Als Greenbrier Ghost wird der angebliche Geist einer jungen Frau bezeichnet, die 1897 im Greenbrier County im US-Bundesstaat West Virginia verstarb.
Ursprünglich als natürlicher Tod beurteilt, entschied ein Gericht später auf Mord durch den Ehemann, nachdem die Mutter des Opfers aussagte, der Geist ihrer Tochter habe ihr die wahre Todesursache enthüllt.[1]
Hintergrund
Das spätere Opfer Elva Zona Heaster wurde im Greenbrier County um 1873 geboren, wuchs in der Nähe von Richlands auf und wurde 1895 Mutter eines unehelichen Kindes. Im Oktober 1896 machte Zona die Bekanntschaft von Edward Stribbling Trout Shue, kurz nachdem dieser sich in Greenbrier County niedergelassen und Arbeit im Geschäft eines James Crookshanks gefunden hatte. Die beiden verliebten sich und heirateten trotz des Einspruchs von Zonas Mutter Mary Jane Heaster, die eine Abneigung gegen Shue hatte.
Am 23. Januar 1897 wurde von einem Jungen, der von Shue wegen einer Besorgung zu ihrem Haus geschickt worden war, Zonas Leiche ausgestreckt am Fuß der Treppe gefunden. Etwa eine Stunde später traf der von der Mutter des Jungen informierte Arzt und Coroner, George W. Knapp ein. In dieser Zeit hatte der mittlerweile eingetroffene Ehemann Zonas den Körper seiner Frau im oberen Stock auf das Bett gelegt, mit einem hochgeschlossenen Kleid mit steifem Kragen angekleidet und ihr Gesicht mit einem Schleier bedeckt. Dies war ungewöhnlich, da traditionell die Leichenwäsche und Einkleidung für die Beerdigung von den Frauen der Gemeinde übernommen wurde. Während der Leichenschau durch den Coroner wiegte Shue schluchzend den Kopf seiner Frau. Als der Arzt Blutergüsse am Hals der Leiche entdeckte, reagierte Shue so heftig, dass er die Untersuchung beendete und das Haus verließ. Anfänglich wurde als Todesursache von Zona „anhaltende Schwäche“ aufgeführt; später wurde dies in „Geburt“ geändert. Knapp hatte sie zwei Wochen vor ihrem Tod wegen „Frauenbeschwerden“ behandelt, aber ob sie schwanger war oder nicht, ist unbekannt. Als Zonas Eltern kurz darauf über ihren Tod informiert wurden, soll ihre Mutter Mary Jane Heaster gesagt haben, dass „der Teufel sie getötet habe“.
Zonas Leiche wurde im Haus ihrer Eltern aufgebahrt. Auf dem Weg dorthin blieb ihr Ehemann an der Spitze des offenen Sarges. Während der Totenwache erregte sein Benehmen, das von überwältigender Traurigkeit zu unglaublicher Energie wechselte, bald Misstrauen. Er ließ niemanden dem Sarg nahe kommen, besonders nicht, während er ein Kissen auf eine Seite ihres Kopfes legte und ein aufgerolltes Leintuch auf die andere, damit seine Frau „leichter ruhen könne“. Außerdem band er ihr einen großen Schal um den Hals und erklärte weinend, dass es Zonas Lieblingstuch gewesen sei.
Geistererscheinung
Vor der Beisetzung nahm ihre Mutter den Schal an sich und wusch ihn, weil sie einen merkwürdigen Geruch daran bemerkte. Als sie das Tuch eintauchte, färbte sich erst das Wasser rot, dann nahm der Schal dauerhaft eine rosa Farbe an; für Zonas Mutter ein Zeichen, dass ihre Tochter ermordet worden war. Vier Wochen betete sie in der Hoffnung, Zona solle zu ihr zurückkehren und die Ereignisse aufklären. Der örtlichen Legende folgend erschien Zonas Geist vier Wochen nach der Beerdigung und berichtete ihrer Mutter von der Grausamkeit Shues, der sie in einem Wutanfall getötet hätte, indem er ihr das Genick brach, weil sie kein Fleisch zum Abendessen zubereitet hätte. Zum Beweis drehte der Geist den Kopf, bis er nach hinten gerichtet war. Angeblich erschien der Geist vier Nächte lang, zuerst als helles Licht, bevor er allmählich Gestalt annahm und zugleich den Raum mit Kälte erfüllte.
Ermittlungen
Daraufhin überredete Mary Jane Heaster den örtlichen Staatsanwalt John Alfred Preston, die Todesursache ihrer Tochter zu überprüfen. Es ist nicht bekannt, ob er ihrer Geisterschilderung Glauben schenkte oder auf die Meinung zahlreicher Einheimischer reagierte, die einen Mord an Zona vermuteten, aber er ordnete eine Ermittlung an, in deren Verlauf unter anderem die Trauergäste befragt wurden. Preston selbst sprach mit Dr. Knapp, der erklärte, er habe keine vollständige Untersuchung des Körpers durchgeführt. Daraufhin wurde eine Exhumierung angeordnet und eine Untersuchungskommission gebildet. Am 22. Februar 1897 fand im örtlichen Schulgebäude die Obduktion statt, trotz erheblichen Protests des Ehemannes, der geäußert haben soll, er wisse, dass er verhaftet werden würde, aber dass niemand seine Schuld beweisen könne. Der am 9. März 1897 veröffentlichte Bericht der dreistündigen Autopsie nennt einen Genickbruch zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel, Bänderrisse, eine zerquetschte Luftröhre sowie Blutergüsse am Hals als Anzeichen, dass das Opfer erwürgt worden sei.
