• 09001234567
  • info@noir24.de
Noir24  Dein schwarzes Netzwerk Noir24  Dein schwarzes Netzwerk
  • Noir24
  • Noir24 Netzwerk
  • Noir24 Wiki
  • Noir24 Media
Sign In

Ba‘al Schem

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026
Ba‘al Schem von London (Chaim Schmuel Jakob Falk)
Wegweiser zum Grab des Seckel Löb Wormser, des Ba'al Schem von Michelstadt, in Michelstadt

Ein Ba‘al Schem (hebräisch בעל שם) war ein Rabbi und Wundertäter im aschkenasischen Judentum, der die Kabbala befolgte. Die Bezeugung der Figur reicht vom 9. bis zum 19./20. Jahrhundert. Zu den prominentesten neuzeitlichen Ba'alei Schem gehört Israel ben Elieser, der Ba’al Schem Tov.

Name und Tradition

Der Begriff Ba’al Schem erklärt sich aus einer jüdischen, mystischen und magischen Tradition der Namentheologie, die in der Hechalot-Literatur entwickelt und überliefert wurde. Demnach kann der Begriff mit Meister/Besitzer des Namens, mit der möglichen Ergänzung Meister/Besitzer des guten Namens (Baʽal Schem Tov) übersetzt werden. Das Adjektiv tov bezeichnet hier, trotz der Erklärungsversuche u. a. von Martin Buber, nicht den Namen des Menschen, im Sinne eines guten Rufes, sondern, das zeigt die Tradition, den Namen Gottes. Nach der Namentheologie hat Gott mittels seiner Namen nicht allein die Welt erschaffen, sondern sich selbst mit seinem eigenen Namen.

Geschichte

Der Begriff Baʽal Schem taucht zum ersten Mal in einem Schreiben des Babyloniers Hai Gaon (939–1038) auf. Von besorgten jüdischen Gelehrten befragt, was es denn mit Juden auf sich habe, die behaupteten, mit göttlichem Namen Wunder zu vollbringen, antwortete er:

Männer aus Rom und dem Lande Israel hielten Schriftstücke und Bücher in Händen, wie den ‚Sefer ha-Jaschar‘ (Buch des Aufrechten), ‚Hechalot Rabbeta‘ und ‚Hechalot Seʽirta‘ [also das große und kleine Buch von den Himmelshallen] und andere, in denen einige der NAMEN und Namen der Engel und Siegelzeichen stehen, welche sie benutzen, um große Taten damit zu vollbringen, wie z. B. diese: Manche nehmen Schilfrohr- oder Olivenblätter und schreiben einen NAMEN auf sie, die man dann den Dieben entgegenschleudert, damit sie nicht weitergehen können; andere schreiben ihn auf ein neues Tongefäß, werfen es aufs Meer, damit das Meer sich beruhigt, oder auf einen Menschen, damit er auf der Stelle stirbt, und dergleichen mehr, was sie von ihren Vätern hörten und lernten, auch dass ihnen der Weg [unter den Füßen] springt (Kefizat ha-Derech) [...], denn sie sahen einen von den Baʽale ha-Schem am Schabbatvorabend an einem Ort und sodann hernach noch am selben Tage an einem mehrere Tagereisen entfernten Ort und dann wieder am Schabbat an dem ersten Ort.[1]

Die aschkenasischen Volkserzählungen, Notizen und Chroniken berichten von etwa 40 Ba‘alei Schem im deutschsprachigen Raum. Der erste namentlich bekannte und von R. Jehuda Ḥasid benannte Ba’al Schem ist Rabbi Josef im 13. Jahrhundert. Frühere Anonymi gibt es schon am karolingischen Hof, andere jüdische Wundertäter in Italien und in Griechenland des 9.–11. Jahrhunderts.[1] Die aschkenasischen Baʽale Schem stehen wahrscheinlich in der Tradition jener, welche die Megillat ʼAḥimaʽaz kennt, sie aber selbst noch nicht Ba’al Schem nennt.

Heilung

Die Mehrzahl der frühen aschkenasischen Baʽal-Schem-Geschichten handeln von der Errettung von Juden aus der Gewalt der nichtjüdischen Umwelt. Zu den bezeugen Wunderhandlungen zählen insbesondere Krankenheilungen und Exorzismen.

