Das Bleichermädchen (niederdeutsch Bleikermäten, Blêkermäten) ist eine Figur mecklenburgischer Sagen, die sich in Rostock, Malchin, Bützow und Wismar verorten lassen, vereinzelt auch in anderen Teilen Mecklenburgs sowie in Lübeck.
Inhalt
Der Sage nach war das Dienstmädchen mit einem reichen Kaufmannssohn liiert, der sich schließlich jedoch mit einer für ihn besseren Partie verlobte und das Bleichermädchen in einen Fluss stieß. Dort ertrank es. Da man annahm, die junge Frau habe Selbstmord begangen, wurde sie nachts in aller Heimlichkeit zu Grabe getragen. Wie von selbst sollen dabei die Kirchenglocken angefangen haben zu läuten, als Zeichen dafür, dass sie nicht selbstverschuldet, sondern unschuldig gestorben sei. Der Kaufmannssohn stellte sich daraufhin und wurde verurteilt.[1]
Niederdeutsche Textfassungen
Der mecklenburgische Volkskundler Richard Wossidlo trug Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche regionale Sagen in seinem Zettelkasten-Archiv zusammen, unter anderem solche zum Bleichermädchen. Meist wurden sie auf Plattdeutsch festgehalten, da sich die von ihm befragten Gewährspersonen überwiegend auf Niederdeutsch unterhielten und ihre Erzählungen in der ihnen vertrauten Sprache weitergaben.
Die Kirchenglocke Bleichermädchen
Eine der kleineren Glocken der Marienkirche in Rostock, die 1450 von dem Glockengießer Rickert de Monkehagen gegossen wurde, wird das Bleichermädchen genannt. Die Glocke wurde 2010 restauriert und wird seitdem wieder geläutet.[2]
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
Heinrich Friedrich Wilhelm Raabe (Hrsg.): Allgemeines Plattdeutsches Volksbuch. Sammlung von Dichtungen, Sagen, Märchen, Schwänke, Volks- und Kinderreimen, Sprichwörtern, Räthseln u.s.w. Hinstorff, Wismar 1854, S. 178–179. (digitale-sammlungen.de MDZ München)
Albert Niederhöffer (Hrsg.): Das schöne Bleichermädchen von Rostock. In: Mecklenburg's Volkssagen, Band 1. Adel, Leipzig 1858 (Volltext).
Friedrich Eggers und Karl Eggers: Tremsen. Plattdeutsche Dichtungen in meklenbburger Mundart. Herausgegeben mit sprachlichen Erläuterungen und vollständigem Wörterbuche von Karl Nerger. Hoffmann, Breslau 1875, S. 106 ff. (poetische Bearbeitung).
Karl Bartsch: Das Bleichermädchen von Rostock. In: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg. Wien 1879 (Online bei Zeno.org)
Hermann Teuchert: Art. Bleikermäten. In: Richard Wossidlo (Begründer), Hermann Teuchert (Hrsg.): Mecklenburgisches Wörterbuch, Band 1. Akademie-Verlag, Berlin 1942, Sp. 949.
Bloody Bones ist in Teilen des englischsprachigen Raumes ein von Kindern gefürchtetes Wesen, ein Dämon oder Geist. Nach Scott Andrew Hutchins[1] kommt Bloody Bones aus Irland und wird manchmal auch Rawhead and Bloody Bones, Tommy Rawhead oder einfach nur Rawhead genannt. Obwohl die Geschichten ursprünglich aus Irland stammen, sind sie auch in Großbritannien und Nordamerika weit verbreitet.
Man sagt, er lebe in der Nähe von Wasser (in älteren Erzählungen) und unter Abflussrohren (in jüngeren Geschichten). Rawhead und Bloody Bones belohnen sehr brave Kinder, bestrafen aber unartige Kinder, indem sie sie das Abflussrohr hinunter oder ins Wasser hinein ziehen und sie ertränken. Zusätzlich zum Ertränken ungezogener Kinder sagt man ihm nach, er sei in der Lage, diese auch in Dinge wie Abfall oder Schmutzflecken zu verwandeln, die dann unbeabsichtigt von unwissenden Eltern saubergemacht werden.
