Bild der großen Pest von LondonVerzeichnis der Beerdigungen des Jahres 1665, aufgeschlüsselt nach Pfarrbezirk, gewöhnlichen Todesfällen und Pesttoten
Als Große Pest von London (englischGreat Plague of London) wird eine Pestepidemie im Süden Englands bezeichnet, die sich in den Jahren 1665 und 1666 ereignete. Sie forderte rund 100.000 Todesopfer, davon ca. 70.000 in London, was etwa einem Fünftel der Stadtbevölkerung entsprach. Die Folgen waren weitaus weniger verheerend als beispielsweise in der Zeit des Schwarzen Todes von 1347 bis 1353, doch wurde diese Epidemie als „Große Pest“ bezeichnet, weil sie eine der letzten in Europa war.
Verlauf
Es wird angenommen, dass die Yersinia-pestis-Bakterien mit einem niederländischen Schiff nach England eingeschleppt wurden, das Ballen mit Baumwolle aus Amsterdam an Bord hatte. Die Pest war seit 1654 periodisch in den Niederlanden aufgetreten. Die Hafengebiete außerhalb Londons, wo die armen Arbeiter in erbärmlichen Behausungen zusammengepfercht lebten, waren als erste von der Pest betroffen. Im Winter 1664/65 gab es mehrmals Berichte über Tote. Der Winter war allerdings sehr kalt, was die Ansteckungsrate in Grenzen hielt. Die Frühlings- und Sommermonate hingegen waren außergewöhnlich warm und sonnig, was die rasche Ausbreitung der Pest begünstigte. Es wurden keine Aufzeichnungen über Tote unter den ärmsten Bewohnern geführt. Der erste registrierte Pesttodesfall war jener von Margaret Porteous am 12. April 1665.
Im Juli 1665 hatte die Pest die City of London erreicht. König Karl II., seine Familie und sein Hofstaat verließen die Stadt und zogen nach Oxford. Hingegen blieben der Lord Mayor und die Ratsherren auf ihren Posten. Die Geschäfte wurden geschlossen, als die meisten wohlhabenden Händler und Handwerker ebenfalls flohen. Nur eine kleine Anzahl von Klerikern, Ärzten und Apothekern entschloss sich zu bleiben. Pestärzte zogen durch die Straßen und stellten Diagnosen bei Opfern, obwohl viele gar nicht die nötige Ausbildung besaßen.
Verschiedene gesundheitliche Maßnahmen wurden angeordnet. Die Stadtbehörden stellten die Ärzte in ihren Dienst und die Beerdigungen wurden bis ins Detail organisiert. Die Bewohner wurden dazu angehalten, Feuer Tag und Nacht brennen zu lassen, weil man hoffte, dass dadurch die Luft gereinigt würde. Stark riechende Substanzen wie Pfeffer, Hopfen und Weihrauch wurden ebenfalls verbrannt, um eine mögliche Ansteckung abzuwehren. Die Einwohner, auch junge Kinder, wurden aufgefordert, Tabak zu rauchen.
Obwohl sich die Pest hauptsächlich auf London konzentrierte, waren auch andere Landesgegenden betroffen. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Dorf Eyam in der Grafschaft Derbyshire. Die Pest wurde durch ein Paket mit Textilien eingeschleppt, das aus London hierher geschickt worden war. Das Dorf verhängte über sich selbst eine Quarantäne. Etwa die Hälfte der Einwohner starben, doch bremsten sie dadurch eine weitere Ausbreitung in die umliegenden Gegenden.
Aufzeichnungen belegen, dass Mitte Juli 1665 in London rund 1000 Menschen pro Woche an der Pest starben; im September 1665 waren es 7000 pro Woche. Im Spätherbst begann die Zahl der Neuansteckungen langsam zu sinken und im Februar 1666 erschien es für den König und sein Gefolge sicher genug, in die Stadt zurückzukehren. Die Pest hatte in der Zwischenzeit über die Handelswege Frankreich erreicht, wo die Infektionskette dann im darauf folgenden Winter abbrach.
In der Hauptstadt forderte die Seuche im Verlauf des Jahres weitere Todesopfer, jedoch in einem überschaubaren Rahmen. Der Große Brand von London vom 2. bis zum 5. September 1666 zerstörte einen großen Teil der überbevölkerten Wohn- und Geschäftsbereiche der Stadt. Dieses Ereignis hatte zur Folge, dass die Pest endgültig gestoppt wurde, weil praktisch alle verseuchten Ratten und Flöhe in den Flammen verbrannten. Nach dem Großen Brand wurde London wieder aufgebaut. Allerdings wurden Stroh- und Reet-Dächer verboten und die Stadt erhielt ein einfaches Abwassersystem.
Literarische Verarbeitung
Geraldine Brooks: Das Pesttuch. Roman („Year of wonders“). Bertelsmann Verlag, München 2001, ISBN 3-570-00673-5 (spielt während der Zeit der großen Pest).
Daniel Defoe: Die Pest zu London („A journal of the plague year“). Ullstein, Frankfurt/M. 1997, ISBN 3-548-23764-9 Digitalisat.
John Evelyn: The diary of John Evelyn. Everyman's Library, London 2006, ISBN 1-85715-291-3.
Samuel Pepys: Das geheime Tagebuch („The diary“). Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1995, ISBN 3-458-32337-6 (detaillierte Schilderung der Pestepidemie)
Robert Steadman: Pepy's Diary. Kantate (musikalische Bearbeitung von Samuel Pepys’ Tagebuch)
Neal Stephenson: Quicksilver. Roman. Goldmann, München 2006, ISBN 3-442-46183-9 (einige Kapitel handeln vom pestverseuchten London).
Mary Hooper: Die Schwester der Zuckermacherin, Bloomsbury, London 2006, ISBN 3-8270-5144-4 (die Geschichte eines Geschwisterpaares in London, während der großen Pest)
Edward Rutherfurd: London („London. The Novel“), Droemer Knaur, München 2000, ISBN 3-426-61830-3 (Das 13. Kapitel handelt von der Pest und dem Großen Brand)
Literatur
George W. Bell: The great plague in London. Bracken Books, London 1994, ISBN 1-85891-218-0 (Repr. d. Ausg. „The Great Plague in London in 1665“ London 1924)
Eine Messe für die Stadt Arras[1] ist der Titel des 1971 auf Polnisch unter dem Titel Msza za miasto Arras und 1979 auf Deutsch erschienenen Romans von Andrzej Szczypiorski über die Ereignisse, die sich in Arras zwischen etwa 1458 und 1461 zutrugen. Sowohl durch die an der Pest verzweifelnden Bürger als auch durch den folgenden religiösen Fanatismus gehen zeitweilig alle moralischen Maßstäbe verloren und führen zu Judenpogromen, Kannibalismus, Hexenprozessen, Mord und Totschlag, rechtlicher Willkür und privaten Abrechnungen. Der fürstbischöfliche Stadtherr stellt schließlich die Ordnung mit sehr milden Strafen für die plebejischen Ratsherren wieder her, die nicht nur Täter, sondern auch Opfer eines christlichen Fundamentalisten sind.
Inhalt
Der Erzähler, der junge adlige Jean, ist sowohl Schüler des den Stadtrat lenkenden „heiligen Greises“ Pater Albert als auch Zechkumpan des Utrechter Fürstbischofs und Stadtherrn, der nicht an Gott, aber an die Wichtigkeit aller Leidenschaften glaubt. Nach den Gewalt-Exzessen in Arras, dem „großen Zorn“,[2] verlässt Jean die Stadt und reist nach Brügge, um sich dort niederzulassen. Um seine Aufnahme in die Stadt zu erreichen, berichtet er vor dem Rat der Stadt von den Verbrechen, an denen er mitgewirkt hat und von denen er fast verschlungen wurde.[3] Im Zentrum von Jeans langem Monolog stehen nicht die Taten der Protagonisten, sondern die Auseinandersetzungen um die ideologische Rechtfertigung moralisch grenzwertiger Entscheidungen. Damit wird der Roman zu einem Ideendrama, das vom Leser den Nachvollzug der teils sophistischen Argumentationen fordert.
Fassade der Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Vaast in Arras
Das Thema des Romans ist der Missbrauch einer religiösen und politischen Orthodoxie durch eine kleine Elite, die die Mehrheiten der Versammlungen[4] durch Ideologie, mit Opportunismus und aus Feigheit bestimmen kann. Sowohl der greise Fanatiker Albert als auch sein Schüler Jean nutzen den christlichen Glauben zur Untermauerung ihrer jeweiligen Standpunkte. Der mit der Hölle, den Einflüsterungen Satans und einer Wiederholung der Pest als göttlicher Strafe[5] drohende Albert steuert mit einer scheinbaren Demokratisierung den von ihm um die Vertreter der Gewerke[6] erweiterten Rat und ist der Schrittmacher der Exzesse. Seine ideologische Macht beschreibt Albert so: „Es ist nicht wichtig, was ist, sondern was für einen Namen eine Sache trägt. Alles ist wie sein Name. (…) Was ist Gewalt, die du Strafe nennst? Strafe. (…) So gebe ich allen Taten dieser Stadt einen Namen.“[7] Ein späteres Opfer formuliert über den spiritus rector Albert: „Solche wie der da sind immer die Schlimmsten. Sie morden sündlos.“[8] Und falls den Mördern doch einmal Zweifel über ihre Taten kommen, dann fragten sie sich vermutlich nicht: „Warum habe ich Unschuldige getötet?“, sondern sie würden sich immer noch damit beruhigen können, die Verbrechen aus gutem Glauben begangen zu haben.[9] Jean unterwirft sich mehr und mehr dem Fundamentalismus seines Lehrers und wirkt schließlich an willkürlichen Todesurteilen mit - bevor er selbst zum Angeklagten wird (er sei „viel zu gescheit, um in unserer Stadt weiterzuleben“).[10]
Der Fürstbischof richtet schließlich die alte Ordnung mit dem ideologischen Verfahren wieder her, das auch der irre Albert benützte: Der Fürst bestraft die noch übrigen, an der unrechtmäßigen Gewalt beteiligten Ratsherren milde mit der Verbannung aus der Stadt, hebt alle Urteile und Verfahren der entmachteten Stadtregierung auf und hält eine Messe zur Sündenvergebung für die ganze Stadt. Denn „was geschehen ist, ist nicht geschehen, und was gewesen ist, ist nicht gewesen!“[11] – nicht Herzensbosheit, sondern Dummheit und Verweigerung der menschlichen Vernunft sei die Ursache der Exzesse gewesen. So greift auch die heilende Macht auf die im Prinzip gleiche Methode der ideologischen Benennung, des Framings, zur Wiederherstellung des guten Gewissens und von Ruhe und Ordnung zurück: Diese „Bestrafung“ offenbare den Zynismus der Obrigkeit, indem sie der Stadt auch den letzten Glauben an höhere Werte nehme.[12]
Der intellektuelle Zögling Jean, der sich ja gleichfalls mit Schuld beladen hat, protestiert vergeblich gegen diese pragmatische Barmherzigkeit.[13] So wird er auch am Schluss noch einmal seiner Rolle als verführbarer Dogmatiker gerecht.
Biografischer und politischer Kontext
Im Zentrum des Romans steht die Trias der – hier christlichen – Dogmatik[14], der mit ihr begründeten blutigen Exzesse und der auf sie folgenden, notwendigen Sühne: Wie lebt eine Gesellschaft weiter, in der ein größerer Teil sich an Verbrechen beteiligt hat, wie ist eine gemeinsame Zukunft von Opfern und Tätern möglich? Wie organisiert eine Gesellschaft die Aufarbeitung ihrer Traumata?
Einen Bezug zur Lebensgeschichte Szczypiorskis stellt Erdmann-Pandzic her[15], die sich dabei auf Szczypiorski stützen kann: „Mein wirklich wichtigstes Buch ist Eine Messe für die Stadt Arras. (...) Dies Buch ist mein Plädoyer für Toleranz. Und es zeigt, wie eine Gesellschaft durch intolerante Macht verdorben wird. (...) Jede dogmatische Weltanschauung führt zur Vernichtung.“ Der Autor nennt die antisemitischen Kampagnen in Polen mit ihrem Höhepunkt 1968 als Auslöser für die Arbeit an seinem Roman.[16]
In seiner Jugend erlebte Szczypiorski den Überfall der Deutschen auf Polen, den polnischen Untergrund und den Warschauer Aufstand, von wo er nach seiner Verhaftung ins KZ Sachsenhausen bei Berlin eingeliefert wurde. Nach dem Sieg über den Faschismus arbeitete er in Polen als Journalist und unterstützte ab Mitte der 70er Jahre die polnische Opposition und das schrittweise Ende des sowjetischen Modells in Polen. Trotz aller Bedenken gegen eine „biografische Interpretation“ ist anzunehmen, dass die Erfahrungen mit zwei Diktaturen und ihren ideologischen Rechtfertigungen eine Rolle bei seiner Wahl des Themas gespielt haben. Szczypiorskis Haltung zur Ideologie bzw. Religion ist aber zwiespältig, denn er besteht auf der Notwendigkeit einer religiösen Weltanschauung: „Ein Leben, eine Welt ohne persönlichen Gott ist absurd, ist sinnlos.“[17] Damit aber begibt er sich in den Widerspruch, zwar jede Dogmatik, jeden Fundamentalismus abzulehnen, aber einen sich leicht zum Fundamentalismus hin öffnenden Monotheismus zu befürworten.[18]
Und es lässt sich weiter fragen: Wie kann ein tiefer Riss durch die Gesellschaft heilen? Ein realer Versuch einer Antwort auf diese für das Weiterleben einer Gemeinschaft wichtigen Frage waren z. B. die Wahrheitskommissionen in Südamerika und Südafrika. Szczypiorski dagegen lässt die Handlung mit den symbolisch-politischen Maßnahmen der Obrigkeit enden, mit der Messe und mit den Verbannungen, obgleich die narrative Herausforderung, die poetische Gestaltung der Phase der gesellschaftlichen Befriedung, dann erst wirklich beginnt: Wie bewährt sich das a-historische Dogma des Nicht-Geschehens, des Tabus, in der alltäglichen Begegnung von Tätern und Opfer? Nach der Absolution durch die Messe für die Stadt Arras hätte durchaus ein zweiter Akt der Handlung beginnen können.
