Greiss ist ein viehmordender Dämon aus der Sagenwelt des Alpenraums. Er ist eine Personifizierung der Rauschbrandseuche.
Das Greiss kann laut Überlieferung in der Gestalt einer schwarzen Katze, eines Eichhörnchens, oder eines Fremden erscheinen oder durch die Taufe eines Lammes hervorgerufen werden und Viehbestände ganzer Alpen vernichten. Zur Vorbeugung könne man Opfer erbringen, zur Bekämpfung müsse ein silberweisser Stier von einer Jungfrau auf die Alp geführt werden, der das Greiss dann besiege.
Literatur
Norbert Borrmann: Lexikon der Monster, Geister und Dämonen. Die Geschöpfe der Nacht aus Mythos, Sage, Literatur und Film. Das (etwas) andere Who is who . Parkland Verlag, Köln 2001, ISBN 3-88059-998-X. Seite 143
Harpyie (Jacob van Maerlant, Der Naturen Bloeme; Flandern, um 1350)Harpyie, Kupferstich von Matthäus Merian, um 1650, aus der Historia Naturalis des John Johnston, der maßgeblichen Tierkunde des 17. JahrhundertsHarpyien auf dem Relief eines Hindutempels um 850 n. Chr. (Prambanan in Yogyakarta)
Eine Harpyie ([harˈpyːjə], altgriechischἅρπυιαhárpyia, deutsch ‚reißender Sturm‘, lateinisch harpeia) ist ein geflügeltes Mischwesen der griechischen Mythologie in Vogelgestalt mit Frauenkopf.
Mythologie
Die Harpyien verkörpern die Sturmwinde[1] und sind die Töchter des Meerestitanen Thaumas und der Okeanide Elektra.[2] Ihre Anzahl ist unbestimmt, doch werden nie mehr als zwei Harpyien zugleich benannt. Namentlich treten auf:
Aello (ἈελλώAëllṓ[2] zu ἄελλαáëlla, deutsch ‚Sturmwind, Wirbel‘: „Windsbraut“)[3]
Okypete (ὨκυπέτηŌkypétē[2] zu (poetisch:) ὠκυπέτηςōkypétēs, deutsch ‚schnell fliegend‘, aus ὠκύςōkýs, deutsch ‚schnell‘, und πέτομαιpétomai, deutsch ‚ich fliege‘: „die Schnellflügelige“)[2]
Podarge, Podargo (ΠοδάργηPodárgē[4] „die Schnellfüßige“). Sie ist die Mutter der Pferde des Achilleus.[5]
Kelaino, Celaeno (zu κελαινόςkelainos (poetisch:) ‚dunkel, unheilvoll‘: „die Dunkle“), die erst in der Aeneis des römischen Dichters Vergil erwähnt wird.[6]
Die Schwester der Harpyien ist Iris, die Göttin des Regenbogens, Gattin des Westwindes Zephir.
In den früheren Erzählungen der griechischen Mythologie werden sie als schöne Frauen mit gelocktem Haar[2] und Vogelflügeln beschrieben, später sind sie hässliche hellhaarige Dämonen.[7] Die Harpyien wohnen in einer Höhle auf Kreta und müssen auf Geheiß des Zeus Seelen von Toten in den Tartaros tragen oder Leute töten, die seinen Zorn erregen. Die Harpyien werden als schnell wie der Wind und als unverwundbar beschrieben.
Bei Homer werden sie für das Verschwinden des Odysseus[8] und den schnellen Tod der Pandarostöchter[9] verantwortlich gemacht.
