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Christian Friedrich von Kahlbutz

Noir24admin Mumie 22. Juni 2026
Mumie des Ritters Christian Friedrich von Kahlbutz

Christian Friedrich von Kahlbutz (auch Christian Friedrich von Kalebuz; * 6. März 1651; † 3. November 1702 Kampehl) war ein märkischer Edelmann, der vor allem dadurch Berühmtheit erlangte, dass sein Leichnam nicht verwest ist, ohne dass künstliche Mumifizierungsverfahren angewendet wurden. Der mumifizierte Leichnam ist eine Touristenattraktion in der Dorfkirche Kampehl.

Leben

Komplettansicht der Mumie des Kahlbutz
Dorfkirche Kampehl

Er war Kornett und Erbherr auf Kampehl. Die oftmals irreführende Bezeichnung „Ritter“ bezieht sich auf seine Angehörigkeit zur märkischen Ritterschaft.

Ritter Kahlbutz starb im Alter von 51 Jahren und wurde in einem Doppelsarg in der Patronatsgruft beigesetzt. 1784 starb der letzte von Kahlbutz, deshalb wechselte das Gut im Folgenden mehrfach den Eigentümer. 1794 wurde die Kirche von Kampehl renoviert und man wollte wie üblich die Särge im Gruftanbau beisetzen. Beim Öffnen der Särge stellte sich heraus, dass nur die eine Leiche des Ritters Kahlbutz nicht verwest war.

Familiärer Hintergrund

Seine Mutter war Rixa von der Schulenburg, der Vater Balzer von Kalebutz. Kahlbutz war seit 1682 mit Margarete von Rohr († 1724), Angehörige des alteingesessenen märkischen Adelsgeschlechts von Rohr verheiratet, mit der er zwölf Kinder hatte.

  • Fünftes Kind: Christian Ludwig von Kahlbutz († 1748), ⚭ Elisabeth Hedwig von Flotow[1][2]
    • Sohn: Friedrich Christian Heinrich von Kahlbutz (1724–1784), preußischer Oberst, zuletzt im Regiment zu Fuß „von Rohr“ (Nr. 54), beschließt den Mannesstamm seines Geschlechts
  • Neuntes Kind: Christian Friederich von Kahlbutz

In der Geburtsreihenfolge nicht einzuordnen sind derzeit:

  • Kaspar Friedrich von Kahlbutz (1688–1745), preußischer Oberst, in der Schlacht bei Hohenfriedeberg gefallen[3]
  • Baltzer Julius von Kahlbutz († 1752), preußischer Oberst, zuletzt Chef des Landregiments Nr. 4 (Stettin)[4]
  • Gottliebe Sophie von Kahlbutz († 1795), als Stiftsdame im Stift Heiligengrabe[1][2], wohl eine Tochter des o. g. Christian Ludwig von Kahlbutz († 1748)
  • Elisabeth Hedwig von Kahlbutz, ⚭ 1708 (Ehestiftung in Höhe von 1500 Talern[5]) Daniel Friedrich von Rathenow († 1727), preußischer Major, Erbherr auf Plänitz[6]

Natürliche Mumifizierung

Der natürliche Verwesungsprozess einer Leiche kann durch einige Umstände aufgehalten oder verzögert werden, wodurch die Leiche austrocknet und „verledert“, sie wird zur Mumie. In erster Linie sind bei einem solchen natürlichen Mumifizierungsprozess die Luft- sowie die Bodenbeschaffenheit zu beobachten. Absolute Trockenheit, leichte Radioaktivität oder bestimmte „Ausdünstungen des Bodens“ können hier förderlich wirken, ebenso wie hermetisch abgeschlossene Särge oder ständig bewegte sehr trockene Luft. Ebenso kann die konstante Einnahme giftiger Medikamente zu Lebzeiten – in sehr kleinen für den Patienten unschädlichen Mengen – eine natürliche Mumifizierung begünstigen. Zahlreiche solcher Gifte und Wirkstoffe sind im Nachhinein kaum noch nachweisbar, da sich viele Fettstoffe einer Mumie im Laufe der Zeit verändern oder verflüchtigen. Ein Abschluss durch Feuchtigkeit führt zur Wachsleiche.

Ähnliche mumifizierte menschliche Überreste finden sich mehrfach. So ist der lederne Franzl in Oberösterreich in seiner Gruft mumifiziert verblieben und gab Anlass zu unterschiedlichen Auslegungen. In der Kirche St. Peter in Sinzig sind die mumifizierten sterblichen Überreste des Heiligen Vogts aufbewahrt. In der Stiftskirche von Waldhausen in Oberösterreich befinden sich die drei Waldhausener Mumien. Der wohl berühmteste Ort mit Hunderten mumifizierter Leichen, welche nicht nur in Särgen liegen, sondern auch an den Wänden hängen, ist die Kapuzinergruft (Palermo).

Forschungsstand

Mit der allem Anschein nach nicht einbalsamierten Leiche des Ritters wurden bereits zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die klären sollten, warum der natürliche Verwesungsprozess speziell bei dieser Leiche nicht einsetzte. Sowohl Rudolf Virchow als auch Ferdinand Sauerbruch beschäftigten sich mit der Leiche des Ritters und auch die Berliner Charité untersuchte in den 1980er Jahren Ritter Kahlbutz erfolglos. Warum Kahlbutz nicht verwest ist, bleibt weiterhin ungeklärt. Dennoch gibt es einige wenige Fälle, bei denen der natürliche Verwesungsprozess ähnlich aussetzte.

