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Gajendra

Noir24admin Hinduismus 21. Juni 2026

Gajendra ist ein bedeutender Elefant in der hinduistischen Mythologie, dessen Geschichte im achten Buch des Bhagavatapurana überliefert ist. Er ist der Protagonist der als Gajendra Moksha (Sanskrit: गजेन्द्र मोक्ष, „Die Befreiung des Elefantenkönigs“) bekannten Erzählung, die als wichtiges Beispiel für bedingungslose Hingabe (Bhakti) und göttliche Gnade im Hinduismus gilt.

Vishnu rettet Gajendra, Darstellung im Brooklyn Museum

Mythologische Geschichte

Vorgeschichte

Der Überlieferung nach war Gajendra in einem früheren Leben ein König namens Indradyumna, ein devotionaler Anhänger Vishnus. Durch einen Fluch des Weisen Agastya wurde er als Elefant wiedergeboren, behielt aber seine spirituelle Neigung bei.

Der Kampf mit dem Krokodil

Als Anführer seiner Herde lebte Gajendra im paradiesischen Garten Rtumat auf dem Berg Trikuta. Bei einem Besuch an einem See wurde er von einem gewaltigen Krokodil (Makara) angegriffen, das sein Bein packte. Trotz seiner großen Kraft konnte sich Gajendra nicht aus dem Griff des Krokodils befreien. Der Kampf dauerte der Legende nach über tausend Jahre.

Die Rettung

Als Gajendra erkannte, dass seine eigene Kraft nicht ausreichte, wandte er sich mit einem Gebet an Vishnu. Er hob seinen Rüssel aus dem Wasser, in dem er eine Lotosblume als Opfergabe hielt. Vishnu erschien daraufhin auf seinem Reittier Garuda und tötete das Krokodil mit seinem göttlichen Diskus Sudarshana Chakra.

Bedeutung

Durch seine vollständige Hingabe (Bhakti) an Vishnu erreichte Gajendra die Befreiung (Moksha) aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara). Er erlangte eine göttliche Gestalt (Sarupya Mukti) und ging in Vishnus himmlisches Reich Vaikuntha ein. Die Geschichte von Gajendra wird im Hinduismus als Allegorie für:

Die Kraft der bedingungslosen Hingabe an das Göttliche Die Überwindung des Ego Die rettende Gnade Gottes in Momenten größter Not

Kulturelle Rezeption

Gajendra ist ein häufiges Motiv in der hinduistischen Kunst, besonders in Tempelskulpturen und Malereien von Vishnu-Tempeln. Seine Geschichte dient in religiösen Diskursen als Beispiel für die transformative Kraft der Hingabe und des Gebets.

Literatur

Anand Aadhar: Bhagavata Purana. Bhagavata, 2012, ISBN 978-1-4783-3658-7.  Bibek Debroy: The Bhagavata Purana. Penguin Books India, New Delhi 2019, ISBN 978-0-14-342570-0. 

Weblinks

  • Gajendra Moksha



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Gajendra aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Ekadashi

Noir24admin Hinduismus 21. Juni 2026

Ekadashi (Sanskrit: एकादशी, romanisiert: Ēkādaśī, wörtlich „Der elfte Tag“) ist der elfte Mondtag (tithi) des zunehmenden (Shukla Pakṣa) und abnehmenden (Kṛṣṇa Pakṣa) Mondzyklus in einem vedischen Kalendermonat.[1] Ekadashi wird im Vaishnavismus, einem der Hauptpfade des Sanatana Dharma, häufig gefeiert. Die Anhänger bringen dem Gott Vishnu ihre Verehrung durch Fasten oder nur symbolisch dar. Bei diesem Fasten, das stark mit der Lebensweise des Sanatana Dharma verwurzelt ist, geht es vor allem darum, Selbstdisziplin und gewisse Verdienste zu erlangen.[2][3]

Im Hinduismus besteht der Hauptzweck des Fastens an Ekadashi darin, die Kontrolle über den Geist und die körperlichen Sinne zu erlangen und sie auf den spirituellen Fortschritt zu lenken. Darüber hinaus hat das Fasten mehrere gesundheitliche Vorteile.[4] Das Ekadashi-Fasten erstreckt sich über drei Tage. Die Gläubigen nehmen eine einzige Mahlzeit am Nachmittag des Tages vor Ekadashi (dasami) zu sich, um sicherzustellen, dass am nächsten Tag keine Essensreste im Magen verbleiben. Am Ekadashi-Tag halten die Gläubigen ein strenges Fasten ohne Essen und Wasser ein und brechen das Fasten am nächsten Tag (dwadashi) erst nach Sonnenaufgang.[5] Da diese Form des Fastens sehr streng ist und aus gesundheitlichen und lebenspraktischen Gründen nicht für alle Menschen möglich ist, wird von den meisten Gläubigen eine liberalere Form des Fastens eingehalten.

Es gibt in dieser Methode verschiedene Arten des Ekadashi-Fastens,[6] die vom vollständigen Verzicht auf Nahrung und Wasser bis zum teilweisen Fasten oder dem Verzehr nur bestimmter Nahrungsmittel reichen. Der Gläubige kann den Fastenansatz wählen, der zu seiner Gesundheit, seinem Lebensstil und seinen spirituellen Zielen passt.[7]

  • Nirjala: Die Gläubigen fasten am Ekadashi-Tag komplett, sogar ohne Wasser.
  • Jalahar: Bei dieser Art des Ekadashi-Fastens nehmen die Gläubigen nur Wasser zu sich.
  • Ksheerbhoji: Bei dieser Art des Ekadashi-Fastens verzehren die Gläubigen Milch und Milchprodukte.
  • Phalahari: Bei dieser Art des Ekadashi-Fastens verzehren die Gläubigen nur Früchte.
  • Naktabhoji: Bei dieser Art des Ekadashi-Fastens nehmen die Gläubigen eine einzige Mahlzeit zu sich. In der Regel im späteren Teil des Tages mit Gerichten aus Sabudana, Singhada, Shakarkand (Yam), Kartoffeln und Erdnüssen. Die Mahlzeit sollte jedoch keine Körner wie Reis, Weizen, Hirse oder Getreide wie Dals und Bohnen enthalten.