Erscheinung
Hutchins zitiert Georges McHargue, als er sagt, dass Bloody Bones „Gerüchteweise eine hockende Gestalt haben soll wie ein Stein. Er ist überall bedeckt mit mattem Haar, hat blasse, fade Augen und lebt in dunklen Schränken“.[2]
Sein Erscheinungsbild variiert stark, abhängig von der jeweiligen Erzählung. Sein Aussehen wird beschrieben als:
ein kriechendes steinähnliches behaartes Wesen
ein Gremlin mit verdrehtem Fleisch
ein Hund oder ein alter Mann bedeckt mit Schorf
ein Brandopfer, allerdings mit scharfen Klauen und Zähnen
ein riesiger Eber mit fehlenden Fleisch(-stücken)
eine haarige Kreatur mit langen Fangzähnen, einem buschigen Schwanz und rasiermesserscharfen Klauen
in einigen Geschichten kann er jede Gestalt annehmen, die er sich auswählt
Die Brown Lady of Raynham Hall ist ein angebliches Gespenst, das in Raynham Hall in Norfolk spuken soll. Sie wurde zu einer der berühmtesten Gespenster-Legenden in Großbritannien durch ein angebliches Bild der „Brown Lady“ im Country Life Magazin, das Fotografen im Jahr 1936 auf der Treppe von Raynham Hall aufnahmen. Die Bezeichnung „Brown Lady“ leitet sich von der Farbe des Brokatkleides, in dem der Geist angeblich zu sehen war, ab.[1] Beweise für die Echtheit des Fotos oder weiterer Sichtungen gibt es nicht. Heutige skeptische Wissenschaftler, darunter Joe Nickell, gehen davon aus, dass das Bild gefälscht ist, möglicherweise durch Mehrfachbelichtung.[2][3]
Die Identität des Geistes
Der Legende nach ist die „Brown Lady“ der Geist von Lady Dorothy Walpole (1686–1726), der Schwester von Robert Walpole, der im Allgemeinen als der erste Premierminister von Großbritannien angesehen wird. Sie war die zweite Frau von Charles Townshend, der berüchtigt für seinen Jähzorn war. Die Legende sagt, dass Townshend, als er entdeckte, dass seine Frau mit Lord Wharton Ehebruch begangen hatte, sie zur Strafe in ihre Zimmer im Familiensitz Raynham Hall sperrte und sie ihre Kinder niemals wieder sehen durfte. Laut Mary Wortley Montagu war Dorothy in Wahrheit von der Countess of Wharton eingeschlossen worden. Sie teilte Dorothy mit, dass ihr Mann niemals erlauben würde sie zu verlassen. Dorothy blieb in Raynham Hall bis zu ihrem Tod durch Pocken im Jahre 1726.
Sichtungen
Raynham Hall
Als König George IV. Anfang des 19. Jahrhunderts in Raynham Hall zu Gast war, habe er die „Brown Lady“ neben seinem Bett stehen sehen. Dieser beschrieb sie als blass und mit wirren Haaren.[3]
Erstmals aufgezeichnet wurde die Sichtung des Geists durch Lucia C. Stone. Stone berichtete, dass Lord Charles Townshend Weihnachten 1835 Gäste nach Raynham Hall eingeladen habe, um dort Weihnachten zu feiern, darunter sei ein Oberst Loftus gewesen. Loftus und ein weiterer Gast namens Hawkins sagten, sie hätten die „Brown Lady“ eines Nachts gesehen, wie sie sich ihren Schlafzimmern näherte, wobei ihnen besonders das braune Kleid auffiel, das sie trug. Am folgenden Abend behauptete Loftus wieder, die „Brown Lady“ gesehen zu haben, später berichtete er, dass er bei dieser Gelegenheit die leeren Augenhöhlen des Geistes dunkel im glühenden Gesicht gesehen habe. Loftus' Sichtungen führte dazu, dass einige Mitarbeiter Raynham Hall für immer verließen.
Die nächste Sichtung der „Brown Lady“ machte 1836 Frederick Marryat, ein Freund des Schriftstellers Charles Dickens und der Autor einer Reihe von populären Romanen. Es wird gesagt, dass Marryat verlangt habe, die Nacht im Geisterzimmer von Raynham Hall zu verbringen, um seine Theorie zu beweisen, dass der Spuk durch lokale Schmuggler in Umlauf gebracht worden sei, um die Menschen fernzuhalten aus diesem Bereich. Florence Marryat berichtete später in einem Schreiben von den Erlebnissen ihres Vaters.[4]
Lady Townshend berichtete, dass die „Brown Lady“ das nächste Mal im Jahre 1926 gesehen wurde: Ihr Sohn und sein Freund behaupteten, den Geist auf der Treppe gesehen zu haben; sie identifizierten die geisterhafte Gestalt als Lady Dorothy Walpole, nach ihrem Porträt, welches in dem Geisterzimmer hängt.
Country Life Magazin
Am 19. September 1936 fotografierten Captain Hubert C. Provand und Indre Shira, in London ansässige Fotografen, die für das Country Life Magazin arbeiteten, Raynham Hall für einen Artikel, welcher zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr erscheinen sollte. Die beiden Männer berichteten, dass sie bereits ein Foto von der Haupttreppe gemacht hatten, und machten nun die Einstellung für ein weiteres Bild, als Shira Schwaden sah, die allmählich die Form und das Aussehen einer Frau annahmen und sich die Treppe zu ihnen hinunter bewegte. Auf Anweisung von Shira nahm Provand schnell den Deckel von der Linse, während Shira die Kamera drückte, um das Blitzlicht zu aktivieren. Später, als die Negative entwickelt waren, wurde das berühmte Bild der „Brown Lady“ enthüllt. Der Bericht von dem geisterhaften Erlebnis von Provand und Shira in Raynham Hall wurde zusammen mit dem Foto der „Brown Lady“ im Country Life Magazin vom 26. Dezember 1936 veröffentlicht. Das Foto und seine Entstehungsgeschichte erschienen am 4. Januar 1937 auch in der Ausgabe des Life-Magazins.