Kritik

Im Zuge der Aufklärung gab es zunehmend auch Gegnerschaft gegen den Glauben an die Fähigkeiten der Baʽalei Schem, der durch den Glauben an die moderne wissenschaftliche Medizin und ihre Vertreter ersetzt werden müsse. Aber die weiterhin bestehenden Defizite der universitären Medizin, insbesondere im Bereich der psychischen und geistigen Krankheiten, führten auch bei Aufklärern zu einer Trennung der Zuständigkeiten, sodass man dennoch manche Bereiche dem Baʽal Schem zukommen ließ. Das wichtigste Zeugnis für diese Aufspaltung der medizinischen Zuständigkeiten stammt von Pinchas Elija Horwitz (1765–1821). In seiner Enzyklopädie der Wissenschaften, dem Sefer ha-Brit, macht er sich in einer längeren, dem Baʽal Schem gewidmeten Passage über die ungebildeten Juden lustig, die in Fällen einer geistigen Störung noch zu einem Zauberer oder einem Baʽal Schem gehen und ihn um Hilfe bitten, statt einen normalen Arzt zu konsultieren. Aber nach seiner Attacke gegen den Baʽal Schem fährt Pinchas Horwitz fort:

Es gibt jedoch auch Fälle, wo sich ein böser Geist an ihn [den Patienten] klammert [...]. In diesem Falle braucht er wirklich einen Baʽal Schem. Einen solchen Fall sollte man zu einem Baʽal Schem bringen, der ein Experte ist und dessen Amulette erprobt sind [...], und wenn der Patient zu einem Baʽal Schem kommt [...], der die heiligen Namen kennt, dann wird dieser den Geist mittels der Namen [...] aus ihm vertreiben, denn ihn plagt unzweifelhaft ein böser Geist.[2]

Literatur

  • Karl Erich Grözinger: Tausend Jahre Ba‘ale Schem. Jüdische Heiler, Helfer, Magier. Ein Spiegel europäischer Geistesgeschichte. Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10827-0. 

Weblinks

Commons: Ba‘al Schem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Karl Erich Grözinger: Tausend Jahre Ba‘ale Schem. Jüdische Heiler, Helfer, Magier. Ein Spiegel europäischer Geistesgeschichte (= Jüdische Kultur). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10827-0, S. 5 (google.de [abgerufen am 20. Januar 2024]). 
  2. ↑ P. E. Horwitz: Sefer Brit ha-schalem. Jerusalem 1990, S. 293 f. 



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Ba‘al Schem aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Alija-Sketch

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026
Arik Einstein (1979)
Uri Zohar (links)
Palmach

Der Alija-Sketch (hebräisch הָעוֹלים הַחֲדָשִׁים haʿŌlīm haChadaschīm, deutsch ‚Die neuen Einwanderer‘) von Arik Einstein und Uri Zohar ist ein berühmter israelischer Fernseh-Sketch, der die Tatsache parodierte, dass sich jede Gruppe von Einwanderern in Israel (bzw. Palästina) bereits kurz nach ihrer Ankunft diskriminierend gegen spätere Einwanderer verhält. In Israel sagt man ironisch: Israelis lieben die Einwanderung, aber nicht die Einwanderer. Er stammt aus den frühen 1970er Jahren und ist rund sieben Minuten lang. Einstein und Zohar spielen darin alle Hauptrollen. Beide Künstler waren Mitglieder der Gruppe „Lul“, der außerdem Schalom Hanoch, Zvi Shisel, Boaz Davidson und weitere angehörten und die gelegentlich mit Monty Python verglichen wurde. (Einstein und Hanoch wurden in Israel erfolgreiche Popmusiker.)

Zum ersten Mal war der Sketch in einer Sendung der Fernsehshow Lul („Hühnerstall“) zu sehen, die von 1970 bis 1973 im israelischen Fernsehen gesendet wurde.

Alija bedeutet Aufstieg und Einwanderung.

Aufbau

Der Sketch spielt in einem Hafen am Mittelmeer und soll die verschiedenen Zeiten der großen jüdischen Einwanderungswellen darstellen. In dem Hafen kommen immer neue Einwanderergruppen an: aus Russland, Polen, dem Jemen, Deutschland, Marokko und schließlich aus Georgien und Russland. Jede wird von Einstein und Zohar verkörpert, die in unterschiedlichen Kostümierungen und Verhaltensweisen den Charakter der Nationalitäten, aus denen die Einwanderer stammten, parodieren – ihre Sprachen, Sitten und Gebräuche und ihre mit der Einwanderung in das „verheißene“ Land verbundenen Hoffnungen. Ihr Eintreffen wird jeweils kritisch von zwei Vertretern der jeweils zuvor angetroffenen Nationalitäten, d. h. von bereits vor Ort lebenden Personen kommentiert. Am Anfang, vor der ersten Einwanderungswelle aus Russland, sind dies zwei Araber.