Der Zeitpunkt jedes Ekadashi richtet sich nach der Position des Mondes.[8] Der Hindu-Kalender unterteilt den Verlauf von Vollmond zu Neumond in fünfzehn gleiche Bögen von 12°. Jeder Bogen misst einen Mondtag, der als tithi bezeichnet wird. Die Zeit, die der Mond braucht, um eine bestimmte Strecke zurückzulegen, ist die Länge dieses Mondtages. Ekadashi bezieht sich auf den 11. tithi, oder Mondtag. Der elfte tithi entspricht einem bestimmten Winkel und einer bestimmten Phase des zunehmenden und abnehmenden Mondes. In der hellen Hälfte des Mondmonats ist der Mond zu Beginn von Ekadashi genau zu 3/4 voll, und in der dunklen Hälfte des Mondmonats ist der Mond zu 3/4 dunkel.[9]

Normalerweise gibt es 24 Ekadashis in einem Kalenderjahr. Gelegentlich gibt es zwei zusätzliche Ekadashis in einem Hindu-Schaltjahr.[10] Jedem Ekadashi-Tag wird ein besonderer Nutzen zugeschrieben, der durch die Ausführung bestimmter Aktivitäten erreicht wird.[11]

Im Bhagavata Purana (skandha IX, adhyaay 4) wird die Beobachtung von Ekadashi durch Ambarisha, einen Devotee Vishnus, erwähnt.[12]

Legende

Nach der Legende schlief Vishnu oder befand sich in einem meditativen Zustand. Da näherte sich ein Dämon, Murdanav, und versuchte, Vishnu anzugreifen. In diesem Moment entsprang eine schöne Frau aus Vishnus 11. Sinn (oft als „Geist“ bezeichnet). Der verliebte Murdanav hielt um ihre Hand an, worauf sie antwortete, dass sie nur einwilligen werde, wenn er sie im Kampf besiege. Als sie kämpften, wurde Murdanav schließlich getötet. Vishnu erwachte aus seinem Schlaf und segnete die Frau, indem er ihr den Namen „Ekadashi“ gab und erklärte, dass jeder, der an diesem Tag fastet, moksha (Befreiung vom Kreislauf von Geburt und Tod) erlangen werde.[13]

Liste der Ekadashis

Die folgende Tabelle beschreibt die Ekadashis und wann sie in das Jahr fallen.

Vedischer Mondmonat Leitende Gottheit Krishna paksha ekadashi Shukla paksha ekadashi Daten (2024)
Chaitra (चैत्र, März–April) Rama/Vishnu Papavimocani Ekadashi Kamada Ekadashi Papmochani/Papavimocani Ekadashi: 4–5. April

Kamada Ekadashi: 18–19. April (17–18. April in manchen Traditionen)[14][15]

Vaisakha (वैशाख, April–Mai) Madhusudana (Vishnu) Varuthini Ekadashi Mohini Ekadashi Varuthini Ekadashi: 3–4. Mai

Mohini Ekadashi: 18–19. Mai[14][15]

Jyeshtha (ज्येष्ठ, Mai–Juni) Trivikrama (Vishnu) Apara Ekadashi Nirjala Ekadashi Vaishnava Apara & Apara Ekadashi: 2–3. Juni

Nirjala Ekadashi: 17–18. Juni[14][15]

Ashada (आषाढ, Juni–Juli) Vamana Yogini Ekadashi Shayani Ekadashi Yogini Ekadashi: 1–2. Juli

Devshayani (Shayani) Ekadashi: 16–17. Juli (15–16. Juli in einigen Traditionen)[14][15]

Shravana (श्रावण, Juli–August) Sridhara Kamika Ekadashi Shravana Putrada Ekadashi Kamika Ekadashi: 30–31. Juli

Shravana Putrada Ekadashi: 15–16. August[Note 1][14][15]

Bhadrapada
(भाद्रपद, August–September)
Hrishikesha[16] Annada Ekadashi Parsva Ekadashi Aja (Annada) Ekadashi: 29–30. August

Parsva Ekadashi: 13–14. September[14][15]

Ashvina (अश्विन्, September–Oktober) Padmanabha Indra Ekadashi[17] Pasankusa Ekadashi Indira (Indra) Ekadashi: 27–28. September

Papankusha Ekadashi: 13–14. Oktober[14][15]

Kartik (कार्तिक, Oktober–November) Damodara Rama Ekadashi[18] Prabodhini Ekadashi Rama Ekadashi: 27–28. Oktober

Devutthana Ekadashi: 11–12. November[14][15]

Margashirsha (Agrahayana)
(मार्गशीर्ष, November–Dezember)
Keshava Utpanna Ekadashi Mokshada Ekadashi/Vaikuntha Ekadashi Utpanna Ekadashi: 26–27. November

Mokshada & Guruvayur(Vaikuntha) Ekadashi: 11–12. Dezember[14][15]

Pausha (पौष, Dezember–Januar) Narayana (Vishnu/Krishna) Saphala Ekadashi Pausha Putrada Ekadashi/Vaikuntha Ekadashi Saphala Ekadashi: 7–8. Januar (11–12. Januar in östlichen Traditionen)

Pausha Putrada Ekadashi: 20–21. Januar[14][15]

Magha (माघ, Januar–Februar) Madhava Shattila Ekadashi Bhaimi Ekadashi/Jaya Ekadashi Shattila Ekadashi: 5–6. Februar
Bhaimi/Jaya Ekadashi: 19–20. Februar[14][19][20][15]
Phalguna (फाल्गुन, Februar–März) Govinda (Krishna) Vijaya Ekadashi Amalaki Ekadashi Vaishnava Vijaya & Vijaya Ekadashi: 6–7. März (4–5. März in einigen Traditionen)

Amalaki Ekadashi: 20–21. März[14][15]

Adhika-Monat
(अधिक, einmal in 2–3 Jahren)
Purushottama Padmini Vishuddha Ekadashi Parama Shuddha Ekadashi

Weblinks

Commons: Ekadashi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Notizen

  1. ↑ Das Fasten beginnt ggf. einige Tage früher.