Es wird angenommen, dass Ritter Kahlbutz an einer Krankheit litt, die eine starke Abzehrung seines Leibes verursachte. Dafür kommen vor allem Krebs, Muskelschwund oder Tuberkulose in Frage. Für Tuberkulose als Krankheit von Kahlbutz sprechen einige Tatsachen, die überliefert wurden und die das Krankheitsbild zu bestätigen scheinen. Laut Überlieferung soll Ritter Kahlbutz am „eigenen Blut erstickt sein“. Dies deutet stark darauf hin, dass Kahlbutz kurz vor seinem Tode einen Blutsturz hatte, wie er infolge schwerer Lungenkrankheiten (Lungenkrebs oder Tuberkulose) auftreten kann. Kahlbutz wurde in einem Eichendoppelsarg beigesetzt. Die bereits begonnene Verwesung der Leiche wurde wahrscheinlich durch den abgeschlossenen Sarg, seinen eigenen Ausdünstungen sowie den mangelnden Nährboden der extrem abgemagerten Leiche unterbunden. Durch die Bauweise der Gruft und des Sarges konnten große Mengen Luft am Leichnam vorbei streichen, und genügend Wasser von diesem wegtransportieren und so den Leichnam austrocknen.[7][8] Dies führte vermutlich zur natürlichen Mumifizierung durch „Verlederung“. Darüber hinaus gelangten durch die trockene Umgebung und die Bauweise des Sarges kaum Insekten zum Leichnam, die somit diesen nicht weiter zersetzen konnten.[7]

Bei CT-Aufnahmen wurde im Mundraum ein Gegenstand gefunden, wahrscheinlich eine Münze. Es wird vermutet, dass es sich um einen Charonspfennig handelt. In der Brusthöhle wurde ein Bleistift der Marke Johann Faber, der zwischen 1900 und 1920 verkauft wurde, gefunden.[9]

Sagen und Erzählungen

Der Volksmund fand eine Erklärung für die Mumifizierung des Ritters Kahlbutz und sah darin Gottes gerechte Strafe für einen Mord. Der Sage nach wurde Kahlbutz im Jahre 1690 von seiner Dienstmagd Maria Leppin des Mordes an ihrem Verlobten, dem Schäfer Pickert aus dem Nachbarort Bückwitz, bezichtigt. Die Tat geschah am Bückwitzer See. Die Begründung lautete, er habe den Schäfer aus Rache erschlagen, weil die Magd dem Ritter das „Recht der ersten Nacht“ verweigert hätte. Auch habe er sich mit Pickert um die Größe des Weideplatzes gestritten. Im folgenden Strafprozess in Dreetz bei Neustadt wurde Kahlbutz jedoch aufgrund seiner eigenen eidlichen Aussage freigesprochen, da die Zeugen fehlten. Ritter Kahlbutz soll dabei vor dem Gericht geschworen haben: „Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen.“

Im Laufe der Jahre wurden der Mumie weitere Spuk- und andere mysteriöse Geschichten angedichtet. Aus den Zeiten der Napoleonischen Besetzung im Jahre 1806 gibt es Erzählungen über Scherze der französischen Besatzer. Die Mumie soll von französischen Soldaten als „Nachtwache“ eingesetzt worden sein. Theodor Fontane schreibt distanziert die Legende nieder, dass Napoleons Soldaten die Mumie einst aus Spaß auf den Altar der Kirche kreuzigen wollten. Als sie versuchten, die linke Hand festzunageln, sprang diese zurück in ihre Ausgangsposition und ohrfeigte dabei einen Soldaten, der vor Schreck sofort starb.

An der Schwenzebrücke am Bückwitzer See soll Kahlbutz den Schäfer Pickert erschlagen haben.[10] Hierzu nimmt Fontane die folgende Geschichte auf: Spaziergänger wurden von einer unsichtbaren Last befallen, als sie gegen Mitternacht die Schwenzebrücke überquert haben. Je mehr sie sich von der Last trennen wollten, umso schwerer wurde sie. Erst als sie sich der Gegend, in der der Mord geschehen sein soll, weit genug entfernt hatten, ließ diese Last los. Hierzu wird auch erzählt, dass Pferde um Mitternacht am selben Ort aus unerklärlichen Gründen nur mühsam vorankämen, scheuten oder einfach stehen blieben.

1806 soll ein französischer Offizier die Mumie aus dem Sarg genommen, ihn beschimpft und bespuckt und falsch herum in den Sarg zurückgelegt haben. Anschließend habe er ihn aufgefordert, falls er wirklich spuken sollte, solle er ihn um Mitternacht in seinem Quartier besuchen. Am nächsten Tag soll der Offizier tot in seinem Quartier gefunden worden sein, das Genick um 180° verdreht. Dabei sollen Türen und Fenster von innen verriegelt gewesen sein, sodass ein Eindringen von außen nicht möglich war. Die französischen Soldaten ließen ihre Wut an den Dorfbewohnern aus, die ihre Unschuld an diesem Mord beteuerten. Kurze Zeit später kam es in Neustadt zu einem Gerichtsverfahren, bei dem der Prozess fallen gelassen wurde, weil kein Täter wegen der verschlossenen Türen in Frage käme.

Im Übrigen wurde mit dieser Mumie im Ort allerlei Schabernack betrieben, so wurde diese bei Hochzeiten zu diversen Streichen genutzt. 1913 wurde sie in das Brautbett einer frischvermählten Braut gelegt. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie mehrere Jahre in einem Wartezimmer eines Neustädter Arztes ausgestellt und löste Ohnmachtsanfälle bei den Patienten aus. Sie soll von Schuljungen auf das Dach der Schule gelegt worden sein.

Von der Kleidung, in der Kahlbutz bestattet wurde, blieb kaum etwas erhalten. Lediglich seine Stiefel, eine Totenmütze und einige Fetzen von Ordensbändern waren erhalten geblieben. In den 1930er Jahren brachen Studenten in die Gruft ein, stahlen die Stiefel und seinen Harnisch, der dort ausgestellt war. Einige Wochen später schickten sie einen Stiefel zurück und teilten mit, dass das Bier, das sie aus dem Stiefel tranken, vorzüglich geschmeckt hat.

Sonstiges

  • Die Geschichte des „ledernen Ritters“ wurde künstlerisch aufgegriffen und liegt der vierteiligen Fernsehserie Spuk aus der Gruft von 1997 als Thema zugrunde.
  • Die DDR-Rockband Transit verarbeitete die Kahlbutz-Sage 1982 in einem Song.
  • Die ebenfalls in Brandenburg liegenden Mumien von Illmersdorf entstanden ohne künstliche Mumifizierungsverfahren.

