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Weiße Frau

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026
Erscheinung der Weißen Frau am Totenbett

Die Weiße Frau ist ein Gespenst, das in mehreren Schlössern europäischer Adelsfamilien gespukt haben soll.

Die ältesten Berichte über die Erscheinung stammen aus dem 15. Jahrhundert, die größte Verbreitung fand der Glaube an den Geist im 17. Jahrhundert. Obwohl Ähnlichkeiten zu anderen weiblichen Geistern des europäischen Volksglaubens – zum Beispiel der irischen und keltischen Banshee – bestehen, ist die weiße Frau ein Phänomen, das erst in der hochadligen Kultur der Frühen Neuzeit entstand und für diese typisch war. Die Wundergläubigkeit im Zeitalter der Gegenreformation ließ das Gespenst zu einem Standesattribut werden, das so wie Wappen und Abstammungssagen die Bedeutung des Geschlechts unterstreichen konnte. Besonders bekannt ist die Weiße Frau der Hohenzollern.

Häufig gilt die Weiße Frau als Geist eines weiblichen Vorfahren des betreffenden Geschlechts. Im Allgemeinen gilt sie, sofern man sie nicht herausfordert, nicht als böswillig oder gefährlich. Ihr Erscheinen verursacht dennoch häufig Schrecken, da es familiäre Katastrophen, insbesondere die Todesfälle von Familienmitgliedern, ankündigt. In solchen Fällen erscheint sie manchmal auch in schwarz gekleidet.

Die Sagen über die Weiße Frau werden bis heute als Folklore verbreitet und in modernen Medien verarbeitet.

Die „Weiße Frau“ der Hohenzollern

Plassenburg

Grabstein der Kunigunde von Orlamünde in der St.-Laurentius-Kirche in Großgründlach

Die bekannteste Sage über die Weiße Frau hat ihren Ursprung auf der Plassenburg ob Kulmbach und ist mit der Familie Hohenzollern verknüpft. Burgherrin Kunigunde, Witwe des Grafen Otto von Orlamünde, hatte sich in Albrecht den Schönen, Sohn des Nürnberger Burggrafen Friedrich IV., verliebt. Dieser ließ verbreiten, er würde sie heiraten, wenn nicht vier Augen im Wege stünden. Damit waren seine Eltern gemeint, die eine solche Verbindung ablehnten. Kunigunde missverstand jedoch die Nachricht und bezog sie auf ihre zwei Kinder, ein Mädchen von zwei und einen Jungen von drei Jahren. Sie stach den Kindern mit einer Nadel in den Kopf und tötete sie.

In der gereimten Klosterchronik des Melkendorfer Pfarrers Johann Löer von 1559 findet sich folgende Schilderung:[1]

Und dacht, die Kindlein, die ich hätt'
Werden gewiß die Augen sein,
die mich berauben des Buhlen mein!
Und wurd' das Weib so gar bethört,
Daß sie ihre eigen Kinder ermördt,
Und jämmerlich ihres Lebens beraubt,
Daß sie es mit Nadeln in ihr Haubt
Stach in ihre Hirnschall,
Die zart und weich überall.

Albrecht sagte sich daraufhin von ihr los. Kunigunde unternahm eine Pilgerfahrt nach Rom und erlangte vom Papst die Vergebung ihrer Sünde, mit der Auflage, ein Kloster zu stiften und dort einzutreten. Zur Buße rutschte sie auf den Knien von der Plassenburg in das Tal von Berneck und gründete das Kloster Himmelkron, in dem sie als Äbtissin starb. In einer lokalen Variante der Sage aus Himmelkron bestand das Kloster zur Zeit der Mordtat bereits und die beiden Kinder wurden darin begraben. Kunigunde erblickte, auf den Knien rutschend, auf einem Hügel zwischen Trebgast und Himmelkron das Kloster und starb dort vor Erschöpfung.[2]

Julius von Minutoli findet diese Geschichte bei den Chronisten Kaspar Brusch, Enoch Widmann, Martin Hofmann, Lazarus Carl von Wölkern und Gotthilf Friedemann Löber im Wesentlichen übereinstimmend erzählt.[3] Dennoch kann die Sage, jedenfalls was die Gräfin Kunigunde betrifft, keine historische Grundlage haben, da diese nachweislich kinderlos starb.[4]

Auch habe der Hofadel die Weiße Frau im Jahr 1486 auf der Plassenburg erscheinen lassen, um den „Odela“ (möglicherweise Markgraf Albrecht Achilles) zum Umzug nach Neustadt an der Aisch zu bewegen.[5]

Jedenfalls trat die Weiße Frau auf der Plassenburg erstmals in Erscheinung, um fortan den Hohenzollern kommende Todesfälle und anderes bevorstehendes Unglück anzuzeigen – eine zwar bedenkliche, normalerweise aber nicht gewalttätige Erscheinung. Anders soll sie sich der Sage nach allerdings verhalten haben, als der Markgraf Georg Friedrich I., auch er ein Hohenzoller, die Plassenburg nach deren Zerstörung 1554 im Zweiten Markgrafenkrieg und anschließendem Wiederaufbau in Besitz nehmen wollte. Da ließ die Weiße Frau sich so weit gehen, mit Ketten zu rasseln, umherzutoben, Hoffräuleins zu erschrecken und schließlich den Koch und Fourier des Markgrafen zu erwürgen, was letzteren veranlasste, die Plassenburg zu verlassen.[6]

Markgraf Christian Ernst führte 1701 Untersuchungen im Kloster Himmelkron durch. Das Grab der Äbtissin Ottilia Schenk von Siemau wurde als vermeintliche Begräbnisstätte der beiden getöteten Kinder geöffnet, erst später wurde die Inschrift des Grabmals korrekt entziffert. Auch die Grabtumba des Orlamünder Grafen Otto III. stand im Verdacht, neben dem Grafen auch die beiden Kinder zu enthalten.[7]

Die historische Kritik versuchte bereits seit dem 17. Jahrhundert, die reale Person ausfindig zu machen, die als Vorbild für die Sagenerscheinung diente. Neben Kunigunde von Orlamünde wurden vor allem zwei Persönlichkeiten diskutiert: die unglückliche Witwe Bertha von Rosenberg aus Böhmen, deren historische Person von heidnischen Überlieferungen von der Perchta überlagert wurde, und die ungarische Prinzessin Kunigunde, die erst mit König Ottokar II. Přemysl von Böhmen und danach mit einem Herren von Rosenberg verheiratet war.[8]

Berliner Stadtschloss

Die Weiße Frau erscheint Friedrich I. 1713.

Im Berliner Stadtschloss wurde sie erstmals am 1. Januar 1598 erblickt. Dort soll sie Johann Georg, dem hohenzollerischen Kurfürsten der Mark Brandenburg, acht Tage vor dessen Tod erschienen sein. In diesem Fall sah man in dem Gespenst den Geist der 1575 im Juliusturm der Zitadelle Spandau verstorbenen Anna Sydow, der Mätresse von Joachim II., dem Vater des Kurfürsten, die Johann Georg entgegen seinem beurkundeten Versprechen enteignen und gefangen setzen hatte lassen.

Im Berliner Stadtschloss erschien die Weiße Frau auch weiterhin öfter: 1619 soll sie dort vor dem Tod von Johann Sigismund erschienen sein. 1651 meldeten die Frankfurter Relationen:

„Es ließ sich auch der Zeit zu Berlin die Weiße Frau (welches ein Spectrum oder Gespenst, so sich vor Absterben jemans aus dem Kurhaus Brandenburg allezeit sehen lässet und jedesmal gewiss einen Toten aus gedachtem Haus ankündiget) gar oft, auch bei hellem Tag, auf dem kurfürstlichen Begräbnis, auf dem Altar und an anderen Orten des Schlosses wieder sehen, weswegen man daselbst sehr erschrocken und zwar um so viel mehr, weil der einzige Erbe des Kurfürsten,[9] Prinz Wilhelm Heinrich, 1½jährig vor einem Jahr gestorben und die kurfürstliche Gemahlin[10] annoch nicht wieder schwanger war.“[11]

1660 soll sie vor dem Tod von Elisabeth Charlotte, der Mutter des Großen Kurfürsten, gesehen worden sein. Auch Luise Henriette von Oranien soll sie erschienen sein und vor dem Tod des Großen Kurfürsten 1688 dem Hofprediger Anton Brusenius. Unter dem Großen Kurfürsten soll nach einem Bericht des Historikers Karl Eduard Vehse die Weiße Frau auch einmal recht herzhaft angegangen worden sein. Konrad von Burgsdorff, ein Vertrauter des Kurfürsten und ein kaltblütiger Mann, habe eines Abends, nachdem er seinen Herrn zu Bett gebracht hatte und eine kleine Stiege zum Garten hinab gehen wollte, die Weiße Frau plötzlich auf den Stufen vor sich gesehen. Als er den ersten Schreck überwunden hatte, rief er die Gestalt an: „Du alte sakramentische Hure, hast du noch nicht genug Fürstenblut gesoffen, willst du noch mehr haben?“ Über diese despektierliche Anrede offenbar verärgert, packte ihn darauf die Weiße Frau am Kragen und warf ihn die Treppe hinunter, dass ihm die Knochen krachten. Der Zugriff auf die Weiße Frau blieb aber nicht immer erfolglos: Laut Vehse wurde sie unter Friedrich Wilhelm I. zweimal arretiert. Das eine Mal war es ein Küchenjunge, der dafür im Kleid der Weißen Frau ausgepeitscht wurde, das andere Mal ein Soldat.[12]

Weitere Erscheinungen erfolgten vor dem Tod von Friedrich I. 1713 und dem von Friedrich Wilhelm II. 1797. Als im Winter 1839/40 der Gesundheitszustand von Friedrich Wilhelm III. bereits sehr bedenklich wurde, berichtete die Hofdame Caroline von der Marwitz:

