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Eurynomos (Daimon)

Noir24admin Dämonen 16. Juni 2026

Eurynomos (altgriechisch Εὐρύνομος Eurýnomos) ist ein Daimon der griechischen Mythologie.

Einzig erwähnt wird er bei Pausanias in der Beschreibung der Nekyia des Polygnotos in der Lesche der Knidier in Delphi.[1] Nach Pausanias Beschreibung ist er ein Daimon der Unterwelt, der die Leichen abfrisst, so dass nur die Knochen übrigbleiben. Seine Farbe auf dem Gemälde wird als blau-schwarz wie jene der Fliegen angegeben, er zeige seine Zähne und unter ihm sei die Haut eines Geiers ausgebreitet.

Gedeutet wurde er als Personifikation der Verwesung,[2] als die Todesgottheit Thanatos[3] oder als die Toten verschlingende Erdtiefe.[4]

Literatur

  • Friedrich A. Voigt: Eurynomos 1. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 1427 (Digitalisat).
  • Otto Kern: Eurynomos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,1, Stuttgart 1903, Sp. 1340.
  • Martin Robertson: Eurynomos. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band 000004IV, Zürich/München 1988, S. 106.

Weblinks

  • Eurynomos im Theoi Project

Einzelnachweise

  1. ↑ Pausanias 10,28,7–8
  2. ↑ Friedrich A. Voigt: Eurynomos.
  3. ↑ Carl Robert: Die Nekyia des Polygnot. M. Niemeyer, 1892, S. 61.
  4. ↑ Albrecht Dieterich: Nekyia. Beiträge zur Erklärung der neuentdeckten Petrusapokalypse. Teubner, Leipzig 1893, S. 48 (Digitalisat).



🔮 Noir24 Archiv-Hinweis

Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Eurynomos (Daimon) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Fänggen

Noir24admin Dämonen 16. Juni 2026

Die Fänggen (Sing.: Fangga; Fanggin), welche auch Fänken, Fenggen und Fanggen genannt werden, sind Wesen und Sagengestalten in Süddeutschland, Österreich und Südtirol. Je nach Autor, Zeit und Ort werden sie entweder als riesenhafte Walddämonen, als Hexengestalten[1][2] oder auch als baumverbundene Waldfeen[3] beschrieben.

Darstellung

Als Dämonengestalt werden die Fänggen von Johann Nepomuk von Alpenburg in seinem 1857 erschienenen Buch Mythen und Sagen Tirols beschrieben:

„riesengroß, am ganzen Körper behaart, geborstet, das Antlitz verzerrt, der Mund von einem Ohre zum anderen gezogen, das schwarze Haupthaar hängt voll Baumbart … und reicht rauh und struppig über den Rücken herab; im Zorne sträubt sich's wild empor, wie Furiengelock. Die Augen sind dunkel und nachtschwarz wie Kohlen, glühen aber auch zu Zeiten und sprühen Blitze – die Stimme ist Mannesstimme, rauh und ungefüge. Ihre Kleidung sind Schurze von Wildkatzenpelzen, Joppen von Baumrinden und Zottelschurze von Füchsen und anderm Getier.“[4]

Es gibt anscheinend sowohl männliche, als auch weibliche Fänggen, wobei letztere in Tiroler Sagen häufiger vertreten sind. Die männlichen trifft man hingegen häufiger in den Sagen aus dem Vorarlberg. Es heißt, dass sie über geheimes Wissen verfügen, wie zum Beispiel jenes über die geheimen Kräfte der Pflanzen, das man ihnen entlocken kann, wenn man sie erst betrunken gemacht hat. Auch sollen die meisten über Eigennamen verfügen, wie zum Beispiel Rauhrinda und Stutzförcha.