Einzelnachweise

  1. ↑ What is Ekadashi? Its types, benefits of Ekadashi fast and foods to be eaten In: The Times of India. Abgerufen am 20. April 2021 (englisch). 
  2. ↑ Constance Jones, James D. Ryan: Encyclopedia of Hinduism. Infobase Publishing, 2006, ISBN 978-0-8160-7564-5, S. 147 (englisch, google.com). 
  3. ↑ J. Gordon Melton: Religious Celebrations: An Encyclopedia of Holidays, Festivals, Solemn Observances, and Spiritual Commemorations. ABC-CLIO, 2011, ISBN 978-1-59884-205-0, S. 490 (englisch, google.com). 
  4. ↑ M.R. Suchitra, S. Parthasarathy: Intermittent Fasting on the Ekadashi Day and the Role of Spiritual Nutrition. In: Current Research in Nutrition and Food Science Journal. 9. Jahrgang, Nr. 1, 16. April 2021, S. 122–126, doi:10.12944/CRNFSJ.9.1.12 (englisch, foodandnutritionjournal.org). 
  5. ↑ Ekadashi Fast. In: riversidetemple.org. Abgerufen im 1. Januar 1 (englisch). 
  6. ↑ Devshayani Ekadashi Fastenregeln: Arten des Ekadashi-Fastens … In: The Times of India (englisch). 
  7. ↑ Manish Verma: Fasts and Festivals of India. Diamond Pocket Books (P) Ltd., 2013, ISBN 978-81-7182-076-4, S. 65 (englisch, google.com). 
  8. ↑ Ekadashi Termine & Fastenzeiten (Parana) für 2018 - Ekadashi Katha - Ekadashi Svarupa Darsana. In: Ekadashi Svarupa Darsana. Archiviert vom Original am 13. Juni 2018; abgerufen am 30. Mai 2018 (amerikanisches Englisch). 
  9. ↑ The Hindu Calendar. In: timeanddate.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch). 
  10. ↑ Konstantin Bikos: Schaltmonate und Schalttage im Hindu-Kalender. Abgerufen im 1. Januar 1. 
  11. ↑ Danvir Goswami, Kushakrita Das: Sri Garga Samhita. Rupanuga Vedic College Publishing, 2010 (englisch). 
  12. ↑ Bhaktivedanta Swami Prabhupada: Srimad Bhagavatam - Canto Nine. The Bhaktivedanta Book Trust, 1995, ISBN 978-81-89574-91-8, S. 85–170 (englisch). 
  13. ↑ Mokshada Ekadasi. ISKCON, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 26. November 2012 (englisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.hknet.org.nz (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive) 
  14. ↑ a b c d e f g h i j k l Drik Panchang - Ekadashi Dates. In: Drik Panchang. Abgerufen am 4. Mai 2025 (englisch). 
  15. ↑ a b c d e f g h i j k l Vraj Vrindavan - Ekadashi Dates. In: Vraj Vrindavan. Abgerufen im 1. Januar 1 (englisch). 
  16. ↑ N.A: The Skanda-Purana Part 1. Motilal Banarsidass Publishers, Delhi 1950, S. 154 (18.31–32) (englisch, archive.org). 
  17. ↑ Indira Ekadashi 2019: Date, Times, Puja Vidhi, Shubh Mahurat and all you need to know - Times of India In: The Times of India. Abgerufen am 27. Dezember 2019 (englisch). 
  18. ↑ Rama Ekadashi 2019: आज है रमा एकादशी, जानिए शुभ मुहूर्त, पूजा विधि, व्रत कथा और महत्‍व. (deutsch: Rama Ekadashi 2019 – Date, Time, Significance, Auspicious Time, Puja Vidhi, Vrat Katha and Lakshmi-Puja). In: NDTVIndia. Abgerufen am 27. Dezember 2019 (Hindi). 
  19. ↑ Drik Panchang – Bhaimi Ekadashi Date and Parana Time. In: Drik Panchang. Abgerufen im 1. Januar 1 (englisch). 
  20. ↑ Hare Krishna Calendar - Bhaimi Ekadashi 2023. In: Hare Krishna Calendar. 9. Oktober 2019; abgerufen im 1. Januar 1 (englisch). 



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Ekadashi aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Erleuchtung

Noir24admin Hinduismus 21. Juni 2026

Erleuchtung (von althochdeutsch arliuhtan „erleuchten“, mittelhochdeutsch erliuhtunge „Aufleuchten“, „Erleuchtung“; lateinisch illuminatio), auch Illumination, bezeichnet eine religiös-spirituelle Erfahrung, bei der ein Mensch sein Alltagsbewusstsein überschritten hat und eine dauerhafte Einsicht in eine – wie auch immer ausgeprägte – gesamtheitliche Wirklichkeit aus Immanenz und Transzendenz erlangt. Im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter „Erleuchtung“ gewöhnlich eine plötzliche Erkenntnis oder Eingebung.

Über die Vorgänge, die mit dem Begriff Erleuchtung im religiösen Sinn bezeichnet werden, und die Gründe ihres Auftretens gibt es unterschiedliche Auffassungen, die mit dem jeweiligen philosophischen oder religiösen Hintergrund des Beurteilenden zusammenhängen. In manchen Fällen wird Erleuchtung als spontan eingetretener Durchbruch oder als aus eigener Kraft erlangtes Endergebnis eines Prozesses geistiger Übung und Entwicklung aufgefasst, nach anderen Interpretationen ist sie göttlicher Gnade zu verdanken, und wieder andere konstatieren eine Verbindung von beidem. Gewöhnlich ist mit dem Erlebnis der Erleuchtung eine tiefgreifende und nachhaltige Veränderung der Persönlichkeit verbunden.

In den europäischen Traditionen wird Erleuchtung oft zu den mystischen Erfahrungen gezählt. In Christentum, Judentum und Islam wird zumeist der Begriff Erlösung verwendet, was eine eher passiv erfahrene Befreiung vom Leid bezeichnet, im Gegensatz zur aktiv „erarbeiteten“ Erleuchtung, die bspw. Hinduismus und Buddhismus betonen. In der Terminologie asiatischer Religionen kommen keine Ausdrücke vor, die genau dem europäischen Begriff „Erleuchtung“ entsprechen, doch spielen solche Konzepte in vielen östlichen Traditionen eine zentrale Rolle als Lebensziel jedes Individuums, bspw. im Hinduismus Moksha und im Buddhismus u. a. Nirwana, Bodhi oder Satori.

Begriffsgeschichte

Antike

Der Begriff „Erleuchtung“ stammt aus der antiken philosophischen Lichtmetaphorik. Den Ausgangspunkt seiner Entstehung bildeten Stellen in Platons Dialog Politeia und in dem Platon zugeschriebenen Siebten Brief. In der Politeia stellt Platon fest, es sei zuerst herauszufinden, worin die Gerechtigkeit im Staat besteht, und das Ergebnis dieser Untersuchung sei dann auf die Individuen zu übertragen. Man solle die staatliche und die individuelle Gerechtigkeitsbestimmung vergleichend betrachten und wie zwei Feuerhölzer gegeneinander reiben, dann werde man vielleicht die Gerechtigkeit wie einen Funken herausblitzen lassen, das heißt zur plötzlichen Erkenntnis ihres allgemeinen Wesens gelangen.[1] Der Verfasser des Siebten Briefs schreibt, die Erkenntnis des Sinns von Platons „ungeschriebener Lehre“ sei eine Frucht häufiger gemeinsamer Bemühung der Philosophen, doch entstehe sie in der Seele nicht allmählich, sondern plötzlich, wie ein Feuer, das von einem übergesprungenen Funken entfacht wird. Dann nähre sie sich aus sich heraus weiter.[2] Man solle Benennungen, Erklärungen, Ansichten und Wahrnehmungen aneinander reiben und so prüfen, dann könnten Einsicht und Verständnis über jeden Gegenstand aufleuchten.[3] Das Aufleuchten bildet nach dem Siebten Brief den Abschluss eines fünfstufigen Erkenntnisprozesses, dessen erste vier Schritte diskursiv sind.