„Man fing auch in diesem Winter an, von der Erscheinung der ‚Weißen Frau‘ zu sprechen. Es blieb zwar nur ein Gerücht, und niemand wollte eingestehen, Näheres davon zu wissen. Ich erinnere mich aber sehr wohl, dass Gräfin Haacke, Hofdame der Kronprinzessin, eines Abends, als sie vom Souper nach ihren Zimmern zurückkehrte und eine Treppe hinabging, am Ende derselben eine Schildwache scheinbar eingeschlafen fand, das Gewehr neben sich liegend. Nähertretend fand sich, dass der junge, kräftige Soldat ohnmächtig war. Der Lakai stand ihm bei; erwachend sah er sich scheu um und versicherte, er habe etwas Schreckliches gesehen: eine Frau in weißen Schleiern und furchtbar. Es wurde nicht allgemein bekannt; man sprach zwar leise, aber viel davon. Auch Fräulein von Block behauptete, etwas Unheimliches gesehen zu haben, und jedes Gerücht der Art, jede Änderung in den Gewohnheiten des Monarchen erhöhten die allgemeine Spannung.“[13]

Schließlich erschien sie auch – vielleicht etwas voreilig – vor dem ganz erfolglosen Attentat des Heinrich Ludwig Tschech auf Friedrich Wilhelm IV. 1844. Bei dieser Gelegenheit soll sie händeringend zur Nachtzeit im Schweizersaal des Stadtschlosses erschienen sein. Sie erschien auch 1888 vor dem Tod von Friedrich III.[14] Sogar, als statt der Hohenzollern die Nationalsozialisten Hausherren im Berliner Schloss waren, soll sie in der Nacht zum 26. Mai 1940 noch einmal erschienen sein.[15]

Heidecksburg

In der Heidecksburg bei Rudolstadt (Thüringen) soll die Weiße Frau dem Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, auch er ein Hohenzoller, im Grünen Salon erschienen sein, wie sein Adjutant Karl von Nostitz-Jänkendorf berichtet. Am nächsten Tag, dem 10. Oktober 1806, fiel der Prinz in dem Gefecht bei Saalfeld.

Bayreuth

Porträt der Weißen Frau (In: Die Gartenlaube, 1856)

Sie trat auch in anderen Schlössern des preußischen Königshauses Hohenzollern und seiner Nebenlinien auf, so in Ansbach und Bayreuth. Während sie den Mitgliedern der diversen Hohenzollern-Linien zwar stets eine ominöse, jedoch keine direkt drohende Erscheinung war, verhielt sich dies bei landfremden Eindringlingen offenbar anders: So soll sie im Frühjahr 1809 dem französischen General Jean Louis Brigitte Espagne im Bayreuther Neuen Schloss erschienen sein und gedroht haben, ihn zu erwürgen. Wenige Tage darauf fiel der General in der Schlacht bei Aspern. Auch Napoleon Bonaparte soll, als er am 14. Mai 1812 dort übernachtete, durch sie eine ungemütliche Nacht erlebt haben.[16][17] In Fontanes Effi Briest wird ein dort befindliches Porträt[18] erwähnt:

„Es ist dies ein stark nachgedunkeltes Frauenporträt, kleiner Kopf, mit herben, etwas unheimlichen Gesichtszügen und einer Halskrause, die den Kopf zu tragen scheint. Einige meinen, es sei eine alte Markgräfin aus dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, andere sind der Ansicht, es sei die Gräfin von Orlamünde; darin aber sind beide einig, dass es das Bildnis der Dame sei, die seither in der Geschichte der Hohenzollern unter dem Namen der ‚Weißen Frau‘ eine gewisse Berühmtheit erlangt hat.“

Der Vorfall mit Napoleon wird dann folgendermaßen dargestellt:

„Es heißt, dass, als Napoleon hier übernachtete, die ‚Weiße Frau‘ aus dem Rahmen [des Porträts] herausgetreten und auf sein Bett zugeschritten sei. Der Kaiser, entsetzt auffahrend, habe nach seinem Adjutanten gerufen und bis an sein Lebensende mit Entrüstung von diesem ‹ maudit château › (‚verdammtes Schloss‘) gesprochen.“[19]

Auch Fontane erwähnt schon, dass das betreffende Porträt an einer Tapetentür hing, hinter der sich eine vom Souterrain her hinaufführende Treppe befand. Die auf der Burg Lauenstein „wohnhafte“ Weiße Frau wurde vom damaligen Eigentümer Anfang des 20. Jahrhunderts von der Plassenburg importiert, da sie wie letztere einst im Besitz der gleichen Familien Orlamünde und Hohenzollern gewesen war – ein frühes Beispiel für die Vermarktung eines bekannten Gespenstes.

Über eine weitere Weiße Frau wird von der Burg Hohenzollern berichtet. Als die Burg belagert wurde, soll sie unbehelligt nachts das Lager der Belagerer durchschritten haben. Sie ist nicht identisch mit der oben genannten Weißen Frau von der Plassenburg.

Weitere Erscheinungen

Neben der Weißen Frau der Hohenzollern, die im Lauf der Jahrhunderte in den verschiedenen Sitzen und Schlössern der Familie erschien, gibt es Sagen über eine gespenstische Weiße Frau in zahlreichen weiteren Schlössern und Burgen Europas.

Deutschland

Auf dem Gothaer Schloss Friedenstein soll jedes Mal, wenn dem Herzogshaus ein Unglück oder ein Todesfall bevorstand, der Geist der verstorbenen Herzogin Dorothea Maria von Anhalt, Mutter des Schlosserbauers Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, aus der Gruft unter der Schlosskirche emporgestiegen und nächtens wehklagend durch die Räume der Residenz gewandelt sein. Dabei konnte sie jedoch nur von denjenigen gesehen werden, die das kommende Unglück direkt betraf.[20]

In Schloss Kossenblatt soll Eleonore von Dönhoff als Weiße Frau herumspuken.

Hinter der Weißen Frau, die im Düsseldorfer Schloss spuken soll, von dem heute nur noch der Schlossturm steht, verbirgt sich die Erinnerung an Jakobe von Baden, die ebendort am 3. September 1597 ermordet aufgefunden wurde.

Um die Starkenburg in Heppenheim soll ebenfalls eine Weiße Frau geistern, die aus Trauer um ihren bei der Verteidigung der Burg gefallenen Gemahl noch heute jammernd und wehklagend durch die Umgebung der Burg streift. Sie erscheint angeblich meist kurz nach Sonnenaufgang als weiße, nebelhafte Gestalt.

Haus Aussel bei Batenhorst

Überliefert ist auch eine neuzeitliche Sage der Weißen Frau, die in der Burg Wolfsegg in der Oberpfalz umgehen soll. Es gibt Vermutungen, dass es sich dabei um die Frau des Burgherrn Ulrich von Laaber, Klara von Helfenstein, handelt, die dieser töten ließ, nachdem sie sich auf eine Liebschaft mit einem anderen Mann eingelassen hatte. Diese Mutmaßung entbehrt aber jeglicher Grundlagen, da die historische Klara ihren Mann um mehrere Jahre überlebt hat.

Bezüglich Haus Aussel in Batenhorst – einem Stadtteil von Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh – existiert auch eine Legende von einer weißen Frau. Sie soll die Ehefrau des Gutsbesitzers gewesen sein, die dort im Keller eingemauert worden sein soll, nachdem ihr Ehemann nach längerer Abwesenheit im Krieg sie mit einem Liebhaber ertappt hatte. Sie soll dort verhungert sein, da ihr Ehemann nach erneuter Teilnahme an einem Kriegszug nicht zurückkehrte. Eine historische Grundlage konnte nicht nachgewiesen werden, denn in besagtem Keller wurden bei Renovierungsarbeiten keine menschlichen Überreste gefunden.[21][22]

Hinzu kommt die „Weiße Dame“ von Schloss Varenholz in Kalletal, Kreis Lippe.

Außerdem soll sie in Burg Bentheim als „de witte Jüffer“, in der Burg Rötteln, Cleve, Coburg, Halle (Saale), Darmstadt, Tonndorf (Thüringen), Altenburg, Füchtorf im Schloss Harkotten, Leuchtenberg, Schloss Neuenburg (Freyburg), Ludwigsburg, Burg Hohensolms, Schloss Eberstadt (Buchen), Burg Krems, Trier, Böddeken nahe Paderborn, auf dem Duburgareal von Flensburg, am Schloss Hackhausen,[23] im Bereich der Kirchenruine vom Uhlberg in der Nähe vom Altmühltal[24] und noch anderswo gesehen worden sein. Auch nahe der Hubertuskapelle im Ebersberger Forst östlich von München soll eine weiße Frau umgehen[25] und alle sieben Jahre zwischen Hademarschen und Hanerau soll sich die weiße Frau von Hanerau zeigen. Des Weiteren soll eine weiße Frau in der Burg Weißenstein (Niederbayern) spuken.[26]

Estland

Um die Kathedrale von Haapsalu rankt sich die Legende der Weißen Dame von Haapsalu. Danach soll in den Vollmond-Nächten im August das Bild einer Weißen Frau an den Innenwänden einer bestimmten Kapelle zu sehen sein. Die Geschichte fußt auf folgender Volkslegende:

Während der Herrschaft des Bischofs von Ösel-Wiek war jeder Kanoniker zu einem keuschen und tugendhaften Leben verpflichtet. Frauen war der Zutritt zur Bischofsburg bei Todesstrafe verboten. Nach der Legende soll ein Geistlicher des Bischofssitzes in ein estnisches Mädchen verliebt gewesen sein, das er heimlich in die Bischofsburg schmuggelte. Sie verkleidete sich dort als Chorknabe und lebte lange Zeit mit ihrem Geliebten zusammen. Bei einem Besuch des Bischofs kam allerdings das wahre Geschlecht des „Knaben“ ans Licht. Der Kanoniker musste zur Strafe im Gefängnis verhungern. Das Mädchen wurde lebendig in die Wände der Kapelle eingemauert. Ihr ließen die Maurer ein Stück Brot und einen Krug Wasser. Eine Zeitlang waren die Hilfeschreie des Mädchens noch zu hören, bevor sie verstummten. Aber ihre Seele findet keine Ruhe und so erscheint sie seit Jahrhunderten jährlich am mittleren Fenster der Kirchenkapelle, um ihren Geliebten zu betrauern – als Symbol für die Unsterblichkeit der Liebe.[27]

Das Musikfestival „Zeit der Weißen Dame“ (Valge Daami Aeg) wird jedes Jahr im August bei Vollmond in der Burg abgehalten.

