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Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026

Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht (früher auch unter dem Titel Hexe, Toilette machend zur Walpurgisnacht ausgestellt[1]) ist eine Marmorskulptur der österreichischen Künstlerin ungarisch-jüdischer Abstammung Teresa Feodorowna Ries. Die Skulptur entstand 1895 und wurde 1896 im Wiener Künstlerhaus ausgestellt. Die Figur zeigt eine nackte Frauengestalt, die mit angewinkelten Beinen auf einem Felsen sitzt, sich mit einer großen Schere die krallenartigen, spitzen Zehennägel schneidet und dabei schelmisch grinst. Die durch Vandalismus beschädigte Skulptur befindet sich im Besitz des Wien Museums, wo sie seit dem 6. Dezember 2023 in der Dauerausstellung im Kapitel „Schönheit am Abgrund. Wien um 1900“[2] zu sehen ist.

Historischer Kontext

Die Künstlerin, Teresa Feodorowna Ries, 1906

Das Wien der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war geprägt vom liberalen Geist eines erstarkten Großbürgertums. Das Ende des 19. Jahrhunderts, das sogenannte Fin de Siècle, war eine Zeit des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs, in der eine krisenhaft-apokalyptische Aufbruchstimmung herrschte.

Auch Frauen kämpfen für mehr Rechte, wie dem Recht an der Teilhabe an Wahlen, dem Zugang zu Universitäten und um einen sichtbaren Platz in der Öffentlichkeit.[3] Letzteres gilt insbesondere für die Kunst der Frauen im Wien der Jahrhundertwende, einer Epoche, die nur kurz andauerte, aber die Stadt entscheidend prägte. Wagten Künstlerinnen in die „männlichste aller Künste“, die Bildhauerei, vorzudringen, wurde ihnen ein Verlust von Weiblichkeit nachgesagt und ihre Kunst allein auf Grund ihres Geschlechts diffamiert.[4] Die Künstlerinnen, von denen die meisten seit der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Vergessenheit gerieten, werden in der kunsthistorischen Forschung seit den 1970er Jahren allmählich wiederentdeckt und ihre Beiträge zur Kunstszene Wiens aufgearbeitet.[4]

Rolle und Selbstdarstellung Teresa Feodorowna Ries’ im Wien der Jahrhundertwende

Die junge Künstlerin Teresa Feodorowna Ries betrat Ende des 19. Jahrhunderts die Bildhauerszene in Wien. Sie siedelte 1894 von Moskau nach Wien über, wo sie versuchte Zugang zur Akademie der Bildenden Künste zu erlangen, obwohl Frauen zu dieser erst 1921 Zutritt haben würden. Nachdem ihr diese Möglichkeit verwehrt bleibt, schaffte sie es Edmund Hellmer von sich zu überzeugen und als Privatschülerin bei ihm angenommen zu werden. Hellmer attestierte Ries großes Talent und begleitete sie in den folgenden Jahren bei ihrem künstlerischen Werdegang.[5]

Ries sicherte sich in den nächsten Jahren eine zentrale Position in der von Männern dominierten Sphäre der Bildhauerei und gehörte 1901 zu den Gründerinnen der ersten künstlerischen Frauenvereinigung der Stadt, den Acht Künstlerinnen.[6] Trotz ihres großen Erfolgs als Frau in der Bildhauerei galt sie als Ausnahmetalent und inszenierte sich auch selbst immer wieder als künstlerisches Genie.[7]

Beschreibung

Die aus Carraramarmor gefertigte Skulptur der Hexe, Toilette machend zur Walpurgisnacht zeigt eine unbekleidete Frau, die mit gespreizten Beinen auf einem Felsen sitzt. In der linken Hand hält sie ihren eigenen Fuß, in der rechten eine Schere, mit der sie zum Schnitt ihrer krallenartigen, spitzen Fußnägel ansetzt. Quer zwischen ihren Beinen liegt ein Besen am Boden. Mit gekrümmten Rücken sitzt die Frau da, während ihr das lange, wellige Haar wie ein Vorhang über die Schultern fällt und Teile ihres schlanken Körpers, auch ihre Scham, bedeckt. Das Haar der Hexe ist gekräuselt und erscheint auf der Höhe ihres Kopfes von einem Wind ergriffen. Dadurch werden ihre spitzen Ohren und der freche Gesichtsausdruck sichtbar, der von dem fliegenden Haar eingerahmt wird.

Die Kombination der Attribute kennzeichnen die Frau als Hexe: Nach modernem Verständnis ist es insbesondere der Besen unter ihren Beinen, der sie als solche auszeichnet; aus kunsthistorischer Perspektive spielt auch das lange und offene, unnatürlich fliegende Haar eine entscheidende Rolle[8]. Die krallenartigen Finger- und Fußnägel sowie die spitzen Ohren deuten darauf hin, dass der Betrachter mit einem unmenschlichen, vielleicht sogar dämonischen Wesen konfrontiert ist.

Beschädigungen und Restaurierung

In den Wirren und Nachwehen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit wurde die Skulptur der jüdischen Künstlerin Ries teilweise beschädigt. Nachdem Teresa F. Ries 1942 aus Wien fliehen und ihr künstlerisches Werk zurücklassen musste, wurde die Hexe am 15. Mai 1946 im Potz’schen Garten in Wien zusammen mit anderen Skulpturen geborgen. Zu dem Zeitpunkt fehlten der Hexe einige ihrer Locken und Zehen. Da die Hexe aufgrund ihres vermeintlich „völkisch-deutschen“ Themas und ihrer Ausführung den ästhetischen und thematischen Vorstellungen der Nationalsozialisten entsprach, wurde sie vermutlich nur unbeabsichtigt während des Krieges beschädigt.[9]

Forschung des Wien Museums deuten darauf hin, dass ein Großteil der Beschädigungen, darunter auch die abgebrochene Hand, die nicht aufgefunden werden konnte, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch unsachgemäße Behandlung und den Transport der Skulptur entstanden sein dürften. Die Besprühungen der Figur mit roter Farbe seien hingegen auf Vandalismus in den 1970–1990er Jahren zurückzuführen.

Nichtsdestotrotz kann ein Muster in der Art der Zerstörung der Skulptur festgestellt werden: So wurden die Körperteile, die mit weiblicher Sexualität in Verbindung gebracht werden, zerschlagen oder mit roter Farbe besprüht. Das linke Auge und die Nasenspitze fehlen. Der rechte Fuß war abgebrochen, konnte aber lokalisiert und rekonstruiert werden. Fehlend ist auch das zentrale Merkmal der Figur: Die linke Hand, in der sich die große Schere befand. Es gab Vermutungen, dass die Hand mit der Schere, die als Kastrationswerkzeug gedeutet werden könne, als Provokation empfunden worden war und in dieser Folge zerstört wurde und ihr Verschwinden einen fetischisierenden Hintergrund gehabt haben könnte.[9][10]

Vor der Ausstellung im Wien Museum wurde die Hexe restauriert und fehlende Teile anhand älterer Fotografien rekonstruiert.[11] Es existiert ein Gipsabguss des Originals, der vor der Restaurierung abgenommen wurde.[12]

Restitution

In Ries handschriftlichen, von zwei Zeugen unterzeichneten Testament vom 30. April 1941, deklariert sie: „Ich bin aus dem Judentum hervorgegangen. Daher bin ich auch eine Trägerin seines Geistes und seiner Begabungen. Deshalb soll alles, was ich durch Gottes Gnade geschaffen habe, dem jüdischen Volk gehören. In dieser Erkenntnis habe ich bereits meinen Willen bekundet und mittels einer Urkunde im Jahr 1921 meine sämtlich von mir geschaffenen Werke (...) dem Jüdischen Museum in Palästina vermacht.“[13] Dessen ungeachtet restituierte die Stadt Wien die Hexe zusammen mit weiteren Skulpturen der Künstlerin „an sich selbst“.[13]

Rezeption

Mit der Ausstellung der Die Hexe, Toilette machend zur Walpurgisnacht 1896 im Wiener Künstlerhaus wurde Teresa Feodorowna Ries schlagartig in Wien berühmt. Das lag mitunter auch daran, dass das von der Künstlerin gewählte Thema und die Art der Darstellung als einer jungen Frau nicht angemessen angesehen wurden. Dass Ries sich nicht scheute, mit ihrer Kunst Grenzen zu überschreiten, trug mit zu ihrem großen Erfolg bei. Für Aufmerksamkeit und zahlreiche Presseberichte sorgte auch, dass Kaiser Franz Josef Gefallen an der Skulptur fand und sich während der Ausstellung ausgiebig mit der Künstlerin unterhielt.[9]

Pressestimmen, die im Anschluss an die Eröffnung folgten, waren Teresa F. Ries nicht nur wohl gesonnen, denn sowohl Thema als auch die Ausführung der Figur, insbesondere durch eine weibliche Künstlerin, sorgten für Aufsehen und stark erregte Gemüter. Harsche Kritiken der Journalisten urteilen, dass Ries eine „scheußliche Fratze“ aus „edlem Marmor“ (Kunstkritiker Emmerich Ranzoni, 1896) gefertigt habe und die Skulptur ein „Häßliches (sic!), ja Ekelhaftes [...] Grauengebilde“ sei[14]. Andere Pressestimmen wünschen der jungen Künstlerin sogar, dass „der Teufel“ sie, wie ihre Hexe „auch holen“[15] solle. Auch diffamierende Kommentare im Bezug auf Ries Geschlecht und ihr Talent „von männlicher Qualität“[16] bleiben nicht aus.

