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Der letzte Tempelritter

Noir24admin Pest 22. Juni 2026
Film
Titel Der letzte Tempelritter
Originaltitel Season of the Witch
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2011
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe
  • FSK 16[1]
  • JMK 14[2]
Stab
Regie Dominic Sena
Drehbuch Bragi Schut jr.
Produktion Alex Gartner,
Charles Roven
Musik Atli Örvarsson
Kamera Amir M. Mokri
Schnitt Mark Helfrich,
Dan Zimmerman,
Bob Ducsay
Besetzung
  • Nicolas Cage: Behmen von Bleibruck
  • Ron Perlman: Felson
  • Claire Foy: Das Mädchen / Anna
  • Stephen Campbell Moore: Debelzaq
  • Stephen Graham: Hagamar
  • Ulrich Thomsen: Eckhart
  • Robert Sheehan: Kay
  • Christopher Lee: Kardinal D’Ambroise
→ Synchronisation →

Der letzte Tempelritter (Originaltitel: Season of the Witch) ist ein US-amerikanischer Mystery-Abenteuerfilm des Regisseurs Dominic Sena aus dem Jahr 2011 mit Nicolas Cage und Ron Perlman in den Hauptrollen. In Deutschland erschien der Film im Verleih von Universum Film und Wild Bunch Germany. Er ist nicht zu verwechseln mit dem im alten China spielenden Film Outcast – Die letzten Tempelritter (2014), in dem Nicolas Cage ebenfalls die Rolle eines ehemaligen Kreuzritters spielt.

Handlung

1344 spürt der Kreuzritter des Deutschen Ordens Behmen von Bleibruck Gewissensbisse, beim Angriff auf Smyrna auch Schuld am Tod von Frauen und Kindern zu tragen. Mit seinem Freund Felson kehrt er dem Heer den Rücken und in ein von der Pest heimgesuchtes Europa zurück. In Marburg an der Drau werden Behmen von Bleibruck und Felson als Deserteure identifiziert und zu Kardinal d’Ambroise gebracht. Der Kardinal, der ebenfalls an der Pest dahinsiecht, bietet ihnen ihre Freiheit, wenn sie ein junges Mädchen, das der Hexerei beschuldigt und für die Seuche verantwortlich gemacht wird, in ein entferntes Kloster bringen, wo über ihre Schuld befunden und ihr Fluch durch ein geheimnisvolles Ritual beendet werden soll. Behmen weigert sich zunächst, willigt dann aber ein, wenn die Beschuldigte ein gerechtes Verfahren erhält. Begleitet werden die Kreuzritter von dem Priester Debelzaq, der von der Schuld der Frau überzeugt ist, dem Ritter Johann Eckhart, der um seine an der Pest gestorbene Familie trauert, und dem Gauner Hagamar, der die Gruppe auf dem Weg zum Kloster führen soll. Etwas widerwillig nehmen die Kreuzritter auch Kay von Wollenbarth auf, einen jungen Messdiener des Kardinals, der sich als Ritter bewähren will.

Eines Nachts überwältigt das Mädchen, das in einem Käfigwagen transportiert wird, den wachehaltenden Debelzaq und entflieht in ein nahegelegenes Dorf, wohin die Gruppe sie verfolgt. Eckhart jagt jedoch Trugbildern seiner Tochter nach und läuft in der Dunkelheit in das Schwert Kays. Dieser macht sich Vorwürfe, doch Debelzaq sieht in der Gefangenen die Schuldige. Anschließend überqueren sie eine verfallene Hängebrücke, wobei das Mädchen übernatürliche Kräfte zeigt, als sie Kay mit einer Hand vor dem Absturz bewahrt. Danach geraten sie in den nebligen Wald Wormwood. Hier will Hagamar sich des Mädchens entledigen, wird jedoch von Behmen daran gehindert und anschließend von angreifenden Wölfen zerfleischt, die anscheinend von der Gefangenen herbeigerufen wurden. Darüber in Wut geraten, will nun Behmen selbst das Mädchen ebenfalls töten, doch Debelzaq und danach Felson treten ihm entgegen. Felson weist ihn darauf hin, dass das Kloster bereits in Sichtweite ist.

Das Kloster wurde jedoch ebenfalls von der Pest heimgesucht, sodass die Reisegruppe nur noch Leichen antrifft. Sie finden jedoch den Schlüssel Salomons, ein geheimnisvolles Buch voller Beschwörungsformeln zur Abwehr des Bösen, und Debelzaq beginnt das Ritual, um den Fluch zu beenden. Nun wird offenbart, dass das Mädchen von einem Dämon besessen ist, der sich in Gestalt des Mädchens als Hexe ausgegeben hat, um in das Kloster zu gelangen, die letzte Abschrift des Buches zu vernichten und danach ungehindert die Welt in Finsternis zu stürzen. Der Dämon lässt seinen Käfig schmelzen und verbirgt sich im Kloster, wo er die Leichname der Mönche wiederbelebt und gegen Behmen, Felson und den kurz vorher zum Ritter geschlagenen Kay kämpfen lässt. Der Dämon bricht Debelzaq, der laut das Beschwörungsritual gegen Dämonen liest, das Genick und verbrennt Felson zu Asche. Behmen fixiert die Flügel des Dämons mit zwei Messern an eine Wand und kann weitere tödliche Angriffe verhindern, nicht aber, dass dieser mit seinen Flügelkrallen in seinen Körper sticht. Kay liest das Ritual zu Ende und der Dämon verglüht, Behmen jedoch stirbt an seinen Wunden. Kay und das vom Dämon befreite Mädchen Anna begraben ihre gefallenen Freunde und reiten mit dem Buch davon. Anna will der Welt die Geschichte erzählen.