Slowakei

Die Weiße Frau von Levoča: Julianna Géczy öffnet den Feinden den Zugang zur Stadt, Gemälde im Rathaus von Levoča

Julianna Korponay-Géczy (1680–1714) soll bis heute als Weiße Frau an der Stadtmauer bzw. im Rathaus von Levoča spuken. Die verheiratete ungarische Adelige war der Sage nach verliebt in den Kommandeur der kaiserlichen Truppen, welche die mit den aufständischen Kuruzen verbündete Stadt seit 1709 belagerten. Aus Liebe zu ihm öffnete Julianna am 13. Februar 1710 einen Durchlass in der Stadtmauer und gewährte den Feinden Einlass. Ihr Liebhaber dankte ihr den Verrat an ihrer Heimatstadt jedoch nicht: Am 25. September 1714 wurde Julianna auf kaiserlichen Befehl in Győr enthauptet. Die Weiße Frau von Levoča ist die mit Abstand bekannteste Überlieferung um Weiße Frauen im slowakischen Sagenschatz.

Auch für die Altstadt von Bratislava und das Schloss Bojnice sind Sagen um Weiße Frauen überliefert.

Österreich

In Österreich ist die bekannteste Sage die Weiße Frau von Bernstein, einer Burg nahe der ungarischen Grenze. Zur Zeit der Türkenkriege habe der aus den Kämpfen zurückgekehrte Burggraf seine untreue Ehefrau einmauern lassen und den Liebhaber erdolcht. Ihr Totengeist erschien ihm in einer stürmischen Herbstnacht direkt vor seinem Tod und soll seither öfter winkend über die Treppen zur Kapelle schweben, um dort zu beten. Zuletzt sei die weiß verschleierte Gestalt 1912 beim Fackelzug des Feuerwehrfestes erschienen sowie beim Kriegsausbruch 1914.

Polen

Im Schloss Stettin (damals Herzogtum Pommern) will man die Erscheinung der 1620 als Hexe hingerichteten Jungfrau Sidonia von Borcke aus dem Fräuleinstift Marienfließ gesehen haben.

Schweiz

Die Ruinen sind links hinter den Bäumen

In der Westschweiz rankt sich die Legende von La Dame Blanche um die Ruine Rouelbeau. Die Burg in der heutigen Gemeinde Meinier des Kantons Genf wurde 1318 unter der Leitung des Ritters Humbert de Choulex erbaut, der seine erste Frau der Überlieferung nach verstieß, nachdem sie ihm keinen Sohn gebar. Der Sage zufolge spukt La Dame Blanche seither durch das Gebiet um die Burg. Ihr Geist wurde für das Verschwinden von Menschen und unerklärliche Todesfälle verantwortlich gemacht. Unklar ist, ob sie vor allem in Nächten mit Neumond oder Vollmond erscheinen soll.[28] Unstrittig ist indes, dass Heiligabend als wichtigster Zeitpunkt des Auftretens dieser weißen Dame gilt, die laut der gängigen Fassung von 1870 wunderschön ist und ein Diadem trägt. In manch einer Weihnachtsnacht ist angeblich gar die ganze Burg samt ihren ehemaligen Bewohnern in alter Pracht wiederauferstanden. Es heißt, dass das Gespenst in einem Einzelfall zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen armen Halbwaisen mit einem Schatz aus Gold und Silber belohnte.[29] Ein Feldweg neben den Ruinen trägt den Namen Chemin de la Dame Blanche.

Hinzu kommen Erscheinungen

  • in ländlichen Sagen aus der Urschweiz, z. B. aus Uri und Luzern
  • sowie moderne Straßengespenster wie die „Weiße Frau vom Belchentunnel“ und (laut der Zeitschrift Schweizer Volkskunde) im Toggenburger Tal.

Tschechien

  • Neuhaus in Böhmen[30]

Frankreich

Auch in Frankreich gibt es zahlreiche Burgen und Schlösser mit weißgewandeten Frauenerscheinungen, die in Frankreich unter dem Namen Dame blanche bekannt sind:

  • Château de Arlempdes, Haute-Loire
  • La Boursidière, Hauts-de-Seine
  • Schloss Fougères-sur-Bièvre, Loir-et-Cher
  • Château de Frœningen, Haut-Rhin
  • Burgruine Hohenbourg, Bas-Rhin
  • Burg Landreville, Ardennes
  • Kloster Mortemer, Eure
  • Burg Pouancé, Maine-et-Loire
  • Burg Puilaurens, Aude
  • Schloss Puymartin, Dordogne
  • Château de Trécesson, Morbihan

Großbritannien

In Großbritannien ist die Entsprechung der Weißen Frau die White Lady. Sie erscheint zwar auch oft in aristokratischem Umfeld, durchaus häufig aber auch in bürgerlichem Kontext, vor allem im Grenzbereich von Sage und urbaner Legende. Einige Beispiele dieser White Ladies sind:

  • White Lady von Castle Huntly bei Dundee in Schottland, der Geist eines Opfers unstandesgemäßer Liebe
  • White Lady von Samlesbury Hall bei Preston: Lady Dorothy Southworth, ebenfalls ein Opfer unglücklicher Liebe, wurde zusammen mit ihrem Geliebten von dessen Bruder ermordet.[31]
  • Auf dem Friedhof von Darwen in Lancashire befindet sich ein White Lady genanntes Grabmal, das offenbar zum Kondensationspunkt einer mit Vergewaltigung und Kindstod angereicherten urbanen Legende wurde. Tatsächlich ist es das inzwischen restaurierte und seinen Namen dadurch wieder Ehre machende Grabmal von Martha Jane Bury (1850–1913), einer Kämpferin für die Rechte der Arbeiterfrauen.[32]
  • White Lady von Berry Pomeroy Castle, in der Nähe von Totnes/Devon gelegen; sie soll eine Dame namens Matilda (auch Margaret genannt) aus der Familie der Pomeroy sein, die von ihrer älteren Schwester aus Eifersucht gefangengesetzt und zu Tode gehungert wurde. Sie soll hauptsächlich im Bereich des Margaretenturmes erscheinen. Die Burg von Berry Pomeroy hat den Ruf der „most haunted castle of England“, da dort noch zahlreiche weitere Geister umgehen sollen und auch andere irritierende Phänomene von Besuchern auch in der Umgebung der Burg berichtet worden sein sollen. Eine historische Figur konnte bisher nicht sicher identifiziert werden. Der Volksmund berichtet, dass sie ein Todesbote sein soll für den, dem sie erscheint.[33][34][35][36] Das Thema wurde auch im 19. Jahrhundert literarisch verarbeitet von Edward Montague.[37]
  • Die Ruine Okehampton Castle soll von einer Lady Howard heimgesucht werden, die drei ihrer Ehemänner und zwei ihrer Kinder ermordet haben soll. Sie ist verflucht, dort Grashalme bis auf den letzten Halm zu sammeln bzw. den Untergang der Welt abzuwarten, um endlich ihren Frieden zu finden. Ein historisches Korrelat zu der Geschichte, die auch in einer volkstümlichen Ballade ihren Niederschlag gefunden hat, gibt es nicht.[38]

Verwandte Gestalten

  • Winselmutter (auch Klagemutter), deutsche Sagengestalt
  • Banshee, irische Mythologie
  • Gwrach y Rhibyn, walisische Mythologie
  • Mallt-y-Nos, walisischen Mythologie
  • Cailleach, irische, schottische Mythologie

Literarische Gestaltung

Die von den Sagensammlern des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen lokalen Berichte über Erscheinungen weißer, schwarzer und grauer Frauen und Fräuleins sind fast unüberschaubar und zu fast jedem nennenswerten Schloss lässt eine solche Sage sich finden. Aber auch literarisch wurde im 19. Jahrhundert die Sage vielfach gestaltet, zunächst in der Werken der Unterhaltungsliteratur:

  • Wilhelm Adolf Lindau Die weiße Frau. Eine Geschichte aus der Ritterzeit. (Leipzig 1811)
  • Friedrich August Schulze Gespenstergeschichten (Bd. 1, Berlin 1818)
  • Karoline von Woltmann Die weiße Frau (Hamburg 1832)
  • Friedrich Lienhard Die weiße Frau (Dresden 1889)

Im motivverwandten Drama Die Ahnfrau von Franz Grillparzer weist die titelgebende Gestalt Bezüge zur Weißen Frau auf und in dem Stauferdrama Kaiser Heinrich der Sechste von Christian Dietrich Grabbe erscheint die Weiße Frau auf der Burg Heinrichs des Löwen in Braunschweig.[39]

Auch die lyrischen Gestaltungen sind zahlreich, zu nennen sind:

  • Christian zu Stolberg-Stolberg Die Weiße Frau (Balladenzyklus, 1814)
  • Ferdinand Freiligrath Die weiße Frau[40]
  • Emanuel Geibel Im Grafenschlosse[41]

Gero von Wilpert wies darauf hin, dass die Weiße Frau im Werk Theodor Fontanes zwar nie im Zentrum steht, ansonsten aber vielfach gegenwärtig ist. So erzählt Fontane in Vor dem Sturm die Geschichte der Wangeline von Burgsdorff, die ein Hoffräulein von Dorothea, der zweiten Frau des Großen Kurfürsten, gewesen sein soll. Dorothea stand im Ruf einer bösen Stiefmutter, die um ihrer eigenen Kinder willen vor Giftanschlägen auf die Prinzen aus erster Ehe nicht zurückschreckte. Dann aber doch: von Reue befallen, befahl sie ihrem Hoffräulein, eine bereits deponierte vergiftete Frucht vom Bett des Erbprinzen zu entfernen. Doch das Fräulein ließ sich, als sie in leichte weiße Gewänder gehüllt durch die Gänge eilte, von einem Kavalier aufhalten, gerade lange genug, um den Erbprinzen dem Tod auszuliefern. Daher muss sie nun als Warnerin aus dem Jenseits nachholen, was sie im Diesseits versäumte. Warum dann die Giftmörderin Dorothea nicht zum jenseitigen Strafdienst verurteilt wurde, verschweigt die Sage.[42]

Und in einem fragmentarischen Gedicht „Wangeline von Burgsdorf, oder Die weiße Frau“[43] fasst Fontane die Sage der Weißen Frau der Hohenzollern noch einmal in lyrischer Verknappung zusammen:

Das ist die Sage: und will Gefahr
Die Hohenzollern umgarnen,
Da wird lebendig ein alter Fluch,
Die weiße Frau im Schleiertuch
Zeigt sich, um zu warnen.