Obgleich Ries vorgehalten wurde, sie habe lieber „üble Nachrede als gar keine“[17] gehabt, gab es auch positive Stimmen über die Skulptur der Hexe zu lesen: Sie sei „kräftig im Ausdruck und fein durchgebildet. Und der ‚Zug‘ im Ganzen: das ist aus einer Natur heraus!“[18]. In vielen Beiträgen wird die Themenwahl mit Erstaunen als gewagt, aber humorvoll umgesetzt kommentiert.

Pressestimmen und Kommentare zur Hexe, die in größerem zeitlichen Abstand zur ersten Ausstellung erschienen, äußerten sich mehrheitlich positiv über die Skulptur. Der österreichische Literat Stefan Zweig drückt 1903 seine besondere Wertschätzung aus und zieht Parallelen zu den Skulpturen und Themen August Rodins.[19] Bernhard Münz attestierte der Figur synästhetische Wirkung, als er davon berichtete, er imaginiere Musik, welche die Hexe wie Sturm und Wetter auf einem Ritt zum Blocksberg begleite – eine Referenz an die populäre Blocksbergszene, die Johann Wolfgang von Goethe weniger als 100 Jahre zuvor in seinem Faust beschrieb.[20]

Im Jahr 2021 wurde die Ausstellung Un Paradiso Amaro / Bitter Paradise von der Kuratorin Valerie Habsburg ausgerichtet. In dieser Ausstellung setzen sich verschiedene zeitgenössische Künstlerinnen mit dem (Wieder-)Erinnern an das politisch herbeigeführte Vergessen der bildhauerischen Werke von Teresa Feodorowna Ries in „künstlerischer, spekulativer und kritisch kunstanalytischer“[21] Form auseinander. Im Zentrum stand die Rezeption und die Frage nach der Rekonstruktion der Ries’schen Hexe, die ebenfalls bei der Ausstellung zu sehen war.[22]

Kultur- und kunsthistorische Einordnung

Hexen(-darstellungen) und Magieglaube bis zum 19. Jahrhundert

Die Epoche der europäischen Hexenverfolgung reicht vom späten 15. Jahrhundert mit dem Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit bis zum Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert.[23] Ihr fielen größtenteils Frauen zum Opfer.[24] Die meisten wurden beschuldigt, einen Pakt mit dem Teufel und seinen Dämonen geschlossen und sich von Gott abgewandt zu haben. In der Vorstellung der Menschen bestand der Teufelspakt darin, dass Frauen nachts auf Besen, Ofengabeln oder Dämonen zu einem Hexensabbat ritten, der eine Umkehrung der christlichen Messe und ihrer Symbole darstellte. An geheimen Orten buhlen die Hexen mit Teufeln, üben Schadenszauber aus oder führen geheime Rituale und Handlungen durch. Das Motiv der Verkehrung der Weltordnung ist für die (historische) Hexenverfolgung von zentraler Bedeutung.[25][26]

Mit dem Ende der Hexenverfolgung und der Bewegung der Aufklärung bilden sich im 18. Jahrhundert zwei Linien des magischen Denkens heraus: Jene der „magisch-naturphilosophischen“ (z. B. Alchemie) und jene, die „Teufelsglaube[n], [die] Inquisition [und die] Hexenverfolgung“ umfasst.[27]

Mit der Rationalisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert ging der Glaube an Hexerei in der Bevölkerung allmählich zurück. Das eröffnete den Weg für eine Neuinterpretation des Hexenbildes, das von den Romantiker zu einem „integralen Bestandteil der mittelalterlichen Welt“ überhöht wurde.[23]

In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm beispielsweise erscheint die Hexe als alte, böse und kinderfressende Frau, während in Jacob Grimms Deutscher Mythologie, die er als wissenschaftliches Werk verfasste, Hexen als Anhängerinnen eines alten heidnischen Glaubens imaginiert werden, die von der Inquisition verfolgt wurden. Diese von Jacob Grimm erdachte Hexenvorstellung gewann an Popularität und entwickelt sich bis zum heutigen Tage weiter. Sie gipfelte in der allmählichen Wiederaneignung der Hexenfigur seit der feministischen Frauenbewegung der 1960er Jahre.[28]

Die Hexe als Skulptur des Symbolismus

Der Symbolismus ist als Gegenbewegung zu den populären Strömungen des 19. Jahrhunderts – Realismus, Naturalismus und Historismus sowie Wissenschaft, Technik und Sozialismus – zu verstehen. In der Kunst des Symbolismus werden Themen wie Okkultismus, das Unterbewusste und das Übersinnliche thematisiert und Inspiration aus Volksmärchen, Sagen und Mythen gezogen. Dabei bildete sich nur eine einheitliche thematische Ebene, aber keine gemeinsame Form- und Gestaltungssprache innerhalb der künstlerischen Bewegung heraus.[29] Künstler und Künstlerinnen dieser Epoche drücken sich meist in Malerei und Grafik aus, doch ein populäres Beispiel für ein bildhauerisches Werk ist die Denker-Figur des französischen Künstlers Auguste Rodin.

Frauendarstellungen gehören zu den beliebtesten Motiven in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts, auch in der Kunst des Symbolismus. Bekannt sind insbesondere Darstellungen der Frau als Femme Fragile oder Femme Fatale. Hexen werden im Allgemeinen als letzter eingestuft und als geheimnisvolle Frauentypen dargestellt.[30]

Auch Ries' Hexe weist viele Merkmale auf, die der Kunstströmung des Symbolismus entsprechen: So stellt Ries hier keine spezifische Hexenfigur dar, sondern konstruiert einen Archetyp, der aufgrund seiner Attribute und der Atmosphäre erkennbar wird. Dabei bedient sie sich stereotypischer Merkmale, die sie aus Märchen, Sagen oder Mythen, genau wie aus kunsthistorischen Darstellungen bezieht.

Vorbilder und Themen

Albrecht Dürer, Die Hexe, ca. 1500

Für die Skulptur der Hexe, Toilette machend zur Walpurgisnacht, hat sich Ries wahrscheinlich an vielen verschiedenen Vorbildern und Themen orientiert.

Die Plastik lässt an die Hexendarstellungen Hans Baldung Griens und Albrecht Dürers denken, die das zentrale Erkennungsmerkmal der fliegenden Haare für Hexendarstellungen popularisiert haben. In ihren Gemälden sind Hexen Frauen, die mit Dämonen im Bunde stehen und gefürchtet werden müssen. Die Hexe der jungen Künstlerin hat durchaus eine furchteinflößende Aura, die auch durch die realistische und zugleich skurrile Erscheinung der Skulptur ihre Wirkung entfaltet.

Gleichzeitig kommen erotische und voyeuristische Komponenten der Darstellung von Hexen bereits Dürers und Griens zum Tragen. Oft werden Anspielungen auf antike Figuren gemacht, wie dem der Venus Pudica, die mit der eigenen Hand (erfolglos) die Scham vor den Blicken des Betrachters abschirmt. Dürers Vier Hexen (1497) zeigen dieses Motiv und auch bei Ries’ Hexe wird die Geste angedeutet – hier schirmt die Hand mit der Schere den Blick des Betrachters ab, verdeckt wird di Scham aber von ihrem langen Haar.