Literatur

  • Der nackte Ritter. In: Simon Marsden: Geistersuche, Eulen Verlag, Frankfurt a. M. 1998, S. 90–92.
  • Der unverweste Ritter. In: Wilhelm Ruprecht Frieling: Killer, Kunstfurzer, Kastraten. Internet-Buchverlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-941286-69-6.
  • George Adalbert von Mülverstedt, Hrsg.: Sammlung von Ehestiftungen und Leibgedingsbriefen ritterschaftlicher Geschlechter der Provinzen Sachsen, Brandenburg, Pommern und Preußen. 360 S., Magdeburg 1863 (S. 90). Online bei Google Books
  • Karl-Heinz Otto: Ritter Kalebuz: Deutschlands legendärste Mumie, Kornett des Prinzen von Homburg, Kleists tragischer Fehrbellin-Held. Potsdam: Märkische Reisebilder 2012, ISBN 978-3-934232-56-3.
  • Klaus Przybilla: Der Prozeß um Christian Friedrich von Kahlbutz. Hintergründe, Fakten, Beweise, Recherchen. Das Urteil. Pusch: Neuruppin 1993.
  • Gerd Schulze: Vom Geschlecht derer von Kahlbutz auf Kampehl, in: Jahrbuch: Menschen, Bilder, Geschichten, hrsg. vom Landkreis Ostprignitz-Ruppin Bd. 22 (2013), S. 44–45.
  • Die Geschichte des „ledernen Ritters“ diente als Vorlage für das Kinderbuch von Dorothea Flechsig: Ritter Kahlbutz. Glückschuh Verlag, ISBN 978-3-943030-40-2. 

Weblinks

Commons: Christian Friedrich von Kahlbutz – Sammlung von Bildern
  • Der lederne Ritter Kahlbutz in Kampehl
  • Die Legende über den Ritter Christian Friedrich von Kahlbutz (* 6. März 1651, † 3. November 1702)
  • Literatur von und über Christian Friedrich von Kahlbutz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 4, Leipzig 1863, S. 621.
  2. ↑ a b Verein für Geschichte der Mark Brandenburg (hrsg.): Märkische Forschungen, Band 2, Berlin 1843, S. 382.
  3. ↑ Anton Balthasar König: Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen, Band 2, Arnold Wever, Berlin 1789, S. 219. Nachdruck: LTR, Starnberg 1989, ISBN 3-88706-305-8.
  4. ↑ Anton Balthasar König: Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen, Band 2, Arnold Wever, Berlin 1789, S. 220. Nachdruck: LTR, Starnberg 1989, ISBN 3-88706-305-8.
  5. ↑ George Adalbert von Mülverstedt, Hrsg.: Sammlung von Ehestiftungen und Leibgedingsbriefen ritterschaftlicher Geschlechter der Provinzen Sachsen, Brandenburg, Pommern und Preußen. 360 S., Magdeburg 1863 (S. 90). Online bei Google Books
  6. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser A, Justus Perthes, Gotha 1904, S. 699.
  7. ↑ a b Mark Benecke: Dem Täter auf der Spur. So arbeitet die moderne Kriminalbiologie. ISBN 3-404-60562-4
  8. ↑ A. C. Aufderheide: The geography of mummies. In: A. C. Aufderheide (Hrsg.): The Scientific Study of Mummies. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 170.
  9. ↑ https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2024/07/neues-vom-nackten-ritter-kalebuz-mumie-hat-raetselhaften-gegenstand-im-mund-mumie
  10. ↑ Doch eine Mumie alleine macht noch keine Legende (Memento vom 21. Februar 2014 im Internet Archive)
Normdaten (Person): GND: 120640937 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | VIAF: 27906947 | Wikipedia-Personensuche

52.86594444444412.458861111111Koordinaten: 52° 51′ 57,4″ N, 12° 27′ 31,9″ O

Personendaten
NAME Kahlbutz, Christian Friedrich von
ALTERNATIVNAMEN Ritter Kahlbutz; Ritter von Kahlbutz
KURZBESCHREIBUNG preußischer Ritter
GEBURTSDATUM 6. März 1651
GEBURTSORT Kampehl, Brandenburg
STERBEDATUM 3. November 1702
STERBEORT Kampehl, Brandenburg



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Christian Friedrich von Kahlbutz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Kanarische Mumien

Noir24admin Mumie 22. Juni 2026

Auf den Kanarischen Inseln wurden Menschenleichen aus der Zeit vor der Eroberung durch die Europäer gefunden, deren Zustand darauf hindeutet, dass die Verstorbenen vor der Bestattung behandelt wurden und so vor der Verwesung geschützt waren.

Historische Berichte

Darstellung einer Bestattungshöhle aus dem 18. Jahrhundert nach dem Bericht aus dem 16. Jahrhundert

Bereits vor der Eroberung der Kanarischen Inseln durch Europäer gab es Berichte über Mumifizierungen und Bestattungshöhlen, in denen mehrere Hundert Verstorbene beigesetzt waren. Der englische Händler Thomas Nichols berichtete in einem 1583 in England erschienenen Buch, dass er Höhlen gesehen habe, in denen es 300 Körper gab, deren Fleisch getrocknet war und die leicht wie Pergament waren.[1]

Die Bestattungs- und Mumifizierungspraktiken der Ureinwohner der Kanaren wurden von Juan de Abreu Galindo und von Alonso de Espinosa um 1600 (also etwa 100 Jahre nach dem Abschluss der Eroberung) beschrieben. Die Abweichungen der Berichte voneinander werden damit begründet, dass es unterschiedliche Vorgehensweisen gab. Für beide Beschreibungen liegen archäologische Befunde vor.[2]

Entwicklung der Forschung

Im 19. Jahrhundert entwickelten viele Nordeuropäer ein besonderes Interesse für die Kanarischen Inseln. Das betraf einerseits die Geologie und Botanik, andererseits aber auch die Geschichte einschließlich der Frühgeschichte. Ausländische Museen, aber auch private Sammler kauften kanarische Mumien und Skelette auf und brachten sie in verschiedene Länder.

Das Museo Arqueológico y Etnográfico de Tenerife (heute Museo de Naturaleza y Arqueología) initiierte 1989 ein internationales Programm zur Erforschung der kanarischen Mumien. 1992 wurden auf dem I Congreso Internacional de Estudios sobre Momias in Puerto de la Cruz die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen vorgestellt.[3] Die Regierung der Kanarischen Inseln bemüht sich darum, außerhalb der Inseln befindliche prähistorische Objekte auf die Inseln zurückzuholen oder wenigstens genaue Forschungsergebnisse der archäologischen Funde aus den verschiedenen Ländern zu erhalten.

