„Die Verteidigung des Sampo“ (Akseli Gallen-Kallela, 1896)
Louhi ist in der finnischen Mythologie die bösartige Herrscherin oder Hexe des Nordlandes Pohjola. Wie fast alle Figuren des Kalevala hat auch sie magische Fähigkeiten.
Louhi verspricht Männern ihre wunderschöne Tochter, um ihnen fast unlösbare Aufgaben zu stellen. So muss auch Ilmarinen mehrere Aufgaben lösen – unter anderem muss er die Zaubermühle „Sampo“ für Louhi schmieden –, bevor er die Tochter heiraten darf.
Später rauben Väinämöinen, Ilmarinen und Lemminkäinen den Sampo von Louhi, weil dieser das Nordland zu reich und mächtig macht. Auf der Heimfahrt werden sie von Louhi angegriffen, die in Gestalt eines Riesenadlers den Sampo zurückerobern will. Bei diesem Kampf wird der Sampo zerstört.
Im 45. Gesang von Elias Lönnrots Kalevala sind Louhi und das auf ihr Anrufen hin vom Wind geschwängerte „widerlichste Weib“ Loviatar, die durch die Geburt ihrer Söhne Unheil über das Volk Kalevals bringen soll, zwei verschiedene Personen, doch scheint es sich in der Überlieferung lediglich um zwei Namen für dieselbe Figur zu handeln. Loviatars neun Söhne sind die Urheber von neun Krankheiten – von der Verstopfung über Gicht und Schwindsucht bis zum Krebs.
Deutung
Hans Fromm hält die Figur der Louhi für eine mittelalterliche Entlehnung aus dem Russischen und eine Variante der biblischen Herodias. Matti Haavio führt die Gestalt der Louhi / Loviatar auf einen wesentlich älteren vorchristlichen, weit verbreiteten Mythos vom Ursprung der Krankheiten zurück. Loviatar wird auch mit der nächtlichen Dämonin Lilith (abgeleitet von babylonisch: lilitu – Windgeist) des Alten Testaments gleichgesetzt (Jes. 34,14). Etymologisch könnte eine Verwandtschaft zum deutschen Wort flug bestehen.[1]
Sonstiges
Der Sampo-Diebstahl wird in dem sowjetisch-finnischen Film Das gestohlene Glück (Originaltitel Sampo) des Regisseurs Alexander Ptuschko von 1958 dargestellt. Louhi wurde von der damals 61-jährigen Anna Orotschko gespielt.
Louchi (von der russischen Schreibweise Лоухи; karelischLouhi) ist der Name einer städtischen Siedlung im Norden der Republik Karelien in Russland. Louhi heißt auch ein Dorf im Osten Finnlands, das seit 2013 zu Savonlinna gehört und zuvor Teil der Gemeinde Kerimäki war.
Louhi ist ein finnischer Nachname. Nach der Figur wurden zudem mehrere Schiffe benannt, darunter ein finnischer Minenleger (1916–1945).[2] Auch ein 1942 entdeckter Asteroid trägt den Namen (3897) Louhi.
Literatur
Kalevala. Das finnische Epos des Elias Lönnrot. Kommentar von Hans Fromm. Reclam, Stuttgart 1967.
Martti Haavio: Suomalainen mytologia. Porvoo, Helsinki 1967.
Einzelnachweise
↑Kalevala, Kommentar zum 45. Gesang von Hans Fromm
Birgit Ursula Jankovic-Steiner (* 15. September 1983 in Leoben) ist eine österreichische Autorin und psychologische Beraterin.
