Das Wappen von Seljord schmückt sich seit 1989 mit einer Seeschlange in der Heraldik. Es soll das ortsansässige Seeungeheuer Selma symbolisieren.
Selma ist der Name eines schlangenähnlichen Seeungeheuers, das im norwegischen See Seljordsvatn leben soll.
Beschreibung
Selma soll zwischen 4 und 50 Meter lang sein, von pechschwarzer Farbe und mit einem pferde- oder krokodilähnlichem Kopf. Gelegentlich wird auch von einem Paar Vorderflossen und ein bis zwei Buckeln gesprochen.
Sichtungen
Um den See Seljordsvatn bei Seljord in der norwegischen Provinz Telemark ranken sich viele Geschichten um das Seeungeheuer Selma. Es soll dort angeblich leben und gesichtet worden sein.
Einige der zahlreichen Sichtungen Selmas:
1750: Erste Sichtung
1977: Der schwedische Kryptozoologe Jan-Ove Sundberg, ein begeisterter Selma-Fan, nahm seltsame Sonarsignale auf dem See auf, die offenbar ein großes Ziel anzeigten, das sich in einer Tiefe von etwa 18 Metern unter seinem Boot bewegte. Wenige Tage später nahm das Sonar drei Objekte auf, die parallel zueinander schwammen.
15. Juli 2003: Ein Mann, der nicht genannt werden will, und ein Freund filmten zwei vermeintliche Seeschlangen.
Laut Bernt Solvoll, dem Kulturdirektor des nahegelegenen Ortes Seljord, wäre der Zeitraum zwischen Juli und August ideal für die Tiere, da sie offenbar in den wärmeren Sommermonaten ihre Paarungszeit haben.
Fangversuche
Sundberg wollte Selma mithilfe einer gewaltigen Falle in Form einer Reuse einfangen, nachdem er mehrere Jahre zuvor schon vergeblich versucht hatte, Nessie mit einer Seeschlangenfalle zu fangen. Der Versuch blieb erfolglos.
Literatur
Ernst Probst: Seeungeheuer – 100 Monster von A bis Z. GRIN-Verlag, München 2013, ISBN 978-3-656-50349-1.
Als Spiralhornantilope („Pseudonovibos spiralis“) wird ein vermeintlicher Vertreter der Hornträger aus Südostasien bezeichnet, dessen Existenz bisher nicht bewiesen werden konnte. Da noch nie ein Wissenschaftler dieses Tier zu Gesicht bekommen hat, beschäftigt sich hauptsächlich die Kryptozoologie mit dieser Antilope. Sowohl in deutsch- als auch in englischsprachiger Literatur wird das Tier oft bei seinem vietnamesischen Namen Linh Duong oder bei seinem kambodschanischen Namen Kting Voar genannt.
Ursprünge und Hinweise
Im Jahr 1993 erwarben deutsche Wissenschaftler bei Händlern in Saigon im Süden von Vietnam mehrere Hörner und Hornpaare von Hornträgern, die nach Untersuchungen in ihrem Aufbau von allen bis daher bekannten Hörnern abwichen. Im Jahr darauf wurde von den deutschen Zoologen Wolfgang Peter und Alfred Feiler auf Grundlage von acht Hornscheiden von vermutlich sechs Tieren die neue Gattung und Art „Pseudonovibos spiralis“ beschrieben, die Hörner befinden sich heute im Museum für Tierkunde Dresden, der Holotyp, ein Hornpaar, trägt die Katalognummer MTD B18479. Insgesamt waren zu dem Zeitpunkt Hörner von einem Dutzend Tieren bekannt. Ein lebendes Exemplar bekamen die Forscher nicht zu Gesicht, nach Aussage von Einheimischen sei das Tier aber eher selten, doch existent und sollte im Hochland von Đà Lạt verbreitet sein. Der lokale Name wäre demzufolge Linh Duong, was übersetzt in etwa „Bergziege“ bedeutet.[1][2] Weitere Hörner der rätselhaften Antilope wurden 1994 bis 1995 im nordöstlichen Kambodscha erworben, was an das vermutete Verbreitungsgebiet westlich anschließt. Die dortigen Bewohner nannten das Tier Kting Voar, zu Deutsch „wilde Kuh mit lianenförmigen Hörnern“ oder Kting Sipuoh, zu Deutsch „wilde Kuh, die Schlangen frisst“.[3] Zuvor wurden bereits zwei ähnlich gestaltete Hörner aus dem Naturkundemuseum der University of Kansas bekannt, die in das Jahr 1929 zurückdatieren und aus Südvietnam etwa 125 km nordöstlich von Saigon stammen; sie wären somit damals der älteste Hinweis auf die Art, wurden aber zuerst als Hörner des Kouprey (Bos sauveli) interpretiert.[4][5][6] Die ursprüngliche Verwechslung des ältesten verfügbaren Materials mit dem Kouprey veranlasste Peter und Feiler in ihrer Erstbeschreibung den wissenschaftlichen Namen „Pseudonovibos“ zu vergeben, der sich aus dem griechischen Wort ψεύδω (pseudo, „ich täusche vor“) und der Bezeichnung Novibos als Alternativname für den Kouprey zusammensetzt.[2][7]