Albrecht Dürer, Vier Hexen, 1497

Das Thema des Frauenbades, das mit Voyeurismus assoziiert wird und sich in Ries’ Hexe, die Toilette für die Walpurgisnacht macht, wiederfindet, ist ein beliebtes Thema in der bildenden Kunst. Nicht selten zeigt es Frauen, die zum Typen der Femme Fatale gezählt werden. Weitere Beispiele für mystische Frauenwesen beim Bad, die Männern gefährlich werden und die sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten, sind die Melusine oder die Loreley. Interessant an Ries’ Skulptur ist auch, dass die Hexe weder überrascht noch beschämt über den Umstand zu sein scheint, vom Betrachter bei der Verrichtung ihrer Toilette beobachtet zu werden. Vielmehr hebt sie herausfordernd den Blick und grinst den Zuschauer feist an.

Auguste Rodin – Iris, Götterbotin, 1891/1895

Ries wird sich bei der gestalterischen Planung der Hexe nicht nur an historischen Darstellungen von Frauen, Hexen oder weiteren mystische Frauenwesen orientiert, sondern ebenso populäre Größen ihrer Zeit, wie Auguste Rodin, der die Gattung der Plastik am Ende des 19. Jahrhunderts revolutionierte, gekannt haben. Gerade die stilistische Art der Darstellung und jene, in der Ries’ Hexe bewusst von einigen durch Rodin eingeführten Stilkomponenten abweicht, legt eine Kenntnis und Bewunderung der Skulpturen des französischen Künstlers nahe. Es zeigt auch den Wunsch nach einer Abgrenzung zu den Werken Rodins und widerlegt die Vorwürfe, Ries habe den Stil des Künstlers kopiert.

Ausstellungen und aktueller Standort

  • 1896: Wiener Kunstschau, Wien
  • 1906: Ries Jubiläumsausstellung in ihrem eigenen Atelier, Wien
  • 1970–1990er Jahre: Aufstellung in einem öffentlichen Park in Wien
  • 1998: Enthüllt – Ein Jahrhundert Akte österreichischer Künstlerinnen, Baden
  • 2008: Störenfriede, Der Schrecken der Avantgarde von Machart bis Nietsch, Linz
  • 2016: Die bessere Hälfte – Jüdische Künstlerinnen bis 1938, Jüdisches Museum Wien
  • 2019: Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938, Wien
  • 2021: Un Paradiso Amaro / Bitter Paradise, Wien
  • seit dem 6. Dezember 2023: Dauerausstellung des Wien Museum, IN: Schönheit am Abgrund. Wien um 1900, Wien

Literatur

  • Teresa Feodorowna Ries: Die Sprache des Steins. Kristall-Verlag, 1928.
  • Barbara Beer, Alexandra Czarnecki: Es geht nicht um schön. 15 Fallbeispiele mit spektakulären Objekten. Residenz Verlag. 2023.
  • 23. Bericht der Amtsführenden Stadträtin für Kultur und Wissenschaft von Wien über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 in der Fassung vom 29. April 2011 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien, der Wienbibliothek im Rathaus sowie dem Jüdischen Museum der Stadt Wien Digitalisat
  • Valerie Habsburg: Curatorial Reflections about Un Paradiso Amaro / Bitter Paradise In: Łukasz Gusek (Hrsg.): Stuka I Dokumentacja (26). Danzig 2022. S. 224–240. Digitalisat
  • Valerie Habsburg: The Sculptor Teresa Feodorowna Ries and her Private Archive. In: Łukasz Gusek (Hrsg.): Stuka I Dokumentacja (21). Danzig 2019. S. 133–141.
  • Anka Leśniak: Teresa Feodorowna Ries and The Witch. In: Łukasz Gusek (Hrsg.): Stuka i Dokumentacja (21). Danzig 2019. S. 143–158. (Digitalisat)
  • Stella Rollig / Sabine Fellner (Hrsg.): Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien 1900 - 1938 (Kat. Ausstellungen. Unteres Belvedere Wien 2019). Wien 2019. S. 101–104.
  • Sabine Fellner, Andrea Winkelbauer: Die bessere Hälfte – Jüdische Künstlerinnen bis 1938 (Kat. Ausstellungen. Jüdisches Museum Wien 2016/2017). Wien 2016. S. 13–28.
  • Julie M. Johnson: Memory Factory: The Forgotten Women Artists of Vienna 1900. West-Lafayette 2012.
  • Ada Raev: Russische Künstlerinnen der Moderne 1870 - 1930. München 2002.
  • Bernhard Münz: Theresa Feodorowna Ries. In: Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Jg. 1906, H. 3, März 1906, S. 183–188. (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. ↑ z. B. in: Das interessante Blatt, 9. April 1896, Wien.
  2. ↑ Hexe beim Zehennägelschneiden und andere Schmankerln im neuen Wien-Museum. Abgerufen am 21. Dezember 2023 (österreichisches Deutsch). 
  3. ↑ Dagmar Lorenz: Wiener Moderne. Stuttgart/Weimar 1995, S. 170 f. 
  4. ↑ a b Silvie Aigner: Bildhauerinnen der Jahrhundertwende und der Zwischenkriegszeit. In: Stella Rolling, Sabine Fellner (Hrsg.): Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien 1900 - 1938. (Kat. Ausstellungen. Unteres Belvedere Wien 2019). Wien 2019, S. 101. 
  5. ↑ Sabine Fellner: "Schade, daß sie in dem Wahne lebt, Männerarbeit tun zu wollen, dafür ist sie nicht geboren." - Teresa Feodorowna Ries. In: Andrea Winkelbauer, Sabine Fellner (Hrsg.): Die bessere Hälfte - Jüdische Künstlerinnen bis 1938 (Kat. Ausstellungen. Jüdisches Museum Wien 2016/2017). Wien 2019, S. 15–30. 
  6. ↑ Valerie Habsburg: The Sculptor Teresa Feodorowna Ries and her Private Archive. In: Łukasz Gusek (Hrsg.): Stuka i Dokumentacja. Band 26. Danzig 2002, S. 224 - 240. 
  7. ↑ Teresa Feodorowna Ries: Die Sprache des Steins. Wien 1928. 
  8. ↑ Charles Zika: The appearance of witchcraft. Print and visual culture in sixteenth-century Europe. New York 2007. 
  9. ↑ a b c Anka Leśniak: Teresa Feodorowna Ries and The Witch. In: Łukasz Gusek (Hrsg.): Stuka i Dokumentacja (https://www.journal.doc.art.pl/pdf21/art_and_documentation_21_teresa_ries_studies_lesniak.pdf). Nr. 21. Danzig 2019. 
  10. ↑ Vorgestellt_Alexandra_Czarnecki. Abgerufen am 24. Dezember 2023. 
  11. ↑ Forschungsprojekt Hexe bei der Toilette. Abgerufen am 28. Dezember 2023. 
  12. ↑ Michaela Schneider: Von Unterdrückung und weiblicher Selbstbehauptung. In: Main-Echo. 1. Dezember 2023, abgerufen am 28. Dezember 2023. 
  13. ↑ a b Thomas Trenkler: „Soll alles dem jüdischen Volk gehören“. In: Kurier. 17. Dezember 2023, S. 35. 
  14. ↑ vgl. Die Presse, 3. April 1896
  15. ↑ vgl. Die Presse, 22. März 1896
  16. ↑ vgl. Innsbrucker Nachrichten, 4. Mai 1896 oder Deutsches Volksblatt, 10. April 1896 oder Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 13. April 1896
  17. ↑ vgl. Österreichische Kunst-Chronik, 1896
  18. ↑ vgl. Wiener Salonblatt, 31. Mai 1896
  19. ↑ Stefan Zweig: Das Geheimnis des künstlerischen Schaffens. Hrsg.: Knut Beck. Frankfurt am Main 1984. 
  20. ↑ Bernhard Münz: Theresa Feodorowna Ries. In: Ost und West. Nr. 3, 1906. 
  21. ↑ Un Paradiso Amaro / Bitter Paradise. 9. Oktober 2021, abgerufen am 28. Dezember 2023. 
  22. ↑ Valerie Habsburg: Curatorial Reflections about "Un Paradiso Amoro / Bitter Paradise". In: Łukasz (Hrsg.): Sztuka i Dokumentacja. Nr. 26. Gdansk 2022, S. 224 - 240 (art.pl [PDF]). 
  23. ↑ a b Christa Tuczay: "The nineteenth century: medievalism and witchcraft". Hrsg.: J. Barry et al. Paulgrave Advances in Witchcraft Historiography, 2007. 
  24. ↑ Shen: Feminist Redemption. 2008. 
  25. ↑ Wolfgang Behringer: Hexenverfolgung. 2008. 
  26. ↑ Christina Schade: Hexendarstellungen. 1987, S. 179 - 218. 
  27. ↑ Leander Petzold: Das Bild der Hexe in der populären narrativen Tradition des 19. Jahrhunderts. Zur Wirkungsgeschichte des "Malleus malleficarum". Hrsg.: Marion George, Andrea Rudolph. Hexe – Sorcières: Historische Faktizität und fiktive Bildlichkeit. Dettelbach 2004. 
  28. ↑ Qinna Shen: Feminist Redemption of the Witch: Grimm and Michelet as Nineteenth-Century Models. In: Focus on German Studies. Nr. 14, 2008, S. 19–33. 
  29. ↑ Friedrich Meschede: Was denkt sich der Denker? Spuren des Symbolismus in der Plastik. Hrsg.: Jutta Hülsewig-Johnen, Henrike Mund. Schönheit und Geheimnis. Der deutsche Symbolismus - die andere Moderne. Bielefeld 2013. 
  30. ↑ Carola Hilmes: Die Femme Fatale. Exemplarische Untersuchung zu einem ästhetischen Weiblichkeitstypus im Fin De Siècle. Stuttgart 1990. 