Leben
Birgit Jankovic-Steiner wuchs in der Steiermark auf. Sie absolvierte den Master of Science „Psychosoziale Beratung“ an der Donau-Universität Krems. Zunächst war sie im Bereich der Unternehmensberatung tätig als Coach, mit dem Schwerpunkt Wirtschaftstraining. Heute arbeitet Jankovic-Steiner selbständig als psychologische und spirituelle Beraterin in Wien. Sie leitete von 2013 bis 2023, die von ihr gegründete „Hexenschule Wien“, in der sie Interessierte zu „magischen Berater*innen“ ausbildete.[1][2]
Jankovic-Steiner versteht sich als „moderne Hexe“. In ihre Arbeit integriert sie verschiedene Elemente aus der Esoterik.[3] Ihr Ziel ist es, Menschen zur Selbsthilfe anzuleiten. Diese Ausrichtung ihrer Arbeit, hat sich aus eigener Erfahrung mit Burn-out und Depression ergeben.[4] Ihre Kenntnisse über das Hexentum und die Kräuterlehre, hat sie nach eigenen Angaben, bereits seit ihrer Kindheit beigebracht bekommen. Demnach war auch ihre Großmutter eine Kräuterhexe.[5]
Birgit Jankovic-Steiner hat den „Feeling Code“ entwickelt und im gleichnamigen Buch veröffentlicht: eine Therapie-Technik, mit der man zur Bewältigung von Krisen, Blockaden und negativen Verhaltensmustern den Verstand ausschaltet, um der eigenen Intuition folgen zu können. Ihr jüngstes Buch ist Die Hexenschule mit Inhalten aus ihren Kursen.[6]
Zum 24. Dezember 2023 wurde das Unternehmen von Jankovic-Steiner aufgelöst und die dazugehörigen Social-Media-Kanäle entfernt.
Jenny Greenteeth (dt.: Jenny Grünzahn) ist eine Figur aus der englischen Folklore. Sie ist eine Art Flusshexe, ähnlich der Figur der Peg Powler; ihr wird nachgesagt, dass sie Kinder und ältere Menschen ins Wasser zieht und ertränkt. Sie wird oft mit grüner Haut, langem Haar und spitzen Zähnen beschrieben. In Lancashire wird sie Jinny Greenteeth, in Cheshire und Shropshire Ginny Greenteeth, Wicked Jenny oder Peg o’ Nell genannt.
Sie wurde möglicherweise als Kinderschreckfigur erdacht, um diese von gefährlichen Gewässern fernzuhalten, ähnlich wie die Rusálka in slawischen Ländern, das Kappa in der japanischen Mythologie oder der australischen Bunyip. Andere Folkloristen sehen sie als eine Erinnerung an religiöse Opferriten.[1]
Trivia
Jenny Greenteeth taucht in der Hellboy-Kurzgeschichte The Corpse auf.
Sie hat ebenfalls Auftritte in Terry Pratchetts Kleine freie Männer, in Christopher GoldensThe Myth Hunters, in Jim Butchers Side Jobs und in Kalayna Prices Grave Visions und Grave War.
In der Reihe Monster in My Pocket ist sie Figur #108.
Sie wird erwähnt in Nancy Farmers The Land of the Silver Apples (Elfenfluch) und in Ink Exchange (Gegen die Finsternis) von Melissa Marr.
Literatur
Jenny Greenteeth. In: Katharine Mary Briggs: An Encyclopedia of Fairies, Hobgoblins, Brownies, Boogies, and Other Supernatural Creatures. ISBN 0-394-73467-X, Seite 242.
Einzelnachweise
↑Carole B. Silver, Strange and Secret Peoples: Fairies and Victorian Consciousness, p 155-6 ISBN 0-19-512199-6
Kajiga Baba und die Senbiki-ōkami. Aus dem Ehon Hyaku Monogatari (絵本百物語; „Bilderbuch der hundert Erzählungen“) von Tōka Sanjin (um 1841)
Kajiga Baba (japanisch鍛冶屋婆; „Mutter des Schmieds“, auch „Altes Weib des Schmieds“), auch Kajiga kāga gelesen, ist ein fiktives Wesen des japanischen Volksglaubens. Sie gehört zur Gruppe der Yōkai (妖怪; „Dämonen“) und Hexen und hat einen heimtückischen Charakter. In ländlichen Gegenden soll sie noch heute als Kinderschreck gefürchtet sein.[1]
Beschreibung