Die einzige kanarische Mumie, die sich in Deutschland befindet, ist seit 1802 Teil der Sammlung des Johann-Friedrich-Blumenbach-Instituts für Zoologie und Anthropologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Es handelt sich dabei um die Überreste einer 30- bis 40-jährigen Frau, die im späten 13. oder im frühen 14. Jahrhundert auf der Insel Teneriffa gelebt hat.[4]

Die bisherigen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Mumien, die auf Teneriffa gefunden wurden, in der Zeit vom 5. Jahrhundert n. Chr. bis ins 14. Jahrhundert n. Chr. entstanden. Bei den Verstorbenen handelte es sich sowohl um Männer als auch um Frauen. In einigen Fällen wurden die Innereien ohne die Leber, aber nie das Gehirn entfernt. Die Konservierung der Leichname, die auf den anderen Inseln gefunden wurden, scheint eher auf natürliche klimatische Bedingungen zurückzuführen zu sein. Die Leichen scheinen zwar teilweise behandelt worden zu sein aber nicht mit dem Ziel einer Mumifizierung.[5]

Arten der Behandlung

Mumie eines Mannes im Museo de Naturaleza y Arqueología in Santa Cruz de Tenerife

Über den Vorgang der Mumifizierung sind aus der Zeit nach der Eroberung verschiedene Berichte erhalten. Diese Darstellungen, die unterschiedliche Arten der Behandlung der Toten schildern, sind durch archäologische Untersuchungen bestätigt worden. Mit dem Herrichten der Leichen und der Bestattung waren Männer und Frauen befasst, die außerhalb der Gesellschaft standen und nur Tote ihres Geschlechts behandelten.

Es können grundsätzlich drei Verfahren unterschieden werden:

  • Bei dem aufwändigsten Verfahren wurde der Leichnam in eine Höhle gebracht und die Innereien, nicht aber das Gehirn entfernt.[6] In den folgenden Tagen wurde der Körper mehrfach gewaschen. Danach wurde er mit einer Mischung aus Holz der Baumheide, Kiefernrinde und Vulkanasche behandelt. Das anschließende Einreiben des Körpers mit Ziegen- oder Schafbutter übernahmen dann wieder die Angehörigen. Zum Schluss wurde der Tote in Ziegenfelle eingewickelt die zugenäht wurden. Die Leichen der Stammeshäuptlinge wurden auf ein Grabgestell gelegt. Weniger bedeutende Personen wurden auf Reisig oder Steine gelegt um die Bodenfeuchtigkeit durch Luftzirkulation abzuhalten.
  • Bei einem anderen Verfahren wurde die Leiche auch gründlich gewaschen und dann 15 Tage in wechselnden Positionen an der Sonne getrocknet. Die Innereien wurden nicht entfernt, sondern nur eine Konservierungsmischung durch den Mund in den Körper eingeführt. Auch diese Leichen wurden anschließend in Tierfelle eingewickelt, welche zugenäht wurden. Diese Konservierungsmethode wurde bei den meisten heute bekannten kanarischen Mumien angewendet.
  • Das einfachste Verfahren bestand darin, dass die Körper der Verstorbenen mit Wasser und Salz gewaschen und dann an der Sonne getrocknet wurden.

Literatur

  • Arthur Aufderheide: The scientific study of mummies. Cambridge University Press, Cambridge 2003 (englisch). 
  • Domingo González Martín: Momias los Secretos del Pasado – Catálogo. Hrsg.: Museo Arqueológico y Etnogrófico de Tenerife. Cabildo de Tenerife, Santa Cruz de Tenerife 1999, ISBN 84-88594-21-6, S. 95 (spanisch, museosdetenerife.org [abgerufen am 9. März 2019]). 
  • Conrado Rodriguez Maffiote: Las Momias Guanches de Tenerife. Hrsg.: Museo Arqueologico y Etnografico de Tenerife. Organismo Autónomo Complejo Insular de Museos y Centros, Santa Cruz de Tenerife 1995, ISBN 84-88594-02-X (spanisch, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.museosdetenerife.org%2Fmnh-museo-arqueologico-de-tenerife%2Fpublication%2F78~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D [abgerufen am 30. Juni 2018]). 
  • Hans-Joachim Ulbrich: Tod und Totenkult bei den Ureinwohnern von Tenerife (Kanarische Inseln). In: Almogaren. Nr. 32–33, 2002, S. 107–120 (almogaren.org [abgerufen am 12. Dezember 2016]). 

Einzelnachweise

  1. ↑ Alejandro Cioranescu: Thomas Nichols, mercader de azúcar, hispanista y hereje. Con la edición y traducción de su „Descripción de las Islas Afortunadas“. Instituto de Estudios Canarios, La Laguna 1963, S. 117 (spanisch, iecanvieravirtual.org [abgerufen am 1. März 2019]). 
  2. ↑ Hans-Joachim Ulbrich: Tod und Totenkult bei den Ureinwohnern von Tenerife (Kanarische Inseln). In: Almogaren. Nr. 32–33, 2002, S. 109 (almogaren.org [abgerufen am 12. Dezember 2016]). 
  3. ↑ Museo Arqueológico y Etnográfieo de Tenerife (Hrsg.): I Congreso Internacional de Estudios sobre Momias. Cabildo de Tenerife, Santa Cruz de Tenerife 1992 (spanisch, museosdetenerife.org [abgerufen am 13. Februar 2019]). 
  4. ↑ Frau aus der Guanchen Kultur. (PDF) Presseinformationen zur Sonderausstellung „Mumien der Welt“. In: rpmuseum.de. 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juni 2018; abgerufen am 28. Juni 2018. 
  5. ↑ Conrado Rodríguez-Maffiote: Estamos en uno de los mejores momentos en cuanto a la investigación sobre la cultura guanche. Corporación Radio Televisión Española, 2020, abgerufen am 8. Juni 2020 (spanisch). 
  6. ↑ Hans-Joachim Ulbrich: Tod und Totenkult bei den Ureinwohnern von Tenerife (Kanarische Inseln). In: Almogaren. Nr. 32–33, 2002, S. 114 (almogaren.org [abgerufen am 12. Dezember 2016]). 



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Daschi-Dorscho Itigelow

Noir24admin Mumie 22. Juni 2026
Hambo Lama Daschi-Dorscho Itigelow

Daschi-Dorscho Itigelow (russisch Даши-Доржо Итигэлов, Daši-Doržo Itigelow, * 1852; † 1927) war zwischen 1911 und 1917 Pandito Hambo Lama, also geistliches Oberhaupt der Buddhisten Burjatiens. Bekanntheit erlangte er, nachdem sein Leichnam im Jahre 2002, also 75 Jahre nach seinem Tod, exhumiert worden war und praktisch keine Verwesungserscheinungen aufgewiesen hatte. Seitdem ist der unversehrte Körper Itigelows ein nationales Symbol Burjatiens geworden.

