Eine Zeichnung aus dem Jahre 1808Eine weitere Zeichnung aus demselben Jahr
Als Monster von Stronsay (engl. "Stronsay Beast") wird ein Tier bezeichnet, dessen Kadaver am 25. September 1808 von einem Fischer namens John Peace entdeckt wurde.
Das Tier wurde am Rothiesholm Head im Südosten der Orkney-Insel Stronsay angespült. Seine Beschreibung und einige Zeichnungen wurden anhand der Zeugenaussagen angefertigt. Demnach war es etwa 17 Meter lang, der Hals allein maß etwa 3 Meter. Es hatte einen verhältnismäßig kleinen Kopf, glatte graue Haut und eine Mähne vom Kopf bis zum Schwanzansatz. Es hatte nach Angaben der Zeugen drei Paar Gliedmaßen. Der aufgeplatzte Magen soll eine rote Flüssigkeit enthalten haben.
Das Skelett des Tieres bestand aus Knorpeln, somit kommen Knochenfische (wie etwa ein Riemenfisch), Reptilien und Meeressäuger nicht in Frage. An bekannten Arten bleiben bei der gegebenen Größe nur Walhai und Riesenhai, wobei ersterer nur in tropischen Gewässern vorkommt. Allerdings ist der größte nachgewiesene Riesenhai nur 12 Meter lang.
Das Tier wurde auch für eine neu entdeckte Art gehalten und man gab ihm den Namen Halsydrus pontoppidani, Erik Ludvigsen Pontoppidan zu Ehren, allerdings wurde dieser später als Synonym für Cetorhinus maximus fallengelassen. Teile der Überreste werden im Royal Museum of Scotland in Edinburgh aufbewahrt. Sie wurden mit Chemikalien konserviert, die eine DNA-Analyse unmöglich machen. Weitere nach London gebrachte Überreste wurden durch deutsche Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört, allerdings existieren anatomische Zeichnungen in Edinburgh.
Sir Alexander Gibson fertigte eine künstlerische Zeichnung des Monsters an, auf der es einem Plesiosaurier ähnelt. Sir Everard Home vermutete, dass es sich um einen Riesenhai handle, was wissenschaftlicher Konsens ist. Da Riesenhaie ihren Kiefer in einem frühen Verwesungsstadium verlieren, ist dies kein Widerspruch zur Zeichnung. Bei der Mähne könnte es sich um zerfranstes Muskelgewebe gehandelt haben.
Literatur
George M. Eberhart: Mysterious Creatures. A Guide to Cryptozoology. Band 2: N–Z. ABC-CLIO, Santa Barbara CA 2002, ISBN 1-57607-283-5, S. 483.
Der Mothman (deutsch teils mit „Mottenmann“ übersetzt) ist ein modernes Fabelwesen aus Nordamerika, das erstmals 1966 in Erscheinung getreten sein soll. Beschrieben wird der Mothman als geflügelter Halbmensch, ähnlich einem Engel, jedoch von dunkler Hautfarbe, mit leuchtend roten, runden Augen. Rationale Erklärungen für die Sichtungen inkludieren große Vögel wie Uhus, Schleiereulen und den Kanadakranich.
Begriff
Schon für die erste wahrgenommene Erscheinung im Jahre 1966 verwendeten Augenzeugen und Presse von Anfang an den Ausdruck „moth-man“, in Variationen und neben einer Vielzahl anderer Bezeichnungen. Die meisten unterstellten eine vogelähnliche Gestalt, etwa „man-sized bird“, „birdman“, „bird-like creature“ oder „bird-monster“.[1]Mothman setzte sich in späteren Publikationen als alleiniger Name durch. Zur Erklärung wird häufig auf die Vorbildwirkung des Comic-Helden Batman[2] und seines kriminellen Gegenspielers Killer Moth[3] verwiesen.
