Als Dev oder Dew (Plural Devs, Dews) werden in der armenischen Mythologie und kurdischen Mythologie[1] Dämonen bezeichnet, die als Tiere oder Mischwesen aus mehreren Tieren auftreten.[2]Dev geht über neupersisch diw und mittelpersisch dew auf avestisch Daeva zurück. Devs hausen in Ruinen von Städten und Dörfern.[2] Magier sind in der Lage, Devs in die Körper von Menschen einfahren zu lassen oder daraus zu vertreiben.[2]
Es gibt dem antiken Geschichtsschreiber Ełišẽ Vardapet zufolge verschiedene Arten von Devs:[2]
Böse Devs: Alḱ, Ays, Čivał, Višap
Gute Devs: Aralēz, Uruakan
Neutrale Devs: K’aǰk’
Siehe auch: Diw
Literatur
Knaurs Lexikon der Mythologie. Droemer Knaur, Augsburg 2001, ISBN 3-8289-4154-0, S.118f.
↑ abcdK. Ishkol Kerovpian: Mythologie der vorchristlichen Armenier. In: Hans Wilhelm Haussig (Hrsg.): Götter und Mythen der kaukasischen und iranischen Völker (= Wörterbuch der Mythologie. Abteilung 1: Die alten Kulturvölker. Band 4). Klett-Cotta, Stuttgart 1986, ISBN 3-12-909840-2, S. 109 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
Baphomet nach einer Phantasie von Éliphas Lévi (Abbildung in seinem Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (1854))
Mit dem Namen Baphomet oder Bafomet wurde in südfranzösischen Protokollen des Templerprozesses ein angeblich von den Tempelrittern verehrtes Idol bezeichnet.
Etymologie
Über die Herkunft und Bedeutung des Wortes Baphomet gab es einige Spekulationen:
Abufihamat soll arabischen Ursprungs sein und ‚Vater des Verstehens’ bedeuten.
Baphomet soll eine Verballhornung des Namens Mahomet, der mittelalterlichen Schreibweise des Namens Mohamed, gewesen sein.[1]
Baphomet sei eine Verballhornung des gnostischen Bapho Metis (griechisch für: Taufe in Weisheit oder Aufnahme in Weisheit).[1]
Über die aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammende jüdische Atbash-Umkehrung wird in hebräischer Schrift aus Baphomet (ב פ ו מ ת) Sophia (ש ו פ י א).[2] Diese Entdeckung machte Hugh J. Schonfield; ein Beleg, dass die Templer sich mit der Atbash-Umkehrung beschäftigten, existiert bislang allerdings nicht.
Arthur Edward Waite meinte, Baphomet müsse rückwärts gelesen werden, da der Name ursprünglich in hebräischen Buchstaben geschrieben worden sei. Demnach bestünde das Ananym TEM OHP AB aus drei Abkürzungen mit der Bedeutung: Templi omnium pacis abbas, (= ‚der Vater des Tempels, universeller Frieden der Menschheit‘).[3]
Gemäß Aleister Crowley sei Baphomet eine Verballhornung von Vater Mithras (Bafomithr).[1]
Kuno Graf von Hardenberg knüpfte in seiner Schrift Rosenkranz und Bafomet zur Erklärung des Wortes Baphomet an ein altes templerisches Buchstabenquadrat an, in das er nach Streichung aller Buchstaben außer A und B das Templerkreuz einfügen konnte, das aus zwei „Fyrfos“ genannten heraldischen Figuren zusammengesetzt ist und heraldisch „das redende Haupt“ genannt wird.