An diese Stellen und an die Lichtmetaphorik von Platons Sonnengleichnis und Höhlengleichnis knüpft die neuplatonische Metaphysik des Lichts an. Im 3. Jahrhundert entwickelte Plotin, der Begründer des Neuplatonismus, eine Lehre von der Schau des Lichts des Einen. Dabei tritt eine Erleuchtung des schauenden Philosophen im Sinne des noch heute gängigen religiösen Erleuchtungsbegriffs ein.

Der neuplatonische Begriff eklampsis oder ellampsis („Hervorleuchten“)[4] wurde von den antiken Kirchenvätern aufgegriffen. Vor allem der sehr einflussreiche spätantike Kirchenvater Augustinus († 430) schuf aus dem neuplatonischen Gedankengut eine christliche Theorie der „Illumination“ (Erleuchtung). Für ihn ergibt sich die Erleuchtung aus der Präsenz des göttlichen Lichts in der Seele.

Mittelalter und Neuzeit

Im Mittelhochdeutschen wurden die Wörter erliuhten und erliuhtunge sowohl im physischen als auch im übertragenen religiösen Sinn verwendet.[5] Auch in der Frühen Neuzeit waren beide Bedeutungen von „erleuchten“ und „Erleuchtung“ geläufig.[6]

Im allgemeinen Sprachgebrauch des 20. und 21. Jahrhunderts hat „Erleuchtung“ in erster Linie die Bedeutung „plötzliche Erkenntnis“, „Einfall“, „Gedankenblitz“, „Eingebung“ bzw. „Inspiration“. Diese Begriffsverwendung knüpft an die religiöse an, doch geht es oft um einen nichtreligiösen Zusammenhang. Es wird eine plötzliche, oft wunderbar anmutende Klarheit über eine Frage oder ein Problem erlangt, und die Eindrücklichkeit einer solchen blitzartigen Erkenntnis soll durch die Bezeichnung „Erleuchtung“, die an religiöse Erleuchtungserlebnisse erinnert, betont werden.[7]

20. und 21. Jahrhundert

Im allgemeinen Sprachgebrauch des 20. und 21. Jahrhunderts hat „Erleuchtung“ in erster Linie die Bedeutung, dass man ein „Allwissender“ wird.

Es gibt jedoch auch Kritiker, die argumentieren, dass der Begriff der Erleuchtung in der heutigen Zeit überbeansprucht und oft fehlerhaft verwendet wird. Einige behaupten, dass es unmöglich ist, alle Aspekte der Wirklichkeit zu erfassen und zu verstehen, und dass die Idee einer vollständigen Erleuchtung daher unrealistisch ist. Andere argumentieren, dass die Vorstellung, dass Erleuchtung nur der krönende Abschluss eines stetigen Bemühens ist, den Fokus auf das Ergebnis und nicht auf den Prozess legt und somit den Wert des persönlichen Wachstums und der Transformation reduziert, die während des Erleuchtungsprozesses auftreten können.

Trotz dieser Diskussionen bleibt die Idee der Erleuchtung ein faszinierendes Konzept, das von vielen Menschen auf der ganzen Welt angestrebt wird. Es gibt verschiedene Wege und Methoden, die zur Erleuchtung führen sollen, von religiösen Praktiken bis hin zu spirituellen Techniken und Selbsthilfe-Methoden. Einige glauben, dass Erleuchtung ein Zustand ist, der nur von wenigen erreicht werden kann, während andere glauben, dass es ein Ziel ist, das von jedem angestrebt werden kann.

Letztendlich bleibt die Bedeutung der Erleuchtung jedoch ein individuelles Konzept und kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Egal ob als ein Abschluss eines stetigen Bemühens oder als eine plötzliche Erkenntnis verstanden wird, das Streben nach Erleuchtung kann eine Quelle der Inspiration, der Transformation und der spirituellen Entwicklung sein.

Buddhismus

→ Hauptartikel: Bodhi

Im Buddhismus hat der Begriff des Erwachens (sanskrit bodhi) eine zentrale Bedeutung. Er findet sich in den Wörtern „Buddha“ („der Erwachte“) und „Bodhisattva“ wieder. Bodhi kommt von der Sanskrit-Wurzel budh, die „aufwachen, erkennen, wahrnehmen, verstehen“ bedeutet. Als deutsche Übersetzung wird jedoch auch in buddhistischer Literatur sehr häufig „Erleuchtung“ gewählt, auch wenn dies der Etymologie weniger entspricht.[8]

Es gibt zwei aufeinanderfolgende Stufen des buddhistischen Erwachens. Die erste stellt die individuelle Befreiung aus dem Leidenskreislauf der fühlenden Wesen, dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara), dar. Der Erwachte hat alle Ursachen des Leidens aus seinem Geist entfernt und erlebt nur noch Frieden. Dies wird „Erlangen des Nirvana“ genannt. Nach der Lehre des Mahayana-Buddhismus gibt es eine zweite Entwicklungsstufe, auf der das vollständige Erwachen eintritt, mit dem zusätzlich umfassendes Wissen erlangt wird.

Nach buddhistischer Überlieferung erlangte Siddhartha Gautama, der historische Buddha, in Bodhgaya den Zustand eines Erwachten, nachdem er viele Wochen unter einer Pappel-Feige meditiert hatte. Einige Zeit danach begann er seine Erkenntnis in Lehrreden mitzuteilen. Seine Lehre besagt, dass jedes Lebewesen das Potential habe, dauerhaften Frieden und Bodhi zu erlangen. Er lehrte etwa 45 Jahre und starb in hohem Alter. Nach der buddhistischen Tradition ging er in das Parinirvana ein.

Nach den Lehren des Theravada-Buddhismus strebt der buddhistische Übende Bodhi an, um den Leidenskreislauf der Wiedergeburten zu verlassen. Im Mahayana-Buddhismus hingegen geht es um die Entwicklung des Bodhi-Geistes (sanskrit bodhicitta, deutsch in der Regel als „Erleuchtungsgeist“ übersetzt). Das bedeutet, dass der Übende zum Nutzen aller fühlenden Wesen Bodhi erlangen will. Er will nicht ins Nirvana eintreten, solange nicht alle anderen fühlenden Wesen ebenfalls Bodhi erlangt haben. Dies wird im Bodhisattva-Gelübde ausgedrückt.