Bald nach dem Erscheinen interviewte der bekannten Parapsychologe Harry Price Provand und Shira und berichtete: 'Ich möchte gleich vorweg sagen, dass ich beeindruckt war. Mir wurde eine sehr einfache Geschichte erzählt: Herr Indre Shira sah die Erscheinung genau in dem Moment die Treppe hinabsteigen, als der Kopf von Kapitän Provand unter dem schwarzen Tuch lag. Ein Schrei – und die Mütze war weg und die Blitzlampe entzündet, mit dem Ergebnis, das wir jetzt sehen. Ich konnte ihre Geschichte nicht erschüttern, und ich hatte kein Recht, sie anzuzweifeln. Nur eine geheime Absprache zwischen den beiden Männern würde das Gespenst erklären, wenn es eine Fälschung ist. Das Negativ ist völlig frei von jeglicher Fälschung'.[5]
Sachverständige von Country Life erklärten, dass Foto und Negative anscheinend nicht verändert worden seien.
Nachdem dieses Bild in den Zeitschriften abgedruckt worden war, ließ sich die „Brown Lady“ nicht mehr regelmäßig bzw. fast gar nicht mehr sehen.
Heutige Erklärungsansätze
Die Echtheit des Fotos war von Anfang an umstritten. Kritiker behaupten, dass Shira das Bild durch Malerei, Fett oder eine ähnliche Substanz in Form einer Figur auf der Linse, oder durch eine vorsätzliche Bewegung von ihm während der Aufnahme gefälscht haben könnte. Andere behaupten, dass das Bild durch eine versehentliche Doppelbelichtung entstanden sei oder irgendwie Licht in die Kamera gekommen sei.[6][7] Bereits kurz nach Entstehung des Bildes startete die Society for Psychical Research eine umfassende Untersuchung und schlussfolgerte, dass es sich um einen Lichteinfall handelt.[8] Joe Nickell geht von einer Doppelbelichtung aus und schlussfolgert: „Wahrscheinlich wurde die Kamera während einer langen, zweistufigen Belichtung, bei der eine reale Figur kurz auf der Treppe steht, leicht verschoben. Das Negativ wäre demnach unverändert geblieben.“ Zudem sei das Foto nicht mit Blitz aufgenommen, sondern mit dem zur Verfügung stehenden Licht und benötigte eine entsprechend lange Belichtungszeit, was die Behauptung der Fotografen, sie hätten spontan schnell einen Schnappschuss gemacht, infrage stellt.[2]
Ein weiterer Erklärungsansatz ist, dass der angebliche Geist von Form und Körperhaltung her auffällige Ähnlichkeit mit der Statue einer betenden Maria hat, wie sie in katholischen Kirchen verbreitet sind, weshalb vermutet wird, dass das Bild einer Marienstatue in das Bild der Treppe eingefügt wurde.[9]
Alan Murdie: The Brown Lady of Raynham Hall. In: forteantimes.com. September 2006, archiviert vom Original am 2. Februar 2013; abgerufen am 20. Januar 2023.
↑'…he took possession of the room in which the portrait of the apparition hung, and in which she had been often seen, and slept each night with a loaded revolver under his pillow. For two days, however, he saw nothing, and the third was to be the limit of his stay. On the third night, however, two young men (nephews of the baronet), knocked at his door as he was undressing to go to bed, and asked him to step over to their room (which was at the other end of the corridor), and give them his opinion on a new gun just arrived from London. My father was in his shirt and trousers, but as the hour was late, and everybody had retired to rest except themselves, he prepared to accompany them as he was. As they were leaving the room, he caught up his revolver, “in case you meet the Brown Lady,” he said, laughing. When the inspection of the gun was over, the young men in the same spirit declared they would accompany my father back again, “in case you meet the Brown Lady,” they repeated, laughing also. The three gentlemen therefore returned in company.
The corridor was long and dark, for the lights had been extinguished, but as they reached the middle of it, they saw the glimmer of a lamp coming towards them from the other end. “One of the ladies going to visit the nurseries,” whispered the young Townshends to my father. Now the bedroom doors in that corridor faced each other, and each room had a double door with a space between, as is the case in many old-fashioned houses. My father, as I have said, was in shirt and trousers only, and his native modesty made him feel uncomfortable, so he slipped within one of the outer doors (his friends following his example), in order to conceal himself until the lady should have passed by.
I have heard him describe how he watched her approaching nearer and nearer, through the chink of the door, until, as she was close enough for him to distinguish the colors and style of her costume, he recognised the figure as the facsimile of the portrait of “The Brown Lady”. He had his finger on the trigger of his revolver, and was about to demand it to stop and give the reason for its presence there, when the figure halted of its own accord before the door behind which he stood, and holding the lighted lamp she carried to her features, grinned in a malicious and diabolical manner at him. This act so infuriated my father, who was anything but lamb-like in disposition, that he sprang into the corridor with a bound, and discharged the revolver right in her face. The figure instantly disappeared - the figure at which for several minutes three men had been looking together – and the bullet passed through the outer door of the room on the opposite side of the corridor, and lodged in the panel of the inner one. My father never attempted again to interfere with “The Brown Lady of Raynham”.'
Als Gespenst bezeichnet der Volksglaube meist ein Geistwesen mit übernatürlichen Fähigkeiten und zugleich mit menschlichen Eigenschaften, das „spukt“ – also den Menschen in irgendeiner Weise „erscheint“. Sein zeitweiliges Erscheinen vollzieht sich häufig in nebelhaft durchsichtiger, angedeutet menschlicher oder nicht menschlicher Gestalt. Gespenster gibt es in der Vorstellungswelt verschiedener Kulturen. Im engeren Sinne des Wortes sind Gespenster nur die Totengeister.
Die Existenz von Gespenstern ist nicht empirisch nachgewiesen.