Produktion und Veröffentlichung

Die Dreharbeiten fanden zum großen Teil in den österreichischen Alpen (im Bundesland Salzburg, im Bezirk Hallein, in Sankt Koloman, auf dem Loser in Altaussee, Steiermark) sowie in Kroatien statt. Die Burg Kreuzenstein, die im Film sowohl als Residenz des Kardinals als auch als Kulisse für Hof und Innenräume des Klosters dient, befindet sich in Leobendorf nahe Wien. Weitere Sets wurden in einem Studio in Ungarn aufgebaut.

Premiere des Films war am 4. Januar 2011 in den Vereinigten Staaten, in Deutschland lief er ab dem 24. März 2011 in den Kinos.

Kritiken

Der letzte Tempelritter bekam überwiegend negative Kritiken. Nach Angaben der Filmwebseite Rotten Tomatoes beurteilten lediglich 8 % der Filmkritiker den Film positiv, basierend auf 106 Reviews.[3]

„Der letzte Tempelritter ist ein Horrorfilm, der nicht gruselig ist, ein Actionfilm, dessen Effekte nach frühem Computerspiel aussehen, und nicht zuletzt ein Geschichtsfilm, der so konsequent auf Geschichte verzichtet, dass man ihm nicht mal die Klitterung derselben vorwerfen kann.“

– Die Zeit[4]

„[Es gelingt] Sena zwar, die unwirtliche Atmosphäre der Zeit stimmungsvoll einzufangen, für das damalige Leben scheint er dagegen kein richtiges Gefühl entwickelt zu haben: Anstatt die Hexenverfolgungen […] als Resultat eines macht-politischen Kalküls und religiösen Wahns zu begreifen, setzt er lieber auf einen übernatürlichen, mäßig animierten Budenzauber. Die wirklich spannende Frage, ob die von den Rittern eskortierte Frau wirklich eine Hexe ist oder nicht, wird im Eiltempo aufgelöst. Und dient letztendlich nur als Vorspiel für ein Fantasyfinale auf B-Movie-Niveau. Fazit: Atmosphärischer Abenteuerstreifen, der das komplexe Thema der Hexenverfolgung mit Horrorfilmklischees konterkariert.“

– Cinema[5]

„Das alles wäre leichter zu verzeihen gewesen, wenn Dominic Sena den Film als das inszeniert hätte, was er ist: letztlich harmloser, wenig origineller, aber stellenweise brachialer Trash ohne tieferen Sinn oder große Ambitionen. Dass ‚Der letzte Tempelritter‘ stattdessen aber als ernsthaftes Fantasy-Abenteuer daherkommt, klingt vielleicht im ersten Moment spannend, sorgt im Endeffekt aber lediglich für unfreiwillige Komik.“

– Filmstarts[6]

Auszeichnungen

Nicolas Cage wurde 2012 für diese Rolle und seine Leistungen in Trespass und Drive Angry für die Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler nominiert.

Synchronisation

Die Synchronisation wurde von der Firma RC Production durchgeführt.[7]

Darsteller Synchronstimme Rolle
Nicolas Cage Martin Keßler Behmen
Ron Perlman Tilo Schmitz Felson
Christopher Lee Otto Mellies Kardinal D’Ambroise
Ulrich Thomsen Frank Röth Eckhart
Claire Foy Sarah Riedel Das Mädchen / Anna
Stephen Campbell Moore Alexander Brem Debelzaq
Brian F. O’Byrne Erich Räuker Großmeister
Stephen Graham Oliver Mink Hagamar
Robert Sheehan Robin Kahnmeyer Kay
Maria Koschny blonde Hexe
Tobias Kluckert Dämon

Weblinks

  • Der letzte Tempelritter bei IMDb
  • Season of the Witch bei Rotten Tomatoes (englisch)
  • Offizielle Website zum Film

Einzelnachweise

  1. ↑ Der letzte Tempelritter auf kino.de
  2. ↑ Alterskennzeichnung für Der letzte Tempelritter. Jugendmedien­kommission.
  3. ↑ Season of the Witch. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 28. März 2011 (englisch). 
  4. ↑ Klamauk als Hölle. In: Die Zeit, abgerufen am 28. März 2011.
  5. ↑ Der letzte Tempelritter. In: cinema. Abgerufen am 14. August 2021. 
  6. ↑ Der letzte Tempelritter auf filmstarts.de
  7. ↑ Der letzte Tempelritter. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 25. April 2013. 
Filme von Dominic Sena

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Große Pest von 1708 bis 1714

Noir24admin Pest 22. Juni 2026
Samuel Donnet: Abbildung der Großen Pest in Danzig 1709
Gemälde von der Pest in Vilnius

Die Große Pest von 1708 bis 1714 verbreitete sich während des Großen Nordischen Kriegs in Nord- und Osteuropa mit Schwerpunkt im Ostseeraum. Die Pestepidemie hatte von 1708 bis 1712 ihren Höhepunkt und wütete bis 1714. Die Pest trat in Siebenbürgen, Polen-Litauen, im Königreich Preußen, Kurland, Schwedisch-Livland, Schwedisch-Estland, Pskow und Nowgorod im Zarentum Russland, Finnland, Schweden, Hinterpommern und Schwedisch-Pommern, Dänemark, Schleswig und Holstein, Hamburg und Bremen-Verden, Ungarn, Böhmen und Mähren, Österreich und der Oberpfalz auf. In diesen sieben Jahren kamen insgesamt mehr als eine Million Europäer ums Leben.