Es gibt zwei unterschiedliche Lehrmeinungen im Mahayana über bodhi: ein Konzept der spontanen Erleuchtung in der „Südlichen Schule“ und eines der allmählichen meditativen Selbstvollendung in der „Nördlichen Schule“.[9] Auch bei der spontanen Erleuchtung handelt es sich nach diesen Lehren nicht um einen einmaligen, abschließenden Vorgang. Vielmehr haben alle Meister ihre erlangte Einsicht jahrzehntelang, oft auch bei anderen Meistern, vertieft. Diese Auffassung entspricht der Vorstellung, eine blitzartige Erleuchtung sei der gelassenen, geduldigen meditativen Übung abträglich.

Der Zen-Buddhismus bezeichnet entsprechende Erfahrungen als Satori, aber auch der Begriff Kenshō gehört in dieses Umfeld.

Siehe auch: Erlösung#Buddhismus und Erlösung im Buddhismus

Hinduismus

Im Jnana Yoga wird für „höheres Wissen“ der Begriff Jnana verwendet. Dieses spirituelle Wissen beinhaltet in der Advaita-Philosophie die endgültige Erkenntnis der Einheit zwischen Atman (individueller Seele) und Brahman (absolutem Bewusstsein, Weltseele). Das Ziel ist die Erlösung (Moksha) aus dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara).

Im Raja Yoga ist die höchste Stufe Samadhi, die völlige Ruhe des Geistes. Das letztendlich angestrebte Stadium ist Nirvikalpa-Samadhi, der formlose Zustand, in dem es keine Unterscheidung mehr zwischen Subjekt und Objekt gibt und die Einheit mit Brahman erreicht ist. Nirvikalpa Samadhi wird jedoch von einigen als temporärer Zustand angesehen. Als permanenter Zustand der Nicht-Dualität gilt Sahaja-Samadhi, der natürliche Zustand, in dem das universelle Selbst während aller Aktivitäten verwirklicht ist, nachdem die Identifikation mit dem begrenzten Ego aufgehoben wurde.

In der Samkhya-Philosophie wurde der Begriff buddhi („Erkennen“) etabliert. Ziel des Samkhya wie auch des Yoga ist es, eine Unterscheidung zwischen Purusha, dem absoluten Geist, und Prakriti, der Urmaterie, herbeizuführen. Zur Prakriti zählen die Elemente, die Sinneswahrnehmungen, das Denken (Manas), die Unterscheidungsfähigkeit (Buddhi) und das Ich-Bewusstsein (Ahamkara). Yoga wie Samkhya sind im Gegensatz zu Advaita Vedanta streng dualistisch. In Hindi bedeutet buddhi heute „Verstand, Intelligenz, Wissen.“

Siehe auch: Erlösung#Hinduismus und Erlösung im Hinduismus

Alevitentum

Der Glaube der Aleviten ist stark vom Universalismus bestimmt. Im Zentrum steht der Mensch als eigenverantwortliches Wesen. Als wichtig gilt das Verhältnis zum Mitmenschen und zur Natur. Die Frage nach dem Tod und den Jenseitsvorstellungen ist demgegenüber nebensächlich, vielmehr steht das diesseitige Leben im Vordergrund. Die menschliche Seele gilt als unsterblich, sie strebt durch ethischen Fortschritt Vollkommenheit und damit auch eine unmittelbare Erleuchtung an.

Jainismus

Im Jainismus ist wie in anderen Traditionen indischen Ursprungs der Begriff bodhi für Erleuchtung geläufig. Als Ehrentitel für Mahavira, den Gründer der Religionsgemeinschaft, werden „Jina“ und auch „Buddha“ verwendet. Die wörtliche Bedeutung von bodhi ist „perfektes Wissen“ oder „Weisheit“ (wodurch ein Mensch zum Buddha oder Jina wird), der erhellte oder erleuchtete Geist eines Buddha oder Jina. Wie auch im Buddhismus und Hinduismus ist Erleuchtung im Jainismus gleichbedeutend mit der Befreiung vom Samsara.

Der Jainismus geht davon aus, dass durch jede Betätigung des Menschen feine Materie in die Seele (jiva) einströmt und sich an ihr festsetzt. Diese Materie bezeichnen die Jainas als Karma. Sie bindet die Seele. Im Jainismus wird durch Askese danach gestrebt, das in die Seele eingedrungene Karma zu vernichten und auf diese Weise die Verstrickung in den Leidenskreislauf zu beenden. Allwissenheit wird erreicht, wenn die Seele durch Vernichtung des eingedrungenen Karmastoffs in den unbeschränkten Besitz ihrer natürlichen Fähigkeiten (Schauen, Erkennen, Kraft, Wonne) und damit auch ihres unbegrenzten Wissens gelangt.

Daoismus

Daoistische Erleuchtung wird als Erlangung des ewigen Dao und Einswerdung mit ihm erklärt (siehe Zhenren, Daoistische Mystik). Dabei nimmt der Daoismus nicht auf eine göttliche Wesenheit Bezug, jedoch können die jeweils traditionell verehrten Götter eine Rolle spielen. Das grundlegende Werk ist auch für den religiösen Daoismus das Daodejing von Laozi, daneben werden aber im Daozang eine Vielzahl von Methoden zur Erlangung der Erleuchtung dargestellt.

Bei den Daoisten heißt es: „Um zu deinem wahren Sein zurückzukehren, musst du ein Meister der Stille werden. Sitze regungslos wie ein Stein und lasse deinen Geist ruhig werden. Kehre den Geist in sich selbst und betrachte das innere Leuchten.“ Im Unterschied zu den indischen Religionen geht der Daoismus nicht von einem Kreislauf der Wiedergeburten aus.

Der Unterschied zwischen dem buddhistischen Nirvana und dem Dao besteht darin, dass es sich bei dem Dao um ein transzendentes Wirkprinzip handelt, das der manifestierten Welt immanent ist. Es gilt als die Ursache von allem, als das einzig wahrhaft Seiende. Das Dao stellt die Ordnung der Dinge dar, sodass jedes Wesen und jedes Ding seinen eigenen Weg, sein eigenes Dao hat. Es geht im Daoismus nicht wie in anderen Traditionen darum, eine als illusionär betrachtete Welt zu überwinden, sondern die Harmonie zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos zu finden.

Judentum, Christentum, Islam

Erleuchtungserfahrungen sind im Judentum, im Christentum und im Islam kein primäres religiöses Ziel, sondern als das Wesentliche gilt die Erfüllung von Gottes Willen. Ein zentralerer Begriff ist stattdessen Erlösung. Dennoch gibt es insbesondere im christlichen Kulturkreis viele Berichte über Erleuchtungserfahrungen.

