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Totenbeschwörerin von Endor

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Hexe von Endor;
Adam Elsheimer, 1805
Saul spricht mit Samuels Geist bei der Hexe von Endor, 1675;
Gabriel Ehinger, Städelsches Kunstinstitut
Saul und die Hexe von Endor;
Jacob Cornelisz. van Oostsanen, 1526

Die Totenbeschwörerin oder Hexe von Endor (hebräisch אֵשֶׁת בַּעֲלַת־אֹוב בְּעֵין דֹּור ’êšeṯ ba‘ălaṯ-’ōḇ bə-‘ên dōr) ist eine Figur im 1. Buch Samuel der Bibel. In der Calwer Bibelkonkordanz kommt das Wort Hexe nicht vor; die Bezeichnung Hexe für das „Weib mit Wahrsagegeist“ ist somit volkstümlich. Die Elberfelder Bibelübersetzung spricht von der „Besitzerin eines Totengeistes“.

Biblische Erzählung

Saul und die Hexe von Endor

Nach der biblischen Erzählung (1 Sam 28 EU) führte Saul, der erste König Israels, Krieg gegen die Philister und glaubte sich in aussichtsloser Lage. Da Jahwe ihm auf seine Fragen keine Antwort gab, suchte er nach einem „Weib, das einen Wahrsagegeist hat“, und fand dieses in der Totenbeschwörerin von Endor.

Saul verkleidete sich und begab sich mit zweien seiner Männer des Nachts zu dieser Frau. Sie nahm ihm das Versprechen ab, wegen der von Saul selbst zuvor verbotenen Wahrsagerei nicht verfolgt zu werden, und beschwor auf seinen Wunsch den einige Zeit zuvor verstorbenen Propheten Samuel herauf. Bei dessen Anblick wusste sie, wer ihr Auftraggeber war, und wähnte sich betrogen, fuhr aber auf seine Beruhigung hin mit der Beschwörung fort.

Nun berichtete die Nekromantin, was sie sah: Ein alter, in einen Mantel gehüllter Mann stieg aus der Erde herauf, den Saul als Samuel erkannte. Von ihm erfuhr Saul, dass er, den Gott verlassen hatte, sein Königtum an David und sein Leben in der Schlacht verlieren und Israel gegen die Philister unterliegen würde. Der Grund, warum Gott von Saul abrückte, war, dass Saul zuvor im Krieg gegen die Amalekiter diese nicht mitsamt ihrem Besitz vollständig vernichtet (1 Sam 15 EU) hatte, wie Samuel es zu Lebzeiten als Gottes Wille verkündet hatte, sondern den feindlichen König gefangen genommen und das beste Vieh heimgeführt hatte, um es in Gilgal zu opfern.

Saul blieb nach dieser Botschaft Samuels geschlagen am Boden liegen, wurde jedoch von der Frau und seinen Begleitern genötigt, sich zu setzen und zu essen. Es wird allgemein als selbstverständlich angesehen, dass Saul am nächsten Tag gefasst in die Schlacht und den Tod ging; aber wenn die folgenden drei Kapitel (1 Sam 29–31 EU) chronologisch geordnet sind, lebte Saul noch drei Tage.

Theologische Aspekte

Auffällig ist bei der Totenbeschwörung, dass der verstorbene Samuel als alter Mann wie lebend „gesehen“ wird, was im NT (Mt 17,3 EU und Parallelstellen der Synoptischen Evangelien) bezogen auf Mose und Elia dargestellt wird. Mithin wird hier deutlich, dass in einer bestimmten Tradition Konsens darüber bestand, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist.

In der gesamten Bibel findet sich kein vergleichbarer Text, der in ähnlicher Weise von okkulten Praktiken (Präkognition) handelt. In der älteren christlichen Interpretation dieser Erzählung gibt es zwei entgegengesetzte Ansätze: Viele Kirchenväter meinten, Saul habe nicht den Geist Samuels, sondern einen mit Erlaubnis Gottes handelnden Dämon (Shedim) gesehen, der dessen Gestalt annahm. Andere Ausleger waren dagegen der Ansicht, es sei der „Hexe“ zwar nicht möglich gewesen, aus eigener Kraft den Geist Samuels heraufzubeschwören, aber Gott habe entschieden, ihn tatsächlich erscheinen zu lassen, um Saul auf seinen Tod vorzubereiten.

Die Frage stellt sich: Hat die Hexe wirklich Samuel gesehen? Die Septuaginta überträgt „ein Weib, das einen Totenbeschwörergeist hat“ (hebr. בַּֽעֲלַת־אֹוב; ba'alat 'ob) mit „eine Bauchrednerin“ (griech. ζητήσατέ μοι γυναῖκα ἐγγαστρίμυθον; gyne engastrimythos).[1] Origenes und Eustathius von Antiochien halten es für selbstverständlich, dass sie eine Bauchrednerin war.[2][3] Nach dieser Auffassung war die Séance nur Betrug.[4][5] Dagegen sagt der Bibeltext wörtlich: „Und Samuel sprach zu Saul“ (1 Sam 28,15–16 EU). Gregor von Nyssa wies jedoch darauf hin, dass hier das Erleben Sauls und nicht das Wirkliche beschrieben wird.[6]

In der lateinischen Vulgata[7] und der englischen King-James-Bibel[8] schreit sie beim Anblick von Samuel – was so interpretiert werden kann, dass sie von dessen Erscheinung an sich überrascht ist (was an ihrer Rolle in der Beschwörung zweifeln lässt) oder dass sie, wie bereits angeführt, daraus ableitet, wer ihr Auftraggeber ist.