Verlauf

Die Epidemie war wahrscheinlich Teil einer großen Pandemie, die sich von Zentralasien ausgehend über Konstantinopel bis zur Mittelmeerküste erstreckte. Zuerst wurde die Pest in Pińczów in Südpolen 1702 in einem schwedischen Militärkrankenhaus diagnostiziert. Sie breitete sich dann entlang der Handelsrouten und entlang der Vormarschrouten der Heere Schwedens, Sachsens und Russlands aus. Alle Ostseegebiete wurden nach und nach von der Pestwelle erfasst. Kriegsverlauf und Pestausbreitung beeinflussten sich gegenseitig. Soldaten und Kriegsflüchtlinge, die oft unwissentlich von der Pest befallen waren, infizierten Menschen auf ihren Marschrouten. Die Todesrate im Militär wie auch die Entvölkerung der Städte und ländlichen Gebiete in den Kampfzonen beeinflussten die Kampfhandlungen erheblich und führten teilweise zu Unterbrechungen im Kriegsablauf. Die Pest gelangte 1711 an die Ostsee, überschritt diese im Sommer und gelangte von dort nach Mitteleuropa.[1][2]

Die Pest von 1708 bis 1714 war die letzte Pandemie im Ostseeraum. Dort waren Pestausbrüche bereits zuvor aufgetreten, insbesondere im 14. Jahrhundert. Allerdings verlief die Großen Pest von 1708 bis 1714 deutlich schlimmer als vorherige Ausbrüche. Besonders Preußen und Estland waren betroffen. In vielen der Gebiete starben zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung. Viele Höfe und Dörfer waren völlig entvölkert. Mit der Pest traten auch Folgeprobleme wie Hungersnöte auf, was indirekt die Pestauswirkungen noch verstärkte. Pestbeulen gehörten zu den diagnostizierten Symptomen der Opfer. Viele Tote wurden nicht ausreichend diagnostiziert oder verallgemeinert als Opfer der Pest registriert, was an der großen Menge an Todesopfern und dem damit verbundenen zunehmenden Mangel an kundigen Ärzten und Bestattern lag.

In einigen Städten trat die Pest nur in einem Jahr auf, während sie in anderen Regionen sich jährlich wiederholte. Erhöhte Todesraten traten insbesondere bei Kindern und Frauen auf, was aber auch durch die Folgen von Hunger und den Einzug der Männer in die Armee beeinflusst sein kann. Die Ursache der Pest war den Menschen der Zeit unbekannt. Schlechte Luft, als Miasma bezeichnet, oder Strafe Gottes waren übliche Erklärungsversuche. Als Bekämpfung der Pest gab es neben dem Mittel der Eindämmung und der Trennung der Gesunden von den Kranken verschiedene Methoden wie Waren- und Personenboykotte oder Reinigungsmaßnahmen. Betroffene Städte wie Königsberg oder Stralsund wurden von Gesundheitszonen umgeben und isoliert. Es gab jedoch regen Schwarzhandel mit gefälschten Gesundheitspässen.[1] Das Königreich Preußen wurde ebenso abgeriegelt; dies verhinderte aber nicht, dass große Teile der Bevölkerung starben (vgl. Große Pest (Preußen)). Eine andere Zone wurde zwischen Schonen und den dänischen Inseln entlang des Sundes errichtet, mit Saltholm als zentraler Quarantänestation. Pesthäuser wurden errichtet. Die Charité in Berlin wurde 1709 angesichts einer drohenden Pestwelle gegründet. Die Welle traf in der Mark Brandenburg aber nur Randgebiete der Uckermark und der Neumark.

Folgen

In Danzig starben von Juli bis Dezember 1708 von 50.000 Einwohnern mehr als 23.000.[1] In Königsberg starben von 1708 bis 1710 zwischen 9.000 und 10.000 der 40.000 Einwohner.[1] In Preußen, wo gewöhnlich etwa 15.000 Menschen jährlich starben, verloren zwischen 1708 und 1710 von 600.000 Menschen etwa 230.000 ihr Leben.[1] Von den 10.500 Einwohnern Rigas starben 1710 und 1711 bis zu 7.350. In Stockholm starben 1710 und 1711 bis zu 23.000 von 55.000 Einwohnern an der Pest. Auch das 70.000 Einwohner große Hamburg hatte 1711 bis zu 10.000 Pesttote zu beklagen. In Kopenhagen starben 1711 innerhalb von sechs Monaten 23.000 Menschen. Der damals übliche Wert für Geburten und Todesfälle der 60.000 Einwohner umfassenden Stadt lag bei je rund 2.000.[1] In Wien lag die Sterblichkeit während der Pest-Epidemie im Jahr 1713 mit 132,6 Toten auf 1.000 Einwohnern deutlich über dem Wert der vorherigen und nachfolgenden Jahre. Dort gilt sie als letzte große Pestwelle.[3] Im Jahr 1732 erließ Preußen ein Einladungspatent, mit dem Glaubensflüchtlinge (Salzburger Exulanten) in den entvölkerten Landstrichen in Ostpreußen angesiedelt werden sollten.[4]