In Folge wurde Shue wegen Mordverdachts im Gefängnis von Lewisburg inhaftiert. Die Ermittlungen ergaben, dass Shue bereits zweimal zuvor verheiratet gewesen war. Die erste Ehe wurde 1889 wegen großer Grausamkeit gegen seine Frau Allie Estelline Cutlip geschieden, während Shue wegen Pferdediebstahls im Gefängnis war; seine zweite Frau Lucy Ann Tritt starb 1894 unter ungeklärten Umständen acht Monate nach der Heirat. Die Verhandlung begann am 22. Juni 1897 mit Mary Jane Heaster als Hauptzeugin. Preston beschränkte die Befragung auf die Fakten und umging Fragen ihrer gespenstischen Sichtungen. Vermutlich in der Hoffnung, ihre Glaubwürdigkeit herabzusetzen, befragte Shues Anwalt sie im Kreuzverhör ausführlich zu der Geisterscheinung ihrer Tochter. Obwohl das Gericht die Jury anwies, diesen Aspekt zu ignorieren, schenkten viele der Anwesenden der Schilderung Glauben. Am 11. Juli wurde Shue wegen Mordes an seiner Frau zu lebenslanger Haft verurteilt und am 14. Juli ins West Virginia State Penitentiary in Moundsville überstellt.
Er starb am 13. März 1900 an einer unbekannten Epidemie und wurde in einem unmarkierten Grab auf dem örtlichen Friedhof begraben. Mary Jane Heaster starb im September 1916. Sie hielt zeit ihres Lebens an der Schilderung vom Erscheinen des Geistes fest, der nie wieder gesehen wurde.
Gedenken
Der Staat von West Virginia ließ eine Gedenkplakette in der Nähe von Zonas Grab aufstellen mit dem Text Interred in nearby cemetery is Zona Heaster Shue. Her death in 1897 was presumed natural until her spirit appeared to her mother to describe how she was killed by her husband Edward. Autopsy on the exhumed body verified the apparition’s account. Edward, found guilty of murder, was sentenced to the state prison. Only known case in which testimony from a ghost helped convict a murderer.
(„Beerdigt auf dem nahe gelegenen Friedhof ist Zona Heaster Shue. Ihr Tod im Jahre 1897 wurde als natürlich angenommen, bis ihrer Mutter ihr Geist erschien, um zu beschreiben, wie sie von ihrem Mann Edward getötet wurde. Die Autopsie des exhumierten Körpers bestätigte die Aussage des Geistes. Edward, schuldig wegen Mordes, wurde zu Gefängnishaft verurteilt. Dies ist der einzige bekannte Fall, in dem die Aussage eines Geistes half, einen Mörder zu verurteilen.“)
Die Geschichte des Greenbrier Ghosts wurde für zwei Bühnenstücke adaptiert. Jan Buttrams Stück Zona wurde 1998 vom Greenbrier Valley Theatre produziert. The Greenbrier Ghost, eine musikalische Umsetzung, wurde von Cathey Sawyer (Buch und Texte) und Joe Buttram (Musik) produziert und 2003, 2004, 2009 und 2013 am Greenbrier Valley Theatre aufgeführt.[2]
Literatur
Dennis Dietz: The Greenbrier Ghost and Other Strange Stories. Mountain Memories Books, South Charleston/West Virginia 1990, ISBN 0-938985-08-6.
Pat Fitzhugh: Ghostly Cries From Dixie. The Armand Press, Nashville/Tennessee 2009, ISBN 0-9705156-5-0.
Ein Haka-no-hi, wie es in Sekiens Konjaku Gazu Zoku Hyakki dargestellt ist.
Das Haka-no-hi (墓の火; „Grabfeuer“), auch Gorintōbi (五輪塔火; „Gorintō-Feuer“) genannt, ist ein fiktives Wesen der japanischen Folklore aus der Gruppe der Yūrei.
Beschreibung
Das Haka-no-hi soll, wie eine Übersetzung des Namens bereits impliziert, auf alten, verlassenen Friedhöfen erscheinen. Es wird als gemächlich züngelndes Geisterfeuer aus kleinen, bläulichen bis grünlichen, seltener weißlichen Flämmchen beschrieben. Diese sollen überraschend aus zerfallenen Gräbern aufsteigen und an der Spitze des Gorintō verweilen. Sie erscheinen der Folklore nach dann, wenn ein Grab rücksichtslos und aus Eigennutz zerstört und/oder zweckentfremdet wird.
Hintergrund
Als Gorintō (五輪塔; „Fünf-Ringe-Turm“) bezeichnet man in Japan traditionelle, kleine Grabsteine oder Grabmonumente, deren Gestalt an einen Pagodenturm erinnert. Sie werden auch als Stupas bezeichnet. Die einzelnen Stufen des Turms haben unterschiedliche Formen und stehen für die fünf Elemente des Buddhismus (von unten nach oben): Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere.