Baphomet von St-Merry (geschnitzt zw. 1841/1843)
Streicht man aus dem Buchstabenquadrat hingegen nur die Buchstaben A und B, bleiben die Anfangsbuchstaben STNDMT des lateinischen Templernamens Salomonis Templum novum Dominorum Militiae Templariorum und hinter dem mittigen B die kabbalistische Umkehrung TMDNTS übrig. Kombiniert mit dem „redenden Haupt“, dem „Fyrfos“, symbolisiere das Quadrat den „Feuerentzünder“ (lat.: Fomes). In diesem Sinne sei das Quadrat als Nachweis der Ordenszugehörigkeit ein amulettartiges Kleinod zur Abkürzung eines Ritualsatzes der Templer gewesen und als Caput der Templer nicht als Haupt, sondern als Hauptritualstück zu verstehen: „ex literis B A fomitem habemus“ (= aus den Buchstaben B und A haben wir den „Feueranzünder“). Die Abkürzung dieser Formel lautete „B A fomes“ oder „B A fomit“ = Bafomet.[4][5]
Textvergleiche mit zeitgenössischer provenzalischer Literatur ergaben, dass nur in den Prozessprotokollen aus dem provenzalisch-sprachigen Raum die Schreibweise Baffomet verwendet wurde. Baffomet sei das provenzalische Wort für den Propheten Mohammed, beziehungsweise für das angebliche Idol, welches man den Moslems in einigen Chansons de geste zuschrieb. Zum Beispiel findet man die „Götter Bafum/Bafumet et Travagan“ und Mohammed als ihren Abgesandten im provenzalischen Gedicht über das Leben des Heiligen Honorat, fertiggestellt im Jahre 1300. In der Chanson Simon de Pouille, geschrieben vor 1235, spricht man von einem sarazenischen Idol genannt „Bafumetz“, und bereits der Chronist des Ersten Kreuzzugs, Raimund d’Aigulhers, nennt die Moscheen „Bafumarias“. Schon 1098 hatte Anselm von Ribemont in einem Brief aus Antiochia geschrieben, die angreifenden Muslime hätten ihren Gott „Baphometh“ angerufen.[6] Nach einem Idol befragt, beschrieben die Templer nach Meinung von Anke Krüger das, was sie über Idole aus den Chansons de gestes oder Heiligenviten wussten.[7]
Johann Gottfried von Herders Analyse
Im fünften Teil des Buches „Sämmtliche Werke zur Philosophie und Geschichte“ (1820) von Johann Gottfried von Herder wird die Herkunft der Freimaurer und ihre Verteidigung gegen Beschuldigungen, wie die Verehrung des Kopfes Baphometus, thematisiert. Herder diskutiert die Wortherkunft von „Baphomet“ und verweist auf Quellen anderer Autoren, wobei er eine detaillierte Exegese durchführt.
Herders Argumentation zur Wortherkunft
Ab Seite 299 erläutert Herder die Wortherkunft des „Baphomets“ und zeigt auf, dass der Name Baphomet aus Übersetzungsfehlern aus dem Arabischen und historischen Ereignissen entstanden sei. Herder argumentiert, dass der Name eine Verstümmelung des Namens Mohammed sei, während Friedrich Nicolai behauptete, der Name sei griechischen Ursprungs.
Seite 300: Herder kritisiert Nicolais Behauptung, dass „Baphomet“ buchstäblich „die Taufe oder die Tinktur der Weisheit“ auf Griechisch bedeute, und zeigt auf, dass die Zusammensetzung der Worte weder griechisch noch gnostisch sei.
Seite 301: Herder argumentiert, dass der Name „Baphometus“ in Wirklichkeit „Mahomed“ bedeute und dass der Name Mohammed in den barbarischen mittleren Zeiten vielfältig verstümmelt wurde. Herder zitiert Professor Eichhorn, der gezeigt habe, dass das „B“ und „M“ im Arabischen häufig verwechselt werden.
Seite 302: Herder beschreibt, wie arabische Namen in Europa Veränderungen erfuhren und dass die Inquisitoren den Baphomet als Schimpfwort und falschen Propheten kannten. Er verweist darauf, dass die Tempelherren beschuldigt wurden, den Baphomet anzubeten und das Kreuz zu verachten.
Seite 303: Herder zitiert Verhörsartikel, die besagen, dass die Tempelherren Mahomed anbeteten und Christen verleugneten. Er stellt fest, dass diese Beschuldigungen dazu führten, dass die Tempelherren verbrannt und ihre Güter eingezogen wurden.
Seite 304: Herder betont, dass „Baphomet“ in der Welt nichts anderes als „Mahomet“ bedeute und der Name in vielen europäischen Schriften verstümmelt wurde. Er verweist auf die „Gesta Dei per Francos“ von Bongarsius, wo „Mahomet“ als „Bahometh“ oder „Bahumeth“ erscheint.
Seite 305: Herder argumentiert, dass Nicolais Interpretation von „Baphomet“ als „geheime Tinktur der Weisheit“ unrichtig sei. Er stellt fest, dass der Kopf Baphomets keine tiefere Bedeutung habe und lediglich eine verbreitete Sage war.
Geschichten über Mahomeds Köpfe
An anderer Stelle beschreibt Herder verschiedene Geschichten über Mahomeds Köpfe, darunter die Erzählung des Erzbischofs Turpin, der ein magisches Bild von Mahomed geschaffen habe. Herder kritisiert diese Geschichten als erfundene Lügen, die die Köpfe der Menschen verwirrten.
Herder argumentiert, dass „Baphomet“ eine verstümmelte Version des Namens „Mahomet“ sei und keine tiefere Bedeutung habe. Er widerlegt die Behauptungen von Friedrich Nicolai und verteidigt die Tempelherren gegen die Anschuldigungen der Inquisition.