Siehe auch

  • Geschichte der Pest

Literatur

  • Karl-Erik Frandsen: The Last Plague in the Baltic Region 1709–1713. Museum Tusculanum Press, Kopenhagen 2010, ISBN 978-87-635-0770-7.
  • Liliana Górska: «Theatrum atrocissimorum fatorum». Religiöse Pestbewältigung in Danzig 1709. Der Andere Verlag, Tönning/Lübeck/Marburg 2010, ISBN 978-3-86247-007-5.
  • Katrin Möller-Funck: Die Krise in der Krise. Existenzielle Bedrohung und gesellschaftliche Rezession im Königreich Preußen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Dissertation, Universität Rostock, 2015 (PDF).
  • Stefan Kroll, Kersten Krüger (Hrsg.): Städtesystem und Urbanisierung im Ostseeraum in der Frühen Neuzeit. Urbane Lebensräume und historische Informationssysteme. Beiträge des wissenschaftlichen Kolloquiums in Rostock vom 15. und 16. November 2004. LIT, Berlin 2006, ISBN 3-8258-8778-2 (mit mehreren Beiträgen zur Pestepidemie von 1708 bis 1714, darunter von Stefan Kroll: Pest in Stralsund während des Großen Nordischen Krieges 1710 und 1711, Karsten Labahn: Zur Erarbeitung und zur Nutzung des Historischen Informationssystems „PestStralsund1710“).[5][6]
  • Georg Sticker: Die Pest in Indien und an der Levante von 1683 bis 1724; ihre Aussaaten nach Europa. In: Die Geschichte der Pest (= Abhandlungen aus der Seuchengeschichte und Seuchenlehre. Band 1, Teil 1.) Töpelmann, Gießen 1908, S. 209–236 (Digitalisat).
  • Manfred Vasold: Die Pest. Ende eines Mythos. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1779-3, S. 142ff.
  • Carl Christian Wahrmann: Kommunikation der Pest. Seestädte des Ostseeraums und die Bedrohung durch die Seuche 1708–1713 (= Historische Forschungen (HF), Band 98). Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 978-3-428-13881-4.[7]
  • Jörg Zapnik: Pest und Krieg im Ostseeraum: Der „Schwarze Tod“ in Stralsund während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) (= Greifswalder Historische Studien. Band 7). Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8300-3118-5.[8]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Manfred Vasold: Die Pest. Ende eines Mythos. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003. ISBN 3-8062-1779-3. S. 142ff.
  2. ↑ laut dieser Quelle von 2013 kam eine Pestwelle ab 1711 von Istanbul nach Wien und 1713 nach Prag.
  3. ↑ Ivo Mijnssen: Pest, Cholera, Spanische Grippe und jetzt auch noch Corona: Seuchenspuren in der Stadt Wien. Neue Zürcher Zeitung, 19. Mai 2020, abgerufen am 17. März 2021. 
  4. ↑ Die Salzburger Glaubensflüchtlinge. Deutsches Historisches Museum Berlin, 2005, abgerufen am 17. März 2021. 
  5. ↑ Forschungsprojekt Der letzte Ausbruch der Pest im Ostseeraum zu Beginn des 18. Jahrhunderts, Universität Rostock
  6. ↑ Tagungsprogramm Rostock 2004.
  7. ↑ Inhaltsübersicht und Rezensionen. Abgerufen am 11. Juni 2020. 
  8. ↑ Rezension von Jean-Luc Le Cam.



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Große Pest von Marseille

Noir24admin Pest 22. Juni 2026
Zeitgenössisches Gemälde von Marseille während der Großen Pest
Öffentliche Bekanntmachung über die Entsorgung von Leichen während der Großen Pest, 1720

Die Große Pest von Marseille war der letzte größere Ausbruch der Beulenpest in Westeuropa.[1][2]

Im Jahr 1720 starben im französischen Marseille und der umliegenden Provence an der Seuche bis zu ca. 50.000 Menschen. Marseille hatte Anfang 1720 etwa 90.000 Einwohner. Die Zahl der Todesfälle variiert je nach Schätzung: Bei einigen Historikern werden zwischen 30.000 und 35.000 Tote angegeben, bei anderen 50.000, sowohl für die Stadt als auch für das Umland.[3][4]

Interessanterweise wurde dieser Bevölkerungsverlust in nur drei oder vier Jahren schnell ausgeglichen. Dieses Phänomen erklärt sich durch den Rückgang der Sterblichkeit sowie durch den Anstieg der Geburtenrate, der mit der Zunahme der Eheschließungen zusammenhängt, aber hauptsächlich durch die Zuwanderung aus den nahe gelegenen Regionen (seit der Revolution das Departement Alpes de Haute Provence genannt) oder von weiter her. Die Einwanderung machte die meisten Verluste wieder wett. Bis 1765 war die Population wieder auf dem Niveau von vor 1720.[3] Die wirtschaftliche Aktivität brauchte nur wenige Jahre, um sich zu erholen, da sich der Handel auf die Westindischen Inseln und Lateinamerika ausweitete.

Stadt vor der Pest

Sanitätsrat

Am Ende der Pest von 1580 ergriffen die Menschen in Marseille drastische Maßnahmen, um zu versuchen, die zukünftige Ausbreitung der Krankheit zu kontrollieren. Der Stadtrat von Marseille richtete einen Sanitätsrat ein, dessen Mitglieder sich aus dem Stadtrat und den Ärzten der Stadt zusammensetzten. Das genaue Gründungsdatum des Gremiums ist nicht bekannt, aber seine Existenz wird erstmals in einem Text des Parlaments von Aix aus dem Jahr 1622 erwähnt. Der neu gegründete Sanitätsrat gab eine Reihe von Empfehlungen zur Erhaltung der Gesundheit der Stadt ab.[1][2]

Neben dem Schutz der Stadt vor äußeren Schwachstellen versuchte der Sanitätsrat, eine öffentliche Infrastruktur aufzubauen. In dieser Zeit wurde auch das erste öffentliche Krankenhaus von Marseille gebaut, das mit einem vollwertigen Stab von Ärzten und Krankenschwestern ausgestattet wurde. Darüber hinaus war der Sanitätsrat für die Akkreditierung lokaler Ärzte zuständig. Unter Berufung auf die zahlreichen Fehlinformationen, die sich während einer Seuche ausbreiten, versuchte der Sanitätsrat, den Bürgern zumindest eine Liste von Ärzten zur Verfügung zu stellen, die man für glaubwürdig hielt.[5]

Der Sanitätsrat war eines der ersten von der Stadt Marseille gebildeten Exekutivorgane. Er wurde personell so ausgestattet, dass er die wachsenden Verantwortlichkeiten des Gremiums unterstützen konnte.

Quarantäne

Der Sanitätsrat richtete ein dreistufiges Kontroll- und Quarantänesystem ein. Die Mitglieder des Ausschusses inspizierten alle ankommenden Schiffe und gaben ihnen eines von drei „Gesundheitspapieren“. Das „Gesundheitszeugnis“ bestimmte dann den Grad des Zugangs des Schiffes und seiner Ladung zur Stadt.