Eine bekannte Darstellung des Haka-no-hi findet sich im Sammelband Konjaku Gazu Zoku Hyakki (今昔画図続百鬼; Bilderbuch der 100 Dämonen von einst und jetzt) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1779. Sekiens Bildbeschreibung enthält eine interessante, kritische Aussage über den Umgang mit vergessenen und aufgegebenen Friedhöfen. Nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ werde auf die Altehrwürdigkeit von Gräbern und ihrer darin Bestatteten keinerlei Rücksicht mehr genommen, sobald niemand mehr da sei, der sich um die Ruhestätte kümmert. Sollte man ein Haka-no-hi sichten, dann sei dies ein Zeichen für die Hartnäckigkeit der menschlichen Seele, die sich in ihrer Ruhe gestört sieht. Das Haka-no-hi ist sehr wahrscheinlich eine Erfindung Sekiens.
Literatur
Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6, S. 110.
Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0, S. 118.
Der dämonische Liebhaber oder die dämonische Verführerin (oder Verführer) ist ein literarisches Motiv, das sich in Balladen und Volkssagen nachweisen lässt und auch in Romanen der Phantastischen Literatur eine Rolle spielt. Die übernatürlichen Wesen weiblichen oder männlichen Geschlechts, deren Ursprünge häufig in der Mythologie liegen, treten dabei mit Eigenschaften auf, die sich für ihre irdischen Partner als verhängnisvoll erweisen.
Formen
Ein dämonischer Liebhaber kann ein Dämon oder der Teufel selbst sein, der als Mensch in Erscheinung tritt. Weitere Gestalten sind Vampire und Untote, die, gebunden durch ein Gelübde, als gestorbene Liebhaber zurückkehren müssen.[1]
Weibliche Wesen sind üblicherweise magisch-dämonisch und verführen Männer. Häufig treiben sie als Vampir ihr Unwesen, untergraben die Sittlichkeit der erotisch Verfallenen und stürzen diese ins Unglück.
Die Bindung zwischen Verführer und Opfer ist bei männlichen und weiblichen Wesen häufig von zweierlei Art. Das verführte Opfer ist sich der Gefahren bewusst, nimmt sie aber wegen der erotischen Genüsse in Kauf. Hinzu kommt manchmal ein wohliger Schauer angesichts des eigenen Untergangs.[2]
Geschichte
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer grundsätzlichen Überarbeitung. Näheres sollte auf der Diskussionsseite angegeben sein. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Sophie Gengembre Anderson: Fee
Dämonische Verführer zeigen sich in der gesamten Literaturgeschichte von der Antike bis in die Moderne. So enthält schon die altbabylonische Fassung des Gilgamesch-Epos die Gestalt der verführerischen Frau und Prostituierten Šamḫat. Auf Befehl Gilgameschs entfremdet sie mit ihren sexuellen Künsten den Rivalen Enkidu den Tieren und verleitet ihn dazu, die Stadt Uruk aufzusuchen, wo er mit Gilgamesch zusammentrifft.
Einer vergleichbaren Vorstellungswelt gehört die in der Genesis geschilderte Verführung Adams durch Eva an, ein Name, mit dem in der abendländischen Geistesgeschichte immer wieder auf den scheinbar ruinösen weiblichen Einfluss verwiesen wurde. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass die Verführungsrolle auf zwei Figuren verteilt wurde: Eva und den Teufel in Gestalt der „listigen“, sie überredenden Schlange. Eva bleibt doch „Sprachrohr des Bösen“, der Mann hingegen ist Opfer der Verführung.[3]
Auch außerhalb der antiken und jüdisch-christlichen Tradition gibt es einen weiteren weltweit verbreiteten Märchentyp mit dem Motiv der dämonischen Verführerinnen. Hierbei handelte es sich um die geschichtlich weit zurückreichende Mahrtenehe, bei der die Bande zwischen den Elementarwesen und dem Mann unter Bedingungen geschlossen wurde, die für den Sterblichen letztlich unerfüllbar waren. Übertrat er das überirdische Gebot, kehrte das Wesen zu seinen Ursprüngen zurück, da der Bund zerstört war. Bei den Geschöpfen handelte es sich häufig um Vogelmädchen, Wasserfrauen, Nixen oder Feen. Ein bedeutendes antikes Beispiel hierfür ist der Mythos des ewigen Sängers Orpheus und der Baumnymphe Eurydike, die, nachdem Orpheus sich beim Aufstieg aus der Unterwelt zu ihr umgedreht hatte, wieder auf ewig in den Hades "zurückfällt". Andere dämonische Gestalten lassen sich aus der Umkehrung antiker Mythen erklären, die mit germanischen und keltischen Vorstellungen verschmolzen. So tauchte das von Phlegon von Tralleis überlieferte Liebesbündnis mit einer Toten in der Karlssage auf, in der Karl der Große von seiner verstorbenen Geliebten bestrickt wurde, die später als Nymphe bezeichnet, von der bürgerlichen Tradition hingegen in eine Ehefrau verwandelt wurde.