Sie kommt dreimal, geht um dreimal,
Zögernder immer und trüber,
Die Wache ruft ihr Halt-Werda nicht mehr,
Sie weiß, den Gast schreckt kein Gewehr; –
Der Schatten schreitet vorüber.

Erscheinung auf den Zinnen eines Schlosses (Illustration zu Das Karpatenschloss von Jules Verne)

In dem 1860 erschienenen Roman Die Frau in Weiß (The Woman in White) von Wilkie Collins erweist sich die titelgebende geheimnisvolle Gestalt letzten Endes nicht als Gespenst. Auch die Erscheinung einer weißgekleideten Gestalt der toten Opernsängerin La Stilla auf der Bastion des titelgebenden Karpatenschlosses von Jules Verne erweist sich nicht als echtes Gespenst, sondern vielmehr als Anwendung (damals) futuristischer Technik: eine Kombination aus Abspielen einer Tonaufnahme mit der gleichzeitigen Projektion eines Bildes erweckt den Eindruck einer gespenstischen Erscheinung.

E. Marlitt hat das Thema in ihrem 1885 veröffentlichten Roman Die Frau mit den Karfunkelsteinen aufgegriffen.

Moderne Rezeption

Literatur

  • In der Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke treten öfter Weiße Frauen auf. Besonders im dritten Band, Tintentod, spielen sie eine wichtige Rolle.
  • Eine Sage um die weiße Frau inspirierte Otfried Preußler zu seinem Kinderbuch Das kleine Gespenst.[44]

Musik

Erscheinung der Weißen Frau in der Oper La dame blanche

Die im Titel der Opéra-comique La dame blanche von François-Adrien Boieldieu (uraufgeführt 1825) erscheinende Weiße Frau geht auf Motive von Walter Scott zurück. Am Ende der Oper stellt sich das vermeintliche Gespenst aber als Wesen von Fleisch und Blut heraus.

Die Vorlage von Wilkie Collins wurde mit der Musik von Andrew Lloyd Webber im Jahr 2004 als Musical The Woman in White uraufgeführt.

Die Band Silverlane hat 2010 auf ihrem Album Above The Others die Geschichte der Weißen Frau auf der Plassenburg in Form von vier zusammenhängenden Musikstücken, The White Lady Part I bis IV, vertont.

Die Black-Metal-Band Carach Angren hat 2008 das Konzeptalbum Lammendam veröffentlicht, welches von der Weißen Frau handelt.

Film

  • Im Horrorfilm The Terror – Schloß des Schreckens aus dem Jahr 1963 stellt die beschriebene Legende ein Hauptmotiv dar.
  • In der Kinder- und Jugendserie Frankensteins Tante von 1987 ist Mercedes Sampietro in der Rolle der Weißen Frau zu sehen.
  • 1988 spielte Daryl Hannah im Kinofilm High Spirits eine Weiße Frau.
  • In Folge 1 der Serie Supernatural dreht sich die Handlung um eine sogenannte Woman in White. Diese wird dort jedoch als bösartig eingestuft und teilt sich lediglich einen ähnlichen Namen mit der weißen Frau.
  • Die aus zwei Staffeln bestehende Webserie Ebersberg dreht sich um die weiße Frau im Ebersberger Forst.

Von der Weißen Frau zur Phantom-Anhalterin

In urbaner Legende und moderner Sage erfuhr die Weiße Frau eine Transformation, vor allem in Hinblick auf ihr Aussehen, insofern sie in urbanen Legenden nicht mehr in weißer Kleidung erscheint. Mit der Bezeichnung „Weiße Frau“ werden heute manche Berichte vom geheimnisvollen Erscheinen und Verschwinden einer weiblichen – aber nicht unmittelbar bedrohlichen – Gestalt verknüpft. Sofern ein Hintergrund bekannt ist oder vermutet wird, ist es der Bereich bürgerlicher Tragik (Kindsmord, Vergewaltigung, andere Verbrechen oder Verkehrsunfälle).

Typisch sind in diesem Zusammenhang heutige Legenden von der „Phantom-Anhalterin“: Eine zunächst normal erscheinende Autostopperin wird mitgenommen, verhält sich auffällig oder unauffällig und verschwindet während der Fahrt spurlos. Das für Deutschland bekannteste Beispiel – das sich auch in der englischen Literatur findet – ist die Weiße Frau vom Belchentunnel (im südlichen Baselbiet) aus den 1980er Jahren. Der Belchentunnel gilt als eine äußerst gefährliche Straße mit Serien von schweren Unfällen.[45] Auch bei der weißen Frau, die nahe der Hubertuskapelle im Ebersberger Forst Autofahrern als Anhalterin erscheinen soll, soll es sich um das Opfer eines Verkehrsunfalls mit Fahrerflucht handeln.[46] In der niedersächsischen Stadt Celle wird ebenfalls über eine „Weiße Frau“ berichtet, die auf der Landstraße 282 ihr Unwesen treiben soll.[47]

Aus dem Südosten Englands (Kent) wird von der A229 road, einer autobahnähnlich ausgebauten Schnellstraße zwischen Chatham und Maidstone in der Nähe der Ortschaften Burham und Blue Bell Hill, Ähnliches berichtet. Auf der Vorgängerstraße – der nur noch teilweise erhaltenen heute so genannten „Old Chatham Road“, heute ersetzt durch die A229 – in der Nähe zur Gaststätte „Lower Bell“ starb im November 1965 eine junge Frau (Susan Browne; laut anderen Quellen ihre Beifahrerin Judith Lingham) am Vorabend zu ihrer Hochzeit infolge eines schweren Verkehrsunfalles, bei dem auch zwei weitere der insgesamt vier Insassen starben. Es wurde berichtet, dass sie gelegentlich vorbeifahrenden Autofahrern – meist in der dunklen Jahreszeit (Herbst und Winter) bei sehr schlechtem Wetter tief in der Nacht als weißgekleidete Anhalterin erscheint.[48][49][45] Auch eine andere historische Gestalt wird mit dieser Phantomanhalterin in Verbindung gebracht, nämlich eine gewisse Emily Trigg, die im Jahre 1916 im Juli wohl einem Sexualmord zum Opfer fiel. Ihr Skelett wurde 6 Wochen später am Straßenrand gefunden und auf dem Friedhof in Burham beigesetzt, was sich in Übereinstimmung mit den Erscheinungen im Juli befindet. Der mutmaßliche Mörder konnte – wohl auch durch Schlampigkeit in der Polizeiarbeit – nie identifiziert oder dingfest gemacht werden. Beiden Frauen ist ihr Status als „bride to be“ gemeinsam, also Frauen, die kurz vor ihrer Hochzeit verstarben.[45] Der Heimatforscher Sean Tudor, der diese Geschehnisse intensiv recherchiert und auch die Geschichte der Gegend erforscht hat, vermutet, dass die Gegend um Blue Bell Hill, das in alten Quellen unter dem Namen Burham als Ortsteil dieser Gemeinde geführt wird und erst im 20. Jahrhundert den heutigen Namen erhielt, schon zu keltischer Zeit mystische Bedeutung hatte. Es soll dort zahlreiche Steinmonumente und Kultstätten gegeben haben, so dass auch die Phantomanhalterinnen als eine moderne Fortsetzung alter möglicherweise vorchristlicher Volksmythen gesehen werden können.[45]

Ähnliche Berichte gibt es auch aus den USA (Maryland, Illinois) sowie aus Südafrika und Simbabwe. Teilweise beruhen sie wiederum auf tatsächlichen menschlichen Schicksalen.[50]

In seltenen Fällen wird auch von Kindern als Phantomanhaltern berichtet; so in einem Fall aus Oklahoma im Winter 1965, als eine junge Frau einen kleinen Jungen mitnahm, der in einer unwegsamen Wildnis am Straßenrand wieder ausgesetzt werden wollte. Dies soll sich im Jahre 1936 an derselben Stelle schon einmal ereignet haben.[45]

Quellen

  • Kaspar Brusch: Chronologia Monasteriorum Germaniae praecipuorum. 1552 (Brusch will die Gräber der beiden Kinder im Kloster Himmelkron noch gesehen haben)
  • Enoch Widmann: Chronik der Stadt Hof. In: Christian Meyer (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Hof. Hof 1894
  • Martin Hofmann: Annales Bambergenses
  • Johann Wolfgang Rentsch: Brandenburgischer Ceder-Hein (1682, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3DCv0AAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  • Peter Goldschmidt: Höllischer Morpheus (1698, 2. Auflage. 1704 Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3DbsY5AAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  • Lazarus Carl von Wölkern: Historia Norimbergensis Diplomatica. Nürnberg 1738
  • Gotthilf Friedemann Löber: De burggraviis Orlamundanis. Jena 1741, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3DUeZIAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  • Johann August Eberhard: Ueber den Ursprung der Fabel von der weißen Frau. In: Berlinische Monatsschrift. 1. Jgg. 1783, S. 3–19, Digitalisat
  • Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister-Kunde (1808, § 245–255)
  • Joseph Maria Mayer: Das Bayern-Buch – Geschichtsbilder und Sagen aus der Vorzeit der Bayern, Franken und Schwaben. München 1869. S. 366–372.