Die Entdeckung von „Pseudonovibos spiralis“ erfolgte in der Region des Truong Son in Südostasien, das als Biodiversitäts-Hotspot gilt. Hier waren ebenfalls in den 1990er Jahren zahlreiche Paarhuferarten entdeckt worden, darunter die Saola (Pseudoryx nghetinhensis) und der Riesenmuntjak (Muntiacus vuquangensis). Daher war die Beschreibung eines weiteren Vertreters der Hornträger nicht ganz ungewöhnlich, die IUCN stufte die Art 1996 auf ihrer Roten Liste vorsorglich mit dem Status „gefährdet“ (endangered) ein. Im Jahr 1997 konnten auch verschiedene Sammlungen chinesischer Texte aus dem 15. bis 18. Jahrhundert präsentiert werden, welche Abbildungen von Tieren zeigten, die ein ziegenartiges Äußeres zeigen und Hörner aufweisen, die in etwa denen von „Pseudonovibos spiralis“ entsprechen.[8][9]
Zum mutmaßlichen Aussehen und der Lebensweise von „Pseudonovibos spiralis“
Die Hörner haben gemeinsam betrachtet die Form einer Leier. Sie sind nach außen und aufwärts gerichtet, ehe sie sich im letzten Viertel nach innen biegen und eine kleine Spirale beschreiben. Die Hornlänge schwankt zwischen 30,8 cm und 55,8 cm. Bemerkenswert sind quer verlaufende Riffelungen, die einen relativ gleichmäßigen Abstand von 1,5 bis 2,5 cm zueinander haben, der aber zur Spitze hin etwas zunimmt. Je nach Länge besitzen die Hörner 13 bis 21 Riffel, die Fläche zwischen den einzelnen Aufwölbungen ist glatt. Auf der Rückseite sind die Riffelungen durch eine längs verlaufende Leiste unterbrochen. Es gibt zwei unterschiedliche Horntypen, die den Forschern zufolge eventuell auf einen Geschlechtsdimorphismus zurückgeführt werden könnte. Der eine Horntyp hat einen runden Querschnitt, der zweite einen seitlich abgeplatteten bis kieligen, letzterer sollte demnach Männchen gehören. Die Grundfarbe der Hörner ist zumeist schwarz.[1][2][3]
Aus der Beschaffenheit und Größe der Hörner ließe sich ein Tier mit einer Schulterhöhe von 110 bis 120 cm und einem Gewicht von 200 bis 300 kg schließen. Nach Auskunft einheimischer Jäger sei es äußerlich einem Büffel ähnlich und besäße ein einfarbig schwarzgraues Fell. Es lebe in kleinen Familiengruppen in Bergwäldern. Das Klima der Region wird durch hohe Temperaturen und Jahresniederschläge um 1500 bis 2500 mm charakterisiert.[3]
Problematische Zuordnungen
Die Erstbeschreiber von „Pseudonovibos spiralis“ favorisierten noch eine nahe Stellung bei den Gazellenartigen (Antilopini) und sahen eine mögliche Verwandtschaft zur Kropfgazelle (Gazella subgutturosa) oder zur Mongolischen Gazelle (Procapra gutturosa).[1][2] Eine erste DNA-Analyse erfolgte 1999 am Paratypus des Fundmaterials in Dresden. Sie sprach für eine nähere Beziehung zu den Ziegenartigen (Caprini).[10] Eine weitere Genanalyse wurde im Jahr 2001 vorgelegt. Das dafür erforderliche Material hatte einer der beteiligten Wissenschaftler 1995 als Hornpaar von einem Nachfahren eines Jägers erstanden, der das Tier den Aussagen zufolge um 1920 einfing. Die Ergebnisse ließen eine Verbindung mit den Rindern (Bovini) vermuten, speziell zu Bubalus und Syncerus.[11][12] Eine morphologische Studie der Hörner aus der University of Kansas schlug ebenfalls eine Verwandtschaft mit den Rindern vor, ebenso wurde in dieser mit spiral-horned ox ein Trivialname eingeführt, der sich nach Meinung der Autoren einerseits an der möglichen Verwandtschaft und der Form der Hörner orientierte, andererseits der Khmer-Bezeichnung Kting Voar Rechnung trug, die als der vermutete Lokalname angesehen wurde.[6]
Fälschung oder reales Lebewesen?