Die Sage vom Venusring oder von der Statuenverlobung, die in der Romantik weitergebildet wurde, erklärt sich aus der Dämonisierung der Göttin Venus. Steckte jemand beim Spiel einen Ring an die Hand einer Venusstatue, führte dies zur Bindung an die Liebesgöttin, wodurch die Eheschließung des Römers verhindert wurde.[2]
Philip Burne-Jones (1897): Der Vampir
Bürgers Ballade Lenore kann als klassische Figurendarstellung von Gespensterbraut und dämonischem Liebhaber betrachtet werden. Die dort behandelte erotische Komponente wird ebenfalls in der frühen Kurzgeschichte „Ein Bild des Malers Schalken“ des irischen Schriftstellers Joseph Sheridan Le Fanu deutlich.[1]
In die Beziehung der Hochromantik zur Volkssage mischten sich häufig Elemente der Trivialliteratur, die den verschütteten Zugang zu Dämoninnen, Teufelinnen und Wesen der Naturmythologie öffnete. Dem Volksglauben des Balkans entstammten die in dieser Zeit literarisch entdeckten Vampire, Nachfahren der Lamien und Empusen aus der Antike, mit deren Blutdurst sich sexuelle Gelüste verbanden. Der häufig weibliche Vampir trat episodisch zuerst in Robert Southeys „Thalaba, the Destroyer“ auf.
Eindringlicher und vielschichtiger hielt Johann Wolfgang von Goethe es in seiner Ballade „Die Braut von Korinth“ fest, in welcher das schöne, in Wirklichkeit tote Mädchen in der Geisterstunde mit weißem Schleier und Gewand dem angereisten Bräutigam erscheint, ein „Liebchen“, dessen Glieder „wie der Schnee so weiß, aber kalt wie Eis“ sind[4] und das ihm in dieser ersten und letzten Liebesnacht den Tod bringt. Das Werk, das bei seiner Veröffentlichung einiges Aufsehen erregte – von seinem christlich-spiritualistischen Standpunkt lehnte Herder es ab, während Humboldt begeistert war – und von dem Goethe selbst als einem „vampyrischen Gedicht“ sprach, geht auf eine Geschichte aus der Antike zurück. In seiner Gedenk-Ausgabe schrieb Emil Staiger, dass die Ballade in der „sonst so lichten und lebenswilligen Welt“ wie ein „unheimlicher und fremder“ Gast bleibe. Der „innige Bund von Liebe und Tod“ sei ebenso fremd wie „die Vampyrsage mit ihrer verführerisch grausigen Stimmung!“[5] Die Figur Lilith der sumerischen Mythologie wurde von Goethe in seiner Tragödie Faust als „Adams erste Frau“ bezeichnet und mit Eigenschaften einer dämonischen Verführerin assoziiert. Mephistopheles in der Walpurgisnachtszene zu Faust: „Lilith, Adams erste Frau. Nimm dich in acht vor ihren schönen Haaren, wenn sie den jungen Mann erlangt, so läßt sie ihn so bald nicht wieder fahren.“
Joseph Karl Stieler: Johann Wolfgang von Goethe
Während einige die Ballade als Plädoyer gegen asketische und lebensfeindliche Tendenzen des Christentums werteten, wies etwa Max Kommerell darauf hin, dass sie mit ihrer heftigen, schwül gespannten und ins Gespenstische umschlagenden Liebesstimmung zwar eine weltgeschichtliche Tragweite erhalte, bei der Vielschichtigkeit Goethes indes nicht als antichristliches Manifest aufzufassen sei.
Neben den im 19. Jahrhundert modisch gewordenen Vampiren spielten zunehmend die aus der Volksdichtung stammenden Verkörperungen wie Zauberinnen, Feen, Wasserfrauen (Loreley) und Nixen eine Rolle; so im Käthchen von Heilbronn, in dem sich Fräulein Kunigunde dem Ritter Wetter vom Strahl als zunehmend gefährliche Dämonin enthüllt, während sich in Friedrich de la Motte Fouqués Undine die Nixe zwar als liebenswert erweist, dem Ritter Huldbrand aber – in nicht böser Absicht – letztlich Unglück bringt.[6]
Das Werk knüpfte an die Sage von der Fee als heidnischem Naturwesen an, das keine Ehe eingehen kann und vom Partner verlangt, das Verhältnis zu verheimlichen und nicht zu heiraten.
Schon im Frühwerk Thomas Manns gibt es Frauenfiguren, die an die geheimnisvolle, „verführerische“ Kundry aus Richard Wagners Parsifal erinnern. Gerda von Rinnlingen aus dem kleinen Herrn Friedemann oder Amra Jacobi aus Luischen etwa. Sie nutzen die unterwürfige Bewunderung der ihr Ergebenen, um sich emporzuschwingen und am Ende die Verfallenen kalt zurückzuweisen, zu betrügen und der Lächerlichkeit preiszugeben. So zerbrechen sie an der unnahbaren Hoheit und fernen Schönheit, können sie doch dem magischen Zauber der Verführung nicht widerstehen.[7]
Von hier geht es weiter über andere Gestalten der Verführung bis zur „Esmeralda“ des Doktor Faustus: In Leipzig führt ein dubioser, „teuflisch redender“ Fremdenführer „mit roter Mütze und Messingschild“ den tragischen Helden des Romans, Adrian Leverkühn, nicht in einen Gasthof, sondern in ein Bordell. Dort sitzen „Nymphen und Töchter der Wüste … Glasflügler, Esmeralden … durchsichtig gekleidet, in Tüll, Gaze und Glitzerwerk, das Haar lang offen … und sehen dich mit erwartungsvollen, vom Lüster gleißenden Augen an.“[8]
Eines der Mädchen, das sich später als Werkzeug des Teufels erweist, „in spanischem Jäckchen, mit großem Mund“ streichelt ihm mit dem Arm über die Wange. Adrian entflieht, kehrt aber nach einiger Zeit zurück, da die „Berührung auf seiner Wange brannte.“ Als man ihm mitteilt, dass sie, die er fortan Esmeralda nennt, weggezogen sei, reist er ihr nach und verbringt eine Nacht mit ihr, obwohl sie ihn vor ihrem mit der Syphilis infizierten Körper warnt. Statt den Teufelspakt feierlich mit dem eigenen Blut zu unterzeichnen, infiziert sich der Komponist willentlich mit Syphilis, die Zeit bis zur Zersetzung des Gehirns ist die gesetzte Frist.[9]
Diese verhängnisvolle, für die teuflisch inspirierte Schaffenskraft des Komponisten indes bedeutsame Begegnung findet ausgerechnet in Graz statt, wo eben die österreichische Premiere der Salome von Richard Strauss unter der Leitung des Komponisten aufgeführt wird, ein bahnbrechendes Werk, in der die verführerische schöne Prinzessin für den Tetrarchen Herodes tanzen wird, um am Ende von ihm den Kopf des Jochanaan zu fordern.