Etymologie
Der Begriff Gespenst kommt von ahd. kispanst, Eingebung. Beichtformeln, die von teuflischer Eingebung und Verlockung reden, bereiteten den Bedeutungswandel zu „geisterhaftem, täuschendem Trug“ vor. Erst in den letzten Jahrhunderten wurde der Ausdruck populär. Früher gelegentlich auch als Gespengst geschrieben.[1]
Einführung
Die Vorstellung der Existenz einer Geisterwelt darf als prähistorisch angesehen werden. Frühe naturreligiöse Deutungsmuster und Mythologien setzen sie voraus. Zu dieser Welt der Naturgeister treten im weiteren Sinn dann auch Vorstellungen von Totengeistern oder anderen Gespenstern hinzu.
Der Gespensterglaube im engeren Sinne ist als Folge einer Unterscheidung der Götter von den Geistern häufig nicht mehr dem Bereich der Religion zuzuordnen. Aus aufklärerischer Sicht handelt es sich, in negativer Wertung, schlicht um Aberglauben.
Die Psychologie erklärt den Glauben an Geister als eine Personifizierung des Todes bzw. der Seele.[2]
Gespenster im Volksglauben
Der Glaube an Gespenster ist in vielen Kulturen anzutreffen. Bereits die Griechen und Römer kannten die Vorstellung, dass bestimmte Seelen im Hades keine Ruhe finden, sondern um das Grab herum wandern und die Menschen erschrecken (siehe auch Wiedergänger).
Gespenst eines Ermordeten von Katsushika Hokusai (um 1830)
Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein war der Gespensterglaube in Europa außerordentlich lebhaft. Sogar staatliche Behörden haben sich gelegentlich mit dem Thema beschäftigt.
Dabei waren folgende Vorstellungen geläufig:
Besonders Bösewichte und Selbstmörder sollen nach ihrem Tod als Gespenster umhergehen. Häufig erscheinen die Gespenster in weiße Tücher – in Leichentücher – eingehüllt.
In einigen Kulturen gab es die Vorstellung, Europäer seien die Geister Verstorbener (siehe dazu auch Gweilo).
Lokale Gespenstererscheinungen werden häufig durch die Bindung einer „unerlösten“ Seele an einen bestimmten Ort gedeutet, etwa den Schauplatz eines verübten oder erlittenen Verbrechens. Die Aufklärung der Tat kann zur Erlösung des Gespenstes führen.
Auch eine rituell nicht korrekt vollzogene Bestattung kann zu Erscheinungen eines Totengeistes führen.
Die Gespenster erscheinen fast stets bei Nacht, vor allem im Winter in der Geisterstunde zwischen Mitternacht und 1:00 Uhr. Häufig kommt es zu Pausen von mehreren Jahren oder Jahrzehnten, wo sie nicht zu sehen sind. Sie können sich an jedem Ort zeigen, in Einöden, menschlichen Behausungen, besonders aber an Kreuzwegen. Ihr Aussehen ist in jedem Fall grauenerregend.
Zu den angenommenen Fähigkeiten von Gespenstern gehören das schwerelose Schweben und das Durchdringen von Wänden oder Personen. Manche Gespenster können Geräusche erzeugen, sich sprachlich verständigen, sichtbar oder unsichtbar machen oder verschiedene äußere Gestalten annehmen. Ihre Erscheinung löst häufig starke Kälteempfindung (Grabeskälte) aus. Im Ganzen ist die Begegnung mit Gespenstern unheimlich und Angst einflößend.
Es gibt auch gespensterhafte Tiere, die oft ohne Kopf oder dreibeinig erscheinen.
Eine Begegnung mit einem Gespenst bringe Krankheit, zumindest aber einen geschwollenen Kopf. Über sie solle man erst nach drei oder neun Tagen sprechen, sonst erleide man Gesundheitsschäden oder sogar den Tod (Volksglauben in Böhmen).
Gespenster rächen sich an Vorwitzigen. Deshalb soll man sich nicht umschauen, wenn man Gespenster hört. Sie können jedoch durch Lärmen vertrieben werden.[3]
Moderner Gespensterglaube
Im Zusammenhang mit der Aufklärung verlor der Gespensterglaube im Europa des 18. Jahrhunderts für die Gebildeten langsam an Plausibilität. In der Gegenwart wird er vor allem noch im Spiritismus vertreten. Er geht davon aus, dass die Seelen der Verstorbenen zu Geistern werden, im Jenseits existieren und in der diesseitigen Welt in Erscheinung treten können. Solche Totengeister treten nicht nur zufällig und unvorhersehbar auf, etwa um Menschen zu erschrecken oder ihnen Botschaften zu übermitteln, sie können angeblich auch von so genannten Medien durch Materialisation heraufbeschworen werden und verfügen dann in der Erwartung ihrer Zuhörer über überlegenes Wissen zu vergangenen oder zukünftigen Ereignissen.
Einteilung
Einteilungen der Gespensterwelt sind fragwürdig, soweit sie sich auf angenommene tatsächliche Phänomene beziehen wollen. So unterscheiden manche zwischen sog. Dämonen, Elementaren, Engeln und Familiaren. Nach George Tyrrell (siehe Abschnitt „Literatur“) und anderen gibt es vier oder fünf Hauptkategorien von Geistern oder Gespenstern:
Experimentiergeister, bei denen die Geister lebender Menschen durch geheimnisvolle Kräfte dazu veranlasst werden, anderen an unterschiedlichen Orten zu erscheinen.