Eine zwei Jahre nach der ersten Genanalyse aus dem Jahr 1999 durchgeführte Überprüfung des Ergebnisses unter Einbeziehung aller bekannten Gensequenzen der Ziegenartigen, was ursprünglich nicht erfolgte, erbrachte eine nahe Beziehung von „Pseudonovibos spiralis“ zur Gämse (Rupicapra rupicapra). Da aus biogeographischen und evolutionshistorischen Gründen diese Verwandtschaft als unwahrscheinlich zu betrachten ist, wurde das Ergebnis auf eine Verunreinigung der Probe zurückgeführt.[13]
Ebenfalls im Jahr 2001 veröffentlichten französische Wissenschaftler um Alexandre Hassanin und Herbert Thomas eine weitere genetische und eine erste histologische Untersuchung an sechs zusätzlichen Hörnern, wobei zwei aus neuen Erwerbungen in Kambodscha, vier jedoch von einem Baumwollpflanzer stammten, der diese im Jahr 1925 erhielt und die sich nun in Privatbesitz befanden. Diese waren noch mit den knöchernen Hornzapfen verbunden, wobei anatomische und genetische Untersuchungen dieser eine Zuweisung zum Hausrind (Bos taurus) erbrachten. Die histologischen Untersuchungen zeigten dann auf, dass die auffälligen Riffelungen der Hornscheiden, die als typisch für „Pseudonovibos spiralis“ galten, künstlich hergestellt worden waren: Die einzelnen, natürlich gebildeten Schichten des Keratins verliefen nicht durchgängig, wie es bei einem normalen Wachstum zu erwarten wäre, sondern waren jeweils in den Bereichen der Aufwölbungen und Eintiefungen unterbrochen, was als Hinweis auf eine nachträgliche Manipulation zu werten ist.[7][14][15] Eine Begutachtung des Holotypmaterials aus Dresden, die aber nicht im Detail erfolgte, erbrachte ebenfalls Hinweise auf eine künstliche Herstellung der Riffelungen, wobei als Grundlage möglicherweise ein Horn des Wasserbüffels (Bubalus bubalis) diente.[16]
In einer Wiederholung der Genanalyse von 2001, die eine Nahverwandtschaft zu den afrikanischen und asiatischen Wildrindern vorstellte, konnte Hassanin auf der Grundlage von RNA-Sequenzanalysen nachweisen, dass es sich bei den verwendeten Proben um Chimären von drei verschiedenen Arten handelt: dem Hausrind, dem Wasserbüffel und der Saiga (Saiga tatarica).[9][17] Eine im gleichen Zeitraum unternommene Befragung lokaler Händler in Südostasien führte zu der Erkenntnis, dass solche Hörner, wie sie für „Pseudonovibos spiralis“ als typisch charakterisiert wurden, künstlich hergestellt werden und Teil der Folklore sind, die sich, anhand des Alters einiger Fundstücke wenigstens bis in die 1920er Jahre zurückverfolgen lässt. Demnach wird die Hornscheide vom Hornzapfen entfernt und in Essig getränkt, später dann in Blättern von Zuckerpalmen und Bambus erhitzt, bis sie weich ist. Danach wird die Spitze gedreht und die Riffelung eingedrückt. Als Grundlage dienten zumeist Hörner von Wasserbüffeln und Hausrindern. Alle diese Studien bestätigen die vorausgegangenen Vermutungen, dass es sich bei dem der Erstbeschreibung zugrunde liegenden Material um Fälschungen oder künstlich verändertes Material handelt. Die Untersuchungsergebnisse geben zu erkennen, dass „Pseudonovibos spiralis“ nicht existiert.[18] Der jahrelang geführte Streit um die Existenz der Art fand unter anderem Niederschlag in den angesehenen Fachzeitschriften Nature[19] und Science.[20]