In Sagen werden sie häufig zum Kinderschreck deklassiert oder als dumm dargestellt. Ersteres Motiv findet sich so in einer Tiroler Sage:

„Im Walde, der von Nassereit nach Stra sich zieht, hauste eine Fangg, welche von der Größe eines mittelmäßigen Baumes war. Sie lauerte stets auf Menschen, und wenn sie kleine Buben zu fassen bekam, so schnupfte sie dieselben in ihre Nase, wie Dopllelmops oder Saint Omer, oder sie rieb sie an alten dürren Bäumen, die von stechenden Ästen starren, bis sie zu Staub geraspelt waren.“[5]

Sie sollen sowohl solitär, als auch in Gruppen auftreten, wie in den oben beschriebenen Sagen, sind dabei aber stets an einen bestimmten Wald mit ihrem Leben gebunden. Würde besagter Wald verschwinden, etwa durch Abholzung, würden auch sie verschwinden. Ein weiteres Merkmal der Fänggen, das sicherlich erst im Zuge der Christianisierung hinzukam, ist, dass man sie, wie auch andere heidnische Gestalten durch das Läuten einer Kirchenglocke vertreiben kann.

Neben den riesenhaften Fänggen existieren in manchen Sagen und Erzählungen auch kleine, zwerghafte Fängge. Diese Winzlinge sollen in Felsenklüften und Erdhügeln, die Fänggenlöcher genannt werden, hausen. Sie werden oft mit den Zwergen, Gnomen und derlei gleichgesetzt, sollen aber, trotz ihrer geringen Körpergröße, über gewaltige Kräfte verfügen. Außerdem heißt es, dass sie Gämse und Wölfe zähmen, deren Milch trinken und sie gar als Reittiere nutzen sollen.

Siehe auch

  • Riese
  • Waldgeist
  • Fengg

Literatur

  • Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg: Mythen und Sagen Tirols, mit einem einleitenden Vorwort von Ludwig Bechstein. Unveränderter Neudruck der Ausgabe Zürich, Meyer u. Zeller, 1857, Niederwalluf bei Wiesbaden 1971, Seite 51–53, ISBN 3-500-23730-4
  • Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. 3. Auflage. München 2003, S. 68–69, ISBN 3-406-49451-X

Einzelnachweise

  1. ↑ hexenlexikon.de: Fanggen (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive)
  2. ↑ https://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_oesterreich/tirol/zingerle_sdl/fanggen.html
  3. ↑ cyberelfe.com: Feen und Elfen Lexikon (Memento vom 14. Juli 2007 im Internet Archive)
  4. ↑ Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg: Mythen und Sagen Tirols, mit einem einleitenden Vorwort von Ludwig Bechstein, Unveränderter Neudruck der Ausgabe Zürich, Meyer u. Zeller, 1857, Niederwalluf bei Wiesbaden 1971, Seite 51–53; hier Seite 51
  5. ↑ sphinx-suche.de: Fänggen, Fänken, Fenggen, Fanggen (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Fänggen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Bisterk Ding

Noir24admin Dämonen 16. Juni 2026

Das Bisterk Ding ist ein Dämon aus der Helgoländer Überlieferung. Wenn jemand auf dem Meer verunglückt, soll dieser Dämon dem Wasser entsteigen und sich auf Treppenstufen legen oder in Scheunenwinkeln verkriechen. Beschrieben wird er zumeist als schwarzes Ungeheuer mit tellergroßen Augen und dem Fell eines Schafs. Er soll sich rollend fortbewegen.

Ein Helgoländer Spruch lautet: „Det bisterk Ding lag auf dem Weg“ und wird benutzt, wenn man von Unglück getroffen ist.

Literatur

  • Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister, 3. Auflage München 2003, Seite 43 ISBN 3-406-49451-X
  • Benno Eide Siebs und Erich Wohlenberg: Helgoland und die Helgoländer, Kiel 1953



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Blutschink

Noir24admin Dämonen 16. Juni 2026

Der Blutschink (bisweilen auch Bluatschink, Bluetschinke oder Plutschinke genannt) ist ein dämonischer Wassergeist. Der Begriff leitet sich wahrscheinlich von „Blut“ und „Schinken“ (Schenkel, Fuß) ab, womit der Blutschink also der „Blutfuß“ wäre. Er ist nur in Tirol und einigen kleineren Örtlichkeiten bekannt.

