2014, ISBN 3843032602) Volltext online bei Zeno.org
Gerimte Geschichte. (hebräischer Titel siehe Abb.) Lemberg 1851 (Meitlis 1933: vermutlich ein Nachdruck von Zolkiew 1802 ; es handelt sich hier um einen ersten Teilband – der zweite wird im Buch angekündigt ist aber wohl nicht erschienen ; der Herausgeber beruft sich im Vorwort auf eine nicht bekannte Ausgabe von 1705.) Ma'assebuch Lemberg 1851
Moses Gaster (Hrsg.): Ma'aseh book : book of Jewish tales and legends. The Jewish publication Society of America, Philadelphia, 1934. (Faksimile-Neuauflage 1981, ISBN 0827601891), nach der Ausgabe Amsterdam 1723
Ludwig Strauß (Hrsg.): Geschichtenbuch aus dem jüdisch-deutschen Maaßebuch / ausgew. u. übertr. von Ludwig Strauß. Schocken, Berlin 1934, (Bd. 18 der Bücherei des Schocken Verlags)
Ulf Diederichs (Hrsg.): Das Ma'assebuch: Altjiddische Erzählkunst. ins Hochdt. übertr., kommentiert und hrsg. von Ulf Diederichs. Dt. Taschenbuch-Verl., München 2003, ISBN 3-423-13143-8 (2., verbesserte Aufl. 2004, ISBN 3-423-13143-8), nach der Ausgabe Amsterdam 1723
Literatur
Christian Schöttgen: Etwas aus dem Jüdischen Meise-Buch. In: Der Rabbiner Nr. 28 vom 14. Juli 1742 S. 221f, Harpeter, Göttingen 1742 und Fortsetzung:
Isaac Ben Jacob: Oṣar has-sefarîm ; sefer erek̮ le-teqûnot sifrē Yiśra'ēl nidpasîm ew-kitbē yad … Selbstverlag Jacob Ben Jacob, Vilnius 1880 (unveränderter Nachdruck mit zusätzlicher deutscher Titelübersetzung: Ozar ha-sepharim. Bücherschatz. Bibliographie der gesamten hebräischen Literatur mit Einschluss der Handschriften <bis 1863>. Sändig, Vaduz 1986).
Moritz Steinschneider: Jüdisch-deutsche Literatur : nach einem handschriftlichen Katalog der Oppenheim’schen Bibliothek (in Oxford), mit Zusätzen und Berichtigungen. (Fortsetzung). Katalognummern 156 und 157. In: Serapeum. Zeitschrift für Bibliothekwissenschaft, Handschriftenkunde und ältere Litteratur Nr. 24 von 1848, S. 379f. Volltext online bei Digizeitschriften
Allerlei Geschichten. Maasse-Buch. Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen in jüdisch-deutscher Sprache. Nach der Ausgabe des Ma’ase-Buches Amsterdam 1723 bearbeitet von Bertha Pappenheim. Mit einem Geleitwort von Ismar Elbogen. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1929.
Johannes Bolte, Jiří Polívka, Georg Polívka (Neubearb.): Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm Band 5. Dieterich, Leipzig 1932 S. 22 (Nachdr. Olms-Weidmann, Hildesheim 1963).
Jakob Meitlis: Das Ma'assebuch. Seine Entstehung und Quellengeschichte, zugleich eine Einführung in die altjiddische Agada. Mit einem Geleitwort von Moses Gaster. PH. D., London. Buchhandlung Rubin Mass, Berlin 1933. (Nachdruck Georg Olms Verlag, Hildesheim u. a. 1987, ISBN 3-487-07833-3) Leseprobe bei Google Books.
Lazar Gulkowitsch: Der Begriff Hasid in der Gattung der Maasijjot. In: Die Bildung des Begriffes ḥāsīd, Krüger, Tartu 1935.
Julius Hans Schoeps (Hrsg.): Neues Lexikon des Judentums. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München 1998, ISBN 3-577-10604-2.
Ulf Diederichs: Das Ma'assebuch. Altjiddische Erzählkunst. Vollständige Ausgabe (Hochdeutsch). Dt. Taschenbuch-Verl., München 2003, ISBN 3-423-13143-8.
Astrid Starck: Un beau livre d'histoires. Eyn shön Mayse bukh. Fac-simile l'editio princeps de Bâle (1602). Traduction du yiddish, introduction et notes par Astrid Starck (= Schriften der Universitätsbibliothek. Bände 6/1 und 6/2). Schwabe, Basel 2004, ISBN 3-7965-1091-4 und 2008, ISSN 1613-0464.
Nathanael Riemer: Unbekannte Bearbeitungen des Ma`assebuches. In: Jiddistik-Mitteilungen. Jiddistik in deutschsprachigen Ländern. (Nov. 2007) Nr. 38, S. 1–23.
Nathanael Riemer: Stories of the Ma’aseh Book (Maysebook) in the Scriptures of Christian Hebraists. Onlineressource, http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2007/1549/, 17. November 2008.
↑Elisabeth Singer-Brehm: Das Prager Maiśebuch von 1665. In: Jiddistik-Mitteilungen. Jiddistik in deutschsprachigen Ländern. Heft 55/56 (2016), S. 1–12.
↑Elisabeth Singer-Brehm: Nachtrag zum Artikel „Das Prager Maiśebuch von 1665“ (JM 55/56). In: Jiddistik-Mitteilungen. Jiddistik in deutschsprachigen Ländern. Heft 57/58 (2017), S. 27–29.
↑Jakob Meitlis: Das Ma'assebuch. Seine Entstehung und Quellengeschichte. Zugleich eine Einführung in die altjiddische Agada. Mit einem Geleitwort von Moses Gaster, PH. D., London, Buchhandlung Rubin Mass, Berlin 1933. (Nachdruck Georg Olms Verlag, Hildesheim u. a. 1987, ISBN 3-487-07833-3) S. 36
↑ Jakob Meitlis: Das Ma'assebuch. Seine Entstehung und Quellengeschichte. Zugleich eine Einführung in die altjiddische Agada. Mit einem Geleitwort von Moses Gaster, PH. D., London, Buchhandlung Rubin Mass, Berlin 1933. (Nachdruck Georg Olms Verlag, Hildesheim u. a. 1987, ISBN 3-487-07833-3) S. 37
↑Jacob Jacobson: Jüdische Trauungen in Berlin 1759 bis 1813. Mit Ergänzungen für die Jahre 1723-1759, Walter de Gruyter, Berlin 1968 S. 528 f. Volltext bei Google Books