Krisengeister, die Verwandten erscheinen, wenn deren Angehörigen ein furchtbares Schicksal mit Todesfolge zu ereilen droht.
„Post-mortem“-Geister, die erst nach dem Tod eines Menschen in Erscheinung treten, aber dem Verstorbenen so sehr ähneln, dass sie bei der Person, der sie erscheinen, meist einen tiefen Schock auslösen.
„Echte“ Geister, die am häufigsten auftauchen und von Menschen gesehen werden, die überhaupt keine Verbindung zu ihnen haben. Sie können Jahrhunderte nach dem Todesfall erscheinen, sind aber im Allgemeinen an eine bestimmte Umgebung, etwa ein altes Spukschloss, gebunden.
„Astralgeister“ (Stern- oder Luftgeister), in den altorientalischen Religionen waren sie die Geister der als beseelt gedachten Gestirne. In der Dämonologie des Mittelalters sind Astralgeister sowohl gefallene Engel und auch Seelen von Verstorbenen als auch aus Feuer entstandene Geister, die, zwischen Erde, Himmel und Hölle schwebend, keinem dieser drei Reiche angehören.
Beispiele für angebliche Spukerscheinungen
Auch in der Moderne wird immer wieder von Spukerscheinungen berichtet. Die folgenden Beispiele aus jüngerer Zeit verdeutlichen jedoch, dass solchen Phänomenen in aller Regel rationale Ursachen zugrunde liegen.
Im englischen Hampton Court Palace suchte die unglücklich verheiratete Königsgemahlin Catherine Howard Zuflucht bei einem Höfling. König Heinrich VIII. bemerkte den Seitensprung seiner Gattin, ließ sie in den Verliesen des Schlosses einkerkern und 1542 schließlich wegen Ehebruchs hinrichten. Zahlreiche Besucher und das Personal des Schlosses berichteten auch in jüngerer Zeit immer wieder von merkwürdigen Erscheinungen. Diese traten angeblich verstärkt am Eingang zum Gemach des Königs auf, zu dem Catherine Howard kurz vor der Hinrichtung auf der Flucht vor den Palastwachen noch gerannt sein soll, um ihren Gatten um Gnade anzuflehen. Der in Großbritannien als „Geisterskeptiker“ bekannte Psychologe Richard Wiseman startete im Jahr 2000 im Auftrag der Palastverwaltung ein groß angelegtes Experiment, das den Spuk in Hampton Court Palace erklären sollte. Rund 500 Freiwillige zwischen 7 und 82 Jahren wurden einzeln durch die Gänge des Schlosses geschickt, um etwa zehn Minuten lang Eindrücke zu sammeln und eventuell auftretende Phänomene in einem Fragebogen zu beschreiben. Über die Hälfte der Testpersonen machte während des Rundgangs tatsächlich seltsame Erfahrungen. Die Spannweite reichte vom plötzlichen Gefühl einer Präsenz, Beklemmung, Panikattacken und Schüttelfrost bis hin zu der festen Überzeugung, an der Kleidung berührt worden zu sein. Die Wissenschaftler stellten bei ihren Untersuchungen als einen Auslöser starke Temperaturschwankungen fest, die sich aus der Architektur des Gebäudes ergaben: An porösen Stellen im Mauerwerk strömte der Wind von außen hinein, und es kam zur Bildung zahlreicher kleiner Zirkulationen. In anderen Bereichen hingegen stand die Luft scheinbar still, konnte sich damit nicht erwärmen, und schlagartig wurde es kalt. Messungen wiesen außerdem gerade an den besonders „heimgesuchten“ Orten ein geringfügig stärkeres Magnetfeld als im übrigen Schloss nach. Richard Wiseman sah in der Wirkung dieser Effekte auf die Psyche den Schlüssel zu den angeblichen Geistererscheinungen.[4][5]
In den sagenumwobenen und für ihre Spukphänomene berüchtigten Gewölben von Edinburgh fand im April 2001 eine weitere „Geisterjagd“ unter der Leitung Wisemans statt. Im Rahmen dieses Experiments wurde eine junge Freiwillige für 20 Minuten allein und in absoluter Dunkelheit in eines der Verliese gesperrt. Eine installierte Infrarotkamera zeichnete das Geschehen auf. Nach fünf Minuten glaubte die Testperson Atemgeräusche im Gewölbekeller zu vernehmen, die immer bedrohlicher zu werden schienen. Als die Probandin in eine Ecke des Raumes starrte, sah sie ein rotes Glimmen und ergriff in Panik die Flucht. Der Versuch musste abgebrochen werden. Die Bilder der Kamera zeigten jedoch keinerlei Auffälligkeiten. Nach Meinung der Wissenschaft spielen Magnetismus und Luftbewegungen in solchen Örtlichkeiten nur eine untergeordnete Rolle. Als entscheidende Angstfaktoren werden hier vielmehr die Feuchtigkeit, Kälte und Dunkelheit gesehen, die eine extrem unheimliche Ausstrahlung entstehen lassen. Solch ein beklemmender Eindruck versetzt die Psyche des Menschen in Alarmbereitschaft und ruft leicht Sinnestäuschungen hervor. „Unter bestimmten Umständen können diese Vorstellungen extrem real sein,“ so Richard Wiseman.[6]