Richard Beitl vermutet, dass die Bezeichnung Blutschink sich aus einem slawischen Wort entwickelt hat: Der błudnik sei ein Wasserdämon der slawischen Sage und entspreche in der deutschen Natursage dem Irrlicht. Das abgeleitete Verb błudźić bedeute etwa ‚verführen, ertränken, ersticken‘. Ursprünglich hätten kärntnerische Alpenslawen bei ihrer Ansiedlung diese Sagengestalt mitgebracht, als das Wort allerdings nicht mehr verstanden wurde, entwickelte es sich durch volksetymologische Umdeutung weiter. Die auffallend begrenzte regionale Bekanntheit des Blutschinks stütze ebenfalls diese These.[1]

Der Blutschink wird wie folgt beschrieben: Der Oberleib gleicht einem kohleschwarzen, zotteligen Bären, die Beine jedoch sind, wenn auch sehr stark, menschlich und nackt. Zudem sind seine Beine blutrot, er soll förmlich triefen vor lauter Blut. Gerade wegen seiner Gewohnheit, Menschen zu fressen, wird dieser Dämon gefürchtet. Dabei soll er seinen Opfern erst das Blut aussaugen und sie danach fressen. Angeblich soll er sich nur in und um Gewässer herum aufhalten, wobei in Südtirol auch der Glaube verbreitet ist, dass er in Bohnen- und Mohnäckern auf Kinder lauert, um diese zu verschlingen.

Trivia

Blutschinken bevölkern auch als raufsüchtige und geistig minderbemittelte Daseinsform Walter Moers’ Zamonien.

Literatur

  • Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. 3. Auflage. München 2003, ISBN 3-406-49451-X, Seite 44–45.
  • Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg: Mythen und Sagen Tirols. Mit einem einleitenden Vorwort von Ludwig Bechstein. Unveränderter Neudruck der Ausgabe von Meyer u. Zeller, Zürich 1857. Niederwalluf bei Wiesbaden 1971, Seite 58–60.
  • Ingo Schneider: Der Blutschink. Materialien zu einer ungeklärten Gestalt der Tiroler und Kärntner Volksüberlieferung. In: Leander Petzoldt und Siegfried de Rachewiltz (Hrsg.): Der Dämon und sein Bild, Berichte und Referate des dritten und vierten Symposions zur Volkserzählung. Brunnenburg/Südtirol 1986/87. (= Beiträge zur Europäischen Ethnologie und Folklore, Reihe B: Tagungsberichte und Materialien; Band 2.) Frankfurt am Main u. a. 1989, ISBN 3-631-40609-6, S. 65–83.
  • Richard Beitl (1933/2007): Untersuchungen zur Mythologie des Kindes. Hrsg. von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster / New York / München / Berlin: Waxmann, S. 102–104.

Einzelnachweise

  1. ↑ Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes. Hrsg.: Bernd Rieken und Michael Simon. Waxmann, Münster / New York / München / Berlin 2007, S. 103 f. 



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Choronzon

Noir24admin Dämonen 16. Juni 2026

Choronzon /ˌkoʊˌroʊnˈzoʊn/ ist ein Dämon, der in den Schriften der Okkultisten Edward Kelley und John Dee aus dem 16. Jahrhundert in deren okkultem System der Henochischen Magie erwähnt wird. Im 20. Jahrhundert wurde er zu einem wichtigen Element in dem von Aleister Crowley gegründetem System Thelema, in dem er der „Bewohner des Abyss“[1][2] ist, der als letztes großes Hindernis zwischen dem Adepten und der Erleuchtung gilt. Die Thelemiten glauben, dass seine Funktion darin besteht, das Ego zu zerstören, damit der Adept über den Abyss der okkulten Kosmologie hinausgehen kann, wenn man ihm mit der richtigen Vorbereitung begegnet.

Herkunft und Variationen

Die Herkunft des Begriffs Choronzon ist umstritten, da er vor allem in okkulten Kontexten auftaucht und keine klare historische oder sprachliche Wurzel hat.