In der Schlussszene findet eine allgemeine Beschimpfung durch alle bereits Eingewanderten in Richtung der neuen Einwanderer statt. Alle (Einstein und Zohar dem Zuschauer zugewandt, die Nebendarsteller in Kleidung der früheren Einwanderergruppen) vereinen sich, in Richtung des Meeres blickend, im Chor und werden sich in der Beschimpfung einig. Die gerade Ankommenden der Schlussszene beziehen dies zunächst auf sich, verstehen jedoch schließlich, dass sie nicht persönlich gemeint sind. Der Höhepunkt des Sketches besteht darin, dass sie sich, als sie dies erkennen, sogleich dem in Richtung Meer gestikulierenden und sprechenden Chor zugesellen und ebenfalls mit der Beschimpfung in Richtung des Meeres, aus der alle Einwanderer kommen, beginnen.

Musikalisch wird der Sketch durch das Lied Po beʾEretz Chemdat Avot („Hier im Lande der Wonnen unserer Vorväter“) von Chanina Kartschevski zusammengehalten, das als instrumentales Leitmotiv mehrmals erklingt.

Der Humor des Sketches ist vielschichtig und reicht von der veralbernden Verwendung der Einwanderersprachen – neben Hebräisch gibt es Passagen in Jiddisch, Russisch, Polnisch, Deutsch, Französisch und Arabisch – über Zionismuskritik bis zur absurd anmutenden burlesken Schlussszene.

Literatur

  • Adia Mendelson-Maoz: Multiculturalism in Israel: Literary Perspectives. 2014 (Online-Teilansicht)
  • Larissa Remennick: Russian Jews on Three Continents: Identity, Integration, and Conflict. 2013 (Online-Teilansicht)

Weblinks

  • Jerusalem Film Festival 2011: From Russia With Love
  • Israelis love aliyah but hate olim
  • The Chicken Coop Lool/Shablool

Videos

  • Arik Einstein& Uri Zohar (Aliyah w/Subtitles) (mit englischen Untertiteln) – youtube.com
  • Parody on Israeli new immigrants (mit hebräischen Untertiteln) – youtube.com

Einzelnachweise und Fußnoten

Alija-Sketch (Alternativbezeichnungen des Lemmas)
Aliyah-Sketch; Aliya-Sketch; Einwanderer-Sketch von Einstein und Zohar



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Alija-Sketch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Yizhak Ahren

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026
Yizhak Ahren (2015)

Yizhak Ahren, auch Jizhak Ahren (geboren 16. Dezember 1946 in Jerusalem), ist ein deutscher Psychologe und ehemaliger Hochschullehrer an der Universität zu Köln.

Leben und Wirken

Yizhak Ahren, Sohn von Rückkehrern aus Israel und praktizierender orthodoxer Jude,[1] absolvierte ab 1966 ein Studium der Psychologie an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, das er 1972 mit einem Diplom abschloss. Im Jahr 1976 folgte mit einer Arbeit zum Thema Gemeinschaftsleben als Konstruktionsproblem. Psychologische Untersuchung einer Gruppe der amerikanisch-jüdischen Gegenkultur seine Promotion zum Dr. phil.[2] Seine Habilitationsschrift Psychoanalytische Behandlungsformen. Untersuchungen zur Geschichte und Konstruktion der analytischen Kurzpsychotherapie verfasste er 1996 ebenfalls an der Universität zu Köln.

Anschließend arbeitete Ahren als Schulpsychologe an der Anna-Freud-Schule des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Köln und als Lehrender an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Ahren ist ein Vertreter der psychologischen Morphologie. Als Professor für Psychologie setzte er sich insbesondere mit Kulturpsychologie und Medienpsychologie auseinander.[2]

Während seiner Jahre in Deutschland war Ahren aktives Mitglied in der Synagogen-Gemeinde Köln und wirkte dort ehrenamtlich als Tora-Lehrer.