Baphomet und die Templer
Als Baphomet-Darstellung gedeutete Abbildung eines Dreigesichtigen Kopfes in der Templerburg Tomar, PortugalKapelleneingangsfenster der Komturei von Villedieu, mit Ergänzung des Baphomet im Stil von St-Merry während der Renovierung von 2012
Das historische Fundament des Baphomet findet sich in den Protokollen, die während des Templerprozesses angefertigt wurden. Einer der Anklageartikel im Prozess gegen die Templer von 1307 lautete, die Ordensbrüder würden ein „Idol“ verehren. Während der unterschiedlichen Verfahren des Prozesses bekannten nur wenige Zeugen eine solche Anbetung. Die Beschreibungen variieren. In den Protokollen der Anklage ist zum Beispiel nach Aussage Larchants von einem „Idol als ein Kopf mit Bart“ die Rede, dem die Templer angeblich huldigten. Manche erklärten es zu einer schwarzen Statue, andere als einen Kopf mit zwei oder drei Gesichtern (vgl.: Ianus, Dreifaltigkeit) oder auch als vierfüßige Gestalt.
Der Terminus baffomet erscheint hierbei nur in einigen Protokollen, die in Südfrankreich aufgenommen wurden. Es wurde weder ein Beweis für die tatsächliche Verehrung noch ein existierendes Götzenbild des Baphomet gefunden. Die Aussagen in den Protokollen divergieren derart, dass es bisher nicht möglich ist, daraus einen Beleg für die Existenz und Gestalt des Baphomet zu entnehmen. Zudem wurden diese Aussagen oft unter Folter erzwungen.[8]
Éliphas Lévis Baphomet und moderne Rezeption
Darstellung des Baphomet in den Posen der Zwillingsbrüder Cautes und Cautopates aus dem MithraskultBaphomet in einer angeblichen Freimaurer-Zeremonie. Illustration in einem von Taxil herausgegebenen Buch. Siehe: Taxil-SchwindelSiegel des Baphomet der Church of Satan
Der Magier und okkultistische Schriftsteller Éliphas Lévi Zahed zeichnete im 19. Jahrhundert Baphomet erstmals als Dämon mit gehörntem Ziegenkopf, weiblichen Brüsten und einem Pentagramm auf der Stirn. Seine Darstellung entstand aus verschiedenen weitaus älteren Gottheiten heidnischen Ursprungs. So findet man gehörnte Fruchtbarkeitsgötter im alten Ägypten und bei keltischen Darstellungen. Entsprechungen der Armhaltung und Fackelsymbolik können im Mithraskult in dem Zwillingsbrüderpaar Cautes und Cautopates entdeckt werden, den personifizierten knabenhaften Sinnbildern von Morgen und Abend, Leben und Tod mit erhobener oder gesenkter Fackel. Es können zudem mehrere konkrete Quellen für Lévis Baphomet ausgemacht werden, wie der berühmte Androgyn in Heinrich Khunraths Amphitheatrum sapientiae aeternae (1595), ein Druck in einer Ausgabe von Clovis Hesteau de Nuysement Traittez de l’harmonie et constitution generalle du vray sel und vor allem die Karte Le Diable im Tarot de Marseille (um 1500). Zudem waren optisch ähnliche Darstellungen des Teufels oder von Dämonen seit der frühen Neuzeit omnipräsent.[9]
Es ist darauf hingewiesen worden, dass Lévis Baphomet im historischen Kontext von Frühsozialismus, Romantik und Magnetismus gesehen werden muss. Er steht dabei einerseits für eine angebliche Tradition der wahren Religion, die sich von der spätantiken Schule von Alexandria über Gnostiker, Templer, Katharer und andere Häretiker bis hin zu zeitgenössischen Sozialisten erstreckte. Andererseits ist er ein symbolischer Ausdruck von Lévis magisch-magnetistischer Theorie des Astrallichts.[10]
Lévis Baphomet ist heute weit verbreitet und wurde von Satanisten übernommen. Verwendung findet die Darstellung unter anderem in der Satanischen Bibel von Anton LaVey und auf Schallplattencovern von Bands wie Angel Witch[11][12], Death SS[13][14][15], Ringworm[16], Mysticum[17] und Blackdeath[18]. Seine Faszination erklärt sich durch ihre vielschichtige synkretistische Symbolik. Die Figur vereint Gut und Böse, Mensch und Dämon, Frau und Mann, Mensch und Tier und enthält darüber hinaus Elemente der Alchemie (Solve et coagula! – ‚Löse und verbinde!‘). In der Folge fand Baphomet auch Eingang in die belletristische Literatur, etwa in den Roman „Der Vampir“ von Władysław Reymont, hier als Ausformung des Teufels.
Der Taxil-Schwindel verursachte die Verschwörungstheorie, die Freimaurer würden Baphomet, wie ihn Lévi darstellte, als Götzen anbeten.
Im so genannten „christlichen Ritus“ der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland spielt die die Weltseele versinnbildlichende Figur des Baphomet in der Schreibweise „Baffometus“, was abgeleitet von dem italienischen Wort bafil („Bart“) „der Mann mit dem Barte“ bedeutet, eine gewisse Rolle. Das Symbol ist in der Großen Landesloge nur auf dem Amtszeichen des Großmeisters sichtbar.[19]
Seine Beschäftigung mit den Templern ließ Alfred Schuler glauben, diese hätten ein bärtiges, Baphomet genanntes Haupt verehrt. Dies setzte er mit der Anbetung des quintessentiellen Lebens gleich, die die Tempelherren mit dem Tod gebüßt hätten – womit er sie zu verkappten Gnostikern erklärte.[20]
Solche modernen Darstellungen entbehren jeglichen historischen Kontextes mit den Tempelrittern und sind auch nicht mit Funden aus der Zeit der Templer belegbar.