In der Bibel wird Sauls Besuch in Endor als Treulosigkeit gegenüber Gott bewertet, der ihn nicht zuletzt deshalb umkommen ließ. Dies geschieht allerdings nicht im Textzusammenhang der Erzählung im 1. Buch Samuel, sondern beim alternativen Bericht über Sauls Ende im 1. Buch der Chronik (10,13–14 EU). Diese Stelle hat lange Zeit die theologische Sicht auf Saul geprägt. In jüngerer Zeit – unter anderem seitens der feministischen Theologie – werden die Totenbeschwörerin als „weise Frau“ und der König als „tragischer Held“ positiver bewertet.

Künstlerische Verarbeitung

Die Szene findet sich auch im Prolog der Oper David et Jonathas von Marc-Antoine Charpentier, die am 28. Februar 1688 im Pariser Jesuitenkolleg Collége Louis-le-Grand uraufgeführt wurde. Die Hexe von Endor wird im Libretto als Wahrsagerin „La Pythonisse“ bezeichnet.

In Händels Oratorium Saul wird im 3. Teil Sauls Besuch bei der Hexe von Endor ausführlich dargestellt.

Der israelische Komponist Josef Tal nahm den alttestamentlichen Text (1 Sam. 28, 3–25) des Besuchs von König Saul bei der Totenbeschwörerin von Endor als Libretto für seine Oper Saul at Ein Dor von 1955.[9]

Börries Freiherr von Münchhausen nahm 1899 den alttestamentlichen Bericht (1 Sam. 28, 3–25) des Besuchs von König Saul bei der Totenbeschwörerin von En Dor als Grundlage für seine Ballade mit dem Titel Die Hexe von En Dor.

In Stefan Heyms Roman Der König David Bericht sucht der Protagonist Ethan ben Hoshaja entgegen dem Rat seiner Auftraggeber die Totenbeschwörerin von Endor auf, die für ihn den Geist von König Saul heraufbeschwört.

Literatur

  • Klaus Koenen: Frau von En-Dor. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart, Artikel erstellt im November 2015, letzte Änderung im April 2016.
  • Michael Kleiner: Saul in En-Dor – Wahrsagung oder Totenbeschwörung? Ein synchrone und diachrone Untersuchung zu 1 Sam 28. Benno-Verlag, Leipzig 1995, ISBN 3-7462-1116-6 (= Erfurter theologische Studien 66).
  • Eleonore Reuter: Wer sich auf Tote einlässt, bezahlt mit dem Leben. Saul bei der Totenbeschwörerin von En-Dor. In: Bibel und Kirche 61.2006, ISSN 0006-0623, H. 1, S. 16–20.

Weblinks

Commons: Hexe von Endor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Eduard Hoffmann-Krayer, Hanns Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bde. Berlin/Leipzig 1927–1942, Band 3, Freen – Hexenschuß, S. 312.
  2. ↑ E. Klostermann (Hrsg.): Orígenes, Eustathius von Antiochien und Gregor von Nyssa über die Hexe von Endor. Bonn 1912.
  3. ↑ Philip S. Alexander: The Talmudic Concept of Conjuring (…) and the Problem of the Definition of Magic (Kishuf). In: Creation and Re-Creation in Jewish Thought. Festschrift in Honor of Joseph Dan on the Occasion of his Seventieth Birthday. Mohr Siebeck, Tübingen 2005, S. 7–26, hier S. 18: “The idea that the witch of Endor was a ventriloquist was taken up by Christian commentators. It is assumed by both Origen and Eustathius.”
  4. ↑ R. S. Gladney Lacon: The Devil in America: A Dramatic Satire. 1867, S. 185–186: “a critical examination of the whole account will show that the whole affair was a gross imposition. Saul saw nothing. He perceived it was Samuel from the description of the witch. Her prediction was nothing more than all the circumstances led her to expect.”
  5. ↑ M. A. Murray: The God of the witches. Faber, London 1934, S. 157: “it is clear that Saul saw nothing and the witch’s description might have fitted any important person, but Saul having wanted Samuel believed it was Samuel.”
  6. ↑ Gregory, Bishop of Nyssa: A Letter concerning the Sorceress to Bishop Theodoxios (Memento des Originals vom 30. September 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sage.edu (deutsch).
  7. ↑ 1. Samuel 28 auf www.bibelwissenschaft.de
  8. ↑ 1. Samuel 28
  9. ↑ Josef Tal – List of operas. Abgerufen am 14. Mai 2018 (englisch). 
Personendaten
NAME Totenbeschwörerin von Endor
ALTERNATIVNAMEN Hexe von Endor
KURZBESCHREIBUNG biblische Totenbeschwörerin und Hexe im 1. Buch Samuel
GEBURTSDATUM 12. Jahrhundert v. Chr. oder 11. Jahrhundert v. Chr.
STERBEDATUM 11. Jahrhundert v. Chr. oder 10. Jahrhundert v. Chr.



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Totenbeschwörerin von Endor aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Doreen Valiente

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026

Foto von Doreen Valiente
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(Bitte Urheberrechte beachten)

Doreen Valiente (* 4. Januar 1922 in Mitcham, Surrey, England; † 1. September 1999 in Brighton, England) war eine englische Okkultistin und Autorin.

Sie arbeitete für einige Zeit eng mit Gerald Brousseau Gardner zusammen. Neben Gardner galt sie als eine derjenigen Persönlichkeiten, die wesentlich an der Entwicklung der Wicca-Religion durch das Verfassen von Ritualen und Texten mitgewirkt haben.

Leben

Doreen Valiente wurde als Christin erzogen und besuchte eine Klosterschule. Mit 15 Jahren verließ sie die Klosterschule und weigerte sich, diese jemals wieder zu besuchen. Sie arbeitete später als Sekretärin und beschäftigte sich mit Büchern über Magie und Hexentum von Aleister Crowley, Margaret Murray (Ägyptologin und Völkerkundlerin) und Charles Leland (Volkskundler).