In der Argonautensage spielen sie eine wichtige Rolle: Sie quälen den blinden Seher Phineus, indem sie ihm das Essen vom Tisch rauben und mit ihrem Kot ungenießbar machen.[10] Zetes und Kalais, Söhne des Nordwindes Boreas und Gefährten der Argonauten, vertreiben schließlich die Harpyien.[11]
Der römische Dichter Vergil lässt in der Aeneis[12] dagegen diesen Kampf als ein Abenteuer des aus dem zerstörten Troja geflohenen Aeneas auf den Strophaden erzählen: „Es waren Vögel mit den Gesichtern von Mädchen, äußerst scheußlich war der Unrat ihres Magens, hakenförmig waren ihre Hände und immer bleich vor Hunger ihre Gesichter.“[13] Aeneas begegnet Harpyien auch in den Vorhallen der Unterwelt im 6. Buch, wo sie neben Gorgonen und Kentauren hausen. Ovid bezieht sich in seinen Metamorphosen nur knapp auf die „jungfräulichen Vögel“ in der Phineusepisode der Argonautensage und fasst das Abenteuer des Aeneas damit zusammen, dass die geflügelte Aello (ales Aello) die Trojaner von den Strophaden jagt.[14]
Bildtradition
Ein berühmtes Monument der frühen Antike in Xanthos, um 480 v. Chr., wird als Harpyienmonument benannt, doch beruht dieser Name auf einer heute angezweifelten Deutung der harpyienähnlichen Mischwesen auf den Reliefs dieser Grabanlage in Xanthos. Beispiele aus der griechischen Vasenmalerei sind die Phineusschale in der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums,[15] sowie zwei Schalen im Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia in Rom.
Seit dem Mittelalter gehören Darstellungen der Harpyien zum Symbolbereich des Bösen, der Unterwelt und der Habsucht. Sie erscheinen in Drolerien der Buchmalerei und der Bauplastik am Außenbau mittelalterlicher Kirchen, in der Regel ohne szenischen Zusammenhang. Von den vielleicht etwas weniger vogelgestaltigen Sirenen sind sie kaum zu unterscheiden. In der Renaissance werden dann diese Wesen nicht nur in dekorativen Zusammenhängen, etwa im Geranke von Arabesken dargestellt, sondern auch im Kontext der antiken Erzählungen, wie in den Fresken der Argonauten- und Äneissage von Annibale Carracci im Palazzo Fava in Bologna.
Im 13. Gesang von Dantes Inferno werden die Selbstmörder von Harpyien gepeinigt. William Blake und Gustave Doré illustrierten im 19. Jahrhundert diese Szene. Während sie bei Goya in den Caprichos noch unheilvolle Verkörperungen des Bösen darstellen, werden Harpyien im Kunsthandwerk des Klassizismus, ähnlich wie die Greife und Sphingen, zu rein dekorativen Reminiszenzen an die Motivwelt des Altertums.
Akroter aus Gabii, 5. Jahrhundert. v. Chr., Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, Rom
Harpyien und Falkenjäger, Malerei auf Holz, 13. Jahrhundert, Archäologisches Museum Llíria
Erasmus Quellinus II., Die Söhne des Boreas verfolgen die Harpyien, um 1630, Prado
Calaïs und Zetes befreien Phineus von den Harpyien, Kupferstich von Bernard Picart, 18. Jahrhundert
Kamin im Schloss von Compiègne, um 1809
Dante und Vergil betreten den Wald der Selbstmörder. Kupferstich von Gustave Doré (1832–1883)
Rezeption
Eine Rezeption der Harpyie geschah in der Literatur und im Medium Film in folgenden Werken (Auswahl):
In Shakespeares Der Sturm (1611), in der 3. Szene des 3. Aufzugs erscheint Ariel den Feinden Prosperos in der Form einer Harpyie.
Im Kinderbuch Ronja Räubertochter der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren werden die Wilddruden (auch Grausedruden) als harpyienähnliche Wesen beschrieben. In der Verfilmung des Buches wird dieser Aspekt deutlich herausgearbeitet: Dort sind diese Druden als eindeutig weibliche Mischwesen mit langen Haaren, Schnabel, Flügeln und Krallen zu sehen.
In der Trilogie His Dark Materials von Philip Pullman bewachen Harpyien die Toteninsel Ödnis. Sie sind bösartig und lassen die Geister der Toten nicht zur Ruhe kommen; sie können in das Innere der Geister sehen und erkennen Lügen. Später verlieren sie ihre Bösartigkeit und führen die Geister durch das Totenreich in eine andere Welt – vorausgesetzt, die Geister schenken ihnen ihre wahre Lebensgeschichte.