Literatur
Kindlers neues Literatur-Lexikon, hrsg. von Walter Jens, Studienausgabe, München: Kindler 1996, Band 15. Sc-St, ISBN 3-463-43200-5
Weblinks
Adrian Ambrer: Szczypiorski: Eine Messe für die Stadt Arras, in: Adrian-Ambrer - The Reading Cat [1]
Elisabeth von Erdmann-Pandzic: „Eine Messe für die Stadt Arras“, von Andrzej Szczypiorski, [2]
Wolfgang Gonsch: Andrzej Szczypiorski, Eine Messe für die Stadt Arras, in: how2find [3]
Ulrich Greiner: Die Pest ist überall, in: Zeit.de [4]
Einzelnachweise
↑Andrzej Szczypiorski: Eine Messe für die Stadt Arras. Roman. Aus dem Polnischen von Karin Wolff. Diogenes, Zürich 1988, ISBN 978-3-257-22414-6.
↑In einigen deutschen Städten des Mittelalters kam es zu politischen Kämpfen der Handwerker mit mehr oder weniger Erfolgen gegenüber den Obrigkeiten ihrer Städte. Vergleiche etwa den Bericht über die Zunftrevolution in Zürich.
↑Ulrich Greiner kommentierte 1988 in der Zeit, die Stärke des Romans bestehe darin, das Thema des Stalinismus zu behandeln, ohne auch nur einmal den Begriff zu verwenden. (Vergleiche Weblink)
↑"Die Stadt Arras in ihrem delikaten außen- und innenpolitischen Gefüge stellt das Land der Polen dar." Die Verschlüsselung durch die Verwendung der historischen Ereignisse im französischen Arras sei eine Folge der polnischen Zensur gewesen. (Vergleiche Erdmann-Pandzic, S. 253 f.)
Monsieur Vincent (Originaltitel Monsieur Vincent, Verweistitel Der heilige Vinzenz) ist ein französischer Film von 1947 über den Heiligen Vincent de Paul (1581–1660), der als Begründer der neuzeitlichen Caritas und priesterlicher Vater der Armen gilt. Unter der Regie von Maurice Cloche ist Pierre Fresnay in der Rolle des Heiligen zu sehen. Tragende Rollen sind mit Aimé Clarimond als Kardinal Richelieu, Jean Debucourt als Graf von Joigny und Lise Delamare als Gräfin von Joigny besetzt.
Handlung
Nachdem Vincent de Paul sein Studium der Theologie beendet, wird er 1600 zum Priester geweiht. Während seines Wirkens an verschiedenen Stätten, vollzieht sich in ihm durch Begegnungen mit den ärmsten Menschen der Gesellschaft, persönliche Krisen und auch durch die Einwirkung des späteren Kardinals de Bérulle eine innere Wandlung. So gibt er seine privilegierte Stellung als Privatlehrer bei der Aristokratenfamilie Gondy auf, um sich der Armen und Kranken anzunehmen.
Er nimmt eine Stelle als einfacher Priester in einer Pfarrei in einer Gegend Frankreichs an, die besonders schwer mit der Pest zu kämpfen hat, um diejenigen zu unterstützen, die seine Hilfe am meisten brauchen. Louise de Marillac, eine Witwe mit einem großen Herzen, ist von seinem Beispiel so berührt, dass sie es ihm gleichtut.
Für Monsieur Vincent ist es schockierend zu erleben, unter welchen unglaublichen Bedingungen viele Menschen leben müssen, nur schwer kann er verstehen, dass Betroffene Verbesserungen trotzdem misstrauisch gegenüberstehen. Obwohl er damit konfrontiert wird, dass auch unter den Armen – wie wohl überall – Gewalttätigkeit, Kleinlichkeit, Selbstsucht und Arroganz herrschen und sie oft mehr verlangen, als sie selbst bereit sind zu geben, hält er an seiner Mission fest. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele, die mithelfen wollen, ihr eigenes Leben und das anderer zu verbessern. Vincent de Pauls selbstloses Handeln macht ihn schnell auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das hilft ihm, Unterstützung für seine Bemühungen bei denjenigen zu erbitten, die die Mittel und den Einfluss haben, seine Pläne wahr werden zu lassen, sei es in der Missionsarbeit, beim Bau von Krankenhäusern und Hilfsmaßnahmen für Kriegsopfer. Monsieur Vincent weiß sehr wohl, was Leid ist, da er in seiner Jugend einige Jahre in Gefangenschaft und Sklaverei verbringen musste. So tritt er in Paris auch dafür ein, die Situation der Galeerensklaven zu verbessern und sorgt für Aufsehen, als er den Platz eines dieser gemarterten Männer einnimmt.
Der Film schildert die Mühen, die Vincenz von Paul auf sich nimmt, um für Frieden und Harmonie unter den Bauern und den Adeligen zu sorgen, während in Europa die Pest wütet. Allen Widrigkeiten und Hindernissen zum Trotz lässt er sich von seinem mildtätigen Weg nicht abbringen. Die Unterstützung gutsituierter Frauen ist ihm dabei eine große Hilfe, sodass er 1617 die erste Bruderschaft der christlichen Liebe, eine karitative Frauenvereinigung, gründen kann, die sich um Arme kümmert und Kranke versorgt. Noch auf seinem Sterbebett findet er die Kraft, einem jungen Novizen, der sein Leben ebenfalls den Armen widmen will, hilfreiche Worte mit auf den Weg zu geben.
Produktion, Hintergrund
Es handelt sich um eine Produktion der Edition et Diffusion Cinématographique (E.D.I.C.), Office Familial de Documentaire Artistique (O.F.D.A.) und Union Générale Cinématographique (UGC). Die Dreharbeiten fanden in den Studios des Buttes-Chaumont und den Radio-Cinéma Studios in Paris statt sowie in der französischen Gemeinde Pérouges im Ain der Region Auvergne-Rhône-Alpes.
Monsieur Vincent war der erste französische Film, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Pierre Fresnays Casting für die Titelrolle war seinerzeit höchst umstritten. Er war während der Zeit des Nationalsozialismus einer der prominentesten Stars der Filmgesellschaft Continental, die damals der deutschen Führung unterstand, so beispielsweise in Clouzots Werken Der Mörder wohnt Nr. 21 (1942) und Der Rabe. Nach der Befreiung wurde er als Kollaborateur gebrandmarkt und verbrachte mehrere Wochen im Gefängnis, bis man die Anklage fallen ließ. Mit der Verfilmung über Monsieur Vincent gewann er seinen Ruf zurück mit einer Leistung, die vielfach als seine beste bezeichnet wird.[1]
Historie
Vinzenz von Paul
Vinzenz von Paul (1581–1660) war ein französischer Priester, der aufgrund seines Wirkens auf dem Gebiet der Armenfürsorge und Krankenpflege als Begründer der neuzeitlichen Karitas gilt. Er wurde 1729 durch Benedikt XIII. selig- und 1737 durch Clemens XII. – unter anderem aufgrund seines Engagements für Kranke, Bettler, Findelkinder, verwahrloste Jugendliche, Geisteskranke, Sträflinge, Flüchtlinge und Vertriebene – heiliggesprochen. 1885 wurde er von Leo XIII. zum Schutzpatron des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul ernannt. Für ihn galt das Motto: „Liebe sei Tat.“ Er gehört zu den sozialen Vorkämpfern des 17. Jahrhunderts.
Veröffentlichung
Der Film hatte am 5. November 1947 Premiere in Frankreich. In Schweden lief er am 20. September 1948 an, in Portugal am 5. November 1948 und in den USA am 20. Dezember 1948. In der Bundesrepublik Deutschland wurde er erstmals im Jahr 1949 gezeigt, teilweise auch mit dem Untertitel Ein Leben für die Menschlichkeit,[2] ebenso in Österreich, wo er am 6. Mai unter dem Titel Der heilige Vinzenz veröffentlicht wurde. Am 9. Januar 1972 lief der Film im Programm des ZDF erstmals im Fernsehen.
1949 lief er in Argentinien und Japan an, 1950 in Finnland und Australien. Veröffentlicht wurde er auch in Brasilien, der Ukraine und in Jugoslawien.
Kritik
Bei Rotten Tomatoes erreichte der Film bei 77 % des Publikums eine positive Einschätzung.[3]
„In historischer Treue, einfühlsam und ohne jedes unechte Pathos inszeniert. Vor allem aber dank der verinnerlichten Darstellung durch Pierre Fresnay ein erlebnisstarkes Werk.“
James Travers von Films de France schrieb, dass das dem Film zugrunde liegende Thema eigentlich nicht für einen Mainstream-Kinohit geeignet gewesen sei. Trotz seines düsteren Tons und religiösen Kontextes habe Monsieur Vincent aber seinerzeit 7,1 Millionen Zuschauer angezogen und sei der zweitbeliebteste französische Film des Jahres, nach Alexandre Esways patriotischem Kriegsepos Le Bataillon du ciel, gewesen. Weiter führte Travers aus, der Film sei nicht nur in Frankreich ein Kassenschlager gewesen, sondern habe auch internationale Beachtung erregt und sei in den USA besonders gut angenommen worden. Es gäbe kaum einen französischen Film aus den 1940er-Jahren, der für unsere Zeit wichtiger sei, befand Travers weiter. Seine Botschaft sei so aktuell wie in den dunklen Jahren der Nachkriegsdüsternis. In der größten Rolle seiner Karriere vermittle Pierre Fresnay nicht nur fesselnde Wärme und Menschlichkeit, sondern auch eine berührende Zerbrechlichkeit.[1]
Für SDG von decentFilms handelt es sich um eine wunderschön herausgearbeitete preisgekrönte Filmbiografie mit Pierre Fresnay, die so spröde und fesselnd sei wie ihr zielstrebiger, willensstarker Protagonist. Cloche und Kameramann Claude Renoir hätten den Film nach einem einfühlsamen Drehbuch von Jean Anouilh in schwarzweiß aufgenommen und dem Kino einen herausragenden Film beschert. Monsieur Vincent sei ein schöner, inspirierender Film, bei dem es sich lohne, ihn mehr als einmal anzuschauen.[5]
Auszeichnungen
1947: Auszeichnung des Films mit dem Grand Prix du Cinéma Français[1]
Internationale Filmfestspiele von Venedig 1947: Pierre Fresnay ausgezeichnet in der Kategorie „Bester Schauspieler“; Nominierung für Maurice Cloche für den Grand International Award
Oscarverleihung 1949: Auszeichnung mit dem Ehrenoscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“
Golden Globe Awards 1950: nominiert in der Kategorie „Bester Film zur Förderung der Völkerverständigung“
New York Film Critics Circle Awards: nominiert in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“
BAFTA Awards 1949: nominiert in der Kategorie „Best Film from any Source“
1995 aufgenommen in die Filmliste des Vatikans, die insgesamt 45 Filme umfasst, die aus Sicht des Heiligen Stuhls besonders empfehlenswert sind.
La vie et la passion de Jésus Christ (1905) •Die Passion der Jungfrau von Orléans (1928) •Monsieur Vincent (1947) •Franziskus, der Gaukler Gottes (1950) •Das Wort (1955) •Ben Hur (1959) •Nazarin (1959) •Das 1. Evangelium – Matthäus (1964) •Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966) •Andrej Rubljow (1969) •Mission (1986) •Opfer (1986) •Thérèse (1986) •Babettes Fest (1987) •Franziskus (1988)
Werte
Intoleranz (1916) •Rom, offene Stadt (1945) •Ist das Leben nicht schön? (1946) •Fahrraddiebe (1948) •Die Faust im Nacken (1954) •Freunde bis zum letzten (1956) •Das siebente Siegel (1957) •Wilde Erdbeeren (1957) •Dersu Usala (1975) •Der Holzschuhbaum (1978) •Die Stunde des Siegers (1981) •Gandhi (1982) •Auf Wiedersehen, Kinder (1987) •Dekalog (1988–1989) •Schindlers Liste (1993)
Kunst
Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) •Metropolis (1927) •Napoleon (1927) •Vier Schwestern (1933) •Moderne Zeiten (1936) •Die große Illusion (1937) •Der Zauberer von Oz (1939) •Ringo (1939) •Fantasia (1940) •Citizen Kane (1941) •Das Glück kam über Nacht (1951) •La Strada – Das Lied der Straße (1954) •Achteinhalb (1963) •Der Leopard (1963) •2001: Odyssee im Weltraum (1968)
Kaiser Justinian I., Detail einer Mosaikdekoration in San Vitale in Ravenna, vor 547
Daten
Name
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Alternativer Name
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Krankheit
Pest
Krankheitserreger
Y. pestis, Biovar Antiqua
Ursprung
Erster bekannter Fall
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Pandemische Phase
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Erklärung zur Pandemie
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Beginn
541
Ende
770
Betroffene Länder
Infizierte
Todesfälle
Quelle
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Letzte Aktualisierung:
Bei der Justinianischen Pest, seltener auch Pest des Justinian genannt, handelt es sich um eine zur Zeit des oströmischen Kaisers Justinian (527–565) ausgebrochene Pandemie, die erstmals 541 in Ägypten in den Gesichtskreis der Geschichtsschreiber trat, 542 Konstantinopel erreichte und sich bald darauf im gesamten spätantiken Mittelmeerraum verbreitete. Diese Pandemie trug infolge der Bevölkerungs- und Wirtschaftsverluste möglicherweise indirekt zum Misserfolg der Restauratio imperii Justinians und dem Ende der Antike im 6. Jahrhundert bei.
Sie gilt als die größte antike Epidemie zwischen Nord- und Nordwesteuropa, dem Mittelmeerraum und dem Sassanidenreich. Nachdem sie 544 im Oströmischen Reich für erloschen erklärt worden war, flackerte sie 557 wieder auf und blieb im Mittelmeerraum lange Zeit endemisch. Bis nach 770 kam es zu unregelmäßigen Ausbrüchen der Krankheit, der apokalyptische Ausmaße zugeschrieben wurden. Nach derzeitigem Forschungsstand handelte es sich bei der Seuche um die Pest, ausgelöst von dem Erreger Yersinia pestis (Biovar Antiqua).[1] Wie gravierend die Folgen dieser Pandemie waren, ist Gegenstand einer intensiven Forschungsdebatte.