Literatur
Anke Krüger: Schuld oder Präjudizierung? Die Protokolle des Templerprozesses im Textvergleich (1307–1312). In: Historisches Jahrbuch. Bd. 117, 1997, ISSN 0018-2621, S. 340–377.
Anke Krüger: Das „Baphomet-Idol“. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden. In: Historisches Jahrbuch. Bd. 119, 1999, S. 120–133.
Allan Oslo: Die Geheimlehre der Tempelritter. Geschichte und Legende. Königsfurt, Klein Königsförde/Krummwisch 2001, ISBN 3-93-393988-7.
Peter Partner: The Murdered Magicians. The Templars and their Myth. Oxford University Press, Oxford u. a. 1982, ISBN 0-19-215847-3, vor allem S. 138 ff. und 164 ff.
Julian Strube: The "Baphomet" of Eliphas Lévi. Its Meaning and Historical Context. In: Correspondences. Bd. 4, 2017, ISSN 2053-7158, S. 37–79.
↑ abcRuud Vermeer: Aleister Crowley. Iris Buecher 2005. S. 148.
↑Diese Umkehrung wurde auch als kryptologisches Rätsel in dem Roman Sakrileg (The Da Vinci Code) benutzt.
↑Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe; sowie 3. aktualisierte Auflage, beide Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 98.
↑Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistische Geheimgesellschaften. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, S. 258ff.
↑Ian Wilson vertritt die – von der Fachwissenschaft überwiegend abgelehnte – Hypothese, das von den Tempelrittern angeblich verehrte Idol sei mit dem Turiner Grabtuch identisch. Vgl. zuletzt Karlheinz Dietz, Die Templer und das Turiner Grabtuch. In: Karl Borchardt, Karoline Döring, Philippe Josserand, Helen J. Nicholson (Hrsg.): The Templars and Their Sources (= Crusades – Subsidia. Bd. 10). Routledge, London 2017, ISBN 978-1-315-47529-5 (E-Book; eingeschränkte, unpaginierte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Matthias Mader: Angel Witch. In: Matthias Mader, Otger Jeske, Manfred Kerschke (Hrsg.): NWOBHM: New Wave of British Heavy Metal. The Glory Days. Iron Pages, Berlin 1995, S.16.
↑Angel Witch. In: Malc Macmillan (Hrsg.): The N.W.O.B.H.M. Encyclopedia. I.P. Verlag Jeske/Mader GbR, Berlin 2012, S.35.
↑Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe, Goldmann, München 1997, ISBN 3-442-12179-5, S. 97–98.
↑Franz Wegener: Alfred Schuler, der letzte deutsche Katharer. Gnosis, Nationalsozialismus und mystische Blutleuchte. Gladbeck 2003, ISBN 3-931300-11-0, S. 32.
Berggeist (lateinischdaemon subterraneus, „Unter-Tage-Dämon“; daneben auch daemon metallicus, „Bergwerksdämon“) ist der Oberbegriff für verschiedene Fabelwesen, die in Bergwerken oder im Gebirge zu finden sind. Bekannte Beispiele sind der Bergmönch, der Bergteufel und die koboldartigen Bergmännchen oder Trolle. Später wurde der Begriff in weiterem Sinn auch auf Wald- und Gebirgsgeister, wie Rübezahl (Riesengebirge), ausgedehnt. Weitere geläufige Bezeichnungen für Berggeister sind etwa Knappenmandl, Grubenmännlein oder Lötterl (Slowenien). Namen für einzelne Berggeister sind Nickel[1], Skarbnik (Schatzhüter, Oberschlesien), Gübich (Harz) und Gangerl (Gegend um Budweis).
Vorläufer
Ein nacktes Bergmännchen sitzt zu Füßen König Wenzels.
Der Begriff „Bergmännlein“ wird 1487 zum ersten Mal als Name einer Grube in Schneeberg erwähnt. Etwa zur selben Zeit findet sich auf einem Holzschnitt zum Judicium Jovis des Humanisten Paulus Niavis, der ältesten Dichtung zum erzgebirgischen Bergbau, eine Darstellung von drei nackten, kindlichen Wesen, ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale, die als Schutzgeister des Bergbaus interpretiert werden. Wahrscheinlich lehnt sich diese Art der Darstellung an die antiken Penaten an, die über die Speisekammer und die Vorräte eines Haushaltes wachten. An anderer Stelle berichtet Niavis aber auch davon, dass die Bergleute in Schneeberg gefährliche Unter-Tage-Dämonen kannten, „die den Menschen Gewalt antun“. In einer Prager Miniatur von 1525, über die Verleihung des Münzrechts an die Bergleute von Kuttenberg durch Wenzel II., kauert zu Füßen des Königs ebenfalls eine kleine, nackte Figur, die den Bergleuten zur Begrüßung ein Grubenlicht entgegenstreckt.