Weblinks

  • Website zu Teresa Feodorowna Ries, die im Rahmen der Ausstellung Un Paradiso Amoro / Bitter Paradise entstanden ist:
  • Im Zuge der Restaurierung wurde vom Wien Museum ein Film des Vorgehens realisiert: Rekonstruktion eines feministischen Meisterwerks, Wien Museum



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Hexenbesen (Mauerwerk)

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Das Symbol des Hexenbesens in einem Ziegelgiebel im Wohnhaus Himmelreich 29 in Otterndorf

Der Hexenbesen, auch Donnerbesen genannt, ist ein altes Symbol im Mauerwerk, das Schaden abwenden oder Glück bringen soll. Die verschiedenen Ausführungsformen haben als Gemeinsamkeit das auf die Spitze gestellte Dreieck aus mehreren Ziegeln.

Herkunft

Das Symbol findet man häufiger im Norden Deutschlands in den Giebelwänden von Klinkerbauwerken und altsächsischen Hufnerhäusern. Oft wird es gemeinsam mit dem Symbol der Windmühle dargestellt, wobei der Hexenbesen gegen Unwetter und die Windmühle für Glück stehen. Die Begriffe Hexenbesen und Donnerbesen werden ebenfalls für abnorm buschige Äste an Bäumen und auch für Misteln verwendet. Ursprünglich wurden solche Äste am Hausgiebel befestigt als Abwehr von Sturmschäden. Das gemauerte Symbol ist demnach die dauerhafte Form als Apotropaion.

Ziegelfigur Windmühle, Ehlers Scheune Wilmsdorf, Travemünder Winkel

Literatur

  • Johann Folkers: Das Bauerndorf im Kreise Herzogtum Lauenburg. In: Lauenburgische Heimat. (Zeitschrift, 1927)
  • Christian Petersen: Der Donnerbesen. (Kiel 1862)
  • Marianne Rumpf: Donnerbesen. Mythos und Wirklichkeit. In: Beiträge zur deutschen Volks- und Altertumskunde 18. (1979) S. 15–56.



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Phyllis Curott

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Phyllis Curott in Palermo

Phyllis W. Curott (* 8. Februar 1954) mit Hexenname Aradia ist eine US-amerikanische Wicca-Priesterin, Rechtsanwältin und Buch-Autorin.[1]

Biographie

Curott wuchs in Lynbrook, Long Island in USA auf.[2] Ihre Eltern waren agnostisch-atheistische, sozialliberale Intellektuelle, die sie ermutigten, ihre eigenen Entscheidungen über die Theologie zu treffen. Ihr Vater, der bereits mit zwölf Jahren zur See fuhr, war Gewerkschaftsfunktionär, während ihre Mutter, die aus einer wohlhabenden und gebildeten Familie kam, sich in der Bürgerrechtsbewegung für die Gleichberechtigung der Rassen in den Vereinigten Staaten einsetzte.[2]

Curott machte den Bachelor-Abschluss im Fach Philosophie an der Brown University, bevor sie den Doktor in Jura an der New York University School of Law ablegte.[3][4][5][6]

Karriere und Film

Nach Abschluss ihres Jurastudiums arbeitete Curott in Washington, DC als Lobbyist für Ralph Nader.[5] Nach ihrer Rückkehr nach New York City praktizierte Curott in Arbeitsrecht, Medienrecht und Immobilienrecht.[2][5][6][7] Darüber hinaus ist sie ein ausgesprochene Verfechter der Religionsfreiheit von Wiccans und anderen religiösen Minderheiten.[8][9][10] Sie erlangte das Recht als Wiccapriesterin, legal verbindliche Hochzeiten und Rituale in öffentlichen Parks durchzuführen.[3][11][9]

Curott produzierte mehrere unabhängige Filme, darunter "New Year’s Day" unter der Regie von Henry Jaglom.[12][13] “New Year’s Day” wurde als US-Beitrag zum Filmfestival in Venedig 1989 ausgewählt.[14] Außerdem spielte Curott 1992 die Rolle einer Journalistin im US-Film „Venice Venice“.[15]

Religiöse und vermittelnde Arbeit

Nach dem Jurastudium, als Curott eine Rockband namens The Dates managte, befreundete sie sich mit einer anderen Managerin, die Curott in Wicca einführte.[12] 1981 wurde Curott in Wicca initiiert und erhielt den Hexennamen Aradia.[12][2]

Curott ist eine Wicca-Hohepriesterin sowie Gründerin und Präsidentin des Tempels von Ara, eine der ältesten Wicca-Gemeinden in Amerika.[16][4][2][17] Curott ist Alterspräsidentin des Covenant of the Goddess (COG).[5][6] Sie ist häufig auch als Gast-Geistliche in der Unitarian Universalist Church und in der Kathedrale von St. John the Divine in New York City aufgetreten.[18][6] Curott hat Vorträge am Learning Annex in New York[3] sowie bei Neopagan- und interreligiöse Veranstaltungen gehalten. Während ihrer Zeit als Präsidentin des COG war Curott Mittelpunkt zweier Kontroversen im Parlament der Weltreligionen in Chicago 1993. Die Delegationen der Griechisch-Orthodoxen und der Russisch-Orthodoxen boykottierten das Parlament der Weltreligionen, weil Curott als Rednerin auftreten durfte.[11] Eine Anfrage von COG zur Genehmigung einer Ritualveranstaltung im Grant Park wurde von der Chicago Parkverwaltung zunächst abgelehnt. Nachdem aber der Erzbischof Joseph Cardinal Bernadin von Chicago live im Fernsehen um das Recht der Wicca für Rituale in öffentlichen Parks stritt, revidierte die Parkverwaltung ihre Ablehnung und Currot konnte einen Ritus zu Ehren der Mutter Erde im Grant Park durchführen.[11][9]

Als eine globale, religionsübergreifende Aktivistin befürwortet Curott die Spiritualität der Frauen und umweltbewusste Religionen. Sie hat hierzu im Parlament der Weltreligionen 1993, 2004 und 2009 als Hauptrednerin zusammen mit dem Dalai Lama gesprochen. Sie ist Beraterin des Rates für das Parlament der Weltreligionen und arbeitet im Exekutivkomitee. November 2012 wurde Curott einstimmig zur Vizevorsitzenden des Parlaments der Weltreligionen für das Jahr 2013 gewählt.[19] Curott war auch als Mitglied der Versammlung der Weltreligionsführer und als Geistlicher Beirat des „Network of Spiritual Progressives“ tätig. 1999 beteiligte sich Curott an der Harvard University am Pluralismus Projekt „Konsultation über religiöse Diskriminierung und Verständigung“.[20] Als Mitglied des NGO-Komitees der Vereinten Nationen über die Rechtsstellung der Frau nahm Curott bei der Planung des Pekinger Forum zum Status von Frauen teil und bearbeitete das Thema Religion und die Stellung der Frau.[21] Sie hat als Vizevorsitzende des Parlaments der Weltreligionen auch die Women’s Task Force eingerichtet.[22] Sie wurde vom Magazin Jane als eine der zehn mutigsten Frauen geehrt.[23]

Bibliographie

Curott ist Autorin von drei Büchern über moderne Hexerei und Göttin-Spiritualität. Curott beschrieb in ihren Memoiren "Buch der Schatten" die Chronik ihrer Einführung in die moderne Hexerei durch die Initiation als Wiccapriesterin, in dem Bemühen, falsche Vorstellungen über Hexen zu vertreiben.[4][24] Ihre Arbeiten wurden übersetzt ins Spanische, Italienische, Niederländische, Deutsche und Türkische.