Das Ereignis
Die erste Beobachtung, auf der die Legende des Mothman beruht und die weitere Sichtungen auslöste, ereignete sich in der US-amerikanischen Kleinstadt Point Pleasant, West Virginia in der Nacht zum 15. November 1966 auf dem Gelände der stillgelegten West Virginia Ordnance Works, einer Munitionsfabrik aus dem Zweiten Weltkrieg, von den Einheimischen TNT area genannt.[Anm. 1] Das abgelegene und unübersichtliche Areal war zur Mitte der 1960er Jahre ein Treffpunkt für junge Leute aus der Hot-Rod-Szene.[4.1]
Zwei Ehepaare, Roger und Linda Scarberry sowie Steve und Mary Mallette, aus Point Pleasant fuhren im Auto der Scarberrys gegen 23.30 Uhr auf einer durch das Gelände führenden Straße. Es war eine kalte, klare Nacht. Nach der Schilderung von Linda Scarberry sahen sie plötzlich vor dem gegenüberliegenden alten Kraftwerksgebäude eine furchteinflößende, menschenähnliche Gestalt von etwa sieben Fuß (2,13 m) Größe, mit großen Engelsflügeln von zehn Fuß (3,04 m) Spannweite. Die Spitzen der Flügel seien über die Schultern hinausragend sichtbar gewesen. Das Wesen habe große runde, rot leuchtende und hypnotisierend wirkende Augen von etwa zwei Zoll (5 cm) Durchmesser gehabt. Der Körper habe kräftig gewirkt[4], aber weder Arme noch Kopf besessen.[5] Bei der ersten Sichtung habe die Erscheinung auf einem Hügel gehockt und versucht, sich aus einem Draht zu befreien, in den sich ein Flügel verwickelt hatte. Dann sei die Gestalt unter Staubentwicklung flügelschlagend aufgestiegen und, als die beiden Paare fluchtartig den Bereich verließen, mehrmals über das mit hoher Geschwindigkeit wegfahrende Auto geflogen. Das Wesen sei sehr schnell geflogen und man habe lautes Flügelschlagen gehört.[4] Die Zeugen meldeten den Vorfall noch in der Nacht dem örtlichen Sheriff, der gegen zwei Uhr das Gelände absuchte, ohne jedoch Auffälliges zu bemerken. Bei der Zeugenvernehmung wurden die Ehepaare getrennt voneinander vernommen, alle gaben die gleichen Details zu dem mysteriösen Wesen zu Protokoll.[6]
Am 16. November 1966 erschien ein Artikel in der örtlichen Zeitung Point Pleasant Register unter dem spekulativen Titel: Couples See Man-Sized Bird … Creature … Something (Paare sehen einen menschengroßen Vogel … eine Kreatur … etwas).[7] In den Tagen danach griffen andere Zeitungen das Thema auf und lösten in der Folgezeit eine wahre Welle von weiteren Sichtungen in der Umgebung aus. Auch Linda Scarberry, die Hauptzeugin, will das Wesen in den folgenden Tagen noch mehrere Male gesehen haben, einmal sogar auf dem Dach ihres Apartmenthauses sitzend.[8] Außerdem wurde die furchteinflößende Erscheinung in Point Pleasant gesichtet, auf einer Straße stehend oder flatternd über einem ehemaligen Gebäude der US Army.
Bald wurden dem „Mothman“, wie die Gestalt nun allgemein genannt wurde, weitere furchteinflößende Attribute hinzugefügt. So soll er angeblich scharfe Krallen statt menschlicher Füße haben, auf vier Meter Größe angewachsen, von tiefschwarzer Hautfarbe sein und die Fähigkeit haben, sich plötzlich zu materialisieren und wieder zu verschwinden. In Point Pleasant bildeten sich regelrecht Jagdgruppen, die bewaffnet und mit starken Scheinwerfern versehen, mit Spürhunden nach dem Mothman suchten.