Die Systematik der Berggeister bei Agricola
In seinen montanwissenschaftlichen Schriften Bermannus (1530), De animantibus subterraneis (1549) und De re metallica (1556) versuchte Georgius Agricola unter anderem die ihm bekannten Überlieferungen der Bergleute mit den Ansichten mittelalterlicher Dämonologen, wie Michael Psellos und Johannes Trithemius, in Übereinstimmung zu bringen. Psellos z. B. unterteilte die Dämonen in sechs Klassen, von denen er die fünfte, die „Unterirdischen“, neben den „Lichthassern“, zu den bösartigsten und gefährlichsten rechnete, weil sie mit einem festen Körper ausgestattet seien. Dem setzte Agricola entgegen, dass es neben solchen bösartigen Berggeistern auch harmlose und gutmütige gäbe. Diese beiden Arten von Berggeist bezeichnete er (und das Glossar zu De animantibus) als:
daemon subterraneus mitis (lat.: mild, friedlich): „bergmennel“, „kobel“, und „guttel“
Im Gegensatz zu den Theologen seiner Zeit rechnete er diese Geister auch zu den Lebewesen und nicht zu den rein geistigen Wesen.
Als Beispiele für einen „Bergteufel“ erwähnt Agricola hier zum ersten Mal einen Geist mit wilden Augen und langgestrecktem Hals (wie ein Pferd), der in Annaberg zwölf Arbeiter durch seinen giftigen Atemhauch getötet haben soll, woraufhin das Bergwerk, trotz seiner hohen Silbergehalte, aufgegeben wurde. In den frühen Übertragungen ins Deutsche ist aber direkt von einem „Pferd“ mit langem Hals und wilden Augen die Rede, und in dieser Gestalt ist dieser (namenlose) Geist auch in die Sage eingegangen.
Ein weiteres Beispiel ist ein Geist in einer schwarzen Kutte, der in der Grube St. Georg auf dem Schneeberg einen Arbeiter hochgehoben und in eine silberreiche Höhle versetzt haben soll, „nicht ohne ihn übel zuzurichten“. In neueren Übertragungen ist allerdings nur von aufgehobenem Handwerkszeug die Rede, das der Geist, „nicht ohne körperliche Anstrengung“ in eine höher gelegene Strecke hinaufschaffte. Auch wenn Agricola ihn nicht so nennt, handelt es sich bei diesem Geist offenbar um den boshaften Bergmönch, der später besonders im Harz, im Erzgebirge, in Sachsen und Siebenbürgen Eingang in die Bergmannssagen fand.
Diesen gefährlichen, bösartigen Einzelgängern stellt Agricola die geselligen „Bergmännchen“ entgegen. Diese zeigen bei ihm das charakteristische Verhalten von Kobolden: Sie kichern fröhlich und machen sich durch Geräusche (Klopfen etc.) oder Steinwürfe bemerkbar, laufen hierhin und dorthin und imitieren arbeitende Menschen. Meist sind sie unsichtbar. Ansonsten erscheinen sie in Gestalt von drei Spannen großen Greisen, die die typische Arbeitskleidung der Bergleute mit Kapuzenkittel und Arschleder tragen. Dieses Aussehen wurde von nun an kanonisch für Zwerge. Auch wenn sie die Bergleute manchmal necken, so schaden sie ihnen nur selten (nur nachdem sie durch Gelächter oder Schimpfworte beleidigt worden sind). Die Bergleute haben nichts gegen die Anwesenheit der Bergmännchen. Im Gegenteil gelten sie als gutes Vorzeichen für reiche Funde (daher die Bezeichnung Guttel). Agricola selbst vergleicht sie mit den oberirdischen Hausgeistern, die den Menschen im Haushalt oder beim Viehfüttern helfen (ähnlich wie Wichtel oder Heinzelmännchen), sowie mit den skandinavischen Trollen, allerdings auch letztere in einer harmlosen, „domestizierten“ Form.
Bergteufel in der Theologie vs. Gnome in der Naturphilosophie
Diese klare Einteilung in freundliche und feindliche Berggeister, die vermutlich an die dualistische Trennung von Engeln und Teufeln angelehnt ist, wurde aber bereits von Agricolas Zeitgenossen teilweise wieder verwischt. Schon von den Übersetzern seines Bermannus wurden auch die menschenfeindlichen Berggeister wieder als „Bergmännel“ bezeichnet. Nur Sebastian Münster behielt in seiner Cosmographia die strikte Trennung zwischen „klein teüfelin“ und „bergmenlin“ weiter bei.