Die Harpyie Celaeno erscheint auch im Fantasyklassiker Das letzte Einhorn von Peter S. Beagle als Gefangene der Hexe Mommy Fortuna, die sie in ihrem fahrenden Zirkus dem Publikum präsentiert. Letztlich vom Einhorn befreit, tötet die Harpyie Mommy Fortuna und ihren Gehilfen Rukh.
In den Klippenland-Chroniken von Paul Stewart sind die Harpyien eine Spezies räuberischer humanoider Vogelwesen, die einen Sklavenmarkt betreiben. Sie werden als übergroße, gewalttätige Raubvögel dargestellt, die jedoch statt richtiger Flügel gefiederte Arme besitzen.
In Laura Leander von Peter Freund stellt die Harpyie eine vogelähnliche Gestalt mit dem Oberkörper einer alten Greisin dar, die einen pestilenzartigen Gestank verbreitet. Stets versucht das Wesen, Tod und Verderben zu bringen, scheitert jedoch letztlich immer.
In Helden des Olymp, Band Der Sohn des Neptun von Rick Riordan sind Harpyien Vogeldamen, die den König Phineas quälen und von ihm gequält werden. Die Harpyie Ella liebt Bücher und freundet sich mit den Halbgöttern an. Sie taucht im Folgeband Das Zeichen der Athene noch einmal auf.
Im Film Jason und die Argonauten von 1963 greifen Harpyien Jason und die Seinen an (Animation: Ray Harryhausen).
Im Jugendroman Das Herz der Harpyie von Rebekka Pax verliebt sich die junge Milena, in Wirklichkeit eine Harpyie, in einen Sohn des Thanatos, der in eine alte Wette verwickelt ist.
In den Fantasy-Romanen Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin sowie in der darauf aufbauenden Fernsehserie Game of Thrones ist die Harpyie als vermutlich mythologische Figur das Wahrzeichen des ehemaligen Reiches der Ghiscari und wird von den Sklavenstädten immer noch verwendet.
In dem Comic Das goldene Vlies von Carl Barks aus dem Jahr 1955 wird Dagobert Duck von Harpyien in das Gebiet des antiken Kolchis entführt, um dort in einem Kochwettstreit der Fabelwesen als Schiedsrichter zu fungieren.
Im Manga Die Monster Mädchen kommen Harpyien vor, werden aber, bis auf Flügel und Vogelfüße, als menschliche Frauen dargestellt. Als weiteres Merkmal dieser Spezies gilt deren nicht sehr hohe Intelligenz.
Darstellungen
Harpyien wurden im Allgemeinen als Vögel mit Jungfrauenköpfen, vor Hunger bleichen Gesichtern und langen Krallen an den Händen dargestellt. Römische und byzantinische Schriftsteller betonten ihre Hässlichkeit. [ KI-generierte Quelle? ] Auf Töpferkunstwerken wurden Harpyien als schöne Frauen mit Flügeln dargestellt. Ovid beschrieb sie als eine Mischung aus Mensch und Geier.
Hesiod
Hesiod stellte sie sich als schöngelockte und geflügelte Jungfrauen vor, die so schnell flogen wie der Wind.
Aischylos
Schon zu Aischylos‘ Zeiten galten Harpyien als hässliche, geflügelte Wesen, und spätere Schriftsteller gingen in ihren Darstellungen so weit, sie als die abscheulichsten Ungeheuer darzustellen. Die pythische Priesterin des Apollon vergleicht in folgendem Ausschnitt aus der Orestie das Aussehen der Harpyien mit dem der Erinnyen, chthonischer Rachegöttinnen.
Siehe auch
Harpyie als Schildhalter, Gemeinde EemsdeltaHarpyie im Wappen des Landkreises Aurich
Harpyie (Vogel)
Jungfrauenadler (Harpyien in der Heraldik)
sowie die leicht mit den Harpyien zu verwechselnden Mischwesen
Sirenen und
Erinnyen, Rachegöttinnen, von denen Tisiphone gern geflügelt dargestellt wird
Literatur
Jan N. Bremmer: Harpyien. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 166.