  • 1998 – Book of Shadows (biography)|Book of Shadows: A Modern Woman's Journey into the Wisdom of Witchcraft and the Magic of the Goddess (Broadway Books) ISBN 0-7679-0054-5
  • 2001 – WitchCrafting: A Spiritual Guide to Making Magic (Broadway Books) ISBN 0-7679-0825-2
  • 2004 – The Love Spell: An Erotic Memoir of Spiritual Awakening (Gotham Books/Penguin) ISBN 1-59240-097-3

Beiträge

  • 1995 – Sourcebook of the World's Religions: an Interfaith Guide to Religion and Spirituality edited by Joel Diederik Beversluis (Sourcebook Project) ISBN 0-9637897-1-6, ISBN 978-0-9637897-1-6
  • 1995 – People of the Earth: The New Pagans Speak Out (reissued as: Being a Pagan: Druids, Wiccans, and Witches Today) by Ellen Evert Hopman & Lawrence Bond (Inner Traditions) ISBN 0-89281-559-0, ISBN 978-0-89281-559-3
  • 2002 – Wiccan Wisdom Keepers: Modern Day Witches Speak on Environmentalism, Feminism, Motherhood, Wiccan Lore, and More by Sally Griffyn (Samuel Weiser) ISBN 1578632579, ISBN 978-1578632572
  • 2004 – Pop! Goes the Witch: The Disinformation Guide to 21st Century Witchcraft by Fiona Horne (contributor) (The Disinformation Company) ISBN 0-9729529-5-0, ISBN 978-0-9729529-5-8
  • 2005 – Cakes and Ale for the Pagan Soul: Spells, Recipes, and Reflections from Neopagan Elders and Teachers by Patricia Telesco (Crossing Press) ISBN 1-58091-164-1, ISBN 978-1-58091-164-1
  • 2012- Women, Spirituality, and Transformative Leadership: Where Grace Meets Power edited by Kathe Shaaf et al. (SkyLight Paths Publishing) ISBN 978-1-59473-313-0

Literaturempfehlung

  • Bond, Lawrence & Ellen Evert Hopman (1996) People of the Earth: The New Pagans Speak Out (reissued as Being a Pagan: Druids, Wiccans & Witches Today in 2002 Destiny Books ISBN 0-89281-904-9) Interview.
  • Horne, Fiona (2004) Pop! Goes the Witch: The Disinformation Guide to 21st Century Witchcraft (The Disinformation Company) ISBN 0-9729529-5-0, ISBN 978-0-9729529-5-8
  • Krassner, Paul The Blame Game in The Huffington Post, August 26, 2005.
  • Krassner, Paul Life Among the Neo-Pagans in The Nation, August 24, 2005
  • Lewis, James R. (1999) Witchcraft Today: an Encyclopedia of Wiccan and Neopagan Traditions (ABC-CLIO) ISBN 1-57607-134-0, ISBN 978-1-57607-134-2

Einzelnachweise

  1. ↑ Phyllis Curott, (1998) Book of Shadows: A Modern Women's Journey into the Wisdom of Witchcraft and the Magic of the Goddess Broadway Books
  2. ↑ a b c d e Charles W. Bell, "A Witch Explains Her Craft", New York Daily News, October 31, 1998, p. 21
  3. ↑ a b c Larissa MacFarquhar, “Get Smart” New York Magazine, vol. 28 No. 31, Aug 7, 1995, p. 48
  4. ↑ a b c Doreen Carvajal, "Better Living Through Sorcery: New Broom Sweeps Witches’ World", New York Times, Oct. 26, 1998, p. B1
  5. ↑ a b c d Michael Kilian, "Bewitching Hour: Late ‘90s See a Revival in Goddess Worship", Chicago Tribune, Nov. 12, 1998, p. 10B
  6. ↑ a b c d Mary Rourke, "She’s Got That Old Time Religion: Witchcraft; A Premonition Led a Lawyer to Find Her Calling as a High Priestess of Witchcraft", Los Angeles Times, Sept. 3, 1998, p. E1
  7. ↑ Robert Walters, “Feds Fail to Police the Unions”, Waycross Journal-Herald (GA), Nov. 11, 1980, p.3
  8. ↑ „A Newfound Religious Freedom at the City Clerk’s Office“ New York Magazine May 27, 1985 p. 14
  9. ↑ a b c James R. Lewis „Witchcraft Today: An Encyclopedia of Wiccan and Neopagan Traditions“, ABC-CLIO, (Santa Barbara, CA), 1999, p. 66
  10. ↑ Laura Williams, “The Fair Witch Project: High Priestess Out to Clean Up Frightful Image”, New York Post, Oct. 31, 1999, p. 5
  11. ↑ a b c Don Lattin, “‘Pagans’ At Parliament Irk Orthodox”, Spartanburg Herald-Journal (SC), Sept. 3, 1993
  12. ↑ a b c David Friedman “That Old Time Religion With a Drop of Oil and a Kiss on the Cheek, a Coven of New Yorkers Regularly Enters the `Sacred Space' of Modern Witchery”, Newsday, Oct. 10, 1991, p. 92.
  13. ↑ Kevin Thomas, “Jaglom Caps Decade of Romantic Angst With 'New Year's Day'” Los Angeles Times, December 13, 1989
  14. ↑ Michael Wilmington, “Life Invades a Film Festival in Jaglom’s ‘Venice’: Shooting Once Again on a Near Shoestring, the Director Constructs an Unusually Lush Imaginary Cinematic Diary”, Los Angeles Times, Oct. 9, 1992
  15. ↑ “Turner Movie Classics”
  16. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 3. April 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/templeofara.com Story" Temple of Ara official website
  17. ↑ “Talk of the Nation”, NPR, Oct. 29, 1998 (transcript #98102902-211)
  18. ↑ Molly O’Neill, “It’s Beginning to Look a Lot Like Solstice”, NY Times, Dec. 19, 1993
  19. ↑ “The Parliament Board Reaffirms its Direction” (Memento des Originals vom 16. November 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.parliamentofreligions.org
  20. ↑ Consultation on Religious Discrimination and Accommodation – The Pluralism Project at Harvard University
  21. ↑ Grove Harris, “Priestesses of the Goddess”, The Pluralism Project at Harvard University
  22. ↑ “Womens Task Force at the Parliament of the World's Religions” (Memento des Originals vom 4. November 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.parliamentofreligions.org
  23. ↑ Making Love in Public: An Interview with Author Phyllis Curott by Allyson E. Peltier - Absolute Write Website (Memento des Originals vom 21. Mai 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.absolutewrite.com
  24. ↑ Linda Drogin, “The Witches of New York”, Spotlight Magazine, vol. 23, No. 10, Oct. 1999 p. 32.

Weblinks

  • Phyllis Curotts Webseite in Englisch
Normdaten (Person): GND: 123763940 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n98031195 | VIAF: 18139708 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Curott, Phyllis
ALTERNATIVNAMEN Curott, Phyllis W.
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Wicca-Priesterin und Anwältin
GEBURTSDATUM 8. Februar 1954



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Fastnachtshexe

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026
Offenburger Hexe
Gengenbacher Hexe, 2014
Löffinger Hexen, 2016

Die Fastnachtshexe ist eine populäre Narrenfigur insbesondere der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, auch in den Alpenländern Schweiz und Österreich.[1] Der Ursprung der Fastnachtshexe fand bislang keine zureichende Erklärung. Die Figur lässt sich historisch vor dem Hintergrund der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung und von der Bildsprache der Märchen-Hexe herleiten.

Geschichte

Vorläufer der heutigen Hexenfiguren sind schon aus dem Mittelalter überliefert: Männer in Frauenkleidern, die nach dem Motto Verkehrte Welt kostümiert waren. Alte Weiber, Unholdinnen, Wilde Weiber, Kräuterweiber und Schrättele waren zudem lange vor der Etablierung der Fasnachtshexe heutiger Prägung Bestandteil der schwäbisch-alemannischen und alpenländischen Fastnacht und lieferten die Vorlagen. Die Hexenfigur der Fastnacht ist indessen deutlich jünger als die Figur des Teufels, die sich bereits im 15. Jahrhundert belegen lässt und zu den ältesten Fastnachtsgestalten überhaupt zählt, an deren Seite die Fastnachtshexe erst Ende des 19. Jahrhunderts auftritt. Die älteste erhaltene Hexen-Maske ist eine „Hexenmutter“-Larve und stammt aus Tirol, wo Fastnachtshexen vereinzelt schon seit Ende des 18. Jahrhunderts bekannt und bis heute verbreitet sind, etwa beim Nassereither Schellerlaufen und Imster Schemenlaufen. In Österreich zählen Hexenfiguren bei „Perchtenläufen“ zu den „schiachen“ (obdt. für hässlich, schlimm, böse) Perchten.