Eine Delegation von Mitgliedern des Sanitätsrats sollte jedes ankommende Schiff inspizieren. Sie überprüften das Logbuch des Kapitäns, in dem jede Stadt, in der das Schiff gelandet war, verzeichnet war, und verglichen es mit der Hauptliste des Gesundheitsamtes von Städten im ganzen Mittelmeer, die Gerüchte über kürzliche Pestvorkommnisse hatten. Die Delegation inspizierte zudem die gesamte Fracht, die Besatzung und die Passagiere und suchte nach Anzeichen möglicher Krankheiten. Wenn das Team Anzeichen einer Krankheit sah, durfte das Schiff nicht an einem Dock in Marseille landen.[6]

Wenn das Schiff diesen ersten Test bestanden hatte und es keine Anzeichen einer Krankheit gab, die Reiseroute des Schiffes aber eine Stadt mit dokumentierter Pest-Aktivität umfasste, wurde das Schiff in die zweite Quarantänestufe auf Inseln vor dem Hafen von Marseille geschickt. Die Kriterien für die Lazarette waren Belüftung (um das, was man für das Miasma der Krankheit hielt, zu vertreiben), die Nähe zum Meer, um die Kommunikation und das Abpumpen von Wasser zur Reinigung zu erleichtern, sowie die Isolierung und leichte Zugänglichkeit.[7]

Selbst ein einwandfreier Gesundheitszustand der Menschen auf einem Schiff erforderte eine mindestens 18-tägige Quarantäne am Standort vor der Insel. Während dieser Zeit wurde die Besatzung in einem der Lazarette untergebracht, die rund um die Stadt gebaut wurden. Die Lazarette wurden auch in Bezug auf die Gesundheitsbescheinigungen für das Schiff und Einzelpersonen klassifiziert. Mit einem „sauberen“ Gesundheitszeugnis begab sich ein Besatzungsmitglied zur größten Quarantänestation, die mit Vorräten ausgestattet und groß genug war, um viele Schiffe und Besatzungen gleichzeitig unterzubringen. Wenn man glaubte, dass die Besatzung der Möglichkeit einer Seuche ausgesetzt war, wurde sie in die isolierte Quarantänestation geschickt, die auf einer Insel vor der Küste des Hafens von Marseille errichtet worden war. Die Besatzung und die Passagiere mussten dort 50 bis 60 Tage lang warten, um zu sehen, ob sie Anzeichen einer Seuche entwickelten.[6]

Sobald die Besatzungen ihre Quarantäne hinter sich hatten, durften sie die Stadt betreten, um ihre Waren zu verkaufen und sich vor der Abfahrt zu vergnügen.

Ausbruch und Todesfälle

Zeitgenössische Gravur von Marseille während der Großen Pest

Der große Ausbruch der Pest im Jahr 1720 war die letzte Wiederholung einer Epidemie der Beulenpest nach den verheerenden Episoden, die Anfang des 14. Jahrhunderts begonnen hatten; der erste bekannte Fall der Beulenpest in Marseille war die Ankunft des „schwarzen Todes“ im Herbst 1347.[8][9]

1720 kam die Yersinia pestis aus der Levante mit dem Handelsschiff Grand-Saint-Antoine im Hafen von Marseille an. Das Schiff war von Sidon im Libanon abgefahren, nachdem es zuvor Smyrna, Tripolis und das von der Pest heimgesuchte Zypern angelaufen hatte. Ein türkischer Passagier war der Erste, der infiziert wurde und bald starb, gefolgt von mehreren Besatzungsmitgliedern und dem Schiffsarzt. Dem Schiff wurde die Einfahrt in den Hafen von Livorno verweigert.[10]

Als die Grand-Saint-Antoine in Marseille ankam, wurde sie von den Hafenbehörden umgehend im Lazarett unter Quarantäne gestellt.[11] Vor allem aufgrund des Monopols, das Marseille auf den französischen Handel mit der Levante hatte, verfügte dieser wichtige Hafen über einen großen Bestand an Importgütern in den Lagerhäusern. Außerdem weitete er seinen Handel mit anderen Gebieten des Nahen Ostens und aufstrebenden Märkten in der Neuen Welt aus. Mächtige städtische Kaufleute benötigten die Seiden- und Baumwollladung des Schiffes für die große Messe in Beaucaire und setzten die Behörden unter Druck, die Quarantäne aufzuheben.

Die mur de la peste (Pestmauer) aus dem 18. Jahrhundert, Provence

Wenige Tage später brach die Krankheit in der Stadt aus. Die Krankenhäuser waren schnell überfüllt, und die Bewohner gerieten in Panik und vertrieben die Kranken aus ihren Häusern und aus der Stadt. Es wurden Massengräber ausgehoben, die aber schnell gefüllt wurden. Schließlich überforderte die Zahl der Toten die Möglichkeiten der Stadt, sich um das öffentliche Gesundheitswesen zu bemühen, bis Tausende von Leichen verstreut und auf Haufen in der Stadt lagen.[10]

Zu den Versuchen, die Ausbreitung der Pest zu stoppen, gehörte ein Gesetz des Parlaments von Aix, das die Todesstrafe für jede Kommunikation zwischen Marseille und der übrigen Provence verhängte. Um diese Trennung durchzusetzen, wurde auf dem Land eine Pestmauer (mur de la peste) errichtet. Die Mauer wurde aus Trockenstein gebaut, 2 m hoch und 70 cm dick, mit von der Mauer zurückgesetzten Wachposten. Überreste der Mauer sind noch heute in verschiedenen Teilen des Plateaus de Vaucluse zu sehen.[12]