Quellenlage
Neben dem oströmischen (griechischen) Geschichtsschreiber Prokopios, der das erste Auftreten der Seuche in Konstantinopel miterlebte, sind die Kirchengeschichte des Euagrios, die Kirchengeschichte des Johannes von Ephesos, die Historien des Agathias von Myrina und die Weltchronik des Johannes Malalas die wichtigsten erzählenden Quellen für den ersten Ausbruch der Pandemie. Euagrios Scholastikos berichtet aus Antiochia von einem Ausbruch der Epidemie im Jahr 594, die für ihn den vierten Ausbruch seit demjenigen von 542 darstellte, jenem ersten Ausbruch, den er als Kind überlebt hatte.
Für die späteren Ausbrüche sind auch andere Quellen jenseits der oströmisch-byzantinischen greifbar, etwa arabische, die aber mit deutlich größerem zeitlichen Abstand entstanden sind. Sie berichten über einen Ausbruch für das Jahr 628, in dessen Zusammenhang womöglich der damalige Sassanidenkönig Kavadh II. ums Leben kam. Tabari schildert in seinen Annalen: „Die Pest soll sich in seinen Tagen [Kavadhs II.] ausgebreitet und die Perser bis auf wenige hingerafft haben.“[2] Von 628 an wütete die Seuche in Syrien und im sassanidischen Mesopotamien, wo ihr vor allem in Ktesiphon zahlreiche Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Wohl 638 begegneten die muslimischen Invasoren erstmals selbst der Pest, einen Ausbruch, den sie nach dem Ort dieser Erstbegegnung Pest von Amwas nannten.
Der Lexikograph al-Asmai († 862) kompilierte als erster eine Liste der Pestausbrüche. Der Historiker, der unabhängig von al-Asmai, aber auf der Basis gemeinsamer Quellen arbeitete, lieferte einen ausführlichen Bericht über die Pest in Basra. Das Werk des al-Mubarrad († 899 oder 900), das nur aus Zusammenstellungen aus den 1360er Jahren bekannt ist, ist bezeichnend für die komplizierte Situation der arabischen Quellen, denn sie sind allesamt erst vergleichsweise spät, frühestens jedoch aus dem 9. Jahrhundert überliefert. Ihre Vorlagen hingegen sind verloren.
Das Oströmische Reich (orangefarben) im Jahr 565, mit den territorialen Rückeroberungen (Restauratio imperii) (gelb) Justinians I. (um 482–565).[3]
Die wichtigste literarische Quelle für Westeuropa ist Gregor von Tours, der den ersten Ausbruch der Seuche in Gallien als Kind erlebte. Er berichtet, wie die Pest 543 im Tal der Rhone grassierte. Sie habe die Region um Arles weitgehend entvölkert. Der Onkel des Verfassers, Bischof Gallus von Clermont, habe Gott um Verschonung gebeten, und tatsächlich wurde Clermont von der Pest verschont. Einer von Gallus’ Nachfolgern, Bischof Cautinus, hingegen erlebte, wie nicht mehr zählbare Menschenmassen der Pandemie zum Opfer fielen und dass man, angesichts fehlender Grabsteine und Särge, mehr als zehn Menschen in jedes Grab legen musste. In der Peterskirche wurden angeblich an einem einzigen Sonntag 300 Leichen gezählt. Auch Bischof Cautinus starb. Betroffen waren neben Clermont auch die Städte Lyon, Bourges, Chalon-sur-Saône und Dijon, aber auch Nantes. Möglicherweise erreichte die Pest von hier aus Cornwall und Irland. Civitas Remorum (Reims) und Augusta Treverorum (Trier) wurden laut Gregor durch das Eingreifen von Heiligen verschont. Nach ihm brachte ein Schiff aus Hispanien die tödliche Krankheit (erneut) 588 nach Massalia (Marseille). Nachdem die Pest dort grassiert hatte, verschwand sie nach zwei Monaten. Doch die Bewohner kamen zu früh zurück, denn die Heimkehrer wurden von einer neuen Welle getötet. Auch später wurde die Stadt noch mehrmals von der Epidemie schwer getroffen.[4]
Auch über Italien berichtet Gregor: Ein Gewährsmann namens Agiulf, der für Gregor in Rom Reliquien beschaffen sollte, habe ihm berichtet, wie im Januar 590 die Pest in Rom ausbrach, der Papst Pelagius II. zum Opfer fiel. Sein Nachfolger Gregor, genannt der Große, betete und veranlasste Bittprozessionen um Vergebung der Sünden, denn es war gängig, solcherlei Katastrophen als Strafe Gottes zu betrachten. Gregor der Große erwähnt die Justinianische Pest in seinen Homiliae in Evangelia, indem er über eine mortalitas inguinaria klagt.[5] Eine weitere Quelle zu Italien stellt Paulus Diaconus mit seiner Historia Langobardorum dar, die allerdings erst im 8. Jahrhundert entstand. Seine Quellen für das 6. Jahrhundert sind unbekannt. Er erwähnt vier Ausbrüche der Pest, davon den ersten für Ligurien 565. Ausdrücklich beschreibt er, wie massiv die Auswirkungen auch auf dem Lande gewesen seien: Die Dörfer waren demnach verlassen. Wie Gregor beschreibt Paulus den Ausbruch in Rom 590, dann einen 593 in Ravenna, Grado und auf Istrien. Schließlich beschreibt er für 680 einen schweren Ausbruch, der von Juli bis September Rom traf, aber auch Pavia.
Für den Ausbruch der Seuche im Jahr 745 machte der byzantinische geistliche Chronist Theophanes im Rahmen des byzantinischen Bilderstreits propagandistisch die Aktivitäten des Kaisers Konstantin V. verantwortlich.[6]
Die Ausbreitung der ersten Welle der Seuche (541–544)
→ Hauptartikel: Römisch-indische Beziehungen
→ Hauptartikel: Römisch-chinesische Beziehungen
Von der Beulenpest verursachte Schwellungen (Beulen genannt) in der LeistenregionBei der septikämischen Pest kommt es zu einer disseminierten intravasalen Koagulopathie. Hierdurch wird in den kleinen Gefäßen der Blutfluss blockiert; die Folge sind u. a. Gangränen in den (akralen) Gliedmaßen, welche sich schwarz verfärben, was zu der Bezeichnung Schwarzer Tod führte.
Ursprünglich entwickelte sich die Pest vor circa 4000 Jahren in der Tibet-Qinghai-Hochebene.[7]
Michael McCormick (Harvard University) schrieb 2018, das Jahr 536 sei das schlimmste gewesen, in dem Menschen je gelebt haben könnten. Ein mysteriöser Nebel verdunkelte die Sonne für 18 Monate. Die Temperaturen fielen um 1,5 bis 2,5 Grad. Aus China wird über Schneefall im Sommer berichtet, der die gesamte Ernte vernichtete. Irische Chroniken beschreiben eine Hungersnot zwischen 536 und 539. Auch aus Mesopotamien sind Berichte über den Zusammenbruch der Landwirtschaft überliefert. McCormick und der Gletscherforscher Paul Mayewski wiesen anhand von Eisproben aus einem Schweizer Gletscher nach, dass ein Vulkanausbruch in Island für die Katastrophe verantwortlich sein könnte. In den Jahren 540 und 547 folgten weitere Ausbrüche mit einer Abkühlung, die die folgenden Jahre zur kältesten Dekade der vergangenen 2.300 Jahre machte (Klimaanomalie 536–550).[8]
Durch Quellen belegt ist das Jahr 541 mit Pelusion im Nildelta als erster Ort des Auftretens für die Justinianische Pest beschrieben. Etwa 15, womöglich 17 Pestwellen lassen sich belegen.[9]
Betroffen waren von diesen Ausbrüchen die Länder des westlichen Mittelmeerraums, das rheinische Germanien und etwa zwei Drittel von Gallien und Hispanien sowie Gebiete im Osten wie Kleinasien, Syrien, Mesopotamien und Persien. Nördlich der Alpen erreichte die Justinianische Pest auch den Münchener Raum (römische Provinz Raetia).[10]
Nicht alle Länder waren gleich stark betroffen; häufig grassierte die Krankheit zwei oder drei Jahre in einem bestimmten Gebiet und schwächte sich dann wieder ab, wobei sie häufig mutierte. Zuerst soll die Krankheit dabei laut dem Zeitzeugen Prokop[11] in Pelusium (Tell el-Farama) am Ostrand des Nildeltas aufgetreten sein, wohin sie wohl aus dem subsaharischen Afrika oder über Fernhändler aus Indien bzw. Asien eingeschleppt worden war.[12][13] Nach Johannes von Ephesos überlebten dort nur sieben Männer, dazu ein Knabe von zehn Jahren.[14] Prokopios zufolge breitete sich die Epidemie zunächst ostwärts nach Gaza und westwärts nach Alexandria, dann in ganz Ägypten und Palästina aus.
Im Frühjahr 542 erreichte sie die Kaiserresidenz Konstantinopel, die damals über 500.000 Einwohner zählte, noch im selben Jahr Antiochia, Illyrien, Tunesien, Spanien, schließlich 543 auch Atropatene, wo sie die Armee der Perser traf. Im selben Jahr brach sie in Italien, dem Maghreb und Gallien aus[15] und breitete sich bis zum Rhein und auf die britischen Inseln aus. Nicht betroffen war anscheinend die arabische Halbinsel.[16] Wie die meisten Autoren beschreibt Prokop die Symptome der Krankheit: Fieber, dem beulenartige Geschwüre in der Leistenregion, unter den Achseln und am Hals folgten. Auch Kaiser Justinian erkrankte, doch wundersame Heilungen durch die Heilkundigen Kosmas und Damian sollen ihm das Leben gerettet haben. Der Kaiser glaubte, seine Rettung gleich in vier Fällen sei dem Eingreifen Heiliger oder der Gottesmutter zu verdanken.[17] Auch sein mächtiger Rivale, der Perserkönig Chosrau I., erkrankte 543, was zum Usurpationsversuch eines seiner Söhne geführt haben soll.
544 ließ Justinian zwar das Ende der Pestepidemie verkünden, doch brach sie 557 erneut aus, kehrte 570 abermals zurück und trat bis über die Mitte des 8. Jahrhunderts hinaus in etwa 15- bis 25-jährigem Rhythmus immer wieder in Erscheinung, bevor sie nach etwa 770 wieder verschwand.[18] Als besonders verheerend galt der letzte große Ausbruch von 746 bis 748. Schon Agathias berichtete in seiner Fortsetzung von Prokops Geschichtswerk, wie die Krankheit, nachdem sie Konstantinopel verlassen und in verschiedenen Gebieten grassiert hatte, 558 in die Hauptstadt zurückkehrte. Auch er berichtete, dass die Befallenen unter Schwellungen litten und unter stetig steigendem Fieber starben. Einige hätten jedoch weder an Fieber noch Schmerz gelitten, sondern seien einfach tot umgefallen.[19]
Anhand der Quellen, allen voran Prokopios, gab es Argumente für die Hypothese, dass die Pest afrikanische Ursprünge hatte, was aber aufgrund der durch die Forschung nachgewiesenen Herkunft des Erregers aus Asien als widerlegt anzusehen ist. Der Biovar Antiqua scheint aber seinen Weg vom nördlichen Ende des großen afrikanischen Grabenbruchs in der Region des heutigen Äthiopiens und Sudans genommen zu haben. Auch die These, die Epidemie habe sich vornehmlich in den Städten ausgebreitet (siehe oben), scheint widerlegt zu sein. Sowohl numismatische, juristische als auch papyrologische Quellen deuten auf eine Krise der kaiserlichen Finanzen hin, für die eine großflächige Entvölkerung auch auf dem Land die wahrscheinlichste Ursache war.[20]
Die Identifikation des Krankheitserregers
→ Hauptartikel: Yersinia pestis
Yersinia pestis unter dem Rasterelektronenmikroskop
Die Justinianische Pest wurde vor allem aufgrund der genannten Krankheitssymptome in den Werken der spätantiken Historiker Prokopios von Caesarea,[21] der die Seuche als Augenzeuge, aber in enger Anlehnung an die berühmte Darstellung der „Attischen Seuche“ im Werk des Thukydides[22] beschrieb, und Euagrios Scholastikos, der selbst erkrankt war, früh dem Pesterreger (Yersinia pestis) zugeordnet. Prokopios erwähnt Geschwulste, wie sie für die Beulenpest charakteristisch sind, wenngleich die Epidemie vielleicht von anderen Seuchen begleitet wurde. Auch eine griechische Grabinschrift von 542 berichtet, der Bischof Varus von Zora im römischen Syrien sei an bösartigen „Schwellungen an den Lenden und in den Achseln“ gestorben.[23] Der von Prokop ebenfalls beschriebene Bluthusten und rasch einsetzende Verfall und Tod könnte daneben auf ein Auftreten der Lungenpest als Primärerkrankung hindeuten.[24]
Dennoch war lange umstritten, ob es sich bei der Seuche tatsächlich um die Pest im eigentlichen Sinne gehandelt hat. Untersuchungen aus den Jahren 2004 und 2005 stützten erstmals die These, dass es sich bei dem Erreger der Justinianischen Pest um eine Variante von Yersinia pestis handelte: Die DNA des Bakteriums wurde in einem Massengrab bei Sens nachgewiesen, das stratigraphisch auf das 5. oder 6. Jahrhundert datiert wurde.[25] Eine spätere molekulare Typisierung ergab allerdings das Biovar (BV) Orientalis, und da sich BV Orientalis erst vor ungefähr 300 Jahren entwickelte, konnte es sich nur um eine Laborkontamination gehandelt haben. Die Frage nach dem Erreger blieb also zunächst weiter offen. Yersinia pestis-DNA wurde 2005 jedoch auch bei zwei weiblichen Skeletten aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts aus Aschheim im östlichen Umland von München nachgewiesen.[26] Eine Studie aus dem Jahr 2011 zweifelte diesen Nachweis aber an und kam zu dem Ergebnis, dass Yersinia pestis zum ersten Mal im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert auf den Menschen übertragen worden sei: Die Gruppe um Johannes Krause von der Universität Tübingen konnte im Vergleich von heutigen und mittelalterlichen Yersinia-pestis-Genomen zunächst keine Stämme finden, die sich vom Stammbaum zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert abzweigten. Bereits 2012 revidierte aber dieselbe Arbeitsgruppe ihre Position, denn mit Hilfe eines weitaus umfassenderen Datensatzes von mehr als 300 Peststämmen konnte sie zeigen, dass es zur Zeit der Justinianischen Pest doch zu einer Verzweigung des Yersinia-pestis-Stammbaumes gekommen ist.[27]
Der erste schlüssige Nachweis sowie die genaue molekulare Typisierung des spätantiken Pesterregers aus Skeletten des 6. Jahrhunderts gelang 2013 durch Wissenschaftler der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr an der Sanitätsakademie der Bundeswehr München unter der Leitung von Michaela Harbeck und Holger C. Scholz.[28] Die molekulare Typisierung des Pesterregers aus Zahnmaterial von Skeletten des frühmittelalterlichen Gräberfelds in Aschheim (s. o.) bestätigte die Vermutung der Tübinger Forscher und wies nun eine neue Linie im Stammbaum von Yersinia pestis nach, die sich zwischen den frühen Stammbaum-Abzweigungen N03 und N05 befindet; eine Kontamination war ausgeschlossen. In einer anschließenden Studie konnte zum ersten Mal die nahezu vollständige Genomsequenz eines Y. pestis-Stammes aus justinianischer Zeit ermittelt werden.[29] Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena und der Staatssammlung für Anthropologie in München gelang dann 2016 der weitere Nachweis und die erste Vollgenomsequenzierung des Pesterregers aus DNA-Material von Skeletten eines weiteren spätantiken Gräberfelds im Großraum München (Altenerding-Klettham).[30]
2019 gelang einem internationalen Forscherteam der Nachweis von Yersinia pestis in einem auf das 6. Jahrhundert datierten Grab im englischen Edix Hill, womit zugleich erstmals ein Auftreten der spätantiken Seuche in Britannien dokumentiert wurde.[31] Mithin kann es nach dem derzeitigen Forschungsstand als gesichert gelten, dass ein heute ausgestorbener Erreger vom Stamm Yersinia pestis an der Justinianischen Pest zumindest prominent beteiligt war und es sich bei der verheerenden Seuche somit um die Pest handelte.[32]
Klimageschichtliche Rahmenbedingungen und mögliche Auslöser
→ Hauptartikel: Optimum der Römerzeit
Eine inzwischen obsolete Hypothese ging 2005 von der Übertragung der Krankheit, bei der es sich nicht um die eigentliche Pest gehandelt habe, durch große Fliegenschwärme aus, die in Intervallen das Reich heimgesucht hätten. Ihr Auftreten sei durch klimatische Änderungen ermöglicht worden.[33] Diese Minderheitenmeinung hat sich in der Forschung nicht durchgesetzt, zumal inzwischen so gut wie sicher ist, dass es sich bei der Seuche um die Beulenpest gehandelt hat (siehe oben), die nicht durch Fliegen übertragen werden kann.