Er hielt zahlreiche Vorträge über die jüdische Religion und die Stationen im jüdischen Lebenszyklus, so beispielsweise im Februar 2010 im LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen, einer profanierten Landsynagoge, die erst wenige Monate zuvor als Kulturhaus wiedereröffnet worden war.[3] Im März 2010 lautete das Thema seines Vortrags in der Gedenkstätte Landjuden an der Sieg in Windeck-Rosbach „Kaschrut und Schächten“.[4] Ahren verkörpere „vorbildhaft die jüdische Verpflichtung zu lebenslangem Lernen und Lehren“, so die Judaistin Monika Grübel.[3]

Nach seiner Emeritierung verlegte Ahren seinen Wohnsitz nach Jerusalem.[2] Er beschäftigt sich weiterhin mit jüdischer Religionslehre und schreibt regelmäßig für die Jüdische Allgemeine.[5]

Schriften (Auswahl)

Als Autor

Aufsätze
  • Rabbi Israel Salanter und das Unbewusste. In: Udim, Band 6 (1975/76), S. 9–11, ISSN 0342-2348
  • Rabbiner Breuers Frankfurter Jeschiwa. In: Udim, Band 14/15 (1990), S. 28–37, ISSN 0342-2348
Monographien
  • Gemeinschaftsleben als Konstruktionsproblem. Psychologische Untersuchung einer Gruppe der amerikanisch-jüdischen Gegenkultur. Dissertation, Universität Köln 1976.
  • zusammen mit Christoph B. Melchers, Werner Seifert und Werner Wagner: Das Lehrstück „Holocaust“. Zur Wirkungspsychologie eines Medienereignisses. Westdeutscher Verlag, Opladen 1982, ISBN 3-531-11544-8.
  • zusammen mit Stig Hornshøj-Møller, Christoph B. Melchers: „Der ewige Jude“. Wie Goebbels hetzte. Untersuchungen zum nationalsozialistischen Propagandafilm. 1. Aufl. Alano-Verlag, Aachen, 1990, ISBN 3-89399-110-7.
  • Psychoanalytische Behandlungsformen. Untersuchungen zur Geschichte und Konstruktion der analytischen Kurzpsychotherapie. (Schriften zur psychologischen Morphologie; Bd. 5). Bouvier Verlag, Bonn 1996, ISBN 3-416-02659-4 (zugl. Habilitationsschrift, Universität Köln).
  • Verknüpfungspunkte. Warum gerade dieser Psalm? Aaronis-Collection, Aspach 2010, ISBN 978-3-936524-23-9.

Als Herausgeber

  • Warum sehen wir Filme? Materialien zur Filmpsychologie. Alano-Herodot-Verlag, Aachen 2000, ISBN 978-3-89399-243-0.

Weblinks

Commons: Yizhak Ahren – Sammlung von Bildern
  • Literatur von und über Yizhak Ahren im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Literatur von Yizhak Ahren auf dem Dokumentenserver Researchgate
  • Eintrag bei: Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, DP Psychologie, Personen
  • Liste der Artikel von Jizhak Ahren in der Jüdischen Allgemeinen von 2006 bis 2022

Einzelnachweise

  1. ↑ Eva-Maria Schrage: Jüdische Religion in Deutschland. Springer-Verlag, 2018, ISBN 3-658-23074-6, S. 26 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. ↑ a b c »school is open« 4.0: Yizhak Ahren. In: schoolisopen.uni-koeln.de. 31. Oktober 2019, abgerufen am 22. Januar 2023. 
  3. ↑ a b Von den Phasen im religiösen Leben. In: Lokalpresse. 25. Februar 2010 (Digitalisat [PDF]). 
  4. ↑ Kaschrut und Schächten – Windeck. In: unserort.de. 2. März 2010, abgerufen am 22. Januar 2023. 
  5. ↑ Autor Yizhak Ahren – Jüdische Allgemeine. In: juedische-allgemeine.de. Abgerufen am 22. Januar 2023. 
Normdaten (Person): GND: 108592162 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n82122862 | VIAF: 39431939 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Ahren, Yizhak
ALTERNATIVNAMEN Ahren, Jizhak
KURZBESCHREIBUNG deutscher Psychologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 16. Dezember 1946
GEBURTSORT Jerusalem



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Yizhak Ahren aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Aschkenas

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026

Die Bezeichnung Aschkenas (hebr. אַשְׁכְּנַז, in der Septuaginta Ασχανάζ, in der Vulgata Ascenez) wurde in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur für Deutschland verwendet.[1] Zudem war nach Genesis 10,3 EU Aschkenas der Name einer biblischen Figur, nämlich des Sohns von Gomer und Enkels von Japhet, über dessen Person jedoch im Bibeltext keinerlei nähere Angaben gemacht werden.