Neueste Forschung

Opfer der Beulenpest in einem Massengrab von 1720 bis 1721 in Martigues, Frankreich

1998 wurde von Wissenschaftlern der Université de la Méditerranée ein Massengrab von Opfern der Beulenpest ausgegraben.[13] Die Ausgrabung bot die Gelegenheit, mehr als 200 Skelette aus einem Gebiet im zweiten Arrondissement von Marseille zu untersuchen, das als Kloster der Observanz bekannt ist. Zusätzlich zu den modernen Laboruntersuchungen wurden auch Archivunterlagen ausgewertet, um die Bedingungen und Daten der Nutzung dieses Massengrabes zu ermitteln. Dieser multidisziplinäre Ansatz brachte neue Fakten und Erkenntnisse über die Epidemie von 1722 zutage. Die Rekonstruktion des Schädels eines 15-jährigen Jungen lieferte den ersten historischen Beweis für eine Autopsie, die auf das Frühjahr 1722 datiert ist. Die angewandten anatomischen Techniken scheinen mit denen identisch zu sein, die in einem chirurgischen Buch aus dem Jahr 1708 beschrieben wurden.[14]

Siehe auch

  • Liste von Epidemien und Pandemien
  • Justinianische Pest
  • Moskauer Pestrevolte 1771

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Paul (1843–1920) Auteur du texte Gaffarel, Marquis de Auteur du texte Duranty: La peste de 1720 à Marseille et en France : d’après des documents inédits... / Paul Gaffarel et Mis de Duranty. 1911 (Online [abgerufen am 28. April 2020]). 
  2. ↑ a b Contrucci, Jean, 1939: Marseille : 2600 ans d’histoire. Fayard, [Paris] 1998, ISBN 2-213-60197-6. 
  3. ↑ a b Charles Carrière: Négociants marseillais au XVIIIe siècle; contribution à l’étude des économies maritimes. Institut historique de Provence, Marseille 1973 (Online [abgerufen am 28. April 2020]). 
  4. ↑ Amargier, Paul A., Joutard, Philippe.: Histoire de Marseille en treize événements. J. Laffitte, [Marseille] 1988, ISBN 2-86276-145-1. 
  5. ↑ p. 53, Françoise Hildesheimer
  6. ↑ a b Amargier, Paul A., Joutard, Philippe.: Histoire de Marseille en treize événements. J. Laffitte, [Marseille] 1988, ISBN 2-86276-145-1. 
  7. ↑ p. 361, Roger Duchêne et Jean Contrucci
  8. ↑ Duchene and Contrucci (2004), Chronology. Marseille suffered from epidemics of the European Black Death in 1348 (recurring intermittently until 1361), in 1580 and 1582, and in 1649–1650.
  9. ↑ Jean Astruc: La Peste présente de la Provence & du Gevaudan. In: Dissertation sur l’origine des maladies épidémiques et principalement sur l’origine de la peste, où l’on explique les causes de la propagation et de la cessation de cette maladie. Montpellier 1721, S. 61–71 (Digitalisat)
  10. ↑ a b Lucenet, Monique.: Les grandes pestes en France. Aubier, Paris 1985, ISBN 2-7007-0392-8. 
  11. ↑ Duchêne & Contrucci (2004), pages 361-362.
  12. ↑ „La peste et les lazarets de Marseille“ (Memento des Originals vom 18. Februar 2022 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mistraletnoroit.free.fr; briefly noted in Simon Schama, Landscape and Memory (1995): 245f.
  13. ↑ Signoli, Seguy, Biraben, Dutour & Belle (2002).
  14. ↑ Michel Signoli, Isabelle Séguy, Jean-Noël Biraben, Olivier Dutour, Paul Belle: Paleodemography and Historical Demography in the Context of an Epidemic: Plague in Provence in the Eighteenth Century. In: Population (English Edition, 2002-). Band 57, Nr. 6, 2002, ISSN 1634-2941, S. 829–854, doi:10.2307/3246618. 



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Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes

Noir24admin Pest 22. Juni 2026
Die Massenszene Verbrennung der Juden bei lebendigem Leib vor den Mauern der Stadt (Miniatur von Pierart dou Tielt in der flandrischen Chronik Antiquitates Flandriae oder Tractatus quartus des Benediktinerabtes Gilles Li Muisis vom Kloster S. Martin in Tournai, um 1353 – Königliche Bibliothek Belgiens).

Die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes, auch als Pestpogrome bezeichnet, sind spätmittelalterliche Ausschreitungen, die in den Jahren 1348 bis 1351 in vielen mitteleuropäischen Städten im Zusammenhang mit der damaligen Pestepidemie geschahen. Auffällig ist, dass einige der Pogrome stattfanden, bevor die Pest die jeweiligen Orte erreicht hatte.

Auslöser

Flagellanten. Die Ankunft einer Gruppe von Flagellanten führte häufig zu Gewalt gegen die jüdische Gemeinde. (Miniatur von Pierart dou Tielt im Tractatus quartus von Gilles Li Muisis).

Die Zeit bis 1349 war bereits von Spannungen zwischen Juden und Christen geprägt. Neben Vorwürfen wie Hostienfrevel und Ritualmordlegenden waren die Juden als Wucherer nach der christlichen Lehre verhasst.

Der schon im Vorfeld häufige Vorwurf der Brunnenvergiftung kam nun verstärkt auf. Den Juden wurde vorgeworfen, so die Pest ausgelöst zu haben. Es kam auch die Idee auf, dass durch die Pest Gott die Christen straft, da sie Juden in ihren Städten akzeptieren.

Welche Rolle die Laienbewegung der Flagellanten gespielt hat und ob sie die Bevölkerung der Städte aufgestachelt haben, ist in der neueren Forschung umstritten. Da die Situation in den einzelnen Städten sehr unterschiedlich war, ist eine pauschale Beurteilung der Flagellanten nicht möglich.