Gustave Moreau (1878): Die „Verführerin“ Salome
Was Salome betrifft, so gestaltete Oscar Wilde die berückende Tänzerin in seinem gleichnamigen Drama als Verführerin, bei der das Dämonische eher psychologische als mythische Formen annimmt, eine Femme fatale, wie sie als faszinierend-exotische Außenseiterin Carmen aufgetreten war und die gängigen Probleme verursacht hatte. Später wird sie als Lulu, zum Prototyp des modernen Vamps und erscheint als Abglanz der „Urverführerin“ und Inkarnation entfesselter Lust, in deren Bann etliche Männer ruiniert werden, bis die fatale Frau als Prostituierte Opfer Jack the Rippers wird.[10]
Mit der Bordellszene bezog sich Thomas Mann auf ein fatales Erlebnis Nietzsches in Köln. Der Name des Mädchens taucht am Anfang des Romans als Bezeichnung des seltenen Schmetterlings Hetaera esmeralda auf, der „im Flug einem windgeführten Blütenblatt“ gleiche und in „durchsichtiger Nacktheit den dämmernden Laubschatten liebend“ beschrieben wird.[11] Die Rede von den „Töchtern der Wüste“ findet sich ebenfalls bei Nietzsche, so in seinem Zarathustra.
Indem Adrian bei seinem ersten Besuch des Freudenhauses, als wollte er der schwülen Atmosphäre wie seiner eigenen Verwirrung entfliehen, Akkorde auf einem Klavier anschlägt und von H- nach C-Dur moduliert, sucht er (in der Deutung Kepplers) der Verführung das Schöpferisch-Geistige rettend entgegenzusetzen. Eine Art apollinischer Gegenklang zum dionysischen Rausch und Bocksgesang des Hurenhauses.[12] Berührt von Esmeralda aber ist er seelisch infiziert, so dass die beschwichtigenden Akkorde und die Welt der klassisch-reinen Keuschheit der dämonischen Kraft nicht zu widerstehen vermögen und sich die chromatischen und zauberischen Gegenwelten aus Lohengrin und Tristan und Isolde auftun.
Erotische Hintergründe
Der Biss des Vampirs hatte eine unverkennbar sexuelle Komponente. Der Vampir-Mythos mit seinen mannigfachen, häufig ins Triviale abgleitenden literarischen Formen diente vor allem im 19. Jahrhundert dazu, als „pervers“ empfundene erotische Beziehungen zu schildern. Beim Motiv des dämonischen Liebhabers ist die vielfältige sexuelle Implikation hinter der Fassade gleichermaßen zu erkennen.
Die Maske des Phantastischen erfüllte in Literatur und Malerei häufig die Funktion, verbotene Bereiche menschlichen Lebens in verhüllter Form zum Ausdruck zu bringen. Ein Bezug zum Verlust der Unschuld und des Auftauchens der Scham und Bestrafung durch die Vertreibung im paradiesischen Mythos von Adam und Eva nach Erlangen der Erkenntnis ihrer sexuellen Andersartigkeit liegt hier nahe.
Weitere erotische Hintergründe zeigen sich auch in Gottfried August Bürgers Ballade Lenore, in welcher der Geist Wilhelms seine „Gespensterbraut“, die sich aus Verzweiflung über seinen Tod der Blasphemie schuldig gemacht hatte, in einem wilden, mitternächtlichen Galopp an Leichenzügen vorbei ins Hochzeitsbett auf dem Friedhof entführt und sich im Schein des Mondes in ein Gerippe auflöst.
Die in einem Großteil der Literatur dieser Zeit tabuisierte Zone sadomasochistischer Beziehungen wird hier wie in anderen Vampirgeschichten deutlich.[1]
Joseph Sheridan Le Fanu
Dieses Element ist auch in der frühen Kurzgeschichte „Ein Bild des Malers Schalken“ (1836) Joseph Sheridan Le Fanus zu erkennen, eines Schriftstellers, der Lenore häufig zitierte.