Einzelnachweise
↑ abcWolfgang P. Peter und Alfred Feiler: Hörner von einer unbekannten Bovidenart aus Vietnam (Mammalia: Ruminantia). Faunistische Abhandlungen 19, 1994, S. 247–253
↑ abcdWolfgang P. Peter und Alfred Feiler: Eine neue Bovidenart aus Vietnam und Cambodia (Mammalia: Ruminantia). Zoologische Abhandlungen 48 (2), 1994, S. 169–176
↑ abcM. Dioli: Notes on the morphology of the horns of a new artiodactyl mammal from Cambodia: Pseudonovibos spiralis. Journal of Zoology 241, 1997, S. 527–531
↑Robert S. Hoffmann: A new locality record for the kouprey from Viet-Nam, and an archaeological record from China. Mammalia 50 (3), 1986, S. 391–395
↑M. Dioli: A clarification about the morphology of the horns of the female kouprey. A new unknown bovid species from Cambodia. Mammalia 59 (4), 1995, S. 663–667
↑ abRobert M. Timm und John H. Brandt: Pseudonovibos spiralis (Artiodactyla: Bovidae): new information on this enigmatic South-east Asian ox. Journal of Zoology 253, 2001, S. 157–166
↑ abAlexandre Hassanin, Arnoult Seveau, Herbert Thomas, Hervé Bocherens, Daniel Billiou und Bui Xuan Nguyen: Evidence from DNA that the mysterious ‘linh duong’ (Pseudonovibos spiralis) is not a new bovid. Comptes Rendus de l'Académie des Sciences Paris, Sciences de la vie 324, 2001, S. 71–80
↑Alastair MacDonald und Lixin Yang: Chinese sources suggest early knowledge of the unknown ungulate (Pseudonovibos spiralis) from Vietnam and Cambodia. Journal of Zoology 241, 1997, S. 523–526
↑ abA. Hassanin: Ancient specimens and DNA contamination: a case study from the 12S rRNA gene sequence of the "Linh Duong" bovid (Pseudonovibos spiralis). Naturwissenschaften 89 (3), 2002, S. 107–110 doi:10.1007/s00114-001-0291-x
↑S. E. Hammer, F. Suchentrunk, R. Tiedemann, G. B. Hartl und A. Feiler: Mitochondrial DNA sequence relationships of the newly described enigmatic Vietnamese bovid, Pseudonovibos spiralis. Naturwissenschaften 86 (6), 1999, S. 279–280 doi:10.1007/s001140050614
↑G. V. Kuznetsov, E. E. Kulikov, N. B. Petrov, N. V. Ivanova, A. A. Lomov, M. V. Kholodova und A. B. Poltaraus: The "Linh Duong" Pseudonovibos spiralis (Mammalia, Artiodactyla) is a new buffalo. Naturwissenschaften 88 (3), 2001, S. 123–12, doi:10.1007/s001140100207
↑German V. Kuznetsov, Eugene E. Kulikov, Nikolai B. Petrov, Natalia V. Ivanova, Alexei A. Lomov, Marina V. Kholodova und Andrey B. Poltaraus: Mitochondrial 12S rDNA Sequence Relationships Suggest That the Enigmatic Bovid “Linh Duong”Pseudonovibos spiralis Is Closely Related to Buffalo. Molecular Phylogenetics and Evolution 23 (1), 2002, S. 91–94
↑A. Hassanin und E. J. P. Douzery: Is the newly described Vietnamese bovid Pseudonovibos spiralis a chamois (genus Rupicapra)? Naturwissenschaften 87 (3), 2000, S. 122–124 doi:10.1007/s001140050688
↑H. Thomas, A. Seveau, A. Hassanin: The enigmatic new Indochinese bovid, Pseudonovibos spiralis: an extraordinary forgery. Comptes Rendus de l'Académie des Sciences Paris, Sciences de la vie 324, 2001, S. 81–86
↑Arnoult Seveau: Sur la piste da la vache fausse. Sciences et Avenir, Janvier 2001, S. 80–84.