Als 13 Monate nach der ersten Begegnung mit dem Mothman, am Freitag, dem 15. Dezember 1967 um 17.04 Uhr, die 681 Meter lange Silver Bridge zwischen den Orten Point Pleasant und Kanauga einstürzte, erreichte die Hysterie um den Mothman ihren Höhepunkt. Im dichten vorweihnachtlichen Einkaufsverkehr fielen 31 Fahrzeuge in den Ohio River, 46 Menschen ertranken. Zurückgehend auf eine Sage der Irokesen, der Tuscarora und der Wyandot, die das Erscheinen eines ähnlich beschriebenen Wesens als Vorbote für Unglück und Not ansahen, wurde nun behauptet, der Mothman habe den Brückeneinsturz angekündigt.[9][10] Wie nach einer vier Jahre dauernden Untersuchung ermittelt werden konnte, waren Materialermüdung, Mikrorisse und nachfolgend Rost an einem tragenden Bauteil die Ursachen des Unglücks.[11]
In der Presse meldeten sich nun weitere Personen zu Wort, die den Mothman als Vorboten von tatsächlichen oder behaupteten Unglücksfällen und Katastrophen bereits Jahre zuvor gesehen haben wollten. Es wurde spekuliert, dass das Erscheinen des Mothman auf einen Fluch zurückzuführen sei, den Häuptling Cornstalk über die Stadt verhängt haben soll. Cornstalk war ein berühmter Anführer der Shawnee zur Zeit der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, der am 10. November 1777 im Fort Randolph bei Point Pleasant ermordet wurde.[8]
Erklärungsversuche
Eine nüchterne Erklärung für die Erscheinung ist, dass die Augenzeugen eine große Eule oder einen Kanadakranich gesehen haben. Als ein Einwohner von Point Pleasant mit einer Flinte auf den vermeintlichen Mothman schoss und dabei einen der seltenen Virginia-Uhus erlegte, ebbten die Sichtungen ab. Dazu trug auch der Tod der Reporterin Mary Hyre bei, die weiterhin über den Mothman berichtet hatte.[8] Der skeptische Wissenschaftler Joe Nickell nimmt an, dass es sich um Sichtungen von Schleiereulen handelt, da die beschriebenen Charakteristiken des Mothman mit denen von Schleiereulen übereinstimmen.[12]
Rezeption
Statue des Mottenmanns in der Nähe des Museums
Die Legende wird immer wieder durch Buchveröffentlichungen, Internetbeiträge und Zeitungsartikel bis in die Gegenwart am Leben erhalten. Am bekanntesten ist das 1975 erschienene und mehrfach neu aufgelegte Buch des US-amerikanischen Ufologen John A. Keel mit dem Titel The Mothman Prophecies, das auch die Grundlage für den gleichnamigen Hollywood-Film aus dem Jahr 2002 mit Richard Gere in der Hauptrolle bildete (deutscher Titel: Die Mothman Prophezeiungen). Der Film hatte zahlreiche Mothman-Sichtungen in allen Teilen der USA zur Folge.
Point Pleasant veranstaltet im September eines jeden Jahres das dreitägige Mothman-Festival, das Tausende in die Kleinstadt lockt und vorübergehend für einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung sorgt. In der Stadt gibt es auch ein kommerzielles Mothman-Museum mit angeschlossenem Devotionalienhandel. Die dankbaren Einwohner haben dem Mothman zudem ein Denkmal gewidmet, das im Gunn Park in der Ortsmitte steht.
Im Online-Rollenspiel Fallout 76 taucht der Mothman, neben anderen Kryptiden, im postapokalyptischen West Virginia nach einem fiktiven Atomkrieg am Ende des 21. Jahrhunderts als Kreatur auf. Der Ort Point Pleasant mit dem Mothman-Museum im Zentrum dient im Spiel als Hauptquartier eines fiktiven Kultes, der bereits vor dem Krieg existierte.
Anmerkungen
↑Heute ist das Gelände zum größten Teil ein dicht bewachsenes Naturschutzgebiet mit dem Namen McClintic Wildlife Management Area, etwa 9 km nordöstlich von Point Pleasant in der Nähe des Mason County Airport.