Kurze Zeit nach der Aufhebung des Hexereigesetzes 1952 (England) erfuhr sie durch einen Artikel von Cecile Williamson, dass es noch einen funktionierenden Coven gab, den New Forest Coven. Cecile Williamson, die im Museum für Hexerei auf der Isle of Man arbeitete, bekam daraufhin einen Brief von Valiente und leitete den Brief weiter an Gerald Gardner. Kurz danach lernte sie Gardner kennen. Im Jahr 1953 wurde sie dann in den Coven von Gardner initiiert. Kurze Zeit danach war sie seine Hohepriesterin des New Forest Coven.

Im Jahr 1957 kam es zum Bruch zwischen Gardner und ihr. Sie befürchtete, dass Gardner durch die vermehrte Öffentlichkeitsarbeit den Coven gefährde. Sie verließ mit einigen Mitgliedern den New Forest Coven und gründete mit Ned Grove einen neuen Coven. Valiente wurde dann in den Clan of Tubal-Cain eingeführt, der von Robert Cochrane geleitet wurde. Doch sie verließ den Coven, als sie bemerkte, dass Cochrane sich mehr für Hexensalben interessierte und geringschätzig über gardnerianische Hexen sprach.

Als ihr Mann im Jahr 1972 starb, widmete sich Valiente verstärkt dem Schreiben, ebenso dem Hexentum, weil ein Mitglied des britischen Parlaments versucht hatte, ein erneutes Gesetz gegen Hexerei durchzusetzen, welches eine moderne Hexenverfolgung auslösen konnte. 1980 machte Valiente sich auf die Suche nach Dorothy „Old Dorothy“ Clutterbuck, derjenigen Hohepriesterin, die angeblich Gardner initiiert hatte, um zu beweisen, dass diese umstrittene Frau überhaupt existiert. Eine Studie von Ronald Hutton ergab aber, dass Gardner diesen Namen benutzte, um die wahre Hohepriesterin zu decken. Im Jahr 1999 starb Doreen Valiente an verschiedenen Krankheiten, darunter Krebs, im Alter von 77 Jahren.

Wirkung

Doreen Valiente gilt bis heute für viele als die Mutter des modernen Heidentums. Sie schrieb viele der heute noch gebräuchlichen Wicca-Rituale. Sie war darin so talentiert, dass Gardner oft zu ihr kam und von ihr verlangte, noch am gleichen Tag ein Ritual für ein bestimmtes Thema auszuarbeiten.

Valiente entdeckte auch von Aleister Crowley übernommene Passagen in Gardners Buch der Schatten. Gardner erklärte, dass die ihm übermittelten Überlieferungen nur bruchstückhaft gewesen seien und er versucht habe diese Lücken auszufüllen; aber wenn sie meine, sie könne es besser, dann solle sie es tun. Valiente nahm ihn beim Wort und änderte viele von Crowleys Passagen und fügte einige von Charles Godfrey Leland stammende Passagen hinzu. Das letztendlich fertiggestellte Buch der Schatten wurde dann die Basis für das Gardnerianische Wicca.

Werke

  • Where Witchcraft Lives, 1962
  • An ABC of Witchcraft, 1973
  • Natural Magic, 1975 (Natürliche Magie, 2004)
  • Witchcraft for Tomorrow, 1978
  • The Rebirth of Witchcraft, 1989
  • Charge of the Goddess: The Mother of Modern Witchcraft, 2000

Literatur

  • Rensing, Britta. „I – 14.9.2: Doreen Valiente – Mutter der Wicca-Religion“ in Klöcker, Michael und Udo Tworuschka (Hgg.). Handbuch der Religionen: Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften in Deutschland. München: Olzog, Loseblatt-Ausgabe 1997 und Ergänzungslieferungen. 15. Ergänzungslieferung 2007.
  • Rosemary Ellen Guiley: The Encyclopedia of Witches and Witchcraft. 2nd Edition. Checkmark Books, New York NY u. a. 1999, ISBN 0-8160-3849-X.
  • Leo Ruickbie: Witchcraft Out of the Shadows. A complete History. Robert Hale, London 2004, ISBN 0-7090-7567-7.

Weblinks

  • Zum Tod von Doreen Valiente (Nachruf)
  • Biographie (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  • Rezension von Natural Magic (Memento vom 31. Januar 2019 im Internet Archive)
Normdaten (Person): GND: 1259272532 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n50046672 | NDL: 00516712 | VIAF: 52763550 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Valiente, Doreen
KURZBESCHREIBUNG englische Okkultistin und Autorin
GEBURTSDATUM 4. Januar 1922
GEBURTSORT Mitcham, Surrey, England
STERBEDATUM 1. September 1999
STERBEORT Brighton, England



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Lexa Roséan

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Lexa Roséan (2020), Foto: Carlos Costes

Lexa Roséan (geboren im Mai 1958 in Miami) ist eine US-amerikanische Autorin, Tänzerin und Psychoanalytikerin sowie Hohepriesterin der Wicca[1] in der neogardnerisch-minoischen Tradition.[2] Sie lebt seit den 1980er Jahren in New York City.[3] Sie ist in den USA einer breiteren Öffentlichkeit bekannt als Die Supermarkthexe.

Frühe Jahre

Ursprünglich stammte Roséans Familie aus Miami, zog jedoch mit ihr in ihrer Kindheit nach Colorado. Ihre Familie wurde „baalat teshuva“ (das heißt: zum Glauben zurückgekehrt) und schloss sich dort der jüdisch-orthodoxen chassidischen Gemeinschaft an. Roséan interessierte sich für das Studium der Kabbala, was Frauen in ihrer Glaubensgemeinschaft verboten war. Im Alter von 15 Jahren hatte sie ihr Coming-out als Lesbe und wurde daraufhin von einem Beit Din, einem Rat der Rabbiner, exkommuniziert.[4]

1976 zog sie nach New York City, um das Stern College for Women an der Yeshiva University zu besuchen, das sie 1980 mit einem B. A. in Englisch und Kommunikationswissenschaft abschloss.[5] Im Rahmen ihres Studiums war sie von 1976 bis 1982 Praktikantin beim Actors Studio, wo sie Gelegenheit hatte, mit Lee Strasberg, Shelley Winters und Ellen Burstyn zusammenzuarbeiten.