Ausbreitung

Die Vorwürfe und damit auch die Pogrome dehnten sich – ähnlich wie die Pest – von den Mittelmeerhäfen im Süden nach Norden aus. Zunächst kam es zu Pogromen in Frankreich, vor allem um Genf. Im November 1348 erreichte die Pogromwelle mit Solothurn die erste deutschsprachige Stadt. Anfang 1349 wurden in Basel (9. Januar), Freiburg im Breisgau und Feldkirch (21. Januar) Juden verbrannt. Am 14. Februar wurden in Straßburg 2.000 der ansässigen Juden ermordet. Die Pogrome breiteten sich weiter im Rheinland aus. Die jüdischen Gemeinden der Städte Speyer (22. Januar), Zürich (23. Februar[1]), Erfurt (21. März)[2], Worms, Mainz, Koblenz, Köln (23./24. August), Brüssel (1. November) und Trier wurden vernichtet. Mindestens 562 Menschen starben bei dem Judenpogrom in Nürnberg am 5. Dezember, was das Ende eines der großen Zentren jüdischen Lebens im Reich bedeutete.[3] In Königsberg fand noch im Februar 1351 ein Pogrom statt.

Mit dem Ende der Pestpogrome waren alle damals bedeutenden jüdischen Gemeinden auf dem Gebiet des späteren Deutschland ausgelöscht.[4]

Akteure

Kaiser Karl IV. (HRR) auf dem Votivbild des Erzbischofs Johann Očko von Wlaschim.

Die Hauptakteure waren Bürger und Zünfte, der Klerus dagegen hielt sich zurück. Die regionalen Fürsten, die eigentlich den Judenschutz sichern sollten, reagierten zurückhaltend.

Papst Clemens VI. versuchte durch das Verbot, Juden ohne Gerichtsverfahren hinzurichten, spontane Gewaltausbrüche zu verhindern. Er argumentierte, dass auch die Juden von der Pest betroffen seien und auch Orte, in denen keine Juden wohnen, von ihr heimgesucht würden. Sein Eingreifen hatte nur in Avignon Auswirkungen. Tatsächlich kam es auch zu Gerichtsverfahren gegen ganze Judengemeinden, in denen allerdings auch „Geständnisse“ durch Folter erzwungen wurden.

Karl IV., der 1355 auch die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erwarb, spielte eine unrühmliche Rolle bei den Judenverfolgungen der Jahre 1348 bis 1350[3]: Um seine Schulden zu tilgen, verpfändete er das königliche Judenregal, unter anderem an Frankfurt. Es wurde gar geregelt, was mit dem Besitz von Juden zu geschehen habe, und Straffreiheit zugesichert, falls „die Juden daselbst nächstens erschlagen“ würden (Frankfurter Urkunden vom 23., 25., 27. und 28. Juni 1349, bezogen auf Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Frankfurt). In der Reichsstadt Nürnberg, neben Prag Karls bevorzugte Residenz, genehmigte er die Errichtung des neuen Hauptmarkts auf dem Gelände des Judenviertels, dessen mehr als 500 Einwohner wurden ermordet. Über den Trümmern der Synagoge entstand die von ihm gestiftete Marienkirche. Durch die rasche Erteilung solcher Freibriefe, zum Teil vor den Verfolgungen, machte sich Kaiser Karl IV. selbst zum Mittäter.[5]

Herzog Albrecht II. von Österreich konnte in seinem Regierungsbereich Pogrome verhindern. Pfalzgraf Ruprecht I. gewährte Flüchtlingen aus Speyer und Worms Schutz. In Spanien rettete Peter IV. von Aragón die Juden vor größeren Ausschreitungen, in Polen leistete Kasimir III. dasselbe.

Folgezeit

Judenpogrom in Straßburg 1349 (Émile Schweitzer, 1894)

Im Nachhinein wurden viele der Pestpogrome zu spontanen Aufständen verklärt, gegen die man nichts habe unternehmen können. In Köln versuchten die Schuldigen, die Ausschreitungen auf Fremde und die Angehörigen der unteren Schichten zu schieben. Die Hinterlassenschaften der Juden wurden gegen Zahlung der jährlichen Steuern, die eigentlich die Juden hätten bezahlen müssen, an die Städte übergeben.

In vielen Städten durften sich Juden nach einer gewissen Zeit wieder ansiedeln.

Literatur

  • František Graus: Pest – Geißler – Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 86). Göttingen 1987.
  • Alfred Haverkamp: Die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes im Gesellschaftsgefüge deutscher Städte. In: ders. (Hrsg.): Zur Geschichte der Juden im Deutschland des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 24). 1981, S. 27–93 (PDF).
  • Alfred Haverkamp: Der Schwarze Tod und die Judenverfolgungen von 1348/49 im Sozial- und Herrschaftsgefüge deutscher Städte. In: Trierer Beiträge. Aus Forschung und Lehre an der Universität Trier. Sonderheft 2, 1977, S. 78–86.
  • Friedrich Lotter: Judenfeindschaft (-haß, -verfolgung). In: Lexikon des Mittelalters.

