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Tutursel

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026

Tutursel (andere Schreibweisen Tutosel, Tut-Ursel oder Tut-Osel) ist der Name einer Sagenfigur der Deutschen Mythologie.[1] Es ist zudem die metaphorische Bezeichnung der Eule.[2]

Hintergrund

Unter diesem Namen soll die Ursel, ursprünglich eine heidnische Göttin, in Eulengestalt herumfliegen. Alte Flurbezeichnungen wie Orechel oder Uarschel weisen auf diese Ursel oder Ursula hin. der Orechel oder Uarschel war früher ein rund 40 Morgen umfassendes Waldstück. Hier wurde ein örtlicher Zusammenhang mit einem heiligen Hain vermutet, der der Göttin Nerthus oder einer von ihr abgeleiteten Fruchtbarkeitsgöttin geweiht war. Mit der Christianisierung wurde aus dieser die Ursula, die mit der „Wilde Jagd“, einem wütenden Geisterheer in Eulengestalt als verwandelte Nonne Ursel umherzieht und als Tutursel (Tut-Orsel) bezeichnet wird.[3] Der Germanist Oskar Schade schreibt dazu in seiner Abhandlung über die Sage von der heiligen Ursula und den 11000 Jungfrauen,[4] dass die heilige Ursula nichts anderes sei, als eine „katholisirte heidnische Göttin, welche auf die […] Göttinnen der Fruchtbarkeit zurückführt.“ Nahe diesem ehemaligen Wald liegt auch der Urschelberg.[3]

Beim lautmalerischen Namen Tutursel ist es – wie bei vielen anderen Sagengestalten – naheliegend, dass zur Erklärung desselben nachträglich eine volkstümliche, aber wenig plausible Namensgebungs-Legende erfunden und tradiert wurde.

Die Sage von der Nonne Ursel

In einem Kloster in Thüringen lebte eine Nonne, die Ursel hieß. Sie war keine gute Sängerin und störte mit ihren heulenden Misstönen den Chor. Das trug ihr den Namen Tut-Ursel ein. Nachdem sie nun gestorben war, soll sie ihren Kopf durch ein Loch im Kirchturm gesteckt und von elf Uhr am Abend bis um vier Uhr am Morgen täglich mit scheurigem Heulen in den Gesang der Schwestern eingestimmt haben. Am Morgen des dritten Tages hielten die Nonnen es nicht mehr aus und stürmten angsterfüllt aus der Kirche, weil sie vermuteten, dass dieser Gesang von der toten Ursel stamme. Laut riefen sie „Tut-Ursel, Tut-Ursel!“ und trauten sich nicht mehr die Kirche zu betreten. So wurde ein berühmter Teufelsbanner aus einem Kloster der Kapuziner von der Donau gerufen, der die Tut-Ursel mit einem Bann belegte und sie in Gestalt einer Ohreule in das Harzland in die Domburg im Hakel versetzte. Hier soll sie nun dem Hanns von Hackelberg begegnet sein, mit dem sie seither auf die Luftjagd geht.[5]

Sagenversionen

  • Ludwig Bechstein: Der Hackelnberg und die Tut-Osel[6] (Sage spielt hier im Harz, Harzvorland, Burg Harzburg, Selketal, Bodetal, Stadt Quedlinburg, Burg Dummburg, Schlösschen Meisenberg im Selketal usw.)

Literatur

  • Wütendes Heer – Hackelbernd. Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. 2. Auflage, Band 2, Dietersche Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 874 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Elard Hugo Meyer: Mythologie der Germanen. K. J. Trübner, Strassburg 1903, S. 385 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Peter Haining: Das große Gespenster-Lexikon. ECON Taschenbuch Verlag.

Weblinks

  • Tutursel zeno.org
  • Die Tut-Ursel harzer-sagen.harz-urlaub.de
  • Wilder Jäger (Memento vom 1. September 2005 im Internet Archive)
  • 12. Hans von Hacklberg. In: Heinrich Pröhle: Harzsagen. Erster Band im Projekt Gutenberg-DE