Kajiga Baba wird als kannibalistisch geneigte Hexe mit enormen schwarzmagischen Kräften beschrieben. Sie kann vorgeblich Irrlichter beschwören und ihre Gestalt ändern. Viele Sagen und Legenden aus unterschiedlichsten Provinzen berichten, dass die Hexe gern die Ehefrauen oder Mütter von Dorfschmieden und/oder Dorfältesten ermorde und dann deren Gestalt und Verhaltensmuster annehme, um möglichst lange unentdeckt im Heim der Witwer wohnen und von dort aus agieren zu können. Kajiga Baba kann vorgeblich Wölfe verhexen, um sich mit ihnen zu verbünden. Diese stehen dann als Senbiki-ōkami (千疋狼; „Tausendwolf“) in ihren Diensten. In ihrer dämonischen Gestalt soll die Hexe als riesiger, weißer Wolf mit eiserner Schüssel auf dem Kopf erscheinen. Sie soll die Wölfe auf der Suche nach Opfern aussenden. Wenn das Opfer beispielsweise auf einen hohen Baum oder auf das Dach eines Hauses flüchtet, bilden die Tiere eine Art Räuberleiter, bei der ein Wolf sich auf die Schultern des anderen stellt. Wenn das nicht ausreicht, rufen die Senbiki-ōkami Kajiga Baba herbei. Die Hexe klettert mit Hilfe der „Wolfsleiter“ geschwind hinauf in den Baum und zerrt das Opfer zu Boden. Dann verschleppen sie und die Wölfe das Opfer ins gemeinsame Versteck, um es zu fressen.[2][3]
Legende
Eine Legende um Kajiga Baba aus dem Dorf Sakihama in der Präfektur Kōchi erzählt von einer jungen Frau, die nachts auf ihrem Heimweg von Senbiki-ōkami verfolgt wird und auf einen bewaffneten Hikyaku trifft. Dieser erkennt die Gefahr sogleich und so flüchten beide auf einen hohen Baum. Von dort aus kann der Mann die Senbiki-ōkami mit seinem langen Schwert abwehren. Frustriert rufen die Wölfe: „Kajiga Baba, komm und hilf uns!“ Da erscheint ein riesiger, weißer Wolf mit eiserner Schüssel auf dem Kopf und bildet zusammen mit den Senbiki-ōkami eine Räuberleiter, um das Paar vom Baum zu zerren. Da gelingt es dem Hikyaku, die Eisenschüssel zu zerschlagen. Der weiße Wolf schreit und sein Schrei klingt wie jener einer alten Frau. Das Rudel flüchtet. Am nächsten Morgen erreichen die Frau und der Hikyaku das Dorf Sakihama (nach einer leicht abweichenden Version lässt der Hikyaku die Dame zurück in ihr Heimatdorf Nahari bringen). Der Mann lässt die Dame in der Obhut der Dorfgarde zurück. Er selbst will der Blutspur folgen, die der weiße Wolf hinterlassen hatte. Sie führt in das Haus des Dorfschmiedes. Als der Schmied erzählt, dass seine ältliche Mutter mit einer Kopfwunde im Bett liege, sie aber sich weigere zu erzählen, woher sie die Wunde hat, kommt dem Hikyaku ein böser Verdacht. Er betritt das Zimmer der Mutter und sofort kommt es zum Zweikampf, den der Hikyaku gewinnt. Nachdem die Hexe tot ist, entdecken der Schmied und der Hikyaku unter den Bodendielen des Schlafgemachs die Gebeine der wirklichen Mutter sowie die Knochen vergangener Opfer der Kajiga Baba.[2][3]
Hintergründe
Als Hikyaku (飛脚) bezeichnete man im feudalen Japan, speziell der Kamakura- und Edo-Zeit, bewaffnete Dienstboten des Kaiserhofes und der Provinzfürsten (später waren sie auch für Großhandelsfamilien und wichtige Behördenzentralen tätig). Da sie meist besonders wertvolle Urkunden, Geld und/oder kostbare Geschenke mit sich führten, mussten sie entsprechend oft mit Überfällen und Diebstählen rechnen, sodass sie sich passend bewaffneten.[4]