Als gut denkbar gilt allerdings, dass eine Periode kühleren Klimas ab 535/536 eine Rolle gespielt haben mag. Diese gut belegte Kälteperiode von 535/536 bis etwa 550, die in Teilen der Nordhemisphäre bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts andauerte und in diesem Zusammenhang auch als LALIA (Late Antique Little Ice Age, „Kleine Eiszeit der Spätantike“) bezeichnet wird,[34] wurde wahrscheinlich durch mehrere Vulkanausbrüche verursacht: einen 535/536 eines unbekannten Vulkans in nördlichen Breiten (vermutlich auf Island), gefolgt von einer Eruption des Ilopango in Mittelamerika 540.[35][36]
Eine zeitweilige Klimaverschlechterung könnte zu Missernten und zur Schwächung der Abwehrkraft der Menschen geführt haben. Voraussetzung für die rasche Ausbreitung der Krankheit und die hohe Sterberate war nämlich neben dem Umstand, dass der Erreger wohl erstmals im Mittelmeerraum auftrat (siehe unten), möglicherweise auch diese allgemeine Schwächung der Bevölkerung durch Missernten und Kriege.[37] Ein Hauptvertreter der Klimathese ist der Althistoriker Kyle Harper, der darauf hinweist, dass Justinian wegen des Ernteausfalls anordnete, Nahrungsmittel aus weit entfernten Regionen einzuführen.[38] Vertreter der These vermuten, dass Reservoirwirte, vielleicht die (auch heute noch immer wieder mit Beulenpest infizierten) Murmeltiere in der chinesischen Steppe aus ihren Höhlen herausgetrieben wurden.[38][39] Das Pestbakterium, das Hitze nicht verträgt, könnte sich über Schiffsratten und Flöhe möglicherweise wegen des jahrelangen kühlen Wetters über See- und Landwege verbreitet haben.[38] Schließlich könnten auch Folgen des Klimaereignisses zu Flucht- und Migrationsbewegungen beigetragen haben, die die Krankheit weiter verbreiteten.[39]
Kontroverse über die Opferzahlen und archäologische Belege
Wie gravierend die Folgen der Justinianischen Pest waren, ist Gegenstand einer intensiven Forschungsdebatte. Während die Mehrheit der Gelehrten, darunter etwa Mischa Meier und Peter Sarris, die Auswirkungen der Seuche für sehr weitreichend hält, gehen Forscher wie John Haldon, Lee Mordechai oder Merle Eisenberg davon aus, es habe sich in Wahrheit um ein weitgehend folgenloses Ereignis gehandelt.[40]
Nach Lauren A. White und Lee Mordechai[41] sind dabei zwei Tendenzen in der Betrachtung der Justinianische Pest auszumachen:
Die „Maximalisten“ (wie Kyle Harper,[42] David M. Wagner, Jennifer Klunk et al.[12] und Mischa Meier[43]) kommen demnach in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Justinianische Pest (in deren Seuchenzügen seit Mai 541) zu einer katastrophalen Sterblichkeit führte und innerhalb weniger Jahre zwischen einem Viertel und der Hälfte der Bevölkerung des Römischen Reiches tötete.[44] In den Folgerungen aus diesen Zahlen wird die Pest teilweise mit dem Ende der Antike und dem Beginn des Frühmittelalters in Verbindung gebracht. (Dabei ist zu beachten, dass die von Mordechai als „Maximalisten“ bezeichneten Forscher diese Zuschreibung vielfach ablehnen; Mischa Meier und Peter Sarris werfen Mordechai und White vor, eine Gegenposition zu konstruieren, um diese attackieren zu können.)
Im Gegensatz dazu argumentieren die „Minimalisten“ (wie Lauren A. White, Lee Mordechai, Merle Eisenberg),[45] dass solche Schätzungen der Peststerblichkeit zu hoch angesetzt seien. Nach ihren vorsichtigeren Schätzungen waren es vielleicht zwischen 20 und 30 Prozent.[46] Eine Revision dieser als „hysterische“ Übertreibungen bezeichneten, potentiell überschätzten Bevölkerungsverluste begann mit einem Aufsatz von Jean Durliat im Jahr 1987.[47] Durliat bezweifelte als einer der ersten, dass die Justinianische Pest tatsächlich die gewaltigen Ausmaße hatte, die aus den schriftlichen Quellen herausgelesen worden waren.[48] Er mutmaßte, dass die Pest in Wahrheit überwiegend ein städtisches Phänomen gewesen sei und dass das Land nur wenig davon betroffen war. Clive Foss, der den Verlauf für Syrien untersucht hatte, kam später zu ähnlichen Ergebnissen.[49]
Seit 2019 plädierten Lee Mordechai und Merle Eisenberg in mehreren Publikationen erneut für die Annahme, die Bedeutung der Justinianischen Pest sei von antiken und modernen Historikern weit überschätzt worden, während insbesondere Mischa Meier und Peter Sarris eine Gegenposition vertreten und die Aussagen der zeitgenössischen Quellen ernster nehmen. Grundsätzlich folgen derzeit viele Wissenschaftler im Kern den Aussagen der Quellen über die katastrophalen Folgen der Seuche. Chris Wickham führte die Bevölkerungsverluste weniger auf die Epidemie als auf politisch-militärische Vorgänge zurück,[50] zugleich beklagte er die Nachfrage nach apokalyptischen Erklärungsmustern[51] und die seines Erachtens zeitlich zu frühe Einordnung von erkennbaren drastischen Bevölkerungsrückgängen vor allem in Regionen des Nahen Ostens.
Massengräber lassen sich bislang in der Tat kaum finden. Doch Untersuchungen an Inschriften aus Palästina, die Yoram Tsafrir und Gideon Foerster in Skythopolis durchführten, kamen zu dem Ergebnis, dass die Häufung von Grabinschriften aus der zweiten Jahreshälfte 541 „sehr auffällig“ (very striking) sei.[52] Auch nahm die Bautätigkeit insofern ab, als es zwar noch zu An- und Umbauten kam, doch erschienen nach etwa 550 keine Bauinschriften mehr, die sich auf Neubauten ganzer Häuser bezogen.
Nach 550 entstanden im syrischen Hauran zwar zahlreiche Dorfkirchen, was, in Analogie zum Schwarzen Tod des 14. Jahrhunderts, allerdings keine Aussage gestattet, denn auch in den Jahren ab 1347 entstanden, trotz gewaltiger Bevölkerungsverluste, kaum weniger Kirchen als in den Jahren zuvor. Wie gravierend die Verluste durch die Seuche waren, ist daher bis auf weiteres eine ungeklärte Frage.[53]
Mögliche längerfristige Folgen
In einer künstlerischen Rezeption wird die Plastik eines Engels auf dem römischen Castel Sant’Angelo dargestellt, der sein Schwert wieder in die Scheide steckt, ein Symbol für das „Ende der Pest im Jahr 590.“ Wohl schon im 13. Jahrhundert stand hier eine Statue, die 1554 durch ein Werk des Raffaello da Montelupo ersetzt wurde, dem wiederum die jetzige Skulptur von Peter Anton von Verschaffelt 1752 folgte.
Die mit der Pandemie einhergehende Nahrungsmittelknappheit, das Absinken der Steuereinnahmen und die (allerdings, wie gesagt, von manchen Historikern bezweifelte) zunehmende Unfähigkeit, genügend Soldaten aufzustellen, um die langen Grenzen des Reiches zu verteidigen, trugen vielleicht dazu bei, dass bis 700 die östlichen und südlichen Küsten des Mittelmeers unter arabischer Herrschaft standen und das oströmisch-byzantinische Reich auf Konstantinopel, Kleinasien, die Randgebiete des Balkans und diverse Inseln im Mittelmeer begrenzt wurde. Auch die Einwanderung der frühen Slawen aus dem Raum der Karpaten auf den Balkan steht in Zusammenhang mit der Pest.[54] Allerdings wurden auch die wichtigsten Gegner der Römer, die Sassaniden, von der Seuche betroffen. Sie verloren Mesopotamien und große Teile Ägyptens an die Araber. Schließlich wurden auch die arabischen Eroberer durch die Pestwelle dezimiert und 685 durch den Kaiser zu einem ungünstigen Friedensvertrag gezwungen.[55]
Şevket Pamuk und Maya Shatzmiller gehen von einem ursächlichen Zusammenhang zwischen der Justinianischen Pest und dem wirtschaftlichen Erstarken des islamischen Weltreichs aus. Sie argumentierten, dass die Löhne für die stark verminderte Zahl der einfachen Arbeiter aufgrund des verminderten Angebots deutlich stiegen.[56] Zugleich war die erste Invasionswelle, die sich eher durch dünn besiedelte Regionen bewegt hatte, weniger stark von der Epidemie betroffen als die stärker verstädterten Gebiete der Großreiche Ostrom und Persien.[57]
Auch die christlichen Kulte veränderten sich unter dem Einfluss der Epidemie. Es wurden Massenprozessionen abgehalten, und in Rom etablierte sich der Kult des heiligen Sebastian. Für Irland und Großbritannien wurde angenommen, dass die monastischen Gemeinschaften besonders von der Pest betroffen waren, und dass die Mönche vielfach Träger des Krankheitserregers waren. Dies führte etwa 664 und 684 zu größeren Ausbrüchen. Außerdem beeinflusste die Epidemie die gemeindlichen Strukturen.[58] Nach der ersten großen Pestwelle im 6. Jahrhundert verbesserte sich jedoch die Gesundheitslage (u. a. Immunitätslage) der überlebenden Bevölkerung und (indirekt) der nachfolgenden Generationen.[59]
Siehe auch
Liste von Epidemien und Pandemien
Quellen
Prokopios von Caesarea, Historien 2, 22ff. (englische Übersetzung im Medieval Sourcebook, Fordham University).
Johannes Malalas, Chronik, 18, 92 (Online-Kommentar des Malalas-Projekts der Heidelberger Akademie der Wissenschaften).
Euagrios Scholastikos, Kirchengeschichte 4, 29 (englische Übersetzung bei Tertullian.org).
Paulus Diaconus, Historia Langobardorum: „pestilentia et mortalitas“ leert das Land (2, 4), in Ligurien und Venetien (2, 27), „gravissima pestilentia, quam inguinariam appellant“ (3, 24), Pest in Ravenna, Grado und auf Istrien, wie bereits 30 Jahre zuvor (4, 4), „pestis gravissima“, die in Ravenna und in den küstennahen Gebieten wütete (4, 14), Pest in Byzanz (5, 31), 679 oder 680: von Juli bis September wieder eine „pestis“ in Rom, die auch Pavia entvölkerte (6, 5), in Konstantinopel starben seiner Meinung nach 300.000 Einwohner an der „pestilientia“ (6, 47).
Literatur
Gesamtdarstellungen
Peregrine Horden: Plague of Justinian. In: The Oxford Classical Dictionary. 5. Auflage (Oxford Classical Dictionary Online), online veröffentlicht am 25. März 2021.
Lester Little (Hrsg.): Plague and the End of Antiquity. The Pandemic of 541–750. Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-84639-4.