In Furtwangen und anderen südwestdeutschen Orten lässt sich ein Fastnachtsbrauch bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, bei dem es ab dem 20. Januar den Buben erlaubt war, sich mit Frauenkleidern – noch ohne Masken – als „Hexen“ zu verkleiden. Diese „Hexen“ waren Figuren der unorganisierten bäuerlichen Fastnacht, zu deren Handwerk neben dem Besenumtrieb auch das Rußeln gehören konnte, wie es heute noch von Rußhexen in Empfingen ausgeführt wird.

Als älteste Fastnachtshexen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gelten zwei Figuren aus der Ortenau, die Offenburger Hexe und die Gengenbacher Hexe[2], sowie die Löffinger Hexe aus dem Hochschwarzwald, die dort jeweils um 1934 eingeführt wurden und früher (Offenburg 1935) oder später (Gengenbach 1938, Löffingen 1958) geschnitzte Holzmasken trugen.[3] In Bad Waldsee wurde 1936 mit dem Schrättele eine weitere frühe Hexenfigur mit einer markanten, zweigesichtigen Holzmaske geschaffen; entworfen von Holzbildhauer Max Strobel (1895–1952).[4] Etwa zeitgleich trat an der Bräunlinger Fastnacht mit der „Hexe Suri“ eine Einzelfigur in Erscheinung, die mit einem Reisigbesen Kindern nachrannte, wenn diese sie mit Neckversen ärgerten. Schon vor der eigentlichen Fastnachtszeit versammeln sich in Bräunlingen seit den 1930er Jahren jeweils an Mariä Lichtmess (2. Februar) die „Urhexen“ am „Hexenfeuer“ zu ihrem „Hexenlauf“.[5] Bereits an der Fastnacht 1932 nahmen in Kirchzarten die sogenannten „Pfuddleschoobewieber“ im Gewand alter Bauersfrauen am Umzug teil. 1935 entstand aus dieser Gestalt in Anlehnung an eine örtliche Sage die Figur der „Brigitti-Hexen“, aus der schließlich die „Höllengeister“ (Hexen) der „Höllenzunft Kirchzarten“ hervorgingen, die seit 1949 die markanten Holzmasken (Gerhard von Ruckteschell) tragen und zusammen mit den „Geistertreibern“ (Teufel) auftreten.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die „alemannische Volksfastnacht“ allgemein zu einem Vorzeigestück des Volksbrauchtums, wobei besonders die seinerzeit aufkommenden Hexenfiguren als vermeintlicher Ausdruck der „Volksseele“ und altgermanischen Volksglaubens vereinnahmt und propagiert wurden.[6] So führten etwa bei der Einweihung des Hauses der deutschen Kunst in München 1937 die Offenburger Hexen bei einer in großem Stil inszenierten Walpurgisnacht ihren „Hexentanz“ auf.[7]

Vor allem in den Jahrzehnten nach 1950 verzeichnete man in vielen örtlichen Fastnachten eine starke Zunahme von neuen Hexenfiguren. Seit den 1980er Jahren beklagen die Brauchpfleger gar ein „inflationäres Überhandnehmen der Hexen“ in der südwestdeutschen Fastnachtslandschaft.[8]

Hexenfiguren sind vermutlich aufgrund ihres wenig reglementiert erscheinenden, wilden Verhaltens bei Narrensprüngen und bei der Straßenfasnet populär. Sie haben sich im gesamten Verbreitungsgebiet der schwäbisch-alemannischen Fastnacht etabliert und in Hexenzünften organisiert, weniger jedoch in den besonders traditionsbewussten Hochburgen.

Kostüme

Saulgauer „Riedhutzel“, 2011

Das Narrenhäs der Hexenfigur wird durch eine traditionell zumeist in Lindenholz geschnitzte, mitunter auch aus Pappmaché gefertigte, und bemalte Larve mit Hakennase, Warzen, Runzeln, wenigen bzw. schiefen Zähnen und starrenden Augen geprägt. In einzelnen Fällen wird das Gesicht angemalt oder mit einer Draht- oder Stoffmaske verhüllt. Trotz der heute verbreiteten Verwendung vorgefräster Schnitzrohlinge sind die jeweiligen Masken einer Hexenzunft nicht uniforme Kopien, sondern kunsthandwerkliche Unikate, die durch die verschiedenen Schnitzer bzw. Holzbildhauer im Laufe der Zeit stilistische Eigenheiten und Modifikationen aufweisen. Im Falle der Löffinger Hexenmaske zeigt sich eine besonders große Vielfalt der verschiedenen Ausdrucksweisen aufgrund der Vorgabe, dass dort jeder neue Hästräger seine Maske aus Rohlingen heraus selbst schnitzen muss. Bei der Kleidung dominieren Kopftücher, derbe Kittel, ausladende Röcke, weiße Bauernunterwäsche, Woll- oder Ringelstrümpfe und Strohschuhe. Dazu trägt die Hexe einen Reisigbesen, mitunter auch eine Ratsche.

Kritik

Kritik an der Figur der Fastnachtshexe wird aus kulturgeschichtlicher und feministischer Sicht geäußert.[9]

Arthur Rackham: Hänsel und Gretel treffen die Hexe, Märchenillustration, 1909.
Hexenverbrennung in Derenburg. Flugblatt, 1555 in Nürnberg bei Jörg Merckel gedruckt.

Nach Ansicht des Volkskundlers Werner Mezger geht die traditionelle Fastnachtshexenfigur mit ihrer stereotypen Erscheinungsform als alte, hässliche und hinterlistig-lauernde Frau „im wesentlichen“ auf die aus Märchen bekannten Hexengestalten, beispielsweise auf die „böse Hexe“ im Märchen Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm zurück; sie hätte „nichts mit den tragischen Opfern früherer Hexenverfolgungen zu tun“.[10] Dagegen lässt sich die Märchenfigur der „bösen Hexe“, so etwa im Grimmschen Märchen Das Rätsel, ihrerseits als Abbild bzw. Nachwirkung des Hexenaberglaubens des 16. Jahrhunderts und danach deuten.[11]

Hexenzunft Obernheim: „Landsknechte des Hofstaats“ zerren „Unholda Moser“ am Strick zum „Hexenprozess“, 2016.
Kräuterhexen Veringenstadt, 2013.

Historischer Zusammenhang

Zahlreiche Hexenzünfte stellen den historischen Zusammenhang zur frühneuzeitlichen Hexenverfolgung ausdrücklich her und verweisen in ihren Gründungsgeschichten, Namensgebung ihrer Figuren und ritualisierten Inszenierungen (Hexensabbat mit dem Teufel, Walpurgisnacht, Hexentaufe, Hexentanz, Hexenprozess u. a.) auf die Dämonologie, den Volksglauben zum Hexenwesen und auf historische Personen zur Zeit der Hexenverfolgung. Entsprechend gibt es bei vielen Hexengruppen einen „Teufel“ als Einzelfigur.

Die 1939 gegründete Hexenzunft Obernheim e. V. rekurriert bei ihrem fastnachtlichen Treiben auf historische Hexenprozesse mit Folterung und Hinrichtung („Hexenverbrennung“) von Frauen, die wegen angeblicher „Teufelsbuhlschaft“ verurteilten worden sind,[12] was ihr 1988 in Hechingen eine von einem Amtsrichter erstattete Strafanzeige wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, nämlich das der unzähligen Opfer der Hexenverfolgung, einbrachte. Das Ermittlungsverfahren wurde unter anderem mit der Begründung eingestellt, dass es an einer „Persönlichkeitsverletzung eines konkret bestimmbaren Personenbereichs“ fehle.[13]

Die 1972 gegründete „Feuerhexen“-Zunft von Bad Buchau schreibt in der Gründungsgeschichte zu ihrer Figur: „Sie erinnert an die finstere Zeit der Hexenverfolgung, die auch an Bad Buchau-Kappel nicht spurlos vorübergegangen ist. So wurde im Jahr 1628 Anna Schilling aus Kappel als Hexe enthauptet und ihr Körper an der Richtstätte verbrannt. Die letzte sogenannte Hexe, Elisabeth Kolb aus Rupertshofen, wurde vom Stiftsgericht im Jahr 1746 zum Feuertode verurteilt und vor 'Kappel draußen' verbrannt.“[14]