↑John H. Brandt, Maurizio Dioli, Alexandre Hassanin, Richard A. Melville, Link E. Olson, Arnoult Seveau und Robert M. Timm: Debate on the authenticity ofPseudonovibos spiralisas a new species of wild bovid from Vietnam and Cambodia. Journal of Zoology 255, 2001, S. 437–444
↑Link E. Olson und Alexandre Hassanin: Contamination and chimerism are perpetuating the legend of the snake-eating cow with twisted horns (Pseudonovibos spiralis). A case study of the pitfalls of ancient DNA. Molecular Phylogenetics and Evolution 27, 2003, S. 545–548
↑G. J. Galbreath und R. A. Melville: Pseudonovibos spiralis: epitaph. Journal of Zoology 259, 2003, S. 169–170
↑John Whitfield: Locking horns. Nature 415, 2002, S. 956
↑David Malakoff: Horny dilemma. Science 291, 2001, S. 39
Storsjöodjuret (/ˈstuːˌʂøːuˈjʉːrɛt/) ist ein Seeungeheuer, welches als Kryptid im See Storsjön in Jämtland in Schweden leben soll. Wörtlich übersetzt heißt es „das Untier des Storsjön“ (schwedisch: Storsjö- (Name des Sees ohne Artikel, bedeutet ‚großer See‘), -o- (‚-un-‘), -djuret (‚das Tier‘)). Im Jamtli-Museum ist ihm eine Ausstellung gewidmet.
Die erste Erwähnung des Tieres erfolgte in einer folkloristischen Erzählung eines schwedischen Vikars von 1635, aber erst nach 1890 erregte das Monster die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Ab diesem Zeitpunkt kam es zu mehreren Sichtungen und eine Gruppe von Anwohnern des Sees wollte das Tier fangen. Dafür hatten sie auch die Unterstützung des schwedischen Königs Oskar II. Der Versuch misslang, und seitdem kam es zu Hunderten von Sichtungen; bis heute liegt allerdings kein Hinweis auf die reale Existenz des Seeungeheuers vor.
Bei dem Tier soll es sich um eine Seeschlange mit einem hundeähnlichen Schädel handeln. Sie soll etwa sechs Meter lang sein und in manchen Berichten hatte sie deutliche Buckel.
Durch die häufigen Berichte und Versuche, das Tier zu fangen, wurde es schnell populär und zog viele Schaulustige in die Gegend. Aus diesem Grund beschloss die örtliche Regierung von Jämtlands län, das Storsjöodjuret unter Artenschutz zu stellen, obwohl es bislang niemandem gelungen ist, eine zuverlässige Bestätigung für seine Existenz zu finden.
Andreas Roduner, Landschreiber der Herrschaft Hohensax, erblickt einen Berg-Drachen mit katzenartigem Kopf (Johann Jakob Scheuchzer, 1723).Tatzelwurmbrunnen in Kobern-Gondorf an der Untermosel (2008)Tatzelwurm am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bayerischen Braunkohlen-Industrie AG in Wackersdorf
Der Tatzelwurm oder Tatzlwurm ist ein alpenländisches Fabeltier, auch bekannt als Dazzelwurm, Praatzelwurm, Springwurm, Steinkatze, Stollenwurm, Beißwurm oder Bergstutzen, in der Gegend der französischen Alpen als Arassas. Er gilt als kleiner Verwandter von Drache und Lindwurm und soll vor allem im Alpenraum und im Alpenvorland vorkommen.