Walter Pohl: Medieval Pandemics 1: The Justinianic Plague. In: Historical Identity of Research Blog. Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2020, nur noch bei archive.org, 23. August 2020.
Geschichtsschreibung
Mischa Meier: Prokop, Agathias, die Pest und das „Ende“ der antiken Historiographie. In: Historische Zeitschrift. Band 278, 2004, S. 281–310, hier: S. 301–303.
Naturwissenschaftliche Ansätze
Michal Feldman u. a.: A High-Coverage Yersinia pestis Genome from a Sixth-Century Justinianic Plague Victim. In: Molecular biology and evolution. Band 33, Nr. 11,1, 2016, S. 2911–2923 (doi:10.1093/molbev/msw170, PMID 27578768, PMC 5062324 (freier Volltext)).
Kyle Harper: Climate, Disease and the Fate of Rome. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2017, ISBN 978-0-691-16683-4. Dt. Übersetzung: Fatum. Das Klima und der Untergang des Römischen Reiches. C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74933-9, Kapitel 6.
Debatte über die Folgen der Justinianischen Pest
Mischa Meier: The ‘Justinianic Plague’. An “Inconsequential Pandemic”? A Reply. In: Medizinhistorisches Journal. Band 55, 2020, S. 172–199. (Debattenbeitrag mit zusammenfassender Darstellung der eigenen Positionen.)
Lee Mordechai, Merle Eisenberg: Rejecting Catastrophe. The Case of the Justinianic Plague. In: Past & Present. Band 244, 2019, S. 3–50. (Kontroverser Aufsatz, dessen Autoren die Position vertreten, dass Ausmaß und Folgen der Seuche in der Forschung stark überschätzt würden.)
Lee Mordechai: The Justinianic Plague: Pressing Questions, Interdisciplinary Answers? In: Christopher H. Roosevelt, John Haldon (Hrsg.): Winds of Change. Environment and Society in Anatolia. Koç University Press, Istanbul 2021, ISBN 978-605-7685-70-4, S. 187–218. (Umfassende Darstellung der Forschungsdebatte und Bewertung aus der Sicht des Autors mit Bibliographie.)
Henry Gruber: Indirect Evidence for the Social Impact of the Justinianic Pandemic. Episcopal Burial and Conciliar Legislation in Visigothic Hispania. In: Journal of Late Antiquity. Band 11, 2018, S. 193–215.
Mischa Meier: The ‘Justinianic Plague’: the economic consequences of the pandemic in the eastern Roman empire and its cultural and religious effects. In: Early Medieval Europe. Band 24, 2016, S. 267–292.
Ältere Beiträge
William Rosen: Justinian’s Flea. Plague, Empire, and the birth of Europe. Cambridge 2007, ISBN 978-1-84413-744-2. (Populärwissenschaftlich und gut lesbar, aber teils sehr generalisierend und zu stark vereinfachend.)
Mischa Meier: „Hinzu kam auch noch die Pest …“ Die sogenannte Justinianische Pest und ihre Folgen. In: Mischa Meier (Hrsg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-94359-5, S. 86 ff.
Dionysios Ch. Stathakopoulos: Famine and pestilence in the Late Roman and early Byzantine empire. A systematic survey of subsistence crises and epidemics. Aldershot 2004, ISBN 0-7546-3021-8.
Peregrine Horden: Mediterranean Plague in the Age of Justinian. In: Michael Maas (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Age of Justinian. Cambridge 2005, ISBN 0-521-52071-1, S. 134–160.
Pauline Allen: The Justinianic Plague. In: Byzantion. Band 49, 1979, S. 5–20.
Anmerkungen
↑A. Rakin: Yersinia pestis Eine Bedrohung für die Menschheit. In: Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz. Band 46, 2003, S. 949–955, doi:10.1007/s00103-003-0713-3, hier S. 949. In der aktuellen Forschung wird davon ausgegangen, dass Y. pestis sich vor etwa 15.000–20.000 Jahren aus Yersinia pseudotuberculosis heraus entwickelt hat (siehe M. Achtman u. a.: Yersinia pestis, the cause of plague, is a recently emerged clone of Yersinia pseudotuberculosis. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 96, 1999, S. 14043–14048). Es sind genetisch vier Biovare von Y. pestis abzugrenzen, die sämtlich in Asien ihren Ursprung hatten, sich aber auf unterschiedlichen Wegen ausbreiteten: antiqua, medievalis, orientalis und microtus (siehe R. Devignat: Varieties of Pasteurella pestis; new hypothesis. In: Bulletin of the World Health Organization. Band 4, 1951, S. 247–263 (online)):
der Biovar antiqua (Stoffwechseltypisierung: Glycerol positiv, Arabinose positiv und Nitrat positiv) evolutionierte sich in Afrika weiter,
der Biovar medievalis (Stoffwechseltypisierung: Glycerol positiv, Arabinose positiv und Nitrat negativ) in Zentralasien und
der Biovar orientalis (Stoffwechseltypisierung: Glycerol negative, Arabinose positive und Nitrat positiv) im südlichen China (siehe M. Achtman, G. Morelli, P. Zhu, T. Wirth: Microevolution and history of the plague bacillus, Yersinia pestis. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 101, 2004, S. 17837–17842) sowie
der Biovar microtus (Stoffwechseltypisierung: Glycerol positiv, Arabinose negativ und Nitrat negativ) (siehe Zhou D, Tong Z, Song Y, Han Y, Pei D, Pang X, Zhai J, Li M, Cui B, Qi Z, Jin L, Dai R, Du Z, Wang J, Guo Z, Wang J, Huang P, Yang R.: Genetics of metabolic variations between Yersinia pestis biovars and the proposal of a new biovar, microtus. In: Journal of Bacteriology Band 186, August 2004, Nr. 15, S. 5147–5152 (doi:10.1128/JB.186.15.5147-5152.2004)). Die Biovare medievalis und orientalis leiten sich wahrscheinlich aus dem Biovar antiqua ab.
↑Theodor Nöldeke: Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden. Aus der arabischen Chronik des Tabari. Übersetzt und mit ausführlichen Erläuterungen und Ergänzungen versehen. Leiden 1879, S. 385 mit ebd., Anmerkung 4, mit Parallelberichten in anderen orientalischen Quellen, die bei der Todesursache Kavadhs auf die Pest anspielen.
↑Vgl. hierzu die Ausbreitungskarte und den schematischen Stammbaum des Pest-Erregers. Eingezeichnet sind alle früheren bronzezeitlichen Nachweise sowie die Fundorte der bisher rekonstruierten Genome sowie als grüner Pfeil die mutmaßliche Ausbreitung der justinianische Pest. Annette Günzel, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, auf mpg.de mpg.de
↑Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer, Kurt Hans Staub: Was tun, wenn die Pest kommt: Göttern lästern oder Juden brennen? In: Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil. Königshausen und Neumann, Würzburg 2000. ISBN 3-8260-1851-6, S. 127–166, hier: S. 130.
↑Michael Mayer: Pandemien in der Geschichte. Episode 8 unseres Podcasts: Von Pest bis Corona. Akademie für Politische Bildung, Tutzing 19. Mai 2020, auf apb-tutzing.de [1]
↑R. D. Perry, J. D. Fetherston: Yersinia pestis. Etiologic Agent of Plague. In: Clinical microbiology reviews. 10, 1997, S. 35–66.
↑Ingrid Wiechmann, Gisela Grupe: Detection of Yersinia pestis DNA in two early medieval skeletal finds from Aschheim (Upper Bavaria, 6th. century A.D.). In: American Journal of Physical Anthropology. Band 126, Nr. 1, 2005, S. 48–55. PMID 15386257; Michaela Harbeck, Lisa Seifert, Stephanie Hänsch, David M. Wagner, Dawn Birdsell, Katy L. Parise, Ingrid Wiechmann, Gisela Grupe, Astrid Thomas, Paul Keim, Lothar Zöller, Barbara Bramanti, Julia M. Riehm, Holger C. Scholz: Yersinia pestis DNA from Skeletal Remains from the 6th Century AD Reveals Insights into Justinianic Plague. In: PLoS Pathog. Band 9, Nr. 5, 2013. doi:10.1371/journal.ppat.1003349; Ausgrabungen und Genomanalysen Altenerding: Dem Erreger der Justinianischen Pest auf der Spur – Erste komplette Genom-Rekonstruktion (Memento vom 14. September 2016 im Internet Archive), 9. September 2016.
↑ abDavid M. Wagner, Jennifer Klunk et al.: Yersinia pestis and the Plague of Justinian 541–543 AD: a genomic analysis. In: The Lancet. Infectious Diseases. Band 14, 2014, S. 319–326, doi:10.1016/S1473-3099(13)70323-2
↑Costas Tsiamis, Effie Poulakou-Rebelakou, George Androutso: The Role of the Egyptian Sea and Land Routes in the Justinian Plague: the Case of Pelusium. In: Demetrios Michaelides (Hrsg.): Medicine and Healing in the Ancient Mediterranean. Oxbow, Oxford 2014, S. 334–338.
↑Lester K. Little: Plague and the End of Antiquity. The Pandemic of 541-750. S. 119.
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↑N. Stavrakakis: The miraculous cures for diseases of Emperor Justinian I (482–565 AD). In: Archives of Hellenic Medicine. Band 32, 2014, S. 224–229.
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↑Agathias, Historien 5,10,3f.; englische Übersetzung: W. Frendo: Agathias. The Histories (= Corpus Fontium Byzantinae IIA). Berlin/New York 1975, S. 145.
↑Peter Sarris: The Justinianic plague: origins and effects. In: Continuity and Change. Band 17, 2002, S. 169–182.
↑
Michel Drancourt, Véronique Roux, Vu Dang u. a.: Genotyping, orientalis-like Yersinia pestis, and plague pandemics. In: Emerging Infectious Diseases. 10, 2004, S. 1585–1592.
↑Ingrid Wiechmann, Gisela Grupe: Detection of Yersinia pestis DNA in two early medieval skeletal finds from Aschheim (Upper Bavaria, 6th. century A.D.). In: American Journal of Physical Anthropology. Band 126, Nr. 1, 2005, S. 48–55. PMID 15386257.
↑
Kirsten I. Bos, Philip Stevens, Kay Nieselt, Hendrik N. Poinar, Sharon N. DeWitte, Johannes Krause: Yersinia pestis: New Evidence for an Old Infection. In: PLoS ONE. Band 7, Nr. 11, 2012. doi:10.1371/journal.pone.0049803.
↑
Michaela Harbeck, Lisa Seifert, Stephanie Hänsch, David M. Wagner, Dawn Birdsell, Katy L. Parise, Ingrid Wiechmann, Gisela Grupe, Astrid Thomas, Paul Keim, Lothar Zöller, Barbara Bramanti, Julia M. Riehm, Holger C. Scholz: Yersinia pestis DNA from Skeletal Remains from the 6th Century AD Reveals Insights into Justinianic Plague. In: PLoS Pathog. Band 9, Nr. 5, 2013. doi:10.1371/journal.ppat.1003349.
↑David M. Wagner, Jennifer Klunk et al.: Yersinia pestis and the Plague of Justinian 541–543 AD: a genomic analysis. In: The Lancet. Infectious Diseases. Band 14, 2014, S. 319–326.
↑Zu den Ausgrabungen und Genomanalysen aus Altenerding: Michal Feldman, Michaela Harbeck, Marcel Keller, Maria A. Spyrou, Andreas Rott, Bernd Trautmann, Holger C. Scholz, Bernd Päffgen, Joris Peters, Michael McCormick, Kirsten Bos, Alexander Herbig, Johannes Krause: A high-coverage Yersinia pestis Genome from a 6th-century Justinianic Plague Victim. In: Molecular Biology and Evolution. Band 33, Nr. 11, November 2016, S. 2911–2923; dazu auch Dem Erreger der Justinianischen Pest auf der Spur – Erste komplette Genom-Rekonstruktion. (Memento vom 14. September 2016 im Internet Archive). In: Archäologie Online. 9. September 2016.
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Pfarrkirche Kaisersteinbruch, Westfassade samt FriedhofLuftaufnahme des Ortes, der Kirche, Anfang 20. Jh.Bild des HochaltaresAltarraum, histor. Foto von P. Wolfgang Diesner (1924) coloriertAndachtsbild der Wallfahrtskirche, 17. Jh.
Die Pfarrkirche Kaisersteinbruch ist eine denkmalgeschützte,[1] 1652 geweihte, römisch-katholische Pfarrkirche in der Katastralgemeinde Kaisersteinbruch der Großgemeinde Bruckneudorf im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland. Sie ist den Pestheiligen Rochus und Sebastian geweiht und die ehemalige Zunftkirche des Handwerks der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch. Sie gehört zum Dekanat Neusiedl am See, Diözese Eisenstadt.
Geschichte
Der älteste bekannte Vorgängerbau war eine Kapelle, die wegen Vergrößerung des Kapellenbruches abgerissen wurde. In diesen Jahren wurden die Bewohner seelsorglich von den Nachbarpfarren Winden am See und Sommerein betreut. Daher befanden sich die Epitaphe der Steinmetzmeister Alexius Payos † 1591 und Cyprianus Novoalas † 1595 (derzeit im Stadtmuseum Mannersdorf) an der Pfarrkirche Sommerein.
1617, als im kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg und in umliegenden Orten die Pest grassierte, leisteten Steinmetzen das Gelübde, im Überlebensfall eine Kapelle zu errichten. Das Stift Heiligenkreuz als Grundherrschaft stellte das Grundstück zur Verfügung.
Im selben Jahr 1617 erhielt die Bruderschaft der Kaisersteinbrucher Meister den Status einer eigenständigen Viertellade, die der Hauptlade in Wiener Neustadt zugeordnet war. Zur Viertellade gehörte das Steinmetzhandwerk zu Sommerein (bis 1783, dann zu Bruck an der Leitha) und Winden am See und Jois (bis zuletzt). Das kaiserliche Privileg der Handwerksordnung regelte sowohl das weltliche als auch das kirchliche Zusammenleben.