Einzelnachweise

  1. ↑ dutosel, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 2: Biermörder–D – (II). S. Hirzel, Leipzig 1860, Sp. 1768 (woerterbuchnetz.de – „eine nachteule die vor dem wilden jäger herfliegt und ihr uhu! mit seinem huhu! mischt, die dutet“). 
  2. ↑ tutosel, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 222: 16 Bände in 32 Teilbänden, 1854–1960. S. Hirzel, Leipzig, Sp. 1953 (woerterbuchnetz.de). 
  3. ↑ a b Theophil Rupp: Aus der vorzeit Reutlingens und seiner umgegend. Ein Beitrag zur deutschen Alterthumskunde. Stuttgart 1869, S. 86 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. ↑ Oskar Schade: Die Sage von der heiligen Ursula und den 11000 Jungfrauen, ein Beitrag zur Sagenforschung. Rümpler, Hannover 1854, S. 109–110 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. ↑ Die Tut-Osel. In: Deutsche Sagen. Band 1, S. 400–401 (Volltext [Wikisource]).
  6. ↑ Ludwig Bechstein: Deutsche Märchen und Sagen, Aufbau-Verlag, Berlin / Weimar 1980, DDR, Sage Der Hackelnberg und die Tut-Osel S. 274–276.



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Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Tutursel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International und ist frei verfügbar.

Rusalka (Mythologie)

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026

Rusalka (russisch Руса́лка, Mehrzahl Rusalki oder eingedeutscht Rusalken) ist der Name einer Klasse weiblicher Gestalten aus Sagen und Märchen des ostslawischen Sprachraums.[1] Im Zuge der Romantik werden Rusalken ab dem 19. Jahrhundert auch in der osteuropäischen Kunst behandelt.

Das Wort „Rusalka“ ist seit dem 16. Jh. belegt.[2] Es existieren verschiedene Theorien zur Etymologie: Einerseits eine Herleitung von ruslo (Strömung). Andererseits über Rusalija von lat. Rosalia (Rosenfest), d. h. Pfingsten. In Volkserzählungen treten Rusalken ausschließlich in der sog. Rusalka-Woche auf, also der Woche nach Pfingsten.[3][4]

Rusalken in Volkserzählungen

Rusalken sind seit dem 18. Jahrhundert Gegenstand der Forschung zu slawischer Volkskunde und Religion. Rusalka-Erzählungen wurden ab dem 19. Jahrhundert aufgezeichnet. In volkskundlicher Terminologie können sie sowohl den Wassergeistern, den Waldgeistern als auch den Feldgeistern zugeordnet werden.[5]

In Volkserzählungen erscheinen Rusalken ausschließlich während der auf Pfingsten folgenden Rusalka-Woche. Ihr Aussehen wird regional sehr unterschiedlich beschrieben: Im westlichen Russland und in der südlichen Ukraine erscheinen sie als schöne junge Mädchen im Hochzeitskleid, im zentralen Belarus sind sie hässliche, fellbewachsene alte Frauen und in Südrussland große, hagere Frauen mit wirrem Haar und bleichem Gesicht. Die isoliert stehenden Beschreibungen von Rusalken mit Fischschwanz gehen auf den Einfluss schriftlicher Traditionen zurück. Rusalken können einzeln oder in Gruppen auftreten. Es wird häufig beschrieben, wie sie im Wasser baden, ihre Haare kämmen, auf Ästen schaukeln oder auf den Feldern tanzen.[6]

Zu Rusalken wurden Mädchen und Frauen, die einen vorzeitigen bzw. „unreinen“ Tod erlitten. Etwa Ertrunkene, ungetauft Verstorbene sowie Mädchen, die während der Rusalka-Woche oder kurz vor ihrer Hochzeit verstarben. Weit verbreitet ist die Vorstellung, der zufolge Frauen zu Rusalken werden, die aufgrund ihrer unehelichen Schwangerschaft Suizid begingen.[7][8]

Rusalken können zwar auch positive Funktionen übernehmen, beispielsweise den Frauen beim Spinnen helfen oder sich um Kinder kümmern, die von den Schnitterinnen unbeaufsichtigt auf dem Feld gelassen wurden, meistens erscheinen sie allerdings als schädlich. Sie bestrafen diejenigen, die das pfingstliche Arbeitsverbot missachten, stehlen Neugeborene, schaden dem Vieh, führen Menschen in die Irre oder verführen und ertränken Männer.[9] Mit ihrer Unabhängigkeit und ihrer ungehemmten Sexualität erscheint die Rusalka als das genaue Gegenteil der idealtypischen „braven“ Braut. Rusalka-Vorstellungen spiegeln in dieser Hinsicht vielleicht auch männliche und weibliche Wunschvorstellungen wider.[10]

In Rumänien und im nördlichen Bulgarien ist rusalijki, rusalče und rusalie der Name von krankheitsverursachenden Geistern.[11]

Rusalken in der Kunst

Rusałki, 1877. Gemälde von Witold Pruszkowski.