Der Name setzt sich zusammen aus Tatze, was je nach Zusammenhang Bein, Pfote oder Klaue bedeuten kann, und Wurm, was darauf hindeutet, dass es sich beim Tatzelwurm um einen „Halbdrachen“ mit einem schlangenartigen Unterleib und zwei prankenbesetzten Vorderbeinen handelt.
Beschreibung
Weitgehend ähnlichen Berichten und Mythen zufolge werden die Wesen zwischen 50 und 200 Zentimeter lang und haben einen reptilienartigen Körper und einen Kopf, der an eine Raubkatze erinnert. Sie leben in Stollen und Höhlen, die sie selbst in den Felsen graben. Obwohl im Allgemeinen als relativ scheu beschrieben, gelten Tatzelwürmer auch als gefährlich und aggressiv und sollen Menschen und Tiere angefallen haben.
Lokale Sagen
Es heißt, wenn ein Tatzelwurm durch Sand krieche, werde der Sand zu Glas, was darauf schließen lässt, dass dem Fabeltier eine starke Hitzeentwicklung nachgesagt wird. Angeblich vermehren sich Tatzelwürmer nicht auf einem biologischen Weg, sondern entstehen ähnlich wie ein Basilisk: Ein Hahn legt ein schwarzes Ei in einen See, wo es von der Sonnenwärme ausgebrütet wird. Aus dem Ei schlüpft ein Tatzelwurm, der möglicherweise zu einem Lindwurm heranwächst.
Im Salzburgerland trägt der Tatzelwurm auch den Namen „Bergstutz“. Letzterer soll Giftzähne besitzen, bei deren Biss man auf der Stelle stirbt. Berichte über diese drachenartigen Fabelwesen liegen selbst noch im 20. Jahrhundert vor. Der österreichische Hofrat von Drasenovich erzählt, dass er selber eine Begegnung mit einem Tatzelwurm hatte. Ein etwa 50 Zentimeter langer Tatzelwurm soll ihn attackiert haben, und er konnte diesen nur mit einem Jagdmesser abwehren. Der verwundete Tatzelwurm soll dann in einer Erdspalte verschwunden sein.
Berühmt ist die Schweizer Sage von einem Tatzelwurm, der auf dem Berg Pilatus sein Unwesen trieb. Er fiel über Höfe her, verbrannte die Ställe und tötete das Vieh. Niemand wagte es, gegen diese gefährliche Kreatur zu kämpfen. Schließlich erklärte sich der verurteilte Mörder Heinrich von Winkelried (nicht identisch mit Arnold Winkelried) bereit, den Tatzelwurm zu töten, zur Belohnung sollte er seine Freiheit zurückbekommen. Winkelried nahm sein Schwert und spitzte die Äste eines dünnen Baumstamms. Dann näherte er sich der Höhle, in der das Biest wohnte. Der Tatzelwurm hatte den Mann bereits erspäht und griff ihn sofort an. Winkelried stieß der Kreatur den Dornenstamm ins offen klaffende Maul. Der Tatzelwurm krümmte sich vor Schmerz und wurde deshalb unvorsichtig. Winkelried nutzte die Gelegenheit und rammte sein Schwert in den Leib des Untiers, es schloss die Augen und fiel tot zur Erde nieder. Als der Held sein blutverschmiertes Schwert zum Sieg in die Höhe reckte, rann ein Tropfen des giftigen Blutes auf seine Hand. Ohne noch ein Wort hervorbringen zu können, brach der heldenhafte Kämpfer tot zusammen.
Darstellung des Kampfes zwischen dem „Ritter des Lichts“ und dem Tatzelwurm (auch Lindwurm genannt) am Tetzelstein im Elm von Steinmetz Theo Schmidt-Reindahl.
Im Naturpark Elm-Lappwald in Niedersachsen findet sich an der Liegenschaft Tetzelstein ebenfalls eine lokale Sagengeschichte, nach der der „Ritter des Lichts“ gegen die Dunkelheit gekämpft und obsiegt hat. Die Szene wurde vom Steinmetz Theo Schmidt-Reindahl auf einer Serie von Holztafeln verewigt.