Christentum

Augustinus meinte, dass alles menschliche Erkennen nur durch Erleuchtung ermöglicht wird. In seiner Frühschrift Über den Lehrer umschreibt er diese Annahme mit dem Hinweis auf den „inneren Lehrer“, das „Wort Gottes“, das jeden Menschen über alles belehrt, was er wissen kann: die Welt, sich selbst und Gott. Der Mensch kann nur etwas wissen, weil Gott den Menschen erleuchtet. So ähnlich wie das Auge ohne das Licht der Sonne nichts wahrnehmen kann, kann auch der Mensch ohne das Licht Gottes nichts erkennen. Die Gotteserkenntnis geschieht in der Erleuchtung durch Gott selber. Sie ist zugleich ein göttlicher Akt der Gnade und der menschliche Akt, über sich selber hinauszugehen.[10]

In der christlichen Aszetik stellt nach Pseudo-Dionysius, der sich in seinem Modell an platonischen Vorstellungen anlehnt, die Erleuchtung (griechisch Photismos) die zweite der drei Stufen des mystischen Erkennens dar. Im 13. Jahrhundert wird diese Dreiteilung sowohl von dem Kartäuser Hugo de Balma in seiner Schrift Viæ Sion lugent als auch vom Franziskaner Bonaventura in De triplici via aufgegriffen. In beiden findet sich die lateinische Bezeichnung via illuminativa. Während Hugo diesen Erleuchtungsweg gemäß Dionysius mystisch versteht, begreift ihn Bonaventura als Abschnitt auf dem Weg zur Vollkommenheit.[11]

In der scholastischen Philosophie ist das „Erkenntnislicht“ (lumen intellectuale), das jedem Menschen zu eigen ist und ihn zur Erkenntnis befähigt, ein Abbild des ungeschaffenen Lichtes, an dem der Mensch durch die Erkenntnis der ewigen Wesensbilder Anteil hat.[12]

In den Ostkirchen spielen im Kontext der Erleuchtung Lichterscheinungen wie etwa das Taborlicht vielerorts eine wichtigere Rolle als in den Westkirchen. Besonders unter den orthodoxen Mönchen ist die individuelle Erleuchtung nach wie vor ein wichtiges Ziel; Erleuchtete werden auch von den Laien gern aufgesucht und genießen vor allem als Geistliche Väter und Starzen äußerst hohes Ansehen. Dabei handelt es sich meist nicht um Priester oder Theologen.

Helligkeit und Lichterscheinungen sind in diesem Kontext in allen christlichen Kirchen bekannt und finden sich auch in den ikonographischen Darstellungen (Heiligenscheine) und auch in Nahtodberichten.

Martin Luther ist tief in der mystischen Tradition verwurzelt. Eigene Gotteserfahrungen, langjähriges Leben als Mönch sowie Schriften des Mystikers Johannes Tauler gaben ihm Kraft und Mut, seine reformatorische Rechtfertigungslehre „allein aus dem Glauben“ sowie seine Lehre vom „allgemeinen Priestertum aller Gläubigen“ zu formulieren und standhaft zu vertreten. Ähnlich wie viele Mystiker sah und beschrieb er Gott als Bräutigam und die menschliche Seele als Braut; genau deshalb sah er in solch einer Liebesbeziehung keinen Bedarf für kirchliche Vermittlungsdienste. Allerdings grenzte er sich deutlich von den Schwärmern ab, und viele seiner Nachfolger vertreten eher skeptische Einstellungen zur Mystik.[13]

In jüngerer Zeit hat Peter Dyckhoff im Auftrag von Radio Vatikan in einer Literaturarbeit auch aktuelle Interpretationen zum Thema Erleuchtung im Christentum beschrieben. Heute wird Erleuchtung generell als Zustand oder Moment des Eins-Seins mit Gott – also Jesus gleich – gelehrt und verstanden, wobei dieses in den meisten Fällen beim Menschen erst nach seinem irdischen Tod entsteht oder seltener, noch zu seinen Lebzeiten. In solch einem Moment wird dem Menschen durch Gott der Heilige Geist eingehaucht und die Erlösung geschenkt. Nach Hinweisen im Neuen Testament wird zum Zeitpunkt der Erleuchtung auch Wahrheit, Erkenntnis und Wissen über Zukünftiges durch den Heiligen Geist ermöglicht. Auch erinnert demnach der Heilige Geist den Erleuchteten an alles, was Jesus gesagt hat. In diesem Zusammenhang wird vielerorts – besonders hervorgehoben durch einen bedeutenden Feiertag in der Ostkirche – die Verklärung Jesu am Berg Tabor als Erleuchtung verstanden, wonach drei Jüngern ein Vorausblick auf das Paradies gegeben wird, in dem der Mensch im erleuchteten Zustand, also ausschließlich in der vollkommenen Liebe Gottes, leben wird.

Islam

→ Hauptartikel: Schau Gottes

Die Vertreter der mystischen Strömung innerhalb des Islam sind die Sufis. Ihr oberstes Ziel ist, Gott so nahezukommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen. Dabei wird Gott bzw. die Wahrheit als „der Geliebte“ erfahren. Der Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Durch die Liebe wird der Sufi zu Gott geführt, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren und nicht erst auf das Jenseits zu warten. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip, zu sterben, bevor man stirbt, wider, das überall im Sufismus verfolgt wird. Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Ego (an-nafs al-ammara) so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele (an-nafs al-safiya) ist. Diese letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten.

Die mystische Gotteserfahrung ist der Zustand des Einsseins (tauhid) mit Gott, was man am ehesten mit „Erleuchtung“ (Ischraq, arabisch išrāq; vgl. Schihab ad-Din Yahya Suhrawardi als Vertreter der philosophisch-mystischen Richtung des išrāq)[14] beschreiben könnte, auch wenn dieser Begriff im Islam nicht verwendet wird.

Judentum

Die Basis kabbalistischer Traditionen ist die Suche des Menschen nach der Erfahrung einer unmittelbaren Beziehung zu Gott. Eine Neuinterpretation durch Isaak Luria im 16. Jahrhundert betont die Schöpfung und Erlösung.

Moderne westliche Spiritualität

Der Begriff Erleuchtung wurde oft im Zusammenhang mit asiatischen, religiösen Traditionen in den letzten zwei Jahrhunderten in verschiedenen spirituell-religiösen Gemeinschaften, Lehren und Zusammenhängen benutzt. Welche spirituellen Lehrer in jüngerer Vergangenheit als erleuchtet angesehen werden, unterscheidet sich dabei im Westen oft sehr vom indischen Kulturraum. Zu den weltweit bekanntesten solchen Lehrern seit Mitte des 20. Jahrhunderts zählen Osho, Alan Watts und Eckhart Tolle.