Leben und Wirken

1982 begann Roséan ihre Ausbildung als Hexe.[4] Sie arbeitete zunächst allein, später wurde sie Teil der Studiengruppe der Minoischen Schwesternschaft, in der sie von Lady Rhea und Lady Miw initiiert wurde. Von 1982 bis 2000 war sie als Priesterin für die Studiengruppe der Minoischen Schwesternschaft zuständig. In dieser Zeit arbeitete sie als Medium und Astrologin und lehrte Astrologie, Tarot, die Kabbala, Grundlagen der Wicca, Astralprojektion und Magie und diente als offizielles Orakel des Hexenzirkels. In einem Interview für den US-Sender Fox 5 mit Alan Colmes im Strategieraum im Jahr 2009, in dem sie nach ihrem religiösen Hintergrund gefragt wurde, verwendete Roséan augenzwinkernd die Wendung JeWitch (ein Wortspiel mit den englischen Begriffen jewish für jüdisch und witch für Hexe). Sie nutzt darüber hinaus als Selbstbezeichnung den Begriff Magickal Consultant.[6]

Roséan war Protagonistin zahlreicher Artikel in Publikationen wie The New York Times[7], Newsday, USA Today, Voice of Russia und Marie Claire (chinesische Ausgabe)[8], sowie häufig zu Gast im Fernsehen, so etwa bei CNN, der Show 20/20, The Joan Rivers Show, MTV, Food Network und Fox News. Kate Walter, eine Journalistin des New Yorker Stadtmagazins The Village Voice, beschrieb Roséan als „eine Kreuzung zwischen Medium und Therapeutin“. 2005 wurde sie darüber hinaus von der Village Voice zur „Besten Hexe in NYC“ gekürt.[9]

Im Jahr 2015 schloss Lexa ihren Master im Fach Psychoanalyse an der New York Graduate School of Psychoanalysis (NYGSP) ab. Der Titel ihrer Diplomarbeit, die im Dezember 2014 vorgelegt wurde, lautet Dancing with the Locos: A Comparative Study of Argentine Tango and Psychoanalysis (Eine vergleichende Studie in Bezug auf argentinischen Tango und Psychoanalyse). 2015 schloss sie ihren Master ab und erhielt 2022 ihre Zertifizierung am Psychoanalytischen Institut CMPS in New York.[10] Von 2017 bis 2020 war sie Mitherausgeberin von The Analyst, dem Newsletter der Society of Modern Psychoanalysis.[11]

Schriftstellerisches Werk

Neben ihren Schriften im Bereich des Okkulten ist Roséan auch als Dramatikerin, Dichterin und Romanautorin tätig. Ihre Bühnenstücke, zu denen The Swim, The Prisoner (1993/94)[12], Lesbians in the Bible und I Married a Lesbian Witch (1995/96)[12] gehören, wurden an Theatern in New York City inszeniert, darunter im The WOW Café, La Mama, Dixon Place und PS 122. Ihre Kurzgeschichten wurden in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht und in die Anthologien Women on Women 2 und Celebrating the Pagan Soul aufgenommen. A kosher Megila, ein Auszug aus ihrem Roman Spinozas Daughter, findet sich in der Anthologie Women on Women 3.[13] Ihre Gedichte sind auf dem Album 100 Greatest Poets der Knitting Factory zu finden und wurden von Michael Musto in The Village Voice rezensiert.

Durch ihre Hexenbücher ist sie auch als „Die Supermarkthexe“ (auf Englisch: Supermarket Sorceress) bekannt.[1] Sie hat acht Bücher zu den Themenfeldern Magie, Wicca, Astrologie und Tarot veröffentlicht (vier davon wurden ins Deutsche, Polnische und Russische übersetzt). Sie schrieb darüber hinaus Artikel sowie monatliche Astrologie-Kolumnen für die US-Magazine CosmoGirl, Seventeen und ReporTango.

Tango

Lexa Roséan interessierte sich nach eigenen Aussagen bereits 1984 für den Tango, als sie die Show Tango Argentino am Broadway sah. Doch erst 1995 begann sie mit Unterricht bei der Berliner Tänzerin und Tanzlehrerin Brigitta Winkler, die die US-amerikanische Tangoszene durch zahlreiche Workshops entscheidend beeinflusste. Ab 2001 unterrichtete Roséan selbst an der New Yorker Tanzschule Paul Pellicoro's DanceSport.[14] Zu ihren einflussreichsten Lehrern gehörten Carlos Gavito, Susana Miller, Laura Grinbank, Cacho Dante, Pupi Castillo, Graciela Gonzalez, Omar Vega und Alicia Cruzado.

2007 (mit Kumi Ueki), 2008 (mit Gayle Gibbons Madeira) und 2009 (mit Sarah La Rocca) nahm Roséan an den US-amerikanischen Tango-Meisterschaften teil, einem Vorausscheid für die Weltmeisterschaft, die jährlich in Buenos Aires ausgetragen wird.[15] In den drei aufeinanderfolgenden Jahren platzierte sie sich mit ihren Partnerinnen als Dritte im Tango de Salon und gewann 2008, zusammen mit Gayle Madeira, die Meisterschaft in der Kategorie Bühnentango.[16]

Ebenfalls 2008 war Roséan Gastgeberin der ersten wöchentlich stattfindenden lesbischen Milonga im New Yorker West Village, im Rubyfruit Bar and Grill.[17] 2009 war Roséan als Gastlehrerin, DJ und Performerin zum Queer Tango Festival in Hamburg eingeladen. Im Jahr 2010 unterrichtete sie im Rahmen des ersten Queer-Tango-Festivals von New York City, legte als DJ auf und trat unter anderem im Players Club auf. Im Jahr 2012 war sie als DJ beim Queer Tango Festival in Berlin zu Gast. Roséan gibt heute in New York City Privatunterricht im Tango und legt nach wie vor als DJ auf.[18]