Antiker Wortursprung

Im Buch Jer 51,27 LUT wird das Königreich Aschkenas aufgefordert, gemeinsam mit den Königreichen Ararat (Urartu) und Minni (Mannäer) Babylon anzugreifen und zu zerstören:

„Heiligt die Völker zum Kampf gegen die Stadt Babel! Ruft wider sie die Königreiche Ararat, Minni und Aschkenas! Sammelt Kriegsleute gegen sie, bringt Rosse herauf, zahlreich wie Heuschrecken!“

– Jeremia 51, 27

Der entsprechende Text dürfte nach 594 v. Chr. formuliert worden sein. Mit dem biblischen Königreich der Aschkenas sind wahrscheinlich Skythen gemeint. Wenn man von einem Schreibfehler ausgeht, könnte die Form Aschkenas auf einer Verwechslung der hebräischen Zeichen Waw (für „u“) und Nun beruhen. Die assyrische Form war (A)š-ku-za-a bzw. (I)š-ku-za-a, was dem griechischen Skythai entspricht. Die Skythen waren Nachbarn und Verbündete der Mannäer (später auch der Assyrer) und griffen wiederholt das Reich Urartu an.[2]

Eine andere Identifikationsmöglichkeit bietet sich mit den in griechischen Quellen[3] genannten Askanioi, d. h. Phrygern. Dabei bleibt allerdings der Wortbestandteil as- problematisch, der als Gentilizium der Lykischen Sprache erklärt wird.[4]

Mittelalterliche Assoziationen

In der jüdischen Tradition gilt die Figur des Aschkenas seit dem Mittelalter als Stammvater der Deutschen, was möglicherweise auf einer früheren Assoziation des Namens seines Vaters, Gomer, mit den Germanen beruht. Eine Gleichsetzung von Aschkenas mit den Germanen findet sich noch im 19. Jahrhundert unter anderem bei August Knobel, der den Namen der Asen aus Aschkenas ableiten wollte.[5] Im frühen 6. Jahrhundert verband der anonyme Verfasser eines Exordiums zu Hieronymus’ Bearbeitung der Chronik des Eusebius von Caesarea etymologisch „Azkenez“ mit Skandia und kam zu dem Schluss: Ascanaci gentes Goticae – „Die Nachkommen des Askenez sind die gotischen Völker“.[6] Ähnliches gilt für die legendhafte Gestalt des Aschanes, die unter anderem von Martin Luther und den Gebrüdern Grimm vor allem mit der Intention zitiert wurde, die geschichtlichen Ursprünge der germanischen Stämme mit antiken Quellen in Einklang zu bringen.

Matthäus Merian, Topographia Saxoniae Inferioris (1653)

Auch die Herkunft des Wortes Askanier, verwendet für das einst in Aschersleben residierende anhaltinische Fürstenhaus, wurde historisch in einigen deutschsprachigen Quellen auf Nachfahren (Ascaniis) des Aschkenas, den besagten Sohn Gomers, zurückgeführt. Diese These wurde beispielsweise um 1650 in der Topographia Saxoniae Inferioris von Matthäus Merian aufgeführt.[7]

Heutiger Wortsinn

Das hebräische Wort Aschkenasim („Nachkommen des Aschkenas“ oder in der Folge „Menschen aus Aschkenas“) wird heute als Bezeichnung für die Juden west-, mittel- und osteuropäischer Herkunft verwendet. Ihr zentrales Siedlungsgebiet war im frühen Mittelalter Nordostfrankreich und das Rheinland; hierher waren ihre Vorfahren unter römischer Herrschaft aus Italien eingewandert, und von hier aus migrierten sie später nach Osteuropa. Die Aschkenasim, zu deren Hauptsprache das überwiegend aus dem Deutschen entlehnte Jiddische wurde, unterscheiden sich in Kultur und Sprache deutlich von den hauptsächlich bis ins 15. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel ansässigen und auch noch später Judenspanisch sprechenden Sepharden sowie den griechisch geprägten Romanioten aus den Gebieten des früheren Byzantinischen Reiches.