Der Name Choronzon wurde erstmals in den Aufzeichnungen von John Dee und Edward Kelley im 16. Jahrhundert erwähnt, die als Begründer der enochianischen Magie gelten. In diesen Schriften taucht Choronzon als ein mächtiges und chaotisches Wesen auf, das als Dämon des Abyss und als Zerstörer beschrieben wird. Der genaue Ursprung des Namens wird in diesen Texten nicht erklärt. Dee und Kelley wollen ihn angeblich durch spirituelle Visionen oder Offenbarungen von engelhaften Wesen erhalten haben.

Aleister Crowley übernahm den Namen Choronzon aus Dees System und erweiterte dessen Bedeutung in seinen eigenen magischen Praktiken. Er sah Choronzon als archetypisches Konzept und nicht nur als individuelles Wesen.

Kenneth Grant, ein Schüler Crowleys, und andere okkulte Autoren interpretierten den Namen Choronzon in Verbindung mit anderen dämonischen und mythologischen Gestalten. Laut Grant ist das Wort oder der Name Choronzon höchstwahrscheinlich eine Verballhornung von Chozzar, dessen Symbol das Dreizack ist und ihn mit Neptun-Nodens, dem Gott der Tiefe, gleichsetzt.[3]

Es gibt keine klare etymologische Wurzel für den Namen. Einschließlich Crowleys Schreibweise des Namens, Choronzon, scheint es drei Alternativen zu geben. Méric Casaubon gibt in seiner A true and faithful relation of what passed for many years between Dr. John Dee and Some Spirits an, dass der Name Coronzon (ohne 'h') lautet. Dies steht jedoch im Widerspruch zu der Schreibweise, die in John Dees Tagebüchern steht. Donald Laycocks The Complete Enochian Dictionary: A Dictionary of the Angelic Language as Revealed to Dr. John Dee and Edward Kelley gibt die letztere Schreibweise als Coronzom an und zitiert ein Originalmanuskript (Cotton XLVI Pt. I, fol. 91a) als Quelle für die Variante.[4][5] A.D. Mercers Liber Coronzom: An Enochian Grimoire diskutiert die Frage der Schreibweise ausführlich und enthält Abbildungen aus Dees Original-Tagebüchern und aus Casaubons True and Faithful Relation…, die die Unterschiede zeigen.[6]

Choronzons Rolle im Okkultismus

Mehrere Wissenschaftler haben sich im Zusammenhang mit Aleister Crowleys Thelema und John Dees Henochischem System mit Choronzon als Konzept in der westlichen Esoterik beschäftigt. Gemäß Kocku von Stuckrad haben sich Figuren wie Aleister Crowley magische Traditionen aus der Renaissance, wie John Dees Henochisches System, angeeignet, um neue spirituelle Rahmen zu schaffen. Choronzon erscheint in diesen Diskussionen als chaotische und gegnerische Kraft, die die Fragmentierung des Ichs während der spirituellen Transformation symbolisiert. In seinen Studien zur Esoterik und zur Geschichte der Magie hebt Egil Asprem die Rolle von Choronzon als Test- oder Torwächterfigur hervor, die in fortgeschrittenen Stadien der mystischen Praxis konfrontiert werden muss. Er konzentriert sich dabei auf die doppelte Natur des Choronzon, der sowohl eine Quelle des Chaos als auch eine notwendige Herausforderung auf dem Weg zur Erleuchtung darstellt. Wouter Hanegraaff liefert einen breiteren Kontext für das Verständnis von Figuren wie Choronzon, indem er analysiert, wie die moderne Esoterik Symbole aus früheren mystischen Traditionen interpretiert und integriert. Dabei wird Choronzons Rolle bei der „Überquerung des Abgrunds“ als Teil einer transformativen Reise verstanden, die ihre Wurzeln in den thelemischen Lehren hat.