Biografie

Es gibt wenige gesicherte Daten über das Leben von Daschi-Dorscho Itigelow. Viele Details seines Lebens sind hagiographisch überzeichnet worden. Er wurde wahrscheinlich 1852 geboren[1] und wuchs zunächst entweder als Waise[2] oder von seinen Eltern verlassen bei Verwandten auf, für die er schon in früher Kindheit arbeiten musste. Etwa ab Mitte der 1860er Jahre erhielt er an Aninski-Dazan eine religiöse Ausbildung, die über 20 Jahre andauerte. Später studierte er im Aninski-Dazan Medizin. 1898 wurde er Mitglied des Yangazhinski-Dazans, wo er Buddhistische Philosophie lehrte und als Shirit Lama eine wichtige Stellung als Verantwortlicher für die korrekte Ausführung religiöser Rituale ausführte.[1]

1910[3] oder 1911 wurde Itigelow zum 12. Pandito Hambo Lama (Oberhaupt der burjatischen Buddhisten) ernannt. Zwischen 1913 und 1917 engagierte sich Itigelow stark für den Buddhismus in Russland. 1917 trat er vom Amt des Pandito Hambo Lama zurück. Die Hintergründe für diese Entscheidung sind unklar.[4] Während des Ersten Weltkriegs unterstützte Itigelow die Burjatischen Brüder, eine Organisation, die die russische Armee mit Medikamenten, Kleidung und Geld versorgte, verletzte Soldaten und die Familien gestorberner Soldaten unterstütze. Des Weiteren half Itigelow bei der Eröffnung mehrerer Krankenhäuser, um verwundete Soldaten versorgen zu können. In einer Privataudienz wurde ihm von Zar Nikolaus II. der Orden des heiligen Stanislaus dritter Klasse verliehen. Für seine Bemühungen um die Kriegsunterstützung wurde ihm der Orden von St. Anna zweiter Klasse verliehen.[3]

Nach seinem Rücktritt vom Amt des Pandito Hambo Lama kehrte er in den Yangazhinski-Dazan zurück, wo er in den zehn Jahren bis zu seinem Tod mehrere Arbeiten zu buddhistischer Philosophie und einen grundlegenden Text, Zhor, zu tibetischer Pharmakologie schrieb.[4]

Nach hagiographischen Angaben bat Itigelow am 15. Juni 1927 die Mönche des Yangazhinski-Dazans das Gebet Hug Namshi zu sprechen. Die Mönche kamen diesem Wunsch zunächst nicht nach, da Itigelow noch lebte und das Gebet für Tote gesprochen wurde. Als er selbst begann, das Gebet zu rezitieren, stiegen die Anwesenden in das Gebet mit ein. Am Ende des Rituals setzten sie Itigelow im Lotossitz in einen Sarkophag, in dem er beerdigt wurde.[4] Seinen Anhängern zufolge starb er im Lotossitz.[5]

Nachleben

Bestattung und Exhumierungen 1955 und 1973

Itigelow verfügte in seinem Testament, dass er im Lotossitz bestattet werden solle. Die buddhistischen Mönche seiner Wirkungsstätte folgten dem Testament und bestatteten Itigelow sitzend in einer Kiste aus Zedernholz. Itigelow verfügte außerdem, dass sein Körper im Abstand von mehreren Jahren exhumiert werden soll.

Bei der Bestattung wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, um eine Konservierung des Leichnams zu befördern. So ist Zedernholz bekannt dafür, Ungeziefer abzuhalten. Auch bedeckte man den Körper Itigelows mit Salz und zog einen Entwässerungsgraben um das Hügelgrab.[6]

Itigelow wurde erstmals 1955 und ein weiteres Mal 1973 exhumiert. Dabei wurde festgestellt, dass es keine Zeichen von Verwesung gab. Auch bei der zweiten Exhumierung fanden sich keinerlei Anzeichen des Verfalls. Aus Angst vor den antireligiösen Behörden in der Sowjetunion hielt man die Ergebnisse der Exhumierungen bis 2002 geheim.[7]

Dritte Exhumierung 2002

2008 fertiggestellter „Palast des Itigelow“, in dem der Körper des 2002 exhumierten Daschi-Dorscho Itigelow sich heute befindet. Der Palast wurde auf Grundlage einer Fotografie eines in den 1930er Jahren zerstörten Tempels gebaut, den Itigelow selbst gebaut haben soll.[8]

Am 10. September 2002 wurde Itigelows Leichnam erneut exhumiert. Mit dabei waren eine Gruppe von Lamas und einige Laien, darunter eine medizinisch geschulte Person.[9] Der Zeitpunkt, 75 Jahre nach seinem Tod, die gleiche Zahl an Jahren, die er auch gelebt hatte, soll in seinem Testament festgehalten worden sein. Diese dritte Exhumierung wurde im Gegensatz zu den ersten beiden Exhumierungen öffentlich gemacht und in Medien ausführlich darüber berichtet.[10] Der Körper wurde noch am gleichen Tag zum Iwolginski Dazan, der heutigen Wirkungsstätte des Hambo Lama, überführt.[9] Dort wurde er von den ansässigen Mönchen sowie rechtsmedizinisch untersucht. Nach der Untersuchung gab man folgende Erklärung über den Zustand des Körpers ab: Er sei „in dem Zustand eines Menschen, der vor 36 Stunden verstorben ist.“ Die Gelenke und die Haut seien elastisch, alle Muskeln und Organe seien vorhanden und es gebe keine Anzeichen von Verwesung, sagte die Leiterin des Lama-Erforschungsprojektes, Galina Jerschowa.[11] Außerdem sei das Blut in den Adern nicht getrocknet.[12]

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos erklärt den Zustand Itigelows mit dem Phänomen der natürlichen Mumifikation. Da das den Leichnam umgebende Salz dem Körper nicht alle Flüssigkeit entzogen hat, ist von einer Kombination verschiedener Konservierungsmethoden auszugehen.[6]

Um das Rätsel des guten Zustands von Itigelows Leichnam vollständig aufzuklären, wären eingehendere Untersuchungen notwendig, denen sich die buddhistischen Mönche jedoch verweigern. Für sie gilt Itigelow als lebende Person und wird verehrt. Zu bestimmten buddhistischen Feiertagen wird der Leichnam der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Pilger und gläubige Buddhisten können den Leichnam dann sogar berühren.