Auszeichnungen

  • 2015: Rose F. McAloon Award für herausragende Leistungen in einer Masterarbeit für Dancing with the Locos: A Comparative Study of Argentine Tango and Psychoanalysis.
  • 2019: AIT Award für Werke von Studierenden der National Association for the Advancement of Psychoanalysis (NAAP) für Unconscious fantasy: Wrestling with the clown.[19]
  • 2023: Gewinnerin des Essay-Wettbewerbs der Society for Psychoanalysis and Psychoanalytic Psychology, Division 39, American Psychological Association mit The Office[20]
  • 2023: Phyllis W. Meadow Award für Exzellenz in einem Abschlussprojekt des Center for Modern Psychoanalytic Studies in New York

Werke

Kurzerzählungen

  • amaizeN. In: Naomi Holoch, Joan Nestle (Hrsg.): Women On Women 2: An Anthology of American Lesbian Short Fiction. Plume, New York 1993, ISBN 978-0-452-26999-6.
  • A Kosher Megila. In: Naomi Holoch, Joan Nestle (Hrsg.): Women On Women 3: A New Anthology of American Lesbian Fiction. Plume, New York 1996, ISBN 978-0-452-27661-1, S. 243–253.

Hexenbücher

  • 1996 The Supermarket Sorceress: Spells, Charms, & Enchantments That You Can Make From Supermarket Ingredients. St. Martin's Paperbacks, New York, ISBN 978-0-312-95768-1.[21]
  • 1997 The Supermarket Sorceress's Sexy Hexes. St. Martin's Paperbacks, New York, ISBN 978-0-312-96328-6.
    • 1999 auf Deutsch: Das Hexen-1x1 für erotische Momente. Ullstein, München, ISBN 978-3-548-35940-3.
  • 1998 The Supermarket Sorceress's Enchanted Evenings. St. Martin's Paperbacks, New York, ISBN 978-0-312-96673-7.[22]
    • 1999 auf Deutsch: Das Hexen-1x1 für unvergeßliche Nächte. Ullstein, München, ISBN 978-3-548-35941-0.
  • 1999 Easy Enchantments: All the Spells You'll Ever Need For Any Occasion. St. Martin's Griffin, New York, ISBN 978-0-312-24296-1.
    • 1999 auf Deutsch: Das Hexen-1x1 für jede Gelegenheit. Ullstein, München ISBN 978-3-548-35939-7.
  • 2001 PowerSpells: Get the Magical Edge in Business, Work, Relationships, and Life. St. Martin's Griffin, New York, ISBN 978-0-312-27476-4.
  • 2002 Zodiac Spells: Easy Enchantments and Simple Spells for Your Sun Sign. St. Martin's Griffin, New York, ISBN 978-0-312-28544-9.
  • 2005 „Bitchin’ at the Gods“. In: Laura A. Wildman (Hrsg.): Celebrating the Pagan Soul – Our Own Stories of Inspiration and Community. Citadel Press, ISBN 978-0-8065-2624-9, S. 231–234.
  • 2005 The Encyclopedia of Magickal Ingredients: A Wiccan Guide to Spellcasting. Paraview Pocket Books, New York, ISBN 978-1-4165-2515-8.
    • 2017 auf Polnisch: Encyklopedia magicznych ingrediencji: Wiccański przewodnik po sztuce rzucania zaklęć. Wydawnictwo Vis-à-vis Etiuda, Kraków, ISBN 978-83-7998-143-4.
  • 2005 Tarot Power: 22 Keys to Unlocking Magick, Spellcraft, and Meditation. Citadel Press, New York, ISBN 978-0-8065-2667-6.

Wissenschaftliche Arbeiten

  • Dancing with the Locos: A Comparative Study of Argentine Tango and Psychoanalysis. Masterarbeit, vorgelegt vor der New York Graduate School of Psychoanalysis (NYGSP), Dezember 2014.
  • Unconscious fantasy: Wrestling with the clown. In: Faye Newsome (Hrsg.): Modern Psychoanalysis. The journal of the Center for Modern Psychoanalytic Studies, Band 42, Nr. 1, YBK Publishers, New York 2017, S. 39–52.