Auch der 1983 gegründete Fastnachtsverein „Kräuterhexen Veringenstadt e. V.“ beruft sich in seiner Gründungsgeschichte („Tradition“) ausdrücklich auf eine historische Person, Anna Kramer, der 1680 in Veringen der Prozess gemacht und die als angebliche Hexe hingerichtet wurde. Nach Überzeugung des Fastnachtsvereins werde mit der „Kräuterhexen“-Figur das „Andenken an die hilfsbereite und mutige Person bewahrt, die sie (Anna Kramer) war.“ Das Narrenkostüm der „Kräuterhexen“ sei von dem Hexenhemd inspiriert, das Anna Kramer während der Folter tragen musste und das neben ihren Prozessakten im Stadtarchiv als Relikt im Heimatmuseum Veringenstadt aufbewahrt wird.[15]

Der 2014 gegründete Engstlatter „Murschel-Hexen“ e. V. bezog sich sogar im Vereinsnamen auf eine im 16. Jahrhundert in Balingen der „Hexerei“ bezichtigte, eingesperrte und gefolterte Frau: Anna Murschel. Nach Kritik der Balinger Historikerin Ingrid Helber an der Hexengruppe und deren „pietätlosen“ und „makabren“ Namenswahl[16] beschloss der inzwischen aufgelöste Verein, sich in „Murschel Weible“ umzubenennen.[17]

Die von der 1935 gegründeten „Dorauszunft Saulgau“ tradierte Inszenierung der „Hexenverbrennung“ bzw. „Fastnachtsverbrennung“ am Fastnachtsdienstag geriet wie der Obernheimer „Hexenprozess“ in die Kritik, da sie an die Hinrichtungspraxis zur Zeit der Hexenverfolgung erinnert, bei der Frauen als vermeintliche Hexen auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Vor diesem Hintergrund weihte der örtliche Arbeitskreis „Hexenverfolgung“ in Bad Saulgau 2017 eine Gedenkstele mit den Namen der Opfer der Hexenprozesse in der Zeit von 1518 bis 1732 ein.[18] Bei Fastnachtsverbrennungen werden üblicherweise symbolische Strohpuppen verwendet. Im Gegensatz dazu wird in Bad Saulgau die Strohpuppe personifiziert, im Häs einer „Riedhutzel“-Hexe verbrannt. In einem Käfigwagen aus Holz vor ein Podest gefahren, wird ein „Riedhutzel“-Hästräger von den Bütteln, der Bad Saulgauer Narrenpolizei, übernommen und mit Schlägen ihrer „Saublodern“ aufs Podium getrieben. Schließlich wird die vorbereitete („gesetzte“) „Riedhutzel“-Puppe („Rese“) in einem lodernden Feuer angezündet und an einer Stange auf dem Podium hochgezogen und verbrannt.[19] Die Zunft reagierte auf entsprechende Kritik in den letzten Jahren abwehrend, bezeichnete sie als „leidiges Herummäkeln an der Tradition“ und lehnt Änderungen an der Inszenierung ihrer „Hexenverbrennung“ ausdrücklich ab, wenn sie auch offiziell so nicht mehr genannt wird.[20]

„Gfäll-Hexen“, Simonswald, mit einer Zuschauerin im „Hexenbett“. Narrenumzug in Waldkirch, 2020

Grenzüberschreitungen

Fastnachtshexen wurden und werden überwiegend von jungen Männern verkörpert. Während zahlreiche Hexenzünfte inzwischen Frauen und Kinder aufnehmen, sind u. a. bei der Offenburger Hexenzunft ausschließlich volljährige Männer als Maskenträger „zugelassen“, die zudem eine zweijährige „Probezeit“ absolviert haben müssen.

Bei Umzügen ist es verbreiteter Brauch, dass die meist männlichen „Hexen“ beim sogenannten „Ärgern“ der Besucher vor allem junge Frauen auswählen, diesen dabei Konfetti in die Haare reiben oder sie in mitgeführte „Hexenwagen“ oder „Hexenbetten“ zerren bzw. in „Hexenkäfige“ sperren und dort mit Stroh, Heu oder Papierschnipseln einseifen. Dieses mehr oder weniger reglementierte, potentiell übergriffige „Hexenunwesen“ bei Umzügen steht zunehmend in der Kritik.[21] Beim Nachtumzug 2018 der Hexenzunft Eppingen erlitt eine junge Zuschauerin schwere Verbrühungen an den Beinen, als sie von einem oder mehreren Mitgliedern der Hexengruppe „Bohbrigga Hexenbroda“ „im Scherz“ über einen mitgeführten Hexenkessel gehalten wurde, dabei mit den Beinen in kochend heißes Wasser geriet und anschließend ohne Ersthilfe zurückgelassen wurde. Der Fall löste eine allgemeine Debatte über Narrenumzüge aus und machte als „Hexenkessel-Prozess“ juristisch Schlagzeilen. Aufgrund der Maskierung der 18-köpfigen Hexengruppe erwies sich die Identifizierung der Beteiligten als schwierig.[22] Ein Angeklagter wurde 2018 wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte seine Tatbeteiligung bestritten und ging in Berufung. Da ihm die Tat nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, wurde er 2020 freigesprochen. Die Hexengruppe hatte sich 2018 wegen des Vorfalls aufgelöst und auch Nachtumzüge gab es in Eppingen seitdem nicht mehr.

Bei einem vom Südwestrundfunk live übertragenen Fastnachtsumzug in Horb am Neckar kam es am 28. Januar 2024 zu einem schweren Fall von sexueller Belästigung. Zwei als Hexen verkleidete Männer der „Narrenfreunde Seebronn“ hatten vor laufender Kamera eine SWR-Reporterin in die Zange genommen und sich zunächst mit ihr auf dem Boden gerollt. Anschließend simulierte die oben liegende „Hexe“ durch mehrere Stoßbewegungen Geschlechtsverkehr mit der Frau, die währenddessen zwischen den beiden Männern eingeklemmt war. Das übergriffige Verhalten selbst wie auch die Livekommentare von SWR-Redakteurin Sonja Faber-Schrecklein und ihrem Kollegen Werner Mezger, die an diesem Tag durch die Sendung führten und den Vorfall lachend zu überspielen suchten, lösten im Anschluss erhebliche öffentliche Kritik aus. Die beiden Mitglieder der „Häder-Hexen“-Gruppe wurden für den Rest der Fastnacht 2024 gesperrt. Die beiden Täter haben sich bei der SWR-Reporterin entschuldigt und diese hat laut SWR die Entschuldigung angenommen. Der SWR entfernte in der ARD Mediathek die Film-Sequenz einschließlich der Kommentare.[23] Die Staatsanwaltschaft Rottweil leitete überdies Ermittlungen wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung ein. Das Ermittlungsverfahren wurde schließlich eingestellt, weil sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben habe und keine Anzeige (gemeint ist wohl ein Strafantrag) erstattet worden sei, so die Staatsanwaltschaft.[24]

Galerie

  • Furtwanger Hexen, 2006
    Furtwanger Hexen, 2006
  • „Eckhexen“ der Narrenzunft Aulendorf, Oberschwaben, 2006
    „Eckhexen“ der Narrenzunft Aulendorf, Oberschwaben, 2006
  • „Schrättele“ von Bad Waldsee, mit seinen charakteristischen, unterschiedlichen Gesichtshälften, 2016
    „Schrättele“ von Bad Waldsee, mit seinen charakteristischen, unterschiedlichen Gesichtshälften, 2016
  • Masken (frühere Form) der Löffinger Hexe, Schnitzer: Heiner Stoll, um 1970
    Masken (frühere Form) der Löffinger Hexe, Schnitzer: Heiner Stoll, um 1970
  • „Urhexen“ der Narrenzunft Bräunlingen, hier mit dem von einem Ochsen gezogenen „Hexenrad“, 2016
    „Urhexen“ der Narrenzunft Bräunlingen, hier mit dem von einem Ochsen gezogenen „Hexenrad“, 2016
  • Hexen von Kirchzarten („Höllengeister“) mit dem Teufel als „Geistertreiber“, 2025
    Hexen von Kirchzarten („Höllengeister“) mit dem Teufel als „Geistertreiber“, 2025
  • Alte Schweizer Hexenmaske, Holz, vermutlich Luzern, Anfang des 20. Jahrhunderts
    Alte Schweizer Hexenmaske, Holz, vermutlich Luzern, Anfang des 20. Jahrhunderts
  • Hexenmaske („Schiachperchte“), vermutlich Österreich, 2. Hälfte d. 20. Jahrhunderts
    Hexenmaske („Schiachperchte“), vermutlich Österreich, 2. Hälfte d. 20. Jahrhunderts
  • Hexen beim Imster Schemenlaufen, mit zweiteiliger „Schnapplarve“ („Gschnapp“), Tirol, 2016
    Hexen beim Imster Schemenlaufen, mit zweiteiliger „Schnapplarve“ („Gschnapp“), Tirol, 2016