Itigelow als nationales Symbol

Das „Itigelow-Phänomen“, wie die Tatsache, dass der Körper des Verstorbenen Mönchs nicht verwest ist, von Gläubigen genannt wird, ist zu einem nationalen Symbol für die Republik Burjatien geworden.[13]

Der langjährige Khambo Lama Damba Ajuschejew sagte, Igitelow habe seinen Körper in einem unverweslichen Zustand verlassen, um in einer post-atheistischen Gesellschaft religiösen Glauben zu inspirieren. Ein Film des Traditionellen Buddhistischen Sangha Russlands, dem Ajuschejew vorsteht, behauptet, die moderne Wissenschaft sei nicht in der Lage, seinen Zustand zu erklären. Gerüchte über heilende Fähigkeiten des Körpers halten sich fest unter gläubigen Buddhisten in Burjatien. Auch Buddhisten aus den buddhistisch geprägten Regionen Kalmückien und Tuwa sowie aus Moskau pilgern zum Iwolginski Dazan, um den Körper des Verstorbenen zu besuchen.[14]

Das Phänomen Itigelow hat geholfen, Burjatien über seine Grenzen hinaus bekannt zu machen. Das Traditionelle Buddhistische Sangha Russlands hat strenge Regeln darüber aufgestellt, an welchen Tagen Pilger den Körper besuchen können und wie der Körper angebetet werden darf.[15] 2015 wurde berichtet, dass der Körper sieben Mal im Jahr, an religiösen Feiertagen, besucht werden kann.[14] Die beiden russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und Wladimir Putin statteten dem Körper einen Besuch ab.[15]

Literatur

  • Darima Amogolonova: Religious and Secular Practices in Modern Buryatia: The example of Khambo Lama Itigelov. In: Wassilios Klein, Karénina Kollmar-Paulenz (Hrsg.): Religion and Ethnicity in Mongolian Soceities. Historical and Contemporary Perspectives (= [Hrsg.:] Karénina Kollmar-Paulenz, Seline Reinhardt, Tatiana D. Skrynnikova: Studies in Oriental Religions, Vol 69) Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-447-10180-6.
  • Justine Buck Quijada: Soviet science and post-Soviet faith: Eitgelov's imperishable body. In: American Ethgnologist, Band 39, Nr. 1, 2012, S. 138–154.

Weblinks

Commons: Daschi-Dorscho Itigelow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Darima Amogolonova: Religious and Secular Practices in Modern Buryatia: The example of Khambo Lama Itigelov. In: Wassilios Klein, Karénina Kollmar-Paulenz (Hrsg.): Religion and Ethnicity in Mongolian Societies. Harrassowitz, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-447-10180-6, S. 97 f. 
  2. ↑ Darima Amogolonova: A Symbolic Person of Buddhist Revival in Buryatia: ‘Our Hambo’ Damba Ayusheev. In: Inner Asia. Band 17, Nr. 2, 2015, ISSN 1464-8172, S. 237, JSTOR:24572082. 
  3. ↑ a b Darima Amogolonova: Religious and Secular Practices in Modern Buryatia: The example of Khambo Lama Itigelov. In: Karénina Kollmar-Paulenz, Seline Reinhardt, Tatiana D. Skrynnikova (Hrsg.): Religion and Ethnicity in Mongolian Societies. Historical and Contemporary Perspectives. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-447-10180-6, S. 98. 
  4. ↑ a b c Darima Amogolonova: A Symbolic Person of Buddhist Revival in Buryatia: ‘Our Hambo’ Damba Ayusheev. In: Inner Asia. Band 17, Nr. 2, 2015, ISSN 1464-8172, S. 238, JSTOR:24572082. 
  5. ↑ Unerklärliches Rätsel der lebenden Mumien-Mönche. Welt Online, 7. Februar 2015.
  6. ↑ a b Torsten Harmsen: Mönch-Mumie aus Sibirien: Das Rätsel des lebenden Leichnams. In: Berliner Zeitung. 18. Juni 2014 (berliner-zeitung.de). 
  7. ↑ Darima Amogolonova: A Symbolic Person of Buddhist Revival in Buryatia: ‘Our Hambo’ Damba Ayusheev. In: Inner Asia. Band 17, Nr. 2, 2015, ISSN 1464-8172, S. 237, JSTOR:24572082. 
  8. ↑ Anya Bernstein: Religious Bodies Politic (= Donald S. Lopez Jr. [Hrsg.]: Buddhism and Modernity). The University of Chicago Press, Chicago / London 213, ISBN 0-226-07272-X, S. 111 f. 
  9. ↑ a b Darima Amogolonova: Religious and Secular Practices in Modern Buryatia.: The example of Khambo Lama Itigelov. In: Karénine Kollmar-Paulenz, Seline Reinhardt, Tatiana D. Skrynnikova (Hrsg.): Religion and Ethnicity in Mongolian Societies. Historical and Contemporary Perspectives. Harrassowitz, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-447-10180-6, S. 101. 
  10. ↑ Darima Amogolonova: A Symbolic Person of Buddhist Revival in Buryatia: ‘Our Hambo’ Damba Ayusheev. In: Inner Asia. Band 17, Nr. 2, 2015, ISSN 1464-8172, S. 237, JSTOR:24572082. 
  11. ↑ Toter Lama verblüfft die Wissenschaft. derstandard.at, 11. Juli 2007.
  12. ↑ Das Wunder von Iwolginsk. welt.de, 4. Dezember 2004, abgerufen am 27. Februar 2016. 
  13. ↑ Justine Buck Quijada: Soviet science and post-Soviet faith: Etigelov's imperishable body. In: American Ethnologist. Band 39, Nr. 1, 2012, ISSN 0094-0496, S. 139, JSTOR:41410481. 
  14. ↑ a b Justine Buck Quijada: Soviet science and post-Soviet faith: Etigelov's imperishable body. In: American Ethnologist. Band 39, Nr. 1, 2012, ISSN 0094-0496, S. 138, JSTOR:41410481. 
  15. ↑ a b Darima Amogolonova: A Symbolic Person of Buddhist Revival in Buryatia: ‘Our Hambo’ Damba Ayusheev. In: Inner Asia. Band 17, Nr. 2, 2015, ISSN 1464-8172, S. 239, JSTOR:24572082. 
Normdaten (Person): LCCN: no2016083488 | VIAF: 41146937708013831086 | Wikipedia-Personensuche | Kein GND-Personendatensatz. Letzte Überprüfung: 25. Juni 2025.
Personendaten
NAME Itigelow, Daschi-Dorscho
ALTERNATIVNAMEN Итигэлов, Даши-Доржо (russisch); Itigėlov, Daši-Doržo (Transkription)
KURZBESCHREIBUNG burjatischer buddhistischer Religionsführer
GEBURTSDATUM 1852
STERBEDATUM 1927