Baubeginn
Am 21. November 1618 übergab die Kaisersteinbrucher Bruderschaft im Beisein von Pater Christoff Schwarzböck, Pfarrherr von Winden und zuständig für Steinbruch, dem Maurermeister von Ebenfurth Steffan Friedrich den Spannzettel, den Auftrag für genau bestimmte Bauarbeiten nach ihrem Plan.[2] (Auszug) .. dass er seinen Zusagen nach die Sacristei und ein Gewelbl außerhalb der Khürchenthüre mache und die Khirchen pflastere, solches alles auf seine Unkosten .. unterfertigt von den Meistern Andre Ruffini und Ulrich Payos aus dem Steinbruch. An dieser Arbeit den 21. November empfangen einhundert Taler.
Wohltäter der Kirche
Es gab einige besondere Stifter für das neue Gotteshaus. Der römische Kaiser, auch zu Ungarn und Böhmen König Matthias ließ zum Bau 50 Gulden reichen, den 16. August 1618; die römische Kaiserin Anna 20 Gulden, den 30. August 1618. Die „Hochfürstliche Majestät“, Erzherzog Maximilian zu Österreich (Bruder des Kaisers) desgleichen 20 Gulden, den 26. October 1618 und die königliche Majestät zu Ungarn und Böhmen, Erzherzog Ferdinand II. bewilligte ebenfalls 20 Gulden den 1. Dezember 1618. Nach 1623 stiftete die durchlauchtigste Frau Isabella, Herzogin von Friedland ein weißes, doppeltaftenes Messgewand und ein Alben.[3]
Die italienisch-schweizerischen Maurer und Steinmetzen wandten sich 1624 an Kaiser Ferdinand II. mit der Bitte um eine eigene Handwerksordnung. Doch die deutschen Handwerker behielten ihre Freiheiten, die Italiener mussten die vorgeschriebene Ordnung akzeptieren. Ein Konflikt entstand, während die deutschen Steinmetze in Wien beim hölzernen Peter und Pauls-Altar zu St. Stephan feierten, war es in Kaisersteinbruch ein Altarbild mit Himmelfahrt Marias, der Dreifaltigkeit und den Pestheiligen Rochus und Sebastian.
Die Steinmetzbruderschaft forderte das Recht auf das Kirchengebäude und den Pfarrer ihrer Wahl zu bestellen, gegenüber dem Stift Heiligenkreuz ein. Ihr Argument war, dass sie mit ihrem gegebenen Geld und ihrer geleisteten Arbeitskraft die Bauherren seien. Sie hatten den Wiener Advokaten Dr. Rosei mit dieser Sache betraut – das Dokument ist erhalten. Die Zechrechnungen dieser Zeit sind allesamt verloren. Die Bruderschaft beschloss 1647, .. die Kirche und den Friedhof völlig zu verfertigen und auf eigene Kosten ohne Zutun und Willen Ihro Gnaden (Herr Abt), damit sie Jus patronus (Pfarreibesetzungsrecht)[4]selbst behalten, benedicieren zu lassen.
Kirchweihe
Die Kirchweihe erfolgte am 30. Juli 1652 durch Abt Michael Schnabel vom Stift Heiligenkreuz. Die Bruderschaft hatte ursprünglich Heinrich Wolter von Streversdorf, Weihbischof in Köln, Kurmainzer Rat und Rat des Erzherzogs Leopold von Österreich, darum gebeten. Seit 1645 sind Wallfahrten zur Kirche in den kaiserlichen Steinbruch bekannt.[5]
Der Richter im Steinbruch, Hofbildhauer Pietro Maino Maderno, weitete das Recht, den Salva Guardia-Adler an den Häusern und in der Dorfmitte auf einer Holzsäule anzubringen, auf den Kirchturm aus und ließ dort den schwarzen Doppeladler aufmalen. Daraus entstand der „Adler-Streit“, der die gesamte Geschichte Kaisersteinbruchs prägte.
Zerstörung durch Krieg
Während der Zweiten Türkenbelagerung im Juli 1683 wurden wie in anderen Orten der Umgebung alle Häuser samt den Kirchen in Brand gesetzt. Zwei Seitenaltäre, von Giorgio Regondi und Antonius Pery blieben erhalten und wurden von Sebastian Regondi und Johann Paul Schilck restauriert.
Neuer Hochaltar
Siegel von Joh. Georg Aichner, Bildhauer zu Gumpoldskirchen
Elisabeth Cremserin, verwitwete Fleischhackerin, stiftete 1692 in ihrem Testament 400 fl für einen neuen Altar in der Kirche. Am 9. Mai 1692 erhielten Richter Ambrosius Ferrethi und Reichardt Fux den Betrag ausgehändigt. Der Altar wurde nicht neu erstellt, sondern kam von der Kirche zu Trumau. Er bestand aus Holz und wurde für die Kirche Kaisersteinbruchs künstlerisch ausgestaltet. Verträge wurden geschlossen: mit Johann Georg Aichner, Bildhauer von Gumpoldskirchen, neben der Tischler- und Bildhauerarbeit kamen zwei Statuen des Hl. Matthäus und der Hl. Elisabeth hinzu; mit Adrian Bloem, Wiener Maler, wegen eines Altarblattes und mit Heinrich Wildernt, Wiener Vergolder, wegen Fassung des Altares.
Pfarrer Thomas Stocker von Wilfleinsdorf
Am 4. März 1708 verfasste der Wilfleinsdorfer Pfarrer Stocker ein umfangreiches, von ihm eigenhändig geschriebenes Testament. Darin bat er .. er will im Gottshaus S.S.Rochi und Sebastiani im Heil. Kreuzer Steinbruch begraben werden. Hierfür stiftete er auch 20 Gulden.[6][7]
Barockisierung
Nach dem endgültigen Sieg im Großen Türkenkrieg brach im Land eine noch nie dagewesene Bautätigkeit aus. Die Zeit der Belagerung und Zerstörung wurde abgelöst von einer Lebensfreude, die sich in einer völlig anderen Lebensweise ausdrückte. Wien wurde eine Stadt der barocken Architektur und übte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eine starke Sogwirkung auf Baufachleute aus. Johann Bernhard Fischer von Erlach verwirklichte all das im Gesamtkunstwerk der Wiener Karlskirche. Einer seiner Mitarbeiter, der im kaiserlichen Steinbruch tätige, aus dem Frankenland zugewanderte Steinmetz Elias Hügel verarbeitete diesen Geist und die Formen in seinen Steinaltären. Die Erweiterung und Barockisierung der nunmehr zweitürmigen Kirche nach den Plänen von Elias Hügel war 1745 abgeschlossen. Der Hochaltar wurde 1720 von der Steinmetzbruderschaft, die Seitenkapelle mit Kreuzaltar 1738 von Elias Hügel errichtet.
Endgültiger Hochaltar
Auf einer Steintafel sind die Namen der Constructores eingemeisselt: Elias Hügel, Johann Paul Schilck, Johann Baptist Kral, Simon Sasslaber, Franz Trumler und Joseph Winkler. Für diese Wohltäter wurde bis ins 20. Jahrhundert in Gottesdiensten gebetet.
→ Hauptartikel: „Kaiserstein für den Hochaltar der Kaisersteinbrucher Kirche, Leitung Elias Hügel“ im Artikel Verwendung von Kaiserstein als Baumaterial
„St. Maria“-Glocke
Am 22. April 1726 beschloss das Steinmetzhandwerk die Anschaffung einer größeren Glocke zu dem Geläute der Kirche. Beim Glockengießer Franz Scheichel in Wien beauftragten sie eine Glocke mit elf Centnern und bezahlten 627 Gulden. Die Bruderschaft übernahm davon freiwillig 267 fl. Die noch fehlenden 360 fl finanzierten die Meister Elias Hügel, Simon Sasslaber, Johann Baptist Kral, Joseph Winkler, Franz Trumler und Johann Baptist Regondi unter der Bedingung, dass die Glocke nur den Steinmetzmeistern und Gesellen geläutet werden solle, alle anderen müssen der Kirche 1 fl 45 kr bezahlen.
Zu Ehren der Allerheiligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria weihte Abt Gerhard vom Stift Heiligenkreuz als Grundherr am 27. Mai 1726 die St. Maria-Glocke. Erstmals ertönte das Geläute für Felix Freywiller.
Inschrift von Elias Hügel
Die Kirchenrechnungen vieler Jahre sind im Heiligenkreuzer Archiv erhalten und geben Auskünfte, die besonders wichtigen Jahrgänge von 1738 bis 1745 sind verschwunden, die Eigenleistung der Steinmetzbruderschaft kann nicht nachvollzogen werden. Elias Hügel ließ auf seinem Epitaph die Worte einmeisseln
… DAS GOTTESHAUS VON SEINEM RUHM AUCH SPRECHEN – WO VON IHM ZWEY ALTÄR ZEICHNET UND ERBAUT …
Kirchvater
Der Kirchvater, auch Kirchenvater, war ein gewählter oder bestellter Vertreter der Pfarrgemeinde, der mit dem Pfarrer gemeinsam das Materielle verwaltete, so die Kontrolle des Pfarrvermögens.
→ Hauptartikel: „1647 Kirchvater“ im Artikel Andre de Luca
→ Hauptartikel: „Zechgeselle“ im Artikel Paul Cleritz
→ Hauptartikel: „Kirchvater“ im Artikel Johann Lorentisch
→ Hauptartikel: „Die Söhne“ im Artikel Johann Gehmacher (1716–1782)
Sohn Michael
→ Hauptartikel: „‚Hl. Dreifaltigkeit‘-Glocke“ im Artikel Peregrin Teuschl
Einige Beispiele: 1672 Mathias Cremser, Fleischhauermeister, 1682 Jonas Fückhler, Fleischhauermeister, 1691 Reichardt Fux, 1738 Franz Abt, 1756 Andreas Kowalt, 1792 Bernhard Gehberger, Tischlermeister, 1825 Balthasar Arnt, Herrschaft Königshof, 1869 Joseph Amelin, 1932 Ludwig Markowitsch. Ohne Berufsangabe ist es ein Steinmetzmeister.[8][9]
Wallfahrtskirche
Die Gottesdienstordnung des 18. Jahrhunderts, und sicher auch einiger Jahrzehnte davor, zeigt eine häufige Abfolge von ankommenden und ausgehenden Prozessionen. Nach Kaisersteinbruch kamen die Pilger von Winden am See, Breitenbrunn am Neusiedler See, Höflein, Wilfleinsdorf, Sommerein, Göttlesbrunn, Reisenberg, Trautmannsdorf, Rohrau, Bruck an der Leitha, Purbach und Wien.
Neusiedler Wallfahrt
Die Wallfahrt von Neusiedl am See nach Kaisersteinbruch erfolgte am 17. August. Es war ein „Pestversprechen“, seit 1645.[10]:.. so musste man die Zustimmung der Bruderschaft in Neusiedl einholen, als man daran ging, die Wallfahrt nach Kaisersteinbruch vom Rochustage auf den nachfolgenden Sonntag zu verlegen. Nachdem die Gemeindevertretung und die Bruderschaft zugestimmt hatten, ging man erst am Sonntag nach dem Rochustag (17. August). Demnach war Kaisersteinbruch ein wichtiger Wallfahrtsort wegen der Pest, Rochus war Pestpatron. Der Andrang am Rochustag war so groß, dass die Neusiedler die Wallfahrt um eine Woche verschoben.[11] Rittsteuer schreibt von der Neusiedler Rosenkranzbruderschaft, die sich 1673 an der Prozession nach Kaisersteinbruch beteiligte und mitzog.
Wallfahrt der Herrschaft Rohrau
Die Herrschaft Rohrau hielt Wallfahrten zur Rochus-und-Sebastian-Kirche im kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg ab – so 1746 wegen einer Viehseuche.[12] Diese wurden von Mathias Haydn, Wagnermeister und Marktrichter von Rohrau organisiert. Er war Vater zweier berühmter Söhne, Joseph und Johann Michael. Beide Knaben erhielten dabei erste musikalische Eindrücke bei der großen Kirchenmusik, für die die Prozession nach Kaisersteinbruch berühmt war.[13]
Specifikation – denen auf Verspeisung der Geistlichkeit und deren Richtern in Kayser-Steinbruch ergangenen Unkosten Anno 1746. Erstlichen 20 Pfund Rindfleisch, 1/2 Pfund Butter, Milchrahm und Semmel .. für das gehaltene Hoch Ambt dem Herrn Pfarrer zu Göttlesbrunn, einem Pater Capuziner für eine Hl. Messe, dem Herrn Pfarrer zu Scharndorf, dem Herrn Geistlichen zu Haslau, für die Opferkerzen, denen Kirchenvätern und Fahnentragern zu Rohrau, denen Hollernern, denen Schönabrunnern, denen Haslauern, denen Göttlesbrunnern, denen Scharndorfern .. denen Hausleuten in Steinbruch in deren Behausung die Verspeisung geschehen, und selbige Holz und Kuchlgeschirr hergeben, der Köchin und andere kleine Unkosten .. gesamt 13 Gulden 55 Kreuzer.
Aus dem Meierhof: 4 Gänse, 8 Händl und 20 junge Tauben. Unterschrift Mathias Haydn Marktrichter.
Brucker Prozession
Die Brucker Prozession, seit 1721 nachweisbar, fand immer am 20. September zu Matthäus statt. Die Rosenkranzbruderschaft veranstaltete am 17. August Wallfahrten nach Kaisersteinbruch. Diese wurden aufgrund eines Gelübdes vom Jahre 1645 wegen der Pest gemacht.[14][15] Am Rochus-Tag im August muss der Andrang so groß gewesen sein, dass die Neusiedler ihre Prozession auf den nachfolgenden Sonntag oder um eine Woche verschoben.
Geistliche Bruderschaften
St. Sebastian und Rochus Bruderschaft
St. Rochus und Sebastian Bruderschaft
Die Gründung erfolgte am 16. August 1747 (Rochus-Tag) in Kaisersteinbruch. Steinmetzmeister Franz Leopold Winkler war der Verwalter und führte das Bruderschafts-Rechnungsbuch, Einnahmen aus den Bruderschafts-Weingärten, Bezahlung des Pfarrers etc.