Ein schwarzer Bergteufel (bzw. Felsentroll), rechts unten, arbeitet mit einem Strahlstock in einem norwegischen Bergwerk. Olaus Magnus: Historia de gentibus septentrionalibus, Buch 6, Kap. 10, 1555.
In dem religiös aufgeheizten Klima von Reformation und Gegenreformation ging die Diabolisierung des Berggeistes stetig voran: Martin Luther schreibt besonders das Unwesen des Bergmönches dem direkten Wirken Satans zu, der auch die Bergleute durch Lug und Trug ins Verderben zu stürzen versucht. Der Reformator und Prediger Johannes Mathesius kennt zwar noch die Begriffe „Cobelt“ und „Gütlein“, aber ihre menschenfreundliche Wesensart scheint vergessen. Allesamt sind bloße Gespenster. Der „Bergteufel“ ist umgeben von zahlreichen „Bergteufelein“, und so wie diese haben auch die „Bergmennel“ nichts anderes im Sinn, als den Bergmann zu erschrecken und in den Tod zu stürzen. Auch im Werk des Katholiken Olaus Magnus wird der Berggeist durchgängig in der damaligen Ikonographie des Teufels dargestellt (selbst wenn er bei der Arbeit „mithilft“): mit großen Ohren, oder Hörnern, schnabelartigen Schnauzen, Krallenhänden und Raubvogelfüßen.
Neue Impulse, aber auch Verwirrung, stiftete Paracelsus, indem er die Berggeister in den Rahmen der Vier-Elemente-Lehre einordnete und zu Elementargeistern erklärte. Er bezeichnete die Berggeister als „Pygmäen“ (die aber, bis auf ihre kleine Statur, fast nichts mit den Pygmäen der antiken Tradition zu tun haben), oder, mit einem griechischen Fremdwort unklarer Bedeutung, als Gnome. Anders als Agricola schreibt Paracelsus den Erdgeistern keineswegs einen festen Körper zu, sondern hält sie, im Gegenteil, für äußerst subtil und nahezu körperlos, da sie sich durch das dichteste aller Elemente, Erde, bewegen können. Ähnlich wie die Salamander bestünden sie aus einer feurigen Lichtsubstanz. Da sie sich aber auch mühelos durch weniger dichte Elemente bewegen können, treten sie wie die Undinen zuweilen auch mit Menschen in Kontakt. Dann erscheinen sie in Gestalt von Irrlichtern, Gespenstern oder traditionell als hilfreiche, kleine Männchen. So wie die anderen Elementargeister haben die Gnome keine Seele. Diese können sie nur durch die Heirat mit einem Menschen erlangen. Die eventuellen Nachkommen von Gnomen und Menschen sind Zwerge.
Berggeister in der Sage
Im weiteren kehrten solche Vorstellungen aus den Schriften humanistischer Renaissance-Gelehrter wieder in die volkstümlichen Erzählungen zurück. Dort wurden die einzelnen Elemente in vielfältigster Weise neu miteinander kombiniert und gelangten von dort aus in die Sagensammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts.
Duch Gór, ein Berggeist
Der einzelgängerische Berggeist nimmt dabei immer mehr Züge der geselligen Bergmännchen an. Wie diese erscheint er nun oft in der Gestalt eines alten Männleins in Bergmannskleidung. Ebenso kann er die Bergleute zu neuen Fundstätten führen und hilft ihnen gelegentlich höchstpersönlich beim Abbau der Erze. Manchmal bringen die Bergleute ihm Opfer (tägliche Speisen und Geleucht, ein rotes Röcklein im Jahr). Bei Nichterfüllung versiegt das Erz, oder der Säumige wird vom Berggeist getötet. Generell belohnt der Berggeist Fleiß und Ehrlichkeit, bestraft aber Habgier und Wortbruch. Wie die Gnomen des Paracelsus kann er durch das Gestein gehen, erscheint oft auch über Tage, bei den Schächten, im Gebirge und im Wald (wo noch unbekannte reiche Erzadern zu finden sind). Meist wird der Berggeist als männlich angesehen, manchmal aber auch als weiblich, als schöne Fee oder Weiße Frau, die sich zuweilen in einen Bergmann verliebt. Selten handelt es sich beim Berggeist um einen Wilden Mann (Gründungssage von Wildermann im Harz), oder um einen Wassermann (in einem See bei Erzberg).
Auch die koboldartigen Bergmännchen erscheinen immer mehr wie feenartige Wesen: ihre Kleidung ist (für Bergleute) entweder auffällig „farblos“ (weiß, grau, silber), oder auffällig bunt (rot, grün). Ihre Feste und Tänze führen sie nicht nur in unterirdischen Höhlen und Palästen durch, sondern auch auf Wiesen im Mondlicht. Gelegentlich (z. B. in Banská Štiavnica) erscheinen die Berggeister sogar in Gestalt barfüßig tanzender Mädchen. In Erzählungen über einen Krieg zwischen verschiedenen Zwergenvölkern schimmert aber zuweilen noch der Dualismus zwischen „Bergteufelein“ und „Bergmännlein“ durch. Daneben erscheinen die Berggeister auch als kleine Tiere, z.B, als Ratten (die aus Gebirgsspalten herauslaufen), oder als schwarze Vögel, Fliegen und Hornissen etc.