Im Zuge der Romantik verarbeiteten russische, polnische und ukrainische Künstler Elemente der regionalen Volksüberlieferung und schufen Kunstwerke, die von Rusalken handeln. Diese literarischen Rusalken unterscheiden sich deutlich von denen der Volksüberlieferung und sind eher durch vorherige romantische Bearbeitung westeuropäischer Gestalten wie Melusine, Loreley und vor allem Undine inspiriert.[12][13]

In der russischen Romantik wurde die Rusalka von Alexander Sergejewitsch Puschkin, Nikolai Wassiljewitsch Gogol und Michail Jurjewitsch Lermontow behandelt. Von Puschkin stammt Rusalka (1832), ein unvollendetes aufklärerisch-sozialkritisches Drama. Puschkin war inspiriert durch Henslers Oper Das Donauweibchen (von Nikolaj Stepanovic Krasnopol'skij als Dneprovskaja rusalka ins Russische übersetzt.) Puschkins Geschichte wurde später von Alexander Sergejewitsch Dargomyschski mit seiner Oper Russalka (1855) umgesetzt.[14] Gogol behandelte Rusalken in drei Werken: Zuerst in den Geschichten Mainacht oder Die Ertrunkene und Furchtbare Rache des 1832 erschienenen Zyklus Abende auf dem Weiler bei Dikanka und später in der Horrorgeschichte Der Vij von 1835. Die drei Geschichten behandeln durch Rivalitäten, Inzest und andere Probleme gestörte Liebesbeziehungen.[15] Die Rusalka in Lermontows Roman Ein Held unserer Zeit (1840) entpuppt sich als menschliche, aber natürlich-instinktiv handelnde Hehlerin.[16]

Im russischen Realismus wird die Rusalka nur noch wenig behandelt. Von Iwan Sergejewitsch Turgenew stammt das Prosastück Die Wiese von Bezin aus dem 1852 erschienenen Zyklus Aufzeichnungen eines Jägers. Hier tauschen Bauernjungen Geschichten von übernatürlichen Wesen aus, die Menschen psychischen Schaden zufügen. Turgenew deutet an, dass die psychischen Probleme der Bauern tatsächlich durch ihre Leibeigenschaft ausgelöst werden. In einigen Texten von Anton Pawlowitsch Tschechow tauchen zudem symbolische Anspielungen auf das Rusalka-Motiv auf.[17]

Durch Dekadenzdichtung, die Entdeckung des Unbewussten und die Rezeption Friedrich Nietzsches erreichte das Rusalka-Thema im Russischen Symbolismus einen zweiten Höhepunkt. Hier sind insbesondere der Lyriker Konstantin Dmitrijewitsch Balmont und der Maler Michail Alexandrowitsch Wrubel zu nennen. Der Schriftsteller Fjodor Sologub beschreibt in seinem düsteren Roman Der schäbige Dämon (Melkij bes, 1905) ein sinnliches Mädchen mit Rusalka-Zügen.[18]

In Russland wurde das Rusalka-Motiv filmisch u. a. in Alexander Konstantinowitsch Petrows Animationsfilm Die Nixe (1997) und Anna Melikjans Film Alisa, das Meermädchen (2007) verarbeitet.

Vom böhmischen Komponisten Antonín Dvořák stammt die 1901 uraufgeführte Oper Rusalka.

In Tallinn wurde 1903 das Russalka-Denkmal für die Opfer des 1893 gesunkenen russischen Kriegsschiffes Russalka errichtet. Die Statue stellt einen Engel dar.

Siehe auch

  • Wila (Mythologie)

Literatur

  • Maria Deppermann: Rusalka – Nixe der Slaven. Annäherungen an ein „ungehobenes“ Motiv. In: Irmgard Roebling (Hrsg.): Sehnsucht und Sirene. Vierzehn Abhandlungen zu Wasserphantasien. Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1992, ISBN 3-89085-505-9, S. 269–292.
    • Maria Deppermann: Rusalka – Nixe der Slawen. Zur Imago der nichtkanonisierten Frau in der russischen Literatur von der Romantik zur Moderne. In: Jost Eickmeyer, Sebastian Soppa (Hrsg.): Umarmung und Wellenspiel. Variationen über die Wasserfrau. Bücken & Sulzer Verlag, Overath und Witten 2006, ISBN 978-3-936405-34-7, S. 151–197. (Überarbeitete und erweiterte Version.)
  • Ljudmila Nikolaevna Vinogradova: Rusalka. In: Rolf Wilhelm Brednich (Hrsg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Band 11. De Gruyter, Berlin und Boston 2004, ISBN 3-11-017565-7. Sp. 925–929.