Ein hübsches Mädchen, das die Liebe des Malers erwidert, wird mit einem dämonischen Fremden verkuppelt. Vor diesem abstoßenden Mann, der bei seinen herrischen Auftritten gegenüber dem Vormund und Meister des Malers auf seinen Reichtum verweist, um danach immer wieder geisterhaft zu verschwinden, empfindet die junge Frau tiefe Abneigung. Das Mündel muss sich der Entscheidung des geldgierigen Vormunds allerdings beugen und ihm folgen. Nach einigen Monaten ihres spurlosen Verschwindens taucht die junge Frau, verstört und abgezehrt, in der Werkstatt ihres Vormunds auf und bittet verzweifelt um sofortige Hilfe eines Geistlichen, der allein sie von ihrem Schicksal befreien könne, denn „Nimmermehr können ja die Toten mit den noch Lebenden ein Fleisch sein; das hat Gott verboten!“[13] Doch alles ist vergebens, denn schon spürt sie die Nähe des dämonischen Verfolgers und wird kurz darauf von ihm auf Nimmerwiedersehen aus dem Fenster der Schlafkammer entführt, deren Tür von Geisterhand ins Schloss geflogen war und sich nicht mehr öffnen ließ.
Später, beim Begräbnis seines Vaters, fällt der Maler in einen tiefen Schlaf. In einer Vision sieht er den Geist des geliebten Mädchens, der ihn hinab in die Grabgewölbe bis zu einem Himmelbett führt, in dem die „steif aufgerichtete, inmitten des Bettes sitzende, bläulich-leichenfarbne, satanische Gestalt“[14] des dämonischen Fremden zu sehen ist.
Das während der Führung zum „Totenbett“ immer wieder gezeigte schelmische Lächeln der Geliebten, das er in seinem Gemälde verewigte, deutet darauf, dass sie sich nicht nur an ihre Situation gewöhnt hat, sondern einen erotischen Gefallen an ihr findet. Hinter dem anfänglichen Widerwillen des Mädchens scheint sich der Wunsch nach einer Hingabe an den tatsächlich zutiefst begehrten dämonischen Verführer zu verbergen, gegen den ein irdischer Mann nicht zu konkurrieren vermag.[15]
Auch in anderen Werken Le Fanus spielt das Motiv des geheimnisvollen Fremden eine Rolle, der in den wohlbehüteten Bereich des viktorianischen Bürgertums eindringt und dort Verwirrung stiftet und Unheil bringt. Häufig stellte Le Fanu mit diesem Element „perverse“ erotische Beziehungen dar und gestaltete es auch in den scheinbar realistischen Romanen in phantastischer Färbung. Nur auf den ersten Blick zeigen sie das viktorianische Leben kritisch und wirklichkeitsgetreu, während sich hinter den Fassaden des Fremden in der Regel Dämonen und Untote verbergen.[16]
Einzelnachweise
↑ abcDämonischer Liebhaber. In: Rein A. Zondergeld: Lexikon der phantastischen Literatur. Suhrkamp, Frankfurt 1983, ISBN 3-518-37380-3, S. 272.
↑ abDie dämonische Verführerin. In: Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte (= Kröners Taschenausgabe. Band 301). 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-30106-2, S. 760.
↑Die dämonische Verführerin. In: Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2008, S. 761.
↑Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte und Epen I. Goethes Werke, Hamburger Ausgabe, Band 1, C.H. Beck, München 1998, S. 271.
↑Zit. nach: Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte und Epen I. Goethes Werke, Hamburger Ausgabe, Band 1, C.H. Beck, München 1998, Anmerkungen, S. 663.
↑Die dämonische Verführerin. In: Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2008, S. 771.
↑Karl. J. Keppler: Das Lachen der Frauen. Das Dämonische im Weiblichen. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, S. 157.
↑Thomas Mann: Doktor Faustus. Gesammelte Werke in dreizehn Bänden, Band 6, Fischer, Frankfurt 1974, S. 190.
↑Kindlers Neues Literatur-Lexikon. Bd. 11, Thomas Mann, Doktor Faustus, München 1990, ISBN 3-463-43011-8, S. 68.
↑Die dämonische Verführerin. In: Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2008, S. 773.
↑Thomas Mann: Doktor Faustus. Gesammelte Werke in dreizehn Bänden, Band 6, Fischer, Frankfurt 1974, S. 23.
↑Karl. J. Keppler: Das Lachen der Frauen. Das Dämonische im Weiblichen. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3092-3, S. 177.
↑Joseph Sheridan Le Fanu: Ein Bild des Malers Schalken und andere Geistergeschichten. Deutsch von Friedrich Polakovics, Bibliothek des Hauses Usher, Insel Verlag, Frankfurt 1973, ISBN 3-458-05820-6, S. 25.
↑Joseph Sheridan Le Fanu: Ein Bild des Malers Schalken … Frankfurt 1973, ISBN 3-458-05820-6, S. 30.
↑Rein A. Zondergeld, Dämonie und Verführung bei Sheridan Le Fanu. In: Christian W. Thomsen, Jens Malte Fischer (Hrsg.): Phantastik in Literatur und Kunst. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-08293-1, S. 171.
↑Rein A. Zondergeld, Dämonie und Verführung bei Sheridan Le Fanu. In: Christian W. Thomsen, Jens Malte Fischer (Hrsg.): Phantastik in Literatur und Kunst. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-08293-1, S. 172–173.
Dybbuk ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Film siehe Der Dybbuk; zum Theaterstück siehe Der Dibbuk.