Die Tatzelwurmsage ist in Südtirol und im Berner Oberland sehr populär, so etwa in Eppan im Überetsch.[1] Im Bozner Stadtteil Gries fanden in den Jahren 1972–1974 drei „Internationale Tatzelwurm-Volksmärsche“ statt.[2]
Im Museum Haus der Natur Salzburg war lange Zeit ein Platz für einen Tatzelwurm reserviert. Es fand sich jedoch keiner.
Nahe beim oberbayerischen Oberaudorf soll das menschenfressende Untier in der Gumpe (Strudeltopf) des Tatzelwurmwasserfalls hausen,[3] der Dichter Joseph Victor von Scheffel widmete diesem sagenhaften Drachen ein Gedicht.[4]
Moderne Sichtungen
Auch in modernen Zeiten wurde der Tatzelwurm immer wieder gesichtet. Bisher gibt es etwa 80 Augenzeugenberichte.[5] Im Jahre 1950 sahen ihn verschiedene Leute im Jura,[6] 1948 und 1968 in den französischen Alpen,[7] Anfang der 1980er Jahre in Südtirol und 1984 bei Aosta.[8]
1935 soll in der Aareschlucht im östlichen Berner Oberland ein Tatzelwurm fotografiert worden sein, wie eine mehrseitige Reportage in der Berliner Illustrirte Zeitung behauptete.[9] Von der Zeitung wurde auch eine Belohnung für ein gefangenes Exemplar ausgesetzt. Noch heute ist der Tatzelwurm das Maskottchen der Aareschlucht.[10]
Im Sommer 1963 wurde ein Tatzelwurm mehrfach in der Nähe von Udine in Oberitalien gesehen. Dabei wurde er als eine etwa 4 m lange Schlange mit einem Kopf der Größe eines Kinderkopfes und einem telegrafenstangengroßen Körper beschrieben. Bevor der Tatzelwurm erschien, soll ein hoher Pfiff ertönt sein.[5]
Erklärungsversuche
Als in den 1930er Jahren Sichtungen berichtet wurden, verglichen interessierte Zoologen und Kryptozoologen diese Beschreibungen mit der tatsächlich existierenden Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) aus Nordamerika, die ebenfalls bis etwa 50 cm lang werden kann. Einige vermuteten aufgrund weiterer Ähnlichkeiten eine Verwandtschaft zwischen den Tieren und klassifizierten den Tatzelwurm gar als Heloderma europaeum. Andere Zoologen widersprachen bereits in dieser Zeit diesem Deutungsversuch: Es könne sich um Verwechslungen mit einer anderen Reptilienart (etwa auch einer invasiven Spezies) oder gar mit Fischottern handeln, wenn diese beim Revierwechsel weitab von Gewässern in einem Gebiet gesichtet werden, wo sie den Einheimischen sonst unbekannt sind. Auch eine bewusste Irreführung könne in einigen Fällen vorliegen.[11]
Literarische Verwendung
Der Dichter Joseph Victor von Scheffel (1826–1886) widmete dem sagenhaften Drachen im Wasserfall und dem Gasthaus, in welchem er wohl eingekehrt war, ein Gedicht.[4]
Die Mittelalter-Folk-Rock-Band Schandmaul hat auf ihrem Album Knüppel aus dem Sack ein Lied über den Tatzelwurm.
Das Zepter des Zatzelwurms für die Comicreihe Lustiges Taschenbuch Young Comics, 2023.
In dem 2025 erscheinenden Indie-Videospiel Aethermancer des deutschen Entwicklers Moi Rai Games als spielbares Monster.
Übertragene Bedeutungen
Münchner Straßenbahn Typ P1, genannt Tatzelwurm
Häufig werden längliche Bauwerke oder Fahrzeuge Tatzelwurm genannt. Von Münchnern wird die Hochbrücke Freimann, ein Abschnitt der A9 im Norden Münchens, auch als Tatzelwurm bezeichnet, ebenso wie die Holzbrücke bei Essing. Unter leicht abgewandeltem Namen Tazzelwurm eröffnete Kölns erstes Varieté-Theater nach dem Zweiten Weltkrieg.
Literatur
Kurt Kusenberg: Der Tatzelwurm. In: Mal was andres – phantastische Erzählungen. Rowohlt, Hamburg 1983, ISBN 3-498-09223-5.