Sieglinde Hartmann: Harpyie. In: Ulrich Müller, Werner Wunderlich (Hrsg.): Dämonen, Monster, Fabelwesen (= Mittelalter Mythen. Bd. 2). UVK, St. Gallen 1999, ISBN 3-908701-04-X, S. 287–318.
↑nach Wilhelm Heinrich Roscher: Aëllopus. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 86 (Digitalisat). auch Nikithoe oder Aëllopus.
↑Homer, Ilias 16,150 und 19,400. Zephir zeugte mit Podarge Balios und Xanthos, die Pferde des Achilleus, die somit mit diesem verwandt sind, da Achills Mutter Thetis als Nereide und Tochter der Okeanide Doris die Nichte der Okeanide Elektra ist. Siehe auch Vergil, Aeneis 3,210–255
↑Zusammenfassung bei Konrad Seeliger: Argonautensage. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 503–510 (Digitalisat)..
↑Übersetzung von Vergil, Aeneis 3,215 durch Rainer Lohmann: [1]; Robert J. Rabel: The Harpies in the Aeneid. In: The Classical Journal. Bd. 80, Nr. 4, 1985, ISSN 0009-8353, S. 317–325, JSTOR:3296813.
Die Dialen (oder auch Sg. Diela; Pl. Dialas, Dielas, dieuldas) sind eine Gruppe von Dämoninnen. Der Name leitet sich vermutlich vom romanischen Wort Dealis oder Dialis ab, was gottähnliche Wesen bedeutet.
Die Dialen entstammen der rätoromanischen Volksüberlieferung Graubündens und werden dort ziegenfüssig dargestellt. Trotz ihres Dämonen-Daseins werden sie als gutartige Wesen beschrieben und sollen Höhlen bewohnen, die besonders schön eingerichtet sind. Sie werden meist als mit weissen oder roten Kleidern beschrieben. Ihr gutes Wesen drückt sich der Überlieferung nach dadurch aus, dass sie den Menschen bei der Feldarbeit helfen und diese mit silbernem Geschirr bewirten. Ihre Wäsche trocknen die Dialen in der Sonne an speziellen Stellen im Gebirge, den sogenannten Wäschefratten. Auch sollen sie verirrten Wanderern den richtigen Weg weisen und Kohlenstücke schenken, die in Gold verwandelt werden.
Literatur
Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. 3. Auflage. München 2003, Seite 45, ISBN 3-406-49451-X.
Dwojeduschnik (russischДвоедушник, wiss. Transliteration Dvoedušnik) steht im slawischen Volksglauben für ein Wesen mit zwei Herzen und damit auch zwei Seelen, einer menschlichen und einer dämonischen. Sie können sich kurzfristig von einer der beiden trennen, um andere Menschen zu verletzen.
Diese „Vampirart“ versteckt ihre Seele oftmals unter einem Stein und kann nur dann getötet werden, wenn dieser aufgespürt wird.
In Volkserzählungen unterscheidet sich der Dwojeduschnik tagsüber nicht von einem gewöhnlichen Menschen, doch im Dunkeln fällt er in einen tiefen Schlaf, kann sich außerhalb seines physischen Körpers befinden, sein äußeres Erscheinungsbild beibehalten oder die Gestalt eines beliebigen Tieres oder eines Gegenstandes annehmen. Die ruhelose Seele eines solchen Menschen kann gewöhnlichen Menschen Schaden zufügen, ihnen Unheil, Unwetter und Dürre bringen, Blut trinken lassen und mehr.
Siehe auch
Strigoi
Koschtschei
Zaubermärchen Übernatürliche Gegenspieler mit External Soul (AaTh 302): u. a. Der Mann ohne Herz, Seelenlos, Die Kristallkugel
Literatur
Claude Lecouteux: Die Geschichte der Vampire. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2001, ISBN 3-538-07127-6.