Literatur
Donnie Sergent Jr. & Jeff Wamsley: Mothman: The Facts Behind the Legend. Mark S. Phillips Publishing 2001, ISBN 978-0-9667246-7-7.
Janin Pisarek: Erzählen vom Mothman. Einbindung regionaler Folklore in globale Verschwörungsnarrative. In: Brigitte Frizzoni (Hrsg.): Verschwörungserzählungen, Tagungsband der Kommission für Erzählforschung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2020, S. 205–218, ISBN 978-3-8260-6670-2.
John A. Keel: The Mothman Prophecies. Tödliche Visionen. Das Buch zum Film. Heyne, München 2002, ISBN 3-453-21511-7.
Michael Schneider: Mothman: Schrecken von Point Pleasant. Twilight-Line, Wasungen 2014, ISBN 978-3-944315-09-6.
↑Marc Roberts: Das neue Lexikon der Esoterik. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag Berlin 2005, S. 612.
↑Florian Welle: Der schwarze Engel. In: Süddeutsche Zeitung. 29. September 2017, abgerufen am 2. Mai 2024.
↑Mary Hyre: Couples See Man-Sized Bird … Creature … Something. Point Pleasant Register, Point Pleasant, WV, vom 16. November 1966, Titelseite.
↑ abcMark Moran, Mark Sceurman, Matt Lake: Weird U.S. – Travel Guide to Americas Local Legends and Best Kept Secrets. Sterling Publishing Co., New York 2008, ISBN 978-1-4027-4544-7, S. 260.
↑Lorenza Munoz: Based on a True-Life Story, but Was That Story for Real? Artikel in der Los Angeles Times vom 23. Januar 2002.
↑Loren Coleman: Mothman and Other Curious Encounters. Paraview Press, 2002, ISBN 1-931044-34-1.
Nahuelito, auch Der patagonische Plesiosaurier genannt, ist der Name eines Seeungeheuers, das angeblich im Nahuel-Huapi-See in Argentinien leben soll.
Beschreibung
Der Nahuelito wird als ein Reptil mit schwanenhaftem Hals und krokodilähnlichem Körper beschrieben. Viele sehen in ihm einen Plesiosaurier.
Häufig hat er eine Länge von 4,50 bis 6 Metern, es wurden aber auch schon Tiere mit bis zu 45 m Länge gesichtet.
Sichtungen
In neuerer Zeit tauchen immer wieder Filmaufnahmen von Nahuelito auf, die aber alle nur Wellen zeigen, die von dem Tier verursacht worden sein sollen.
Mögliche Erklärungen
Manche Kryptozoologen halten Nahuelito für einen Angehörigen der Plesiosaurier, die als seit Millionen Jahren ausgestorben gelten.
Auch einige weitere abwegige Theorien wurden zur Existenz von Nahuelito verfasst. So sollen die Tiere Resultat der in den 1950er Jahren durchgeführten Atomtests sein.
Quellen
Corinna Harder, Jens Schumacher, Bernhard Speh: Nessie, Yeti und Co. – Geheimnisvollen Wesen auf der Spur. Patmos, Düsseldorf 2006, ISBN 3-491-42045-8.
Als Nimerigar wird eine Rasse kleiner kriegerischer Menschen bezeichnet, die nach Erzählungen der Schoschonen früher das Gebiet von Wyoming besiedelt haben sollen. Die Nimerigar sollen sehr kriegerisch gewesen sein und mit kleinen Bögen vergiftete Pfeile abgeschossen haben. Auch sollen sie erkrankte Stammesmitglieder durch Zertrümmerung ihres Schädels getötet haben. Die Spekulationen um die Existenz der Nimerigar hat durch den Fund der Zwergenmumie von Wyoming 1932 neuen Auftrieb erhalten, da die Beschreibungen der Ureinwohner gut zu diesem Fund passen.