Stefan Wolf (geschrieben von Corinna Harder): TKKG – Das Biest aus den Alpen. cbj avanti, München 2011, ISBN 978-3-570-17034-2.
Corinna Harder, Jens Schumacher, Bernhard Speh: Nessie, Yeti und Co. – Geheimnisvollen Wesen auf der Spur. Patmos, Düsseldorf 2006, ISBN 3-491-42045-8.
Max Einmayr: Der feurige Tatzelwurm auf dem Wirtshausschild. In: Derselbe: Inntaler Sagen, Sagen und Geschichten aus dem Inntal zwischen Kaisergebirge und Wasserburg. Oberaudorf 1988, S. 119 (Transkript auf Sagen.de).
Ulrich Magin: Der Tatzelwurm. Porträt eines Alpenphantoms. Edition Raetia, Bozen 2020, ISBN 978-88-7283-753-5.
Markus Kappler (Zoologe): Der Tatzelwurm: Fabeltier oder Alpenwildtier? (Memento vom 24. Dezember 2019 im Internet Archive) In: MarkusKappeler.ch. Eigene Website, 2012 (sehr umfangreiche Theorien- und Quellensammlung).
↑Alfred Gruber: Ein Tatzelwurm in Eppan. In: Der Schlern. Nr. 45, 1971, S. 77.
↑3. Internationaler Tatzlwurm-Volksmarsch am 26. Mai 1974. Sportverein Gries-Bozen, Bozen 1974.
↑Hotelierfamilie Kiesl: Die Tatzlwurm-Legende & Sage. In: Tatzlwurm.de. Oberaudorf, [ohne Datum], abgerufen am 20. August 2019.
↑ abJoseph Victor von Scheffel: Tatzlwurm-Gedicht. In: tatzlwurm.de. Hotel Feuriger Tatzlwurm, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. September 2014; abgerufen am 20. August 2019 (ohne Datum).
↑ abUlrich Magin: Trolle, Yetis, Tatzelwürmer. Rätselhafte Erscheinungen in Mitteleuropa. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37394-1, S. 79.
↑Harold T. Wilkins: Flying Saucers on the Attack. Ace Books, New York 1967, S. 36 (englisch).
↑Meldung in der Zeitung Le Matin. Lausanne, 12. Mai 1985.
↑Jean-Jacques Barloy: Enquete sur les animaux mysterieux. Nummer 34, 1985 (französisch).
↑Hans Rudolf: Rätselhafte Begegnung im Schweizer Hochgebirge. In: Berliner Illustrirte Zeitung. April 1935, Nr. 16, S. 551–558, sowie Nr. 17, S. 601–604 (Online-Transkript (Memento vom 16. Mai 2019 im Internet Archive) auf markuskappeler.ch).
↑Markus Kappler (Zoologe): Der Tatzelwurm: Fabeltier oder Alpenwildtier? (Memento vom 26. August 2019 im Internet Archive) Eigene Website, 16. März 2012, abgerufen am 20. August 2019 (sehr umfangreiche Theorien- und Quellensammlung).
Ninki-Nanka (andere Schreibweise Ninkinanka) ist ein Fabelwesen im westafrikanischen Staat Gambia, vergleichbar mit dem Ungeheuer von Loch Ness. Wie bei anderen Mysterien der Kryptozoologie handelt es sich um einen Mythos.
Armitage's King, wie Ninki-nanka 1922 nach dem britischen Gouverneur Cecil Hamilton Armitage auch benannt wurde, soll nach der Überlieferung in sumpfigen und in moorigen Landschaften Westafrikas zu finden sein. Beschrieben wird es als Tier mit einem langen, mit Schuppen besetzten Körper und einem Kopf ähnlich einem Pferd. Aber es wird auch als krokodilähnlich beschrieben. Längenangaben sind bis 30 Meter gemacht worden. Man vermutet auch, dass sich das Wesen irgendwo in Senegal aufhält.
Expedition 2006
Im Juli 2006 führte eine Gruppe von britischen Forschern des Centre for Fortean Zoology auf der Suche nach Ninki Nanka eine Expedition nach Gambia durch. Die Gruppe erreichte einige Aufmerksamkeit in den Medien.[1]