Literatur

  • Jan Jozef Simons: The Geographical and Topographical Texts of the Old Testament. Brill, Leiden 1959, § 28.

Einzelnachweise

  1. ↑ „Das antike Deutschland nannten die Juden Aschkenas (hebr. Aschkenás, jidd. Áschkenas).“ Marion Aptroot, Roland Gruschka: Jiddisch. Geschichte und Kultur einer Weltsprache. Originalausgabe. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-52791-3, S. 32. 
  2. ↑ Vgl. Jørgen A. Knudtzon (Hg.): Assyrische Gebete an den Sonnengott für Staat und königliches Haus aus der Zeit Asarhaddons und Asurbanipals. Leipzig 1893, S. 131; Hugo Winckler: Altorientalische Forschungen 1. Leipzig 1893ff., S. 484ff.; zuletzt Rüdiger Schmitt: Das Skythische – eine altiranische Trümmersprache. In: Hermann Parzinger (Hrsg.): Im Zeichen des goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen. München 2007, S. 300.
  3. ↑ Homer: Ilias II 863 und XIII 793.
  4. ↑ Vgl. Gustav Hölscher: Drei Erdkarten. Ein Beitrag zur Erdkenntnis des Hebräischen Altertums. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 1944–48/3. Heidelberg 1949, S. 22 Anmerkung 9.
  5. ↑ August Knobel: Die Völkertafel der Genesis. Ethnographische Untersuchungen. Gießen 1850, S. 35.
  6. ↑ Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte. C.H. Beck, München 2010, S. 11.
  7. ↑ Matthäus Merian: TOPOGRAPHIA SAXONIAE INFERIORIS: Das ist Beschreibung der vornehmsten Stätte vnnd Plätz in dem hochl. Nider Sachß. Crayß (Frankfurt, 1653); Seite 26 (books.google.de)



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Aschkenas aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Aschkenas

Noir24admin Judentum 21. Juni 2026

Die Bezeichnung Aschkenas (hebr. אַשְׁכְּנַז, in der Septuaginta Ασχανάζ, in der Vulgata Ascenez) wurde in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur für Deutschland verwendet.[1] Zudem war nach Genesis 10,3 EU Aschkenas der Name einer biblischen Figur, nämlich des Sohns von Gomer und Enkels von Japhet, über dessen Person jedoch im Bibeltext keinerlei nähere Angaben gemacht werden.

Antiker Wortursprung

Im Buch Jer 51,27 LUT wird das Königreich Aschkenas aufgefordert, gemeinsam mit den Königreichen Ararat (Urartu) und Minni (Mannäer) Babylon anzugreifen und zu zerstören:

„Heiligt die Völker zum Kampf gegen die Stadt Babel! Ruft wider sie die Königreiche Ararat, Minni und Aschkenas! Sammelt Kriegsleute gegen sie, bringt Rosse herauf, zahlreich wie Heuschrecken!“

– Jeremia 51, 27

Der entsprechende Text dürfte nach 594 v. Chr. formuliert worden sein. Mit dem biblischen Königreich der Aschkenas sind wahrscheinlich Skythen gemeint. Wenn man von einem Schreibfehler ausgeht, könnte die Form Aschkenas auf einer Verwechslung der hebräischen Zeichen Waw (für „u“) und Nun beruhen. Die assyrische Form war (A)š-ku-za-a bzw. (I)š-ku-za-a, was dem griechischen Skythai entspricht. Die Skythen waren Nachbarn und Verbündete der Mannäer (später auch der Assyrer) und griffen wiederholt das Reich Urartu an.[2]

Eine andere Identifikationsmöglichkeit bietet sich mit den in griechischen Quellen[3] genannten Askanioi, d. h. Phrygern. Dabei bleibt allerdings der Wortbestandteil as- problematisch, der als Gentilizium der Lykischen Sprache erklärt wird.[4]

Mittelalterliche Assoziationen

In der jüdischen Tradition gilt die Figur des Aschkenas seit dem Mittelalter als Stammvater der Deutschen, was möglicherweise auf einer früheren Assoziation des Namens seines Vaters, Gomer, mit den Germanen beruht. Eine Gleichsetzung von Aschkenas mit den Germanen findet sich noch im 19. Jahrhundert unter anderem bei August Knobel, der den Namen der Asen aus Aschkenas ableiten wollte.[5] Im frühen 6. Jahrhundert verband der anonyme Verfasser eines Exordiums zu Hieronymus’ Bearbeitung der Chronik des Eusebius von Caesarea etymologisch „Azkenez“ mit Skandia und kam zu dem Schluss: Ascanaci gentes Goticae – „Die Nachkommen des Askenez sind die gotischen Völker“.[6] Ähnliches gilt für die legendhafte Gestalt des Aschanes, die unter anderem von Martin Luther und den Gebrüdern Grimm vor allem mit der Intention zitiert wurde, die geschichtlichen Ursprünge der germanischen Stämme mit antiken Quellen in Einklang zu bringen.