Als Dibbuk (auch Dybuk oder Dybbuk geschrieben, Plural Dibbukim; hebräisch דיבוק = „Anhaftung“; vgl. auch Dibbuk Chawerim ‚Bund der Freunde‘) wird im jüdischen Volksglauben ein oft böser Totengeist bezeichnet, der in den Körper eines Lebenden eintritt und bei diesem irrationales Verhalten bewirkt.
Volksfrömmigkeit
Hanna Rovina als „besessene“ Lea in einer Dibbuk-Aufführung in Moskau um 1920
Die Seele des Toten konnte sich aufgrund ihrer Verfehlungen nicht von der irdischen Existenz trennen und sucht nach einem lebenden Körper, um diesen zu besetzen. Die Auswirkungen des Dibbuk entsprechen demnach der Besessenheit, was sich auch in seinem Namen widerspiegelt, der „Umklammerung“ oder „Anhaftung“ bedeutet. Die Bezeichnung leitet sich ab von dibbuk me-ru’ach ra’a „Umklammerung durch einen bösen Geist“ oder dibbuk min ha-hizonim „Dibbuk von Außen“.[1]
Der Dibbuk hat nach dem Volksglauben keine metaphorische, sondern eine konkrete Bedeutung. Der böse Geist, der in einen lebenden Menschen fährt, klammert sich an seine Seele, ruft Geisteskrankheit hervor, spricht durch seinen Mund und stellt eine von ihm getrennte und fremde Person dar. Er ähnelt den Dämonen und Geistern, die in der katholischen Kirche beim Exorzismus auszutreiben sind. Es wird angenommen, dass eine Seele, die zu Lebzeiten ihre Funktion nicht erfüllen konnte, eine weitere Möglichkeit dazu in Form eines Dibbuk erhält. Diese Vorstellung verschmolz im 16. Jahrhundert mit der Lehre des Gilgul und Ibbur („Seelenwanderung“ und „Reinkarnation“) aus der lurianischen Kabbala und fand große Verbreitung vor allem im ostjüdischen Raum.
Der Dibbuk wird in der Regel durch einen chassidischen Mystiker sowie zehn weitere Mitglieder der Gemeinschaft (Minjan), die in ein Totenhemd gekleidet sind, ausgetrieben. Dabei werden Gebete gesungen, wird Räucherwerk verbrannt und auf dem Schofar geblasen.
Andere Forschungszugänge
Das Dibbuk-Phänomen wurde in neuerer Zeit auch von der Genderforschung aufgenommen.[2] Der Dibbukglauben scheint in Verbindung mit weiblicher Religiosität zu stehen. Laut den Erzählungen war die Mehrzahl der von einem Dibbuk besessenen Personen Frauen, die Dibbukim selbst waren jedoch zu 95 Prozent Männer. Nur ein kleiner Teil der männlichen Dibbukim wählte gleichgeschlechtliche Opfer aus.
Künstlerische Bearbeitungen
Das Dibbuk-Thema taucht nach 1560 oft in der Literatur auf. Im frühen 20. Jahrhundert feierte das Drama Der Dibbuk von Salomon An-ski großen Erfolg.[3] Dieses Drama gilt als Klassiker der Dibbukdarstellung und als Grundlage für weitere künstlerische Bearbeitungen. Es wurde 1937 in Polen auf Jiddisch und 1968 und 1998 in Israel verfilmt.
Der Literaturnobelpreisträger Isaac B. Singer hat verschiedentlich Dibbukmotive in seine Erzählungen eingeflochten. Seinem ersten, noch in Polen veröffentlichten Roman liegt eine Dibbuk-Erzählung zugrunde. Die Geschichte vom Dibbuk von Goraj (Satan in Goraj) spielt im Polen des 17. Jahrhunderts.
Eine neuere Dibbuk-Interpretation stammt von Romain Gary. Sein komischer Roman Der Tanz des Dschingis Cohn beruht als Ganzes auf dem Dibbuk-Motiv, in der Figur eines ermordeten Juden, der in der Nachkriegszeit seinen deutschen SS-Mörder bewohnt und letztlich beherrscht.
Auch Michael Wex hat, ähnlich wie Gary, 2010 in seinem Roman The Frumkiss family business[4] den Dibbuk, hier als ausgestorbener Vogel Dodo dargestellt, als einen Repräsentanten des vernichteten jiddischen Judentums mit schwarzem Humor gestaltet. Im Ton weniger anklägerisch als Gary, der die deutschen Verhältnisse der 60er Jahre, die vieltausendfache straflose Re-Integration der Nazimörder aufs Korn nimmt, ist für Wex das Fernsehen der einzige Ort, wo der Untote sich äußern darf. Die jüdischstämmigen Zuschauer fühlen sich damit in ihrer Andersartigkeit anerkannt. Für Caspar Battegay macht sich in dieser Dibbuk-Gestalt ein Jude über sich selbst lustig, reflektiert spielerisch seine Identität.[5]
Oft inspirierte der Dibbuk zur musikalischen Bearbeitung. Im 20. Jahrhundert erschienen mehrere Opern mit dem Dibbukthema. Von Leonard Bernstein wurde 1974 in New York ein Ballettstück unter demselben Namen aufgeführt.