Choronzon nach Crowley

Der erste moderne Interpret von Choronzon ist Aleister Crowley. Er macht Choronzon in seinem Werk The Vision and the Voice (1909) zu einem zentralen Element seiner mystischen und magischen Lehren. In der Thelema wird Choronzon als Wächter des Abyss dargestellt, der metaphysischen Leere, die das individuelle Selbst vom Göttlichen trennt. Der Abyss steht für die Vernichtung des Egos, ein notwendiger Schritt zur Erlangung der spirituellen Erleuchtung in Crowleys Rahmen. Crowley beschreibt Choronzon als die Verkörperung von Chaos, Illusion und fragmentiertem Ego und bringt ihn mit dem Abgrund in Verbindung, einer symbolischen Kluft in der thelemischen Kosmologie, die den Übergang vom weltlichen Wissen zum universellen Verständnis darstellt.[1][2] In diesem System wird Choronzon nur in der Evokation Gestalt verliehen, damit er beherrscht werden kann.

Crowley gibt an, dass er und Victor Benjamin Neuburg Choronzon im Dezember 1909 in Bou Saâda, Algerien, beschworen haben.[1][7] In Crowleys Bericht ist unklar, ob Choronzon in ein leeres salomonisches Dreieck beschworen wurde, während Crowley woanders saß, oder ob Crowley selbst das Medium war, in das der Dämon beschworen wurde. Fast alle Autoren außer Lawrence Sutin gehen davon aus, dass er Letzteres meint. In dem Bericht wird beschrieben, wie Choronzon seine Gestalt verändert, was als Bericht über eine tatsächliche Metamorphose, als subjektiver Eindruck Neuburgs oder als Erfindung Crowleys gelesen werden kann.

Der Bericht beschreibt, dass der Dämon Sand über das Dreieck warf, um es zu durchbrechen, woraufhin er Neuburg „in der Gestalt eines nackten Wilden“ angriff und ihn zwang, ihn mit der Spitze eines Dolches zurückzuschlagen. Crowleys Bericht wurde als unzuverlässig kritisiert, da die relevanten Originalseiten aus dem Notizbuch, in dem der Bericht geschrieben wurde, herausgerissen wurden. Dies und andere Ungereimtheiten in dem Manuskript haben zu Spekulationen geführt, dass Crowley das Ereignis gefälscht hat, um sein eigenes Glaubenssystem zu unterstützen. Crowley selbst behauptete in einer Fußnote zu dem Bericht in Liber 418, dass die größten Vorsichtsmaßnahmen zu der Zeit ergriffen wurden, um über den Ritus der Evokation Stillschweigen zu bewahren.[8] Arthur Calder-Marshall behauptet dagegen in The Magic of my Youth[9], dass Neuburg eine ganz andere Darstellung des Ereignisses gab und behauptete, dass er und Crowley den Geist „eines Baumeisters aus Ur der Chaldäer“ beschworen, der sich „P.472“ nannte. Das Gespräch beginnt, als zwei britische Studenten Neuburg nach einer Version der Geschichte fragen, in der Crowley ihn in ein Zebra verwandelt und an einen Zoo verkauft hat. Neuburgs Antwort in diesem Buch widerspricht sowohl den Worten, die ihm in Liber 418[2] zugeschrieben werden, als auch der Aussage des Crowley-Biografen Lawrence Sutin.[10]

Da’at, die elfte Sephirah des Baums des Lebens, ist auch die Heimat von Choronzon.[11] Es wird angenommen, dass Choronzon durch die Macht der Göttin Babalon, die in Binah, der dritten Sephirah wohnt, in Schach gehalten wird. Sowohl Choronzon als auch der Abyss werden in Crowleys Bekenntnissen (Kap. 66) behandelt:

„Der Name des Bewohners des Abyss ist Choronzon, aber er ist nicht wirklich ein Individuum. Der Abyss ist leer vom Sein; er ist mit allen möglichen Formen gefüllt, die alle gleich sinnlos sind und daher im einzig wahren Sinne des Wortes böse - das heißt, sinnlos, aber bösartig, insofern sie danach streben, wirklich zu werden. Diese Formen werden wie Kleintromben sinnlos zu Haufen aufgewirbelt, und jede dieser zufälligen Ansammlungen behauptet, ein Individuum zu sein, und schreit: ‚Ich bin ich!‘, obwohl sie sich die ganze Zeit bewusst ist, dass ihre Elemente keine wirkliche Verbindung haben; so dass die geringste Störung die Täuschung auflöst, so wie ein Reiter, der einer Kleintrombe begegnet, ihn in einem Sandregen zur Erde bringt.[1]“