Tolle, der sein „spirituelles Erwachen“ in seinem ersten Buch beschreibt, greift in seinen Werken auf Elemente aus verschiedenen Traditionen wie etwa der christlichen Mystik, dem Sufismus und dem Buddhismus zurück. Auch andere Autoren haben über solche Erlebnisse berichtet. Vielfach wird dabei von dem Bedürfnis berichtet, Freunde und Mitmenschen daran teilhaben zu lassen. Allerdings sei es für „Unerleuchtete“ schwierig bis unmöglich, den Bewusstseinszustand der „Erleuchtung“ nachzuvollziehen oder zu verstehen. Osho schlug in den 1970er-Jahren diesen Bereich als Forschungsgebiet für die Psychologie vor. Die transpersonale Psychologie griff ebenfalls das Thema auf.

Seit Mitte der 1990er Jahre breitete sich in Europa und den USA die „Satsang“-Bewegung aus. Deren spirituelle Lehrer, die sich meist auf Ramana Maharshi und H. W. L. Poonja als Lehrer und Vorgänger berufen, werden von ihren Anhängern als erleuchtet angesehen, bspw. Gangaji und ihr Ehemann Eli Jaxon-Bear sowie im deutschsprachigen Raum Cedric Parkin, Pyar Troll-Rauch, Madhukar, Samarpan und Christian Meyer. Ursprung der Bewegung ist der auf die Erlangung des unpersönlichen Göttlichen abzielende Advaita-Vedanta, von deren Anhänger sie aber als Neo-Advaita kritisiert wird.

Der amerikanische spirituelle Lehrer Andrew Cohen hat den Begriff „evolutionäre Erleuchtung“ geprägt. Seine Idee ist, dass sich nicht nur das sog. höhere Selbst entwickeln solle, sondern auch das höhere Wir. Thomas Steininger, der damals Schüler von Gangaji war, schreibt über Cohen: „Andrew Cohen sprach damals noch nicht von ‚Evolutionärer Erleuchtung‘, aber er sprach über das Ego in einem ganz anderen Ton, als ich es gewohnt war: Was ist der Wert einer kosmischen Erfahrung, wenn mein Miteinander mit anderen weiterhin von Selbstbezogenheit und Arroganz geprägt ist?“[15] Seinen Anhängern und auch seinem früheren Lehrer H. W. L. Poonja gilt/galt Cohen als erleuchtet im traditionellen Sinne.

Literatur

Übersichtsdarstellungen

  • Christoph Elsas u. a.: Erleuchtung. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 2, Mohr Siebeck, Tübingen 1999, ISBN 3-16-146942-9, Sp. 1429–1432
  • Hans-Peter Müller, Josef Weismayer: Erleuchtung. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 3, Herder, Freiburg 1995, ISBN 3-451-22003-2, Sp. 796–798
  • Falk Wagner: Erleuchtung. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 10, de Gruyter, Berlin 1982, ISBN 3-11-008575-5, S. 164–174
  • Gotthard Fuchs: Erleuchtung. In: Christian Schütz (Hrsg.): Praktisches Lexikon der Spiritualität. Herder, Freiburg i.Br. u. a. 1992, ISBN 3-451-22614-6, Sp. 316–319
  • Almut-Barbara Renger: Erleuchtung. Kultur- und Religionsgeschichte eines Begriffs. Herder, Freiburg i. Br. / Basel / Wien 2016, ISBN 978-3-451-80971-2

Allgemeines

  • Günther K. Lehmann: Die Erleuchtung: Die Unio Mystica in Philosophie und Geschichte. Leipziger Uni-Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-99-9.
  • Ulrich Niemann, Marion Wagner: Visionen – Werke Gottes oder Produkt des Menschen? Theologie und Humanwissenschaft im Gespräch. Pustet, Regensburg 2005, ISBN 3-7917-1954-8.

Philosophie

  • Werner Beierwaltes: Erleuchtung. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 2, Schwabe, Basel 1972, Sp. 712–717
  • Werner Beierwaltes: Lux intelligibilis. Untersuchung zur Lichtmetaphysik der Griechen. München 1957 (Dissertation)

Östliche Traditionen

  • John Blofeld: Der Taoismus oder die Suche nach Unsterblichkeit. 6. Auflage, Diederich, München 1998, ISBN 3-424-00871-0.
  • Heinrich Dumoulin: Der Erleuchtungsweg des Zen im Buddhismus. Fischer-Taschenbücher, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-436-02212-8
  • Peter N. Gregory (Hrsg.): Sudden and Gradual. Approaches to Enlightenment in Chinese Thought. University of Hawaii Press, Honolulu 1987, ISBN 0-8248-1118-6
  • Jack Kornfield: Das Tor des Erwachens. Heyne, München 2003, ISBN 3-453-87427-7
  • Daisetz T. Suzuki: Satori. Der Zen-Weg zur Befreiung. Die Erleuchtungserfahrung im Buddhismus und im Zen. 3. Auflage, Barth, Bern 1996, ISBN 3-502-64594-9

Weblinks

Wikiquote: Erleuchtung – Zitate

Fußnoten

  1. ↑ Platon, Politeia 435a.
  2. ↑ Platon, Siebter Brief 341c–d.
  3. ↑ Platon, Siebter Brief 344b.
  4. ↑ Siehe zu diesem Begriff Werner Beierwaltes: Denken des Einen, Frankfurt am Main 1985, S. 272 und Werner Beierwaltes: Proklos. Grundzüge seiner Metaphysik, 2. Auflage, Frankfurt am Main 1979, S. 288–294, 378.
  5. ↑ Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. 1, Leipzig 1872, Nachdruck Stuttgart 1974, Sp. 652 f.
  6. ↑ Beispiele bei Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Bd. 3, Leipzig 1862, Sp. 903 f.
  7. ↑ Beispiele bei Ruth Klappenbach, Wolfgang Steinitz (Hrsg.): Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, Bd. 2, 2. Auflage, Berlin 1968, S. 1121; Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden, 3. Auflage, Bd. 3, Mannheim 1999, S. 1085.
  8. ↑ Beispiel: Buchtitel Santideva: Eintritt in das Leben zur Erleuchtung Eugen Diderichs Verlag, München 1997. (Original: Bodhicaryvatara, aus dem Sanskrit übersetzt von Ernst Steinkellner). – Dalai Lama: Der Friede beginnt in dir. Herder Verlag, Freiburg 1998. (Ins Deutsche übersetzt von Corinna Chung, Sabine von Minden und Khyentse Jigme Rinpoche).
  9. ↑ Ernst Schwarz (Übersetzer): Bi-Yän-Lu. Aufzeichnungen des Meisters vom Blauen Fels. Koan-Sammlung, München 1999, S. 24 f., 254, 311.
  10. ↑ Ernst Cassirer: Nachgelassene Manuskripte und Werke, Band 6: Vorlesungen und Studien zur philosophischen Anthropologie, Hamburg 2005, S. 66 f.
  11. ↑ Otto Zimmermann: Lehrbuch der Aszetik, Freiburg 1932, S. 75–77.
  12. ↑ Thomas von Aquin, Summa theologica I, q. 84, a. 5.
  13. ↑ Gerhard Wehr: Die deutsche Mystik: Leben und Inspirationen gottentflammter Menschen in Mittelalter und Neuzeit, Köln 2006, S. 180–204.
  14. ↑ Gotthard Strohmaier: Avicenna. Beck, München 1999, ISBN 3-406-41946-1, S. 130 f.
  15. ↑ Thomas Steininger: Erfahrungen mit Andrew Cohen – Die Evolution der Erleuchtung (Memento vom 22. März 2010 im Internet Archive). magazin info3, Mai 2005.
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Dharana