Weblinks

Commons: Lexa Roséan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Offizielle Website
  • 92 Notable alumni of Yeshiva University, Nr. 79 (auf Englisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Kate Walter: Something Wiccan this way comes: a lesbian witch? In: advocate.com / thefreelibrary.com. 6. November 2001, abgerufen am 26. August 2020 (englisch). 
  2. ↑ Richard Sacks: Dancing With the Locos: Argentine Tango and Psychoanalysis. (PDF) In: The Analyst. The Newsletter of the Society of Modern Psychoanalysts. 2016, abgerufen am 26. August 2020 (englisch). 
  3. ↑ Autorinnenprofil auf der Verlagswebseite: Lexa Rosean. In: simonandschuster.com. Abgerufen am 26. August 2020 (englisch). 
  4. ↑ a b Jonathan Mark: Got Her Mojo Workin’. In: jewishweek.timesofisrael.com. The Jewish Week Media Group, 29. Januar 1999, abgerufen am 27. August 2020 (englisch). 
  5. ↑ (tm): Stern College for Women – Kochaviah Yearbook (New York, NY), Class of 1980. In: e-yearbook.com. Digital Data Online, abgerufen am 27. August 2020 (englisch).  S. 90 von 168.
  6. ↑ Lexa's Halloween Interview on Fox 5. In: YouTube. 29. Oktober 2009, abgerufen am 7. September 2020 (englisch). 
  7. ↑ George Vecsey: On Road to Super Bowl, Sprinkle Some Eye of Newt. In: The New York Times. 16. Januar 2010, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 7. September 2020]). 
  8. ↑ Meng Guangling: Die mächtigste Hexe unserer Zeit. In: mcchina.com. 25. März 2010, abgerufen am 7. September 2020. 
  9. ↑ Kate Walter: Best East Village Witch – 2005: Lexa Roséan. In: villagevoice.com. 10. Oktober 2005, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Juni 2011; abgerufen am 7. September 2020 (englisch). 
  10. ↑ Graduates of The Center for Modern Psychoanalytic Studies. In: Center for Modern Psychoanalytic Studies (Hrsg.): Bulletin 2023–2024. New York 2023, S. 30 (amazonaws.com [PDF]). 
  11. ↑ Contributors. In: Faye Newsome (Hrsg.): Modern Psychoanalysis. The journal of the Center for Modern Psychoanalytic Studies. Nr. 42. New York 2017, S. 114 (pep-web.org). 
  12. ↑ a b Kate Davy: Appendix. In: Lady Dicks and Lesbian Brothers: Staging the Unimaginable at the WOW Café. The University of Michigan Press, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-07122-7, S. 193 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  13. ↑ Women on Women 3. In: goodreads.com. Abgerufen am 17. September 2020 (englisch). 
  14. ↑ Elke Koepping: Lexa Roséan. Magierin, Frauen-Liebende, Dichterin, Tango-Tänzer(in). In: Olaf Herzog (Hrsg.): Tangodanza. Band 16, Nr. 4/2003. Tangodanza Medien Verlag Olaf Herzog, 1. Oktober 2003, ISSN 1438-8847. 
  15. ↑ Winners' List 2007–2011: "Celebrate Tango Week July 2012: 6th USA Tango Championship". In: celebratetango.com. Abgerufen am 17. September 2020 (englisch). 
  16. ↑ Elke Koepping: Mit Führungspotenzial. In: L-Mag. Nr. 5. Jackwerth Verlag, Berlin 2009 (Tangolazarett [abgerufen am 17. September 2020]). 
  17. ↑ Con Artist: A Glimpse Into The Life Of A Queer Tango Addict. In: Birthe Havmoeller, Ray Batchelor, Olaya Aramo (Hrsg.): The Queer Tango Book: Ideas, Images and Inspiration in the 21st Century. 2015, ISBN 978-87-998024-1-8, S. 101 (queertangobook.org [PDF]). 
  18. ↑ Wenjie Yang: Queer as Tango. An Audio Interview with Lexa Roséan on Tango. In: wenjieyang.com. Abgerufen am 17. September 2020 (englisch). 
  19. ↑ 2019 AIT Awards for Student Writing. In: National Association for the Advancement of Psychoanalysis (NAAP). Abgerufen am 20. August 2020 (amerikanisches Englisch). 
  20. ↑ Essay Contest 2023 Winners. In: Division 39 Membership Services. Society for Psychoanalysis & Psychoanalytic Psychology, abgerufen am 29. März 2024 (englisch). 
  21. ↑ Donatella Lorch: Spells for an Age of Mobile Phones. In: nytimes.com. 14. Juli 1996, abgerufen am 5. November 2019. 
  22. ↑ Doreen Carvajal: Better Living Through Sorcery. New Broom Sweeps Witches' World. In: nytimes.com. 26. Oktober 1998, abgerufen am 5. November 2019. 
Normdaten (Person): GND: 121266974 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n96094670 | VIAF: 79449464 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Roséan, Lexa
ALTERNATIVNAMEN Die Supermarkthexe
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Autorin, Tänzerin, Psychoanalytikerin und Hohepriesterin der Wicca
GEBURTSDATUM Mai 1958
GEBURTSORT Miami



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Schlernhexen

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Der Schlern, Blick von der Seiser Alm

Die Schlernhexen sind Sagenfiguren aus Südtirol, die speziell im Gebiet um den Schlern in verschiedenen Legenden und Erzählungen auftauchen. In den meisten Überlieferungen werden sie für schwere Unwetter verantwortlich gemacht.

Als Schlernhexen werden ferner im Volksmund in Südtirol die Alpen-Grasnelken bezeichnet, die einer Sage nach verzauberte Frauen sind.

Sagen und Legenden

Die Schlernhexen als Unheilsbringer

Die am weitesten verbreitete Legende beschreibt die Schlernhexen als Wetterhexen, die für schwere Unwetter rings um den Schlern verantwortlich sind und von den Einwohnern der anliegenden Orte gefürchtet werden. Einer Überlieferung zufolge versammelten sich einst die Wetterhexen auf dem Schlern. Ein Zwerg beobachtete von der unweit gelegenen Rosengartengruppe aus, dass dunkle Wolken über dem Berg aufzogen, in denen sich die Hexen verbargen. Er wollte der Sache auf den Grund gehen und ging auf den Schlern. Dort konnte er die Hexen belauschen und erfuhr, dass sie planten, ein gewaltiges Unwetter zu erschaffen und die komplette Gegend zu verwüsten. Der Zwerg konnte jedoch auch hören, wie die Hexen erzählten, dass das Unwetter durch ein bestimmtes Läuten einer Kirchenglocke, den sogenannten „Wetterstroach“, gestoppt werden könne. Daraufhin eilte der Zwerg ins nächstgelegene Dorf und trug dem dortigen Messner auf, das „Wetter zu läuten“. Das Unwetter wurde daraufhin abgeschwächt und die Gegend gerettet.