Der Yōkai Senbiki-ōkami wurde durch den real existierenden, aber mittlerweile ausgestorbenen Honshū-Wolf (Canis lupus hodophilax) inspiriert. Diese Wolfsart lebte auf den Inseln Honshū, Shikoku und Kyūshū und wurde als mythologische Figur im japanischen Shintōismus einerseits als Kami (神; „Gottheit“, „Naturgeist“) und Schutzpatron verehrt. Andererseits galt er, als Yōkai, auch als „besonders heimtückisch“ und „klug“. Nicht selten habe er Menschen (vor allem Kinder) verfolgt und sie in Rudeln angegriffen. Die Opfer seien dann meist auf hohe Bäume geflohen und hätten dort ausharren müssen, bis die Wölfe das Interesse verloren hätten oder von Jägern und/oder Dorfbewohnern vertrieben waren.[2][3][5]
Der Name der Hexe, Kajiga Baba, wird in abweichenden Schreibweisen überliefert, aber stets gleich gelesen. So liegt die Schreibung mit den Kanji 鍛冶が母 vor sowie die Schreibung 鍛冶屋婆. Sie wird in älterer Literatur auch Kajiga-no-Baba (鍛冶屋の婆) genannt.[6] Das japanische Wort Baba (母) kann sowohl „Mutter“ als auch „Altes Weib“ bedeuten, während Kāga (婆) eher mit „Großmutter“ übersetzt wird. Kannibalistisch geneigte und Kinder raubende Hexen und Dämoninnen gehören mit zu den ältesten mythologischen Figuren des japanischen Volksglaubens. Fast alle Hexen werden mit schwarzmagischen Künsten in Verbindung gebracht und gelten als böse und dem Menschen übel gesinnt. Zu den „klassischen“ Künsten gehören unter anderem Gestaltwandlung, Illusionskünste und das Verhexen von Mensch und Tier. Vorgebliche „Hexen“, „Ogerinnen“ und „Yōkai-Frauen“ waren im realen Leben meist verwitwete oder unverheiratet gebliebene, alte Frauen, die sich sehr zurückzogen und nun mehr oder weniger einsiedlerisch lebten. Nicht selten galten sie dann als Ausgestoßene und/oder Außenseiterinnen, die in den umliegenden Gemeinden gemieden oder gar gefürchtet wurden.[7]
Siehe auch
Baba Jaga: kannibalistische Hexe der slawischen Mythologie, die ihre Gestalt ändern kann und mit Wölfen im Bunde ist. Sie soll einigen beliebten Märchen zufolge in einem eisernen Mörser umherreisen.
Literatur
Fanny Hagin Mayer, Kunio Yanagida: The Yanagita Kunio Guide to the Japanese Folk Tale. Indiana University Press, Bloomington 1986, ISBN 9780253368126.
Jilly Traganou: The Tōkaidō Road: Traveling and Representation in Edo and Meiji Japan. Routledge, London 2011, ISBN 9780415310918.
Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0.
Hiraiwa Yonekichi: 狼その生態と歴史. Tsukiji Shokan, Tokio 1992, ISBN 978-4-8067-2338-7.
Tada Katsumi: 竹原春泉 絵本百物語 桃山人夜話. Kokusho Publishing Association, Tokio 1997, ISBN 978-4-336-03948-4.
Shiraishi Akiomi: 畑作の民俗. Shōwa-Verlag, Tokyo 1988, ISBN 9784639007784.
Einzelnachweise
↑Tada Katsumi: 竹原春泉 絵本百物語 桃山人夜話. Tokio 1997, S. 168–170.
↑ abcHiraiwa Yonekichi: 狼その生態と歴史. Tokio 1992, S. 189–191.
↑Jilly Traganou: The Tōkaidō Road: Traveling and Representation in Edo and Meiji Japan. London 2011, S. 22 u. 229.
↑John Knight: Waiting for Wolves in Japan: An Anthropological Study of People-wildlife Relations. Oxford University Press, Oxford (UK) 2003, ISBN 9780199255184, S. 3–5.
Katharina Lerch[1] (* 12. Oktober 1962 auf Norderney) ist eine deutsche Autorin, Wicca-Priesterin und Neoschamanin, die ihre Bücher unter dem Pseudonym Nerthus von Norderney veröffentlicht.
Sie wurde mit 28 Jahren zur Wicca-Priesterin geweiht und ist Reiki-Meisterin.[2]
1998 trat sie erstmals öffentlich als Autorin in Erscheinung und war Herausgeberin zweier „Hexenzeitschriften“.[3]
↑Über mich. ouija.de, archiviert vom Original am 28. Januar 2010; abgerufen am 18. August 2024.
↑1998 bis 25. Februar 1999 – Cassiopeia, der „Zeitschrift von und für freifliegenden Hexen“ ISSN 1437-3815 und 27. November 2000 bis 28. Mai 2002 – Oraculum – „Zeitschrift für Hexentum und Naturreligion“ ISSN 1616-5020