Noir24admin Hinduismus 21. Juni 2026

Dharana (Sanskrit, धारणा, dhāraṇā, von dhri, unterstützen, tragen, halten) bedeutet Konzentration und ist im indischen Raja Yoga die 6. Stufe von Patanjalis achtgliedrigem Pfad. Die ersten fünf Stufen bereiten den Geist vor, stiller zu werden. In Dharana richtet der Übende seinen Geist auf einen Gegenstand aus (Yogasutra 3.1). Das kann ein Punkt im Körper sein, ein Mantra, die Atmung, etwas Transzendentales wie die Leere, ein Gott oder einer seiner Aspekte.

Im Gegensatz zur 7. Stufe, dem Dhyana (Meditation), ist Dharana mit willentlicher Anstrengung, bewusster Konzentration verbunden. Hält diese Konzentration ohne Abschweifen des Geistes an, entsteht ohne bewusstes Zutun Meditation. Dharana, Dhyana und Samadhi werden von Patanjali auch als Samyama („Sammlung“) bezeichnet.[1]

Literatur

  • T. K. V. Desikachar: Über Freiheit und Meditation. Das Yoga Sutra des Patanjali. Via Nova, Petersberg 1997, ISBN 3-928632-30-2.
  • R. Sriram: Patanjali. Das Yogasutra. Von der Erkenntnis zur Befreiung Theseus-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89620-292-8.

Weblinks

  • Yoga-Sutras des Patanjali auf Deutsch
  • Dharana Kommentare zum Patanjali-System.

Einzelnachweise

  1. ↑ Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar: Licht auf Yoga. Das grundlegende Lehrbuch des Hathha-Yoga. Nikol-Verlag, Hamburgh 2013, ISBN 978-3-86820-175-8, S. 41–44.



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Dharani

Noir24admin Hinduismus 21. Juni 2026
Manuskript aus dem 11. Jahrhundert eines buddhistischen Pali-Textes aus dem 8. Jahrhundert

Eine Dharani (skt. Dhāraṇī) ist ein Text mit magischer Bedeutung, der in meist symbolischer Weise die Essenz eines Gebetes oder einer heiligen Lehre enthält. Dharanis gibt es sowohl im Hinduismus als auch in den verschiedenen buddhistischen Schulen (insbesondere den esoterischen).

Wörtlich bedeutet es „das, wodurch etwas aufrechterhalten wird“[1] und bezeichnet oft buddhistische Sprechgesänge ohne logischen Sinnzusammenhang. Sie dienen zur Festigung des Geistes (skt. dharaṇa), einer durch Meditation gewonnenen Erkenntnis oder Schauung. Sie können sowohl die Quintessenz einer Lehre als auch das Erlebnis eines bestimmten Bewusstseinszustandes verkörpern. Sie unterscheiden sich in der Funktion nicht vom Mantra, sondern höchstens in ihrer Form, indem sie oftmals eine beträchtliche Länge erreichen. Sie sind in erster Linie ein Produkt oder Hilfsmittel der Meditation: „Durch Vertiefung (skt. samādhi) eignet man sich eine Wahrheit an, durch ein dhāraṇī fixiert und bewahrt man sie.“[1]

Die Rezitationen erfolgen in der Originalsprache, oft Sanskrit. Da sie nicht zur Belehrung oder Erbauung gelesen werden, sondern zur „Beschwörung“, ist es bedeutungslos, ob der Hörer oder der Rezitierende sie versteht. Zwar haben viele Dharanis durchaus auch eine wörtliche Bedeutung, aber auf diese kommt es nicht an.[2] Vereinzelt wurden Abschnitte übersetzt. Derartige sind im Japanischen als shōji bekannt.[3] Häufig wurden sie zum „Gesundbeten“ bei Krankheiten bzw. zu exorzistischen Zwecken eingesetzt.

Literatur

  • Braarvig, Jens (1985). Dhāraṇī and Pratibhāna: Memory and Eloquence of the Bodhisattvas, Journal of the International Association of Buddhist Studies 8 (1), 17-30 Digitalisat
  • Buswell, Robert Jr; Lopez, Donald S. Jr., eds. (2013). Princeton Dictionary of Buddhism. Princeton, NJ: Princeton University Press. pp. 241–242. ISBN 9780691157863
  • Davidson, Ronald M. (2009). Studies in Dhāraṇī Literature I: Revisiting the Meaning of the Term Dhāraṇī, Journal of Indian Philosophy 37, 97-147
  • Davidson, Ronald M. (2014). Studies in Dhāraṇī Literature II: Pragmatics of Dhāraṇīs, Bulletin of the School of Oriental and African Studies 77, 5-61
  • Swami Vivekananda: Yoga-Aphorismen des Patanjali, Rascher (Zürich) 1937
  • Hartmut Weiss: Die Quellen des Yoga. Klassische Texte der Körper- und Geistesschulung, Scherz 1986
  • McBride, Richard, D., Dharani and Spells in Medieval China, Journal of the International Association of Buddhist Studies 28 (1), 85-114, 2005 Digitalisat

Siehe auch

  • Das Zen-Glossar beschreibt bekannte Ausdrücke aus dem Zen sowie dem Chan und erläutert die, für das Verständnis der Zen–Philosophie wichtige, wechselseitige Abhängigkeit der Begriffe.

Weblinks

  • Eintrag im Dictionary of Chinese Buddhist Terms von William Edward Soothill und Lewis Hodous - Englisch

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Anagarika Govinda; Grundlagen tibetischer Mystik; Zürich 1956 (Rascher), S. 22f.
  2. ↑ Vgl. z. B. den Text der Dharani vom großen Mitgefühl.
  3. ↑ Tubielewicz, Jolanta; Superstitions, Magic and Mantic Practices in the Heian Period; Warschau 1980 [Diss.]



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  1. Dhyana
  2. Diya (Öllampe)
  3. Dama (Sanskrit)
  4. Danda (Keule)

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