Die Rache der Schlernhexen

Völs, im Hintergrund der Schlern

Ein Pfarrer aus Völs am Schlern wanderte einst durch ein Waldstück unweit des Ortes. Da es ein heißer Sommertag war, legte er sich in den Schatten, um ein Schläfchen zu halten. Als er wieder erwachte, war bereits tiefste Nacht und der Pfarrer fand nicht mehr aus dem Wald heraus. Also beschloss er, im Gebüsch zu übernachten. Was er jedoch nicht bemerkt hatte, war, dass er auf seinem Irrweg direkt an den Hexentanzplatz der Schlernhexen gekommen war. Diese entzündeten ein Feuer, bemerkten den Pfarrer und quälten ihn zu Tode. Der Pfarrvikar der Völser Kirche bemerkte noch in der Nacht das Verschwinden des Pfarrers, ein eilig gebildeter Suchtrupp fand den grausam zugerichteten Leichnam am nächsten Morgen. Die Schlernhexen hatten sich an dem Pfarrer gerächt, da dieser ihnen mehrfach durch sein „Wetterläuten“ ihre Unwetterpläne durchkreuzt hatte.[1]

Die Schlernhexen und der Bauer Hansel

Am Fuß des Schlern lebte einst ein Bauer namens Hansel mit seiner Frau. Als seine Frau an einem warmen Sommerabend Wasser vom Brunnen holte, bemerkte sie, dass über dem Berg dunkle Wolken aufzogen, zwischen denen sie eine Schlernhexe ausmachen konnte. Sie lief zu ihrem Mann, welcher sofort aufsprang, um die Hexe zu töten. Er nahm sein Gewehr, besprengte die Munition mit Weihwasser und begab sich auf die Tenne seines Hofes. Von dort schoss er in die Wolken, traf und tötete die Schlernhexe. Die tote Hexe fiel direkt vor Hansels Füße und sah so furchteinflößend aus, dass dieser sofort in Ohnmacht fiel. Hansel brauchte mehrere Jahre, um den Schock des Anblicks der Hexe zu überwinden.[2]

Die gute Schlernhexe Martha

Die Geschichte der Schlernhexe Martha beschreibt diese als die Gutmütige unter den Hexen. Sie war der Natur der Dolomiten sehr zugetan und galt als besonders freundlich zu Kindern, obwohl diese sich wegen ihres Aussehens oft vor ihr erschraken. Der Überlieferung nach konnte Martha die Gestalt eines Eichhörnchens annehmen.[3]

Die Schlernhexen und der Zwergenkönig Laurin

Kapelle an der Heiliggrabkirche auf dem Virgl in Bozen

Eine andere Legende um die Schlernhexen bezieht sich auf den sagenumwobenen Zwergenkönig Laurin. Dieser hatte in der neben dem Schlern gelegenen Rosengartengruppe einen prächtigen Garten angelegt. Zu jener Zeit befand sich auch auf dem Schlern ein blühender Garten, der von saligen Frauen gepflegt wurde. Die Bewohner der Gegend, aber auch Zwerge und Riesen buhlten um die Gunst der Saligen, dabei kam es dazu, dass der Rosengarten Laurins in Mitleidenschaft gezogen und er selbst ins Tal geschleift wurde. Eine der saligen Frauen sah Laurin in dieser Situation und musste darüber lachen, was den Zwergenkönig derart erzürnte, dass er die Frauen und den Berg verfluchte. Der Garten auf dem Schlern verschwand, die Saligen verwandelten sich in kleine Blumen – die Schlernhexen. Der Schlernwind, ein gutmütiger Riese, blies die Blumen eines Tages in den Garten der Heiliggrabkirche am Virgl in Bozen, woraufhin sie sich dort ausbreiteten. Die Stampf-Nandl, die den Kirchengarten pflegte, zupfte die meisten der Blumen aus und warf sie in den Brunnen der nahe der Kirche befindlichen Kapelle. An diesem heiligen Ort schließlich wurde der Fluch Laurins gebrochen, und aus den Schlernhexen im Brunnen wurden wieder kleine salige Frauen.[4]

Die Sage erzählt außerdem, dass der Storch, wenn er werdenden Eltern in der Gegend eine besonders hübsche Tochter bringen will, diesen eine der kleinen Saligen aus dem Brunnen in der Kapelle an der Heiliggrabkirche bringt.[4]

Die Schlernhexen in der Gegenwart

Die „Hexenbänke“ auf Puflatsch

Das Motiv der Schlernhexen wird in den Ortschaften rund um die Schlerngruppe auf vielfältige Art, zum Beispiel in Form von Statuen oder Puppen, verwendet.

Eine markante Steinformation auf Puflatsch wird als „Hexenbänke“ und „Hexenstühle“ bezeichnet, diese lassen sich etwa durch Themenwanderungen mit dem Motto „Schlernhexen“ erreichen.[5]

Die Schlernhexe „Nix“ ist das Maskottchen einer Kinder-Skischule und wird durch den örtlichen Tourismusverband vermarktet; auf der Seiser Alm wird zudem jedes Jahr ein Winter-Kinder-Festival veranstaltet, durch das die Schlernhexe Nix die Besucher führt.[6]

Siehe auch

  • Haselhexe, Sage aus Südtirol

Literatur

  • Berit Mrugalska, Wolfgang Morscher: Die Schlernhexe. In: Die schönsten Sagen aus Südtirol. Haymon Verlag, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7099-7488-9. 

Einzelnachweise

  1. ↑ Elisabeth Aukenthaler-Oberrauch: Die Rache der Schlernhexen. In: Südtiroler Sagen. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1981, ISBN 978-88-7014-204-4, S. 103 f. 
  2. ↑ Die Schlernhexen. In: Die schönsten Sagen vom Schlerngebiet. Altoadige-Suedtirol.it, abgerufen am 22. September 2016. 
  3. ↑ Schlernhexen. suedtirol.com, abgerufen am 22. September 2016. 
  4. ↑ a b Franz S. Weber: Laurins Rosengarten. Sagen aus den Dolomiten. Verlag Deutsche Buchhandlung, Bozen 1914, S. 49 ff. (Online bei sagen.at). 
  5. ↑ Culturonda Dolomythos. 12 Wege zu Kultur und Lebensart im Dolomiten-UNESCO-Welterbe. Wanderkarte, UNESCO/World Heritage Committee.
  6. ↑ Verena Wolff: Zwischen Gourmetküche und schneller Abfahrt. Manager Magazin, 5. März 2015, abgerufen am 23. September 2016. 