Menschenfressende Pflanzen sind fiktive Pflanzen, die laut Volkssagen unter Ureinwohnern indigener Völker sowie Abenteurer-Berichten aus dem 19. Jahrhundert fähig sein sollen, Menschen zu töten und zu verdauen. Sie kamen ursprünglich vereinzelt in traditionellen Mythen verschiedener Kulturen vor. Seit dem 19. Jahrhundert wurden sie aufgrund von Zeitungsartikeln, Büchern und Reiseberichten, die ihre Existenz behaupteten oder vermuteten, auch zum Bestandteil moderner Legenden. Darüber hinaus fanden sie Verwendung als Motiv in Kunst und Kultur.
Traditionelle Mythen
In der polynesischen Mythologie gibt es Sagen über den Halbgott Māui, wie er menschenfressende Pflanzen bekämpft. So wird ihm zugeschrieben, den Hiapo, zu deutsch „Papiermaulbeerbaum“, besiegt und anschließend für die menschliche Nutzung domestiziert zu haben.[1]
Jüngere Mythen
Ya-te-veo.
Menschenfressende Pflanze auf Madagaskar
Die bekannteste menschenfressende Pflanze soll auf Madagaskar stehen. Im Gefolge von Charles Darwins Beweis pflanzlicher Karnivorie („Insektenfressende Pflanzen“) nur wenige Jahre zuvor errang ein angeblicher Bericht große öffentliche Aufmerksamkeit, von dem ein Stich z. B. auf dem Titelblatt des „Journal des Voyages“ vom 8. September 1878 zu sehen ist.[2] Angeblich seien sie im Jahr 1878 von einem deutschen Forschungsreisenden „Carl Liche“ in einem Brief an einen polnischen Botaniker namens „Omelius Fredlowski“ beschrieben worden und tauchten hauptsächlich in lokalen Legenden der „Mkodos“, einem Volk im Landesinneren, und Missionarsberichten auf. Weder für die Existenz von Liche, Fredlowski, der Mkodos oder des Baums existieren jedoch Belege. In den 1950er Jahren ergaben Nachforschungen von Willy Ley, dass der ursprüngliche Bericht von Carl Liche und auch seine Person selbst eine Erfindung waren.[3][4]
In seinem Bericht ist von der Opferung einer Frau durch die Mkodos die Rede. Nach „Liches“ Angaben wäre der Baum 2,5 m hoch und besäße acht ca. 3,5 m lange Blätter sowie mehrere etwa 1,5 m lange „Fühler“.[5][6]
1881 berichtete das australische Magazin South Australian Register über die angebliche menschenfressende Pflanze in Madagaskar, am 26. September 1920 die US-amerikanische Zeitung The American Weekly in Form eines Interviews mit „Carl Liche“. In den 1920er Jahren waren mehrere amerikanische Forscher und Hobby-Botaniker, wie Chase Osborn, ehemals Gouverneur von Michigan, erfolglos auf der Suche nach dieser Pflanze.[5]
Menschenfressende Pflanze auf Mindanao
Im Jahre 1925 berichtete The American Weekly, das gleiche Magazin, das bereits zuvor von der menschenfressenden Pflanze in Madagaskar schrieb, dass eine weitere menschenfressende Pflanze auf Mindanao, einer Insel der Philippinen, existieren würde.
Ya-te-veo
In Südamerika taucht in den Legenden der Ureinwohner die fleischfressende Pflanze Ya-te-veo auf. Ihr spanischer Name heißt auf Deutsch „Ich sehe dich schon“. Den Namen gab ihr der Autor J. W. Buel.[7] Er beschrieb sie mit langen, stachelförmigen Ästen und schwertförmigen Dornen.[5]
Das Buch Grau von Jasper Fforde beginnt damit, dass der Protagonist gerade in einen Yateveo geraten ist.