Weingärten in Purbach
Am 6. Feb. 1748 berichtete die Pfarre Abt Robert Leeb von der neugegründeten St. Rochus und Sebastian Bruderschaft, stellte das Ansuchen einer neuen Meß-Ordnung.[16] Herr Maximilian Kayser, Leinenweber zu Waizenkirchen in Oberösterreich, stiftete 2 Weingärten in Purbacher Gebiet liegend, ihm und seiner Familie zu ewigen Zeiten das Jahr hindurch 4 hl. Messen lesen zu lassen.
Im Weingart Gwöhr Protocoll über den Markt Purbach, anno 1760 findet man folgende Eintragungen: Nr. 167 Jacob Rück, Purbach, neben der Sct. Rochus u. Seb. Zech Bruderschaft in Kayser Steinbruch, zuvor der Math. Rück u. Maria.[17]
In den „Bergbüchern von der Herrschaft Eisenstadt aus dem Jahre 1767“ scheinen auf:Nr. 166 Sebastiani Bruderschaft, 1/4, 1 Achtel, 1 Sechszehntel, 1/2 Pint. Dieser Weingarten lag in der „Schön–Hut“ (Weingartenriede). Nr. 515 Sebastiany Bruderschaft in Kayser Steinbruch, öd. Dieser Weingarten lag in den „Jungen Edlgräbern“.[18]
Ferner gibt es noch ein Verzeichnis aller Rieden, daraus einige Eintragungen: „Bruderschaft St. Rochus und Sebastian, Folio 474“ und „Die St. Rochi et Seb. Bruderschaft in Kays. Steinbruch am Leithaberg“.[19]
Bruderschaft der Hl. Christenlehre
→ Hauptartikel: „Bruderschaft der Hl. Christenlehre“ im Artikel Johann Michael Strickner (Steinmetz)
Die Bruderschaft der Heiligen Christenlehre wurde laut Päpstlichen Bullen Paul V., aus Befehl des Bischofs von Raab Franz, Graf von Zichy, unter dem Schutz des Hl. Joannis Francisci Regis von der Gesellschaft Jesu, mit der Wahl der offiziellen Amtsträger und Ablegung des Glaubensbekenntnisses, zu Kayser-Steinbruch am 19. März 1760 gegründet. Einige Beispiele: Rektor: der edle Herr Martin Klempay, kayserl. königl. Dreißigst-Gegenhandler; Vize–Rektor: Johann Michael Strickner, herrschaftlicher Richter hier; Sekretär: Johann Baptist Regondi, Assistent: Johann Gehmacher, Petrus Zierl.
Ausfrager und Ausfragerin wurden erwählt und eingesetzt
Scharen deren Knaben, deren jungen Gesellen, deren verheirateten Männer (jeweils 3)
Scharen deren Mägdlein, deren Jungfrauen, deren verheirateten Weiber (jeweils 3).
Neusiedler Rosenkranzbruderschaft
1671 lud die Neusiedler Rosenkranzbruderschaft die „Turner“ von Bruck an der Leitha ein, zu Fronleichnam die Prozessionsmusik mit ihren Instrumenten samt dem Pauker zu zieren. Zwei Jahre später zogen sie auch bei der Wallfahrt nach Kaisersteinbruch mit.
Gegenreformation
Der römisch-katholische Pfarrer war verpflichtet, jährlich Buch zu führen, so 1715 Pfarrer Christian Eberl.. es befindet sich in hiesiger Pfarre keine zu diesem Gebot verpflichtete Person, welche die Österliche Beichte und Communion nicht verrichtet hätte. Es befindet sich hier kein Uncatholischer, außer einem Fleischhacker Knecht bey dem Valentin Paumann, Fleischhackermeister alda, welcher aber nicht des Willens allda zu verbleiben. Es ist hier niemand anzutreffen, welcher uncatholische Bücher bei sich hätte, oder leste, sondern alle unserer catholischen Lehre sich befleissigen, den Gottesdiensten, Predigten und Catechismo fleissig und emsig beiwohnen.
Neue Orgel
Am 12. Juli 1795 erhielt Johann Gottfried Malleck, bürgerlicher Orgelbauer zu Wien, den Auftrag um eine neue Orgel mit zehn Registern und Pedal für die Kirche. Die Fassung erfolgte durch Johann Pauler, Vergolder zu Wien. Erstmals ist die Orgel am 19. April 1796 bei einem Pontifikalamt und einer gut besetzten Musik von Leopold Heldenmuth, Organist zu Heiligenkreuz, geschlagen worden.
Brand
Am 26. Juli 1814 entstand in Steinbruch eine Feuersbrunst, die 22 Häuser samt der Kirchen in die Aschen legt. 1825 erfolgte der Neubau der Türme. Dafür forderte der Zimmermann von Trautmannsdorf Johann Terglautschnig noch 1850 große Geldbeträge ein, er schrieb an das Stift .. nicht nur um mein bißerl Vermögen, bin ich in himmelschreiende Schulden versetzt, und um meine Existenz gekommen.
Abt Franziskus SeidemannSiegel der Pfarre Steinbruch, 19. Jh.
„Franciscus“-Glocke
Zusammenfassung vom 1. November 1837: „Die ‚St. Maria‘-Glocke von 1726 fiel bei der Brandkatastrophe vom Turm und zerbrach. Das ehrsame Steinmetzhandwerk beschloss, diese Glocke wie früher auf ihre eigenen Kosten machen zu lassen. Diese Glocke wurde in Ödenburg von dem Glockengießer Zettenhofer (Friedrich Seltenhofer) umgegossen, dafür wurden bezahlt 403 fl 37 kr. Diese Glocke wurde am 8. November 1825 im allhiesigen Gotteshaus durch Herrn Abt Franz Xaver Seidemann als den Grundherrn eingeweiht und der Name Franciscus Xaverus beigelegt und daher Franciscus-Glocke genannt.“
„Das gesamte ehrsame Handwerk zahlte freiwillig 308 fl, die folgenden Steinmetzmeister Michael Gehmacher, Carl Gehmacher, Laurenz Pansipp[20], Johann Pansipp, Joseph Winkler (1784–1853), Michael Stockinger, Mathias Drexler, Franz Gehmacher, Anton Gehmacher, Philipp Perchthold bezahlten die abgängigen 96 fl.“
Hl. Dreifaltigkeits-Glocke
„Hl. Dreifaltigkeit“-Glocke
ZU EHREN DER HL. DREIFALTIGKEIT – WIR RUFEN DIE DREIFALTIGKEIT MIT ALLEN HEILIGEN –
LASSET UNS ANBETEN UND NIEDERFALLEN VOR GOTT.
Die Anschaffung erfolgte unter dem Ludwig Schindler, Rosa Wachtler Wohltäterin, Franz Pansipp Richter, Peregrin Teuschl Kirchenvater. Diese letzte Kaisersteinbrucher Glocke wurde 1851 von Hilzer k.k. Hofglockengießer zu Wiener Neustadt gegossen.
Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen 1839
„Die Allerhöchsten Verordnungen Seiner geheiligten Majestät Kaiser Ferdinand I. werden wiederholend kundgemacht und jedermann ans Herz gelegt:“[21] (auszugsweise) ..
„Sich keine Handwerksleute unterstehen, an Sonn- und Feiertagen ihr Gewerbe zu betreiben ..
Dass in den meisten Orten alle Wirtshäuser und Schenken an Sonn- und Feiertagen schon vormittags mit Zechern überfüllt sind, und die Trinkgelage in den Wirtshäusern bis spät in die Nacht und öfters bis zum andern Morgen fortgesetzt werden .. demzufolge wird angeordnet, bis zur Endigung des nachmittägigen Gottesdienstes die Andacht der Besucher zu bewahren ..
Von nun an streng verboten, an Sonn- und Feiertagen Wägen auf- oder abzuladen, jeder Fuhrmann soll einen Tag vor dem Feiertag laden.
Kein Fuhrmann darf sich unterfangen, zu diesen Zeiten der Andacht seine Reise fortzusetzen. Darauf haben die Orts-Vorsteher ein wachsames Auge zu haben.“
Die Fronleichnamsprozession war seit dem Beginn das Hauptfest der Steinmetzen, bis zuletzt, mit dem Tragen der großen Zunftfahne, den genauen Kleidungsvorschriften bis zu den Glacéhandschuhen. (Zum Ende hin, in den 1930er Jahren, mussten die Jungen fast alle als Hilfskräfte auswärts arbeiten, einige wenige konnten im Blauen Bruch der Meister Amelin Arbeit finden, längst nicht mehr für Bausteine, sondern zur Schottergewinnung, die Steinmetzzeit war endgültig vorbei.)
Verkauf und Zerstörung
1938, im Zusammenhang mit der Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich, wurde in Kaisersteinbruch die Absiedlung befohlen, das Kriegsgefangenenlager Stalag XVII A brauchte Platz, das Stift Heiligenkreuz verließ die hiesige Pfarre sofort und endgültig und Abt Gregor Pöck verkaufte das Kirchengebäude an die Deutsche Ansiedlungsgesellschaft um 75.000 Reichsmark. Die Apostolische Administration des Burgenlandes in Mattersburg ersuchte am 31. März 1939 den Abt um Bescheid, ob die Altäre der ehemaligen Pfarrkirche Kaisersteinbruch einer burgenländischen Pfarrkirche überlassen werden könnten, wenn diese die Kosten des Transports trägt.[22] Der Hochaltar und der Hügel-Altar verblieben in der Kirche. Allerdings wurden zwei Seitenaltäre, ein Marienaltar 1732 von Hügel und sein Gegenüber, ein Josefsaltar, noch nach der Kirchweihe 1962 im Jahre 1969 nach Hundsheim und 1972 nach Wolfsthal verkauft.[23]
Ab 1940 bis Kriegsende hielt Josef Franzl, Kaplan in Bruck an der Leitha, ebenhier Gottesdienste ab. Als Pfarr-Rektor von Kaisersteinbruch dokumentiert, durfte er – was eigentlich verboten war – mit französischen und polnischen Kriegsgefangenen in den Baracken Messen feiern. Bereits im Frieden 1945 hielt er hier mit den Soldaten vieler europäischer Länder „die Fronleichnamsprozession seines Lebens“ ab.
→ Kriegsgefangenenlager Kaisersteinbruch#Vollständige Räumung der Kirche
Drei Glocken
Die letzten Jahre ihrer langen Geschichte schrieb Bürgermeister Josef Wolf 1962 in Gedichtform (auszugsweise)
Neunzehnundvierzehn habens die große Glockn gnommen, eingeschmolzen und daraus gemacht Kanonen. Statt mit ihrem Klang uns zu erfreuen, mußte sie nun Tod und Feuer speien.
Neunzehnhundertdreißig und neune, holten sie dann auch die ganz Kleine. Auch sie mußt statt hell zu erklingen, der Menschheit Schmerz und Leiden bringen.
Neunzehnhundertvierzig und acht, hat man die Mittlere nach Sommerein gebracht. Von dort hört man sie tagtäglich schrein, „Holt mich doch endlich, ich will heim!“ …
Heimgekehrt bist du am neunzehnten November Sechzig und zwei, durch Bischof László erfolgte die Kirchenweih. Und mit deinem ersten Glockenschlag erklang das „Tedeum-Laudamus“ als Lobgesang!
Vor der Restaurierung
Diözese Eisenstadt beschloss 1962 eine einfache Restaurierung
Durch die Kriegsfolgen in den Jahren sowjetischer Besatzungszeit schwerst beschädigt, blieb nur noch eine Ruine. Ein Abriss wurde erwogen, die Diözese Eisenstadt als neuer Eigentümer entschloss sich zu einer einfachen Restaurierung, ohne den Denkmalschutz besonders zu beachten. Durch die völlige Zerstörung erfolgte 1962 eine erneute Kirchweihe.
Seit 1971 ist Kaisersteinbruch Ortsteil von Bruckneudorf. Dieses verfügt über keinen eigenen Kirchenbau, ist Bruck an der Leitha, also der Erzdiözese Wien zugeteilt. Kaisersteinbruch mit der großen Kirche, aus seiner Steinmetzgeschichte begründet, ist heute Seelsorgestelle der Diözese Eisenstadt. Diese wurde in der Vergangenheit vom Pfarrer von Wilfleinsdorf oder vom Pfarrer von Bruck an der Leitha in der Erzdiözese Wien mitbetreut. Seit 2014 hat wieder die Diözese Eisenstadt die Zuständigkeit übernommen und den Pfarrer von Jois und Winden am See mit der Seelsorge in Kaisersteinbruch beauftragt.
1990 übernahm der Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch im Rahmen seines Bildhauersymposiums die weiterführende Restaurierung der Pfarrkirche
Bischof Stephan László genehmigte die Wiederherstellung der Turmfassade. Die langjährigen Arbeiten, die auch die Rekonstruktion des Hochaltars umfassten, wurden 2002 vom Bundesdenkmalamt Burgenland gewürdigt.[24][25]
Vier erhaltene Altäre
→ Hauptartikel: Altäre der Kaisersteinbrucher Kirche
Ehem. Antoniusaltar von Regondi mit Bild „Pfingstwunder“
Antonius-Pery-Altar, 1717 von Schilck restauriert.
Kreuzweg-WeiheAltarraum
Kaisersteinbrucher Kreuzweg
Mit einer ökumenischen Feier wurde im Rahmen des Margaretha-Ruffinin-Symposiums am 1. Juli 1995, der neue, nunmehr vollständige Kreuzweg eingeweiht. Die Festmesse zelebrierte Diözesanbischof Paul Iby und den Schlusssegen spendete der rumänische Metropolit Nicolae Serafim.[27]
Der Bildhauer Alexandru Ciutureanu, rumänisch-orthodoxer Christ über sein Werk: Mich fasziniert das Material (Bronzeguss auf Steinrahmen) und das Licht. Die Kirche wird von der Sonne umkreist. Es ist sehr schön, wie die Strahlen der Sonne in der Kirche auf diese Kreuzweg-Reliefs fallen. Ich habe 47 Figuren in den 14 Stationen geschaffen. Diese Figuren – denke ich – können erzählen, was der Kreuzweg zu erzählen hat.[28]
Die Finanzierung erfolgte zum größten Teil durch private Stifter, zusätzlich einer Subvention von Kulturkontakt Austria. Untenstehendes Bild zeigt als Zitat die Kreuzigung Christi.