Literatur

  • Wilhelm Avenarius: Rund um die Weiße Frau. Ein Geister-Handbuch. Übersinnliche Erscheinungen im Volksleben, auf Burgen und Schlössern. 2. Auflage. Glock & Lutz, Sigmaringendorf 1987.
  • Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates. Bd. 1, Glogau 1868/71, S. 14–19, online
  • Gisela Griepentrog (Hrsg.): Berlin-Sagen. vbb, Berlin 2010, S. 44–48
  • Lorenz Kraußold: Die weiße Frau, und der orlamündische Kindermord. Eine Revision der einschlagenden Dokumente . Deichert, Erlangen 1869 MDZ.
  • Julius von Minutoli: Die Weiße Frau. Geschichtliche Prüfung der Sage und Beobachtung dieser Erscheinung seit dem Jahre 1486 bis auf die neueste Zeit. Duncker, Berlin 1850 ZLB
  • Andreas Reichold: Die Ehrenrettung der Kunigunde von Orlamünde. In: Sagen aus Bayerns Nordostgebieten. Hoermann Verlag, Hof, 1956/57
  • Martin Wähler: Die Weiße Frau. Vom Glauben des Volkes an den lebenden Leichnam. Verlag Kurt Stenger, Erfurt, 1931
  • Gero von Wilpert: Fontane und die Weiße Frau. In: (ders.): Die deutsche Gespenstergeschichte. Motiv, Form, Entwicklung (= Kröners Taschenausgabe. Band 406). Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-40601-2, S. 335–345.

Weblinks

Wikisource: Weiße Frauen – Quellen und Volltexte
Commons: Weiße Frau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Die Weiße Frau – Ein Gespenst macht Geschichte Artikel von Jan von Flocken in der Online-Ausgabe von Die Welt vom 7. Januar 2007

Einzelnachweise

  1. ↑ Zitiert nach Minutoli: Die Weiße Frau 1850, S. 2
  2. ↑ Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates Bd. 1, 1868/71, S. 15
  3. ↑ Siehe Abschnitt Quellen zu den genauen Bibliographischen Angaben.
  4. ↑ Minutoli: Die Weiße Frau 1850, S. 2ff
  5. ↑ Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950. (Neuauflage 1978 anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978.) S. 196.
  6. ↑ Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates Bd. 1, 1868/71, S. 16
  7. ↑ Theodor Zinck: Himmelkron – Beschreibung seiner Vergangenheit und Gegenwart. Bayreuth 1925.
  8. ↑ Martin Wähler: Die Weiße Frau. S. 7–8 und 23 ff. Zu der Sage aus Himmelkron siehe www.himmelkron.de (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive)
  9. ↑ Friedrich Wilhelm, der „Große Kurfürst“
  10. ↑ Luise Henriette von Oranien
  11. ↑ Zitiert in: Dieter Hildebrandt: Das Berliner Schloss. Deutschlands leere Mitte. Hanser, München 2011, S. 56
  12. ↑ Zitiert in: Martin Hürlimann: Berlin. Berichte und Bilder. Berlin 1934, S. 44
  13. ↑ Caroline von Rochow: Vom Leben am Preußischen Hofe 1815–1852. Berlin 1908, S. 291
  14. ↑ Griepentrog: Berlin-Sagen. 2010, S. 45f
  15. ↑ Eberhard Cyran: Das Schloss an der Spree. 6. Auflage. Berlin 1995, S. 363
  16. ↑ Wilhelm Rauh, Erich Rappl: Bühne Bayreuth. Druckhaus Bayreuth, Bayreuth 1987, ISBN 3-922808-21-2, S. 37. 
  17. ↑ Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates Bd. 1, 1868/71, S. 17.
  18. ↑ Das fragliche Porträt befindet sich seit 1933 auf der Plassenburg.
  19. ↑ Theodor Fontane: Effi Briest. 9. Kapitel. In: Romane und Erzählungen. 2. Auflage. Aufbau, Berlin & Weimar 1973, Bd. 7, S. 74.
  20. ↑ Andreas M. Cramer, Die Gothaer Sagen, Gotha 2005, S. 52
  21. ↑ Den Schoobn: Die Rückkehr der weißen Frau. In: Geocaching. 13. August 2015, abgerufen am 16. März 2021. 
  22. ↑ Märchenhafte Wanderung zum Haus Aussel – Dreikönigswanderung 2010. In: Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg e. V. 4. Februar 2010, abgerufen am 16. März 2021. 
  23. ↑ Otto Schell: Bergische Sagen, Baedecker, 1897
  24. ↑ Altmühltaltipps: Uhlberg. 27. Mai 2020, abgerufen am 30. Dezember 2020. 
  25. ↑ Rita Baedeker: Der Geist fährt per Anhalter auf www.sueddeutsche.de, 6. Januar 2017
  26. ↑ Die Sage von Burg Weißenstein. In: bayerischer-wald.de. Abgerufen am 7. Februar 2026. 
  27. ↑ http://www.haapsalulinnus.ee/?id=1324
  28. ↑ Edith Montelle, Richard Waldmann, Béat Brüsch (Hrsg.): Die schönsten Märchen der Schweiz. Mondo Verlag, Vevey 1987, S. 108–113. 
  29. ↑ Christian Vellas (Hrsg.): Légendes de Genève et du Genevois. Éditions Slatkine, Genf 2007, ISBN 978-2-8321-0269-5, S. 45–51 (französisch). 
  30. ↑ (anon.): Die weiße Frau in Neuhaus. Geistergeschichte aus dem 15. Jahrhundert. Wien & Prag 1797
  31. ↑ Samlesbury Hall
  32. ↑ Martha Jane Bury – Website der Friends of Darwen Cemetery
  33. ↑ Deryck Seymour: The Ghosts of Berry Pomeroy. Obelisk Publications, Exeter/Devon 1990. 
  34. ↑ Charles Kightley: Berry Pomeroy Castle. Hrsg.: English Heritage. English Heritage, London 2011. 
  35. ↑ S. M. Ellis: Ghost Stories and Legends of Berry Pomeroy Castle. 2011. 
  36. ↑ Bob Mann: A Most Haunting Castle. Hrsg.: Bob Mann. Longmarsh Press, Totness/Devon 2011. 
  37. ↑ Edward Montague: The Castle of Berry Pomeroy. Hrsg.: Lane, Newman and Co. 1806. Valancourt Books, Richmond/Virginia 2014. 
  38. ↑ Alan Endacott: Okehampton Castle Devon. Hrsg.: English Heritage. 1. Auflage. English Heritage, London 2003, ISBN 978-1-85074-825-0. 
  39. ↑ Grabbe: Kaiser Heinrich der Sechste 3. Akt, 2. Szene, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D3NQ-AAAAIAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA159~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  40. ↑ Die weiße Frau von Ferdinand Freiligrath in der Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht
  41. ↑ Im Grafenschlosse Emanuel Geibel auf zeno.org
  42. ↑ Theodor Fontane: Vor dem Sturm. 12. Kapitel: Die weiße Frau. In: Romane und Erzählungen. 2. Auflage. Aufbau, Berlin & Weimar 1973, Bd. 2, S. 304–309
  43. ↑ Wangeline von Burgsdorf von Fontane auf Wikisource
  44. ↑ www.preussler.de
  45. ↑ a b c d e Sean Tudor: The Ghosts of Blue Bell Hill & other Road Ghosts. Hrsg.: White Ladies Press. White Ladies Press, ISBN 978-0-9957363-1-3. 
  46. ↑ Rita Baedeker: Der Geist fährt per Anhalter auf www.sueddeutsche.de, 6. Januar 2017
  47. ↑ Dagny Rößler: Spukgestalt aus Celle: Mysterium "Weiße Frau" in: Cellesche Zeitung, 25. Mai 2016, abgerufen am 22. Februar 2025.
  48. ↑ Jess Sharp, KentOnline: The true story behind the Blue Bell Hill ghost. 22. Oktober 2019, abgerufen am 30. Dezember 2020. 
  49. ↑ Ann Carney: Haunted Kent: The Ghosts of Blue Bell Hill. Exemplore, 4. Juli 2020, abgerufen am 3. Januar 2021. 
  50. ↑ Sean Tudor: The Ghosts of Blue Bell Hill & other Road Ghosts. Hrsg.: White Ladies Press. White Ladies Press, ISBN 978-0-9957363-1-3. 
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Weiße Frau von Bernstein

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026
Burg Bernstein um 1870/1900. Zu dieser Zeit soll die Weiße Frau häufiger gesichtet worden sein.

Die Weiße Frau von Bernstein ist eine gespenstische Erscheinung auf der Burg Bernstein, über die seit dem 19. Jahrhundert wiederholt berichtet wurde.