Peter Mario Kreuter: Der Vampirglaube in Südosteuropa. Studien zur Genese, Bedeutung und Funktion. Rumänien und der Balkanraum. Weidler, Berlin 2001, ISBN 978-3-89693-709-4 (Dissertation Universität Bonn 2001).
Éloa, ou La Sœur des Anges (dt.: „Eloa, oder die Schwester der Engel“) ist ein mystisches, episches Gedicht aus dem Jahr 1824 zu einem biblischen Thema, welches den Grundstein für den Ruhm von Alfred de Vigny legte, eines französischen Dichters und Schriftstellers der romantischen Schule. Die Handlung ist eine Geschichte über einen gefallenen Engel, der von menschlichem Leid durchdrungen ist – die Verherrlichung idealer Engel mit menschlichen Gefühlen war damals ein Modethema.[1]
Charakteristiken des Autors
Der vorherrschende Ton in Alfred de Vignys Werken in den Jahren 1822–1829 war Traurigkeit, byronische Enttäuschung, das Bewusstsein für die Einsamkeit „hoher Seelen“ inmitten einer Menschheit, die sie nicht verstand, und stellte Selbstaufopferung und ideale Liebe als Ideal dar. De Vigny beschäftigte sich, wie alle Dichter seiner Zeit, mit dem Gedanken an den Himmel, in dem er nach Erinnerungen an seine göttliche Herkunft zu suchen schien; wie andere Dichter gönnt er den gefallenen Engeln kein Mitgefühl.[1]
Handlung
Eloa ist ein reiner Cherub, geboren aus „den Tränen Christi über dem Grab des Lazarus“. Jemand flüsterte ihr vom Leiden gefallener Engel zu – und sie sehnte sich danach, Freude in das düstere Leben der vom Himmel abgelehnten Geschöpfe zu bringen. Ihre unerklärliche Melancholie und das in ihr aufsteigende irdische Gefühl werden mit großer Schönheit dargestellt.
Eloa wandert gedankenverloren durch die wolkigen Sphären, findet sich im Dämonenreich wieder und sieht den Geist des Bösen. Der Schmerz auf dessen Gesicht zieht sie an und sie sagt ihm Worte des Mitgefühls und der Liebe. Für einen Moment ist er berührt und fast bereit zu bereuen, doch die Wut überkommt ihn und mit bewusst verräterischen Flüchen fesselt er Eloa, die beschließt, ihm in die ihr unbekannten Gefilde zu folgen. Erst im Fallen offenbart er ihr seinen Namen Luzifer.[1]
Interpretation
Lucretia Gruber argumentiert, dass das Gedicht originell ist, da es das Weibliche zum Göttlichen erhebt. In der christlichen Tradition wurde das Weibliche oft negativ wahrgenommen – zum Beispiel ist es eine Frau, Eva, die den Sündenfall des Menschen verursacht – und Engel werden oft als männlich gedeutet. Vigny schuf in seinem Gedicht eine Engelsfrau, die sich aufmacht, Luzifer zu erlösen und das Böse aus der Welt zu verbannen, und beschrieb seinen Himmel als von weiblichen und männlichen Engeln bevölkert.[2]
Das Gedicht gilt als Vorbild für den Roman Der Dämon des russischen Dichters Michail Jurjewitsch Lermontow.[3]
Einzelnachweise
↑ abcВиньи, Альфред (wikisource.ru) Энциклопедический словарь Брокгауза и Ефрона (Enzyklopädisches Wörterbuch von Brockhaus und Efron: in 86 Bänden - 82 Bände und 4 weitere; St. Petersburg) 1890—1907.
↑Lucretia S. Gruber: Alfred de Vigny’s „Eloa“: A Modern Myth. In: Modern Language Studies. vol. 6, 1, 1976: S. 74–82 doi=10.2307/3194396 jstor=3194396 ISSN 0047-7729
↑N. Otzoupe, F. Seeley, Friedeberg: Vigny’s “Eloa” and Lermontov’s “Demon”. In: The Slavonic and East European Review. vol. 34, 83, 1956: S. 311–337. jstor=4204745 ISSN 0037-6795