In einem Universitätsgebäude in Coventry glaubte der Ingenieur Vic Tandy, der während der Nacht allein im Labor arbeitete, plötzlich eine Gestalt vorbeihuschen zu sehen. Nachdem das gleiche Phänomen in der folgenden Nacht wieder auftrat, versuchte er den Grund herauszufinden. Schließlich kam der Wissenschaftler der Ursache auf die Spur: ein Ventilator in der Wand sendete unhörbaren Infraschall mit einer Frequenz von 18 Hz aus, der den Augapfel in Schwingungen versetzte und dem Gehirn dadurch falsche Informationen zukommen ließ. Da auch in der Natur Infraschall entsteht, wurde auf diese Weise ein weiterer wissenschaftlicher Erklärungsansatz geliefert, der auch bei vielen anderen Spukfällen greifen könnte.[7][8]
In der Münchner Residenz gibt es ein jahrhundertealtes paranormales Phänomen. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts und letztmals im Jahr 2014 erscheint in unregelmäßigen Abständen die „Schwarze Frau“, die angeblich Todesfälle im Hause der Wittelsbacher angekündigt hatte.[9][10]
Naturwissenschaftliche Erklärung von Gespenstererscheinungen
Aus medizinisch-neurologischer Sicht werden Gespenster als Halluzinationen oder die Folge falscher Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn erklärt. So gelang es Schweizer Neurowissenschaftlern der Technischen Hochschule Lausanne im Rahmen eines Dissonanz-Experiments (Olaf Blanke, 2014) eine Gespenst-Erscheinung unter Laborbedingungen gezielt hervorzurufen. Ausgeführte Handbewegungen der Versuchsteilnehmer wurden durch eine Roboterhand zeitlich asynchron auf ihrem Rücken wiederholt. Die resultierende Diskrepanz bei den sensormotorischen Hirnsignalen führte zu einer beeinträchtigten Propriozeption und in der Folge berichteten die Teilnehmer von der Illusion, eine weitere Person im Versuchslabor wahrgenommen zu haben.[11]
Zahlreiche angebliche Gespenstererscheinungen beruhen auf einer Sinnestäuschung. Kaum wahrnehmbare physikalische Effekte haben auf viele Menschen reproduzierbare Wirkungen: Ein plötzlicher Temperaturabfall innerhalb von Gebäuden wird von vielen Menschen wie ein Berührungsreiz wahrgenommen. Ein Beispiel für physikalische Ursachen von Gespenstersichtungen ist das Brockengespenst. Durch geschickte Anordnung eines Magnetfeldes kann man das Gehirn eines Menschen derart täuschen, dass sich Schimären bilden. So bildet sich die Person dann ein, sie sehe einen Geist oder höre ein Atmen. Neuere Forschungen ergaben auch ein Zusammenspiel verschiedener physikalischer Phänomene, etwa der Luftschwingungen tiefer Frequenzen (Wind gegen stärkere Burgmauern) und den Eigenresonanzen des Augapfels (Sehen von weißen Flecken).
Bei vielen angeblichen Geistererscheinungen handelt es sich um absichtliche Betrügereien und Täuschungen. Ein solcher Betrug war der 1982 in einer Neutraublinger Zahnarztpraxis aufgetretene „Chopper“.
Literarische und filmische Verarbeitung
„Der Schein trügt“: Fotomontage einer Gespensterscheinung
Schilderungen von Geistern finden sich zahlreich in Volkssagen, mythologischen Texten oder Märchen, etwa auch den Dschinn aus 1001 Nacht. Ebenso erscheinen sie in der klassischen und romantischen Literatur (Shakespeares Hamlet; Goethes Braut von Korinth) oder in Gespenstergeschichten, Spukromanen und Gespensterkrimis (z. B. Geisterjäger John Sinclair sowie in der Fernsehserie Supernatural, wo die Brüder Sam und Dean Geister und andere Phänomene jagen; teils auch in Christoph Schwarz – Detektiv des Übersinnlichen). Friedrich Schillers Romanfragment Der Geisterseher thematisiert den Betrug durch ein angebliches spiritistisches Medium. Ausgesprochen „geistreich“ greift Heinrich Heine eine „Gespenstererscheinung“ in seiner Erzählung Die Harzreise auf: Der Ich-Erzähler übernachtet bei Vollmond in einem fremden Gasthofzimmer. Er liest eine Gespenstergeschichte. Um Punkt Mitternacht erscheint ihm der Geist des jüngst verstorbenen Saul Ascher und beweist, Immanuel Kant zitierend, dass es keine Gespenster geben könne. Trotzdem verschwindet die Erscheinung erst um Punkt ein Uhr. Die Lehre der Geschichte besteht darin, dass das Wissen um die Nicht-Existenz von Gespenstern deren Wahrnehmung nicht zum Verschwinden bringe, wenn die Furcht größer sei als der Wille zur Vernunft. Satirisch greift Oscar Wildes Das Gespenst von Canterville das Thema auf. Für Kinder erzählt Otfried Preußler vom Kleinen Gespenst. Und auch die Hörspielreihe und der Film Hui Buh das Schlossgespenst von Eberhard Alexander-Burgh handelt von einem Gespenst, das auf einer Burg sein Unwesen treibt. Mit seinem Stück Das ängstliche Gespenst schuf Friedrich Arndt einen Meilenstein des modernen Puppenspiels für Kinder und einen Bestseller als Hörspiel.