Sagen

Ein Buch von Erwemweig (1927) und eine Sagensammlung aus dem Burgenland (1931) geben an, dass die Weiße Frau von Bernstein seit 1859 beobachtet wurde. Im Jahr 1912 habe sie sich bei einem Fackelzug der Dorffeuerwehr vor der Familie des Schlossherrn und vielen Dorfbewohnern gezeigt. Knapp vor dem Ersten Weltkrieg soll sie oft erschienen sein und dann für längere Zeit zum letzten Mal im Jahre 1921.[1] Die zierliche Frauengestalt mit wallendem Haar schmiegt die gefalteten Hände an die linke Wange und blickt traurig ins Leere. Sie trägt eine „párta“, einen diademartigen ungarischen Kopfschmuck, und ein weißer Schleier hüllt die ganze Erscheinung ein. Einige behaupteten, sie verdecke mit ihren Händen eine Halswunde oder den Griff eines Stiletts, das aus ihrem Hals hervorrage. Angeblich bittet die weiße Frau die Lebenden mit winkenden Gebärden, ihr zu folgen. Sie soll – meist in den Abendstunden – an verschiedenen Stellen des Schlosses erscheinen und gleichsam über die Treppen schweben. Zuletzt gelangt sie in die Kapelle, kniet betend vor dem Altar nieder und verschwindet sodann. Manchmal soll sie aus einem Saalfenster in den Schlosshof hinab geblickt haben.[2]

Eine weitere Sage will den Ursprung des Spuks mit einem Mordgeschehen erklären: Danach hatte die Burg Bernstein im 16. Jahrhundert einen Schlossherrn aus dem Adelsgeschlecht der Iločki (ungarisch: Újlaki). Dieser hatte eine Italienerin zur Frau – was vielleicht die kleine Gestalt des Gespenstes erklärt – und überraschte diese einmal bei einem Seitensprung mit einem italienischen Geliebten aus ihrer Jugendzeit. Dem stieß er dafür einen Dolch ins Herz, während er seine untreue Frau in den viele Klafter tiefen Brunnen der Burg werfen oder im Rundturm an der nördlichen Basteiecke des Schlosses einmauern ließ.[3]

Nach Erwemweig soll die Weiße Frau Katharina geheißen haben und wurde deshalb im Volksmund von Bernstein auch „Böse Kathl“ genannt.[4] Eine Schriftstellerin brachte 1912 für sie den Namen Catalina Giovanna Frescobaldi auf, der seitdem gern übernommen wurde,[5] so später bei Grabinski (1953)[6] oder Mackay (2010)[7]. In einer alten Chronik ist jedoch nur die Rede davon, dass eine Catalina Giovanna Frescobaldi aus Florenz um 1485 einen ungarischen Edelmann geheiratet habe, aber seine Identifikation mit Lorenz von Ujlak auf Schloss Bernstein ist reine Spekulation. Zwar hieß Ujlaks Frau tatsächlich Katharina, stammte aber aus dem oberungarischen Geschlecht der Pongrácz von Szent-Miklós und überlebte ihren Mann.[8]

Untersuchung von 1929

Der Verleger und Gemeinderat Johannes Illig (1865–1935) aus Göppingen[9] publizierte 1929 eine ernsthafte parapsychologische Untersuchung über die Weiße Frau von Bernstein, für welche er die bei Erwemweig abgedruckten zahlreichen Berichte und Zeugenaussagen auswertete. In Illigs Aufsatz sind auch drei Fotos der Weißen Frau abgedruckt.[10] Zwei andere Fotos der Weißen Frau von 1913 wurden ursprünglich von Erwemweig publiziert und sind heute auch im Buch von Bieberger et al. sowie in einem Aufsatz von Zahlner abgedruckt, zeigen aber aufgrund der damaligen unausgereiften Fototechnik wenig Details außer einem hellen Umriss.[11]

Nach Erwemweig und Illig stammen die ersten Berichte über die Weiße Frau von 1899/1900. Nur vom Hörensagen heißt es, dass sich die Weiße Frau bereits in den Kriegsjahren 1859, 1864 und 1866 öfters im Schloss gezeigt habe.[12] Als typisches Beispiel für eine Sichtung der Weißen Frau kurz vor dem Ersten Weltkrieg sei aus dem Bericht der Baronin R. H. zitiert, die am 16. Juni 1912 die Weiße Frau gesehen hatte:[13]

„Es war ein Viertel auf 11 Uhr abends […] Beim Betreten des Hofausgangstores blickte ich nach links gegen die Halle, wo die große Steinstiege ist. Es war stockfinster; eben wollte ich mich abwenden, als plötzlich das Stiegenhaus ganz hell wurde. […] Das Licht war stark gelb und vollkommen ruhig. Das Steingeländer des Mitteltraktes war beleuchtet und die Wand bis hoch hinauf sehr hell. Nach einigen Sekunden entstand in diesem Lichte eine Gestalt. Ich glaubte, es sei ein Scherz, um mich zu schrecken. Bis dahin hatte ich ganz ruhig hingesehen, doch während ich die Gestalt betrachtete und sie ganz deutlich langsam von Stufe zu Stufe steigen sah, kam ganz plötzlich, wie von außen, eine Lähmung über mich und das furchtbare Gefühl, etwas Uebernatürliches zu sehen […] Ich hatte nie an Geister geglaubt, in diesem Augenblick war es wie eine Offenbarung: Das gibt es! Die Gestalt war nicht groß und machte den Eindruck eines jungen, schlanken, anmutigen Wesens; sie war deutlich und plastisch, aber doch duftiger und ihr Gang schwebender als bei einer wirklichen Person. Die ganze Gestalt war in einen feinen weißen Schleier gehüllt, ich sah keine weiteren Details. Nirgends an der Gestalt oder Wand war ein Schatten, alles Licht in Licht, am leuchtendsten die Figur. […] Am Ende der Treppe verschwand oder zerfloß die Erscheinung. […]“

Nach Illig handelte es sich bei der Weißen Frau von Bernstein um echten und zwar um sogenannten ortsgebundenen Spuk.[14] Illig resümiert:[15]

„Man könnte an ein betrügerisches Possenspiel oder an endemisch auftretende Halluzinationen denken, aber dagegen spricht nicht nur der lange Beobachtungszeitraum und das Gewicht der von den verschiedenartigsten Personen stammenden übereinstimmenden Zeugnisse, sondern vor allem auch die […] Eigenart der Nebenumstände. Wenn die Erscheinung eine verkleidete menschliche Gestalt gewesen wäre, dann wäre sie gewiß ihren Häschern, die […] nach ihr griffen, doch einmal in die Hände gefallen. Wäre sie aber ein aus irgendeinem Schlupfwinkel herausprojiziertes Lichtbild gewesen, so wäre ihr Erscheinen nicht von einem knisternden Rauschen wie von schleppenden Seidenkleidern oder von einem kalten Luftzug hegleitet gewesen. Gerade diese Nebenumstände aber, die gegen betrügerische Manipulationen sprechen, sind sehr häufig beobachtete Merkmale des örtlich gebundenen Spuks.“ […] „Aus dem, was uns von ihr berichtet wird, geht deutlich hervor, daß die „Weiße Frau“ ein klares und volles Sinnesbewußtsein nach menschlicher Art nicht haben kann. Denn die Umwelt, wenigstens die sinnlich wahrnehmbare, hat auf ihr Verhalten keinen wesentlichen Einfluß. Sie benimmt sich, als ob diese nicht vorhanden wäre. Zwar benutzt sie zu ihrer Fortbewegung die Türen, Treppen und Gänge des Schlosses, sie findet auch den Altar der Hauskapelle, um vor ihm niederzuknien, aber die Menschen gewahrt sie anscheinend nicht oder sie sind für sie, wie wenn sie nicht vorhanden wären. Sie gibt auf Fragen keine Antwort, nicht einmal ein Zeichen, ja es kam sogar vor, daß jemand, der unversehens gegen sie anrannte, durch sie hindurchlief, ohne einen Widerstand zu empfinden. Sie scheint, wie eine Zeugin sich ausdrückt, „rührend hilflos“ zu sein. Nur wenn sie verfolgt wird, oder wenn man ihr sonst unfreundlich begegnet, z. B. nach ihr schießt, verschwindet sie entweder ganz oder für Augenblicke. Zwei Zeugen, von denen der eine sie verfolgte und in leichtfertigem Tone anrief, der andere mit ihr zusammengestoßen war, berichten, daß sie sich nach ihnen umdrehte, und sie — oder wenigstens den ersteren — mit einem starren Blick ansah, aber gewissermaßen durch ihn hindurch ins Leere. Das macht den Eindruck, als ob sie gewisse menschliche Gemütserregungen, […] besonders solche von unsympathischer Art, auf irgendeine Weise empfände und auf sie reagierte, aber nicht wie ein wachbewußter Mensch […]. Auch wenn sie eine Handbewegung machte, wie wenn sie winken oder drohen wollte, war diese Bewegung so unbestimmt, daß die in Betracht kommenden beiden Zeugen nicht in der Lage waren, mit Sicherheit zu bekunden, welchen Sinn sie hatte oder ob sie überhaupt einen Sinn hatte.“ […] „Sie lebt, eingesponnen in irgendeinen Traum oder Wahn, auch nach Ablegung ihres grobstofflichen Körpers, ihr Trieb- und Wunschleben unbekümmert um ihre Umwelt, weiter, kniet am Altar der Hauskapelle nieder, wandert durch die Gänge und Zimmer, zeigt sich im Hof und benimmt sich bei alledem nicht wie jemand, der eine deutliche Kenntnis seiner Umwelt hat, sondern wie ein Träumer oder Nachtwandler“.