C.F. Russell, einer von Crowleys Schülern, gründete später den „Choronzon Club“, der später in GBG umbenannt wurde.[12][13]

Grants Konzept von Choronzon

Kenneth Grant erweitert Crowleys Interpretation, integriert die Figur Choronzon als Konzept mit archetypischen und esoterischen Dimensionen in seine Arbeit und beschreibt sie in den Typhonischen Trilogien als eine Manifestation von Illusion und Ego, die den Pfad zu höherer Erkenntnis blockiert. Choronzon wird von Grant als Dämon des Abyss (Abgrund) verstanden, und als Symbol für die Fragmentierung und Zerstreuung des Bewusstseins. In seinem Buch Die Nachtseite von Eden beschreibt er Choronzon als Wächter des Abyss, der den Übergang zwischen der materiellen und der spirituellen Welt schützt und verbindet ihn mit dem Konzept des Qlippoth-Baumes, dem Schattenaspekt des kabbalistischen Lebensbaums, der die verborgenen oder dunklen Aspekte der Schöpfung symbolisiert.

Choronzon in der Chaosmagie

Ähnlich wie Satan von einigen, die den abrahamitischen Gott ablehnen, verteidigt wird, wurde Choronzon von einigen ikonoklastischen Okkultisten, insbesondere von Chaosmagiern, als eine positive Figur verstanden.[14] Peter Carrolls Mass of Choronzon ist ein Ritual, bei dem es darum geht, die Energie des eigenen Ichs in das Universum zu schleudern, um einen unbekannten Wunsch zu erfüllen,[15] was zum Teil als Inspiration für modernisierte Rituale diente, die auf dem „333er Strom“ basieren. Carroll selbst erklärt jedoch, dass Choronzon einfach der Name für die zwanghaften Nebeneffekte einer verblendeten Suche nach einem falschen heiligen Schutzengel ist, oder für alles, was der Magier mit seinem eigenen tiefgründigen Genie verwechseln würde.[16]

In der Popkultur

Eine Beschwörung von Choronzon bildet die Grundlage für eine Folge von Hammer House of Horror aus dem Jahr 1980 mit dem Titel „Guardian of the Abyss“, in der eine Sekte namens The Choronzon Society den Hellseher-Spiegel von John Dee benutzt, um Choronzon zu beschwören.[17]

Ein experimentelles Multimediaprojekt mit dem Namen Choronzon[18] existiert seit den späten achtziger Jahren. Es begann als zwei getrennte und unbekannte Kassetten-Kulturprojekte, eines von der Westküste der Vereinigten Staaten und das andere aus dem Osten der USA. Als das Internet die beiden Projekte aufeinander aufmerksam machte, schlossen sie sich zu einem Projekt zusammen. Ab 2021 betreiben sie die Domain choronzon.org. Sie haben mehrere Alben und ein gedrucktes Buch mit dem Titel Panic Pandemic veröffentlicht.[19] Da sie behaupten, dass ihre Musik nicht nur Musik ist, sondern auch Magie beinhaltet, werden die Werke des Projekts sowohl im Untergrund als auch auf traditionellem Wege verbreitet. Der Dämon Choronzon wird als tatsächliches Mitglied des Projekts genannt,[20] ein Teil davon hat sich darauf konzentriert, den Mythos um diese Entität über die thelemische Version von Choronzon hinaus in eine modernisierte „post-abyssale“ Version zu erweitern und Choronzon als Antiheld und Halbgott darzustellen, nachdem er zu einem umgekehrten Satan in Form eines „auferstandenen Dämons“ wurde. Er wird auch als rekrutierbarer Dämon in den Shin Megami Tensei Spielen vorgestellt.