Weblinks

Commons: Rusalka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Vinogradova 2004, S. 925 f.
  2. ↑ Zdeněk Váňa: Mythologie und Götterwelt der slawischen Völker. Die geistigen Impulse Ost-Europas. Verlag Urachhaus, Stuttgart 1992 [1990], ISBN 3-87838-937-X. Hier S. 111.
  3. ↑ Deppermann 1992, S. 270.
  4. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 926.
  5. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 926.
  6. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 925f.
  7. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 926.
  8. ↑ Deppermann 1992, S. 271.
  9. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 926f.
  10. ↑ Deppermann 1992, S. 271.
  11. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 927.
  12. ↑ Vinogradova 2004, Sp. 927f.
  13. ↑ Deppermann 1992, S. 272.
  14. ↑ Deppermann 1992, S. 272f.
  15. ↑ Deppermann 1992, S. 276.
  16. ↑ Deppermann 1992, S. 280f.
  17. ↑ Deppermann 1992, S. 281–284.
  18. ↑ Deppermann 1992, S. 285.



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Shiranui

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026
Shiranui (oben links) in Sekiens Konjaku Gazu Zoku Hyakki.

Das Shiranui (japanisch 不知火; „Unmögliches Feuer“) ist eine Art von Irrlicht der japanischen Folklore. Es gehört zur Gruppe der Yūrei (幽霊; „Gespenster“) und tritt als Feuerspuk auf offener See in Erscheinung.

Beschreibung

Das Shiranui soll in den Buchten des Yatsushiro-Meeres (八代海; Yatsuhiro-kaj) und des Ariake-Meeres (有明海; Ariake-kaj) vor der Insel Kyūshū im ost-chinesischen Pazifik, etwa vier Kilometer vor der Küste, zu sehen sein. Am häufigsten könne man es im zeitigen August beobachten. Zunächst sollen kleine, rote Feuerchen erscheinen, die sich bald nach links und rechts teilen und an Zahl rasch zunehmen, und schließlich reihen sich Hunderte bis Tausende von Feuerchen nebeneinander auf. Es heißt, dass es sinnlos sei, sie einfangen zu wollen: egal, wie sehr man sich ihnen nähere, die Shiranui seien immer noch meilenweit entfernt. Das Shiranui wird von abergläubischen Fischern und Matrosen als gutes Omen gedeutet, weil es verirrten Seereisenden den Weg zur Küste weisen würde. Regionalen Anekdoten zufolge soll es sich um Irrlichter handeln, die der Drachengott Ryūjin (龍神) aus den Seelen Ertrunkener beschworen habe.[1][2]

Entlang der Südwestküste Japans ist das Shiranui unter verschiedenen lokalen Bezeichnungen bekannt. Die am häufigsten benannten sind unter anderem: Shirai-no-hi (不知の火; „Feuer der Unwissenden“), Oya-hi (親火; „Freundliches Feuer“) und Sentōrō (千灯籠; „Tausend Lämpchen“).[3]

Legende

Bekannt wurde das Phänomen durch eine Legende um den Kaiser (Tennō) Keikō (景行天皇), der um 100 n. Chr. geherrscht haben soll (seine Figur ist historisch oder gar archäologisch nicht nachgewiesen). Der Sage nach wollte Keikō nach Kyūshū reisen, um sein Reich auszudehnen und die Insel zu erobern. Doch mitten auf hoher See wurde es eines Nachts so dunkel, dass seine Flotte vom Kurs abkam. Da sollen unzählige kleine Feuerchen in der Ferne erschienen sein und als Keikōs Flotte ihnen hoffnungsvoll folgte, erreichten sie sicher und wohlbehalten die Küste von Kyūshū. Der Kaiser betrachtete das Shiranui als „glückliche Fügung“ und gab dem Land den Namen Hi-no-kuni (火の国; „Land des Feuers“). Als er die Inselbewohner aber nach dem Feuer fragte, konnten sie ihm die Frage nicht beantworten und man kam zu dem Schluss, dass es ein „unmögliches“ Feuer (also eines von übernatürlicher Herkunft) sein müsse.[1][3]