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Jarkow-Mammut

Noir24admin Mumie 22. Juni 2026

Das Jarkow-Mammut ist ein Wollhaarmammut,[1] dessen Überreste 1997 auf der Taimyrhalbinsel in Sibirien entdeckt wurden. Das Mammut lebte vor etwa 20.000 Jahren. Es war männlich und starb nach Altersschätzungen anhand des Gebisses mit 47 ± 2 Jahren.[2]

Entdeckung

Im Sommer 1997 entdeckten die Brüder Simeon und Gennadi Jarkow, Dolganen aus dem 800 km nördlich des Polarkreises gelegenen Dorf Chatanga, etwa 240 km weiter nördlich bei Noworybnoje, zwölf Kilometer südlich des Flusses Bolschaja Balachnja[1] die gebogene, etwa 30 cm aus dem Boden der Tundra ragende Spitze eines Mammutstoßzahns. Gennadij Jarkow berichtete der Verwaltung des „Großen Arktischen Schutzgebiets“ von dem Fund.[3] Die Jarkows gruben den einen Stoßzahn aus und entdeckten auch den Zweiten. Beide Stoßzähne befanden sich noch in ihrer anatomisch korrekten Position. Als die Jarkows versuchten, den Fund weiter freizulegen, beschädigten sie den Schädel, Unterkiefer und Oberkiefer blieben weitgehend erhalten. Die Schutzgebietsverwaltung untersuchte den Fund zunächst nicht, so dass die Jarkows den bekannten französischen Unternehmer und Mammut-Forscher Bernard Buigues (* 1954) kontaktierten.[4]

Forschung

Im Mai 1998 grub eine Gruppe von Teilnehmern der von Bernard Buigues geleiteten Cerpolex/Mammuthus-Expedition (CERcles POLaires EXpedition) die Überreste des Schädels aus. Am Schädel befanden sich ein kleines Stück Fleisch, Haut und eine größere Menge Deckhaare und Unterhaare.

Im September und Oktober 1999 wurde ein 3 Meter × 3 Meter × 2,5 Meter großer, 23 Tonnen schwerer Block[2] gefrorenen Sediments, in dem sich die Überreste des Mammuts befanden, ausgegraben, am 17. Oktober 1999 mit einem Hubschrauber Mil Mi-26 herausgehoben und am 18. Oktober 1999 unter der Aufsicht von Bernard Buigues zu einer Eishöhle in Chatanga transportiert,[5] die in den 1950er Jahren als Zwischenlager für Fisch und Fleisch angelegt worden war. Dort wurde er bei einer konstanten Temperatur von −15 °C erhalten. In der Eishöhle studierten mehr als sechsunddreißig Wissenschaftler aus der ganzen Welt, einschließlich Russlands Mammut-Experten Alexei Tichonow, den Fund. Die Ausgrabung und die laufenden Studien am Jarkow-Mammut wurden durch den Discovery Channel aufgezeichnet.[5]

Knochenmark- und Pflanzenproben wurden an verschiedene Labore zur Analyse des Mammuts verschickt. Eine Altersdatierung der Universität Utrecht mit der C-14-Methode ergab ein Alter von 20.380 Jahren.[2]

Wissenschaftler haben festgestellt, dass es zwei Perioden gab, in denen die Mammuts die Region am Polarkreis verließen, entweder auf der Suche nach Nahrung oder um Überschwemmungen zu entgehen: 34.000 bis 30.000 v. Chr. und 17.000 bis 12.000 v. Chr. Das Jarkow-Mammut lebte zwischen diesen beiden Zeiträumen, um 18.380 v. Chr.[5][3]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Dick Mol et al. : The Jarkov Mammoth: 20,000-Year-Old carcass of a Siberian woolly mammoth Mammuthus primigenius (Blumenbach, 1799). (Memento vom 22. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; 357 kB) The World of Elephants, Proceedings of the 1st International Congress (October 16. -20. Oktober 2001, Rom 2001, S. 305–309).
  2. ↑ a b c Steckbrief Jarkov-Mammut Spiegel online
  3. ↑ a b Bringing The Mammoth Back To Life. SIGHTINGS, abgerufen am 11. Januar 2010. 
  4. ↑ A Mammoth Excavation. WebCurrents, 2002, archiviert vom Original am 2. Januar 2010; abgerufen im 1. Januar 1. 
  5. ↑ a b c Linda DeLaine: Jarkov Mammoth. RussianLife.com, 15. März 2007, archiviert vom Original am 15. Juli 2011; abgerufen im 1. Januar 1. 

73.533333333333105.81666666667Koordinaten: 73° 32′ 0″ N, 105° 49′ 0″ O




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Juanita (Mumie)

Noir24admin Mumie 22. Juni 2026

Juanita taufte man die Mumie eines Inkamädchens, die im September 1995 von den Teilnehmern einer Expedition unter Leitung des amerikanischen Archäologen Johan Reinhard in der Nähe des Ampato-Gipfels (Peru) in einer Höhe von über 5000 m gefunden wurde. Neben dem ihr verliehenen Namen wird sie auch die Jungfrau aus dem Eis (span.: La Niña del Hielo) genannt. Juanita war ein Menschenopfer der Inkas an den Berg Ampato, der in dem Glauben der Inkas über die Wasserversorgung und die Ernte herrschte.

Forschungs- und Entdeckungsgeschichte

Fundumstände

Die Entdeckung Juanitas im Jahr 1995 war einer der wichtigsten archäologischen Funde der letzten Jahrzehnte auf dem amerikanischen Kontinent. Zu dieser Zeit war sie die erste weibliche Mumie aus der präkolumbischen Zeit, die zudem noch fast vollständig eingefroren und kaum ausgetrocknet war. Entdeckt wurde Juanita von den Expeditionsteilnehmern unter der Leitung von Johan Reinhard. Bei ihrer Expedition am Ampato entdeckten Reinhard und sein Begleiter Miguel Zárate im Inneren des Gipfelkraters ein Bündel, das von einem Eis-Grat freigegeben wurde, der erst kurz zuvor durch die ausgestoßene Asche des benachbarten Vulkans Sabancaya aufgeschmolzen worden war. Es war zunächst nur der Inka-Haarschmuck, den die beiden an diesem Bündel erkennen konnten, zu bemüht waren sie, die Mumie so schnell wie möglich wieder in die konservierende Umgebung des Eises zu bringen. So wurde das rund 40 kg schwere Bündel innerhalb von zwei Tagen in die katholische Universität Santa María (einem Unterstützer dieser Expedition) in Arequipa gebracht. Trotz aller Anstrengungen sind noch heute die Spuren zu erkennen, die durch die Sonneneinstrahlung vor der Entdeckung entstanden: Eine Gesichtshälfte von Juanita hat eine deutlich dunklere Farbe als die andere.