Weblinks

Wiktionary: Pestpogrom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Ausstellung zur hessischen Geschichte
  • Jüdisches Museum Göppingen (beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Pest und Judenverfolgung.)
  • Spätmittelalter am Oberrhein – Der Judensturm von 1349 bei Zum.de

Einzelnachweise

  1. ↑ Dölf Wild, Roland Böhmer: Die spätmittelalterlichen Wandmalereien im Haus «Zum Brunnenhof» in Zürich und ihre jüdischen Auftraggeber. In: Hochbauamt der Stadt Zürich, Büro für Archäologie und Büro für Denkmalpflege (Hrsg.): Zürcher Denkmalpflege. Stadt Zürich. Bericht. Nr. 1995/96. Rohr, Zürich 1997, S. 16 (stadt-zuerich.ch [PDF; 2,6 MB; abgerufen am 4. Oktober 2022]). 
  2. ↑ Hardy Eidam: Geschichte aus Stein und Pergament - die Alte Synagoge Erfurt: = Ṭohorat ha-nefesh ha-miḳṿeh ha-yeme-benayim bi-Erfur (= Jüdisches Leben Erfurt). 1. Auflage. Bussert & Stadeler, Jena [Leipzig] Quedlinburg 2016, ISBN 978-3-942115-40-7. Fehler in Vorlage:Literatur – *** Parameterproblem: Dateiformat/Größe/Abruf nur bei externem Link
  3. ↑ a b Jörg R. Müller, Andreas Weber: Karl IV. und die Juden.
  4. ↑ Peter Schäfer: Kurze Geschichte des Antisemitismus. C.H.Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-75578-1. 
  5. ↑ Michael Toch: Die Juden im mittelalterlichen Reich, München 1998 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte, 44). S. 63.



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Dritte Pest-Pandemie

Noir24admin Pest 22. Juni 2026
Dritte Pest-Pandemie
Opfer der Epidemie in der Mandschurei im Winter 1910/1911
Daten
Name {{{OffiziellerName}}}
Alternativer Name {{{Alternativname}}}
Krankheit Pest
Krankheitserreger Yersinia pestis
Ursprung Yunnan (China)
Erster bekannter Fall {{{Erster_Bekannter_Fall}}}
Pandemische Phase {{{Pandemische_Phase}}}
Erklärung zur Pandemie {{{Erklärung_Pandemie}}}
Beginn 1894
Ende 1911
Betroffene Länder
Infizierte
Todesfälle ca. 15 Mio.
Quelle {{{Quelle}}}
Letzte Aktualisierung:

Die dritte Pest-Pandemie (nach der Justinianischen Pest im 6. Jahrhundert und dem „Schwarzen Tod“ im 14. Jahrhundert), verursacht durch das Bakterium Yersinia pestis, begann Ende des 19. Jahrhunderts in China.[1] Sie kostete weltweit geschätzt rund 15 Millionen Menschenleben, insbesondere in China und Indien. In Europa kamen dagegen nur wenige Menschen ums Leben.[2][3]

Verbreitung

Die Epidemie traf zunächst die Provinz Yunnan, dann Hongkong. Hier konnte der Erreger im Jahre 1894 vom Schweizer Arzt Alexandre Yersin identifiziert und der Übertragungsweg erklärt werden. Der Erreger ist nach ihm benannt. Von Hongkong aus verbreitete sich die Epidemie in viele Teile der Welt, darunter Indien und die Vereinigten Staaten. Auf Hawaii traf die Pest 1899 ein, in San Francisco 1900. Anfang des 20. Jahrhunderts trat die Pest in der chinesischen Grenzregion Mandschurei auf.[4] Eine erneute Epidemie traf die Mandschurei im Winter 1910/1911 und kostete etwa 60.000 Menschen das Leben.[5]

Umgang in Europa

Europa war von der Pandemie kaum betroffen. Hier gab es weniger als tausend Tote, was auf die internationale Zusammenarbeit und das verbesserte medizinische Wissen zurückgeführt wird. So gab es wenige Monate nach der Ankunft der Krankheit im Londoner Hafen im September 1896 im Februar 1897 eine internationale Hygienekonferenz mit Ärzten und Wissenschaftlern in Venedig. Dort wurde auch die Miasmen-Theorie angezweifelt und von 17 Staaten eine gemeinsame Strategie zur Eindämmung beschlossen. Solche Konferenzen wurden schon für den Umgang mit Cholera in den Jahren davor einberufen. Auch hatte es im Laufe des 19. Jahrhunderts verschiedene Durchbrüche in der Erforschung der Hygiene gegeben. Mit dem Office international d’hygiène publique wurde 1907 ein Vorläufer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründet.

Da die Übertragung der Krankheit dennoch nicht vollständig verstanden wurde, kam es trotz Isolationsmaßnahmen an den Häfen zu mehreren Ausbrüchen in Europa, die sich insbesondere in den Armenvierteln verbreiteten. Größere Ausbrüche gab es 1899 in Porto und 1920 in Paris („Pest der Lumpenhändler“). Die letzten Pesttoten in Europa wurden 1945 im italienischen Tarent registriert.[2]

Ursprung

Nach Myron Echenberg gab es die ersten Ansteckungen durch pestkranke Murmeltiere. Vom chinesischen Festland gelangte der Erreger über Hongkong und den Kolonialhandel auf andere Kontinente.[2]

Einzelnachweise

  1. ↑ Ärzteblatt (online)
  2. ↑ a b c Clara Hellner: Als Europa die Pest besiegte. In: sueddeutsche.de, 2. Juli 2019.
  3. ↑ Barbara Bramanti, Katharine R. Dean, Lars Walløe, Nils Chr. Stenseth: The Third Plague Pandemic in Europe. In: royalsocietypublishing.org. 17. April 2019, abgerufen am 31. Oktober 2020 (englisch). 
  4. ↑ H. M. Jettmar: Erfahrungen über die Pest in Transbaikalien. In: Medical Microbiology and Immunology, Bd. 97 (Januar 1923), S. 322–329.
  5. ↑ Dan C. Cavanaugh, James E. Williams: Plague: Some Ecological Interrelationsships. In: R. Traub, H. Starcke (Hrsg.): Fleas. Proceedings of the International Conference on Fleas. Ashton Wold, Peterborough, UK, 21–25 June 1977. Rotterdam 1980, S. 245–256, 251.



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  1. Epidemic (Film)
  2. Friedhof Fontanelle
  3. Beulenpest
  4. Black Death (Film)

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