Choronzon ist ein Dämon in Sandman von Neil Gaiman, in dem er den Helm von Dream of the Endless in Besitz nimmt. Als Dream in die Hölle hinabsteigt, um den Helm zu holen, fordert er Choronzon zum Ältesten Spiel heraus. Dream gewinnt das Spiel, indem er Choronzons Anti-Leben mit Hoffnung kontert.[21]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Aleister CrowleyConfessions. Die Bekenntnisse des Aleister Crowley. Eine Autohagiographie. 2 Bände Stein der Weisen / Bohmeier, Bergen a.d. Dumme 1986, ISBN 978-3-89094-103-5, K. 66
  2. ↑ a b c Aleister Crowley Die Vision und die Stimme. Liber XXX aerum vel saeculi CCCCXVIII. Übers. und kommentiert von Marcus M. Jungkurth. Kersken-Canbaz, Bergen a.d. Dumme 1986, ISBN 3-89423-004-5, Aethyrs 9, 10 und 11.
  3. ↑ Kenneth Grant Die Nachtseite von Eden. Edition Roter Drache, 2008, ISBN 978-3-939459-07-1, S. 9.
  4. ↑ Laycock, Donald (1994). The Complete Enochian Dictionary, Weiser Books, ISBN 0-87728-817-8, S. 98
  5. ↑ Online-Manuskriptscan von The Magickal Review
  6. ↑ A.D. Mercer Liber Coronzom: An Enochian Grimoire, Three Hands Press; New edition, 2023, ISBN 978-1-945147-47-0, S. 20–21
  7. ↑ Aleister Crowley Die Vision und die Stimme. Liber XXX aerum vel saeculi CCCCXVIII. Übers. und kommentiert von Marcus M. Jungkurth. Kersken-Canbaz, Bergen a.d. Dumme 1986, ISBN 3-89423-004-5, Aethyrs 10.
  8. ↑ Aleister Crowley Die Vision und die Stimme. Liber XXX aerum vel saeculi CCCCXVIII. Übers. und kommentiert von Marcus M. Jungkurth. Kersken-Canbaz, Bergen a.d. Dumme 1986, ISBN 3-89423-004-5, Aethyrs 10. FN 5
  9. ↑ Arthur Calder-Marshall, The Magic of my Youth, Cardinal Books, 1990, ISBN 978-0-7474-0625-9, S. 34–36
  10. ↑ Lawrence Sutin, DO WHAT THOU WILT P: A Life of Aleister Crowley 2012, ISBN 978-0-312-28897-6, Kap. 6, S. 204.
  11. ↑ Kenneth Grant Die Nachtseite von Eden. Edition Roter Drache, 2008, ISBN 978-3-939459-07-1, S. 8
  12. ↑ Vere Chappell, Sexual Outlaw, Erotic Mystic: The Essential Ida Craddock, WEISER BOOKS, 2010, ISBN 978-1-57863-476-7
  13. ↑ Louis T. Culling, Weschcke, Carl Llewellyn The Complete Magick Curriculum of the Secret Order G.B.G.., LLEWELLYN PUB; Expanded, Revised Editio, 2010, ISBN 978-0-7387-1912-2
  14. ↑ Mehrere Autoren. Choronzon Grinnoire Choronzon Projekt. Akolasia.
  15. ↑ Carroll, Peter J. The Mass of Choronzon
  16. ↑ Peter Carrol, Liber Null & Psychonaut, Red Wheel/Weiser, 1987, ISBN 978-0-87728-639-4
  17. ↑ Guardian of the Abyss bei IMDb
  18. ↑ Choronzon in discogs.com
  19. ↑ Oliver Side. "Choronzon - Panic Pandemic". Avant Garde Metal Project. in Avantgarde-Metal.com
  20. ↑ Modemac, E.W. "Cast Iron Chaos: Choronzon". in Modemac.com.
  21. ↑ Choronzon (Sandman TV Serie) in fandom.com



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  1. Dev (Mythologie)
  2. Baphomet
  3. Berggeist
  4. Bies (Slawische Mythologie)

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