„Stalag XVII A“
Weihe des Bronzereliefs Stalag XVII A
Der befohlenen Absiedlung des Ortes und der Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Stalag XVII A mit all den schrecklichen Folgen (Lagerfriedhof) wurde am 28. November 1999 durch den Museums- und Kulturverein gedacht.[29] Dazu wurde ein Bronzerelief des Lagers von dem rumänischen Bildhauer Alexandru Ciutureanu (1939–1999) durch mehrere Priester geweiht. Ein Fernsehteam von Radio Burgenland mit Redakteur Helmut Manninger befragte Zeitzeugen, berichtete vom Lagerfriedhof, Museum und dem Festakt in der Kirche. Die ökumenische Weihe erfolgte durch Pfarrer Josef Franzl, Joan Marin Malinas, Archimandrit der rumänisch unierten Kirche, Herbert Sojka, von der polnischen Kirche in Wien, Peter Okeke, Ortspfarrer aus Nigeria und Armin Cencic, evangelischer Pfarrer von Bruck an der Leitha.
Feier der Kirchweihe vor 350 Jahren
Am 30. Juli 1652 weihte Abt Michael Schnabel die Kaisersteinbrucher Kirche (siehe oben). Der Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch bat Abt Gregor Henckel-Donnersmarck vom Stift Heiligenkreuz am 14. Juli 2002 dieser Weihe zu gedenken und sie zu erneuern. Im Sinne der zahlreichen dokumentierten Konflikte die durch einander gegebene Verzeihung zu Frieden und Harmonie führen. Am selben Tag wurden die Steinreliefs des 5. Europa-Symposiums Kaisersteinbruch präsentiert.[30]
„Apotheose des Elias Hügel“
Europaandacht mit Pfarrer Josef Franzl, Otto von Habsburg
Der herausragendste Meister der Kaisersteinbrucher Steinmetzbruderschaft, Elias Hügel, starb 1755. Im Gedenken des 250. Todestages beauftragte der Museumsverein die Wiener akad. Malerin Raja Schwahn-Reichmann mit dem Ölgemälde Apotheose des Elias Hügel für die Kaisersteinbrucher Kirche. Die Präsentation und Weihe erfolgte am 26. Mai 2005, anlässlich des 8. Europa-Symposiums.
Bildbeschreibung: Elias Hügel wird als Freimaurer dargestellt. Er kämpfte für die Freiheit, für einige Rechte, wie die Wahl des Pfarrers, des Lehrers, des Wirts usw. und musste dafür auch die Folgen tragen. Die Brüderlichkeit mit den Mitmeistern der Kaisersteinbrucher Bruderschaft hatte er, obwohl oft federführend, ständig zu üben. Es gibt keine Vorlage über sein Aussehen, so hat sich die Künstlerin ein wenig am Kaiser Franz Stephan, Gemahl der Maria Theresia orientiert. Sein Meisterzeichen als Wappenschild, der Zirkel des Planzeichners, des Kirchenbaumeisters, wie die Windener, die Kaisersteinbrucher Kirche von ihm erweitert und barockisiert. Fünf Englein heben das Bild in eine geistige Ebene. Zuunterst der Stotzinger Marienaltar, sein komplett erhaltenes Alterswerk, darüber viele Pläne, auch seine Mitarbeit bei der Wiener Karlskirche, sein Steinmetzwerkzeug, das alles zur höheren Ehre Gottes. Schriftrolle: 1681 in Gemünden, Franconia geboren, heiratet hier 1706 Maria Elisabetha Trumlerin, geb. Ferrethin, wird Hof-Steinmetz von Karl VI., Wiener Karlskirche, Hofburg und zuletzt 1749–1750 Stotzinger Marienaltar. † 22. August 1755.[31] Zuoberst hält ihm ein Englein den Lorbeerkranz hin, für ein künstlerisch reiches Leben.
Einsiedelei „Maria Schnee“
Abt Robert Leeb
In den Jahren 1732 bis 1745 lebte neben der Pfarrkirche von Kaisersteinbruch die Einsiedlerin Maria Kießlin, die eine Kapelle mit einem Bild „Maria Schnee“ betreute. Eine ansehnliche Stiftung der Perückenmacherin Maria Magdalena Diebergerin aus Wien von 600 Gulden war für die Erhaltung dieser Andachtsstätte errichtet worden. Die Zinsen fielen der Einsiedlerin zu. Nach einer harten Auseinandersetzung zwischen dieser und Abt Robert Leeb musste die Frau das Feld räumen.
Schreiben des Abtes am 2. April 1746: Einsiedelei in Steinbruch .. Es ist ein altes Sprichwort, dass wann man mit Weibern anfangt, man mit Ehren und ohne Schande nicht von ihnen kommt. Dies musste ich erfahren von der Einsiedlerin .. ich hätte mit ihr, ihrer Clausen und Capellen nichts zu schaffen .. Die Einsiedlerin wurde dann im Wald nördlich von Eisenstadt (wo heute die Gloriette steht) angesiedelt. Diese Clause ist dokumentiert von 1748 bis 1773.
1747 ist eine Einsiedelei in Steinbruch nachweisbar.[32] Pater Adalbert Winkler schreibt in seinem Buch, dass „ein gewisser Regondi (Johann Baptist Regondi)“ diese Einsiedelei habe errichten lassen. Der erste Bewohner war Bruder Conrad Link, der 1715 geboren wurde und 1742 seine Einsiedlerprofess machte. Im Jahr 1743 war er in der Clause zu Raab, etwa von 1745 an bis 1752 blieb er in Steinbruch. Sein Nachfolger wurde Bruder Crispin Millberger. Für ihn war das der erste Posten. 1770 erhielt er laut Waldrechnung der Gutsverwaltung Königshof „200 Bürtl Holz“. Er blieb bis zu seinem Tod am 11. Oktober 1780 und wurde beim Eingang der Sakristei, an der linken Seite der Kapelle begraben.
Grabplatten
Arkaden mit den Grabplatten der Familie Regondi und Martin Trumler (rechts)[33]
Aus dem harten, weißen Stein wurden Epitaphe in den Kirchenboden verlegt. Beginnend mit 1620 gestalteten die Steinmetzmeister für sich selbst, ihre Ehefrauen und Kinder, für einige Pfarrherrn und einen besonderen Gesellen Grabdenkmäler in der Kirche.[34][35][36]
→ Hauptartikel: Grabplatten der Kaisersteinbrucher Kirche
Archivalien
Stadtarchiv Wiener Neustadt: Steinmetzakten.
Stift Heiligenkreuz Archiv, Rubrik 51 Kaisersteinbruch, f11 Kirche Alte Zechrechnungen ab 1619, Kirchenrechnungen ab 1685, Gottesdienstordnung.
Gräfl. Harrachsches Familienarchiv
Archiv Kaisersteinbruch
Diözesanarchiv, Pfarrakten Wilfleinsdorf
Literatur
Österreichische Kunsttopographie, Band LIX, Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Neusiedl am See. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Redaktionelle Leitung Andreas Lehne. Verlag Berger, Horn 2012, ISBN 978-3-85028-554-4, S. 120–150.
Helmuth Furch: In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. ISBN 978-3-9504555-3-3.
Die Grabsteine der Kaisersteinbrucher Kirche. Nr. 1, 1–8, September 1990.
Festschrift: Das löbliche Gotteshaus St. Rochi und Sebastiani in Kaisersteinbruch. Nr. 40, Dezember 1995, darin
Ana Maria Altmann: Die vier – noch erhaltenen – Steinaltäre. Nr. 40, S. 45–56.
Josef Wolf: Die Geschichte von Kaisersteinbruch. Nr. 43, S. 1–36, August 1996.
Gerd Wolfgang Sievers: 111 Orte im Burgenland die man gesehen haben muss. Kaisersteinbruch – Die Dorfkirche, Die Apotheose des Elias Hügel. Nr. 38. Hermann Josef Emons Verlag, 2013, ISBN 978-3-95451-229-4, S. 84f. (Mit dem Bild der Raja Schwahn-Reichmann).
Rk. Pfarre Kaisersteinbruch [2] Kaisersteinbrucher Matriken Online gestellt auf Wunsch des Stiftes Heiligenkreuz.
Helmuth Furch 1995, Kaisersteinbrucher Kirche Festschrift (Memento vom 3. Oktober 2015 im Internet Archive) mit: Wallfahrten S. 19 ff, St. Rochus u. Sebastian Bruderschaft S. 59, Bruderschaft Hl. Christenlehre S. 71, und dem gesamten Kreuzweg des Bildhauers Alexandru Ciutureanu (†) letzte Seite.
↑Archiv Stift Heiligenkreuz: Spanzettel zwischen denen Meistern in Steinbruch und dem Meister Steffan Friderichen, Maurer von Ebenfurt, wegen des Gottshaus in bemeltem Steinbruch. R 51/F II/Nr. 9
↑Archiv Stift Heiligenkreuz 51/II/13: Verzeichnis der Benefactens und Guttäter... In Mitteilungen Nr. 11, September 1991, S. 10–13.
↑Johann Gottfried Sommer: Neuestes wort- und sacherklärendes Verteutschungs-Wörterbuch. Ein Handbuch für alle gebildeten Menschen überhaupt. Prag-Calve’sche Buchhandlung, 1825.
↑Sepp Gmasz: „Dem bauckhentrager geben 10 Kreuzer.“ Materialien zur älteren Prozessionsmusik im Burgenland. Sonderdruck aus Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes. Band 44, 1995.
↑Robert Wögerer: Wilfleinsdorf, Geschichte des Ortes und der Kirche, 1996. S. 73.
↑Index: Kirchenvater. In Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 1 A–H, Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Bruckneudorf-Kaisersteinbruch 2002.
↑Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 2. I–Z. Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Bruckneudorf-Kaisersteinbruch 2004.
↑Hinweis von Hans Kietaibl. Josef Rittsteuer: Neusiedl am See: ein Beitrag zur Orts- und Kirchengeschichte des Burgenlandes. Selbstverlag, [Klein-Frauenhaid, Bgld u. a.] 1949.
↑In dem Buch von Josef Rittsteuer Neusiedl am See auf Seite 144 zu lesen.
↑Gräfl. Harrachsches Familienarchiv: Wallfahrt der Herrschaft Rohrau nach Kaisersteinbruch, 1746.
↑Hans Jancik: Michael Haydn. Ein vergessener Meister. Amalthea, Zürich 1952.
↑Helmuth Furch: Vom Heiligenkreuzer Steinbruch zu Kaiser-Steinbruch. 1981, ISBN 978-3-9504555-0-2, S. 27.
↑Gottesdienstordnung in Kaisersteinbruch 1749–1765. Archiv Stift Heiligenkreuz, in der Kirchenfestschrift veröffentlicht, siehe Weblinks.
↑Diese Purbacher Forschungen hat Hans Kietaibl durchgeführt: Dieses Weingart Gwöhr Protocoll liegt in Forchtenstein, im Fürstl. Esterházy–Archiv.
↑Diese Bergbücher liegen auch in Forchtenstein, im Fürstl. Esterházy–Archiv.
↑Auch dieses Verzeichnis liegt im Fürstl. Esterházy–Archiv.
↑URL: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 19. Dezember 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/regiowiki.at
↑Archiv Kaisersteinbruch: Currens-Buch, Mitteilung vom 26. September 1839
↑Archiv des Stiftes Heiligenkreuz, Rubr.51 f.II. n.53
↑Helmuth Furch: Elias Hügel, Hofsteinmetzmeister. Kaisersteinbruch 1992, ISBN 978-3-9504555-2-6, S. 36–37.
↑Archiv des Museumsvereines, Schreiben des Landeskonservators Franz Bunzl 2002 an die Obmänner Helmuth Furch und Josef Hofer.
↑Helmuth Furch, Das Kaisersteinbrucher Symposium und seine Auswirkungen im Dorf : Kaisersteinbruch, 2023.[1]
↑Mit Kreuzigungsgruppe des späten 19. Jahrhunderts.
↑Christoph Weisgram: Kirchliche Würdenträger bei der Kreuzweg-Weihe. In Neue NÖN Brucker Bote, Woche 28, 1995.
↑Ein Kreuzweg für Kaisersteinbruch. In Kirchenzeitung für Burgenland. 30. Juli 1995.
↑NÖN. 1. Dezember 1999: Hochrangige Vertreter der Slowakei mit Kulturattaché Juraj Záry, Polen mit Botschaftsrat Stanislaw Szypulski, Rumänien mit Kulturrat Alexandru Popescu, Bürgermeistern der Nachbargemeinden, [] in einer bis auf den letzten Platz besetzten Kirche [] waren von der besonderen Atmosphäre der Veranstaltung beeindruckt.
↑Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. 2004, S. 539. ISBN 978-3-9504555-8-8.
↑Helmuth Furch: Elias Hügel, Baukünstler. Der Großauftrag Karlskirche hat sein Leben bestimmt, Mai 2005, S. 1. ISBN 978-3-9504555-6-4.
↑Adalbert Winkler: Zisterzienser am Neusiedler See. 192.6
↑Friedrich Opferkuh: Die Grabplatten der Steinmetz-Familien in Kaisersteinbruch, von 1637–1755. Mögliche Aufstellung. Jänner 1991.
↑Vor Verkauf der Kirche und des Pfarrhofes fuhren Abt Karl Braunstorfer und Pater Hermann Norbert Watzl dorthin, um die Inschriften der Grabsteine aufzunehmen. Durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und nachfolgender Besatzungszeit wurden manche Grabsteine und Inschriften zerstört, etliche wurden aber vom Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch 1990 wiedergefunden und von Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh wieder an der Kirche befestigt. Einige Epitaphe waren in Privatbesitz gelangt.
↑zu lesen: Die Grabsteine der Kirche in Kaisersteinbruch. In: Helmuth Furch: Vom Heiligenkreuzer Steinbruch zu Kaisersteinbruch, „Kleine Chronik“. 1981, S. 73/81/85.
↑Grabplatten als Terrassenboden. In: Mitteilungen. Nr. 4, Winter 1991, S. 1–4, 14.