Als Reaktion auf Illigs Untersuchungen verfasste der General Josef Peter in demselben Jahr 1929 einen ergänzenden Bericht über die Weiße Frau von Bernstein; auch er ging von echtem Spuk aus. Vereinzelte spätere Sichtungen der Weißen Frau werden bis ins Jahr 1990 berichtet.[16]

Literatur

  • W. Erwemweig (d. i. Anton von Gyömörey): Schloss Bernstein im Burgenland. Fragmente aus Vergangenheit und Gegenwart. Mit Illustrationen und Kartenskizzen von Ferd. Pittoni-Dannenfeldt. Bernstein 1927. Darin S. 51–83 zur Weißen Frau.
  • Johannes Illig: Die „Weiße Frau“ auf Schloß Bernstein im Burgenland, in: Zeitschrift für Parapsychologie, 4. Jahrgang 1929 (= Psychische Studien, Jahrgang 56), 2. Heft, S. 49–75 online
  • Josef Peter: Die weiße Frau von Schloß Bernstein im Burgenland, in: Zeitschrift für Parapsychologie, 4. Jahrgang 1929 (= Psychische Studien, Jahrgang 56), 8. Heft, S. 453–456 online
  • Bruno Grabinski: Die Weiße Frau auf Schloß Bernstein, in: Zentralblatt für Okkultismus 24 (1930/31), S. 224–227 online
  • Ernst Joseph Görlich: Die weiße Frau von Bernstein, in: Glaube und Erkenntnis 4/1952, S. 12–14 online
  • Christof Bieberger, Alexandra Gruber, Johannes Herberstein, Gabriele Hasmann: Geisterschlösser in Österreich. Wien: Ueberreuter 2004, ISBN 3-8000-7062-6, darin S. 21–43: »Schlosshansel« und »Böse Kathl«: Schloss Bernstein, Burgenland. Leseprobe der ersten Seiten

Weblinks

  • Sagen aus dem Burgenland: Die weiße Frau
  • Sagen.at: Die Weiße Frau von Schloß Bernstein
  • Sagen.at: Augenzeugenbericht einer Erscheinung der Weißen Frau 1913

Anmerkungen

  1. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 52f. Vgl. auch Bieberger, Geisterschlösser in Österreich, S. 33.
  2. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 54. Anton Mailly, Adolf Pfarr und Ernst Löger (Hgg.): Sagen aus dem Burgenland, Wien und Leipzig 1931, Nr. 4, Seite 18. Zitiert nach [1]
  3. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 71f. Vgl. Helene Erdödy: Fast hundert Jahre Lebenserinnerungen, Zürich-Leipzig-Wien 1929, S. 187f. Zitiert nach [2]
  4. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 52, 71.
  5. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 80.
  6. ↑ Bruno Grabinski: Spuk und Geistererscheinungen. 4. Aufl. Graz 1953, S. 334 und 364ff.
  7. ↑ Renate Mackay: Das mittlere Burgenland. The middle Burgenland. Neckenmarkt 2010, S. 105
  8. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 80f.
  9. ↑ Zu Johannes Illig vgl. [3] mit Abbildung einer Portraitmedaille
  10. ↑ Illig, Die „Weiße Frau“, S. 59, 61–65. Zum Foto der Weißen Frau von Bernstein vgl. auch Emil Mattiesen, Das persönliche Überleben des Todes, Bd. 3, 1939 (Nachdruck Berlin–New York 1987), S. 29–32.
  11. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, Bildtafel nach S. 60. Bieberger, Geisterschlösser in Österreich, S. 39, 41. Prof. Ferdinand Zahler: Zeichen und Erscheinungen von „drüben“?, in: Grenzgebiete der Wissenschaft 61 (2012) 2, S. 155–175, hier S. 162 online
  12. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 52. Illig, Die „Weiße Frau“, S. 51. Bei den Kriegen handelt es sich um den Sardinischen Krieg 1859, den Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und den Deutschen Krieg 1866.
  13. ↑ Erwemweig, Schloss Bernstein, S. 58f. Illig, Die „Weiße Frau“, S. 54.
  14. ↑ Illig, Die „Weiße Frau“, S. 60.
  15. ↑ Illig, Die „Weiße Frau“, S. 61f., 66, 73.
  16. ↑ Bieberger, Geisterschlösser in Österreich, S. 42f.



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Tanuki-bi

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026

Der Tanuki-bi (狸火; „Tanuki-Feuer“, „Marderhund-Feuer“) ist ein fiktives Wesen aus der japanischen Folklore und gehört zur Gruppe der Yūrei. Er ist den Chōchin-bi und Hitodama sehr ähnlich und gilt als das arglistige Werk zauberkundiger Tanuki.

Beschreibung

Der Tanuki-bi wird als rot glühendes oder weißliches Flämmchen, gelegentlich auch als kleiner Feuerball beschrieben.[1] Er wird von erfahrenen Tanuki beschworen und meist für Tricksereien und Streiche eingesetzt: Der Tanuki verwandelt sich in eine hübsche junge Dame oder einen freundlich dreinblickenden Mann und bietet ahnungslosen Opfern sein Feuer an, meist für eine Zigarette, Zigarre oder Tabakpfeife. Das Opfer nimmt dankend an, der Tanuki verschwindet urplötzlich und der Raucher steht ohne Feuer da – seine Kippe ist erloschen und lässt sich auch nicht mehr anzünden. Andere Tanuki tragen ihr Irrlicht wie eine kleine Laterne oder Fackel vor sich her und locken Ahnungslose in die Irre. Bevorzugt lauern sie Opfern auf, die sich im Wald, auf verlassenen Landstraßen oder in den dichten Gassen der Großstadt verirrt haben. Dies nutzt der Tanuki schamlos aus und verleitet sie dazu, seinem trügerischen Irrlicht zu folgen.[2]

Hintergrund

Im japanischen Volksglauben spielt der Marderhund (Nyctereutes procyonides) seit Jahrhunderten eine tragende Rolle. In seiner Yōkai-Form ist er als Tanuki-bake (狸化け; „Kobold-Marderhund“) bekannt und gefürchtet. Ihm Gegenüber steht der Fuchs-Yōkai Kitsune. Beide Wesen gelten als begnadete Gestaltwandler, Trickster und Stimmenimitatoren. Sie sind der menschlichen Sprache mächtig und können sich bei Bedarf auch unsichtbar machen. Tanuki hegen dem Menschen gegenüber eine ambivalente Haltung. Es heißt, dass sie dem Menschen nur selten trauen und sich lieber von ihm fernhalten. Erst in moderneren Erzählungen treten auch freundlich gesinnte Tanuki auf.[2]

Irrlichter werden im japanischen Volksglauben und in der ländlichen Folklore fast immer als das Machwerk von Yōkai (Kobolde und niedere Dämonen) oder als umherstreifende Yūrei (Trauergeister) betrachtet. In den meisten Fällen wird ihr Erscheinen als schlechtes Omen verstanden, ihnen zu folgen, sei gefährlich und es bringe fast immer Unglück.[2][1] Vermutlich geht der Glaube an „Tanuki-Feuer“ auf bekannte und gut erforschte Naturphänomene wie auf in Japan häufige Leuchtkäfer, zum Beispiel Luciola cruciata (源氏蛍, Genji-botaru; zu dt. „Genji-Leuchtkäfer“) und Luciola lateralis (平家蛍, Heike-botaru; zu dt. „Heike-Leuchtkäfer“), zurück. Sie alle sind schneckenfressende Käfer und deren Larven, deren rhythmisches Leuchten (Biolumineszenz) in ganz Japan berühmt ist. Sie wurden nach einflussreichen Adelsfamilien des Altertums benannt. Im Fusa-Park von Tokio wird alljährlich das sogenannte Hotarugari (蛍狩り; zu dt. „Leuchtkäferfangen“) abgehalten.[3] Weitere Erklärungsmöglichkeiten sind Naturerscheinungen wie die Biolumineszenz der Pilzgattungen Mycena und Omphalotus, die in Japan recht häufig sind. Auch Elmsfeuer und Kugelblitze werden vorgeschlagen.[4]

Die Beschreibung des Tanuki-bi als rot glühendes Flämmchen geht sehr wahrscheinlich auf eine harmlose und aus dem Alltag bekannte Leuchterscheinung zurück: dem roten Glühen von Tabakpfeifen, Zigarren und Zigaretten. Besonders in ländlichen Gegenden sind Tabakpfeifen bis heute gebräuchlich und in besonders dunklen (meist mondlosen oder bewölkten) Nächten ist das Glühen der Rauchwaren weithin gut sichtbar. In der Frühzeit trafen sich Bauern, aber auch zwielichtige Händler, gerne zu später Stunde an wenig frequentierten Orten und Plätzen, um ihren Geschäften nachzugehen. Im Dunkeln ist dann nur das Glühen ihres Rauchwerks zu sehen, nicht aber der oder die Raucher. So kann es den Eindruck erwecken, ein kleiner, rot glühender Feuerball schwebe durch die Luft.[2]

Siehe auch

  • Chōchin-bi: Irrlicht-ähnlicher Geist, der aus bestimmten Laternen entweicht oder von zauberkundigen Yōkai als tragbares Licht beschworen wird.
  • Kitsunebi Irrlicht, das von Fuchs-Yōkai beschworen wird und gelegentlich einen eigenen Willen erlangen soll.

Literatur

  • U. A. Casal: The Goblin Fox and Badger and Other Witch Animals of Japan. In: Folklore Studies, Band 18. Nanzan Press, Nagoya 1959, ISSN 0385-2342.
  • Loren Coleman: The Dragon in China and Japan. Cosimo-Verlag, New York City 2008, ISBN 978-1-60520-410-9.
  • Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0.
  • Shigeru Mizuki: 妖鬼化. Softgarage, 2004, ISBN 978-4-86133-027-8.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Loren Coleman: The Dragon in China and Japan, New York City 2008, S. 214.
  2. ↑ a b c d U. A. Casal: The Goblin Fox and Badger and Other Witch Animals of Japan; Nagoya 1959, S. 50–52.
  3. ↑ Lloyd Vernon Knutson, Jean-Claude Vala: Biology of Snail-Killing Sciomyzidae Flies. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2011, ISBN 0-521-86785-1, S. 24.
  4. ↑ Karen Ann Smyers: The fox and the jewel: shared and private meanings in contemporary Japanese inari worship. University of Hawaii Press, Honolulu 1999, ISBN 0-8248-2102-5, S. 117–118.



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Tera-tsutsuki

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026
Der Tera-tsutsuki, wie er in Sekiens Konjaku Gazu Zoku Hyakki dargestellt ist.

Der Tera-tsutsuki (寺つつき; „Tempel-Picker“) ist ein fiktives Wesen der japanischen Folklore aus der Gruppe der Yōkai („Dämonen“) und Onryō („Rachegeister“). Er ist ein Vogeldämon und als Stalker und Brandstifter gefürchtet. Der Tera-tsutsuki ist der Folklore nach die dämonische Reinkarnation des angeblich in einem Zweikampf gestorbenen Clan-Oberhaupts Mononobe no Moriya.