Die Filmindustrie findet im Gespensterglauben einen reichen Vorrat an Stoffen, bereichert aber ihrerseits auch die Vorstellungswelt ihrer Konsumenten. Eine humoristische Darstellung des Themas boten die Ghostbusters-Kinofilme, in denen Parawissenschaftler in New York verschiedene Geister mit Protonenstrahlern und Geisterfallen einfingen. Das Gespenst ist der Titel eines 1982 gedrehten, tragikomischen Films von Herbert Achternbusch, bei dem es eine lebensgroße Christusfigur nicht mehr am Kreuz aushält, sondern als lebendig gewordener „Ober“ ins Bett einer Oberin oder als Kellner in eine Klosterschenke zieht, wobei sein Treiben allerhand Ärger mit der Polizei, mit dem Bischof und Münchner Passantinnen hervorruft. Der Film wirft die Frage auf, wie Jesus behandelt würde, wenn er heute in Bayern auftauchte, und rief wegen des Vorwurfs zahlreicher Geschmacklosigkeiten heftige Proteste seitens der deutschen Bischöfe hervor, so dass sich die Staatsanwaltschaft mit ihm beschäftigen musste. Mit Totengeistern bekommt es Bruce Willis’ Schützling in The Sixth Sense zu tun. Einen ebenfalls etwas anderen Ansatz verfolgt der Film The Others, der den klassischen Spuk am Ende auf den Kopf stellt. Nicole Kidman spielt in diesem Film von 2001 die Hauptrolle. Ghost Hunters ist eine Doku-Soap, bei der ein Team von selbsternannten Geisterjägern Orte besuchen, an denen es angeblich spukt. Dort stellen sie Ermittlungen an, um den Spuk zu beweisen (manchmal um zu widerlegen). In der 2008 veröffentlichten Filmkomödie Wen die Geister lieben muss ein von Ricky Gervais gespielter Zahnarzt Geistern bei ihren unerledigten Dingen helfen, damit sie endgültig sterben können.
Siehe auch: Liste von Geisterfilmen
Im übertragenen Sinn
Volksglaube, Volksmund und Künste haben sich des „Gespenstes“ immer wieder angenommen. Das vermutlich berühmteste einschlägige Zitat eröffnet das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels:
„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“
Ausschnitt einer Parkettierung mit der sogenannten Spectre-Kachel, welche im Mai 2023 erstmals vorgestellt wurde. Spectre bedeutet im Englischen Gespenst.
In der Geometrie ist das „Gespenst“ eine im Mai 2023 von David Smith und anderen entdeckte Form, die sogenannte „Spectre-Kachel“ (Gespensterkachel), mit deren Kopien man die euklidische Ebene ausschließlich nichtperiodisch parkettieren kann. Es ist eine Lösung für das „Einstein-Problem“ (Wortspiel von „ein Stein“ und „Einstein“).[13]
Siehe auch
Weiße Frau
Liste der Fabelwesen
Yūrei
Mordfall Hammersmith-Geist
Literatur
Eberhard Bauer, Michael Schetsche (Hrsg.): Alltägliche Wunder. Erfahrungen mit dem Übersinnlichen – wissenschaftliche Befunde. Ergon, Würzburg 2003, ISBN 3-89913-311-0.
Michael Schneider: Rätselhafte Welt – Mysterien und Rätsel unserer Zeit. Books on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-2058-8.
George Tyrrell: Erscheinungen und Visionen im PSI-Feld. Walter, Olten 1979.
↑David Smith, Joseph Samuel Myers, Craig S. Kaplan, Chaim Goodman-Strauss: A chiral aperiodic monotile, 2023, Preprint: https://arxiv.org/abs/2305.17743
Die Aku Aku (polynesisch: Geist, Seele, Schatten, Gespenst) sind spirituelle Wesen aus der Mythologie der Osterinsel. Die Rapanui glaubten, dass ein immaterieller Teil eines Verstorbenen, der nach dem Tod die Insel nicht verlassen hatte, sich in Form eines Schattens oder Gespenstes materialisierte.
Erscheinungsbild
Nach der Vorstellung der alten Polynesier besteht der Mensch aus drei Komponenten: Körper, Lebenskraft und Schattenbildwesen. Im materiellen Körper wohnt die Lebenskraft, vorwiegend in der Leber und den Eingeweiden, und manifestiert sich in allen Lebensäußerungen, vor allem im Atem. Beim Tod erlischt die Lebenskraft und der Körper vergeht. Das Schattenbildwesen aber bleibt – zumindest eine Zeit lang – außerhalb des Körpers bestehen.[1] Nach der Überlieferung der Rapanui kann daraus ein Aku Aku entstehen, ein Wesen, das weder ganz der diesseitigen, noch ganz der jenseitigen Welt angehört.