Matthäus Merian, Topographia Saxoniae Inferioris (1653)

Auch die Herkunft des Wortes Askanier, verwendet für das einst in Aschersleben residierende anhaltinische Fürstenhaus, wurde historisch in einigen deutschsprachigen Quellen auf Nachfahren (Ascaniis) des Aschkenas, den besagten Sohn Gomers, zurückgeführt. Diese These wurde beispielsweise um 1650 in der Topographia Saxoniae Inferioris von Matthäus Merian aufgeführt.[7]

Heutiger Wortsinn

Das hebräische Wort Aschkenasim („Nachkommen des Aschkenas“ oder in der Folge „Menschen aus Aschkenas“) wird heute als Bezeichnung für die Juden west-, mittel- und osteuropäischer Herkunft verwendet. Ihr zentrales Siedlungsgebiet war im frühen Mittelalter Nordostfrankreich und das Rheinland; hierher waren ihre Vorfahren unter römischer Herrschaft aus Italien eingewandert, und von hier aus migrierten sie später nach Osteuropa. Die Aschkenasim, zu deren Hauptsprache das überwiegend aus dem Deutschen entlehnte Jiddische wurde, unterscheiden sich in Kultur und Sprache deutlich von den hauptsächlich bis ins 15. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel ansässigen und auch noch später Judenspanisch sprechenden Sepharden sowie den griechisch geprägten Romanioten aus den Gebieten des früheren Byzantinischen Reiches.

Literatur

  • Jan Jozef Simons: The Geographical and Topographical Texts of the Old Testament. Brill, Leiden 1959, § 28.

Einzelnachweise

  1. ↑ „Das antike Deutschland nannten die Juden Aschkenas (hebr. Aschkenás, jidd. Áschkenas).“ Marion Aptroot, Roland Gruschka: Jiddisch. Geschichte und Kultur einer Weltsprache. Originalausgabe. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-52791-3, S. 32. 
  2. ↑ Vgl. Jørgen A. Knudtzon (Hg.): Assyrische Gebete an den Sonnengott für Staat und königliches Haus aus der Zeit Asarhaddons und Asurbanipals. Leipzig 1893, S. 131; Hugo Winckler: Altorientalische Forschungen 1. Leipzig 1893ff., S. 484ff.; zuletzt Rüdiger Schmitt: Das Skythische – eine altiranische Trümmersprache. In: Hermann Parzinger (Hrsg.): Im Zeichen des goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen. München 2007, S. 300.
  3. ↑ Homer: Ilias II 863 und XIII 793.
  4. ↑ Vgl. Gustav Hölscher: Drei Erdkarten. Ein Beitrag zur Erdkenntnis des Hebräischen Altertums. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 1944–48/3. Heidelberg 1949, S. 22 Anmerkung 9.
  5. ↑ August Knobel: Die Völkertafel der Genesis. Ethnographische Untersuchungen. Gießen 1850, S. 35.
  6. ↑ Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte. C.H. Beck, München 2010, S. 11.
  7. ↑ Matthäus Merian: TOPOGRAPHIA SAXONIAE INFERIORIS: Das ist Beschreibung der vornehmsten Stätte vnnd Plätz in dem hochl. Nider Sachß. Crayß (Frankfurt, 1653); Seite 26 (books.google.de)



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Aschkenas aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

  1. Jewno Fischelewitsch Asef
  2. Yizhak Ahren
  3. Judentum
  4. Aaron des Y-Chromosoms

Seite 13 von 14

  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14

» Marlon & Zoe – Wenn die Dunkelheit Code schreibt und Legenden zum Leben erwachen. «


Startseite Impressum Datenschutz Kontakt Netiquette

© 2026 Noir24 / Demon Nights TV. Alle Rechte in der Dunkelheit reserviert.

  • Noir24
  • Noir24 Netzwerk
  • Noir24 Wiki
  • Noir24 Media