Beschreibung

Der Tera-tsutsuki soll in Gestalt eines Spechtes, speziell des Japangrünspechts, erscheinen, aber deutlich größer sein und gespenstisch glühen. Er kann einzeln oder in Schwärmen auftreten und große Zerstörungen anrichten. Es heißt, dass der Tera-tsutsuki sich auf ausgesuchte buddhistische Tempel und Schreine stürzt und zunächst versucht, durch sein Picken und Hämmern die hölzernen Stützbalken zu zerstören, um das Gebäude zum Einsturz zu bringen. Werde er dabei gestört, soll er sich gänzlich in Feuer hüllen, das Dach und Gebälk in Brand setzen und anschließend fliehen.[1]

Legende

Der Legende nach war das Clan-Oberhaupt Mononobe no Moriya ein ketzerischer Aufrührer, der wiederholt buddhistische Tempel und deren Statuen in Brand steckte. Damit habe er versucht, die Einführung des Buddhismus aus China zu vereiteln. Außerdem habe er einen Mordanschlag auf das Kaiserhaus verüben wollen. Er sei jedoch vom Prinzen Shōtoku Taishi und dessen Admiral Soga no Ūmako überrascht und im Zweikampf getötet worden. Daraufhin habe Moriya sich in einen dämonischen Specht verwandelt, sei zum ersten Buddha-Schrein geflogen und habe angefangen, dessen Gebälk zu zerstören. Als er dabei gestört wurde, habe der Tera-tsutsuki Feuer ausgeschieden und so das Dach in Brand gesteckt. Als er drauf und dran war, auch das benachbarte buddhistische Kloster zu überfallen, habe sich Prinz Shōtoku in einen Hayabusa-Vogel (Wanderfalke) verwandelt und den Specht erschlagen.[2]

Hintergrund

Gestaltungsvorbild für diesen Yōkai war der Japangrünspecht (Picus awokera). Das japanische Wort Tera (寺) bedeutet „Tempel“, das Wort tsutsuki (つつき) bedeutet wörtlich „picken“ oder „stochern“ und beschreibt eine der herausragenden Tätigkeiten der Spechte. In Japan leben zwei Specht-Arten, die dafür bekannt sind, dass sie sich tatsächlich gern an alten hölzernen Tempeln und Schreinen vergreifen und deshalb regelmäßig vertrieben werden müssen. Dies sind der Japangrünspecht und der Kizukispecht (Yungipicus kizuki). Aber auch andere Specht-Arten müssen von historischen Holzbauten ferngehalten werden. Als Hayabusa (ハヤブサ) wird in Japan der Wanderfalke (Falco peregrinus japonensis) bezeichnet.[3]

Der Clan-Chef und Aristokrat Mononobe no Moriya (物部守屋; gestorben am 2. August 587 n. Chr.) existierte wirklich und lebte und wirkte während der Asuka-Zeit im 6. Jahrhundert unter den Herrschern Bidatsu und Yōmei. So gut wie keine biografischen Daten sind überliefert, vieles aus seiner Zeit wurde posthum mit politisch und religiös motivierten Legenden ausgeschmückt. Als gesichert gilt, dass er der Sohn des einflussreichen und aufrührerischen Clan-Oberhauptes Mononobe no Okoshi war. Wie sein Vater verabscheute Moriya den Buddhismus, der erst kürzlich in Japan eingeführt worden war. Um seiner Abscheu Ausdruck zu verleihen, ließ Moriya den ersten Buddha-Tempel Japans in Ikaruga trotz empörter Proteste schließen. Anschließend erwirkte er bei Bidatsu ein Buddhismus-Verbot. Zu Moriyas Unglück war der neue Herrscher, Yōmei, im krassen Gegensatz dazu ein überzeugter und bekehrter Buddhist. Dessen Sohn, Prinz Shōtoku Taishi, war Oberhaupt des gegnerischen Soga-Clans und ebenfalls Buddhist. So kam es nach Yōmeis Tod zum historischen Soga-Mononobe-Konflikt von 580 n. Chr. in der heutigen Präfektur Nara nahe Osaka. Gewissermaßen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ließ der Prinz den gesamten Clan in einem günstigen Moment verhaften und fast umgehend hinrichten.[4][1]

Die Legende vom Tera-tsutsuki wird erstmals in dem Werk Genpei Seisuiki Zue (源平盛衰記; Aufstieg und Niedergang der Genpei) von einem unbekannten Autor aus der Kamakura-Zeit im 13. Jahrhundert erzählt. Eine bekannte Abbildung des Tera-tsutsuki findet sich in dem Bilderalbum Konjaku Gazu Zoku Hyakki (今昔画図続百鬼; Bilderbuch der 100 Dämonen von einst und jetzt) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1779. Sekiens Bildbeschreibung enthält eine verkürzte Fassung der Moriya-Legende.[1]

Siehe auch

  • Nyūnai suzume: Yōkai in Gestalt eines Spatzenschwarms, der Reisfelder und Vorratskammern plündern soll. Auch er wird als die dämonische Reinkarnation eines verstorbenen Aristokraten beschrieben.[5]

Literatur

  • Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6.
  • Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0.
  • Nana Miyata: Die Übernahme der chinesischen Kultur in Japans Altertum: kultureller Wandel im innen- und außenpolitischen Kontext. Lit, Berlin 2012, ISBN 978-3-643-11329-0.
  • T. Volker: The Animal in Far Eastern Art and Especially in the Art of the Japanese Netsuke, with References to Chinese Origins, Traditions, Legends, and Art. Brill, Leiden 1975, ISBN 978-90-04-04295-7.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Mineola 2017, S. 96.
  2. ↑ Murakami Kenji: 妖怪事典. Tokio 2000, S. 100.
  3. ↑ T. Volker: The Animal in Far Eastern Art and Especially in the Art of the Japanese Netsuke, with References to Chinese Origins, Traditions, Legends, and Art. Leiden 1975, S. 149 u. 150.
  4. ↑ Nana Miyata: Die Übernahme der chinesischen Kultur in Japans Altertum. Berlin 2012, S. 62–66.
  5. ↑ Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Mineola 2017, S. 97.



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Tsurube-bi

Noir24admin Geister und Gespenster 21. Juni 2026
Der Tsurube-bi, wie er in Sekiens Gazu Hyakki Yagyō erscheint.

Ein Tsurube-bi (釣瓶火; wörtlich „Feuerkübel“), auch Tsurebi (釣火; „Feuerangel“) genannt, ist ein fiktives Wesen aus der japanischen Folklore und gehört zur Gruppe der Yūrei. Es ist Geisterfeuern wie dem Irrlicht und dem Hitodama sehr ähnlich und wird oft und gern mit ihnen verwechselt oder gleichgestellt. Tsurube-bi sind nicht identisch mit Onibi.

Beschreibung

Der Tsurube-bi wird als Yūrei aus bläulichem Feuer beschrieben, das munter brennt, aber keine Objekte der Umgebung verbrennt. Einen Körper hat er nicht, nur einen tierähnlichen Kopf mit langer Mähne. Diese nutzt er, um sich irgendwo nahe Wegesrändern in luftiger Höhe aufzuhängen. Der Tsurube-bi soll sich bevorzugt in felsigen Regionen oder auf Friedhöfen aufhalten, wo er an den Ästen freistehender, alter Bäume baumelt und vor sich hinjammert. Unachtsame Wanderer, die unter ihm durchgehen, ohne ihn zu grüßen, können eine böse Überraschung erleben: Wie ein Jo-jo schwingt der Tsurube-bi auf und ab und schneidet eine Grimasse. Ansonsten soll er aber harmlos sein.

Hintergrund

In Japan bezeichnet das Wort tsurube (釣瓶) eigentlich einen kleinen Schöpfeimer mit Tragebügel und langer Schnur, wie sie an alten Wasserbrunnen eingesetzt werden. Es kann aber auch einen abgetrennten Kopf meinen, was der gängigen Beschreibung des Tsurube-bi Rechnung trägt.

Der Tsurube-bi erscheint erstmals in dem Sammelwerk Gazu Hyakki Yagyō (画図百鬼夜行; Bilderbuch der Nachtparade der 100 Dämonen) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1776. Sekien wurde von einer Geistergeschichte inspiriert, die schon länger im Umlauf war: Die Geschichte trägt den Titel Nishioka no Tsurube-otoshi (西岡の釣瓶おろし; Der Tsurube-otoshi von Nishioka) und steht im Sammelwerk Kokon hyaku monogatari hyōban (古今百物語評判; Hundert Geschichten aus alten und modernen Zeiten) von Yamaoka Genrin. Das Werk wurde etwa im Mai 1671 vollendet, aber erst im August 1685, lange nach Genrins Tod, veröffentlicht. Die Geschichte handelt von einem Yōkai (alternativ Yūrei) namens Tsurube-otoshi, der sich in alten Nusseiben und Fichten versteckt und sich nachts auf ahnungslose Spaziergänger und Reisende fallen lässt, um sie mit lautem, wirrem Gebrabbel zu erschrecken. Eine abweichende Version der Geschichte behauptet, der Kopf stürze sich auf seine Opfer, um sie zu verschlingen. Geschichten um feurige Tsurube-otochi und Tsurube-bi sind heute besonders in den Präfekturen Kyoto, Shiga, Gifu, Aichi und Wakayama verbreitet und beliebt.

Siehe auch

  • Sōgen-bi: Irrlicht-ähnlicher Geist eines Mönches, der für seine Bosheit und Falschheit bestraft wurde.
  • Kitsunebi: Magische Feuer, die von Fuchs-Yōkai beschworen werden und sich gelegentlich verselbstständigen können.
  • Hitodama: Unglückliche Seelen, die sich verselbstständigen und zu Irrlichtern werden.

Literatur

  • Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6, S. 32.
  • Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0, S. 54.
  • Theresa Bane: Encyclopedia of Beasts and Monsters in Myth, Legend and Folklore. McFarland, Jefferson 2016, ISBN 147662268X, S. 323.



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  1. Tutursel
  2. Rusalka (Mythologie)
  3. Shiranui
  4. Shiryō

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» Marlon & Zoe – Wenn die Dunkelheit Code schreibt und Legenden zum Leben erwachen. «


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