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Ursula Southeil

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Statue von Ursula Southeil in der Mother Shipton Höhle
Eingang zu Mother Shiptons Höhle
Scheck-Tageule, alias Mother-Shipton-Motte

Ursula Southeil (* 1488, wahrscheinlich in Knaresborough; † 1561), vielleicht auch Ursula Sonthiel; besser bekannt als Mother Shipton, war der Überlieferung nach eine englische Wahrsagerin. Die erste Druckfassung ihrer angeblichen Prophezeiungen erschien 80 Jahre nach ihrem vermutlichen Todesdatum, darin enthalten sind vorwiegend regionale Vorhersagen und zwei als prophetisch dargestellte Verse. 1684 erschien The Life and Death of Mother Shipton von Richard Head, eine fiktionale Biographie.

Leben

Southeils Existenz kann durch historische Quellen nicht eindeutig bewiesen werden. Richard Head behauptet in seinem Buch The Life and Death of Mother Shipton, sie sei in Knaresborough in Yorkshire in einer Höhle geboren, die seither „Mother Shipton's Cave“ genannt wurde. Ursula Southeil wird als außergewöhnlich hässlich beschrieben. Sie habe 1512 einen Zimmermann namens Toby Shipton geheiratet und habe zeit ihres Lebens Prophezeiungen gemacht und die Zukunft vorhergesehen. Die erste gedruckte Veröffentlichung von 1641, ein Pamphlet eines anonymen Autors, bezieht sich angeblich auf die Sammlungen von Ursula Southeils Magd Joanne Waller, die Southeils Prophezeiungen bewahrte und tradierte.

Prophezeiungen

Das 1641 erschienene Pamphlet soll Voraussagen zur großen Pest, dem Tod Kardinal Thomas Wolseys und dem großen Feuer von London enthalten. Der englische Staatssekretär und Chronist Samuel Pepys erwähnt in seinem Tagebucheintrag vom 20. Oktober 1666, dass der Thronfolger, als er vom Ausbruch des Feuers in London unterrichtet wurde, Bezug auf „Shiptons Prophezeiung“ nahm:

He (Sir Jeremy Smith) says he was on board „The Prince“, when the newes come of the burning of London; and all the Prince (of Wales) said was, that now Shipton's prophecy was out;[1]

Pepys erwähnt nicht, ob sich der Prinz auf eine gedruckte Prophezeiung oder auf eine mündlich kursierende Erzählung bezieht.

Die meisten der heute im Umlauf befindlichen angeblichen Prophezeiungen Mother Shiptons gehen auf das 1862 erschienene Buch Mother Shipton von Charles Hindley zurück und unterscheiden sich erheblich von den Versen in den früheren Druckwerken von 1641 und 1684. Hindley räumte bereits 1873 ein, dass er die Prophezeiungen frei erfunden hatte,[2] darunter auch eine Ankündigung des Weltuntergangs für 1881: „The world to an end shall come, In eighteen hundred and eighty one“ („Die Welt soll zu einem Ende kommen in 1881“).

1881 erschien auch die erste Buchdokumentation über die Entstehung der Sagen um Mother Shipton von William H. Harrison Mother Shipton – The Yorkshire Sybil Investigated, The Result of a Critical Examination of the Extant Literature Relating to the Yorkshire Sibyl. Harrison kommt zu der Schlussfolgerung, dass es keinerlei haltbare Belege für einen historischen Kern der Geschichten um Mother Shipton gäbe. Mother Shipton gehört in die gleiche Kategorie wie König Artus oder Robin Hood: Sagenfiguren, die möglicherweise auf einer realen Person basieren, deren Geschichten aber immer weiter ausgeschmückt wurden.[3]

Sonstiges

Southeil ist Namensgeberin zweier Pubs: in Portsmouth (mit einer lebensgroßen Figur Southeils über dem Eingang)[4] und in Knaresborough.

Bei Knaresborough, einem Ort an der Bahnstrecke zwischen Harrogate und York, kann die Mother Shiptons Cave inmitten einer Parklandschaft besichtigt werden, eine Attraktion ist eine mineralische Quelle.[5]

Im englischen Sprachraum trägt die Scheck-Tageule wegen der an den Kopf einer Hexe erinnernden Flügelzeichnung den Namen Mother Shipton-Motte.

Weblinks

Commons: Mother Shipton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Jone Johnson Lewis: The Life and Legend of Mother Shipton (en)
  • Mother Shipton's Cave, die Mother Shipton-Höhle (en)
  • Mysterious Britain (en)
  • Prophecies of Mother Shipton, adapted from: Stein, Gordon. The Encyclopedia of Hoaxes. p.226-227 (en)

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag vom 20. Oktober 1666 in Samuel Pepys' Tagebuch
  2. ↑ Vgl.: Jone Johnson Lewis: “The Life and Legend of Mother Shipton”
  3. ↑ Vgl.: @1@2Vorlage:Toter Link/womenshistory.about.comWilliam H. Harrison Mother Shipton – The Yorkshire Sybil Investigated, The Result of a Critical Examination of the Extant Literature Relating to the Yorkshire Sibyl, Vorwort:“So if there is any kernel of truth to the Mother Shipton legend, it can't be determined from any verifiable documentation. Mother Shipton belongs in the same category as Robin Hood or King Arthur: a legendary figure, possibly based on a real person, whose narrative has been enhanced by time and retelling.” (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  4. ↑ Figur am Pub in Portsmouth
  5. ↑ Homepage der Höhle
Normdaten (Person): GND: 1024829995 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n83212363 | VIAF: 2814751 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Southeil, Ursula
ALTERNATIVNAMEN Mother Shipton
KURZBESCHREIBUNG britische Sagenfigur, Yorkshire Folklore
GEBURTSDATUM 1488
GEBURTSORT Knaresborough, England
STERBEDATUM 1561



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  1. Ragana
  2. Eire Rautenberg
  3. Silver RavenWolf
  4. Moina Mathers

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