Auch der Film bedient sich gelegentlich der Figur des Dibbuk. Die wohl erste filmische Umsetzung der Legende war der in Jiddisch gedrehte Der Dybbuk von 1937. In neuerer Zeit wurde der Dibbuk öfter als Antagonist in Horrorfilmen eingesetzt, etwa in den Filmen The Unborn (2009), The Possession (2012) oder Attachment (2022) (siehe auch Abschnitt Darstellungen, Film).
Der polnische Regisseur Marcin Wrona warf mit seinem Arthouse-Horrorfilm Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen aus dem Jahr 2015 einen Blick auf die Verdrängung des Holocaust in Polen.[6]
Darstellungen
Literatur
Salomon Anski: Der Dibbuk. (1916) Dramatische Legende in vier Akten; mit Materialien zur Aufführungsgeschichte und zum Exorzismus-Thema. Frankfurt a. M. 1989, ISBN 3-458-32901-3.
Isaac Bashevis Singer: Der sotn in Goraj. Deutsch: Der Satan in Goraj. Reinbek bei Hamburg 1969, ISBN 3-499-15183-9.
derselbe: Eine Nacht in Brasilien. Deutsch in: Old Love. Geschichten von der Liebe. München 1985, ISBN 978-3-446-14313-5.
Romain Gary: La danse de Gengis Cohn. Paris 1967. Deutsch: Der Tanz des Dschingis Cohn. München 1969.
Hanna Krall: Der Dibbuk In: Existenzbeweise. Frankfurt a. M. 1996, ISBN 3-8015-0288-0.
Film
Der Dibuk (Jiddisch: דער דיבוק), Film von Michał Waszyński nach dem Drama von Anski, Polen 1937.
The Dybbuk, TV-Film von Sidney Lumet nach dem Drama von Anski, USA 1960
Ha-Dybbuk, Hebräisch, Film von Ilan Eldad, Israel 1968.
Der Tanz des Dschingis Cohn, Regie: Elijah Moschinsky, nach dem Roman von Romain Gary, GB 1993
PSI Factor – Es geschieht jeden Tag (Staffel 1, Folge 8 "Der Flüchtige"), kanadische Mystery-Fernsehserie, 1996, Regie: Giles Walker
The Dybbuk of the Holy Apple Field (Hebräisch: Ha-Dybbuk B’sde Hatapuchim Hakdoshim), Film von Yossi Somer nach dem Drama von Anski, Israel 1998.
The Unborn, Horrorfilm mit Dibbuk-Motiv, USA 2009, Regie: David S. Goyer
A Serious Man (2009), die Coen-Brüder beginnen mit einer allegorischen Szene, die Rolle wird im Abspann mit „Dibbuk?“ bezeichnet
Lodivico Rocca: Il Dibuk, Oper, Erstaufführung in der Scala Mailand 1934.
David Tamkin: The Dybbuk, Oper, 1933, Erstaufführung in der New York City Opera 1951.
Max Ettinger: Der Dybuk, Ballettmusik, 1947, bis 2017 keine Aufführung.
Karl Heinz Füssl: Dybuk, Oper, 1970, Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Leonard Bernstein: Dybbuk, Ballett, Premiere am New York State Theater 1974.
Literatur
Rachel Elior: The Dybbuk and Jewish Women. Jerusalem / New York 2008, ISBN 978-965-524-007-8.
Matt Goldish (Hrsg.): Spirit possession in Judaism. Cases and contexts from the Middle Ages to the present. Detroit 2003, ISBN 0-8143-3003-7.
Salcia Landmann: Exorzismen in der jüdischen Tradition. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 28, 1976, S. 357–366.
Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. 3. Auflage. München 2003, Seite 45–46.
Gershom Scholem: Dibbuk (Dybbuk). In: Encyclopaedia Judaica. 2. Auflage. Band 5, Detroit/New York u. a. 2007, ISBN 978-0-02-865933-6, S. 643–644 (englisch).
Shelly Zer-Zion: Dibbuk. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 2: Co–Ha. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02502-9, S. 134–138.
↑Vgl. etwa Naomi Seidman: The Ghost of Queer Loves Past. Ansky’s “Dybbuk” and the Sexual Transformation of Ashkeneiaz. In: Daniel Boyarin (Hrsg.): Queer theory and the Jewish question. New York 2003; S. 228–245; Rachel Elior: The Dybbuk and Jewish Women. New York 2008.
↑Deutsche Erstveröffentlichung: Zwischen zwei Welten. Der Dybuk. Berlin/Wien 1922.
↑Verlag Alfred A. Knopf Canada, Toronto ISBN 0-307-39776-9; wieder 2011 als TB
↑Battegay: Judentum und Popkultur. Transcript. Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-2047-4, S. 143.
Der Begriff Dullahan (im Irischen auch Gan Ceann, zu deutsch „kopflos“) stammt aus der irischen Mythologie und bezeichnet eine Art böses Wesen, welches als kopfloser Reiter oder auch kopfloser Ritter in Erscheinung tritt. Es handelt sich meist um gefallene Soldaten und Helden, die als Geistererscheinung in Form eines kopflosen Reiters weiterleben. Ihren Kopf tragen sie hierbei oft unter dem Arm mit sich. Mit Rüstung, Schild und Schwert bewaffnet ist der Dullahan in den meisten mythologischen Sagen als Todesomen zu deuten.
Dullahan werden meist als männliche Wesen dargestellt, können jedoch auch weiblich sein.