Der Bergmönch
Besonders der Bergmönch wurde zu einer ausgesprochen widersprüchlichen Figur: anstatt in der Gestalt eines Mönches erscheint er auch als Riese mit Kapuze (mit sprühenden Augen, groß wie Kutschenräder), in der Gestalt eines Steigers oder Bergmeisters (mit einem silbernen Grubenlicht) oder noch häufiger als Geschworener. Tatsächlich wird er in manchen Sagen für das Gespenst eines toten Bergmeisters gehalten, der sich nicht von seiner geliebten Arbeit trennen konnte, und nun für immer in den Stollen und Gruben umgehen muss. Noch immer ist er gefährlich, wie ein Bergteufel, und tötet mit seinem Gifthauch die Bergleute, die sich über ihn beschweren. Er lässt Stollen einstürzen oder verursacht Wassereinbrüche und Schlagwetter. Andererseits handelt es sich bei den Bergleuten, die er in die Schächte oder Räderwerke wirft, meist um ungerechte Aufseher oder habgierige Lügner. Arme Bergleute beschenkt er hingegen mit reichem Erz und Geld. Verschütteten bringt er Nahrung und erneuert den Unschlitt auf ihren Lampen. Für die Mithilfe bei der Arbeit verlangt er die Hälfte am Lohn. Wenn der Bergmann tatsächlich ehrlich mit ihm teilen will, dann schenkt er ihm auch noch die andere Hälfte.
Der Schatzhüter
Eine wichtige Funktion des Berggeistes ist die des Schatzhüters. In unterirdischen Höhlen und Palästen bewacht er unermessliche Schätze an Edelmetallen und Edelsteinen. Oft handelt es sich bei diesen Wächtern um dämonische Wesen, wie schwarze Hunde, Schlangen, Basilisken, Drachen, oder die Gespenster frevelhafter und verdammter Bergleute. Manchmal handelt es sich beim Schatzhüter um einen Scharfrichter, mit rotem Mantel und bloßem Schwert, der aber nur die Feiglinge tötet, die vor ihm zurückweichen, die Mutigen jedoch passieren lässt. Selbst der leibhaftige Teufel fungiert zuweilen als Schatzhüter. Der oberschlesische Skarbnik hat viele Ähnlichkeiten sowohl mit dem Bergmönch als auch mit Rübezahl, benimmt sich aber tendenziell noch bösartiger. Er tritt meist in Gestalt eines Bergmannes auf, hat aber pechschwarze oder rotglühende Augen. Allein durch seinen Blick kann er einen Eindringling unheilbar krank machen. Während die Bergleute im Allgemeinen auf das Wohlwollen der Schatzhüter angewiesen sind, wenn sie reiche Funde machen wollen, besitzen die Walen in den Sagen oft auch Macht über die Schatzhüter.
Gelegentlich ist es aber auch die „Herrin des Berges“, die über die anderen Berggeister herrscht, die Schätze hütet und nach Gutdünken zuweisen kann (z. B. an ihren Geliebten), oder wieder verschwinden lässt.
Weitere Rezeption
Sowohl das Metall Nickel, als auch das Mineral Nickelin wurden nach dem Berggeist Nickel benannt, der vermeintliche Kupfererze verhexte, so dass aus ihnen kein Kupfer mehr zu gewinnen war. In ähnlicher Weise galten Kobolde als „Silberräuber“, da die nach ihnen benannten Kobalterze mit Silbererzen verwechselt wurden. Siehe auch Wolfram
Ein Ortsteil der Gemeinde Murnau am Staffelsee ist nach dem Berggeist benannt, der Berggeistweiher ebenso die Grube Berggeist bei Brühl im Rheinland.
Die Oper Der Berggeist von Georg Anton Bredelin ist heute nicht mehr erhalten.
Ebenso trägt die romantische Oper von Louis Spohr (1824) den Namen Der Berggeist.
Das Gemälde Der Berggeist von Josef Madlener stellt einen alten Mann mit langem weißen Bart dar, der einen breitkrempigen grünen Hut trägt, sowie einen weiten roten Kapuzenmantel, der in einem bewaldeten Gebirgstal auf einem Steinblock sitzt, während ihm ein Reh aus der Hand frisst. J.R.R. Tolkien besaß eine Postkarte mit einer Reproduktion dieses Gemäldes, das ihn, nach eigener Aussage, zur Figur des Gandalf inspirierte.
Das Motiv des Zwergenkrieges zwischen verschiedenen Völkern von Erdmännchen findet sich in Tilde Michels’ Kinderbuch Kleiner König Kalle Wirsch, das besonders durch die Fernsehproduktion der Augsburger Puppenkiste bekannt wurde.