Körperlicher Befund

Das Mädchen war zu seinem Todeszeitpunkt rund 14 Jahre alt und 1,40 m groß und wog 35 Kilogramm.[1] Es war schlank und gesund, sein Gebiss war vollständig und die Knochen von normaler Dichte.

Todesumstände

Juanita starb zwischen 1440 und 1450 durch einen heftigen Schlag auf ihren rechten Hinterkopf im Bereich des Occipitallappen.[1][2] Es wird vermutet, dass sie vor ihrem gewaltsamen Opfertod auch Drogen verabreicht bekam. Aus den Untersuchungen des erhaltenen Mageninhalts ergab sich, dass sie den Tag vor ihrem Tod gefastet hatte.

Noch heute herrscht große Anerkennung für die damaligen Bergbesteigungen der Inkas, die mit ihrer dünnen Ausrüstung und ohne technische Hilfsmittel Höhen von mehr als 6000 Metern erreichten. So muss auch Juanita, an deren Füßen man Sandalen fand, von Anfang an gewusst haben, dass sie zu ihrer Opferung an den Ampato auf diesen Berg stieg. Diese Opferung galt zur Zeit der Inkas als eine der höchsten Ehren, die einem Individuum zukommen konnte. Sie wurde durch die begleitenden Priester durchgeführt.

Untersuchungen

Kurz nach ihrem Fund wurde Juanita an das Johns Hopkins Hospital in Baltimore, Maryland, gebracht, wo sie einer Computertomographie sowie Röntgenuntersuchungen unterzogen wurde; hier wurden unter anderem die Fraktur des Schädels und der Mageninhalt festgestellt bzw. untersucht. Am Institut für Genforschung in Maryland (Institute for Genomic Research (TIGR)) wurden ihr DNA-Proben entnommen. Durch die Studie an ihrer DNA konnte gezeigt werden, dass die Menschen, die Amerika über die Beringstraße erreichten, aus Taiwan und Korea kamen.

2023 wurde ihr Gesicht von peruanischen und polnischen Forschern digital rekonstruiert.[1]

Ausstellungsgeschichte

Nach den wissenschaftlichen Untersuchungen wurde die Mumie als Ausstellungsstück auf eine Tour durch die Vereinigten Staaten (1996) und Japan (1999) geschickt. National Geographic widmete der Expedition, die zu ihrer Entdeckung führte, im Juni 1996 einen ausführlichen Bericht.

Vereinigte Staaten 1996

Während ihres Aufenthalts in den Vereinigten Staaten kam es auch zu einem Treffen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten dieser Zeit, Bill Clinton. Der Präsident soll bei dem Anblick der Mumie (von einigen Quellen bei einem Dinner in Stamford, Connecticut von anderen im Museum von National Geographic) gesagt haben If I were a single man, I might ask that mummy out. That's a good-looking mummy! (Wenn ich Single wäre, ich würde diese Mumie zum Essen einladen. Das ist eine wirklich hübsche Mumie!). Peruanische Wissenschaftler sollen diese Aussage als geschmacklos kommentiert haben.

Japan 1999

Die Reise durch Japan dauerte 15 Monate. Während dieser Zeit hat Juanita dreizehnmal den Ort gewechselt – Umstände, die den Zustand der Mumie hätten bedrohen können.

Gegenwärtige Situation

Nach ihren beiden Auslandsreisen wurde Juanita wieder in das Museo Santuarios Andinos in Arequipa gebracht, wo sie in einer speziell angefertigten Tiefkühlvitrine bei −19 °C aufbewahrt wird und von den Besuchern des Museums besichtigt werden kann. Über ihren Verbleib gab es aber weiterhin Streitigkeiten: Der Bürgermeister von Cabanaconde, dem Ort, der ihrem Fundort am Ampato am nächsten gelegen war, forderte den Leichnam zur Ausstellung in seiner Stadt ein. Es ging hierbei vor allem um die Erlöse aus dem Eintrittsgeldern, an denen seine Ortschaft nicht beteiligt wurde. Cabanconde eignet sich jedoch nicht zur langfristigen Ausstellung der Mumie, da hier weder die technischen Voraussetzungen für eine langfristige Aufbewahrung noch für notwendige Überprüfungen und Tests vorhanden sind.

Weitere Opferfunde

Neben Juanita werden noch andere Mumien von Menschenopfern der Inkazeit im Museo Santuarios Andinos ausgestellt. Es handelt sich hierbei auch um Kinder, die Urpicha (Quechua für Kleine Taube), die auf dem Vulkan Picchu Picchu gefunden wurde, Sarita (benannt nach ihrem Fundort, dem Sarasara-Vulkan) genannt wurden sowie fünf weitere Mumien, die am Vulkan El Misti nahe Arequipa gefunden wurden.

Weblinks

  • Universidad Católica de Santa Maria: Museo Santuarios Andinos
  • mummy-juanita-sacrifice-inca-ice-maiden

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c In den Anden den Göttern geopfert: So könnte Inka-Mumie »Juanita« ausgesehen haben, spiegel.de vom 25. Oktober 2023
  2. ↑ Universidad Católica de Santa María, UCSM presenta la reconstrucción del rostro de la Dama del Ampato en 3D, von Oktober 2023
Normdaten (Person): LCCN: sh2006002453 | Wikipedia-Personensuche | Kein GND-Personendatensatz. Letzte Überprüfung: 6. November 2019.
Personendaten
NAME Juanita
ALTERNATIVNAMEN Jungfrau aus dem Eis; La Niña del Hielo (spanisch)
KURZBESCHREIBUNG Menschenopfer der Inkas an den Berg Ampato
GEBURTSDATUM zwischen 1420 und 1435
STERBEDATUM zwischen 1440 und 1450
STERBEORT Ampato-Gipfel, Peru



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  1. Edmontosaurus-Mumie im Senckenberg Naturmuseum
  2. Goldener Junge (Mumie)
  3. Hồ Chí Minh
  4. Mumien von Illmersdorf

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