Es gibt sowohl männliche als auch weibliche Aku Aku. Sie sind beständige Begleiter der Menschen und können gutartig, aber auch böse sein. Ihre Stimmen sind hoch und schrill und flößen Schrecken ein. Manchmal finden die Geister keine Ruhe, weil sie Versprechen einlösen müssen, die sie als Lebende gegeben hatten.[2.1]
Die Geister waren individualisiert, jeder trug einen eigenen Namen. Alfred Métraux sammelte während seiner Forschungstätigkeit über 100 Namen von Aku Aku und gibt an, die Liste sei bei weitem nicht vollständig.[3.1]
Jede Familie hatte einen oder mehrere Aku Aku. Besonders sensitive Familienmitglieder waren in der Lage, sich mit ihnen zu unterhalten und sie offenbarten dann die Zukunft oder gaben nützliche Ratschläge. So wird das Herstellungsverfahren eines Farbstoffes aus der Curcuma-Wurzel der Legende nach einem Aku Aku zugeschrieben. Bei den Mahlzeiten wurden die Geister (symbolisch) beteiligt, sie erhielten ihren Anteil stets bevor die Familie zugriff.
Wortherkunft
Das Wort ist semantisch verwandt mit gleichlautenden Begriffen aus Mangareva und den Marquesas. In Mangareva hat es die Bedeutung von dünn, mager[4] und auf den Marquesas zerhacken, zerkleinern, im weitesten Sinne reduzieren.[5] Auf Tonga gibt es das Wort a’ua’u, das dünn, alt und gebrechlich bedeutet. Die Wortbedeutungen implizieren eine physische Schwäche, eine Reduktion, und folgerichtig wird das äußere Erscheinungsbild eines Aku Aku auch als skelettartiger Schatten oder halbverwester Leichnam beschrieben.[6]
Aku Aku in der Kunst
Der Moai Kavakava ist eine hölzerne, durchschnittlich 40 cm hohe Statue, die einen skelettartigen Mann mit deutlich vorstehenden Rippen, einem überdimensionierten, schädelartigen Kopf, langen Ohrläppchen, einer ausgeprägten Nase und einem Spitzbart zeigt. Es ist möglich, dass die Figur einen Aku Aku darstellt.[7] Dem widerspricht allerdings, dass die wenigen in den Völkerkundemuseen erhalten gebliebenen Moai Kavakava ausschließlich männlichen Geschlechts sind. Bekannt ist, dass Würdenträger die Figuren bei religiösen Anlässen an einer Schnur um den Nacken trugen.[8]
Mythologie
Auf der Osterinsel wird die Legende von Rano erzählt, der versprach, seine drei Söhne gleich zu behandeln und ihnen seine Felder nach dem Tod zu gleichen Teilen zu vererben. Die beiden Ältesten hielten sich allerdings nicht an den Willen des Vaters, sondern teilten das Erbe unter sich auf, der jüngste Sohn von Rano ging leer aus. Da erschien ihm der Vater als Aku Aku in einer Höhle und versprach ihm, einen großen Baum zu schicken (auf der nahezu entwaldeten Osterinsel war Holz besonders kostbar). Einige Tage danach trieb ein großer Baum an das Ufer und der jüngste Sohn begann damit, ihn zu zerhacken. Als die beiden älteren Brüder das sahen, wollten sie den Baum für sich behalten. Der jüngste rief jedoch den Aku Aku zu Hilfe und der Baum erhob sich und trieb davon. Da sahen die beiden Ältesten ein, dass sie Unrecht getan hatten, und teilten das Erbe gerecht auf. Aus dem Baum fertigten sie gemeinsam Statuen, Ruder und Kriegskeulen.[2.2]
Nach einer weiteren Legende tyrannisierten zu Anbeginn der Zeiten 30 Aku Aku die Menschen der Osterinsel. Der Held Taraku vernichtete die Geister und befreite die Insel.[3.2]
Parallelen
Vergleichbare Schattenwesen gibt es in der Mythologie zahlreicher anderer polynesischer Inseln, zum Beispiel die vaerua auf Mangaia bzw. die vaelua auf Samoa, die varua und oromatua auf Tahiti oder die lapu und wailua auf Hawaii.[9]
Literatur
Horst Cain: Religious Terminology of Easter Island and Polynesia. In: Courier Forschungsinstitut Senckenberg, Band 125, S. 11–22, Frankfurt 1990, ISBN 3-924500-64-9
Einzelnachweise
↑Hans Nevermann: Götter der Südsee – Die Religion der Polynesier, Speemann-Verlag Stuttgart, 1947, S. 39–40
↑Fritz Felbermayer: Sagen und Überlieferungen der Osterinsel. Verlag Hans Carl Nürnberg, 1970.
↑Horst Cain: Religious Terminology of Easter Island and Polynesia. In: Courier Forschungsinstitut Senckenberg, Band 125, Frankfurt a. M. 1990, S. 14
↑René Ildefonse Dordillon: Grammaire et Dictionnaire de la Langue des Illes Marquises. Paris 1904
↑Alfred Métraux: Ethnology of Easter Island. (Bernice P. Bishop Museum Bulletin 160). Honolulu 1940
↑Thomas Barthel: Die Hauptgottheit der Osterinsel. In: Jahrbuch des Museums für Völkerkunde Leipzig, Band 15, Leipzig 1956, S. 80 (Fußnote 119)
↑Kapitänleutnant Geiseler: Die Osterinsel – Eine Stätte prähistorischer Kultur in der Südsee. Berlin, 1883, S. 32
↑Annette Bierbach, Horst Cain: Religion and Language of Easter Island. In: Baessler-Archiv, Beiträge zur Völkerkunde Heft 9, Dietrich Reimer Berlin, 1996, S. 7–15