Literatur

  • Dieter R. Bauer: Die Gegenwart der Hexen. Ein Überblick. In: Sönke Lorenz / Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Aufsatzband, Cantz Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-89322-659-1, S. 161–171.
  • Jörg Kraus: Bedrohungsmetapher mit utopischem Gehalt: die Hexe in der Fasnacht. In: Die Fasnetshex. Narrenfigur mit Rollenproblemen, Materialien 8/1988, hrsg. von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, S. 55–69.
  • Jörg Kraus: Der Weg der Hexe in die Fasnacht. In: Gottfried Korff (Hrsg.): Wilde Masken. Ein anderer Blick auf die Fasnacht. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 1989, ISBN 3-925340-58-0, S. 57–76.
  • Werner Mezger: Schwäbisch-alemannische Fastnacht: Kulturerbe und lebendige Tradition. Mit Fotografien von Ralf Siegele. Konrad Theiss Verlag / WBG, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-8062-2947-9, S. 74 f.
  • Elisabeth Skrzypek: „Toll trieben es die Weiberschaften…“ Frauen feiern die fünfte Jahreszeit, Reutlingen 2016, S. 79–89.

Weblinks

Commons: Fastnachtshexen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Alemannische Larvenfreunde, Maskenmuseum: www.larvenfreunde.de

Einzelnachweise

  1. ↑ Alemannische Larvenfreunde, Maskenmuseum: www.larvenfreunde.de.
  2. ↑ Eine Gengenbacher Hexengruppe („eine greuliche Hexenschar (...) unter Anführung eines rothaarigen Teufels“) wird erstmals an der Fastnacht 1923 erwähnt: Karl Jörger: Fastnacht im Adler. In: Karlsruher Tagblatt, 11. Februar 1923 (deutsche-digitale-bibliothek.de).
  3. ↑ Jörg Kraus: Der Weg der Hexe in die Fasnacht. In: Gottfried Korff (Hrsg.): Wilde Masken. Ein anderer Blick auf die Fasnacht. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 1989, ISBN 3-925340-58-0, S. 66 ff.
  4. ↑ Max Strobel unter: Larvenfreunde.de.
  5. ↑ Hermann Eris Busse: Alemannische Volksfasnacht. Verlag C.F. Müller, Karlsruhe 1937, S. 84 (Abbildung), 100.
  6. ↑ Hermann Eris Busse: Alemannische Volksfasnacht. Verlag C.F. Müller, Karlsruhe 1937, S. 71 und passim.
  7. ↑ Dieter R. Bauer: Die Gegenwart der Hexen. Ein Überblick. In: Sönke Lorenz / Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Aufsatzband, Cantz Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-89322-659-1, S. 162.
  8. ↑ Werner Mezger: Schwäbisch-alemannische Fastnacht: Kulturerbe und lebendige Tradition. Mit Fotografien von Ralf Siegele. Konrad Theiss Verlag / WBG, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-8062-2947-9, S. 75.
  9. ↑ Jörg Kraus: Der Weg der Hexe in die Fasnacht. In: Gottfried Korff (Hrsg.): Wilde Masken. Ein anderer Blick auf die Fasnacht. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 1989, ISBN 3-925340-58-0, S. 58 und S. 105.
  10. ↑ Werner Mezger: Schwäbisch-alemannische Fastnacht: Kulturerbe und lebendige Tradition. Mit Fotografien von Ralf Siegele. Konrad Theiss Verlag / WBG, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-8062-2947-9, S. 75; vgl. hierzu: Fasnetshexe basiert auf Grimms Märchen. In: Schwäbische Zeitung, 15. März 2015 (schwaebische.de).
  11. ↑ Wehse, Rainer / Früh, Sigrid (Hrsg.): Die Frau im Märchen. Röth, Kassel 1985, ISBN 978-3-87680-339-5, S. 50 f.
  12. ↑ Werner Lissy: Alles Wehklagen hilft nichts: Unholda Moserin stirbt den Feuertod. In: Schwarzwälder Bote, 3. März 2019 (schwarzwaelder-bote.de); vgl. Zunfthistorie unter: hexenzunft-obernheim.de.
  13. ↑ Dieter R. Bauer: Die Gegenwart der Hexen. Ein Überblick. In: Sönke Lorenz / Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Aufsatzband, Cantz Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-89322-659-1, S. 163; vgl.: Gottfried Korff (Hrsg.): Wilde Masken. Ein anderer Blick auf die Fasnacht. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 1989, S. 58.
  14. ↑ Kapitel „Geschichte Feuerhexe“, unter: www.feuerhexen-badbuchau.de.
  15. ↑ Vgl. Unsere Geschichte auf der Webseite des „Kräuterhexen Veringenstadt e. V.“: www.khv84.de.
  16. ↑ Balingen. Historikerin empört über Murschel-Hexen. In: Schwarzwälder Bote, 20. Januar 2015 (schwarzwaelder-bote.de).
  17. ↑ Detlev Hauser: Aus der Hexe ist ein Weible geworden. In: Schwarzwälder Bote, 12. September 2016 (schwarzwaelder-bote.de).
  18. ↑ Dirk Thannheimer: 27 Namen erinnern an dunkles Kapitel. Feierliche Übergabe der Erinnerungsstele in Gedenken an Opfer der Hexenverfolgung. In: Schwäbische Zeitung, 22. November 2017 (schwaebische.de).
  19. ↑ Hexenverbrennen 2023 in Bad Saulgau, Filmdokument auf youtube.com.
  20. ↑ Rudi Multer: Hinrichtung. Kritik an Fasnetsverbrennen. Erinnerung an Hinrichtung von Frauen. In: Schwäbische Zeitung, 2. März 2018 (schwaebische.de).
  21. ↑ Vgl. Lea Dillmann: Brauchtum oder Belästigung? Ritualisierte Grenzüberschreitung in der Fasnet. In: Schwäbische Zeitung, 28. Januar 2024 (schwaebische.de); vgl.: Gabriele Bartsch: „Bei uns kann man Rabbatz machen“ oder: Die kontrollierte Zügellosigkeit. In: Gottfried Korff (Hrsg.): Wilde Masken. Ein anderer Blick auf die Fasnacht. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 1989, ISBN 3-925340-58-0, dort das Kapitel: Auf der Suche nach dem Unwesen, S. 82 f.; vgl. jüngst: Frank Zimmermann: Sexismus an Fasnacht in Südbaden: Wo der Spaß an seine Grenzen kommt. In: Badische Zeitung, 20. Februar 2025 (badische-zeitung.de); Katrin Elger: Sexismus oder Brauchtum. Frauenjagd an Fastnacht. In: Der Spiegel, 10(2025), 1. März 2025 (spiegel.de).
  22. ↑ Eppinger „Hexenkessel-Prozess“. Junge Frau bei Fastnachtsumzug verbrüht. In: Der Spiegel, 5. Mai 2020 (spiegel.de).
  23. ↑ Sexismus. Übergriff auf Reporterin: Verstörende Kommentare von SWR-Moderatoren im Video. In: Schwäbische Zeitung, 13. Februar 2024 (schwaebische.de).
  24. ↑ Tabea Günzler: Nach Vorfall bei Narrenumzug in Horb: Ermittlungen gegen Seebronner Häder-Hexen eingestellt. In: SWR Aktuell, 3. April 2024 (swr.de).



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Gewitterhexe

Noir24admin Hexe 21. Juni 2026

Gewitterhexen sind mythologische Wesen im Volksglauben. Sie tanzen und singen zu Donner und Blitz in einem Gewitter. In den Alpen machte man sie auch für Steinschlag verantwortlich. In manchen Gegenden gehörte es zum Brauchtum, während eines Gewitters grünes Holz im Ofen zu verbrennen, um mit dem Rauch die Gewitterhexen zu vertreiben. Als Redewendung bzw. Schimpfwort gebraucht, bedeutet eine alte Gewitterhexe eine zänkische, böse Frau.

Literatur

  • Schwartz, Der Ursprung der Mythologie, S. 207, Wetterhexe in der Edda

Weblinks

  • Karl-Heinz Hentschel: Kleine Kulturgeschichte des Gewitters



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  1. Butterhexe
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