Auch in der zeitgenössischen Literatur wird das Fabelwesen adaptiert: So ist der Stollentroll in Walter Moers’ Roman Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär vom Charakter her dem Bergmönch ähnlich.
In Leoben bestand eine Studentenverbindung „Berggeist Leoben“ mit den Farben grün-weiß-schwarz.[2]
Spätestens ab 1950 produzierte die Sprituosenfirma Hackel & Fischer[3] den Weinbrand „Berggeist“ in Lohfelden. Das Gebäude der Firma existiert bis heute.
Karl Haiding: Die Sagen von Bergwerksentstehung und Bergwerksuntergang. Kommentar zum Österreichischen Volkskunde-Atlas 5. Lieferung, 2. Teil, 1978
Manfred Blechschmidt (Hrsg.): Die silberne Rose. Europäische Bergmannssagen. Greifenverlag zu Rudolstadt, 1. Auflage, Leipzig, 1974
Gerhard Heilfurth: Der Vorstellungskreis vom ‚Berggeist‛ bei Georg Agricola und seinen Zeitgenossen, Wien, 1967
Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister, Beck, 3. Auflage, München, 2003, ISBN 3-406-49451-X, S. 37–38.
Einzelnachweise
↑Gottfried Schatz: Der Kobold in mir: Was das Kobalt unseres Körpers von der Geschichte des Lebens erzählt. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Februar 2009, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 3. Juni 2012]): „Die Fabelwelt der Alpen war stets reich an Schreckensgestalten. In Winternächten bedrohten Perchten, Habergeissen und Krampusse einsame Wanderer, und tief unter Tag spiegelten die Berggeister Kobold und Nickel in Gestalt gleissender Erze den Knappen Silberadern vor. Anstatt des begehrten Edelmetalls lieferten diese Erze bei der Schmelze jedoch nur unansehnliche Schlacke – und der Kobold dazu noch hochgiftiges Arsenoxid, das unter dem Namen «Hüttrauch» als heimtückisches Mordgift berüchtigt war.“
↑Unbekannte Korporationen. In: Acta Studentica. Nr.192, Juni 2015, S.8ff.
↑Landesbranchenadressbuch Hessen, Band 3 1951, S. 970.
Zeichnung eines Bies von Alexander Puschkin (1831)
Bies (Plural Biesy) ist ein Dämon aus der slawischen Mythologie.
In altslawischen mythologischen Darstellungen sind Biesy böse Geister, niedere dämonische Charaktere und Personifizierungen menschenfeindlicher Kräfte, die alle Arten von übermenschlichen Fähigkeiten haben. Die Etymologie des Begriffs ist mit dem slawischen Verb bojus (fürchten) verbunden, das wiederum vom indogermanischen bhoidhos stammt. In sprachlichen Varianten heißen sie auf Russisch Bes und auf Ukrainisch Bis.[1][2][3][4]
Biesy hatten kein festes Bild. In der Folklore kombinierten sie menschliche und tierische Merkmale. Zu den Biesy zählen die Geister gefährlicher Orte, die je nach Lebensraum andere Bezeichnungen haben.[3]
Nach der Christianisierung der Rus wurde das Wort Bies von der christlichen Tradition aus der heidnischen Terminologie übernommen. Bei der Übersetzung der Bibel wurde es als Gegenstück zum hebräischen „שֵׁד“ und dem griechischen „δαίμονας“ verwendet, die beide „Dämon“ bedeuten. Alte heidnische Ideen wurden durch die christliche Bedeutung verdrängt. Dämonen wurden als Diener oder Inkarnationen Satans interpretiert, die Menschen zur Sünde verführen. In der christlichen Kunst überwiegen zoomorphe Darstellungen von Dämonen als kleine, mit Fell bedeckte Kreaturen mit Hörnern, einem Schwanz und Hufen oder Klauen an den Gliedmaßen und oft mit Flügeln.[1][3][4]
Ein Bies taucht als Figur in Alexander Puschkins Märchen vom Popen und seinem Knecht Balda von 1830 auf.[5]
Ein Billmesser ist eine Gestalt des altbayerischen Aberglaubens. Ein Billmesser, regional auch Bockschneider genannt, ist eine Person des ansonsten normalen Lebens, die sich des Nachts in einen Dämon verwandelt, der auf einem Geißbock aus dem Stall des Teufels durch die Felder reitet. Besonders Getreidefelder haben es dieser Figur angetan. Dabei wird die Ernte verwünscht und verdorben, so dass es zu Missernten kommt. Personen, die der Billmesserei verdächtigt wurden, sind gemieden und ausgestoßen worden.
Rezeption
Das Thema Billmesser und Bockschneider wurde in der dritten Folge („Die Drud“) der Fernsehsendung Königlich Bayerisches Amtsgericht behandelt.[1]