Hintergründe

Das Shiranui ist seit der Kamakura-Zeit (12. Jahrhundert) sicher überliefert und populär. Bekannte Abbildungen finden sich bereits im Shokoku Rijin Dan (諸国里人談; „Geschichten des einfachen Volkes“) von Kikuoka Tenryō aus dem Jahr 1743 und im Konjaku Gazu Zoku Hyakki (今昔画図続百鬼; „Bilderbuch der 100 Dämonen von einst und jetzt“) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1779.[1] Das Shiranui wird seit der Taishō-Zeit (frühes 20. Jahrhundert) auch wissenschaftlich untersucht. Gemäß Meeresbiologen und Wissenschaftlern der Kumamoto-Universität zu Tokio und der Universität für Hochtechnologie zu Hiroshima geht das Shiranui höchstwahrscheinlich auf eine optische Täuschung zurück: die Lichter stammen wohl von Fischern, die nachtaktive Meerestiere (vor allem Tintenfische) fangen wollen und dabei kleine Phosphorfeuerchen und/oder Lämpchen als Köder benutzen. Wenn die See glatt und ruhig ist, können die Lichter von der Wasseroberfläche reflektiert werden, sodass es aus großer Ferne aussehen mag, als würden sich die Lichter vermehren. Als eine zweite, ergänzende Möglichkeit wird angeboten, dass es sich um schwarmweise auftretende Leuchtquallen handeln mag.[3][2]

Siehe auch

  • Haka-no-hi: Feuerspuk, der auf alten, verlassenen Friedhöfen erscheinen und aus zerfallenen oder geplünderten Gräbern aufsteigen soll.
  • Kosenjōbi: Feuerspuk, der auf alten, verlassenen Schlachtfeldern umgehen soll.

Literatur

  • Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6.
  • Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0.
  • Tairi Yamashita: 不知火の研究. Ashi shobō, Fukuoka/Tokio 1994, ISBN 978-4-7512-0576-1.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated…, New York/Mineola 2017, S. 106.
  2. ↑ a b Tairi Yamashita: 不知火の研究. Fukuoka/Tokio 1994, S. 15–17 u. 56 – 62.
  3. ↑ a b c Murakami Kenji: 妖怪事典. Tokio 2000, S. 191.



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Shiryō

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Der Shiryō, wie er in Sekiens Gazu Hyakki Yagyō dargestellt ist.

Ein Shiryō (死霊; „Toter Geist “) ist ein fiktives Wesen der japanischen Folklore aus der Gruppe der Yūrei. Er gilt als bösartig und ist für seine Heimtücke gefürchtet.

Beschreibung

Der Shiryō ist ein Geist, der dann erscheinen soll, wenn ein Exorzismus fehlschlägt. Er soll aber auch durch eine fehlerhafte Beschwörung entstehen können. Für gewöhnlich wechselt der Geist eines Verstorbenen ins Jenseits über. Ein Geist aber, der dem Körper durch unsachgemäßen Exorzismus oder durch schwarzmagische Beschwörung gewaltsam entrissen wurde, kann angeblich in der Menschenwelt bleiben und unter diesen Umständen böse werden. Da er zunächst nicht sichtbar ist, wird er zunächst auch nicht sofort bemerkt. Der Shiryō soll sich zunächst an ein auserwähltes Opfer klammern und dann warten, bis dieses tief und fest schläft. Dann nistet sich der Geist im Körper des Opfers ein und zehrt im Verlauf der nächsten Zeit an dessen Lebensenergie. Ist das Opfer ausreichend geschwächt, treibt es der Shiryō erst in den Wahnsinn, dann in den Selbstmord, um danach noch den Geist des Opfers zu verfolgen und zu attackieren. Dem Opfer selbst erscheint der Shiryō meist in Gestalt desjenigen, dessen Geist gewaltsam entrissen worden war, oder in Gestalt eines jüngst verstorbenen Familienmitgliedes.