Menschenfressende Pflanze in Mittelamerika
Am 27. August 1892 berichtete der schottische Wissenschaftsautor Andrew Wilson (1852–1912) in seiner Kolumne Science Jottings in den Illustrated London News über einen Naturforscher namens Dunstan – gemeint war offenbar Sir Wyndham Rowland Dunstan (1861–1949) –, dessen Hund von einer Pflanze getötet und verzehrt worden sei. Der Vorfall habe sich in einem Sumpfgebiet um den Nicaraguasee zugetragen.[5]
Snake-Tree
Einen Monat später, am 24. September 1892, beschrieb Wilson in seiner Kolumne eine weitere ungewöhnliche Pflanze: Es sei beobachtet worden, wie der „Snake-Tree“ in der Sierra Madre in Mexiko einen Vogel verschlungen habe.[5]
Menschenfressende Pflanzen in Kunst und Kultur
Menschenfressende Pflanzen sind mittlerweile fester Bestandteil der modernen Populärkultur. Sie erscheinen in Fantasy-Romanen (z. B. Stephen Kings unvollständiger Roman The Plant, Septimus Heap oder den Klippenland-Chroniken), in Mangas (z. B. Inuyasha) und Comics (z. B. Donald Duck) und auch in zahlreichen Science-Fiction-Filmen (z. B. der Sarlacc in Krieg der Sterne). In Fantasy-Werken werden Parodien auf bestimmte, reale Fleischfressende Pflanzen ausgeübt, so ist beispielsweise die Pflanze Audrey aus dem Musical Der kleine Horrorladen eine Anspielung auf die – freilich viel harmlosere – Venusfliegenfalle. Oder die Pflanze Adele in Adele hat noch nicht zu Abend gegessen. Auch in Videospielen tauchen menschenfressende Pflanzen auf, so z. B. in Super Mario, The Legend of Zelda und Resident Evil.
Dabei wird in Filmen, Büchern und Spielen bezüglich Aussehen, Größe und Stärke der Pflanzen bewusst stark übertrieben, was allein der Unterhaltung dienen soll. Die Unwirklichkeit dieser Wesen wird oft noch gesteigert, indem den Pflanzen die Fähigkeit zu denken oder gar zu sprechen angedichtet wird.
Literatur
Alex Calder, Jonathan Lamb, Bridget Orr: Voyages and Beaches: Pacific Encounters, 1769–1840. University of Hawaii Press, Honolulu 1999, ISBN 0824820398.
Wilhelm Barthlott, Stefan Porembski, Rüdiger Seine, Inge Theisen: Karnivoren. Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4144-2.
Bob Rickard, John Michell: Unexplained Phenomena. Rough Guides, London 2000, ISBN 1-85828-589-5.
David Hatcher Childress: Lost Cities of Ancient Lemuria & the Pacific. Adventures Unlimited Press, Kempton 1988, ISBN 0932813046.
Eike Barmeyer: Science-Fiction – Theorie und Geschichte. W. Fink, Stuttgart 1972, ISBN 3-7705-0642-1.
Einzelnachweise
↑Alex Calder, Jonathan Lamb, Bridget Orr: Voyages and Beaches: Pacific Encounters, 1769–1840. S. 47 (Auszug in der Google-Buchsuche).
↑Barthlott Wilhelm, Porembski Stefan, Seine Rüdiger, Theisen Inge: Karnivoren. S. 12–13
↑Willy Ley, in: Salamanders and other Wonders. Viking Press, New York 1955, sowie in Exotic Zoology. Viking Press, New York 1959, S. 326 ff.
↑ abcdevgl. Bob Rickard, John Michell: Unexplained Phenomena. S. 282 ff
↑David Hatcher Childress: Lost Cities of Ancient Lemuria & the Pacific. S. 53 (Auszug in der Google-Buchsuche)
↑James William Buel (1849–1920), in: Sea and land. An illustrated history of the wonderful and curious things of nature existing before and since the deluge … Being a natural history of the sea … Also, a natural history of land-creatures … To which is appended a description of the cannibals and wild races of the world. Historical Publishing Company, Philadelphia / St. Louis 1887.