Hintergrund

Der Shiryō steht den Yūrei (幽霊; „Gespenst“) sehr nahe und wird oft mit ihnen verwechselt oder gleichgestellt. Doch im Gegensatz zu den Yūrei, die ihre Opfer „lediglich“ verfolgen und belästigen, kann der Shiryō lebenden Menschen sehr gefährlich werden. In modernen Horrorfilmen werden oft rachsüchtige und gewalttätige Geister porträtiert, die gerne den Yūrei zugeordnet werden, aber eigentlich strenggenommen dem Shiryō entsprechen. Prominente Beispiele sind unter anderem die Charaktere Sadako aus dem Film Ringu von Kōji Suzuki aus dem Jahr 1998 und Kayako aus dem Horrorklassiker Ju-on von Takashi Shimizu aus dem Jahr 2000. Beide Charaktere (weiblich) lassen sich zunächst den Yūrei zuordnen (Stalking → Heimsuchung). Doch deren gewalttätiges Verhalten gegenüber ihren Opfern entspricht eher dem der Shiryō (Kraftraub → Besessenheit → Suizid/Tötung durch den Geist). Auch der Umstand, dass die Rachegeister die Gestalt jüngst gewaltsam verstorbener Familienangehöriger annehmen, bestärkt eine Zuordnung zu den Shiryō.

Eine bekannte Abbildung eines Shiryō erscheint bereits in dem Sammelband Gazu Hyakki Yagyō (画図百鬼夜行; Bilderbuch der Nachtparade der 100 Dämonen) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1776. Sekien hat seiner Darstellung keine erklärende Bildbeschreibung beigefügt. Offensichtlich war das Wesen zu seiner Zeit schon so bekannt und im Volksglauben verbreitet, dass er sich wohl dachte, es bedürfe keiner Erklärung. Dennoch liefert das Bild Informationen über die Natur der Shiryō: Der Geist entweicht verstreut herumliegenden Exorzismus-Utensilien, die offenbar fahrlässigerweise nicht sachgerecht weggeschlossen wurden. Auch die „Geisterbox“ wurde offenbar nicht ausreichend versiegelt und steht einen Spalt offen. Nun pirscht sich der Shiryō an das Bett des auserkorenen Opfers heran und lupft bereits den Bettvorhang.

Literatur

  • Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6, S. 49.
  • Jolanta Tubielewicz: Superstitions, Magic and Mantic Practices in the Heian Period. Wydaw-a UW, Warschau 1980, ISBN 978-83-00-01040-0, S. 169–172.
  • Katarzyna Marak: Japanese and American Horror: A Comparative Study of Film, Fiction, Graphic Novels and Video Games. McFarland, Jefferson 2014, ISBN 978-1-4766-1792-3, S. 98–100.



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Sōgen-bi

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026
Der Sōgen-bi, wie er in Sekiens Gazu Hyakki Yagyō erscheint.

Der Sōgen-bi, (叢原火; „Sōgens Feuer“) ist ein fiktives Wesen aus der japanischen Folklore und gehört zur Gruppe der Yūrei. Er soll zwar mit seinem Erscheinen Leute erschrecken, sonst aber harmlos sein.

Beschreibung

Der Sōgen-bi wird als großer, bläulicher Hinotama (火の玉, „Feuerball“) mit dem Kopf eines bestimmten Mönches darin beschrieben. Er soll, in der Luft schwebend, in der Nähe eines Tempels nahe Kyoto auftauchen und laut jammern und schreien.

Hintergrund

Der Sōgen-bi ist unter anderen in dem Sammelwerk Gazu Hyakki Yagyō (画図百鬼夜行; Bilderbuch der Nachtparade der 100 Dämonen) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1776 abgebildet. Sekien verweist in seiner Bildbeschreibung auf eine alte Legende. Diese ist in dem Werk Shin Otogi Bōko (新御伽婢子; Neue Handpuppen-Geschichten) von Asai Ryōi aus dem Jahr 1683 enthalten und erzählt von einem betrügerischen und falschen Mönch namens Sōgen. Der Mann arbeitete in dem Mibudera-Tempel zu Kyoto und brachte dem Tempel Schande, indem er teures Lampenöl, Spenden und Kleinodien stahl, um sie dann gewinnbringend zu verhökern. Nach seinem überraschenden und verfrühten Ableben wurde er von den Göttern dazu verdammt, auf ewig als ruheloser Trauergeist (Yūrei) in Gestalt eines Irrlichts umzugehen.

Siehe auch

  • Hitodama: Irrlicht-ähnliche Erscheinungsform der menschlichen Seele.

Literatur

  • Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6, S. 31.
  • Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0, S. 66.



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  1. Onibi
  2. Onryō
  3. Peeves
  4. Maulende Myrte

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